PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

ABENDSITZUNG VOM 24. JANUAR 1937

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint. Bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird fortgesetzt. Hat die Verteidigung Fragen an Radek?

VERTEIDIGUNG: Nein.

VORSITZENDER: Angeklagter Radek, in einer Ihrer Aussagen heißt es: „Es ist müßig, raten zu wollen, wozu die Beratung geführt hätte. Tatsache bleibt, dass das Zentrum auch nach Erhalt der Direktive Trotzkis die Schädlingstätigkeit fortsetzte, ebenso wie das vor dem Erhalt der Direktive der Fall gewesen war.“ Bestätigen Sie das?

RADEK: Ich bestätige es.

VORSITZENDER: Hat der Staatsanwalt Fragen?

WYSCHINSKI: Nein.

VERNEHMUNG DES ZEUGEN ROMM

VORSITZENDER: Wir gehen zur Vernehmung des Zeugen Romm über. Genosse Gerichtskommandant, führen Sie den Zeugen Romm herein.

(Der Gerichtskommandant führt den Zeugen Romm herein)

VORSITZENDER: Ihr Name ist Romm?

ROMM: Ja.

VORSITZENDER: Ihre dienstliche Stellung?

ROMM: Journalist.

VORSITZENDER: Ihre dienstliche Stellung?

ROMM: Ich war Korrespondent der „Iswestija“ in den Vereinigten Staaten.

VORSITZENDER: Sie sind als Zeuge in Sachen Pjatakow, Radek u. a. geladen. Sie werden aufgefordert, wahrheitsgetreue Aussagen zu machen. Für falsche Aussagen sind Sie strafrechtlich verantwortlich. Hat der Staatsanwalt Fragen?

WYSCHINSKI: Wie lange waren Sie mit dem Angeklagten Radek bekannt?

ROMM: Seit 1922.

WYSCHINSKI: Was verband Sie mit Radek in der Vergangenheit?

ROMM: Anfangs kannte ich ihn von literarischen Angelegenheiten her, später, in den Jahren 1926-1927, verband mich mit ihm gemeinsame trotzkistische parteifeindliche Arbeit.

WYSCHINSKI: Was war das für eine Arbeit?

ROMM: Trotzkistische, parteifeindliche Arbeit.

WYSCHINSKI: Sie waren also Trotzkist?

ROMM: Ja.

WYSCHINSKI: Während einer langen Zeit?

ROMM: Von der zweiten Hälfte 1926 bis zu meiner vorübergehenden Abkehr im Jahre 1927.

WYSCHINSKI: Und dann kehrten Sie wieder auf diesen Weg zurück?

ROMM: Ich kehrte 1931 wieder zurück.

WYSCHINSKI: Unter dem Einfluss von irgendjemand oder selbständig?

ROMM: Ich habe nicht die Absicht, die Verantwortung für meine Handlungen anderen aufzuerlegen, aber in dem Maße, in dem der individuelle Einfluss von irgendjemand hier entscheidend war, war es der Einfluss Radeks.

WYSCHINSKI: Folglich waren Sie mit ihm nahe genug bekannt?

ROMM: Ja.

WYSCHINSKI: Waren Sie durch politische Interessen verbunden?

ROMM: Ja, und außerdem durch freundschaftliche Beziehungen.

WYSCHINSKI: Waren Sie in Genf?

ROMM: Ja, ich war Korrespondent der TASS in Genf und in Paris. In Genf von 1930 bis 1934.

WYSCHINSKI: Mich interessiert Ihre Genfer Periode. Hatten Sie während Ihres Aufenthalts in Genf Begegnungen mit Radek?

ROMM: Ja, im Frühjahr 1932. Als Radek nach Genf kam, übergab ich ihm einen Brief Trotzkis, den ich kurz vorher in Paris von Sedow erhalten hatte.

WYSCHINSKI: Erzählen Sie, wie Sie den Brief von Trotzki erhielten, welchen Auftrag Sie dabei hatten, wie Sie diesen Auftrag erledigten.

