PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

ABENDSITZUNG VOM 26. JANUAR 1937

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN LIWSCHITZ

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint. Ich bitte, sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Wir schreiten zum Verhör des Angeklagten Liwschitz.

WYSCHINSKI: Angeklagter Liwschitz, erzählen Sie, wann Sie ihre illegale trotzkistische verbrecherische Tätigkeit wieder aufgenommen haben.

LIWSCHITZ: Im Grunde genommen 1933.

WYSCHINSKI: Unter welchen Umständen?

LIWSCHITZ: Von den ersten Zusammenkünften und den ersten Gesprächen über die Wiederaufnahme der trotzkistischen Arbeit erfuhr ich Anfang 1932 durch Loginow.

WYSCHINSKI: Wie ist das zu verstehen: von den ersten Gesprächen über die trotzkistische Arbeit erfuhr ich durch Loginow?

LIWSCHITZ: Als Loginow Anfang 1932 aus Berlin zurückkehrte, erzählte er mir von seinen Zusammenkünften mit Pjatakow, von den neuen Einstellungen, die er von Pjatakow erhalten hatte.

WYSCHINSKI: Das war also der erste Umstand, mit dem die Wiederaufnahme Ihrer trotzkistischen Tätigkeit zusammenhing?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Erzählen Sie bitte, was Loginow über diese neuen Einstellungen gesagt hat.

LIWSCHITZ: Loginow berichtete folgendes: Er war 1931 in der Periode der Unterbringung von Aufträgen für die Industrie in Berlin und kam dort mit Pjatakow zusammen. Pjatakow kannte uns seit langem.

WYSCHINSKI: Wer ist mit „uns“ gemeint?

LIWSCHITZ: Er kannte mich, Loginow, Golubenko, Kozjubinski, er berichtete von den Zusammenkünften, die er mit Smirnow und mit Sedow hatte. Der Kampf, der in der Periode 1923-1928 geführt wurde, habe keine realen Ergebnisse gezeitigt, infolgedessen müsse man jetzt nach den Weisungen Trotzkis zu anderen Kampfmethoden, zu den Methoden des Terrors und der Zerstörungsarbeit in der Wirtschaft übergehen.

WYSCHINSKI: Das sagte Ihnen Loginow?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Unter Berufung auf wessen Worte?

LIWSCHITZ: Auf die Worte Pjatakows.

WYSCHINSKI: Pjatakow also beauftragte Loginow, Ihnen das zu bestellen?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Es handelte sich also nicht um ein einfaches Gespräch Loginows mit Ihnen, sondern Loginow erfüllte einen Auftrag?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Und das wurde Ihnen als neue Einstellung übermittelt?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Wie haben Sie sich dazu verhalten?

LIWSCHITZ: Ich gab Loginow keine bestimmte Antwort, sondern erklärte, dass ich mich mit Pjatakow treffen und mich bei ihm erkundigen würde. In der zweiten Hälfte 1932 kam ich mit Pjatakow zusammen, und er wiederholte mir im Wesentlichen dasselbe, was Loginow gesagt hat.

WYSCHINSKI: Hat er auch vom Terror gesprochen?

LIWSCHITZ: Von Terror und Zerstörungsarbeit. Nach den Gesprächen mit ihm erklärte ich mich mit der Wiederaufnahme des aktiven Kampfes einverstanden.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, die Zeit genauer festzulegen.

LIWSCHITZ: Bitte.

WYSCHINSKI: Sie sagen, das war 1932.

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Und zwar wann?

LIWSCHITZ: Es war gerade im Herbst, oder Ende 1932.

WYSCHINSKI: Im Früh- oder Spätherbst.

LIWSCHITZ: Auf jeden Fall in der zweiten Hälfte 1932.

WYSCHINSKI: Sagte Ihnen Pjatakow nichts, woher er diese Neun Direktiven Trotzkis erhalten hatte?

LIWSCHITZ: Ja, er sagte es mir.

WYSCHINSKI: Nämlich?

LIWSCHITZ: Nämlich, dass er sich in Berlin mit Smirnow getroffen hatte, dass sie dort gemeinsam mit Smirnow und Sedow über diese Direktive Trotzkis gesprochen hatten, dass er sie angenommen und sich verpflichtet habe, sie weiterzugeben und die Leute heranzuziehen, die er kenne, mit denen er durch persönliche Freundschaft und durch die vergangene konterrevolutionäre trotzkistische Tätigkeit verbunden sei.

WYSCHINSKI: Welchen Posten haben Sie damals bekleidet?

LIWSCHITZ: Ich war Direktor der Südeisenbahn.

WYSCHINSKI: Stimmten Sie dem zu?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Und was folgte weiter?

LIWSCHITZ: Als ich dann in Charkow ankam, sprach ich mit meinem Stellvertreter Sorin.

WYSCHINSKI: Welchen Posten bekleidete er?

LIWSCHITZ: Er war mein Stellvertreter.

WYSCHINSKI: Bei der gleichen Bahn?

LIWSCHITZ: Ja, bei der gleichen Bahn.

WYSCHINSKI: Weshalb wandten Sie sich an ihn mit einem derartigen Gespräch?

LIWSCHITZ: Ich kannte ihn als heimlichen Trotzkisten, und darum sprach ich mit ihm. In der Aussprache mit Pjatakow war festgelegt worden, man solle damit beginnen, die programmmäßige Verladung von Kohle zu vereiteln.

WYSCHINSKI: Das heißt, Sie haben mit der Vereitelung des Programms begonnen?

LIWSCHITZ: Ja. Wir hatten nur wenig Waggons, sie reichten nicht aus für die gesamte Verladung und außerdem verlud ich nicht die Kohle in vollem Maße, sondern benutzte die Waggons für weniger wichtige Güter.

WYSCHINSKI: Taten Sie das absichtlich im Rahmen der Durchführung dieser Aufgabe?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Was haben Sie damit erreicht?

LIWSCHITZ: In den Gruben häufte sich infolgedessen die Kohle an. Von Zeit zu Zeit kamen Kommissionen aus Moskau zu mir, die uns zwangen, diese Kohle abzutransportieren. Wir transportierten sie ab, und dann häuften wir sie wieder an.

WYSCHINSKI: Sie haben also wissentlich und absichtlich den Abtransport der Kohle sabotiert?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Im Verlaufe welcher Zeit haben Sie damit begonnen?

LIWSCHITZ: Im Winter 1933. Ende 1933 kam ich mit Pjatakow zusammen und erzählte ihm, was auf der Bahn vor sich geht. Er erzählte mir seinerseits vom Bestehen des Vereinigten Zentrums und des Reserve-, des so genannten Parallelzentrums. Bei dieser Gelegenheit erzählte er mir auch, dass das Mitglied des Zentrums, Serebrjakow, mit der Leitung der konterrevolutionären Schädlingsarbeit im Eisenbahnverkehr beauftragt sei, und forderte mich auf, mit ihm in Verbindung zu treten.

WYSCHINSKI: Nahmen Sie die Verbindung mit Serebrjakow auf?

LIWSCHITZ: Ich nahm sie auf. Ende 1933 und Anfang 1934. Ich erzählte ihm von der Arbeit, die ich an der Südbahn geleistet hatte. Um diese Zeit war ich bereits Direktor der Nordkaukasischen Bahn. Serebrjakow sagte mir damals, dass er A. M. Arnoldow und Mironow zur Schädlingstätigkeit im Verkehrswesen herangezogen habe. Er nannte noch Rosenzweig oder Mirski.

WYSCHINSKI: In der Voruntersuchung sagten Sie, dass er sowohl Rosenzweig als Mirski herangezogen habe. War das eine Ungenauigkeit?

LIWSCHITZ: Ich konnte das bei der Voruntersuchung vergessen haben. Vielleicht nannte ich auch die beiden.

WYSCHINSKI: Sie präzisieren also jetzt. In der Voruntersuchung (Bd. 28, Bl. 27) sagten Sie: „Serebrjakow erzählte mir, dass er bereits zur Wiederherstellung der Verbindung mit den im Eisenbahnwesen arbeitenden Trotzkisten geschritten sei, dass er bereits mit Mirski, Rosenzweig und Arnoldow die Verbindung aufgenommen habe, welche ebenso wie ich eine Unterwühlungs- und Schädlingstätigkeit entwickelt hätten.“ Sie sprachen also in der Voruntersuchung etwas entschiedener in bezug auf diese beiden, Rosenzweig und Mirski.

LIWSCHITZ: Ich nannte damals nicht den Namen Mironows, aber ich habe ihn jetzt genannt.

WYSCHINSKI: Von wem war also mit Serebrjakow die Rede? Ich muss Sie dabei darauf aufmerksam machen, dass Sie nur das sagen müssen, wovon Sie überzeugt sind, woran Sie sich mit Bestimmtheit erinnern. Welche Namen hat Ihnen Serebrjakow genannt?

