PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

VORMITTAGSSITZUNG VOM 26. JANUAR 1937

VERNEHMUNG DES ZEUGEN STEIN

VORSITZENDER: Es ist ein Angeklagter der sibirischen Gruppe übrig geblieben, und zwar Arnold, sowie der Zeuge Stein. Halten Sie es für zweckmäßiger, den Angeklagten Arnold oder den Zeugen Stein zu vernehmen?

WYSCHINSKI: Ich bin der Ansicht, dass es notwendig ist, den Zeugen Stein zu vernehmen.
Gestatten Sie mir, vor der Vernehmung des Zeugen den Gerichtshof zu bitten, eine Entscheidung in einer Reihe von Fragen zu treffen, die von mir heute vor Gericht dem Sachverständigen, Genossen Lekus, im Zusammenhang mit den Aussagen der Angeklagten Schestow und Stroilow vorgelegt wurden; ich bitte den Gerichtshof, wenn von Seiten der Angeklagten keine Einsprüche erhoben werden, seine Stellungnahme zu diesen Fragen festzulegen und damit dem Sachverständigen die Möglichkeit zu geben, die Antwort auf diese Fragen vorzubereiten, ferner dasselbe in Bezug auf den Sachverständigen Pokrowski, im Zusammenhang mit der verbrecherischen Tätigkeit von Norkin und Drobnis im Kombinatstroi in Kemerowo.
Außerdem bitte ich, dass die Sachverständigen, falls seitens der Angeklagten kein Einspruch erhoben wird, heute Abend oder morgen früh ihr Gutachten über die aufgerollten Fragen abgeben können.

VORSITZENDER: Ich halte es für zweckmäßig, eine Abschrift Ihrer Fragen den Angeklagten Schestow, Stroilow, Norkin und Drobnis einzuhändigen.

WYSCHINSKI: Ich würde sogar ersuchen, angesichts der Tatsache, dass Formulierungen juridischen Charakters vorkommen können, die Verteidiger, die am Prozess teilnehmen, obzwar sie nicht gerade diese Angeklagten verteidigen, zu bitten, sich ebenfalls mit diesen Fragen bekannt zu machen und den Angeklagten in der Formulierung ihrer Antworten auf diese Fragen zu helfen.

VERTEIDIGER: Wir haben keine Einwände.

VORSITZENDER: Das Gericht hat nichts dagegen einzuwenden. Zeuge Stein, Ihr Vorname und Vatersname?

STEIN: Alex Michailowitsch.

VORSITZENDER: Sie sollen in Sachen des Angeklagten Schestow aussagen. Wünschen Sie Ihre Aussagen in russischer oder in deutscher Sprache zu machen? Wir haben einen Dolmetscher.

STEIN (russisch): In deutscher Sprache.

VORSITZENDER: Gut. Sagen Sie bitte, Sie sind 1882 geboren?

STEIN (russisch): Ja.

VORSITZENDER: Geboren in der Stadt Riga, deutscher Untertan?

STEIN (russisch): Deutscher Untertan.

VORSITZENDER: Wo haben Sie in der letzten Zeit in der Sowjetunion gearbeitet?

STEIN (durch den Dolmetscher): In Lenin sk.

VORSITZENDER: In welcher Eigenschaft?

STEIN (durch den Dolmetscher): Ich war Montagemeister.

VORSITZENDER: Welche Stelle bekleideten Sie?

STEIN (durch den Dolmetscher): Ich war Montagemeister der Kraftwerke in Lenin sk.

VORSITZENDER: Sagen Sie ihm, dass er auf Antrag des Genossen Staatsanwalts zu dieser Vernehmung vorgeladen wurde.

WYSCHINSKI (zum Dolmetscher): Seien Sie so liebenswürdig, den Zeugen Stein zu fragen, ob er Schestow kennt?

STEIN (durch den Dolmetscher): Ich lernte Schestow im Jahre 1934 -kennen.

