PROZESSBERICHT
ÜBER DIE STRAFSACHE
DES TROTZKISTISCH-SINOWJEWISTISCHEN
TERRORISTISCHEN ZENTRUMS

MORGENSITZUNG VOM 21. AUGUST 1936

VERNEHMUNG DES ANGEKLAGTEN TER-WAGANJAN

Das Gericht geht zur Vernehmung des Angeklagten Ter-Waganjan über.

In Beantwortung der Fragen des Staatsanwalts, des Genossen Wyschinski, gesteht der Angeklagte Ter-Waganjan, dass er einer der Organisatoren des trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums war, wie auch, dass dieses Zentrum auf der Grundlage der Direktive Trotzkis Über den Terror organisiert worden war.

Wyschinski: Der Direktive, die Ihnen als einem der Organisatoren des Zentrums seinerzeit übergeben worden war?

Ter-Waganjan: Ja.

Wyschinski: Sie gestehen, dass Sie sich auch persönlich mit der Vorbereitung bestimmter Terrorakte beschäftigt haben?

Ter-Waganjan: Mit der Vorbereitung von Terrorakten habe ich mich nicht beschäftigt, jedoch nahm ich an der Arbeit des Zentrums teil.

Wyschinski: An der terroristischen Arbeit?

Ter-Waganjan: Die ganze Arbeit war terroristisch.

Wyschinski: Sie haben bei Ihrer Vernehmung vom 14. August folgendes erklärt: „Von den Personen, die dem vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrum angehörten, worüber ich in meinen Aussagen vom, 16. Juli dieses Jahres ausführlich gesprochen habe, leiteten praktisch I. N. Smirnow, Mratschkowski, Sinowjew und Kamenew die Organisierung und Anleitung der Terroristengruppe.“ - Bestätigen Sie das?

Ter-Waganjan: Ja.

Wyschinski: Und fügten hinzu: „Ich persönlich arbeitete im Auftrage Smirnows und Kamenews.“ - Bestätigen Sie das?

Ter-Waganjan: Ja.

Wyschinski: Neigte Smirnow im Jahre 1931 zu gewaltsamen Kampfmethoden?

Ter-Waganjan: Ja, ebenso wie alle Trotzkisten, die sich in der Umgebung Smirnows befanden.

In seinen weiteren Aussagen bestätigt Ter-Waganjan, der über seine Rückkehr aus Transkaukasien nach Moskau spricht, die Aussage der Zeugin Safonowa, dass Safonowa Ter-Waganjan über die Auslandsreise Smirnows und über Smirnows Zusammenkunft mit L. Sedow informiert hat.

„Ich muss sagen - sagt Ter-Waganjanaus -, dass nicht die Rede davon gewesen ist, dass diese Direktive über den Terror die persönliche Meinung Sedows sei. Wenn Safonowa mir gesagt hätte, dass das die persönliche Meinung Sedows sei, so hätten wir mit ihr zusammen darüber wie über einen Witz gelacht. Als Smirnow zurückkehrte, wiederholte er mir und Safonowa gegenüber seine Erzählung.“

Auf die Frage des Genossen Wyschinski, aus welchen Erwähnungen Smirnow diese Tatsache leugne, erklärt Ter-Waganjan dem Gericht, dass Smirnow sich fürchte, vor dem Gericht die ganze Wahrheit zu sagen, weil er daraufhin eine Reihe von Personen namhaft machen müsste, die mit dem Terror zu tun hatten. Im Besonderen, sagt Ter-Waganjan, will Smirnow nicht sagen, dass er seit 1928 mit den georgischen Abweichlern systematisch Verbindung unterhielt. Im Jahre 1932 hatte Smirnow nach seiner Rückkehr aus dem Auslande eine Zusammenkunft mit georgischen Abweichlern, die bekanntlich seit 1928 terroristisch gestimmt waren.

Wyschinski: Smirnow, bestätigen Sie, dass Sie mit den georgischen Abweichlern in Verbindung gestanden haben?

Smirnow: Ich bin 1929 wiederholt mit Okudshawa zusammengekommen.

Aus der weiteren Befragung des Angeklagten Ter-Waganjan geht hervor, dass I. N. Smirnow mit der Terroristengruppe Stückgold in Verbindung gestanden hat.