LIWSCHITZ: Arnoldow, Mironow...

WYSCHINSKI: Erinnern Sie sich mit Bestimmtheit daran? Damals haben Sie vergessen, Mironow zu nennen?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Angeklagter Liwschitz, Sie bleiben dabei, dass Serebrjakow Ihnen diese beiden Namen - Rosenzweig und Mirski - gleichfalls genannt hat, oder verwechseln Sie sie mit anderen?

LIWSCHITZ: Ich erkläre, dass ich dabei bleibe.

WYSCHINSKI: Sie sind also der Meinung, dass Serebrjakow Ihnen diese Namen genannt hat und sie jetzt vergessen hat?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Nun was weiter. Sie vereinbarten sich mit Serebrjakow?

LIWSCHITZ: Während dieser Aussprache erzählte mir Serebrjakow von der Arbeit Arnoldows, der im Apparat des Volkskommissariats für Verkehrswesen tätig war.

WYSCHINSKI: In welcher Eigenschaft war er damals tätig?

LIWSCHITZ: Er arbeitete damals als Leiter der Waggonverwaltung.

WYSCHINSKI: Weiter.

LIWSCHITZ: Er sagte noch, dass Arnoldow im Auftrag Serebrjakows auf dem Gebiet des Betriebsdienstes Schädlingstätigkeit leiste, und dass Serebrjakow gemeinsam mit ihm die Frage der Sabotierung des Güterverkehrsplans erwogen habe. Dann arbeitete Arnoldow auf die Lahmlegung der Waggonwirtschaft hin.
Gerade damals wurde der Bau von vier Waggonreparaturwerken beschlossen. Arnoldow stellte die Sache so hin, dass jede dieser Fabriken 15-20 Millionen Rubel kosten werde und dass sie in anderthalb Jahren erbaut und in Betrieb genommen werden könnten. Schließlich stellte sich aber heraus. dass jede von ihnen auf über 50 Millionen zu stehen kam und der Bau etwa 3 Jahre dauerte.

WYSCHINSKI: Wurde das absichtlich hinausgezögert?

LIWSCHITZ: Ja. In demselben Gespräch schlug Serebrjakow vor, auf der Nordkaukasischen Bahn, an der ich arbeitete, den Transport von Erdöl, das für die Frühjahrsaussaatperiode bestimmt war, zu vereiteln. Das haben wir deshalb nicht getan, weil der Erdöltransport unter sehr strenger Kontrolle stand.

WYSCHINSKI: Es gelang Ihnen nicht, das zu tun?

LIWSCHITZ: Es gelang nicht, weil der Erdöltransport unter sehr strenger Kontrolle stand.

WYSCHINSKI: Wurden aber Versuche dazu unternommen?

LIWSCHITZ: Während des Gesprächs mit Serebrjakow sagte ich ihm, dass diese Sache sehr schwierig sei und sich tatsächlich nichts machen ließ, weil der Erdöltransport von einem Bevollmächtigten des Rats für Arbeit und Verteidigung überwacht werde. Das zweite Unternehmen, das wir an der Nordkaukasusbahn durchführten, bestand in der Nichtlieferung leerer Waggons an die Don- und die Südostbahn und für den Kohlentransport. An der Nordkaukasusbahn hatte ich einige Personen zur Arbeit hinzugezogen, darunter Kolokolkin, den ehemaligen Leiter der Politischen Abteilung der Rostower Eisenbahnbetriebsverwaltung, der später stellvertretender Leiter der Politischen Abteilung und darauf Leiter der Politischen Abteilung der Nordkaukasusbahn war.

WYSCHINSKI: Hatten Sie mit Kolokolkin ein Gespräch über andere Ziele und Aufgaben außer über die Schädlingsarbeit?

LIWSCHITZ: Ich habe mit Kolokolkin über alles gesprochen. Dann wurde ich an die Moskau-Kursker Eisenbahn nach Moskau versetzt. Dort blieb ich nicht lange. Dann wurde ich zum Stellvertretenden Volkskommissar für Verkehrswesen ernannt.

WYSCHINSKI: In welchem Jahr?

LIWSCHITZ: 1935.

WYSCHINSKI: Trafen Sie 1934 mit Serebrjakow zusammen?

LIWSCHITZ: Ich sprach bereits über meine Zusammenkunft mit Serebrjakow im Jahre 1934.

WYSCHINSKI: Das ist also erschöpfend?

LIWSCHITZ: Während meiner zweiten Zusammenkunft mit Serebrjakow nannte er mir Personen, mit denen er Verbindung hatte.

WYSCHINSKI: Gut, bei dieser zweiten Zusammenkunft redete er auch von der Vereitelung des Erdöltransports im Jahre 1934?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Bald darauf gingen Sie aber zu einer dritten Bahn über.

LIWSCHITZ: Ich ging dorthin im Mai 1935 und blieb dort zwei Monate.

WYSCHINSKI: Sie waren Leiter der Moskau-Kursker Eisenbahn.

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Folglich wurden Sie im Juli 1935 ins Volkskommissariat für Verkehrswesen berufen?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Als Stellvertretender Volkskommissar für Verkehrswesen setzten Sie Ihre Verbindungen mit der; trotzkistischen Organisation und Ihre Schädlingstätigkeit fort?

LIWSCHITZ: Ja. Als ich nach Moskau kam, traf ich mich mit Pjatakow und wir sprachen darüber, dass Kaganowitsch jetzt hinter alle Einzelheiten kommen werde, die die Arbeit störten. Pjatakow schlug eine Aktivierung der Schädlingstätigkeit vor, denn die Arbeit des Verkehrswesens erfuhr schon in den ersten Monaten nach der Übernahme des Volkskommissariats für Verkehrswesen durch Kaganowitsch einen starken Aufschwung. Damals schlug mir Pjatakow vor, noch einmal mit Serebrjakow zusammenzutreffen, um mit ihm zu besprechen, was wir tun sollten. Meine Unterredung mit Serebrjakow fand statt, und Serebrjakow stellte als Hauptaufgabe die Vereitelung der Durchführung des Befehls von Kaganowitsch, der die Richtlinien für die Verbesserung der Arbeit des Eisenbahnverkehrs vorschrieb. Er erklärte dies damit, dass die Eisenbahn der Hauptnerv des Landes sei. Weiter erklärte Serebrjakow, dass er die Verbindung mit Arnoldow, Mironow, Jemschanow und anderen nicht abgebrochen habe. Er schlug ihnen vor, sich mit mir in Verbindung zu setzen. In den Jahren 1935 und 1936 traten diese Laute mit mir in Verbindung, ohne jedoch den Kontakt mit Serebrjakow zu verlieren. Im Jahre 1935 traten Mironow, Mirski, Kuprjanski und später, im Jahre 1936, auch Rosenzweig mit mir in Verbindung. Sie hatten Anweisungen von Serebrjakow, und ich wiederholte ihnen den Auftrag, die .Durchkreuzung des Befehls Nr. 183, der die grundlegenden Maßnahmen für die Verbesserung der Eisenbahnen vorsah, zu betreiben.

WYSCHINSKI: Worin bestand der Hauptinhalt des Befehls Nr. 183?

LIWSCHITZ: Der Hauptinhalt des Befehls Nr. 183 betraf die Arbeit der Lokomotiven. Der Befehl wies auf die chaotische Arbeitsweise im Lokomotivwesen hin, forderte die Organisierung der Lokomotivbrigaden, die Organisierung der Arbeit in den Depots... (Pause)

WYSCHINSKI: Und schließlich?

LIWSCHITZ: Dann war auch die Frage eines ständigen, gleich bleibenden Vorrats von Reserveteilen für die Lokomotiven, die Frage der technischen Geschwindigkeiten, die Frage der Umlaufsgeschwindigkeiten der Lokomotive einbegriffen usw.

WYSCHINSKI: Übermittelten Sie persönlich die Anweisung zur Durchkreuzung dieses Befehls Nr. 183 oder handelten Sie nur durch Serebrjakow?

LIWSCHITZ: Nein, nein, auch ich gab die Anweisung weiter. Ich wiederholte diese Direktiven.

WYSCHINSKI: Sie wiederholten sie. Und alle diese Personen, die Angehörigen der trotzkistischen Organisation im Eisenbahnwesen - ergriffen sie Maßnahmen oder nicht, um Ihre Anweisungen zur Durchkreuzung dieses Befehls auszuführen?

LIWSCHITZ: Teilweise, von einer ganzen Reihe von Bahnlinien wurde dieser Befehl sehr schlecht durchgeführt. Bei der Tomsker Bahn...

WYSCHINSKI: Auf Grund Ihrer Anweisungen oder unabhängig von ihnen?

LIWSCHITZ: Sowohl unabhängig von ihnen als auch im Zusammenhang damit.

WYSCHINSKI: Das heißt also, Sie halfen, ihn nicht zu erfüllen?

