PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

ABENDSITZUNG VOM 24. JANUAR 1937

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN SOKOLNIKOW

VORSITZENDER: Wir gehen zum Verhör des Angeklagten Sokolnikow über.

Genosse Wyschinski haben Sie Fragen?

WYSCHINSKI: Angeklagter Sokolnikow, erzählen Sie bitte von Ihrer Haltung zum vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen terroristischen Zentrum.

SOKOLNIKOW: Ich kannte die Zusammensetzung des vereinigten Zentrums, ich kannte die terroristische Einstellung, ich wusste, dass das vereinigte Zentrum bereits im Herbst 1932 die Vorbereitung von Terrorakten gegen Stalin und Kirow betrieb, es war mir bekannt, dass Bakajew mit der Arbeit des Zusammenfassens aller Verbindungen mit den Terroristengruppen des vereinigten Zentrums beauftragt war. Es war mir bekannt, dass die Moskauer Terroristengruppen Reingold unterstellt waren.

WYSCHINSKI: Reingold?

SOKOLNIKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Von wem wussten Sie das?

SOKOLNIKOW: Von Kamenew.

WYSCHINSKI: Über die Vorbereitung von Terrorakten haben Sie dem Gericht mitgeteilt, es sei Ihnen bekannt gewesen, dass das vereinigte terroristische Zentrum die Vorbereitung von Terrorakten gegen die Genossen Stalin und Kirow betrieb. In welchem Jahre war Ihnen das bekannt?

SOKOLNIKOW: Als allgemeine Aufgabe war das seit 1932 bekannt.

WYSCHINSKI: Und über die Vorbereitung, über konkrete Schritte?

SOKOLNIKOW: Ich glaube, dass Kamenew mir das im Herbst 1934 erzählte, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Jedoch sagte er, dass vom Zentrum ein Anschlag auf Stalin in Moskau organisiert wurde.

WYSCHINSKI: Dass dieser Anschlag jedoch misslungen sei?

SOKOLNIKOW: Ja. Und er sagte, dass in Lenin grad ein Anschlag auf Kirow vorbereitet werde.

WYSCHINSKI: Nach der Ermordung Kirows in Lenin grad sprachen Sie mit Kamenew nicht darüber?

SOKOLNIKOW: Einige Tage danach traf ich ihn zufällig in einem Buchladen, wo am Verkaufstisch noch andere Leute standen; hier war die Rede vom Inhalt der soeben erschienenen Zeitung, andere Gespräche wurden nicht geführt.

WYSCHINSKI: Sie nahmen den Vorschlag Kamenews in Bezug auf die Organisierung des Reservezentrums und in Bezug auf seine Zusammensetzung an, oder war von der Zusammensetzung nicht die Rede?

SOKOLNIKOW: Kamenew teilte mir damals mit - es war Ende Sommer 1932 -, dass er Verhandlungen über die Bildung eines Reservezentrums führen werde.

WYSCHINSKI: Dass er Verhandlungen führen werde. Sagte er Ihnen, mit wem?

SOKOLNIKOW: Nein.

WYSCHINSKI: Und Sie interessierten sich nicht dafür, wer ihm denn noch angehören werde?

SOKOLNIKOW: Er sagte mir in allgemeiner Form, dass er mit Tomski sprechen werde. Mit wem noch persönlich gesprochen werden sollte, darüber sagte er nichts.

WYSCHINSKI: Und wie fassten Sie das auf, mit wem konnte er reden?

SOKOLNIKOW: Über eventuelle Kandidaten für das Zentrum? Es waren dieselben, die später zu dem Parallelzentrum herangezogen wurden.

WYSCHINSKI: Welche von diesen Kandidaten nannte Ihnen aber Kamenew bei diesem Gespräch?

SOKOLNIKOW: Ich kann mich nicht daran erinnern, ob er alle nannte.

WYSCHINSKI: Wen nannte er aber?

SOKOLNIKOW: Ich erinnere mich, dass er Pjatakow und Radek nannte.

WYSCHINSKI: Und sie traten ihm in der Folge bei?

SOKOLNIKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wann sprachen Sie mit Pjatakow und Radek über Ihre konkrete Arbeit in dem Parallelzentrum?

SOKOLNIKOW: Meine Arbeit in dem Parallelzentrum begann im Sommer 1935. Bis dahin kam sie nur darin zum Ausdruck, dass ich einen Auftrag über Verhandlungen mit einem diplomatischen Vertreter ausführte.

WYSCHINSKI: Und wann hatten Sie das Gespräch mit diesem Vertreter eines fremden Staates?

SOKOLNIKOW: Das war Mitte April 1934.

WYSCHINSKI: Und im Jahre 1934 hatten Sie mit irgendjemandem Gespräche über die defätistische Einstellung des Blocks?

SOKOLNIKOW: Ich hatte ein Gespräch mit Kamenew Anfang 1934. Bei diesem Gespräch teilte mir Kamenew die defätistischen Einstellungen Trotzkis und seine eigenen defätistischen Ansichten mit. Die konkrete Schlussfolgerung aus dieser Unterredung war u. a., dass Kamenew mich aufmerksam machte, man werde sich eventuell an mich mit einer Anfrage wenden.

WYSCHINSKI: Wer wird sich wenden?

SOKOLNIKOW: Der diplomatische Vertreter eines Landes.

WYSCHINSKI: Kamenew bereitete Sie darauf vor?

SOKOLNIKOW: Ja, Kamenew bereitete mich darauf vor.

WYSCHINSKI: Sagte Ihnen Kamenew, was für eine Anfrage man an Sie richten wird?

SOKOLNIKOW: Ja, er sagte mir, dass man sich an mich wenden werde, um sich von mir bestätigen zu lassen, dass die Verhandlungen, die Trotzki im Auslande führt, nicht von ihm als Person geführt werden, sondern dass hinter Trotzki tatsächlich eine Organisation steht, deren Vertreter er ist.

WYSCHINSKI: Sie sollten das bestätigen, falls man Anfragen in diesem Sinne an Sie richten sollte?

SOKOLNIKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wurde eine solche Frage an Sie gerichtet?

SOKOLNIKOW: Ja, Mitte April, nach der Beendigung einer offiziellen Unterredung mit dem Vertreter eines Landes, mit dem ich in dienstlicher Eigenschaft oft zusammentraf. Das Gespräch fand nach Abschluss der offiziellen Unterredung statt, als die Übersetzer sich ins Nebenzimmer entfernt hatten. Während ich meinen Partner zum Ausgang begleitete, fragte er mich, ob es mir bekannt sei, dass sich Trotzki mit gewissen Vorschlägen an seine Regierung gewandt hat. Ich bestätigte, dass es mir bekannt sei. Er fragte ferner, ob diese Vorschläge ernst zu nehmen seien. Ich bestätigte auch dies. Er fragte, ob dies meine persönliche Meinung sei? Ich sagte, das sei nicht nur meine Meinung, sondern auch die Meinung meiner Freunde. Diese seine Frage fasste ich als Bestätigung dafür auf, dass die Regierung dieses Landes tatsächlich Trotzkis Vorschlag erhalten hatte und sich davon überzeugen wollte, dass die Vorschläge Trotzkis der Organisation tatsächlich bekannt sind und dass das Recht Trotzkis, diese Verhandlungen zu führen, unbestritten ist.

WYSCHINSKI: Welchen offiziellen Posten bekleideten Sie damals?

SOKOLNIKOW: Ich war Stellvertreter des Volkskommissars für Auswärtige Angelegenheiten.

WYSCHINSKI: Informierten Sie jemanden über diese Ihre Unterredung mit dem Vertreter des fremden Staates?

SOKOLNIKOW: Über diese Unterredung sprach ich ungefähr nach einem Monat mit Radek und dann mit Pjatakow. Es war bald nach meiner Unterredung mit dem Diplomaten. Ich hatte eine andere Zusammenkunft mit Radek - im Juli 1935. Im Juli 1935 teilte mir Radek mit, dass Trotzki seine Unzufriedenheit darüber geäußert habe, dass ich mich dieses Auftrags formal entledigt habe, d. h., dass ich zwar die Vollmachten, nicht aber die Vorschläge an sich bestätigt, sie nicht vertreten, nicht für sie agitiert habe.
Darüber hat Pjatakow ausgesagt, darüber hat Radek ausgesagt, so dass ich nicht weiß, ob ich darauf noch zu sprechen kommen soll. Ich kann sagen, dass ich annahm, dass nur mir der Auftrag gegeben wurde. Ob die Angebote Trotzkis, die Ende 1933, Frühling 1934 gemacht wurden, ihre Bedeutung beibehalten haben usw.? Ich glaubte, dass es sich hier darum handelte, seine Vollmachten zu bestätigen, damit er die Unterhandlungen führen bzw. fortsetzen konnte. In welchem Stadium sie sich befanden, weiß ich nicht.

