PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

VORMITTAGSSITZUNG VOM 27. JANUAR 1937

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN RATAITSCHAK

VORSITZENDER: Wir gehen zum Verhör des Angeklagten Rataitschak über. Angeklagter Rataitschak, bestätigen Sie Ihre in der Voruntersuchung in der Staatsanwaltschaft gemachten Aussagen?

RATAITSCHAK: Ich bestätige sie.

WYSCHINSKI: Angeklagter Rataitschak, einige Angaben biographischer Natur. Beim Verhör am 2. Oktober haben Sie auf die Frage nach Ihrer Nationalität geantwortet, Sie seien Deutscher, auf die Frage nach Ihrer Muttersprache haben Sie Deutsch angegeben. Warum haben Sie in Fragebogen aus den Jahren 1920-1922 angegeben, dass Sie Pole und Ihre Muttersprache Polnisch sei.

RATAITSCHAK: Ich habe eigentlich geschrieben, dass ich Pole seit meiner Gefangenschaft bin.

WYSCHINSKI: Als Sie in Gefangenschaft gerieten, was waren Sie?

RATAITSCHAK: Ich geriet in Gefangenschaft als Soldat der deutschen Armee.

WYSCHINSKI: Und was waren Sie der Nationalität nach?

RATAITSCHAK: Deutscher. Ich habe „Pole“ aus rein persönlichen Erwägungen geschrieben. In der alten Zeit ging die zaristische Regierung mit Deutschen schlecht um, und darum verheimlichte ich meine Abstammung.

WYSCHINSKI: Folglich haben Sie dadurch, dass Sie Ihre deutsche Abstammung verheimlichten, sich von Ihrer Nationalität losgesagt?

RATAITSCHAK: Die zaristische Regierung behandelte die Deutschen schlecht...

WYSCHINSKI: Die zaristische Regierung ist an vielem schuld, ist sie auch daran schuld, dass Sie sich von Ihrer Nationalität losgesagt haben?

RATAITSCHAK: Das gehört nicht zur Sache.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie mir zu entscheiden, was zur Sache gehört und was nicht. Überhaupt sollte es Ihnen bekannt sein, dass das Verhör vor Gericht vom Vorsitzenden geleitet wird. Ich möchte den Vorsitzenden bitten, den Angeklagten zur Ordnung zu rufen und ihn darauf zu verweisen, dass ein solches Verhalten vor Gericht unzulässig ist.

VORSITZENDER: Angeklagter Rataitschak, es geht nicht an, vor Gericht eine solche Pose anzunehmen.

WYSCHINSKI: Ich spreche nicht von der Pose.

VORSITZENDER: Ich verstehe sehr wohl, aber ich habe gleich bemerkt, dass der Angeklagte Rataitschak eine etwas eigenartige Pose angenommen hat.

RATAITSCHAK: Ich bitte zu berücksichtigen, dass ich keine Pose angenommen, sondern mich einfach vorgebeugt habe, damit das Gespräch besser zu hören ist.

VORSITZENDER: Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie auf Fragen des Gerichts und des Staatsanwalts klar und deutlich antworten müssen.

RATAITSCHAK: Ich habe geantwortet, dass dies nicht zur Sache gehört, da ich der Meinung war, dass ein Hinweis auf die Zarenregierung im Zusammenhang mit der Biographie mit der Sache nichts zu tun hat.

VORSITZENDER: Wenn vom Staatsanwalt oder vom Gerichtsvorsitzenden eine Frage gestellt wird, dann haben sie ihre Gründe dazu. Bemühen Sie sich, die Fragen zu beantworten.

WYSCHINSKI: Sie wollten also die zaristische Regierung beschwindeln?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Als Sie Ihren Beitritt zur Kommunistischen Partei erklärten, beschwindelten Sie die Partei, verheimlichten Sie, dass Sie Deutscher sind?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Können Sie nicht erklären, warum Sie das getan haben?

RATAITSCHAK: Ich habe es ohne jede eigennützige Absicht getan.

WYSCHINSKI: Eine eigennützige Absicht braucht nicht vorgelegen zu haben, es kann ein anderer Zweck gewesen sein. Womit wollen Sie das erklären?

RATAITSCHAK: Wie ich die Fragebogen anfangs ausfüllte, so blieben sie auch.

WYSCHINSKI: Warum haben Sie in der Voruntersuchung auf die Frage, wie es zu erklären ist, dass Sie die Partei beschwindelt und angegeben haben, Ihre Muttersprache sei Polnisch, geantwortet: ich kann es nicht erklären?

RATAITSCHAK: Ich kann es präzisieren. Ich habe in den Fragebogen geschrieben, dass ich Deutscher bin, meine Muttersprache aber Polnisch ist.

WYSCHINSKI: Ich gestatte mir, zu verlesen, was Rataitschak in der Voruntersuchung ausgesagt hat, Band XVII, Blatt 24. Auf die Frage: warum war in dem aus den Jahren 1920-1922 stammenden Fragebogen nicht angegeben, dass Sie Pole und Ihre Muttersprache Polnisch ist, haben Sie damals geantwortet: das stimmt nicht. Auf die Frage: was hat Sie veranlasst, die Partei zu beschwindeln und bei der Beantwortung der Frage nach Ihrer Nationalität eine Unwahrheit zu schreiben, haben Sie geantwortet: ich kann es nicht erklären. Stimmt das?

RATAITSCHAK: Ich bestätige es.