LIWSCHITZ: Ja. Die Tomsker Bahnlinie erfüllte ihn sehr schlecht.

WYSCHINSKI: Mussten Sie nicht auf Grund Ihrer Stellung als Stellvertretender Volkskommissar genau in der entgegengesetzten Richtung wirken?

LIWSCHITZ: Nicht völlig. Man darf nicht annehmen, dass ich mich als Stellvertretender Volkskommissar lediglich mit Schädlingstätigkeit beschäftigt habe, nur damit.

WYSCHINSKI: Nein, natürlich nicht nur damit.

LIWSCHITZ: Ich habe auch Positives geleistet. Ich will davon jetzt nicht sprechen, denn nicht diese Frage...

WYSCHINSKI: Ich habe diese Frage gestellt. Ich habe gesagt, in bezug auf den Befehl Nr. 183 des Volkskommissars mussten Sie, soweit ich verstehe...

LIWSCHITZ: Ja auch in bezug auf diesen Befehl Nr. 183 war nicht alles, was ich tat, nur auf seine Durchkreuzung gerichtet.

WYSCHINSKI: Aber weshalb haben Sie nicht alles zu seiner Durchkreuzung getan, wenn das doch Ihre Aufgabe war? Wenn Sie um dieser Durchkreuzung willen Leute organisierten, wenn Sie diesen Leuten die Anweisung gaben, den Befehl zu durchkreuzen? Weshalb haben Sie nicht alles zur Durchkreuzung getan, sondern manches auch nicht zur Durchkreuzung? Weshalb?

LIWSCHITZ: Wenn ich allein gehandelt hätte, dann hätte ich entscheiden können: die Sache anzupacken und alles zu vereiteln. Aber es arbeiten doch Millionen, Tausende von Menschen im Verkehrswesen.

WYSCHINSKI: Also es hing nicht von Ihnen ab?

LIWSCHITZ: Es war nicht nur das, dass es nicht von mir abhing. Ich wiederhole: ich habe nicht nur Negatives getan.

WYSCHINSKI: Was hat Sie gezwungen, auch etwas Positives zu tun? Sie waren doch Mitglied der trotzkistischen Organisation. Hat sie sich zur Aufgabe gestellt, im Verkehrswesen positiv oder zerstörend zu wirken?

LIWSCHITZ: Zerstörend.

WYSCHINSKI: War das Ihre Aufgabe? Natürlich konnten Sie nicht alles im Sinne dieser Aufgabe tun, konnten nicht alles zerstören. Aber weshalb?

LIWSCHITZ: Die Aufgabe bestand nicht darin, das Verkehrswesen so zu zerstören, dass es stillgelegt werde.

WYSCHINSKI: Welche Aufgabe hatten Sie sich gestellt?

LIWSCHITZ: Die Arbeit des Verkehrswesens zu komplizieren und zu erschweren.

WYSCHINSKI: Taten Sie das? Hat Ihre Stellung als Stellvertretender Volkskommissar Sie daran nicht gehindert?

LIWSCHITZ: Sie hat mich zwar gehindert, doch ich habe es getan.

WYSCHINSKI: Haben Sie Verrat an Ihrer Staatspflicht begangen?

LIWSCHITZ: Wenn ich nicht Verrat begangen hätte, dann säße ich nicht auf der Anklagebank.

WYSCHINSKI: Es kommt manchmal vor, dass Leute eine gewisse Zeitlang Verrat begehen und der Anklagebank entgehen.

LIWSCHITZ: Wie Sie sehen, bin ich ihr nicht entgangen.

WYSCHINSKI: Sie sind ihr deshalb nicht entgangen, weil sich wachsame Menschen fanden, die Sie auf die Anklagebank gebracht haben. Nicht Sie selbst sind gekommen, sondern Sie wurden herbeigeschleppt. Ich frage Sie: haben Sie versucht, den Befehl Nr. 183 des Volkskommissars zu durchkreuzen?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Haben Sie Maßnahmen ergriffen, ihn in die Tat umzusetzen oder nicht?

LIWSCHITZ: Wenn ich sage, dass ich versucht habe, ihn zu durchkreuzen, dann heißt das: ich habe ihn durchkreuzt.

WYSCHINSKI: Damit haben Sie Verrat an Ihrer Pflicht und an Ihrer Stellung geübt. Stimmt das?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Wer hat Ihnen bei der Wühlarbeit geholfen, wer waren Ihre nächsten Helfershelfer?

LIWSCHITZ: Ich sprach schon davon, ich habe Mironow, Knjasew...

WYSCHINSKI: Welche Beziehungen hatten Sie zu Knjasew?

LIWSCHITZ: Bevor ich auf Knjasew zu sprechen komme, möchte ich dem Gericht folgendes mitteilen: in der Voruntersuchung hatte ich geleugnet ... (Pause) hatte ich eine ganz niederträchtige Sache geleugnet...

WYSCHINSKI: Und zwar?

LIWSCHITZ: Die Fragen der Spionage.

WYSCHINSKI: Richtig, Sie haben das geleugnet.

LIWSCHITZ: Eine niederträchtige Sache, eine schmutzige Sache.

WYSCHINSKI: Sogar noch mehr.

LIWSCHITZ: Man mag es nennen, wie man will.

WYSCHINSKI: Wie man will, es kommt nicht darauf an, wie man es nennt.

LIWSCHITZ: Es kommt nicht auf die Benennung, sondern auf das Wesen der Sache an.

WYSCHINSKI: Was wollen Sie jetzt mitteilen?

LIWSCHITZ: Aus diesen Erwägungen habe ich in der Voruntersuchung meine Verbindungen mit dem Angeklagten Turok geleugnet. Ich möchte dem Gericht alles restlos sagen, obwohl dies das schwerwiegendste Verbrechen ist, das man Vaterlandsverrat nennt. Ich will dem Gericht sagen, dass ich von dieser Verbindung Knjasews und Turoks mit den Agenten einer ausländischen Macht wusste...

WYSCHINSKI: Sie wussten davon?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: In welcher Zeitperiode haben Sie davon gewusst?

LIWSCHITZ: In der Periode von 1935 bis zu meiner Verhaftung. Doch nicht genug damit. Ich gab Knjasew auf seine Bitte einiges Material zur Weitergabe an jene...

WYSCHINSKI: Und Sie waren zu dieser Zeit...

LIWSCHITZ: Stellvertretender Volkskommissar.

WYSCHINSKI: Weiter. Als Sie von Knjasew über diese seine verbrecherischen Verbindungen erfuhren, - was haben Sie von Knjasew erfahren, was haben Sie auf Grund dessen, was zu Ihrer Kenntnis kam, unternommen, welchen Beistand haben Sie überhaupt Knjasew bei diesem Verbrechen geleistet, wie aktiv haben Sie bei diesem Verbrechen Knjasews Ihrerseits aktiv mitgewirkt?

LIWSCHITZ: Ich habe schon gesagt, dass ich 1935, als Knjasew mit mir in Verbindung trat...

WYSCHINSKI: Sagen Sie, wie ist Knjasew mit Ihnen in Verbindung getreten, wo, weshalb, unter welchen Umständen, aus welchem Anlass, in welcher Form?

LIWSCHITZ: Ich hatte schon durch Serebrjakow von Knjasew erfahren, wusste, dass er ein verkappter Trotzkist ist, der der Ural-Organisation angehört. Während der Beratung der Leiter der Eisenbahnen wandte ich mich an ihn oder er sich an mich - ich erinnere mich jetzt nicht mehr daran -, und wir sprachen damals über die Tätigkeit, die er an der Süduraler Eisenbahn ausübte.

WYSCHINSKI: Worin bestand sie?

LIWSCHITZ: Sie bestand in zerstörenden Schädlings- und Diversionsanschlägen auf der Eisenbahn. Er sprach von Eisenbahnkatastrophen, die er dort organisiert hatte.

WYSCHINSKI: Haben andere Mitglieder der trotzkistischen Organisation, die im Verkehrswesen tätig waren, ebenfalls Eisenbahnkatastrophen organisiert?

LIWSCHITZ: Offenbar haben sie welche organisiert.

WYSCHINSKI: Warum „offenbar“? Sie selbst haben doch die Anweisung gegeben, Katastrophen zu organisieren.

LIWSCHITZ: Jawohl.

WYSCHINSKI: Folglich haben sie nicht „offenbar welche organisiert“, sondern sie haben sie nach Ihren Anweisungen organisiert.

LIWSCHITZ: Ich habe Ihnen schon gesagt, wenn man diese Frage mit ja beantworten soll, dass sie welche organisiert haben, dann muss man sagen, wo, wann und welche?

WYSCHINSKI: Betrachten Sie es einmal konkret: hat Knjasew Katastrophen auf der Eisenbahn organisiert?

LIWSCHITZ: Ja, er hat sie organisiert.

WYSCHINSKI: Haben Sie Knjasew die Anweisung gegeben, Katastrophen zu organisieren?