WYSCHINSKI: Haben Sie ihn seither häufig getroffen?

STEIN (russisch): Ich traf mehrere Male mit Schestow zusammen.

WYSCHINSKI: Vielleicht werden Sie russisch antworten, da Sie in gewissem Maße der russischen Sprache mächtig sind?

VORSITZENDER: Der Zeuge hat erklärt, dass er deutsch zu sprechen wünscht, und hat unwillkürlich russisch geantwortet. Uns ist es ja gleichgültig, in welcher Sprache er antworten wird.

STEIN (durch den Dolmetscher): Ich verstehe russisch.

WYSCHINSKI: Warum haben Sie dann einen Dolmetscher verlangt?

STEIN (durch den Dolmetscher): Der Genauigkeit wegen.

WYSCHINSKI: Eine durchaus berechtigte Forderung. Wenn der Zeuge russisch antworten kann und zu antworten wünscht, soll er russisch antworten, das ist uns gleichgültig. Es ist klar, dass jemand, der die russische Sprache nicht vollkommen beherrscht, unsicher werden kann.

VORSITZENDER: Da der Zeuge russisch versteht, kann er den Dolmetscher berichtigen, wenn er findet, dass dieser nicht ganz richtig übersetzt.

WYSCHINSKI: Haben Sie Schestow häufig getroffen?

STEIN (durch den Dolmetscher): Häufig.

WYSCHINSKI: Und im Laufe mehrerer Jahre?

STEIN (durch den Dolmetscher): Im Jahre 1934, 1935 und einmal im Jahre 1936.

WYSCHINSKI: Ich bitte den Zeugen Stein zu bestätigen, ob das derselbe Schestow ist, den er kennt.

VORSITZENDER: Bitte, Zeuge Stein, sehen Sie den Angeklagten an (zeigt auf Schestow).

WYSCHINSKI: Ist das Schestow?

STEIN: Ja.

WYSCHINSKI (wendet sich an Schestow): Ist das derselbe Stein, den Sie erwähnt haben?

SCHESTOW: Ja, das ist Stein, Alexej Michailowitsch.

WYSCHINSKI: Warum denn Alexej Michailowitsch?

SCHESTOW: Wir haben ihn in Ansherka alle so genannt, „Alexej Michailowitsch“.

WYSCHINSKI: Aber der tatsächliche Vor- und Vatersname von Stein?

STEIN: Alex Michailowitsch.

WYSCHINSKI: Was ist Ihnen nun über die verbrecherischen Handlungen Schestows bekannt? Ist Ihnen etwas über die Verbrechen bekannt, die Schestow begangen hat?

STEIN (durch den Dolmetscher): Schestow bat mich, für ihn auf dem Gebiet von Diversionsanschlägen tätig zu sein.

WYSCHINSKI: Also nur in bezug auf Diversionsanschläge?

STEIN: Nur.

WYSCHINSKI: Wo haben Sie damals offiziell gearbeitet?

STEIN: In Ansherka.

WYSCHINSKI: In welcher Eigenschaft?

STEIN: Als Leiter der Montagearbeiten.

WYSCHINSKI: Unter welchen Umständen und aus welchem Anlass hat Schestow Ihnen solche Vorschläge gemacht?

STEIN: Zuerst muss ich über meine Arbeit mit den deutschen Ingenieuren erzählen, die noch früher, noch vor Schestow, mit mir auf demselben Gebiet gearbeitet haben.

WYSCHINSKI: Bitte.

STEIN: Das erste Mal habe ich über diese Tätigkeit mit Ingenieur Wurm gesprochen.

WYSCHINSKI: „Über diese Tätigkeit?“ Worum handelt es sich dabei?

STEIN: Um die Beteiligung an einer Diversionstätigkeit.

WYSCHINSKI: Was verstehen Sie unter Diversionstätigkeit?

STEIN: Schädlingstätigkeit.

WYSCHINSKI: Was verstehen Sie unter Schädlingstätigkeit?

