PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

ABENDSITZUNG VOM 27. JANUAR 1937

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN HRASCHÉ

VORSITZENDER: Wir schreiten zum Verhör des Angeklagten Hrasché. Ist Ihr Name Hrasché oder Hrásche?

HRASCHÉ: Hrasché.

VORSITZENDER: Bestätigen Sie die Aussagen, die Sie während der Voruntersuchung und während des Verhörs beim Staatsanwalt der UdSSR gemacht haben?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Wann sind Sie das erste Mal nach Rußland gekommen?

HRASCHÉ: 1909.

WYSCHINSKI: Von wo?

HRASCHÉ: Aus Böhmen.

WYSCHINSKI: In welche Stadt?

HRASCHÉ: In die Stadt Jejsk, im Kubaner Gebiet.

WYSCHINSKI: Der Untertan welchen Staates waren Sie damals?

HRASCHÉ: Ein Untertan Österreich-Ungarns.

WYSCHINSKI: Das war 1909?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Womit beschäftigten Sie sich?

HRASCHÉ: Ich kam als Lehrer der französischen Sprache, später war ich Lehrer der deutschen Sprache. Ich hatte in der Stadt Jejsk in der Realschule Stunden und Privatstunden. In Jejsk blieb ich bis Ende 1917. Im Mai 1917 trat ich dort in die bolschewistische Partei ein.

WYSCHINSKI: Im Mai 1917?

HRASCHÉ: Ja, ungefähr.

WYSCHINSKI: Der Untertan welchen Staates waren Sie damals?

HRASCHÉ: Damals war ich Zivilkriegsgefangener.

WYSCHINSKI: Wieso sind Sie denn Kriegsgefangener geworden? Sie sind hierher gekommen, haben deutsche und französische Stunden gegeben und sind plötzlich 1917 Kriegsgefangener geworden?

HRASCHÉ: Zivilkriegsgefangener war ich seit 1914.

WYSCHINSKI: Zivilkriegsgefangener? Das heißt, um es anders zu sagen, Sie wurden im Zusammenhang mit dem imperialistischen Krieg interniert?

HRASCHÉ: Ja, ganz richtig.

WYSCHINSKI: Wo waren Sie interniert?

HRASCHÉ: Ich kam nach Kiew und wurde dort verhaftet. Dann wurde ich, da ich Tscheche war, freigelassen und ich wurde angewiesen, ins Kubangebiet zu fahren.

WYSCHINSKI: Und Sie sind dorthin gefahren?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Warum denn ins Kubangebiet?

HRASCHÉ: Da ich erklärt hatte, dass ich dort gearbeitet habe und arbeite.

WYSCHINSKI: Also waren Sie 1917 noch österreichischer Untertan?

HRASCHÉ: Österreich-ungarischer Untertan und Zivilkriegsgefangener. Anfang November 1917 habe ich die russische Staatsangehörigkeit in der Stadt Jejsk erworben.

WYSCHINSKI: Auf welche Weise haben Sie diese Staatsbürgerschaft erworben? Welche Regierung bestand damals dort?

HRASCHÉ: Damals bestand dort dieselbe Regierung wie unter Kerenski.

WYSCHINSKI: Das heißt, die Kerenskiregierung?

HRASCHÉ: Ja, die Provisorische Regierung. Der Akt selbst wurde in der Abteilung der städtischen Miliz in Anwesenheit des Chefs der Miliz und eines Vertreters der Stadtverwaltung vollzogen.

WYSCHINSKI: Sie sind also seit diesem Zeitpunkt russischer Untertan, russischer Staatsbürger? Verstehe ich Sie recht?

HRASCHÉ: Die Frage setzt mich etwas in Verlegenheit.

WYSCHINSKI: Warum?

HRASCHÉ: Weil man mir damals sagte, dass die diesbezüglichen Akten nachher ins Gouvernementszentrum nach Jekaterinodar weitergeschickt werden, von wo ich meinen Pass bekommen sollte. Vorläufig erhielt ich eine provisorische Bescheinigung.

WYSCHINSKI: Sie hielten sich damals für den Bürger welchen Staates?

HRASCHÉ: Ich hielt mich für einen russischen Staatsbürger.

WYSCHINSKI: Des russischen Staates?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Das war 1917?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Und im Jahre 1918?

HRASCHÉ: Im November reiste ich nach Kiew...

WYSCHINSKI: Ich frage nicht, wohin Sie gereist sind, sondern als Angehöriger welchen Staates Sie sich im Jahre 1918 betrachtet haben?

HRASCHÉ: Auch als einen russischen.

WYSCHINSKI: Und 1919?

HRASCHÉ: 1919 hielt ich mich für einen Tschechoslowaken.

WYSCHINSKI: Das heißt, als Österreich-ungarischer Untertan, der die russische Staatsbürgerschaft erworben hat, erklärten Sie sich für einen Tschechoslowaken? Stimmt das?

HRASCHÉ: Ja. Und 1919 fuhr ich in die Tschechoslowakei.

WYSCHINSKI: Und sind zurückgekehrt?

HRASCHÉ: Und bin von dort als ehemaliger russischer Kriegsgefangener zurückgekehrt.

WYSCHINSKI: Wie ist das zu verstehen?

