PROZESSBERICHT
ÜBER DIE STRAFSACHE
DES TROTZKISTISCH-SINOWJEWISTISCHEN
TERRORISTISCHEN ZENTRUMS

MORGENSITZUNG VOM 19. AUGUST 1936

Die Gerichtsverhandlung des Militärkollegiums des Obersten Gerichtshofes der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken wird am 19. August 1936 um 12 Uhr 10 Minuten im Oktobersaal des Gewerkschaftshauses eröffnet. Den Vorsitz führt der Armee-Militärjurist W. W. Ulrich, Mitglieder des Gerichts sind: Korps-Militärjurist I. O. Matulewitsch, Divisions-Militärjurist I. T. Nikittschenko; Ersatzmitglied des Gerichts ist Divisions-Militärjurist I. T. Goljakow, Sekretär - Militärjurist 1. Ranges A. F. Kostjuschko.

Die Anklage vertritt der Staatsanwalt der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken Genosse A. J. Wyschinski.

Der Vorsitzende Genosse Ulrich erklärt die Sitzung für eröffnet, stellt die Personalien der Angeklagten fest und fragt sie, ob sie Einwendungen gegen die Zusammensetzung des Gerichts und den staatlichen Ankläger erheben: Nach der Antwort der Angeklagten, dass keine Einwendungen bestehen, erklärt der Vorsitzende, dass allen Angeklagten, da sie auf Verteidiger verzichtet haben, alle Rechte der Verteidigung persönlich gewährt werden, d. h. das Recht, den Zeugen und den anderen Angeklagten Fragen zu stellen, während der Verhandlung Anträge zu stellen, Verteidigungsreden zu halten usw. Außerdem bleibt ihnen das Recht des Schlussworts vorbehalten.

Der Sekretär verliest die Anklageschrift.

ANKLAGESCHRIFT

in Sachen G. J. Sinowjew, L. B. Kamenew, G. J. Jewdokimow, I. N. Smirnow, I. P. Bakajew, W. A. Ter-Waganjan, S. W. Mratschkowski, J. A. Dreitzer, E. S. Golzman, I. I. Reingold, R. W. Pikel, V. P. Olberg, K. B. Berman-Jurin, Fritz David (I. I. Krugljanski), M. Lurie und N. Lurie, die der Verbrechen gegen Artikel 58-8, 19 und 58-8, 58-11 des Strafgesetzbuches der RSFSR angeklagt werden.

Am 15. und 16. Januar 1935 behandelte das Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes der Union der SSR während der in Lenin grad abgehaltenen Tagung die Strafsache gegen die illegale konterrevolutionäre Gruppe von Sinowjewleuten, die sich „Moskauer Zentrum“ nannte und deren Hauptleiter neben anderen in diesem Prozess Verurteilten G. J. Sinowjew, L. B. Kamenew, G. J. Jewdokimow, und I. P. Bakajew, waren.

Die Voruntersuchung und die Hauptverhandlung in dieser Strafsache ergaben, dass das so genannte „Moskauer Zentrum“ während einer Reihe von Jahren die konterrevolutionäre Tätigkeit verschiedener illegaler Gruppen von Sinowjewleuten geleitet hatte, darunter auch die konterrevolutionäre Tätigkeit der Lenin grader Gruppe Nikolajew-Kotolynow, die am 1. Dezember 1934 den niederträchtigen Mord an dem Genossen J. M. Kirow beging.

Das Gericht stellte fest, dass das so genannte „Moskauer Zentrum“, als ideologische und politische Leitung der Lenin grader Gruppe der Sinowjewleute, von den terroristischen Stimmungen dieser Gruppe gewusst und diese Stimmungen in jeder Weise angefacht hatte.

Das mussten auch die Angeklagten Sinowjew und Kamenew gestehen, die jede Beteiligung an der Ermordung des Genossen S. M. Kirow leugneten und heuchlerisch vor Gericht erklärten, dass sie für die Ermordung des Genossen Kirow nur moralisch und politisch verantwortlich seien.

Wie sich jetzt herausgestellt hat, verfügten die Untersuchungs- und Gerichtsorgane vor anderthalb Jahren bei der Untersuchung des Mordes an dem Genossen S. M. Kirow nicht über den gesamten Tatbestand, der die tatsächliche Rolle der Leiter des so genannten „Moskauer Zentrums“ einerseits und der Leiter der trotzkistischen illegalen Organisationen anderseits in der weißgardistischen terroristischen illegalen Tätigkeit der Sinowjewleute aufdeckt.

Auf Grund neu zutage getretener Umstände, die im Jahre 1936 im Zusammenhang mit der Aufdeckung einer Reihe von Terroristengruppen der Trotzkisten und Sinowjewleute durch die Untersuchungsorgane klargestellt worden sind, hat die Voruntersuchung ergeben, dass die im Prozess gegen das „Moskauer Zentrum“ Verurteilten Sinowjew, Kamenew, Jewdokimow und Bakajew in Wirklichkeit nicht nur von den terroristischen Stimmungen ihrer Anhänger in Lenin grad wussten, sondern auch die direkten Organisatoren des Mordes an dem Genossen S. M. Kirow waren.

Die Voruntersuchung hat auch ergeben, dass Sinowjew, Kamenew, Jewdokimow, Bakajew und eine Reihe anderer in der vorliegenden Sache Angeklagten, von denen weiter unten die Rede sein wird, die Initiatoren und. Organisatoren von Anschlägen waren, die auch auf das Leben anderer Führer der KPdSU(B) und, der Sowjetregierung vorbereitet wurden.

Desgleichen hat die Voruntersuchung ergeben, dass die Sinowjewleute ihre verbrecherische terroristische Praxis in direktem Block mit den Trotzkisten und dem im Ausland befindlichen L. Trotzki betrieben.

Diese neu zutage getretenen Umstände ergeben unzweifelhaft:

  1. dass Ende 1932 die Vereinigung der trotzkistischen Gruppe und der Sinowjew-Gruppe zustande kam, die ein vereinigtes Zentrum organisierten, bestehend aus den in der vorliegenden Sache angeklagten Sinowjew; Kamenew, Jewdokimow, Bakajew (von den Sinowjewleuten) und I. N. Smirnow, Ter-Waganjan und Mratschkowski (von den Trotzkisten);
  2. dass die Hauptbedingung der Vereinigung dieser konterrevolutionären Gruppen die beiderseitige Anerkennung des individuellen Terrors gegen die Führer der KPdSU(B) und der Sowjetregierung war;
  3. dass gerade von dieser Zeit an (Ende 1932) die Trotzkisten und die Sinowjewleute - auf direkte Weisungen L. Trotzkis, die das vereinigte Zentrum durch spezielle Agenten erhielt -, ihre ganze feindselige Tätigkeit gegen die KPdSU(B) und die Sowjetregierung hauptsächlich auf die Organisierung von Terrorakten gegen die hervorragendsten Führer der KPdSU(B) und der Sowjetregierung konzentrierten;
  4. dass das vereinigte Zentrum zu diesem Zweck spezielle terroristische Gruppen organisierte, die eine Reihe praktischer Maßnahmen zur Ermordung der Genossen Stalin, Woroschilow, Kaganowitsch, Kirow, Ordshonikidse, Shdanow, Kossior, Postyschew u. a. getroffen haben;
  5. dass durch eine dieser terroristischen Gruppen, bestehend aus Nikolajew, Rumjanzew, Mandelstam, Lewin; Kotolynow u. a., die am 28. und 29. Dezember 1934 vom Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes der Union der SSR verurteilt wurden, am 1. Dezember 1934 auf direkte Weisung Sinowjews und L. Trotzkis und unter unmittelbarer Leitung des vereinigten Zentrums der niederträchtige Mord an dem Genossen S. M. Kirow ausgeführt wurde.

I. DAS TROTZKISTISCH-SINOWJEWISTISCHE VEREINIGTE TERRORISTISCHE ZENTRUM

Die Aussagen Sinowjews, Kamenews, Jewdokimows, Mratschkowskis, Bakajews und einer Reihe anderer in der vorliegenden Sache Angeklagten haben unzweifelhaft ergeben, dass das einzige Motiv der Organisierung des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks das Bestreben war, um jeden Preis die Macht zu ergreifen, und dass als einziges und entscheidendes Mittel dazu die Organisierung von Terrorakten gegen die hervorragendsten Führer der Partei und der Regierung gewählt wurde.

Ohne jede Stütze in der Arbeiterklasse und in den werktätigen Volksmassen der UdSSR, ohne jeden Rest eines ideologischen Rüstzeugs, ohne jedes politische Programm, durchdrungen vom wütenden Hass gegen die sozialistischen Siege unserer Heimat, sind Trotzki, Sinowjew und Kamenew, die Führer des trotzkistisch-sinowjewistischen konterrevolutionären Blocks, endgültig in den weißgardistischen Sumpf versunken, haben sie sich mit den grimmigsten Feinden der Sowjetmacht zusammengeschlossen und verschmolzen, haben sie sich in die organisierende Kraft der Überreste der in der UdSSR zertrümmerten Ausbeuterklassen verwandelt. In ihrer Verzweiflung und ihrem Hass haben sie im Kampf gegen die Sowjetregierung und die Führer der KPdSU(B) zu dem niederträchtigsten Mittel gegriffen: zu politischen Morden. Anfänglich gaben sie angesichts der ersten Erfolge des Sozialismus in der UdSSR die Hoffnung nicht auf, dass Schwierigkeiten auftauchen würden, mit denen die Sowjetregierung ihren Berechnungen nach nicht würde fertig werden können. Als sie dann aber sahen, dass diese Schwierigkeiten mit Erfolg überwunden werden und unser Land aus den Schwierigkeiten siegreich hervorgeht, setzten sie ganz offen auf eine Komplikation der internationalen Beziehungen, auf den Krieg und auf eine Niederlage der Sowjetmacht.

