PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

ABENDSITZUNG VOM 25. JANUAR 1937

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN SCHESTOW

DER GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, ich bitte die Anwesenden, sich zu erheben.

VORSITZENDER: Wir gehen zum Verhör des Angeklagten Schestow über.

WYSCHINSKI: Angeklagter Schestow, erzählen Sie möglichst kurz von Ihrer verbrecherischen Tätigkeit.

SCHESTOW: Meine verbrecherische Tätigkeit begann Ende 1923. Als Student der Arbeiterfakultät der Moskauer Bergbauakademie verteidigte ich aktiv die trotzkistische Plattform.
1924 betrog ich die Partei zum ersten Mal, als ich im Herbst in einer Parteiversammlung erklärte, dass ich mich vom Trotzkismus abkehre. Ende 1925 begann ich wieder aktiv gegen die Partei zu kämpfen. Ich wurde damals mit der Leitung einer illegalen Druckerei beauftragt. Ich vervielfältigte trotzkistische Literatur.
1930 war ich in Nowosibirsk tätig und 1931 wurde ich nach Moskau kommandiert. Etwa gegen Ende Februar erfuhr ich, dass eine große Gruppe von Direktoren nach Deutschland reisen soll. Ich war Mitglied der Verwaltung des Trust „Wostokugol“, setzte mich mit dem Vorsitzenden der Verwaltung in Verbindung und bat ihn, mir behilflich zu sein, damit ich nach Deutschland reisen könne. Ich hörte schon damals, dass Pjatakow diese Gruppe leiten wird. Die Reise wurde mir erlaubt, Anfang Mai war ich bereits in Deutschland.
Ich muss ein wenig zurückgreifen und sagen, dass ich 1926 einige persönliche Zusammenkünfte mit Trotzki hatte. Im selben Jahr kam ich auch mit Pjatakow wiederholt zusammen. Anfang Mai oder Mitte Mai war ich also in Berlin.
Ich war bei Pjatakow im Arbeitszimmer unter vier Augen mit ihm und richtete an ihn, nach dem offiziellen Gespräch, die Frage: „Wie soll man Ihre in der Presse veröffentlichte Erklärung auffassen? Ist das das Resultat einer wirklichen Abkehr vom Trotzkismus oder ist das ein erzwungener Schritt?“
Pjatakow fragte mich: Hast Du die neueste Literatur gelesen, die in Berlin verkauft wird? Ich sagte, dass ich hoffe, mich mit ihr bekannt zu machen. Was aber die aufgeworfene Frage betreffe, sagte Pjatakow, so rate er mir, über dies Thema mit I. N. Smirnow zu sprechen.
Ich tat das denn auch. Nach etwa zwei Tagen setzte ich mich mit Smirnow in Verbindung.
Smirnow sagte mir damals folgendes: Jetzt hat sich die Situation in der Sowjetunion schroff geändert und Sie werden wohl begreifen, dass der Kampf mit offenem Visier unmöglich ist. jetzt besteht die Aufgabe der Trotzkisten darin, das Vertrauen der Partei zu gewinnen und dann von neuem mit verdoppelter und verdreifachter Kraft vorzustoßen.
Er sagte mir, dass in Berlin Verhandlungen im Gang sind und kein Zweifel darüber bestehe, dass zur Zeit unserer Abreise in die Sowjetunion neue programmatische und taktische Fragen, der letzte, neueste Kurs, wie er sich ausdrückte, ausgearbeitet sein werden.
Er fragte mich, ob ich mich an Sedow erinnern könne? Ich sagte, dass ich mit Sedow nicht in organisatorischer Verbindung gestanden habe, mich jedoch daran erinnere, dass ich im Jahre 1926 auf mehreren konspirativen Versammlungen im Baumannrayon anwesend war, an denen Sedow teilnahm, und dass ich ihn vom Sehen kenne. Er sagte mir: Sedow hat auch eine Vorstellung von dir.
Smirnow riet mir, mich über den neuen, jüngsten Kurs mit Sedow eingehend auszusprechen. Ich erklärte mich gern dazu bereit. Bei der Zusammenkunft mit Sedow richtete ich an ihn die Frage, was denn unser Führer Trotzki denke, welche konkreten Aufgaben er uns, Trotzkisten, stelle. Sedow begann damit, dass es keinen Zweck habe, dazusitzen und auf schön Wetter zu warten; man müsse mit allen Kräften und Mitteln eine aktive Politik der Diskreditierung der Stalinschen Führung und der Stalinschen Politik in Angriff nehmen.
Ferner sei sein Vater, erklärte Sedow, der Ansicht, dass der einzig richtige Weg, ein schwieriger, aber sicherer Weg, der Weg der gewaltsamen Beseitigung Stalins und der Führer der Regierung durch Terror sei.
Ich bemerkte ihm darauf, dass das teilweise richtig sei, da wir wirklich in eine Sackgasse geraten sind. Man müsse daher entweder die Waffen strecken oder neue Wege des Kampfes vorzeichnen.
Als er sah, dass seine Worte mich gewinnen, leitete er das Gespräch auf ein neues Thema über. Er fragte mich, ob ich nicht jemanden von den Direktoren der deutschen Firmen, und im besonderen Dehlmann kenne. Ich sagte, dass ich mich an einen solchen Namen erinnern kann, dass dies der Direktor der Firma „Dehlmann-Fröhlich-Klüpfel“ sei. Diese Firma leiste vertragsgemäß technische Hilfe bei der Grubenabteufung im Kusnetzkrevier. „Nun - sagte Sedow - rate ich Ihnen eben, sich mit dieser Firma in Verbindung zu setzen und mit Herrn Dehlmann Bekanntschaft zu schließen.“
Ich fragte ihn, wozu diese Verbindung notwendig sei. Er sagte, dass diese Firma helfe, Korrespondenz in die Sowjetunion zu befördern. Da sagte ich ihm: „Raten Sie mir etwa, dass ich mit dieser Firma irgendeine Abmachung treffe?“ Er sagte: „Was ist denn Schreckliches dabei, Sie werden doch begreifen, dass, da sie uns Dienste erweisen, auch wir ihnen Dienste erweisen, gewisse Informationen liefern können.“
Ich sagte: „Sie schlagen mir ganz einfach vor, ein Spion zu sein.“ Er zuckte die Achseln und sagte: „Sie werfen zu Unrecht mit solchen Worten um sich. Im Kampf die Frage mit solcher Skrupelhaftigkeit zu stellen, wie Sie es tun, ist falsch.“
Wenn Sie den Terror akzeptieren, wenn Sie die Diversions- und Zerstörungstätigkeit in der Industrie akzeptieren, dann kann ich absolut nicht verstehen, warum Sie nicht darin einwilligen können. Ich sagte darauf, es fällt mir schwer, diese Frage zu entscheiden, ich werde hierüber mit I. N. Smirnow sprechen und Ihnen dann die eine oder andere Antwort geben. Daraufhin hatte ich ein Gespräch mit Sedow darüber, dass ich ihn, Sedow, wahrscheinlich noch einmal werde treffen müssen. Er fragte mich, wann ich in die Sowjetunion reise. Ich erwiderte, dass das für den Herbst vorgesehen ist. Er sagte, das ist sehr gut, ich kann einige Briefe befördern, insbesondere an Muralow, es wird dem Alten sehr angenehm sein, eine Nachricht von Lew Dawidowitsch zu erhalten. Darauf frage ich ihn, wie kann ich Sie aber erreichen? Er sagt mir, ich werde Sie mit einem verlässlichen Menschen zusammenbringen, durch den Sie mich immer erreichen können. Für dieses Mal war meine Unterredung mit Sedow im Restaurant „Nikolai“ zu Ende, und wir fuhren nach Berlin. Unweit vom Wittenberg-Platz verließen wir das Auto und begaben uns in das Restaurant „Baltimore“, wo wir ein Tischchen besetzten. Sedow entfernte sich für einige Zeit und kam dann mit einem Menschen zurück, der als Kellner gekleidet war und den er mir als Herrn Schwarzmann vorstellte. Mich empfahl er als Aljoscha. Wir sahen einander an, und Sedow sagte, wenn es nötig ist, mich zu erreichen, dann kann Herr Schwarzmann diesen Auftrag ausführen. Damit war das Gespräch zu Ende, weil Sedow sagte, dass man sich an diesem Ort nicht lange aufhalten darf.
Anfang Juni 1931, nachdem ich alles von Smirnow und Sedow Gehörte verdaut hatte, kam ich zu dem Schluss, dass es zu einem Rückzug zu spät sei. Smirnow und andere kannten mich als überzeugten Trotzkisten, umso mehr, als der persönliche Umgang mit Sedow, Smirnow und Pjatakow uns einander noch näher brachte, und ich entschied daher die Frage für mich so, dass ich mit meinen Führern zusammengehen werde.
Zwischen dem 10. und 20. Juli kam ich mit Smirnow zusammen und er richtete an mich die direkte Frage: „Nun, in welcher Stimmung bist du?“ Ich sagte ihm, dass es bei mir keine persönliche Stimmung gebe, sondern dass ich handle, wie unser Führer Trotzki lehrte: Hände an die Hosennaht, und warte auf Befehle. Smirnow sagte damals, dass die Verhandlungen abgeschlossen seien, dass ein endgültiger Beschluss gefasst worden ist und dieser Beschluss auf folgen hinausläuft: erstens, dass Pjatakow bewiesen habe, dass die Industrialisierung, die von der Stalinschen Regierung durchgeführt wird, Fiasko erlitten habe, dass die Betriebe unrentabel seien, dass sie ohne bedeutende staatliche Subsidien nicht existieren können, dass diese großen Unkosten als unerträgliche Last auf die Schultern der Arbeiterklasse drücken werden, dass wir das volle moralische Recht haben, Unterwühlungs- und Zerstörungstätigkeit zu betreiben und alle feindlichen Kräfte, im besonderen die Schicht des konterrevolutionär gestimmten Teils der Ingenieure zu dieser Arbeit heranzuziehen. Ferner ging er zur Frage des Terrors über. Er sagte, dass der Beschluss gefasst worden sei, auf dem Wege der Organisierung von Morden, auf dem Wege der Organisierung von Gewaltakten gegen Stalin, sein Politbüro und seine Regierung an die Macht zu gelangen. Nachdem er von mir eine bejahende Antwort dahingehend erhalten hatte, dass ich mein volles Einverständnis zur Durchführung dieser Arbeit gebe, sagte er, die praktischen Anweisungen sowohl über den Terror als auch über die Unterwühlungsarbeit wirst du von Pjatakow bekommen. Er schickte sich an wegzugehen, doch fragte ich ihn darauf gleich: Gestatten Sie, Iwan Nikititsch, Sedow hat mich angewiesen, mich mit der Firma „Dehlmann-Fröhlich-Klüpfel“ in Verbindung zu setzen. Er hat mir direkt gesagt, dass ich mich mit der Firma in Verbindung setzen soll, die im Kusnetzkrevier Spionage- und Diversionstätigkeit betreibe. Ich sagte darauf, dass ich zum Spion und Diversanten werde, er entgegnete mir jedoch: „Hör doch auf. mit so großen Worten wie Spion und Diversant um dich zu werfen.“ Er sagte auch, dass das Wort Terror jedem überzeugten Trotzkisten verständlich sei und unsere Leute hierüber keine besonderen Diskussionen anfangen werden. Werde man ihnen aber die Frage der Zerstörungs- und Unterwühlungstätigkeit stellen, so werde nicht jeder darauf eingehen, es werden Diskussionen beginnen, die Zeit aber vergeht und man muss rascher handeln. Was ist denn für dich schon Erstaunliches dabei, wenn wir es für möglich halten, die Stalinsche Führung zu stürzen und sämtliche konterrevolutionäre Kräfte des Kusnetzkreviers zu mobilisieren. Er sagte: „Was findest du denn Schreckliches daran, wenn zu dieser Arbeit deutsche Diversanten herangezogen werden sollen“, um so mehr, als man bei uns in der Sowjetunion die deutschen Fachleute umwirbt und buchstäblich auf alles hört, was sie sagen. Im Gespräch mit mir wandte er mir gegenüber eine Reihe anderer Worte an. Er redete mir zu, dass es keinen anderen Weg gehe. Wir brauchen eine sehr feste Verbindung mit Trotzki und seinem Büro, deshalb müssen wir, ob wir wollen oder nicht, unsere Einwilligung geben. Nach diesem Gespräch willigte ich ein, Verbindungen mit der Firma aufzunehmen.