WYSCHINSKI: Was hat sich nachher ereignet?

SOKOLNIKOW: Darüber hat mich Pjatakow viel später, im Jahre 1935, gefragt. Ich habe ihm das auch bestätigt. Ich habe ihn bis zum Jahre 1935 nicht getroffen. Als ich jedoch im Jahre 1935 nach Einsetzen der Tätigkeit des Parallelzentrums mit ihm zusammentraf, streifte Pjatakow in denn Gespräch, über das ich später aussagen werde, unter anderem auch diese Sache - „was hatten Sie dort für ein Gespräch?“ Ich sagte es ihm.

PJATAKOW (zum Vorsitzenden): Gestatten Sie mir, aus Anlass der von Sokolnikow berührten Frage eine Erklärung abzugeben.

VORSITZENDER: Bitte.

PJATAKOW: Hat Sokolnikow sich aus eigener Initiative an Radek gewandt? Sokolnikow kann das vergessen haben, weil wir ein besonderes Gespräch nicht geführt haben, ich habe ihm einfach kurz mitgeteilt, dass Radek ihn anzurufen bittet.

SOKOLNIKOW: Das ist möglich.

WYSCHINSKI (zu Sokolnikow): Weiter?

SOKOLNIKOW: Im Sommer 1935, einige Monate nach den Verhaftungen der Sinowjewleute und eines Teils der Trotzkisten, fühlte ich mich verpflichtet, da ich wusste, dass ich für das Parallelzentrum bestimmt bin, mit dessen Mitgliedern in Verbindung zu treten.

Ich wandte mich vorerst nicht an Pjatakow, sondern traf drei Wochen oder einen Monat früher mit Radek zusammen.

Die Fragen, die wir mit Radek besprachen, waren Fragen der Verwirklichung der terroristischen Einstellungen und damit zusammenhängende organisatorische Fragen. Ferner besprachen wir auch einige programmatische Fragen.

WYSCHINSKI: Welche zum Beispiel?

SOKOLNIKOW: Programmatische Fragen im Zusammenhang mit der Veränderung der internationalen Situation.

Ich habe vergessen zu sagen, dass ich über die Verhandlungen Bescheid wusste, die die Mitglieder des vereinigten Zentrums mit den Rechten pflogen.

WYSCHINSKI: Mit wem namentlich?

SOKOLNIKOW: Ich weiß, dass Kamenew Verhandlungen mit Bucharin und Rykow führte; ich weiß, dass Sinowjew und noch jemand, ich kann mich im Augenblick nicht entsinnen, wer es war, in Verhandlungen mit Tomski und Uglanow standen.
In diesen Verhandlungen wurde die Einstimmigkeit in Bezug auf die grundlegenden programmatischen Fragen und die Einstimmigkeit in Bezug auf die taktischen Einstellungen, im Besonderen die Billigung der terroristischen Kampfmethoden, festgestellt.
Die Rechten traten jedoch nicht dem Block bei. Sie erklärten, dass sie zwar mit allem einverstanden seien, aber ihre besondere Organisation, ihre zentrale Gruppe beibehalten und mit dem vereinigten Zentrum lediglich Kontakt aufrechterhalten wollen.
Was die programmatischen Auffassungen betrifft, so hatten sich sowohl die Trotzkisten als auch die Sinowjewleute und die Rechten bereits im Jahre 1932 im hauptsächlichen auf das Programm geeinigt, das früher als das Programm der Rechten bezeichnet wurde.
Es ist dies die so genannte Rjutin-Plattform; bereits im Jahre 1932 brachte sie in bedeutendem Maße, eben diese, allen drei Gruppen gemeinsamen programmatischen Einstellungen, zum Ausdruck.
Was die Weiterentwicklung dieses Programms betrifft, so waren die führenden Mitglieder des Zentrums der Ansicht, dass unsere Revolution als isolierte Revolution sich nicht als eine sozialistische Revolution behaupten könne, dass die Theorie des Kautskyschen Ultraimperialismus und die ihr verwandte Theorie des Bucharinschen organisierten Kapitalismus sich als richtig erwiesen haben.
Wir waren der Meinung, dass der Faschismus höchstorganisierter Kapitalismus sei, dass er siege, Europa erfasse und uns würge. Es sei darum besser, sich mit ihm zu verständigen, es sei besser, irgendein Kompromiss im Sinne des Rückzugs vom Sozialismus zum Kapitalismus einzugehen.
All das wurde von dieser Voraussetzung beleuchtet: es ist besser, bestimmte, wenn auch noch so schwere Opfer zu bringen, als alles zu verlieren. Ich muss diese Einstellung erklären und unterstreichen, weil es ohne sie völlig unverständlich wäre, wie der Block und das Zentrum des Blocks ins Fahrwasser des terroristischen Kampfs, des Schädlingskampfs, der Diversionsakte und der defätistischen Einstellungen geraten konnten. Irgendein Sinn musste darin sein. Dieser Sinn bestand in eben dieser Einstellung, die ebenfalls eine defätistische Einstellung war, jedoch etwas anderer Natur, d. h. es war das Defätismus in Bezug auf den sozialistischen Charakter und die sozialistischen Errungenschaften unserer Revolution. Der Block lehnte dies ab, und da er es ablehnte - ich will jetzt nicht von anderen Standpunkten sprechen, ich lege jenen Standpunkt dar, auf dem die Mitglieder des vereinigten Zentrums und, soweit ich es verstehe, auch die Mitglieder des Parallelzentrums standen, sie waren der Ansicht, dass dies das leitende Prinzip sein muss und dass es alles rechtfertigt, in Wirklichkeit jedoch führte das zur Politik des Blocks, die ich jetzt nicht kennzeichnen werde.

WYSCHINSKI: Sie haben also soeben die Unterredung mit Radek wiedergegeben?

SOKOLNIKOW: Nein, ich summiere hier alles.

WYSCHINSKI: Wir haben uns also etwas vom Thema entfernt.

SOKOLNIKOW: Ja, gestatten Sie, auf die Unterredung mit Radek zurückzukommen, um damit die Frage des Programms abzuschließen. Bei dieser Unterredung sprachen wir gerade von den Veränderungen, die vor sich gegangen waren. Wir sprachen davon, dass wenn in den Jahren 1933 und 1934 der UdSSR Kriegsgefahr vor allem im Fernen Osten drohte, so drohte uns unserer Meinung nach im Jahre 1935 die Kriegsgefahr am ernstesten von Seiten Deutschlands. Ferner werteten wir bei dieser Unterredung die faschistischen Erfolge, die zunehmende Faschisierung Europas, jene neuen Momente, die dadurch in unsere Politik hineingetragen werden. Das ist das Gespräch, das wir im Juli 1935 in Bezug auf die programmatischen Einstellungen hatten.

WYSCHINSKI: Haben Sie Radek seit Juli 1935 gesprochen?

SOKOLNIKOW: Ja, es war im Winter 1936, gegen Ende Januar 1936.

WYSCHINSKI: War Ihnen bekannt, dass Radek zu jener Zeit einen Brief von Trotzki erhalten hatte?

SOKOLNIKOW: Sehen Sie, von dem Brief wusste ich nicht, weil es sich so traf, dass Pjatakows Rückkehr nach seiner Zusammenkunft mit Trotzki die Information dieses Briefes gleichsam überholte, so dass ich mich nicht darauf besinnen kann, dass in dem Gespräch Pjatakows mit mir, als er mir von dieser Zusammenkunft erzählte, oder in dem Gespräch mit Radek dieser Brief irgendwie besonders hervorgetreten wäre.

WYSCHINSKI: Sie hatten also zwei Unterredungen in dieser Sache mit Pjatakow und Radek?

SOKOLNIKOW: Ja, es war innerhalb einer kurzen Zeitspanne.

WYSCHINSKI: Sprachen Sie zuerst mit Pjatakow oder mit Radek?

SOKOLNIKOW: Mit Pjatakow.

WYSCHINSKI: Sprachen Sie mit Pjatakow, nachdem er aus dem Ausland zurückgekehrt war?