WYSCHINSKI: Gab es nicht noch irgendwelche falsche Angaben in dem Fragebogen?

RATAITSCHAK: Ich habe in dem Fragebogen noch eine Ungenauigkeit zugelassen. Ich habe mir revolutionäre Verdienste seit 1915 zugeschrieben. In Wirklichkeit war das nicht der Fall.

WYSCHINSKI: Wo?

RATAITSCHAK: In meiner damaligen Heimat.

WYSCHINSKI: Wann?

RATAITSCHAK: Vor der Revolution, im Jahre 1915.

WYSCHINSKI: Und während der Revolution?

RATAITSCHAK: Ich schrieb, dass ich zu einem Zeitpunkt, wo ich noch nicht in der Partei war, Agitator gewesen bin. Eigentlich war ich von niemand kommandiert. Ich. arbeitete unter Kriegsgefangenen, konnte mich aber nicht als einen Agitator betrachten.

WYSCHINSKI: Haben Sie bei der Ausfüllung des Fragebogens angegeben, Sie seien Agitator in Kriegsgefangenenlagern gewesen?

RATAITSCHAK: Ich habe es angegeben.

WYSCHINSKI: Sie haben in dem Fragebogen angegeben, dass Sie Agitator gewesen seien, Sie haben geschrieben: „Sofort nach der Oktoberrevolution trat ich in eine Rotgardistenabteilung ein, die damals organisiert wurde.“ Und weiter schreiben Sie: „Das entspricht nicht der Wirklichkeit.“

RATAITSCHAK: Ich erinnere mich, dass nach der Oktoberrevolution...

WYSCHINSKI: Haben Sie solche Aussagen gemacht?

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Ich bitte, dem Angeklagten Rataitschak die von ihm unterzeichneten Aussagen vorzulegen (Band XVII, Blatt 25, vom 2. Oktober). Ich verlese, was dort geschrieben steht: „Ich muss zugeben, dass ich bei der Ausfüllung des Fragebogens und der Abfassung der Autobiographie falsch angegeben habe, dass ich während der Oktoberrevolution Agitator in Kriegsgefangenenlagern gewesen bin. Ich habe ebenfalls falsche Angaben über die Auflösung der Gefangenenlager gemacht. In meiner Autobiographie heißt es: Sofort nach der Oktoberrevolution...“ Weiter folgt das, was ich hier bereits verlesen habe. Und weiter sagen Sie: „Das entspricht nicht der Wirklichkeit.“ Hieß es beim Verhör so, wurde das so gesagt, wurde das so niedergeschrieben, wurde das so unterzeichnet?

RATAITSCHAK: Ich bestreite diese Tatsache nicht. Ich bestätige sie.

WYSCHINSKI: Es war also eine Unwahrheit?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Dann fällt diese Frage weg.

Sie schreiben: „Ich habe falsch angegeben, dass ich im Jahre 1913 in Deutschland zum Mitglied des Ortsausschusses des Metallarbeiterverbandes bestimmt wurde.“ Haben Sie das ausgesagt?

RATAITSCHAK: Ich habe es ausgesagt.

WYSCHINSKI: Ist das die Unwahrheit?

RATAITSCHAK: Nein, ich war Sekretär.

WYSCHINSKI: Gewählter Sekretär?

RATAITSCHAK: Nein.

WYSCHINSKI: Sie waren einfach angestellt?

RATAITSCHAK: Nein. Ich arbeitete im Betrieb als Schlosser, wurde kooptiert, wurde zur Arbeit als Sekretär im Ortsausschuss des Metallarbeiterverbandes herangezogen.

WYSCHINSKI: War die Funktion eines Sekretärs im Verband überhaupt eine Wahlfunktion?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Sie sagen aus: „Wahlfunktionen habe ich im Metallarbeiterverband überhaupt nicht ausgeübt.“ Wie konnten Sie das Amt eines Sekretärs bekleiden, wenn das eine Wahlfunktion ist, Sie aber solche nicht ausgeübt haben?

RATAITSCHAK: Es fällt mir jetzt schwer, das zu erklären, was sich auf das Jahr 1913 bezieht, ich kann mich aber sehr genau darauf besinnen, dass...

WYSCHINSKI: Dass Sie verworrene Angaben gemacht haben?

RATAITSCHAK: Ich behaupte, dass ich ganz genau die Frage beantwortet habe...

WYSCHINSKI: Dass Sie die Unwahrheit gesagt haben?

RATAITSCHAK: In der Biographie von 1922?

WYSCHINSKI: Ja, die Unwahrheit gesagt haben?

RATAITSCHAK (schweigt)

WYSCHINSKI: Sie haben gesagt, Sie hätten drei Streiks geleitet. Ist das wahr?

RATAITSCHAK: Ich nahm an ihnen teil.

WYSCHINSKI: Haben aber geschrieben, dass Sie sie geleitet haben?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Haben gesagt, Sie seien dreimal aus den Lagern geflohen, tatsächlich aber?

RATAITSCHAK: Ich habe drei Fluchtversuche unternommen, bin einmal geflohen.

WYSCHINSKI: Haben Sie gesagt, Sie seien dreimal geflohen?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Haben Sie die Wahrheit gesagt?

RATAITSCHAK: Nein, aber ich will einen Vorbehalt machen, dass ich mehrere Male versuchte, zu korrigieren...

WYSCHINSKI: Nein, gestatten Sie, Sie konnten zweihunderttausend Mal versuchen, aus dem Lager zu fliehen, Sie haben aber geschrieben, Sie seien dreimal geflohen.