WYSCHINSKI: In welchem Jahre war das?

SCHESTOW: Das war zwischen dem 10. und 20. Juni 1931.

WYSCHINSKI: Fanden beide Zusammenkünfte im Jahre 1931 statt?

SCHESTOW: Ja, im Frühjahr.

WYSCHINSKI: Sie blieben dann noch in Berlin?

SCHESTOW: Ich blieb noch bis Anfang November im Ausland überhaupt. Ich fuhr nach London.

WYSCHINSKI: Und kamen Sie dann, bevor Sie hierher abreisten, mit Sedow zusammen? Suchten Sie überhaupt Zusammenkünfte mit Sedow?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und führten Sie bei diesen Zusammenkünften ähnliche Gespräche mit ihm, oder haben Sie von etwas anderem gesprochen?

SCHESTOW: Wie ich gleich damals mit ihm vereinbart habe...

WYSCHINSKI: Es ist nötig, dass Sie diese Frage kurz beantworten. Sie erzählen sehr viele Einzelheiten, die uns in diesem Moment, wie es mir scheint, nicht besonders interessieren. Ich frage Sie, hatten Sie, als Sie in Berlin blieben, bis November 1931 noch Zusammenkünfte mit Sedow oder nicht?

SCHESTOW: Ja, ich hatte mit ihm noch zwei Zusammenkünfte.

WYSCHINSKI: Um welche Frage ging die erste Zusammenkunft?

SCHESTOW: Die erste Zusammenkunft ging darum, dass ich ihm kurz von den Gesprächen erzählte, die später mit Smirnow und Pjatakow stattgefunden hatten. Ich erzählte ihm kurz, wie ich die Entfaltung der Terror- und Unterwühlungsarbeit praktisch zu beginnen beabsichtige und wer zu dieser Arbeit herangezogen werden soll. Er sagte mir damals, dass er mich beauftragen werde, einen Brief für Muralow und Pjatakow mitzunehmen.

WYSCHINSKI: Und nachher, bei der zweiten Zusammenkunft?

SCHESTOW: Wir vereinbarten damals, dass ich diese Briefe von ihm in Schuhsohlen versteckt bekommen werde.

WYSCHINSKI: Sie haben hier bereits gesagt, dass Sie zwei Schuhe bekamen, in denen Briefe versteckt waren, und dass Sie diese nach Moskau brachten. Das haben Sie hier schon gesagt.

SCHESTOW: Nein, ich habe vor Ihnen folgendes noch nicht ausgesagt. Ich hatte mit Pjatakow eine Zusammenkunft Mitte Juni 1931, als Pjatakow die Aufgaben konkretisierte, die im Kusnetzkrevier vor mir stehen.

WYSCHINSKI: Wo fand diese Zusammenkunft statt?

SCHESTOW: In Berlin.

WYSCHINSKI: In Berlin?

SCHESTOW: Ja. Die zweite Zusammenkunft...

WYSCHINSKI: Was konkretisierte er Ihnen?

SCHESTOW: Er sprach mit mir auch von der Notwendigkeit, Maßnahmen durchzuführen, die es ermöglichen würden, die Industrialisierung des Landes einzustellen, eben einzustellen. Er sagte mir desgleichen: „Du persönlich wirst mit dem Terroranschlag gegen Eiche betraut.“

WYSCHINSKI: Hat er Ihnen das noch in Berlin gesagt?

SCHESTOW: Ja, diesen Auftrag zu einem Terroranschlag und zur terroristischen Tätigkeit erhielt ich von Pjatakow in Berlin. Er sprach auch von der Notwendigkeit, alle feindlichen Kräfte und im besonderen Ingenieure und Techniker heranzuziehen. Er sagte ausdrücklich, dass sich Menschenmaterial im Kusnetzkrevier, und darunter konterrevolutionär gestimmte Elemente in genügender Zahl finden würden.

WYSCHINSKI: Hat es dann noch Zusammenkünfte mit Sedow nach der Zusammenkunft mit Pjatakow gegeben?

SCHESTOW: Ich habe die Frage nicht verstanden.

WYSCHINSKI: Hatten Sie nach dieser Zusammenkunft mit Pjatakow noch eine Zusammenkunft mit Sedow?

SCHESTOW: Ich habe von ihr bereits gesprochen. Diese Zusammenkunft war eben im Oktober.

WYSCHINSKI: Gut. Ist das alles?

SCHESTOW: Damit waren meine Unterredungen im Jahre 1931 mit der Führung der trotzkistischen Organisation abgeschlossen.

WYSCHINSKI: Dann begaben Sie sich über Moskau nach dem Kusnetzkrevier?

SCHESTOW: Ja, im November reiste ich nach dem Kusnetzkrevier, hatte aber, in Ausführung der Aufträge Sedows und Smirnows Verhandlungen mit der Firma „Dehlmann-Fröhlich-Klüpfel“.

WYSCHINSKI: Welche Aufträge hatten Sie, und wie haben Sie sie ausgeführt?

SCHESTOW: Ich hatte vor der Abreise eine Unterredung mit dem Direktor der erwähnten Firma, Dehlmann, und seinem Stellvertreter Koch.

WYSCHINSKI: Worin bestand das Wesentliche dieser Unterredung?

SCHESTOW: Das Wesentliche dieser Unterredung mit den Leitern der Firma „Dehlmann-Fröhlich-Klüpfel“ war folgendes: erstens Beförderung von Spionageinformationen durch im Kusnetzkrevier arbeitende Vertreter dieser Firma und Organisierung der Schädlings- und Diversionsarbeit zusammen mit den Trotzkisten: Es wurde auch davon gesprochen, dass die Firma ihrerseits uns Unterstützung erweisen werde.

WYSCHINSKI: Wer brachte das vor?

SCHESTOW: Das brachte bei der Unterredung der Direktor der Firma, Dehlmann, vor, ein Freund Sedows.

WYSCHINSKI: Sie sprachen mit ihm von der verbrecherischen Diversionsarbeit im Kusnetzkrevier?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Sagte Ihnen Dehlmann, mit welchen Mitteln die Firma Unterstützung erweisen werde?

SCHESTOW: Er sprach davon, dass sie schon ihre Leute haben...

WYSCHINSKI: Wo?

SCHESTOW: Im Kusnetzkrevier. Und dass sie auf Verlangen unserer Organisation noch Leute dorthin schaffen können, während die trotzkistische Organisation diesen Diversanten jegliche Hilfe erweisen werde. Die Firma ihrerseits übernimmt es, die Verbindung zu bewerkstelligen mit der trotzkistischen Organisation in der Sowjetunion, darunter auch mit mir...

WYSCHINSKI: Das einerseits - und anderseits?

SCHESTOW: Und anderseits mit Sedow. Dass diese Firma sich verpflichtet, die an mich gerichteten Briefe mit dem Vermerk „Aljoscha“ so wie die in umgekehrter Richtung gehenden Briefe in einwandfreier Weise zuzustellen, dass sie den Machtantritt der Trotzkisten in jeder Weise fördern wird, während wir mit der Firma einen Vertrag über Projektierung der Grubenabteufungen und über eine ziemlich bedeutende Vergebung von Einrichtungsaufträgen abschließen werden. Bei der gleichen Gelegenheit wurde mir gesagt, dass sie im Kusnetzkrevier ihren Agenten Stroilow haben und dass ich mich nach meinem Eintreffen mit diesem Stroilow in Verbindung zu setzen habe.

WYSCHINSKI: Es interessiert mich, warum diese Firma, die ihre Unterstützung für den Machtantritt versprach, an einem Vertrag zur Abteufung der Gruben interessiert war.

SCHESTOW: Zu jener Zeit war der Vertrag mit ihr gekündigt worden.

WYSCHINSKI: Sie haben also Ihre Hilfe versprochen?

SCHESTOW: Ja, ich habe meine Hilfe bei dem Abschluss eines neuen Vertrags versprochen.

WYSCHINSKI: In wessen Namen haben Sie das versprochen?

SCHESTOW: Im Namen der trotzkistischen Organisation.

WYSCHINSKI: Das war inoffiziell, konnten Sie aber offiziell irgendeine Hilfe leisten?

SCHESTOW: Ich bekleidete damals Stellung eines Mitglieds der Verwaltung der „Wostokugol“, konnte daher zweifellos eine entsprechende Hilfe leisten.