Da sie keine für sie günstige Perspektive sehen, greifen sie zur Waffe, organisieren sie illegale terroristische Gruppen und wenden das niederträchtigste Kampfmittel an - den Terror.

Gegenwärtig motivieren die trotzkistisch-sinowjewistischen Verschwörer ihren Kampf gegen die KPdSU(B) und die Sowjetmacht bereits nicht mehr mit der angeblich unrichtigen Politik der Partei und der Sowjetregierung, nicht damit, dass die KPdSU(B) und die Sowjetmacht das Land angeblich dem Untergang entgegenführen, wie sie früher verlogen und verleumderisch behaupteten.

Das Hauptmotiv für die Anwendung von Terror sehen sie jetzt in den Erfolgen des Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR, in den Erfolgen bei dem kulturellen und wirtschaftlichen Aufstieg des Landes; diese Erfolge, die den ideologischen und politischen Bankrott der Trotzki- Sinowjewleute demonstrieren, steigern noch mehr ihre Wut gegen die Sowjetmacht und stärken sie in ihrem Bestreben, sich an der Sowjetmacht wegen des eigenen politischen Fiaskos durch Anwendung von Terror zu rächen.

Trotz des hartnäckigen Leugnens musste der Angeklagte Sinowjew unter der Wucht der ihm durch die Untersuchungsorgane vorgehaltenen Beweise gestehen, dass

„...das trotzkistisch- sinowjewistische Zentrum sich als Hauptaufgabe die Ermordung der Führer der KPdSU(B) und in erster Linie die Ermordung Stalins und Kirows stellte.“ (Bd. XII, Blatt 16.)

Ein anderer an diesem Zentrum Beteiligter, der Angeklagte Reingold, hat bei der Vernehmung am 3. Juli 1936 ausgesagt:

„...Die Hauptsache, in der sich alle Teilnehmer des Blocks, einig waren, war ... die Anerkennung der Notwendigkeit, alle Kräfte zu konsolidieren, um sich der Parteiführung zu bemächtigen. Ich muss gestehen, dass die Hauptaufgabe des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks die gewaltsame Beseitigung der Führung der KPdSU(B) und der Sowjetregierung und vor allem Stalins war. Ende 1932 fasste das Zentrum den Beschluss, den terroristischen Kampf gegen die Führung der KPdSU(B) und der Regierung zu organisieren. Es ist mir bekannt, dass der trotzkistische Teil des Blocks von L. D. Trotzki die Direktive erhielt, auf den Weg des Terrors und der Vorbereitung von Anschlägen auf Stalin überzugehen.“ (Bd. XXVII, Blatt 52.)

Darüber hat auch der Angeklagte Kamenew bei der Vernehmung am 23. Juli 1936 eine erschöpfende Aussage gemacht. Der Angeklagte Kamenew hat ausgesagt:

„... Die Überwindung der Schwierigkeiten, der Sieg der Politik des ZK der KPdSU(B) lösten in uns eine neue Aufwallung von Wut und Hass gegen die Führung der Partei und in erster Linie gegen Stalin aus.“

„... Wir, d. h. das sinowjewistische Zentrum der konterrevolutionären Organisation, dessen Zusammensetzung ich weiter oben angegeben habe, und die trotzkistische konterrevolutionäre Organisation in der Person Smirnows, Mratschkowskis und Ter-Waganjans trafen im Jahre 1932 Abmachungen über die Vereinigung der - beiden konterrevolutionären Organisationen, d. h. der sinowjewistischen und der trotzkistischen, zwecks gemeinsamer Vorbereitung der Ausführung von Terrorakten gegen die EL-Führung des ZK, in erster Linie gegen Stalin und Kirow.“

„... Die Hauptsache besteht darin, dass sowohl Sinowjew als auch wir - ich, Kamenew, sowie Jewdokimow, Bakajew - und die trotzkistischen Leiter Smirnow, Mratschkowski, Ter-Waganjan - im Jahre 1932 beschlossen, dass das einzige Mittel, mit dessen Hilfe wir darauf hoffen können, zur Macht zu gelangen, die Organisierung der Ausführung von Terrorakten gegen die Führer der KPdSU(B), in erster Linie gegen Stalin sei. Eben auf dieser Basis des terroristischen Kampfes gegen die Führer der KPdSU(B) wurden denn auch die Vereinigungsverhandlungen zwischen uns und den Trotzkisten geführt.“ (Bd. XV, Blatt 10, 12, 13.)

Der Angeklagte Kamenew sagte ferner aus:

„... Unsere Orientierung auf die Unüberwindlichkeit der Schwierigkeiten, die das Land durchmachte, auf den Krisenzustand der Wirtschaft, auf den Zusammenbruch der Wirtschaftspolitik der Parteiführung in der zweiten Hälfte des Jahres 1932 hatte offenkundig Schiffbruch erlitten. Geführt vom ZK der KPdSU(B), schritt das Land, die Schwierigkeiten überwindend, erfolgreich auf dem Weg des wirtschaftlichen Wachstums vorwärts. Dies nicht zu sehen, war uns unmöglich.

Man könnte meinen, dass wir den Kampf hätten einstellen müssen. Die Logik des konterrevolutionären Kampfes, das nackte ideenlose Streben zur Macht, führten uns jedoch in eine andere Richtung. Die Überwindung der Schwierigkeiten, der Sieg der Politik der KPdSU(B) lösten in uns eine neue Aufwallung von Wut und Hass gegen die Führung der Partei und in erster Linie gegen Stalin aus.“ (Bd. XV, Blatt 27.)

Das hat auch der Angeklagte Jewdokimow bestätigt, der am 10. August dieses Jahres ausführliche Aussagen über die Organisierung des vereinigten Zentrums und seine terroristische Einstellung machte. Auf die Frage bei der Untersuchung, auf welcher Grundlage der trotzkistisch- sinowjewistische Block entstanden sei, sagte der Angeklagte Jewdokimow aus:

„... Mratschkowski erklärte: ‚Die Hoffnungen auf einen Zusammenbruch der Politik der Partei müssen als vergeblich betrachtet werden. Die Kampfmittel, die bis jetzt angewandt wurden, haben keine positiven Resultate ergeben. Es bleibt ein einziger Weg des Kampfes übrig - es ist der Weg der gewaltsamen Beseitigung der Führung der Partei und der Regierung. …’ Als Mratschkowski sah, dass ich mit ihm einverstanden bin, setzte er bereits ohne jede Befürchtung, er würde bei mir keine Unterstützung finden, fort: ‚Man muss Stalin und andere Führer der Partei und der Regierung beseitigen. Darin besteht die Hauptaufgabe’.

Mratschkowski teilte mir zugleich mit, dass die Trotzkisten von Trotzki eine Direktive über die Notwendigkeit der Organisierung terroristischer Anschläge auf die Führer der Partei und der Regierung erhalten haben, dass Trotzki, der sich außerhalb der Grenzen der Union befindet, die Aufgaben des Kampfes gegen die Führung der KPdSU(B) richtig bestimme. Außerdem seien er selbst und andere Trotzkisten durch die Logik des Kampfes zu dem Schluss gelangt, dass der Weg dies Terrors der einzige Weg des Kampfes sei, der übrig bleibe...

Smirnow entwickelte dieselben Ansichten wie Mratschkowski. … Zum Schluss schlugen Mratschkowski und Smirnow vor, die Kräfte der Trotzkisten und der Sinowjewleute zu vereinigen und zur Bildung konspirativ aufgebauter terroristischer Gruppen zwecks Ausführung von Terrorakten gegen die Führer der Partei und der Regierung zu schreiten.“ (Bd. XXXVI, Blatt 10.)

Übereinstimmende Aussagen hat auch das Mitglied des Moskauer terroristischen Zentrums I. I. Reingold, gemacht, der folgendes aussagte:

„... Mit Kamenew traf ich in der zweiten Hälfte des Jahres 1933 sowie im Jahre 1934 in seiner Wohnung in KarmanizkiPereulok in Moskau zusammen: Kamenew schätzte die Lage ungefähr ebenso wie Sinowjew ein, wobei er diese seine Schlussfolgerungen durch eine Analyse der ökonomischen und politischen Situation im Lande bekräftigte. Kamenew gelangte zu dem Schluss, dass die Dinge dennoch nicht einer Katastrophe, sondern einem Aufstieg entgegengingen; darum seien alle Hoffnungen auf einen automatischen Zusammenbruch grundlos; die Führung, die sich herausgebildet habe, sei ein zu fester Granit, als dass man darauf rechnen könnte, dass sich diese Führung selbst spalten werde. Hieraus zog Kamenew den Schluss, man werde die Führung spalten müssen.

Kamenew zitierte wiederholt Trotzki, dass alles auf die Spitze ankomme und man daher die Spitze beseitigen muss. Kamenew suchte die Notwendigkeit des terroristischen Kampfes nachzuweisen, vor allem die Notwendigkeit der Ermordung Stalins, indem er darauf hinwies, dass dieser Weg der einzige sei, um zur Macht zu gelangen. Ich erinnere mich besonders seiner zynischen Erklärung, dass Köpfe die Eigenschaft haben, dass sie nicht nachwachsen.

Kamenew schlug vor, aktive Terroristen vorzubereiten. Er sagte, dass das Unterscheidungsmerkmal des neuen Blocks im Vergleich mit dem früheren Oppositionsblock der Übergang zu aktiven Terrorhandlungen sei.“ (Bd. XXVII, Blatt 61.)

Weiter sagte er:

„... Ich habe weiter oben bereits ausgesagt, dass der trotzkistisch-sinowjewistische vereinigte Block keinerlei neues politisches Programm hatte. Man ging von der alten morschen Plattform aus, wobei sich niemand von den Leitern des Blocks mit der Frage der Ausarbeitung irgendeines einigermaßen abgerundeten und zusammenhängenden politischen Programms beschäftigte und sich niemand dafür interessierte. Was diesen ganzen buntscheckigen Block vereinigte, war einzig und allein die Idee des terroristischen Kampfes gegen die Führer der Partei und der Regierung.

