PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

ABENDSITZUNG VOM 2. MÄRZ 1938

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen.

Die Verhandlung wird fortgesetzt. Genosse Wyschinski, haben Sie Fragen an Bessonow?

WYSCHINSKI: An Bessonow nicht.

VORSITZENDER: Hat die Verteidigung Fragen an Bessonow?

DIE VERTEIDIGER: Nein.

VORSITZENDER: Haben die Angeklagten Fragen an Bessonow?

(Nein)

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN GRINKO

VORSITZENDER: Wir gehen zum Verhör des Angeklagten Grinko über. Angeklagter Grinko, bestätigen Sie die Aussagen, die Sie in der Voruntersuchung gemacht haben?

GRINKO: Ich bestätige sie voll und ganz.

VORSITZENDER: Welche Fragen haben Sie, Genosse Staatsanwalt?

WYSCHINSKI: Angeklagter Grinko, erzählen Sie dem Gericht über Ihre verbrecherische Tätigkeit.

GRINKO: Damit der Weg klar sei, auf den ich zur Verübung der riesigen Kette von Verbrechen gegen die Sowjetmacht und die Heimat, zum Verrat an der Heimat gelangt bin, muss ich daran erinnern, dass ich in die Kommunistische Partei als Mitglied der Organisation der Borotbisten - einer ukrainischen nationalistischen Organisation - eingetreten bin. Ein bedeutender Kern aus den führenden Elementen der Borotbisten - Schumski, Polos, Blakitny, ich, Grinko, Ljubtschenko und andere der in die KP(B) der Ukraine eingetreten ist, behielt seine bürgerlichen nationalistischen Positionen bei und verschärfte sie später. Ich kann die Hauptetappen der Entwicklung der nationalistischen verschwörerischen konterrevolutionären Arbeit dieses borotbistischen Kerns nennen.
Die erste Etappe fällt etwa in die Jahre 1925-26. Das ist die so genannte Periode des Schumskismus. Schon damals war der Schumskismus im Wesen der Sache ein Programm der Lostrennung der Ukraine von der UdSSR, ein Programm der bürgerlich-nationalistischen Restaurierung in der Ukraine. Schon damals war dies eine Art groß angelegter politischer Erkundung der Nationalisten, eine Kraftprobe, eine Forderung der Diskreditierung der russischen Städte in der Ukraine, der Diskreditierung der russischen Kader usw.
Der Schumskismus wurde politisch zerschmettert und organisatorisch untergraben.
Die zweite Etappe...

WYSCHINSKI: Man muss auf diese Etappe noch eingehen.
Welche Schritte wurden von der borotbistischen Organisation in jener Periode in Hinsicht. auf die außenpolitischen Positionen unternommen?

GRINKO: In dieser Hinsicht wurden damals keinerlei Schritte unternommen. Dies fällt in die zweite Periode.

WYSCHINSKI: Auf welche Jahre beschränken Sie diese Periode?

GRINKO: Die Jahre 1925-26. In dieser Periode wurde nur die Verbindung Schumskis mit den kapitalistischen Elementen der Westukraine gefestigt.

WYSCHINSKI: Beschränkte man sich nur auf diese Elemente?

GRINKO: Ja. Doch die Verbindungen der Spionagedienste mit den Regierungskreisen anderer Staaten sind mir in dieser Periode nicht bekannt.

WYSCHINSKI: Haben Sie sie nicht unterhalten?

GRINKO: Nein.

WYSCHINSKI: Die Angaben, über die Sie aussagen, betreffen die Periode von 1926?

GRINKO: Ja.

WYSCHINSKI: Sie sprechen in Ihren Aussagen von Erkundung. War das eine nationalistische Erkundung?

GRINKO: Es war eine Erkundung der inneren Kräfte in der Ukraine, die nationalistische Aktionen unterstützen könnten.

WYSCHINSKI: Es war also eine Probe der nationalistischen Kräfte.

GRINKO: So sagte ich es eben.

WYSCHINSKI: Welche Jahre umfasst die zweite Periode?

GRINKO: Die Jahre 1929-32.

WYSCHINSKI: Gab es in der ersten Periode irgendeine Verbindung mit den Rechten?

GRINKO: Organisatorische Verbindungen mit den Rechten hat es gar keine gegeben. Doch hat zweifellos der Kampf sowohl der Trotzkisten als auch der Rechten gegen die Partei die nationalistische Zuspitzung stimuliert. Organisatorische Verbindungen hat es nicht gegeben.

WYSCHINSKI: Kann man sagen, dass das in einem gewissen Grade eine selbständige nationalistische Organisation war?

