PROZESSBERICHT
ÜBER DIE STRAFSACHE
DES TROTZKISTISCH-SINOWJEWISTISCHEN
TERRORISTISCHEN ZENTRUMS

MORGENSITZUNG VOM 20. AUGUST 1936

VERNEHMUNG DER ZEUGIN SAFONOWA

Das Gericht geht zur Vernehmung der auf Antrag des Staatsanwalts vorgeladenen Zeugin Safonowa über, deren Strafsache zu einem besonderen Verfahren ausgesondert ist.

Safonowa sagt aus, dass sie Mitglied des trotzkistischen Zentrums gewesen sei und sich aktiv an der Arbeit dieses Zentrums beteiligt habe. Ferner sagt sie, dass I. N. Smirnow im Jahre 1931 das Zentrum der trotzkistischen Organisation in der Person Ter-Waganjans, Mratschkowskis und Safonowas über die von ihm in Berlin durch Sedow erhaltene Weisung, zu terroristischen Kampfmethoden überzugehen, informiert habe. Bei der Übermittlung dieser Weisung habe I. N. Smirnow betont, dass sie von Trotzki ausgehe. „Auf derselben Beratung - sagt Safonowa weiter aus - wurde uns von Smirnow mitgeteilt, dass das Zentrum den Beschluss gefasst habe, zum Terror überzugehen und in erster Linie einen Terrorakt gegen Stalin auszuführen. Im Jahre 1932 erhielt Smirnow eine Direktive Trotzkis, die von Gawen mitgebracht wurde. Diese Direktive war eine direkte Bestätigung der Anweisung Trotzkis über den Terror, die Smirnow bereits früher durch Sedow erhalten hatte. Auch über diese Direktive informierte uns I. N. Smirnow. Diese Direktive war nicht nur eine Bestätigung der Weisungen, die durch Sedow übermittelt waren, sondern gleichzeitig auch eine Anweisung, den Terrorakt gegen Stalin zu beschleunigen.“

Safonowa führt noch eine Tatsache an, die die Stellung I. N. Smirnows zum Terror kennzeichnet: „Einmal - führt sie aus - erzählte uns Mratschkowski, der von einem Empfang bei Stalin zurückgekehrt war, über sein Gespräch mit Stalin. Dabei waren ich und I. N. Smirnow anwesend. Bratschkowski, der uns über seine Unterredung mit Stalin erzählte, brachte dieses mit den Perspektiven unseres weiteren Kampfes in Verbindung und erklärte, der einzige Ausweg sei, Stalin zu ermorden. I. N. Smirnow unterstützte energisch diese Schlussfolgerung Mratschkowskis.“

„Vor meiner im Dezember 1932 erfolgten Abreise an den Bau der Amur-Baikal-Bahn - fährt Safonowa in ihren Aussagen fort - hatte ich eine Unterredung mit Smirnow über die weitere Arbeit der Organisation in Verbindung mit- dem gefassten Beschluss über den Terror. I. N. Smirnow bestätigte mir in kategorischer Form, dass man Stalin ermorden müsse, dass man Stalin ermorden werde.“

Smirnow streitet ab, dass er Ter-Waganjan, Mratschkowski und Safonowa die Direktive Trotzkis über den Übergang zum Terror übermittelt habe. Smirnow versucht ebenfalls zu bestreiten, dass er nach Rückkehr Mratschkowskis von der Unterredung mit Stalin über die Notwendigkeit gesprochen hat, Stalin zu ermorden. Durch die Fragen des Genossen Wyschinski an Ter-Waganjan, Safonowa und Mratschkowski wird jedoch festgestellt, dass dies tatsächlich der Fall gewesen ist.

Im Zusammenhang damit, dass die Aussagen Safonowas Smirnow endgültig überführen, bringt Genosse Wyschinski Klarheit in die Beziehungen zwischen Smirnow und Safonowa.

Wyschinski: In welchen Beziehungen standen Sie zur Safonowa?

Smirnow: In guten.

Wyschinski: Nicht mehr?

Smirnow: Wir standen einander sehr nahe.

Wyschinski: Sie waren Mann und Frau?

Smirnow: Ja.

Wyschinski: Persönliche Differenzen bestehen zwischen Ihnen, nicht?

Smirnow: Nein.

Durch alle Aussagen der Angeklagten und Zeugen wird Smirnow vollkommen als einer der Hauptleiter des Terrors gegen die Führer der Partei und der Sowjetregierung überführt, den er nach direkten Anweisungen Trotzkis ausübte.

Die Morgensitzung wird geschlossen.

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