SOKOLNIKOW: Ja. Das war im Januar 1936. Pjatakow teilte mir mit, dass Trotzki Verhandlungen mit Heß geführt habe. Bei diesen Verhandlungen war Heß bevollmächtigt, Forderungen zu stellen, die nicht nur deutsche Interessen, sondern auch die Interessen noch eines Landes betrafen. Pjatakow teilte mir mit, Trotzki in dem Sinne verstanden zu haben, dass das Verhandlungen über eine Reihe von Fragen waren, in denen denn auch eine Einigung erzielt wurde. Natürlich war es Voraussetzung, dass der Entwurf dieses Abkommens auch an die offiziellen Kreise weitergeleitet wird und nicht lediglich ein Abkommen dieser zwei Gesprächspartner bleiben wird.
Die erste Variante setzte also den Fall voraus, dass die Macht an den Block übergeht, unabhängig davon, ob es vor dem Kriege zu etwas kommt. Um es einfach zu sagen, für diesen Fall verpflichtete sich die Gegenpartei, die Regierung des Blocks freundschaftlich zu unterstützen. Was den Block anbelangt, so übernahm er eine Reihe von Verpflichtungen ökonomischer Natur, die der Gegenpartei ökonomische Vorteile sicherten.

WYSCHINSKI: Das ist das, wovon Radek und Pjatakow sprachen?

SOKOLNIKOW: Ja. Die zweite Variante setzte voraus, dass der Block im Ergebnis eines Krieges und im Ergebnis der Niederlage der Sowjetunion an die Macht gelangt. Für diesen Fall verpflichteten sich die Teilnehmer des Abkommens, Beziehungen zur Regierung des Blocks herzustellen, wobei sie meiner Meinung nach, im Grunde genommen, die Machtübernahme schlechthin sicherten, ohne folglich konkurrierende Gruppierungen zu unterstützen. Der Block verpflichtete sich zu einem sofortigen Friedensschluss unter Anerkennung territorialer Zugeständnisse.

WYSCHINSKI: Und zwar?

SOKOLNIKOW: In diesem Abkommen wurden sie in einer solchen Form genannt, dass Japan im Falle der Teilnahme am Kriege territoriale Zugeständnisse im Fernen Osten, im „Priamurje“- und „Primorje“-Gebiet erhält; was Deutschland anbelangt, so war die Befriedigung der nationalen Interessen der Ukraine vorgesehen. Unter dieser durchsichtigen Bemäntelung war die Aufrichtung einer deutschen Kontrolle in der Ukraine, sowie ihre Abtrennung von der UdSSR zu verstehen. Außerdem waren eine Reihe wirtschaftlicher Zugeständnisse vorgesehen, die etwas weitergingen als die wirtschaftlichen Zugeständnisse der ersten Variante. Dennoch würde ich nicht sagen, dass die zweite Variante sich im Charakter der wirtschaftlichen Zugeständnisse unterschied. Die Basis dieser Verhandlungen Trotzkis mit Heß war - und das muss natürlich mit vollkommener Klarheit zugegeben werden - die Verpflichtung seitens Trotzkis, eine defätistische Linie in der Tätigkeit des Blocks zu gewährleisten. Das war es, was Trotzki seinerseits in diesen Unterhandlungen, die im Namen des Blocks geführt wurden, geben konnte, andernfalls hätte man mit ihm, das ist klar, gar nicht verhandelt. Pjatakow sagte mir, dass ihm, als er diesen Entwurf des Abkommens seiner vollendeten und entfalteten Form anhörte, sehr schwere Zweifel aufgestiegen seien, ob man auf ein derartiges Abkommen eingehen solle. Er machte Trotzki darauf aufmerksam, dass er es für notwendig halte, nach seiner Rückkehr nach Moskau eine enge Beratung, oder besser gesagt, eine Reihe von engen Beratungen mit den vertrauenswürdigsten Leuten des Blocks abzuhalten, um sie über diesen Entwurf des Abkommens zu informieren, und dann, nach diesem Meinungsaustausch, Trotzki endgültig Bescheid zu sagen.

WYSCHINSKI: Wie war Pjatakows- Haltung zu diesem Angebot und zu diesem Abkommen Trotzkis?

SOKOLNIKOW: Pjatakow verhielt sich zu einer ganzen Reihe von Punkten dieses Abkommens, ebenso wie ich, ebenso wie Radek, sehr ablehnend, doch hat Pjatakow, soweit mir bekannt ist, keine Einwände dagegen erhoben, dass Trotzki in Erwartung dieser Antwort, die ihm das Zentrum geben sollte, die Unterhandlungen weiterführte, d. h. er war dafür, dass diese Verhandlungen fortgesetzt werden. Irgendein Verbot von Seiten des Zentrums des Blocks, sowie von Seiten Pjatakows hat es, soviel ich weiß, nicht gegeben.

WYSCHINSKI: Was war die Grundlage für die Verhandlungen?

SOKOLNIKOW: Es wurden jene Verhandlungen, die Trotzki mit Heß geführt hat, auf der gleichen Grundlage fortgesetzt. Es sollten bestimmte Punkte weiter präzisiert werden usw. Allerdings sagte Trotzki, dass er damit rechne, dass. er glaube, im Weiteren, im Verlauf der Unterhandlungen, einiges herausschlagen oder verbessern zu können, doch kommt es natürlich nicht auf diese einzelnen Korrekturen, sondern es kommt auf die Grundlage an.
Als wir hier in Moskau mit Pjatakow nach seiner Rückkehr sprachen, haben wir gesagt (das mag natürlich in der Gerichtsverhandlung nicht von Bedeutung sein, kann aber, wenn man so sagen will, als Schilderung unserer Gefühle vielleicht von Bedeutung sein), sowohl Pjatakow als auch ich natürlich sehr geschwankt, als wir dieses Abkommen in seiner entfalteten und vollendeten Form sahen, in dem eigentlich die Bilanz alles dessen gezogen wurde, was wir im Laufe einer Reihe von Jahren oder im Laufe einer Reihe von Monaten getan hatten, wohin wir allmählich hineinschlitterten.
Immerhin muss ich aber sagen, dass meines Erachtens das Ergebnis dieser Unterredung war, dass wir keinen anderen Weg ins Auge fassten.

WYSCHINSKI: Keinen anderen als welchen Weg?

SOKOLNIKOW: Als jenen Weg, den Trotzki bereits betreten hatte. Die Sache war die, dass wir immerhin bei der Analyse der einzelnen Elemente dieses Abkommens sehen mussten, dass etwas Neues darin nicht enthalten war.

WYSCHINSKI: Im Vergleich womit war nichts Neues darin enthalten?

SOKOLNIKOW: Im Vergleich zu dem, was wir zum Teil seit 1932, hauptsächlich aber seit 1934 hatten, als die defätistische Linie des Blocks sich endgültig herausgebildet hatte.

WYSCHINSKI: Also nichts Neues gegenüber den Richtlinien, die früher festgelegt worden sind.

SOKOLNIKOW: Sehen Sie, ich muss mich berichtigen. Nicht, dass es nichts Neues gegeben hätte, - das wäre falsch.

WYSCHINSKI: Prinzipiell?

SOKOLNIKOW: Prinzipiell, - nein.

WYSCHINSKI: Ich rede aber nur davon. Quantitativ vielleicht, aber qualitativ?

SOKOLNIKOW: Natürlich, die Quantität schlägt in Qualität um.

WYSCHINSKI: Unter gewissen Umständen.

SOKOLNIKOW: In gewissem Maße. Da kam, wie traurig es auch sein mag, das zu sagen, ein starkes Stück heraus, und alle diese Elemente entsprangen aus einem System, festigten eines das andere und stellten uns natürlich vor die folgende Frage: Wir dachten ja als Politiker. Wir begriffen, dass es nicht auf unsere Gefühle - gute oder schlechte Gefühle - ankommt, wir dachten als Politiker und mussten folglich die politische Frage entscheiden, die nur in dem einen bestand: Können wir auf diesem überaus schweren Wege, der - wir begriffen das durchaus - eine Reihe schwerster Verbrechen, schmachvollster Verbrechen, Verrat usw. gegenüber der bestehenden Parteiführung, gegenüber der Sowjetmacht, gegenüber der Sowjetunion bedeutete, - wir mussten die Frage entscheiden, ob wir um diesen Preis darauf rechnen können, dass wir diese feindliche Kraft werden ausnutzen können.

WYSCHINSKI: Oder, dass sie Sie ausnutzen werden?

SOKOLNIKOW: Oder sie werden uns ausnutzen, wenn wir uns einfach in ein Anhängsel des Faschismus verwandeln, der uns ausnutzen und uns dann wie einen schmutzigen Fetzen wegwerfen wird, so sind wir gerichtet, entehrt, so ist unsere vollständige Nichtigkeit erwiesen.