ROMM: Bei unserer Begegnung im Jahre 1930 oder 1931 sprach Radek, ohne mir irgendwelche bestimmte Weisungen einigermaßen konkreter Natur zu geben, davon, dass die früheren Trotzkisten zusammenhalten müssen und dass er im besonderen von mir erwarte, dass ich bereit sein werde, ihm nötigenfalls Verbindungsdienste zu leisten und dazu meine Stellung als Auslandskorrespondent auszunutzen.

WYSCHINSKI: Wann fand dieses Gespräch statt?

ROMM: Im Herbst 1930 sowie im Frühjahr 1931, als ich aus Moskau nach Genf ging.

WYSCHINSKI: Was gab den Anlass zu einem solchen Gespräch?

ROMM: Ein allgemeiner Meinungsaustausch über die Lage in der Partei und im Lande.

WYSCHINSKI: Was war der Anlass für diesen Appell Radeks an Sie, dass man zusammenhalten müsse, dass Sie bereit sein müssen, wie Sie sagen, politische Dienste zu erweisen?

ROMM: Ja, nötigenfalls Dienste in Bezug auf Verbindungen. Dies ergab sich unmittelbar aus den Unterhaltungen, aus denen mir klar wurde, dass seine Stimmungen noch mehr verschärft parteifeindlich sind, und als dann meine eigenen Stimmungen unter dem Einfluss der Schwierigkeiten des sozialistischen Aufbaus in die alte Bahn trotzkistischer Stimmungen zurückkehrten. Er gab mir in allgemeiner Form zu verstehen, dass die Sache nicht zu Ende sei, dass die Trotzkisten noch zu handeln haben werden, und eben aus dieser allgemeinen Einstellung ergab sich das, wovon ich sprach.
Im Sommer 1931 traf ich auf der Durchreise in Berlin mit Putna zusammen, der mir den Vorschlag machte, mich mit Sedow zusammenzubringen. Ich traf mit Sedow zusammen, und auf seine Frage, ob ich bereit sei, nötigenfalls einen Auftrag in Bezug auf die Aufrechterhaltung der Verbindung mit Radek zu übernehmen, antwortete ich zustimmend und gab ihm meine Adressen - in Paris und in Genf.
Einige Tage vor meiner Abreise nach Genf bekam ich in Paris durch die städtische Post einen Brief, in dem ein kurzer Zettel Sedows enthalten war mit der Bitte, den in dem Umschlag befindlichen Brief Radek zu übergeben. Ich nahm diesen Brief mit nach Genf und übergab ihn an Radek bei einer Begegnung mit ihm.

WYSCHINSKI: Als Sie den Brief übergaben, sagten Sie, von wem er ist?

ROMM: Ich wusste nicht, von wem er ist.

WYSCHINSKI: Wer hatte ihn Ihnen übergeben?

ROMM: Ich hatte ihn durch die Post erhalten, mit der Bitte, ihn Radek zu übergeben, ich hatte den Brief an meine Dienstadresse, Filiale der TASS in Paris, erhalten.

WYSCHINSKI: Was stand auf dem Umschlag geschrieben, Ihre Adresse und Ihr Name? Woher wussten Sie, dass Sie den Brief zu übergeben haben?

ROMM: In dem Brief war ein Zettel von Sedow.

WYSCHINSKI: Von Sedow, also wissen Sie, dass dieser Brief von Sedow kommt?

ROMM: Von wem der Brief war, der in dem Umschlag enthalten war, war mir in diesem Augenblick nicht bekannt.

WYSCHINSKI: Und in welchem Augenblick wurde es Ihnen bekannt?

ROMM: Nach der Übermittlung des Briefes wurde mir aus weiteren Gesprächen mit Radek bekannt, dass der Brief von Trotzki ist.

WYSCHINSKI: Dass der Brief von Trotzki ist, war Ihnen klar, als Sie ihn von Sedow bekamen?

ROMM: Mir war klar, dass Sedow mich bittet, Radek den im Umschlag enthaltenen Brief zu übergeben.

WYSCHINSKI: Dass dieser Brief von Sedow war, war Ihnen bekannt?

ROMM: Ja.

