PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

ABENDSITZUNG VOM 26. JANUAR 1937

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN ARNOLD

VORSITZENDER: Angeklagter Arnold, bestätigen Sie die Aussagen, die Sie Ende 1936 und im Januar 1937 in der Staatsanwaltschaft der Union der SSR gemacht haben?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Angeklagter Arnold, wie ist Ihr richtiger Familienname?

ARNOLD: Wassiljew.

WYSCHINSKI: Und Ihr Vor- und Vatersname?

ARNOLD: Valentin Wassiljewitsch.

WYSCHINSKI: Warum nennen Sie sich Valentin Wolfriedowitsch?

ARNOLD: Vor allem möchte ich kurz meine Autobiographie erzählen.

WYSCHINSKI: Nein, das werden Sie nebenbei erzählen. Jetzt sagen Sie, warum Sie sich, obwohl Sie Valentin Wassiljewitsch heißen, Valentin Wolfriedowitsch nannten.

ARNOLD: Das geschah auf folgende Weise: als ich in Amerika die Staatsbürgerschaft annahm, hieß ich nach den Dokumenten Aimo Wolfried...

WYSCHINSKI: Sind Sie amerikanischer Staatsbürger oder Sowjetbürger?

ARNOLD: Gegenwärtig bin ich Sowjetbürger.

WYSCHINSKI: Nach Amerika sind Sie als Sowjetbürger oder als amerikanischer Staatsbürger gekommen?

ARNOLD: Ich bin dorthin als finnischer Staatsbürger gekommen.

WYSCHINSKI: Also Sie haben sich in Amerika den Vor- und Vatersnamen Valentin Wolfriedowitsch zugelegt?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Weshalb?

ARNOLD: Weil ich den Dokumenten nach, die ich besaß, Aimo, und mein Vater Wolfried hieß.

WYSCHINSKI: Das bezieht sich aber auf die Person, deren Dokumente Sie benutzten?

ARNOLD: Auf den, dessen Dokumente ich genommen habe.

WYSCHINSKI: Das heißt, Sie sind mit fremden Dokumenten nach Amerika gekommen? Und wie war Ihr Familienname, als Sie geboren wurden?

ARNOLD: Seit ich zur Schule ging, hieß ich Wassiljew.

WYSCHINSKI: Und Iwanow hießen Sie nicht?

ARNOLD: Ja. Mit sieben Jahren ging ich zur Schule. 333

WYSCHINSKI: Und vor Ihrem siebenten Lebensjahr?

ARNOLD: Vor meinem siebenten Lebensjahr fragte mich niemand nach meinem Familiennamen und ich wusste nichts davon.

WYSCHINSKI: Also bis zum siebenten Lebensjahr lebten Sie überhaupt ohne Familiennamen?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Sie sind also ohne Familiennamen geboren?

ARNOLD: Ich bin ohne Familiennamen geboren.

WYSCHINSKI: Es mag indiskret sein, aber ich muss Sie fragen, wo Sie geboren sind, und welches der Familienname Ihres Vaters war.

ARNOLD: Ich bin in Lenin grad geboren, der Familienname meines Vaters war Jefimow.

WYSCHINSKI: Und der Familienname Ihrer Mutter?

ARNOLD: Der Familienname meiner Mutter war Iwanowa.

WYSCHINSKI: Das war es gerade, wonach ich Sie fragte. Also Iwanowa figuriert in dieser Sache. Warum aber nannten Sie sich bis zum siebenten Lebensjahr Wassiljew?

ARNOLD: Vom siebenten Jahr an, als ich in die Schule eingetreten war, wollte mir der Großvater - es war der Vater meiner Mutter - seinen Familiennamen nicht geben.

WYSCHINSKI: Das ist begreiflich.

ARNOLD: Und meinen Vater hasste er, deshalb beschloss man, mir den Namen Wassiljew zu geben.

WYSCHINSKI: Warum sind Sie denn Wassiljew, und nicht Petrow?

ARNOLD: Weil mein Taufpate Wassiljew hieß.

WYSCHINSKI: Also bis zu Ihrem siebenten Lebensjahr hatten Sie bereits drei Familiennamen gesammelt: Iwanow, Wassiljew und Jefimow, und Sie wählten einen davon: Wassiljew.

ARNOLD: Nicht ich wählte ihn, sondern meine Verwandten wählten ihn für mich.

WYSCHINSKI: Aber Dokumente erhielten Sie darüber?

ARNOLD: Ich erhielt keine Dokumente, später hatte ich einen Taufschein.

WYSCHINSKI: Aber weshalb glauben Sie, dass Sie Wassiljew sind?

ARNOLD: Weil man mich in der Schule Wassiljew nannte.

WYSCHINSKI: Warum nannte man Sie in der Schule Wassiljew?

ARNOLD: Ich weiß nicht, warum.

WYSCHINSKI: Natürlich ist es mit sieben Jahren schwer, sich in solchen Dingen auszukennen. Bis zu Ihrem dreizehnten Jahr lebten Sie also unter dem Namen Wassiljew, nicht wahr?

ARNOLD: Nein, ich verließ mit dreizehn Jahren Finnland.

WYSCHINSKI: Wo sind Sie geboren?

ARNOLD: In Lenin grad.

WYSCHINSKI: Wo haben Sie die Schule besucht?

ARNOLD: Ich habe drei Jahre lang die Volksschule und vier Jahre die Stadtschule in Wiborg in Finnland besucht.

WYSCHINSKI: Und wie sind Sie nach Finnland gekommen?

ARNOLD: Als ich zehn Monate alt war, konnte meine Mutter mich nicht mehr erhalten und schickte mich zu ihrem Vater, der Kirchenwächter in Wiborg war, dann fuhr ich nach Lenin grad.

WYSCHINSKI: Wie alt waren Sie damals?

ARNOLD: Ich stand im vierzehnten Lebensjahr.

WYSCHINSKI: Unter welchem Namen?

ARNOLD: Wassiljew.

WYSCHINSKI: Wohin kamen Sie in Lenin grad?

ARNOLD: Eine Woche lang wohnte ich in der Dachdeckerwerkstätte von Kudrjawzew in der Apraxingasse, aber ich hatte keine Dokumente und der Besitzer wollte mich nicht länger bei sich behalten, ich hatte nur meine Schuldokumente. Ich wusste, dass ich in Lenin grad geboren bin und in der Wladimir-Kathedrale getauft worden war, und die Meister rieten mir, dorthin zu gehen und nach dem Taufschein zu fragen. Mit diesem Taufschein könnte ich unterkommen. Ich fand diese Kirche, fand den Oberdiakonus, und er fand mich in den Dokumenten und stellte mir einen Taufschein aus.

WYSCHINSKI: Auf welchen Namen?

ARNOLD: Dort stand geschrieben, dass es bestätigt wird, dass Valentin - das war der Name des Neugeborenen - der Sohn der Soldatentochter Eudokia Michailowna Iwanowa ist, mein Familienname stand nicht darin.

WYSCHINSKI: War irgendein Pass vorhanden?

ARNOLD: Ich war erst dreizehn Jahre alt. Auf Grund des Taufscheins brachte man mich in eine Fabrik.

WYSCHINSKI: Als Sohn der Iwanowa?

ARNOLD: Nein, als Wassiljew, weil die Schuldokumente auf Wassiljew lauteten, und im Taufschein stand nur Valentin, aber kein Familienname.

WYSCHINSKI: Und der Familienname der Mutter war Iwanowa?

ARNOLD: Ja. Ich begann in dieser Fabrik als Tapezierlehrling zu arbeiten. Es war eine Möbel- und Dekorationsfabrik.

WYSCHINSKI: Wie viel Jahre verbrachten sie in Lenin grad?

ARNOLD: Zwei Jahre.

WYSCHINSKI: Mit wie viel Jahren reisten sie ab?

ARNOLD: Ich stand im sechzehnten Lebensjahr.

WYSCHINSKI: Wohin reisten sie dann?

ARNOLD: Ich fuhr nach Finnland, nach Wiborg.

WYSCHINSKI: Zu Ihrem Großvater?

ARNOLD: Mein Großvater war schon gestorben. Ich lebte bei meinem Onkel. Ich begann in einer Möbelfabrik zu arbeiten.

WYSCHINSKI: Als Wassiljew?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Wie lange lebten Sie bei Ihrem Onkel?

ARNOLD: Nicht lange. Ich fuhr nach Helsingfors.

WYSCHINSKI: Weshalb fuhren Sie nach Helsingfors?

ARNOLD: Weil ich in einer großen Fabrik arbeiten und mehr verdienen wollte.

WYSCHINSKI: Also aus Not?

ARNOLD: Aus Not.

WYSCHINSKI: Nach Helsingfors?

ARNOLD: Nach Helsingfors.

WYSCHINSKI: Was haben Sie dort angefangen?

ARNOLD: Ich begann in einer Möbelfabrik zu arbeiten.

WYSCHINSKI: Wie lange haben Sie dort gearbeitet?

ARNOLD: Anderthalb Jahre.

WYSCHINSKI: Und dann?

ARNOLD: Ich wollte nach Deutschland reisen.

WYSCHINSKI: Warum?

ARNOLD: Ich wollte ins Ausland reisen, um dort mein Glück zu versuchen.

WYSCHINSKI: Wie haben Sie das durchgesetzt?

ARNOLD: Sehr einfach. Ich verständigte mich mit einem Kollegen, er gab mir seinen Auslandspaß. Er hatte sich ihn soeben beschafft, fuhr aber selbst nicht.

WYSCHINSKI: Da hat er ihn Ihnen überlassen?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Wie war sein Name?

ARNOLD: Sein Name war Karl Rask.

WYSCHINSKI: Erst Wassiljew, dann mal Wassiljew, mal Iwanow und dann Karl Rask.

ARNOLD: Iwanow war niemals mein Familienname, das war der Familienname meiner Mutter.

WYSCHINSKI: Wohin sind Sie unter dem Namen Rask gefahren?

ARNOLD: Ich ließ mich auf einem Dampfer als Schiffsjunge anheuern. Ich fuhr nach Hamburg und arbeitete dort drei, vier Monate in einer Garage. Aber von Kindheit an war es mein Traum, nach Amerika zu kommen...

WYSCHINSKI: Weiter.

ARNOLD: Ich begab mich nach Rotterdam in Holland, kam aber nicht über die Grenze. Dort nahm mich die Polizei fest und ich wurde auf dem Etappenwege nach Rußland zurückgeschickt. Ich kehrte nach Wiborg zurück.

WYSCHINSKI: Immer noch unter dem Namen Rask?

ARNOLD: Immer noch als Rask.

WYSCHINSKI: In welchem Jahr war das?

ARNOLD: Das war Anfang 1913. In Wiborg arbeitete ich bis 1914, dann fuhr ich nach Helsingfors, begann im Sveahorgei Hafen unter dem Namen Wassiljew zu arbeiten, den Rask aber steckte ich vorläufig in die Tasche.

WYSCHINSKI: Warum gefiel Ihnen Rask nicht?

ARNOLD: Ich war doch in Wiborg, dort kannten mich alle, darum ging es nicht mehr länger, Rask zu heißen.