LIWSCHITZ: Ja, ich habe sie gegeben.

WYSCHINSKI: Sie waren zu dieser Zeit...?

LIWSCHITZ: Ich war Stellvertretender Volkskommissar.

WYSCHINSKI: Sie gaben die Anweisung, Katastrophen auf der Eisenbahn zu organisieren. Und über Menschenopfer, die ja bei Eisenbahnkatastrophen unvermeidlich sind, sprachen Sie mit Knjasew?

LIWSCHITZ: Ich erinnere mich nicht an ein solches Gespräch im Besonderen, aber wenn man einmal Katastrophen herbeiführt, - und im Eisenbahnverkehr gibt es sowohl Personen- als auch Militär- als auch Güterzüge -, dann sind natürlich Menschenopfer unvermeidlich.

WYSCHINSKI: Rechneten Sie mit Menschenopfern?

LIWSCHITZ: Ja, ich rechnete damit.

WYSCHINSKI: Sie rechneten damit. Mit Vorbedacht?

LIWSCHITZ: Wenn ich einmal Anweisung gab, Katastrophen herbeizuführen, so bedeutet das, dass ich die Folgen kannte.

WYSCHINSKI: Hat Ihnen Knjasew in der gleichen Unterredung, in der Sie mit ihm über die Organisierung von Katastrophen sprachen, mitgeteilt, dass er mit dem Spionagedienst eines ausländischen Staates in Verbindung stehe?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Hat er Ihnen gesagt, dass dieser Spionagedienst von ihm, von Knjasew, die Organisierung von Eisenbahnkatastrophen forderte?

LIWSCHITZ: Ich erinnere mich jetzt nicht daran. Es ist möglich, dass er es gesagt hat.

WYSCHINSKI: Genosse Vorsitzender, gestatten Sie mir, eine Frage an Knjasew zu stellen.

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI: Angeklagter Knjasew, haben Sie mit Liwschitz gesprochen?

KNJASEW: Ja, ich habe mit ihm gesprochen.

WYSCHINSKI: War zwischen Ihnen von der Organisierung von Eisenbahnkatastrophen die Rede?

KNJASEW: Das war im August 1935.

WYSCHINSKI: War die Rede von der Organisierung von Katastrophen?

KNJASEW: Das war das Anfangsstadium der Unterredung.

WYSCHINSKI: Haben Sie diese Methode des Kampfes vorgeschlagen oder hat Liwschitz sie Ihnen vorgeschlagen?

KNJASEW: Nein, als ich mit ihm zusammenkam... Soll ich nicht erklären, wie sich die Zusammenkunft abspielte?

WYSCHINSKI: Das ist nicht nötig. Das können Sie eingehend erzählen, wenn wir zu Ihrem Verhör kommen.

KNJASEW: Als ich mit ihm zusammenkam, gehörte ich bereits der trotzkistischen Organisation an. Das war im April 1934.

WYSCHINSKI: Welches war damals Ihre dienstliche Stellung?

KNJASEW: Ich war Direktor einer Eisenbahnlinie.

WYSCHINSKI: Und Liwschitz war Stellvertretender Volkskommissar?

KNJASEW: Er war gerade zum Stellvertretenden Volkskommissar ernannt worden.

WYSCHINSKI: Und Sie, der Direktor einer Eisenbahnlinie, trafen sich mit Ihrem Vorgesetzten und beratschlagten mit ihm, wie man Eisenbahnkatastrophen organisieren könnte?

KNJASEW: Ganz richtig.

WYSCHINSKI: War er bereits Stellvertretender Volkskommissar, als von den Katastrophen die Rede war?

KNJASEW: Nein, er war es noch nicht, aber ich wusste, dass er als Stellvertretender Volkskommissar in Aussicht genommen war, denn während der Konferenz wurde in den Couloirs bereits davon gesprochen, dass er Stellvertretender Volkskommissar werden solle.

WYSCHINSKI: Und hatten Sie nochmals Zusammenkünfte mit ihm, als er schon Stellvertretender Volkskommissar war?

KNJASEW: Ja.

WYSCHINSKI: Kam das Gespräch auf Eisenbahnkatastrophen?

KNJASEW: Ja.

WYSCHINSKI: Die Situation war also derart: Sie, Direktor einer Bahnlinie, erörterten mit Ihrem Vorgesetzten, mit dem Stellvertretenden Volkskommissar, die Frage, wie man Katastrophen im Verkehrswesen organisieren könne?

KNJASEW: Ganz richtig.

WYSCHINSKI: Kam es damals zur Sprache, dass auch der Spionagedienst eines ausländischen Staates an diesen Eisenbahnkatastrophen interessiert sei?

KNJASEW: Jawohl.

WYSCHINSKI: Wann war das, gestatten Sie die Frage?

KNJASEW: Wie ich schon sagte, gehörte ich, als wir zusammentrafen, schon annähernd ein Jahr der trotzkistischen Organisation an, ich hatte folglich die Einstellung auf die Unterwühlungs- und Schädlingstätigkeit schon vor dem Zusammentreffen mit Liwschitz. Diese Einstellung lief auf die Organisierung von Katastrophen hinaus, durch die Lokomotiven betriebsunfähig gemacht wurden.

WYSCHINSKI: Das ist zu ausführlich.

KNJASEW: Ich möchte erzählen, dass dies die Form der Unterwühlungsarbeit im Allgemeinen war, später erhielt ich dann einen speziellen Auftrag von Liwschitz, Verkehrskatastrophen zu organisieren.

WYSCHINSKI: War das eine trotzkistische Direktive oder eine Direktive des japanischen Spionagedienstes?

KNJASEW: Das war sowohl eine Direktive der trotzkistischen Organisation als auch des japanischen Spionagedienstes.

WYSCHINSKI: Und Sie, Knjasew, waren schon als Agent des japanischen Spionagedienstes angeworben?

KNJASEW: Ich wurde im September 1934 angeworben.

WYSCHINSKI: Welche Funktion übten Sie im japanischen Spionagedienst seit September 1934 aus?

KNJASEW: Ich stand in Verbindung mit den Japanern.

WYSCHINSKI: Und gleichzeitig übten Sie die Funktion eines Agenten des japanischen Spionagedienstes aus?

KNJASEW: Ja.

WYSCHINSKI: Haben Sie Liwschitz davon erzählt? Wusste er davon?

KNJASEW: Ja.

WYSCHINSKI: Als Sie mit Liwschitz über die Organisierung von Verkehrskatastrophen sprachen, berührten Sie dabei die Frage, dass der japanische Spionagedienst von Ihnen die Organisierung solcher Katastrophen forderte?

KNJASEW: Ich habe ihm gegenüber die Frage so gestellt, als ob von mir ein halbes Jahr, nachdem ich mit den Trotzkisten in Verbindung getreten war, die Fühlung mit einem japanischen Agenten aufgenommen wurde, denn bei den ersten Gesprächen, die ich mit diesem Agenten hatte...

WYSCHINSKI: Ist er in der Anklageschrift erwähnt und unter welchem Namen? Haben Sie die Anklageschrift gelesen?

KNJASEW: Jawohl.

WYSCHINSKI: Wie wird er dort bezeichnet, als Spion?

KNJASEW: Nein, als Herr X...

WYSCHINSKI: Nicht X, sondern H.

Und Gregor Iwanowitsch, wer ist das?

KNJASEW: Das ist seine Vertrauensperson.

WYSCHINSKI: Welcher Herkunft?

KNJASEW: Meiner Meinung nach ist er ein Russe.

WYSCHINSKI: Und welcher Herkunft sind Sie?

KNJASEW: Ich bin ebenfalls Russe.

WYSCHINSKI: Folglich war Gregor Iwanowitsch Agent des japanischen Spionagedienstes und Sie waren auch Agent des japanischen Spionagedienstes. Nun, fahren Sie fort.

KNJASEW: Als ich mit Liwschitz zusammentraf, sagte ich ihm, dass die Direktiven der Japaner in bezug auf die Unterwühlungstätigkeit sich mit den trotzkistischen Direktiven decken. Die Japaner fordern aber geheimes Material, und dies wollte mir durchaus nicht in den Kopf.

WYSCHINSKI: Das heißt, Sie verstanden nicht, weshalb die Japaner sich für geheimes Material interessieren?

KNJASEW: Ja. Ich sagte, dass diese Frage aus der Einstellung gefolgert werden muss, die ich vorher von Turok erhalten hatte.

WYSCHINSKI: Das heißt, aus der Einstellung auf Unterwühlungstätigkeit?

KNJASEW: Ja.

WYSCHINSKI: Was hat Ihnen Liwschitz geantwortet?