WYSCHINSKI: Haben Sie es auch offiziell als Verwaltungsmitglied der „Wostokugol“ versprochen?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Aus dem Grunde, weil der Vertrag zu jener Zeit gekündigt war?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Hat Ihnen das Dehlmann gesagt?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Dass Stroilow sich im Kusnetzkrevier befindet?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und dass er ein Agent Dehlmanns ist?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und hat es Sie nicht interessiert, in welcher Weise Stroilow, der sich im Kusnetzkrevier befand, Dehlmanns Agent geworden ist?

SCHESTOW: Vorher lebte Stroilow ziemlich lange in Deutschland.

WYSCHINSKI: Sie wussten das?

SCHESTOW: Ja, ich wusste es.

WYSCHINSKI: Sie wussten es. Jedenfalls eine spezielle Unterredung darüber hatten Sie nicht?

SCHESTOW: Nein, ich habe es als wahrscheinlich angenommen.

WYSCHINSKI: Eine spezielle Unterredung hatten Sie diesmal mit Dehlmann nicht?

SCHESTOW: Nein. Es hieß, dass Leute, die aus Deutschland kommen werden, sich an die Adresse Stroilows wenden und seinen Weisungen gemäß auf die Bergwerke verteilt werden.

WYSCHINSKI: Als was arbeitete Stroilow?

SCHESTOW: Als Leiter einer der Verwaltungen.

WYSCHINSKI: Warum mussten Leute, die Dehlmann zu Ihnen nach dem Kusnetzkrevier zu schicken hatte, zu Stroilow kommen und nicht direkt zu Ihnen?

SCHESTOW: Erstens hatte ich bei der Unterredung mit Dehlmann gesagt, dass ich nicht deutsch spreche. Zweitens musste es für Stroilow als Fachmann bequemer sein, mit Fachleuten zu tun zu haben. Drittens hatte ich mir bereits damals den Plan für die Unterwühlungsarbeit zurechtgelegt und mir vorgenommen, mich nach einem der Hauptbergwerke des Kusnetzkreviers, nach Prokopjewsk zu begeben.

WYSCHINSKI: Und wo arbeitete Stroilow?

SCHESTOW: Stroilow arbeitete im Zentralapparat des Trusts „Kushassugol“ in Nowosibirsk. Ich sagte Dehlmann, dass dies eben durch Stroilow, über Nowosibirsk organisiert werden müsse.

WYSCHINSKI: Sie waren also der Ansicht, dass es über Nowosibirsk bequemer sei, diese Operation durchzuführen, als, sagen wir, über Prokopjewsk?

SCHESTOW: Zweifellos.

WYSCHINSKI: Hatten Sie dann noch eine Zusammenkunft mit dieser Firma?

SCHESTOW: Jawohl, doch wurde nicht über Diversionen und Spionage gesprochen.

WYSCHINSKI: Die Unterredung war also eine offenmütige?

SCHESTOW: Ja, es war eine unverblümte Unterredung.

WYSCHINSKI: In welcher Sprache ging die Unterredung vor sich?

SCHESTOW: Er sprach deutsch, ich russisch. Dolmetscher war Koch, der vorher ziemlich lange in der Sowjetunion gelebt hatte und sich ziemlich frei verständigen konnte.

WYSCHINSKI: War Koch gut über diese Sache informiert?

SCHESTOW: Ja, er war der nächste Gehilfe und war im Donezrevier Vertreter dieser Firma.

WYSCHINSKI: Sowohl in den Betriebsangelegenheiten der Firma als auch in allen übrigen?

SCIIESTOW: Zweifellos.

WYSCHINSKI: Weitere Unterredungen über dieses Thema, über Diversion und Spionage, hatten Sie mit Dehlmann nicht?

SCHESTOW: Nein.

WYSCHINSKI: Nachher fuhren Sie nach der Sowjetunion?

SCHESTOW: Nein, ich reiste Anfang November 1931 ab.

WYSCHINSKI: Und wann fuhren Sie nach England?

SCHESTOW: Mitte November 1931.

WYSCHINSKI: Vor der Unterredung mit dieser Dehlmannschen Firma oder nachher?

SCHESTOW: Ich schloss die Unterredung mit der Firma ab und fuhr dann nach England.

WYSCHINSKI: Dann kehrten Sie aus England zurück und begaben sich nach der UdSSR?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wie lange waren Sie auf der Rückreise in Berlin?

SCHESTOW: Etwa drei Wochen lang.

WYSCHINSKI: Und während dieser drei Wochen hatten Sie keine Zusammenkünfte mehr mit Dehlmann?

SCHESTOW: Möglicherweise hatte ich auch welche. Aber ich wiederhole, dass ich mit ihm über das Thema Diversion und Spionagearbeit keine Unterredung mehr hatte.

WYSCHINSKI: Hatten Sie, aus England zurückgekehrt, während des dreiwöchentlichen Aufenthalts in Berlin, Zusammenkünfte mit Pjatakow, Sedow oder Smirnow?

SCHESTOW: Nein, damals war Pjatakow nicht dort, Smirnow war auch nicht dort.

WYSCHINSKI: Sedow aber war dort?

SCHESTOW: Gegen Ende Oktober hatte ich zwei Zusammenkünfte mit Sedow.

WYSCHINSKI: Jetzt ist alles begreiflich, und dann fuhren Sie mit diesen Schuhen und mit den Briefen nach der Sowjetunion?

SCHESTOW: Ganzrecht. Ich brachte die Schuhe glücklich durch und bestellte die Briefe.

WYSCHINSKI: Das haben wir bereits gehört. Wohin begaben Sie sich dann?

SCHESTOW: Nach dem Kusnetzkrevier, nach Nowosibirsk.

WYSCHINSKI: Nach der Unterredung mit Pjatakow, über die Sie früher ebenfalls ausgesagt haben?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Kurz, worin bestand diese Unterredung mit Pjatakow? Wir haben das bereits gehört, wir brauchen das nur für den Zusammenhang in Ihrer Darstellung.

SCHESTOW: Die Unterredung war sehr kurz, ich übergab den Brief, er wünschte mir Erfolg, damit war das Gespräch zu Ende.

WYSCHINSKI: Wurde über Dehlmann gesprochen?

SCHESTOW: Nein. Auch bei der zweiten Zusammenkunft habe ich das nicht getan.

WYSCHINSKI: Aus welchen Erwägungen?

SCHESTOW: Für mich war die Frage klar, dass Smirnow Auftrag gegeben hat...

WYSCHINSKI: Sie hielten es einfach nicht für notwendig?

SCHESTOW: Ganz recht.

WYSCHINSKI: Und war Smirnow damals in Moskau?

SCHESTOW: Dessen kann ich mich nicht erinnern. Smirnow riet mir nicht, mich mit ihm einzulassen, und sagte, dass ich, sogar falls Briefe auf seinen Namen kommen, sie Pjatakow übergehen soll.

WYSCHINSKI: Ich verstehe, mich interessiert folgende Frage: haben Sie sich mit der Firma Dehlmann im Aufträge Smirnows und Sedows in Verbindung gesetzt?

SCHESTOW: Ja.

WYSCFMNSKI: Gelangten Sie mit dieser Firma zu einer Vereinbarung?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Smirnow war zur Zeit Ihrer endgültigen Verabredung mit der Firma nicht in Berlin? Sedow haben Sie, außer im Oktober, nicht getroffen? Haben Sie ihm von Dehlmann erzählt?

SCHESTOW: Ja, ich habe ihm von ihm erzählt.

WYSCHINSKI: Smirnow aber, der Ihnen diesen Auftrag erteilte, wusste nicht, wie Sie diesen Auftrag ausgeführt haben?

SCHESTOW: Nein.

WYSCHINSKI: Als Sie in Moskau ankamen, hielten Sie es nicht für nötig, Smirnow aufzusuchen und ihm zu erzählen, wie Sie den Auftrag ausgeführt haben?

SCHESTOW: Nein. Das war nicht notwendig. Ich erinnere mich an die Worte Smirnows, dass ich mich ohne Notwendigkeit mit ihm nicht in Verbindung setzen soll. Die Notwendigkeit dazu bestand aber nicht.

WYSCHINSKI: Das heißt also aus konspirativen Erwägungen?

SCHESTOW: Ausschließlich.

WYSCHINSKI: Dann sind Sie ins Kusnetzkrevier gefahren?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Fahren Sie fort.

SCHESTOW: In Nowosibirsk angekommen, setzte ich mich mit Muralow in Verbindung.

WYSCHINSKI: Davon haben Sie auch schon gesprochen.

SCHESTOW: Ja. Ich möchte aber eine wesentliche Richtigstellung der Aussagen Muralows vornehmen: Als ich ihm die Briefe aushändigte, erstattete ich ihm einen ausführlichen Bericht, insbesondere über die Verbindung mit Pjatakow, Sedow und Smirnow, darunter auch über die Verbindung mit dieser Spionage-Firma. Als ich ihm diese Mitteilung machte, sagte Muralow, dass möglicherweise meine Hilfe bei der Dechiffrierung dieses Briefes nötig sein werde und bat mich daher, am anderen Tag in die Obskaja-Straße zu kommen. Ich kam um 10 Uhr abends in diese Straße. Muralow war bereits dort.

WYSCHINSKI: Was befand sich in dieser Obskaja-Straße?

SCHESTOW: Das ist eine Uferstraße...

WYSCHINSKI: War das ein vereinbarter Platz, lag dort irgendjemandes Wohnung?

SCHESTOW: Nein, wir trafen uns einfach an der Straßenecke. Bei einer der ersten Zusammenkünfte trafen wir uns ebenfalls in dieser Straße und verabredeten daher dieses Mal an die gleiche Stelle zu kommen.

WYSCHINSKI: Sie haben sich also verabredet?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Über Tag und Stunde?

SCHESTOW: Ich habe ihm heute den Brief übergeben, er sagte: komm morgen.

WYSCHINSKI: Also war die Zeit vereinbart?

SCHESTOW: Ja, ich sagte schon, um 10 Uhr abends.

WYSCHINSKI: Um 10 Uhr abends kamen Sie in die Obskaja-Straße und dort erschien auch Muralow?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Fahren Sie fort.

