Lenin -Institut in Moskau 1947 herausgegebenen zweiten verbesserten und erg?nzten russischen Auflage.">

VIII

EIN so riesiges und zugleich ökonomisch zurückgebliebenes Land, wie es die Sowjetunion in jener Periode war, in der historisch kürzesten Frist zu industrialisieren, war eine Aufgabe, die mit gigantischen Schwierigkeiten verbunden war. Es galt, eine ganze Reihe von Industriezweigen, die das alte, zaristische Rußland nicht kannte, neu aufzubauen. Es galt, eine neue Verteidigungsindustrie zu schaffen, die es im früheren Rußland nicht gegeben hatte. Es galt, Werke für den Bau moderner landwirtschaftlicher Maschinen zu errichten, wie sie das alte Dorf nie gesehen hatte. Das erforderte kolossale Mittel. Die kapitalistischen Staaten beschafften sich solche Mittel durch schonungslose Ausbeutung des Volkes, durch Eroberungskriege, durch blutige Ausplünderung der Kolonien und abhängigen Länder sowie durch Auslandsanleihen. Das Sowjetland konnte nicht aus diesen schmutzigen Quellen schöpfen, der Weg zu Auslandsanleihen aber war ihm durch die Kapitalisten versperrt. Es blieb nur übrig, die Mittel innerhalb des Sowjetlandes aufzubringen.

Gestützt auf die Hinweise Lenin s, arbeitete Stalin die Leitsätze für die sozialistische Industrialisierung unseres Landes aus. Er zeigte:

  1. dass das Wesen der Industrialisierung nicht einfach im Wachstum der Industrie besteht, sondern in der Entwicklung der Schwerindustrie und vor allem ihres Kernstücks, des Maschinenbaus, denn nur die Schaffung einer Schwerindustrie und eines eigenen Maschinenbaus sichert die materielle Basis des Sozialismus und macht das Land des Sozialismus von der kapitalistischen Welt unabhängig;
  2. dass die in unserem Lande vollzogene Expropriation der Gutsbesitzer und Kapitalisten als Ergebnis der sozialistischen Oktoberrevolution, die Aufhebung des Privateigentums an Grund und Boden, Fabriken, Werken, Banken usw. und ihr Übergang in den Gemeinbesitz des Volkes eine mächtige Quelle für die sozialistische Akkumulation zur Entwicklung der Industrie geschaffen haben;
  3. dass sich die sozialistische Industrialisierung von Grund aus von der kapitalistischen Industrialisierung unterscheidet - die letztere beruht auf kolonialen Eroberungen und Plünderungen, militärischen Gewalttaten, versklavenden Anleihen und schonungsloser Ausbeutung der Arbeitermassen und der Kolonialvölker, während die sozialistische Industrialisierung auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln beruht, auf der Ansammlung und Erhaltung der durch die Arbeit der Arbeiter und Bauern geschaffenen Reichtümer; die sozialistische Industrialisierung ist unlösbar verbunden mit der ständigen Verbesserung der materiellen Lage der werktätigen Massen;
  4. dass daher die grundlegenden Aufgaben im Kampfe für die Industrialisierung in der Erhöhung der Arbeitsproduktivität, in der Senkung der Selbstkosten, im Kampfe für die Arbeitsdisziplin, im Sparsamkeitsregime usw. bestehen;
  5. dass die Bedingungen des Aufbaus des Sozialismus in der Sowjetunion, der Arbeitsenthusiasmus der Arbeiterklasse es ermöglichen, das erforderliche hohe Tempo der Industrialisierung zu erzielen;
  6. dass der Weg zur sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft über die Industrialisierung des Landes führt, die die technische Basis für diese Umgestaltung schaffen soll.

Mit diesem präzisen und klaren Programm ausgerüstet, nahmen die Werktätigen der Sowjetunion die sozialistische Industrialisierung des Landes in Angriff.