WYSCHINSKI: Glaubten Sie denn, dass Sie ein anderes Schicksal erwarte, als vom Faschismus ausgenutzt und dann wie unnütze Fetzen weggeworfen zu werden?

SOKOLNIKOW: Natürlich. Wenn wir nur mit einem solchen Ende gerechnet hätten, dann hätten wir den Block vollständig liquidieren müssen.

WYSCHINSKI: Sie glaubten, dass es Ihnen gelingen werde, eine gewisse Selbständigkeit zu bewahren?

SOKOLNIKOW: Ich spreche vom damaligen Standpunkt aus. Wir waren der Meinung, dass uns gewisse Chancen bleiben. Worin erblickten wir sie? Wir erblickten sie in dem Spiel der internationalen Gegensätze. Wir waren der Meinung, dass es zum Beispiel zu einem vollkommen uneingeschränkten Schalten und Walten des deutschen Faschismus in der Sowjetunion nicht kommen kann, weil das auf Widerspruch bei den anderen imperialistischen Rivalen stoßen werde; dass es zu gewissen internationalen Zusammenstößen führen könnte, dass wir uns da auf andere Kräfte werden stützen können, die an einer Festigung des Faschismus nicht interessiert sind.
Wir waren der Meinung, dass im Lande selbst wir uns auf bestimmte Schichten werden stützen können. Ich muss bloß sagen: wir verstanden, dass wir in unseren programmatischen Einstellungen zum Kapitalismus zurückkehren und ein Programm des Kapitalismus aufstellen müssen, weil wir uns dann auf einige Schichten innerhalb des Landes werden stützen können...

WYSCHINSKI: Konkreter, auf welche Kräfte dachten Sie sich innerhalb des Landes zu stützen? Auf die Arbeiterklasse?

SOKOLNIKOW: Nein.

WYSCHINSKI: Auf die Kollektivbauernschaft?

SOKOLNIKOW: Natürlich nicht.

WYSCHINSKI: Auf wen denn?

SOKOLNIKOW: Rundheraus gesprochen, muss man sagen, dass wir damit rechneten, uns auf Elemente der bäuerlichen Bourgeoisie stützen zu können...

WYSCHINSKI: Auf den Kulaken, auf die letzten Überreste des Kulaken?

SOKOLNIKOW: Richtig. Der Block sollte dazu führen, dass sich diese geringen Überreste erweitern sollten. Natürlich musste, ich wiederhole es, unser Programm einer Abmachung mit dem deutschen Faschismus, das den Machtantritt des Blocks gewährleisten sollte, auch gewaltige soziale Veränderungen in der Sowjetunion und das Auftauchen von Kräften, die die Regierung des Blocks unterstützen würden, nach sich ziehen.

WYSCHINSKI: Veränderungen in welcher Richtung?

SOKOLNIKOW: Veränderungen im Sinne der Wiederherstellung des Kapitalismus. Die Elemente, die daran interessiert gewesen wären und es als eine Wohltat aufgenommen hätten, wären mit einer solchen Politik zufrieden gewesen und hätten den Block unterstützt. Ich möchte aber sagen, dass diese Perspektive nicht viel besser ist als die Perspektive, sich einfach als ein Anhängsel des deutschen Faschismus zu erweisen. Es war jedoch die Perspektive, dass der Block die Macht im Lande werde behaupten können, wiederum gewissermaßen zwischen verschiedenen Klassen lavierend, sich auf die einen gegen die anderen stützend.

WYSCHINSKI: Mit einem Wort, und kurz gesagt, über welche Etappen führte Ihrer Vorstellung nach Ihr Weg zur Macht?

SOKOLNIKOW: Der Weg zur Macht führte über eine allmähliche Wiederherstellung der kapitalistischen Elemente, die die sozialistischen Elemente verdrängen und in einem bestimmten Maße ersetzen sollten.

WYSCHINSKI: Und in Bezug auf die Aggressoren?

SOKOLNIKOW: Wir waren zu einer Abmachung mit ihnen bereit, die uns dazu geführt hätte, dass im Verlauf des Krieges und im Ergebnis einer Niederlage der UdSSR die Regierung des Blocks hätte zur Macht gelangen können.

WYSCHINSKI: Wird es folglich richtig sein zu sagen, dass Sie Ihre Hoffnungen auf die Hilfe ausländischer Interventen setzten?

SOKOLNIKOW: Sehen Sie... Hier kann es noch etwas Schlimmeres geben...

WYSCHINSKI: Ich spreche nicht davon, was schlimmer, was besser ist. Ich gebe keine moralischen Urteile ab. Ich stelle Tatsachen fest. Ich als Vertreter der staatlichen Anklage behaupte, dass Sie Ihre Hoffnungen direkt auf die Hilfe ausländischer Aggressoren setzten, auf die Hilfe ausländischer Interventen gerechnet haben. Trifft diese Behauptung zu?

SOKOLNIKOW: Es stimmt, dass wir unsere Hoffnungen auf die Hilfe ausländischer Aggressoren setzten, Interventionsmächte - würde ich nicht sagen.

WYSCHINSKI: Ist die Aufgabe die, die sich der Aggressor stellen wird?

SOKOLNIKOW: Er hat seine Aufgabe...

WYSCHINSKI: Richtig, die Aggressoren haben ihre Aufgaben und Sie wiederum hatten Ihre Aufgaben. Sie rechneten aber damit, Ihre Aufgaben zu lösen, indem Sie den Aggressoren helfen wollten ihre Aufgaben zu lösen. Stimmt das?

SOKOLNIKOW: Das stimmt.

WYSCHINSKI: Habe ich also in der Anklageschrift richtig formuliert: „Als Hauptaufgabe stellte sich das Parallelzentrum den gewaltsamen Sturz der Sowjetregierung zwecks Änderung der in der Sowjetunion bestehenden Gesellschafts- und Staatsordnung...“ Ist diese Formulierung richtig?

SOKOLNIKOW: Ja, sie ist richtig.

WYSCHINSKI: Weiter sage ich in der Anklageschrift: „L. D. Trotzki. und auf seine Weisung das trotzkistische Parallelzentrum erstrebten die Ergreifung der Macht mit Hilfe auswärtiger Staaten, zwecks Wiederherstellung kapitalistischer Verhältnisse in der UdSSR...“ Ist diese Formulierung richtig?

SOKOLNIKOW: Sie ist richtig.

VORSITZENDER: Die Sitzung wird für zwanzig Minuten unterbrochen.

 

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint. Bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird fortgesetzt. Sie sind noch nicht zu Ende?

WYSCHINSKI: (zu Sokolnikow): Sie sagten, dass Sie von der Notwendigkeit ausgingen, sich auf bestimmte soziale Schichten der Bevölkerung zu stützen. Sie nannten den Kulaken als Stütze des Blocks. Ist diese Formulierung richtig?

SOKOLNIKOW: Ja, als eine Kraft, die, da sie von der Regierung des Blocks bestimmte Vorteile erhält, an der Erhaltung der Macht dieses Blocks interessiert sein wird.

WYSCHINSKI: Mit welchen Elementen rechneten Sie außerdem? Beabsichtigte der Block, sich in seinem Kampf nur auf die eigenen Kräfte zu beschränken, oder dachte er daran, auch andere sowjetfeindliche Elemente im Lande zusammenzufassen?

SOKOLNIKOW: Zweifellos, dies ergab sich aus der ökonomischen Politik, die der Block plante. Natürlich, wenn der Block die Gewährung von Konzessionen an das ausländische Kapital, die Verpachtung einzelner Werke an den ausländischen Kapitalismus vorsah, wenn er, jedenfalls für den Anfang, eine teilweise Auflösung der Kollektivwirtschaften plante, so hätte das offenbar nicht nur direkte Elemente des Großkapitalismus, sondern auch ein kleinkapitalistisches Milieu, kleine Händler, eine Kleinbourgeoisie geschaffen, die an der Erhaltung dieses Regimes interessiert gewesen wäre und somit den Block unterstützt hätte.

WYSCHINSKI: Und welches war nun im Zusammenhang damit, was Sie hinsichtlich der sozialen und ökonomischen Pläne sagen, die Stellung des Blocks zur Politik der Industrialisierung?

SOKOLNIKOW: Eine negative. Der Block war der Meinung, dass die Politik der Industrialisierung abgebaut werden wird, dass ein Teil der Betriebe an Konzessionäre übergehen wird.