HRASCHÉ: Ich kehrte aus der Tschechoslowakei mit einem Transport von früheren russischen Kriegsgefangenen nach Rußland zurück.

WYSCHINSKI: Das heißt, als ob Sie in der Tschechoslowakei in Gefangenschaft gewesen wären und nun zurückkehren?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: In welchem Jahr war das?

HRASCHÉ: Ende 1920, Anfang 1921.

WYSCHINSKI: Wo lebten Sie 1921?

HRASCHÉ: In Moskau.

WYSCHINSKI: Auch 1922 lebten Sie in Moskau?

HRASCHÉ:. Ja.

WYSCHINSKI: Auch 1923 lebten Sie in Moskau?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Mit welchem Pass?

HRASCHÉ: 1922 erhielt ich ein Arbeitsbuch.

WYSCHINSKI: Als was für ein Staatsbürger?

HRASCHÉ: Als Sowjetbürger.

WYSCHINSKI: Und was für ein Staatsbürger waren Sie in der Tat? 1909 sind Sie als österreich-ungarischer Untertan hierher gekommen. Ist das Ihre richtige Staatsbürgerschaft? HRASCHÉ: Österreich-Ungarn gibt es seit 1918 nicht mehr.

WYSCHINSKI: Aber damals bestand es noch. Dann wurden Sie seit 1917 russischer Bürger?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: 1919 wurden Sie tschechoslowakischer Bürger.

HRASCHÉ: Ganz richtig.

WYSCHINSKI: Dann sind Sie als angeblicher Kriegsgefangener zurückgekehrt und wurden russischer Bürger?

HRASCHÉ: Sowjetbürger.

WYSCHINSKI: Und haben einen Pass erhalten?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Sie halten sich also für einen Sowjetstaatsangehörigen?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Warum aber halten Sie ein Dokument bei sich, dass Sie tschechoslowakischer Staatsangehöriger sind? Zwei Dokumente. Dieses Dokument hier ist Ihnen gut bekannt? (zeigt ein Dokument)

HRASCHÉ: Es ist mir gut bekannt.

WYSCHINSKI: Hier sind alle Visa sowohl in französischer als auch in tschechischer Sprache. Hier wird im Namen der Tschechoslowakischen Republik bescheinigt, dass Hrasché, Jan Jossifowitsch, Lehrer, mittelgroß, soundso viel Jahre alt, glatt rasiert, Bürger der Tschechoslowakischen Republik ist. 1919. Wozu hatten Sie dieses Dokument bei sich, dass, Sie Bürger der Tschechoslowakischen Republik sind, wo Sie Sowjetstaatsangehöriger sind? Das ist das zweite Dokument.
Und das dritte Dokument. Sie hatten im selben Jahre 1919 eine Bescheinigung darüber, dass Sie österreich-ungarischer Bürger sind. D. h. also, dass Sie 1919 gleichzeitig zwei Dokumente besaßen, sowohl von der Tschechoslowakischen Republik als auch von Österreich-Ungarn, das nicht mehr existierte, wie Sie sagen. Warum?

HRASCHÉ: In Kiew oblagen die Angelegenheiten der früheren Kriegsgefangenen dem österreich-ungarischen Kriegsgefangenenrat, ich hatte den Entschluss gefasst, im Sommer vor der Besetzung Kiews durch die Denikinleute in die Tschechoslowakei abzureisen.

WYSCHINSKI: Sie haben das im Rat erhalten?

HRASCHÉ: Im Rat habe ich nicht nur diese Bescheinigung, sondern noch einen Ausweis bekommen, mit dem ich noch unter der Sowjetmacht in die Tschechoslowakei fahren wollte.

WYSCHINSKI: Nein, das ist ein anderer Ausweis, von der Mobilisierungskommission darüber, dass Sie zum Kriegsdienst untauglich befunden wurden. Hier gelten Sie als österreich-ungarischer Untertan. 1919, gültig bis 17. August 1919. Diese Bescheinigung wurde Ihnen in Kiew zur Zeit der Weißen oder zur Zeit der Sowjetmacht ausgestellt?

HRASCHÉ: Zur Zeit der Sowjetmacht.

WYSCHINSKI: Also haben Sie 1919 ein Dokument, wonach Sie tschechoslowakischer Bürger sind, dann erhalten Sie ein Dokument, wonach Sie österreich-ungarischer Bürger sind und später halten Sie sich dann für einen Sowjetbürger, stimmt das?

HRASCHÉ: Nicht ganz.

WYSCHINSKI: Worin besteht die Unrichtigkeit? Sie hatten ein Dokument, dass Sie tschechoslowakischer Bürger sind?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Ein Dokument aus dem Jahre 1919 darüber, dass Sie österreich-ungarischer Untertan sind, besaßen Sie?

HRASCHÉ: Jawohl.

WYSCHINSKI: Daraufhin erhalten Sie 1922 einen Pass schon als Sowjetbürger. Auf welcher Grundlage wurde Ihnen dieser Pass ausgestellt?

HRASCHÉ: Diesen Pass erhielt ich auf Grund des Scheines, den ich von der Kriegsgefangenen-Beförderungskommission erhalten hatte.

WYSCHINSKI: Und wieso wurde Ihnen die Bescheinigung, dass Sie Kriegsgefangener sind, ausgestellt?