KNJASEW: Er sagte, die Situation im Kampf der trotzkistischen Organisation gegen die Stalinsche Führung sei eine solche, dass man nicht nur Unterwühlungsanschläge betreiben, sondern auch die Verbindung mit ausländischen Mächten anknüpfen müsse.
Wenn daher eine solche Verbindung diesen Kampf fördern kann, so ist es ganz natürlich, dass man sie unterstützen muss. Es versteht sich von selbst, dass die Auskünfte, die die Japaner fordern, vor allem militärischen Zielen dienen. Ich teilte Liwschitz mit, um welche Auskünfte es sich handelt. Liwschitz antwortete, da die trotzkistischen Organisationen nun einmal in Verbindung mit den ausländischen Regierungen stünden, müssten im Interesse der Verbindung mit den Japanern diese Auskünfte erteilt werden. In diesem Geist verlief unser Gespräch.

WYSCHINSKI: Liwschitz hat folglich Ihre Verbindung mit dem japanischen Spionagedienst sanktioniert und dies mit den Aufgaben der trotzkistischen Organisation verknüpft, und Sie fuhren fort, in dieser Richtung tätig zu sein?

KNJASEW: Ja.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, Fragen an den Angeklagten Turok zu richten.

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI (zu Turok): Was ist Ihnen über die Verbindung mit dem japanischen Spionagedienst bekannt?

TUROK: Ich stellte die Verbindung mit dem japanischen Spionagedienst her, als ich im Jahre 1934 an der Kaganowitsch-Bahn, der früheren Permer Bahn, arbeitete. Ich hatte den diesbezüglichen Auftrag. Ich hatte das mit Marjassin vereinbart, dem ich über die trotzkistische Arbeit Rechenschaft ablegte.

WYSCHINSKI: Und welche Verbindung bestand mit Knjasew?

TUROK: Er informierte mich darüber, dass er die Verbindung mit dem japanischen Spionagedienst hergestellt hatte, und ich informierte ihn meinerseits.

WYSCHINSKI: Weshalb war es nötig, über derartige geheime Angelegenheiten andere Leute zu informieren?

TUROK: Weil sowohl ich als auch er der trotzkistischen Organisation angehörten und wir miteinander eng verbunden waren.

WYSCHINSKI: Wo arbeiteten Sie?

TUROK: Ich war stellvertretender Leiter der Betriebsverwaltung der Permer Eisenbahn.

WYSCHINSKI: Und Knjasew?

TUROK: Knjasew war Direktor der Süduraler Eisenbahn.

WYSCHINSKI: Lagen die Bahnen nicht ziemlich weit auseinander?

TUROK: Ja. Aber wenn es nötig ist, kann ich erzählen, wie überhaupt die Verbindung mit ihm in der trotzkistischen Arbeit hergestellt wurde.

WYSCHINSKI: Darüber später. Sie bestätigen das, was Knjasew über seine Verbindungen mit dem japanischen Spionagedienst gesagt hat?

TUROK: Ja.

WYSCHINSKI: War Ihnen bekannt, dass Liwschitz davon wusste?

TUROK: Ich war am 15. September 1935 bei Liwschitz und sprach mit ihm. Ich hatte Verbindung mit dem japanischen Spionagedienst. Liwschitz antwortete mir, man solle diese Verbindung nicht unterbrechen, sondern müsse sie im Interesse der trotzkistischen Organisation aufrechterhalten.

WYSCHINSKI: Angeklagter Liwschitz, bestätigen Sie die Aussagen Knjasews und Turoks in dieser Frage?

LIWSCHITZ: Sie sind im Allgemeinen richtig.

WYSCHINSKI: Obwohl Sie das in der Voruntersuchung geleugnet haben?

LIWSCHITZ: Ich habe dem Gericht erklärt, weshalb.

WYSCHINSKI: Ich will nur, dass es vollkommen klargestellt wird, dass Sie dies bei der Gegenüberstellung mit Knjasew in der Voruntersuchung geleugnet haben.

LIWSCHITZ: Eine Gegenüberstellung zwischen uns fand nicht statt.

WYSCHINSKI: Sie fand nicht statt, aber die Aussagen Turoks wurden Ihnen bei Ihrem Verhör in der Staatsanwaltschaft der Union vorgelegt. Sie haben diesen Umstand geleugnet.

LIWSCHITZ: Ich habe erklärt, warum ich es jetzt für notwendig halte, vor dem Gericht diese Aussagen zu machen.

WYSCHINSKI: Ich will keineswegs die wichtige Bedeutung der Tatsache vermindern, dass Sie das erklärt haben. Ich will nur, dass diese Frage im Prozess klargestellt wird.

LIWSCHITZ: Ich habe vorher geleugnet, aber jetzt habe ich dein Gericht erklärt, dass ich diese Aussage mache.

WYSCHINSKI: Sie machen jetzt eine wahrheitsgemäße Aussage und bestätigen das, was Knjasew und Turok sagen?

LIWSCHITZ: Richtig.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, nachdem Sie von Knjasew über seine Verbindungen erfahren hatten - führten Sie danach noch irgendwelche Gespräche mit ihm? Erteilten Sie ihm Anweisung hinsichtlich der Verbindung mit dem Spionagedienst?

LIWSCHITZ: Ich habe gesagt, dass nicht nur die Verbindung bestand, sondern dass er mich im Jahre 1936 um Material für den japanischen Spionagedienst anging; ich habe ihm das Material gegeben.

WYSCHINSKI: Gut, aber abgesehen von dem Material, das Sie ihm damals gaben, hatten Sie noch weitere Unterredungen mit Knjasew?

LIWSCHITZ: Nein.

WYSCHINSKI: Und Sie kamen Knjasew gegenüber nicht mehr auf diese Dinge zurück?

LIWSCHITZ: Nein.

WYSCHINSKI: War Ihnen bekannt, dass der japanische Spionagedienst für den Empfang dieser Nachrichten Geld zahlte?

LIWSCHITZ: Nein.

WYSCHINSKI: Darf ich Turok fragen? Angeklagter Turok, ist Ihnen bekannt, dass der japanische Spionagedienst für diese Nachrichten Geld zahlte?

TUROK: Nein, er hat uns für diese Nachrichten kein Geld gezahlt, aber für die Organisierung der trotzkistischen Diversionstätigkeit im Allgemeinen bekamen wir Geld. WYSCHINSKI: Von wem?

TUROK: Vom japanischen Spionagedienst.

WYSCHINSKI: Das heißt, der Spionagedienst zahlte mit Wechseln, und Sie erhielten außerdem noch Bargeld?

TUROK: Ich habe das Geld ausbezahlt...

WYSCHINSKI: Warten Sie mit dem Auszahlen. Sagen Sie vorher: Haben Sie Geld erhalten?

TUROK: Ja.

WYSCHINSKI: Vom japanischen Spionagedienst?

TUROK: Ja.

WYSCHINSKI: Wann haben Sie das Geld erhalten?

TUROK: Im Januar 1935 - 35000 Rubel.

WYSCHINSKI: Was haben Sie damit angefangen?

TUROK: 20000 Rubel behielt ich für meine Organisation und 15000 Rubel gab ich für die Organisation Knjasews.

WYSCHINSKI: An wen haben Sie die übergeben?

TUROK: An Knjasew persönlich, im Mai 1935.

WYSCHINSKI: Knjasew, stimmt das?

KNJASEW: Ja, ich habe das Geld erhalten.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, Angeklagter Liwschitz, was war Ihnen über die terroristische Tätigkeit der Trotzkisten bekannt?

LIWSCHITZ: Ich wusste von der Vorbereitung der Attentate gegen Stalin, Kossior und Postyschew. Weiter nichts.

WYSCHINSKI: Von wem haben Sie das erfahren?

LIWSCHITZ: Von Pjatakow, Serebrjakow und Loginow.

WYSCHINSKI: Wann haben Sie davon erfahren?

LIWSCHITZ: In den Jahren 1933 und 1935. Ich erfuhr 1933, dass ein Attentat gegen Postyschew und Kossior, und im Jahre 1935, dass eins auf Stalin vorbereitet wurde.

WYSCHINSKI: Wussten Sie, von wem diese Attentate vorbereitet wurden?

LIWSCHITZ: Nein.

WYSCHINSKI: Erzählte Ihnen Loginow im Allgemeinen von der Vorbereitung, oder erzählte er Ihnen, dass seine Gruppe das Attentat vorbereite?

LIWSCHITZ: Dass er es vorbereitet.

WYSCHINSKI: Sie wussten also, von wem und gegen wen das Attentat vorbereitet wurde?

LIWSCHITZ: Nein, er sagte, dass es durch das ukrainische Zentrum, durch ihn, Loginow und Golubenko, vorbereitet werde.

WYSCHINSKI: Nun ja, ich sage ja gerade, dass er, Loginow und Golubenko, den Terroranschlag unmittelbar vorbereiteten.

LIWSCHITZ: Organisieren.

WYSCHINSKI: Organisieren.

Von der Vorbereitung des Attentats auf Kossior und Postyschew erfuhren Sie unmittelbar?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Wer bereitete das Attentat gegen den Genossen Stalin vor?