RATAITSCHAK: Ich habe alle diese Korrekturen in der Biographie nicht in der Voruntersuchung, sondern im April 1936 vorgenommen. Seit April 1936 hatte ich bereits eine neue Autobiographie.

WYSCHINSKI: Also hat die alte Autobiographie Sie nicht mehr zufrieden gestellt? Gut, auf die neue Autobiographie kommen wir auch noch zu sprechen. Das wird schon unmittelbar mit Ihrem Verbrechen im Zusammenhang stehen, vorläufig aber sprechen wir mit Ihnen über Ihre alte Autobiographie, d. h. über diejenige, die Sie von 1922 bis 1936 hatten, in der es eine ganze Reihe betrügerischer Angaben gibt.

RATAITSCHAK: Ich möchte sagen: Ungenauigkeiten.

WYSCHINSKI: Wozu sagten Sie in dem Fragebogen, dass Sie Agitator gewesen, dass Sie dreimal aus dem Militärlager geflohen seien, dass Sie drei Streiks geleitet hätten, dass Sie Sekretär des Metallarbeiterverbandes gewesen seien usw.? Welchen Zweck verfolgten Sie? In Ihren Aussagen in der Voruntersuchung haben Sie so geantwortet: „Ich wollte mir revolutionäre Verdienste zuschreiben, die ich in Wirklichkeit nicht hatte.“ Stimmt das?

RATAITSCHAK: Es stimmt.

WYSCHINSKI: Wie nennt. man Leute, welche sich revolutionäre Verdienste zuschreiben, die es nicht gibt?

RATAITSCHAK: Sie schwindeln...

WYSCHINSKI: Sie schwindeln, sie geben sich für etwas aus, was sie nicht sind?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Kann man sagen, dass das Abenteurertum ist?

RATAITSCHAK: Ich kann das nicht sagen.

WYSCHINSKI: Natürlich nicht, ich verlange das von Ihnen auch gar nicht.

Sagen Sie bitte, hat der Sekretär des ZK unserer Partei, Genosse Jeshow, Sie im Februar 1936 wegen Ihrer Autobiographie zu sich bestellt?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Haben Sie ihm diese Korrekturen angegeben oder fuhren Sie fort zu schwindeln?

RATAITSCHAK: Ja, er hat mich bestellt.

WYSCHINSKI: Haben Sie dort bei ihm Ihre Autobiographie abgefasst?

RATAITSCHAK: Ich habe sie dort nicht abgefasst, nach einigen Tagen jedoch habe ich eine neue Autobiographie abgefasst, wie mir gesagt worden war.

WYSCHINSKI: Und haben sie vorgelegt?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Haben Sie die Biographie richtig abgefasst?

RATAITSCHAK: Die neue ja. Alles Unnötige habe ich gestrichen.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, beantworten Sie gefälligst meine Fragen. Haben Sie im Februar 1936 eine Autobiographie abgefasst?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Haben Sie sie richtig abgefasst?

RATAITSCHAK: Ich habe sie richtig abgefasst.

WYSCHINSKI: Haben Sie den Sekretär des ZK der Partei, Genossen Jeshow, beschwindelt?

RATAITSCHAK: Ja, ich habe ihn beschwindelt.

WYSCHINSKI: Sie haben ihn im Februar 1936 beschwindelt?

RATAITSCHAK: Zweifellos.

WYSCHINSKI: Was waren Sie damals, im Februar 1936?

RATAITSCHAK: Wenn man erläutern darf...

WYSCHINSKI: Nein, antworten Sie.

RATAITSCHAK: So ist es sehr schwer zu antworten.

WYSCHINSKI: Können Sie gut russisch, wenn Sie auch Deutscher und Pole sind?

RATAITSCHAK: Verhältnismäßig.

WYSCHINSKI: Welchen Posten bekleideten Sie im Februar 1936?

RATAITSCHAK: Den eines Leiters der Hauptverwaltung der chemischen Industrie.

WYSCHINSKI: Mit einer solchen Autobiographie?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Ich möchte eine Frage an Pjatakow stellen.

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI (zu Pjatakow): War Rataitschak Ihr nächster Gehilfe?

PJATAKOW: Wie alle Leiter von Hauptverwaltungen.

WYSCHINSKI: Ich frage, war Rataitschak Ihr nächster Gehilfe im Volkskommissariat für Schwerindustrie?

PJATAKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Kannten Sie diese Autobiographie?

PJATAKOW: Ich höre sie zum ersten Mal.

WYSCHINSKI: Sie wussten also nicht, wen Sie als Gehilfen hatten?

PJATAKOW: Nein.

WYSCHINSKI: Setzen Sie sich. (Zu Rataitschak): Sagten Sie zu irgendjemand, dass Sie in der deutschen Armee Flieger gewesen seien?

RATAITSCHAK: Nein.

WYSCHINSKI: Und dass Sie überhaupt Flieger gewesen seien?

RATAITSCHAK: Ich erinnere mich, dass es einmal ein solches Gespräch gegeben hat.

WYSCHINSKI: Ich frage Sie, haben Sie das erzählt oder nicht?

RATAITSCHAK: Als einmal von Politik die Rede war...

WYSCHINSKI: Ich frage Sie nicht, wann das Gespräch war, ich frage, ob Sie das gesagt haben oder nicht?

RATAITSCHAK: Ich habe es gesagt.

WYSCHINSKI: Sind Sie Flieger gewesen?

