PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

SITZUNG VOM 28. JANUAR 1937

REDE DES VERTEIDIGERS BRAUDE

VORSITZENDER: Ich erteile dem Verteidiger des Angeklagten Knjasew, Genossen Braude, das Wort.

BRAUDE: Genossen Richter! Ich will Ihnen die außerordentlich schwere, beispiellos schwierige Lage nicht verhehlen, in der sich der Verteidiger in dieser Strafsache befindet. Ist doch der Verteidiger, Genossen Richter, vor allem ein Sohn seiner Heimat, er ist auch ein Bürger der großen Sowjetunion und die Gefühle der gewaltigen Entrüstung, Empörung und des Entsetzens, von denen jetzt unser ganzes Land, Alt und Jung, erfasst sind, die Gefühle, die der Staatsanwalt in seinem Plädoyer so beredt zum Ausdruck gebracht hat, diese Gefühle können auch dem Verteidiger nicht fremd sein.

Aber, Genossen Richter, der Wille des Sowjetgesetzes, der Wille der Stalinschen Verfassung, die jedem Angeklagten, unabhängig von der Schwere des von ihm verübten Verbrechens, das Recht auf Verteidigung gewährleistet, macht es uns zur Pflicht, zu unserer Berufspflicht, jenen Angeklagten bei der Verwirklichung dieses Rechtes behilflich zu sein, die von ihm Gebrauch machen wollen.

In dieser Strafsache, Genossen Richter, gibt es keine Debatte über Tatsachen. Der Genosse Staatsanwalt hatte vollkommen recht, als er sagte, dass von allen Gesichtspunkten aus, sowohl vom Gesichtspunkt der vorhandenen Dokumente in der Strafsache, sowie vom Gesichtspunkt der Vernehmung der Zeugen, die hier vor unseren Augen vorbeigezogen sind, des Kreuzverhörs der Angeklagten - uns keinerlei Möglichkeit gelassen ist, die Beweise irgendwie anzufechten. Alle Tatsachen sind bewiesen und auf diesem Gebiet beabsichtigt die Verteidigung nicht, mit dem Staatsanwalt irgendwie in Streit zu treten. Auch vom Standpunkt der Einschätzung der politischen und moralischen Seite dieser Strafsache kann es ebenfalls keine Diskussion mit dem Staatsanwalt geben. Auch hier ist die Frage so klar, ist die politische Einschätzung, die hier vom Staatsanwalt gegeben wurde, so klar, dass die Verteidigung nicht umhin kann, auch diesem Teil seiner Rede rückhaltlos beizupflichten.

Worin erblickt der Verteidiger, der sich restlos der vom Staatsanwalt gegebenen politischen und moralischen Einschätzung anschließt, seine Aufgabe in dieser Sache? Die Aufgabe des Verteidigers besteht darin, das zu suchen, wovon der Staatsanwalt am Schluss seiner Rede gesprochen hat, die Momente zu suchen, die das Recht geben könnten, von Milde zu sprechen. Darin besteht die Aufgabe des Verteidigers Knjasews.

Worin kann die Verteidigung ein derartiges Material finden? Sie kann es suchen in der Einschätzung, in der Analyse der Persönlichkeit des Angeklagten, ob er so verkommen, so hoffnungslos sozial gefährlich ist, dass nicht der Schimmer einer Hoffnung besteht, dass seine Besserung möglich ist?

Die Verteidigung kann diese Momente zwecks Milderung des Schicksals des Angeklagten auch in den Umständen suchen, unter denen er in die konterrevolutionäre Organisation hineingezogen wurde. Gerade auf diesen beiden Wegen wird denn auch die Verteidigung versuchen, ihren Pflichten nachzukommen.

Ich verteidige Knjasew, den Leiter einer Eisenbahnlinie, der dem japanischen Spionagedienst zu Gefallen Züge mit Arbeitern und Rotarmisten entgleisen ließ. Ich verhehle nicht, dass mir, als ich das Material der Strafsache las, als ich die Dokumente durchblätterte, als ich die Aussagen Knjasews mit anhörte, das Krachen und das Getöse der zerschmetterten Waggons und das Stöhnen der sterbenden und verletzten Rotarmisten in den Ohren klang. Nichtsdestoweniger wäre ich im Unrecht, wenn ich sagen wollte, dass kein Grund zu seiner Verteidigung bestehe.

