PROZESSBERICHT
ÜBER DIE STRAFSACHE
DES TROTZKISTISCH-SINOWJEWISTISCHEN
TERRORISTISCHEN ZENTRUMS

ABENDSITZUNG VOM 21. AUGUST 1936

VERNEHMUNG DES ANGEKLAGTEN FRITZ DAVID (KRUGLJANSKI)

In der Abendsitzung vom 21. August machte der Angeklagte Fritz David (Krugljanski), der von Trotzki als Terrorist mit dem Auftrag, einen Anschlag auf den Genossen Stalin zu verüben, aus dem Ausland hierher geschickt wurde, als letzter seine Aussagen. Auf die Frage des Gerichtsvorsitzenden bekräftigt der Angeklagte seine Aussagen über die Aufträge, die er in Kopenhagen von Trotzki persönlich erhalten hat. Um die illegale trotzkistische Organisation keinem Risiko auszusetzen, setzte sich Fritz David in der UdSSR mit niemandem außer mit Berman-Jurin in Verbindung. Dies geschah, wie der Angeklagte erklärt, auf direkte Anweisung Trotzkis.

Vom Genossen Wyschinski befragt, macht Fritz David vor dem Gericht ausführliche Aussagen darüber, wie er sich im August 1932 mit Sedow und durch diesen mit Trotzki in Verbindung setzte.

Wyschinski: Wann sind Sie mit Trotzki zusammengetroffen?

FritzDavid: Ich traf mit ihm Ende November 1932 zusammen.

Wyschinski: Wie sind Sie zu ihm gefahren?

FritzDavid: Ich fuhr mit einem falschen Pass. In einer der Unterredungen, die ich mit Sedow hatte, sagte dieser mir, dass Trotzki nach Europa kommen werde und mich gerne treffen würde.

Wyschinski: Sagen Sie, haben Sie bei dieser Zusammenkunft mit Trotzki über Terror gesprochen?

FritzDavid: Jawohl.

Wyschinski: Auf wessen Initiative?

FritzDavid: Auf Initiative Trotzkis.

In seinen Aussagen über den Inhalt der Unterredung mit Trotzki erklärt Fritz David, dass Trotzki davon gesprochen habe, dass der Machtantritt der Trotzkisten in der UdSSR nur unter der Bedingung der physischen Vernichtung Stalins möglich sei.

Als eine mögliche Perspektive bezeichnete Trotzki für den Kriegsfall den Defätismus, betonte jedoch, es gebe „eine nähere Perspektive für den Machtantritt der Trotzkisten, nämlich die Perspektive der physischen Beseitigung Stalins“.

Wyschinski: Wie haben Sie sich zu diesem Gedanken verhalten?

Fritz David: Ich habe diese zweite Perspektive akzeptiert.

Wyschinski: Sie haben ihm auch einfach gesagt, dass Sie diese Einstellung akzeptieren, dass Sie einverstanden sind?

Fritz David: Ja.

Wyschinski: Was ist dann weiter geschehen?

Fritz David: Weiter gab Trotzki mir zwei Direktiven. Die erste Direktive betraf die Konspiration.

Wyschinski: Haben Sie ihm gesagt, dass Sie einen terroristischen Auftrag übernehmen werden?

Fritz David: Ja. Er schlug mir vor, nach der UdSSR zu fahren und persönlich, ohne die Hilfe anderer, ohne jede Organisation, ohne Verbindung mit .anderen Trotzkisten, den Terrorakt zu verüben.

Wyschinski: Hierauf lief auch die Direktive über die Konspiration hinaus?

Fritz David: Ja. Trotzki sagte mir, dass diese Aufgabe mit einem Risiko verbunden sei und dass es keinen Sinn habe, die trotzkistische Organisation in der UdSSR diesem Risiko auszusetzen.

Die zweite Direktive betraf den Umstand, dass dieser Terrorakt internationalen Charakter tragen muss, dass er auf einer internationalen Tagung verübt werden soll. Dieser Schuss müsse, nach einem Ausdruck Trotzkis, in der ganzen Welt Widerhall finden.

Wyschinski: Damit war Ihre Unterhaltung dann zu Ende?

Fritz David: Damit war dann unsere Unterhaltung, ein sehr langes Gespräch, zu Ende. Außerdem sprach Trotzki zum Beispiel noch darüber, dass das Gerede über die Unvereinbarkeit des individuellen Terrors mit dem Marxismus ein Thema für Spießer des Marxismus sei.

Wyschinski: Was für Instruktionen hat Ihnen Trotzki noch erteilt?

