PROZESSBERICHT
ÜBER DIE STRAFSACHE
DES TROTZKISTISCH-SINOWJEWISTISCHEN
TERRORISTISCHEN ZENTRUMS

ABENDSITZUNG VOM 19. AUGUST 1936

VERNEHMUNG DES ANGEKLAGTEN PIKEL

Der Oberste, Gerichtshof geht zur Vernehmung des Angeklagten Pikel über. Pikel ist einer der allernächsten Vertrauensleute Sinowjews; er leitete jahrelang dessen Sekretariat. Pike gesteht, dass er als aktives Mitglied des Moskauer terroristischen Zentrums über alle grundlegenden Beschlüsse und die terroristischen Maßnahmen des vereinigten Zentrums unterrichtet war. Im Herbst 1932 trat Pikel in die terroristische Kampforganisation ein, deren Leiter Bakajew war, und erklärte sich bereit, sich an dem Anschlag auf den Genossen Stalin zu beteiligen. Pikel bestätigt die Aussagen Reingolds und Bakajews, dass Sinowjew unmittelbar die Vorbereitung dieses Anschlags geleitet hat. Gleichzeitig charakterisiert der Angeklagte Pikel prägnant die Hauptleiter der terroristischen Tätigkeit, darunter auch Sinowjew, die die Eigenliebe und die Charaktereigenheiten jedes einzelnen Mittäters meisterhaft ausnutzten. Die Wut zu schüren, den Hass zu schüren, die Gesinnungsgenossen aufs äußerste aufzuputschen. das war, nach der Erklärung Pikels, die einzige Meisterschaft, die die Anführer des konterrevolutionären trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks besaßen.

Pikel ergänzt die Aussagen Bakajews und hebt hervor, dass Bogdan im Herbst 1935 einen neuen Anschlag auf Stalin versuchen sollte. Im Zusammenhang damit schildert Pikel die Atmosphäre, die in dem Terroristenzentrum herrschte, dessen Mitglieder keine Skrupel hatten, zur Verwischung der Spuren ihrer verbrecherischen Tätigkeit die niedrigsten Mittel anzuwenden.

Pikel gibt zu, dass der Selbstmord Bogdans im Grunde genommen ein Mord war, der auf Beschluss des terroristischen Zentrums verübt wurde. Bei diesem Verbrechen spielte Bakajew eine besonders aktive Rolle. Vor dem Selbstmord Bogdans verbrachte Bakajew die ganze Nacht mit ihm, wobei er Bogdan zuredete, entweder den Anschlag auf Stalin auszuführen oder Selbstmord zu begehen. Bogdan beging Selbstmond, wobei er, wie ihm nahe gelegt worden war, einen Zettel hinterließ, in dem er sich als ein Opfer der Parteireinigung hinstellte.

Weiter macht Pikel Ausführungen über die Vorbereitung des Terrorakts gegen den Genossen Stalin im Jahre 1934. Die Teilnahme Pikels bestand hier darin, dass er Bakajew nun Radin in Verbindung brachte, der von Pikel zur Ausführung dieses Terrorakts vorbereitet worden war.

Noch ein überaus kennzeichnender Zug, der darauf hinweist, wie die Trotzkisten und Sinowjewleute bemüht waren, die Spuren zu verwischen und ihre Terroristenorganisation zu retten. Pikel gesteht, dass ihm, um zu verhüten, dass die Organisation -aufgedeckt werde, im Jahre 1934 nahe gelegt wurde, vorübergehend in eine entlegene Gegend zu verreisen. Daraufhin verschaffte sich Pikel, der Mitglied des Verbandes der Sowjetschriftsteller war, mit Leichtigkeit eine Kommandierung zu schriftstellerischen Zwecken ... nach Spitzbergen.

Nach seiner Rückkehr aus Spitzbergen stellte jedoch Pikel seine terroristischen Umtriebe nicht ein. Wie der Angeklagte gesteht, kam er bald nach seiner Ankunft mit Dreitzer zusammen und nahm seine terroristische Tätigkeit wieder auf. Dreitzer teilte ihm mit, dass Anschläge auf Kaganowitsch, Woroschilow und andere Führer der Partei und der Regierung vorbereitet werden.

Mit der Vernehmung Pikels beschließt die Abendsitzung des Obersten Gerichtshofes vom 19. August.

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