HRASCHÉ: Diese Bescheinigung wurde mir von bekannten russischen Kriegsgefangenen auf Grund meiner unrichtigen Erklärung ausgestellt, dass ich Verfolgungen ausgesetzt sei.

WYSCHINSKI: Sie haben sich nach Ihrer Ankunft aus der Tschechoslowakei auf Grund jener Bescheinigung, die Sie dank der Bestätigung durch irgendwelche Russen erhalten hatten, für einen Russen ausgegeben?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Warum ist in Ihrem Arbeitsbuch als Geburtsort das Kubangebiet angegeben?

HRASCHÉ: In der Bescheinigung, die ich in der Tschechoslowakei als ehemaliger russischer Kriegsgefangener erhielt...

WYSCHINSKI: Sie waren ja niemals russischer Kriegsgefangener und reden jetzt so, als wären Sie wirklich davon überzeugt, dass Sie russischer Kriegsgefangener waren.

HRASCHÉ: Ich kam als angeblicher russischer Kriegsgefangener hier an.

WYSCHINSKI: Stimmt das, dass Sie im Kubangebiet geboren sind?

HRASCHÉ: Nein.

WYSCHINSKI: In der Bescheinigung stand Kubangebiet. Stimmt das oder nicht?

HRASCHÉ: Das stimmt nicht.

WYSCHINSKI: Ein gefälschtes Dokument?

HRASCHÉ: Ein gefälschtes.

WYSCHINSKI: Und in welchem Jahr sind Sie geboren?

HRASCHÉ: 1886.

WYSCHINSKI: Warum steht aber im Pass 1880?

HRASCHÉ: 1920 erhielt ich in der Tschechoslowakei eine Bescheinigung.

WYSCHINSKI: 1920?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Also ist in dieser Bescheinigung das Geburtsjahr 1880 falsch angegeben?

Sagen Sie, in welchem Jahr sind Sie geboren?

HRASCHÉ: 1886.

WYSCHINSKI: Warum steht im Pass 1880? Nach Ihren Angaben?

HRASCHÉ: Das war schon nach dem Dokument, das ich vorgelegt habe.

WYSCHINSKI: Und dieses Dokument wurde nach Ihren Angaben ausgestellt?

HRASCHÉ: Dieses Dokument erhielt ich in der Tschechoslowakei.

WYSCHINSKI: Woher wussten Sie, dass Sie im Jahre 1880 geboren sind? Warum haben Sie das so geschrieben?

HRASCHÉ: Dieses Jahr war in jener Bescheinigung angegeben, die ich als russischer Kriegsgefangener besaß.

WYSCHINSKI: Der Pass wurde Ihnen nicht auf Grund eines tschechoslowakischen Dokuments, sondern auf Grund dieses Scheins ausgestellt?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Dort waren die Angaben unrichtig, gefälscht?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Der Geburtsort ist falsch? Das Geburtsjahr ist falsch? Wie ist Ihr Vorname, wie heißen Sie?

HRASCHÉ: Tschechisch Jan.

WYSCHINSKI: Und russisch?

HRASCHÉ: Russisch Iwan.

WYSCHINSKI: So dass Sie hier meinten, dass man russisch nicht Hrasché, Jan, sondern Hrasché, Iwan schreiben muss, kann man russisch Jan nicht schreiben?

HRASCHÉ: Man überzeugte mich, dass Jan und Iwan ein und dasselbe ist.

WYSCHINSKI: So wie es ein und dasselbe ist, ob man im Kubangebiet oder in der Tschechoslowakischen Republik geboren ist?

HRASCHÉ: Nein, das ist etwas anderes.

WYSCHINSKI: Ihr Hauptberuf?

HRASCHÉ: Ich war 7 - 8 Jahre Lehrer.

WYSCHINSKI: Das ist Ihr Hauptberuf?

HRASCHÉ: Nein, ich habe diesen Beruf dann aufgegeben, war Journalist, später Volkswirtschaftler.

WYSCHINSKI: Welchen Beruf halten Sie für Ihren Hauptberuf: Lehrer, Journalist oder Volkswirtschaftler oder Politiker?

HRASCHÉ: Es ist mehr als zehn Jahre, dass ich Volkswirtschaftler bin.

WYSCHINSKI: Warum steht aber im Pass Journalist?

HRASCHÉ: Das war in den Jahren 1922, 1921.

WYSCHINSKI: 1922, 1921 waren Sie einfach Kriegsgefangener.

HRASCHÉ: Nein, ich habe schon hier gearbeitet.

WYSCHINSKI: Was für einen Beruf hatten Sie, als Sie in Gefangenschaft gerieten?

HRASCHÉ: Ich war Lehrer.

WYSCHINSKI: Und Sie gerieten in Gefangenschaft?

HRASCHÉ: In Zivil...

WYSCHINSKI: Nein, nicht in Zivilgefangenschaft, sondern in der Tschechoslowakei als russischer Kriegsgefangener.

HRASCHÉ: Nein. Ich war faktisch nicht russischer Kriegsgefangener.

WYSCHINSKI: Also sind Sie nicht zu den Tschechen in Gefangenschaft geraten?

HRASCHÉ: Nein.

