PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

VORMITTAGSSITZUNG VOM 25. JANUAR 1937

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN DROBNIS

VORSITZENDER: Wir kommen zum Verhör des Angeklagten Drobnis. Angeklagter Drobnis, halten Sie die Aussagen aufrecht, die Sie in der Voruntersuchung und vor dem Militärkollegium des Obersten Gerichts der Union der SSR in Nowosibirsk gemacht haben?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Bestätigen Sie die Aussagen Boguslawskis, dass Sie Mitglied des Westsibirischen trotzkistischen Zentrums waren?

DROBNIS: Seit Ende Juli 1934. Mir war die Leitung der gesamten Schädlings- und Diversionsarbeit im ganzen Kusnetzkrevier übertragen.

WYSCHINSKI: Im ganzen Kusnetzkrevier?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Hatten Sie schon vorher, nach 1927, irgendeinen Anteil an der illegalen trotzkistischen verbrecherischen Tätigkeit genommen?

DROBNIS: Nach meiner Rückkehr in die Partei, 1929, begann meine trotzkistische Tätigkeit erneut Anfang 1932. Ich hatte eine Reihe von Zweifeln, die zum Ausgangspunkt meiner weiteren verbrecherischen Tätigkeit wurden. I. N. Smirnow, der von meinen Stimmungen wusste, sprach mit mir über die Notwendigkeit, die trotzkistische konterrevolutionäre Arbeit wieder aufzunehmen, über die neuen Direktiven Trotzkis, über den Übergang zur Terrortaktik. Ich stimmte dieser Einstellung Smirnows zu.
Smirnow sagte, ich müsse mit Pjatakow in Verbindung treten, der mich etwas eingehender informieren werde. Da ich 1932 eine längere Dienstreise antrat, nahm ich die Verbindung mit Pjatakow erst im Februar 1933 auf.
In Mittelasien, wo ich eine Stellung erhielt, trat ich auf Anweisung Pjatakows mit Smilga und Safonowa in Verbindung. Smilga, der mich informierte, sagte mir dabei, es komme darauf an, Terrorgruppen zu organisieren und zu entwickeln, um sie nach Moskau importieren zu können, wenn das Zentrum dies verlange.
Ich muss sagen, dass meine Arbeit in Mittelasien hautsächlich den Charakter von Dienstreisen über ganz Mittelasien trug, dass ich im Grunde genommen keinerlei Anteil an der trotzkistischen Arbeit in Mittelasien genommen habe. Ich möchte jedoch hier sagen, nicht um die ganze niederträchtige Arbeit, die ich betrieben habe, zu verringern, nicht um meine Schuld abzuschwächen, dass meine Dienstreisen in Mittelasien nicht so sehr durch den Charakter und die Notwendigkeiten meiner Arbeit, als vielmehr durch jene Zweifel hervorgerufen wurden, die ich hinsichtlich des Terrors hegte. Das ging mir irgendwie nicht in den Kopf.
Ich blieb das ganze Jahr 1933 in Mittelasien und reiste im Mai 1934 von dort ab, da ein Beschluss des trotzkistischen Zentrums vorlag, mich nach Westsibirien zu versetzen. Da Pjatakow über die Möglichkeit verfügte, mich innerhalb der Industrie zu versetzen, war diese Aufgabe ganz leicht zu lösen.

WYSCHINSKI: Pjatakow benutzte also seine Dienststellung, uni Sie dorthin zu versetzen, wo es für ihn nötig war?