RATAITSCHAK: Nein.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, warum haben Sie, obwohl Sie kein Flieger gewesen sind, gesagt, Sie seien Flieger?

RATAITSCHAK: Ich kann mich erinnern, dass es einmal ein Gespräch unter Arbeitskollegen über Flüge in Dienstangelegenheiten gab, und in diesem Gespräch wurde oft der Satz angewandt, ich sei alter Flieger.

WYSCHINSKI: Wer sagte das?

RATAITSCHAK: Ich.

WYSCHINSKI: Nicht nur Flieger, sondern sogar alter Flieger?

RATAITSCHAK: Ja, in dem Sinne, dass ich das Fliegen gut vertrage.

WYSCHINSKI: Und was sollte das?

RATAITSCHAK: Nichts.

WYSCHINSKI: Und Dentist sind Sie nicht?

RATAITSCHAK: Nein.

WYSCHINSKI: Und warum haben Sie nicht gesagt, Sie seien Dentist, sondern haben gesagt, Sie seien Flieger? Sind Sie Flieger gewesen?

RATAITSCHAK: Nein.

WYSCHINSKI: Und warum haben Sie es gesagt? Also war im Februar die Biographie falsch?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Und wann machten Sie eine richtige?

RATAITSCHAK: Nach dem Gespräch mit N. I. Jeshow.

WYSCHINSKI: Nach dem Februar?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: In welchem Monat?

RATAITSCHAK: Gleich nach dem Gespräch.

WYSCHINSKI: Also haben Sie zuerst eine falsche Autobiographie vorgelegt?

RATAITSCHAK. Ich habe nichts vorgelegt. Die alte Autobiographie lag bei den Akten. Nikolai Iwanowitsch stellte in einer sehr kurzen Unterredung einige Fragen. Ich sagte, dass hier Übertreibungen, Ungenauigkeiten vorliegen. Nikolai Iwanowitsch sagte mir: Nehmen Sie die Autobiographie mit, lassen Sie alles Unnötige weg und legen Sie sie so vor, wie es sich gehört. Das ist das ganze Gespräch.

WYSCHINSKI: Haben Sie die Autobiographie genommen und umgeändert?

RATAITSCHAK: Ich habe, als ich die Autobiographie abänderte, bereits das ZK betrogen, da ich nicht angab, dass es eine ganze Reihe unrichtiger Punkte gibt. Darin besteht der ganze Sinn der Autobiographie.

WYSCHINSKI: Sie hatten eine Autobiographie, dann im Februar eine zweite und im Mai änderten Sie sie, von da ab hatten Sie eine dritte?

RATAITSCHAK: Ich habe sie nicht geändert.

WYSCHINSKI: Sie haben also den Sekretär des ZK nicht beschwindelt?

RATAITSCHAK: Doch, ich habe ihn beschwindelt, weil ich auf die Frage von Nikolai Iwanowitsch...

WYSCHINSKI: Eine falsche Antwort gegeben habe?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Und dann?

RATAITSCHAK: In dem Fragebogen habe ich alles ganz genau niedergelegt.

WYSCHINSKI: Das ist wiederum nur nach Ihren eigenen Angaben. Sie begannen umzuändern, als man Sie zu überführen begann?

RATAITSCHAK: Ich habe das Gespräch wiedergegeben.

WYSCHINSKI: Sie begannen umzuändern, nachdem Sie ins ZK gerufen worden waren?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Das heißt also, nachdem diese Autobiographie verdächtig geworden war?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Das heißt also, man wird die neue vielleicht auch ändern müssen?

RATAITSCHAK: Ich weiß nicht.

WYSCHINSKI: Aber jetzt?

RATAITSCHAK: Jetzt sage ich alles, was ist und was ich weiß. Wie wesentlich meine Korrekturen waren, wird dadurch bezeugt, dass ich nach der Einreichung des Fragebogens an Nikolai Iwanowitsch Jeshow keine Unterredungen mit ihm hatte.

WYSCHINSKI: Sie kannten Krapiwski?

RATAITSCHAK: Ja. Er war Mitarbeiter im Volkswirtschaftsrat im Gouvernement Wolhynien, wo ich Stellvertreter des Vorsitzenden war.

WYSCHINSKI: Womit beschäftigte sich Krapiwski?

RATAITSCHAK: Er war Leiter der Versorgungsabteilung.

WYSCHINSKI: Und ging er seiner Arbeit nach?

RATAITSCHAK: Er ging seiner Arbeit nach.

WYSCHINSKI: Und außerdem befasste er sich mit nichts?

RATAITSCHAK: Nein.

WYSCHINSKI: Entschuldigen Sie, befasste er sich außerdem inoffiziell mit nichts?

RATAITSCHAK: Meiner Meinung nach ja.

WYSCHINSKI: Ihrer und meiner Meinung nach.

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Womit befasste er sich inoffiziell?

RATAITSCHAK: Er spekulierte im Kettenhandel mit staatlichem Eigentum.

WYSCHINSKI: Und womit befasste er sich noch?

RATAITSCHAK: Diese Spekulation war eigentlich alles...

WYSCHINSKI: Es ist nicht zu verstehen, was Sie da sprechen, sprechen Sie lauter.

RATAITSCHAK: Ich spreche laut.

WYSCHINSKI: Gar nicht laut, in manchen Fällen haben Sie lauter gesprochen.

RATAITSCHAK: Er machte sich mit Spekulation zu schaffen. das ist alles, was zu erwarten war.