Die Schwere der Lage Knjasews wird besonders gesteigert dadurch, dass er, der fast physische, unmittelbare Schuldtragende der massenhaften blutigen Morde und der Zugentgleisungen ist. Knjasew ist kein Politiker von großem Format, er ist kein Theoretiker der Konterrevolution, und auf ihn entfiel die blutige und schmutzige Ausführungsarbeit, und daraus ergibt sich eine gewisse psychologische Aberration, infolge der Knjasew als der Hauptschuldige an den auf der Süduraler Eisenbahn verübten Bluttaten erscheint. Das ist auch verständlich. Derart ist das psychologische Gesetz. Derjenige, der den konkreten Tatsachen des Verbrechens näher steht, der der konkreten Missetat näher steht, scheint auch schuldiger zu sein. Indessen liegt das Gehirn dieses Verbrechens, die Haupttriebkraft der Verbrechen Knjasews nicht an der Peripherie, nicht in ihm selbst, sondern im Zentrum und selbstredend vor allein in einer anderen Kraft. Das ist derjenige, der der Schöpfer der niederträchtigen Erscheinung ist, die Trotzkismus genannt wird, das ist derjenige, der seine Heimat verrät, der Terroranschläge organisiert, derjenige, der mit ausländischen Spionageorganisationen den Kontakt aufnimmt, das ist der verächtliche Trotzki, - er ist der Hauptschuldige dieser Bahnkatastrophen. Und diese Momente dürfen, wie mir scheint, zur Feststellung der richtigen psychologischen Perspektive der Stellung Knjasews nicht außer acht gelassen werden. Knjasew hat allerschwerste Verbrechen begangen. Er war ihr unmittelbarer Vollstrecker, doch ist dennoch nicht er der Hauptschuldige, ungeachtet dessen, das diese Verbrechen nach außen hin hauptsächlich mit ihm verknüpft zu sein scheinen.

Das zweite Moment, das ich vor Ihnen, Genossen Richter, hervorheben möchte, das sind die Methoden, durch die Knjasew in die konterrevolutionäre Organisation hineingezogen wurde. Der Genosse Staatsanwalt hat bereits hier gesagt, dass die trotzkistische Organisation niemals auch nur die geringste Massenbasis hatte, sie nicht hat und nicht haben wird, - das kann man schon ganz sicher sagen, dass sie niemals auch nur die geringste Massenbasis haben wird. Das waren immer Generale ohne eine Armee, das war ein Häuflein von Verschwörern, und es ist verständlich, aus welchem Grunde. Die Idee der Restauration des Kapitalismus auf dem Wege der Heranziehung ausländischer Interventen, die Organisierung von terroristischen Anschlägen gegen die Besten unseres Landes und darunter gegen Stalin, den größten Führer der Werktätigen der ganzen Welt, Spionage, Verbindung mit dem Spionagedienst, - sind das etwa die Ideen, die ein auch nur im geringsten Maße gesundes Menschenmaterial für diese Organisation gewinnen können? Natürlich standen sie immer allein. Sie standen mit diesen Armeen, von denen der Staatsanwalt sprach, mit ein, zwei, drei Menschen, die ihnen zur Verfügung standen, und niemals konnten sie auf mehr hoffen.

Deshalb bemühten sie sich, Leute in ihre Organisation mit Methoden hineinzuziehen, die durch ihre Nähe und Verbundenheit mit ausländischen Spionageorganisationen bedingt waren. Die Gemeinsamkeit der Ideen, die Gemeinsamkeit der Ziele, die Gemeinsamkeit der Aufgaben schuf gleichartige Werbemethoden. Diese Werbemethoden bestanden in Erpressung, Betrug, Erzwingung und Einschüchterung. Durch eben diese Methoden wurde auch Knjasew für diese Organisation angeworben.