DROBNIS: Nun, natürlich, selbstverständlich. 1934, bevor ich nach Westsibirien abfuhr, hatte ich eine Aussprache mit Pjatakow in dessen Arbeitszimmer. Pjatakow betonte und bestätigte die Notwendigkeit meiner Reise nach Westsibirien, um dort die trotzkistische konterrevolutionäre Tätigkeit zu verstärken. Gleichzeitig hob er eine völlig neue Aufgabe hervor: nicht nur Terror, sondern auch Diversions- und Schädlingstätigkeit.
Wie hat Pjatakow diese Aufgabe motiviert? Er sagte: Der Terror ist ein starkes Mittel, doch bei weitem nicht ausreichend. Er muss notwendigerweise durch Schädlings- und Diversionstätigkeit ergänzt werden, damit jene Errungenschaften, die die Sowjetmacht hat, untergraben werden, damit die Autorität der Stalinschen Führung untergraben wird, damit die Wirtschaft desorganisiert wird, denn die Erfolge heben die Autorität der Führung, stärken ihren Einfluss auf die werktätigen Massen, so dass wir, wenn wir jetzt unsere Energie nicht darauf umschalten, das Wirtschaftsleben unseres Landes zu desorganisieren, wir selbstredend mit Hilfe des Terrors allein nicht an die Macht gelangen können. Das ist der Grund, warum es gelte, die Arbeit im Kusnetzkrevier aufs energischste zu entfalten, wobei er betonte, dass hier aufs entschiedenste gehandelt werden müsse. Er wiederholte die bereits bekannte Äußerung: „Je schlechter, um so besser.“
Er wiederholte, dass man energisch und nachdrücklich handeln und vor keinen Mitteln zurückschrecken dürfe. Alle Mittel sind notwendig und gut - das sei die Direktive Trotzkis, die vom trotzkistischen Zentrum geteilt werde.
Pjatakow sagte auch, es sei notwendig, zu dieser Arbeit auch Fachleute aus den Reihen der ehemaligen Schädlinge und derjenigen, die konterrevolutionär gestimmt seien, heranzuziehen. Ich müsse in Westsibirien mit Schestow, Leonow und Wladimir Kossior die Verbindung aufnehmen.
Pjatakow begründete die Notwendigkeit der Diversions- und Schädlingstätigkeit ausschließlich aus inneren Erwägungen. Er hat mir weder damals noch später, bei unserer zweiten Zusammenkunft, auch nur ein Wort über die neue Einstellung, über die Verträge mit allen möglichen ausländischen Staaten gesagt, die Trotzki schließt und die das Zentrum gegenzeichnet. Er hat mir kein Wort von den bestehenden Abmachungen und Vereinbarungen über die Aufteilung des Landes usw. gesagt.
Davon habe ich erst aus der Anklageschrift erfahren, davon habe ich erst aus jenen Aussagen erfahren, die hier von Pjatakow, Sokolnikow, Radek und Serebrjakow gemacht wurden. Damals machte er ausschließlich Motive innerpolitischer Natur geltend. Ich reiste nach Westsibirien. Ich wurde darauf verwiesen, dass ich, der ich ein Mitglied des Westsibirischen Zentrums sei, mich mit dem Westsibirischen Zentrum in Verbindung setzen müsse.
Mir wurde der Auftrag erteilt, mit dem Westsibirischen Zentrum in Verbindung zu treten. Auf dem Wege nach Kemerowo, wohin ich als stellvertretender Leiter des „Kemerowokombinatstroi“ ernannt wurde, hatte ich auch eine Aussprache mit dem Leiter des Westsibirischen Zentrums, Muralow. Muralow sagte mir, dass er selbst unmittelbar die Terrorarbeit leite, dass die Gruppen Chodorose, Schestow u. a. geschaffen seien, dass Terrorgruppen in Tomsk, vor allem in den höheren Lehranstalten, bestünden. Muralow sagte auch, er leite die Schädlingsarbeit in der Landwirtschaft Westsibiriens unmittelbar. Einer seiner engsten Mitarbeiter wäre Mejertschenko, die Schädlingsarbeit im Verkehrswesen leite Boguslawski. Ich aber müsse meine Aufmerksamkeit auf die Arbeit im Kusnetzkrevier lenken.
Ich stellte Muralow die Frage, in welchem Verhältnis Rakowski zu diesem Zentrum stehe? Muralow erwiderte, Rakowski sei bis zum Augenblick seiner Abkehr nicht Mitglied des Westsibirischen Zentrums gewesen, habe jedoch in unmittelbarer Verbindung mir ihm gestanden und sei vorzüglich informiert über die neue Taktik, über die neuen Direktiven Trotzkis in bezug auf die Terror- und Diversionstätigkeit.