Fritz David: Trotzki wies mich noch an, mich in der Sowjetunion so zu verhalten, dass bei mir keinerlei Abweichungen von der Generallinie der Partei zum Vorschein kämen, dass ich in meinen Presseartikeln streng die Parteilinie einhalte und dass ich nach der Verübung des Terroraktes auf keinen Fall die Fäden aufdecken darf.

Im März 1933 in der UdSSR angekommen, traf Fritz David mit Berman-Jurin zusammen, der ihn im Auftrage Sedows aufsuchte. Fritz David und Berman-Jurin arbeiteten zusammen zwei konkrete Pläne für einen Anschlag auf den Genossen Stalin aus. Der erste Anschlag sollte auf dem XIII. EKKI-Plenum, der zweite auf dem VII. Weltkongress der Komintern ausgeführt werden. Diese Pläne scheiterten, weil Genosse Stalin auf dem XIII. EKKI-Plenum nicht anwesend war. Auf dem Kominternkongress kannte nur Fritz David eindringen, da es ihm nicht gelang, für Berman-Jurin eine Karte zu verschaff en. Nach seinen Worten konnte Fritz David den Terrorakt darum nicht ausführen, weil es ihm unmöglich war, an den Genossen Stalin heranzukommen.

Wyschinski: Sie sind also in den Kongress hineingekommen?

Fritz David: Ja, ich war auf dem Kongress.

Wyschinski: Warum wurde der Terrorakt nicht ausgeführt?

Fritz David: In der Anklageschrift heißt es richtig, dass ich an Stalin nicht herankommen konnte.

Wyschinski: Sie sind auf den Kongress gegangen, um den Anschlag auszuführen?

Fritz David: Natürlich.

Nach dem VII. Kongress erschienen bei Fritz David zweimal Abgesandte Sedows, des Sohnes von Trotzki, die die Terroristen im Namen Sedows unzureichender Aktivität beschuldigten und ihnen nahe legten, den Terrorakt den Anweisungen Trotzkis entsprechend zu beschleunigen.

Wyschinski: Diese Zusammenkünfte spielten sich auf der Basis Ihrer Terrorpläne ab?

Fritz David: Diese Zusammenkünfte wurden dadurch verursacht, dass der Terrorakt auf dem VII. Kongress nicht vonstatten ging, was die Wut Sedows hervorrief.

Wyschinski: Sind aber Ihre terroristischen Stimmungen vorbeigegangen, oder haben sie sich bis in die allerletzte Zeit erhalten?

Fritz David: Sie haben sich erhalten.

Wyschinski: Bis zu welcher Zeit?

Fritz David: Bis zu meiner Verhaftung.

Wyschinski: Man kann also die Ergebnisse zusammenfassen. Sie waren Mitglied der trotzkistischen Organisation und sind mit Trotzki persönlich zusammengetroffen. Trotzki hat Sie persönlich nach der UdSSR kommandiert, damit Sie einen Terrorakt verüben, und hat Sie darauf aufmerksam gemacht, dass Sie sich aufs strengste konspirativ verhalten müssen. Daraus erklärt sich, dass Sie sich außer mit Berman-Jurin mit den anderen Mitgliedern der trotzkistischen Organisation nicht in Verbindung gesetzt haben. Zusammen mit Berman-Jurin, der einen analogen Auftrag erhalten hatte, haben Sie einen Anschlag auf den Genossen Stalin vorbereitet und ihn für den Zeitpunkt des VII. Weltkongresses im Jahre 1935 angesetzt. Sie sind persönlich unter Ausnutzung Ihrer Verbindungen in der Komintern auf dem Kongress eingedrungen, um den Terrorakt auszuführen, was Ihnen jedoch aus von Ihnen unabhängigen Gründen nicht gelang.

Fritz David: Dieses letzte Moment bestreite ich teilweise, nicht um meine Schuld abzuschwächen, sondern einfach um das Bild zu vervollständigen.

Wyschinski: Dann sagen wir: aus objektiven Gründen?

Fritz David: Auf Grund objektiver und subjektiver Faktoren.

Wyschinski: Sie werden doch nicht die gegen Sie erhobene Beschuldigung entkräften wollen, dass Sie nichts zustande brachten, weil es Ihnen nicht gelang, näher an das Präsidium heranzukommen und Sie nicht die Möglichkeit hatten, sich dem Genossen Stalin zu nähern?

Fritz David: Das ist ein Grund.

Wyschinski: Ja, das ist eire Grund, aber der greifbare, objektive Grund, während alles andere Psychologie ist.

Damit ist die Vernehmung des Angeklagten Fritz David abgeschlossen.

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