PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

VORMITTAGSSITZUNG VOM 25. JANUAR 1937

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN BOGUSLAWSKI

VORSITZENDER: Die Sitzung geht weiter. Wir kommen zum Verhör des Angeklagten Boguslawski.

VORSITZENDER: Angeklagter Boguslawski, bestätigen Sie Ihre Aussagen, die Sie in der Voruntersuchung gemacht haben?

BOGUSLAWSKI: Ja, ich bestätige sie.

WYSCHINSKI: Erzählen Sie, worin Ihre verbrecherische trotzkistische Tätigkeit in Sibirien sich äußerte.

BOGUSLAWSKI: In Sibirien begann meine Tätigkeit Anfang Februar 1928, als ich nach meinem Ausschluss aus der Partei durch den XV. Parteitag dort angekommen bin. In Nowosibirsk, wohin ich zur Arbeit kam, fanden sich einige aktive, in der Vergangenheit bekannte Trotzkisten. Dort waren: Muralow, Kroll, Sumjetzki, Surnow. Außerdem war Sosnowski in Barnaul, Smilga in Minussinsk, und bald darauf kam Radek nach Tomsk.
Ende Februar 1928 erhielt ich durch Sosnowski die Direktive Trotzkis über die Schaffung eines sibirischen trotzkistischen illegalen Zentrums. Die Aufgaben, die damals diesem Zentrum gestellt waren, liefen darauf hinaus, erstens in Sibirien maximal diejenigen Kader von Trotzkisten zu erhalten, die keinen staatlichen Repressalien ausgesetzt und Strafmaßnahmen von Parteicharakterausschluss usw. - unterzogen wurden. Zweitens auf die Zusammenfassung und Leitung der illegalen Tätigkeit der an den verschiedenen Orten Sibiriens befindlichen Trotzkisten. Drittens auf die Verbreitung von illegalen Dokumenten, in erster Linie in den Gebieten der Konzentrierung verbannter Trotzkisten, und schließlich - als letztes - auf die Organisierung von materieller Hilfe für die Trotzkisten, die sich in Sibirien in der Verbannung befanden.
Dieses Zentrum war in folgender Zusammensetzung organisiert: N. I. Muralow, als Führer des Zentrums, ich - Boguslawski, - Sumjetzki, Kroll, Surnow, Sosnowski, Beloborodow und später, nach seiner Ankunft, auch Radek.

WYSCHINSKI: Wurde das Radek mitgeteilt?

BOGUSLAWSKI: Ja, es wurde ihm mitgeteilt. Dabei wurden Fragen laufenden, nichtprinzipiellen Charakters durch diejenigen Mitglieder des Zentrums entschieden, die sich ständig in Nowosibirsk befanden, und Fragen prinzipiellen Charakters wurden auf die eine oder andere Weise durch Verständigung mit denjenigen Mitgliedern des Zentrums entschieden, die sich außerhalb von Nowosibirsk, in den verschiedenen Bezirken Sibiriens befanden. Ich spreche von der einen oder andern Weise der Verständigung. So gab es Kommandierungen von Mitgliedern des Zentrums, die sich ständig in Nowosibirsk befanden, nach denjenigen Orten, wo sich Sosnowski, Beloborodow und Radele befanden. Die nächstliegende und für uns bequemste Verbindung war Minussinsk, wo Smilga war, er gehörte nicht zum Zentrum. Ferner fanden Reisen dieser Personen Sosnowskis, Beloborodows und Radeks - nach Nowosibirsk statt, und Sosnowski zum Beispiel reiste ziemlich häufig nach Nowosibirsk. Einige Male kam auch Radek nach Nowosibirsk, auch Beloborodow kam. Wir benutzten diese Reisen und andere Methoden, um diese Frage zu entscheiden.

WYSCHINSKI: Sie haben die Mitglieder Ihres sibirischen Zentrums von 1928 aufgezählt. Haben Sie alle aufgezählt, gehörte Drobnis nicht dazu?

BOGUSLAWSKI: Drobnis war damals nicht im Zentrum. Um mit dem Zentrum zu Ende zu kommen, ist zu sagen, dass er 1934 zum Zentrum gehörte, als er in Sibirien war.

WYSCHINSKI: Mit wem hatten Sie in Moskau Verbindung?

BOGUSLAWSKI: In Moskau hatte dieses Zentrum Verbindung mit dem alten Eltzin, bis zu dessen Verhaftung.

WYSCHINSKI: Und 1929?

BOGUSLAWSKI: 1929 hatten wir in Moskau keine Verbindung. denn Eltzin war verhaftet, und wir hatten keine andere Verbindung. .

WYSCHINSKI: 1930?

BOGUSLAWSKI: Ich muss sagen, dass damals eine Unterbrechung in der Arbeit des Zentrums eintrat, weil...

