PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE
DES SOWJETFEINDLICHEN
TROTZKISTISCHEN ZENTRUMS

ABENDSITZUNG VOM 29. JANUAR 1937

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN ARNOLD

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint. Bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Arnold.

ARNOLD: Bürger Richter! Ich erhielt von Kindesalter an als Erbschaft des zaristischen Rußland das schmachvolle Brandmal eines „unehelichen“ Kindes. Ich passte mich dem Leben an, das so durcheinander ging; und kann dafür nur das zaristische Rußland, die kapitalistische Gesellschaft anklagen, der ich mich anzupassen suchte. Und so kam es schließlich, dass ich, als Arbeiter, dessen Eltern Arbeiter sind, mich plötzlich in den Reihen der Trotzkisten befand.

Ich habe bereits vor Gericht davon gesprochen und betone noch einmal, dass ich, der ich eine schwache, geringe politische Entwicklung, hatte, nicht imstande war, mich in den komplizierten Fragen der Politik zurechtzufinden, und schließlich unter den Einfluss solch starker Trotzkisten geriet, Mitglied ihrer Organisation wurde. Ich nahm an den Verbrechen gegen die größten Männer, die Führer der Partei und der Regierung teil, erhob die Hand gegen sie. Und ich bin sehr froh, dass mir das nicht gelungen ist. Ich habe mein abscheuliches Verbrechen eingesehen und bin sofort aus Prokopjewsk abgereist. Ich war bemüht, meine abscheuliche Tat durch Arbeit wieder gutzumachen.

In der Voruntersuchung und hier vor Gericht habe ich alles gestanden, so dass ich keinen Schmutz mehr in mir herumtrage. Ich habe meinen Lebenslauf nie so rein empfunden wie jetzt, nachdem ich von alldem erzählt habe, was mit mir los war. Bürger Richter, ich bin noch kein ganz verlorener Mensch. Ich kann noch arbeiten und noch der Gesellschaft, aus der ich selbst hervorgegangen bin, nützlich sein. Obwohl ich ein großes Verbrechen begangen habe, obwohl der Staatsanwalt das höchste Strafmaß für mich fordert, bitte ich, mir dennoch das Leben zu erhalten, und werde mich bemühen, das nicht durch Worte, sondern durch Taten zu rechtfertigen.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN LIWSCHITZ

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dein Angeklagten Liwschitz.

LIWSCHITZ: Bürger Richter! Die Anklage, die vom staatlichen Ankläger gegen mich erhoben wurde, wird noch dadurch verschärft, dass ich aus der Arbeitermasse von der Partei zur Leitung des Staates, zum Stellvertretenden Volkskommissar für Verkehrswesen emporgehoben wurde. Ich genoss das Vertrauen der Partei, ich genoss das Vertrauen von Kaganowitsch, dem Kampfgefährten Stalins. Ich habe dieses Vertrauen im konterrevolutionären trotzkistischen Sumpf zertreten und bin den Weg des Verrats und des Vaterlandsverrats gegangen.

Wie ist das gekommen? Wie bin ich in den konterrevolutionären Sumpf geraten? Ich begann damit, dass ich mit der Partei in der wichtigsten Frage, in der entscheidenden Frage unserer proletarischen Revolution, in der Frage der Errichtung des Sozialismus in unserem Lande, nicht einverstanden war und Trotzki unterstützte, und kam durch die Logik des Kampfes, Schritt für Schritt, von der fraktionellen Arbeit zur illegalen Arbeit, von der illegalen Arbeit zur Schädlingsarbeit, zur Diversion und zum Vaterlandsverrat. Ich kann nicht annehmen, ich kann mich nicht darauf berufen, dass ich nicht das ganze Programm Trotzkis und des Zentrums gekannt habe, obwohl ich in Wirklichkeit nicht das ganze Programm, das hier in diesem Prozess enthüllt wurde, gekannt habe. Die Tatsache bleibt eine Tatsache, dass Trotzki der Organisator, der Inspirator einer Wiederherstellung des Kapitalismus in unserem Lande ist. Trotzki bereitet, Hand in Hand mit den abgefeimtesten, mit den finstersten Kräften des Faschismus den Krieg und die Niederlage der UdSSR in diesem Kriege vor, ich aber habe ihm bei dieser niederträchtigen verräterischen Arbeit geholfen. So bin ich bis zum äußersten gelangt. Der letzte Bilanzstrich wird in diesem Prozess gezogen.

