Lenin -Institut in Moskau 1947 herausgegebenen zweiten verbesserten und erg?nzten russischen Auflage.">

II

FAST zwei Jahre verbrachte Stalin im Gefängnis und in der Verbannung. Das waren Jahre des weiter ansteigenden revolutionären Aufschwungs im Lande. Während dieser Zeit hatte der II. Parteitag der SDAPR stattgefunden, der den Sieg des Marxismus über den „Ökonomismus „ verankerte. Aber an die Stelle der alten, von der Partei zerschlagenen Opportunisten, der „ Ökonomisten „, traten neue Opportunisten, die Menschewiki. Nach dem Parteitag entbrennt der heftige Kampf Lenin s und der Bolschewiki gegen die Menschewiki, gegen ihre opportunistischen Ideen, ihre spalterische und desorganisierende Tätigkeit. Der Ausbruch des Russisch-Japanischen Krieges und das Heranreifen der Revolution verschärfen diesen Kampf noch mehr. Den Ausweg aus der entstandenen Parteikrise sieht Lenin in der Einberufung des III. Parteitags. Der Kampf für den Parteitag wurde zur zentralen Aufgabe aller Bolschewiki.

Im Kaukasus war Stalin, der an der Spitze der transkaukasischen Bolschewiki stand, die zuverlässige Stütze Lenin s in diesem Kampf. Stalins Arbeit in dieser Periode steht im Zeichen des erbitterten Kampfes gegen den Menschewismus. Er ist Mitglied des Kaukasischen Bundeskomitees der SDAPR und leitet dessen Arbeit gemeinsam mit dem Genossen Zchakaja. Stalin ist unermüdlich: er bereist systematisch die Bezirke Transkaukasiens (Batum, Tschiatury, Kutais, Tiflis, Baku, die bäuerlichen Bezirke West-Georgiens), festigt die alten und schafft neue Parteiorganisationen. Er nimmt in zahlreichen Diskussionen an den erbitterten Kämpfen mit den Menschewiki und anderen Feinden des Marxismus teil, verteidigt energisch den bolschewistischen Standpunkt, entlarvt das Politikantentum und den Opportunismus der Menschewiki und der Versöhnler ihnen gegenüber.

Unter der Leitung Stalins und Dshaparidses wurde „im Dezember 1904 der grandiose Streik der Arbeiter von Baku durchgeführt, der vom 13. bis zum 31. Dezember dauerte und mit dem Abschluss eines Kollektivvertrags zwischen Arbeitern und Erdölindustriellen endete, des ersten Kollektivvertrags in der Geschichte der Arbeiterbewegung Rußlands.

Der Bakuer Streik war der Beginn des revolutionären Aufschwungs in Transkaukasien.

Der Bakuer Streik diente als Signal für die ruhmvollen Januar-Februar-Aktionen in ganz Rußlands (Stalin).“ (L. Beria, „Zur Geschichte der bolschewistischen Organisationen in Transkaukasiens, S.48 russ.)

Dieser Streik - heißt es im „Kurzen Lehrgang der Geschichte der KPdSU(B)“-war gleichsam ein gewitterkündender Blitz am Vorabend des großen revolutionären Sturms in Rußland.

Stalin führt beharrlich die Direktiven Lenin s durch, entwickelt und verteidigt die bolschewistischen Ideen in den Massen und organisiert den Kampf für den III. Parteitag. Zwischen Lenin und dem Kaukasischen Bundeskomitee wurde ständig eine enge Verbindung aufrechterhalten. In den Jahren der ersten russischen Revolution stand Stalin an der Spitze des gesamten ideologischen und politischen Kampfes der kaukasischen Bolschewiki gegen die Menschewiki, Sozialrevolutionäre, Nationalisten und Anarchisten. Die wirksamste Waffe der Bolschewiki in diesem Kampfe war die Parteiliteratur. Stalin war der Organisator und Initiator fast aller bolschewistischen Publikationen im Kaukasus. Er entfaltete die Herausgabe von illegalen Büchern, Zeitungen, Broschüren und Aufrufen in einem unter den Verhältnissen des zaristischen Rußlands beispiellosen Umfang.