WYSCHINSKI: Ich frage eben, ob Sie, als Sie diesen beiliegenden Brief übergaben, mitteilten: Da haben Sie einen Brief von Sedow?

ROMM: Ja, ich teilte dies mit und erzählte von meiner Begegnung mit Sedow in Berlin.

WYSCHINSKI: Las Radek den Brief in Ihrem Beisein oder ohne Sie?

ROMM: Er las ihn in meinem Beisein schnell durch und steckte ihn in die Tasche.

WYSCHINSKI: Also, als Sie den Brief Radek übergaben, war Ihnen klar, dass dieser Brief von Trotzki ist?

ROMM: Ja.

WYSCHINSKI: War Ihnen bekannt, was Trotzki in diesem Brief an Radek schrieb?

ROMM: Nur in allgemeinen Zügen.

WYSCHINSKI: Ich frage, ob es Ihnen bekannt war oder nicht.

ROMM: Es war mir der allgemeine Inhalt bekannt.

WYSCHINSKI: Wann wurde Ihnen dieser allgemeine Inhalt bekannt?

ROMM: Aus dem Gespräch mit Radek, nachdem er den Brief gelesen hatte.

WYSCHINSKI: Gleich oder am nächsten Tag?

ROMM: Nein, am selben Tag.

WYSCHINSKI: Was teilte Ihnen denn Radek über den Inhalt dieses Briefes mit?

ROMM: Dass er die Direktive über die Vereinigung mit den Sinowjewleuten, über den Übergang zur terroristischen Methode des Kampfes gegen die Führung der KPdSU(B), in erster Linie gegen Stalin und Woroschilow, enthalte.
Dann reiste Radek nach Moskau ab, und ich sah ihn nicht bis zum Herbst 1932.

WYSCHINSKI: Was geschah dann im Herbst 1932 und wo befanden Sie sich zu jener Zeit?

ROMM: Ich war Korrespondent der TASS in Genf und Paris, kam dienstlich nach Moskau und traf mich mit Radek, der mir mitteilte, dass in Ausführung der Direktive Trotzkis der trotzkistisch-sinowjewistische Block organisiert worden sei, er und Pjatakow jedoch diesem Zentrum nicht beigetreten seien.
Ferner sagte Radek, dass der Gedanke aufgetaucht sei, ein Reserve- oder Parallelzentrum mit einem Übergewicht von Trotzkisten zu schaffen, damit im Falle eines Hochgehens des funktionierenden Zentrums ein Reservezentrum vorhanden sei. Er sagte, dass er in dieser Frage die Direktive Trotzkis einholen und mir einen Brief mitgeben wolle.

WYSCHINSKI: Nannte er noch jemanden von seinen Gesinnungsgenossen?

ROMM: Er sprach von sich und von Pjatakow, es wurden die Namen Sokolnikow und Serebrjakow erwähnt.

WYSCHINSKI: Folglich sprach er zu Ihnen von Pjatakow, Serebrjakow und Sokolnikow?

ROMM: Ja.

WYSCHINSKI: In welchem Zusammenhang wurden diese Namen genannt?

ROMM: Ich verstand es so, dass sie alle dem Reservezentrum, wenn es organisiert sein wird, angehören sollen. Es war mir aber aus dem Gespräch klar, dass die Anfrage von ihm und Pjatakow ausgehen wird.

WYSCHINSKI: Nannte er die Namen anderer?

ROMM: Meines Wissens nur die Namen Serebrjakow und Sokolnikow.

WYSCHINSKI: Jedenfalls haben Sie gesagt, dass er diese Namen im Zusammenhang mit der Schaffung des Parallelzentrums erwähnt hat.

ROMM: In diesem Sinne an Trotzki zu schreiben, schickten sich nur die beiden, Radek und Pjatakow, an.

WYSCHINSKI: Worüber denn zu schreiben?

ROMM: Ich verstand es so, dass das eine Frage sein soll - eine Direktive hinsichtlich des Gedankens der Schaffung des Parallelzentrums.

WYSCHINSKI: Was heißt das also? Zu schaffen oder nicht zu schaffen?