WYSCHINSKI: Wann trafen Sie in Kemerowo ein.

DROBNIS: Ich traf in Kemerowo entweder am 3. oder 4. August 1934 ein.

WYSCHINSKI: Traten Sie in Kemerowo mit den dortigen Trotzkisten in Verbindung?

DROBNIS: Ich bemühte mich in Kemerowo, das Vertrauen der Partei- und Sowjetorganisationen zu gewinnen, um den Verdacht und das Misstrauen zu mir zu vermindern.
Auf diese Weise muss ich sagen, dass meine beträchtlichen Anstrengungen in der Hauptsache gerade in dieser Richtung gemacht wurden. Ich war bestrebt, ein aktiver Mitarbeiter zu sein, alle mir gegebenen Aufträge durchzuführen, ich übernahm Aufträge und muss sagen, dass ich das Vertrauen der Parteiorganisationen gewann, was mir meine weitere Arbeit in beträchtlichem Maße erleichterte. Ferner muss ich sagen, dass mir bei der Verteilung der Obliegenheiten zwischen dem Leiter des Baus und seinen zwei Stellvertretern ausschließlich administrative Arbeit zufiel. Dadurch wurde meine Tätigkeit erschwert, da ich durch mein Arbeitsfeld eingeengt wurde und mir auf diese Weise der unmittelbare Zugang zum Bau, zur Montierung und Ausbeutung der im Betrieb befindlichen Unternehmungen erschwert war. Das lag in der Kompetenz von Norkin, der in diesem Prozess angeklagt ist, sowie in der des stellvertretenden Chefingenieurs Karzew, der ebenfalls verhaftet ist. Das war also in ihren Händen konzentriert, so dass es mir schwer fiel, irgendwelche Arbeit zu leisten. Auf diese Weise richtete ich meine Anstrengungen darauf, die notwendige Situation zu schaffen, um dann, nachdem ich Situation und Leute kennen gelernt hatte, mit der Anwerbung von Leuten zu beginnen. Im März 1935 wurde ich zu Pjatakow gerufen, um ihm über meine Schädlings- und Diversionstätigkeit im Kusnetzkrevier und besonders im Chemischen Kombinat von Kemerowo zu berichten. Pjatakow teilte mir mit, dass Norkin, der Leiter der Bauanlage des Kombinats, in seinem Auftrag bereits im Chemischen Kombinat von Kemerowo eine ziemlich erhebliche Schädlingstätigkeit entwickelt habe und dass sich der Chefingenieur Karzew mit dieser Arbeit befasse. In dieser Unterredung sagte Pjatakow, Trotzki fordere eine sehr energische Offensivtätigkeit, dabei betonte er, man solle sich, was die Mittel anbelangt, keine Schranken auferlegen.
Ich kehrte nach Kemerowo zurück, nahm die Verbindung mit Norkin auf, und wir entwickelten die Tätigkeit. Norkin sagte mir, er habe einen wenn auch schriftlich nicht niedergelegten Plan über Schädlingstätigkeit. Ich erhob gegen diesen Plan keinen Einspruch, und dies umso weniger, als dieser Plan in einigen Teilen in erheblichem Maße durchgeführt war.

WYSCHINSKI: Folglich der Plan, den Norkin aufgestellt und zuerst in Moskau mit Pjatakow vereinbart hat?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Wie hat er ihn vereinbart, auch - mündlich?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Durch einen Bericht?

DROBNIS: Ja, durch einen Bericht. Norkin reiste öfters nach Moskau und hatte die Möglichkeit, ihn auf diese Weise öfter zu informieren.

WYSCHINSKI: Und von wem ist Ihnen das bekannt? Von Norkin oder von jemand anderem?

DROBNIS: Von Norkin.

