Lenin -Institut in Moskau 1947 herausgegebenen zweiten verbesserten und erg?nzten russischen Auflage.">

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AM 3. April 1917 kehrte Lenin aus langjährigem Exil nach Rußland zurück. Die Nachricht von der Ankunft des geliebten Führers der Revolution wurde von den fortgeschrittenen Arbeitern Petrograds mit großer Begeisterung aufgenommen. Genosse Stalin fuhr mit einer Arbeiterdelegation Lenin bis zur Station Beloostrow entgegen. Die Begrüßung Lenin s am Finnländischen Bahnhof in Petrograd gestaltete sich zu einer machtvollen revolutionären Kundgebung. Am Tage nach seiner Ankunft hielt Lenin eine Rede, in der er seine berühmten Aprilthesen entwickelte, die die Partei mit dem genialen Plan des Kampfes für den Übergang von der bürgerlich-demokratischen Revolution zur sozialistischen Revolution ausrüsteten. Die Thesen Lenin s gaben der Partei eine neue Orientierung unter den neuen Kampfbedingungen nach dem Sturze des Zarismus. Am 24. April 1917 wurde die VII. (die April-) Konferenz der Bolschewiki eröffnet, deren Arbeiten die Lenin schen Thesen zugrunde lagen. Die Aprilkonferenz stellte die Partei auf den Kampf für das Hinüberwachsen der bürgerlich-demokratischen in die sozialistische Revolution ein.

Auf der Konferenz verfocht Stalin energisch die auf die sozialistische Revolution gerichtete Lenin sche Linie und entlarvte die opportunistische, anti Lenin istische Linie Kamenews, Rykows und ihrer wenigen Gesinnungsgenossen. Außerdem hielt Stalin auf der Konferenz auch das Referat über die nationale Frage. Die marxistisch- Lenin istische Linie in der nationalen Frage konsequent entwickelnd, begründete Stalin die bolschewistische Nationalitätenpolitik, vertrat das Recht der Nationen auf Selbstbestimmung bis zur Lostrennung und Bildung selbständiger Staaten. Die Lenin -Stalinsche Nationalitätenpolitik sicherte der Partei in der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution die Unterstützung der unterdrückten Nationalitäten.

Im Mai 1917, nach der Konferenz, wird das Politische Büro des Zentralkomitees gebildet, zu dessen Mitglied Stalin gewählt wird. Seit dieser Zeit und bis zum heutigen Tag wird Stalin jedesmal zum Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees gewählt.

Auf Grund der Beschlüsse der Aprilkonferenz entfaltet die Partei eine gewaltige Arbeit zur Gewinnung der Massen, zu ihrer Erziehung und Organisierung für den Kampf.

In dieser schwierigen Periode der Revolution, da die Ereignisse sich stürmisch entwickelten und von oder Partei eine geschickte und bewegliche Taktik erforderten, leiteten Lenin und Stalin den Kampf der Massen.

„Ich denke an das Jahr 1917“, sagte Stalin, „als ich durch den Willen der Partei, nach meinen Wanderungen durch Gefängnisse und Verbannungsorte, nach Lenin grad entsandt worden war. Dort, im Kreise der russischen Arbeiter, in der unmittelbaren Nähe des großen Lehrers der Proletarier aller Länder, des Genossen Lenin , im Donner der großen Schlachten zwischen Proletariat und Bourgeoisie, unter den Verhältnissen des imperialistischen Krieges, lernte ich zum erstenmal verstehen, was es heißt, einer der Führer der großen Partei der Arbeiterklasse zu sein.

Dort, im Kreise der russischen Arbeiter, der Befreier der unterdrückten Völker und Vorkämpfer des Proletariats aller Länder und Völker, erhielt ich meine dritte revolutionäre Feuertaufe. Dort, in Rußland, wurde ich unter Lenin s Leitung einer der Meister der Revolution.“ (Prawda Nr. 136 vom 16. Juni 1926.)

Stalin steht im Mittelpunkt der gesamten praktischen Arbeit der Partei. Als Mitglied des Zentralkomitees nimmt er unmittelbar führenden Anteil an der Arbeit des Petrograder Komitees der Partei, leitet die „Prawda“, schreibt Artikel für die „Prawda“ und „Soldatskaja Prawda“, leitet die Tätigkeit der Bolschewiki in der Gemeindewahlkampagne in Petrograd. Zusammen mit Lenin nimmt Stalin an den Arbeiten der Allrussischen Konferenz der Militärorganisationen der Partei teil und hält dort ein Referat „über die nationale Bewegung in den nationalen Regimentern“. Zusammen mit Lenin organisiert Stalin die historische Demonstration vom 18. Juni, die unter den Losungen der bolschewistischen Partei vor sich ging, schreibt im Namen des Zentralkomitees den Aufruf an die Arbeiter und revolutionären Soldaten Petrograds. Am 20. Juni wurde Genosse Stalin auf dem I. Allrussischen Sowjetkongress zum Mitglied des Zentralexekutivkomitees gewählt.