ROMM: Offenkundig, zu schaffen oder nicht zu schaffen und in welcher Zusammensetzung es zu schaffen.

WYSCHINSKI: Sagte Ihnen Radek damals nicht, womit sie die Notwendigkeit der Schaffung begründeten, oder hatten sie vielleicht im Gegenteil Erwägungen gegen die Schaffung eines solchen Zentrums, oder berührte er das nicht?

ROMM: Irgendwelche Erwägungen dagegen führte er nicht an. Er führte die Erwägungen an, von denen ich bereits sprach, nämlich erstens, dass in dem funktionierenden Zentrum die Sinowjewleute überwiegen und zweitens, dass es erwünscht sei, ein zweites Zentrum zu haben, das im Falle des Hochgehens des ersten bewahrt werden könnte.

WYSCHINSKI: Folglich war die Rede davon, dass sie' bereits im Begriffe waren, den Beschluss zu fassen, ein solches Zentrum zu organisieren und nur die Sanktion einholen wollten, oder fragten sie noch der Sache nach an, wie zu entscheiden sei?

ROMM: Ich hatte den Eindruck, dass für sie die Frage bereits positiv entschieden ist, d. h. dass es notwendig ist, dies zu tun, und dass sie den Brief schreiben werden, um die Sanktion einzuholen.

WYSCHINSKI: Was stand nun in diesem Brief geschrieben? War Ihnen das bekannt?

ROMM: Ja, weil der Brief mir überreicht, dann vor meiner Rückreise nach Genf im Herbst 1932 in den Einhandrücken eines deutschen Buches versteckt wurde.

WYSCHINSKI: Im Herbst 1932 kehrten Sie nach Genf zurück und man benutzte Ihre Abreise nach Genf, um Ihnen diesen Auftrag zu geben?

ROMM: Ja.

WYSCHINSKI: Wer gab Ihnen diesen Auftrag?

ROMM: Radek. Auf der Durchreise nach Genf schickte ich in Berlin vom Bahnhof dieses Buch per Drucksache an die verabredete Adresse, die mir Sedow gegeben hatte, postlagernd an ein Berliner Postamt, und gleichzeitig einen kleinen Brief mit dem Hinweis, dass in diesem Buch ein Brief versteckt ist und wo.

WYSCHINSKI: An die verabredete Adresse?

ROMM: Ja.

WYSCHINSKI: Sowohl die Drucksache als auch den Brief schickten Sie an die verabredete Adresse?

ROMM: Auch den Brief schickte ich an die verabredete Adresse.

WYSCHINSKI: Erinnern Sie sich nicht an diese Adresse?

ROMM: Postlagernd, Postamt in der Französischen Straße, gegen die Nummer der Empfangskarte; an die Nummer der Karte kann ich mich nicht erinnern, doch ist diese postlagernde Adresse solcherart, dass keine Angabe von Namen und Vornamen nötig ist, sondern nur die Nummer der Karte, gegen die man die Sendungen in Empfang nimmt.

WYSCHINSKI: War die Nummer der Karte Ihnen bekannt?

ROMM: Sie war mir bekannt, doch jetzt kann ich mich daran nicht erinnern.

WYSCHINSKI: Hat Sedow diesen Brief erhalten? Ist Ihnen davon etwas bekannt?

ROMM: Ich nehme an, ja, weil bei meiner nächsten Zusammenkunft mit ihm klar war, dass er ihn erhalten hatte.

WYSCHINSKI: Hatten Sie noch eine Zusammenkunft mit Sedow?

ROMM: Meine nächste Zusammenkunft mit Sedow fand im Juli 1933 statt.

WYSCHINSKI: Aus welchem Anlass, wo und wie trafen Sie von neuem mit ihm zusammen?

ROMM: Es war in Paris. Ich kam aus Genf, und nach einigen Tagen rief mich Sedow telephonisch an und bestellte mich in ein Café am Boulevard Montparnasse. Sedow sagte, dass er mir eine Zusammenkunft mit Trotzki vermitteln wolle. Nach einigen Tagen rief er mich an und bestellte mich in dasselbe Cafe. Von da aus begaben wir uns in den Bois de Boulogne, wo wir mit Trotzki zusammentrafen.