WYSCHINSKI: Ich muss Sie über folgendes aufklären: die Prozessordnung besteht darin, dass ein Verhör vorgenommen wird, das Verhör besteht in Fragen und Antworten auf die Fragen, sowie in Aufklärungen, danach können die Angeklagten alles sagen, was sie wollen. Jetzt bitte ich Sie, auf die Fragen zu antworten, die mich interessieren, danach können Sie Ihre Fragen, die Sie interessieren, stellen, wenn Sie wollen. Ich frage Sie nun: hatten Sie 1929 Verbindungen in Moskau?

BOGUSLAWSKI: Nein, es gab keine Verbindung.

WYSCHINSKI: Im Jahre 1930?

BOGUSLAWSKI: Es bestand Verbindung zu Iwan Nikititsch Smirnow.

WYSCHINSKI: In welcher Eigenschaft trat Smirnow vor Ihnen auf?

BOGUSLAWSKI: Er trat vor uns 1930 als ein Mensch auf, der unser Vertrauen hatte, bei uns Autorität genoss.

WYSCHINSKI: Als Person?

BOGUSLAWSKI: Als Person.

WYSCHINSKI: Im Jahre 1931?

BOGUSLAWSKI: 1931 waren wir ebenfalls mit ihm in Verbindung, und auch persönlich.

WYSCHINSKI: Im Jahre 1932?

BOGUSLAWSKI: 1932 standen ich persönlich und andere Mitglieder des Zentrums mit Smirnow, als mit einem Mitglied des neuen Zentrums, in Verbindung.

WYSCHINSKI: Welches Zentrums?

BOGUSLAWSKI: Des vereinigten trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrums in Moskau.

WYSCHINSKI: Folglich, als das trotzkistisch-sinowjewistische Zentrum organisiert wurde, trat Smirnow als dessen Vertreter mit Ihnen in Verbindung?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Von wem erfuhren Sie, dass ein solches Zentrum organisiert worden war?

BOGUSLAWSKI: Ich erfuhr es zuerst von Smirnow.

WYSCHINSKI: War Ihnen späterhin bekannt, was das Zentrum tat?

BOGUSLAWSKI: Jawohl.

WYSCHINSKI: Von wem erfuhren Sie es?

BOGUSLAWSKI: Teilweise gleichfalls von Smirnow, teilweise von Pjatakow.

WYSCHINSKI: Wann haben Sie es von Pjatakow erfahren?

BOGUSLAWSKI: Anfang 1932.

WYSCHINSKI: In welchem Verhältnis stand Pjatakow zu dem vereinigten Zentrum?

BOGUSLAWSKI: Er gehörte nicht dem vereinigten Zentrum an, aber er war (so fasste ich es auf) auf dem laufenden über die Tätigkeit des vereinigten Zentrums.

WYSCHINSKI: Wann und wo trafen Sie mit Pjatakow zusammen?

BOGUSLAWSKI: Anfang 1932, ich entsinne mich nicht des Monats, wahrscheinlich im Februar, im Volkskommissariat für Schwerindustrie, im Kabinett Pjatakows.

WYSCHINSKI: 1932 hatten Sie nur eine Begegnung mit ihm?

BOGUSLAWSKI: Nur einmal.

WYSCHINSKI: Trafen Sie ihn in den darauf folgenden Jahren?

BOGUSLAWSKI: Jawohl.

WYSCHINSKI: Wann und wo?

BOGUSLAWSKI: 1933 gleichfalls im Volkskommissariat für Schwerindustrie, 1934 in Pjatakows Wohnung.

WYSCHINSKI: Und 1935?

BOGUSLAWSKI: 1935 traf ich ihn nicht, ich hatte 1934 meine letzte Begegnung mit Pjatakow.

WYSCHINSKI: Können Sie sich nicht entsinnen, worüber Sie mit ihm 1932, 1933 und 1934 gesprochen haben?

BOGUSLAWSKI: 1932 informierte mich Pjatakow über die Zusammenkünfte, die in Berlin zwischen Pjatakow, Smirnow und Schestow einerseits, Sedow andererseits stattgefunden haben. Er sagte mir, dass während dieser Zusammenkünfte eine Direktive Trotzkis eingetroffen war, die die Tätigkeit der Trotzkisten auf andere Weise stellte, nämlich: zur Hauptmethode der Arbeit wird der Terror, d. h. die Verübung von Terrorakten gegen die Führer der Partei und der Regierung, im weiteren aber, sie sagte er mir damals, besteht die Aufgabe darin, der Wirtschaftsarbeit der Sowjetunion alle erdenklichen Schwierigkeiten zu bereiten.
Diese Anweisung Pjatakows in bezug auf den Terror erstaunte mich nicht besonders, denn ich hatte davon schon Ende 1931 aus dem Munde I. N. Smirnows gehört. Hier muss ich über die Schaffung des neuen sibirischen Zentrums aussagen. Das fällt in das Jahr 1932.

WYSCHINSKI: Worum handelte es sich?