Nach den Julitagen 1917, als Lenin , von der konterrevolutionären Provisorischen Regierung gehetzt und verfolgt, sich in der Illegalität befand, leitete Stalin unmittelbar das Zentralkomitee und das Zentralorgan der Partei, das zu dieser Zeit unter verschiedenen Namen erschien („Rabotschi i Soldat“ [Arbeiter und Soldat], „Proletari“, „Rabotschi“, „Rabotschi Putj“ [Der Arbeiterweg]). Stalin rettete das für die Partei, für unser Volk, für die gesamte Menschheit so teure Leben Lenin s, indem er sich entschieden dagegen wandte, dass sich Lenin dem Gericht der Konterrevolutionäre stelle, und den Vorschlag der Verräter Kamenew, Rykow, Trotzki zurückwies, die verlangten, dass Lenin dem Gericht der konterrevolutionären Provisorischen Regierung ausgeliefert werde.

Die Niederschlagung der Julidemonstration führte einen Umschwung in der Entwicklung der Revolution herbei. Lenin arbeitet die neue Taktik der Partei für die neuen Kampfbedingungen aus. Zusammen mit Swerdlow leitet Stalin die Arbeiten des illegal tagenden VI. Parteitags (Juli-August 1917). Auf dem Parteitag erstattete Stalin den Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees und das Referat über die politische Lage. In diesen Referaten Stalins wurden die Aufgaben und die Taktik der Partei im Kampfe für die sozialistische Revolution klar formuliert. Stalin trat den Trotzkisten entgegen, die den Sieg des Sozialismus in Rußland für unmöglich hielten.

Als Erwiderung auf einen Ausfall der Trotzkisten, die versuchten, den auf die sozialistische Revolution gerichteten Kurs der Partei von der proletarischen Revolution im Westen abhängig zu machen, erklärte Genosse Stalin: „Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass gerade Rußland das Land sein wird, das den Weg zum Sozialismus bahnt ... Man muss die überlebte Vorstellung fallen lassen, dass nur Europa uns den Weg weisen könne. Es gibt einen dogmatischen Marxismus und einen schöpferischen Marxismus. Ich stehe auf dem Boden des letzteren.“ (J. Stalin, Werke, Bd. 3, S. 186 u. 187 russ.) Die Worte Stalins haben sich als prophetisch erwiesen: Rußland zeigte als erstes Land den Weg zum Sozialismus.

Der Parteitag schloss sich um Stalin zusammen, der Lenin s Lehre von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in unserem Lande verfocht. Unter Führung Stalins wurde der VI. Parteitag, den Direktiven Lenin s entsprechend, zu dem Parteitag der Vorbereitung zum Aufstand. Der Parteitag orientierte die Partei auf den bewaffneten Aufstand, auf die Eroberung der Diktatur des Proletariats.

Im August 1917 brach die Meuterei des Generals Kornilow aus, der den Zarismus in Rußland wiederherstellen wollte. Die Bolschewiki mobilisierten die Volksmassen zum Kampf gegen das Generalsabenteuer. Die Niederwerfung des Kornilowputsches leitete eine neue Periode in der Geschichte der Revolution ein: es begann die Periode der Organisierung des Sturmes.

Während der Zeit, die Lenin in der Illegalität zubrachte, unterhält Genosse Stalin enge Verbindung und schriftlichen Verkehr mit seinem Lehrer und Freund Lenin . Stalin besucht Lenin zweimal in seinem Versteck in Rasliw.

Lenin und Stalin führten die Partei und die Arbeiterklasse kühn und sicher, fest und umsichtig zur sozialistischen Revolution, zum bewaffneten Aufstand. Lenin und Stalin sind die Inspiratoren und Organisatoren des Sieges der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Stalin war der nächste Kampfgefährte Lenin s. Er leitete unmittelbar die gesamte Vorbereitung zum Aufstand. Seine richtunggebenden Artikel wurden in den bolschewistischen Gebietszeitungen nachgedruckt. Stalin ließ Vertreter der Gebietsorganisationen zu sich kommen, instruierte sie und legte die Kampfaufgaben für die einzelnen Gebiete fest. Am 16. Oktober wählte das Zentralkomitee das Parteizentrum zur Leitung des Aufstands mit Genossen Stalin an der Spitze. Das Parteizentrum war der leitende Kern des Revolutionären Militärkomitees beim Petrograder Sowjet und leitete praktisch den ganzen Aufstand.