STEIN: Ich verstehe darunter Stillstände in den Betrieben, Zerstörung und Beschädigung von Maschinen, die unrichtige Legung von Kabeln.

WYSCHINSKI: Also die Zerstörung und die Beschädigung von Maschinen, das unrichtige Legen von Kabeln usw., das haben Sie als die Tätigkeit aufgefasst, die Wurm Ihnen vorgeschlagen hat.

STEIN: Wurm hat mir noch andere Vorschläge gemacht.

WYSCHINSKI: Welcher Art?

STEIN: Soll ich die ganze Geschichte mit Wurm erzählen, soll ich erzählen, wie man mich zu dieser Arbeit gebracht hat?

VORSITZENDER: Ich erkläre, dass der Zeuge Stein in öffentlicher Gerichtsverhandlung offizielle ausländische Behörden sowie die Namen von Personen, die in diesen Behörden arbeiten, nicht nennen darf.

WYSCHINSKI: Ich bitte den Vorsitzenden, den Zeugen Stein darüber aufzuklären, dass diese Behörden und Personen vom Zeugen in einer geschlossenen Sitzung genannt werden können.

DER VORSITZENDE (gibt die entsprechende Erläuterung)

STEIN: Darf ich mit der Erzählung über den Beginn meiner Zusammenarbeit mit Ingenieur Wurm anfangen?

VORSITZENDER: Ich habe Ihnen Erläuterungen gegeben, haben Sie sie verstanden? Offenbar werden wir am Schluss eine geschlossene Sitzung haben, wo Sie alles ausführlicher erzählen werden können.

STEIN: Im Jahre 1932 trafen die Ingenieure Wurm und Sommeregger ein. Wurm kam zu mir als Deutscher zum Deutschen in die Wohnung und wir knüpften unter diesem Vorwand unsere Bekanntschaft an. Ingenieur Wurm sagte, dass wir nicht in die Sowjetunion gekommen seien, um den Bolschewiken zu helfen. Wir sind hierher gekommen, um dem deutschen Staat, den deutschen Firmen zu helfen.
Es handelte sich darum, um jeden Preis die aus Deutschland eingeführten Maschinen zu beschädigen, um die Möglichkeit zu haben, neue Maschinen hierher einzuführen. Zu diesem Zweck mussten die Maschinen um jeden Preis auf so eine Art und Weise vernichtet werden, dass das nicht auf die Qualität der Maschinen, sondern auf die Unfähigkeit der russischen Arbeiter zurückgeführt wird. Die Sache sollte mit der Beschädigung der russischen Maschinen beginnen.
Er sagte mir, dass das die Pflicht jedes Deutschen sei und dass der, der das nicht macht, kein Recht habe, ein Deutscher zu sein.
Zur gleichen Zeit, d. h. im Jahre 1932, kam der Ingenieur Flessa an. Er fragte mich, ob ich nicht schon irgendwelche Schädlingsarbeiten ausgeführt habe. Ich sagte ihm nein. Daraufhin nannte er mich einen Feigling und einen Verräter an Deutschland.

WYSCHINSKI: Wer?

STEIN: Ingenieur Flessa. Er gab mir die direkte Weisung, die Arbeit zu beginnen. Ich sollte mich mit Schestow, dem Leiter der Grubenanlage, sowie mit Floren in Verbindung setzen, der in der nächsten Zeit nach Ansherka kommen sollte.

VORSITZENDER (zum Dolmetscher): Worüber sprechen Sie?

DOLMETSCHER: Er will den Namen eines ausländischen Staates nennen, und ich sage ihm, dass er das nicht darf, da eine Warnung darüber ergangen ist.

VORSITZENDER: Ich habe gesagt, dass die Namen der offiziellen Vertreter offizieller Stellen nicht genannt werden dürfen. Sie haben mich genau verstanden?