WYSCHINSKI: Er war als Wirtschaftsleiter in derselben Institution angestellt, wo Sie Stellvertreter des Vorsitzenden waren, und machte sich mit Spekulation zu schaffen. Und womit spekulierte er?

RATAITSCHAK: Ich kann das schwer sagen, aber er spekulierte im Kettenhandel mit staatlichem Eigentum.

WYSCHINSKI: Um mit staatlichem Eigentum zu spekulieren, muss man staatliches Eigentum haben. Das heißt also, er hatte staatliches Eigentum?

RATAITSCHAK: Er arbeitete als Leiter der Versorgungsabteilung...

WYSCHINSKI: Übereilen Sie sich nicht, es wird wieder einen Konflikt zwischen uns geben. Sprechen Sie ruhig, alles der Reihe nach.

RATAITSCHAK: Man kann nicht so ruhig über alles sprechen.

WYSCHINSKI: Das ist richtig. Ich verstehe Ihre Lage, es ist schwer zu sprechen. Kurz gesagt, er stahl staatliches Eigentum.

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Stimmt das?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Sie wussten davon?

RATAITSCHAK: Teilweise wusste ich.

WYSCHINSKI: Bloß teilweise?

RATAITSCHAK: Ja, ich kann nicht sagen, dass ich alles wusste, ich kannte die Ausmaße dessen nicht.

WYSCHINSKI: Danach frage ich Sie nicht. Sie wussten, dass er staatliches Eigentum stiehlt?

RATAITSCHAK: Ich fühlte das, ohne Zweifel.

WYSCHINSKI: Nein, Ihnen war das bekannt.

RATAITSCHAK: Nein, ich fühlte das ganz genau.

WYSCHINSKI: Ich halte Ihnen Ihre Aussagen in der Voruntersuchung vor. War es Ihnen bekannt oder nicht bekannt?

RATAITSCHAK: Es war mir bekannt.

WYSCHINSKI: Das heißt, Sie „fühlten“ nicht, sondern es war Ihnen bekannt. Das ist ein Unterschied. Stimmt das?

RATAITSCHAK: Es stimmt.

WYSCHINSKI: Warum behielten Sie, der Stellvertreter des Vorsitzenden des Gouvernementsvolkswirtschaftsrates, einen Gauner im Dienst, der den Staat bestahl?

RATAITSCHAK (schweigt)

WYSCHINSKI: Warum behalten Sie einen alten Gauner in einer Institution im Dienst, welche Sie leiten? Wussten Sie nicht, dass er ein Gauner und Spekulant war? Warum? Sie, der Leiter der Hauptverwaltung der chemischen Industrie. Warum?

RATAITSCHAK (schweigt)

WYSCHINSKI: Waren Sie materiell irgendwie von ihm abhängig?

RATAITSCHAK (mit kaum hörbarer Stimme): Jawohl. Ich wohnte bei ihm.

WYSCHINSKI: Nicht dass Sie bei ihm wohnten, sondern Sie lebten auf seine Rechnung?

RATAITSCHAK: Auch so kann man sagen.

WYSCHINSKI: Sie bestätigen also, dass Sie als Stellvertreter des Vorsitzenden des Volkswirtschaftsrates das kriminelle Verbrechen Krapiwskis deckten, weil er die gestohlenen Gelder mit Ihnen teilte. Stimmt das?

RATAITSCHAK: Vielleicht ist es nicht ganz genau, aber der Sinn ist im Wesentlichen dieser.

WYSCHINSKI: Kommen Sie jetzt zu Ihrer trotzkistischen Tätigkeit.

RATAITSCHAK: Darf ich erzählen?

VORSITZENDER: Genosse Wyschinski, soll er erzählen oder auf Fragen antworten?

WYSCHINSKI: Er soll erzählen.

RATAITSCHAK: Meine aktive trotzkistische Arbeit begann im Jahre 1934.

WYSCHINSKI: Wann sind Sie in die Partei eingetreten?

RATAITSCHAK: Im Jahre 1918. Die Formalitäten wurden am 6. Januar 1919 erledigt.

WYSCHINSKI: Wer hat Sie empfohlen?

RATAITSCHAK: Mich haben Gawriljuk, Rubzowa, Nowikow empfohlen, außerdem...

WYSCHINSKI: Kannten diese Leute Ihren Lebenslauf?

RATAITSCHAK: Sie wohnten mit mir zusammen.

WYSCHINSKI: Kannten sie Ihren Lebenslauf?

RATAITSCHAK: Jawohl, da wir gemeinsam in einer Truppe kämpften und gemeinsam wohnten.

WYSCHINSKI: Und wussten diese Leute, was Sie vorstellten? Damals hatten Sie doch noch die alte Autobiographie, so dass die Leute Ihren alten Lebenslauf kannten?

RATAITSCHAK: Ihnen war das bekannt, was ich im Fragebogen geschrieben hatte.

WYSCHINSKI: Und nicht das, was der Wirklichkeit entspricht?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Sie haben also diese Leute auch beschwindelt?

RATAITSCHAK: Sie haben mich empfohlen...

WYSCHINSKI: Einen Augenblick, bitte... Sie haben die Leute beschwindelt?

RATAITSCHAK: So ist es wohl. Sie empfahlen mich auf Grund meiner aktiven Arbeit unter der Sowjetmacht.