WYSCHINSKI: Wie denn, alle kannten Sie? Wie viel Einwohner gab es in Wiborg?

ARNOLD: Früher nicht mehr als 15000-20000.

WYSCHINSKI: Sie sind ein schlechter Rechner.

ARNOLD: Vielleicht waren es auch mehr.

WYSCHINSKI: Auf jeden Fall waren Sie dort eine bekannte Persönlichkeit?

ARNOLD: Rask war nicht bekannt.

WYSCHINSKI: Und Wassiljew?

ARNOLD: Aber Wassiljew war bekannt, weil viele Leute in die Kirche kamen, und ich besuchte die Kirche.

WYSCHINSKI: Sie waren wohl Kirchendiener?

ARNOLD: Ich wohnte bei der Kirche.

WYSCHINSKI: Sie sagten, Sie haben gelernt?

ARNOLD: Ich lernte in Wiborg.

WYSCHINSKI: Sie steckten also den Rask in die Tasche und tauchten wieder als Wassiljew in Wiborg auf? Waren Sie dieses Mal lange in Wiborg unter dem Namen Wassiljew?

ARNOLD: Ich arbeitete dort bis Anfang 1914 und fuhr dann nach Helsingfors. Als der Krieg anfing, erfuhr ich, dass ich nach einiger Zeit in die Armee werde einrücken müssen, und kam auf den Gedanken, dass es notwendig sei, aus Finnland zu verschwinden. Mit dem Dokument auf den Namen Rask versehen, begab ich mich nach Schweden und kam von dort nach Norwegen.

WYSCHINSKI: War Ihr Pass auf den Namen Rask ein Auslandspaß?

ARNOLD: Ja, ein Auslandspaß.

WYSCHINSKI: Ein unbefristeter Pass?

ARNOLD: Auf fünf Jahre.

WYSCHINSKI: Also Sie erschienen abermals im Ausland?

ARNOLD: Ja, ich erschien in Norwegen.

WYSCHINSKI: Und was dann weiter?

ARNOLD: Danach trat ich in Dienst auf einem schwedischen Schiff, machte eine Fahrt nach England, und dann liefen wir in Stockholm ein.

WYSCHINSKI: Wann war es?

ARNOLD: Es war Anfang 1915. Ich hatte den Wunsch, von dort aus nach Wiborg zu meinem Onkel zu fahren. Ich kam mit einem Fischdampfer nach Wiborg. Der Onkel sagte mir, dass ich zur Armee einrücken müsse. Sofort wurde mir ein Dokument auf den Namen Wassiljew ausgestellt. Mit diesem Dokument ging ich zur Musterung. Ich wurde in die Armee aufgenommen und in die Alexander-III.-Kaserne an der Kleinen Ochta nach Lenin grad geschickt. Hier blieb ich anderthalb Monate, der Soldatendienst gefiel mir nicht. Ich wollte überhaupt nicht in den Krieg, und darum desertierte ich aus der Armee nach Helsingfors. Nun, als ich sah, dass es im Soldatendienst schlecht ist, habe ich endgültig den Entschluss gefasst, abzureisen. Aber in Helsingfors wurde ich als Deserteur verhaftet und auf dem Etappenweg nach Lenin grad gebracht. In Lenin grad wurde ich vor Gericht gestellt und erhielt sechs Monate Disziplinarstrafe.
Nachdem ich die Strafe hinter mir hatte, wurde ich mit der ersten abgehenden Kompanie an die Front geschickt und kam in die Ortschaft Stockmannshof bei Riga. Hier erkrankte ich an Lungenentzündung und so war ich etwa einen Monat an der Front, nachher geriet ich ins Hinterland.

WYSCHINSKI: Warum haben Sie in der Voruntersuchung nicht so ausgesagt, wie Sie es jetzt erzählen?

ARNOLD: Sehen Sie, ich kann mich, so schwer erinnern, weil ich in meiner Biographie so viel Abenteuer hatte.

WYSCHINSKI: Wollen wir die Dinge der Reihe nach vornehmen. Reisten Sie vor 1913 nach Finnland?

ARNOLD: Ich habe doch in der Voruntersuchung...

WYSCHINSKI: Nein, antworten Sie auf die Frage. Sie reisten 1913 nach Finnland?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Unter welchem Namen?

ARNOLD: Ich sagte Ihnen, dass Karl Rask bis 1916 läuft.

WYSCHINSKI: Sehen Sie, in der Voruntersuchung, am 13. September haben Sie gesagt, Sie fuhren das zweite Mal ins Ausland unter dem Namen Aimo Külpenen. War es der Fall?

ARNOLD: Es ist sehr schwer wiederherzustellen.

WYSCHINSKI: Wann haben Sie die Wahrheit gesagt? In der Voruntersuchung oder jetzt?

ARNOLD: Jetzt habe ich mich an alles erinnert.

WYSCHINSKI: Sie wollten es wieder zusammenbringen und haben alles durcheinander gebracht. Wo ist die Garantie, dass Sie jetzt, die Wahrheit sagen? Ferner haben Sie bei der Vernehmung in der Staatsanwaltschaft der Union ebenfalls etwas ganz anderes gesagt, nämlich dass Ihr Familienname nach der Mutter Iwanow war, und dass Sie sich den Namen Wassiljew vom Taufpaten angeeignet haben, nun, das stimmt, aber wie ist es mit dem Muttersnamen?

ARNOLD: Ich erkenne den Familiennamen von der Mutter her nicht an, aber die Mutter hatte diesen Namen.

WYSCHINSKI: Weiter, der Taufschein lautete auf den Namen Iwanow?

ARNOLD: Nein, dort stand geschrieben: Sohn der Soldatenmutter, Iwanow.

WYSCHINSKI: Sie sind also Iwanow?

ARNOLD (schweigt)

WYSCHINSKI: Weiter, bis zur Revolution... Wann war bei uns die Revolution?

ARNOLD: Im Jahre 1917.

WYSCHINSKI: Bis zur Revolution waren Sie Landstreicher, wie Sie in der Untersuchung sagten. Stimmt das?

ARNOLD: Es stimmt. Das kommt auch in meiner Biographie zum Ausdruck.

WYSCHINSKI: Sie sagen weiter, dass Sie in das 13. Sibirische Regiment eingetreten sind, in dem Sie Ihren Heeresdienst geleistet haben. Haben Sie das gesagt?

ARNOLD: Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich vor Riga geschickt wurde, aber Sie ließen mich nicht zu Ende sprechen, ich habe dort im 13. Sibirischen Regiment gedient.'

WYSCHINSKI: Und Sie sind aus dem 13. Sibirischen Regiment desertiert?

ARNOLD: Ich desertierte nicht aus dem 13. Sibirischen Regiment.

WYSCHINSKI: Wann waren Sie im 13. Sibirischen Regiment, vor dem Gerichtsverfahren gegen Sie oder nach dem Gerichtsverfahren?

ARNOLD: Nach dem Gerichtsverfahren, vor dem Gerichtsverfahren war ich nicht im 13. Sibirischen Regiment. Vielleicht hat sich bei Ihnen ein Fehler eingeschlichen...

WYSCHINSKI: Natürlich, es ist jetzt schwer, sich auf das zu berufen, was Sie gelesen und was Sie unterschrieben haben.

ARNOLD: Ich habe unterschrieben und dachte, dass Sie dort alles richtig aufgestellt haben.

WYSCHINSKI: Also bin ich wohl an diesem Wirrwarr schuld?

ARNOLD: Bei Ihnen ist ein Fehler herausgekommen. Ich habe gesagt, dass ich in Lenin grad in der Alexander-III.-Kaserne war.

WYSCHINSKI: In Ihren Aussagen heißt es anders.

ARNOLD: Lesen Sie es bitte vor.

WYSCHINSKI: Gut, ich verlese es nochmals: „1915 rückte ich zum Heeresdienst ein. Ich diente im 13. Sibirischen Regiment. Der Name des Regimentskommandeurs war Iwanow...“

ARNOLD: Bei Ihnen ist nicht aufgezeichnet, dass ich zum ersten Mal desertierte. Ich bin doch zweimal desertiert.

WYSCHINSKI: Nein, das ist hier nicht gesagt.

ARNOLD: Aber jetzt ergänze ich es.

WYSCHINSKI: Ich sage ja gerade, dass jetzt hier vor uns Ergänzungen auftauchen.

ARNOLD: Das erste Mal kam ich in die Alexander-Kaserne...

WYSCHINSKI: Und was hat man mit Ihnen gemacht?

ARNOLD: Als Rekrut wurde ich in verschiedensten Übungen ausgebildet. Ich flüchtete noch vor der Beendigung der Ausbildung nach Finnland, wurde gefangen und in die Alexander-Kaserne zurückgeschickt. Nachdem ich gefangen wurde, kam ich in ein Kommando unter Aufsicht Stehender, in Erwartung des Gerichtes.

WYSCHINSKI: Sie wurden verurteilt...?

ARNOLD: Ich wurde abgeurteilt und mit einer Marschkompanie zum 13. Sibirischen Regiment geschickt.

WYSCHINSKI: Sehen Sie, das ist schon etwas anderes als das, was Sie gesagt haben. Kamen Sie beim Regiment an?

ARNOLD: Jawohl.

WYSCHINSKI: Hieß der Regimentskommandeur Iwanow?

ARNOLD: Stimmt, Iwanow.

WYSCHINSKI: Und der Name des Kompanieführers war Wassiljew?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Sie haben aber geschrieben: „Ich kann mich des Namens des Kompanieführers nicht entsinnen.“

ARNOLD: Ich habe ihn dann später gesagt, aber Sie haben es vergessen.

WYSCHINSKI: Nein, Angeklagter Arnold, Sie sind nicht so primitiv, wie Sie aussehen wollen. Sie verstehen es, Erklärungen abzugeben, in denen Sie Fehler von Angeklagten richtig stellen. Sie haben eine Erklärung an das Gericht gesandt, dass hier der Name Arnoldow genannt werde, und Sie bitten um die Feststellung, dass Sie nicht Arnoldow sondern Arnold sind.
Sie erinnern sich also nicht an den Namen des Kompanieführers? Oder doch?

ARNOLD: Anfangs habe ich mich nicht erinnert, später habe ich mich erinnert. Ich habe es damals noch gesagt, und Sie waren sogar erstaunt: „Er heißt auch Wassiljew?“ Und ich sagte: „Ja.“

WYSCHINSKI: Und wer war Feldwebel?

ARNOLD: Ich erinnere mich nicht:

WYSCHINSKI: Merkwürdig. Es mag dem sein, wie dem wolle, aber an einen Feldwebel kann man sich schon leichter erinnern als an einen Regimentskommandeur.
Was geschah dann? Waren Sie in dem Regiment?

ARNOLD: Ich war dort.

WYSCHINSKI: An der Front?

ARNOLD: An der Front.

WYSCHINSKI: Und dann?

ARNOLD: Dann wurde ich ins Hinterland zurückgeschickt.

WYSCHINSKI: Wie lange waren Sie an der Front?

ARNOLD: Ein oder zwei Monate, ich erinnere mich nicht genau.

