PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

ABENDSITZUNG VOM 24. JANUAR 1937

FORTSETZUNG DES VERHÖRS DES ANGEKLAGTEN RADEK

WYSCHINSKI: Ich habe keine Fragen mehr an Romm. Angeklagter Radek, Sie haben eben die Ausführungen Romms gehört. Mir scheint, dass Romm dasselbe ausgesagt hat, was auch Sie ausgesagt haben.

RADEK: Ja. Es gibt da Ungenauigkeiten, jedoch von drittrangiger Bedeutung.

WYSCHINSKI: Die Tatsachen sind aber richtig dargelegt?

RADEK: Die Tatsachen sind im Allgemeinen richtig dargelegt. Es trifft lediglich nicht zu, dass in dem ersten Brief Trotzkis die Namen Stalin und Woroschilow genannt wurden, da wir in Briefen niemals Namen nannten, und wenn wir sie nannten, dann umschrieben, unter Benutzung einer besonderen Chiffre. Und da wir zur Zeit des ersten Briefes diese Chiffre noch nicht hatten, so konnte Trotzki im ersten Brief unmöglich die Namen Stalin und Woroschilow nennen.

WYSCHINSKI: In diesem Brief war aber von Terror die Rede?

RADEK: Ja, den Sinn des Briefes bestreite ich nicht. Wenn es sich aber um Genauigkeit handelt, so muss ich sagen, dass diese zwei Namen nicht erwähnt wurden.

WYSCHINSKI: Und sagt Romm richtig über die fünf Fälle, über die Rolle des Buches von Nowikow-Priboi, über das englische technische Wörterbuch aus?

RADEK: Alles ist richtig wiedergegeben worden.

WYSCHINSKI: Also stimmt alles?

RADEK: Ja.

VORSITZENDER: Hat die Verteidigung Fragen?

BRAUDE: Wir haben keine Fragen.

VORSITZENDER: Haben die Angeklagten keine Fragen an den Zeugen Romm? Radek hat keine Fragen?

RADEK: Nein.

VORSITZENDER: Zeuge Romm, Sie sind von weiteren Aussagen befreit. Genosse Gerichtskommandant, führen Sie den Zeugen Romm ab.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie eine Frage an den Angeklagten Radek.

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI: Angeklagter Radek, in Ihren Aussagen sagen Sie: „1935 ... beschlossen wir eine Beratung einzuberufen, vorher aber im Januar, als ich ankam, suchte mich im Auftrag Tuchatschewskis Witalij Putna auf...“ Mich interessiertes, in welchem Zusammenhang Sie hier den Namen Tuchatschewski nennen?

RADEK: Tuchatschewski hatte einen Auftrag der Regierung, für den er das Material nirgends finden konnte, es war nur hei mir vorhanden. Er rief mich an und fragte mich, ob ich über dieses Material verfüge. Ich besaß das Material und darum schickte er Putna, mit dem er gemeinsam diesen Auftrag erledigen sollte, zu mir nach diesem Material. Selbstverständlich hatte Tuchatschewski keine Ahnung von der Rolle Putnas und von meiner verbrecherischen Rolle...

WYSCHINSKI: Und Putna?

RADEK: Er war Mitglied der Organisation, kam zwar nicht zwecks organisatorischer Gespräche, ich benutzte jedoch sein Erscheinen zu einem solchen Gespräch.

WYSCHINSKI: Putna kam also zu Ihnen, geschickt von Tuchatschewski aus offiziellem dienstlichen Anlass, ohne jeden Zusammenhang mit Ihren Angelegenheiten, denn er, Tuchatschewski, hatte damit nichts zu tun?

RADEK: Tuchatschewski hatte damit niemals was zu tun.

WYSCHINSKI: Er schickte Putna in dienstlicher Angelegenheit?

RADEK: Ja.

WYSCHINSKI: Sie aber benutzten das, um sich mit Ihren „eigenen Angelegenheiten“ zu befassen?

RADEK: Ja.

WYSCHINSKI: Verstehe ich recht, dass Putna Beziehungen zu Mitgliedern Ihrer trotzkistischen illegalen Organisation hatte, der Hinweis auf Tuchatschewski aber in dem Zusammenhang gemacht wurde, dass Putna in offizieller Angelegenheit im Auftrage Tuchatschewskis erschien?

RADEK: Ich bestätige das und sage, dass ich mit Tuchatschewski niemals in Sachen, die mit der konterrevolutionären Tätigkeit zusammenhängen konnten, zu tun gehabt habe und auch nicht haben konnte, weil ich die Stellung Tuchatschewskis zur Partei und zur Regierung als die eines absolut ergebenen Menschen kannte.

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