In seiner am 16. Oktober in der Sitzung des Zentralkomitees der Partei gehaltenen Rede wies Stalin die kapitulantischen Vorschläge der Verräter Sinowjew und Kamenew zurück, die gegen den bewaffneten Aufstand aufgetreten waren. Stalin erklärte: „Was Kamenew und Sinowjew vorschlagen, führt objektiv dazu, dass die Konterrevolution die Möglichkeit bekommt, sich vorzubereiten und zu organisieren. Wir würden endlos zurückweichen und die Revolution verspielen. Warum sollen wir uns nicht die Möglichkeit sichern, den Tag und die Bedingungen des Aufstandes selbst auszusuchen, um der Konterrevolution, keine Gelegenheit zu geben, sich zu organisieren?“ (J. Stalin, Werke, Bd. 3, S. 381 russ.)

Am frühen Morgen des 24. Oktober verbot Kerenski durch einen Befehl die Herausgabe des Zentralorgans der Partei, des „Rabotschi Putj“, und entsandte Panzerautos zum Gebäude der Redaktion und der Druckerei des „Rabotschi Putj“. Aber um 10 Uhr morgens zwangen die Rotgardisten und die revolutionären Soldaten laut Weisung des Genossen Stalin die Panzerautos zum Rückzug und stellten vor der Druckerei und der Redaktion eine verstärkte Wache auf. Um 11 Uhr früh erschien der „Rabotschi Putj“ mit dem von Stalin geschriebenen Leitartikel „Was brauchen wir?“, der die Massen aufrief, die bürgerliche Provisorische Regierung zu stürzen. Gleichzeitig wurden auf Anweisung des Parteizentrums schleunigst Abteilungen der revolutionären Soldaten und Rotgardisten zum Smolny herangezogen. Der Aufstand begann am 24. Oktober. Am Abend des 25. Oktober wurde der II. Sowjetkongress eröffnet, der die ganze Macht den Sowjets übergab.

Stalin wurde Mitglied des ersten Rates der Volkskommissare, der mit Lenin an der Spitze nach dem Siege der Oktoberrevolution auf dem II. Allrussischen Sowjetkongress gewählt wurde.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution veränderte die Situation von Grund aus. Die Oktoberrevolution spaltete die ganze Welt in zwei Systeme, in das System des Kapitalismus und das System des Sozialismus. Die Partei der Bolschewiki stand vor neuen Verhältnissen, hatte neue gigantische Aufgaben zu lösen. Von Grund aus veränderten sich auch die Formen des Kampfes der Arbeiterklasse.

Seit den ersten Tagen des Bestehens der Sowjetregierung bis zum Jahre 1923 war Stalin Volkskommissar für die Angelegenheiten der Nationalitäten. Er leitete unmittelbar die gesamte Arbeit der Partei und der Sowjetmacht zur Lösung der nationalen Frage in der Sowjetunion. Unter Führung Lenin s und Stalins gingen die Arbeiter und Bauern daran, an Stelle der zaristischen Kolonien Sowjetrepubliken zu errichten. Es gibt keine einzige Sowjetrepublik, an deren Organisierung Stalin nicht aktiv und führend teilgenommen hätte. Stalin leitet den Kampf um die Ukrainische Sowjetrepublik, leitet die Errichtung der Bjelorussischen Republik und der Sowjetrepubliken in Transkaukasien und Mittelasien, er hilft den zahlreichen Nationalitäten des Sowjetlandes, ihre autonomen Sowjetrepubliken und Gebiete aufzubauen. Lenin und Stalin sind die Inspiratoren und Organisatoren dir großen Sowjetunion.

Stalin ist zusammen mit Swerdlow der nächste Helfer Lenin s beim Aufbau des Sowjetstaates. Gemeinsam mit Lenin führt Stalin den Kampf gegen Kamenew, Sinowjew, Rykow und die anderen Streikbrecher und Deserteure der Revolution. Organisierung der Niederwerfung Kerenskis und Krasnows, Brechung der Sabotage der Beamten und Angestellten, Liquidierung des konterrevolutionären Hauptquartiers und der zaristischen Generalität, Verbot der bürgerlichen Presse, Kampf gegen die konterrevolutionäre Ukrainische Rada, Auseinanderjagung der Konstituierenden Versammlung, Ausarbeitung der ersten Sowjetverfassung im Jahre 1918 - an allen diesen entscheidenden Ereignissen nimmt Stalin aktivsten und führenden Anteil.

Im Auftrag des Zentralkomitees führt Stalin im Januar 1918 die Beratung mit Vertretern des revolutionären Flügels der sozialistischen Parteien verschiedener Länder Europas und Amerikas durch. Diese Beratung spielte eine bedeutende Rolle im Kampfe für die Gründung der III., der Kommunistischen Internationale.

In den schweren Tagen der Brester Friedensverhandlungen, als sich das Schicksal .der Revolution entschied, verteidigte Stalin gemeinsam mit Lenin unerschütterlich die bolschewistische Strategie und Taktik gegen den Verräter Trotzki und seinen Handlanger Bucharin, die im Verein mit den englischen und französischen Imperialisten die junge, noch nicht gefestigte Republik der Sowjets den Schlägen des deutschen Imperialismus aussetzen wollten.

                

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