BOGUSLAWSKI: Das geschah in folgendem Zusammenhang. 1929 übermittelte uns Smirnow die Direktive Trotzkis, man solle, ohne die Waffen niederzulegen, ohne geistig abzurüsten, organisatorisch abrüsten, man solle erklären, dass man die Fraktionsarbeit einstelle, in die Partei zurückkehren, und dabei soweit als möglich in diesen Erklärungen irgendwelches geistige Gepäck aus dem alten trotzkistischen Arsenal beibehalten. Ich und I. N. Smirnow taten dies auch. Angesichts der neuen Direktive Trotzkis, von der ich jetzt spreche, und die mir in bezug auf den Terror durch Smirnow mitgeteilt wurde und im übrigen durch Pjatakow, tauchte die Frage auf, in der einen oder andern Form das trotzkistische sibirische Zentrum wiederherzustellen. Smirnow sagte direkt, dieses Zentrum müsse aus N. I. Muralow als Führer, ferner mir - Boguslawski - und Sumjetzki bestehen, welche Mitglieder des alten trotzkistischen Zentrums waren. Infolgedessen würde die Kontinuität in der Arbeit erhalten bleiben.
Später, 1934, wurde auch Drobnis in das sibirische Zentrum aufgenommen.
Die Arbeit bestand 1932 hauptsächlich in der Herstellung der verloren gegangenen Verbindungen und der Vorbereitung zur Organisierung von Terrorakten, wobei die unmittelbare Führung dieser Arbeit der Leiter des Zentrums, Muralow, übernahm.
Gleichzeitig tastete ich persönlich die Möglichkeiten ab, um den zweiten Teil der Direktive in die Tat umzusetzen, der die Schaffung so genannter Schwierigkeiten bei der Durchführung der Wirtschaftspolitik der Sowjetregierung und der Partei betraf. Ich war durch meine Arbeit mit den Wirtschaftskreisen Sibiriens verbunden, und diese Tätigkeit wurde mir übertragen. Damals war der Bau des Kusnetzker Metallwerkes in vollem Gange. Deshalb sollte die Schädlingsarbeit in der Industrie im Kusnetzkrevier und gleichzeitig damit im Verkehrswesen durchgeführt werden.
Als Pjatakow auch mir die Direktive über die Schaffung von Schwierigkeiten in der Wirtschaftspolitik der Partei und Regierung übermittelte, sagte er, im Kusnetzkrevier arbeite Schestow, ein Mann, den er kenne; dieser Schestow habe die Direktive, mit der Durchführung von Schädlingsakten im Kusnetzkrevier in der Koh Lenin dustrie und auf den wichtigsten Neubauten zu beginnen.
Nach meiner Rückkehr nach Nowosibirsk erzählte ich Muralow von meiner Unterredung. Er bestätigte, dass er tatsächlich Direktiven habe, und forderte mich auf, mich mit der Durchführung der Schädlingsarbeit im Verkehrswesen zu beschäftigen. Ich ging unverzüglich an diese Arbeit heran. Gleichfalls im Jahre 1932 erhielt ich durch Muralow Kenntnis davon, dass in Nowosibirsk eine Terrorgruppe unter der Leitung Chodoroses organisiert war und dass diese Terrorgruppe von ihm, Muralow, den Auftrag hatte, ein Attentat auf den Sekretär des sibirischen Landeskomitees der Partei, Eiche, vorzubereiten und, sobald sie die Anweisung dazu erhalte, dieses Attentat durchzuführen. Muralow teilte mir 1933 mit, dass außer dieser Terrorgruppe, die ich hier erwähnte, der Gruppe Chodorose, auch eine Terrorgruppe im Kusnetzkrevier geschaffen war, die die Aufgabe hatte, Attentate auf die Führer der Partei, die in das Kusnetzkrevier kämen, vorzubereiten. Muralow teilte mir ferner mit, dass der Leiter der ersten Gruppe, Chodorose, einen der Teilnehmer dieser Gruppe, Nikolai Iwanow, nach Moskau beordert habe, um Stalin zu ermorden. 1933 gründete ich Zellen an der Omsker Eisenbahn.

WYSCHINSKI: Konkret zu welchem Zweck?

BOGUSLAWSKI: Zur Durchführung aller im Verkehrswesen geplanten Maßnahmen. Ende 1933 hatte ich eine Aussprache mit dem Leiter dieser Organisation an der Omsker Eisenbahn, Finaschin, der mir mitteilte, dass die Arbeit in mehreren Depots der Omsker Bahn eingeleitet sei. Die Hauptaufmerksamkeit sei dabei auf das Lokomotivwesen gerichtet. Was die Tomsker Eisenbahn anbetrifft, so wurde dort 1933 eine Gruppe organisiert. Ihr Leiter war Obertaller, Shidkow war der Leiter der Lokomotivabteilung der Tomsker Bahn und Eidmann der Chefingenieur. Obertaller berichtete, dass auf der Tomsker Bahn die Schädlingsarbeit gleichfalls im Gange sei.

WYSCHINSKI: Wer ist dieser Obertaller?

