PROZESSBERICHT
ÜBER DIE STRAFSACHE
DES TROTZKISTISCH-SINOWJEWISTISCHEN
TERRORISTISCHEN ZENTRUMS

ABENDSITZUNG VOM 19. AUGUST 1936

VERNEHMUNG DES ANGEKLAGTEN BAKAJEW

Nach Reingold wird Bakajew vernommen. Auf Fragen des Genossen Wyschinski sagt er vor Gericht aus, wie die Vorbereitung dieser Terrorakte vor sich ging. Eine besonders forcierte terroristische Tätigkeit wurde im August 1932 und im Herbst 1934 betrieben. Bakajew nennt die Namen der Beteiligten an der Vorbereitung der Terrorakte. Diese Teilnehmer sind: Reingold, Pikel, Faiwilowitsch, Radin und andere.

Bakajew sagt vor Gericht aus, wie die Terroristen aus dem trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrum sich bemühten, die Spuren zu verwischen, wie sie bestrebt waren, ihre Konspiration zu wahren. Im Herbst 1932 wurden Sinowjew und Kamenew aus der Partei ausgeschlossen. Es tauchte die Frage auf, was weiter geschehen sollte. Darauf fand eine Zusammenkunft Bakajews mit Sinowjew, Jewdokimow, Kuklin, Scharow, Dreitzer und anderen statt, und es wurde beschlossen, die terroristische Tätigkeit vorübergehend einzustellen. Im Herbst 1934 wurde sie wieder aufgenommen.

Bakajew sagt aus, dass im Oktober 1934 in Moskau unter Kamenews, Jewdokimows sowie seiner eigenen, Bakajews, Leitung ein Anschlag auf Stalin vorbereitet wurde, an dem Bakajew selbst unmittelbar beteiligt war. Der Anschlag misslang. Nach diesem misslungenen Anschlag kam Bakajew zu Kamenew und setzte ihn davon in Kenntnis.

„Kamenew - fährt Bakajew in seiner Aussage fort - erklärte: Schade, hoffen wir aber, dass es das nächste Mal besser gelingen wird. Hierauf wandte er sich an Jewdokimow mit der Frage, wie die Dinge in Lenin grad stünden. Jewdokimow erwiderte, dass man die Sachlage in Lenin grad überprüfen müsste und Bakajew dorthin senden sollte. Kamenew stimmte zu - ja, Bakajew müsse unbedingt hinfahren. Ich erklärte mich einverstanden. Vor der Abreise fragte ich Jewdokimow, bei wem ich mich dort einfinden und mit wem ich sprechen soll. Jewdokimow antwortete, dass ich Lewin aufsuchen soll. Ich wies darauf hin, dass ich die Adresse Lewins nicht kenne, da ich ihn schon viele Jahre nicht gesehen habe. Jewdokimow versprach mir, es so einzurichten, dass mich am Bahnhof Lewin oder Mandelstam empfängt. Ich fuhr hin, und wirklich wurde ich am Bahnhof von Lewin empfangen, der erklärte: Grigorij Jewsejewitsch (Sinowjew) glaubt wohl weder Gertik noch Kuklin noch sogar Jewdokimow selbst und schickt Leute her, um unsere Stimmungen und unsere Arbeit zu kontrollieren, nun meinetwegen, wir sind nicht stolz ... Ich bat, die Leute zusammenzurufen. Nach einiger Zeit versammelten sich in Lewins Wohnung, außer ihm selbst und Mandelstam, noch Sossizki, Wladimir Rumjanzew, Kotolynow und Mjassnikow. Kotolynow sagte, er lasse Kirow regelmäßig beobachten. Kirow sei so umstellt, dass es keinerlei Schwierigkeit biete, ihn zu ermorden. Ich bat, mich mit jemand von den Personen bekannt zu machen, die zur Ausführung der Terrorakte bestimmt sind. Lewin bat Kotolynow, Leonid Nikolajew einzuladen. Ich wusste, dass Leonid Nikolajew zur Lenin grader Organisation gehört. Lewin sagte, dass Nikolajew ein altes Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes sei, Jewdokimow kenne ihn seit vielen Jahren und habe ihn aufs allerbeste, als absolut verlässlichen Menschen empfohlen. Nikolajew machte auf mich den Eindruck eines entschlossenen und überzeugten Terroristen. Er sagte, dass es ihm gelungen sei, genau die Zeit, festzustellen, in der Kirow aus seiner Wohnung in den Smolny fährt, dass er Kirow entweder in der Nähe des Smolny oder im Smolny ermorden könne, dass er sich bemüht habe, von Kirow empfangen zu werden, um während des Empfangs auf Kirow zu schießen, dass man ihn aber nicht empfangen habe. Nikolajew teilte ferner mit, dass er die Beobachtung Kirows zusammen mit zwei anderen Terroristen betreibe.“