WYSCHINSKI: Wann war das?

ROMM: Ende Juli 1933.

WYSCHINSKI: Wie lange währte diese Zusammenkunft mit Trotzki?

ROMM: 20-25 Minuten.

WYSCHINSKI: Wozu traf sich denn Trotzki mit Ihnen?

ROMM: Wie ich es auffasste, dazu, um mündlich die Weisungen zu bekräftigen, die ich in dem Brief nach Moskau brachte. Er begann das Gespräch mit der Frage der Schaffung des Parallelzentrums. Er sagte, dass die Gefahr des Überwiegens der Sinowjewleute vorhanden sei und dass sie nur in dem Falle groß sein werde, wenn die Trotzkisten nicht die nötige Aktivität an den Tag legen werden. Mit der Idee des Parallelzentrums sei er einverstanden, jedoch unter der unerlässlichen Bedingung, dass der Block mit den Sinowjewleuten aufrechterhalten werde, und ferner unter der Bedingung, dass dieses Parallelzentrum nicht untätig bleiben, sondern aktiv arbeiten und die standhaftesten Kader um sich sammeln werde. Dann ging er zu der Frage über, dass im gegenwärtigen Moment nicht nur der Terror, sondern auch die Schädlingstätigkeit in der Industrie und in der Volkswirtschaft überhaupt eine besondere Bedeutung gewinne. Er sagte, dass in dieser Frage noch Schwankungen vorhanden zu sein scheinen, dass man aber begreifen müsse, dass Opfer an Menschenleben bei Schädlingsakten unvermeidlich sind, und dass das Hauptziel sei, mittels einer Reihe von Schädlingsakten das Vertrauen zum Stalinschen Fünfjahrplan, zu der neuen Technik und dadurch zu der Parteiführung zu untergraben. Die Notwendigkeit äußerster Mittel betonend, zitierte Trotzki einen lateinischen Spruch, der besagt: „Was Arzneien nicht heilen, das heilt Eisen, was Eisen nicht heilt, das heilt Feuer.“ Ich erinnere mich, dass ich mit einem gewissen Befremden fragte, dass dies ja die Wehrfähigkeit des Landes untergraben werde, wo doch jetzt mit dem Machtantritt Hitlers die Kriegsgefahr, im besonderen die Gefahr eines Überfalls Deutschlands auf die UdSSR, besonders aktuell werde. Auf diese Frage erhielt ich keine eingehende Antwort, doch sprach Trotzki den Gedanken aus, dass gerade die Verschärfung der Kriegsgefahr die Frage des Defätismus auf die Tagesordnung setzen könne.
Darauf übergab er mir ein Buch - den Roman Nowikow-Pribois, „Tsusima“ -, wobei er sagte, dass in dem Einband dieses Buches ein Brief an Radek versteckt sei. Dieses Buch nahm ich mit nach Moskau und übergab es nach meiner Ankunft Radek in seiner Wohnung.

WYSCHINSKI: Wann war das?

ROMM: Das war im August 1933.

Weiter. Ich erzählte Radek von meinem Gespräch mit Trotzki. Er sagte, dass er hei meiner Rückkehr aus dem Urlaub mir offenbar eine Antwort für Trotzki mitgeben werde. Als ich aus dem Urlaub zurückkehrte, erhielt ich von Radek zwecks Übergabe an Sedow einen Brief an Trotzki, der wiederum in dem Einhand eines deutschen Buches versteckt war.

WYSCHINSKI: Wann war das?

ROMM: Ende September 1933.

Diesen Brief, richtiger gesagt, dieses Buch mit dem darin versteckten Brief übergab ich Sedow in Paris im November 1933.

Ferner fand meine nächste Zusammenkunft mit Sedow im April 1934 in Paris statt.

WYSCHINSKI: Aus welchem Anlass?