WYSCHINSKI: Ich frage Sie aber, welchen Beruf Sie hatten,

als Sie „zu den Tschechen in Gefangenschaft gerieten“?

HRASCHÉ: Im tschechischen Dokument steht Lehrer.

WYSCHINSKI: Und im russischen Dokument Journalist?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Also stimmen die Berufe auch nicht?

HRASCHÉ (schweigt)

WYSCHINSKI: Mich interessiert die Frage, ob Sie aus der Tschechoslowakei als russischer Soldat, der während des Krieges in Gefangenschaft geraten war, hierher gekommen sind.

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Und noch einmal sind Sie nicht als kriegsgefangener Tscheche, der in russische Gefangenschaft geraten war, in die Tschechoslowakei gefahren?

HRASCHÉ: Nein, ich bin nicht mehr dahin gekommen.

WYSCHINSKI: Sie sind zweimal in die Tschechoslowakei gefahren?

HRASCHÉ: In der Tschechoslowakei war ich nach 1920 nicht mehr.

WYSCHINSKI: Und vor 1920? Als was sind Sie das erste Mal aus Rußland nach der Tschechoslowakei gelangt?

HRASCHÉ: Das erste und einzige Mal bin ich als Tschechoslowake, der in Zivilkriegsgefangenschaft geraten war, dorthin gekommen.

WYSCHINSKI: Das ist es eben, Sie waren in Rußland in Gefangenschaft und sind in Ihrer Eigenschaft als Kriegsgefangener in die Tschechoslowakei gekommen, dann sind Sie aus der Tschechoslowakei als russischer Kriegsgefangener nach Rußland gekommen. Habe ich Sie richtig verstanden?

HRASCHÉ: Nicht ganz so.

WYSCHINSKI: Aber Sie haben ja selbst gesagt, dass Sie in der Tschechoslowakei in keiner Gefangenschaft gewesen sind. Oder waren Sie in Gefangenschaft?

HRASCHÉ: Ich habe bereits gesagt, dass ich auf betrügerische Weise aus der Tschechoslowakei weggefahren bin.

WYSCHINSKI: Das ist es ja, wonach ich Sie frage. Sie sind auf betrügerische Weise, indem Sie sich als russischer Kriegsgefangener ausgegeben haben, von dort weggefahren?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Nun, das ist alles. Haben Sie das irgendjemandem bei Ihrem Eintritt in die Partei gesagt?

HRASCHÉ (schweigt)

WYSCHINSKI: Haben Sie gesagt, wer Sie in Wirklichkeit sind? Haben Sie Ihr wirkliches Gesicht gezeigt?

HRASCHÉ: Nein.

WYSCHINSKI: Aber diese Dokumente haben Sie bei sich aufbewahrt?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Erzählen Sie über Ihren Trotzkismus.

HRASCHÉ: Mit dem Trotzkismus habe ich nie etwas gemein gehabt.

WYSCHINSKI: Sie haben nie etwas gemein gehabt?

HRASCHÉ: Ich bin mit ihm auf dem Boden meiner Spionage- und Schädlingstätigkeit in Berührung gekommen.

WYSCHINSKI: Ach so?! Also von der Spionage zum Trotzkismus und nicht umgekehrt? Dann ist es besser, wenn Sie dem Gericht erzählen, wie Sie ein Agent des Spionagedienstes wurden.

Welches Spionagedienstes?

HRASCHÉ: Als ich das erste Mal ankam...

WYSCHINSKI: Welches Spionagedienstes?

HRASCHÉ: Das letzte Mal...

WYSCHINSKI: Agent welches Spionagedienstes waren Sie?

HRASCHÉ: Des deutschen Spionagedienstes.

WYSCHINSKI: Ach so! In welchem Jahr?

HRASCHÉ: Das war 1932.

WYSCHINSKI: Und vor 1932? Wo haben Sie denn gearbeitet, in welchen Institutionen?

HRASCHÉ: Vor 1932, als ich ankam, arbeitete ich anfangs im Volkskommissariat für Bildungswesen.

WYSCHINSKI: Im Volkskommissariat für Bildungswesen?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: In welcher Eigenschaft?

HRASCHÉ: Ich habe dort in der Informationsabteilung als einer der Mitarbeiter des „Bulletins der Einheitsschule“ gearbeitet. Dann habe ich in der Komintern als Übersetzer aus der tschechoslowakischen Sprache gearbeitet.

WYSCHINSKI: In der Komintern?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: In welchem Jahr war das?

HRASCHÉ: Das war vom Mai 1921 bis Mai 1922.

WYSCHINSKI: Und bis dahin haben Sie sich nicht mit Spionage beschäftigt?

HRASCHÉ: Ja, ich muss sagen...

WYSCHINSKI: Antworten Sie einfach, haben Sie sich beschäftigt oder nicht? Haben Sie sich bis dahin mit Spionage beschäftigt?

HRASCHÉ: Ich habe Aufträge erhalten.

WYSCHINSKI: Hatten Sie bereits Verbindungen auf dem Gebiet der Spionage?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Als Sie die Stellung im Volkskommissariat für Bildungswesen annahmen, standen Sie da schon mit einer Spionageorganisation in Verbindung?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Als Sie die Stellung in der Komintern annahmen, standen Sie bereits mit einer Spionageorganisation in Verbindung?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Und hier sagen Sie, dass Sie erst im Jahre 1932 ein Agent des Spionagedienstes geworden sind. Ich stelle Ihnen die direkte Frage: sind Sie im Jahre 1920 zu Spionagezwecken in die UdSSR gekommen?

