Zentralkomitee der KPdSU(B)

Die Lehren aus den Ereignissen im Zusammenhang mit dem Meuchelmord am Genossen Kirow

(Interner Brief des ZK der KPdSU, 18. Januar 1935)

An alle Parteiorganisationen

Jetzt, da die Ursache des Verbrechens, die antisowjetische Sinowjew-Gruppe, beseitigt ist und die Schuldigen an dem Verbrechen ihre verdiente Strafe erhalten haben, hält das ZK die Zeit für reif, die Schlussfolgerungen zu ziehen, aus den Ereignissen im Zusammenhang mit der Ermordung des Gen. Kirow, diese politisch zu analysieren und die Lehren aus der Analyse dieser Ereignisse zu erkennen.

Dieser Brief des ZK der KPdSU soll den Parteikadern die Aufgabe erleichtern, die Ergebnisse zu verstehen.

I
TATSACHEN

Zunächst müssen folgende unbestreitbare Tatsachen festgestellt werden, die die Untersuchung und das Gerichtsverfahren ergeben haben:

Den Meuchelmord hat die Lenin grader Gruppe der Sinowjew-Leute begangen, die sich „ Lenin grader Zentrum“ nennt.

Das „ Lenin grader Zentrum“ wurde ideologisch beeinflusst vom „Moskauer Zentrum“ der Sinowjew-Leute, das offensichtlich nichts von der Vorbereitung des Mordes an Gen. Kirow wusste, das aber mit Sicherheit von der terroristischen Stimmung des „ Lenin grader Zentrums“ wusste und diese Stimmung schürte.

Diese beiden „Zentren“, die zusammengehören wie der Anstifter eines Verbrechens und der Täter, bildeten eine Einheit, denn sie waren verbunden durch eine vom Leben widerlegte trotzkistisch-sinowjewsche Plattform und ein gemeinsames prinzipienloses, karrieristisches Ziel: in hohe Funktionen von Partei und Regierung zu gelangen, koste es, was es wolle.

Die Sinowjew-Leute, die durch ihre reaktionäre Plattform das Vertrauen der Arbeiterklasse verloren haben und die mögliche Unterstützung der Masse der Parteimitgliedern, sind für ihre verbrecherischen Ziele in den Sumpf des konterrevolutionären Abenteurertums, in den Sumpf des antisowjetischen individuellen Terrors geraten und haben schließlich Verbindung zum lettischen Konsul in Lenin grad aufgenommen, einem Agenten der deutsch-faschistischen Interventionisten.

Um ihre Verbrechen vor der Partei zu verbergen und ihre Mitgliedsbücher der Partei zu behalten, die ihnen Zutritt zu allen Institutionen und allen Parteiführern verschaffen, wurden die Sinowjew-Leute Doppelzüngeler gegenüber der Partei und tarnen ihre Verbrechen durch Schwüre und Beteuerungen über ihre Treue zur Partei und ihrer Ergebenheit gegenüber der Sowjetmacht; sie sind also denselben Weg gegangen, den weißgardistische Saboteure, Spione und Provokateure beschreiten, wenn sie in unser Lager eindringen wollen, sich in unser Vertrauen einschleichen wollen und Unheil stiften wollen.

Die mit Mitgliedsbüchern der Partei getarnte Doppelzüngelei erleichterte es den Sinowjew-Leuten, den Meuchelmord an Gen. Kirow vorzubereiten und auszuführen.

Durch fehlende Wachsamkeit in der Lenin grader Parteiorganisation, und vor allem durch die Unaufmerksamkeit in den Organen des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten in Lenin grad, die fahrlässig die elementarsten Anforderungen des Personenschutzes vernachlässigten - die keinerlei ernsthafte Schutzmaßnahmen ergriffen, obwohl sie bereits einen Monat vor der Ermordung des Gen. Kirow von verschiedenen Seiten über die Vorbereitung eines Attentats auf Gen. Kirow informiert worden waren -, wurde es der Partei und der Regierung unmöglich, den Meuchelmord zu verhindern.

Das sind die Tatsachen die unbestreitbar sind, die ermittelt wurden durch die Untersuchung und das Gerichtsverfahren.