Ein ungemein kühnes Unternehmen des Kaukasischen Bundes der SDAPR und ein hervorragendes Beispiel der bolschewistischen konspirativen Technik war die Awlabarer Geheimdruckerei, die in Tiflis vom November 1903 bis April 1906 in Betrieb war. In ihr wurden gedruckt: Lenin s Schriften „Die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft“ und „An die Dorfarmut“, Stalins Broschüren „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“, „Zwei Schlachten“ und andere, das Programm und Statut der Partei sowie Dutzende von Flugblättern, von denen ein bedeutender Teil von Stalin verfasst war. In ihr wurden ferner die Zeitungen „Proletariatis Brdsola“ (Der Kampf des Proletariats) und „Proletariatis Brdsolis Purzeli“ (Kampfblatt des Proletariats) herausgegeben. Die Bücher, Broschüren, Zeitungen und Flugblätter wurden in drei Sprachen gedruckt und hatten Auflagen von je einigen tausend Exemplaren.

Entscheidende Bedeutung für die Verfechtung der Positionen des Bolschewismus im Kaukasus, für die Propaganda und Entwicklung der Ideen Lenin s hatte das Presseorgan des Kaukasischen Bundes der SDAPR, „Proletariatis Brdsola“, das unter der Redaktion Stalins erschien und würdig die Traditionen der „Brdsola“ fortsetzte. Nach dem „Proletari“, dem Lenin schen Zentralorgan der Partei, war „Proletariatis Brdsola“ die beste und größte bolschewistische Zeitung. Fast in jeder Nummer der Zeitung wurden Lenin s Artikel aus dem „Proletari“ veröffentlicht. Viele der wichtigsten Artikel wurden von Stalin geschrieben. In diesen Artikeln tritt Stalin als talentvoller Polemiker hervor, als außerordentlich starke literarische und theoretische Kraft der Partei, als politischer Führer des Proletariats, als treuer Anhänger Lenin s. In seinen Artikeln und Broschüren bearbeitet Stalin eine Reihe theoretischer und politischer Fragen. Er entlarvt die ideologische Falschheit der antibolschewistischen Strömungen und Fraktionen, ihren Opportunismus und Verrat, wobei seine Schläge gegen die Feinde stets ins Schwarze treffen. Lenin äußerte sich begeistert über die Zeitung „Proletariatis Brdsola“, ihre marxistische Standhaftigkeit, ihre bedeutenden literarischen Vorzüge.

Als treuester und restlos konsequenter Schüler und Kampfgefährte Lenin s spielt Stalin im Kaukasus eine hervorragende Rolle bei der ideologischen Zerschlagung des Menschewismus und bei der Verfechtung der ideologischen, organisatorischen und taktischen Grundlagen der marxistischen Partei. Stalins Werke aus dieser Zeit sind Vorbilder der folgerichtigen Verteidigung der Positionen des Lenin ismus und zeichnen sich durch theoretische Tiefe und Unversöhnlichkeit gegenüber dem Opportunismus aus.

In seiner ausgezeichneten Broschüre „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“, in zwei „Briefen aus Kutais“ und in dem Artikel „Antwort an den ‚Sozial-Demokrat’“ tritt Stalin als entschiedener Verfechter der ideologischen Grundlagen der marxistischen Partei hervor.

In den „Briefen aus Kutais“ (September-Oktober 1904) übt Stalin scharfe Kritik an den gegen Lenin s Buch „Was tun?“ gerichteten Artikeln Plechanows in der neuen „Iskra“. In konsequenter Verfechtung der Lenin schen Fragestellung über Spontaneität und Bewusstsein in der Arbeiterbewegung schreibt Genosse Stalin:

„Die Schlussfolgerung (der praktische Schluss) hieraus ist die: wir müssen das Proletariat bis zum Bewusstsein der wahren Klasseninteressen, bis zur Erkenntnis des sozialistischen Ideals heben, nicht aber dieses Ideal gegen Kleinigkeiten eintauschen oder es der spontanen Bewegung anpassen. Lenin hat die theoretische Basis geschaffen, auf der denn auch diese praktische Schlussfolgerung beruht. Man braucht nur diese theoretische Voraussetzung anzunehmen, und keinerlei Opportunismus wird an einen herankommen können. Darin liegt die Bedeutung der Lenin schen Idee. Ich nenne sie die Lenin sche, weil niemand in der russischen Literatur sie mit solcher Klarheit ausgesprochen hat wie Lenin .“ (J. Stalin, Werke, Bd.I, S. 58 russ.)