In Wirklichkeit war der Block eine konterrevolutionäre terroristische Bande von Mördern, die bestrebt waren, mit beliebigen Mitteln die Macht im Lande an sich zu reißen.“ (Bd. XXVII, Blatt 72-73.)

Der Angeklagte I. N. Smirnow hat bei der Vernehmung am 5. August 1936 ebenfalls gestanden, dass er bereits im Jahre 1931 während seines Aufenthalts in Berlin eine Zusammenkunft mit Sedow, dem Sohn L. Trotzkis, gehabt habe.

Smirnow, I. N., sagte aus:

„... Im Verlauf unserer Unterredung brachte L.Sedow bei der Analyse der Lage in der Sowjetunion seine Meinung zum Ausdruck, dass unter den gegebenen Umständen nur der Weg der gewaltsamen Beseitigung der führenden Persönlichkeiten der KPdSU(B) und der Sowjetregierung zu einer Veränderung der allgemeinen Lage im Lande führen könne...“

„... Ich gestehe, dass die Einstellung auf den Terror, da auf die alleinige Maßnahme, die die Lage in der Sowjetunion verändern könnte, mir aus dem Gespräch mit Sedow im Jahre 1931 in Berlin als seine persönliche Einstellung bekannt war. Ich gestehe, dass diese Einstellung auf den Terror von L.Trotzki im Jahre 1932 in einer persönlichen Direktive, die mir J.Gawen übermittelte, bestätigt wurde.

Ich gestehe, dass Ter-Waganjan, der im Namen der trotzkistischen Gruppe mit meinem Wissen Verhandlungen mit den Linkslern und den Sinowjewleuten führte, im Jahre 1932 mit Kamenew, Sinowjew und der Gruppe Lominadses einen Block zum gemeinsamen Kampf gegen die KPdSU(B) und die Sowjetregierung einging und dass diesem Block die Direktive L.Trotzkis über den Terror gegen die Führer der KPdSU(B) und des Sowjetstaates zugrunde gelegt wurde.“ (Bd. XXIX, Blatt 93, 104.)

Der Angeklagte W. A. Ter-Waganjan hat diese Aussagen des Angeklagten Smirnow bestätigt und seine Beteiligung an dem vereinigten Zentrum sowie die Beteiligung der Angeklagten I. A. Smirnow, Mratschkowski, Sinowjew und Kamenew eingestanden. Der Angeklagte Ter-Waganjan hat zugegeben, dass

„...die trotzkistische Organisation, an deren Spitze I. N. Smirnow stand, in ihrer konterrevolutionären Tätigkeit besonders den Hass und die Wut gegen die Führung der KPdSU(B) züchtete ... Auf diesem Hass war denn auch der Block begründet...“ (Bd. XXXVIII, Blatt 11.)

Der Angeklagte Ter-Waganjan hat ebenfalls gestanden, dass bereits im Jahre 1931

„Sedow von Trotzki für I.N.Smirnow und für die trotzkistische illegale Organisation in der UdSSR eine spezielle Direktive über den Übergang zu den aktivsten und schärfsten Methoden des Kampfes gegen die Partei und ihre Führung erhielt.“ (Bd. XXXVIII, Blatt 21.)

Der Angeklagte Ter-Waganjan bestätigte die Aussagen Mratschkowskis zu dieser Frage und sagte aus:

Mratschkowski hat recht darin, dass der trotzkistisch-sinowjewistische Block selbst tatsächlich auf der Anerkennung der Notwendigkeit begründet wurde, den Kampf gegen die Führung der Partei und der Regierung mit Terrormethoden zu führen.“ (Bd. XYXVIII, Blatt 32.)

Somit steht es außer Zweifel, dass der trotzkistisch- sinowjewistische Block sich in eine Gruppe prinzipienloser politischer Abenteurer-Mörder verwandelt hatte, die nur das eine erstrebten - zur Macht zu gelangen, und sei es auch auf dem Wege des Terrors.

Das ist das einzige und erschöpfende „Programm“ dieser Gesellschaft politischer Mörder.

Über den Terror als die einzige Grundlage, auf der im Jahre 1932 die Vereinigung der Trotzkisten und der Sinowjewleute zustande kam, hat auch der Angeklagte R. W. Pikel in der Voruntersuchung Aussagen gemacht. Bei der Vernehmung am 23. Juli sagte Pikel aus:

„... Nach Mitteilungen, die uns Reingold Anfang 1934 machte, beschloss das vereinigte konterrevolutionäre Unionszentrum des trotzkistisch- sinowjewistischen Blocks, mit den Kräften der Trotzkisten und der Sinowjewleute durch eine Reihe von Terrorakten, deren Aufgabe darin bestand, die Führung ihrer Häupter zu berauben, der KPdSU(B) einen vernichtenden Schlag zu versetzen und die Macht an sich zu reißen.

Das Unionszentrum des trotzkistisch- sinowjewistischen Blocks stellte damals direkt die Frage der Notwendigkeit eines chirurgischen Eingriffs (gemeint war der Terror), um die Lage im Lande entscheidend zu verändern. Zu diesem Zweck erteilte das Zentrum die Direktive, mit der Auswahl von Leuten zu beginnen, die gegen die Parteiführung äußerst erbittert sind, eine gewaltige Willenskraft besitzen und zur Ausübung terroristischer Anschläge auf die Führer der KPdSU(B) fähig sind.“ (Bd. XXV, Blatt 65.)

Entsprechend der auf die Ergreifung der Macht mit beliebigen Mitteln gerichteten Linie des trotzkistisch-sinowjewistischen illegalen Blocks praktizierten die Teilnehmer dieses Blocks weit gehend das Doppelzünglertum als die besondere und grundlegende Methode ihrer Beziehungen zur Partei und zur Regierung. Dieses Doppelzünglertum steigerten sie ins Ungeheuerliche und verwandelten es in ein System, um das sie jeder Asef und Malinowski, jede Geheimpolizei mit allen ihren Spionen, Provokateuren und Diversanten beneiden könnte.

Eine der wichtigsten Aufgaben des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks bestand darin, ihre konterrevolutionäre Tätigkeit und die Organisierung von Terrorakten auf jede Weise zu verdecken und zu maskieren.

Darüber hat der Angeklagte Reingold ausgesagt:

„... Im Jahre 1933/34 sagte mir Sinowjew in seiner Wohnung unter vier Augen folgendes: ‚....die praktische Hauptaufgabe sei, die terroristische Arbeit so konspirativ aufzubauen, dass man sich unter keinen Umständen kompromittiert...’ ‚... Bei der Untersuchung ist die Hauptsache, jeden Zusammenhang mit der Organisation hartnäckig zu leugnen. Wird man der terroristischen Tätigkeit beschuldigt, so muss man dies kategorisch leugnen, indem man damit argumentiert, dass der Terror mit den Anschauungen von Bolschewiki- Marxisten unvereinbar sei. (Bd. XXVII, Blatt 110, 112.)

Ähnliche Weisungen gab auch L. Trotzki, der empfahl, im Falle der Ausführung von Terrorakten sich von ihnen abzugrenzen und „eine Position zu beziehen, die analog der Position ist, auf die sich seinerzeit das sozialrevolutionäre ZK gegenüber der Frau Kaplan stellte“, die auf W. I. Lenin schoss.

Das vereinigte Zentrum nahm Zuflucht zu einer strengen Konspiration und einer sorgfältigen Maskierung seiner terroristischen Tätigkeit auch noch aus dem Grunde, weil es zu seinen Aufgaben gehörte, die Wachsamkeit der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen zu täuschen. Das vereinigte Zentrum, das die Ermordung des Genossen Stalin und anderer Führer der KPdSU(B) vorbereitete, war gleichzeitig bemüht, auf jede Weise seine Loyalität und sogar Ergebenheit der Partei und der Sowjetmacht gegenüber zu beteuern sowie Reue über die früheren Fehler und Bereitschaft der proletarischen Revolution ehrlich zu dienen, zum Ausdruck zu bringen. Die Leiter des vereinigten Zentrums rechneten darauf, dass man ihnen verzeihen würde und dass sie diese Verzeihung nach der Ausführung des Mordes an Genossen Stalin dazu würden benutzen können, um zur Macht zu gelangen. Der Angeklagte Reingold sagte darüber folgendes aus:

„... Man war der Meinung - ich spreche von den Leitern des trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums -, dass die Tatsache, dass uns noch zu Lebzeiten Stalins vergeben wurde, und dass man uns Vertrauen entgegenbrachte, dass diese Tatsache uns ermöglichen wird, näher an die Führung und die Macht heranzukommen, und dass, nachdem Sinowjew, Kamenew und ihre Gesinnungsgenossen zur Macht gelangt sein werden, sie auch Trotzkis Rückkehr zur Führung und zur Macht sichern würden.“ (13d. XXVII, Blatt 168.)

Auch darüber hat der Angeklagte Kamenew in der Voruntersuchung ausgesagt:

„.Über diese Frage berieten wir wiederholt. Wir haben zwei Varianten entworfen und festgelegt, wie die Leiter des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks zur Macht gelangen könnten.

Die erste Variante - sie schien uns die realste zu sein - bestand darin, dass nach der Ausführung des Terroraktes gegen Stalin die Führung der Partei und der Regierung in Verwirrung geraten und man mit, uns, den Leitern des sinowjewistischen Blocks, in erster Linie mit Sinowjew, Kamenew und Trotzki, in Verhandlungen eintreten werde.