HRASCHÉ: Ja, ganz richtig.

WYSCHINSKI: Deshalb haben Sie sich auch dieses Kriegsgefangenenschwindels bedient, um das leichter ausführen zu können?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: So, jetzt ist alles klar. In welchem Jahr sind Sie endgültig mit dem deutschen Spionagedienst in Verbindung getreten?

HRASCHÉ: Mit dem deutschen Spionagedienst trat ich 1932 in Verbindung.

WYSCHINSKI: Und mit welchem Spionagedienst waren Sie bis dahin in Verbindung?

HRASCHÉ: Bis dahin mit dem tschechoslowakischen Spionagedienst.

WYSCHINSKI: So dass Sie also welchen Hauptberuf haben?

HRASCHÉ: Eine Antwort ist wohl nicht notwendig...

WYSCHINSKI: Eine Antwort ist notwendig. Sie sagen, dass Sie Lehrer sind, sind aber kein Lehrer; Sie sagen, dass Sie Ökonomist sind, Sie sind aber kein Ökonomist; dann berichtigen und sagen Sie, dass Sie als Journalist tätig waren, jetzt aber sehe ich, dass Sie einen anderen Beruf haben. Was sind Sie?

HRASCHÉ: Spion.

WYSCHINSKI: Mit wem persönlich aus dem deutschen Spionagedienst waren Sie in Verbindung?

HRASCHÉ: Im deutschen Spionagedienst war es Meyerowitz, mit dem ich in Verbindung war. Er war hier bereits erwähnt.

WYSCHINSKI: Um das Verhör besser führen zu können, bitte ich, dem Angeklagten Hrasché diese Photographien vorzulegen, würde er nicht darunter einen alten Bekannten erkennen?

VORSITZENDER: Angeklagter Hrasché, es werden Ihnen zehn Photographien vorgelegt. Befindet sich darunter die Aufnahme von Meyerowitz?

(Der Gerichtskommandant legt dem Angeklagten die Photographien vor.)

(Hrasché sieht sich die Photographien an und macht auf einer von ihnen einen Vermerk.)

WYSCHINSKI: Noch einen weiteren Bekannten sehen Sie nicht darunter? Zeigen Sie bitte, vielleicht sind dort noch bekannte Personen darunter?

(Der Angeklagte Hrasché macht beim Durchsehen der Bilder auf noch einer Aufnahme einen Vermerk.)

HRASCHÉ: Ich habe noch den Monteur Lenz von der Firma „Linde“ erkannt.

WYSCHINSKI: Was ist das für einer?

HRASCHÉ: Das ist auch ein Agent des deutschen Spionagedienstes.

WYSCHINSKI: Standen Sie mit ihm in Verbindung?

HRASCHÉ: Ja, ich habe ihn in der Tambower Fabrik „Komsomolez“ untergebracht.

WYSCHINSKI: In welcher Eigenschaft?

HRASCHÉ: Ich habe ihn dort im Auftrage von Meyerowitz als einen der Agenten des deutschen Spionagedienstes zwecks Sammlung von Spionageinformation und für Diversionstätigkeit untergebracht.

WYSCHINSKI: Hat er nun für Sie Informationen gesammelt oder Sie für ihn, oder hat er Informationen für Meyerowitz gesammelt?

HRASCHÉ: Er hat für Meyerowitz gesammelt.

WYSCHINSKI: Und was haben Sie gemacht?

HRASCHÉ: In diesem Fall oder überhaupt? Wenn überhaupt, so musste ich ebenfalls Material für Meyerowitz sammeln.

WYSCHINSKI: Haben Sie es getan?

HRASCHÉ: Ich habe Material übermittelt, das ich von verschiedenen, in den Betrieben als ausländische Spezialisten arbeitenden deutschen Spionen erhielt.

WYSCHINSKI: Und andererseits?

HRASCHÉ: Von Rataitschak.

WYSCHINSKI: Standen Sie mit Rataitschak in Verbindung als Trotzkisten oder als Spione?

HRASCHÉ: Ich stand mit ihm als Spion in Verbindung.

WYSCHINSKI: Und waren Sie damals schon Trotzkist?

HRASCHÉ: Nein, Trotzkist war ich nicht.

WYSCHINSKI: Aber dem Trotzkismus haben Sie nahe gestanden?

HRASCHÉ: Ich betrachte den Trotzkismus als Summe gewisser Überzeugungen, ich aber als Spion darf keine derartigen Überzeugungen besitzen.

WYSCHINSKI: Sie haben, glaube ich, selbst gesagt, dass Sie in eine trotzkistische Gruppe hineingezogen wurden?

HRASCHÉ: Davon habe ich eigentlich erst hier erfahren.

WYSCHINSKI: Also standen Sie mit Rataitschak einfach als mit einem Spion in Verbindung?

HRASCHÉ: Ja, ich nahm an, dass hier materielle, finanzielle Interessen vorherrschen.

WYSCHINSKI: Haben Sie denn Geld dafür bekommen?