WYSCHINSKI: Erinnern Sie sich genau an den Ort, wo Sie waren?

ARNOLD: In der Gegend von Stockmannshof.

WYSCHINSKI: War die Front in der Nähe?

ARNOLD: Ja, ganz in der Nähe, die Front war gleich am Fluss.

WYSCHINSKI: Auch Kämpfe fanden dort statt, wo Sie waren? Waren Feuergefechte?

ARNOLD: Jawohl.

WYSCHINSKI: Nahmen Sie am Feuergefecht teil?

ARNOLD: Jawohl.

WYSCHINSKI: Nahmen Sie Anteil an den Kämpfen?

ARNOLD: Einen Angriff habe ich nicht mitgemacht, aber am Feuern habe ich teilgenommen.

WYSCHINSKI: Warum haben Sie dann in der Voruntersuchung gesagt, dass Sie nicht an Kämpfen teilgenommen haben?

ARNOLD: Weil ich es einen Kampf erst nenne, wenn man einen Angriff mitmacht.

WYSCHINSKI: Warum ist es nur ein Kampf, wenn man einen Angriff mitmacht, aber wenn man den Angriff nicht mitmacht, sondern am Feuergefecht teilnimmt, warum ist es da kein Kampf? Kurz und gut, wann haben Sie die Wahrheit gesagt: jetzt oder damals?

ARNOLD: Sowohl jetzt als auch damals. Zuerst habe ich gesagt, dass ich am Kampf nicht teilgenommen habe, weil ich keinen Angriff mitgemacht habe, aber als Sie mich darüber aufklärten, dass ein Feuergefecht auch ein Kampf ist, sagte ich, dass; ich in diesem Fall an Kämpfen teilgenommen habe.

WYSCHINSKI: Sie haben also an Kämpfen teilgenommen?

ARNOLD: Also ja.

WYSCHINSKI: Nun gut. Sie kamen ins Lazarett. Das war in welchem Jahre?

ARNOLD: Das war 1915. Ende 1915.

WYSCHINSKI: Welchen Namen trugen Sie damals?

ARNOLD: Das war sogar Anfang 1916.

WYSCHINSKI: Welchen Namen?

ARNOLD: Den Namen Wassiljew.

WYSCHINSKI: Weshalb sagten Sie dann bei der Untersuchung, dass Sie 1916 unter dem Namen Külpenen Arbeit angenommen haben?

ARNOLD: Ja, jetzt bin ich doch noch in der Armee, ich hin noch nicht eingetroffen, warten Sie mal, wenn ich eingetroffen hin, dann wird mein Name nicht mehr Wassiljew, sondern Külpenen sein.

WYSCHINSKI: Ich frage Sie, welchen Namen Sie 1916 hatten. Sie sagen jetzt Wassiljew, warum haben Sie früher, bei der Untersuchung gesagt, dass Sie Ende 1916 unter dem Namen Külpenen Arbeit angenommen haben.

ARNOLD: Richtig. Anfang 1916 war ich noch in der Armee, und zwar unter dem Namen Wassiljew, aber Ende 1916 nahm ich Arbeit an unter dem Namen Külpenen.

WYSCHINSKI: Sie trugen also Ende 1916 schon den Namen Külpenen?

ARNOLD: Nein, gehen Sie doch schon der Reihe nach vor, sonst überspringen Sie etwas, und es bleiben unausgefüllte Lücken...

VORSITZENDER: Angeklagter Arnold. Ich rufe Sie zur Ordnung. Antworten Sie der Reihe nach auf die Fragen des Bürgers Staatsanwalt.

ARNOLD: Ich antworte der Reihe nach, aber der Bürger Staatsanwalt selbst überspringt etwas...

VORSITZENDER: Ich weise Sie nochmals darauf hin, dass der Staatsanwalt Ihnen Fragen stellt, und bemühen Sie sich, in der Reihenfolge zu antworten, wie er sie Ihnen stellt.

ARNOLD: Jawohl. Entschuldigen Sie.

WYSCHINSKI: Ich verstehe natürlich, Angeklagter Arnold, es ist Ihnen unangenehm, dass Lücken bleiben. Wie war es bei Ihnen, hatten Sie für jede Lücke einen besonderen Namen?

ARNOLD: Nein, zwei, drei Monate aber haben eine große Bedeutung in meinem Leben.

WYSCHINSKI: Ziehen Sie es vor, dass ich Ihnen die Fragen der Reihe nach stelle, damit in Ihrer Biographie keine Lücken bleiben?

ARNOLD: Führen Sie das Verhör ganz wie Sie wünschen. Ich bitte um Verzeihung, dass ich Sie gestört habe.

WYSCHINSKI: Also, was stellt sich nun schließlich heraus? 1915 kamen Sie unter dem Namen Wassiljew an die Front. Wie viel Monate blieben Sie dort? Nur wenige wohl?

ARNOLD: Ja, ungefähr ein paar Monate.

WYSCHINSKI: Wurden Sie krank oder desertierten Sie?

ARNOLD: Nein, zuerst erkrankte ich, kam ins Feldlazarett, dann wurde ich nach Perejaslaw-Salessk ins Lazarett überführt und aus dem Lazarett kam ich nach Nishni-Nowgorod. Dort blieb ich zwei Wochen, dann begannen dort Werbungen für ein lettisches Bataillon. Ich meldete mich und kam ins Lettische Bataillon nach Jurjew.

WYSCHINSKI: Weshalb sind Sie zum Lettischen Bataillon gekommen? Sind Sie denn Lette?

ARNOLD: Weil ich wieder aus der Armee auskneifen wollte und so näher nach Petersburg kam.

WYSCHINSKI: Weshalb war es denn nötig, zu diesem Zweck ins Lettische Bataillon einzutreten. Sie konnten doch einfach direkt nach Lenin grad fahren. Nach Nishni-Nowgorod sind Sie doch auf eigene Faust gefahren?

ARNOLD: Nein, ich wurde dorthin beordert.

WYSCHINSKI: Von wem beordert?

ARNOLD: Ich hatte einen Schein vom Lazarett.

WYSCHINSKI: An wen war der Schein adressiert? Von wem und für welche Behörde war er ausgestellt?

ARNOLD: Ich erinnere mich nicht mehr, er war für irgendeine Kaserne.

WYSCHINSKI: Und so kamen Sie in die Kaserne?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Sie waren also im Militärdienst?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Sie kamen dorthin als Soldat?

ARNOLD: Ja, sogar als Gefreiter.

WYSCHINSKI: Wann haben Sie es fertig gebracht, Gefreiter zu werden?

ARNOLD: Den habe ich mir auf dem Wege angenäht.

WYSCHINSKI: Sie haben sich also den Gefreiten eigens angenäht?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Weshalb haben Sie sich keinen höheren Rang zugelegt?

ARNOLD: Ich fürchtete, mit einem höheren Rang nicht fertig zu werden.

WYSCHINSKI: Aber mit dem Gefreitenrang wurden Sie fertig?

ARNOLD: Jawohl.

WYSCHINSKI: Was taten Sie denn, um mit dem Gefreitenrang fertig zu werden?

ARNOLD: Ich fuhr nach Nishni-Nowgorod, und als ich dort wieder gesund war, wurde ich beordert, nein, nicht beordert, sondern es wurde gefragt, wer in das Lettische Bataillon eintreten will. Ich meldete mich dazu und fuhr ab.

WYSCHINSKI: Sie fuhren also ab?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: In welchem Rang fuhren Sie, als Gefreiter?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Hatten Sie Dokumente darüber?

ARNOLD: Doch, dort stand, dass ich Gefreiter bin.

WYSCHINSKI: Sie fertigten also falsche Dokumente an?

ARNOLD: Ja, natürlich.

WYSCHINSKI: Sie kamen somit in das Lettische Bataillon mit gefälschten Dokumenten im Range eines Gefreiten?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Wohin kam dieses Lettische Bataillon?

ARNOLD: Das zweite Lettische Bataillon wurde nach Jurjew geschickt, dort wurde ich einem Ausbildungskommando zugeteilt und bildete Rekruten aus.

WYSCHINSKI: Wie konnten Sie denn andere ausbilden? Was verstanden Sie denn selbst?

ARNOLD: Was einer vorher gelesen und verstanden hat, das kann er auch behalten.

WYSCHINSKI: Woher verstanden Sie denn etwas? Sie waren doch meist in Lazaretten und auf der Flucht?

ARNOLD: Ja, aber was man so hört und sieht, bleibt im Gedächtnis. Alles was ich sage, ist die offenherzige Wahrheit.

WYSCHINSKI: Man kann nicht glauben, dass Sie nach Ihrer Erkrankung, und nachdem Sie im Lazarett waren, ins Bataillon kamen und man Sie plötzlich zur Ausbildung von Rekruten bestimmte. Oder verstanden Sie es einfach, so zu manövrieren, dass Sie den Leuten Sand in die Augen streuten?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Sie bildeten also niemanden aus, sondern gaben sich nur den Anschein, als täten Sie das?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Wann und wo war das?

ARNOLD: Das war Ende 1915 oder Anfang 1916.

WYSCHINSKI: Da Ihnen doch jeder Monat wertvoll ist, schildern Sie, wo und wann das war, sonst werde ich wieder Vorwürfe hören.

ARNOLD: Das war Ende 1915, ungefähr im November-Dezember.

WYSCHINSKI: Wo standen Sie mit diesem Schützenbataillon?

ARNOLD: In Jurjew.

WYSCHINSKI: Das war Ende 1915? Ungefähr im Oktober-November?

ARNOLD: Ja, im November - Dezember 1916, Verzeihung 1915. Dort diente ich bis Anfang 1916.

WYSCHINSKI: Was geschah dann mit Ihnen?

ARNOLD: Dann, im August, erhielt ich Urlaub und fuhr nach Finnland.

WYSCHINSKI: Weshalb haben Sie in der Voruntersuchung, sowohl bei mir in der Staatsanwaltschaft der Union als auch im Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten, unrichtige Aussagen gemacht? Sie haben bestätigt, dass Sie im Oktober-November 1915 beim Lettischen Schützenbataillon in Jurjew waren, bis Anfang 1916 dort dienten und dann nach Finnland reisten.

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Und wohin haben Sie sich von Finnland aus begeben?

ARNOLD: Dort änderte ich meinen Namen in Aimo Külpenen und fuhr nach Minsk.

WYSCHINSKI: Weshalb haben Sie noch während der Voruntersuchung geschrieben: „Ich muss hinzufügen (Sie hielten es sogar für nötig, dies hinzuzufügen), dass ich schon 1915 aus dem Finnischen Regiment desertierte, aber verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt wurde.“

ARNOLD: Das war ein Fehler.

WYSCHINSKI: Schon wieder ein Fehler? Sie bringen alles durcheinander.

ARNOLD: Es ist schwierig, das nach einzelnen Monaten festzustellen.

WYSCHINSKI: Sie haben doch selbst festgestellt, dass Sie 1915 beim Schützenbataillon eintraten, dort bis 1916 blieben, dann nach Finnland fuhren, Ihren Pass mit einem neuen, auf den Namen Külpenen vertauschten und abreisten. Hier aber schreiben Sie: „1915 desertierte ich aus dem Regiment, wurde verhaftet und vor Gericht gestellt.“

ARNOLD: Das war zu Beginn des Jahres. So stimmt es ja auch.