Wir gingen davon aus, dass ich und Sinowjew in diesen Verhandlungen eine dominierende Stellung in der Partei und im Lande einnehmen werden, da wir auch unter Stalin durch unsere Doppelzünglerpolitik es immerhin erreicht haben, dass uns die Partei unsere Fehler vergab und uns wieder in ihre Reihen aufnahm, und dass unsere Beteiligung - meine, Sinowjews und Trotzkis - an den Terrorakten für die Partei, und das Land ein Geheimnis bleiben wird.

Die zweite Variante der Machtergreifung, die uns weniger sicher schien bestand darin, dass nach der Ausführung des Terroraktes gegen Stalin Unsicherheit und Desorganisation in der Führung der Partei und des Landes eintreten werde.

Den Leitern des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks werde es gelingen, die Verwirrung auszunutzen und die übrig gebliebenen Führer der Partei zu zwingen, uns an die Macht heranzulassen oder aber uns den Platz abzutreten.

Das Erscheinen Trotzkis und seine aktive Teilnahme am Kampf für die Ergreifung der Macht wurde als etwas Selbstverständliches vorausgesetzt.“ (Bd. XV, Blatt 33-34.)

Den Weg des Terrors beschritt das vereinigte trotzkistisch-sinowjewistische Zentrum unter dem unmittelbaren Einfluss L. D. Trotzkis; der den Mitgliedern des vereinigten Zentrums persönlich eine Reihe entsprechender mündlicher und schriftlicher Direktiven gab.

Bei der Vernehmung am 20. Juli 1936 sagte der Angeklagte Mratschkowski, S. W., aus:

„... Wir, die Trotzkisten, schlugen den Kurs auf den Terror schon lange vor der Bildung des Blocks mit Sinowjew und Kamenew ein. Im Jahre 1931, als I. N. Smirnow in Berlin war und Verbindungen mit L. Trotzki aufnahm, trafen von diesem Direktiven ein, zur Organisation von Kampfgruppen der Trotzkisten zu schreiten.“ (Bd. XVIII, Blatt 40, 41.)

Derselbe Mratschkowski sagte aus:

„… Nach der Direktive L.Trotzkis, die I. N. Smirnow im Jahre 1931 erhielt, sollten wir Stalin, Woroschilow, Kaganowitsch ermorden. In erster Linie hatte man auf Stalin abgezielt.“ (Bd. XVIII, Blatt 42.)

Über die Stellung Trotzkis zur Bildung des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks und zum Übergang zu terroristischen Kampfmethoden sagte der Angeklagte Mratschkowski folgendes aus:

„… Mitte 1932 stellte I. N. Smirnow unser leitendes Dreier-Kollegium vor die Frage der Notwendigkeit, unsere Organisation mit den Gruppen Sinowjew-Kamenew und Schatzkin-Lominadse zu vereinigen. ... Damals wurde auch beschlossen, wegen dieser Angelegenheit bei Trotzki anzufragen und von ihm Weisungen zu erhalten, L. Trotzki antwortete, dass er der Bildung des Blocks unter der Bedingung zustimme, dass die Gruppen, die sich zu einem Block vereinigen, die Notwendigkeit der gewaltsamen Beseitigung der Führer der KPdSU(B) und in erster Linie Stalins anerkennen.“ (Bd. XVIII, Blatt 44, 45.)

Diese Aussagen Mratschkowskis wurden von dem Angeklagten Dreitzer restlos bestätigt. Dieser sagte bei der Vernehmung aus:

„… Auf Grund einer unmittelbaren Direktive L. Trotzkis sollte unser Unionszentrum des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks die Ermordung Stalins und Woroschilows vorbereiten und ausführen, zu dem Zwecke, die Führung der KPdSU(B) und der Roten Armee zu enthaupten.“ (Bd. X, Blatt 99.)

Der Angeklagte Dreitzer erhielt persönlich im Jahre 1934 durch Vermittlung Sedows, des Sohnes L. Trotzkis, eine schriftliche Direktive Trotzkis über die Vorbereitung und Ausführung eines terroristischen Aktes gegen den Genossen Stalin. Dieser Brief war von Trotzki persönlich geschrieben. Nach den Aussagen Dreitzers hatte der Brief folgenden Inhalt:

„Lieber Freund. Bestellen Sie, dass gegenwärtig folgende Hauptaufgaben vor uns stehen:

1. Stalin und Woroschilow zu beseitigen;

2. die Arbeit zur Organisierung von Zellen in der Armee zu entfalten;

3. im Falle eines Krieges jeden Misserfolg und jede Verwirrung auszunutzen, um die Führung an sich zu reißen.“

„Der Brief - sagte der Angeklagte Dreitzer aus - endete mit der Weisung, Trotzki über den Verlauf der Arbeit in der Erfüllung der genannten Direktiven zu informieren. Ich muss hinzufügen, dass die Direktiven, die ich im Mai 1934 von Mratschkowskis erhielt, durch diese Weisungen Trotzkis restlos bestätigt wurden.“ (Bd. X, Blatt 102, 103)

Diesen Brief hatte Trotzki an Dreitzer persönlich gerichtet als an einen seiner ergebensten Leute, der eine gewisse Zeit die Funktion des Chefs seiner Leibwache ausgeübt hatte.

Dreitzer übergab diesen Brief an Mratschkowski. Mratschkowski hat den Brief, nach Aussagen Dreitzers und Mratschkowskis selbst, in der Folge aus konspirativen Gründen vernichtet.

Außer dem oben genannten Brief übermittelte Trotzki dem trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrum auch eine Reihe mündlicher und schriftlicher Direktiven über den Terror. So übergab er namentlich eine dieser Direktiven bei einer persönlichen Zusammenkunft dem Angeklagten Golzman, der der Verbindungsmann zwischen L. Trotzki und dem trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrum war.

Die Voruntersuchung hat ergeben, dass Trotzki, der nach der Zertrümmerung des trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums im Zusammenhang mit der Ermordung des Genossen Kirow persönlich die Leitung der terroristischen Tätigkeit in der UdSSR übernahm, die Organisierung der Ermordung der Genossen Stalin und Woroschilow verstärkt zu forcieren begann. Zu diesem Zweck trifft er eine Reihe von Maßnahmen zur Wiederherstellung der terroristischen Gruppen in der UdSSR und zur Aktivierung ihrer Tätigkeit; er entsendet aus dem Auslande in die UdSSR seine bewährten Agenten und nutzt außerdem zu dem gleichen Zweck die Mitglieder der illegalen trotzkistischen Organisationen aus, die unter dem Deckmantel dienstlicher Kommandierungen aus der UdSSR ins Ausland kommen.

Die Voruntersuchung hat ergeben, dass als solche Agenten zu verschiedenen Zeiten aus Berlin nach Moskau die Angeklagten V. Olberg, Berman-Jurin, Fritz David (Krugljanski), Moissej Lurie, Nathan Lurie und einige andere gesandt wurden, die unmittelbar von L. D. Trotzki und seinem Sohn Sedow (L. L. Trotzki) Aufträge erhielten, um jeden Preis die Ermordung der Genossen Stalin, Woroschilow, Kaganowitsch und anderer Führer der Partei zu organisieren.

V. Olberg, einer der trotzkistischen Agenten, der mit dem Pass eines Staatsangehörigen der Republik Honduras nach der UdSSR kam, hat nach seiner Verhaftung in der Voruntersuchung ausgesagt:

„... Wie ich bereits ausgesagt habe, beginnt meine aktive trotzkistische Tätigkeit Anfang 1930. Außer zu den von mir aufgezählten Personen hatte ich persönliche Verbindungen zu Trotzki und seinem Sohn, LewSedow. Ich erfüllte eine Reihe persönlicher Aufträge Trotzkis für die trotzkistische Organisation und war sein Emissär in Deutschland. Als Emissär Trotzkis in Deutschland habe ich sowohl innerhalb der trotzkistischen Organisation in Berlin als auch an den illegalen Verbindungen mit der Sowjetunion gearbeitet. Die Verbindungen mit der Sowjetunion realisierte ich auf Grund von Adressen und Treffpunkten, die mir von Lew Sedow angegeben wurden.“ (Bd. XXI, Blatt 24)

V. Olberg hat zugegeben, dass er illegal nach der Sowjetunion gekommen ist, zu dem Zweck, trotzkistische konterrevolutionäre Arbeit zu leisten und einen Terrorakt gegen den Genossen Stalin zu organisieren. Bei der Vernehmung am 21. Februar d. J. sagte V. Olberg aus, dass ihm während einer seiner Zusammenkünfte mit Sedow, dem Sohn L. Trotzkis, jener einen Brief Trotzkis zeigte, in dem Trotzki den Vorschlag machte, Olberg mit einer Gruppe deutscher Trotzkisten zur Vorbereitung und Organisierung der Ermordung Stalins nach der Sowjetunion zu kommandieren.

„… In diesem Brief - sagte V. Olberg weiter aus - schrieb Trotzki an Sedow, dass er mit meiner von Sedow aufgestellten Kandidatur für die Reise nach der Sowjetunion vollkommen einverstanden sei. Trotzki schrieb, dass er mich für einen absolut geeigneten Menschen halte, auf den man sich in einer so heiklen Sache vollauf verlassen könne.“

Olberg fügte hinzu:

„.. Sedow erklärte mir, dass ich verpflichtet sei, mit jedem Mittel die Rolle Trotzkis bei der Organisierung des Terroraktes gegen Stalin zu verheimlichen, und dass ich selbst dann, wenn ich unter Umständen, die meine Rolle als Terroristen vollkommen offenkundig erscheinen lassen, verhaftet werden sollte, zu verheimlichen habe, dass ich Trotzkist bin und den Terrorakt im Auftrag Trotzkis ausführe.“ (Bd. XXI, Blatt 77, 78.)

Wie die Voruntersuchung ergeben hat, ist V. Olberg nach der UdSSR mit dem Pass eines Staatsangehörigen der Republik Honduras gekommen, den er mit Hilfe der deutschen Geheimen Staatspolizei (Gestapo) erhalten hatte.