BOGUSLAWSKI: Er war der Leiter des Eisenbahnbaus. Obertoller nannte mir die Depots, wo untere Zellen der Trotzkisten geschaffen waren und wo die Schädlingsarbeit abermals in der Hauptsache auf das Lokomotivwesen gerichtet war.
1934 geht die Tätigkeit des sibirischen Zentrums, und im Besonderen meine Tätigkeit, auf neue Gleise über. 1934 hatte ich meine zweite Begegnung mit Pjatakow, diesmal in der Wohnung Pjatakows. Pjatakow, der unsere Arbeit völlig unbefriedigend fand, stellte jetzt bereits Aufgaben, die zwar nicht neu waren, aber neuartig klangen. 1934 erschien zum ersten Mal in unserem Lexikon laut und vernehmlich das Wort „Schädlingsarbeit“.
Daraufhin sagte mir Pjatakow in demselben Gespräch, das damals stattgefunden hat, auf meine Klagen, dass wir wenig Leute hätten, erstens, dass außer Schestow im Kusnetzkrevier bereits seit zwei Jahren das Mitglied unserer Organisation, Norkin, der Leiter des Baus des Kemerowo-Kombinats, einer der Angeklagten in diesem Prozess, tätig sei und Schädlingsarbeit durchführe. Außer Schestow habe Norkin noch seine eigene Gruppe von Fachleuten und Nichtfachleuten, von denen diese Arbeit durchgeführt werde. Zugleich teilte mir Pjatakow damals, angesichts der Wichtigkeit und der Bedeutung des Kusnetzkreviers sowie angesichts der Notwendigkeit, die Arbeit dort zu verstärken, mit, dass er in nächster Zeit dorthin, ins Kusnetzkrevier Drobnis, der ebenfalls in diesem Prozess angeklagt ist, schicken werde, der sich schon mehr um die Arbeit im Kusnetzkrevier werde kümmern müssen und sich einerseits mit Norkin und andererseits mit Schestow in Verbindung setzen werde.
Aus dem gleichen Gespräch ist mir klar geworden, dass die Schädlingsarbeit im Kusnetzkrevier vom Chefingenieur des Kohlentrusts „Kusbassugol“, Stroilow, der ebenfalls in diesem Prozess angeklagt ist, durchgeführt wurde.
Als Antwort auf meine etwas deprimierte Stimmung, die durch die Verhaftung I. N. Smirnows und einer ganzen Reihe von Personen im Jahre 1933 hervorgerufen war - dieses Gespräch fand 1934 statt - sagte Pjatakow: Man muss die Arbeit entfalten, um so mehr als von Trotzki Briefe, Direktiven vorliegen. Er beschuldigt uns des Nichtstuns, das, wie er damals sagte, an die Sabotage seiner, Trotzkis, Direktiven grenzt.

WYSCHINSKI: Taten Sie 1934 etwas gemäß diesen Direktiven?

BOGUSLAWSKI: Bei einzelnen Zusammenkünften, die ich mit den Mitgliedern des Zentrums Muralow und Sumjetzki hatte, erfuhr ich, dass Drobnis mit Norkin Verbindung hergestellt hatte, dass eine ziemlich bedeutende Gruppe des ingenieurtechnischen Personals einbezogen war und dass die Arbeit dort sich entfaltet.
Was die Arbeit im Verkehrswesen anbetrifft, die ich selbst leitete, so nahm 1934 die Zahl der Unglücksfälle an der Eisenbahn bedeutend zu, sie wurden von Shidkow herbeigeführt. 1934 steigerte sich erheblich die Menge und Prozentziffer der Lokomotiven, die betriebsuntauglich wurden. Und schließlich wurde 1934 eine besonders bedeutende Schädlingsarbeit beim Eisenbahnbau, im Besonderen auf der Strecke Eiche-Sokol durchgeführt.
1934 wurde mir bekannt, dass Muralow außer den Terrorgruppen, von denen ich schon gesprochen habe, den Gruppen Chodorose und Schestow, den Direktor einer Sowjetwirtschaft, Kudrjaschew, beauftragt hatte, einen Terrorakt gegen den Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare, Molotow, zu verüben, dessen Reise nach Sibirien und im Besonderen in diese Sowjetwirtschaft erwartet wurde. Muralow erzählte mir davon.

WYSCHINSKI: Wer bereitete diesen Terrorakt vor?

BOGUSLAWSKI: Kudrjaschew, im Auftrag Muralows.

WYSCHINSKI (zu Muralow): Angeklagter Muralow, war das der Fall?

MURALOW: Zu welchem Teil der Aussagen Boguslawskis fragen Sie?

WYSCHINSKI: Mich interessiert diese letzte Aussage Boguslawskis, dass Sie, Muralow, einen Terrorakt gegen den Genossen Molotow vorbereitet haben.

MURALOW: Der Auftrag wurde nicht an Kudrjaschew, sondern an Schestow und Chodorose erteilt.

WYSCHINSKI (zu Schestow): Bestätigen Sie die Aussage Muralows, dass er Sie beauftragte, ein Attentat auf den Genossen Molotow zu organisieren?

SCHESTOW: Ja, ich bestätige es.

WYSCHINSKI (zu Boguslawski): Angeklagter Boguslawski, erklären Sie das näher.