II
POLITISCHE EINSCHÄTZUNG

Wie konnte es passieren, dass die Partei die Existenz der weit verzweigten konterrevolutionären Sinowjew-Gruppe nicht bemerkte und die Lenin grader Parteiorganisation und vor allem die Lenin grader Organe des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten die konterrevolutionäre, terroristische „Arbeit“ des „ Lenin grader Zentrums“ nicht nur übersehen hatten, sondern auch keine nötigen Schutzmaßnahmen ergriffen haben, selbst nachdem sie von verschiedenen Personen Hinweise auf die Vorbereitung eines Attentats auf Gen. Kirow erhielten?

Es muss berücksichtigt werden, dass die konterrevolutionäre Sinowjew-Gruppe etwas völlig Neues darstellt, in der Form, wie sie in der Untersuchung und im Gerichtsverfahren zutage getreten ist. In der Geschichte unserer Partei gibt es keinen Präzedenzfall dafür. In der Geschichte unserer Partei hat es nicht wenige Fraktionen gegeben. Diese Gruppen haben gewöhnlich das Ziel verfolgt, ihre Ansichten der Parteilinie entgegenzustellen und sie öffentlich vor der Partei zu verteidigen. Die Geschichte unserer Partei kennt aber keine einzige Gruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihre Ansichten zu verheimlichen und ihre Politik zu verbergen, die Treue zur Parteilinie heuchelte und gleichzeitig Anschläge auf Parteiführer vorbereitet hat. Die Sinowjew-Gruppe ist die einzige Gruppe in der Geschichte unserer Partei, die Doppelzüngelei zu ihrem Gebot gemacht hat und in den Sumpf des konterrevolutionären Terrorismus abgerutscht ist, wobei sie ihre Taten dadurch tarnte, dass sie in der Presse und auf dem Parteitag immer wieder ihre Treue zur Partei beteuerte. Die Partei und ihre Führung konnten nicht ahnen, dass langjährige Parteimitglieder wie Sinowjew, Kamenew, Jewdokimow und Bakajew so tief sinken könnten und am Ende mit dem weißgardistischen Pack gemeinsame Sache machen würden.

Was die Lenin grader Parteiorganisation betrifft und besonders die Organe des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten, so waren diese an manchen Orten in Fragen der Sicherheit von einer Gutmütigkeit und Nachlässigkeit, die für einen Bolschewiken nicht statthaft ist, wobei sie von dem Irrtum ausgingen, mit unseren wachsenden Erfolgen, mit dem damit verbundenen fortschreitenden Misserfolg unserer Feinde, würden unsere Feinde immer zahmer und ungefährlicher und es gäbe deshalb keinen Grund für die Sorge, dass unsere Feinde, die ihre letzten Tage erleben, könnten als „letztes Mittel“ zum Terror greifen.

Die Partei sagt schon lange, je stärker die UdSSR wird und je hoffnungsloser die Lage ihrer Feinde ist, können diese Feinde wegen ihrer aussichtslosen Lage in den Sumpf des Terrors gleiten und dass es deshalb nötig ist, die Wachsamkeit unserer Menschen zu erhöhen. Doch diese Erkenntnis ist für einige unserer Lenin grader Genossen offensichtlich ein Buch mit sieben Siegeln geblieben.

Wie anders lässt sich die Tatsache erklären, dass es die Organe des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten in Lenin grad für überflüssig hielten, die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu treffen, trotz der Warnungen mehrerer Genossen über die Vorbereitung eines Attentats auf Gen. Kirow?

Wie anders lässt sich die Tatsache erklären, dass der Mörder des Genossen Kirow, das Scheusal L. Nikolajew, der drei Wochen vor dem Mord in der Nähe von Kirows Wagen festgehalten wurde, nicht einmal durchsucht wurde, weil er den Tschekisten ein Mitgliedsbuch der Partei vorwies? Ist es denn für einen Tschekisten so schwer zu begreifen, dass man ein Mitgliedsbuch der Partei fälschen oder stehlen kann, dass ein Mitgliedsbuch der Partei keine Garantie sein kann, wenn nicht seine Echtheit geprüft und sein Inhaber überprüft wurde, noch dazu, wenn man es mit einer verdächtigen Person zu tun hat, einer Person, die sich mehr als verdächtig verhielt, als Gen. Kirow sich dem wartenden Auto näherte? Wo ist da die Wachsamkeit geblieben?