Bei der Vernehmung V. Olbergs durch die Staatsanwaltschaft der Union hat dieser darüber folgendes ausgesagt:

„... Sedow versprach, bei der Beschaffung eines Passes behilflich zu sein, damit ich wieder nach der UdSSR zurückkehren kann. Es gelang mir jedoch, den Pass mit Hilfe meines jüngeren Bruders PaulOlberg zu erhalten. Dank seinen Verbindungen mit der deutschen Polizei und ihrem Agenten in Prag, W. Tukalewsk, erhielt ich gegen Bestechung den Pass eines Bürgers der Republik Honduras. Den Betrag für den Pass - 13000 tschechische Kronen - erhielt ich von Sedow, richtiger gesagt, von der trotzkistischen Organisation im Auftrage Sedows.“ (Bd. XXI, Blatt 262.)

Bei einer nochmaligen Vernehmung über seine Verbindungen mit der Gestapo sagte V. Olberg am 31. Juli d. J. aus:

„Ich bestätige auch die Aussagen vom 9. Mai d. J. und betone, dass meine Verbindungen mit der Gestapo keinesfalls eine Ausnahme waren und dass man also von diesen Verbindungen nicht als von dem Sündenfall eines einzelnen Trotzkisten reden kann. Es war das die Linie der Trotzkisten gemäß der Direktive L. Trotzkis, die durch Vermittlung Sedow erteilt wurde. Die Verbindungen bezogen sich auf die Organisierung von Terrorakten in der UdSSR gegen die Führer der KPdSU(B) `und der Sowjetregierung.“

„..Ich hatte mehrere Zusammenkünfte mit einem führenden Beamten der Gestapo, dessen Name mir nicht genannt wurde; mich dafür zu interessieren, hielt ich für unangebracht. Mit diesem Beamten unterhielt ich mich über meine erste Moskauer Reise und über meine Pläne zur Vorbereitung des Terroraktes. Dieser Beamte kannte meinen Bruder als Agenten der Gestapo und empfahl mir, mich im Falle der Notwendigkeit an meinen Bruder um Unterstützung zu wenden.“ (Bd. XXI, Blatt 263, 264.)

Diese Aussage V. Olbergs ist auch von seinem in einer anderen Strafsache verhafteten Bruder Paul Olberg, der ebenfalls Agent der deutschen Geheimpolizei ist, restlos bestätigt worden. Gerade er, Paul Olberg, stellte, wie sie beide aussagten, die Verbindung zwischen seinem Bruder V. Olberg und der Gestapo her und war V. Olberg behilflich, von der Gestapo den Pass eines Angehörigen der Republik Honduras zu erhalten. Dieser Pass wird den Prozessakten als Beweisstück beigefügt.

Paul Olberg hat ebenfalls bestätigt, dass die Reise V. Olbergs nach der Sowjetunion zu terroristischen Zwecken organisiert wurde.

„... ValentinOlberg teilte mir mit - erklärte PaulOlberg bei der Vernehmung am 16. Mai d. J. - ein Mitarbeiter der deutschen Geheimpolizei habe ihm erklärt, dass man allen Personen, die an der Vorbereitung und Ausführung des terroristischen Akts beteiligt sind in Deutschland Asyl gewähren werde.“ (Bd. XXIV. Blatt 321.)

Berman-Jurin, ein anderer trotzkistischer Agent, der mit terroristischen Aufträgen nach der UdSSR gesandt worden war, hat ausgesagt:

„... Meine persönliche Rolle bestand darin, dass ich als ein besonderer Vertrauensmann von LeoDawidowitschTrotzki mit speziellen Aufträgen und Direktiven von ihm nach der Sowjetunion kam.“ (Bd. IV, Blatt 30.)

Wie die Voruntersuchung ergeben hat, bestanden diese „speziellen Aufträge und Direktiven“ in der Organisierung der Ermordung des Genossen Stalin. Der Angeklagte Berman-Jurin hat dies gestanden. Er hat ausgesagt, dass er bei seiner Zusammenkunft mit L. Trotzki in Kopenhagen von Trotzki die Weisung über die Notwendigkeit der Ermordung des Genossen Stalin erhielt.

„... In dieser Unterredung - sagte der Angeklagte Berman-Jurin aus - erklärte mir Trotzki offen, dass man im Kampf gegen Stalin nicht vor den äußersten Maßnahmen haltmachen dürfe und dass Stalin physisch vernichtet werden müsse.“ (Bd. IV, Blatt 36.)

„... Trotzki betonte, dass der Anschlag außerordentlich sorgfältig und umsichtig vorbereitet sein und auf den Zeitpunkt irgendeines großen politischen Ereignisses von internationaler Bedeutung festgesetzt werden müsse; es wäre vorzuziehen, wenn der Anschlag, falls sich eine Gelegenheit dazu bieten sollte, während einer Plenarsitzung; der Komintern oder eines Kongresses zur Ausführung käme. Trotzki wies darauf hin, dass ein solcher Terrorakt auf einem Kongress oder einer Plenarsitzung diesem Akt sofort den Charakter eines internationalen politischen Ereignisses verleihen, die Massen weit über die Grenzen der UdSSR hinaus in Erregung bringen und eine mächtige Bewegung auslösen würde.

Trotzki sagte mir, dass dieser Terrorakt gegen Stalin nicht konspirativ, im Stillen ausgeführt werden dürfe, dass der Mord an ihm öffentlich, vor einem internationalen Forum vollbracht werden müsse.“ (Bd. IV, Blatt 38-39.)

Gleichzeitig mit Berman-Jurin wurde von L. Trotzki auch der Angeklagte Fritz David(I. I. Krugljanski.) zur Vorbereitung von Terrorakten nach der Sowjetunion gesandt.

Fritz David (I. I. Krugljanski) hatte im Herbst 1932 ebenfalls eine Zusammenkunft mit L. Trotzki, die von Sedow organisiert wurde. Bei der Unterredung machte Trotzki Fritz David (I.I. Krugljanski) den Vorschlag, die, wie er sich ausdrückte, „historische Mission“ auf sich zu nehmen - Stalin zu ermorden.

Fritz David (I. I. Krugljanski) hat ausgesagt:

„... Trotzki, der mir den Vorschlag machte, nach der UdSSR zu fahren, um Stalin zu ermorden, empfahl mir, aus Gründen der Konspiration keine offenen Beziehungen zu Trotzkisten aufrechtzuerhalten und äußerlich auf der Linie des ZK der KPD zu bleiben.

Diese Unterredung mit Trotzki fand im November 1932 statt, und ich nahm seinen Vorschlag, Stalin zu ermorden, an.“ (Bd. VIII, Blatt 73.)

In der UdSSR angekommen, fand Berman-Jurin Fritz David (I. I. Krugljanski) auf dem Treffpunkt, der ihm von Sedow angegeben worden war. Fritz David (I. I. Krugljanski) und Berman-Jurin beschlossen, die Ermordung des Genossen Stalin auf dem VII. Kongress der Komintern zur Ausführung zu bringen. Dies zu verwirklichen, gelang ihnen jedoch darum nicht, weil Berman-Jurin nicht auf den Kongress gelangen konnte und Fritz David (I. I. Krugljanski), der zwar auf den Kongress gelangte, seine verbrecherische Absicht nicht verwirklichen konnte, da er weit entfernt vom Präsidium saß und keine Möglichkeit hatte, sich dem Genossen Stalin zu nähern.

Wie beide Angeklagten in der Voruntersuchung gestanden haben, sollte Fritz David (I. I. Krugljanski) auf dem VII. Kongress auf den Genossen Stalin aus einem Browning schießen, den er von Berman-Jurin erhalten hatte. (Bd. VIII, Blatt 77.)

Die Voruntersuchung hat ebenfalls ergeben, dass die terroristische Gruppe, an deren Spitze der von L. Trotzki aus dem Ausland gesandte Agent TrotzkisMoissejLurie stand, faktisch von dem aktiven deutschen Faschisten FranzWeiz organisiert war, einem Vertreter Himmlers, welcher damals Leiter der faschistischen Schutzstaffeln war und gegenwärtig Leiter der deutschen Geheimpolizei (Gestapo) ist.

Darüber hat M. Lurie bei der Vernehmung am 21. Juli d. J. ausgesagt:

Nathan Lurie antwortete, dass er nach wie vor überzeugter Trotzkist sei, und teilte mit, dass seit April 1932 hier in Moskau eine zahlenmäßig kleine, ihrer Zusammensetzung nach jedoch zuverlässige Terroristengruppe organisiert sei“

„... Auf meine Frage, auf wessen Direktive und wessen Initiative diese Kampfgruppe organisiert sei, antwortete R. Lurie, dass die Kampfgruppe von einem gewissen Franz Weiz gebildet worden sei ...“

„... Auf meine Frage, wer dieser Franz Weiz sei, gab mir N. Lurie, anfangs sehr widerstrebend, folgende Antwort: Franz Weiz ist aktives Mitglied der Nationalsozialistischen Partei in Deutschland und Vertrauensmann Himmlers (gegenwärtiger Leiter der Gestapo in Deutschland), Himmler war damals Leiter der SS (Schutzstaffeln)...“

„... Die Hauptaufgabe der Gruppe war - nach Äußerung von Weiz - die Vorbereitung von Terrorakten gegen Stalin, Kaganowitsch, Woroschilow und Ordshonikidse...“ (Bd. XXXII, Blatt 243, 244.)

Um die Stellung Sinowjews zu der Verbindung mit den Faschisten und der deutschen Politischen Geheimpolizei klarzustellen, informierte der Angeklagte M. Luries ausführlich Sinowjew über diese Mitteilung N. Luries.