Durch die Erfolge des sozialistischen Aufbaus erschreckt, suchten die Imperialisten die Industrialisierung des Landes zu vereiteln oder wenigstens zu hemmen, indem sie die diplomatischen und Handelsbeziehungen zur UdSSR abbrachen (England), Sowjetbotschafter ermorden ließen (Polen), ihre Spione und Diversanten zu verstärkter Tätigkeit antrieben. Im Lande selbst vereinigten sich die Trotzkisten, die Sinowjewleute und die Überreste früher zerschlagener parteifeindlicher Gruppen zu einem Verräterblock, der einen wütenden Angriff gegen die Partei eröffnete. Genosse Stalin wies damals darauf hin, dass sich „eine Art Einheitsfront von Chamberlain bis Trotzki bildet“. Man konnte den Sieg der sozialistischen Industrialisierung nicht erringen, ohne den trotzkistisch-sinowjewistischen Block ideologisch und organisatorisch zerschlagen zu haben. Unter Führung des Genossen Stalin zerschlug die Partei den trotzkistisch-sinowjewistischen Block. Stalins Referat auf der XV. Parteikonferenz „Über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“ (November 1926) und sein Referat auf dem VII. Erweiterten Plenum des Exekutivkomitees der Komintern „Noch einmal über die sozialdemokratische Abweichung in unserer Partei“ (Dezember 1926) wappneten die KPdSU(B) und die Komintern ideologisch und sicherten die granitene Einheit und Geschlossenheit der Parteireihen.

Das Erweiterte Plenum des Exekutivkomitees der Komintern brandmarkte in seinen Beschlüssen die Anhänger des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks als Spalter, die auf menschewistische Positionen hinabgesunken sind.

Nachdem die Bolschewiki die Kapitulanten und Verteidiger des Kapitalismus geschlagen und beiseite geworfen hatten, setzten sie das Werk der sozialistischen Industrialisierung unseres Landes fort.

Kein einziges Gebiet, keine einzige Frage der Industrialisierung entzog sich dem Gesichtskreis Stalins. Stalin ist der Initiator des Aufbaus neuer Industriezweige, der Entwicklung und Rekonstruktion früher rückständiger Zweige. Stalin ist der Inspirator der Errichtung der zweiten Kohlen- und Hüttenbasis unseres Landes, der Schaffung des Kusnezkbeckens. Stalin ist der Organisator und Leiter der sozialistischen Bautätigkeit. Der Bau des Stalingrad er Traktorenwerks, des Dnjepr-Wasserkraftwerks, der Hüttenwerke von Magisitogorsk, der Uraler Maschinenwerke, der Rostower Werke für landwirtschaftliche Maschinen, der Hüttenwerke von Kusnezk, der Turkestan-Sibirischen Eisenbahn, der Saratower Combinewerke, der Bau der Automobilwerke in Moskau und Gorki und eine Reihe anderer Bauten - sie alle sind mit dem Namen Stalins verbunden.

Das grandiose Bild des herrlichen Gebäudes des Sozialismus, das in der Sowjetunion gebaut wurde, übte einen unwiderstehlichen Einfluss auf die Arbeiter der kapitalistischen Länder aus. Es begannen wahre Wallfahrten nach der Sowjetunion. Dutzende und Hunderte von Arbeiterdelegationen kamen und sahen mit riesigem Interesse und tief bewegt, wie die Arbeiter, die ihre Ausbeuter verjagt haben, die neue, die sozialistische Gesellschaft aufbauen. Sie interessierten sich für alles, sie wollten alles wissen. Am 5. November 1927 fand eine lange Unterredung Stalins mit Arbeiterdelegationen aus Deutschland, Frankreich, Osterreich, der Tschechoslowakei, China, Belgien und anderen Ländern statt.

Bereits Ende 1927 konnten entscheidende Erfolge der Politik der sozialistischen Industrialisierung festgestellt werden. Die erste Bilanz wurde vom XV. Parteitag gezogen, der im Dezember 1927 zusammentrat.

Stalin gab in seinem Rechenschaftsbericht ein anschauliches Bild der Erfolge der sozialistischen Industrialisierung und hob die Notwendigkeit hervor, die sozialistischen Kommandohöhen in Stadt und Land noch mehr zu erweitern und zu festigen, auf die Liquidierung der kapitalistischen Elemente in der Volkswirtschaft Kurs zu nehmen.