Die Broschüre „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“ (geschrieben Anfang 1905, illegal erschienen im Mai 1905) gehört zu den hervorragendsten Werken des bolschewistischen Denkens. Sie schließt sich unmittelbar an „Was tun?“ - dieses historisch bedeutsame Werk Lenin s - an, verteidigt und entwickelt die genialen Ideen Lenin s.

In Entwicklung der Ideen W. I. Lenin s beweist Genosse Stalin, dass das sozialistische Bewusstsein für die Arbeiterbewegung große Bedeutung hat. Gleichzeitig warnt Genosse Stalin vor der einseitigen Überschätzung der Rolle der Ideen, vor dem Außerachtlassen der ökonomischen Entwicklungsbedingungen, der Rolle der Arbeiterbewegung. Kann man behaupten, fragt Stalin, der Sozialismus sei alles, die Arbeiterbewegung dagegen nichts? „Natürlich nicht! So sprechen nur Idealisten ... Irgendeinmal, nach sehr langer Zeit, wird die ökonomische Entwicklung die Arbeiterklasse unvermeidlich zur sozialen Revolution führen und sie folglich veranlassen, ganz und gar mit der bürgerlichen Ideologie zu brechen. Es handelt sich nur darum, dass dieser Weg sehr langwierig und schmerzhaft sein wird.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 105 russ.)

In der Broschüre „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“ entwickelt Genosse Stalin seine tiefgründige und vielseitige Argumentation zur Frage nach dem Verhältnis zwischen der spontanen Arbeiterbewegung und dem sozialistischen Bewusstsein und fasst die diesbezüglichen Ansichten des Lenin schen Flügels der Sozialdemokratie wie folgt zusammen:

„Was ist wissenschaftlicher Sozialismus ohne Arbeiterbewegung? Ein Kompass, der, macht man von ihm keinen Gebrauch, nur verrosten kann, und dann müsste er über Bord geworfen werden.

Was ist Arbeiterbewegung ohne Sozialismus? Ein Schiff ohne Kompass, das auch so am anderen Ufer landen wird, das jedoch, wenn es einen Kompass hätte, das Ufer bedeutend schneller erreichen und weniger Gefahren ausgesetzt sein würde.

Vereinigt beides, und ihr erhaltet ein prächtiges Schiff, das direkt nach dem anderen Ufer steuert und den Hafen unbeschädigt erreicht.

Vereinigt die Arbeiterbewegung mit dem Sozialismus, und ihr erhaltet die sozialdemokratische Bewegung, die auf direktem Wege dem ‚gelobten Land’ entgegenstreben wird.“ (Ebenda S. 102/03 russ.)

Die ganze Geschichte des Kampfes der Arbeiterklasse in Rußland bestätigte auf das glänzendste diese wichtige theoretische Schlussfolgerung des Genossen Stalin. In der genannten Broschüre unterzieht Genosse Stalin die opportunistische Spontaneitätstheorie einer vernichtenden Kritik und begründet die Rolle und Bedeutung der revolutionären Partei und der revolutionären Theorie für die Arbeiterklasse.

„Dis Arbeiterbewegung“, schrieb Stalin, „muss mit dem Sozialismus vereinigt werden, die praktische Tätigkeit und das theoretische Denken müssen in eins verschmelzen und dadurch der spontanen Arbeiterbewegung sozialdemokratischen Charakter verleihen... Es ist unsere Pflicht, die Pflicht der Sozialdemokratie, die spontane Bewegung der Arbeiter von dem tradeunionistischen Wege abzubringen und sie auf den sozialdemokratischen Weg zu bringen. Es ist unsere Pflicht, in diese Bewegung das sozialistische Bewusstsein (das Marx und Engels herausgearbeitet haben.) hineinzutragen und die fortgeschrittenen Kräfte der Arbeiterklasse zu einer einzigen zentralisierten Partei zu vereinigen. Es ist unsere Aufgabe, stets an der Spitze der Bewegung zu marschieren und unermüdlich alle zu bekämpfen - ob Feind oder ‚Freund’ -, die die Verwirklichung dieser Aufgaben behindern.“ (J. Stalin, Werke, Bd. I, S. 105/06 russ.)