LIWSCHITZ: Ich wusste nicht, wer es vorbereitete. Ich wusste nur von Pjatakow und Serebrjakow, dass es vorbereitet wurde.

WYSCHINSKI: Sagten Ihnen Pjatakow und Serebrjakow, welche Organisation die Vorbereitungen betrieb?

LIWSCHITZ: Die Organisation des Parallelzentrums.

WYSCHINSKI: Dass das Parallelzentrum die Vorbereitungen betrieb?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Wer gehörte dem Parallelzentrum an?

LIWSCHITZ: Pjatakow, Serebrjakow, Radek und Sokolnikow.

WYSCHINSKI: Wer bereitete also das Attentat vor?

LIWSCHITZ: Das Parallelzentrum: Pjatakow, Serebrjakow, Radek und Sokolnikow.

WYSCHINSKI: Auch bekannte Leute?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Sie kannten die Leute persönlich, die unmittelbar die Organisierung des Attentats gegen die Genossen Kossior, Postyschew, und im Jahre 1935 gegen den Genossen Stalin leiteten?

LIWSCHITZ: Ich habe Ihre Frage so verstanden, dass die Leute gemeint sind, die es ausführen sollten, oder die, die es organisierten?

WYSCHINSKI: Die die Organisatoren waren.

LIWSCHITZ: Ich kannte nicht diejenigen, die es unmittelbar durchführen sollten, sondern die es organisierten.

WYSCHINSKI: Ich habe keine weiteren Fragen zu stellen.

VORSITZENDER: Sagen Sie, Angeklagter Liwschitz, wem von den Teilnehmern der trotzkistischen Organisationen, die hier von Ihnen aufgezählt wurden, gaben Sie unmittelbare

Anweisungen für die Organisierung von Eisenbahnkatastrophen?

LIWSCHITZ: Knjasew, Jemschanow, Arnoldow, Turok, Fufrijanski, Rosenzweig.

VORSITZENDER: Wie wurde Ihre „Direktive“ zur Organisierung von Verkehrskatastrophen von all den Personen, die Sie hier genannt haben, durchgeführt?

LIWSCHITZ: Ich kann das jetzt nicht mitteilen, weil ich keine Berichte über die von ihnen herbeigeführten Katastrophen erhielt, aber ich weiß, dass Katastrophen stattgefunden haben.

VORSITZENDER: Hat Fufrijanski laut Ihren Anweisungen Katastrophen durchgeführt, oder hat er sich mit Diversions- und Schädlingstätigkeit befasst?

LIWSCHITZ: Ich kann jetzt bezüglich der Katastrophen nichts sagen; ich weiß es nicht.

VORSITZENDER: In Ihren Aussagen in der Voruntersuchung sagten Sie, dass Fufrijanski Sie informierte. Halten Sie diese Aussagen aufrecht?

LIWSCHITZ: Ja.

VORSITZENDER: Erstatteten Ihnen die Personen, die Sie genannt haben, über ihre konterrevolutionäre Schädlingstätigkeit Bericht, oder taten sie dies nicht?

LIWSCHITZ: Sie fragten nach den Katastrophen.

VORSITZENDER: Aber ich frage Sie bei dieser Gelegenheit, ob sie Ihnen über ihre Tätigkeit berichtet haben?

LIWSCHITZ: Fufrijanski tat es.

VORSITZENDER: Und die übrigen? Hatten Sie keine Gelegenheit mehr, Berichte von ihnen zu erhalten?

LIWSCHITZ: Nein.

VORSITZENDER: Bestätigen Sie, dass Serebrjakow mit Ihnen über das Thema der Diversionstätigkeit in der Vormobilisierungsperiode sprach, um die Truppentransporte zu behindern?

LIWSCHITZ: Ja.

VORSITZENDER: Wann fand diese Unterredung statt?

LIWSCHITZ: 1933.

VORSITZENDER: In welchem Monat?

LIWSCHITZ: Im September oder Oktober.

VORSITZENDER: Auf wessen Initiative erfolgte dies Gespräch. auf Ihre oder auf Serebrjakows?

LIWSCHITZ: Auf Serebrjakows.

VORSITZENDER: Erklärten Sie sich sofort mit ihm einverstanden?

LIWSCHITZ: Das war keine unmittelbar aktuelle Frage.

VORSITZENDER: Ich frage Sie, oh Sie sich einverstanden erklärten?

LIWSCHITZ: Ich erklärte mich einverstanden, aber das war keine unmittelbar aktuelle Frage.

VORSITZENDER: Ich habe das gefragt, was ich gefragt habe. Hören Sie aufmerksam, was ich sage. Berichteten Sie Pjatakow, Ihrem Führer, dass Knjasew ein japanischer Spion war und dass Turok gleichfalls ein japanischer Spion ist, oder berichteten Sie ihm das nicht?

LIWSCHITZ: Meiner Meinung nach wusste das Pjatakow.

VORSITZENDER: Wusste er es durch Sie?

LIWSCHITZ: Ich sagte es ihm nicht.

VORSITZENDER: Woher wussten Sie denn, Pjatakow sei es bekannt, dass Knjasew ein japanischer Spion ist?

LIWSCHITZ: Da Knjasew mit Marjassin in Verbindung stand, und Turok mit...

VORSITZENDER: Mit wem?

LIWSCHITZ (schweigt)

VORSITZENDER: Welches waren die letzten Diversionsanweisungen über Schädlingstätigkeit im Verkehrswesen, die Sie von Ihrem Führer Pjatakow oder Serebrjakow bis zu Ihrer Verhaftung erhalten haben? Welches waren die letzten Anweisungen?

LIWSCHITZ: Ich erinnere mich nicht daran.

VORSITZENDER: Es gab Anweisungen, die Sie in den Jahren 1933, 1934 und 1935 erhielten, 1936 gab es aber keine Anweisungen?

LIWSCHITZ: Es waren die gleichen. Es gab keinerlei neue Anweisungen.

VORSITZENDER: Welches waren denn die letzten Anweisungen, wenn es keine neuen Anweisungen gab? Worüber hat Pjatakow mit Ihnen gesprochen? Über Schädlings- und Diversionstätigkeit oder noch über etwas anderes?

LIWSCHITZ: Über Schädlings- und Diversionstätigkeit.

VORSITZENDER: Über Diversionstätigkeit auf dem Gebiet des Eisenbahnwesens? Was hat Pjatakow angewiesen?

LIWSCHITZ: Katastrophen.

VORSITZENDER: Katastrophen - das ist eine Sache. Was noch?

LIWSCHITZ: Katastrophen, Zerstörung des Lokomotivparks.

VORSITZENDER: Zerstörung des Lokomotivparks. Was noch?

LIWSCHITZ: Zerstörung der Gleisanlagen.

VORSITZENDER: Zerstörung der Gleisanlagen. Was noch? Was für Methoden?

LIWSCHITZ: Hier stand die Frage der Nichterfüllung des Plans.

VORSITZENDER: Der Plan steht im Zusammenhang mit den Reparaturarbeiten. Also qualitativ schlechte und nicht rechtzeitige Reparaturen. Was für Arbeitsmethoden gab es noch in Ihrem Arbeitsplan?

LIWSCHITZ: Weiter gab es nichts.

VORSITZENDER: Und nun, welche Maßnahmen planten Sie gemeinsam mit Pjatakow und Serebrjakow für den Fall der Mobilmachung- oder Vormobilmachung -, nennen Sie keine Stationen und keine Strecken.

LIWSCHITZ: Ich erinnere mich nicht.

VORSITZENDER: Sie erinnern sich nicht, vielleicht denken Sie etwas nach und sagen es dann?

LIWSCHITZ: Ich erinnere mich nicht.

VORSITZENDER: Erteilten Sie Knjasew bestimmte Aufträge, Eisenbahnkatastrophen zu organisieren, im Besonderen gegen Militärtransporte und Militärzüge?

LIWSCHITZ: Im Besonderen gab ich solche Anweisungen nicht. Im Besonderen. Im Allgemeinen gab ich sie.

VORSITZENDER: Hat Knjasew Ihnen berichtet, dass es ihm gelang, eine Katastrophe auf einer Station herbeizuführen, bei der 29 Rotarmisten getötet und 29 Rotarmisten verletzt wurden?

LIWSCHITZ: Ja, davon habe ich gewusst.

VORSITZENDER: Kann man überhaupt erfahren: als Ihnen Knjasew von der Katastrophe berichtete, haben Sie ihn da gelobt oder ausgeschimpft?

LIWSCHITZ: Ich habe ihn nicht ausgeschimpft.

VORSITZENDER: Und nicht gelobt?

LIWSCHITZ: Ich habe ihn weder gelobt noch ausgeschimpft.

VORSITZENDER: Das heißt, Sie haben die Dinge zur Kenntnis genommen wie einen Tätigkeitsbericht?