WYSCHINSKI: Sie haben gesagt, dass Sie zu Beginn des Jahres in Nishni-Nowgorod waren, sich dort zum Schützenbataillon meldeten, sich zum Gefreiten gemacht haben und dann nach Jurjew gefahren sind. Das war zu Anfang des Jahres. Sie verwirren alles. Sie nahmen also den neuen Namen Aimo Külpenen an?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Wie haben Sie das Dokument erhalten?

ARNOLD: Ich habe diesen Kameraden gut gekannt.

WYSCHINSKI: Nun, und was weiter?

ARNOLD: Ich ging in ihre Pastorkanzlei, legte ein Zeugnis vor und sagte, dass ich einen Taufschein brauche.

WYSCHINSKI: Mit seinem Einverständnis?

ARNOLD: Er wusste nichts davon.

WYSCHINSKI: Es war also richtig, als Sie sagten, Sie hätten den Taufschein durch Betrug erhalten?

ARNOLD: Ich weiß nicht, wo hier Betrug sein soll. Er hatte mich angezeigt, als ich aus der Armee davonging, und ich war der Meinung, das sei eine gewisse Heimzahlung, wenn ich sein Dokument ausnutzte.

WYSCHINSKI: Sie erhielten dieses Dokument auf betrügerischem Wege?

ARNOLD: Ja, auf betrügerischem Wege.

WYSCHINSKI: Sie nahmen Rache an ihm?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Und nebenbei war das vorteilhaft für Sie.

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Und wohin reisten Sie mit diesem Pass?

ARNOLD: Nach Minsk als Übersetzer. Dann war ich Kontorist in einem statistischen Bureau, und darauf reiste ich nach Wladiwostok.

WYSCHINSKI: Und wie sind Sie nach Wladiwostok gekommen?

ARNOLD: Mit einem Eisenbahn-Militärfahrschein.

WYSCHINSKI: Wo haben Sie den bekommen?

ARNOLD: Bei der Heeresverwaltung der Westfront habe ich mir einige genommen.

WYSCHINSKI: Gestohlen?

ARNOLD: Ja. In Wladiwostok ließ ich mich als Heizer auf dem Dampfer „Tula“ anheuern. Ich machte eine Fahrt Kamtschatka - Japan und zurück nach Wladiwostok. Dann fuhr ich von Wladiwostok nach Archangelsk.

WYSCHINSKI: Nein.

ARNOLD: Ich wollte nach Lenin grad fahren, kam aber nach Archangelsk.

WYSCHINSKI: Sie fuhren also von Wladiwostok nach Lenin grad und aus Lenin grad nach Archangelsk?

ARNOLD: Richtig.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, in welchem Jahre war das?

ARNOLD: August 1917.

WYSCHINSKI: Wer war damals an der Macht?

ARNOLD: Ich verstand nicht, was für eine Macht es war, ich kannte mich nicht aus.

WYSCHINSKI: Wie ist das möglich, die Revolution war ausgebrochen, und Sie kannten sich nicht aus? Waren es die Weißen oder die Roten?

ARNOLD: Die weiße Regierung.

WYSCHINSKI: Sie haben also begriffen?

ARNOLD: Es wurden zaristische Uniformen getragen, wie sollte ich da nicht begreifen?

WYSCHINSKI: Also unter der weißen Macht.

ARNOLD: Ja, der weißen.

WYSCHINSKI: Was taten Sie weiter?

ARNOLD: Ich ließ mich auf ein amerikanisches Schiff anheuern. Kam nach New York.

WYSCHINSKI: Unter welchem Namen?

ARNOLD: Aimo Külpenen.

WYSCHINSKI: Was fingen Sie in New York an?

ARNOLD: In New York war ich einige Tage, dann kam ich in die Armee. In die amerikanische Armee.

WYSCHINSKI: Weshalb?

ARNOLD: Weil ich angeworben wurde.

WYSCHINSKI: Wie hat man Sie angeworben? Sie waren doch russischer Untertan?

ARNOLD (schweigt)

WYSCHINSKI: Aber Sie kannten sich wohl darin nicht aus?

ARNOLD: Ich kannte mich nicht aus, ein Kollege kannte sich aus. Wir kamen in die 20. Avenue, man gab uns Nachtquartier, es stellte sich heraus, dass wir im Haus der Armee und Flotte waren. Dort wurden wir angeworben.

WYSCHINSKI: In welcher Eigenschaft?

ARNOLD: Als Rekruten, als Soldaten.

WYSCHINSKI: Waren Sie dort nicht Gefreiter?

ARNOLD: Nein, ich sprach nicht englisch.

WYSCHINSKI: Wie lange waren Sie in der amerikanischen Armee?

ARNOLD: Das erste Mal insgesamt ein Jahr, dann wurde ich entlassen.

WYSCHINSKI: Was dann war, darauf werden wir noch kommen. Sie trafen Anfang 1918 dort ein?

ARNOLD: Ende 1917.

WYSCHINSKI: Sie kamen Ende 1917 nach New York und traten in die amerikanische Armee ein.

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Wie lange blieben Sie dort?

ARNOLD: Genau ein Jahr.

WYSCHINSKI: Bis Ende 1918?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Unter welchem Namen?

ARNOLD: Aimo Külpenen. Als man uns in die Armee aufnahm, wurden wir naturalisiert und erhielten die amerikanische Staatsbürgerschaft.

WYSCHINSKI: Gegen Ihren Wunsch?

ARNOLD: Meinem Wunsch gemäß.

WYSCHINSKI: Ihrem Wunsch gemäß?

ARNOLD: Warum denn? Da ich nun einmal in der Armee war; in jeder Armee müssen die Soldaten Untertanen desjenigen Landes sein...

WYSCHINSKI: Ihrem Wunsch gemäß oder gegen Ihren Wunsch?

ARNOLD: Meinem Wunsch gemäß. Und zu dieser Zeit änderte ich meinen Namen in Valentin Arnold.

WYSCHINSKI: In was?

ARNOLD: Als wir zur Erteilung der Staatsbürgerschaft registriert wurden, bat ich, meinen Namen aus Aimo Külpenen in Valentin Arnold umzuwandeln.

WYSCHINSKI: Damals wurden Sie also Arnold?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Um sich einen amerikanischen Anschein zu geben?

ARNOLD: Ja, weil zwei Menschen nicht unter einem Namen leben können.

WYSCHINSKI: Unter welchem?

ARNOLD: Külpenen war doch noch in Finnland geblieben.

WYSCHINSKI: Haben Sie dort im Gefängnis gesessen?

ARNOLD: Jawohl.

WYSCHINSKI: Wie lange?

ARNOLD: Fünf bis sechs Monate.

WYSCHINSKI: Weswegen?

ARNOLD: Ich stand unter dem Verdacht der Aneignung von Staatseigentum.

WYSCHINSKI: Sie wurden also sofort nach Ihrer Ankunft in Amerika in die Armee aufgenommen? Nicht wahr?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Und dann kamen Sie von der Armee ins Gefängnis?

ARNOLD: Nein, das war 1922, als ich ins Gefängnis kam.

WYSCHINSKI: Zum zweiten Mal? Aber ich frage Sie nach dem ersten Mal.

ARNOLD: Nein, das erste Mal war ich nicht im Gefängnis.

WYSCHINSKI: Das erste Mal waren Sie nicht im Gefängnis?

ARNOLD: Nein.

WYSCHINSKI: Sie dienten ein Jahr in der Armee, und wohin kamen Sie dann?

ARNOLD: Ich wurde demobilisiert und wollte nach Finnland zurückkehren.

WYSCHINSKI: Mit was für Dokumenten?

ARNOLD: Ich hatte noch kein Dokument auf den Namen Arnold, denn ich sollte es erst später erhalten.

WYSCHINSKI: Wie kommt das? Sie sagten doch, dass Ihnen ein Dokument auf den Namen Arnold ausgestellt wurde.

ARNOLD: Meine Staatsbürgerschaft wurde 1918 formell geregelt.

WYSCHINSKI: Hatten Sie ein Dokument auf den Namen Arnold?

ARNOLD: Nein, ich hatte noch keins. Das erste Dokument auf den Namen Arnold erhielt ich in der Zeit - ich weiß nicht, oh sich das Dokument bei den Untersuchungsakten befindet, dort gibt es eine Aufzeichnung darüber; - als ich das zweite Mal in der amerikanischen Armee war, das war erst nach vier Jahren.

WYSCHINSKI: Ich frage Sie aber nach dem ersten Mal. Sie kamen zum ersten Mal Ende 1915 unter dem Namen Aimo Külpenen in die Armee und dienten bis Ende 1918?

ARNOLD: Bis Anfang 1919.

WYSCHINSKI: Sogar bis Anfang 1919? Unter dem Namen Aimo Külpenen?

ARNOLD: ja.

WYSCHINSKI: Um diese Zeit nahmen Sie den Namen Arnold an?

ARNOLD: Ich hatte meinen Namen schon gewechselt, aber die Dokumente hatte ich um diese Zeit noch nicht erhalten.

WYSCHINSKI: Sie wurden Anfang 1919 demobilisiert und reisten nach Finnland.. Ist das richtig oder nicht?

ARNOLD: Nein, ich fuhr nicht nach Finnland. Ich wollte dorthin fahren.

WYSCHINSKI: Mit welchen Dokumenten?

ARNOLD: Auf den Namen Aimo Külpenen.

WYSCHINSKI: Sie hatten also Dokumente auf den Namen Aimo Külpenen?

ARNOLD: Ja, ich hatte das alte Dokument noch aufbewahrt.

WYSCHINSKI: Sie nahmen den neuen Namen Arnold an?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Und das alte Dokument hoben Sie für jeden Fall auf?

ARNOLD: Das alte hob ich für jeden Fall auf.

WYSCHINSKI: Kamen Sie nach Finnland?

ARNOLD: Ich kam nicht nach Finnland, sondern nach Südamerika.

WYSCHINSKI: Wie kamen Sie dorthin? Zufällig?

ARNOLD: Ich ließ mich als Segelmacher auf das Segelschiff „Vicomte“ anheuern und kam nach Südamerika, nach Buenos Aires. Dann ließ ich mich auf ein amerikanisches Schiff anheuern und kam nach Schottland, von dort im Januar 1920 nach New York, und hier kam ich wieder in die Armee zurück.

WYSCHINSKI: Wieso kamen Sie denn wieder in die Armee?

ARNOLD: Während ich herumreiste, hatte man meine Dokumente auf den Namen Arnold in Ordnung gebracht; als ich zurückkam, erhielt ich dort die Dokumente und die Nationalität.

WYSCHINSKI: Also während Sie herumreisten, wurde die Sache dort geregelt, Sie kamen an und erhielten alles ausgefertigt. War es so?

ARNOLD: Jawohl.

WYSCHINSKI: Haben Sie dort im Gefängnis gesessen?

ARNOLD: Zweimal.

WYSCHINSKI: Wie viel Jahre waren Sie in der Armee?