BOGUSLAWSKI: Die Vorbereitung von Terrorakten erfolgte dergestalt, dass sie nicht in einem Ort konzentriert waren. Schestow hatte den Auftrag, den Terrorakt gegen Molotow zu organisieren, falls dieser in das Kusnetzkrevier komme, was dann auch durch den Angeklagten Arnold durchgeführt wurde. Aber gleichzeitig erhielt auch Kudrjaschew diesen Auftrag. Ich bestätige das, Kudrjaschew selbst hat mir davon erzählt. Die Organisierung von Terrorgruppen durch Schestow auf eine solche Weise, dass sie den Terrorakt an einer jeden beliebigen Stelle des Kusnetzkreviers durchführen konnten, schließt nicht aus, dass dieser Akt in der Sowjetwirtschaft vorbereitet...

WYSCHINSKI: Von wem erhielt Kudrjaschew diesen Auftrag?

BOGUSLAWSKI: Von Muralow.

WYSCHINSKI: Angeklagter Muralow, ist Ihnen Kudrjaschew bekannt?

MURALOW: Er ist mir als Direktor der Sowjetwirtschaft bekannt, die ich organisiert habe. Aber ich erkläre kategorisch. dass Kudrjaschew keinerlei Aufträge gegeben wurden.

WYSCHINSKI: War Kudrjaschew Mitglied Ihrer trotzkistischen Organisation?

MURALOW: Nein.

WYSCHINSKI: Aber Boguslawski sagt: Ja?

BOGUSLAWSKI: Ja.

MURALOW: Ich wusste nicht, dass Kudrjaschew Mitglied der Organisation war.

WYSCHINSKI: Aber Boguslawski hatte unmittelbare Verbindungen mit Kudrjaschew?

BOGUSLAWSKI: Nein.

WYSCHINSKI (zu Boguslawski): Sie wissen das also von Kudrjaschew selbst?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Ich unterstreiche nochmals, dass Sie die Episode mit Kudrjaschew jetzt lediglich nach den Worten Kudrjaschews selbst wiedergeben?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Sie haben einstweilen keine anderen Beweise?

BOGUSLAWSKI: Nein.

WYSCHINSKI: Durch wen erfuhren Sie von der Vorbereitung des Attentats auf Molotow seitens Schestows?

BOGUSLAWSKI: Durch Muralow.

WYSCHINSKI: War Ihnen das auch durch Schestow bekannt?

BOGUSLAWSKI: Nein, ich hatte keine Verbindung mit ihm.

WYSCHINSKI: Das gehörte nicht zu Ihrem Ressort?

BOGUSLAWSKI: Es gab bei uns keine Einteilung nach Ressorts.

WYSCHINSKI: Wieso gab es keine? Sie leiteten die Schädlingsangelegenheiten, Muralow leitete die Terrorangelegenheiten. Was unterstand Ihrer Leitung: der Terror oder die Schädlingsarbeit?

BOGUSLAWSKI: Die Schädlingsarbeit.

WYSCHINSKI: Und Muralow leitete den Terror?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Leitete Muralow auch die Schädlingsarbeit?

BOGUSLAWSKI: Teilweise.

WYSCHINSKI: Was war die Hauptobliegenheit Muralows?

BOGUSLAWSKI: Er war der Leiter des gesamten Zentrums und leitete außerdem diesen Teil der Arbeit.

WYSCHINSKI: Den Terror?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI (zu Muralow): Sie bestätigen das gleichfalls?

MURALOW: Ich bestätige es.

WYSCHINSKI: Gerade das habe ich gesagt. (Zu Boguslawski): fahren Sie fort.

BOGUSLAWSKI: Ich möchte, in Anbetracht des Streits, der hier entstand, noch auf einen Terrorakt hinweisen, der gegen Molotow vorbereitet war, und zwar von Seiten Shidkows, den ich vorher im Zusammenhang mit der Schädlingsarbeit erwähnt habe.

WYSCHINSKI: Woher wissen Sie von der Vorbereitung dieses Akts durch Shidkow?

BOGUSLAWSKI: Er selbst hat mir davon erzählt.

WYSCHINSKI: Wo und wann hat er Ihnen davon erzählt?

BOGUSLAWSKI: In Nowosibirsk.

WYSCHINSKI: Wann?

BOGUSLAWSKI: Das war 1934, als Molotow ... ich bitte um Verzeihung, ich habe hier unrichtige Aussagen gemacht. Ich habe mich geirrt, weitere Attentate wurden auf Molotow nicht vorbereitet.

WYSCHINSKI: Auf wen bereitete dann Shidkow ein Attentat vor?

BOGUSLAWSKI: Das war ein Attentat, das Shidkow gegen Kaganowitsch vorbereitete, aber das war später, das war 1935.

WYSCHINSKI: Und gegen den Genossen Kaganowitsch hat noch jemand anderer, außer Shidkow, ein Attentat vorbereitet?