SCHESTOW: Muralow sagte mir, dass er das Privatbrieflein des Alten, Lew Dawidowitsch, schon dechiffriert habe, damit fertig geworden sei, dass aber von diesem langen Brief, von dieser Arithmetik seine Augen schmerzen. Er bat mich, diesen Brief zu dechiffrieren. Dabei übergab er mir gleich diesen Brief und den Schlüssel zu dieser Chiffre. Ich war drei Tage lang mit der Dechiffrierung dieses Briefes beschäftigt.
So dass, vor allem, damals zwei Briefe eintrafen, einer von Trotzki und ein Brief vom Auslandsbüro, den ich persönlich dechiffrierte. Der Sinn dieses Briefes besteht in folgendem. Es war der Beschluss des Auslandsbüros für die Mitglieder des Unions-Zentrums. Der Brief bestand aus drei Teilen. Der erste Teil war die Einleitung, in der in äußerst schwarzen und düsteren Farben die innere Lage in der Sowjetunion umrissen wurde... sprach davon, dass der Eisenbahnverkehr zerrüttet sei, dass die Landwirtschaft degradiere usw. usf. Was für eine Schlussfolgerung sei nun daraus zu ziehen? Es hieß, dass jetzt in breitestem Umfang die Zerstörungs- und Unterwühlungsarbeit entfaltet werden müsse, wobei man sich auf die gleichen Erwägungen berief, über die ich schon aussagte, von denen mir Sedow sprach, von denen mir Pjatakow sprach, von denen mir Smirnow sprach.
Im zweiten Teil war davon die Rede, dass die bestehende Führung - Stalin und das Stalinsche Politbüro - auf gewaltsamem Wege beseitigt werden muss. Gleichzeitig wurde in diesem Brief die Ausübung von gruppenweisen Terroranschlägen empfohlen.

WYSCHINSKI: Sie haben das dechiffriert und Muralow mitgeteilt?

SCHESTOW: Ich habe es Muralow übergeben.

WYSCHINSKI: Wann?

SCHESTOW: Ich kam mit Muralow drei Tage später zusammen und übergab ihm den Brief.

WYSCHINSKI: Was geschah weiter?

SCHESTOW: Weiter begann ich die konkrete operative Arbeit. Ich begann mit der Werbung des Ingenieurs Stroilow. Ich kam zu ihm in die Wohnung und stellte die Frage direkt. Ich sagte ihm, dass mir seine Verbindung mit der Firma „Dehlmann-Fröhlich-Klüpfel“ bekannt sei. Deshalb sagte ich ihm geradeheraus, dass er die Waffen nicht niederzulegen brauche, sondern dass man wiederum aktiv auf der Linie der Zerstörungs- und Unterwühlungsarbeit tätig sein müsse. Es war mir nicht so wichtig, Stroilow allein anzuwerben, für mich war wichtig, seine Gesinnungsgenossen anzuwerben. Ich wusste, dass er bei einer Reihe von Ingenieuren großes Vertrauen genießt und hegte keine Zweifel darüber, dass sie auch durch konterrevolutionäre Arbeit miteinander verbunden sind. Ich warnte ihn: denken Sie nur nicht daran, der GPU etwas über mich mitzuteilen, ich habe im Land Westsibirien Autorität genug, niemand wird Ihnen Glauben schenken. Wenn ich aber das, was mir bekannt ist, über Ihre Arbeit mitteilen werde, wird man Sie zweifellos unverzüglich verhaften.
Stroilow war bestürzt und sagte, dass er mir morgen Antwort geben wird. Am nächsten Tag sagte Stroilow, dass er bereit sei, sich an unserer Organisation zu beteiligen. Ich sagte ihm, dass wir uns in unserer Unterwühlungs- und Zerstörungstätigkeit nicht zersplittern sollen und dass wir unsere ganze Arbeit auf die drei wichtigsten Bergwerke, auf das Anshersk-Sudshensk-Bergwerk, das Lenin sker und Prokopjewsker Bergwerk konzentrieren müssen. Was das Kemerowoer Bergwerk anbelangt, so besprachen wir damals mit ihm, dass wir dieses Bergwerk kurz halten werden und da wir über Leute im Apparat des Kusbassugol verfügen, bestrebt sein werden, dieses Bergwerk nicht zu entwickeln, mit dem Zwecke, die chemische Industrie ihrer lokalen Brennstoffbasis zu berauben, dass wir dort keine Leute brauchen und diese Arbeit im Apparat des Trustes Kusbassugol durchführen werden. Die Hauptrichtlinie war damals, dass die Unterwühlungs- und Zerstörungstätigkeit einerseits Stroilow und andererseits die trotzkistische Organisation, die ich gründen werde, betreiben wird. Stroilow sollte einen Plan in folgender Richtung aufstellen:

  1. Den Bau neuer Gruben sowie die in Angriff genommene Rekonstruktion der alten Gruben lahm zu legen.
  2. Bestrebt zu sein, die Bauarbeiten auf den neuen Gruben und auf den zu rekonstruierenden Gruben derart zu organisieren, dass die neuen Objekte in Teilen in Betrieb gesetzt werden. Wir hatten dabei im Auge, die Meisterung der projektierten Produktionskapazitäten hinauszuzögern.
  3. Derartige Systeme des Kohlenabbaus einzuführen, bei denen maximale Verluste erreicht werden können und unter-irdische Brände entstehen sollen.
  4. Die absichtliche Vereitelung der Vorbereitung neuer Horizonte und neuer Grubenfelder mit dem Ziel, nicht nur der Schächte- und Grubenwirtschaft des Kusnetzkreviers einen empfindlichen Schlag zu versetzen, sondern auch der Hüttenindustrie des Urals und Westsibiriens.
  5. Die absichtliche Lahmlegung der Vorbereitungsarbeiten mit dem Ziel, ein Missverhältnis zwischen den Säuberungs- und den Vorbereitungsarbeiten zu schaffen.
  6. Die Zerstörung der Maschinen, insbesondere jener, die unmittelbar mit der Heranschaffung, Transportierung und Ablagerung der Kohle beschäftigt sind, durch wirksamere Maßnahmen zu verstärken. Durch diese Akte beabsichtigten wir nicht nur den Plan der Kohlenförderung lahm zu legen, sondern auch die Erbitterung der Arbeiter hervorzurufen.
  7. Schließlich das Letzte - die Sabotage des Stossbrigadlertums, später die Sabotage der Stachanowbewegung und die Schikanierung der Arbeiter.

Wie wir mit Stroilow vereinbart hatten, sollte er diesen Plan nach einzelnen Objekten, im Januar, Februar aufstellen. Ich kam zu jener Zeit nach Nowosibirsk. Stroilow zeigte mir den Plan. Ich prüfte ihn. Diesen Plan berichtete ich Muralow und gab ihn dann wieder zurück; das heißt, ich hatte den ganzen Plan sehr gut im Kopf, ebenso wie Stroilow. Wir sind alte Kohlenfachleute, uns sind alle Löcher im Kusnetzkrevier bekannt; wir sagten, dass der Plan bestätigt worden ist, jetzt gelte es zu handeln, und bestimmten die Leute, die diesen Plan durchführen sollten. Für das Anshersk-Sudshensk-Bergwerk sollte Stroilow den Chefingenieur Andrejew heranziehen. Ferner war dort mein Freund, der alte Trotzkist Oleschko, der die Unterwühlungsarbeit sichern sollte.
Was Prokopjewsk anbelangt, so übernahm ich die Unterwühlungsarbeit in den neuen Grubenbauten selber. Was die Ausbeutung anbelangt, so kamen wir zu dem Schluss, dass dazu Owsjannikow herangezogen werden müsse. Wir waren deshalb dieser Meinung, weil Owsjannikow, der zwar noch nicht in unserer Organisation war, den Typus eines Verwalters darstellte, der alles den Ingenieuren überlässt, sich selbst um die Arbeit nicht kümmert und leicht zu einem Trotzkisten gemacht werden kann. Stroilow und ich haben alle Schritte unternommen, um Owsjannikow dorthin zu versetzen. Zur selben Zeit sprach ich über Owsjannikow mit der Leitung, mit Kokin und Moissej Lwowitsch, der mir dabei half. Damals führten wir auch solche Gespräche, dass Schewtschenko mit einem so aufblühenden Bergwerk, wie dem Prokopjewsker, nicht fertig werde. In der Tat war Schewtschenko dafür nicht genügend geeignet und so kam es, dass Owsjannikow im Mai 1932 nach Prokopjewsk kam. Jetzt gehe ich zu dem über, was wir auf Grund dieses Plans getan haben.

WYSCHINSKI: Was hat Ihnen denn Stroilow Positives gegeben?

SCHESTOW: Wie ich bereits gesagt habe, er hat den Plan aufgestellt, und dieser ausgearbeitete Plan wurde bestätigt, wir haben uns verständigt und so weiter.

WYSCHINSKI: Sie sagten, dass er ihn am nächsten Tag geben wird?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie haben die Sache sofort angefangen?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI (zu Stroilow): Angeklagter Stroilow, ich möchte diesen Teil der Aussagen Schestows überprüfen. Waren Sie lange in Deutschland?

STROILOW: Über ein Jahr.

WYSCHINSKI: Wie sind Sie dort angeworben worden?

STROILOW: Nicht von der Firma „Dehlmann“, sondern vom Ingenieur Wüster. Er war ein bekannter Ingenieur, der in der Gesellschaft sehr angesehen war. Er sagte mir, dass er mit bestimmten politischen und industriellen Kreisen in Verbindung steht. Er hat mich angeworben.

WYSCHINSKI: In welcher Eigenschaft?

STROILOW: In der Eigenschaft eines Menschen, der zugunsten Deutschlands Schädlingszerstörungen durchführen soll.

WYSCHINSKI: Zugunsten welcher Institution? Der Staat ist der Staat, der Staat hat aber verschiedene Organe. Um es einfach zu sagen, Sie waren mit dem deutschen Spionagedienst verbunden?

STROILOW: Unmittelbar?

WYSCHINSKI: Nein, über diesen Ingenieur Wüster.

STROILOW: Mit Hilfe anderer?

WYSCHINSKI: Wenn auch mit Hilfe anderer.

STROILOW: Ja.

WYSCHINSKI: Was hat damit die Firma „Dehlmann“ zu tun?

STROILOW: Die Firma „Dehlmann“ kannte mich auch.

WYSCHINSKI: Kannte Sie auch oder hat Sie auch angeworben?

STROILOW: Nein, angeworben hat mich Wüster. Aber offenkundig wusste die Firma „Dehlmann“ von meiner Anwerbung durch Ingenieur Wüster.

WYSCHINSKI: Und deshalb hatte die Firma „Dehlmann“ das Recht, Sie als ihren Menschen zu betrachten. So ist das zu verstehen?

STROILOW: Ebenso konnten das auch andere Firmen tun, wenn Wüster ihnen meinen Namen mitgeteilt hätte.