Stalins Auftreten fand die volle Billigung Lenin s. Bei der Einschätzung von Stalins Artikel „Antwort an den ‚Sozial-Demokrat’“, der im August 1905 im „Proletariatis Brdsola“ erschienen war, hob Lenin im Zentralorgan der Partei, dem „Proletari“ (Nr. 22), die „ausgezeichnete Behandlung der Frage des berühmten ‚Hineintragens des Bewusstseins von außen’„ hervor.

In einer Reihe von Artikeln begründet Stalin die Lenin sche Linie auf und nach dem II. Parteitag. In dem Artikel „Die Klasse der Proletarier und die Partei der Proletarier (veröffentlicht am 1. Januar 1905 in Nr. 8 der „Proletariatis Brdsola“), der dem ersten Paragraphen des Parteistatuts gewidmet ist, verteidigte Stalin die organisatorischen Grundlagen der Partei, wobei er völlig auf dem Boden der Lenin schen Lehre von der Partei stand, die Lenin schen Ideen entwickelte und begründete. Dieser Artikel verficht die organisatorischen Ideen des Bolschewismus, wie sie von Lenin in seinem berühmten Buch „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“ dargelegt worden sind.

„Bis zum heutigen Tage“, schrieb Stalin, „ähnelte unsere Partei einer gastfreundlichen patriarchalischen Familie, die bereit war, alle Sympathisierenden aufzunehmen. Nachdem unsere Partei aber zu einer zentralisierten Organisation geworden ist, hat sie das patriarchalische Gepräge abgestreift und ist restlos einer Festung gleich geworden, deren Tore sich nur Würdigen öffnen. Das aber ist für uns von großer Bedeutung. In einer Zeit, wo die Selbstherrschaft sich bemüht, das Klassenbewusstsein des Proletariats durch ,Tradeunionismus’, Nationalismus, Klerikalismus usw. zu zersetzen, während anderseits die liberale Intelligenz hartnäckig bestrebt ist, die politische Selbständigkeit des Proletariats zu ertöten und die Vormundschaft über das Proletariat zu erlangen, in einer solchen Zeit müssen wir äußerst wachsam sein und dürfen nicht vergessen, dass unsere Partei eine Festung ist, deren Tore sich nur Erprobten öffnen.“ (Ebenda S. 67 russ.)

Der Aufsatz „Welche Auffassung hat die Sozialdemokratie von der nationalen Frage?“ (veröffentlicht in Nr. 7 der „Proletariatis Brdsola“ vom 1. September 1904) ist ein ausgezeichneter Kommentar zum nationalen Programm der SDAPR. Stalin begründet und erläutert darin die Theorie und das Programm der Partei in der nationalen Frage, unterzieht das opportunistische Prinzip der nationalen Scheidung des Proletariats einer vernichtenden Kritik und verficht konsequent den internationalistischen Typus des Aufbaus proletarischer Klassenorganisationen. In diesem Aufsatz tritt Stalin als bedeutender Theoretiker auf dem Gebiet der nationalen Frage hervor, der die marxistische dialektische Methode meisterhaft beherrscht. Der Aufsatz enthält in Keimform die Ideen, die Stalin später in seiner Arbeit „Marxismus und nationale Frage“ entwickelte.

Vom Anbeginn der ersten russischen Revolution verficht und verwirklicht Stalin entschlossen die Lenin sche Strategie und Taktik in der Revolution, die Lenin sche Idee von der Hegemonie des Proletariats in der Revolution.

In Bezug auf die Liberalen, die nicht die Revolution, sondern eine Versöhnung mit dem Zaren anstrebten, schrieb Stalin noch am Vorabend des9. Januar 1905: „Jawohl, ihr Herren, eure Bemühungen sind vergebens! Die russische Revolution ist unabwendbar. Sie ist ebenso unabwendbar, wie der Sonnenaufgang unabwendbar ist! Könnt ihr der aufgehenden Sonne Einhalt gebieten? Die Hauptmacht dieser Revolution ist das städtische und ländliche Proletariat, ihr Bannerträger aber ist die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, und nicht ihr, meine Herren Liberalen!“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 78 russ.)