BOGUSLAWSKI: Ja, Schestow. Er bereitete Gruppen vor, die handeln sollten, falls eines der Mitglieder der Regierung, darunter auch Kaganowitsch, nach Sibirien käme.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen bekannt, dass Bermant ein Attentat vorbereitete?

BOGUSLAWSKI: Ja. Aber Bermant war hier in Moskau.

WYSCHINSKI: Das ist ganz gleich. Wussten Sie noch von irgendwelchen Vorbereitungen von Terrorakten gegen Mitglieder der Regierung und Mitglieder der leitenden Stellen unserer Partei?

BOGUSLAWSKI: Ja. Schestow bereitete ein Attentat gegen Molotow vor.

WYSCHINSKI: Also Schestow gegen Molotow.

BOGUSLAWSKI: Shidkow gegen Kaganowitsch, Chodorose gegen Eiche.

WYSCHINSKI: Und Bermant?

BOGUSLAWSKI: Bermant sagte mir ...

WYSCHINSKI: Antworten Sie: bereitete Bermant einen Terrorakt vor oder nicht?

BOGUSLAWSKI: Er bereitete ihn vor.

WYSCHINSKI: Durch wen war Ihnen das bekannt?

BOGUSLAWSKI: Durch Bermant selbst.

WYSCHINSKI: Hatten Sie irgendeine Beziehung zu dieser Vorbereitung?

BOGUSLAWSKI: Nein.

WYSCHINSKI: Wer leitete diese Vorbereitung?

BOGUSLAWSKI: Das weiß ich nicht. Die Sache war die, dass Bermant nicht in Westsibirien, sondern in Moskau war.

WYSCHINSKI: Weshalb erzählte er Ihnen das?

BOGUSLAWSKI: Weil er mit mir in Verbindung stand und mich seit 1928 kannte.

WYSCHINSKI: Aber er stand doch offenbar nicht nur mit Ihnen in Verbindung und er mußte nicht unbedingt allen Trotzkisten davon erzählen.

BOGUSLAWSKI: Er wusste, dass ich Mitglied des Zentrums war und wusste von den vorhandenen Direktiven Trotzkis.

WYSCHINSKI: Waren Sie mit ihm, bzw. er mit Ihnen schon lange bekannt?

BOGUSLAWSKI: Seit 1928.

WYSCHINSKI: Sie standen also im Laufe einer Reihe von Jahren mit ihm in Verbindung?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Weiter.

BOGUSLAWSKI: 1935 wird die Arbeit auf beiden Gebieten fortgesetzt. Ich hatte dabei, wie ich schon sagte, keine Zusammenkünfte mehr mit den Führern des Moskauer Zentrums. Ich vergaß, zu erwähnen, dass Pjatakow 1934 in einem Gespräch in seiner Wohnung mir vom Bestehen dieses Parallel- oder Reservezentrums in der Zusammensetzung erzählte, wie es hier in dem Prozess figuriert. Er sagte, das sei durch die Verhaftung Smirnows und der anderen Mitglieder des Hauptzentrums verursacht. Das war es, was er mir von der Organisierung dieses Zentrums erzählte, aber nach 1934 traf ich niemanden mehr persönlich, und diese meine Zusammenkunft mit Pjatakow im Jahre 1934 war die letzte.

WYSCHINSKI: Setzten Sie Ihre Arbeit als Mitglied des Sibirischen Zentrums fort?

BOGUSLAWSKI: Ja, ich setzte sie fort.

WYSCHINSKI: Worin kam das zum Ausdruck?

BOGUSLAWSKI: In der gleichen Weise wie im Jahre 1935: Schädlingsarbeit im Verkehrswesen...

WYSCHINSKI: Sie haben sich also auf diesem gebiet spezialisiert?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Und wie lange?

BOGUSLAWSKI: Bis zur Verhaftung.

WYSCHINSKI: Bis unmittelbar zur Verhaftung?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Ist das alles?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI: War Ihnen Bermant seit 1928 als Mitglied der trotzkistischen illegalen Organisation bekannt? War Ihnen bekannt, dass Bermant Waffen aufbewahrt?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Was hatte er denn aufbewahrt?

BOGUSLAWSKI: Drei Revolver.

WYSCHINSKI: Hatte er Patronen?

BOGUSLAWSKI: Er hatte auch Patronen.

WYSCHINSKI: Wie viel?

BOGUSLAWSKI: Es konnten 50 oder 80 oder 100 gewesen sein.

WYSCHINSKI: Also eine recht ansehnliche Menge für einen Privatmann?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Er hatte also eine Art von kleinem Waffenlager bei sich zu Hause. Woher wussten Sie davon?

BOGUSLAWSKI: Er hatte mir das mitgeteilt.

WYSCHINSKI: War nicht die Rede davon, dass er Ihnen diese Waffen nach Sibirien senden soll?

BOGUSLAWSKI: Es bestand eine spezielle Anweisung, dass er diese Waffen nach Westsibirien schicken sollte. Er war auch auf dem Wege diese Waffen zu bringen, aber im August 1936 wurde er verhaftet und die Waffen wurden beschlagnahmt. Den Vorschlag hatte ich ihm im Juli 1936 gemacht.