WYSCHINSKI: Die Leute sahen Ihre Autobiographie, sahen Ihre „revolutionären erdienste“ und empfahlen Sie? Es stellt sich heraus, dass Sie diese Leute beschwindelt haben, ebenso wie auch alle anderen, die Ihren Lebenslauf gelesen haben?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Wann traten Sie mit den Trotzkisten in Verbindung? Wann wurden Sie aktiver Trotzkist?

RATAITSCHAK: Im Jahre 1934.

WYSCHINSKI: Wer hat Sie in die trotzkistische Organisation eingeführt?

RATAITSCHAK: Die ganze Vorbereitung ging vor sich...

WYSCHINSKI: Wer hat Sie in die trotzkistische Organisation eingeführt?

RATAITSCHAK: Pjatakow. Die erste Unterredung mit Pjatakow hatte ich Anfang 1934, die aktive Arbeit aber begann mit der Ausführung der Schädlingstätigkeit im Bauplan des Jahres 1934.

WYSCHINSKI: Antworten Sie lieber auf Fragen. Sie sind in die trotzkistische Organisation eingetreten?

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Sie erhielten einen Auftrag, Schädlingsarbeit zu leisten?

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Sie erhielten einen Diversionsauftrag?

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Sie waren mit der Spionagearbeit verbunden?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Durch wen?

RATAITSCHAK: Durch Puschin und Hrasche.

WYSCHINSKI (zu Puschin): Angeklagter Puschin, stimmt es, dass Rataitschak durch Sie auf der Linie der Spionage Verbindungen hatte?

PUSCHIN: Durch mich, aber auch unmittelbar.

WYSCHINSKI: Dies letztere hat er nicht gesagt. (Zu Hrasche): Angeklagter Hrasche, stand er durch Sie mit den Agenten des deutschen Geheimdienstes in Verbindung?

HRASCHE: Ja, er stand mit Agenten des deutschen Geheimdienstes in Verbindung.

WYSCHINSKI: Und standen Sie mit ihnen in Verbindung?

HRASCHE: Ja.

WYSCHINSKI: Als Agent?

HRASCHE: Ja.

WYSCHINSKI: Worin kam das zum Ausdruck?

HRASCHE: In der Übergabe von Materialien, geheimen Mitteilungen über die Arbeit der chemischen Industrie.

WYSCHINSKI: War dies Rataitschak bekannt?

HRASCHE: Ja, ich arbeitete unter seiner Leitung.

WYSCHINSKI (zu Rataitschak): Folglich haben Sie dem deutschen Geheimdienst Spionagematerial übergeben, über das Sie von Amts wegen verfügten?

RATAITSCHAK: Ja. Ich war Leiter der Hauptverwaltung der mineralchemischen Industrie.

WYSCHINSKI: Schädlingstätigkeit liegt vor?

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Diversionstätigkeit liegt vor?

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Spionage liegt vor?

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Teilnahme an der terroristischen Organisation liegt vor?

RATAITSCHAK: Nein.

WYSCHINSKI: Haben Sie von der terroristischen Organisation gewusst?

RATAITSCHAK: Ich kannte von Pjatakow die Einstellungen Trotzkis.

WYSCHINSKI: Sagte Ihnen Pjatakow, dass er Mitglied der terroristischen Organisation ist, übermittelte er Direktiven Trotzkis, darunter auch über Terror?

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Terror gegen wen?

RATAITSCHAK: Gegen die Führer der Partei und der Regierung.

WYSCHINSKI: Sie haben also davon gewusst, dass Ihre Organisation Terroranschläge gegen die Führer der Partei und der Regierung vorbereitet? Haben Sie es gewusst?

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Und wie ist Ihre Stellung zum Terror?

RATAITSCHAK: Darüber habe ich schon in der Untersuchung ausgesagt.

WYSCHINSKI: Ich frage Sie nicht danach, was Sie in der Untersuchung geantwortet haben. Antworten Sie auf die Frage. Wie ist Ihre Stellung zum Terror?

RATAITSCHAK: Ich bin nicht dafür.

WYSCHINSKI: Warum sind Sie nicht dafür?

RATAITSCHAK (schweigt)

WYSCHINSKI: Er gefällt Ihnen wohl nicht? Schädlingstätigkeit hat Ihnen gefallen? Diversion hat Ihnen gefallen? Spionage hat Ihnen gefallen? Warum gefällt Ihnen der Terror nicht? Warum sind Sie nicht für ihn?

RATAITSCHAK: Alles, was Sie aufgezählt haben, waren Gemeinheiten.

WYSCHINSKI: Alles Gemeinheiten. Aber jedenfalls haben Sie sich von der Gruppe, die sich mit dem Terror beschäftigte, nicht losgesagt, sich nicht von ihr getrennt?

RATAITSCHAK: Nein.

WYSCHINSKI: Haben Sie irgendwann Versuche gemacht, irgendjemandem über diese Niedertracht Mitteilung zu machen?

RATAITSCHAK: Nein.

WYSCHINSKI: Haben Sie nicht versucht, diese ganze teuflische Verräterarbeit aufzudecken?

RATAITSCHAK: Wenn ich sie aufgedeckt hätte, so säße ich nicht hier auf der Anklagebank. Ich habe selber versucht, mich von dieser Arbeit loszumachen.

WYSCHINSKI: Versucht, sich loszumachen?

RATAITSCHAK: Ende 1935 und im Jahre 1936 habe ich schon keine praktische Tätigkeit mehr ausgeübt.

WYSCHINSKI: Worin bestand Ihre Diversionsarbeit?