LIWSCHITZ: Ja.

VORSITZENDER (zu Genossen Wyschinski): Haben Sie noch Fragen zu stellen?

WYSCHINSKI: Angeklagter Liwschitz, da Sie heute vor Gericht nachträglich Ihre Spionagetätigkeit offenherzig zugegeben haben, das heißt, sich in vollem Umfang der gegen Sie erhobenen Anklagen schuldig bekannt haben, so wünschen Sie vielleicht heute ausführlichere Aussagen auch bezüglich des Terrors zu machen? War Ihnen nicht z. B. durch Loginow konkreter bekannt, wie das Attentat gegen Kossior und Postyschew vorbereitet wurde, wer es vorbereitet hat?

LIWSCHITZ: Nein, ich wusste es nicht.

WYSCHINSKI: Erzählte Ihnen Loginow nur über die Tatsache der Vorbereitung selbst oder sagte er Ihnen noch etwas Konkreteres?

LIWSCHITZ: Loginow sagte gestern in seinen Zeugenaussagen vor Gericht, dass es nur allgemeine Anweisungen waren... Ich bestätige das, was ich in der Voruntersuchung gesagt habe.

WYSCHINSKI: Also ausführlichere Unterredungen und ausführlichere Kenntnis davon hatten Sie nicht? Loginow nannte Ihnen nichts Konkretes?

LIWSCHITZ: Nein.

WYSCHINSKI: Und über das Attentat gegen den Genossen Stalin im Jahre 1935?

LIWSCHITZ: Auch nicht, ich habe darüber nicht gesprochen.

WYSCHINSKI: Erinnern Sie sich nicht, dass Ihnen z. B. Serebrjakow sagte, wer das Attentat vorbereitet?

LIWSCHITZ: Nein.

WYSCHINSKI: Es hatte keinen besonderen Sinn, dass Sie lediglich wussten, dass eine Vorbereitung im Gange war. Sie waren ein ziemlich bedeutendes Mitglied der Organisation; entweder brauchte man Ihnen überhaupt nichts zu sagen, oder man musste Sie zu bestimmten praktischen Zwecken einweihen. Andernfalls hatte es keinen Sinn.

LIWSCHITZ: Wenn ich es gewusst hätte, würde ich es sagen.

WYSCHINSKI: Ich appelliere nochmals an Ihr Gedächtnis. Kennen Sie einen gewissen Dedsijewski?

LIWSCHITZ: Ich kenne ihn.

WYSCHINSKI: Standen Sie in Verbindung mit Dedsijewski?

LIWSCHITZ: Er war bei der Südbahn tätig.

WYSCHINSKI: War Ihnen bekannt, dass er ebenfalls Mitglied der trotzkistischen terroristischen Organisation war?

LIWSCHITZ: Das wusste ich.

WYSCHINSKI: Gaben Sie ihm konkrete Aufträge, Direktiven, Anweisungen?

LIWSCHITZ: Nein, ich gab ihm keine. Wenn ihm jemand Weisungen gab, so war es mein Stellvertreter Sorin.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen bekannt, dass Loginow ihm terroristische Weisungen gab?

LIWSCHITZ: Nein.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen bekannt, dass Dedsijewski mit einer Terrorgruppe in Verbindung stand?

LIWSCHITZ: Dedsijewski stand mit Loginow in Verbindung.

WYSCHINSKI: Sie wussten, dass er mit Loginow in Verbindung stand und Sie wussten, dass Loginow einen Terroranschlag vorbereitete; aber Sie kamen nicht auf den Gedanken, dass Dedsijewski an dieser Sache beteiligt sein könnte?

LIWSCHITZ: Nein, ich reiste fort...

WYSCHINSKI: Ihnen war bekannt, dass Loginow einen Terroranschlag vorbereitete; Ihnen war bekannt, dass Dedsijewski, der in Ihrer unmittelbaren Umgebung tätig war, mit Loginow in Verbindung stand. Gibt das denn nicht Grund zu der Annahme, dass Ihnen auch bekannt war, dass Dedsijewski an der Tätigkeit Loginows beteiligt war, - Loginow aber einen Terroranschlag vorbereitete?

LIWSCHITZ: Aber ich erkläre, dass ich das nicht wusste.

WYSCHINSKI: Und Sie ahnten das nicht?

LIWSCHITZ: Ich wusste und weiß nichts davon.

WYSCHINSKI: Sie wissen nur, dass er mit Loginow in Verbindung stand?

LIWSCHITZ: Aber Loginow befasste sich nicht nur mit Terroranschlägen

WYSCHINSKI: Wussten Sie, dass sich Loginow mit der Vorbereitung von Terroranschlägen befasste?

LIWSCHITZ: Ich wusste es.

WYSCHINSKI: Wussten Sie, dass Dedsijewski mit Loginow in Verbindung stand?

LIWSCHITZ: Ich wusste es.

WYSCHINSKI: Gab Ihnen das nicht Grund zu der Annahme dass Dedsijewski durch terroristische Absichten mit Loginow verbunden war?

LIWSCHITZ: Nein.

WYSCHINSKI: Und durch andere Absichten. Also Sie kamen nicht darauf, und Loginow hat mit Ihnen nicht speziell über Dedsijewski gesprochen?

LIWSCHITZ: Nein.

WYSCHINSKI: Gut. Und wussten Sie von Glebow-Awilow, dass er sich mit Terrorakten befaßte?

LIWSCHITZ: Glebow-Awilow hat mir davon gesagt.

WYSCHINSKI: Also das war Ihnen auch noch Glebow-Awilow bekannt?

LIWSCHITZ: Ja, ja.

WYSCHINSKI: Seien Sie nicht gekränkt. Ich prüfe jä nur die Aussagen bei der Voruntersuchung. Ich bin doch verpflichtet, dies zu tun.

LIWSCHITZ: Ich bin nicht gekränkt, ich verstehe das.

WYSCHINSKI: Regen Sie sich nicht auf.

LIWSCHITZ: Ich bin nicht aufgeregt.

WYSCHINSKI: Es kann also festgestellt werden, dass Glebow-Awilow und Beloborodow in Rostow Terroranschläge vorbereiteten?

LIWSCHITZ: Ich wusste von Glebow-Awilow, dass Beloborodow einen Terroranschlag vorbereitete.

WYSCHINSKI: Gegen wen bereitete er einen Terroranschlag vor?

LIWSCHITZ: Gegen Stalin.

WYSCHINSKI: War Ihnen das bekannt?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Glebow-Awilow bereitete also mit Beloborodow einen Terroranschlag gegen den Genossen Stalin vor und Loginow gegen...?

LIWSCHITZ: Gegen Kaganowitsch und Postyschew.

WYSCHINSKI: Und dann erfuhren Sie von Pjatakow und Serebrjakow, dass noch ein weiterer Terroranschlag gegen den Genossen Stalin in Vorbereitung war, aber sie sagten Ihnen nicht, um wen und was es sich dabei handelte?

LIWSCHITZ.: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie selbst klärten das nicht auf?

LIWSCHITZ: Nein.

WYSCHINSKI: Und mit Beloborodow?

LIWSCHITZ: Ich bin mit Beloborodow nicht bekannt.

WYSCHINSKI: Von Beloborodow hörten Sie also nur durch Glebow-Awilow?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Man muss also jetzt schon Beloborodow danach fragen?

LIWSCHITZ: Ja.

WYSCHINSKI: Immerhin hat sich also um Sie schon ein Komplex terroristischer Tatsachen angehäuft.

LIWSCHITZ: Dieser ganze Komplex ist in der Voruntersuchung enthalten.

WYSCHINSKI: Ich sage ja gar nicht, dass ich mit Ihnen Amerika entdeckt habe, ich prüfe nur das Untersuchungsmaterial.

LIWSCHITZ: Ich verstehe.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie eine Frage an den Angeklagten Serebrjakow?

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI: Angeklagter Serebrjakow, bestätigen Sie das Gespräch mit Liwschitz bezüglich der Vorbereitung eines Terroranschlags gegen den Genossen Stalin?

SEREBRJAKOW: Falls dieses Gespräch stattgefunden hat, konnte dies nur in der allerallgemeinsten Form der Fall gewesen sein.

WYSCHINSKI (zu Liwschitz): Wann hat Ihnen Serebrjakow etwas davon gesagt?

LIWSCHITZ: Im Jahre 1935, während unseres Gesprächs in meinem Waggon.

WYSCHINSKI: Angeklagter Serebrjakow, waren Sie im Jahre 1935 in dem Waggon von Liwschitz?

SEREBRJAKOW: Ich war da.

WYSCHINSKI: Hatten Sie eine Unterredung mit Liwschitz?

SEREBRJAKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Worüber?

SEREBRJAKOW: In der Hauptsache über die Schädlingsarbeit im Transportwesen.

WYSCHINSKI: Wurden dabei, neben allem übrigen, auch Fragen des Terrors berührt?