HRASCHÉ: Ja, von Meyerowitz. Einmal erhielt ich von ihm 300 Mark. Er versicherte, dass er an eine vereinbarte Adresse noch 500 Mark geschickt habe. Ich habe jedoch keine Bestätigung erhalten.

WYSCHINSKI: Hatten Sie Angehörige?

HRASCHÉ: Ich hatte und habe welche.

WYSCHINSKI: Hat er nicht Geld an Ihre Angehörigen geschickt?

HRASCHÉ: Ja, ich gab ihm die Adresse eines Verwandten in der Tschechoslowakei an.

WYSCHINSKI: Und zwar wessen Adresse?

HRASCHÉ: Dort in Prag war ein entfernter Verwandter, der das Geld meiner Mutter weitergeben sollte.

WYSCHINSKI: Und wo lebte Ihre Mutter?

HRASCHÉ: Meine Mutter lebte ebenfalls in Prag.

WYSCHINSKI: Und wie ist der Name dieses Ihres weiten Verwandten?

HRASCHÉ: Prochaska.

WYSCHINSKI: Und durch ihn wurde das Geld geschickt?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Meyerowitz hat dieses Geld geschickt?

HRASCHÉ: Was die 300 Mark anbelangt, die er 1932 geschickt hat, so habe ich eine Bestätigung über ihren Erhalt bekommen. Dann, im Jahre 1935 versicherte er, dass er 500 Mark geschickt hat, doch habe ich keine Bestätigung darüber erhalten.

WYSCHINSKI: Er hat sie ebenfalls dorthin geschickt, an Ihre Mutter?

HRASCHÉ: Ja, meine Muter war inzwischen erkrankt und ist gestorben.

WYSCHINSKI: Wer hat denn an Ihre Mutter Geld geschickt, Meyerowitz?

HRASCHÉ: Sie hatte unmittelbar mit Prochaska zu tun.

WYSCHINSKI: Und Figler hat Geld geschickt?

HRASCHÉ: Gleichfalls.

WYSCHINSKI: Sie sagen nicht alles. Es muss alles aus Ihnen herausgezogen werden. Ich fragte Sie, haben Sie mehrmals Geld erhalten? Sie sagten zweimal, einmal habe ich es erhalten, das andere Mal wurde es mir versprochen. Es ist aber bekannt, dass man nach einem russischen Sprichwort „auf das Versprochene sieben Jahre lang wartet“. Jetzt stellt sich heraus, dass Figler Geld geschickt hat.

HRASCHÉ: Er hat es ebenfalls meiner Mutter weitergegeben.

WYSCHINSKI: Wie viel hat denn Ihre Mutter auf diese Weise erhalten?

HRASCHÉ: Wahrscheinlich 7 bis 8000 tschechoslowakische Kronen.

WYSCHINSKI: Und danach waren Sie für den deutschen Spionagedienst angeworben?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: So dass Ihre Mutter dieses Geld nicht vom deutschen, sondern vom tschechoslowakischen Spionagedienst erhielt.

HRASCHÉ: Sie hat das .Geld unmittelbar durch Figler erhalten.

WYSCHINSKI: Hatten Sie eine Verbindung mit den Trotzkisten?

HRASCHÉ: Nein.

WYSCHINSKI: Bevor Sie auf die Anklagebank kamen?

HRASCHÉ: Ich stand in Verbindung mit einem dänischen Trotzkisten, eigentlich nicht mit einem, sondern mit zweien oder dreien.

WYSCHINSKI: Hatten Sie in Moskau Verbindungen mit Trotzkisten?

HRASCHÉ: Mit dem Ingenieur Winfeld.

WYSCHINSKI: Und mit wem noch?

HRASCHÉ: Dann mit Lund und Nielsen.

WYSCHINSKI: Wie haben Sie mit ihnen Verbindung angeknüpft?

HRASCHÉ: Die Verbindung hatte ich zuerst mit Winfeld angeknüpft.

WYSCHINSKI: Durch wen?

HRASCHÉ: Winfeld nahm im „Wsekochimprom“ eine Stellung als ausländischer Spezialist an. Er wurde in Berlin von dem ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden des „Wsekochimprom“, Davidsohn, angeworben und, wie es in einem Brief heißt, den ich später zufällig gefunden habe, schrieb Davidsohn an Norkin, dass dieser Mensch uns seinen Anschauungen nach nahe steht.

WYSCHINSKI: Welchen Anschauungen nach? Es stand Ihnen ja nicht zu, Anschauungen zu haben.

HRASCHÉ: Dieser Brief war an Norkin adressiert und nicht an mich.

WYSCHINSKI: Stand es Norkin zu, Anschauungen zu haben?

HRASCHÉ (schweigt)

WYSCHINSKI: Weiter. Wohnten Sie im Jahre 1935 in Moskau?

HRASCHÉ: Jawohl.

WYSCHINSKI: Hatten Sie eine Wohnung?

HRASCHÉ: Ich hatte eine Wohnung.

WYSCHINSKI: Gaben Sie irgendjemandem die Möglichkeit, Ihre Wohnung zu konspirativen Zwecken zu benützen?