Auf dem XV. Parteitag verwies Stalin auf das Zurückbleiben der Landwirtschaft hinter der Industrie und zeigte den Ausweg aus dieser für die gesamte Volkswirtschaft bedrohlichen Lage.

„Der Ausweg“, sagte Stalin, „liegt im Übergang der kleinen, zersplitterten Bauernwirtschaften zu großen, zusammengeschlossenen Wirtschaften auf der Grundlage der gesellschaftlichen Bodenbestellung, im Übergang zur kollektiven Bodenbestellung, auf der Grundlage der modernen, höheren Technik. Der Ausweg liegt darin, die bäuerlichen Klein- und Zwergwirtschaften allmählich, aber unentwegt, nicht durch Zwang, sondern durch Beispiel und Überzeugung zu Großwirtschaften zusammenzuschließen auf der Grundlage der gesellschaftlichen, gemeinschaftlichen, kollektiven Bodenbestellung, unter Anwendung landwirtschaftlicher Maschinen und Traktoren, unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden zur Intensivierung der Landwirtschaft. Einen anderen Ausweg gibt es nicht.“ (Zitiert nach der „Geschichte der KPdSU(B)“, Kurzer Lehrgang, 1946, S.349.)

Warum beschritt unser Land den Weg des Aufbaus von Kollektivwirtschaften?

Bereits in der Periode vor dem XV. Parteitag machte sich das Zurückbleiben der Landwirtschaft, besonders der Getreidewirtschaft, immer stärker bemerkbar. Die Gesamtproduktion an Getreide näherte sich dem Vorkriegsniveau, doch machte der Warenanteil der Getreideproduktion, der zur Versorgung der Städte und der Armee zum Verkauf gelangte, nur wenig mehr als ein Drittel des Vorkriegsniveaus aus (37 Prozent). Im Dorfe wurden ungefähr 25 Millionen bäuerlicher Klein- und Zwergwirtschaften gezählt. Die bäuerliche Kleinwirtschaft aber war schon ihrer Natur nach eine Halbnaturalwirtschaft, die nur ein Minimum an Warengetreide liefern konnte und nicht imstande war, die Produktion zu erweitern, Traktoren und Maschinen anzuwenden, den Ernteertrag zu erhöhen. Die Zersplitterung der bäuerlichen Wirtschaften und das Sinken des Warenanteils der Getreideproduktion dauerten an.

„Es unterlag keinem Zweifel, dass die Armee und die Städte der Sowjetunion bei einem solchen Stand der Getreidewirtschaft in eine Lage chronischen Hungers geraten mussten.“ (Ebenda S. 347.)

Das Land stand vor zwei Möglichkeiten, in der Landwirtschaft zur Großproduktion überzugehen, die imstande wäre, Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen anzuwenden und den Warenanteil der Getreidewirtschaft um ein Mehrfaches zu steigern. Die erste Möglichkeit war: zur kapitalistischen Großproduktion im Dorfe überzugehen, was den Ruin der Bauernmassen, die Herbeiführung einer Massenarbeitslosigkeit in der Stadt, den Zusammenbruch des Bündnisses zwischen der Arbeiterklasse und der Bauernschaft, die Stärkung des Kulakentums und die Niederlage des Sozialismus bedeutet hätte. Auf diesen verderblichen Weg bemühten sich die rechten Kapitulanten und Verräter aus allen Kräften die Partei zu drängen.

Die zweite Möglichkeit war: den Weg der Vereinigung der kleinen Bauernwirtschaften zu sozialistischen Großwirtschaften, zu Kollektivwirtschaften zu beschreiten, die imstande wären, im größten Umfang Traktoren und andere moderne Maschinen anzuwenden, um die Getreidewirtschaft und den Warenanteil ihrer Produktion rasch zu heben. Es ist klar, dass die Partei der Bolschewiki und der Sowjetstaat nur den zweiten Weg, den Weg der kollektivwirtschaftlichen Entwicklung der Landwirtschaft, beschreiten konnten.