SEREBRJAKOW: Nein.

WYSCHINSKI: Erinnern Sie sich nicht?

SEREBRJAKOW: Nein.

WYSCHINSKI: Und Sie, Liwschitz?

LIWSCHITZ: Ja, ich sage das, woran ich mich erinnere.

SEREBRJAKOW: Ich halte die Möglichkeit eines solchen Gesprächs nicht für ausgeschlossen.

WYSCHINSKI: Sie berufen sich einfach darauf, dass Sie sich nicht mehr daran erinnern?

SEREBRJAKOW: Ja ... ja, umso mehr, als mein Gespräch stattfand, noch bevor ich von Pjatakow in Kenntnis gesetzt war.

WYSCHINSKI: In diesem Zusammenhang möchte ich Pjatakow fragen, da Serebrjakow sich auf seine Vergesslichkeit beruft. Angeklagter Pjatakow, bestätigen Sie das?

PJATAKOW: Ich habe Liwschitz nicht speziell davon informiert, aber er hatte Kenntnis von den terroristischen Einstellungen und Vorbereitungen, aber ich habe Liwschitz nicht über diese oder jene bestimmte Vorbereitung informiert.

WYSCHINSKI: Es handelt sich hier nicht um eine spezielle Organisation. Liwschitz sagt, dass er durch Sie erfuhr, dass ein Terrorakt gegen Stalin vorbereitet wurde. Haben Sie mit Liwschitz darüber gesprochen?

PJATAKOW: Ich erinnere mich nicht daran.

WYSCHINSKI: Haben Sie mit Liwschitz über Terroranschläge gesprochen?

PJATAKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Haben Sie davon gesprochen, gegen wen dieser Terroranschlag vorbereitet wird?

PJATAKOW: Ich habe mit Liwschitz über den Terror gesprochen, aber ich habe nicht gesagt, gegen wen dieser Terroranschlag vorbereitet wird.

WYSCHINSKI: Bestätigen Sie das?

PJATAKOW: Ich bestätige das, aber hinsichtlich der Vorbereitung des Terroranschlages gegen Stalin bestätige ich es nicht.

WYSCHINSKI: Liwschitz sagt, er habe erfahren, dass das Zentrum einen Terroranschlag gegen Stalin vorbereitete. Bestätigen Sie das?

PJATAKOW: Nein.

WYSCHINSKI: Sie haben also mit Liwschitz nicht darüber gesprochen?

PJATAKOW: Meiner Meinung nach nicht.

WYSCHINSKI: Aber Liwschitz sagt, dass er das von Ihnen erfahren hat. Sie bestätigen das also nicht?

PJATAKOW: Nein, ich bestätige es nicht.

WYSCHINSKI: Dann gestatten Sie, dass ich Sie frage: wurde ein Terroranschlag gegen Stalin vorbereitet?

PJATAKOW: Jawohl.

WYSCHINSKI: Waren Sie an dieser Vorbereitung beteiligt?

PJATAKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Die Tatsache also, die Liwschitz anführt, nämlich, dass ein Terroranschlag gegen Stalin vorbereitet wurde, entspricht auch der Wahrheit?

PJATAKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Daraus ergibt sich also, dass Liwschitz das von irgendjemand anderem erfahren konnte?

PJATAKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Aber dass ein Terroranschlag in Vorbereitung war, das bestätigen Sie?

PJATAKOW: Ja.

WYSCHINSKI (zu Liwschitz): Serebrjakow und Pjatakow bleiben bei der Behauptung, dass sie mit Ihnen kein derartiges Gespräch geführt haben. Vielleicht hatten Sie dies Gespräch nicht mit Pjatakow und Serebrjakow, sondern vielleicht mit jemand anderem, vielleicht mit Sokolnikow, oder vielleicht mit Radek?

LIWSCHITZ: Ich habe mit Sokolnikow nicht gesprochen, und Radeks Bekanntschaft habe ich erst hier auf der Anklagebank gemacht.

WYSCHINSKI: Sie wussten also nicht von seiner Existenz, Sie wussten nicht von der Tatsache, dass Radek existiert?

LIWSCHITZ: Nein, ich wusste von ihm, ich wusste von seiner Existenz, aber ich war nicht mit ihm bekannt.

WYSCHINSKI: Wenn das von Pjatakow und Serebrjakow abgeleugnet wird, so frage ich, um objektiv an den Fall heranzutreten: wer von den Angeklagten, die hier sitzen, oder vielleicht von denen, die hier sitzen werden, kann davon wissen oder wusste davon und konnte es Ihnen sagen?

LIWSCHITZ: Ich kann nur antworten, dass sie es beide vergessen haben; denn ich habe mit niemand anderem über dies Thema gesprochen. Wenn ich es also weiß, kann ich es nur von ihnen wissen.

VORSITZENDER (zu Radek): Sie haben die Hand erhoben, wollen Sie in diesem Zusammenhang irgendetwas sagen?

RADEK: Ja.

VORSITZENDER: Bitte.

RADEK: Wenn wir, die Mitglieder des Zentrums, mit Mitgliedern der Organisation, mit solchen Mitgliedern der Organisation wie Liwschitz, mit sehr verantwortlichen Mitgliedern redeten, so sprachen wir nicht über Einzelheiten, so nannten wir nichts, was den Ort, die Gruppen oder den Zeitpunkt anbetraf. Wir nannten die Gruppe von Personen, gegen die Anschläge gerichtet waren. Eben deshalb kann die Meinungsverschiedenheit darauf beruhen, dass Serebrjakow oder Pjatakow nicht sagten: der Anschlag wird jetzt, oder nach einem Monat, oder nach einem halben Jahr verübt werden. Aber in einem Kreis von so verantwortlichen Personen wie Liwschitz sprachen wir davon, und deshalb kann Liwschitz nicht die Unwahrheit über solche Dinge, wie das Attentat gegen Stalin, sagen.

WYSCHINSKI: Angeklagter Liwschitz, fand am 17. Januar 1937 Ihre Konfrontierung mit Pjatakow statt? Das wird übrigens den Angeklagten Pjatakow betreffen, deshalb bitte ich auch ihn, dieser Aussage seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Bei der Konfrontierung war auch vom Terror die Rede (liest):
Frage an Pjatakow: Erteilten Sie bei dieser Gelegenheit Liwschitz Direktiven über Terror und Schädlingstätigkeit?
Antwort: Es fällt mir schwer, mich genau zu erinnern, zu welchem Zeitpunkt ich Liwschitz diese Direktive gab.
Frage an Pjatakow: Ist das in dem Sinne zu verstehen, dass Sie Liwschitz überhaupt derartige Direktiven gaben?
Pjatakow: Natürlich, dies Gespräch mit ihm hat stattgefunden.“
Und schließlich:
Frage an Pjatakow: Informierten Sie Liwschitz über die Vorbereitungsarbeit zu Terrorakten gegen die Führer der KPdSU(B)?
Antwort Pjatakows: Ich erinnere mich nicht, ob ich konkret darüber gesprochen habe, auf jeden Fall wusste Liwschitz von der terroristischen Tätigkeit, die das Zentrum durchführte.“
Entspricht das den Tatsachen?

PJATAKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Folglich bestätigen Sie, dass Liwschitz die Vorbereitung von Terrorakten gegen die Führer unserer Partei und Regierung, und somit auch gegen Stalin bekannt war.

PJATAKOW: Ich bestätige, dass das gegen bestimmte Personen und darunter gegen Stalin gerichtet war.

WYSCHINSKI: Woher wusste er davon?

PJATAKOW: Unter anderem auch von mir.

WYSCHINSKI: Kann man also sagen, dass Liwschitz sagen konnte, dass er davon wusste?

PJATAKOW: Nein.

WYSCHINSKI: Für mich ist die Frage klar. Hat Liwschitz mit Ihnen über den Terror gesprochen?

PJATAKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Dass das Parallelzentrum den Terror vorbereitet?

PJATAKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Dass der Terror gegen die Führer der KPdSU(B) und folglich gegen Stalin vorbereitet wurde?

PJATAKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Hat also ein solches Gespräch mit Liwschitz stattgefunden?

PJATAKOW: Selbstverständlich.

WYSCHINSKI: Konnte also Liwschitz der Meinung sein, dass Sie, als Sie von dem Terrorakt sprachen, ihn davon in Kenntnis setzten, dass dieser Terrorakt auch gegen Stalin vorbereitet wurde?

PJATAKOW: Das sage ich ja gerade.

WYSCHINSKI: Mir scheint, die Frage ist klar.

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird bis 11 Uhr vormittags unterbrochen.

 

(Unterschrift)

Der Vorsitzende:
Vorsitzender des Militärkollegiums des
Obersten Gerichtshofes der UdSSR
Armee-Militärjurist W. Ulrich

Der Sekretär:
Militärjurist I. Ranges A. Kostjuschko

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