WYSCHINSKI: Dank dem Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten gelang es ihm also nicht, diese Waffen zu befördern?

BOGUSLAWSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Weshalb haben Sie das bei der Vernehmung verheimlicht und nicht davon gesprochen?

BOGUSLAWSKI: Ich habe es nicht verheimlicht. Das steht in meinen Aussagen.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie mir, das nachzuprüfen. Sie wurden verhaftet...

BOGUSLAWSKI: Am 5. August 1936.

WYSCHINSKI: Begannen Sie sofort, aufrichtige Aussagen zu machen?

BOGUSLAWSKI: Nein, nicht sofort, aber bald.

WYSCHINSKI: Sie sträubten sich eine Zeitlang, weniger lange als Radek.

BOGUSLAWSKI: Ich machte meine ersten Aussagen am 14. August.

WYSCHINSKI: Sie sagten am 6. September 1936 aus, und ich finde in diesen Aussagen -- ich bitte das Gericht um die Erlaubnis, das zu verlesen, - Bd. 34, Bl. 30. Sie gingen gerade auf die Frage dieses Bermant ein. Ihnen wurde folgende Frage gestellt: „Zu welchem Zweck verpflichteten Sie den Angehörigen Ihrer Organisation, Bermant, Ihnen aus Moskau die bei ihm befindlichen Waffen zuzustellen?“ Ihre Antwort lautet: „Bermant war tatsächlich Angehöriger unserer trotzkistischen Organisation. Bis zur letzten Zeit war er organisatorisch nur mit mir persönlich in Verbindung, ich erteilte jedoch Bermant niemals den Auftrag, aus Moskau die bei ihm befindlichem Waffen zu senden.“ Frage: „Sie sagen die Unwahrheit, bei der Haussuchung am 10. August d. J. (d. h. 1936) wurden bei Bermant drei Revolver und 80 Stück scharfe Patronen beschlagnahmt. Bermant hat ausgesagt, dass er diese Waffen in Ihrem Auftrag aus Moskau mitführte.“ Antwort: „Ich gebe zu, dass es mir sehr schwer war, Bermant sofort preiszugeben, denn er war mein bester Freund.“ Trifft das zu?

BOGUSLAWSKI: Das trifft zu. Aber was bedeutet das schon ich habe doch die Aussagen gemacht.

WYSCHINSKI: Das bedeutet, dass Sie geleugnet haben.

BOGUSLAWSKI: Ja, ich habe geleugnet.

WYSCHINSKI: Das bedeutet, dass Sie nachher, als Sie überführt waren, gestanden haben.

BOGUSLAWSKI: Ich habe gestanden.

WYSCHINSKI: Ich frage Sie, weshalb Sie anfänglich geleugnet haben?

BOGUSLAWSKI: Ich habe nicht geleugnet.

WYSCHINSKI: Sie haben eben gesagt, dass Sie anfänglich leugneten, und haben dies damit begründet, dass Sie nicht Ihren besten Freund preisgeben wollten. Ist das richtig? BOGUSLAWSKI: Das ist richtig.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, hatten Sie in der letzten Zeit, in den letzten Monaten vor Ihrer Verhaftung eine ebenso feste Überzeugung von der Richtigkeit Ihrer Sache wie früher, oder schwankten Sie bereits, waren Sie bereits von einem gewissen Zweifel, einer Unruhe ergriffen?

BOGUSLAWSKI: Ich möchte sagen, dass es Zweifel und Unruhe waren.

WYSCHINSKI: Aber Sie setzten die Arbeit trotzdem fort?

BOGUSLAWSKI: Ja, ich setzte sie fort.

WYSCHINSKI: Sie machten anfänglich keinerlei Aussagen, dann begannen Sie, welche zu machen. Erklärt sich das vielleicht durch irgendwelche besondere Bedingungen Ihrer Haft,. wurde vielleicht auf Sie irgendein Druck ausgeübt?

BOGUSLAWSKI: Nein.

WYSCHINSKI: Vielleicht wurde Ihnen einfach vorgeschlagen, Sie sollten diejenigen Aussagen machen, die Sie dann später gemacht haben, um dadurch eine Erleichterung Ihres Loses herbeizuführen?

BOGUSLAWSKI: Nein.

WYSCHINSKI: Folglich haben Sie diese Aussagen vollkommen freiwillig, aufrichtig, auf Grund Ihrer inneren persönlichen Überzeugung gemacht?

BOGUSLAWSKI: Vollkommen richtig. Wenn mir das Gericht die Erlaubnis dazu gibt, möchte ich diese Motive darlegen.

WYSCHINSKI: Durch welche Motive wurden Sie, Boguslawski, ein alter Trotzkist, der sich 10 Jahre lang dem Kampf auf trotzkistischer Position gegen die Partei, gegen die Sowjetmacht gewidmet, der diese seine sowjetfeindliche trotzkistische Tätigkeit bis unmittelbar zum Tag seiner Verhaftung durchgeführt hat - durch welche Motive werden Sie bewogen, das zu sagen, was Sie gesagt haben, Menschen zu entlarven, abzurüsten usw.? Was hat Sie dazu gebracht?