Es mag eigenartig erscheinen und gegen die Natur, dass Mitglieder unserer Partei, die Mitglieder der Sinowjew-Gruppe, als Vollstrecker des Terrors auftreten, der das letzte Mittel des Kampfes der sterbenden bürgerlichen Klassen gegen die Sowjetmacht ist. Doch wenn man dies näher betrachtet, so versteht man leicht, dass nichts Eigenartiges darin liegt nichts Unnatürliches. In einer so riesigen Partei wie unserer können sich einige Dutzend und einige Hundert Ausgeburten leicht verbergen, die mit der Partei Lenin s gebrochen haben und faktisch zu Helfershelfern der Weißgardisten geworden sind.

War Malinowski denn kein Spitzel, der aus der Arbeiterklasse hervorgegangen ist und 1913 Mitglied der bolschewistischen Fraktion in der Duma war? Und was ist ein „bolschewistischer“ Spitzel denn anderes als eine Ausgeburt unserer Partei und ein Verräter unserer bolschewistischen Partei? Und Malinowski war nicht der einzige Spitzel in unserer Partei.

Haben sich Sinowjew und Kamenew, die früher Schüler und enge Mitarbeiter Lenin s waren, nicht wie Ausgeburten, nicht wie Verräter unserer Partei aufgeführt, als sie vor und nach dem Aufstand im Oktober 1917 offen und direkt gegen ihren Lehrer Lenin und dessen Partei auftraten, vor der Bourgeoisie? Wie soll man diesen Verrat anders nennen als das Verhalten von Ausgeburten und Feinden unserer Partei? Und Sinowjew und Kamenew waren nicht die einzigen Mitglieder unserer Partei, die die Bezeichnung Ausgeburten und Feinde unserer Partei verdient haben.

Es wurde festgestellt, dass Anatoli Rumjanzew, der Bruder des nicht unbekannten Wladimir Rumjanzew – einer der Pfeiler der Lenin grader Sinowjew-Leute, er wurde in Lenin grad erschossen – 1919 während des Angriffs von General Judenitsch auf Lenin grad zu dessen Truppen übergelaufen war, dort gefangene Kommunisten erschoss, weißgardistische Truppen gegen die Rote Armee auf Lenin grad befehligte und wo er konnte weiteres Unheil stiftete. Als er 1920 nach Lenin grad zurückkam, nach der Zertrümmerung Judenitschs, und in unsere Partei aufgenommen werden wollte, da hat ihn sein Bruder Wladimir Rumjanzew, ein Mitglied unserer Partei, ein Mitglied der Sinowjew-Gruppe, nicht etwa vor der Partei als Weißgardist entlarvt und als Feind der Arbeiterklasse, sondern ihm im Gegenteil mit seiner ganzen Autorität geholfen, Mitglied der Partei zu werden. Man fragt sich: Gibt es einen großen Unterschied zwischen dem vernagelten Weißgardisten Anatoli Rumjanzew und seinem Bruder Wladimir Rumjanzew, ein Mitglied unserer Partei, einem der Führer der Sinowjew-Gruppe in Lenin grad, die den Meuchelmord an Gen. Kirow organisiert hat? Ist es nicht klar, dass Wladimir Rumjanzew, der seinen Bruder, den Weißgardisten, gedeckt und durch Betrug in die Partei gebracht hat, selbst schon lange vor dem Mord an Gen. Kirow zu einem Weißgardisten wurde und zu einem Feind unserer Partei?

Man stellte fest, dass Pjotr Nikolajew, der Bruder Leonid Nikolajews, des Mörders von Gen. Kirow, der auch Mitglied der Sinowjew-Gruppe in Lenin grad war, die Ausgeburt eines Weißgardisten war. Er desertierte zweimal aus der Roten Armee, lebte illegal in Lenin grad, verkehrte dort mit Weißgardisten und war mit einem Revolver in der Hand auf der Suche nach einer Gelegenheit, irgendeinen verantwortlichen Funktionär der Partei zu ermorden, um dann über die Grenze zu fliehen und sich so der strafenden Hand der Sowjetmacht zu entziehen. Und Leonid Nikolajew, das Mitglied der Partei und der Sinowjew-Gruppe, hat ihm nicht etwa vor den Organen der Sowjetmacht die Maske abgerissen, sondern hat ihn in seiner Wohnung versteckt, ihm einen Revolver verschafft und ihm einen Paß versprochen, für den Fall einer Flucht ins Ausland. Ist es nicht klar, dass es zwischen dem offenkundigen Weißgardisten Pjotr Nikolajew und seinem Bruder Leonid Nikolajew, dem Mitglied der Sinowjew-Gruppe in Lenin grad und späteren Mörder von Gen. Kirow, keinen Unterschied mehr gibt und dass Leonid Nikolajew schon lange vor dem Mord an Gen. Kirow ein Feind der Partei war und ein Weißgardist reinsten Wassers?

