PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

VORMITTAGSSITZUNG VOM 29. JANUAR 1937

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN PJATAKOW

VORSITZENDER: Wir gehen zum letzten Wort der Angeklagten über Angeklagter Pjatakow, ich erteile Ihnen das letzte Wort.

PJATAKOW: Bürger Richter, ich verzichtete auf die Verteidigungsrede, weil die staatliche Anklage im Sinne der Feststellung der Tatsachen richtig war, sie war auch richtig im Sinne der Qualifizierung meines Verbrechens. Doch mit einer Behauptung des Staatsanwalts kann ich mich weder einverstanden erklären noch abfinden: das ist die Behauptung, ich sei auch heute noch Trotzkist. Jawohl, ich bin viele Jahre lang Trotzkist gewesen. Ich bin mit den Trotzkisten Schulter an Schulter gegangen, aber das einzige Motiv, das einzige, das mich bewog, die Aussagen zu machen, die ich gemacht habe, war doch der Wunsch, wenigstens jetzt, wenn auch zu spät, meine grässliche trotzkistische Vergangenheit loszuwerden.

Und deshalb verstehe ich, dass mein Geständnis, der Bericht über jene Tätigkeit - eine widerwärtige, konterrevolutionäre, verbrecherische Tätigkeit, die ich ausgeübt und die meine Komplicen ausgeübt haben -, dass es in zeitlicher Hinsicht zu spät gemacht wurde, um daraus für mich persönlich irgendwelche praktische Ergebnisse zu haben. Nehmen Sie mir aber nicht das Recht auf das Bewusstsein, nur auf das Bewusstsein dessen, dass ich, wenn auch zu spät, aber doch mich von diesem Schmutz, von dieser Niedertracht befreit habe.

Denn das Schwerste für mich, Bürger Richter, ist nicht jenes gerechte Urteil, das Sie sprechen werden. Es ist das vor allen Dingen das Eingeständnis vor mir selbst. Das Eingeständnis während der Untersuchung, das Eingeständnis vor Ihnen und das Eingeständnis vor dem ganzen Lande, dass ich im Ergebnis meines ganzen früheren verbrecherischen illegalen Kampfes im Morast, im Zentrum der Konterrevolution selbst gelandet bin, - der widerwärtigsten, gemeinsten Konterrevolution faschistischen Typs, der trotzkistischen Konterrevolution.

Es wäre falsch zu glauben, dass ich, als meine trotzkistische Tätigkeit begann, wusste, wohin dies alles führen wird. Es wäre falsch zu glauben - dies schwächt nicht im Geringsten meine objektiven verbrecherischen Taten ab -, aber es, wäre falsch zu glauben, dass ich mir subjektiv konterrevolutionäre Aufgaben gestellt habe und mir dessen bewusst gewesen bin, in welchem Sumpf von Scheußlichkeit und Verbrechen wir letzten Endes landen werden.

Jawohl, einmal habe ich den Versuch gemacht, mich vom Trotzkismus abzuwenden. Das waren die Jahre 1928-1930, und ich bin in diesem Versuch nicht bis zu Ende gegangen. Ich habe mich nicht aller Überreste meiner Vergangenheit entledigt, der giftige Stachel der Überreste der trotzkistischen Ideologie war in mir zurückgeblieben. Es war ein Stachel, der anfangs keine großen praktischen Folgen für mich hatte, aber im Weiteren hat sich um ihn jenes bösartige Geschwür gebildet, das mich auf den Weg der Verbrechen, des Verrates gebracht hat. Dieses Geschwür ist aufgeschnitten.

Glauben Sie nicht, Bürger Richter - wenn ich auch ein Verbrecher bin, so bin ich doch ein Mensch -, dass ich in diesen Jahren, in den Jahren der stickigen trotzkistischen Illegalität, nicht gesehen habe, was im Lande vor sich geht. Glauben Sie nicht, dass ich nicht begriffen habe, was in der Industrie vor sich geht. Ich sage es offen. Zuweilen, wenn ich aus der trotzkistischen Illegalität herauskam und mich mit meiner anderen praktischen Arbeit befasste, verspürte ich eine Art Erleichterung, und natürlich war, menschlich gesehen, diese Zwiespältigkeit nicht nur ein Ausdruck des äußeren Verhaltens, sondern auch eine innere Erscheinung.

Denn ich begriff ja nicht nur, was vor sich geht. Ich sah auch, obzwar dies nicht im geringsten weder die Niedertracht der Verbrechen noch ihre objektive Bedeutung mindert, aber ich sah doch, dass wir, das Trotzkistengrüppchen, der - wie der Staatsanwalt richtig sagte - Vortrupp der faschistischen Konterrevolution durch unsere Schädlingstaten den objektiven Gang der Entwicklung der Industrie, der Wirtschaft nicht um ein Jota ändern können. Aber so war es. Und als wir bereits Ende 1935, Anfang 1936 hart daran waren, oder richtiger gesagt - das wäre falsch -, nicht hart daran waren, sondern uns bereits mitten drin im Hochverrat, im Treubruch und in der unverhülltesten faschistischen Konterrevolution befanden, als es auch für uns klar wurde, dass wir uns in eine Agentur des Faschismus verwandeln, da hatte nicht ich allein den Wunsch, davon loszukommen. Ich habe in mir weder genügend Mut noch genügend Härte gefunden, um den einzigen Weg zu beschreiten, der sich mir bot, - den Weg des freiwilligen Berichtes über meine Tätigkeit, der Preisgabe der Organisation und der Preisgabe alles dessen, was ich in der Vergangenheit getan habe, d. h. es früher zu tun, als ich es getan habe.

Dann kam die Verhaftung. Die Verhaftung hat ihre positive Rolle gespielt in der Hinsicht, dass ich erschöpfende, vollständige Aussagen über die Tätigkeit des Trotzkismus gemacht habe. Aber sie spielte eine Rolle nur insofern, als sie mich, der ich früher versucht hatte, auf einem falschen Wege irgendwie aus dieser Kloake herauszukommen, vor das Dilemma stellte: entweder weiter bis zum Schluss Feind zu bleiben, bis zum letzten Tag ein Trotzkist zu bleiben, der nicht eingestanden, der sich nicht entlarvt hat, oder den Weg zu beschrei ten, den ich wählte.

Ich verstehe, dass dies kein Grund sein kann, Nachsicht zu üben. Ich erkläre dem Gericht nur, was mich letzten Endes bewogen hat, jene erschöpfenden Aussagen zu machen, die, so hoffe ich, wenigstens etwas dazu beigetragen haben, diesen schmutzigen Knäuel zu entwirren.

Ich will nicht davon sprechen, Bürger Richter - es wäre lächerlich, hier davon zu reden -, dass mir gegenüber selbstverständlich keinerlei Methoden des Drucks oder der Beeinflussung angewandt wurden. Ja, diese Methoden hätten, zumindest für mich persönlich, nicht der Anlass sein können, Aussagen zu machen.

Nicht die Angst hat mich zu dem Bericht über meine Verbrechen veranlasst. Was kann schlimmer sein als das Bewusstsein und das Geständnis all jener Verbrechen, der schwersten und schädlichsten unter allen Verbrechen, die ich verübt habe?

Jede Strafe, zu der Sie mich verurteilen werden, wird leichter sein als die Tatsache des Eingeständnisses selbst. Das ist der Grund, weshalb ich mich mit der Behauptung des Staatsanwalts nicht abfinden konnte, ich sei auch heute, noch auf der Anklagebank, nach wie vor Trotzkist geblieben.

Und nun, in dem Augenblick, wo nicht nur ich vor dem Sowjetgericht stehe, wo ich vor dem Sowjetgericht für meine Verbrechen die volle strafrechtliche Verantwortung nach den Sowjetgesetzen zu tragen habe, wo wir für alle unsere Taten im vollsten Maße einstehen müssen, - wird derjenige, in dessen: Namen wir dies taten, auf dessen direkte Anweisung und Anstiftung wir all dies vollbrachten - ich glaube das, weil ich ihn gut kenne -, nichts anderes finden, als sich von dem loszusagen, was wir mit ihm gemeinsam und unter seiner Führung taten, als uns zu verleumden, zu lügen und uns der Feigheit und alles möglichen zu bezichtigen.

Trotzki wird nichts anderes tun. Ich kenne ihn zu gut, um daran zu zweifeln. Anstatt diese Beschuldigungen, die er zweifellos erheben wird, hier, vor Gericht, von Angesicht zu Angesicht zu widerlegen oder mir entgegenzuschleudern, an Stelle einer Konfrontierung mit uns, wird es ihm natürlich leichter, einfacher und sicherer sein, seine Schädlingsarbeit fortzusetzen.

Bürger Richter, mich persönlich berührt dies ziemlich wenig. Ich bedaure nur aufs tiefste, dass dieser Hauptverbrecher, dieser bis zum Schluss verstockte Verbrecher, wie es Trotzki ist, nicht hier mit uns auf der Anklagebank sitzt.

Ich bin mir meiner Verbrechen zu sehr bewusst und ich wage nicht, Sie um Nachsicht zu bitten. Ich kann mich nicht einmal entschließen, Sie um Gnade zu bitten.

In einigen Stunden werden Sie Ihr Urteil fällen. Und nun stehe ich im Schmutz vor Ihnen, erdrückt von meinen eigenen Verbrechen, durch eigene Schuld um alles gekommen, ich habe meine Partei verloren, ich habe keine Freunde mehr, ich habe die Familie verloren, ich habe mich selbst verloren...

Nur nehmen Sie mir eines nicht, Bürger Richter, nehmen Sie mir nicht das Recht auf das Bewusstsein, dass ich, wenn auch viel zu spät, auch in Ihnen Augen in mir die Kraft gefunden habe, um mit meiner verbrecherischen Vergangenheit zu brechen.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN RADEK

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Radek.

RADEK: Bürger Richter! Nachdem ich mich des Vaterlandsverrats schuldig bekannt habe, ist jede Möglichkeit ausgeschlossen, Verteidigungsreden zu halten. Es gibt keine solchen Argumente, mit denen ein erwachsener Mensch, der nicht das Bewusstsein verloren hat, den Vaterlandsverrat verteidigen könnte. Auf mildernde Umstände kann ich auch nicht Anspruch erheben. Ein Mensch, der 35 Jahre in der Arbeiterbewegung gestanden hat, kann seine Schuld durch keinerlei Umstände mildern, wenn er sich des Vaterlandsverrats schuldig bekennt. Ich kann mich nicht einmal darauf berufen, dass Trotzki mich vom richtigen Wege abgebracht hat. Ich war bereits ein erwachsener Mensch mit herausgebildeten Anschauungen, als ich Trotzki begegnete. Und wenn die Rolle Trotzkis in der Entwicklung dieser konterrevolutionären Organisationen überhaupt gewaltig ist, so war Trotzkis Autorität für mich in dem Augenblick, als ich diesen Weg des Kampfes gegen die Partei beschritt, minimal.

Ich ging mit der trotzkistischen Organisation nicht im Namen der kläglichen „Theorie“ Trotzkis, deren Verfaultheit ich während meiner ersten Verbannung begriffen hatte, und nicht im Namen der Anerkennung seiner Autorität als Führer, sondern weil es keine andere Gruppe gab, auf die ich mich für die politischen Ziele, die ich mir stellte, hätte stützen können. Mit dieser Gruppe war ich in der Vergangenheit verbunden, und deshalb ging ich mit ihr. Nicht darum ging ich mit ihr, weil ich auf diesen Weg des Kampfes gestoßen wurde, sondern auf Grund einer eigenen Einschätzung der Situation, auf Grund des freiwillig gewählten Weges. Und dafür trage ich die volle, ausschließliche Verantwortung, - eine Verantwortung, die Sie nach dem Buchstaben des Gesetzes und danach ermessen werden, was Ihnen Ihr Gewissen als Richter der Sozialistischen Sowjetrepublik sagt.

Damit könnte ich mein letztes Wort beenden, wenn ich es nicht für notwendig hielte, Einspruch zu erheben gegen die Beleuchtung des Prozesses, die Beleuchtung eines Teils, nicht des Hauptpunktes, wie sie hier gegeben wurde, die ich zurückzuweisen genötigt bin, nicht von meinem persönlichen Gesichtspunkt, sondern vom politischen Gesichtspunkt. Ich habe meine Schuld eingestanden und volle Aussagen in Bezug auf sie gemacht, indem ich nicht von dem einfachen Bedürfnis der Reue ausging - Reue kann eine innere Erkenntnis sein, die man nicht mitzuteilen, niemandem zu zeigen braucht - auch nicht von Wahrheitsliebe schlechthin - diese Wahrheit ist sehr bitter und ich habe bereits gesagt, dass ich es dreimal vorgezogen hätte, erschossen zu werden, als sie zu gestehen -, sondern ich muss meine Schuld gestehen, ausgehend von der Einschätzung jenes allgemeinen Nutzens, die diese Wahrheit bringen muss. Und wenn ich hören musste, dass auf der Anklagebank einfach Banditen und Spione sitzen, so widerspreche ich dem, ich widerspreche nicht von dem Standpunkt, mich selbst zu verteidigen, weil, wenn ich den Vaterlandsverrat eingestanden habe, es von meinem menschlichen Standpunkt wenig bedeutet, ob ich diesen Verrat in Abmachungen mit Generalen beging, und ich habe nicht den beruflichen Hochmut, um zu sagen, es sei zulässig, Mit Generalen Verrat zu begehen, mit Agenten aber sei es nicht zulässig.

Die Sache aber besteht in folgendem - dieser Prozess hat zwei große Tatsachen aufgezeigt: Die Verflechtung der konterrevolutionären Organisationen mit allen konterrevolutionären Kräften des Landes. Das ist eine Tatsache. Aber diese Tatsache ist ein gewaltiger objektiver Beweis. Schädlingsarbeit kann durch technische Sachverständige festgestellt werden, die terroristische Arbeit bestand in einer Verbindung so vieler Menschen, dass die Aussagen dieser Menschen außer dem materiellen Beweis ein absolutes Bild ergeben. Aber der Prozess bewegt sich um zwei Zentren, er hat eine andere gewaltige Bedeutung. Er hat die Schmiede des Krieges gezeigt und gezeigt, dass die trotzkistische Organisation zu einer Agentur jener Kräfte geworden war, die einen neuen Weltkrieg vorbereiten.

Welche Beweise gibt es für diese Tatsache? Für diese Tatsache gibt es die Aussagen von zwei Leuten - meine Aussagen, dass ich Direktiven und Briefe von Trotzki bekommen habe (die ich leider verbrannt habe), und die Aussagen Pjatakows, der mit Trotzki gesprochen hat. Alle anderen Aussagen der übrigen Angeklagten, - sie beruhen auf unseren Aussagen. Wenn Sie es mit reinen Kriminalverbrechern, mit Spitzeln zu tun haben, worauf können Sie dann Ihre Überzeugung begründen, dass das, was wir gesagt haben, die Wahrheit, die unerschütterliche Wahrheit ist?

Natürlich hat der Staatsanwalt, hat das Gericht, die die ganze Geschichte des Trotzkismus kennen, die uns kennen, keinerlei Grund, anzunehmen, dass wir, die wir die Last des Terrors auf unseren Schultern tragen, uns noch zum Vergnügen den Hochverrat aufgehalst haben. Sie davon zu überzeugen ist gar nicht notwendig. Notwendig ist erstens, die zerstäubten, im Lande umherirrenden trotzkistischen Elemente zu überzeugen, die die Waffen noch nicht gestreckt haben, die gefährlich sind und die begreifen müssen, dass wir hier zutiefst erschüttert sprechen und die Wahrheit und nur die Wahrheit sagen. Und es ist außerdem notwendig, der ganzen Welt zu zeigen, was Lenin - mit Zittern wiederhole ich seinen Namen von dieser Bank aus - in dem Brief, in den Richtlinien für die Delegation, die nach dem Haag fuhr, von dem Geheimnis des Krieges geschrieben hat. Ein Stück dieses Geheimnisses befand sich in den Händen des jungen serbischen Nationalisten Gavrilo Princip, der in der Festung zu sterben wusste, ohne es zu lüften. Er war serbischer Nationalist und fühlte sich im Recht, als er für dies Geheimnis kämpfte, das die serbische nationale Bewegung hütete. Ich kann dies Geheimnis deshalb nicht verbergen und mit mir ins Grab nehmen, weil, wenn ich angesichts dessen, was ich gestanden habe, nicht berechtigt bin, als reuiger Kommunist aufzutreten, mich doch 35 Jahre meiner Teilnahme an der Arbeiterbewegung berechtigen, bei allen Fehlern und Verbrechen, mit denen sie endete, von Ihnen in einem Punkt Vertrauen zu fordern, - dass diese Volksmassen, mit denen ich ging, für mich doch etwas darstellen. Und wenn ich diese Wahrheit verborgen hätte und mit ihr von der Bühne abgetreten wäre, wie es Kamenew tat, wie es Sinowjew tat, wie es Mratschkowski tat, so hätte ich, als ich alle diese Dinge durchdachte, in meiner Todesstunde noch die Flüche jener Menschen gehört, die im zukünftigen Krieg fallen werden und denen ich durch meine Aussagen eine Waffe zum Kampf gegen den Krieg, der vorbereitet wird, geben konnte.

Deshalb bestreite ich die Behauptung, dass auf der Anklagebank Kriminelle sitzen, die alles Menschliche verloren haben. Nicht um meine Ehre kämpfe ich, sie habe ich verloren, ich kämpfe darum, dass jene Aussagen, die ich gemacht habe, als Wahrheit anerkannt werden, als Wahrheit nicht in den Augen dieses Saals, nicht in den Augen des staatlichen Anklägers und des Gerichts, die uns wie ihre fünf Finger kennen, sondern eines bedeutend weiteren Kreises von Menschen, der mich seit 30 Jahren kennt und der nicht begreifen kann, wie ich abrutschen konnte. Mir liegt daran, dass sie es von Anfang bis zu Ende überzeugend sehen, warum ich diese Aussagen gemacht habe, und deshalb bin ich gezwungen, ungeachtet dessen, was ich bereits darüber gesprochen habe, eine Schilderung der Ereignisse und Erlebnisse in der letzten Zeit zu geben, in erster Linie von dem Augenblick an, als die letzte Instruktion Trotzkis eintraf.

Ich muss klarstellen, weshalb der im Januar gefasste Entschluss, alles aufzudecken, nicht durchgeführt wurde, und muss aufklären, weshalb ich das bei meinem Verhör nicht tun konnte, weshalb ich, wenigstens damals, als ich ins Innenkommissariat kam, nicht unverzüglich diesen Entschluss verwirklichte. Die Zweifel des Staatsanwalts sind absolut berechtigt. Die äußeren Tatsachen sprechen gegen diesen Entschluss. Und außerdem fragt sich der Staatsanwalt, der die Tatsache vor Augen hat, dass Kamenew es vorgezogen hat, gerade als Bandit ohne politisches Programm zu sterben, warum annehmen, dass hier restlose Aufrichtigkeit vorliegt, dass die Wahrheit restlos gesagt ist?

Ich muss hier, ohne mich auch nur im geringsten herauszustreichen - meine Persönlichkeit spielt hierbei eine minimale Rolle - erstens die persönlichen Momente erwähnen, die es mir erleichterten, innerlich entschiedener und früher als andere diese Dezemberdirektive Trotzkis als ein Finale, als das Ende, als die Notwendigkeit, zu brechen, entgegenzunehmen. Das waren persönliche Gründe. Ein Teil meiner Mitangeklagten ist auf den Weg des Kampfes zurückgekehrt, als überzeugte Trotzkisten, die auf dem Standpunkt der permanenten Verneinung der Möglichkeit der Errichtung des Sozialismus in einem Lande stehen. Ich bin zurückgekehrt, nachdem ich den Glauben an diese Konzeption Trotzkis verloren hatte. Ich bin zurückgekehrt, verfiel aber angesichts der Schwierigkeiten des Sozialismus in den Jahren 1931 bis 1933 dem Kleinmut. Das zeigt nur, dass es leichter ist, den Aufbau des Sozialismus theoretisch anzuerkennen, als die Kraft und Standhaftigkeit zu haben, die nur bei den Menschen großgezogen wurden, die ohne Kampf mit der Partei gingen, mit tiefster innerer Überzeugung. Angesichts des Misstrauens gegenüber dem führenden Kader oder bei mangelndem Vertrauen, bei ungenügender Verbundenheit mit diesen Kadern war die Theorie allein ein toter Buchstabe, sie war ein theoretischer und kein praktischer Standpunkt. Darüber stolperte ich und ging zurück in diese Illegalität. Und auf diesem Wege wurde ich sogleich ein Objekt des Betruges. Ich spreche davon nicht, um meine Schuld zu mildern, sondern weil ich diesen Betrug unseren einfachen Anhängern gegenüber vergrößert, verzehnfacht habe, und damit Sie jene persönlichen Momente verstehen, die es mir erleichterten, die Notwendigkeit einer Wendung zu begreifen.

Als ich in die Organisation eintrat, kam Trotzki in seinem Brief mit keinem Buchstaben auf die Machtergreifung zu sprechen. Er spürte, dass diese Idee mir als zu abenteuerlich erscheinen wird. Er nutzte nur meine tiefe Besorgtheit aus und die Tatsache, dass ich in diesem Zustand mich entscheiden kann, mich anzuschließen. Später würde sich schon alles einrenken. Und als mir Pjatakow in einem Gespräch im Dezember 1932 sagte: „Wie denn, wie denn, es geht um eine Staatsverschwörung“, da war das gleich am Anfang der erste Riss.

Im September 1933 brachte mir Romm einen Brief von Trotzki, in dem wie von etwas Selbstverständlichem von der Schädlingsarbeit gesprochen wurde. Wiederum - auch Romm sagt in seinen Aussagen, dass ich unerhört verblüfft war. Weshalb? Weil man, als ich Verhandlungen führte, mir mit keinem Wort von Schädlingsarbeit gesprochen hatte, und das nicht zufällig. Man wusste, dass ich nach der Periode des Kampfes gegen das Schädlingswesen, nach der Aufdeckung seiner ganzen Widerwärtigkeit darüber stürzen konnte. Und deshalb wurde es vor mir verborgen. Und als mir Pjatakow diese Dinge aufs neue eröffnete, da wusste ich natürlich: die Türen sind zugeschlagen. Lächerlich ist es, aus diesem Anlass Streit zu beginnen. Aber dies war der zweite Riss.

Und schließlich, als ich nach der Direktive Trotzkis von 1934 ihm die Antwort des Zentrums übermittelte, fügte ich von mir aus hinzu, dass ich einverstanden bin, den Boden zu sondieren, - lasst euch selbst nicht mit ihnen ein, die Situation kann sich ändern. Ich schlug vor: mag die Verhandlungen Putna führen, der Verbindungen in den leitenden japanischen und deutschen Militärkreisen hat. Und Trotzki antwortete mir: „Wir werden ohne euch keine Bindungen eingehen, keinerlei Beschlüsse fassen.“ Er schwieg ein Jahr. Nach einem Jahr stellte er uns vor die Tatsache seines Abkommens. Begreifen Sie es, es ist nicht meine Tugend, dass ich mich dagegen auflehnte. Aber dies ist einfach eine Tatsache, damit Sie es begreifen.

Und was für ein Bild hatte ich vor mir? Die erste Etappe. Kirow wurde ermordet. Jahre terroristischer Vorbereitung. Dutzende herumschleichender terroristischer Gruppen, die nur auf einen Moment lauerten, wo sie einen der Parteiführer umbringen können, und die Ergebnisse des Terrors für mich persönlich waren - der Verlust eines Menschenlebens ohne jegliche politischen Folgen für uns. Für den Terror gegen ganze Gruppen konnten wir nicht die uns notwendigen Leiter und Organisationen nach Moskau bekommen, das kennzeichnete den Stand der Kräfte der Terrororganisationen. Und andererseits stand ich doch selbst der Regierung und den führenden Parteikreisen genügend nahe, um zu wissen, dass es nicht nur Vorsichtsmaßnahmen der Sicherheitsorgane gab, sondern die Volksmassen so wachsam geworden sind, dass der Gedanke, es sei möglich, die Sowjetmacht durch Terror zu stürzen, und wäre es selbst mit Hilfe der ergebensten und verwegensten Terroristengruppen, eine Utopie ist, dass man wohl Menschenleben opfern kann, dass dies aber die Sowjetmacht nicht zu stürzen vermag.

Die andere Seite der Sache. Ich sah, dass Trotzki selbst den Glauben verloren hatte. Die erste Variante war getarnt: „Nun, Jungens, versucht einmal aus eigener Kraft, ohne Hitler, die Sowjetmacht zu stürzen. Was, ihr schafft es nicht? Versucht einmal selbst die Macht zu erlangen. Ihr könnt es nicht?“ Trotzki selbst spürte bereits seine eigene innere Ohnmacht und setzte seine Karte auf Hitler. Jetzt wurde auf Hitler gesetzt. Die alten Trotzkisten gingen davon aus, dass die Errichtung des Sozialismus in einem Lande unmöglich ist, weshalb die Revolution im Westen forciert werden muss. Nun wird ihnen vorgesetzt: im Westen ist keine Revolution möglich, zerstört also die Revolution in dem einen Lande, zerstört also den Sozialismus in der UdSSR. Und dass der Sozialismus in unserem Lande aufgebaut ist, davor kann niemand die Augen verschließen.

Das zweite war die Niederlage...

Ich bin in militärischen Dingen nicht ganz unbewandert und vermag die internationale Situation einzuschätzen. Und für mich war klar: 1934 war eine Periode, in der ich bei meiner Neigung zum Pessimismus die Niederlage, den Untergang für unvermeidlich hielt; bereits im Jahre 1935 sind alle Chancen für den Sieg dieses Landes da, und wer früher sich selbst vormachte, er sei ein Defätist aus Notwendigkeit, um das zu retten, was noch zu retten ist, - der muss sich selbst sagen: Ich bin ein Verräter, der hilft, ein starkes, wachsendes, vorwärts schreitendes Land zu unterwerfen. Zu welchem Zweck? Damit Hitler in Rußland den Kapitalismus wiederherstellt.

Alles was der staatliche Ankläger über den restauratorischen Charakter nicht nur der Direktive Trotzkis, sondern der gesamten Arbeit der Trotzkisten sagte, - das ist unerschütterliche Wahrheit. Die Direktiven selbst waren Direktiven zur völligen Wiederherstellung des Kapitalismus, und diese Direktiven sind nicht vom Himmel gefallen: sie zogen das Fazit dessen, dass Menschen, wenn sie, auf den Stab der Revolution schießen, wenn sie die Volkswirtschaft untergraben, den Sozialismus untergraben, und somit für den Kapitalismus arbeiten.

Und diese Wahrheit ist die Grundwahrheit, die von entscheidender Bedeutung für die Einschätzung der Trotzkisten als einer gesellschaftlichen Strömung ist, und der Ankläger verkennt dies nicht. Im Gegenteil, das zeigt, dass wir auf dieser Plattform mit unseren eigenen Mitarbeitern nicht einmal einen Kader von hundert Mann zusammenbringen konnten. Wenn der staatliche Ankläger dies erkennt - und er erkennt es in vollem Umfang -, und zieht er in Rechnung, dass wir nicht einmal die Beratung einberiefen, deren Einberufung wir beschlossen hatten, um zu klären, dass selbst die uns nahe stehenden Kadereine solche Fragestellung nicht anerkennen, - so beweist dies, dass die Trotzkisten, diese Gruppe verbrecherischer, mit dem Blut eines der Führer der Revolution besudelter Menschen, die unglaublich viele Verbrechen begangen haben, sich in ihrer Einstellung auf die Restauration dennoch verrechnet haben.

Wenn Menschen mit Scheuklappen in den Kampf ziehen, nichts vor sich sehen, können sie Dinge tun und tun sie Dinge, die schreckliche Folgen und Bedeutung haben.

Aber wenn Sie, die Richter, einen jeden von uns gesondert einschätzen werden - und Sie können nicht anders vorgehen -, so können Sie nicht umhin, dies zu berücksichtigen.

Genossen Richter...

VORSITZENDER: Angeklagter Radek, nicht „Genossen Richter“, sondern Bürger Richter.

RADEK: Verzeihung, Bürger Richter. Ich muss jetzt darüber sprechen, was hinter den Kulissen dieser Beratung, die wir einberufen wollten, vor sich ging. Serebrjakow hatte vollständig Recht, als er sagte, dass kein Beschluss vorhanden war. Die Beratung wurde gerade einberufen, um zu beschließen. Warum fand sie nicht statt? Weshalb fand diese Beratung nicht statt, was verbarg sich hinter den Kulissen dieser Beratung, weshalb erzählte ich nicht einmal einem mir so nahe stehenden Menschen wie Bucharin, der von dem aufgenommenen Kontakt mit den Vertretern der westeuropäischen und östlichen Mächte wusste, über die Dezemberinstruktion und über die Begegnung Pjatakows mit Trotzki?

Ich werde davon sprechen, denn es kann im Weiteren eine praktische Bedeutung haben und eine Antwort auf die Frage geben, ob nicht noch etwas verborgen geblieben ist. Ich denke ja: dass sowohl etwas vor uns als auch vor den Behörden verborgen geblieben ist und noch aufgedeckt werden kann. Es war mir bereits klar, dass die Selbstliquidierung der terroristischen Organisation ein Nonsens ist. In dieser trotzkistischen Organisation gibt es verschiedene Leute von verschiedenen Schattierungen und, wie sich herausstellte, Leute, die unmittelbar mit Spionagediensten verbunden sind. Damals wusste ich dies nicht. Ich konnte nicht umhin, anzunehmen, dass jemand um uns herumschleicht. Und in dem Augenblick, wo wir, diese vier Menschen, dies Geheimnis uns hätten aus den Händen gleiten lassen, - in dem Augenblick wären wir auf keinen Fall mehr imstande, der Situation Herr zu werden.

Ich werde ein wenig auf Dreitzer zurückgreifen. Der staatliche Ankläger sagte, wir werden seinen Namen noch einmal erwähnen, und ich greife auf ihn in einem Zusammenhang zurück, der hier noch nicht untersucht worden ist.

Als Dreitzer sieben bis acht Monate lang in Moskau sich nicht zeigte, konnte ich annehmen, dass es Konspiration ist. Aber als Dreitzer im Januar nicht erschien und als er von mir die Aufforderung erhielt, zur Beratung zu kommen, traf er in Moskau ein, kam aber nicht zu mir - er war in Moskau im Jahre 1935 und zeigte sich nicht, - da wurde mir klar, dass Trotzki auf Grund der Korrespondenz, die er mit uns hatte, als er den Widerstand Pjatakows und unsere Zweifel in Bezug auf die Linie des Defätismus sah -, dass er neben dem Parallelzentrum irgendeine neue Teufelei einfädelt. Das entnehme ich daraus, dass Dreitzer 1935 an uns vorüberging.

Als ich das Prozessmaterial über das vereinigte Zentrum las, war dort keine einzige Tatsache, die mir nicht bekannt gewesen, die den anderen entgangen wäre. Das bedeutet, dass hier irgendeine dritte Organisation am Werk war.

Und schließlich, als Pjatakow aus dem Auslande zurückkehrte, ließ er im Vorbeigehen über die Unterredung mit Trotzki fallen, Trotzki habe ihm mitgeteilt, dass Kader aus Leuten gebildet werden, die nicht durch die Stalinsche Führung korrumpiert sind. Als ich über Olberg las und die anderen fragte, oh jemand von der Existenz Olbergs weiß, da wusste niemand etwas davon und mir wurde klar, dass Trotzki hier außer den Kadern, die seine Schule durchgemacht haben, eine Organisation von Agenten bildet, die die Schule des deutschen Faschismus absolviert hatten. Und ich fand unmittelbar die Antwort darauf, als die Frage der Beratung aufgeworfen wurde. Für mich war klar, dass, wenn Dreitzer erfährt, dass wir die Direktiven Trotzkis in einer solchen Art und Weise diskutieren können, dass es wieder wie im Jahre 1929 zur Spaltung kommen kann, wir nicht mehr da sein werden, noch bevor wir diese Frage aufwerfen. Nicht weil Dreitzer uns übel gesinnt war, sondern weil er der treueste Mann Trotzkis war und unmittelbar einen viel engeren Kontakt mit ihm, über uns hinweg, besaß. Deshalb konnte ich den Leuten auf keinen Fall von der Beratung erzählen. Als wir es ihnen gesagt hatten, setzten die Verhaftungen ein, und es war unmöglich, sie zusammenzurufen.

Wusste ich vor der Verhaftung, dass es gerade mit einer Verhaftung enden wird? Wie konnte ich das nicht wissen, wenn der Leiter der Organisationsabteilung meines Büros, Tiwel, verhaftet wurde, wenn Friedland, mit dem ich in den letzten Jahren sehr häufig zusammentraf, verhaftet wurde. Ich werde andere Namen nicht nennen, ich könnte noch ein Dutzend Namen von Menschen, die oft mit mir zusammenkamen, nennen. Damals konnte ich keinen Augenblick daran zweifeln, dass diese Sache im Innenkommissariat ihr Ende finden wird. Und da muss ich auf die Frage antworten - weshalb ich mich anstatt irgendwelcher Beratungen nicht an die Partei, nicht an die Behörde gewandt habe und, wenn ich das nicht vor der Verhaftung getan habe, warum ich es nicht gleich nach der Verhaftung tat?

Die Antwort auf diese Frage ist sehr einfach. Die Antwort besteht in folgendem. Ich war einer der Leiter der Organisation. Ich wusste, dass die Sowjetjustiz keine Hackmaschine ist, dass es unter uns Menschen mit verschiedenem Grad der Schuld gibt, dass wir - die Leiter - mit unserem Kopf das zu verantworten haben, was wir taten. Dass es aber eine beträchtliche Schicht von Menschen gibt, die wir auf diesen Weg des Kampfes geführt hatten, die die grundlegenden, ich möchte mich so ausdrücken, Einstellungen der Organisation nicht kannten, die verblendet vorwärts trotteten.

Als ich die Frage der Beratung aufwarf, wollte ich eine Abgrenzung, damit diejenigen, die ihren Weg bis zu Ende weitergehen wollten, sich lostrennen - diese konnte man sogar gefesselt ausliefern -, während jenen anderen die Möglichkeit gegeben werden sollte, abzurücken und die Möglichkeit, selbst ihre Schuld der Regierung zu bekennen.

Als ich drinnen im Innenkommissariat war, hat der Leiter der Voruntersuchung sofort begriffen, weshalb ich nicht sprach. Er sagte mir: „Sie sind doch kein kleines Kind. Da haben Sie fünfzehn Aussagen gegen Sie, Sie können sich nicht herauswinden und können sich als vernünftiger Mensch dieses Ziel nicht stellen; wenn Sie nicht aussagen wollen, so nur deshalb, weil Sie Zeit und Einblick gewinnen wollen. Bitte, sehen Sie sich alles an.“ Zweieinhalb Monate lang quälte ich den Untersuchungsrichter. Wenn hier die Frage danach aufgeworfen wurde. ob man uns während der Voruntersuchung gequält hat, so muss ich sagen, dass nicht ich gequält wurde, sondern dass ich die Untersuchungsrichter quälte, indem ich ihnen unnütze Arbeit aufbürdete. Zweieinhalb Monate lang zwang ich den Untersuchungsrichter dadurch, dass ich mich verhören und mir die Aussagen anderer Angeklagter vorhalten ließ, mir die ganze Situation aufzudecken, damit ich sehe, wer gestanden, wer nicht gestanden und wer was aufgedeckt hat.

Das dauerte zweieinhalb Monate. Und eines Tages kam der Leiter der Untersuchung zu mir und sagte: „Sie sind schon der letzte. Wozu verlieren Sie Zeit und zögern, weshalb sagen Sie nicht das, was Sie aussagen können?“ Und ich sagte: „Gut, ich werde morgen anfangen, Aussagen zu machen.“ Und die Aussagen, die ich machte, enthalten von Anfang bis Ende keinerlei Berichtigungen. Ich entrollte das Bild so, wie ich es kannte, und die Untersuchung konnte den einen oder anderen persönlichen Fehler meinerseits in Bezug auf die Verbindung eines Menschen mit dem anderen korrigieren, aber ich behaupte, dass nichts von dem, was ich bei der Voruntersuchung aussagte, widerlegt und nichts hinzugefügt wurde.

Ich gebe noch eine Schuld meinerseits zu: nachdem ich bereits meine Schuld zugegeben und die Organisation aufgedeckt hatte, weigerte ich mich hartnäckig, Aussagen über Bucharin zu machen. Ich wusste: die Lage Bucharins ist genau so hoffnungslos wie die meinige, weil unsere Schuld, wenn nicht juristisch, so dem Wesen nach dieselbe war. Aber wir sind nahe Freunde, und intellektuelle Freundschaft ist stärker als andere Freundschaften. Ich wusste, dass Bucharin im selben Maße erschüttert ist wie ich, und ich war überzeugt, dass er der Sowjetmacht ehrliche Aussagen machen wird. Deshalb wollte ich ihn nicht gefesselt ins Innenkommissariat bringen. So wie in Bezug auf unsere übrigen Kader, wünschte ich, dass er die Möglichkeit hat, die Waffen zu strecken. Dadurch ist es zu erklären, weshalb ich erst gegen Schluss, als ich sah, dass die Gerichtsverhandlung unmittelbar bevorsteht, begriff, dass ich nicht vor Gericht erscheinen kann, wenn ich die Existenz einer anderen terroristischen Organisation verheimlicht habe.

Und nun, Bürger Richter, schließe ich mein letztes Wort mit folgendem. Wir werden nach der ganzen Strenge des Sowjetgesetzes die Verantwortung tragen, in der Überzeugung, dass Ihr Urteil, wie es auch ausfällt, gerecht sein wird, aber wir wollen es als bewusste Menschen entgegennehmen. Wir wissen, dass wir kein Recht haben, zur Masse zu sprechen, - wir sind für sie keine Lehrmeister. Aber den Elementen, die mit uns in Verbindung standen, wollen wir drei Dinge sagen.

Erstens: die trotzkistische Organisation ist zum Mittelpunkt aller konterrevolutionären Kräfte geworden; die rechte Organisation, die mit ihr Verbindung aufgenommen hat und auf dem Wege zur Verschmelzung mit ihr war, ist derselbe Mittelpunkt aller konterrevolutionären Kräfte im Lande. Mit diesen terroristischen Organisationen wird die Staatsmacht fertig werden. Daran haben wir auf Grund unserer eigenen Erfahrung keinerlei Zweifel.

Aber es gibt im Lande Halbtrotzkisten, Vierteltrotzkisten, Achteltrotzkisten, Menschen, die uns geholfen haben, ohne etwas von der terroristischen Organisation zu wissen, die mit uns sympathisierten, die aus Liberalismus, aus Fronde gegen die Partei uns diese Hilfe leisteten. Diesen Leuten sagen wir: wenn im Metall eines Stahlhammers eine Blase ist, ist es noch nicht so gefährlich; wenn aber eine Blase im Metall eines Propellers ist, so kann es eine Katastrophe geben. Wir befinden uns in einer Periode größter Spannung, in einer Vorkriegsperiode. Allen diesen Elementen sagen wir im Angesicht des Gerichtes und im Angesicht der Abrechnung: wer den geringsten Riss in seiner Einstellung zur Partei hat, der möge wissen, dass er morgen Täter von Diversionsanschlägen, dass er Verräter werden kann, wenn dieser Riss nicht sorgfältig durch restlose Aufrichtigkeit gegenüber der Partei geheilt wird.

Zweitens müssen wir den trotzkistischen Elementen in Frankreich, in Spanien, und in anderen Ländern, und solche gibt es, sagen; die Erfahrung der russischen Revolution zeigt, dass der Trotzkismus ein Schädling der Arbeiterbewegung ist. Wir müssen sie warnen, dass sie mit ihren Köpfen heimzahlen werden, wenn sie nicht aus unserer Erfahrung lernen.

Und schließlich müssen wir der ganzen Welt, allen, die für den Frieden kämpfen, sagen: der Trotzkismus ist eine Waffe der Kriegsbrandstifter; wir müssen es mit lauter Stimme sagen, denn wir haben es erfahren, wir haben uns dazu durchgerungen, uns fiel es unerhört schwer, das einzugestehen, aber es ist eine historische Tatsache, und für die Wahrheit dieser Tatsache werden wir mit unseren Köpfen zahlen.

Das ist alles, was wir, was ich persönlich sagen möchte, damit die Verantwortung, die ich zu tragen habe, nicht nur eine physische Verantwortung bleibt, sondern wenigstens einen kleinen Nutzen bringt.

Wir, und ich mit eingeschlossen, können keinerlei Nachsicht verlangen, wir haben keinerlei Recht darauf, und ich sage nicht - hier gibt es gar keinen Stolz, was kann es hier schon für einen Stolz geben... ich will sagen, dass wir diese Nachsicht nicht brauchen. Das Leben in den nächsten Jahren, in den kommenden fünf, zehn Jahren, in denen sich das Schicksal der Welt entscheiden wird, hat nur in dem einen Fall Sinn, wenn die Menschen wenigstens an der simpelsten Arbeit des Lebens teilnehmen können. Das, was war, schließt dies aus. Und dann wäre Nachsicht nur unnötige Quälerei. Wir sind eine Gesellschaft, die ganz gut aufeinander eingespielt ist, und als Nikolai Iwanowitsch Muralow, der Trotzki am nächsten stehende Mann, von dem ich überzeugt war, dass er im Gefängnis umkommen wird, ohne ein einziges Wort zu sagen, - als er seine Aussagen machte und sie damit motivierte, dass er nicht mit dem Bewusstsein sterben möchte, dass sein Name zu einem Banner für jegliches konterrevolutionäre Pack werden kann, - so ist dies das tiefste Ergebnis dieses Prozesses.

Wir haben restlos begriffen, welchen historischen Kräften wir als Werkzeug dienten. Es ist sehr schlecht, dass wir das bei all unserer Geschultheit so spät begriffen haben, aber möge diese unsere Einsicht irgendjemandem nützlich sein.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN SOKOLNIKOW

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Sokolnikow.

SOKOLNIKOW: Ich will mein letztes Wort nicht benutzen, um irgendwelches Material der Voruntersuchung oder Schlussfolgerungen der Anklageschrift und des Staatsanwalts abzulehnen oder zu widerlegen. Ich habe meine Schuld und meine Verbrechen während der Voruntersuchung eingestanden, ich gestehe sie hier in vollem Umfang ein und habe dem nichts hinzuzufügen. Ich möchte nur das Gericht bitten, mir in dem Sinne zu glauben, dass ich nichts verborgen, dass ich nicht die halbe, sondern die ganze Wahrheit gesagt habe. Ich sage dies, weil in der gestrigen Rede des Staatsanwalts ein Hinweis darauf gemacht wurde, dass es solche Fälle gegeben habe, und deshalb halte ich mich für verpflichtet, das zu unterstreichen und gerade in dem Zusammenhang, von dem der Staatsanwalt sprach.

Er erwähnte, dass auf dem Prozess des vereinigten Zentrums die politische Plattform des trotzkistisch-sinowjewistischen Blocks von den Angeklagten verheimlicht wurde. Ich musste in meinen Aussagen diese Lücke ausfüllen. Ich hielt es nicht für möglich, auf diesem Gebiet irgendetwas zu verhehlen, und alles, was mir über die politische Plattform des Blocks bekannt war, habe ich während der Untersuchung mitgeteilt.

Wie war meine eigene Einstellung zu dieser Plattform, und wie wurde ich ein Kämpfer für sie, obwohl ich in meiner Vergangenheit während vieler langer Jahre als treues Parteimitglied wirkte? Um dies zu erklären, muss ich sagen, dass in meinen Reden in den Jahren 1925 und 1926 zweifellos bereits alle Hauptelemente des Programms der kapitalistischen Restauration enthalten waren. Damals wurden meine Äußerungen auf dem XIV. Parteitag vernichtend kritisiert, sie sind in der ganzen Partei auf Widerstand gestoßen. Dies brachte mich für eine gewisse Zeit zur Vernunft. Aber ich muss gestehen, dass ich diese Anschauungen, die ich damals äußerte, nicht völlig abstreifte, und im Jahre 1932 wurde ich rückfällig.

Ich kehrte völlig zu diesen alten Positionen zurück und begann aufs Neue den Kampf um sie. Welche Momente bestimmten diese Tatsache? Sie wurde dadurch bestimmt, dass zu dieser Zeit um das Jahr 1932 alle hauptsächlichen oppositionellen parteifeindlichen Grüppchen sich auf gemeinsame Positionen einigten. Das enge Bündnis der Sinowjewleute und Trotzkisten wurde auf der Grundlage des Programms der Rechten wiederhergestellt, und um das Jahr 1932/33 wurde der engste Kontakt mit den Rechten aufgenommen, obwohl sie damals dem Block formell nicht beitraten, sondern erst später. Und ich muss sagen, dass eben dies Ereignis für mich eine große Rolle spielte. Sowohl 1932 als auch 1933 und auch später im Jahre 1935 war der Umstand, dass die Rechten und das Zentrum der Rechten, die in entwickeltster Form am konsequentesten, vielleicht nicht am konsequentesten, aber konsequent die Positionen der kapitalistischen Restauration, die Orientierung auf das Kulakentum, den Kampf gegen die Industrialisierung, den Kampf gegen die Kollektivierung verteidigten, der Umstand, dass die Rechten den Kampf mit aufnahmen, dieser Umstand war von großer Bedeutung auch für mich.

Und später, im Jahre 1935 - ich habe darüber während der Voruntersuchung ausgesagt, auch hier muss das erwähnt werden - im Jahre 1935, als das Parallelzentrum daranging, seine Arbeit wieder aufzunehmen, war die Tatsache von größter Bedeutung, dass in diesem Augenblick die Rechten in der Person Tomskis, der von der ganzen zentralen Gruppe der Rechten dazu bevollmächtigt war, zum Eintritt in den Block sein Einverständnis erteilte. Das hat die Positionen des Blocks außerordentlich bedeutsam gefestigt, das eröffnete reale Kampfmöglichkeiten, und das gab dem Parallelzentrum den Antrieb. Das war auch im Besonderen für mich von Bedeutung.

Wie kam es aber, dass wir von diesem Programm, das bei all seiner Parteifeindlichkeit, bei all seinem völligen Gegensatz zum sozialistischen Programm, wie kam es, dass wir von diesem politischen Programm zu einer Praxis gelangten, die das Parallelzentrum dazu führte, das Parallelzentrum in die Lage des Führers eines Abenteurergrüppchens brachte, wie der Staatsanwalt gestern dies Grüppchen noch schonungsloser . gekennzeichnet hat? Gibt es hier einen Widerspruch zwischen dem Charakter des Programms, zwischen der Tatsache dieses politischen Programms, das immerhin das Programm einer politischen Organisation war, und den verbrecherischen niederträchtigen Formen der Betätigung, bei denen das Parallelzentrum landete? Ich denke, dass ich dies wenn auch in zwei Worten erklären muss. Die erste Erklärung besteht hier darin, dass allein der Charakter dieses Programms, allein der Charakter eines Programms der Wiederherstellung des Kapitalismus, das in einem sozialistischen Lande vorgeschlagen wird, nichts anderes bedeuten konnte als nackte Abenteurerpraxis.

Und das zweite Moment. Der Block, da er durch diese Einstellungen gebunden war, da er sich diese Ziele der kapitalistischen Restauration gestellt hatte, geriet nun in die Macht dessen, was als Logik des Kampfes bezeichnet wird. Dieser Satz wird vielfach angewandt, aber in dieser Form ist er natürlich allgemein. So war es also bei uns, das war nun unsere Logik des Kampfes, die mit eiserner Notwendigkeit die Mitglieder des Parallelzentrums fesselte und sie von Stufe zu Stufe hinabzerrte.

Ich denke, dass ich hier nicht von einzelnen Tatsachen zu sprechen brauche, die bereits während der Voruntersuchung, während der Gerichtsverhandlung besprochen worden sind und Ihnen, Bürger Richter, wohl bekannt sind. Ich denke, dass dies hier kurz für Sie, für das ganze Land, für all diejenigen, die vielleicht schwanken, die Verbrecher werden könnten, die den sowjetfeindlichen Kampf aufnehmen könnten, gekennzeichnet werden muss.

Es muss gesagt werden, dass wir mit parteifeindlichen Anschauungen anfingen und uns dann vor der Notwendigkeit fanden, gegen den Sozialismus zu kämpfen. Wir waren auf einer Position des Kampfes gegen unsere Partei gelandet und stellten uns den ganzen Volksmassen, die mit der Partei gingen, entgegen.

Unser Programm ist parteifeindlich und antisozialistisch. Deshalb entfaltete es sich unverzüglich und wurde ein volksfeindliches Programm. Was hier gestern der Staatsanwalt sprach, ist eben richtig. Dies Programm konnten wir niemandem außer den nächsten Mitgliedern unseres Zentrums mitteilen. Wir entschlossen uns nicht einmal, es in irgendeinem Dokument festzuhalten. Wir entschlossen uns nicht, es zu verbreiten, denn allein die Aufdeckung eines derartigen Programms hätte schon den Bankrott unseres Blocks bedeutet.

Unser Programm war volksfeindlich. Wir konnten uns nicht auf Massen stützen. Also war der nächste Schritt, dass wir - und einen solchen Versuch gab es - zu verschwörerischen Kampfmethoden übergehen mussten. Eine andere Waffe, außer der Verschwörung, hatten wir nicht in Händen. Keinerlei Möglichkeiten des Massenkampfes boten sich uns. Aber auch für eine Verschwörung reichten unsere eigenen Mittel nicht aus. Selbst für eine Verschwörung nicht.

Hätten wir damit rechnen können, dass unsere verbrecherischen Pläne und Programme von irgendwelchen Verschwörergrüppchen im Lande unterstützt werden würden, die innerhalb des Landes eine gewisse Gefahr für das Bestehen der Sowjetmacht, für das Bestehen des Sowjetsystems bilden könnten, so hätte sich vielleicht bei uns eine Verschwörertaktik entwickelt, - derartige Beispiele hat es schon gegeben. Aber auch für eine Verschwörung fanden wir keine genügenden Kräfte, und wir mussten außerhalb unserer Organisation und außerhalb unseres Landes Kräfte, Verbündete suchen. Wir mussten beliebige Verbündete suchen, die uns über den Weg liefen, und es liefen uns solche über den Weg, die die schlimmsten Feinde derjenigen waren, mit denen wir den Kampf aufgenommen hatten.

So gingen wir von der Verschwörung zu Abenteuern über und von diesen Abenteuern gelangten wir unmittelbar in die faschistische Wolfsgrube, weil wir die Verbündeten in einer faschistischen Organisation fanden, sie aber packten uns, und wir wurden zu ihrem Spielzeug.

So ist es konkret, wie man sich das vorstellen kann, wie wir uns das jetzt vorstellen, wie wir es jetzt begreifen, - ich denke, dass auch die anderen Teilnehmer des Parallelzentrums und der Organisation, dass wir alle jetzt diese Sache einheitlich beurteilen.

Wir bildeten uns ein, wir würden imstande sein, feindliche Kräfte auszunutzen, und in Wirklichkeit wurden wir zu einem völlig hilflosen, verächtlichen und niederträchtigen Spielzeug in ihren Händen. Aber ich muss sagen, dass, als ich im Sommer 1932 mein Einverständnis dazu erteilte, Mitglied des Reservezentrums zu werden, ich mir dies ganze Bild natürlich nicht vorstellen konnte... Ich weiß nicht, ob das im Moment von irgendwelchem Interesse, von irgendwelcher Bedeutung für das Gericht ist, aber es war Tatsache. Natürlich habe ich mir dies ganze Bild, wie es sich entwickeln wird, nicht vorstellen können; ich stellte mir nicht vor, was das Reservezentrum machen wird. Ich stellte mir auch nicht vor, dass unsere ganzen Kräfte so nichtig sein werden und dass diese absolute Nichtigkeit unserer Kräfte zur Ruhmlosigkeit, zu einem schmählichen Ende unserer Politik, zur Vernichtung und zum Sturz führen wird.

Natürlich glaube ich, dass niemand annimmt, dass ich während dieser Jahre des Kampfes nicht, sagen wir, manche Schwankungen durchgemacht, nicht mit innerem Riss, mit inneren Schwierigkeiten an diesem Kampfe teilgenommen habe. Das alles gab es, das war so. Aber ich muss sagen, dass natürlich solange dieser Kampf vor sich ging, sowohl ich als auch, glaube ich, andere Mitglieder des Zentrums von einem gewissen wahnwitzigen Hasard dieses Kampfes ergriffen waren und von Stufe zu Stufe glitten und meinten, dass wir sozusagen irgendwie Erfolg haben könnten...

Trotz dieser Schwankungen, obwohl in jedem von uns, in jedem Mitglied des Zentrums, in jedem Mitglied der Organisation, natürlich seine zweite Seele, ich meine das im guten Sinne dieses Wortes, verblieben war, sprach und sich meldete - das heißt die Seele, die in ihm durch seine frühere revolutionäre Arbeit vor seinem Sturz, seiner Verblendung und Erniedrigung erzogen wurde.

Bürger Richter, ich möchte noch sagen, dass ich, als ich verhaftet wurde und Kenntnis von den Materialien bekam, über die die Untersuchungsorgane in Bezug auf die Existenz des Parallelzentrums verfügten, begriff, dass dies die völlige Niederlage ist, d. h. dass die völlige Niederlage des Blocks eingetreten war. Aber das erste Moment, das mich veranlasste, Aussagen zu machen, meine Schuld einzugestehen, war gerade die Tatsache, dass ich begriffen hatte, dass dies der Abschluss der Tätigkeit des Blocks ist, dass die Versuche der Erhaltung irgendwelcher Überreste dieses Blocks usw. nur zu weiterer, noch schlimmerer Fäulnis führen können; dass das absolut sinnlos ist, und dass man den Mut haben muss, seine Niederlage einzugestehen und für das, was man getan hat, einzustehen, um natürlich nach Möglichkeit den angerichteten Schaden wieder gutzumachen.

Aber dazu kam ich im Verlauf der Voruntersuchung, um so mehr, als ich während der Untersuchung eine Reihe Materialien über die Tätigkeit der Organisation kennen lernte, über die ich als Mitglied des Zentrums aus Konspirationsgründen überhaupt keine eingehende Information hatte, genau so, wie auch alle anderen Mitglieder des Zentrums keine vollständige Information hatten. Und ich muss sagen, dass auch die einfachen Mitglieder des Blocks und sogar manche angesehene Peripheriemitglieder natürlich nicht alles wussten. Aber auch wir, die Mitglieder des Zentrums, wussten nicht alles. Wir waren aus Gründen der Konspiration voneinander losgelöst, getrennt. Und natürlich muss ich sagen: das, was mir die Voruntersuchung darüber zeigte, in was sich unsere Direktiven verwandelten (ich leugne nicht, wir sind für diese Direktiven verantwortlich), - was daraus entstand, welcher Schmutz, welche Gemeinheit, welche politische Korrumpiertheit... Ich kann nicht umhin, angesichts dieses Bildes, des Bildes unserer Verbrechen, zu schaudern. Und mit umso größerer Aufrichtigkeit, mit umso größerem Bestreben habe ich naturgemäß selbst zur völligen Aufdeckung der gesamten Tätigkeit unserer Organisation beigetragen, um ihr ein Ende zu bereiten.

Bürger Richter, ich werde mein letztes Wort nicht in die Länge ziehen. Es bleibt mir nur noch sehr wenig zu sagen übrig. Über die Rolle Trotzkis in der Arbeit der Organisation kann ich zu den Aussagen und Einschätzungen, die hier die Mitglieder des Zentrums Pjatakow und Radek gegeben haben, nichts mehr hinzufügen. Ich denke, diese Einschätzungen sind hinreichend offen gemacht worden, und ich teile sie völlig. Aber von mir aus kann ich hierbei nichts hinzufügen, weil ich nicht unmittelbar in Verbindung mit Trotzki stand, keinen unmittelbaren Kontakt mit ihm hatte und Informationen aus zweiter Hand erhielt.

Gestern hat der staatliche Ankläger, der Bürger Staatsanwalt, seine Rede damit geschlossen, dass wir alle, die wir als Angeklagte in diesem Saal sitzen, die Todesstrafe verdienen. Ich kann nicht gegen den Antrag des Staatsanwalts streiten, mir fehlt dafür jede Grundlage. Ein derartiger Antrag ist natürlich maximal begründet. Aber ich möchte sagen: ich denke, dass wir allein durch das Material der Anklageschrift, durch die Materialien der Voruntersuchung und sogar durch die gestrige Rede des Staatsanwalts politisch tot und bereits begraben sind.

Ich äußere meine Überzeugung oder auf jeden Fall die Hoffnung darauf, dass niemand im Sowjetlande seine Hand dazu hergeben wird, das trotzkistische Banner zu ergreifen. Ich denke, dass der Trotzkismus auch in anderen Ländern durch diesen Prozess entlarvt ist, dass Trotzki selbst als Verbündeter des Kapitalismus, als gemeinster Agent des Faschismus, als Brandstifter eines Weltkrieges entlarvt ist, den Millionen überall hassen und verfolgen werden.

Ich denke deshalb, dass der Trotzkismus, insofern er als konterrevolutionäre politische Kraft aufhört zu existieren, endgültig geschlagen ist, ich denke, dass sowohl ich als auch die anderen Angeklagten, alle Angeklagten, Sie, Bürger Richter, dennoch um Nachsicht bitten können. Ich sehe darin nichts Unmögliches oder Schändliches für mich oder andere Mitangeklagte des Prozesses. Natürlich trägt ein jeder von uns in dieser Sache seinen individuellen Anteil der Verantwortung. Ich zweifle nicht an der Gerechtigkeit und völligen Objektivität des Obersten Gerichtshofes der Union. Ich denke, dass alles, was an mildernden Umständen angerechnet werden kann, als solche Umstände, die Nachsicht zugunsten der anderen Mitangeklagten oder zu meinen Gunsten veranlassen könnten, - ich zweifle nicht, dass all dies vom Gericht erwogen werden wird. Deshalb werde ich meinerseits keinerlei Momente anführen, die nach meiner Auffassung für Nachsicht sprechen. Ich wiederhole, ich erwarte das gerechte Urteil des Obersten Gerichtshofes.

Aber wenn man nicht von der individuellen Verantwortung, sondern von der allgemeinen Verantwortung der Angeklagten spricht, so wiederhole ich, ich denke, die trotzkistische Organisation, der Trotzkismus ist tot, den Massen verhasst geworden, ist begraben und wird sich nicht mehr erheben können. Ich denke, dieser Umstand kann vom Gericht als ein Beweggrund zur Nachsicht betrachtet werden, und ich wiederhole, ich wende mich mit dieser Bitte um Nachsicht an das Gericht, und durch das Gericht an unser ganzes Volk, vor dem ich ein offenes Schuldbekenntnis ablege.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN SEREBRJAKOW

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Serebrjakow.

SEREBRJAKOW: Ich mache vom letzten Wort des Angeklagten nicht dazu Gebrauch, um mich zu verteidigen. Ich möchte hier sagen, dass ich die Berechtigung dessen, was der Bürger Staatsanwalt gestern über meine schweren Verbrechen gegen die Heimat, gegen das Sowjetland, gegen die Partei gesagt hat, voll und ganz anerkenne. Es ist schwer, zu erkennen, dass ich, der ich seit meiner Jugend der revolutionären Bewegung angehörte und zwei Jahrzehnte lang ein ehrliches und ergebenes Parteimitglied war, schließlich ein Volksfeind geworden bin und mich hier auf der Anklagebank befinde. Ich lege mir jedoch Rechenschaft darüber ab, dass das deshalb geschehen ist, weil ich seinerzeit, als ich einen politischen Fehler gemacht und im weiteren hartnäckig an ihm festgehalten habe, diesen Fehler verstärkte, der durch die unvermeidliche Logik des Schicksals in das allerschwerste Verbrechen ausgeartet ist. Für mich ist dies natürlich eine verspätete Frage. Es kann jedoch für alle eine Lehre sein, die noch nicht restlos erkannt haben, dass das Festhalten an ihren Fehlern beim Verbleiben in der Partei unvermeidlich dahin führt, wohin es mich geführt hat.

Ich habe in der Untersuchung und vor Gericht aufrichtige Aussagen gemacht, weil ich wirklich entschieden und endgültig mit dem konterrevolutionären Banditismus Trotzkis und des Trotzkismus gebrochen habe. Ich bitte daher das Gericht, an meine Aufrichtigkeit zu glauben, dies in seinem Beschluss zu berücksichtigen und zu beachten.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN BOGUSLAWSKI

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Boguslawski.

BOGUSLAWSKI: Auf dem Prozess hat sich ein widerliches Bild von Verbrechen, Verrat, Blut und Treubruch entrollt. In diesem Bild nehme ich einen bestimmten Platz ein, einen Platz, der in der Sprache des Strafgesetzbuches richtig durch die Artikel gekennzeichnet wird, die in der Anklageschrift angeführt werden, und der gestern - als Bestätigung nach der gerichtlichen Untersuchung - vom staatlichen Ankläger hervorgehoben wurde. Ich stehe heute vor Ihnen als Staatsverbrecher, Verräter, Treubrüchiger.

Ich kann nicht umhin, mir zum tausendsten Mal, diesmal aber vor Ihnen, Bürger Richter, und in Ihrer Person vor jener Klasse, die mich geboren hat, die mich erzogen hat, die Frage zu stellen, - wie ist es denn so geschehen? Das ist keine schablonenmäßige Frage. Sie muss beantwortet werden, und als ich sehr viele Male diese Frage überlegte, habe ich mir folgende Antwort gegeben.

Die Logik des Kampfes, das wäre wirklich allgemein und erklärt meiner Meinung nach sehr wenig. Die Logik des Kampfes muss ja nicht immer bis zu jenen ruchlosen Verbrechen führen, zu denen diese so genannte Logik in diesem Fall mich und die anderen Angeklagten gebracht hat.

Ich sehe einige Ursachen, die ich für nötig halte, hier, Ihnen, Bürger Richter, zu schildern.

Es hat ja, wie es auf den ersten Blick schien, mit einer harmlosen Lappalie angefangen. Im Jahre 1923 hat eine Gruppe von Trotzkisten, mit Trotzki an der Spitze, von denen ein Teil hier mit mir zusammen auf der Anklagebank sitzt, das so genannte Schreiben der 46 verfasst, in dem bereits alle Elemente dessen enthalten waren, zu dem wir gekommen sind. Ich erinnere mich an meine Gefühle - und ich glaube, nicht nur an meine -, als ich dieses Schreiben unterzeichnete. Vor mir waren Genossen, die Autorität hatten, Bolschewiki, die sehr verantwortungsvolle Posten in der Partei, im Staate einnahmen. Und ich vergaß das, was Lenin wiederholt die Partei lehrte, - dass man der Autorität, den Worten allein nicht Glauben schenken darf: er lehrte, dass man sich in allen strittigen Dokumenten gewissenhaft zurechtfinden muss, bevor man seine Meinung äußert. Dieses blinde Vertrauen in die so genannten Autoritäten sehe ich persönlich in meinem nicht nur tiefen, sondern auch endgültigen Fall.

Die zweite Ursache besteht wiederum darin, dass man eines der für den Parteiaufbau wichtigsten Vermächtnisse Lenin s vergisst, nämlich, dass man, wenn man einmal vom Weg abgewichen ist, wenn man sich einmal geirrt hat, auf seinen Fehlern nicht beharren und nicht bestehen darf, da dies, wie der Staatsanwalt gestern richtig erwähnt hat, dorthin führen kann und führt, wohin es auch uns geführt hat, in den faschistischen konterrevolutionären Sumpf.

Und schließlich die dritte Ursache. Ich halte es für notwendig, über diese noch einmal zu sprechen, obwohl ich darüber in meinen Aussagen hier vor Gericht bereits gesprochen habe. Das ist das System des Betrugs, das System des ständigen Betrugs, und ich muss sagen, dass der Betrug bei Trotzki und bei seinen nächsten Mitkämpfern nicht erst im Jahre 1934 und 1935 hervortritt, als sie die so genannten Direktiven verheimlichten. Wenn man diese ganze Kampfperiode analysiert, so sieht man, dass dieser Betrug sehr häufig angewandt wurde. Das muss ich dem Gericht sagen. Warum ich vom Betrug spreche, sage ich später. Ich muss dem Gericht sagen, dass es z. B. für viele von uns Trotzkisten, darunter auch für mich, die damals in Moskau waren und Trotzki und seinen nächsten Mitkämpfern ziemlich nahe standen, dass es für uns eine Überraschung war, dass der damals schon sowjetfeindliche Kampf am 7. November 1927 auf die Straße verlegt wurde. Sie haben das vor uns verheimlicht, und wir standen bereits vor der Tatsache der Demonstration, vor einer Tatsache, vor der Notwendigkeit, für diesen unsinnigen, für diesen verbrecherischen sowjetfeindlichen Schritt, für den ersten Versuch, den Kampf auf die Straße zu tragen, kämpfen zu müssen. Ich habe das deshalb erwähnt, um zu sagen, dass das kein Zufall ist. Das ist Methode, das ist System, und ich betone das heute noch einmal deshalb, weil ja Trotzki noch lebt, weil ja der giftige Stachel noch nicht herausgerissen wurde, weil Trotzki heute fortfährt, nicht nur seine Anhänger zu betrügen, sondern, weil er sich, zum Glück erfolglos, bemüht, auch Arbeiter zu betrügen. In unserem Lande gelingt ihm das nicht, doch kann ihm das in dem einen oder anderen Maße in anderen Ländern gelingen, und die Entlarvung dieses Betrugs ist außerordentlich notwendig. Und ich halte dieses System des Betrugs für eine der Ursachen eines so tiefen und eines so endgültigen Falls. Ich versichere Sie, Bürger Richter, dass ich das nicht deshalb sage, um mildernde Umstände für meine Schuld zu finden, Umstände, die meine persönliche Schuld mildern könnten, ich weiß nicht, wie sie zu suchen, wo sie zu finden wären, obwohl ich nicht verheimliche, dass ich sie finden möchte und obwohl ich möchte, dass Sie, Bürger Richter, mir helfen, sie zu finden. Ich möchte, dass Sie mir helfen, sie zu finden, nachdem Sie diese ganze Sache untersucht haben. Ich halte es jedoch nicht für möglich, Ihre Aufmerksamkeit nicht auf dieses System des Betrugs zu lenken, und jeden, der sich noch nicht von diesem Betrug überzeugt hat, davor zu warnen, dass dieses System verhängnisvoll ist, wie es auch für mich verhängnisvoll war.

Es ist selbstverständlich, dass nichts anderes gesagt werden kann, es sei denn, dass der Inspirator, Organisator dieser unserer ganzen verbrecherischen Tätigkeit Trotzki war und dass die Aufgabe seiner allseitigen und endgültigen Entlarvung die Hauptaufgabe ist, neben der Aufgabe, die konkreten Verbrecher, seine Mittäter bei uns im Lande zu finden.

Bürger Richter, wenn Sie an die Frage meiner Bestrafung herantreten, möchte ich Sie bitten, folgendes zu berücksichtigen: Ich bin kein junger Mensch mehr, mein sechstes Jahrzehnt ist herangebrochen und nicht alle diese Jahre sind mit verbrecherischem Inhalt gefüllt. Die Partei kannte mich als ergebenen Kämpfer, sowohl mit dem Gewehr in der Hand in Partisanen- und Rotgardistenabteilungen als auch an der Front des Sowjetaufbaus, an der Wirtschaftsfront.

Ich sage das nicht, um durch diese meine Arbeit irgendetwas für mich zu erflehen. Diese Arbeit ist vielfältig durch jene abscheulichen Verbrechen aufgewogen worden, die ich begangen habe, - ich sage das aus folgendem Grunde. Wenn ich mir die Frage stelle, ob ich wirklich ein abgefeimter und unverbesserlicher Verbrecher bin, so antworte ich mir darauf: nein, das kann nicht sein. Und das gibt mir das Recht, um Nachsicht, um Gnade zu bitten.

Wenn ich mir die Frage stelle, dass ich noch vor kurzem eine große und ehrliche Arbeit geleistet habe, so gibt mir das auch das Recht, um Nachsicht zu bitten.

Und wenn die Frage über das Ende steht, bitte ich Sie, Bürger Richter, um eines: mir die Möglichkeit zu geben, eines natürlichen Todes zu sterben und in den Jahren, die mir noch zu leben geblieben sind, die Möglichkeit zu geben, durch beliebige Arbeit an beliebigem Orte auch nur einigermaßen jene Verbrechen wieder gutzumachen, die ich dem Lande, der Arbeiterklasse gegenüber begangen habe.

Richtig war, was der staatliche Ankläger gestern sagte: unser Land ist stark, mächtig; durch unsere niederträchtigen Verbrechen konnten wir den siegreichen Fortgang der Revolution in unserem Lande nicht um ein Jota beeinflussen. Und in diesem Lichte, davon ausgehend, bitte ich Sie, mir die Möglichkeit zu geben, soweit meine Kräfte ausreichen, auch nur einigermaßen alle meine Verbrechen wieder gutzumachen, meine Verbrechen zu sühnen. Aus diesem Grunde bitte ich, Nachsicht zu üben. Aus diesem Grunde bitte ich, mein Leben zu erhalten.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN DROBNIS

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Drobnis.

DROBNIS: Gestern hat der staatliche Ankläger mit erschöpfender Vollständigkeit die Einschätzung aller meiner schweren Verbrechen gegeben. Und ich, als Arbeiter, Schuhmacher, der ich mit 15 Jahren aktiver Revolutionär, Parteimitglied wurde, 6 Jahre im zaristischen Gefängnis zubrachte, 3 Erschießungen entronnen bin, befinde mich als schwerer Verbrecher, als Verräter an meinem Vaterland auf der Anklagebank.

Erzogen und großgezogen durch meine Arbeiterklasse, wandte ich mich gegen diese Klasse als ihr schlimmster Feind und Verräter. Ich häufte Verbrechen auf Verbrechen und bahnte Trotzki den Weg, der das sozialistische Land, die Arbeiterklasse verriet und en gros und en detail verkaufte, indem er den blutigen Krieg forcierte.

All das geschah deshalb, weil ich lange Jahre hindurch in der stickigen, stinkenden, verpesteten trotzkistischen Illegalität lebte. Ich atmete diese vergiftete Luft ein und selbst dann, als ich z. B. nach Mittelasien fuhr, und einer aktiven Tätigkeit auswich, fehlten mir die nötige Festigkeit und der Wille zum endgültigen Bruch. Auf den ersten Ruf des Reservezentrums begebe ich mich als Verstärkung nach Westsibirien, um ekelhafte, abscheuliche Verbrechen zu begehen, ohne mir klar Rechenschaft darüber abzulegen, wofür das geschieht.

In meiner Verblendung beging ich diese Abscheulichkeiten und Gemeinheiten auf dem Bau, auf dem ich arbeitete. Ich sah den Enthusiasmus und die Ergebenheit der Arbeiter, das zog mich an, eine finstere Macht stieß mich aber zurück.

Die Verhaftung und das Gefängnis waren für mich das Fegefeuer, das mir die Möglichkeit gab, diese ganze Abscheulichkeit aus mir auszufegen, herauszureißen. Ich tat das mit aller Entschiedenheit, Festigkeit und Konsequenz.

Der staatliche Ankläger hat gestern berechtigterweise Zweifel geäußert. Ich bitte mir zu glauben, dass ich mich gereinigt und aus allen Winkeln meines Bewusstseins diesen faulen, stinkenden Trotzkismus herausgefegt habe, dass ich mit ihm schonungslos fertig geworden bin. Die Untersuchungsbehörden können bestätigen, dass ich mitunter in dieser Hinsicht gedrängt habe, dass ich mir keine Atempause gönnte, um endgültig, unwiderruflich und für immer damit Schluss zu machen.

Ich bin 46 Jahre alt. Kurz vor meiner Verhaftung waren es 30 Jahre meiner Parteizugehörigkeit. Ich bin ein verworfener, verdammter Sohn der werktätigen Massen geworden. Das Gericht wird das Urteil über mich fällen. Wie streng es auch ausfallen möge, ich werde es als verdient und gerecht entgegennehmen. Wenn Sie aber, Bürger Richter, auch nur die geringste Möglichkeit finden, mich nicht eines schmachvollen Todes sterben zu lassen und mich nach den schwersten Prüfungen in die Reihen der Klasse zurückkehren lassen, aus der ich hervorgegangen bin, so werde ich es für meine große und heilige Pflicht halten, diese Gabe des werktätigen Volkes voll und ganz zu rechtfertigen und ihm bis an mein Ende zu dienen.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN MURALOW

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Muralow.

MURALOW: Ich habe auf einen Verteidiger verzichtet, ich habe auf eine Verteidigung verzichtet, weil ich gewöhnt bin, mich mit tauglicher Waffe zu verteidigen und anzugreifen. Ich habe keine taugliche Waffe, um mich zu verteidigen.

Gestern hat der staatliche Ankläger an unserer Aufrichtigkeit, an der Aufrichtigkeit unserer Aussagen gezweifelt. Ich habe das auch auf mich bezogen, weil der Zweifel gegenüber Verbrechern natürlich vollkommen berechtigt ist. Ich versichere jedoch dem Gericht, dass ich weder in der Untersuchung noch hier vor Gericht in meinen Aussagen etwas verheimlicht habe, dass ich erschöpfende Auskunft über meine verbrecherische Tätigkeit und eine entsprechende Einschätzung derselben gegeben habe. Ich habe schon erwähnt, wie ich zu diesem Schluss gekommen bin. Ich habe lange mit mir gekämpft. Ich habe mich an die Worte der großen Führer des Marxismus, an einen Ausspruch des weisesten Menschen des Altertums erinnert, der Hunderte von Jahren vor unserer Zeit lebte und gesagt hat: - „Jeder Mensch kann sich irren, ein Dummkopf ist jedoch der, der seine Fehler nicht erkennt.“ Ich füge hinzu „und seine Verbrechen“. Ich wollte kein Dummkopf bleiben, ich wollte kein Verbrecher bleiben, denn falls ich geleugnet hätte, wäre ich das Banner für die konterrevolutionären Elemente, die leider auf dem Territorium der Sowjetrepublik noch vorhanden sind. Ich wollte nicht die Wurzel sein, aus der giftige Sprösslinge emporschießen. Ich wollte nicht der Samen sein, aus dem nicht der segenreiche Weizen, sondern das giftige Unkraut emporwächst. Und das alte bolschewistische Schrot und Korn haben mich gezwungen, alle meine Verbrechen zu gestehen, und das ist der Grund, warum ich nichts verheimlicht habe und nichts verheimliche. Es wäre meiner unwürdig, wollte ich irgendjemand beschuldigen, dass er mich in die trotzkistische Organisation hineingezogen hat. Obwohl ich aus einer armen, werktätigen Familie stamme und mich durch eigene Arbeit sowohl zur Bildung als auch zu meiner Stellung durchgeschlagen habe, war ich, als ich im Jahre 1899 in die Arbeiterzirkel und im Jahre 1905 in die Partei eintrat, sowie in meiner ganzen darauf folgenden Tätigkeit, ein bewusster, entwickelter, gebildeter Mensch und umso mehr zu dem Zeitpunkt, als der Trotzkismus begann. Dessen darf ich niemanden beschuldigen, daran bin ich selbst schuld. Das ist meine Schuld, das ist mein Unglück.

Mehr als zehn Jahre lang war ich der treue Soldat Trotzkis, dieses Verbrechers der Arbeiterbewegung, dieses verabscheuungswürdigen Agenten der Faschisten, dieses Feindes der Arbeiterklasse und der Sowjetunion. Aber ich war über zwei Jahrzehnte lang ein treuer Soldat der bolschewistischen Partei. Diese Umstände haben mich gezwungen, sowohl in der Untersuchung als auch vor Gericht alles ehrlich zu sagen und zu erzählen. Das sind keine leeren Worte von mir, weil ich gewohnt war, in früherer Zeit, in der besten Zeit meines Lebens treu zu sein, ein treuer Soldat der Revolution, ein Freund der Arbeiterklasse zu sein. Und diese meine aufrichtigen Aussagen bitte ich zu berücksichtigen, wenn dieses oder jenes Urteil über mich gefällt wird.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN NORKIN

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Norkin.

NORKIN: In der Untersuchung habe ich über alle meine Verbrechen ausgesagt, ohne etwas zu verheimlichen. Ich empfinde vollkommene Reue. Alle meine Aussagen sind vollkommen aufrichtig und genau. Das genügt, damit das Gericht nach Untersuchung aller Einzelheiten und Umstände die notwendige Entscheidung treffen kann. Wenn das Gericht irgendwelche Umstände findet, die dazu ausreichen, um seine Einschätzung zu mildern und mein Leben zu schonen, so erkläre ich, dass ich mit größtem Eifer Kräfte sammeln werde, in der Hoffnung, meine Kräfte für den Kampf gegen den Faschismus herzugeben. Für den Fall, dass eine andere Entscheidung getroffen wird, für den Fall, dass dieses mein Wort vor Gericht die letzte Handlung meines Lebens ist, möchte ich es dazu benützen, um Trotzki die in mir brodelnde Verachtung und meinen Hass auszusprechen. Dieser Hass ist groß genug, dass Trotzki ihn freigebig mit seinen Partnern und wirklichen Herren, den faschistischen Generalstäben und Spionagediensten, teilen kann.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN SCHESTOW

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Schestow.

SCHESTOW: Bürger Richter, 13 Jahre lang war ich Mitglied der konterrevolutionären, trotzkistischen, terroristischen und faschistischen Unterwühlungsorganisation. Die letzten fünf Jahre habe ich die Ermordung der Führer des werktätigen Volkes, der Führer der Arbeiterklasse und der Unterdrückten der ganzen kapitalistischen Welt aktiv vorbereitet und zu begehen versucht. Die letzten fünf Jahre habe ich aktiv in den Kohlengruben und Bergwerken des Kusnetzkreviers Zerstörungs- und Unterwühlungsarbeit geleistet. Die letzten fünf Jahre war ich ein Verräter, ein Agent des reaktionärsten Trupps der Weltbourgeoisie, ein Agent des deutschen Faschismus.

Was hat mich, den ehemaligen Arbeiter, den Sohn einer werktätigen Familie, veranlasst, in einer Organisation von Mördern, in einer Organisation von Verrätern am sozialistischen Vaterland zu sein? Ich verhehle nicht, dass ich vom Jahre 1923 an, Schritt für Schritt, Stufe für Stufe immer höher und höher stieg und mich Trotzki, dem Organisator der faschistischen Agentur, seinen nächsten Führern, Sedow, Smirnow, Pjatakow näherte. Meine Bekanntschaft mit ihnen, meine Annäherung an sie, insbesondere meine letzte Zusammenkunft im Jahre 1931, und ihre Aufmerksamkeit mir gegenüber schmeichelten mir, und ich gab mich vollständig der trotzkistischen terroristischen und Spionagetätigkeit hin. Im Jahre 1923 habe ich die Arbeiterklasse zum ersten Mal verraten. Im Jahre 1923 begann ich zum ersten Mal den Kampf gegen die Partei, an deren Spitze Stalin steht, der mit kräftigen, zähen Händen das Banner von Marx, Engels und Lenin hochhält und trägt. Ich habe in diesem Kampfe alle abscheulichen, alle schmutzigen, alle Unterwühlungsmethoden angewandt. So stehe ich hier, vor Ihnen, so wie ich bin. Ich habe alles erzählt, was mich auf die Anklagebank gebracht hat. Ich habe nicht am ersten Tag meiner Verhaftung kapituliert. Ich habe im Verlaufe von fünf Wochen geleugnet, fünf Wochen wurde mir eine Tatsache nach der anderen, wurden mir die Photographien meiner niederträchtigen Arbeit vorgelegt, und als ich Rückschau hielt, war ich selbst über das, was ich angestellt hatte, entsetzt.

Ein Teilchen des Arbeitergewissens, das noch nicht abgetötet war und das ich bewahrt hatte, des Gewissens des werktätigen Volkes, hat mich gezwungen, die Wahrheit zu sagen, und ich habe beschlossen, wie der verlorene Sohn zu den Klassenbrüdern zu gehen und alles was ich wusste, alles was ich getan habe, zu erzählen. Dort, in Sibirien, in der Verwaltung des Volkskommissariats für Inneres, in der Voruntersuchung, in der Zelle Nr. 23, habe ich häufig wie ein Espenblatt angesichts meiner Verbrechen gezittert, und das gab mir hier die Ruhe, mit der ich Ihnen von meiner verbrecherischen Tätigkeit erzählte. Ich wusste, was ich tat. Ich wusste, wohin ich gehe und ich wusste, was meiner harrt, wenn die Organisation, die ich leitete, auffliegt. Ich bitte nicht um Schonung. Ich brauche keine Nachsicht. Das proletarische Gericht soll und kann mein Leben nicht schonen. Hier vor Ihnen, im Angesicht des ganzen werktätigen Volkes, im Angesicht der durch den Kapitalismus Unterdrückten der ganzen Welt, habe ich nach Maßgabe meiner Fähigkeiten die Ideologie zerschossen, in deren Bann ich mich 13 Jahre lang befand. Und jetzt möchte ich eines: mit derselben Ruhe den Richtplatz betreten und mit meinem Blut den Schandfleck des Vaterlandsverräters abwaschen.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN STROILOW

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Stroilow.

STROILOW: Durch meine persönlichen Geständnisse sowie durch die erschöpfende Analyse, die der staatliche Ankläger in seiner Rede gegeben hat, sind meine Verbrechen und die ganze Schwere meiner Schuld, für die es keine Rechtfertigung gibt, voll und ganz dargestellt und bewiesen. Nachdem ich in der ersten Zeit in kleinen Dingen Vaterlandsverrat begangen hatte, sank ich immer tiefer und wurde ein Agent des deutschen Spionagedienstes, führte dessen niederträchtige Aufträge aus. Gleichzeitig wurde ich, der ich niemals in der Partei war, niemals Trotzkist war, auch ein Agent der Trotzkisten, deren Aufträge sich von den Aufträgen des deutschen Spionagedienstes nicht unterschieden, sie häufig sogar übertrafen.

Obwohl meine ganze verbrecherische Tätigkeit die Folge dieses doppelten, auf mir lastenden Druckes war, kann ich das Maß meiner Verbrechen und die Schwere meiner Schuld, die dem Lande gegenüber sehr groß ist, in keinem Maße verringern. Sie wird noch dadurch vergrößert und verstärkt, dass Partei und Regierung sich sehr gut zu mir verhielten. Das kam sowohl in der gesellschaftlichen Stellung zum Ausdruck, als auch in der Stimulierung und in der Verleihung einer Reihe von Auszeichnungen.

Das kam darin zum Ausdruck, dass ich auf den für einen parteilosen Ingenieur verantwortlichsten Posten gestellt wurde, den es im Lande gibt. Mir sind so günstige materielle Lebensbedingungen geschaffen worden, dass damit der Begriff vom wohlhabenden Leben, selbst im buchstäblichen Sinne genommen, vielfach übertroffen wurde. Ich habe aber versucht, Anfang 1934 meine verbrecherischen Verbindungen mit dem Spionagedienst eines feindlichen Staates abzubrechen, und bin dabei auf den heftigen Widerstand des sibirischen Zentrums der trotzkistischen Organisation gestoßen, das mir vorschrieb, die gemeinsame Arbeit fortzusetzen.

Es war mir damals unverständlich, woher diese Verwandtschaft des deutschen Geheimdienstes mit den Trotzkisten kommt, da mir weder die so genannte Plattform noch die so genannte politische Aufgabe bekannt war, die sich das Parallelzentrum gestellt hat.

Jetzt vor Gericht ist es mir verständlich geworden, dass sie verwandte Leute sind, verwandt durch ihre Arbeitsmethoden, dadurch, dass sie beschlossen haben, das Territorium der Sowjetunion zu verschachern.

Ich versuchte als Amtsperson und auch als Mensch, der das Anwachsen der Schädlingsarbeit in ihren krassen Erscheinungsformen sah, in einer Reihe von Fällen organisatorische und technische Produktionsmaßnahmen durchzuführen, die für die Arbeit nützlich wären. Und hierbei stieß ich wiederum auf das Antreiben der Vertreter der trotzkistischen Organisation, die mir Liberalismus, Intelligenzlertum usw. vorwarfen, und ich fuhr fort, diese Arbeit zu leisten. Und während ich mit dem deutschen Geheimdienst und mit dem ausländischen Staat überhaupt seit der zweiten Hälfte 1935 jede Verbindung abbrach, wirkte sich der Druck der Trotzkisten weiter aus. Dieser Zwiespalt begleitete mich die ganze Zeit. Einerseits führte ich die Aufträge aus, die aus dem trotzkistisch-sinowjewistischen Zentrum stammten, andererseits fühlte ich, der ich das herrliche Verhalten der Öffentlichkeit, der Partei und der Regierung mir gegenüber sah, dass diese Schädlingsarbeit dem schaffenden Geist, der mir als Ingenieur verständlich war, zuwiderläuft. Ich konnte nicht umhin, eine Reihe von Maßnahmen durchzuführen, die über den Rahmen meiner Stelle als Chefingenieur des Trusts hinausgingen. Ich habe eine Reihe von technischen Werken herausgegeben, die in der Sowjetunion zum ersten Mal erschienen. Ich habe eine Reihe von Erfindungen vorgelegt, von denen ein Teil nicht nur im Kusnetzkrevier im Massenumfange Anwendung gefunden hat, sondern allmählich auch in anderen Trusts des Steinkohlenbergbaus Eingang findet, wodurch das Leben der Arbeiter geschützt wird und große wirtschaftliche und technische Vorteile erzielt werden.

Ende Februar 1936 hatte ich mich fest entschlossen, das Kusnetzkrevier vollständig zu verlassen und abzureisen. Als ich aber hierüber auf dienstlichem Wege sprach, stieß ich sowohl in Nowosibirsk als auch in Moskau auf Einwände und war gezwungen, wiederum dort im Kusnetzkrevier zu bleiben und die verbrecherischen Verbindungen mit den Trotzkisten weiter zu ertragen.

Ich werde nicht alle meine Verbrechen auf dem Gebiet der Schädlingsarbeit aufzählen. Sie sind groß und umfangreich, sowohl in der Voruntersuchung als auch vom Staatsanwalt wurden sie mir vorgerechnet und summiert. Ich sehe in dieser Summierung das ungeheure Fazit meiner Verbrechen, ich sehe die riesige Rechnung, die das Sowjetland mir präsentiert.

Ich bitte jedoch das Gericht, wenn es das Urteil über mich fällt, zu berücksichtigen, dass ich meiner Klassenherkunft nach aus einer kleinbäuerlichen Familie stamme, dass ich erst seit 1921 in der Praxis stehe, d. h. keine Praxis in der kapitalistischen Gesellschaft hatte, dass ich meiner Natur nach dem Proletariat nicht fremd und der Sowjetmacht absolut nicht feindlich gesinnt bin.

Wenn ich so tief gefallen bin, dass ich das Vaterland verraten habe, so fand dieser Fall nicht in der Heimat, sondern im Ausland statt, als Ergebnis eines ganzen Netzes von Provokationen, Verfolgungen durch Späher, sowie von Verbindungen mit den Trotzkisten, die ausschließlich durch Erpressung und Betrug ihrerseits zustande kamen.

Ebenso bitte ich das Gericht, den Umstand zu berücksichtigen, dass ich niemals das Geringste mit terroristischer Tätigkeit zu tun hatte. Ja, ich wusste nicht einmal etwas von den Terroranschlägen und ihrer Vorbereitung. Doch ist meine Schuld, sind meine Verbrechen riesengroß. Ich bekenne mich vollständig aufrichtig ihrer restlos schuldig.

Ich bitte das Gericht um Nachsicht mir gegenüber, ich bitte das Gericht, mich zu schonen, mir das Leben zu erhalten. Ich habe Erfahrung und ich werde alles tun, werde meine Kenntnisse und meine Erfahrung aufbieten, um durch produktive Arbeit, durch schöpferische Arbeit zumindest teilweise meine überaus große Schuld gegenüber dem proletarischen Staat wieder gutzumachen.

Ich bitte, der Aufrichtigkeit dieser meiner Erklärung zu glauben, und bitte, das Gericht möge mir damit auch die Möglichkeit geben, von neuem in die werktätige Familie der Sowjetvölker zurückzukehren.

 

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird bis 6 Uhr abends unterbrochen.

 

(Unterschrift)

Der Vorsitzende:
Vorsitzender des Militärkollegiums des
Obersten Gerichtshofes der UdSSR
Armee-Militärjurist W. Ulrich

Der Sekretär:
Militärjurist I. Ranges A. Kostjuschko

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