Ebenso entschieden verteidigt Stalin die Lenin sche Idee des bewaffneten Aufstandes als des Mittels zum Sturz der Selbstherrschaft und zur Eroberung der Republik. In den Arbeiten Stalins aus den Jahren 1905-1907 wird die Idee des bewaffneten Aufstandes allseitig begründet. „Die Rettung des Volkes liegt in dem siegreichen Aufstand des Volkes selbst“, sagt Genosse Stalin. Ebenso wie Lenin maß er der technischen Vorbereitung des Aufstandes, der Organisation von Kampfscharen, der Waffenbeschaffung u.dgl. ungeheure Bedeutung bei. „Grade die technische Führung und die organisatorische Vorbereitung des allrussischen Aufstands“, betonte Genosse Stalin, „bilden jene neue Aufgabe, die das Leben dem Proletariat gestellt hat.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 133 russ.) Stalin leitete Tag um Tag die Tätigkeit der bolschewistischen Organisationen Transkaukasiens zur Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes.

Stalin begründet und entwickelt die Idee Lenin s von der provisorischen revolutionären Regierung. Die Schaffung einer provisorischen revolutionären Regierung, so lehrt er, muss die natürliche Folge des siegreichen bewaffneten Volksaufstandes sein. Da das Proletariat und die Bauernschaft aus dem Aufstande als Sieger hervorgehen, muss auch die provisorische revolutionäre Regierung der Vertreter ihrer Bestrebungen und Interessen sein. Diese Regierung muss die revolutionäre Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft sein. Nur die Diktatur dieser revolutionären Klassen wird imstande sein, die finsteren Mächte der Reaktion zu zügeln und niederzuwerfen, das Volk zu bewaffnen, das Minimalprogramm der SDAPR zu verwirklichen, den Sieg der Revolution zu verankern und sie zu Ende zu führen.

„Ist der Führer der Revolution das fortgeschrittene Proletariat“, sagt Genosse Stalin, „und soll es sich an der Organisierung des Aufstandes aktiv beteiligen, so ist es von selbst klar, dass wir nicht unsere Hände in Unschuld waschen, uns nicht von der provisorischen revolutionären Regierung ausschalten können, wir müssen gemeinsam mit der Bauernschaft die politische Macht erobern und uns an der provisorischen Regierung beteiligen: (Wir berühren hier nicht die prinzipielle Seite dieser Frage. J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 258/59 russ.) der Führer der revolutionären Straße muss auch in der Regierung der Revolution der Führer sein.“ (J. Stalin, Werke, Bd. I, S.258/59 russ.)

Im Kampfe gegen die zahlreichen Feinde der bolschewistischen Partei und der Arbeiterklasse verteidigt und entwickelt Stalin konsequent die Lenin sche Revolutionstheorie, den taktischen Plan Lenin s. Der größte Vorzug dieses Planes bestand darin, dass er der russischen Wirklichkeit vortrefflich entsprach, die breiten Volksmassen zum Kampfe erhob, sie mit Siegeszuversicht erfüllte und die Revolution vorantrieb.

Das Kaukasische Bundeskomitee propagierte unermüdlich die Beschlüsse des III. Parteitags und rief die Arbeiter und Bauern zum bewaffneten Aufstand auf. Stalins Flugblätter aus dem Jahre 1905 sind ein Vorbild für die Propaganda der Ideen des Bolschewismus in den Massen. In seinen Artikeln „Der bewaffnete Aufstand und unsere Taktik“, „Die provisorische revolutionäre Regierung und die Sozialdemokratie“, „Die Reaktion erstarkt“ und anderen übt Stalin vernichtende Kritik an den menschewistischen Führern, verteidigt und propagiert konsequent die Notwendigkeit des bewaffneten Aufstandes.

Der Generalstreik im Oktober 1905, der die Kraft und die Stärke der proletarischen Bewegung offenbarte, zwang den zu Tode erschrockenen Zaren, das Manifest vom 17. Oktober zu erlassen. Dieses Manifest, das dem Volke allerlei Freiheiten versprach, war ein Betrug an den Volksmassen, ein Winkelzug des Zaren, eine Art Atempause, die der Zar brauchte, um die Leichtgläubigen einzuschläfern, Zeit zu gewinnen, Kräfte zu sammeln und dann gegen die Revolution loszuschlagen. Die Bolschewiki klärten die Massen darüber auf, dass das Manifest vom 17. Oktober eine Falle sei. Das „Oktobermanifest“ trifft Stalin in Tiflis an, im Höhepunkt des Kampfes für den Lenin schen taktischen Plan, für die bolschewistischen Revolutionslosungen. Am gleichen Tage sagte Stalin in einer Rede auf einem Arbeitermeeting:

„Was brauchen wir, um wirklich zu siegen? Dazu sind drei Dinge nötig: erstens - Bewaffnung, zweitens - Bewaffnung, drittens - Bewaffnung und noch einmal Bewaffnung.“ (Zitiert nach der „Geschichte der KPdSU(B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S.98.)