WYSCHINSKI: Also ist das, was Schestow hier gesagt hat, richtig oder nicht?

STROILOW: Im Grunde genommen hat mich nicht Dehlmann, sondern Wüster angeworben, aber an sich ist es richtig.

WYSCHINSKI: Und die zweite Frage: Als Schestow aus dem Ausland im Kusnetzkrevier eintraf, war er tatsächlich damals bei Ihnen in der Wohnung und hat Ihnen gemeinsame Schädlingstätigkeit vorgeschlagen?

STROILOW: Ja. Jetzt über Schestow. Als er mich in meiner Wohnung aufsuchte, erwiderte auf meinen mit Befremden geäußerten Hinweis, dass ich der trotzkistischen innerparteilichen Arbeit fern stehe und dass es mir unverständlich sei, von welchem Kontakt zwischen mir, einem parteilosen Ingenieur und der trotzkistischen Organisation die Rede sein kann, dass diese Frage, die Frage der innerparteilichen Arbeit, das Überbleibsel einer abgeschlossenen Etappe sei, und dass jetzt ihnen von den Trotzkisten und den Deutschen die gleichen Aufgaben gestellt wurden wie mir. Es besteht da keinerlei Unterschied.

WYSCHINSKI: Sie haben sich damit einverstanden erklärt?

STROILOW: Ja, ich ließ mich überzeugen. Das, wovon Schestow sprach, ist eine Schädlings- und Diversionstätigkeit, die im Grunde genommen nichts mit irgendwelchen Ideen gemein hat, wovon er mit mir ebenfalls sprach, wobei er sich im besonderen auf den Ramsin-Prozess berief - er sei ein ebensolcher Schädling wie ich.

WYSCHINSKI: Das war es, was Sie überzeugt hat?

STROILOW: Nein, nicht das hat mich überzeugt. Überzeugt hat mich der Umstand, dass ich seinen Charakter kannte...

WYSCHINSKI: Welchen Charakter?

STROILOW: Er hätte mich der GPU ausgeliefert. Ich fürchtete mich einfach.

WYSCHINSKI: Er zwang Sie durch Terror?

STROILOW: Er hat das auch so gesagt. In dieser Hinsicht hat er Recht.

WYSCHINSKI: Also, was hat er Ihnen denn gesagt, wodurch hat er Sie bezwungen?

STROILOW: Sozusagen durch Überrumpelung. Er wies auf die Firma hin, der ich vor der Ankunft Schestows gewisse Hilfe erwies.

WYSCHINSKI: Worin bestand die Hilfe?

STROILOW: Die Hilfe bestand darin, dass diese Firma, die gewisse Arbeiten in der UdSSR, in Solikamsk und im Kusnetzkrevier ausführte, ihren Vertrag erneuern und im besonderen Neuarbeiten in Angriff nehmen sollte. Deshalb führte ich die technischen Konsultationen, die ich bezüglich des Abteufens der Schächte Schtscheglowskaja und Plowuny - führte ich diese Konsultation unter großer Begünstigung der Firma „Dehlmann“ im Vergleich zur Firma Thyssen durch.

WYSCHINSKI: Haben Sie dafür etwas bekommen?

STROILOW: Nein, absolut nichts.

WYSCHINSKI: Warum haben Sie denn das getan, um ihrer schönen Augen willen?

STROILOW: Nein, nicht um der schönen Augen willen. Vor diesem Zeitpunkt ereigneten sich eine Reihe von Umständen; die mich zwangen, das zu tun.

WYSCHINSKI: Erzählen Sie von den wichtigsten, wesentlichsten Momenten. Was waren das für Momente?

STROILOW: Das waren eine Reihe von wichtigen, wesentlichen Momenten.

WYSCHINSKI: Warum haben Sie solche Begünstigung umsonst erwiesen?

STROILOW: Bürger Staatsanwalt, das wird bereits eine Antwort dem Wesen der Sache nach sein, ich werde viel erzählen müssen.

WYSCHINSKI: Die Firma hatte Sie in Händen? Wie sind Sie in ihre Klauen geraten?

STROILOW: In ihre Klauen bin ich geraten auf Empfehlung zweier Deutscher: von Berg und Dehlmann. Das waren Personen, wie soll ich sagen, die mich umstrickt haben. Die Methode, die sie dabei anwandten, bestand darin, dass von Berg die Beschuldigung gegen mich erhob, ich hätte bei der Einladung ausländischer Fachleute bei der Besichtigung der Grube mich mit kommunistischer Agitation beschäftigt.
Ich mache kein Hehl daraus, dass ich überhaupt über die schönen Seiten des Lebens bei uns in der Sowjetunion, über die Fragen der Lebensweise, der Gewerkschaftsbewegung usw. gesprochen habe. Berg wies darauf hin, dass ihm mein Gespräch mit den Arbeitern bekannt ist. Es gab Fälle, wo ich mit den Arbeitern Gespräche führte.

WYSCHINSKI: Haben Sie in Wirklichkeit kommunistische Agitation betrieben?

STROILOW: Nein. Es war uns kategorisch verboten, uns in irgendeine politische Arbeit im Ausland zu mischen, doch sagte Berg, dass es zwei Fälle gab, wo ich bei der Anwerbung voll Fachleuten über Politik sprach. Ich erinnere mich, dass einmal während eines solchen Empfangs von Fachleuten. zwei Zivilpersonen aus der deutschen Kriminalpolizei erschienen.

WYSCHINSKI: Das heißt der Geheimpolizei?

STROILOW: Sie waren in Zivil, der Teufel mag das wissen. Das war in Anwesenheit eines der Genossen, des Kommunisten Fritsch, der mit ihnen Verhandlungen führte. Der zweite Fall aber war, wie ich bereits sagte, eine für Deutsche unerhörte Sache, dass sie den Pass prüfen. Bei ihnen ist das in dieser Beziehung sehr leicht. In Dortmund aber kam im Vestibül des Hotels ein gewisser Herr, ebenfalls in Zivil, auf mich zu und verlangte mir meinen Pass ab. Deshalb begriff ich, auf Grund der Worte von Bergs und dieser beiden Fälle, von denen der eine sich vor dem Gespräch mit Berg, der andere nach demselben abspielte, dass hier irgendeine Beobachtung, irgendeine Einschüchterung vorliegt. Hauptsächlich aber stolperte ich darüber, dass ich bei einem Gespräch im September anlässlich des Besuchs bei der Firma „Walram“, die harte Legierungen herstellt und sich in besten Beziehungen zu Krupp befindet, während des Frühstücks ein schlechtes Gespräch mit Berg geführt hatte. Weder von meiner Seite noch von seiner Seite wurden konterrevolutionäre Dinge gesagt. Berg aber, als er sah, dass ich mit dem Fünfjahrplan und allem, was bei uns durchgeführt wird, vollkommen einverstanden bin, sagte mir: „Sie sagen das deshalb, weil Sie jung sind, ich aber, der ich fünfzehn Jahre in Rußland gelebt habe, kenne die Stimmungen und die Lage ausgezeichnet. Und Sie würden auch andere Töne anschlagen, wenn Sie Herrn Trotzki läsen.“ Ich muss gestehen, dass ich daraufhin Trotzkis Buch „Mein Leben“ gelesen habe. Bei einem Besuch von Bergs fragte er mich plötzlich: „Haben Sie das Buch gelesen?“ Ich sagte, ich habe es gelesen.

WYSCHINSKI: Was für ein Buch?

STROILOW: „Mein Leben“.

WYSCHINSKI: Woher wusste er, dass Sie dieses Buch lesen sollen?

STROILOW: Er hat es mir empfohlen. Das ist das Buch „Mein Leben“, beginnend mit der Zeit um 1917.

WYSCHINSKI: Weiter.

STROILOW: Ich sagte, dass ich es gelesen habe. Er fragte mich, ob es mir gefallen habe. Ich antwortete, dass vom literarischen Standpunkt er es als Journalist gut geschrieben habe, dass es mir aber vom Standpunkt des endlosen „Ichs“ nicht gefallen habe.
Auf einer meiner Reisen ins Ruhrgebiet erschienen Dehlmann sen., sein Sohn und Ingenieur Wegemann von der Firma „Eickhof“ bei mir im Hotel. Das Gespräch drehte sich darum, dass wir Russen überhaupt und ich, Herr Stroilow, im besonderen, die Gastfreundschaft der Deutschen, die uns die Möglichkeit geben, überall herumzukommen, alles zu studieren usw., überhaupt nicht schätzen, dass wir ihnen mit schwarzem Undank zahlen. Die Russen verlegen ihre Aufträge nach England und Amerika. Sie forderten, dass ich in der technischen Presse und in der Handelsvertretung ihre Produktion auf jede Weise propagieren soll. Ich erwiderte darauf, dass das nicht von mir abhängt. Schließlich gingen sie einfach zu Drohungen über - es ist uns, sagten sie, bekannt, dass Sie in der UdSSR eine gewisse Anzahl von Leuten empfangen haben, die unsere Vertreter sind. Ich sagte darauf, dass ich davon nichts wisse. Sie nennen irgendwelche Leute. Ja, das ist Tatsache, die habe ich empfangen. Sie sagen: „Es ist uns bekannt, dass Sie kommunistische Agitation treiben.“ Ich sagte darauf, dass das völlig unrichtig ist.
Sie stellten mich vor das Dilemma: eines von beiden: entweder verbieten wir Ihnen jedwede Besichtigung oder wir stecken Sie bei irgendeiner Ihrer nächsten Reisen ins Gefängnis. Soll sich Ihre Handelsvertretung um Sie kümmern, sie wird aber Ihretwegen keinen Konflikt vom Zaun brechen.
Daraufhin gingen sie wieder zur Frage über, dass „wir letzten Endes eine gute Firma sind. Wenn Sie uns empfehlen werden, ist nichts Verdächtiges dabei“. Daraufhin habe ich ihnen Hilfe erwiesen.

WYSCHINSKI: Immerhin ist das kein ausreichender Grund dafür, um Agent des Spionagedienstes zu werden.

STROILOW: Natürlich ist das nicht ausreichend, Agent des Spionagedienstes wurde ich im April 1931. Dieses Gespräch aber, das ich eben wiedergebe, fällt in die Zeit von Anfang November oder Ende Oktober 1930.

WYSCHINSKI: 1930?

STROILOW: Ja.

WYSCHINSKI: Es ist also nicht die letzte Etappe?

STROILOW: Nein.

WYSCHINSKI: Ich sprach aber von der letzten Etappe.

STROILOW: Soll ich von der letzten Etappe erzählen?