BOGUSLAWSKI: Was mich dazu gebracht hat? Im Zusammenhang mit der Frage des Bürgers Staatsanwalt muss ich sagen, dass jene neun, ja sogar nur acht Tage - weil das eher am 6. als am 5. war - bis zum 14. - dass diese seit dem Augenblick meiner Verhaftung verflossenen Tage eine Zeit waren, in deren Verlauf ich, wenn man sich so ausdrücken kann, nach meiner Verhaftung zu mir gekommen bin und meine in beträchtlichem Maße, wenn auch nicht vollständig verbrecherischen Gedanken in Ordnung gebracht habe. Daraus erklärt sich dieses achttägige Leugnen.
Ich muss hier vor Gericht offen sagen, dass in den letzten Jahren, ich möchte sagen 1934/35/36 die verbrecherische Lage, in der ich mich befand, mich nicht nur beunruhigt, sondern schwer auf mir gelastet hat.
Ungeachtet meines jahrelangen Kampfes bitte ich das Gericht, mir zu glauben, dass nicht alles aus mir herausgeätzt war, was mir die Klasse, der ich entstamme, gegeben hat, die aus mir, einem obdachlosen Jungen, einen Politiker und Leiter an jenen Stellen gemacht hat, auf die mich die Partei gestellt hat.
Im Zusammenhang damit möchte ich auf die vollkommen unerträgliche und unglaubliche Fäulnis innerhalb trotzkistischen Organisation hinweisen, die ich bei jedem einzelnen Schritt fühlen mußte. Ich gebe zu, sehr vieles, was mir vorher völlig unbekannt war, ist mir erst während des Prozesses selbst, im Laufe dieser zwei Tage klar geworden. Ich kann nicht umhin, vor dem Gericht zuzugeben, welches widerwärtige, Ekel erregende Gefühl sich meiner bemächtigte, als Radek hier erzählte, wie der Block mit den Sinowjewisten noch kaum gebildet war und schon Redereien darüber begannen, dass in diesem Block der eine den andern übers Ohr hauen könnte.
Das zweite war, dass wir, die wir in der Provinz arbeiteten, absolut nicht wussten, dass hinter unserem Rücken die Verschacherung unseres Landes an das Auslandskapital vor sich ging. Teilweise erfuhr ich davon, als mir die Anklageschrift ausgehändigt wurde. Aber alles wurde für mich erst hier klar, als ich die Aussagen von Pjatakow und Radek hörte.

WYSCHINSKI: Haben das Pjatakow und Radek vor Ihnen geheim gehalten?

BOGUSLAWSKI: Sie haben ja hier selbst gesagt, dass sie die letzte Direktive Trotzkis von Ende 1935 besonders geheim gehalten und niemandem, darunter auch mir nicht, davon gesprochen haben.
Natürlich war ich auch dessen ungeachtet verpflichtet, wenigstens das zu verstehen, was jeder Arbeiter und Kollektivbauer in unserem Land versteht, nämlich wohin dies führt. Wir, die wir auf dem Standpunkt der Unmöglichkeit der Errichtung des Sozialismus in einem Land standen, die wir den Weg des Terrors und der Schädlingsarbeit beschritten haben, mussten uns Rechenschaft darüber ablegen, was wir eigentlich aufbauen wollten, wenn nicht den Sozialismus. Es gibt doch den Sozialismus und den Kapitalismus.

WYSCHINSKI: Haben Sie das damals begriffen?

BOGUSLAWSKI: Richtig, gerade davon spreche ich. Als ich verhaftet wurde, fühlte ich mich in der Lage eines Menschen, der an einem tiefen Abgrund vorbeigeht und weiß, dass er in ihn hinabstürzen muss. Im Laufe von 8 Tagen, vor meinen ersten Aussagen, war es für mich bereits ganz klar, dass es an der Zeit war, Schluss zu machen, natürlich habe ich das zu spät begriffen... Es ist wirklich alles verabscheuungswürdig, was wir getan haben, angefangen mit dieser verabscheuungswürdigen Diversionsarbeit. Es heißt: „Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken“, und diesen Kopf hätten wir abhacken müssen, aber das haben wir nicht getan. Und wir haben Schädlingsakte, Diversionsanschläge durchgeführt, um eine sichere Niederlage unserer Union herbeizuführen. Ich habe ein Verbrechen begangen.
Nur das, was ich schon gesagt habe, hat mich geleitet, unabhängig davon, dass mein Schicksal im gegenwärtigen Augenblick in die Hände des Gerichts des Sowjetstaates gelegt ist. Ich bitte das Gericht, mir zu glauben, dass nur das mich geleitet hat.

VORSITZENDER (zum Staatsanwalt): Sind noch Fragen zu stellen?

WYSCHINSKI: Nein.

VORSITZENDER: Haben die Angeklagten Fragen an Boguslawski?

DIE ANGEKLAGTEN: Nein.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis