PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

VORMITTAGSSITZUNG VOM 26. JANUAR 1937

FORTSETZUNG DES VERHÖR DES ANGEKLAGTEN SCHESTOW

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint. Bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird fortgesetzt.

KASNATSCHEJEW: Ich bitte um die Erlaubnis, dem Angeklagten Schestow einige Fragen stellen zu dürfen.

VORSITZENDER: Bitte.

KASNATSCHEJEW: Angeklagter Schestow. Als Sie gestern Ihre Aussagen machten, haben Sie erzählt, wie Sie Stroilow angeworben haben. Sagen Sie, sind Sie bei der Anwerbung von Arnold mit den gleichen oder mit anderen Methoden vorgegangen?

SCHESTOW: Arnold gegenüber verfolgte ich eine andere Methode der Anwerbung.

KASNATSCHEJEW: Und zwar?

SCHESTOW: Im Sommer 1932 kam Arnold zu mir in den „Schachtstroi“, um auf einer Grube als Mechaniker angestellt zu werden. Als ich mich mit seiner Autobiographie bekannt machte, sah ich, dass er damals vor mir ein Hehl daraus machte, dass er von seiner Arbeit in Kusnetzkstroi wegen sowjetfeindlicher Agitation unter ausländischen Spezialisten entlassen worden war. Das war für mich ein Grund, ihn anzustellen und ihn zu bearbeiten, um ihn überhaupt in unsere trotzkistische Organisation hineinzuziehen. Ich hatte ihn damals für die Unterwühlungsarbeit vorgesehen. Meine weitere Bekanntschaft mit ihm im Laufe des Sommers und Herbstes des Jahres 1936 zeigte, dass Arnold, der, soweit ich mich erinnern kann, seiner Nationalität nach ein Finne ist, - sein Name lautet irgendwie wie Kelken oder Kilgan, das wird Arnold schon selbst sagen, mit einem Wort, dass er einen finnischen Namen trägt. Zur Zarenzeit lebte er unter dem Namen Wassiljew...

WYSCHINSKI: Es ist mir nicht ganz verständlich, warum Schestow die Biographie Arnolds erzählen soll.

VORSITZENDER: Die Frage wurde auch nicht so gestellt, die Frage lautete, wie Schestow Arnold angeworben hat.

WYSCHINSKI: Er mag über die Methode der Anwerbung sprechen, ich erhebe jedoch Einspruch dagegen, dass Schestow die Biographie Arnolds, der hier auf der Anklagebank sitzt, wiedergibt, bevor der Angeklagte Arnold selbst darüber gesprochen hat. Das ist nicht, richtig.

VORSITZENDER: Was für eine Frage hat Ihnen der Genosse Verteidiger gestellt? Mit welchen Methoden Sie den Angeklagten Arnold für Ihre Gruppe angeworben haben; Sie sind jedoch keineswegs ersucht worden, Arnolds Biographie zu erzählen. Antworten Sie auf die gestellte Frage.

SCHESTOW: Ich habe bereits gesagt, dass Arnold zu der Zeit, als er die Arbeit im „Schachtostroi“ antrat, bereits feste Überzeugungen als sowjetfeindliches Element hatte.

KASNATSCHEJEW: Das heißt, Sie erfuhren, dass er ein sowjetfeindliches Element ist, und sind daher an die Werbung herangetreten? Wussten Sie das oder wussten Sie es nicht?

SCHESTOW: Nein, ich führte im Laufe mehrerer Monate mit ihm Unterhandlungen.

KASNATSCHEJEW: Im Laufe mehrerer Monate, wie vieler?

SCHESTOW: Im Laufe von fünf bis sechs Monaten.

KASNATSCHEJEW: In dieser Zeit haben Sie ihn vorbereitet?

SCHESTOW: Ja, ich habe ihn vorbereitet. Ich habe ihm gesagt, dass ich Trotzkist, Mitglied der trotzkistischen Organisation bin, und redete ihm zu, den Weg des Terrors zu betreten. Er erklärte sich damit einverstanden. Weiter tauchte die Frage auf, ob er nicht die Mission auf sich nehmen will, einen Terroranschlag zu verüben. Nach einiger Zeit und nach weiteren Unterhandlungen mit ihm gab er hierzu sein Einverständnis.

KASNATSCHEJEW: Kam es dazu, dass Sie ihm bei der Anwerbung mit irgendetwas drohen mussten, wie im Falle Stroilow?

SCHESTOW: Nein, mit Stroilow ist das eine andere Sache; wie konnte ich Arnold drohen, wo ich ausgezeichnet wusste, dass ich einen Menschen brauche, der die Ausübung eines Terroranschlags auf sich nehmen würde.

KASNATSCHEJEW (zu Schestow): Haben Sie Stroilow bei der Anwerbung mit der Möglichkeit, ihn den zuständigen Behörden auszuliefern, gedroht?

SCHESTOW: Ja.

KASNATSCHEJEW: Mussten Sie derartige Drohungen Arnold gegenüber anwenden oder nicht?

SCHESTOW: Nein.