Sinowjew hörte die Mitteilung M. Luries an und antwortete:

„Welche Bedenken haben Sie denn dabei? Sie sind doch Historiker, Moissej Iljitsch. Sie kennen doch die Affäre Lassalles mit Bismarck, als LassalleBismarck im Interesse der Revolution ausnutzen wollte.“

„...Mit dieser historischen Parallele - setzte M. Lurie hinzu - wollte Sinowjew mich von der Möglichkeit und Notwendigkeit der Ausnutzung eines Bündnisses mit den Nationalsozialisten im Kampf gegen die KPdSU(B) und die Sowjetregierung überzeugen.“ (Bd. XXXII, Blatt 252.)

Die Aussagen M. Luries sind von N. Lurie restlos bestätigt worden, der bei der Vernehmung am 21. Juli ausgesagt hat:

„Ich muss gestehen, dass die terroristische Kampfgruppe, an deren Spitze ich stand, vom Herbst 1932 an bis Ende 1933 aktiv einen Terrorakt gegen den Volkskommissar für Landesverteidigung Woroschilow vorbereitete...“

„... Diese Aufgabe wurde mir gestellt von einem deutschen Ingenieur und Architekten, einem Mitglied der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands, FranzWeiz, einem Vertreter Himmlers, des gegenwärtigen Leiters der Gestapo.“

„... Im August l932 beauftragte mich FranzWeiz, als er auf Urlaub nach Deutschland fuhr, mit der Leitung der terroristischen Kampfgruppe und stellte mir die Aufgabe, Terrorakte gegen Stalin, Kaganowitsch und Woroschilow vorzubereiten und auszuführen...“ (Bd. XXXIII, Blatt 141-142.)

Die Angeklagten M. Lurie und N. Lurie, die unmittelbare organisatorische Verbindungen mit den deutschen Faschisten und der deutschen Geheimpolizei aufnahmen, begingen auf diese Weise Verrat an den Interessen des Sowjetstaates, Verrat an der Heimat.

Die in der Voruntersuchung festgestellten Umstände zeigen schließlich, dass die Leiter des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks - L. Trotzki, Sinowjew, Kamenew u. a. - in ihrem Kampf gegen den Sowjetstaat so tief gesunken sind, dass sie moralisch noch verachtungswürdiger sind als die verkommensten kriminellen Verbrecherbanden. Die Leiter des vereinigten Zentrums, die Terrorakte gegen die Führer der KPdSU(B) und des Sowjetstaates organisierten, bereiteten gleichzeitig die Vernichtung ihrer eigenen Agenten, der Terroristen, vor, um alle Spuren der von ihnen begangenen Verbrechen endgültig zu vertilgen.

Darüber hat der Angeklagte Reingold folgendes ausgesagt:

Sinowjew und Kamenew hielten es nicht für ausgeschlossen, dass die OGPU Fäden der von ihnen vorbereiteten Verschwörung gegen den Staat in Händen habe. Darum erachteten sie als allerwichtigste Aufgabe die Vernichtung aller Spuren der begangenen Verbrechen. Zu diesem Zweck sah man vor, Bakajew zum Vorsitzenden der OGPU zu ernennen. Ihm sollte die Aufgabe übertragen werden, sowohl diejenigen, die die Terrorakte gegen Stalin und Kirow unmittelbar ausgeführt hatten, als auch jene Mitarbeiter der OGPU, die in ihren Händen Fäden der begangenen Verbrechen haben könnten, physisch zu vernichten.“ (Bd. XXVII, Blatt 163-164.)

II. DAS VEREINIGTE TROTZKISTISCH-SINOWJEWISTISCHE ZENTRUM UND DIE ERMORDUNG DES GENOSSEN S. M. Kirow

Bereits im Prozess gegen Nikolajew, Rumjanzew, Kotolynow und andere, die laut dem Urteil des Militärkollegiums des Obersten Gerichtshofes der Union der SSR auf Grund der Anklage, am 1. Dezember 1934 den Genossen S. M. Kirow ermordet zu haben, erschossen wurden, wurde die unmittelbare Verbindung der Lenin grader Gruppe der Sinowjewleute, die diesen Mord ausgeführt hatte, mit den Angeklagten Sinowjew, Kamenew und Bakajew festgestellt, die bereits im Prozess gegen das so genannte „Moskauer Zentrum“ verurteilt worden sind.

Gegenwärtig verfügen die Untersuchungsorgane über Angaben, die ohne jeden Zweifel beweisen, dass der Mord an dem Genossen S. M. Kirow auf Beschluss des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums verübt worden ist.

Die meisten aktiven Teilnehmer der verschiedenen trotzkistisch-sinowjewistischen terroristischen Gruppen, darunter auch die Angeklagten Sinowjew, Kamenew, Jewdokimow,Bakajew, Mratschkowski und andere, haben diesen Umstand in der Voruntersuchung zugegeben.

Der Angeklagte Jewdokimow bestätigte dies vollkommen, indem er bei der Vernehmung am 10. August d. J. folgendes erklärte:

„... In der Gerichtsverhandlung über den Mord an Kirow, haben ich - Jewdokimow, sowie Sinowjew, Kamenew, Bakajew, Gertik und andere - die Organe der Staatsmacht und das Gericht betrogen, indem wir verheimlichten, dass der Mord an Kirow von uns, den Beteiligten am trotzkistisch-sinowjewistischen Block, vorbereitet und ausgeführt worden ist.

Der Mord an Kirow wurde vom Lenin grader Terroristenzentrum auf direkte Weisung des vereinigten Zentrums des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks ausgeführt.“ (Bd. XXXVI, Blatt 6.)

„... Im Jahre 1934 erteilte Sinowjew im Namen der trotzkistisch-sinowjewistischen Organisation Bakajew die direkte Anweisung, die Ermordung Kirows zu organisieren.

An der Annahme des Beschlusses, Kirow zu ermorden. waren außer Sinowjew und Kamenew, ich, Jewdokimow, Bakajew und Vertreter der Trotzkisten in Person Mratschkowskis und Ter-Waganjans beteiligt. Um den Mord vorzubereiten, begab sich Bakajew im Herbst 1934 nach Lenin grad und nahm dort Verbindungen mit den aktiven Angehörigen unserer Organisation auf: mit Kotolynow, Lewin, Rumjanzew, Mandelstam und Mjassnikow, die das so genannte Lenin grader Terroristenzentrum bildeten. Beim Lenin grader Zentrum bestand eine aktive Gruppe von Terroristen, die unmittelbar die Vorbereitung zur Ermordung Kirows traf.“ (Bd. XXXVI, Blatt 6.)

Nach hartnäckigem Leugnen musste der Angeklagte Sinowjew, überführt durch eine Reihe von Aussagen anderer Angeklagter, gestehen, dass das vereinigte trotzkistisch-sinowjewistische Zentrum bereits im Jahre 1932 den Beschluss gefasst hatte, Terrorakte gegen den Genossen Stalin in Moskau und den Genossen Kirow in Lenin grad zu organisieren.

„... Im Herbst 1932 - hat der Angeklagte Sinowjew ausgesagt - erteilte ich im Beisein Kamenews, Bakajews, Jewdokimows und Karews in meinem Landhaus in Iljinskoje Bakajew den Auftrag, einen Terrorakt gegen Stalin, und Karew den Auftrag, einen Terrorakt gegen Kirow vorzubereiten.“ (Bd. XII, Blatt 36.)

Desgleichen sagte der Angeklagte Sinowjew aus:

„... Im Jahre 1934 - an den Monat kann ich mich nicht genau erinnern, es war Mitte des Jahres - erzählte mir Jewdokimow von einer der Reisen Gertiks nach Lenin grad, während der Gertik Verbindungen zu Kotolynow aufnahm, wobei Kotolynow abschließend Gertik erklärte, dass er an der Vorbereitung der Ermordung Kirows unmittelbar teilnehme.“ (Bd.. XII, Blatt 37, 38.)

Darüber hat auch der Angeklagte Kamenew ausgesagt, der die Tatsache der Beratung in Iljinskoje bestätigte, auf der beschlossen wurde, Terrorakte gegen die Genossen Stalin und Kirow auszuführen. Der Angeklagte Kamenew sagte aus:

„Ich muss gestehen, dass Sinowjew mich vor der Beratung in Iljinskoje von den geplanten Beschlüssen des Zentrums des trotzkistisch- sinowjewistischen Blocks über die Vorbereitung von Terrorakten gegen Stalin und Kirow in Kenntnis setzte. Dabei erklärte er mir, dass die Vertreter der Trotzkisten im Zentrum des Blocks - Smirnow, Mratschkowski, Ter-Waganjan - kategorisch auf diesem Entschluss bestehen, dass sie eine unmittelbare Direktive Trotzkis darüber haben und dass sie verlangen, dass man zu praktischen Maßnahmen übergehe, um die Grundsätze, auf denen der Block aufgebaut wurde, zu verwirklichen.“ (Bd. XV, Blatt 15-16.)

Der Angeklagte Kamenew fügte dem hinzu:

„… Ich schloss mich diesem Beschluss an, da ich mit ihm vollkommen einverstanden war.“ (Bd. XV, Blatt 16.)

Mit der praktischen Verwirklichung des Planes, die Ermordung des Genossen Kirow zu organisieren, wurde, wie die Voruntersuchung ergeben hat, vom vereinigten Zentrum das Mitglied dieses Zentrums, I. P. Bakajew, beauftragt.

Das wird vom Angeklagten Sinowjew direkt ausgesagt. Er hat gestanden, dass er, Sinowjew, gerade Bakajew im Namen des vereinigten Zentrums mit der Organisierung von Terrorakten gegen den Genossen Stalin in Moskau und den Genossen Kirow in Lenin grad beauftragt habe. (Bd. XII, Blatt 36.)