ROMM: Er rief mich an und äußerte den Wunsch, mit mir zusammenzutreffen. Wir trafen uns im Bois de Boulogne. Ich teilte ihm mit, dass ich bald auf einen Posten nach Amerika ernannt werden soll, so dass ich hinsichtlich des Verbindungsdienstes nicht werde helfen können. Er äußerte sein Bedauern darüber und bat mich darauf, nachdem er erfahren hatte, dass ich nach kurzer Zeit nach Moskau reise, von Radek einen eingehenden Bericht über den Stand der Dinge, über die Arbeit der ganzen Organisation mitzubringen.

WYSCHINSKI: Wann war das?

ROMM: Diese Zusammenkunft fand im April 1934 statt.

WYSCHINSKI: Haben Sie den Auftrag erledigt?

ROMM: Ja, ich habe ihn erledigt. Ich übermittelte Radek diesen Auftrag, und im Mai 1934, vor meiner Abreise nach Amerika, übergab er mir einen Brief, der wiederum in einem Buch versteckt war - soweit ich mich erinnern kann, war es ein englisch-russisches technisches Wörterbuch. Der Brief enthielt nach seinen Worten ausführliche Berichte sowohl des funktionierenden als auch des Parallelzentrums über die Entfaltung der politischen und der Diversionstätigkeit. Diesen Brief, richtiger gesagt, das Buch mit diesem Brief übergab ich in Paris Sedow.

WYSCHINSKI: Das ist alles, was Sie übermittelt haben?

ROMM: Im Ganzen wurden nach beiden Seiten hin fünf Briefe übermittelt.

WYSCHINSKI: Wenn man nachzählt, wie viele solche Sendungen gab es?

ROMM: In Genf übergab ich Radek einen Brief von Trotzki, das war im Frühjahr 1932. Dann bekam ich von ihm einen Brief im September 1932, dann bekam ich einen Brief von Trotzki im Juli 1933 und einen Brief von Radek im September 1934.

WYSCHINSKI: Nein, wohl 1933?

ROMM: Ja, 1933. Und noch einen Brief im Mai 1934.

WYSCHINSKI: Im April?

ROMM: Nein, im Mai, weil ich im April in Paris war.

WYSCHINSKI: Und das technische Wörterbuch?

ROMM: Das war im Mai 1934.

WYSCHINSKI: Also haben Sie im ganzen fünfmal Sendungen überbracht?

ROMM: Fünfmal.

WYSCHINSKI: Außer den mündlichen Unterredungen, die Sie mit Sedow hatten und von denen Sie Radek bei Ihren Zusammenkünften Mitteilung machten?

ROMM: Es ist anzunehmen, dass der Inhalt dieser mündlichen Unterredungen sich mit dem Inhalt der Briefe gedeckt habe, ja, er dürfte von letzteren übertroffen worden sein.

WYSCHINSKI: Das ist bereits eine Sonderfrage. Mich interessiert die Feststellung der Tatsachen: eine Reihe von Briefsendungen und eine Reihe mündlicher Mitteilungen?

ROMM: Ja.

WYSCHINSKI: Bei Ihrer Zusammenkunft mit Sedow übermitteln Sie ihm die Mitteilung, die von Radek kommt. Beim Zusammentreffen mit Radek übermitteln Sie die Mitteilung Sedows, wobei Sie eine Reihe von Dokumenten von der einen und von der anderen Seite übermitteln.

ROMM: Der Schwerpunkt der Unterredungen lag in der Klarstellung der allgemeinen Orientierung.

WYSCHINSKI: Die Orientierung betraf jedenfalls Ihre sowjetfeindliche Tätigkeit?

ROMM: In diesem Sinne zweifellos.

WYSCHINSKI: Sie wurden nach Amerika entsandt?

ROMM: Ja, ich wurde nach Amerika entsandt.

WYSCHINSKI: In welcher Eigenschaft?

ROMM: Als Korrespondent der „Iswestija“.

WYSCHINSKI: Als Korrespondent der TASS oder der „Iswestija“?

ROMM: Als Korrespondent der „Iswestija“.

WYSCHINSKI: Und bis dahin?

ROMM: Bis dahin war ich Korrespondent der TASS in Japan, Genf und Paris.