Ist es da ein Wunder oder unnatürlich, wenn gerade W. Rumjanzew und L. Nikolajew, diese Ausgeburten aus unserer Partei, zu Vollstreckern des konterrevolutionären Verlangens des Packs der Weißgardisten wurden, die ihre reiche Erfahrung haben, im Betrügen der Partei und im Verbergen ihrer weißgardistischen Verwandten vor der strafenden Hand der Sowjetmacht?

Es ist kein Zufall, dass Ausgeburten wie W. Rumjanzew und L. Nikolajew in schöner Eintracht mit ihren Freunden, ebensolchen Ausgeburten wie Kotolynow und Schazki, sich gerade in der Sinowjew-Gruppe zuhause fühlten. Nur die Sinowjew-Gruppe mit ihrem Hass auf die Parteiführung, mit ihrem Verrat und ihrer Doppelzüngelei vor der Partei, mit ihrer politischen Prinzipienlosigkeit, mit ihrer Bereitschaft, alle Mittel und alle Tricks anzuwenden, nur eine solche kleinbürgerliche konterrevolutionäre Gruppe konnte solche Ausgeburten wie Rumjanzew, Nikolajew, Kotolynow und Schazki zu den „ihren“ zählen, nur eine so niederträchtige Gruppe konnte für diese Ausgeburten die „passende“ Ideologie zusammenbasteln, die als „Rechtfertigung“ ihrer weißgardistischen Taten dienen kann.

Denn: was ist die parteifeindliche Sinowjew-Gruppe, nachdem ihr wahres Gesicht durch das Material der Untersuchung und des Gerichtsverfahrens endgültig sichtbar wurde?

Der Lenin ismus fordert, dass die Mitglieder treue Söhne ihrer Partei sind und ihr völlig ergeben. Aber die Sinowjew-Leute haben dies durch Verrat ersetzt, Verrat gegenüber der Partei und gegenüber den Interessen der Partei, und haben sich hinter Erklärungen wie hinter einer Maske versteckt, über ihre angebliche Treue und Ergebenheit gegenüber der Partei.

Der Lenin ismus fordert, dass die Mitglieder der Partei fest in ihren politischen Prinzipien sind und ehrlich gegenüber der Partei. Bei den Sinowjew-Leuten aber wurden ihre Erklärungen über Prinzipienfestigkeit und Ehrlichkeit gegenüber der Partei zu einer Maske, die ihre eigene politische Prinzipienlosigkeit und Doppelzüngelei verdecken soll, ihre Heuchelei und ihren Verrat gegenüber der Partei.

Der Lenin ismus vertritt die Ansicht, die Minderheit soll nicht versuchen, der Mehrheit der Partei ihren Willen aufzuzwingen, die Minderheit muss sich unbedingt der Mehrheit unterordnen, denn dies ist die Grundlage des demokratischen Zentralismus. Die Sinowjew-Leute jedoch gehen davon aus, dass die Minderheit das Recht hat, der Mehrheit der Partei ihren Willen aufzuzwingen, auch durch Gewalt oder Terror. Dies bezeichnen sie als innerparteiliche Demokratie!

Der Lenin ismus spricht sich gegen individuellen Terror aus. Die Sinowjew-Leute aber sind der Ansicht, der individuelle Terror sei in Bezug auf Funktionäre der Partei sehr wohl anwendbar, auch wenn er im Kampf gegen die Bourgeoisie abgelehnt wird.

Das sind einige besonders in Auge fallende Züge der antisowjetischen Sinowjew-Gruppe.

Ist es nicht klar, nur eine so niederträchtige Gruppe konnte Ausgeburten wie Nikolajew, Rumjanzew, Kotolynow und Schazki beherbergen, „erziehen“ und völlig verderben?

Ist es nicht klar, nur „Zöglinge“ dieser niederträchtigen Gruppe das geeignetste Instrument zur Befriedigung des terroristischen Verlangens der konterrevolutionären Bourgeoisie und faschistisch-weißgardistischen Agenten sein konnten, noch dazu mit Mitgliedsbüchern, die ihnen Zugang zu allen Parteiinstitutionen verschafften,?