In der von Stalin im Oktober 1905 verfassten Proklamation des Tifliser Komitees des Kaukasischen Bundes der SDAPR unter der Überschrift „Bürger““ verfocht er den Gedanken, dass für den Sieg der Revolution der allgemeine bewaffnete Volksaufstand notwendig sei, und schrieb:

„Der in solcher Großartigkeit nicht nur in der Geschichte Rußlands, sondern auch der ganzen Welt noch nie dagewesene, beispiellose politische Generalstreik, der sich jetzt abspielt, kann vielleicht heute enden, ohne in einen allgemeinen Volksaufstand auszumünden, aber nur, um morgen erneut und mit noch größerer Gewalt das Land zu erschüttern und in jenen grandiosen bewaffneten Aufstand auszumünden, der die uralte Fehde des russischen Volkes mit der zaristischen Selbstherrschaft entscheiden und diesem abscheulichen Ungeheuer den Kopf zerschmettern muss ... Der allgemeine bewaffnete Volksaufstand - das ist die große Aufgabe, vor der gegenwärtig das Proletariat Rußlands steht und die gebieterisch ihre Lösung heischt!“ (J. Stalin, Werke, Bd. I, S. 186 russ.)

In dieser Zeit leistete Stalin eine gewaltige revolutionäre Arbeit in Transkaukasien. Unter Führung Stalins fasst die IV. bolschewistische Konferenz des Kaukasischen Bundes der SDAPR (November 1905) den Beschluss, den Kampf für die Vorbereitung und Durchführung des bewaffneten Aufstands, für den Boykott der zaristischen Duma, für die Entwicklung und Festigung der revolutionären Organisationen der Arbeiter und Bauern - der Sowjets der Arbeiterdeputierten, der Streikkomitees, der revolutionären Bauernkomitees - zu verstärken. Stalin entlarvte und bekämpfte die Menschewiki als Gegner der Revolution und des bewaffneten Aufstandes. Unentwegt bereitete er die Arbeiter zum entschiedenen Kampf gegen die Selbstherrschaft vor. Ganz Transkaukasien wurde von den Flammen des revolutionären Brandes erfasst. Schon der III. Parteitag hatte in der von Lenin vorgeschlagenen Resolution „Aus Anlass der Ereignisse im Kaukasus“ die Tätigkeit der bolschewistischen Organisationen Transkaukasiens als der „kämpferischsten Organisationen unserer Partei“ besonders hervorgehoben und die gesamte Partei aufgerufen, sie mit allen Mitteln zu unterstützen.

Im Dezember 1905 reist Stalin als Delegierter der transkaukasischen Bolschewiki zur Ersten Allrussischen bolschewistischen Konferenz nach Tammerfors (Finnland). Auf der Tammerforser Konferenz begegnen sich Lenin und Stalin zum ersten Male persönlich. Die Konferenz wählte Genossen Stalin in die politische Kommission zur Redaktion der Konferenzresolutionen, wo er zusammen mit Lenin als ein hervorragender Parteileiter arbeitete.

Nach der Niederlage des Dezemberaufstandes beginnt die Wendung zum allmählichen Rückzug der Revolution. In der Partei gehen die Vorbereitungen zum IV. Parteitag der SDAPR vor sich. Der Kampf zwischen Bolschewiki und Menschewiki entbrennt mit neuer Kraft. Auf dem Schauplatz tauchen anarchosyndikalistische Elemente auf. Besonders geräuschvoll gebärden sie sich in Tiflis. Stalin steht im Mittelpunkt des Kampfes gegen alle antiproletarischen Strömungen in Transkaukasien.