In seinen Aussagen sagt Bakajew noch, dass ihm von der ganzen Tätigkeit des Terroristenzentrums nur der Beschluss; Stalin und Kirow zu ermorden, bekannt gewesen sei, während er von den anderen Terrorakten, die vorbereitet wurden, erst aus der Anklageschrift erfahren habe.

Wyschinski: Bakajew, Sie waren Mitglied des Terroristenzentrums? Stimmt das?

Bakajew: Das stimmt.

Wyschinski: 1932 erhielten Sie den Auftrag, die Ermordung das Genossen Stalin zu organisieren. So war es doch?

Bakajew: Ja.

Wyschinski: Sie haben eine ganze Reihe praktischer Maßnahmen getroffen, um diesen Auftrag durchzuführen, d. h. Sie haben mehrere Versuche organisiert, einen Anschlag auf den Genossen Stalin auszuführen, die nicht durch Ihre Schuld misslungen sind?

Bakajew: Das stimmt.

Wyschinski: Außerdem waren Sie am Mord an dem Genossen Kirow beteiligt?

Bakajew: Ja.

Wyschinski: Außerdem fuhren Sie im Auftrag des Terroristenzentrums nach Lenin grad, um die Vorbereitung dieses Mordes zu überprüfen?

Bakajew: Ja.

Wyschinski: Aus Lenin grad zurückgekehrt, meldeten Sie, alles sei in Ordnung, die Vorbereitung des Mordes verlaufe erfolgreich. Während Ihrer Reise trafen Sie mit Kotolynow, Rumjanzew und anderen zusammen?

Bakajew: Ja.

Wyschinski: Mehr noch: Sie trafen Nikolajew, instruierten ihn bezüglich des Mordes und überzeugten sich, dass Nikolajew ein entschlossener Mensch sei und den ihm erteilten Auftrag werde ausführen können?

Bakajew: Ja.

Bei der weiteren Vernehmung versucht jedoch Bakajew wieder, seine Rolle zu vermindern, -und meint, dass er nur „Mitorganisator“ bei der Vorbereitung des niederträchtigen Mordes an dem Genossen S. M. Kirow gewesen sei.

Wyschinski: Sie geben Signale, kontrollieren die Zeit, Sie kontrollieren alles, was auf Ihr Signal hin geschieht, Sie begehen die Tat - heißt das nicht Organisator des Verbrechens sein?

Bakajew: Ja, das heißt Organisator des Verbrechens sein.

Wyschinski: Ist es daher richtig, wenn wir sagen, dass Sie der Organisator des Mordes an dem Genossen Kirow waren?

Bakajew: Nun ja, aber nicht nur ich allein!

Wyschinski: Sie waren nicht allein, Jewdokimow war mit Ihnen. Angeklagter Sinowjew, waren auch Sie Organisator des Mordes an dem Genossen Kirow?

Sinowjew: Meiner Meinung nach hat Bakajew recht, wenn er sagt, dass die wirklichen und Hauptschuldigen an der niederträchtigen Ermordung Kirows in erster Linie ich - Sinowjew, sowie Trotzki und Kamenew waren, da wir das vereinigte terroristische Zentrum organisiert hatten. Bakajew spielte darin zwar eine bedeutende, aber durchaus nicht die entscheidende Rolle.

Wyschinski: Die entscheidende Rolle gehört Ihnen, Trotzki und Kamenew. Angeklagter Kamenew, schließen Sie sich der Erklärung Sinowjews an, dass Sie, Trotzki und Sinowjew die Hauptorganisatoren waren, während Bakajew die Rolle des praktischen Organisators spielte?

Kamenew: Ja.

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