III
SCHLUSSFOLGERUNGEN

Aus dem oben gesagten ergeben sich folgende zentrale Schlussfolgerungen:

Die parteifeindliche Sinowjew-Gruppe ist die einzige Gruppe in der Geschichte unserer Partei, die in ihrer Praxis Doppelzüngelei zu einem Prinzip werden ließ. Die Geschichte unserer Partei kennt nicht wenige Fraktionen. Der Unterschied zu diesen bestand darin, dass diese ihre Meinungsverschiedenheit mit der Partei, ihre Ansichten nicht verbargen und sie offen vor der Partei verteidigten. Erst in den letzten sieben bis acht Jahren, als der politische Sieg der Partei unübersehbar wurde, die Richtigkeit der Linie der Partei und damit die Hoffnungslosigkeit des Standpunkts aller parteifeindlichen Gruppen, begannen die Überreste der alten Fraktionen ihre Ansichten zu tarnen und beschritten zum Teil den Weg der Doppelzüngelei. Die Sinowjew-Gruppe ist die einzige Gruppe, die ihre Meinungsverschiedenheiten mit der Partei nicht nur verbirgt, sondern, um Vertrauen zu gewinnen und die Partei zu betrügen, ihre eigene Plattform öffentlich angeprangert und der Partei die Treue geschworen hat. Die Tatsache, dass der gemeine Mörder Nikolajew, der Verräter, der Judas, ein Mitglied der Partei war, wie auch Personen, die ihn zu diesem ungeheuerlichen Verbrechen anstifteten, sich nicht nur hinter dem Parteibuch versteckten, sondern auch offen einen Treuebeschwur zur Partei und zum ZK ablegten, diese Tatsache beweist unwiderlegbar, Doppelzüngelei war der einzige Glauben, den die Sinowjew-Gruppe anerkannte und dem sie folgte.

Die Fraktion der Sinowjew-Gruppe war die verräterischste und verachtungswürdigste von allen Fraktionen in der Geschichte unserer Partei.

Die Sinowjew-Fraktion ist die einzige Gruppe in der Geschichte unserer Partei, die es für möglich hielt, mit Terrorismus gegen die Partei zu kämpfen und gegen die Führung der Partei. Die Geschichte unserer Partei kennt nicht wenig Fraktionen. Im Kampf dieser Gruppierungen gegen die Linie der Partei wie auch im Kampf der Partei gegen diese Gruppierungen wurden üblicherweise folgende Mittel angewandt: Formulierung der Meinungsverschiedenheiten, Klärung der Meinungsverschiedenheiten, Diskussion innerhalb der Führung der Partei unter Ausschluss der Öffentlichkeit, offene Diskussion in der Presse und auf Parteiversammlungen, Abstimmung und Auszählung der Stimmen, Unterordnung der Minderheit unter die Mehrheit und der Ausschluss derjenigen aus der Partei, die sich nicht der Mehrheit unterordneten, und der unverbesserlichen Anhänger der Fraktion, welche die Disziplin verletzt und die Einheit der Partei gefährdet haben. Die Geschichte unserer Partei kennt kein einziges Beispiel, dass Fraktionen versucht hätten Terrorismus anzuwenden. Die Geschichte unserer Partei kennt kein einziges Beispiel, dass eine in der Minderheit gebliebene Gruppierung versucht hätte, der Mehrheit der Partei durch Gewalt und durch Terror ihren Willen aufzuzwingen und terroristische Anschläge auf Vertreter der Mehrheit der Partei zu versuchen. Die Sinowjew-Fraktion ist in der Geschichte unserer Partei die einzige Gruppe in den verachtungswürdigen Weißgardismus abgeglitten ist, nachdem sie mit ihren Kräften am Ende war und jede Unterstützung der Masse der Parteimitglieder verloren hatte.

Die Sinowjew-Fraktion war praktisch eine maskierte weißgardistische Organisation, die es verdient, dass mit ihren Mitgliedern umgegangen wird wie mit Weißgardisten.