Die Partei der Bolschewiki ging von dem weisen Rat Lenin s aus, dass es notwendig sei, von den bäuerlichen Kleinwirtschaften zur kollektiven, maschinell betriebenen Großlandwirtschaft überzugehen, die allein die Dutzende von Millionen bäuerlichen Wirtschaften aus der Jahrhunderte währenden Not erlösen konnte.

„Mit der Kleinwirtschaft kann man aus der Not nicht herauskommen“, hatte Lenin gesagt. ( Lenin , Werke, Bd. XXIV, 3. Aufl., S. 540 russ.)

Das dringendste wirtschaftliche Erfordernis, die Bedürfnisse des Volkes erheischten den Übergang auf den Weg der Kollektivierung. Und die Partei der Bolschewiki unter Führung Stalins verstand dieses dringende wirtschaftliche Erfordernis richtig und vermochte es, die Millionenmassen der Bauernschaft auf den Weg der Kollektivierung zu lenken.

Der XV. Parteitag fasste den Beschluss über die allseitige Entfaltung der Kollektivierung der Landwirtschaft. Gleichzeitig gab der Parteitag die Direktive, den ersten Fünfjahrplan der Volkswirtschaft aufzustellen. So wurde, als der Aufbau der sozialistischen Industrie in vollem Gange war, von Stalin eine neue grandiose Aufgabe gestellt - die Kollektivierung der Landwirtschaft. Die Erfüllung dieser historischen Aufgabe erforderte die allersorgfältigste Vorbereitung, die ihrer Gründlichkeit und ihrem Ausmaß nach durchaus in eine Reihe mit der Vorbereitung der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution gestellt werden kann. Der geniale Stratege der proletarischen Revolution führte die Partei kühn und unbeugsam, sorgfältig und umsichtig vorwärts, indem er alle Hindernisse auf dem Wege zum gesteckten Ziel überwand, wachsam die Manöver des Klassenfeindes verfolgte und dessen Aktionen in der nächsten Zukunft glänzend voraussah, im Verlaufe der Offensive selbst meisterhaft die Kräfte umgruppierte, die eroberten Positionen festigte und die Reserven für die Entwicklung der Erfolge einsetzte.

Die Partei bereitete alle materiellen Bedingungen vor, die zum Masseneintritt der Bauernschaft in die Kollektivwirtschaften notwendig waren. Es wurde die industrielle Basis geschaffen, um das Dorf mit Maschinen und Traktoren zu versorgen, die Basis für die technische Neuausrüstung der Landwirtschaft. Es waren genügend Mittel angesammelt, um den Aufbau von Kollektivwirtschaften und Sowjetgütern zu finanzieren. Zu diesem Aufbau wurden die besten Kräfte der Partei und der Arbeiterklasse entsandt. Die ersten Kollektivwirtschaften wurden gefestigt und boten den Einzelbauern Musterbeispiele für die Führung der kollektiven Landwirtschaft. Es wurden Maschinen- und Traktorenstationen sowie Sowjetgüter geschaffen, die den Bauern bei der Verbesserung der Wirtschaft halfen.

Das Kulakentum, das seinen Untergang witterte, suchte Widerstand zu leisten, organisierte den „Getreidestreik“ und glaubte, auf diese Weise die Partei wenn nicht zur Kapitulation, so doch mindestens zum Rückzug zwingen zu können. Im gleichen Jahre 1928 wurde eine große Schädlingsorganisation bürgerlicher Spezialisten im Schachty-Rayon des Donezbeckens aufgedeckt, später auch in anderen Gebieten. Die Schädlinge standen mit imperialistischen Staaten in Verbindung.

Geführt von Stalin, wendete die Partei außerordentliche Maßnahmen gegen das Kulakentum an und brach seinen Widerstand. Die Schädlinge wurden streng bestraft. Genosse Stalin mahnte die Partei, aus der Schachty-Affäre die Lehren zu ziehen, vor allem aber forderte er die bolschewistischen Wirtschaftsleiter auf, selbst technische Fachkenntnisse zu erwerben, Spezialisten zu werden und die Ausbildung neuer technischer Kader aus den Reihen der Arbeiterschaft zu beschleunigen.