Bürger Richter, ich bitte, bei der Durchsicht des ganzen Anklage- und Untersuchungsmaterials zu berücksichtigen, dass ich 40 Jahre alt bin. Mein Leben ist nicht nur mit Verbrechen ausgefüllt. Ich war der Partei, der Arbeiterklasse und der Revolution jahrelang ergeben, ich habe ehrlich und ergeben gearbeitet, ich halte mich nicht für endgültig verloren, ich halte mich noch für fähig, der Arbeiterklasse und der Revolution ehrlich zu dienen. Das gibt mir das Recht, das proletarische Gericht, das Sowjetgericht zu bitten, mir das Leben zu erhalten, mir die Möglichkeit zu geben, durch ehrliche Arbeit zumindest einen Teil meiner ungeheuerlichen Verbrechen zu sühnen. Um diese Gnade bitte ich das proletarische Gericht.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN KNJASEW

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Knjasew.

KNJASEW: Gestern hörte ich die Rede des staatlichen Anklägers mit außerordentlicher Aufmerksamkeit und Spannung an.

Obwohl sie hart war, muss ich, ehrlich gesprochen, offen und mutig sagen, dass es gerecht war, wie der Bürger Ankläger meine Verbrechen gegenüber der Partei und dem Vaterland gekennzeichnet hat. Ich kann hier nur das eine sagen, dass ich mit keinem meiner Schritte, dass ich keinen einzigen Augenblick meiner 2½jährigen verbrecherischen Arbeit in der trotzkistischen Organisation, in der Verbindung mit den Japanern, persönliche Ziele und persönliche Interessen verfolgt habe. In dieser Hinsicht ist mein Gewissen rein. Ja, ich sage sogar mehr als der staatliche Ankläger. Ich habe an der Vorbereitung des Krieges gearbeitet. Einfach gesagt, an seiner Beschleunigung, um dem Schurken Trotzki den Weg zu ebnen, um seinem Machtantritt den Weg zu bahnen. Während der 2½ Jahre habe ich viele schwere Augenblicke erlebt, davon aber, was ich vor Gericht hörte, wie unser Zentrum mit dem Territorium der Sowjetunion en gros und en detail Schacher trieb, sind mir trotz all dem vielen Schweren, das ich erlebt habe, ich sage es offen, die Haare zu Berge gestiegen.

Ich bin kein Politiker, das stimmt, ich bin aber auch kein politischer Analphabet. Ich verstehe sehr gut, was es heißt, die Ukraine herzugeben, was es heißt, das „Primorje“- und das „Priamurje“-Gebiet herzugeben. Es hat nur noch gefehlt, eines hinzuzufügen, und das ging offenkundig aus der weiteren Konzeption hervor, wie ich aus allen Anklagen verstand, - noch das Erdöl von Baku und Grosny sowie die Eisenbahnen herzugeben, dann wäre Rußland eine erstklassige Kolonie des deutschen Faschismus gewesen.

Ich verstehe sehr gut, dass sich die politische Macht eines beliebigen Staates vor allem auf seine ökonomische Basis stützt, Und wer konnte so handeln, außer einem abgefeimten Menschen, der sich zu diesem Handel en gros und en detail verstiegen hat, der sich in einen erstklassigen Faschisten verwandelt hat?

Wenn jemand von uns, die wir an der Peripherie arbeiteten und dem Zentrum glaubten, das erfahren hätten - hier ist kein Platz für tragische Worte -, ich erkläre geradeheraus, dass die Realpolitiker bald ohne Bart geblieben wären. Sicherlich wären wir zusammen in das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten gegangen. Jetzt aber hat man uns geholt.

Ich erkläre aufrichtig, dass ich an diesem verbrecherischen Schacher mit dem Staat keinen Anteil habe, und erkläre, dass Liwschitz mir niemals etwas darüber gesagt hat.

Ich möchte noch über die Katastrophen im Eisenbahnverkehr sprechen.