Unter den jetzigen Bedingungen des vollständigen und entscheidenden Sieges der Politik der Partei, wo der öffentliche Kampf gegen die Politik der Partei aussichtslos geworden ist, kann Doppelzüngelei feindliche Elemente innerhalb der Partei nur vertuschen und unterstützen. Die Aufgabe besteht darin, dieses Übel mit der Wurzel auszureißen und auszurotten. Ein Doppelzüngler betrügt nicht nur die Partei. Ein Doppelzüngler ist gleichzeitig auch ein Spion unserer Feinde, deren Saboteur, deren Spitzel, der durch Betrug in unsere Partei eingedrungen ist und das Fundament unserer Partei und damit auch unseres Staates zu untergraben versucht. Die Macht unserer Partei, der Regierungspartei, zu untergraben, heißt, die Macht unseres Staates zu untergraben. Daher kann man sich bei einem solchen Doppelzüngler nicht beschränken auf Ausschluss aus der Partei; er muss verhaftet werden und isoliert, um ihn daran zu hindern, die Macht des Staates der Diktatur des Proletariates zu untergraben.

Man muss mit der opportunistischen Gutgläubigkeit Schluss machen, die von der falschen Annahme ausgeht, der Feind werde mit dem wachsen unserer Kräfte immer zahmer und ungefährlicher wird. Eine solche Annahme ist völlig falsch. Eins solche Annahme ist ein Überbleibsel der rechten Abweichungen, die alle davon überzeugen wollten, dass die Feinde langsam in den Sozialismus hineinwachsen, bis sie schließlich zu wahren Sozialisten würden. Die Sache der Bolschewiki ist es nicht, sich auf Lorbeeren auszuruhen und Maulaffen feilzuhalten. Wir brauchen keine Gutgläubigkeit, sondern Wachsamkeit, richtige bolschewistische revolutionäre Wachsamkeit. Es muss uns bewusst sein: je aussichtsloser die Lage der Feinde ist, umso eher werden sie zum „äußersten Mittel“ greifen, dem einzigen Mittel im Kampf gegen die Sowjetmacht der dem Untergang Geweihten. Man muss sich dessen bewusst und wachsam sein. Die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Mord an Gen. Kirow zeigen, das Nichterkennen dieser Wahrheit haben die Mitarbeiter des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten teuer bezahlen müssen. Dies soll uns eine Lehre sein. Natürlich sollte man die Lenin grader Mitarbeiter des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten nicht ohne Unterschiede tadeln. Man muss sie zweifellos in personeller Hinsicht und auch durch Ratschläge systematisch unterstützen, ihre Wachsamkeit schärfen und ihre Kampfbereitschaft verbessern und festigen. Denn Lenin grad ist die einzige Stadt, in der es noch die meisten ehemaligen zaristischen Beamten und Gesinde gibt, ehemalige zaristische Polizisten, die sich überall ausbreiten und unseren Apparat zersetzen und verderben und wo es die Nähe zur Grenze leicht möglich macht, sich Verfolgungen zu entziehen. Sie verleiht verbrecherischen Elementen das Gefühl, straffrei ausgehen zu können, und darum ist die bolschewistische Wachsamkeit der Leitstern, der vor allem und insbesondere den Lenin grader Mitarbeitern den Weg erhellen soll.

Der Unterricht in der Geschichte der Partei muss für die Mitglieder der Partei auf die erforderliche Höhe gehoben werden, ebenso das Studium aller parteifeindlichen Gruppen in der Geschichte unserer Partei, ihre Kampfmethoden gegen die Parteilinie, ihre Taktik und – noch mehr – die Taktik und Methoden der Partei im Kampf gegen die parteifeindlichen Gruppen, die Taktik und Methoden, die es unserer Partei möglich machten, diese Gruppen zu bekämpfen und zu zerschlagen. Die Mitglieder der Partei sollen nicht nur wissen, wie die Partei gekämpft hat, wie sie mit den Kadetten fertig geworden ist, mit den Sozialrevolutionären, den Menschewiki und den Anarchisten, sondern auch wie die Partei mit den Trotzkisten gekämpft hat, den „demokratischen Zentralisten“, der „Arbeiteropposition“, den Sinowjew-Leuten, den Rechtsabweichlern, den rechts- und linkssektiererischen Ausgeburten und so weiter fertig wurde. Es darf nicht vergessen werden, das Kennen und Verstehen der Geschichte unserer Partei ist das wichtigste Mittel für die Gewährleistung der revolutionären Wachsamkeit der Mitglieder der Partei.

Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki)

Raubdruck unbekannter Herkunft und Datierung

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