ARNOLD: Von 1920 bis 1923. Dann fuhr ich nach Los Angeles in Kalifornien.

WYSCHINSKI: Wie, Sie dienten in der Armee und saßen im Gefängnis?

ARNOLD: Ich war in der Armee und saß sechs Monate. Ich diente in der Armee und saß im Gefängnis.

WYSCHINSKI: Wann kamen Sie das zweite Mal ins Gefängnis?

ARNOLD: Ich war kein zweites Mal im Gefängnis, ich war Kommandant.

WYSCHINSKI: Aber Sie haben doch eben noch gesagt, dass Sie zweimal im Gefängnis saßen?

ARNOLD: Nein, Sie. haben sich geirrt, ich war einmal im Gefängnis.

WYSCHINSKI: Erstens haben Sie darüber auch in der Voruntersuchung gesprochen.

ARNOLD: In der Voruntersuchung habe ich ebenfalls gesagt, dass ich nur einmal im Gefängnis gesessen habe.

WYSCHINSKI: Wurden Ihnen Ihre persönlichen Parteiakten vorgewiesen? Waren Sie in der Partei?

ARNOLD: Ich habe die Partei betrogen.

WYSCHINSKI: Aber bei der Voruntersuchung haben Sie ebenfalls gesagt, dass Sie zweimal im Gefängnis waren.

ARNOLD: Bei der Untersuchung habe ich nicht das gesagt, was ich hier sage.

WYSCHINSKI: Soweit ich Sie verstanden habe, sagten Sie hier, dass Sie zweimal im Gefängnis gesessen haben.

ARNOLD: Aber das erste Mal in Rußland und das zweite Mal in Amerika.

WYSCHINSKI: Also doch zweimal, das eine Mal in Amerika wegen Aneignung von fremdem Eigentum, und das zweite Mal in Rußland - weswegen?

ARNOLD: Wegen Desertion. Ich war in einem Kommando unter Aufsicht Stehender, Fontanka Nr. 80.

WYSCHINSKI: Es gab aber kein solches Kommando. Was war das für ein Kommando unter Aufsicht Stehender?

ARNOLD: Ich saß in Haft und dachte, es sei ein Kommando unter Aufsicht Stehender.

WYSCHINSKI: Schrieben Sie nicht in einem offiziellen Dokument, dass Sie in Minsk verhaftet waren?'

ARNOLD: Das habe ich in betrügerischer Absicht geschrieben.

WYSCHINSKI: Bei Ihnen ist rundherum Betrug, so dass Sie nicht einmal unterscheiden, wo bei Ihnen Wahrheit und wo Betrug ist. Sie kehrten also 1923 abermals von Amerika nach Europa zurück?

ARNOLD: Ich war 1923 in Los Angeles. Ich richtete einen Antrag an eine Gesellschaft, die sich Gesellschaft für Technische Hilfe für Sowjetrussland nannte. Mein Antrag wurde angenommen, und ich wurde nach Sibirien mit der zweiten Industriekolonne geschickt...

WYSCHINSKI: Sie waren also in der amerikanischen Armee Ende 1917 oder Ende 1918…

ARNOLD: Insgesamt vier Jahre.

WYSCHINSKI: Nein, warten Sie; „insgesamt“, so geht es nicht. Ich will die Zeit auseinander halten. Ende 1917 und bis Ende 1918 oder bis Anfang 1919 befanden Sie, sich in der amerikanischen Armee, stimmt das?

ARNOLD: Stimmt. Dann war ich von 1919 bis 1920 entlassen.

WYSCHINSKI: Kämpften Sie irgendwo?

ARNOLD: Nein:

WYSCHINSKI: Als Sie in Amerika waren, kämpften Sie irgendwo?

ARNOLD: In Frankreich war ich...

WYSCHINSKI: Woher kommt jetzt Frankreich? Sie haben gesagt, dass Sie von Ende 1917 bis Anfang 1919 in der amerikanischen Armee waren, dann wurden Sie demobilisiert, dann reisten Sie nach Helsingfors, oder wohin Sie sonst wollten, ab, kamen aber nicht dorthin. Wohin kamen Sie stattdessen?

ARNOLD: Nach Südamerika.

WYSCHINSKI: So, dort waren Sie acht Monate. Wohin fuhren Sie dann 1920?

ARNOLD: Wieder nach Amerika zurück;

WYSCHINSKI: Und Sie sagen, Sie waren dort drei Jahre: 1921, 1922 und 1923?

ARNOLD: Das stimmt.

WYSCHINSKI: Aber woher kommt jetzt Frankreich?

ARNOLD: Sie haben mich doch nicht gefragt, was ich im Laufe dieses Jahres getan habe, deshalb habe ich es auch nicht gesagt.

WYSCHINSKI: Nein, ich habe Sie gefragt: Waren Sie in Amerika. Sie sagten: „Ja“. Sie sagten, dass Sie 1920 in Amerika waren, dass Sie 1921 in Amerika waren, dass Sie 1922 und 1923 in Amerika waren. Stimmt das?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Woher kommt dann aber Frankreich? Frankreich liegt doch nicht in Amerika?

ARNOLD: Nein.

WYSCHINSKI: Wann kamen Sie denn nach Frankreich?

ARNOLD: Das war 1917 oder 1918. Ich war in der amerikanischen Armee.

WYSCHINSKI: Angeklagter Arnold, mit Ihnen kann man die größte Engelsgeduld verlieren. Ich verliere sie bis jetzt nicht. Sie können leugnen, was Sie am 9. Januar bei der Voruntersuchung ausgesagt haben, was Sie im September bei der Voruntersuchung ausgesagt haben, aber das, was Sie vor fünf Minuten ausgesagt haben - davon abzurücken wird Ihnen nicht gelingen.

ARNOLD: Sie haben mich nicht verstanden.

WYSCHINSKI: Ich habe Sie gefragt: Haben Sie, als Sie von Ende 1917 bis Ende 1918 oder Anfang 1919 in Amerika waren, gekämpft? Was haben Sie mir darauf geantwortet?

ARNOLD: Sie haben mich nicht gefragt, ob ich gekämpft habe. Ich habe Sie nicht verstanden. Ich war in dieser Zwischenzeit von 1917 bis 1918 in Frankreich, aber nicht lange, vier Monate.

WYSCHINSKI: Sie waren also in Amerika, wurden aber während dieser Zeit nach Frankreich geschickt?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Mit irgendeinem Truppenteil?

ARNOLD: Ich wurde zur Auffüllung des 9. Feldartillerieregiments geschickt.

WYSCHINSKI: An die Front?

ARNOLD: An die Front gelang es mir nicht zu kommen.

WYSCHINSKI: Also haben Sie an keinen Kämpfen teilgenommen?

ARNOLD: Nein.

WYSCHINSKI: Wie können Sie dann schreiben, dass Sie vor Verdun durch einen Granatsplitter am Fuß verwundet wurden?

ARNOLD: Das war, als man mich an die Front schickte, ich war noch nicht...

WYSCHINSKI: Aber Verdun war doch an der Front?

ARNOLD: Als Front betrachte ich es, wenn man schon direkt in der Feuerlinie liegt.

WYSCHINSKI: War bei Verdun die Front?

ARNOLD: Jawohl.

WYSCHINSKI: Wurden Sie vor Verdun verwundet?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Durch einen Granatsplitter?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Woher kam dieser Granatsplitter?

ARNOLD: Aus einem Flugzeug wurde eine Bombe geworfen. Ich wurde durch ein Schrapnell verwundet.

WYSCHINSKI: Aber Sie sagen, dass Sie nicht an der Front waren.

ARNOLD: Vielleicht unterscheide ich nicht, was die Front und was nicht die Front ist. Dort wurde ich mit russischen Genossen bekannt, die der Gesellschaft für Technische Hilfe für Sowjetrußland angehörten, an deren Arbeit ich teilnahm, und ich beschloss, nach Rußland zu fahren.

WYSCHINSKI: Sie beschlossen also, Sowjetrußland gleichfalls technische Hilfe zu leisten?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Auf welche Weise leisteten Sie diese Hilfe?

ARNOLD: Ich fuhr nach Kemerowo.

WYSCHINSKI: Mit was für einem Dokument?

ARNOLD: Mit einem Empfehlungsschreiben in englischer Sprache.

WYSCHINSKI: Wer gab Ihnen das?

ARNOLD: Die Gesellschaft für Technische Hilfe für Sowjetrußland.

WYSCHINSKI: Und woher wusste sie, dass Sie Rußland helfen wollten?

ARNOLD: Ich stellte einen Antrag, füllte einen Fragebogen aus.

WYSCHINSKI: Ja, das verstehen Sie. Was schrieben Sie in diesem Fragebogen?

ARNOLD: Ich schrieb auf, wo ich geboren wurde, meinen Namen usw.

WYSCHINSKI: Wie denn? Sie zählten alle Ihre Namen auf?

ARNOLD: Nein, damals hatte ich nur noch einen Namen: Arnold. Sobald ich in die amerikanische Armee eintrat, hatte ich schon den Namen Arnold.

WYSCHINSKI: Und wo war Ihr Pass auf den Namen Külpenen?

ARNOLD: Ich hatte ihn als altes Dokument aufgehoben.

WYSCHINSKI: Sie hoben ihn dennoch auf?

ARNOLD: Ich behielt ihn, nun, als Museumsrarität.

WYSCHINSKI: Glauben Sie, dass die Museen sich sehr für Ihren Pass interessieren?

ARNOLD: Ich behielt ihn als Andenken, weil er voller Stempel aus aller Herren Länder war.

WYSCHINSKI: Weiter, Sie kamen also nach Kemerowo. Waren Sie Mitglied dieser Gesellschaft für Technische Hilfe für Sowjetrußland?

ARNOLD: Ich war kein Mitglied, sondern hatte dort nur einen Antrag eingereicht. Als ich nach Kemerowo kam, war ich überhaupt Mitglied dieser Kolonistenorganisation.

WYSCHINSKI: Welchem Glaubensbekenntnis gehörten Sie damals an?

ARNOLD: Dem lutherischen Glaubensbekenntnis.

WYSCHINSKI: Waren Sie nicht Mitglied einer Freimaurerloge?

ARNOLD: Jawohl.

WYSCHINSKI: Wie kamen Sie in diese Freimaurerloge?

ARNOLD: Als ich damals in Amerika war, stellte ich einen Aufnahmeantrag und trat in die Freimaurerloge ein.

WYSCHINSKI: Warum in die Freimaurerloge, und nicht in irgendeine andere?

ARNOLD: Ich wollte in die höheren Schichten der Gesellschaft eindringen.

WYSCHINSKI: Kamen Sie in die Gesellschaft für Technische Hilfe für Sowjetrußland bereits als Freimaurer, half Ihnen nicht die Freimaurerloge, in diese Gesellschaft einzudringen?

ARNOLD: Nein.

WYSCHINSKI: Als Sie in diese Gesellschaft eintraten, sagten Sie, dass Sie Freimaurer sind?

ARNOLD: Nein, ich hielt das geheim.

WYSCHINSKI: Sie hielten das geheim?