WYSCHINSKI: Das heißt, Sie wollten auf die Politik der Industrialisierung verzichten?

SOKOLNIKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und die Politik der Kollektivierung?

SOKOLNIKOW: Es war vorgesehen, auf die gegenwärtige Politik der Kollektivierung zu verzichten, diese Politik abzubauen.

WYSCHINSKI: Die Stellung zu den bereits bestehenden Kollektivwirtschaften?

SOKOLNIKOW: Eine gewaltsame Auflösung aller Kollektivwirtschaften war natürlich nicht vorgesehen, ein Teil der Kollektivwirtschaften hätte sich behaupten können.

WYSCHINSKI: Waren staatliche Maßnahmen zur Festigung oder, im Gegenteil, zur Zerschlagung der Kollektivwirtschaften vorgesehen?

SOKOLNIKOW: Es war vorgesehen, die staatliche Unterstützung der Kollektivwirtschaften einzustellen.

WYSCHINSKI: Also, auf die Politik der Kollektivierung zu verzichten?

SOKOLNIKOW: Die Kollektivwirtschaften ihrem Schicksal zu überlassen.

WYSCHINSKI: Die Politik besteht eben darin, dass der Staat durch seine Tätigkeit eine bestimmte Richtung unterstützt. Also Verzicht auf die Politik der Industrialisierung?

SOKOLNIKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Verzicht auf die Politik der Kollektivierung?

SOKOLNIKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Das gehörte zum Plan jener sozialen und ökonomischen Maßnahmen, die der Block vorsah?

SOKOLNIKOW: Mir scheint, ich habe bereits davon gesprochen. Das gehörte zum Plan des Blocks, und wir verstanden auch, dass sich daraus die Absage an den Kurs auf den unmittelbaren Aufbau der klassenlosen Gesellschaft ergibt.

WYSCHINSKI: Also Wiederherstellung der Klasseneinteilung der Gesellschaft?

SOKOLNIKOW: Wiederherstellung des Kapitalismus, das ist eben Wiederherstellung der Klassen.

WYSCHINSKI: Verschiedene Klassen, darunter auch die Klasse der Ausbeuter?

SOKOLNIKOW: Natürlich, die Kulaken, das sind die schlimmsten Ausbeuter.

WYSCHINSKI: Stellen wir also der vollständigen Klarheit halber fest: die Gesamtheit dieser Maßnahmen fassen Sie als das Programm der kapitalistischen Restauration auf?

SOKOLNIKOW: Dies Programm ist die unvermeidliche und unbedingte Schlussfolgerung aus dem Programm der Rechten, d. h. schlechthin gesagt, des Programms des Rückzugs oder der Wiederherstellung des Kapitalismus.

WYSCHINSKI: Sind die Formulierungen dieses Programms, wie Sie sie jetzt vorbringen, mit den anderen Mitgliedern des Zentrums besprochen worden?

SOKOLNIKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Mit wem namentlich?

SOKOLNIKOW: Ich entsinne mich eines solchen Gesprächs im Jahre 1933 mit Kamenew. Ich entsinne mich solcher Gespräche auch mit anderen Mitgliedern des Zentrums. In Bezug auf einzelne Punkte fanden Gespräche über die Industrialisierung mit Pjatakow, über die Politik gegenüber den Kollektivwirtschaften mit Tomski im Herbst 1935 statt.

WYSCHINSKI: War die Stellung Ihres gesamten Zentrums demgegenüber positiv oder negativ?

SOKOLNIKOW: Ich bin der Meinung, dass das Zentrum dies Programm akzeptierte. Es war nicht niedergeschrieben. Das war das Programm des Zentrums, das war auch das Programm Trotzkis. Man teilte mir mit, Trotzki habe, als er über den Block mit den Rechten sprach, den Gedanken betont, dass mit den Rechten keine Meinungsverschiedenheiten bestehen.

WYSCHINSKI: In dieser Frage nicht bestehen?

SOKOLNIKOW: Eben.

WYSCHINSKI: Hat es bei Ihnen im Zentrum in dieser Frage nicht irgendwelche Schwankungen, Zweifel, verschiedene Auffassung dieser Probleme gegeben?

SOKOLNIKOW: Es fällt mir schwer, Ihnen auf diese Frage zu antworten. Ich bitte zu verstehen, worum es sich handelt. Ich will nicht sagen, dass ich irgendeine Sonderstellung eingenommen hätte, und will mich nicht von den anderen Mitgliedern der Organisation absondern, hier wurde jedoch erwähnt - und so war es auch in Wirklichkeit -, dass die trotzkistischen Mitglieder des Zentrums nähere, intimere und vertraulichere Beziehungen zueinander unterhielten als die zu mir. Das Verhältnis zu mir trug einen ziemlich offiziellen Charakter.

WYSCHINSKI: Die Frage des Programms ist keine Privatangelegenheit.

SOKOLNIKOW: Aus all den Gesprächen, die mit mir geführt wurden und aus den Direktiven Trotzkis schließe ich, dass irgendeine Unklarheit da nicht vorlag.

WYSCHINSKI: Und Sie sind der Meinung, dass mit diesem Standpunkt alle Mitglieder einverstanden waren. War das der gemeinsame programmatische Standpunkt?

SOKOLNIKOW: Trotzki, der nicht nur das Parallelzentrum leitete, sondern auch Anweisungen an jene Mitglieder des Zentrums gab, mit denen er eng verbunden war, bestätigte das in einer Reihe von Direktiven und in einer Reihe von Mitteilungen, die mir gemacht und hier im Namen Trotzkis bestätigt wurden.

WYSCI-IINSKI: Und in diesem Programm wurden die Elemente bezeichnet, auf die Sie sich stützen konnten?

SOKOLNIKOW: Natürlich.

WYSCHINSKI: Wie würden Sie in erschöpfender und vollständiger Form die Elemente, auf die Sie sich zu stützen gedachten, bezeichnen?

SOKOLNIKOW: Wenn man ohne alle Anführungszeichen und konventionelle Redensarten sprechen soll, so muss man sagen, dass das Programm der Wiederherstellung des Kapitalismus die Schaffung von Elementen einer neuen Bourgeoisie bedeutete, und diese neue Bourgeoisie hätte natürlich alle jene Zugeständnisse begrüßt, die der Block gemacht hätte.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen das Heranziehen zu Ihrer trotzkistischen sowjetfeindlichen verbrecherischen Tätigkeit von anderen sowjetfeindlich gesinnten Leuten bekannt, die nicht Mitglieder der trotzkistischen Organisation waren?

SOKOLNIKOW: Pjatakow teilte mir mit, in der Direktive Trotzkis über die Entfaltung der Schädlingstätigkeit wäre der Hinweis enthalten, dass die Gruppe des Blocks, die die Schädlingstätigkeit betreibt, Verbindungen mit anderen konterrevolutionären Gruppen aufnehmen soll.

WYSCHINSKI: Mit welchen namentlich?

SOKOLNIKOW: Das kann ich nicht präzisieren. Mit anderen konterrevolutionären Gruppen, die die gleiche Arbeit betreiben. Es wurde darauf hingewiesen, dass man die ehemaligen Schädlingsorganisationen unter den Fachleuten ausfindig machen soll.

WYSCHINSKI: Unter den ehemaligen Schädlingen aus der Periode der Industriepartei, des Schachty-Prozesses? Sie hatten also eine solche Einstellung?

SOKOLNIKOW: Es gab eine Einstellung Trotzkis, die den Schädlingsgruppen des Blocks gestattete, Verbindung mit diesen Gruppen aufzunehmen.

WYSCHINSKI: War Ihnen darüber etwas bekannt, dass die eine oder die andere Ihrer trotzkistischen Gruppen Verbindungen mit gewissen solchen Schädlingselementen aus der Mitte ehemaliger Schachty-Leute oder ehemaliger Anhänger der Industriepartei usw. aufnahm?

SOKOLNIKOW: Nein, das war mir nicht bekannt. Es handelt sich darum, dass ich von der Schädlingsarbeit nichts wusste. Die Direktiven hatte ich auch früher gekannt, über die Schädlingstätigkeit jedoch informierte mich Pjatakow im Herbst 1935.

WYSCHINSKI: Nahmen Sie selbst an der Schädlingsarbeit teil?

SOKOLNIKOW: Nein.

WYSCHINSKI: In wessen Händen lag dies?

SOKOLNIKOW: Die Leitung der Schädlingstätigkeit?

WYSCHINSKI: Ja.

SOKOLNIKOW: In den Händen Pjatakows.

WYSCHINSKI: Vorwiegend?

SOKOLNIKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Oder ausschließlich?

SOKOLNIKOW: Ich fasste es so auf, dass Pjatakow die allgemeine Leitung dieser Arbeit ausübte.

WYSCHINSKI: Genosse Vorsitzender, gestatten Sie mir, Schestow zu befragen.

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI: Angeklagter Schestow, wir werden Sie später verhören, jetzt aber möchte ich Sie im Zusammenhang mit meiner Frage an den Angeklagten Sokolnikow bitten, mir dieselbe Frage zu beantworten. Was können Sie über die Ausnutzung verschiedener - nicht trotzkistischer - Schädlingselemente für Ihre trotzkistische Unterwühlungstätigkeit sagen. War das der Fall?

SCHESTOW: Ja, das war der Fall. Ich erinnere mich sehr gut an meine Gespräche in Berlin im Mai 1931.

WYSCHINSKI: Mit wem?

SCHESTOW: Mit Sedow, mit Smirnow, mit Jurij Leonidowitsch Pjatakow.

WYSCHINSKI: Sie sagen: mit Sedow, mit Smirnow, mit Pjatakow. Wie ist das zu verstehen, war es eine Beratung von vier Personen, oder sprachen Sie mit jedem von ihnen einzeln?

SCHESTOW: Ich sprach mit jedem von ihnen einzeln.

WYSCHINSKI: Sprachen Sie mit Sedow?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Sagen Sie kurz, worüber Sie mit Sedow gesprochen haben.

SCHESTOW: Sedow formulierte damals die Frage in der Weise, dass man alle Kräfte heranziehen muss, die der Stalinschen Führung feindlich gegenüberstehen.

WYSCHINSKI: Was wurde darunter verstanden?

SCHESTOW: Vorher hatte ich ihn kurz über die Lage im Kusnetzkrevier informiert. Ich war tätig im Kusnetzkrevier. Ich sagte ihm, es sei mir bekannt, dass es unter den alten Ingenieuren Überreste von Schachty-Leuten, von Mitgliedern der Industriepartei gibt, die konterrevolutionäre Schädlingsarbeit betreiben.
Als Sedow von der Heranziehung der so genannten dem Stalinschen Regime feindlich gegenüberstehenden Kräften sprach, sagte er: da haben Sie nun das Menschenmaterial. Dasselbe sagte mir später Jurij Leonidowitsch Pjatakow.

WYSCHINSKI: In welchem Zusammenhang sagte er das?

SCHESTOW: Als er mich beauftragte, im Kusnetzkbecken Diversions- und Zerstörungsarbeit zu leisten. Allerdings sprach Pjatakow zu mir damals nicht in der Weise. Er sagte, dass man mit allen Mitteln und Kräften bestrebt sein müsse, der Stalinschen Industrialisierungsspielerei ein Ende zu setzen.

WYSCHINSKI: In welchem Jahr war das?

SCHESTOW: 1931 hatte ich ein konkretes Gespräch über dieses Thema mit J. L. Pjatakow, und zwar im Juni. Und vorher hatte ich zwei ziemlich ausführliche Unterredungen über dies Thema mit Sedow und Smirnow gehabt. Ich kann mich gut daran erinnern, dass, als Sedow die Frage stellte, man müsse der Stalinschen Industrialisierung entgegenwirken, ich ihn fragte, wie ist dieses Entgegenwirken gemeint, ich sei doch immerhin ein Mensch, ich würde diese Arbeit leisten, ich verstünde das nicht. Schädlingstätigkeit, das verstünde ich, aber durch Schädlingstätigkeit könne man doch einen so großen Effekt nicht erreichen. Ich kenne Beispiele aus unserer Sowjetwirklichkeit, Beispiele aus dem Leben des Donezreviers, die Schädlingstätigkeit in Schachty. Er sagt: „Verstehst du es denn nicht? Die Frage wird schroffer, schärfer gestellt, und mein Vater spricht direkt von der Durchführung einer Summe solcher Maßnahmen, die im Endeffekt zum Ausscheiden einer Reihe einzelner Betriebe führen würden.“ „Mit andern Worten, sagte ich ihm, Zerstörungstätigkeit, so muss man es verstehen, Lew Lwowitsch?“ Er sagt: „Natürlich so, anders kann man das gar nicht verstehen.“ Nachher fragte ich Smirnow, und er formulierte dies ebenfalls deutlich auch in Bezug auf die Heranziehung der dem Stalinschen Regime feindlich gegenüberstehenden Kräfte, desgleichen formulierte er auch die Durchführung von Zerstörungs- und Diversionsmaßnahmen auf dem Gebiet der Industrie.

WYSCHINSKI: Ich frage nach der Heranziehung von nichttrotzkistischen sowjetfeindlichen Leuten.

SCHESTOW: So sagte mir Sedow, und dann sagte mir Smirnow, dass im Kampf gegen die Stalinsche Regierung jedes Mittel recht sei und dass man in diesem Fall alle feindseligen Elemente im Lande heranziehen müsse, alle, die gegen Stalin und für uns sind. Ich glaubte hinreichend klar zu verstehen, wer im Lande gegen Stalin sein kann.

WYSCHINSKI: Folglich wurde Ihnen eine solche Einstellung im Jahre 1931 gegeben?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und leisteten Sie in diesem Zusammenhang irgendetwas in der Richtung der Verwirklichung dieser Direktive? Befassten Sie sich selbst damit, diese Elemente heranzuziehen?

SCHESTOW: Nicht nur, dass ich mich damit befasste; sondern nach dem Kusnetzkrevier zurückgekehrt, begann ich eben von da aus meine Zerstörungsarbeit, da ich damals sowohl Sedow als auch Smirnow und Pjatakow gesagt hatte, dass wir unter den Arbeitern und Bauern keine Stütze haben, und irgendwelche Hoffnungen darauf, dass ich in diesen Kreisen aktive Diversanten werde gewinnen können, darüber gab ich mich keinen Illusionen hin. Ich konnte nur Kulakenelemente gewinnen, das konnte ich mir vorstellen, was aber die Kreise der Arbeiter und Bauern betrifft, solch eine Frage stellte ich mir nicht und dachte nicht daran, mit einer solchen Frage an sie heranzukommen. Damit man die Diversionsarbeit so organisieren kann, dass die Summe aller Maßnahmen durchgeführt wird und die trotzkistische Organisation nicht hochgeht, dazu muss man, so verstehe ich es, hoch qualifizierte Kräfte für die Durchführung gerade der Zerstörungs- und Diversionsarbeit gewinnen. Nun, ich konnte einen hoch qualifizierten Arbeiter gewinnen, der höchstens irgendeine Maschine betriebsunfähig machen konnte. Wenn aber die Frage eines Betriebes gestellt wird, so war es mir klar, dass ich mit Leuten größeren Formats zu tun haben muss.

WYSCHINSKI: Haben Sie solche Direktiven und Richtlinien erhalten?

SCHESTOW: Ja, im Besonderen wurde ein konkretes Beispiel über Schädlingsarbeit leistende Ingenieure angeführt.

WYSCHINSKI: Solche Direktiven gab es also?

SCHESTOW: Ja. Von Pjatakow erhielt ich sie nicht in ausführlicher Form. Er sagte: bei euch im Kusnetzkrevier habt ihr genügend solches Material.

WYSCHINSKI: Angeklagter Pjatakow, bestätigen Sie diese Ausführungen Schestows?

PJATAKOW: Ja. Ich erinnere mich, dass es ein Gespräch über dies Thema gegeben hat, ich erinnere mich, dass ich darüber mit Sedow und Schestow gesprochen habe.

WYSCHINSKI: Folglich handelte es sich damals um die Heranziehung sowjetfeindlicher Kräfte?

PJATAKOW: Ja, es handelte sich um die Heranziehung sowjetfeindlicher Kräfte aus dem Kreise der Ingenieure.

VORSITZENDER (zu Wyschinski): Haben Sie keine Fragen an den Angeklagten Schestow?

WYSCHINSKI: Nein.

VORSITZENDER: An den Angeklagten Sokolnikow auch nicht?

WYSCHINSKI: Nein.

VORSITZENDER: Sagen Sie, Angeklagter Sokolnikow, mit welchen Terrorgruppen standen Sie in den Jahren 1935-1936 in Verbindung?