Über die Rolle Sinowjews, Bakajews und des gesamten vereinigten trotzkistisch- sinowjewistischen Zentrums bei der Ermordung des Genossen S. M. Kirow hat ausführlich der Angeklagte Reingold ausgesagt, der folgendes erklärte:

„Von Sinowjew persönlich weiß ich, dass die Ermordung Kirows in Lenin grad auf seine direkte Anweisung und auf die Direktive des Zentrums des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks vorbereitet wurde. In diesem Gespräch mit Sinowjew, das im August 1934 in seiner Wohnung stattfand, warf er, wie ich schon ausgesagt habe, der Moskauer Kampforganisation Zögern und geringe Aktivität vor.

Bei der Begründung der Notwendigkeit, einen Terrorakt gegen Kirow auszuführen, sagte Sinowjew, Kirow müsse physisch vernichtet werden, weil er nächster Mitkämpfer Stalins sei. Dabei fügte er hinzu, dass es nicht genügt, die Eiche zu fällen, sondern dass auch alle jungen Schösslinge um die Eiche herum vernichtet werden müssen. Sinowjew begründete die Notwendigkeit der Ermordung Kirows auch damit, dass Kirow der Führer der Lenin grader Organisation und persönlich für die Zertrümmerung der Opposition in Lenin grad verantwortlich sei. Wie ich schon ausgesagt habe, wurde die Leitung der Lenin grader Kampforganisation unmittelbar von Bakajew ausgeübt. Die organisatorische Verbindung mit dieser Organisation unterhielt auch Faiwilowitsch.“ (Bd. XXVII, Blatt 70.)

Der Angeklagte Bakajew, der zuerst seine Beteiligung an der Organisierung der Ermordung des Genossen Kirow hartnäckig in Abrede stellte, gestand unter der Last der gegen ihn vorgebrachten Beweise:

„Ich gestehe, dass Sinowjew mir persönlich den Auftrag erteilte, die Ermordung Stalins in Moskau, und an Karew, die Ermordung Kirows in Lenin grad zu organisieren. Ich schlug Karew vor, zu diesem Zweck in Lenin grad mit den Angehörigen der Organisation VladimirLewin und Anischew Fühlung zu nehmen, während Sinowjew seinerseits mir vorschlug, Karew in Lenin grad auch mit Rumjanzew in Fühlung zu bringen.“ (Bd. I, Blatt 89.)

Über die Rolle Bakajews als eines der Hauptorganisatoren der Ermordung des Genossen Kirow hat auch der in einer anderen Strafsache verhaftete N. A. Karew ausgesagt. Bei seiner Vernehmung am 5. Juli 1936 erklärte N. A. Karew:

Sinowjew sagte, die Vorbereitung der Terrorakte gegen Stalin und Kirow sei Bakajew übertragen, der zu diesem Zwecke seine Verbindungen mit den sinowjewistischen Gruppen in Lenin grad und Moskau ausnutzen solle.“ (Bd. III, Blatt 11.)

Dem fügte Karew hinzu:

„In einem Gespräch mit Bakajew erfuhr ich, dass dieser die Absicht habe, zur Organisierung des Terroraktes gegen Kirow die in Lenin grad befindlichen und mit ihm, Bakajew, in Fühlung stehenden sinowjewistischen Gruppen Rumjanzews und Kotolynows auszunutzen.“ (Bd. 111, Blatt 11.)

Dies hat in der Voruntersuchung auch der Angeklagte Jewdokimow restlos bestätigt, der folgendes aussagte:

„Von Bakajew ist mir bekannt, dass er, Bakajew, im Herbst 1934 zusammen mit einem trotzkistischen Terroristen, dessen Namen ich nicht kenne, zur Verbindung mit dem Lenin grader terroristischen Zentrum und zur Organisierung der Ermordung Kirows nach Lenin grad gereist sei.

Während dieser Reise hätten Bakajew und der oben erwähnte Trotzkist-Terrorist eine Zusammenkunft mit Nikolajew gehabt und mit diesem vereinbart. dass er den Mord an Kirow ausführen solle.“ (Bd. XXVI, Blatt 7, 8.)

Und weiter:

Bakajew teilte mit, dass die Terroristen ihre Überzeugung über das Gelingen des Terroraktes geäußert hätten; sie wähnten sich in Sicherheit. Sie gingen davon aus, dass sie alle, darunter auch solche aktiven Sinowjewleute wie Rumjanzew, Lewin, Mjassnikow, Mandelstam und andere, das Vertrauen einer Reihe von führenden Funktionären der Partei- und Sowjetorganisationen in Lenin grad genießen. Dies sichere ihnen die volle Möglichkeit, ohne jegliche Furcht vor Aufdeckung die Vorbereitungen zu dem Terrorakt gegen Kirow zu betreiben.“ (Bd. XXXVI, Blatt 9.)

Die Voruntersuchung hat ergeben, dass Kamenew im Juni 1934, nachdem das vereinigte sinowjewistische trotzkistische Zentrum den Beschluss über die Ermordung des Genossen S. M. Kirow gefasst hatte, speziell nach Lenin grad reiste, um den Gang der Organisierung des Terroraktes gegen den Genossen Kirow zu überprüfen.

Sinowjew forcierte ebenfalls in jeder Weise die Vollbringung des Mordes an dem Genossen Kirow und warf den Teilnehmern der Terroristengruppe, wie der an einer anderen Strafsache verhaftete N. M. Matorin, ehemaliger Privatsekretär Sinowjews, ausgesagt hat, Zögern und Unentschlossenheit vor.

Matorin hat ausgesagt:

Sinowjew sagte mir, die Vorbereitung des Terroraktes müsse in jeder Weise forciert werden und Kirow, müsse bis zum Winter ermordet sein. Sinowjew warf mir mangelhafte Entschlossenheit und Energie vor. Er sagte, dass man bei terroristischen Kampfmethoden auf Vorurteile verzichten müsse.“ (Bd. XIV, Blatt 63, 64.)

III. ORGANISIERUNG VON TERRORAKTEN GEGEN DIE GENOSSEN WOROSCHILOW, SHDANOW, KAGANOWITSCH, KOSSIOR, ORDSHONIKIDSE UND POSTYSCHEW DURCH DAS VEREINIGTE TROTZKISTISCH-SINOWJEWISTTSCHE ZENTRUM

Aus dem Material der Voruntersuchung ergibt sich, dass das vereinigte trotzkistisch-sinowjewistische terroristische Zentrum, nachdem es den Genossen Kirow ermordet hatte, sich nicht auf die Organisierung der Ermordung des Genossen Stalin allein beschränkte. Das trotzkistisch-sinowjewistische terroristische Zentrum betrieb gleichzeitig auch die Organisierung der Ermordung anderer Führer der Partei, und zwar der Genossen Woroschilow, Shdanow, Kaganowitsch, Kossior, Ordshonikidse und Postyschew.

Der Angeklagte Reingold hat ausgesagt, dass Sinowjew, als er davon sprach, dass der Genosse Kirow als nächster Mitkämpfer des Genossen Stalin ermordet werden müsse, hinzufügte:

„Es genügt nicht, die Eiche zu fällen, man muss auch alle jungen Schösslinge um diese Eiche herum vernichten.“ (Bd. XXVII, Blatt 70.)

Laut Aussagen Reingolds

„lief die Hauptdirektive Sinowjews auf folgendes hinaus: Es ist notwendig, den Schlag gegen Stalin, Kaganowitsch und Kirow zu führen.“ (Bd. XXVII, Blatt 63.)

Der Angeklagte Reingold bestätigte, dass

„der Plan des vereinigten Zentrums darauf begründet war, durch einen gleichzeitigen betäubenden Schlag in Moskau und Lenin grad völlige Verwirrung in der Partei und im Lande hervorzurufen.“ (Bd. XXVII, Blatt 163.)

Die Ermordung der Genossen Woroschilow, Kaganowitsch, Shdanow, Kossior, Ordshonikidse und Postyschew versuchten verschiedene terroristische Gruppen auszuführen, die unter der allgemeinen Leitung des vereinigten Zentrums tätig waren.

So war mit der Organisierung des Terroraktes gegen den Genossen Woroschilow die Gruppe Dreitzer beschäftigt, die den Auftrag zur Ermordung Woroschilows unmittelbar von Trotzki erhalten hatte, sowie die Gruppe des Trotzkisten M. Lurie, die zu demselben Zweck aus Deutschland geschickt worden war.

Über die Vorbereitung der Ermordung des Genossen Woroschilow hat ein Mitglied des vereinigten Zentrums, der Angeklagte Mratschkowski, ausgesagt:

„Mitte 1934 berichtete mir J. Dreitzer, dass er gleichzeitig die Ermordung Woroschilows vorbereite; zu diesem Zwecke sollte DimitrijSchmidt unterwiesen werden, der einen Kommandeurposten in der Armee bekleidete und gegen den in der Partei kein Verdacht bestand. Es wurde geplant, dass er Woroschilow während eines persönlichen Vortrags in Dienstangelegenheiten bei Woroschilow oder während der nächsten Manöver, denen Woroschilow beiwohnen würde, ermordet.“ (Bd. XVIII, Blatt 49.)

Der Angeklagte Dreitzer hat bei seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft der Union am 31. Juli darüber ausgesagt:

„Zur Verübung des Terroraktes zog ich Estermann und Gajewski und 1935 Schmidt und Kusmitschew heran. Die letzteren übernahmen es, Woroschilow zu ermorden.“ (Bd. X, Blatt 195.)

Die Aussagen Mratschkowskis und Dreitzers hat auch der Angeklagte Reingold bestätigt, der folgendes aussagte:

„Ich weiß von Mratschkowski und Dreitzer, dass im Sommer 1933 unter Leitung Dreitzers eine trotzkistische Gruppe aus Militärpersonen organisiert wurde, bestehend aus Schmidt, Kommandeur einer Brigade der Roten Armee, Kusmitschew, Stabschef eines Truppenverbandes, und einer Reihe anderer Personen, deren Namen ich nicht kenne. Von Dreitzer weiß ich, dass zu unmittelbaren Vollstreckern des Terroraktes gegen WoroschilowSchmidt und Kusmitschew bestimmt waren, die ihre Einwilligung zur Ausführung dieses Aktes gegeben hatten. Es war geplant, dass sie dazu entweder einen Empfang bei Woroschilow oder den Besuch ihrer Truppenteile durch Woroschilow ausnutzen sollten.“ (Bd. XVII, Blatt 165, 166.)