STEIN: Er erzählte mir, dass er mit vielen ausländischen Ingenieuren in Verbindung stehe, die in der letzten Zeit sehr häufig nach Deutschland kamen, dass er mit diesen ausländischen Ingenieuren in Verbindung stand und von seinen Bekannten, die aus Deutschland in die Sowjetunion kamen, gehört hat, dass Deutschland um jeden Preis seine frühere Macht wieder erlangen will und dass wir hier in der Sowjetunion lebenden Deutschen Schädlingsarbeit ausführen müssen, um Deutschland auf diese Weise zu helfen.
Wir sollten durch diese unsere Schädlingsarbeit die Macht der Sowjetunion schwächen. Als praktische Arbeit führte er an, dass die Zerrüttung der Kraftwirtschaft in der Sowjetunion durchgeführt werden muss, dass ich dort, wo ich arbeite, die Akkumulatoren, die elektrischen Triebwagen vernichten soll, dass auf diese Weise der Transport unter Tag stillstehen wird und die Gruben unter Wasser gesetzt werden. Auf meine Frage sagte Flessa mir, dass er die Anweisungen von einer Deutschland nahe stehenden Persönlichkeit erhält, und dass diese Persönlichkeit für den Fall des Misslingens dieser Schädlingsakte helfen werde.

WYSCHINSKI: Diese Persönlichkeit hielt sich damals in der UdSSR auf?

STEIN: Ja.

WYSCHINSKI: Hatte diese Persönlichkeit irgendeine offizielle Stellung?

STEIN: Ja.

WYSCHINSKI: Ich habe keine Fragen mehr.

STEIN: Außerdem riet mir Flessa, in die Kommunistische Partei einzutreten, damit ich größere Möglichkeiten habe, zu verschiedenen Arbeiten zugelassen zu werden, wodurch auch die Schädlingstätigkeit verstärkt werden könnte.

WYSCHINSKI: Das hat Flessa geraten?

STEIN: Ich spreche nur von Flessa.

WYSCHINSKI: Haben Sie etwas getan, um zu versuchen, in die Kommunistische Partei einzutreten?

STEIN: Ja, Flessa gab mir den Rat, mich an Schestow zu wenden.

WYSCHINSKI: Haben Sie sich an Schestow gewandt? Was ist daraus geworden?

STEIN: Ich möchte von meiner Bekanntschaft mit Schestow von Anfang an erzählen.

WYSCHINSKI: Das interessiert mich nicht, aber wenn Sie wollen, können Sie das erzählen.

VORSITZENDER: Die Frage ist konkret gestellt worden, womit hat Ihnen Schestow geholfen?

WYSCHINSKI: Vielleicht ist es ihm bequemer, das im Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen ihnen beiden zu erzählen.

STEIN: Ich war bei Schestow, der mir auch ein Formular gab, das ich ausfüllen sollte.

WYSCHINSKI: Einen Fragebogen, nicht wahr?

STEIN: Ja, einen Fragebogen.

WYSCHINSKI: Haben Sie ihn ausgefüllt?

STEIN: Jawohl.

WYSCHINSKI: Wem haben Sie ihn übergeben?

STEIN: Ich habe den Fragebogen dem Parteiorganisator übergeben.

WYSCHINSKI: Und was weiter? Was ist daraus geworden?

STEIN: Ich wurde nicht in die Partei aufgenommen, weil damals die Parteireinigung begann.

WYSCHINSKI (wendet sich an Schestow): Angeklagter Schestow, gab es eine solche Episode mit Stein, dass Sie ihn in die Partei hineinschmuggeln wollten?

SCHESTOW: Ich entsinne mich, dass wir ein Gespräch über dieses Thema hatten...

WYSCHINSKI: War das der Fall, dass Sie Stein in die Partei hineinschmuggeln wollten? Können Sie das sagen, ob das der Fall war oder nicht?

SCHESTOW: Ja, ich habe mit Stein darüber gesprochen.

WYSCHINSKI: Worüber?

SCHESTOW: Dass er in die Partei einzutreten wünscht.

WYSCHINSKI: Hat er das selbst gesagt?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und fand ein solches Gespräch mit Flessa statt?