ARNOLD: Ja, und bis ich verhaftet wurde, hat niemand etwas davon erfahren.

WYSCHINSKI: Warum das?

ARNOLD: Weil ich die Loge nicht mehr brauchte.

WYSCHINSKI: Und wann brauchten Sie sie?

ARNOLD: Damals brauchte ich sie. In Amerika brauchte ich sie, aber in der Sowjetunion brauchte ich sie nicht.

WYSCHINSKI: Ich spreche von Amerika. Sagten Sie in Amerika Ihren Bekannten, dass Sie Logenmitglied waren?

ARNOLD: Meine Bekannten wussten, dass ich Freimaurer war.

WYSCHINSKI: Beteiligten Sie sich an religiösen Zusammenkünften und Versammlungen der Freimaurer in Amerika?

ARNOLD: Als ich in Amerika war, beteiligte ich mich an Versammlungen, dann an den Freimaurerlogen.

WYSCHINSKI: Erfüllten Sie alle Riten der Freimaurer?

ARNOLD: Das, was notwendig war, erfüllte ich.

WYSCHINSKI: War das in der Gesellschaft für Technische Hilfe bekannt, als Sie dort eintraten?

ARNOLD: Ich sagte, dass ich keiner Freimaurerorganisation angehörte, keine Loge besuchte, und als ich in die Gesellschaft für Technische Hilfe eintrat, sagte ich nichts davon, dass ich Freimaurer bin.

WYSCHINSKI: Sie verheimlichten das?

ARNOLD: Es war nicht ganz so, dass ich es verheimlichte, aber mich fragte niemand danach.

WYSCHINSKI: Kurz gesagt, haben die Freimaurer Ihnen in dieser Sache nicht geholfen?

ARNOLD: Nein, es ging ohne sie

WYSCHINSKI: Sie fuhren nach Kemerowo, von wem wurden Sie aus Los Angeles dorthin gesandt?

ARNOLD: Ich wurde als Kolonist geschickt.

WYSCHINSKI: Was heißt: als Kolonist?

ARNOLD: Weil von dort eine Gruppe amerikanischer Spezialisten übersiedelte.

WYSCHINSKI: Sie fuhren also auch in die Kolonie, die in Kemerowo war?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie wurden als Mitglied aufgenommen?

ARNOLD: Ja, das heißt, ich wurde schon als Mitglied aufgenommen, als ich noch in Amerika war, andernfalls hätte ich nicht an der Reise teilnehmen können.

WYSCHINSKI: Wann war das?

ARNOLD: Das war im Oktober 1923.

WYSCHINSKI: Wie lange waren Sie in der AIK?

ARNOLD: Während der ganzen Zeit des Bestehens der AIK, bis 1936 war ich überhaupt nur im Kusnetzkrevier.

WYSCHINSKI: Und wo haben Sie gearbeitet?

ARNOLD: Ich arbeitete in Kemerowo.

WYSCHINSKI: In welcher Stellung?

ARNOLD: In verschiedenen Stellungen: ich habe als Übersetzer, als Geschäftsführer und in der Handelsabteilung gearbeitet. Wenn ich alles aufzählen soll, kann ich es aufzählen.

WYSCHINSKI: Traten Sie in die KPdSU(B) ein, als Sie aus Amerika ankamen?

ARNOLD: Ich trat 1923 in die Partei ein.

WYSCHINSKI: Und Sie blieben gleichzeitig Freimaurer?

ARNOLD: Ja, aber ich habe darüber mit niemandem gesprochen.

WYSCHINSKI: Sie sind also in die Partei eingedrungen und haben verheimlicht, dass Sie Freimaurer waren?

ARNOLD: Ich betrachtete mich als automatisch ausgetretenen Freimaurer, da ich keine Versammlungen besuchte und keine Beiträge bezahlte, daher war ich automatisch ausgeschieden.

WYSCHINSKI: Als Sie in die Partei aufgenommen wurden, verheimlichten Sie das aber?

ARNOLD: Ja, ich verheimlichte es.

WYSCHINSKI: Aber später wurde das aufgedeckt?

ARNOLD: Später wurde es aufgedeckt.

WYSCHINSKI: Was wurde aufgedeckt?

ARNOLD: Es wurde durch eine Haussuchung aufgedeckt.

WYSCHINSKI: Was ergab die Haussuchung?

ARNOLD: Dort befand sich eine kleine Karte, aus der hervorging, dass ich Mitglied der Freimaurerloge war.

WYSCHINSKI: Nun, und was geschah dann weiter mit Ihnen?

ARNOLD: Man fragte mich, und ich sagte, dass ich Freimaurer war.

WYSCHINSKI: Nun, und was dann weiter?

ARNOLD: Und jetzt habe ich mich zu verantworten.

WYSCHINSKI: Angeklagter Arnold, Sie werden jetzt nicht für Freimaurerei zur Verantwortung gezogen. Sie reden mit Unrecht so. Sagen Sie, welcher Loge gehörten Sie an?

ARNOLD: Der dritten Loge des dritten Grades der dritten Stufe.

WYSCHINSKI: Wie hieß sie?

ARNOLD: Soll ich es englisch oder russisch sagen?

WYSCHINSKI: Nein, sagen Sie es lieber auf russisch, damit es mir und dem ganzen Saal verständlich ist.

ARNOLD: Die Loge des alten Bekenntnisses der Freimaurer, die Alt-Freie. Weiter stand darin, dass ich Meister der Freimaurer der und der Loge bin.

WYSCHINSKI: Welcher Loge?

ARNOLD: Der 183.

WYSCHINSKI: Nun gut, wurden Sie von der Parteiorganisation deshalb nicht zur Verantwortung gezogen?

ARNOLD: Ich habe drei Parteireinigungen bestanden.

WYSCHINSKI: Ist alles gut gegangen?

ARNOLD: Alles ist gut gegangen. Ich verstand zu vertuschen, und habe nur meinen Lebenslauf durcheinander gebracht.

WYSCHINSKI: Und ist es nicht einmal vorgekommen, dass Sie wegen sowjetfeindlicher Agitation...

ARNOLD: Das war in Kusnetzk 1930.

WYSCHINSKI: Wurden Sie zur Verantwortung gezogen oder aus der Partei ausgeschlossen?

ARNOLD: Beinahe ausgeschlossen; von meiner Stellung wurde ich entfernt.

WYSCHINSKI: Weshalb?

ARNOLD: In der Kontrollkommission wurde gesagt, es gingen Gerüchte um, dass Arnold sowjetfeindliche Propaganda unter den ausländischen Spezialisten treibe, deshalb wurde ich aus der Partei ausgeschlossen.

WYSCHINSKI: Trieben Sie wirklich eine solche Propaganda?

ARNOLD: Gleichzeitig wurde gesagt, dass ich angeblich einer der Partei fremden Organisation, den Freimaurern, angehörte, aber ich verstand das zu vertuschen.

WYSCHINSKI: Sie sind also in dieser Hinsicht ein ziemlich findiger Mensch?

ARNOLD: Findigkeit hilft nicht überall.

WYSCHINSKI: Ihnen? Ich frage, ob Sie ein findiger Mensch sind?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Hat Ihnen das geholfen?

ARNOLD: Ja, es hat mir gehoffen.

WYSCHINSKI: Standen Sie in Amerika nicht mit der Kommunistischen Partei in Verbindung?

ARNOLD: Ich stand mit ihr in Verbindung und nahm im Jahre 1919 an der Arbeit der Kommunistischen Partei teil.

WYSCHINSKI: Und an der Freimaurerloge?

ARNOLD: Und gehörte gleichzeitig der Freimaurerloge an.

WYSCHINSKI: Half Ihnen vielleicht die Partei, in die Gesellschaft für Technische Hilfe für Rußland hineinzugelangen?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Sie nutzten also die Verbindungen auch auf dieser Linie aus?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Die Freimaurer halfen Ihnen nicht? Was waren Sie nun, Ihrer Überzeugung nach, in Wirklichkeit, Freimaurer oder Kommunist?

ARNOLD: Ich war einfach ein Mensch.

WYSCHINSKI: Menschen gibt es verschiedene. Waren Sie nicht damals Kommunist?

ARNOLD: Den Dokumenten nach war ich es, aber ich war auch Freimaurer.

WYSCHINSKI: Den Dokumenten nach waren Sie auch Gefreiter.

ARNOLD: Nein, ich war Sergeant.

WYSCHINSKI: Das war erst später. Ich frage Sie: waren Sie Kommunist dem Wesen, Ihrer Überzeugung und Ihren Anschauungen nach?

ARNOLD: Meiner Überzeugung nach war ich es und war es auch nicht.

WYSCHINSKI: Waren Sie Ihrer Überzeugung nach Freimaurer?

ARNOLD: Nein.

WYSCHINSKI: Sie waren es also Ihrer Überzeugung nach niemals?

ARNOLD: Ja, wenn die Freimaurer gewusst hätten, dass ich nicht lutherisch, sondern ein Russe bin, hätten Sie mich niemals aufgenommen.

WYSCHINSKI: Sie waren wirklich lutherisch?

ARNOLD: Ich war rechtgläubig.

WYSCHINSKI: Wie können Sie sich als lutherisch bezeichnen?

ARNOLD: Es gibt Römisch-katholische, Griechisch-katholische und Lutherische besonders.

WYSCHINSKI: Das sind nicht Griechisch- und nicht Römisch-katholische.

ARNOLD: Sie verstehen auf jeden Fall, dass die russische Religion und die lutherische etwas ganz Verschiedenes sind.

WYSCHINSKI: Richtig. Hielt man Sie aber nicht für lutherisch?

ARNOLD: Ja. Tatsächlich wurde ich in einer russischen Kirche getauft.

WYSCHINSKI: In die Freimaurerloge sind Sie als Lutheraner eingetreten?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Sie kennen sich darin gut aus. Wenn Sie gesagt hätten, dass Sie ein Russe waren, hätte man Sie dann nicht aufgenommen?

ARNOLD: Nein.

WYSCHINSKI: Warum?

ARNOLD: Weil das gegen die katholische Religion ist.

WYSCHINSKI: Aber nicht gegen die protestantische?

ARNOLD: Nein.

WYSCHINSKI: Sie kennen sich darin gut aus?

ARNOLD: Ja, vorzüglich.

WYSCHINSKI: Wussten Sie das vor Ihrem Eintritt in die Freimaurerloge?

ARNOLD: Ja, natürlich wusste ich das.

WYSCHINSKI: Sie hatten also diese Frage früher studiert?

ARNOLD: Ich kannte diese Frage sehr gut, weil man dort, genau so wie überall, danach fragt.

WYSCHINSKI: Wann traten Sie mit den Trotzkisten in Verbindung?

ARNOLD: Im Jahre 1932.

WYSCHINSKI: Und mit wem kamen Sie zusammen?

ARNOLD: Als ich in Prokopjewsk arbeitete, war Schestow Leiter. Hier kam ich zum ersten Mal mit Trotzkisten zusammen.

WYSCHINSKI: Wer hat Sie bekannt gemacht?

ARNOLD: Ich arbeitete als Leiter der Garage, mein Chef war Schestow, und dort schloss ich Bekanntschaft.