WYSCHINSKI: Was hat Ihnen Norkin denn konkret gesagt, worauf stützt sich Ihre Behauptung, dass der Plan vereinbart war?

DROBNIS: Das ist mir sowohl auf Grund dessen bekannt, was Norkin mir gesagt hat, wie auch auf Grund der Gespräche mit Pjatakow.

WYSCHINSKI: Was hat Norkin gesagt?

DROBNIS: Er sagte mir, dass ein solcher Plan vorliege, legte ihn mir dar und sagte, dass dieser Plan von Pjatakow gebilligt wurde und dass wir in dieser Richtung diese Arbeit entfalten sollen. Bist du damit einverstanden? Ich sagte, dass ich diesen Plan annehme.

WYSCHINSKI: Eine Frage an den Angeklagten Norkin. Angeklagter Norkin, haben Sie diesen Teil der Aussagen gehört?

NORKIN: Ich habe ihn gehört.

WYSCHINSKI: Haben Sie irgendwelche Berichtigungen?

NORKIN: Sehr geringfügige.

WYSCHINSKI: Mich interessiert eine Frage: Wurde wirklich von Ihnen ein solcher Plan der Schädlingsarbeit ausgearbeitet, und wurde dieser Plan mit Pjatakow vereinbart, oder von diesem bestätigt?

NORKIN: Ein solcher Plan, ein ausgearbeiteter Plan, wie das üblich ist, lag nicht vor.

WYSCHINSKI: Das heißt, er lag nicht in schriftlicher Form vor?

NORKIN: Er war auch nicht in den Einzelheiten ausgearbeitet.

WYSCHINSKI: Drobnis sagt, dass sie in mündlichem Gespräch mit ihm die Hauptfragen vorgemerkt hätten, die den Inhalt darstellen...

NORKIN: Das ist vollkommen richtig. Im Gespräch mit Drobnis und Karzew war wiederholt davon die Rede, wir erzählten einander von der Arbeit, wobei alles Hier mit Pjatakow vereinbart war.

WYSCHINSKI (zu Drobnis): Worin bestand der Plan?

DROBNIS: Eine der Schädlingsaufgaben des Planes war die Verzettelung von Mitteln für Maßnahmen von untergeordneter Bedeutung. Das zweite war die Behinderung des Aufbaus in der Richtung, dass wichtige Anlagen nicht zu den von der Regierung festgesetzten Fristen in Betrieb genommen werden konnten.

WYSCHINSKI: Das heißt, auch die Einhaltung der Fristen sollte hintertrieben werden?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Vor allem in den für die Landesverteidigung wichtigen Betrieben?