WYSCHINSKI: Erzählen Sie, wie Sie ein Agent des Spionagedienstes wurden.

STROILOW: Sehen Sie...

WYSCHINSKI: Das, was Sie gesagt haben, bereitet die Antwort auf diese Frage vor, ist aber noch keine Antwort.

STROILOW: Ich kam Ende November 1930 nach Moskau zur Session des Allrussischen Zentralexekutivkomitees als Kandidat des ZEK. Ich war zu Hause in der Kollektivwirtschaft, wo meine Eltern leben. Es kam mir damals so vor, dass das, was mit der Kollektivierung begonnen wurde, eine unrichtige Sache ist. Jedenfalls in bezug auf jenes Tempo, das angenommen worden ist. Es kam mir damals vor, dass sowohl das Tempo wie der Umfang der Industrialisierung, die bei uns in der Union eingeschlagen worden sind, zu groß sind. Ich hatte Schwankungen. Ich begann zu zweifeln.
Vielleicht kam mir das so vor im Vergleich zu dem äußerlichen Pomp, den ich in Deutschland gesehen hatte. Deshalb war außer jenen Bespitzelungen und Provokationen, die in Deutschland inszeniert wurden, meine Reise in die UdSSR, wo ich in meinen Überzeugungen schwankend wurde, der zweite Anstoß.
Ich kann nicht sagen, dass ich endgültig den Glauben an alles verloren hatte, ich hatte Schwankungen, es gab Risse in meiner Überzeugung, ich verlor den Glauben an die rasche Industrialisierung. Ich begann zu zweifeln...

WYSCHINSKI: Das war, nachdem Sie Trotzkis Buch gelesen hatten?

STROILOW: Das war später. Es ist schwer zu sagen, was hier stärker gewirkt hat.

WYSCHINSKI: Alles zusammen?

STROILOW: Entweder wirklich die Lektüre Trotzkis oder die Gespräche mit den Deutschen.

WYSCHINSKI: Sowohl die Gespräche mit den Deutschen als auch Trotzki beeinflussten Sie?

STROILOW: Sie beeinflussten mich.

Nachdem ich auf der Session gewesen war, kehrte ich nach Deutschland zurück.

WYSCHINSKI: Darüber, dass Sie durch Trotzkis Schuld nach den Begegnungen mit den Deutschen Schwankungen hatten, haben Sie niemandem etwas gesagt?

STROILOW: Nein.

WYSCHINSKI: Und sind als Kandidat in das Allrussische ZEK gewählt worden?

STROILOW: Ja, ich war es schon.

WYSCHINSKI: Und haben das miteinander vereinbart? Sie waren Mitglied des Zentralen Exekutivkomitees der Sowjets der RSFSR, und tuschelten gleichzeitig mit der deutschen Agentur und lasen Trotzki, Sie haben das miteinander vereinbart?

STROILOW: Ich habe das miteinander vereinbart.

WYSCHINSKI: Sie kehrten nach Berlin zurück?

STROILOW: Ja, ich kehrte nach Berlin zurück.

WYSCHINSKI: Hatten Sie nicht den Wunsch, in Deutschland zu bleiben, nicht in die UdSSR zurückzukehren?

STROILOW: Sogleich?

WYSCHINSKI: Ich spreche nicht mit chronometrischer Genauigkeit. Hatten Sie den Wunsch oder nicht?

STROILOW: Es tauchte der Wunsch bei mir auf, in Deutschland zu bleiben.

WYSCHINSKI: Es tauchte der Wunsch auf, in Deutschland zu bleiben? Haben Sie davon irgendjemand Mitteilung gemacht?

STROILOW: Sowjetstaatsangehörigen?

WYSCHINSKI: Wem immer.

STROILOW: Ich habe das nicht nur mitgeteilt, sondern auch einen Zettel darüber hergegeben.

WYSCHINSKI: Was für einen Zettel, wem?

STROILOW: Ich habe Wüster einen Zettel übergeben, dass ich mich entschlossen habe, die Rückkehr in die Union abzulehnen, und, den Wunsch ausspreche, in Deutschland zu bleiben, um mit ihnen energisch zusammenzuarbeiten und ihre Aufträge auszuführen.

WYSCHINSKI: Wie kann man das nennen?

STROILOW: Verrat... am Vaterland.

WYSCHINSKI: Vaterlandsverrat! Ein Russe! Bürger des Sowjetstaates! Dieser Zettel erwies sich in wessen Händen, in Wüsters Händen?

VORSITZENDER: Damit hätte man anfangen können, das wäre einfacher gewesen.

WYSCHINSKI: Ich weiß nicht, was vom Standpunkt Stroilows einfacher ist, er hat in dieser Frage das erste Wort. Weiter, was hat Wüster mit Ihrem Zettel gemacht?

STROILOW: Dann geschah es, dass ich nach diesem Zettel, nach 8-10 Tagen ein Telegramm aus Moskau über meine Abreise in die UdSSR erhielt. Ich packte im Laufe von zwei Tagen ein und reiste ab. Es war für mich unverständlich, warum man mich nach Moskau ruft, da ich erst unlängst dort war und da ich alle nötigen dienstlichen Berichte erstatten konnte und alles gemacht hatte, was ich konnte. Deshalb schien es mir unverständlich...

WYSCHINSKI: Warum hat man Sie nach Moskau berufen?

STROILOW: Andererseits dachte ich, dass es möglicherweise mit irgendwelchen anderen Umständen in Nowosibirsk zusammenhängt, das war jedoch, wie sich nach meiner Ankunft herausstellte, nicht der Fall.

WYSCHINSKI: Kurz, worum handelte es sich?

STROILOW: Ich glaube, dass die Deutschen, nachdem sie von mir diesen Zettel erhalten hatten, mich ausnutzten und hinauswarfen.

WYSCHINSKI: Was heißt hinauswarfen? Man hat Sie aus Moskau angefordert?

STROILOW: Aus Moskau.

WYSCHINSKI: Wer?

STROILOW: Schestow.

WYSCHINSKI: Vielleicht im Einvernehmen mit Wüster?

STROILOW: Das weiß ich nicht, das ist möglich.

WYSCHINSKI: Immerhin, wie sind Sie denn ein Agent des Spionagedienstes geworden?

STROILOW: Als dieses Schreiben sich in den Händen Wüsters befand, ich werde nicht alle Gespräche, die stattgefunden haben, wiedergeben, das dauerte ungefähr 5 Stunden.

WYSCHINSKI: Das kommt später.

STROILOW: Wüster erklärte mir, dass ich jetzt in ihren Händen sei, und dass ich, wenn ich nicht ihre einzelnen Aufträge und Aufgaben ausführen werde, in die Hände der Sowjetbehörden ausgeliefert werde, denen dieser mein persönlicher Zettel unterbreitet werden wird.

WYSCHINSKI: Was haben Sie entschieden?

STROILOW: Ich hatte aus diesem Anlass ein Gespräch von drei Stunden, fürchtete aber, ich komme...

WYSCHINSKI: Auf die Anklagebank, auf die Sie gekommen sind?

STROILOW: In die GPU fürchtete ich zu kommen, die Bestrafung fürchtete ich.

WYSCHINSKI: Und deshalb?

STROILOW: Deshalb erklärte ich mich mit Wüster einverstanden, d. h. ich wurde zum Verräter.

WYSCHINSKI: Das ist das Ende. Setzen Sie sich.

Darf ich die Fragen an Schestow fortsetzen?

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI: Somit haben Sie, Schestow, als Sie sich an Stroilow wandten, bereits gewusst, dass er vom deutschen Spionagedienst angeworben worden ist.

SCHESTOW: Ja. Ich bin aber mit einigen Momenten, von denen Stroilow sprach, nicht einverstanden.

WYSCHINSKI: Und zwar? Haben Sie sich also an seiner Anwerbung beteiligt?

SCHESTOW: Nein, er sagte aus, dass er ein Telegramm mit meiner Unterschrift über die Abreise in die Sowjetunion erhalten habe. Das ist unrichtig. Ich war damals noch kein Vaterlandsverräter.

WYSCHINSKI: Wer kennt sich jetzt mit Ihnen aus!

SCHESTOW: Ich erhielt ein Telegramm aus Nowosibirsk über die Notwendigkeit, Stroilow aus Deutschland abzuberufen.

WYSCHINSKI: Ich bitte um Entschuldigung. Erinnern Sie sich, wer Stroilow aus Deutschland abberufen hat?

SCHESTOW: Ich erinnere mich.

WYSCHINSKI: Erinnern Sie sich, wie das vor sich ging?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Erzählen Sie.

SCHESTOW: Das ging so vor sich, dass vom Vorsitzenden der Verwaltung, Abramow, ein Telegramm mit der Weisung eintraf, Stroilow aus Deutschland abzuberufen. Zu jenem Zeitpunkt fanden unter den Ingenieuren des Kusnetzkreviers Verhaftungen statt. Ich wusste das und ging daher zum Leiter der Auslandsabteilung des Obersten Volkswirtschaftsrats und teilte ihm meine Erwägungen mit, dass Abramow Stroilow wahrscheinlich aus zwei Gründen abberuft: entweder um die Lücke aufzufüllen und ihn mit praktischer Arbeit zu beschäftigen, oder aus Verdacht, dass er sich beteiligt hatte; deshalb muss er abberufen werden, schicken Siel ein Telegramm mit Ihrer Unterschrift.

WYSCHINSKI: Also unter Ihrer Anteilnahme?

SCHESTOW: Unter meiner Anteilnahme, doch habe ich es nicht mit meiner Unterschrift geschickt.

WYSCHINSKI: Es handelt sich hier nicht um die Unterschrift. Stroilow sagt also richtig, dass Schestow an seiner Abberufung beteiligt war?

SCHESTOW: Nein, nicht richtig. Ich erinnere mich genau, dass Stroilow nach seiner Rückkehr sich bemühte, von neuem nach Deutschland zu fahren.

WYSCHINSKI: Das ist eine andere Sache, dass er sich bemühte. Sie aber haben sich bemüht, dass er aus Deutschland hierher kommt. Darum handelt es sich.

SCHESTOW: Das stimmt.

WYSCHINSKI: Worin bestand Ihre Spionagetätigkeit?

SCHESTOW: Die Spionagetätigkeit bestand darin, dass Ende 1932...

WYSCHINSKI: Kurz und unter Einhaltung der Forderungen, die der Vorsitzende hier in bezug auf bestimmte staatliche Erfordernisse und staatliche Institutionen stellte.