HRASCHÉ: Diese Wohnung wurde von Winfeld als Treffpunkt benützt. In dieser Wohnung hatte seinerzeit Winfeld gewohnt, und er machte mich darauf aufmerksam, dass, wenn verschiedene Personen zu mir kommen werden, ich sie zu ihm schicken oder, wenn er abreise, ihnen behilflich sein soll.

WYSCHINSKI: Worin behilflich?

HRASCHÉ: Bei Forderungen, mit denen sie sich an mich wenden werden.

WYSCHINSKI: Haben sie sich mit irgendwelchen Forderungen an Sie gewandt?

HRASCHÉ: Es gab einen solchen Fall im Jahre 1935, wenn ich nicht irre, im September. Als angeblich ausländischer Tourist kam ein dänischer Eisenbahner an, brachte mir einen Zettel von demselben Winfeld und sagte mir, er möchte Pjatakow sehen, er habe ihm eine Sendung zu überbringen, und bat mich, ihn zu Pjatakow zu begleiten.

WYSCHINSKI: Wie haben Sie das denn gemacht?

HRASCHÉ: Ich erinnere mich, dass es morgens war, ich ging zur Arbeit in das Volkskommissariat für Schwerindustrie, nahm ihn mit und zeigte ihm, wie man einen Einlassschein bekommt und ins Büro von Pjatakow gelangt.

WYSCHINSKI: Wer war dieser Bürger?

HRASCHÉ: An seinen Namen erinnere ich mich jetzt nicht, er bezeichnete sich als dänischer Eisenbahnangestellter.

WYSCHINSKI: Und ist er zu Pjatakow gekommen?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, war Rataitschak bei Ihnen zu diesem Treffpunkt?

HRASCHÉ: Nein, er war nicht dort.

WYSCHINSKI: Haben Sie für Rataitschak irgendwelche illegale Zusammenkünfte organisiert?

HRASCHÉ: Ich habe Rataitschak in seinem Büro eine Zusammenkunft, mit Meyerowitz organisiert.

WYSCHINSKI: Das heißt, Sie haben Meyerowitz in das Büro gebracht, ohne zu fürchten, dass man Sie dort ertappen wird?

HRASCHÉ: Die Zusammenkunft mit Meyerowitz wurde als angeblich geschäftliche Zusammenkunft organisiert.

WYSCHINSKI: Und zwar?

HRASCHÉ: Meyerowitz machte damals im Namen einer Firma den Vorschlag, die Apparatur für eine Stickstofffabrik zu beziehen. Das diente als Vorwand für die Zusammenkunft.

WYSCHINSKI: Warum konnte er nicht ohne Sie auskommen? Er hätte doch bloß ein Schreiben aufsetzen und seine Dienste anbieten können?

HRASCHÉ: Ich befasste mich dort mit den ausländischen Angelegenheiten.

WYSCHINSKI: Das kam sehr gelegen.

HRASCHÉ: Und für mich war es einfacher als für ihn, Meyerowitz u. a. anzurufen.

WYSCHINSKI: So dass Sie die Auslandsabteilung schon gemäß Ihrem Beruf leiteten?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Darf man eine Frage an Rataitschak richten?

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI (zu Rataitschak): Erinnern Sie sich an die Zusammenkunft mit Meyerowitz, die mit Hilfe von Hrasché stattfand?

RATAITSCHAK: Das Gespräch drehte sich um die Lieferung von Betriebseinrichtungen.

WYSCHINSKI: War das der wirkliche Grund der Zusammenkunft?

RATAITSCHAK: Meyerowitz, der in entsprechender Weise von Hrasché vorbereitet war, fragte mich, ob er sich mit den Plänen der Neuanlage bekannt machen dürfe, worauf ich ihm sagte, dass das möglich ist und dass er die notwendigen Angaben von Hrasché erhalten kann. Damit endete das Gespräch, und ich meinerseits sagte Hrasché, dass er Meyerowitz die notwendigen Angaben geben soll.

WYSCHINSKI: Meyerowitz sagte Ihnen, dass er Juschkewitsch kenne?

RATAITSCHAK: Nein, seine Bekanntschaft machte er später, ungefähr im März 1935.

WYSCHINSKI (zu Hrasché): Kennen Sie Juschkewitsch?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Von der Spionagearbeit her?

HRASCHÉ: Durch Spionagearbeit stand ich mit ihm ungefähr seit Mitte 1935 in Verbindung.

WYSCHINSKI (zu Hrasché): Haben Sie sich an irgendwelchen Diversionsanschlägen beteiligt?

HRASCHÉ: Ich persönlich habe mich nicht beteiligt, doch ist mir bekannt, dass einer der deutschen Spezialisten, Direktor Wainow, offenbar der Urheber der Betriebshavarie in dem Chemischen Kombinat von Beresniki war.

WYSCHINSKI: Woher ist Ihnen das bekannt?

HRASCHÉ: Ich weiß, dass er nach all dem außerordentlich aufgeregt nach Moskau zurückkehrte und mich bat, ihn möglichst rasch ins Ausland zu befördern.

WYSCHINSKI: Und Sie haben das getan?

HRASCHÉ: Ich habe das getan.

WYSCHINSKI: Warum haben Sie sich bemüht, ihn rasch zu befördern?

HRASCHÉ: Weil ich entsprechende Weisungen in dieser Frage erhalten hatte.