Stalin nimmt am IV. Parteitag der SDAPR (Stockholm, April 1906) aktiv teil, auf dem er gemeinsam mit Lenin die bolschewistische Linie in der Revolution gegen die Menschewiki verteidigte. In seiner Antwort an die Menschewiki stellte Stalin die Frage mit aller Schärfe:

„Entweder Hegemonie des Proletariats oder Hegemonie der demokratischen Bourgeoisie - so steht die Frage in der Partei, darin bestehen unsere Meinungsverschiedenheiten.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 1, S. 240 russ.)

Kurz nach dem Parteitag schrieb Stalin die Broschüre „Die gegenwärtige Lage und der Vereinigungsparteitag der Arbeiterpartei“. In dieser Broschüre gab Stalin eine Analyse der Lehren des bewaffneten Dezemberaufstands, begründete die bolschewistische Linie in der Revolution und fasste die Ergebnisse der Arbeiten des IV. Parteitags der SDAPR zusammen.

Nach dem Parteitag ist Stalin wieder in Transkaukasien. Er führt einen unversöhnlichen Kampf gegen den Menschewismus und die anderen antiproletarischen Strömungen. Er leitet die legalen bolschewistischen Zeitungen „Achali Zchowreba“ (Neues Leben), „Achali Drojeba“ (Neue Zeit), „Tschweni Zchowreba“ (Unser Leben) und „Dro“ (Die Zeit), die in Tiflis in georgischer Sprache erschienen.

Aus dieser Zeit stammt die Serie der ausgezeichneten Artikel Stalins „Anarchismus oder Sozialismus?“ Der Anlass zu diesen Artikeln war der Umstand, dass die Anarchisten Kropotkinscher Richtung in Transkaukasien aktiv geworden waren.

Unter den Bedingungen des Abebbens der revolutionären Welle und der hierauf eingetretenen Reaktion stand als unmittelbare Aufgabe der Partei die Verteidigung der theoretischen Grundlagen des Bolschewismus auf der Tagesordnung. Im Jahre 1909 erscheint Lenin s geniales Werk „Materialismus und Empiriokritizismus“, in welchem er diejenigen, die sich auf dem Gebiete der Theorie des Marxismus als entartet erwiesen, bis zu Ende entlarvte und die theoretischen Grundlagen der bolschewistischen Partei verteidigte.

Auch Stalin verteidigt die theoretischen Grundlagen des Marxismus. In seinen Artikeln verficht und entwickelt Stalin die theoretischen Grundlagen der marxistischen Partei: den dialektischen und historischen Materialismus. Diese Artikel Stalins wurden in den Jahren 1906-1907 in den georgischen bolschewistischen Zeitungen veröffentlicht. In ihnen wird in verständlicher und populärer Form erläutert, was Materialismus und Dialektik, was der historische Materialismus ist. Mit außerordentlicher Tiefe werden in dieser Arbeit die Grundfragen der marxistisch- Lenin istischen Theorie gestellt und gelöst - die Unvermeidlichkeit und Unabwendbarkeit der sozialistischen Revolution und der Diktatur des Proletariats, die Notwendigkeit der proletarischen Kampfpartei, der Partei von neuem Typus, die sich von den alten, reformistischen Parteien der II. Internationale unterscheidet - und die Grundlagen der Strategie und Taktik der Partei dargelegt. Diese Artikel Stalins gehören der ideologischen Schatzkammer unserer Partei an als wertvoller Beitrag zur Theorie des Marxismus- Lenin ismus. Sie sind ein Musterbeispiel tiefgründiger Beleuchtung der Fragen der Theorie des Marxismus- Lenin ismus im unzertrennlichen Zusammenhang mit den aktuellen Aufgaben des revolutionären Klassenkampfes des Proletariats.

Im April-Mai 1907 fand der V. (der Londoner) Parteitag der SDAPR statt, der den Sieg der Bolschewiki über die Menschewiki verankerte. Stalin war aktiver Teilnehmer des Parteitags. Vom Parteitag zurückgekehrt, veröffentlichte er einen Artikel über dessen Arbeiten: „Der Londoner Parteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands (Aufzeichnungen eines Delegierten)“, in welchem er eine Einschätzung der Beschlüsse und Ergebnisse des Parteitags gab, die ideologischen und taktischen- Positionen des Bolschewismus verteidigte, die liberalbürgerliche Linie der Menschewiki in der Revolution und deren Liquidatorentum gegenüber der Partei entlarvte und die Klassennatur des Menschewismus als einer kleinbürgerlichen politischen Strömung aufzeigte.

                

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