RATAITSCHAK: Auf meine Puschin übergebene Direktive wurden drei Betriebskatastrophen, drei Diversionsanschläge in den Gorlowkaer Werken und außerdem noch zwei Betriebskatastrophen herbeigeführt, eine in den Newski-Werken und eine im Chemiekombinat Woskressensk.

WYSCHINSKI: Nehmen wir die Gorlowkaer Werke. Worin bestand diese Betriebskatastrophe?

RATAITSCHAK: Darin, dass infolge der Katastrophe einzelne Aggregate betriebsunfähig gemacht wurden.

WYSCHINSKI: Gab es in dem Gorlowkaer Werk eine Katastrophe?

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Und zwar was für eine Katastrophe?

RATAITSCHAK: Eine Explosion. Der ganze Betrieb wurde auf einige Tage außer Betrieb gesetzt. Drei Arbeiter kamen ums Leben.

WYSCHINSKI: Kennen Sie ihre Namen?

RATAITSCHAK: Ich habe sie vergessen.

WYSCHINSKI: Sie interessierten sich nicht dafür?

RATAITSCHAK: Ich kannte sie gut aus dem Aktenmaterial, jetzt habe ich sie vergessen.

WYSCHINSKI: Ich werde sie Ihnen in Erinnerung bringen: Leonid Fjodorowitsch Kurkin, 20 Jahre alt, Mitglied des Komsomol, Stoßarbeiter, Stachanowarbeiter; Nikolai Iwanowitsch Mostez, Schlosser; Irina Jegorowna Strelnikowa, 22 Jahre alt, Filtriererin. Wer hat sie umgebracht?

RATAITSCHAK: Wir.

WYSCHINSKI: Sie, der Leiter der Hauptverwaltung der chemischen Industrie? (Rataitschak schweigt) Wann war der zweite Fall?

RATAITSCHAK: Der zweite Fall verlief ohne Opfer an Menschenleben - Reißen der Reservegasleitung. Der Betrieb arbeitete einige Tage mit großen Stockungen.

WYSCHINSKI: Der dritte Fall?

RATAITSCHAK: Der dritte Fall war eine Explosion in der Luftverflüssigungsabteilung im November 1934, derzufolge einer der Luftverflüssigungsapparate betriebsunfähig gemacht wurde.

WYSCHINSKI: An den Lindeapparaten?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Sie haben es organisiert?

RATAITSCHAK: Es wurde in meinem Auftrag organisiert.

WYSCHINSKI: Wer kam um?

RATAITSCHAK: Ebenfalls, glaube ich, zwei Arbeiter.

WYSCHINSKI: Sie erinnern sich nicht? Ich werde sie Ihnen in Erinnerung rufen: Iwan Jegorowitsch Lunew, Stoßarbeiter, bester Apparatarbeiter der Abteilung; Wladimir Andrejewitsch Judin, 26 Jahre alt, Student des letzten Kursus des Tomsker Polytechnischen Instituts, der sich auf Produktionspraxis befand. Erinnern Sie sich?

RATAITSCHAK: Richtig.

WYSCHINSKI: Wurde auf dem Chemiekombinat Woskressensk in Ihrem Auftrage ein Diversionsanschlag ausgeführt?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Kamen dort Menschen uns Leben?

RATAITSCHAK: Nein.

WYSCHINSKI: Aber 17 Arbeiter tot und 15 verwundet?

RATAITSCHAK: Das gehört nicht zu diesem Fall, Bürger Staatsanwalt.

WYSCHINSKI: Das werden wir sofort feststellen. Wann war dieser Brand?

RATAITSCHAK: Im Jahre 1936.

WYSCHINSKI: In der Nacht vom 1. auf den 2. August?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Den Brand haben Sie organisiert?

RATAITSCHAK: Nein.

WYSCHINSKI: Wer hat ihn organisiert?

RATAITSCHAK: Ich weiß nicht.

WYSCHINSKI: Sie wissen nicht?

RATAITSCHAK: Nein. Ich habe über den Diversionsanschlag ausgesagt, der im April oder Mai 1934 ausgeführt wurde, als in meinem Auftrage eine der Säureabteilungen betriebsunfähig gemacht wurde.

WYSCHINSKI: Es gab also zwei Diversionsanschläge, einen auf Ihre Weisung darüber, eine der Abteilungen betriebsunfähig zu machen, und einen anderen, den Brand in der Nacht auf den 2. August 1936?

RATAITSCHAK: Ja.

WYSCHINSKI: Und wann wurde die eine Abteilung betriebsunfähig gemacht?

RATAITSCHAK: Im April oder Mai 1934.

WYSCHINSKI: Sie sprachen auch über den Brand im August 1936?

RATAITSCHAK: Darüber habe ich nichts ausgesagt, damit hatte ich nichts zu tun.

WYSCHINSKI: Darüber haben Sie ohne Bezugnahme auf sich gesprochen?

RATAITSCHAK: An diesem Brand war ich nicht beteiligt.

WYSCHINSKI: Und trifft es zu, dass Sie nach diesem Brand sofort mit den Aufräumungsarbeiten beginnen ließen, obwohl dies mit Lebensgefahr für die Arbeiter verbunden war?

RATAITSCHAK: Ich verlangte sofortige Abstellung der Folgen...

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, nicht Abstellung, Sie verlangten vielmehr, sofort mit den Aufräumungsarbeiten zu beginnen, obwohl dies mit größter Lebensgefahr verbunden war?

RATAITSCHAK: Ich verlangte es, das stimmt.