DROBNIS: Ja. Außerdem häufiges Umprojektieren, Verzögerung der Abrechnung mit den die Projekte anfertigenden Organisationen, was bewirkte, dass die Projekte sehr spät einliefen.
Das hat selbstverständlich das Tempo und den Fortgang des Baus verzögert. Es muss gesagt werden, dass das ziemlich geschickt geschah. So gab es z. B. für die Hauptgebäude des Stickstoffdüngerkombinats Projekte, dagegen wurden für angeblich weniger wichtige, gleichzeitig aber für die rechtzeitige Inbetriebsetzung des Werks äußerst wichtige Objekte, wie die Gasleitungen, Dampfleitungen usw., die Projekte nicht rechtzeitig angefertigt; die ständige Schererei mit den Abrechnungen mit den Projektierungsorganisationen brachte es selbstverständlich mit sich, dass die Projekte mit großer Verspätung einliefen.
In den bereits arbeitenden Betrieben des Chemischen Kokswerkes wurde absichtlich eine Reihe von Objekten unvollendet gelassen, was sich sehr störend im Betrieb des Werks auswirkte, die Qualität der Produktion herabsetzte, zur Erzeugung von Koks mit sehr hohem Feuchtigkeits- und Aschengehalt führte.
Da das Kemerowoer Kokschemische Kombinat die Uraler Industrie mit Koks versorgte, wirkte sich das seinerseits auch auf die Qualität der Metalle aus. Eine Zeitlang, im Jahre 1935, führte das sogar dazu, dass die Uraler Metallarbeiter eine Delegation wählten und nach Kemerowo schickten, um dort darauf hinzuweisen, wie sehr die schlechte Qualität des Kokses, des vom Kemerowoer Kokschemischen Kombinat erzeugten Kokses, sich auf die Qualität des Metalls auswirke, sie der Möglichkeit beraube, dort die Stachanowbewegung zu entfalten, und das Tempo der Produktion und die Arbeit der Hüttenwerke aufhalte.
Obgleich die Arbeiter des Chemischen Kokswerkes die Arbeit zu verbessern suchten, gelang ihnen das infolge der dort betriebenen Schädlingstätigkeit nicht.
Das Rayonkraftwerk war vollständig darauf vorbereitet, um in den vom Standpunkt der Schädlingsarbeit notwendigen Fällen nach Erhalt der entsprechenden Weisungen die Gruben unter Wasser zu setzen. Außerdem wurde die Heizung des Kraftwerks erschwert, da die Qualität der Kohlen den technischen Bedingungen nicht entsprach, was zu Explosionen führte.
Das geschah vollkommen bewusst.
Das sind ungefähr in großen Zügen die Maßnahmen der Schädlingsarbeit, die vorgesehen waren und durchgeführt wurden.
Außerdem wurden auch Betriebsunfälle angestiftet. Es ereigneten sich zwei Unfälle sehr ernster Natur. Zwar gab es keine Todesfälle, doch die Arbeiter erlitten ernste Verletzungen.
Was die Hilfsbetriebe anbelangt, die mir unmittelbar unterstellt waren, so wurde die Schädlingstätigkeit in bezug auf den Automobilpark betrieben. Die Arbeit lief hauptsächlich darauf hinaus, den Stillstand von Automobilen zu vergrößern, die Arbeit des funktionierenden Parks zu verringern, und im Wohnungsbau wurden die Arbeiten in einem Tempo ausgeführt, das es nicht ermöglichte, Ingenieure, Techniker und Arbeiter mit Wohnungen zu versorgen, so dass im Falle der Inbetriebnahme eine schwere und schwierige Lage eingetreten wäre. So stand es ungefähr, um mich so auszudrücken, in bezug auf Plan und Verwirklichung der Schädlingsmaßnahmen.

WYSCHINSKI: Weiter?

DROBNIS: Auf Anweisung des Zentrums hatte ich mich auch mit Schestow in Verbindung zu setzen. Schestow kam im Herbst 1935 zu mir nach Kemerowo. Bei dieser Zusammenkunft erzählte mir Schestow, welche Maßnahmen er plante, in der Hauptsache zur Hintertreibung von Grubenbauten, zur Verminderung der Kohlenförderung, nebst einer Reihe anderer Maßnahmen. Er gab mir den Rat, im Bergwerk Kemerowo den ehemaligen Schädling Peschechonow für die Schädlingsarbeit zu verwenden.
Schestow konnte offensichtlich mit dem Bergwerk Kemerowo nicht fertig werden. Deshalb mußte ich mich unmittelbar mit dieser Angelegenheit befassen. Es gelang mir, Verbindungen mit dem stellvertretenden Leiter, und dann mit Noskow, dem Leiter der Grube „Zentralnaja“, ferner mit Schubin und Kurow herzustellen und mit ihrer Hilfe die Schädlingsarbeit durchzuführen.

WYSCHINSKI: Noskow, Schubin und Kurow sind alles Leute, die in dem Kemerowoer Prozess abgeurteilt wurden?

DROBNIS: Ja. Bei derselben Gelegenheit teilte mir Schestow mit, dass entweder durch Stroilow unmittelbar oder durch irgend jemand anderen, ich erinnere mich jetzt nicht, wahrscheinlich wird Schestow mich berichtigen, wenn ich es ungenau sage - er hat mir aber gesagt, dass sie eine Verbindung mit ausländischen Fachleuten haben, die dazu herangezogen wurden...