WYSCHINSKI: Dass man ihn möglichst rasch abschieben muss?

HRASCHÉ: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie haben das getan?

HRASCHÉ: Jawohl.

WYSCHINSKI: Waren Sie unmittelbar an Diversionsanschlägen beteiligt?

HRASCHÉ: Ich persönlich nicht.

WYSCHINSKI: Sie waren unterrichtet?

HRASCHÉ: Ich habe von Havarien gehört, war jedoch nicht sicher, dass das Diversionsanschläge sind.

WYSCHINSKI: Rataitschak hat Ihnen nichts von Diversions- oder Schädlingstätigkeit erzählt?

HRASCHÉ: Bei der ersten Zusammenkunft hat er allgemein, aber nicht konkret gesprochen.

WYSCHINSKI: Was hat er gesagt?

HRASCHÉ: Dass die Organisation derartige Schädlings- und Diversionsziele verfolgt.

WYSCHINSKI: Das war damals, als er Sie angeworben hat?

HRASCHÉ: Damals, als er sagte, dass ihm meine Verbindung mit Meyerowitz, die vor meinem Gespräch mit ihm angefangen hatte, bekannt sei und dass ich auch weiterhin diese Arbeit ausführen, Spionagearbeit leisten soll.

WYSCHINSKI: Ich habe keine weiteren Fragen.

VORSITZENDER: Das Gericht bestätigt, dass die Photographie des Bürgers, den der Angeklagte Hrasché als Meyerowitz identifiziert hat, vollkommen identisch ist mit der Photographie, die sich in den Einreiseakten der Auslandsabteilung der Administrativen Abteilung des Präsidiums des Moskauer Gebietsexekutivkomitees befindet, sowie mit der Photographie auf dem Ausweis.

Hat die Verteidigung Fragen?

DIE VERTEIDIGER (verneinen)

NORKIN: Ich habe eine Frage. Ich habe gehört, dass Hrasché im Zusammenhang mit irgendeinem Brief meinen Namen genannt hat.

VORSITZENDER: Wiederholen Sie, Angeklagter Hrasché, was Sie über Norkin sagen wollten.

HRASCHÉ: Ich habe gesagt, dass ich Mitte 1932 nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub im Schreibtisch meines Vorgängers einen Brief vorfand, der mit der Anrede „Lieber Boris“ begann und mit Davidsohn unterzeichnet war, in welchem Davidsohn, der sich im Ausland aufhielt, Norkin u. a. mitteilte, dass er dort einen Spezialisten, einen Menschen, der uns in seinen Ansichten sehr nahe steht, angeworben habe, und bittet, Norkin möchte empfehlen, dass J. L. Pjatakow diesen Spezialisten anstelle.

VORSITZENDER (zu Norkin): Sind Sie durch die Antwort zufrieden gestellt?

NORKIN: Wann war dieser Brief eingetroffen?

HRASCHÉ: Dieser Brief war wahrscheinlich im Mai oder Anfang Juni 1932 von Davidsohn aus Berlin abgesandt worden. Ich habe ihn dort Ende Juli oder Anfang August, als ich aus dem Urlaub zurückkehrte, vorgefunden.

NORKIN: Ich bitte um die Erlaubnis, etwas zu sagen.

VORSITZENDER: Recht kurz, bitte.

NORKIN: Ich habe das so verstanden, dass das ein mit Spionagetätigkeit verbundener Auftrag ausländischer Spezialisten sei. In diesem Zusammenhang möchte ich folgende Erklärung abgeben: erstens hat Davidsohn, soweit mir bekannt ist, nie etwas mit dem Trotzkismus zu tun gehabt.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen denn alles darüber bekannt, wer Trotzkist war?

NORKIN: Ich weiß nicht...

WYSCHINSKI: Es beschuldigt Sie auch niemand deshalb.

NORKIN: Es wirft sozusagen ein ungünstiges Licht auf mich, dass ich mit diesem Menschen in Verbindung stand.

WYSCHINSKI: Es ist viel ungünstiges Licht auf Sie gefallen. Haben Sie die Anklageschrift gelesen?

NORKIN: Ja.

WYSCHINSKI: Ihnen wird zur Last gelegt, was in der Anklageschrift dargelegt ist.

NORKIN: Und das nicht?

VORSITZENDER: Angeklagter Hrasché, welches Geburtsjahr halten Sie für richtig? Bei der Aushändigung der Anklageschrift erklärten Sie dem Sekretär, dass Sie 1886 und nicht 1880 geboren sind. Sie nahmen eine Richtigstellung vor. Heute sagten Sie, dass Sie nicht 1886, sondern 1880 geboren sind. Wann sind Sie denn nun eigentlich geboren?

HRASCHÉ: Gestatten Sie mir zu sagen, dass, als man mir die Anklageschrift aushändigte, dort als mein Geburtsjahr 1890 angegeben war; ich sagte damals, dass ich nach meinen Dokumenten 1880, faktisch aber 1886 geboren bin.

VORSITZENDER: Wir stellen daher Ihr Geburtsdatum nach: Ihren Angaben fest: 1886.

WYSCHINSKI: Wann sind Sie endgültig geboren?

HRASCHÉ: Endgültig 1886.

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