Die Übermittlung des Briefes Radeks an Sedow im Mai 1934 war eigentlich der letzte Auftrag, den ich erledigte. Seitdem habe ich keine Aufträge erledigt.

WYSCHINSKI: Worauf liefen Ihre Gespräche mit Sedow über Ihre Entsendung nach Amerika hinaus?

ROMM: Sedow sagte mir, dass im Zusammenhang mit meiner Reise nach Amerika Trotzki die Bitte äußere, ihn zu informieren, falls auf dem Gebiet der Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Amerika etwas Interessantes vorliegt. Als ich ihn fragte, warum dies so interessant sei, sagte mir Sedow: das ergibt sich aus den Einstellungen Trotzkis in Bezug auf eine Niederlage der UdSSR. Insofern der Zeitpunkt des Krieges Deutschlands und Japans gegen die UdSSR in einem bestimmten Maße von dem Stand der Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Amerika abhängt, könne dies für Trotzki nicht ohne Interesse sein.

WYSCHINSKI: Für wen?

ROMM: Für Trotzki.

WYSCHINSKI: Anders gesagt, Sie erhielten durch Sedow den Vorschlag, Trotzki über die Beziehungen zwischen Amerika und der Sowjetunion vom Standpunkt der Orientierung Trotzkis und seiner Linie zu informieren?

ROMM: Vom Standpunkt seiner defätistischen Einstellung.

WYSCHINSKI: So dass Sie eigentlich den Vorschlag erhielten, sein Korrespondent zu sein?

ROMM: Diese Bitte bestand nicht darin, dass ich ihm Informationen schicken sollte. Ich sollte verfolgen, wenn was besonders Wichtiges, etwas Spezielles vorliegt, was man sonst nicht finden kann, und dann ihm darüber schreiben.

WYSCHINSKI: Also nicht einfach Korrespondent, vielmehr Sonderkorrespondent?

ROMM: Das stimmt.

WYSCHINSKI: Also waren Sie gleichzeitig Korrespondent der „Iswestija“ und Sonderkorrespondent Trotzkis, stimmt das?

ROMM: Ja, ich erklärte mich bereit, Informationen zu schicken, die Trotzki interessieren könnten.

WYSCHINSKI: Haben Sie diesen Auftrag Trotzkis erledigt?

ROMM: Nein. Die ersten Monate meines Aufenthaltes in Amerika waren ganz damit ausgefüllt, mich mit der unbekannten neuen Umgebung bekannt zu machen, und es lag nichts vor, und auch wenn etwas vorgelegen hätte, dann hätte ich es nicht mitgeteilt, weil ich nach der Ermordung Kirows mich entschloss, meine aktive Tätigkeit einzustellen.

WYSCHINSKI: Bekamen Sie eine Adresse, an die Sie die Korrespondenz schicken sollten?

ROMM: Ja, die Adresse gab mir Sedow: Paris, Hauptpostamt, Rue de Louvre, postlagernd.

WYSCHINSKI: Sie haben das versprochen?

ROMM: Ich habe mich bereit erklärt. Ich habe gesagt, dass ich den Vorschlag nicht ablehnte und mich bereit erklärte, Informationen zu schicken, die Trotzki interessieren könnten.

WYSCHINSKI: Früher, in der Voruntersuchung, sagten Sie folgendes: Ich sagte Sedow, dass, wenn ich über Informationen verfügen werde, die Trotzki interessieren, ich sie ihm mitteilen werde.“

ROMM: Ja, ganz richtig.

WYSCHINSKI: Sind Sie außer mit Radek noch mit jemandem aus dem Parallelzentrum zusammengekommen?

ROMM: Nein.

WYSCHINSKI: Mit Pjatakow?

ROMM: Nein, das ist nicht der Fall gewesen.

WYSCHINSKI: Nur mit Radek?

ROMM: Ja.

WYSCHINSKI: Hatte Radek das Recht, vor Gericht zu sagen, dass Romm sein getarnter Verbindungsmann gewesen ist?

ROMM: Ich glaube, dass dies stimmt, da ich außer mit Radek mit niemandem zu tun hatte. Nur Putna konnte noch davon wissen, und auch dann nur im Anfangsstadium.

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