WYSCHINSKI: Das hat Ihnen Schestow gesagt?

DROBNIS: Ja, Schestow, der wegen Diversions- und Schädlingstätigkeit vor Gericht gestellt ist.

WYSCHINSKI: Hat Ihnen Schestow Namen genannt?

DROBNIS: Nein, er hat mir keine Namen genannt, er hat mir Peschechonow genannt, der im Kemerowoer Bergwerk arbeitet:

WYSCHINSKI: Aber in bezug auf Verbindungen mit ausländischen Fachleuten hat er keine Namen genannt?

DROBNIS: Nein, Namen hat er nicht genannt.

WYSCHINSKI: Sie haben auch später diese Namen nicht erfahren?

DROBNIS: Nein, später habe ich einen Namen erfahren, aber nicht von Schestow. Ich muss sagen, dass ich, nachdem ich bei Pjatakow gewesen war, der von mir forderte, verstärkt und energischer die Arbeit zu betreiben, und darauf hinwies, dass die Arbeit unzureichend sei - darüber mit Schestow sprach und ihm sagte, dass in Kemerowo eine Lücke eingerissen ist, dass dort keinerlei Arbeit geleistet wird. Noch bevor ich das Noskow sagte, meldete mir Noskow, dass sie eine Verbindung mit Peschechonow hätten. Stroilow hat Peschechonow die Weisung erteilt, sich mit den trotzkistischen Organisationen, die im Bergwerk bestehen, in Verbindung zu setzen. Mich fragte Noskow, wie ich mich zu dieser Sache verhalte. Ich sagte, dass das durchaus zulässig und notwendig sei, da die Weisungen Trotzkis und des Zentrums derart seien, dass man alle Kräfte dazu mobilisieren müsse, um den empfindlichsten und stärksten Schlag zu versetzen.
In einer unserer Unterredungen teilte mir Noskow mit, Peschechonow habe ihm gesagt, dass er den deutschen Ingenieur Stickling für die Schädlingsarbeit in die Organisation mit ein-bezogen habe.

WYSCHINSKI: Das ist derselbe Stickling, der im Kemerowoer Prozess vor Gericht stand?

DROBNIS: Ja. Ich antwortete Noskow: das ist gut. Auf diese Weise wurde die Arbeit auch im Bergwerk Kemerowo entfaltet.
Von Noskow wurde dort eine Reihe von Maßnahmen, hauptsächlich Maßnahmen zur Unterbindung der Stachanowbewegung vorgesehen. Es muss gesagt werden, dass auch im Arbeitsplan des Kemerowokombinatstroi die Frage der Unterbindung der Stachanowbewegung einen großen Platz einnahm. Im Bergwerk entfaltete sich eine Zeitlang gleich am Anfang die Stachanowbewegung nicht schlecht, dann nahm das Tempo der Entfaltung dieser Bewegung etwas ab und als die Parteiorganisationen die Aufgabe stellten, die Stachanowbewegung zu heben, konzentrierte unsere konterrevolutionäre Organisation ihre Anstrengungen darauf, dies zu verhindern. Die zweite Aufgabe bestand in der Senkung der Kohleförderung, ferner in der Beschädigung der Ventilation, in der Vergasung der Gruben und in der Organisierung von Explosionen.
Im Juli 1935 berichtete mir Noskow, dass er Vorbereitungen zu Explosionen in der von ihm geleiteten Grube „Zentralnaja“ getroffen habe. Ich billigte das.

WYSCHINSKI: Wann sagte er, die Explosion in der Grube „Zentralnaja“ vorbereitet zu haben?

DROBNIS: Diese Unterredung mit ihm fand Anfang oder Mitte Juli 1936 statt.

WYSCHINSKI: Erörterten Sie die Frage, unter welchen Bedingungen/diese Explosion vor sich gehen sollte?