WYSCHINSKI: Im Jahre 1932?

ARNOLD: Im Jahre 1932.

WYSCHINSKI: Haben Sie mit ihm über irgendwelche trotzkistische Angelegenheiten gesprochen?

ARNOLD: Nachdem ich ihn kennen gelernt hatte, ging ich häufig zu ihm in sein Arbeitszimmer, und er fragte mich, weshalb ich von Kusnetzkstroi entlassen worden sei.

WYSCHINSKI: Weshalb sind Sie entlassen worden?

ARNOLD: Wegen sowjetfeindlicher Propaganda unter den ausländischen Fachleuten.

WYSCHINSKI: Wusste er das?

ARNOLD: Ja. Er wusste auch, dass ich einer parteifremden Organisation, den Freimaurern, angehörte. Er wusste, dass ich Finne war, dass ich mehrmals meinen Namen gewechselt habe.

WYSCHINSKI: Das wusste er auch?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Kannte er alle Ihre Namen?

ARNOLD: Nein, er kannte nur die Namen Aimo Külpenen und Arnold.

WYSCHINSKI: Wir wollen einmal nachzählen, wie viel Namen Sie haben. Haben Sie alle im Gedächtnis?

ARNOLD: Ja, alle.

WYSCHINSKI: Wassiljew, Rask, Iwanow laufen durcheinander, es war ein Taufschein vorhanden.

ARNOLD: Ich war nicht Iwanow.

WYSCHINSKI: Dann Aimo Külpenen, dann?

ARNOLD: Arnold.

WYSCHINSKI: Das ist alles?

ARNOLD: Alles.

WYSCHINSKI: Also vier Namen?

ARNOLD: Vier Namen.

WYSCHINSKI: Und zwar waren Sie einmal Wassiljew, dann Külpenen, dann wieder Wassiljew, dann wieder Külpenen, dann Arnold, dann wieder Külpenen.

ARNOLD: Ja, so ist es gewesen.

WYSCHINSKI: Kannte Schestow diese Namen?

ARNOLD: Er kannte nicht alle, sondern nur zwei Namen.

WYSCHINSKI: Wann weihte er Sie in seine verbrecherischen Pläne, in seine Verbrechen ein?

ARNOLD: Ich besuchte ihn oft in seinem Arbeitszimmer. Er sagte: „Ich hätte dich schon lange bei den betreffenden Organen anzeigen können, aber ich will das nicht, weil ich glaube, dass du ein gutes Mitglied unserer Organisation sein wirst.“ Dann sagte er, dass die Organisation gut arbeitet.

WYSCHINSKI: Was war mit dem „gut“ gemeint?

ARNOLD: Glänzend, mit einem Wort, es entwickelt sich, die Mitglieder bei uns arbeiten im ganzen Kusnetzkrevier.

WYSCHINSKI: Wie arbeiten sie?

ARNOLD: Sie verüben alle möglichen Schädlingsanschläge.

WYSCHINSKI: Das war bei Ihnen mit dem Wort „glänzend“ gemeint?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Und dann?

ARNOLD: Dann sagte er, dass wir in nächster Zeit die jetzigen Führer stürzen wollen. (Pause)

WYSCHINSKI: Und dann?

ARNOLD: Und dass möglicherweise die Führer in unsern Bezirk kommen würden, dass unsere Hauptaufgabe darin bestünde, Terroranschläge gegen die Führung der Regierung auszuüben.

WYSCHINSKI: Und was weiter?

ARNOLD: Dann sagte er mir: „Ich habe dich drei Monate lang geprüft und halte dich für einen energischen und willensstarken Menschen; darum erhältst du die Aufgabe, Terrorakte auszuführen. Zu diesem Zweck werde ich dich mit Tscherepuchin in Verbindung bringen.“ Er brachte mich mit Tscherepuchin in Verbindung und sagte: „Da hast du jemanden zur Arbeit.“

WYSCHINSKI: Für welche Arbeit?

ARNOLD: Zur Durchführung von Terroranschlägen. (Pause)

WYSCHINSKI: Und weiter?

ARNOLD: Dann reiste er ab. (Pause)

WYSCHINSKI: Warum reden Sie nicht weiter?

ARNOLD: Um diese Zeit, es war 1933... (Pause) Von welchem Zeitpunkt soll ich erzählen?

WYSCHINSKI: Von Ihrer Arbeit, zu der Sie Schestow bestimmte. Was ist Ihre jetzige Arbeit?

ARNOLD: 1934 kamen einige Führer der Regierung in unsern Bezirk. Ich war Leiter der Garage, und mir fiel die Durchführung von Terroranschlägen zu.

WYSCHINSKI: Wer hat Sie damit beauftragt?

ARNOLD: Im Auftrag Tscherepuchins.

WYSCHINSKI: Und wer hat Tscherepuchin beauftragt?

ARNOLD: Tscherepuchin war von Schestow beauftragt.

WYSCHINSKI: Haben Sie persönlich mit Schestow darüber gesprochen?

ARNOLD: Erst später.

WYSCHINSKI: Haben Sie mit ihm gesprochen?

ARNOLD: Ja, ich habe mit ihm gesprochen.

WYSCHINSKI: Was für Anschläge haben Sie vorbereitet?

ARNOLD: Mir wurden für die Ausführung der Terroranschläge zwei Stellen angegeben: eine Stelle bei Grube Nr. 3 und eine hei Grube Nr. 8.

WYSCHINSKI: Nun erzählen Sie doch. Was hat Ihnen auf einmal die Stimme verschlagen? Wann haben Sie die Terroranschläge organisiert?

ARNOLD: Der erste Terrorakt sollte 1934, zu Beginn des Jahres, genauer gesagt im Frühjahr stattfinden.

WYSCHINSKI: Gegen wen?

ARNOLD: Gegen Ordshonikidse.

WYSCHINSKI: Worin bestand er?

ARNOLD: Er bestand darin, dass Tscherepuchin mir konkret mitgeteilt hat: „Morgen kommt Ordshonikidse. Pass auf, du musst, koste es was es wolle, einen Terroranschlag verüben.“

WYSCHINSKI: Nun, und was weiter?

ARNOLD: Ich nahm diesen Vorschlag an. Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Wagen vor, weil ich als Garagenleiter, als Parteimitglied, über jedem Verdacht stand. Ich fuhr mit dem Auto zum Zuge. Ordshonikidse, Eiche und Ruchimowitsch nahmen darin Platz. Ich fuhr sie in die deutsche Kolonie, und sie ersuchten mich, von dort mit ihnen auf den Tyrkan zu fahren; als wir auf dem Berg waren, baten sie mich, auf der Kuppe anzuhalten, weil sie sich ganz Prokopjewsk ansehen wollten. Dann hielten wir vor dem Grubenkomplex Nr. 7-8-9. Tscherepuchin hatte mich darauf aufmerksam gemacht, dass dort alles bereit sei: „Du wirst dort ein Hindernis sehen, und an diesem Hindernis führst du den Unfall herbei.“ Und als wir wieder zu Tal fuhren, entwickelte ich eine ziemlich hohe Geschwindigkeit, 70 bis 80 Stundenkilometer, und nach etwa anderthalb Kilometer sah ich das Hindernis. Mir fiel sofort ein, dass dies die Stelle sei, wo ich die Katastrophe herbeiführen musste. Da ich die Stelle nicht kannte, wusste ich nicht, was mit mir passieren kann... Darum verringerte ich die Fahrtgeschwindigkeit, stoppte schnell, und dann wandte ich nach links, zur Brücke, ich sollte aber geradeaus fahren.

WYSCHINSKI: Sie entschlossen sich nicht?

ARNOLD: Ich konnte es nicht tun.

WYSCHINSKI: Sie konnten es nicht, sie entschlossen sich nicht? Das ist unser Glück. Und der zweite Fall?

ARNOLD: Eines Morgens kam zu mir Tscherepuchin aufs Büro und sagte: „Heute kommt Molotow. Sieh zu, dass du das nicht wieder verpasst.“ Ich sagte, dass ich doch nichts verpasst hätte. Er erwiderte darauf: „Ich weiß schon, wie du nichts verpasst hast.“ Da begriff ich, dass mich irgendjemand beobachtet. Ich antwortete, dass ich es tun würde. Ich fuhr mit dem Wagen vor der Expedition vor. Die Stelle, an der ich die Katastrophe herbeiführen sollte, kannte ich gut; sie befindet sich bei der Ausfahrt aus der Grube Nr. 3. Dort ist eine Kurve, an dieser Kurve befindet sich kein Graben, wie Schestow gesagt hat, sondern das, was wir eine Böschung nennen - an dieser Stelle führt die Straße einen Abhang entlang, der 8-10 Meter tief ist mit einer Neigung von ungefähr 90 Grad. Als ich mit dem Auto zum Zug vorfuhr, bestiegen Molotow, der Sekretär des Bezirkskomitees der Partei Kurganow und der Vorsitzende des Landes-Exekutivkomitees Grjadinski den Wagen...
Man sagte mir, ich solle durch die Komsomolzen-Straße in die Arbeitersiedlung fahren. Ich fuhr. Als ich eben von der Zufahrtstraße auf die Chaussee einbog, saust mir plötzlich ein Auto entgegen. Ich hatte keine Zeit nachzudenken, ich sollte den Terroranschlag verüben. Ich schaue hin, das zweite Auto saust auf mich zu. Da begriff ich, dass mir also Tscherepuchin nicht traut - ein zweites Auto geschickt hat. Ich konnte nicht erst lange nachdenken, aber ich erschrak. Ich konnte den Wagen noch seitwärts lenken, zur Böschung; in diesem Augenblick packte mich Grjadinski und sagte: „Was machst du?“

WYSCHINSKI: Was hat Sie hier zurückgehalten?

ARNOLD: Feigheit hat mich hier zurückgehalten.

WYSCHINSKI: Und das hat Ihre verbrecherischen Pläne durchkreuzt?

ARNOLD: Ja.

WYSCHINSKI: Ich habe eine Frage an Schestow. Angeklagter Schestow, bestätigen Sie die Aussage Arnolds in bezug auf die Vorbereitung und die Versuche zur Ausführung des Anschlags auf das Leben des Genossen Molotow?

SCHESTOW: Ja, Tscherepuchin hat mir das im Wesentlichen so erzählt.

WYSCHINSKI: Auf wessen Anweisung war das organisiert?

SCHESTOW: Das war auf meine Anweisung organisiert.

WYSCHINSKI: Auf Ihre?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Durch Tscherepuchin?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Haben Sie persönlich mit Arnold von diesem Ereignis gesprochen?

SCHESTOW: Nein, ich arbeitete um diese Zeit bei dem Anshersk-Sudshensk-Bergwerk, deshalb leitete Tscherepuchin die gesamte operative Arbeit.

WYSCHINSKI: Die operative Arbeit?

SCHESTOW: Ja, den Mord.

WYSCHINSKI: War Tscherepuchin der Leiter?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Haben Sie von diesem Anschlag von Arnold erst gehört, als das bereits geschehen war?

SCHESTOW: Ja, er erzählte mir davon erst im Herbst, Ende 1934.