SOKOLNIKOW: 1935 kam zu mir Tiwel und teilte mir mit, dass er mit der Terrorgruppe Sachs-Gladnews in Verbindung stehe. Tiwel verlangte Weisungen über die weitere Tätigkeit dieser Gruppe.
Daraufhin sprach er über die Zusammenkunft mit der Gruppe Sachs-Gladnews und teilte mit, dass diese Gruppe schon mehrere Monate besteht und dass ihr einige, wie ich glaube, 6 Menschen angehören; er sagte auch, dass er von Sachs-Gladnew, der diese Gruppe leitete, Aufträge habe. Durch mich bleiben jene Aufträge in Kraft, die noch von früher stammen.

VORSITZENDER: Haben Sie das bestätigt?

SOKOLNIKOW: Ja, ich habe es bestätigt.

VORSITZENDER: Gegen wen bereitete diese Gruppe einen Anschlag vor?

SOKOLNIKOW: Tiwel sagte mir damals, dass sie den Auftrag hätten, einen Terrorakt gegen Stalin vorzubereiten.

VORSITZENDER: Wann sind Sie das letzte Mal mit Vertretern dieser Terrorgruppe zusammengekommen?

SOKOLNIKOW: Ich bin mit Mitgliedern dieser Gruppe unmittelbar nicht zusammengekommen. Soweit ich mich erinnere, war Tiwel noch einmal bei mir Anfang 1936 und sagte mir, dass die Gruppe ihre Tätigkeit in Moskau fortsetze. Früher hätten sie außerhalb der Stadt Beobachtungen angestellt, jetzt aber hatten sie die Beobachtung in Moskau organisiert.

VORSITZENDER: War Ihnen die Zusammensetzung dieser Gruppe bekannt?

SOKOLNIKOW: Die Zusammensetzung dieser Gruppe war mir nicht bekannt mit Ausnahme noch eines Mitglieds der Gruppe, dessen Namen Tiwel mir nannte, mit dem ich früher bei meiner Arbeit zu tun gehabt hatte, es war Fliegeltaub. Andere kenne ich nicht.

VORSITZENDER: Welche Terrorgruppen außer dieser Gruppe kennen Sie noch?

SOKOLNIKOW: Mit andern Gruppen stand ich in keiner Weise unmittelbar in Verbindung.

VORSITZENDER: Mit der Gruppe Friedlands standen Sie nicht in Verbindung?

SOKOLNIKOW: Mit dieser Gruppe Friedlands stand ich nicht in Verbindung, aber ich war persönlich mit Friedland bekannt. Das war Ende 1935, da aber Verhaftungen unter den Historikern einsetzten, sagte er mir, dass auch er mit seiner Verhaftung rechne, da er, soweit ich mich daran erinnere, wie er mir sagte, Mitglied einer Terrorgruppe war. Er sagte mir, dass er von meiner Zugehörigkeit zur Organisation von Radek wisse, mit dem er in Verbindung stand.

VORSITZENDER: War Ihnen bekannt, dass es eine Terrorgruppe gibt, zu deren Leitern G. S. Friedland gehört?

SOKOLNIKOW: Nein. Von der Existenz einer solchen Gruppe war mir nichts bekannt. Ich wusste, dass er Mitglied einer Gruppe ist.

VORSITZENDER: In Ihren Aussagen heißt es:
„Ich wusste von der Existenz einer Terrorgruppe, deren Teilnehmer Friedland war... Ich wusste von Friedland, dass diese Gruppe die Ausübung eines Terrorakts gegen Führer der Partei und der Regierung vorbereitete.“
SOKOLNIKOW: Ja. Ich bestätige das, ich weiß aber nicht, ob diese Gruppe die Gruppe Friedland hieß, aber er sagte mir, dass er Mitglied dieser Gruppe sei, dass eine solche Gruppe existiert, dass sie mit Radek in Verbindung stehe.

VORSITZENDER: Was ist ihnen über die Terrortätigkeit der Gruppe, an deren Spitze Dreitzer stand, bekannt und überhaupt über die Terrortätigkeit Dreitzers in der Periode 1935- 1936?

SOKOLNIKOW: Mir war bekannt, dass Dreitzer jene Person in der trotzkistischen Organisation war, die die Terrorgruppen leitete, die allgemeine Führung dieser Gruppen ausübte. Im besonderen war von Dreitzer die Rede während einer Zusammenkunft mit Radek im Sommer 1935, als Radek zu mir davon sprach, dass er es für notwendig halte, Dreitzer kommen zu lassen, um von ihm Mitteilungen über seine Arbeit, über die bestehenden Gruppen usw. zu erhalten, doch konkret weiß ich nichts von den Gruppen, die mit Dreitzer in Verbindung standen.

VORSITZENDER: War Ihnen bekannt, dass Dreitzer unmittelbar die Vorbereitung des Anschlages auf das Leben der Genossen Stalin und Woroschilow im Jahre 1934 leitete?

SOKOLNIKOW: Unter dem alten Zentrum?

VORSITZENDER: Ja, gewiss.

SOKOLNIKOW: Ja, damals nannte mir Kamenew den Namen Dreitzers.

VORSITZENDER: Wer stand mit der Vorbereitung des Anschlages dieser Gruppe auf die Genossen Stalin und Woroschilow in Verbindung?

SOKOLNIKOW: Ich kann mich jetzt daran nicht erinnern, doch wurde mir zweifellos damals Dreitzer genannt als der Mann, der mit den verantwortlichsten Aufträgen des Zentrums betraut ist. So dass es sich zweifellos nur um die hervorragendsten Führer der Partei und der Regierung handeln konnte.

VORSITZENDER: In Ihrer Aussage heißt es:

„In der Terrortätigkeit der Organisation in den Jahren 1935-1936 war die Rolle Dreitzers analog der Rolle Bakajews in der Periode 1933-1934. In Dreitzers Hand lag die Vorbereitung des Anschlages auf das Leben Stalins und Woroschilows, doch sind Einzelheiten dieser Tätigkeit mir nicht bekannt.“

SOKOLNIKOW: Ich bestätige das.

VORSITZENDER: Wussten Sie davon, dass 1935 eine Terrorgruppe mit Sachs-Gladnew an der Spitze bestand?

SOKOLNIKOW: Im Gespräch mit Radek und Pjatakow wurde mir eine Reihe von Peripheriegruppen genannt, es würde mir allerdings schwer sein, hier zu präzisieren. Soweit ich mich erinnern kann, erzählte mir davon Pjatakow. Es wurde mir eine solche Gruppe genannt, und es wurde gesagt, dass in Lenin grad eine Terrorgruppe mit Sachs-Gladnew an der Spitze bestehe.

VORSITZENDER: Eine Gruppe, die einen Anschlag gegen wen vorbereitete?

SOKOLNIKOW: Eine Gruppe, die einen Anschlag gegen Shdanow vorbereitete. Ferner gab es in Sibirien eine Gruppe mit Muralow an der Spitze, die einen Anschlag vorbereitete, die den Auftrag hatte, einen Anschlag auf Eiche vorzubereiten. Außerdem hörte ich damals von der Existenz einer Gruppe Beloborodow in Rostow. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, welche Aufgabe sie hatte. Ferner wusste ich von Pjatakow davon, dass terroristische Aufgaben dem ukrainischen Zentrum gestellt worden sind, von dessen Mitgliedern mir Loginow und noch jemand genannt wurden.

VORSITZENDER: In der Voruntersuchung nannten Sie den Namen Schleifer.

SOKOLNIKOW: Dort gab es einen Golubenko.

VORSITZENDER: Von der Existenz und von der Tätigkeit der ukrainischen Terrorgruppe wussten Sie von Pjatakow oder noch von jemandem?

SOKOLNIKOW: Nein, ich wusste es von Pjatakow.

VORSITZENDER: Jetzt sagen Sie, ob irgendeine Terrorgruppe unter Ihrer unmittelbaren persönlichen Leitung bestanden hat?

SOKOLNIKOW: Unmittelbar an mich als an ein Mitglied des Zentrums wandte sich Tiwel im Auftrage von Sachs-Gladnew.

VORSITZENDER: Kann man daraus den Schluss ziehen, dass die Gruppe Sachs-Gladnews unter Ihrer unmittelbaren Leitung stand, da man sich an Sie um Rat wandte?

SOKOLNIKOW: Ich leitete nicht ihre operative Arbeit, sanktionierte aber unmittelbar die Fortsetzung ihrer Tätigkeit.

VORSITZENDER: Wie viele Male und wann hatten Sie Unterredungen mit dem Vertreter dieser Gruppe Sachs-Gladnews?

SOKOLNIKOW: Anfang 1936, im Frühjahr 1936.