Mit dem Übergang der Partei zur Offensive gegen das Kulakentum traten in den Jahren 1928 und 1929 Bucharin, Rykow, Tomski und ihre ganze parteifeindliche Gruppe der rechten Kapitulanten und Restauratoren des Kapitalismus an die Stelle der von der Partei zerschlagenen Trotzkisten und Sinowjewleute. Zur gleichen Zeit machten die Imperialisten, gestützt auf die Kapitulantenarbeit der Rechten, einen neuen Versuch, die Sowjetunion in einen Krieg hineinzuziehen. In den Generalstäben Englands und Frankreichs wurden die Pläne einer neuen Intervention gegen die Sowjetunion ausgearbeitet, die 1929/30 stattfinden sollte.

Ebenso wie der Sieg der Großen Sozialistischen Revolution im Oktober 1917 unmöglich gewesen wäre ohne die Zerschlagung der Kapitulanten und Streikbrecher, der Menschewiki und Sozialrevolutionäre, wäre auch der Sieg des Sozialismus im Dorfe unmöglich gewesen ohne die Zerschlagung der rechten Kapitulanten in den Jahren 1928 und 1929. Von besonderer Bedeutung für den Sieg der Partei über die parteifeindliche Gruppe Bucharin-Rykow waren Stalins Reden „Über die rechte Gefahr in der KPdSU(B)(auf dem Plenum des Moskauer Komitees und der Moskauer Kontrollkommission im Oktober 1928) und „Über die rechte Abweichung in der KPdSU(B) (auf dem Plenum des Zentralkomitees der KPdSU(B) im April 1929).

In diesen Reden Stalins wurden die Rechten restlos als Feinde des Lenin ismus entlarvt; es wurde gezeigt, dass die Rechten eine Kulakenagentur in der Partei sind.

In den Kämpfen gegen die Rechten schweißte Stalin die gesamte Partei zusammen und führte sie zum Sturm auf das letzte Bollwerk der kapitalistischen Ausbeutung in unserem Lande. Das Genie Stalins, sein unbeugsamer Wille und sein weiser Weitblick sicherten den Aufstieg der Revolution auf eine neue, höhere Stufe. Stalin schrieb in seinem historisch gewordenen Aufsatz „Das Jahr des großen Umschwungs“ im Jahre 1929 anlässlich des XII. Jahrestages der Oktoberrevolution:

„Das verflossene Jahr war ein Jahr des großen Umschwungs an allen Fronten des sozialistischen Aufbaus. Dieser Umschwung ging und geht im Zeichen der entschiedenen 0ffensive des Sozialismus gegen die kapitalistischen Elemente in Stadt und Land vor sich. Die charakteristische Besonderheit dieser Offensive besteht darin, dass sie uns bereits eine Reihe von entscheidenden Erfolgen auf den grundlegenden Gebieten des sozialistischen Umbaus (der Rekonstruktion) unserer Volkswirtschaft gebracht hat.“ (J. Stalin, „Fragen des Lenin ismus“, Moskau 1946, S. 321.)

Die Partei erzielte einen entscheidenden Umschwung auf dem Gebiete der Arbeitsproduktivität. Eine der schwierigsten Aufgaben der sozialistischen Industrialisierung, die Aufgabe der Akkumulation von Mitteln für den Aufbau der Schwerindustrie, war im Wesentlichen gelöst. Die Partei hatte einen radikalen Umschwung in der Entwicklung unserer Landwirtschaft, in der Entwicklung unserer Bauernschaft erreicht. Die Kollektivierungsbewegung begann sich stürmisch zu entfalten, in ihrem Entwicklungstempo überholte sie sogar die Großindustrie. Das war der Beginn der kollektivwirtschaftlichen Massenbewegung.