SCHESTOW: Ende 1932 traf ich Stroilow in Nowosibirsk, und er sagte mir, dass eine neue, ziemlich große Gruppe deutscher Spezialisten-Diversanten angekommen ist.

WYSCHINSKI: Das heißt, dass sie unter der Marke von Spezialisten angekommen sind?

SCHESTOW: Ja. Damals wurde eine große Anzahl von Ingenieuren nach dem Kusnetzkrevier eingeladen, und sie sind auch angekommen.

WYSCHINSKI: Nennen Sie Namen.

SCHESTOW: Wir sind noch nicht bei den Namen.

WYSCHINSKI: Doch, wir sind schon bei den Namen.

SCHESTOW: Nein, gestatten Sie, es war ein Plan für das Kusnetzkrevier aufgestellt worden...

WYSCHINSKI: Ich frage Sie, ob Sie mit irgendjemandem von den Spionen und Diversanten in Verbindung waren.

SCHESTOW: Ich war in Prokopjewsk mit Schebesto, Floren und Kahn in Verbindung. 1934 arbeitete ich bereits als Leiter eines anderen Bergwerks und setzte mich dort mit Stein in Verbindung.

Ich habe mich versprochen. Bei ihm arbeitet für diesen Zweck Baumgartner.

WYSCHINSKI: Das haben Sie von Stroilow erfahren?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Aber Schebesto, von wem haben Sie den erhalten?

SCHESTOW: Mir sagte Stroilow, dass Ingenieur Schebesto angekommen ist.

WYSCHINSKI: Und Floren?

SCHESTOW: Floren arbeitete früher in Prokopjewsk und kam als Dolmetscher in mein Büro. Ich lernte ihn durch Schebesto kennen.

WYSCHINSKI: Wie setzten Sie sich mit Kahn in Verbindung?

SCHESTOW: Schebesto sagte, dass an seiner Arbeit Kahn Anteil nimmt.

WYSCHINSKI: Und mit Stein?

SCHESTOW: Mit Stein setzte ich mich durch Floren in Verbindung.

WYSCHINSKI: Und durch wen setzten Sie sich mit Baumgartner in Verbindung?

SCHESTOW: Von diesem Menschen erfuhr ich von Stroilow.

WYSCHINSKI: Also die Quelle letzten Endes bildet Stroilow.

Schebesto - Stroilow, Kahn - Stroilow, Baumgartner - Stroilow usw. Alles Stroilow?

SCHESTOW: Das stimmt.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie eine Frage an Stroilow. Angeklagter Stroilow, stimmt das?

STROILOW: Er hat das verwechselt. Nicht Baumgartner, sondern Sommeregger.

WYSCHINSKI: Also noch ein Neuer. Und die übrigen? Schebesto hat er richtig genannt?

STROILOW: Ja.

WYSCHINSKI: Floren hat er richtig genannt?

STROILOW (schweigt)

WYSCHINSKI: Kahn hat er richtig genannt?

STROILOW: Einen solchen Spezialisten gab es.

WYSCHINSKI: Sie haben sie genannt?

STROILOW: Ich nannte ihm nur Schebesto

WYSCHINSKI: Und Stein?

STROILOW: Stein erwähnte ich während meines Aufenthalts in Ansherka, damit er ihn im Auge habe.

WYSCHINSKI: Sie haben ihn erwähnt, damit er ihn im Auge hat. Und sonst - nichts mehr? Schebesto führte zu Stein, Floren führte zu Kahn, Floren führte zu Schebesto. Und wie ist es mit Baumgartner?

STROILOW: Ich entsinne mich, dass ein solches Gespräch stattgefunden hat.

WYSCHINSKI: Es sind ihrer so viele; dass Sie die Namen alle durcheinander gebracht haben.

SCHESTOW: Ich erinnere mich gut, dass Stroilow von Baumgartner gesprochen hat.

WYSCHINSKI (zu Schestow): Hat Stroilow mit Ihnen von Baumgartner gesprochen?

SCHESTOW: Ich wusste von ihm von Stroilow. Auf meine direkte Frage, wie er die Verbindung durchführt, sagte er mir: durch den Ingenieur Baumgartner.

WYSCHINSKI: (zu Stroilow): Fand ein solches Gespräch statt?

STROILOW: Ein Gespräch über die Verbindung durch...

WYSCHINSKI: Existierte überhaupt Baumgartner wirklich?

STROILOW: Er existierte.

WYSCHINSKI: Hatten Sie ein Gespräch mit ihm?

STROILOW: Überhaupt kenne ich Schestow, doch zur Verbindung dienten sowohl Baumgartner als auch andere.

WYSCHINSKI: Und Sommeregger?

STROILOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und haben Sie über Baumgartner mit Schestow gesprochen?

STROILOW: Ich habe gesprochen, aber nicht als von einem Verbindungsmann.

WYSCHINSKI: Sondern?

STROILOW: Als über einen...

WYSCHINSKI: Über einen von vielen.

STROILOW: Ja, von vielen...

WYSCHINSKI: Agenten?

STROILOW: Agenten.

WYSCHINSKI (zu Schestow): Also war es bei Ihnen eine ziemlich solide Gesellschaft?

SCHESTOW: Schebesto bat mich, ihm einen Plan zu geben, in dem die wichtigen Bauten angezeichnet sind, um die Diversionstätigkeit zu beginnen. Ich habe ihm diesen Plan gegeben. Er hat ihn zur Diversion im Bezirk Prokopjewsk benutzt. Das kam darin zum Ausdruck, dass er den Versuch unternahm, den Schacht und das Fallwerk in der Grube Nr. 5 zu sprengen. Er hinterlegte dort eine Dynamitpatrone. Die Kapsel war eingelegt, die Schnur zugeleitet, es blieb nur übrig, die Schnur anzuzünden.
Die Explosion erfolgte jedoch lediglich deshalb nicht, weil jemand zu der Zeit, als die Mine unter das Fallwerk und den Schacht gelegt wurde, gestört hat. In der darauf folgenden Nacht entdeckte der Arbeiter, der den Müll in der Nähe des Fallwerks wegräumte, die Mine, die daraufhin weggeschafft wurde.

WYSCHINSKI: Weggeschafft? Schebesto aber wurde nicht weggeschafft?

SCHESTOW: Nein.

WYSCHINSKI: Warum?

SCHESTOW: Ich habe ihn nicht verraten.

WYSCHINSKI: Sie haben ihn nicht verraten?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Weiter, was war noch?

SCHESTOW: Auf meine Weisung wurde an einer Stelle, wo sieh ein Dynamitlager befand, mit Hilfe des Technikers Kahn Dynamit gestohlen und ein eigenes heimliches Dynamitlager eingerichtet.

WYSCHINSKI: Mit Ihrer Hilfe hat er Dynamit gestohlen?

SCHESTOW: Nein, daran habe ich mich nicht beteiligt. Er hat sich mit mir über den Ort beraten.

WYSCHINSKI: Den Aufbewahrungsort für das Gestohlene haben Sie ihm vorbereitet?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Sie haben sich am Diebstahl beteiligt?

SCHESTOW: Ja, ich habe mich daran beteiligt.

WYSCHINSKI: Er hat also mit Ihnen zusammen gestohlen?

SCHESTOW: Ich wusste davon.

WYSCHINSKI: Nein, entschuldigen Sie, Sie wussten nicht nur, sondern haben geholfen.

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Sie waren ein Helfershelfer?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Haben also zusammen gestohlen?

SCHESTOW: Zusammen.

WYSCHINSKI: Das sage ich ja eben.

SCHESTOW: 1934 ist dieses Lager in die Luft geflogen. Kinder der Bergarbeiter haben nicht weit von jener Stelle gespielt, haben wahrscheinlich gegraben und sind dabei auf dieses Dynamit gestoßen. Das Resultat war eine höllische Explosion.

WYSCHINSKI: Und mit den Kindern, was war mit ihnen?

SCHESTOW: Sie kamen ums Leben.

WYSCHINSKI: Viel?

SCHESTOW: Einige. Was Prokopjewsk anbelangt; das alles, was Schebesto anbetrifft.

WYSCHINSKI: Aber wozu man Dynamit gestohlen hat, haben Sie nicht gesagt. Zur Ausführung gleicher Explosionen?

SCHESTOW (schweigt)

WYSCHINSKI: Um Sprengungen der Gruben vorzubereiten?

SCHESTOW: Ganz richtig. Im Mai 1933 machte Schebesto im Auftrage des deutschen Spionagedienstes sowie in meinem Auftrage den Versuch, das Kusnetzker Kraftwerk in Brand zu stecken.

WYSCHINSKI: Wer hat den Vorschlag gemacht, dieses Kraftwerk in die Luft zu sprengen?

SCHESTOW: Das war mein Vorschlag.

WYSCHINSKI: Haben Sie darüber Schebesto gesagt?

SCHESTOW: Nein. Er sagte mir einfach: ich habe Maßnahmen ergriffen, um es in Brand zu stecken. Von dieser Tatsache wusste ich.

WYSCHINSKI: Worin bestand der Versuch der Brandstiftung?

SCHESTOW: Ich wusste sehr gut von Schebesto, dass das Kraftwerk in Brand gesteckt war.

WYSCHINSKI: Also war es kein Versuch, sondern eine Brandstiftung?

SCHESTOW: Ja, eine richtige Brandstiftung. Ferner weiß ich von Floren, dass er im Herbst 1934 den Bunker der Grube Nr. 9 in Brand zu stecken versuchte. Zum Brand kam es nicht.

WYSCHINSKI: Aber einen Versuch gab es?

SCHESTOW: Ja. Ebenso wurde der Versuch gemacht, die Kohlenhalden der Grube Nr. 5-7 anzuzünden.

WYSCHINSKI: Wann?

SCHESTOW: Im Herbst 1934. Und auch da wurde der Brand dank dem raschen Erscheinen des Leiters der Grube, der kein Teilnehmer der trotzkistischen Organisation war, sowie der raschen Ankunft des Feuerwehrkommandos lokalisiert.

WYSCHINSKI: Über diese Tätigkeit von Schebesto, Floren und anderen haben Sie mit Stroilow gesprochen?

SCHESTOW: Ja, ich habe darüber gesprochen.

WYSCHINSKI: Folglich war er auch über die Sache unterrichtet?

SCHESTOW: Ja, er war unterrichtet.

WYSCHINSKI: Angeklagter Stroilow, haben Sie die Aussagen Schestows in diesem letzten Teil gehört?