VORSITZENDER: Im Frühjahr 1936 also, in der Periode Ihrer „Schwankungen“, standen Sie in unmittelbarer Verbindung mit der Tätigkeit einer Terrorgruppe, jener Gruppe, die einen Anschlag auf den Genossen Stalin vorbereitete?

SOKOLNIKOW: Ich stand mit Tiwel unmittelbar in Verbindung, Tiwel stand in unmittelbarer Verbindung mit der Gruppe Sachs-Gladnews. Ob Tiwel selbst Mitglied dieser Gruppe war, weiß ich nicht.

VORSITZENDER: Wussten Sie, dass im Jahre 1934 ein Anschlag auf den Genossen Kirow vorbereitet wurde? Kannten Sie die Zusammensetzung des Terrorzentrums, das den Anschlag auf den Genossen Kirow vorbereitete und ausführte?

SOKOLNIKOW: Es war mir Anfang Herbst oder Ende Sommer 1934, genau kann ich es nicht sagen, bekannt, dass in Lenin -grad ein Anschlag auf Kirow vorbereitet wird. Darüber, wer ihn ausführen sollte, wusste ich nichts. Über die Einzelheiten dieser Sache wurde ich nicht unterrichtet. Doch im Jahre 1932 hatte ich von der Zusammensetzung des Lenin grader Zentrums gehört.

VORSITZENDER: Sie bestätigen also Ihre Aussagen, wonach es Ihnen bekannt war, dass in Lenin grad ein Terrorzentrum existierte und im besonderen, dass diesem Zentrum Lewin, Kotolynow, Mandelstasi u. a. angehörten. Bestätigen Sie das?

SOKOLNIKOW: Ja, ich bestätige es, das war mir im Jahre 1932 bekannt.

VORSITZENDER: War Ihnen bekannt, dass Bakajew die Vorbereitung des Terrorakts gegen den Genossen Kirow unmittelbar betrieb?

SOKOLNIKOW: Unmittelbar wurde mir das nicht gesagt, dass aber Bakajew mit der Leitung der Vorbereitung des Terrorakts beauftragt ist, war mir bekannt.

VORSITZENDER: In welchem Maße standen Sie in Verbindung mit Reingold, was seine Tätigkeit betrifft?

SOKOLNIKOW: Reingold leitete die Terroristengruppen in Moskau. Ich hatte mit ihm Zusammenkünfte, doch machte er mir über seine Arbeit keinerlei Mitteilungen. Von den Funktionen, mit denen er betraut war, wusste ich von Kamenew.

VORSITZENDER: Reingold stand mit Ihnen unmittelbar in engerer Verbindung als mit Kamenew?

SOKOLNIKOW: Er machte mir jedoch keinerlei Mitteilungen über seine Tätigkeit.

VORSITZENDER: Reingold war oft bei Ihnen, sprach sich mit Ihnen häufiger aus als mit Kamenew. Wieso wussten Sie nichts von seiner Tätigkeit?

SOKOLNIKOW: Er traf sich mit mir, doch informierte er mich nicht über seine Terrortätigkeit, und ich könnte über die Einzelheiten seiner Arbeit nichts aussagen.

VORSITZENDER: Wenn Ihnen die Einzelheiten der Terrortätigkeit Reingolds unbekannt sind, wieso ist Ihnen diese Einzelheit bekannt, dass Bakajew im November 1934 sich nach Lenin grad begab, um die Ermordung Kirows unmittelbar vorzubereiten?

SOKOLNIKOW: Ich hatte mit der Vorbereitung der Ermordung Kirows nichts zu tun, es sei denn, dass ich als Mitglied der Organisation für alle Handlungen und für alle Verbrechen der Organisation verantwortlich hin. Wenn ich von Bakajew wusste, so erklärt es sich daraus, dass Kamenew mir ihn nannte. Ich kannte Bakajew seit langem, und offenkundig hat Kamenew in einem Gespräch mir von Bakajew gesagt.

VORSITZENDER: Kamenew teilte Ihnen also damals, 1934, mit, dass im November 1934 Bakajew nach Lenin grad reiste, tun den Terrorakt gegen Kirow vorzubereiten?

SOKOLNIKOW: Dass es im November war, kann ich nicht behaupten. Ich glaube, dass hier eine Ungenauigkeit meiner ursprünglichen Aussage vorliegt. Anfang Herbst teilte mir Kamenew dies mit und nannte offenbar Bakajew. An ein späteres Gespräch kann ich mich nicht erinnern. Diese Mitteilungen hatte ich von Kamenew.

VORSITZENDER: In Ihren Aussagen vom August und September wird über Ihre Beziehungen zum vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrum unklar gesprochen. Aus einer Aussage geht hervor, dass Sie Mitglied dieses Zentrums gewesen sind, während Sie in einer anderen Aussage dies bestreiten. Haben Sie sich als Mitglied des vereinigten Zentrums betrachtet, dem Sinowjew, Kamenew u. a. angehörten?

SOKOLNIKOW: Nein, das ist offenbar irgendein technischer Fehler. Ich bin niemals Mitglied des vereinigten Zentrums gewesen. Von Anfang an war ich für das Reservezentrum vorgesehen, dazu bestimmt und hatte mich damit einverstanden erklärt, ihm anzugehören. Ich bin an keinem Beschluss des vereinigten Zentrums beteiligt, ich bin nie Mitglied des vereinigten Zentrums gewesen. Soweit ich mich erinnern kann, hat auch Kamenew bei der Konfrontation mit mir erklärt, dass ich dem vereinigten Zentrum nicht angehörte.

VORSITZENDER: Sie standen aber dem vereinigten Zentrum nahe und waren über seine Tätigkeit im Bilde?

SOKOLNIKOW: Ich stand Kamenew nahe, und er informierte mich über einige Aktionen des vereinigten Zentrums. Teilweise informierte er mich post factum.

VORSITZENDER (zu Wyschinski): Haben Sie keine Fragen?

WYSCHINSKI: Im Zusammenhang mit Ihrer letzten Frage. (Zu Sokolnikow): Wie wurde bei Ihrer Konfrontation mit Kamenew die Frage nach Ihrer Teilnahme am Block gestellt?

SOKOLNIKOW: Kamenew sagte, dass er mit mir im Sommer 1932 Gespräche geführt habe, dass sie mich nicht in das vereinigte Zentrum hatten aufnehmen wollen, in der Meinung, dass man mich erhalten müsse, da ich das Vertrauen der Partei und der Regierung genieße, mit verantwortlicher Arbeit betraut bin, nicht hochgegangen bin und auf diese Weise im Falle eines Hochgehens des vereinigten Zentrums verwendet werden könne. Soweit ich mich erinnere, sagte Kamenew damals, dass ich eben deshalb nicht in das vereinigte Zentrum aufgenommen sei, vielmehr habe man mich für das Reservezentrum bestimmt, was der Wirklichkeit entspricht.

WYSCHINSKI: Das heißt, dass Sie im Falle eines Hochgehens zur Teilnahme herangezogen werden sollen?

SOKOLNIKOW: Für den Fall, dass das vereinigte Zentrum hochgeht. An seiner Tätigkeit jedoch habe ich in keiner Weise teilgenommen und habe das auch in der Voruntersuchung ausgesagt.

WYSCHINSKI: Entspricht diese Aussage Kamenews der Wirklichkeit?

SOKOLNIKOW: Ja, ich kann ganz kategorisch erklären, dass ich dem vereinigten Zentrum nicht angehört und an seiner Tätigkeit nicht teilgenommen habe.

WYSCHINSKI: Ich habe keine Fragen mehr an Sokolnikow. Ich bitte das Gericht, Bd. VIII, Blatt 45 zu beachten, wo die Aussagen Kamenews angeführt werden sowie seine Antwort auf die an ihn gestellte Frage des Untersuchungsrichters über Verhandlungen bezüglich der Teilnahme Sokolnikows an der verbrecherischen Tätigkeit des Blocks und wo die Aussagen Kamenews folgendermaßen formuliert sind:
„In Gesprächen mit Sinowjew kamen wir beide zu der Überzeugung, dass es notwendig sei, eine führende Gruppe der trotzkistisch-sinowjewistischen Organisation für den Fall zu schaffen, dass wir hochgehen. Gerade in diesem Zusammenhang führte ich denn auch die Verhandlungen mit Sokolnikow und erhielt sein vollständiges Einverständnis.“

Bestätigen Sie das?

SOKOLNIKOW: Ja, das stimmt.

WYSCHINSKI: Ich habe keine Fragen mehr.

VORSITZENDER: Hat die Verteidigung Fragen?

DIE VERTEIDIGER (verneinen)

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