„Das Neue und Entscheidende in der jetzigen kollektivwirtschaftlichen Bewegung besteht darin“, schrieb Stalin, „dass die Bauern nicht wie früher in einzelnen Gruppen, sondern dass ganze Dörfer, Landbezirke und Rayons, ja sogar Kreise in die Kollektivwirtschaften eintreten. Was aber bedeutet das? Das bedeutet, dass der Mittelbauer in die Kollektivwirtschaft gegangen ist. Das ist die Grundlage jenes radikalen Umschwungs in der Entwicklung der Landwirtschaft, der die wichtigste Errungenschaft der Sowjetmacht darstellt...“ (J. Stalin, „Fragen des Lenin ismus“‘ Moskau 1946, S. 331.)

So wurde unter Stalins Führung die historische Wendung von der Politik der Einschränkung und Verdrängung der Kulakenelemente zur Politik der Liquidierung des Kulakentums als Klasse auf der Grundlage der durchgängigen Kollektivierung vorbereitet.

Als ein großes Verdienst Stalins ist es zu betrachten, dass er während dieses Zeitabschnitts der ersten Entfaltung der Industrialisierung und der Kollektivierung, als alle Arbeitskräfte des Landes zur Lösung so großer Aufgaben mobilisiert werden mussten, die Frauenfrage in ihrer ganzen Größe aufrollte, die Frage über die Lage der Frauen, über die Frauenarbeit, über die äußerst wichtige Rolle der Frauen, der Arbeiterinnen und Bäuerinnen im wirtschaftlichen und öffentlich-politischen Gesellschaftsleben auf die gebührende Höhe hob und einer richtigen Lösung zuführte.

„Keine einzige große Bewegung der Unterdrückten in der Geschichte der Menschheit“, sagte Stalin, „ist ohne Teilnahme der werktätigen Frauen ausgekommen. Die werktätigen Frauen, die unter allen Unterdrückten am meisten unterdrückt sind, wollten und konnten niemals abseits der großen Heerstraße der Befreiungsbewegung bleiben. Es ist bekannt, dass die Befreiungsbewegung der Sklaven Hunderte und Tausende Märtyrerinnen und Heldinnen hervorgebracht hat. Zehntausende werktätige Frauen waren in den Reihen der Kämpfer für die Befreiung der Leibeigenen. Es ist nicht verwunderlich, dass die revolutionäre Bewegung der Arbeiterklasse, die machtvollste aller Befreiungsbewegungen der unterdrückten Massen, Millionen von werktätigen Frauen unter ihrem Kampfbanner sammelte.“ („Prawda“ Nr. 56 vom 8.März 1925.)

„Die werktätigen Frauen“, sagt Genosse Stalin weiter, „die Arbeiterinnen und Bäuerinnen, bilden eine ungemein große Reserve der Arbeiterklasse. Diese Reserve macht mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus. Ob diese Frauenreserve für oder gegen die Arbeiterklasse sein wird - davon hängt das Schicksal der proletarischen Bewegung ab, der Sieg oder die Niederlage der proletarischen Revolution, der Sieg oder die Niederlage der proletarischen Staatsmacht. Die erste Aufgabe des Proletariats und seines Vortrupps, der Kommunistischen Partei, besteht daher darin, einen entschiedenen Kampf zu führen, um die Frauen, die Arbeiterinnen und Bäuerinnen, dem Einfluss der Bourgeoisie zu entziehen, die Arbeiterinnen und Bäuerinnen politisch aufzuklären und sie unter dem Banner des Proletariats zu organisieren.“ („Prawda“ Nr. 56 vom 8. März 1925.)

„Aber die werktätigen Frauen“, so fährt Stalin fort, „sind nicht bloß eine Reserve. Eine richtige Politik der Arbeiterklasse vorausgesetzt, können und müssen die werktätigen Frauen zu einer wirklichen Armee der Arbeiterklasse im Kampf gegen die Bourgeoisie werden. Aus der Arbeitsreserve der Frauen eine Armee der Arbeiterinnen und Bäuerinnen zu schmieden, die an der Seite der großen Armee des Proletariats kämpft - darin besteht die zweite und entscheidende Aufgabe der Arbeiterklasse.“ (Ebenda)

Bezüglich der Rolle und Bedeutung der Frauen in den Kollektivwirtschaften sagte Stalin in seiner Rede auf dem Ersten Unionskongress der Stoßarbeiter der Kollektivwirtschaften folgendes:

„Die Frauenfrage in den Kollektivwirtschaften ist eine sehr wichtige Frage, Genossen. Ich weiß, dass viele von euch die Frauen unterschätzen und sich sogar über sie lustig machen. Aber das ist ein Fehler, Genossen, ein großer Fehler. Es handelt sich hier nicht nur darum, dass die Frauen die Hälfte der Bevölkerung bilden. Es handelt sich vor allem darum, dass die kollektivwirtschaftliche Bewegung eine ganze Reihe von ausgezeichneten und fähigen Frauen auf führende Posten gestellt hat. Seht euch diesen Kongress, seine Zusammensetzung an, und ihr werdet erkennen, dass die Frauen schon längst aus Rückständigen zu Fortgeschrittenen aufgerückt sind. Die Frauen in den Kollektivwirtschaften sind eine große Kraft. Diese Kraft ungenutzt lassen, heißt ein Verbrechen begehen. Unsere Pflicht besteht darin, die Frauen in den Kollektivwirtschaften aufrücken zu lassen und diese Kraft auszuwerten.“ (J . Stalin, „Fragen des Lenin ismus“, Moskau 1946, S. 508.)

Stalin sagt weiter: „Was die Kollektivwirtschaftlerinnen selbst anbelangt, so müssen sie der Kraft der Kollektivwirtschaften und der Bedeutung eingedenk sein, die diese für die Frauen haben; sie müssen dessen eingedenk sein, dass sie nur in der Kollektivwirtschaft die Möglichkeit haben, mit den Männern auf gleichem Fuße zu stehen. Ohne Kollektivwirtschaften - Ungleichheit, in den Kollektivwirtschaften - Gleichheit der Rechte. Mögen die Genossinnen Kollektivwirtschaftlerinnen dessen eingedenk sein und mögen sie die kollektivwirtschaftliche Ordnung wie ihren Augapfel hüten.“ (Ebenda S. 509.)

Die Einbeziehung der breitesten Volksmassen unseres Landes in den sozialistischen Aufbau, darunter auch der werktätigen Massen der ehedem unterdrückten und rückständigen Nationen, bedeutete einen gewaltigen Sieg der sowjetischen Ideologie, die in den Massen die wahren Schöpfer der Geschichte sieht, über die bürgerliche Ideologie, die allerlei Legenden darüber verbreitet, als seien die Massen unfähig, selbständig auf allen Lebensgebieten schöpferisch zu wirken. Genosse Stalin entlarvte den reaktionären Wesensinhalt der „Theorie“, die behauptet, dass die Ausgebeuteten nicht ohne die Ausbeuter auskommen könnten. „Eines der wichtigsten Ergebnisse der Oktoberrevolution“, schrieb Genosse Stalin, „ist die Tatsache, dass sie dieser verlogenen ‚Theorie’ den Todesstoß versetzt hat.“ (J. Stalin, „Fragen des Lenin ismus“, Moskau 1946, S. 217.)

Genosse Stalin entlarvte auch die reaktionäre Legende, dass die Völker angeblich in höhere und niedere Rassen zerfallen.

„Früher ‚war es üblich’ zu glauben, die Welt sei von jeher in niedere und höhere Rassen, in Farbige und Weiße, eingeteilt, die einen zur Zivilisation unfähig und vom Schicksal verdammt, Ausbeutungsobjekte zu sein, die anderen aber, die einzigen Träger der Zivilisation, berufen, die ersteren auszubeuten. Jetzt muss diese Legende als zerschlagen und erledigt betrachtet werden. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Oktoberrevolution ist die Tatsache, dass sie dieser Legende den Todesstoß versetzt hat, indem sie in der Praxis zeigte, dass die befreiten, nichteuropäischen Völker, in den Strom der Sowjetentwicklung einbezogen, nicht minder als die europäischen Völker befähigt sind, eine wirklich fortschrittliche Kultur und eine wirklich fortschrittliche Zivilisation zu entwickeln.“ (Ebenda S. 218.)

                

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