Der staatliche Ankläger hat vollkommen richtig gesagt, dass die ganze Stärke unserer Unterwühlungs-, Schädlings- und Diversionstätigkeit sich auf Eisenbahnkatastrophen konzentrierte. Es fragt sich warum? Die Katastrophen und Havarien im Eisenbahnwesen sind die Stelle, wo die Schädlinge, Diversanten und Klassenfeinde ungestraft ihre Arbeit durchführen können, ohne entdeckt zu werden.

Das geschieht deshalb, weil trotz der riesigen Aufbauarbeit und der schöpferischen Arbeit, die Kaganowitsch in den etwas mehr als anderthalb Jahren seiner Arbeit im Verkehrswesen durchgeführt hat, im Bewusstsein einer Reihe von Mitarbeitern und einer großen Anzahl von Fachleuten die Auffassung noch nicht überwunden worden ist, dass man im Verkehrswesen ohne Katastrophen und Havarien nicht arbeiten kann, dass Katastrophen und Havarien eine unvermeidliche Folge oder die unvermeidliche Begleiterscheinung des komplizierten Produktionsprozesses im Eisenbahnwesen seien. Gerade in dieser, wie ich sagen möchte, Überzeugung, sowie in der psychologischen Herrschaft dieser Theorie, die noch existiert, die, ich wiederhole es, nicht vollständig überwunden ist, finden die Feinde einen Schlupfwinkel. Auch wir haben auf diesem Gebiet unsere Schädlingsarbeit gefunden.

Bürger Richter! Mein Lebenslauf ist unzertrennlich mit unserer ganzen Revolution verbunden. Ich bin zu hohen Posten als Leiter verantwortungsvoller Bahnen emporgestiegen und war zweimal im Grunde genommen der technische Leiter der verantwortlichsten Verwaltung des Verkehrswesens, der Betriebsverwaltung. Schon zu Zeiten Felix Edmundowitsch Dzierzynskis, der mich in seiner unmittelbaren Nähe hielt, arbeitete ich mit ihm zusammen im Verkehrswesen. In seinem Auftrag schloss ich als erster ein Abkommen über den internationalen Verkehr mit auswärtigen Staaten ab.

Zu hohen Posten aufgestiegen, genoss ich das höchste Vertrauen sowohl der Partei als auch der Regierung und L. M. Kaganowitschs. Ich muss aufrichtig sagen, dass ich in diesen anderthalb Jahren, als ich wiederholt mit Lazar Moissejewitsch unter vier Augen zusammenkam, und als wir viele Unterredungen hatten, stets bei diesen Gesprächen einen ungeheuren Schmerz empfand, wenn Lazar Moissejewitsch mir sagte: „Ich kenne dich als Eisenbahner, der den Verkehr sowohl theoretisch als auch praktisch kennt. Warum fühle ich bei dir nicht jenen Elan, den ich von dir zu verlangen berechtigt bin?“ Dieser Elan befand sich im Banne meiner verbrecherischen Arbeit und es kostete mich, ich wiederhole es, unmenschliche Anstrengung, um diese Gespräche auszuhalten. Aber der Mut reichte mir nicht, wie ich gestehen muss.

In diesem Prozess, sowohl in der Voruntersuchung wie auch hier vor Gericht, bemühte ich mich, alles aufrichtig und restlos, ohne jede Nötigung, vom ersten Tag, an dem die Untersuchung einsetzte, einzugestehen. Und ich habe das Gefühl, dass ich das bis zum Ende meines Prozesses durchgehalten habe, denn der staatliche Ankläger konnte bei aller Strenge der Einschätzung meiner Verbrechen sich nicht der Anerkennung verschließen, dass meine Aussagen durch Gewissenhaftigkeit gekennzeichnet sind. Ich ersuche die Bürger Richter, diese meine Aufrichtigkeit zu berücksichtigen.

Ich ersuche bei der Entscheidung über mein Schicksal auch meine Erklärung zu berücksichtigen, die ich vor Beginn der Untersuchung abgegeben habe und in der ich schreibe, dass ich, wenn mein Leben erhalten bleibt, bemüht sein werde, mit allen Kräften alle meine Verbrechen mit meinen Kenntnissen und mit Ergebenheit .zu sühnen, und ich bestätige noch einmal, dass ich sie sühnen werde.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN TUROK

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Turok.