SCHESTOW: Ich hatte mit Flessa kein Gespräch.

WYSCHINSKI: Sie persönlich haben über dieses Thema nicht gesprochen?

SCHESTOW: Nein.

WYSCHINSKI: Haben Sie überhaupt mit Flessa Gespräche gehabt, die mit der illegalen Tätigkeit in Verbindung standen?

SCHESTOW: Ich war mit Flessa nicht in Verbindung, erinnere mich jedoch, dass Floren mit mir von Flessa als von einem Diversanten gesprochen hat.

WYSCHINSKI: Sie waren aber mit Floren auf diesem Gebiet in Verbindung?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Also konnte Flessa das von wem wissen?

SCHESTOW: Von Schebesto, Stroilow, Floren.

WYSCHINSKI: Und an Sie hat Stein sich gewandt, damit Sie ihm helfen sollen, in die Partei hineinzukommen?

SCHESTOW: Ich habe ihm geholfen.

WYSCHINSKI (zu Stein): Haben Sie sich selbst an Schestow gewandt?

STEIN: Ich kam zu Schestow in die Wohnung und wandte mich aus diesem Anlass an ihn.

WYSCHINSKI (zu Schestow): Sie haben Ihre Unterstützung versprochen?

SCHESTOW: Ja, ich habe sie versprochen.

WYSCHINSKI: Worin kam sie zum Ausdruck?

SCHESTOW: Wahrscheinlich brachte ich einen Fragebogen mit, und wahrscheinlich hätte ich ihm, da ich Mitglied des Büros des Stadtkomitees war, ein entsprechendes Zeugnis gegeben.

WYSCHINSKI: Und Sie wussten, was der Stein für ein Mann ist?

SCHESTOW: Ja, das wusste ich.

WYSCHINSKI: Und haben ihm ein Zeugnis ausgestellt?

SCHESTOW: Nein, ich habe es ihm nicht gegeben.

WYSCHINSKI: Sie beabsichtigten es, haben es versprochen?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und deshalb war er sehr erfreut, dass Sie zu ihm gingen?

STEIN: Ja, ich sollte diese Arbeit auf mich nehmen.

WYSCHINSKI: Sind Sie mit Schestow 1936 in Nowosibirsk zusammengekommen?

STEIN: Gerade dieses Gespräch fand im Mai 1936 statt.

WYSCHINSKI: Das ist gerade jenes Gespräch, in dem Schestow Sie eingeladen hat.

STEIN: Das ist gerade jenes Gespräch, in dem Schestow mir den Vorschlag gemacht hat, bei ihm zu arbeiten. Ich möchte über Floren sprechen.

WYSCHINSKI: Was wollen Sie über Floren sagen?

STEIN: Floren machte mir den gleichen Vorschlag wie Flessa. Floren selbst hatte bereits mehrere Schädlingsakte in den Gruben verübt und war dabei, eine große Explosion in der Grube 5-7, wo er mit den russischen Trotzkisten in Verbindung stand, vorzubereiten. Warum die Explosion, die von Floren vorbereitet wurde, nicht stattgefunden hat, weiß ich nicht, ich weiß aber, dass Floren an den Schädlingsakten in den Gruben sehr bedeutenden Anteil nahm.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen bekannt, was für Leute Floren und Flessa sind?

STEIN: Nein, sie haben mir nicht offen gesagt, welcher Partei sie angehören, doch überzeugte ich mich im Gespräch mit ihnen, dass sie Faschisten sind.

WYSCHINSKI: Waren sie aber mit irgendeiner offiziellen Persönlichkeit in Verbindung, die sich auf dem Territorium der Sowjetunion aufhielt?

STEIN: Von Floren weiß ich das nicht, von Flessa weiß ich aber, dass er mit einer offiziellen Persönlichkeit in Verbindung stand, die sich in der Sowjetunion aufhielt.