DROBNIS: Noskow sagte, dass eine solche Schädlingsmaßnahme, wie die Vergasung von Gruben, zur Explosion führen und Opfer an Menschenleben nach sich ziehen müsse. Ich sagte: Was macht das, man muss auch das in Kauf nehmen. Das wäre sogar gut, denn das wird Erbitterung bei den Arbeitern hervorrufen und uns ermöglichen, ihre Sympathien für uns zu gewinnen.

WYSCHINSKI: Sie haben also diesen Plan Noskows, die Grube zu sprengen, nicht nur gebilligt, sondern gaben auch ihre Zustimmung, in einer Weise zu verfahren, dass dabei unmittelbar Arbeiter ums Leben kommen mussten?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Mit allen Konsequenzen?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Sie sagten, es könne nicht anders abgehen, als dass Arbeiter ums Leben kommen.

DROBNIS: Ich fragte Noskow: lässt sich ein solcher Schädlingsanschlag ohne Menschenopfer durchführen? Er sagte mir, das sei ausgeschlossen. Darauf sagte ich, man könne hier keine Umstände machen, man müsse das in Kauf nehmen.

WYSCHINSKI: Wie erklärten Sie das?

DROBNIS: Ich sagte, dass... dass es nötig sei... ich habe schon gesagt, dass es nötig sei, auch das in Kauf zu nehmen, - dass dies sogar... und wenn es sogar Menschenopfer verursacht, dies wiederum eine Erbitterung der Arbeiter hervorrufen werde und dass dies von Nutzen für uns wäre.

WYSCHINSKI: Das ist doch aber nicht das, was Sie hier zu behaupten versuchten. Sie haben hier gesagt, dass Sie Noskow fragten: lässt es sich nicht ohne Menschenopfer auskommen? Aus Ihren Worten geht hervor, dass Sie nicht nur Opfer nicht vermeiden wollten, sondern, umgekehrt, der Meinung waren, je mehr Opfer es gäbe, desto besser wäre es für Sie.

DROBNIS: Ja, nun ja, ungefähr.

WYSCHINSKI: Nun, ich verstehe, dass es Ihnen doch peinlich ist, das hier vor dem Volk auszusprechen. Solche Dinge auszusprechen, ist peinlich. Aber da ist nichts zu machen. Sie sagten also, man solle sich dadurch nicht abbringen lassen.

DROBNIS: Das sagte ich.

WYSCHINSKI: Und das bedeutet, wenn dabei Arbeiter umkommen, so sollen sie eben umkommen. Sie ermutigten Noskow?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Sie ermutigten ihn zur Ermordung von Arbeitern und sagten sogar: je mehr Morde, desto besser wird es sein. Habe ich Sie richtig verstanden?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Ich übertreibe hier also nichts?

DROBNIS: Sie übertreiben ein wenig.

WYSCHINSKI: Wollen wir versuchen die Sache aufzuklären, uns zu erinnern. Sie sagten Noskow, je mehr Opfer es geben werde, umso besser.

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Inwiefern übertreibe ich dann?

DROBNIS: Ich habe in diesen Begriff nicht den Sinn hineingelegt, dass er mehr morden soll.

WYSCHINSKI: Sie dachten, dass, wenn Sie „mehr“ sagen, er in diesen Begriff den Sinn „weniger“ hineinlegen würde, Sie so verstehen würde, dass Sie die Zahl zu verringern wünschten?

DROBNIS: Ich wollte sie verringern...

WYSCHINSKI: Aber Sie sagten, sollen es möglichst viele sein, und begründeten sogar, weshalb es nötig wäre, dass mehr Opfer fielen. Sie sagten, mag es sogar mehr Opfer geben, so wird es bei den Arbeitern Erbitterung hervorrufen. Wenn es mehr Opfer gibt, ist dann die Erbitterung geringer?

DROBNIS: Nein, umgekehrt.

WYSCHINSKI: Ist die Erbitterung umso größer, je mehr Opfer es gibt?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Wollten Sie das?

1)ROBNIS: Ja, im Grunde wollte ich das.

WYSCHINSKI: Wollten Sie es „im Grunde“, oder wollten Sie es? Sprechen Sie offen.