TUROK: Bürger Richter! Den trotzkistischen Weg habe ich im Jahre 1931 betreten und bin von diesem Weg ganz logisch bereits im Jahre 1934, als ich im Ural arbeitete, auf den Weg der Verübung direkter konterrevolutionärer Schädlingsanschläge und des Vaterlandsverrats geraten.

Seit dieser Zeit nahm ich aktiv an dieser konterrevolutionären praktischen Tätigkeit teil und führte in der Praxis jenes verbrecherische Programm durch, das Trotzki aus dem Ausland und unser Zentrum uns gaben.

Ich muss hier sagen, wenn ich mich im Jahre 1931 zufällig dem Trotzkismus anschloss, so war im Jahre 1934 meine aktive niederträchtige Arbeit schon kein Zufall mehr. Deshalb war sie auch aktiv.

Bürger Richter! Mir, den der Ankläger in seiner Anklage einen Banditen genannt hat und den er ebenso wie meine Gefährten auf der Anklagebank und bei den Taten mit jenen verglichen hat, die auf der Landstraße mit Knüppel und Messer stehen, - wobei diese Kennzeichnung nicht die Folge eines zufällig gewählten Wortes des Anklägers war, sondern sich aus den verbrecherischen Handlungen ergab, die ich begangen habe -, mir als Verräter, als Banditen, fällt es natürlich sehr schwer, das proletarische Gericht und im Grunde genommen durch dieses das Sowjetvolk um Nachsicht zu bitten. Ich muss Ihnen jedoch erklären, dass ich nicht mein ganzes Leben hindurch den Kampf gegen die Partei geführt habe und um so weniger den offenkundig konterrevolutionären Weg gegangen bin.

Von den 20 Jahren meiner Zugehörigkeit zur Partei habe ich 14 Jahre der Sache der Revolution ehrlich und ergeben gedient. Ich habe aktiv am Bürgerkrieg teilgenommen, ich erhielt Regierungsauszeichnungen. Bürger Richter, ich will natürlich nicht sagen, und es wäre ungeheuerlich, das zu glauben, dass diese meine Verdienste in der Vergangenheit in irgendeinem Maße jene ungeheuerlichen Verbrechen aufwiegen, die ich verübt habe und wegen der ich jetzt vor Gericht stehe. Doch zeugen diese meine geringen Verdienste davon, dass ich Sie immerhin um Nachsicht bitten darf, die mir die Möglichkeit geben könnte, nicht als Agent des Faschismus zu sterben. Wenn mir das Leben geschenkt werden sollte, würde ich durch hartnäckige und ehrliche Arbeit in den Kreis der Erbauer des Sozialismus zurückkehren können. Ich bitte Sie daher, Bürger Richter, diese meine Erklärung zu berücksichtigen. Ich habe die schonungslosesten und aufrichtigsten Aussagen sowohl über meine Tätigkeit als auch über die Tätigkeit jener Organisation gemacht, der ich angehört habe. Ich bitte nochmals, wenn möglich, meine Erklärung zu berücksichtigen.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN RATAITSCHAK

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Rataitschak.

RATAITSCHAK: Bürger Richter! Es ist schwer, über alle jene Verbrechen zu sprechen, die von jedem von uns, den Teilnehmern der trotzkistischen konterrevolutionären Organisation, begangen worden sind. Es ist besonders schwer, jetzt darüber zu sprechen, nachdem der staatliche Ankläger alle von dieser konterrevolutionären Organisation, von allen hier auf der Anklagebank Sitzenden und jedem einzelnen von ihnen verübten Taten erschöpfend und richtig charakterisiert hat.