WYSCHINSKI: Aus welchem Anlass sprach er mit Ihnen darüber?

SCHESTOW: Er kam um im Anshersk-Sudshensk-Bergwerk zu arbeiten.

WYSCHINSKI: Nun, und was weiter? Was veranlasste ihn, davon zu erzählen?

SCHESTOW: Ich interessierte mich dafür, wie die Sache vor sich ging.

WYSCHINSKI: Er wusste, dass das in Ihrem Auftrag geschah?

SCHESTOW: Die Sache interessierte mich vom Standpunkt der Technik, weshalb und wie.

WYSCHINSKI: Sie interessierte das?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Sie fragten ihn also?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und er erklärte es Ihnen?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie gaben ihm den Auftrag, den Anschlag auf das Leben des Genossen Molotow zu organisieren?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: In wessen Auftrag?

SCHESTOW: Ich hatte eine Direktive von Muralow erhalten.

WYSCHINSKI: Von Muralow?

SCHESTOW: Ja.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, eine Frage an den Angeklagten Muralow zu richten.

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI: Muralow, ich muss diese Aussage in diesem Zusammenhange nochmals nachprüfen. Geben Sie zu, dass Sie Schestow die Weisung erteilten, das Attentat gegen den Genossen Molotow zu organisieren?

MURALOW: Ich habe doch schon ausgesagt, dass ich das bestätige.

WYSCHINSKI: Sie müssen verstehen, dass ich Sie anlässlich des Verhörs des Angeklagten Arnold frage. Schestow gab ihm die Direktive, das Attentat gegen den Genossen Molotow zu organisieren. Schestow beruft sich seinerseits auf Sie, ich muss das nachprüfen.

MURALOW: Ich gestehe das ein, ich gebe das zu.

VORSITZENDER: Der Verteidiger Genosse Kasnatschejew hat das Wort:

KASNATSCHEJEW (zu Arnold): Ich bitte Sie, genauer anzugehen, innerhalb welcher Zeit Sie der trotzkistischen Organisation angehört haben?

ARNOLD: Von 1932-1934.

KASNATSCHEJEW: Von 1932-1934?

ARNOLD: Ja.

KASNATSCHEJEW: Welche Aufgaben wurden in dieser Zeit von Ihnen erfüllt? Diese beiden Versuche Terroranschläge zu verüben?

ARNOLD: Ja.

KASNATSCHEJEW: Welche Aufgaben noch?

ARNOLD: Ich erhielt keine weiteren Aufgaben.

KASNATSCHEJEW: Erhielten Sie Werbeaufträge?

ARNOLD: Ja, allerdings, ich erhielt sie. Ich hatte das völlig außer acht gelassen. Bürger Staatsanwalt, gestatten Sie mir, darüber kurz zu sprechen.

WYSCHINSKI: Bitte.

ARNOLD: Während ich in Prokopjewsk arbeitete. erhielt ich von Schestow den Auftrag, zu mir in die Garage zuverlässige Leute zu nehmen, d. h. Chauffeure. Ich gab meine Zustimmung dazu. Aber ich befasste mich nicht mit der Werbearbeit. Ich stellte allerdings Leute ein, aber das waren mehr Fachleute. Ich stellte ausländische Fachleute ein. Aber ich sagte ihm (Schestow) nichts davon. Ich stellte diese Leute für die mechanische Werkstatt ein, um die Qualität der Reparaturarbeiten zu verbessern. Als er mich fragte: „Hast du Leute gefunden?“, antwortete ich: „Ich habe welche eingestellt.“ Er sagte mir: „Ich werde dir Bescheid sagen, wenn es erforderlich ist, und wenn es nötig ist, musst du mich mit ihnen in Verbindung bringen.“ Da er jedoch abreiste, kam dies nicht zustande.

KASNATSCHEJEW: Man kann also die Schlussfolgerung ziehen, dass Sie den Auftrag hatten, sich mit der Werbearbeit zu befassen, dass Sie aber zwei Mitarbeiter einstellten, die Sie nicht in diese Organisation einbezogen. Folglich haben Sie denjenigen, von dem Sie diesen Auftrag erhielten, betrogen. Als Sie den Terroranschlag zu verüben versuchten, haben Sie ebenso in beiden Fällen betrogen oder den Versuch gemacht zu betrügen. Der zweite Fall war derart: als Ihnen gesagt wurde, dass er angekommen ist, da verloren Sie den Mut - das sagte Tscherepuchin.
Sie hatten dann, bald nach der Ausführung dieses Anschlags, ein Gespräch mit Schestow.

ARNOLD: Bald nach der Ausführung dieses Anschlags wurde ich in das Gebietskomitee der Partei geladen, dort kam meine Frage zur Erörterung, mir wurde eine Rüge wegen fahrlässiger Lenkung des Autos erteilt. Ich war bestrebt, möglichst schnell von dort zu verschwinden. Ich hatte schon vorher einen Antrag an das Volkskommissariat für Schwerindustrie gestellt, mit der Bitte, mir in irgendeinem Bezirk von Rußland eine Arbeit zu geben. Das Volkskommissariat für Schwerindustrie antwortete mir: Wir können dir Arbeit verschaffen, fahre unverzüglich zu unserer Verfügung ab. Ich fuhr ins Volkskommissariat für Schwerindustrie etwa gegen Ende September, und das Volkskommissariat für Schwerindustrie sandte mich nach Taschkent, wo ich eintraf und um die Erlaubnis bat, zurückzufahren, um meine Familie zu holen. Da es mir dort aber nicht gefiel, fuhr ich nach Nowosibirsk, traf im Kusnetzkrevier Schestow und bat ihn, ob er für mich vielleicht irgendeine Arbeit habe, da es mir dort nicht gefalle. Er sagte mir, Arbeit sei vorhanden, und schlug mir vor, einstweilen die Funktion eines stellvertretenden Leiters für Materialversorgung zu übernehmen. Er sagte dabei: später werden wir dich für die Garage nehmen. Ich verschob die Reise nach Taschkent und fuhr nach Anshersk. Zuerst war ich stellvertretender Leiter für Materialversorgung; dann wurde ich zum Leiter der Garage ernannt, wo ich bis in die letzte Zeit arbeitete

KASNATSCHEJEW: Als man Ihnen den Auftrag zur Verübung des Terroranschlags gab, hat man Sie da gewarnt, dass, falls Sie ihn nicht ausführen sollten, Ihr Leben bedroht wäre?

ARNOLD: Als ich mich mit dem Auftrag einverstanden erklärte, fürchtete ich, wenn ich ihn nicht ausführte, würde man Verdacht gegen mich schöpfen, mich für einen unzuverlässigen Mann halten und mich vernichten.

KASNATSCHEJEW: Sie hatten also Furcht vor Rache?

ARNOLD: Ja.

KASNATSCHEJEW: Wurden von irgendeiner Seite irgendwelche Drohungen ausgesprochen?

ARNOLD: Tscherepuchin und Schestow haben nicht direkt davon zu mir gesprochen, aber sie haben gesagt, bei einem Verrat werden wir dich aus dem Wege räumen.

KASNATSCHEJEW: Wer hat diese Andeutungen Ihnen gegenüber gemacht?

ARNOLD: Tscherepuchin und auch Schestow. Schestow sprach gleichfalls in diesem Sinne zu mir und warnte mich.

KASNATSCHEJEW: Gestatten Sie bei diesem Anlass eine Frage an den Angeklagten Schestow. Bestätigen Sie diesen Teil der Darstellung Arnolds?

SCHESTOW: Ja, ich kann bestätigen, dass gegen Arnold eine Andeutung wegen seiner unsauberen Vergangenheit gemacht wurde.

KASNATSCHEJEW: Wurde diese Andeutung bei der Werbung gemacht?

SCHESTOW: Etwas später.

KASNATSCHEJEW: Zu welchem Zeitpunkt war das, als Sie ihm den Auftrag erteilten oder als Sie ihn warben?

SCHESTOW: Am Schluss der Werbung, d. h. als die Dinge darauf hintrieben, dass ihm ein konkreter Auftrag erteilt wurde.

KASNATSCHEJEW (zu Arnold): Jetzt einige Fragen zu Ihrem Lebenslauf. Sie haben geschildert, wo Sie sich bis etwa 1923 befunden haben. Wie hat sich nun Ihr weiteres Leben von dieser Zeit an bis 1933/34 abgespielt?

ARNOLD: Mein Leben verlief folgendermaßen: Ich arbeitete 8 Jahre in Kemerowo, dann beim Kusnetzkstroi. In Kemerowo arbeitete ich 3 Jahre als Geschäftsführer, dann leitete ich den Flussverkehr, arbeitete ein ganzes Jahr in der Handelsabteilung und leitete den Telefonverkehr.

KASNATSCHEJEW: Das war alles in Kemerowo?

ARNOLD: Ja, als 1928 die Reorganisierung erfolgte und die chemische Industrie vom Kusnetzkrevier abgetrennt wurde, mobilisierte man mich für den Kusnetzkstroi. Das war Ende 1929. Dort arbeitete ich bis zu meiner Entlassung.

KASNATSCHEJEW: Es handelte sich also um einen ziemlich langen Zeitraum?

ARNOLD: Ja.

KASNATSCHEJEW: Sind Sie in der Sowjetunion oder in Amerika in die Partei eingetreten?

ARNOLD: Ich bin 1923 in der Sowjetunion erneut eingetreten.

KASNATSCHEJEW: Sie haben in der Voruntersuchung ausgesagt, dass Sie in Amerika Verbindung mit der Kommunistischen Partei hatten. Waren Sie Mitglied der Kommunistischen Partei oder nicht?

ARNOLD: Ich galt als Mitglied der Partei, aber in Rußland bin ich erneut eingetreten.

KASNATSCHEJEW: Waren Sie in Amerika gleichzeitig Mitglied der Partei und einer Freimaurerloge?

ARNOLD: Ja.

KASNATSCHEJEW: Aus welchen Gründen traten Sie in Amerika In die Freimaurerloge ein?

ARNOLD: Einerseits war ich der Meinung, dass ich mich in der besseren Gesellschaft bewegen werde, dann war es einfach so... die Freimaurer standen sozusagen überhaupt in gutem Ansehen, deshalb drängte ich mich hinein.

KASNATSCHEJEW: Aus welchen Gründen traten Sie dann in die Partei ein?

ARNOLD: Aus dem Grund, weil ich doch immerhin Arbeiter bin, weil ich mit den Arbeitern zusammen sein muss; deshalb stellte ich den Antrag auf Aufnahme in die Partei.

KASNATSCHEJEW: Als Sie für die trotzkistische Organisation geworben wurden, orientierten Sie sich da wenigstens in den Grundzügen über ihr Programm?

ARNOLD: Man hat mich überzeugt, dass die trotzkistische Organisation stark sei, dass sie an die Macht gelangen wird und dass ich nicht in den letzten Reihen bleiben werde.

KASNATSCHEJEW: Man sagte Ihnen also, dass die Trotzkisten an die Macht gelangen und Sie dabei nicht vergessen werden. Ich habe keine weiteren Fragen.

VORSITZENDER: Die Sitzung wird für zwanzig Minuten unterbrochen.

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