WYSCHINSKI: Wie stand er in Verbindung, wie der Bürger eines Staates zu dem Bürger eines anderen Staates?

STEIN: Ich erkläre, dass diese offizielle Persönlichkeit von der Schädlingstätigkeit Flessas wusste, weil Flessa mir davon selbst erzählt hat.

WYSCHINSKI: Stand diese Persönlichkeit mit dem deutschen Spionagedienst in Verbindung?

STEIN: Davon hat Flessa mir nichts gesagt.

WYSCHINSKI: Und konnten Sie aus allen ihren Handlungen, aus ihrem ganzen Verhalten nichts Derartiges schließen?

STEIN: Ich habe die ganze Zeit geglaubt, dass alle jene Befehle, die Flessa und Floren erhalten haben, aus Deutschland kommen. Erst im letzten Gespräch sagte Flessa mir, dass er diese Aufträge von einer offiziellen Persönlichkeit erhält, die sich jetzt in der Sowjetunion befindet.

WYSCHINSKI (zu Stein): Weiter?

STEIN: Bei dieser Zusammenkunft machte Schestow mir den Vorschlag, dass ich mich bemühen solle, um jeden Preis einige Gruben unter Wasser zu setzen und die Kohlenförderung zu hindern. Ich erklärte mich damit einverstanden. Schestow sagte mir, dass die Organisation nicht genug Leute hat. Ich fragte, welche Organisation. Er antwortete mir, dass es sich hauptsächlich um die trotzkistische Organisation handelt.

WYSCHINSKI: Hatten Sie ein Gespräch mit Schestow, dass er Leute unter den Ausländern braucht und dass er nicht genügend Sowjetleute hat?

STEIN: Nicht nur Ausländer. Gerade als ich bei ihm war, sagte er, dass es sehr gut ist, dass ich zu ihm gekommen sei.

WYSCHINSKI: Hat er Ihnen nichts davon gesagt, dass es ihm schwer fällt, junge Sowjetingenieure anzuwerben?

STEIN: Er sagte mir, dass bei ihm im Bergwerk Ingenieure angestellt sind, die sehr ehrlich arbeiten, die er also für diese Zwecke nicht verwenden kann.

WYSCHINSKI: Ist diese offizielle Persönlichkeit ausländischer Abstammung?

STEIN: Ich persönlich kenne diese Persönlichkeit nicht.

WYSCHINSKI: Ist das ein Sowjetbürger?

STEIN: Das ist ein Mann, der für Deutschland arbeitet.

WYSCHINSKI: Der offiziell für Deutschland arbeitet?

STEIN: Er ist eine offizielle Persönlichkeit und arbeitet offiziell.

WYSCHINSKI: Ich habe keine Fragen mehr.

VORSITZENDER: Hat die Verteidigung Fragen? (Die Verteidiger verneinen)

Haben die Angeklagten an Stein Fragen? (Die Angeklagten verneinen)

Wie ist die Meinung der Verteidiger über die vom Staatsanwalt zur Expertise vorgelegten Fragen?

BRAUDE: Wir sind der Ansicht, dass die Fragen juridisch richtig gestellt wurden und dem Sachverhalt entsprechen. Was aber die Möglichkeit unserer Hilfe betrifft, meinen wir, dass wir, falls die Angeklagten es für notwendig halten, irgendwelche Fragen hinzuzufügen, ihnen bei der juridischen Formulierung dieser Fragen behilflich sein werden.

VORSITZENDER: Haben die Angeklagten sich mit den Fragen für die Expertise bekannt gemacht? Vorläufig nicht? Während der Verhandlungspause werden Sie von den Fragen Kenntnis nehmen.

Die Verhandlung wird bis 6 Uhr abends unterbrochen.

 

(Unterschrift)

Der Vorsitzende:
Vorsitzender des Militärkollegiums des
Obersten Gerichtshofes der UdSSR
Armee-Militärjurist W. Ulrich

Der Sekretär:
Militärjurist I. Ranges A. Kostjuschko

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