DROBNIS: Ich bestätige voll und ganz die Aussagen, die ich während der Voruntersuchung gemacht habe.

WYSCHINSKI: Was heißt bestätigen? Sie stehen vor Gericht und können jetzt Aussagen machen, aber nicht die alten bestätigen.

DROBNIS: Ich winde mich nicht, ich bestätige voll und ganz meine früheren Aussagen.

WYSCHINSKI: Haben Sie mit Noskow über die Vorbereitung der Explosion der Grube „Zentralnaja“ gesprochen?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Hat Noskow Ihnen, oder haben Sie Noskow die Frage gestellt, wie es mit den Menschen sein soll? Wer hat die Frage gestellt?

DROBNIS: Noskow.

WYSCHINSKI: Er hat Sie gefragt, wie es mit den Arbeitern sein soll? Stimmt das?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Aber Sie haben zuerst gesagt, dass Sie gefragt hätten, ob es nicht ohne Opfer ginge. Was haben Sie geantwortet?

DROBNIS: Ich sagte, man müsse darauf eingehen.

WYSCHINSKI: Was heißt: „darauf“?

DROBNIS: Darauf, dass Arbeiter geopfert werden sollen.

WYSCHINSKI: Was heißt „geopfert“?

DROBNIS: Das heißt: ermordet.

WYSCHINSKI: Und womit haben Sie es begründet?

DROBNIS: Je mehr Opfer, desto besser.

WYSCHINSKI: Für wen?

DROBNIS: Für die Schädlingsarbeit.

WYSCHINSKI: Für die Trotzkisten?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Weshalb?

DROBNIS: Weil dies bei den Arbeitern Erbitterung gegen die Sowjetmacht auslösen konnte.

WYSCHINSKI: Bestand Ihre Aufgabe darin, bei den Arbeitern Erbitterung gegen die Sowjetmacht auszulösen?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Und zu diesem Zweck wollten Sie auf jegliche Mittel eingehen, bis zur Ermordung von Arbeitern?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Was übertreibe ich nun da?

DROBNIS: Gar nichts.

WYSCHINSKI: Dann wurde diese Explosion durchgeführt?

DROBNIS: Ich wurde am 6. August verhaftet, die Explosion aber fand am 23. September statt.

WYSCHINSKI: Aber Sie haben die Explosion sanktioniert?

DROBNIS: Ich gab meine Zustimmung Ende oder Mitte Juli.

WYSCHINSKI: Folglich hat Ihre Verhaftung die Durchführung der Explosion nicht verhindert, weil Noskow in der Grube geblieben war?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Und konnte man sie verhindern?

DROBNIS: Verhindern? Natürlich konnte man das.

WYSCHINSKI: Wer konnte sie verhindern?

DROBNIS: Ich konnte sie verhindern.

WYSCHINSKI: Sie haben sie nicht verhindert?

DROBNIS: Ich habe sie nicht verhindert.

WYSCHINSKI: Die Explosion wurde durchgeführt?

DROBNIS: Ja.

WYSCHINSKI: Ich habe keine weiteren Fragen.

VORSITZENDER: Angeklagter Drobnis, gaben Sie Noskow Ratschläge, auf wen man diese Diversions- und Schädlingsakte abwälzen müsse, falls alles herauskäme?

DROBNIS: Ja.

VORSITZENDER: Welche Anweisungen gaben Sie Noskow, falls die Frage der Verantwortung gestellt würde?

DROBNIS: Die ganze Schuld auf die parteilosen Spezialisten abzuwälzen.

VORSITZENDER: Obwohl sie nicht das Geringste damit zu tun hatten?

DROBNIS: Nun ja, das versteht sich von selbst.

VORSITZENDER: Die Sitzung wird bis 6 Uhr abends vertagt.

 

(Unterschrift)

Der Vorsitzende:
Vorsitzender des Militärkollegiums des
Obersten Gerichtshofes der UdSSR
Armee-Militärjurist W. Ulrich

Der Sekretär:
Militärjurist I. Ranges A. Kostjuschko

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