„Mit Stückgold - führt Ter-Waganjan aus - machte mich 1929 I. N. Smirnow bekannt, der mich ersuchte, Stückgold bei mir aufzunehmen, so oft er käme. Smirnow wünschte nicht, dass Stückgold sonst noch mit jemandem zusammentreffe. Eine derartige Konspiration hatte nur den einen Sinn: Stückgold hatte irgendwelche besonderen Verbindungen, die geschützt werden mussten.“

Von Genossen Wyschinski befragt, stellt I. N. Smirnow in Abrede, dass er Stückgold mit Ter-Waganjan bekannt gemacht habe und mit ihm in der Wohnung Ter-Waganjans gewesen sei. Von Ter-Waganjan überführt, muss er jedoch zugeben, dass eine solche Zusammenkunft stattgefunden haben kann.

Wyschinski (zu Smirnow): Sie räumen ein, dass Sie mit Stückgold zu Ter-Waganjan gegangen sein könnten?

Smirnow: Für 1929 räume ich es ein.

Wyschinski: Das heißt also, dass Sie, Ter-Waganjan und Stückgold im Jahre 1929 zusammengekommen sind?

Smirnow: Möglich.

Ter-Waganjan (zu Smirnow): War das im Winter 1929/30?

Smirnow: Ja.

Wyschinski (zu Ter-Waganjan): Die Gruppe Stückgolds war eine terroristische Gruppe?

Ter-Waganjan: Ja, eine terroristische.

„Im Herbst 1931 - fährt Ter-Waganjan fort - beginnt meine sehr enge Verbindung und Freundschaft mit Lominadse. Mit Lominadse kam ich wiederholt zusammen, und bei diesen Zusammenkünften unterhielten wir uns über einen Block.“

Seine Aussagen fortsetzend, sagt Ter-Waganjan, dass in dieser Periode Verhandlungen der Trotzkisten mit den Sinowjewleuten und den „Linkslern“ über eine Vereinigung begannen, - wobei die Einstellung auf den Terror vollkommen klar war.

Wyschinski: Wann war das?

Ter-Waganjan: Nach der Ankunft Smirnows aus Berlin.

Wyschinski: In, dieser Periode war die Einstellung auf den Terror klar?

Ter-Waganjan: Ja, sie war klar, weil die Direktive schon mitgebracht worden war.

Um die Frage, auf welcher Grundlage der Block mit den „Linkslern“ zustande kam, zu präzisieren, richtet Genosse Wyschinski an den Angeklagten Smirnow eine Reihe von Fragen. Aus den Antworten Smirnows geht hervor, dass der Block auf terroristischer Grundlage geschaffen wurde.

Wyschinski (zu Smirnow): Haben Sie den Block organisiert, oder nicht?

Smirnow: Ich habe Ter-Waganjan beauftragt, mit Lominadse Verhandlungen zu führen.

Wyschinski: Zu welchem Zweck?

Smirnow: Zum Zweck der Vereinigung.

Wyschinski: Kam die Vereinigung zustande?

Smirnow: Ja.

Wyschinski: Mit den „Linkslern“?

Smirnow: Ja.

Wyschinski: Sind Sie diesem Block beigetreten?

Smirnow: Ja.

Wyschinski: War damals die Direktive über den Terror in Kraft?

Smirnow: Ja.

Vom Genossen Wyschinski nach seiner eigenen terroristischen Tätigkeit befragt, hebt Ter-Waganjan hervor, dass er unter der Leitung Smirnows und Kamenews terroristische Arbeit geleistet habe. Im Besonderen besprach er die Frage des Terrors mit den Trotzkisten Seidel und Friedland.

„Im Jahre 1932- sagt Ter-Waganjan aus - sagte ich bei einer Begegnung zu Friedland, dass es jetzt notwendig sei, zum gewaltsamen Kampf gegen die Partei überzugehen. Auf seine Frage, was das heiße, gewaltsame Kampfformen, antwortete ich ihm: Du bist doch kein Kind - gewaltsame Kampfformen sind terroristische Kampfformen. Das ist doch klar.“

Durch eine Reihe von Fragen präzisiert Genosse Wyschinski die Beziehungen, die zwischen Ter-Waganjan und Friedland bei der terroristischen Tätigkeit bestanden. Aus den Antworten

Ter-Waganjans geht hervor, dass Ter-Waganjan Friedland Anweisungen über die Organisierung von Terrorakten gab.

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