KASNATSCHEJEW: Sie sagten jedoch, dass Sie von seinen sowjetfeindlichen Stimmungen wussten? Sie wussten davon und haben das ausgenutzt?

SCHESTOW: Ich habe es ausgenutzt. Das gab mir Anlass, ihn zur Verübung von Terroranschlägen heranzuziehen. Ich brachte ihn mit Tscherepuchin zusammen.

KASNATSCHEJEW: Diese Frage haben Sie gestellt, die Frage der Drohung aber stellten Sie nicht?

SCHESTOW: Nein.

KASNATSCHEJEW: Jetzt sagen Sie, wann Sie das erste Mal den Auftrag zur Verübung eines Terroranschlags erteilt haben?

SCHESTOW: Ich selbst habe keinen Auftrag erteilt.

KASNATSCHEJEW: Unmittelbar haben Sie keinen erteilt?

SCHESTOW: Nein. Ich brachte ihn mit einem Mann zusammen, der die Terroranschläge operativ leitete.

KASNATSCHEJEW: Der Name dieses Mannes?

SCHESTOW: Tscherepuchin.

KASNATSCHEJEW: Folglich erteilte Tscherepuchin den unmittelbaren Auftrag?

SCHESTOW: Ja.

KASNATSCHEJEW: Hat Tscherepuchin Ihnen nicht berichtet, was Arnold gesagt hat?

SCHESTOW: Er sagte, dass Arnold sein Einverständnis gab, nicht nur den Terroranschlag auszuüben, sondern dabei auch selbst umzukommen.

KASNATSCHEJEW: Im ersten Auftrag, der Arnold von Tscherepuchin erteilt wurde, war die Rede von einem Terroranschlag, und zwar gegen wen?

SCHESTOW: Gegen Ordshonikidse, doch kam es nicht zu dem Terroranschlag, da Ordshonikidse das Auto nicht benutzte.

KASNATSCHEJEW: Das heißt also, dank einer gänzlich unvorhergesehenen Ursache?

SCHESTOW: Ja.

KASNATSCHEJEW: Was für ein zweiter Auftrag wurde erteilt?

SCHESTOW: Einen Terroranschlag gegen Molotow zu verüben.

KASNATSCHEJEW: Über diesen Terroranschlag hat Ihnen Tscherepuchin später Bericht erstattet?

SCHESTOW: Ja.

KASNATSCHEJEW: Wie erklärte Arnold, dass es ihm nicht gelungen war, den Anschlag zu verüben?

SCHESTOW: Tscherepuchin sagte, dass Arnold es mit der Angst zu tun bekam.

KASNATSCHEJEW: Und nachher, haben Sie Arnold getroffen?

SCHESTOW: Jawohl.

KASNATSCHEJEW: Sofort oder nach einiger Zeit?

SCHESTOW: Nicht sofort, ungefähr nach einiger Zeit, als er Ende 1934 zur Arbeit im Anshersk-Sudshensk-Bergwerk ankam.

KASNATSCHEJEW: Damals, während dieser Zusammenkunft mit Arnold hatten Sie ein Gespräch in bezug auf den misslungenen Terroranschlag?

SCHESTOW: Soweit ich mich erinnern kann, ja.

KASNATSCHEJEW: Was sagte Ihnen Arnold: dass es ihm nicht gelungen ist, diesen Terroranschlag zu verüben oder dass er damals Angst bekommen hat?

SCHESTOW: Er erklärte, dass es ihm nicht gelungen war.

KASNATSCHEJEW: Und hatten Sie den Verdacht, er habe Angst bekommen?

SCHESTOW: Ja.

KASNATSCHEJEW: Entsprechend dem Bericht, den Tscherepuchin Ihnen erstattet. hat?

SCHESTOW: Ja.

KASNATSCHEJEW: War das der letzte Auftrag, den Arnold von Ihnen oder durch Tscherepuchin erhalten hat?

SCHESTOW: Ich verstehe nicht ganz. Ich habe Arnold durch Tscherepuchin den Auftrag zu einem Terroranschlag gegen Molotow erteilt.

KASNATSCHEJEW: Außer diesem Auftrag erhielt Arnold auch andere Aufträge?

SCHESTOW: Nein.

KASNATSCHEJEW: Hinsichtlich der Anwerbung von irgendjemandem für die Organisation haben Sie Aufträge erteilt oder nicht?

SCHESTOW: Nein, die ganze Arbeit auf dem Gebiete der Anwerbung von Terroristen im Prokopjewsker Bezirk führte Tscherepuchin, nachdem ich ihn für diese Arbeit angeworben hatte.

KASNATSCHEJEW: Und sonst niemand?

SCHESTOW: Mit Ausnahme von Arnold, mit dem ich zu tun hatte, und den ich angeworben hatte.

KASNATSCHEJEW: Aber ein Auftrag, irgendjemanden von den Mitarbeitern anzuwerben, ist Arnold überhaupt nicht erteilt worden?

SCHESTOW: Möglicherweise war das der Fall, ich erinnere mich nicht...

KASNATSCHEJEW: Vorläufig habe ich keine Fragen mehr.

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