WYSCHINSKI: Ist es Ihnen bekannt, dass die Arbeiter Ihrem Verlangen entsprechend mit den Aufräumungsarbeiten begannen?

RATAITSCHAK: Jawohl.

WYSCHINSKI: Ist es Ihnen bekannt, dass eine Mauer einstürzte?

RATAITSCHAK: Ich leitete von Anfang an alle Arbeiten an Ort und Stelle...

WYSCHINSKI: Keine Überstürzung, übergehen Sie die Dinge nicht so fliegend, beantworten Sie die Frage: ist es Ihnen bekannt, dass es zu diesem Einsturz kam, dass ein Turm zerstört wurde?

RATAITSCHAK: Jawohl, ich war selber an Ort und Stelle.

WYSCHINSKI: Und 17 Arbeiter wurden getötet?

RATAITSCHAK: Stimmt.

WYSCHINSKI: Und 15 wurden verwundet?

RATAITSCHAK: Stimmt.

WYSCHINSKI: Ist das Tatsache?

RATAITSCHAK: ja, Tatsache.

WYSCHINSKI: Und Sie sagen, dass Sie damit nichts zu tun hatten?

RATAITSCHAK: Nein. Aber ich musste dies darum tun, Bürger Staatsanwalt, weil wir ohne diese Vorsichtsmaßregeln vor der Gefahr gestanden hätten, dort hunderte Arbeiterleben aufs Spiel zu setzen. Darum habe ich die Aufräumungsarbeit an Ort und Stelle geleitet.

WYSCHINSKI: Sie haben so geleitet, dass 17 Arbeiter getötet und 15 verwundet wurden. Stimmt das?

RATAITSCHAK (schweigt)

WYSCHINSKI: Sie haben die Aufräumungsarbeiten so geleitet, dass 17 Arbeiter ums Leben kamen und 15 verwundet wurden.

RATAITSCHAK: Stimmt, aber dies war der einzige Ausweg.

WYSCHINSKI: War es bei Ihnen auch der einzige Ausweg, als Sie die Betriebsabteilungen und Apparate sprengten und andere Diversionsanschläge ausführten?

RATAITSCHAK (schweigt)

WYSCHINSKI: Wer hat Sie mit der Spionagearbeit beauftragt?

RATAITSCHAK: Pjatakow.

WYSCHINSKI: Darf ich eine Frage an Pjatakow richten?

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI (zu Pjatakow): Bestätigen Sie dies?

PJATAKOW: Nein.

WYSCHINSKI (zu Rataitschak): Erzählen Sie, wann Pjatakow Sie mit der Spionage beauftragte.

RATAITSCHAK: Vor der Unterredung mit Pjatakow über diese Frage (ich habe bereits während der Voruntersuchung wie in den Aussagen im Zusammenhang mit Loginow darüber ausgesagt) hatte ich eine Unterredung mit Loginow, es war ungefähr Ende 1934, ich kann nicht genau sagen, ob im August oder im September. In dieser Unterredung teilte Loginow mir mit, dass er soeben mit Pjatakow gesprochen und Pjatakow ihm die Direktive zur Herstellung von Verbindungen mit dem Spionagedienst gegeben habe. In derselben Unterredung fragte ich Loginow, wie ich ausgesagt habe, wie das zu machen sei und wo man Leute hernehmen solle. Darauf wurde der Name Hrasche genannt, der mit ausländischen Vertretern, mit Ausländern, Verbindung hatte. Eben damals sprach er auch über Puschin. Bezüglich Hrasches sprach Loginow bejahend, aber betreffs Puschins erging er sich in Vermutungen, etwa in der Art, ob nicht Puschin Verbindungen habe...
Hiernach hatte ich eine Unterredung mit Pjatakow, wobei er die Direktiven bestätigte.

WYSCHINSKI: Persönlich?

RATAITSCHAK: Ja. Er bestätigte die von Loginow übermittelten Direktiven Trotzkis, ich akzeptierte sie und begann sie auszuführen.

WYSCHINSKI (zu Pjatakow): Erinnern Sie sich jetzt der Unterredung mit Rataitschak über Spionage?

PJATAKOW: Nein, ich bestreite das.

WYSCHINSKI: Und mit Loginow?

PJATAKOW: Bestreite ich ebenfalls.

WYSCHINSKI: Und dass die Mitglieder Ihrer Organisation mit dem ausländischen Spionagedienst in Verbindung standen?

PJATAKOW: Dass sie in Verbindung standen, bestreite ich nicht, dass ich aber gewusst haben soll von der Herstellung...

WYSCHINSKI: Haben Sie Anweisungen gegeben, mit den faschistischen Kräften Verbindung herzustellen?

PJATAKOW: Ja, ich übermittelte diejenigen Einstellungen, welche wir hinsichtlich Herstellung der Verbindung mit den faschistischen Kräften hatten.

WYSCHINSKI: Gehört der Spionagedienst zu den faschistischen Kräften?

PJATAKOW: Das ist logisch. Ich sage, dass ich das nicht wusste.

WYSCHINSKI: Es ist anzunehmen, dass der Geheimdienst zu diesen faschistischen Kräften gehört?

PJATAKOW: Das muss man annehmen.

WYSCHINSKI: Ich habe keine weiteren Fragen an Rataitschak.

VORSITZENDER: Hat die Verteidigung Fragen?

KOMMODOW: Ich habe Fragen.

VORSITZENDER: Wenn es viele sind, vielleicht nach der Pause?

KOMMODOW: Bitte.

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