Genossen Richter, mir liegt der Gedanke fern, zu versuchen, Ihnen Knjasew als Spielzeug fremder Hände, etwa als Opfer in den Händen der übergeordneten konterrevolutionären Organisationen hinzustellen, ihn als blindes Werkzeug eines fremden Willens hinzustellen. Ich verstehe sehr gut, dass Knjasew ein politisch bewusster Mensch, ein ehemaliges Parteimitglied ist, der ungeheuer verantwortliche Stellen bekleidete, auf die ihn die Partei gestellt hat - er ist sich seiner ganzen Verantwortung bewusst, und er trägt zweifellos die ganze Verantwortung für seine Handlungen. Doch ist die Geschichte seines Eintritts in die konterrevolutionäre Organisation kennzeichnend und muss Ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken. Knjasew hat nicht die Erfahrung eines langjährigen Kampfes mit der Partei hinter sich, wie viele der Angeklagten, die mit ihm zusammen auf der Anklagebank sitzen. Er ist, wenn man ihn mit den hier sitzenden Angeklagten vergleicht, im Grunde genommen ein junger Trotzkist. Er hebt sich zweifellos durch seine Unbeständigkeit ab, das war auch hier in der Strafsache bemerkbar, als er hier über seine Beziehungen zu Turok und über seine Beziehungen zu den Agenten des japanischen Spionagedienstes erzählte.

Knjasew hatte schon im Jahre 1930 gewisse Zweifel. Und es fand sich ein Mensch, der Angeklagte Turok, der damals mit dem japanischen Spionagedienst in Verbindung stand, der damals Trotzkist war, an der Spitze der trotzkistischen Organisation der Süduraler Eisenbahn stand, ein Mann, der für die trotzkistische Organisation Leute warb und mehrere Menschen in deren verbrecherische Tätigkeit hineingezogen hat, es fand sich Turok, der den Versuch machte, sich die Schwankungen und Zweifel Knjasews zunutze zu machen, und ihn zur trotzkistischen Organisation heranzog. Sie erinnern sich, Genossen Richter, an die Schilderung sowohl Turoks als auch Knjasews, wie dies vor sich ging. Es fanden wiederholte Unterredungen statt, den Worten Knjasews zufolge waren es drei Unterredungen. Turok redete Knjasew zu, seinen Schwankungen die entsprechende organisatorische Form zu geben und in die trotzkistische Organisation einzutreten. Im Jahre 1930 lehnte Knjasew kategorisch ab. Offensichtlich waren diese Schwankungen und Zweifel bei ihm nicht so ernst, um ihnen durch den Eintritt in die trotzkistische Terrororganisation die organisatorische Form zu geben. Es ereignete sich jedoch ein Umstand, der dem Agenten der Trotzkisten und des japanischen Spionagedienstes Turok eine Waffe in die Hand gab. Er bestand in folgendem: 1930 kamen in die UdSSR an die Kasaner Eisenbahn mehrere japanische Ingenieure, um der UdSSR technische Hilfe zu erweisen. Unter dieser Gruppe von Ingenieuren war ein gewisser Herr H..., welcher, statt den ihm übertragenen Pflichten ehrlich nachzukommen, eine Amtsperson unseres Staates, mit der er zu tun hatte, zum japanischen Spionagedienst heranzuziehen begann. Und vermittels einer ganzen Reihe für Vertreter der ausländischen Spionagedienste kennzeichnenden Methoden, durch Veranstaltung geselliger Abende, durch Einladungen in die Wohnung, durch Erweisung kleiner Gefälligkeiten, durch äußerlich harmlos scheinende Briefe, lediglich mit der Bitte um Zusendung interessanter Literatur, die aber sachlich den Antrag der Beschaffung von Spionagematerial enthielten, bemühte er sich, auf jegliche Weise Knjasew für den Spionagedienst seines Staates zu gewinnen. Und eines Tages machte er Knjasew offen und kategorisch ein solches Angebot. Knjasew antwortete ihm kategorisch mit einer scharfen Absage, wie er in der Voruntersuchung ausgesagt und hier erzählt hat, und Herr H... war gezwungen, den Rückzug anzutreten. Der Angeklagte Knjasew hat von diesem Fall niemandem etwas erzählt.

Es vergingen vier Jahre. Wir wissen nicht, wie Knjasew sich im Laufe dieser vier Jahre, was seine Parteischwankungen betrifft, verhalten hat. Wir wissen, dass er keinerlei Initiative zum Eintritt in die trotzkistische Organisation an den Tag legte. Möglicherweise wurden diese Schwankungen unter dem Einfluss der Erfolge, die er ringsherum sah, liquidiert.

Turok erscheint jedoch nach vier Jahren neuerlich bei ihm, als Knjasew vielleicht seine Unterredungen mit Herrn H... vergessen hatte, und stellt ihm neuerlich einen Antrag.

Es muss bemerkt werden, dass sich der Angeklagte Knjasew schon ein schweres Verbrechen an seinem Lande zuschulden kommen ließ, indem er, der - als Herr H... ihm den Antrag auf Spionage stellte und sich nach seiner Absage zurückzog - verpflichtet gewesen wäre, sofort die entsprechenden Behörden über den ihm gestellten Antrag, sowie über die Funktionen in Kenntnis zu setzen, die der zur technischen Hilfe an unsere Eisenbahn kommandierte Herr H... hier in unserem Lande ausübte, dies unterließ. Das war das erste schwere Verbrechen, das Knjasew begangen hat, nicht nur als Parteimitglied, sondern auch als Bürger unseres Landes, der für die Unterlassung einer solchen Anzeige strafrechtlich verantwortlich ist.

Und als Turok nach vier Jahren wiederum bei Knjasew erschien und von neuem Knjasew die Frage stellte, dass er der trotzkistischen Organisation beitreten soll, lehnte Knjasew wiederum ab. Darauf sagte Turok ihm: Ich weiß von jenen Unterredungen, von den dir 1930 durch einen japanischen Spion gemachten Anträgen, und wenn du nicht in die trotzkistische Organisation eintrittst, werde ich dich als heimlichen Trotzkisten und Spion dem Gericht ausliefern, denn du hast mit Herrn H... in nahen Beziehungen gestanden und das den entsprechenden Behörden nicht angezeigt.

An die Wand gedrückt, gab Knjasew sein Einverständnis, in die konterrevolutionäre trotzkistische Organisation einzutreten. So wurde die erste Seite der ruchlosen Taten Knjasews aufgeschlagen, die ihm von der trotzkistischen terroristischen Organisation diktiert wurden.

Es verging kein halbes Jahr, als in Tscheljabinsk ein unbekannter Bürger in grauem Anzug, „jemand in Grau“, etwa im Alter von 45 - 50 Jahren, Knjasews Büro betrat. Er verlangte von Knjasew eine vertrauliche Unterredung: Knjasew erklärte ihm: „Ich wünsche nicht, mich mit Ihnen zu unterhalten.“ Den Namen dieses Bürgers kennt Knjasew nicht. Der Unbekannte sagte ihm: „Ich bin von Herrn H... zwecks Fortsetzung der Unterredung geschickt worden, die er mit Ihnen im Jahre 1930 gehabt hat.“ Knjasew machte den Versuch, dem Unbekannten eine heftige Abfuhr zu erteilen, und sagte ihm, dass er ihn, wenn er nicht weggehe, den Organen des Volkskommissariats für Inneres übergeben werde. Statt der Aufforderung Knjasews Folge zu leisten und wegzugehen, sagte ihm aber der Unbekannte: „Ich weiß, dass Sie vor einem halben Jahr in die konterrevolutionäre trotzkistische Organisation eingetreten sind. Wenn Sie nicht sofort auf den Vorschlag des japanischen Spionagedienstes eingehen, werde ich Sie anzeigen und man wird Sie als trotzkistischen Terroristen vor Gericht stellen.“

Sie sehen die Methode, die in beiden Organisationen ganz dieselbe ist. Die trotzkistische Organisation hat die Methoden des japanischen Spionagedienstes angewendet, der japanische Spionagedienst aber die Methoden der trotzkistischen Organisation. Die Einheit der Methoden und die Einheit der Information stehen absolut zweifellos fest. Turok, der gleichzeitig sowohl als Spion wie als Mitglied der trotzkistischen Terrororganisation auftritt, hat mit dem japanischen Spionagedienst eine enge informatorische Verbindung hergestellt. Es ist unbekannt, wo hier der ausländische Spionagedienst aufhört und wo die trotzkistische Terrororganisation anfängt.

Und, erklärt Knjasew in seinen Aussagen, in eine ausweglose Lage gebracht und aus Angst, wirklich als Trotzkist aufgedeckt zu werden, antwortete ich mit dem Einverständnis, für den japanischen Spionagedienst zu arbeiten. Es beginnen die folgenden bluttriefenden Kapitel in Knjasews Tätigkeit, eines nach dem anderen, die wahnwitzigen Kapitel mit Eisenbahnkatastrophen, Diversionsanschlägen im Eisenbahnwesen, Übermittlungen von Spionagematerial usw..

Nach den Worten Knjasews gab es Augenblicke, wo er, bald nachdem der Unbekannte bei ihm gewesen war, an der Tätigkeit der trotzkistischen Organisation zweifelte, die immerhin aus Russen, aus Sowjetbürgern bestand; Augenblicke, wo er daran zweifelte, ob sie Hand in Hand mit den Spionen der japanischen Spionageorganisation die von den Agenten dieses Spionagedienstes geforderten Militärzugentgleisungen vorschlagen und gutheißen können.

Knjasew begibt sich zu Liwschitz, dem damaligen Stellvertretenden Volkskommissar für Verkehrswesen und Mitglied der trotzkistischen Organisation, und teilt ihm seine Zweifel mit: „Wie wird sich die trotzkistische Organisation dazu stellen, wenn ich die Forderungen des Spionagedienstes nach Zerstörung des Eisenbahnverkehrs, nach Organisierung von Eisenbahnkatastrophen durchführen werde?“ Liwschitz aber (er hat das hier nicht abgeleugnet) begann ihm eine ganze Moralpredigt zu halten, die Knjasew als Leitstern in der Zerstörungsarbeit dienen sollte. Er sprach davon, dass die Trotzkisten im nächsten Krieg nicht nur die Haltung von Defätisten einnehmen, sondern dass sie mit der Waffe in der Hand gegen das Land der Sowjets kämpfen werden, er sagte, dass im Kampf alle Mittel gut seien, denn „je schlimmer, desto besser“ sei es.

Ich werde nicht alle jene Missetaten aufzählen, die Knjasew verübt hat, und die der staatliche Ankläger in seiner Rede so beredt hervorgehoben hat. Ich verweise nur darauf, dass ich bemüht war, all das Entsetzliche an Knjasews Taten wahrhaft zu schildern, dass ich aber gleichzeitig aufzeigen wollte, dass dies ein Mensch besonderer Art ist, dass er selbst keine Initiative zum Eintritt in die terroristische Spionageorganisation zeigte, dass er infolge seines Kleinmuts, infolge seines unzureichenden Willens, ich möchte nicht sagen ein Opfer, jedenfalls aber nur ein ausführendes Organ war und als solches ausgenutzt worden ist.

Worin sehe ich noch Momente, die eine Milderung seines Schicksals begründen? Das ist das vollständige und wirklich aufrichtige Eingeständnis seiner Schuld. Wie dies in der Gerichtspraxis üblich ist, sehen wir in derartigen Eingeständnissen einen bestimmten Grund für ein milderes Verhalten gegenüber dem Angeklagten, wie schwer auch seine Verbrechen gewesen sein mögen. Knjasew war in allen seinen Aussagen aufrichtig und wahrhaft. Er schreibt in seiner Erklärung, mit der das Untersuchungsmaterial beginnt: „Vom Tage der Aufdeckung der trotzkistisch-sinowjewistischen Organisation bis zu meiner Verhaftung habe ich einen qualvollen inneren Kampf durchgemacht, rechnete ich doch stets mit meiner unausbleiblichen Aushebung und der Enthüllung meiner konterrevolutionären Arbeit. Ich werde mir und allen Teilnehmern der konterrevolutionären trotzkistischen Organisation gegenüber, die im Verkehrswesen im Auftrage des trotzkistischen Zentrums und des japanischen Spionagedienstes tätig waren, schonungslos sein...“ „Ich erwarte und erbitte von niemandem Nachsicht mir gegenüber. Ich habe alles Persönliche ausgeschaltet und möchte nur einzig und allein die Wahrheit sagen und die ganze verbrecherische trotzkistisch-japanische Diversionsarbeit restlos entlarven.“

Sein weiteres Verhalten hat gezeigt, dass das keine Phrase, kein Bestreben war, die Untersuchungsbehörden und das Gericht zu hintergehen. Das sind die Worte eines Menschen, der mit der Vergangenheit gebrochen hat.

Genossen Richter, erinnern Sie sich an die Unterredung mit Liwschitz, die er angeführt hat. Liwschitz hat das während der Untersuchung kategorisch bestritten, musste es jedoch hier vor Gericht zugeben; Knjasew war wirklich sich und andern gegenüber schonungslos, er sprach die Wahrheit. Das hat dem Gericht in gewissem Grade bei der Untersuchung dieser schrecklichen außergewöhnlichen Strafsache Nutzen gebracht. Genossen Richter, ich habe bereits gesagt, dass Knjasew kein Führer war, dass er in diesem Prozess zu jener Gruppe von Angeklagten gehört, die sich vielleicht nicht die ganze Tiefe des Falles ihrer Führer vorgestellt hat; Knjasew gehört zu jenen unmittelbaren Tätern, die das Schreckliche ihrer persönlichen Handlungen in vollem Umfange und unmittelbar gesehen haben, die sich aber in Bezug auf die Ziele, Perspektiven und alle Bestrebungen ihrer „Führer“ Illusionen hingaben.

Jetzt ist der Schleier heruntergerissen... Das Geständnis der Führer des Zentrums hat ein Bild des Treubruchs, des Verrats am Vaterland und am Weltproletariat aufgedeckt, von dem Knjasew vor seiner Verhaftung und vor der Aufdeckung der Verbrechen keine volle Vorstellung gehabt hat.

Die Illusionen sind zunichte gemacht... Übrig geblieben sind die Tatsachen in ihrer ganzen unverhüllten Niedertracht. An Stelle der angeblichen Führer, denen Knjasew Folgschaft geleistet hat, kamen auf die Anklagebank politische Bankrotteure und Verräter in ihrer ganzen abstoßenden Blöße. Diese schreckliche Lehre muss auch solche Leute wie Knjasew von dem Gestank der Konterrevolution zurückstoßen, ungeachtet der Schwere der unmittelbar von ihnen begangenen Verbrechen.

Und darin liegt die feste Garantie dafür, dass Knjasew, wenn es das Gericht für möglich hielte, ihm das Leben zu erhalten, niemals mehr den Weg beschreiten wird, der ihn in den Abgrund geführt hat.

Und es dünkt mich, dass Knjasew aufrichtig ist, wenn er am Schlusse seiner Erklärung schreibt: „Wenn das proletarische Gericht es für möglich hält, mir im Hinblick auf meine aufrichtige Reue das Leben zu erhalten, werde ich aus allen Kräften und durch meine unermüdliche Arbeit bemüht sein, meine Schuld wieder gutzumachen und hartnäckig, ohne die Hände in den Schoß zu legen, für das Wohl meiner mächtigen Heimat arbeiten.“

Ich möchte an die Aufrichtigkeit dieser Erklärung Knjasews glauben, und das gibt mir das Recht, Sie zu bitten, die Frage zu prüfen, ob die Möglichkeit besteht, Knjasew das Leben zu erhalten.

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