Die Voruntersuchung hat ebenfalls ergeben, dass eine Reihe von terroristischen Gruppen (Dreitzer, M. Lurie u. a.) zur gleichen Zeit Anschläge auf die Genossen Shdanow, Kaganowitsch, Ordshonikidse, Kossior und Postyschew vorbereitet haben.

DIE ANKLAGEFORMEL

Auf Grund der Analyse des oben Dargelegten hält die Voruntersuchung für festgestellt:

  1. dass in der Periode 1932-1936 in Moskau ein vereinigtes trotzkistisch-sinowjewistisches Zentrum organisiert wurde, das sich die Verübung. einer Reihe von Terrorakten gegen die Führer der KPdSU(B) und der Sowjetregierung zur Aufgabe machte, um die Macht an sich zu reißen;
  2. dass diesem vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrum aus der Zahl der in der vorliegenden Strafsache als Angeklagte zur Verantwortung Gezogenen angehört haben: von den Sinowjewleuten G. J. Sinowjew, L. B. Kamenew, G. J. Jewdokimow, I. P. Bakajew, und von den Trotzkisten I. N. Smirnow, W. A. Ter-Waganjan und S. W. Mratschkowski;
  3. dass das vereinigte trotzkistisch - sinowjewistische Zentrum in dieser Zeit eine Reihe von terroristischen Gruppen organisiert und eine Reihe praktischer Maßnahmen zur Ermordung der Genössen Stalin, Woroschilow, Shdanow, Kaganowitsch, Kirow,Kossior, Ordshonikidse und Postyschew vorbereitet hat;
  4. dass von einer dieser terroristischen Gruppen, die auf direkte Weisungen Sinowjews und L. Trotzkis sowie des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums und unter der unmittelbaren Leitung des Angeklagten Bakajew gehandelt haben, am 1. Dezember 1934 der niederträchtige Mord an dem Genossen S. M. Kirow verübt wurde.

Die als Angeklagte in der vorliegenden Strafsache zur Verantwortung gezogenen G. J Sinowjew, L. B. Kamenew, G. J. Jewdokimow, I. P. Bakajew, W. A. Ter-Waganjan, S. W. Mratschkowski, J. A. Dreitzer, V. P. Olberg, Fritz David (I. I. Krugljanski), E. S. Golzman, R. W. Pikel, I. I. Reingold, H. B. Berman-Jurin, M. Lurie und N. Lurie haben sich der gegen sie erhobenen Anklage restlos schuldig bekannt.

Der Angeklagte I. N. Smirnow, der seine Beteiligung am vereinigten Zentrum des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks, seine persönliche Verbindung mit L. Trotzki und seine Zusammenkünfte mit L. Sedow während seines Aufenthaltes 1931 im Auslande sowie auch den Umstand zugibt, dass er die Verbindung mit Trotzki bis zu seiner Verhaftung im Jahre 1933 aufrechterhalten hat, hat gestanden, dass ihm 1931 durch Sedow die Direktive L. Trotzkis über die Organisierung des Terrors gegen die Führer der KPdSU(B) und des Sowjetstaates übermittelt, dass sie 1932 bestätigt wurde und dass diese Direktive der Organisierung des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks zugrunde gelegt wurde.

Zur selben Zeit leugnet der Angeklagte I. N. Smirnow kategorisch seine Beteiligung an der terroristischen Tätigkeit des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums. Der Angeklagte I. N. Smirnow wird jedoch durch die Aussagen der Angeklagten S. W. Mratschkowski (Bd. XXIX, Blatt 76-84), Dreitzer (Bd. XXXI; Blatt 63), A. N. Safonowa (Bd. XXXI, Blatt 29b), I. I. Reingold (Bd. XXXI, Blatt 138, 284), G. J. Sinowjew (Bd. XII, Blatt 35), L. B. Kamenew (Bd. XV, Blatt 28), G. J. Jewdokimow (Bd. XXXVI, Blatt 9, 10) und R. W. Pikel (Bd. XXXI, Blatt 78) der Teilnahme an der terroristischen Tätigkeit des vereinigten Zentrums überführt.

Auf Grund des Dargelegten wird Anklage erhoben gegen:

  1. Sinowjew, Grigorij Jewsejewitsch, geb. 1883, Angestellter, verurteilt 1935 im Prozess gegen das „Moskauer Zentrum“ der Sinowjewleute;
  2. Kamenew, Lew Borissowitsch, geb. 1883, Angestellter, verurteilt 1935 im Prozess gegen dasselbe „Moskauer Zentrum“;
  3. Jewdokimow, Grigorij Jeremejewitsch, geb. 1884, Angestellter, verurteilt 1935 im Prozess gegen dasselbe „Moskauer Zentrum“;
  4. Bakajew, Iwan Petrowitsch, geb. 1887, Angestellter, verurteilt 1935 im Prozess gegen dasselbe „Moskauer Zentrum“;
  5. Mratschkowski, Sergej Witaljewitsch, geb. 1888, Angestellter:
  6. Ter-Waganjan, Wagarschak Arutjunowitsch, geb. 1893, Angestellter;
  7. Smirnow, Iwan Nikititsch, geb. 1880, Angestellter, - dass die ersten sechs Angeklagten in der Zeit von 1932 bis 1936 und der Angeklagte I. N. Smirnow, seit 1931
  1. Dreitzer, Jefim Alexandrowitsch, geb. 1894, Angestellter;
  2. Reingold, Isaak Issajewitsch, geb. 1897, Angestellter;
  3. Pikel, Richard Witoldowitsch, geb. 1896, Angestellter;
  4. Golzman, Eduard Solomonowitsch, geb. 1882, Angestellter;
  5. FritzDavid, alias Krugljanski, Ilja-David Israilewitsch, geb. 1897, Angestellter;
  6. Olberg, Valentin Pawlowitsch, geb. 1907, Angestellter;
  7. Berman-Jurin, Konon Borissowitsch (alias Alexander Fomitsch), geb. 1901, Angestellter;
  8. Lurie, Moissej Iljitsch (alias Emel, Alexander), geh. 1897. Angestellter;
  9. Lurie, Nathan Lasarewitsch, geb. 1901, Angestellter, - dass sie als Mitglieder der illegalen trotzkistisch-sinowjewistischen terroristischen Organisation an der Vorbereitung der Ermordung der Genossen Stalin, Woroschilow, Shdanow, Kaganowitsch, Kossior, Ordshonikidse und Postyschew teilgenommen haben, das heißt wegen Verbrechen gegen die Artikel 19 und 58-8, 58-11 des Strafgesetzbuches der RSFSR.

Die durch das Material der vorliegenden Strafsache der unmittelbaren Vorbereitung und persönlichen Leitung der Organisierung von Terrorakten in der UdSSR gegen die Führer der KPdSU(B) und des Sowjetstaates überführten, im Auslande befindlichen L. Trotzki und sein Sohn L. L. Sedow sind im Falle, dass sie auf dem Gebiet der Union der SSR angetroffen werden, sofort zu verhaften und vor das Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes der Union der SSR zur Aburteilung zu stellen.

Die Strafsachen betreffend Gertik, Grinberg, J. Gawen, Karew, Kusmitschew, Konstant,Matorin, Paul Olberg, Radin, Safonowa, Faiwilowitsch, D. Schmidt und Estermann werden, da die Voruntersuchung weiterläuft, zu einem besonderen Verfahren abgetrennt.

Auf Grund des Dargelegten und in Übereinstimmung mit dem Beschluss des Zentralexekutivkomitees der Union der SSR vom 11. August d. J. sind alle oben angeführten Personen vor das Gericht des Militärkollegiums des Obersten Gerichtshofes der Union der SSR in öffentlicher Gerichtsverhandlung zu stellen.

Die vorliegende Anklageschrift wurde abgefasst in Moskau am 14. August 1936.

Der Staatsanwalt der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

A. Wyschinski

 

Nach Verlesung der Anklageschrift fragt der Vorsitzende die Angeklagten, ob sie sich im Sinne der gegen sie erhobenen Anklage schuldig bekennen. Die Angeklagten Sinowjew, Kamenew, Jewdokimow, Bakajew, Ter-Waganjan, Mratschkowski, Dreitzer, Reingold, Pikel, Olberg, Berman-Jurin, Fritz David (Krugljanski), M. Lurie und N. Lurie bekennen sich voll und ganz schuldig. Der Angeklagte I. N. Smirnow gesteht, an dem vereinigten Zentrum des Trotzki-Sinowjew-Blocks teilgenommen, mit Trotzki persönlich in Fühlung gestanden, von Trotzki über die Organisierung des Terrors gegen die Führer der KPdSU(B) und des Sowjetstaates Direktiven erhalten zu haben, gibt seine politische Verantwortlichkeit für die Tätigkeit des vereinigten Zentrums zu und leugnet nur seine persönliche Teilnahme an der Vorbereitung und Durchführung von Terrorakten.

Der Angeklagte Golzman gesteht, an der trotzkistisch-sinowjewistischen terroristischen Organisation teilgenommen, mit dem ausländischen trotzkistischen Zentrum persönlich Verbindungen aufrechterhalten und die persönliche Direktive Trotzkis über die Organisierung von Terrorakten in die UdSSR übermittelt zu haben, und leugnet nur seine persönliche Teilnahme an der Vorbereitung von Terrorakten.

Nach einer Pause von 15 Minuten beginnt der Gerichtshof um 13 Uhr 45 Minuten mit der Vernehmung der Angeklagten.

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