STROILOW: Jawohl.

WYSCHINSKI: Sie bestätigen, dass Sie über die Diversionstätigkeit von Schebesto, Floren und anderen unterrichtet waren?

STROILOW: Ich bestätige es.

WYSCHINSKI: Hatten Sie darüber mit Schestow Gespräche?

STROILOW: Mehrmals.

WYSCHINSKI: In welchem Zusammenhang hatten Sie diese Gespräche? Hat er Sie darüber informiert, oder Sie ihn?

STROILOW: Es bestand eine gegenseitige Information insofern, als die Pläne der Schädlingsarbeit gemeinsam mit ihm aufgestellt wurden.

WYSCHINSKI: Also fanden Gespräche statt, um die Ausführung der Pläne zu kontrollieren?

STROILOW: Zur Information über die ausgeführte Arbeit.

WYSCHINSKI: Der gemeinsam ausgeführten Verbrechen?

STROILOW: Ja.

WYSCHINSKI: Setzen Sie sich bitte. (Zu Schestow:) Weiter.

SCHESTOW: An andere Tatsachen erinnere ich mich jetzt nicht. Stroilow sprach mit mir über das Lenin -Bergwerk, doch wurde dort die Diversionstätigkeit, soweit ich mich erinnere, nicht durch deutsche Spione betrieben; diese Diversionstätigkeit betrieb Andrejew, der Obermechaniker dieses Bergwerks, wobei er den Versuch gemacht hat, die Grube Jemeljanowskaja in Brand zu stecken.

WYSCHINSKI: Und Ihre eigene Unterwühlungsarbeit? Die schädlingsmäßige Montage der Gruben und anderes?

SCHESTOW: Ich komme gleich darauf. Das ist ein sehr großes Kapitel. Im Bergwerk Prokopjewsk wurde ein Kammer- und Pfeilersystem ohne Vermauerung der abgebauten Strecken durchgeführt. Durch dieses System hatten wir mehr als 50 Prozent Kohlenverlust, statt der üblichen 15-20 Prozent. Zweitens hatten wir infolge dieser Tatsache im Bergwerk Prokopjewsk gegen Ende 1935 ungefähr 60 unterirdische Brände.

WYSCHINSKI: Das war das Resultat...

SCHESTOW: Der durchgeführten Unterwühlungs- und Schädlingstätigkeit.

WYSCHINSKI: Diese unterirdischen Brände haben Sie organisiert?

SCHESTOW: Wir haben sie nicht organisiert, haben aber ein System der Kohlenförderung eingeführt, das zu diesen unterirdischen Bränden führte.

WYSCHINSKI: Sie hervorrief?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Ich sage ja auch organisiert in dem Sinne, dass Sie ein System angewendet haben, das unvermeidlich die Entstehung von Bränden nach sich ziehen musste.

SCHESTOW: Ganz richtig.

WYSCHINSKI: Und Sie haben eben zu diesem Zweck dieses System angewendet?

SCHESTOW: Ausschließlich zu diesem Zweck.

WYSCHINSKI: Damit Brände entstehen?

SCHESTOW: Ja, damit große Kohlenverluste eintreten.

WYSCHINSKI: Wer hat Ihnen bei dieser verbrecherischen Tätigkeit geholfen?

SCHESTOW: Mir haben Stroilow, Owsjannikow, der Verwalter des Bergwerks Prokopjewsk, sowie Maier, der Chefingenieur desselben Bergwerks, geholfen. Mit ihrer Mithilfe wurde die Vertiefung der Gruben, insbesondere der Molotow-Grube, nicht rechtzeitig in Angriff genommen; seit 1933 die Sohle „100“ der Grube Koksowaja bewusst konserviert; die Vertiefung der Gruben Maneicha und Nr. 5-6 nicht rechtzeitig begonnen. Das wurde zwei Jahre lang hinausgezogen. Ferner habe ich persönlich im Bergwerk Prokopjewsk zwei große Gruben, 7-8, auf einem solchen Kohlenvorkommen angelegt, wo (wie ich das im Voraus wusste) es bei der Ausbeutung große Unannehmlichkeiten geben musste. Das alles wurde bewusst ausgeführt.
In der Grube Koksowaja, in der Grube 5-6 wurde bei der Montage der Einrichtung und bei der Montage des unter-irdischen Kraftwerks sowie der anderen Maschinen eine bedeutende Unterwühlungstätigkeit durchgeführt. Sie wurde von dem von mir angeworbenen Ingenieur Schneider und einer Gruppe seiner Mithelfer durchgeführt.

WYSCHINSKI: Ist das alles?

SCHESTOW: In Ansherka wurde die Inbetriebsetzung der Grube Nr. 5 um zwei Jahre verzögert. Eine ebenso bedeutende Schädlingstätigkeit wurde in der Grube 9-15 durchgeführt.
Ferner wurden breit angelegte Maßnahmen, die Schädlings- und Zerstörungscharakter hatten, an den Maschinen, die sich in Betrieb befanden, sowohl im Lenin -Bergwerk als auch in dem Bergwerk Anshersk-Sudshensk durchgeführt, infolge welcher diese Bergwerke im Laufe von fünf Jahren ihren Plan nicht erfüllten.
Und das Letzte. In allen Bergwerken in Prokopjewsk, in Ansherka und im Lenin -Bergwerk wurde eine Sabotage der Stachanowbewegung betrieben. Es wurde die Direktive erteilt, die Nerven der Arbeiter auf die Folter zu spannen. Bevor der Arbeiter an seinen Arbeitsplatz gelangt, soll er die Grubenleitung zweihundert Mal zum Teufel schicken. Es wurden unmögliche Arbeitsbedingungen geschaffen. Von Stachanowmethoden gar nicht zu reden, auch mit gewöhnlichen Methoden war es unmöglich normal zu arbeiten.

WYSCHINSKI: Über die terroristische Tätigkeit haben Sie schon gesprochen.

VORSITZENDER: Es ist ungefähr 10 Uhr.

WYSCHINSKI: Noch zwei Fragen. Erstens: haben Sie außer jenen Verbrechen, von denen Sie eben sprechen, nicht noch, ich sage das einfach: Banditenverbrechen im direkten Sinn dieses Wortes begangen? Beispielsweise Raub und Mord?

SCHESTOW: Morde gab es.

WYSCHINSKI: Nicht Terror, sondern eben Morde?

SCHESTOW: Ich entsinne mich, dass in Prokopjewsk der Ingenieur Bojarschinow von der Terrorgruppe ermordet wurde.

WYSCHINSKI: Warum ist er ermordet worden?

SCHESTOW: Er ist in meinem Auftrag ermordet worden. Er erklärte mir, dass bei den Arbeiten des „Schachtostroi“ irgendetwas nicht in Ordnung wäre. Er lenkte meine Aufmerksamkeit darauf. Ich genoss damals im Kreise der Ingenieure und Techniker Vertrauen. Bojarschinow selbst war ein ehemaliger Schädling aus dem Donezrevier, der aber in diesem Bergwerk ehrlich gearbeitet hat.

WYSCHINSKI: Er hat sich an Sie als an den Leiter gewandt, der Autorität hatte?

SCHESTOW: Ja. Er wollte mir die Augen darüber öffnen. Ich sagte ihm, dass ich das zur Kenntnis nehme, bedankte mich und sagte: Ich werde es mitteilen, wem es sich gehört, schweigen Sie einstweilen. Daraufhin ließ ich Tscherepuchin rufen und gab ihm, den Auftrag, Bojarschinow zu ermorden, was auch geschah.

WYSCHINSKI: Und Sie haben ihn ermordet?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Einen ehrlichen Ingenieur?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und wer hat ihn ermordet?

SCHESTOW: Da diese Sache sich ohne mich abspielte, hat Tscherepuchin mir den Täter nicht genannt.

WYSCHINSKI: Sie haben durch Tscherepuchin gehandelt?

SCHESTOW: Ja. Tscherepuchin hat mir Bericht erstattet.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, gehörte Arnold zu der Gruppe von Tscherepuchin?

SCHESTOW: Er gehörte zu dieser Gruppe.

WYSCHINSKI: Und war diese Gruppe für Terror und solche Morde bestimmt?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wer war der unmittelbare Täter?

SCHESTOW: Den Namen kann ich nicht nennen. Das war 1933. Ich kannte nicht alle Trotzkisten von Prokopjewsk.

WYSCHINSKI: Mit einem Wort, der Organisator des Mordes waren Sie?

SCHESTOW: Ganz richtig.

WYSCHINSKI: Durch die Gruppe, die unter Ihrer Leitung wirkte?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Die zweite Frage: und wie verhielt es sich mit Raub?

SCHESTOW: Es fand eine Beraubung der Bank von Ansherka statt. Unter meiner Anteilnahme, in meinem Auftrag.

WYSCHINSKI: Wie ist das geschehen?

SCHESTOW: Es war im Jahre 1934. Der Leiter der Staatsbankfiliale im Rayon Anshersk-Sudshensk, Figurin, war von mir angeworben worden, er zog den Oberkassierer Solomin in die Organisation hinein, und sie entwendeten für die Zwecke unserer Organisation 164000 Rubel aus der Kasse und übergaben mir dieses Geld.

WYSCHINSKI: Und was haben Sie getan?

SCHESTOW: Ich verteilte es folgendermaßen: Einen Teil des Geldes, ungefähr 30000 Rubel, behielt ich für die Organisation in Ansherka, für die dortige Terrorgruppe - die Gruppe Schuhmacher und Fedutow - sowie für andere Zwecke. 40000 Rubel übergab ich Muralow für andere ihm direkt unterstehende und untergeordnete Organisationen und 30000 Rubel erbat er von mir für Kenierowo. Muralow erhielt somit 70000 Rubel. Das übrige Geld gab ich für die Organisation in Prokopjewsk. Tscherepuchin gab ich ungefähr 15000 Rubel und etwa 30000 Rubel gab ich Owsjannikow.

WYSCHINSKI: Hat jemand die Verwendung dieser Gelder kontrolliert?

SCHESTOW: Ich hatte Vertrauen zu den Leuten.

WYSCHINSKI: Um so mehr, als das staatliche Gelder waren. Ich habe keine Fragen mehr.

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird bis 11 Uhr vormittags unterbrochen.

 

(Unterschrift)

Der Vorsitzende:
Vorsitzender des Militärkollegiums des
Obersten Gerichtshofes der UdSSR
Armee-Militärjurist W. Ulrich

Der Sekretär:
Militärjurist I. Ranges A. Kostjuschko

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