In der Untersuchung habe ich erschöpfende und aufrichtige Aussagen über jene ganze Arbeit gemacht, die von den Leuten in meinem Auftrag durchgeführt worden ist. Ich habe alle mir bekannten Teilnehmer dieser niederträchtigen Organisation genannt, damit keinerlei Überbleibsel oder Reste zurückbleiben, damit keine Leute zurückbleiben, die auch nur im Geringsten von der Fäulnis dieses trotzkistischen Sumpfes angesteckt waren. Ich habe mich niemals vor der Verbindung mit der trotzkistischen Organisation mit Spionage oder mit Abenteurertum befasst. Als ich mein Schicksal mit dieser konterrevolutionären Organisation verknüpfte, wurde ich ein Agent Trotzkis, ein Agent des Faschismus. Es ist sehr schwer, hier eine Grenze zu ziehen, denn es gibt keine Grenze zwischen den Agenten Trotzkis und den Agenten des Faschismus.

Eine ganze Reihe von Akten wurden von mir und in meinem Auftrage von Leuten ausgeführt, die mit mir in Verbindung standen, ungeheuerliche Verbrechertaten gegen die Partei, gegen die Sowjetmacht, gegen das Sowjetvolk. Bereits im Jahre 1935 wurde es völlig klar, dass dieser ganze Kampf kein Kampf gegen die Führer der Partei und der Regierung, kein Kampf um eine Änderung der Politik der Partei und der Regierung ist, dass das vielmehr ein Kampf, ein richtiger Kampf gegen das ganze russische Volk ist, das sein neues Leben aufbaut. Wir zerstörten mit unseren Händen faktisch das, was von den ehrlichen Erbauern des Sozialismus geschaffen wurde. Wir untergruben und zerstörten das, was vom russischen Volk in einem vieljährigen erbitterten Kampfe um die Änderung des Lebens, um den Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion geschaffen worden war. Es wurde völlig klar, dass dieser Kampf ein völlig sinnloser Kampf ist und dass unsere Handlungen, dass unsere verbrecherischen konterrevolutionären Handlungen den Kampf der ehrlichen Werktätigen der Sowjetunion um die Vollendung des sozialistischen Aufbaus in keiner Weise zu ändern vermögen.

Jeder von unseren Akten, der auf diesem oder jenem Betrieb verübt wurde, löste nur neuen Enthusiasmus im Arbeiterkollektiv aus, jeder verübte Akt rief eine neue Reaktion in der Arbeit des Betriebes hervor, führte zu neuen Errungenschaften. Ich stellte im Jahre 1935 faktisch jede aktive Tätigkeit in dieser konterrevolutionären Organisation ein. Das war aber zu wenig. Nachdem ich mich von meinen Mittätern befreit und faktisch aufgehört hatte, einen aktiven Kampf gegen die Partei, gegen die Regierung und gegen das Volk zu führen, fand ich nicht Mut genug, um alles zu sagen, um den ganzen Schmutz und die ganze konterrevolutionäre Arbeit aufzudecken, damit ihr ein für allemal ein Ende gemacht wird. Ich suchte einen Ausweg, um selber jegliche Beziehungen zu den Leuten abzubrechen, die mit mir verbunden waren und mit denen ich verbunden war. Ich wiederhole, dass das zu wenig war, dass ich bis zum Tag der Verhaftung über die Teilnehmer meiner Organisation und meine Verbrechen nichts gesagt habe.

Meine Schuld, ebenso wie die Schuld vieler von uns, die wir auf der Anklagebank sitzen, wird noch dadurch vergrößert, dass ich einen ziemlich verantwortlichen Posten, einen führenden Posten in einem der wichtigsten Industriezweige bekleidete. Meine Schuld wird noch dadurch vergrößert, dass ich zweifellos und ständig das besondere Vertrauen unseres Volkskommissars für Schwerindustrie, der Partei und der Negierung genoss. Ich muss daher natürlich als Mensch, der eine verantwortliche Stellung eingenommen hat, größere Verantwortung tragen als ein gewöhnliches Mitglied oder ein gewöhnlicher Teilnehmer aller dieser Verbrechen.

Bürger Richter, ich möchte nur sagen, dass ich noch kein endgültig verlorener Mensch bin. Ich bin noch zur Arbeit fähig, und wenn das Gericht es für möglich erachtet, mir das Leben zu erhalten, mir die Möglichkeit zu geben, durch ehrliche Arbeit meine Schuld gegenüber dem Sowjetlande zu sühnen, daran zu arbeiten, dass ich in irgendeinem Maße alle jene Verbrechen sühne, die ich begangen habe, so erkläre ich aufrichtig und ehrlich, dass ich durch ehrliche Arbeit in bedeutendem Maße meine Schuld werde sühnen können. Darum bitte ich auch das Gericht.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN HRASCHÉ

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Hrasché.

HRASCHÉ: Bürger Richter! Ich habe auf mein Recht auf Verteidigung verzichtet und möchte mich auch in meinem letzten Wort nicht darüber verbreiten, wie ich zu diesem Leben gekommen bin, wie ich bis zum Verrat an den Interessen der Werktätigen gesunken bin. Die Tatsachen meiner verbrecherischen Arbeit sind viel zu beredt, und alle Versuche, sie auch nur zu erklären, können selbstverständlich mein Schicksal nur erschweren. Ich bitte das Gericht, mir zu glauben, dass ich meine Verbrechen gegenüber den Werktätigen der Sowjetunion voll und ganz eingestanden habe, dass ich nichts verheimlicht habe und mich nicht bemüht habe, meine Schuld zu verringern.

Ich bitte nur, mir zu gestatten, den Versuch zu machen, an jener Charakteristik, die mir der staatliche Ankläger hier gegeben hat, etwas richtig zustellen. Ich hatte in meiner verbrecherischen Tätigkeit verschiedene Herren, darunter sowohl den faschistischen Spionagedienst als auch die Trotzkisten. Ich hatte auch, ich bitte mir das zu glauben, den Versuch unternommen, einen andern Weg einzuschlagen, doch ein Spionagedienst klammerte sich an den andern, aus den einen Fangklauen hin ich in andere Fangklauen gewandert und schließlich vorm Trotzkisten, vom faschistischen Spion Meyerowitz in die Hände des Trotzkisten Rataitschak übergeben worden. Dennoch war ich kein trotzkistischer Judas. Ich musste mich vor mir selber wegen meines niederträchtigen Verrats schämen und konnte ihn nicht, wie es die Trotzkisten tun, mit irgendeinem ideologischen Überbau, mit irgendeiner politischen Plattform bemänteln.

Ich bitte das Gericht, das zu berücksichtigen, sowie auch das volle und offenherzige Geständnis meiner Verbrechen, und mir, wenn möglich, Gelegenheit zu geben, durch ehrliche Arbeit mindestens teilweise den Schaden zu mildern, den ich durch meine verbrecherische Tätigkeit angerichtet habe.

Ich bitte noch einmal, mir zu glauben, dass mein Geständnis sowohl vor Gericht als auch in der Untersuchung erschöpfend und wahrheitsgetreu war, sei es auch nur deshalb, weil ich den Wunsch haben musste, mich von dem Alpdruck der unvermeidlichen Verantwortlichkeit zu befreien, der im Laufe einer Reihe von Jahren auf mir lastete.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN PUSCHIN

VORSITZENDER: Ich erteile das letzte Wort dem Angeklagten Puschin.

PUSCHIN: Bürger Richter! Mit voller Aufrichtigkeit habe ich in der Untersuchung und vor Gericht alles ausgesagt, was mir über die Arbeit der konterrevolutionären trotzkistischen Organisation bekannt ist, habe ich auch über meine eigenen schweren Verbrechen gesprochen. Ich habe vor dem Gericht nichts verheimlicht, geleitet von dem Bestreben, durch meine aufrichtige Schilderung dem quälenden Gefühl meiner Schuld gegenüber meinem Vaterland Luft zu machen, dem Gefühl, das sich in mir in dem Maße angehäuft hat, in dem ich begann, das wahre Wesen und die wahren Ziele der konterrevolutionären trotzkistischen Organisation zu begreifen, und das in einem offenherzigen Geständnis zum Ausdruck kam.

Und wenn ich jetzt das Gericht um Nachsicht bitte, so nur deshalb, damit ich, wenn das Gericht es für möglich hält, mir das Leben zu erhalten, dieses Leben in ehrlicher Arbeit zum Nutzen meiner Heimat und meines Volkes hingeben und dies nicht nur durch Worte des Geständnisses und der Reue, sondern auch durch lebendige Tat, durch praktische Arbeit beweisen kann.

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