GRINKO: Ja, aber sie war nicht ausgestaltet.

WYSCHINSKI: Hat diese Organisation eine breitere Arena betreten?

GRINKO: Das ist geschehen, aber erst in der nachfolgenden Periode.

WYSCHINSKI: Es ist in der nachfolgenden Periode geschehen, die die Jahre 1929-1932 umfasst. Beleuchten Sie bitte Ihre Linie in der Außenpolitik.

GRINKO: Ich werde, wenn das Gericht es gestattet, alle meine Linien in der Außenpolitik in einem besonderen Abschnitt beleuchten.

WYSCHINSKI: Wie Sie wünschen.

VORSITZENDER: Bitte.

GRINKO: Nach der Zerschmetterung dieser nationalistischen Organisation blieben von ihr lediglich Splitter zurück. Aber ungefähr 1929 wurde, bereits in Moskau, die nationalistische Organisation, bestehend aus Schumski, mir, Polos, Maximowitsch, Soloclub und einer Reihe anderer, wieder zum Leben erweckt. Diese Organisation trat bereits anders sowohl an ihr Programm als auch an ihre Taktik heran, als dies in der ersten Periode der Fall war. Die verhältnismäßig bescheidene Position der ersten Periode erklärt sich in einem gewissen Maße aus den Vorstellungen, die wir damals, während des Aufschwungs der NÖP (der Neuen Ökonomischen Politik) hatten. Wir waren der Ansicht, dass eine Evolution der NÖP in der uns gewünschten Richtung nicht ausgeschlossen sei. Anderseits sahen wir in Europa keine solche Kraft, mit der im Block, im Bündnis wir entschiedene Schritte vorwärts hätten machen können. In der zweiten Periode hat sich die Situation geändert - dies war bereits die Periode der voll entfalteten sozialistischen Offensive, wo die Positionen der kapitalistischen Elemente im Lande jäh untergraben wurden, wo von irgendeiner Evolution der NÖP in der Richtung des Kapitalismus gar keine Rede sein konnte. Das sah auch ein Blinder. Da sondierten wir allmählich ausländische Kräfte, die uns Hilfe erweisen konnten. In dieser zweiten Periode nimmt die ukrainische nationalistische Organisation bereits in vollem Umfang die Position der Rechten in allgemein-politischen Fragen ein, d. h. die Position des Kampfes gegen die Industrialisierung und Kollektivierung. Obwohl die Organisation in dieser Periode keine direkten organisatorischen Verbindungen mit den Rechten hatte, hatte ich doch persönlich einzelne Verbindungen mit einzelnen mehr zweitrangigen Personen aus dem Lager der Rechten.

WYSCHINSKI: Hatten Sie damals mit Rykow Verbindung?

GRINKO: In jener Periode hatte ich mit ihm keine politische Verbindung. Meine Verbindung mit Rykow fällt in eine spätere Periode - in die Periode der Schaffung der national-faschistischen Organisation, zu der ich später übergehen werde - es sind dies die Jahre 1934-1935. In dieser Periode gab die nationalistische (Organisation ihren Mitgliedern Direktiven über die Sammlung der Kräfte und den aktiven Kampf hauptsächlich gegen die Kollektivierung, die Organisierung von Aufständen inbegriffen. In diesem Kampfe hatten wir bereits Verbindung mit gewissen Kreisen eines der Sowjetunion feindlich gesinnten Staates. Diese unsere Bundesgenossen halfen uns. Zur Unterstützung des Partisanenkampfes verstärkten sie die Entsendung von Diversanten, Petljura-Emissaren, Waffen usw. nach der Ukraine. Diese Verbindung wurde mit Hilfe Konars, mit Hilfe Kozjubinskis unterhalten. Ich weiß nicht, ob ich hier alle die Staaten nennen soll.

WYSCHINSKI: Nein. In der geschlossenen Sitzung werden Sie sie nennen.

VORSITZENDER: Auch die Namen werden Sie in geschlossener Sitzung nennen.

WYSCHINSKI: Beteiligten Sie sich persönlich an der Organisierung der Waffentransporte usw.?

GRINKO: Ich war über diese Verhandlungen auf dem Laufenden und gab ihnen meine Zustimmung.

WYSCHINSKI: Leiteten Sie diese Sache?

GRINKO: Ich leitete sie.

WYSCHINSKI: Fahren Sie fort.

GRINKO: Diese Periode endete Anfang 1933 im Zusammenhang mit der Verhaftung fast dieser ganzen Gruppe. Ich allein wurde damals nicht verhaftet. Ich legte jedoch meine nationalistischen Waffen in meinem Kampf gegen die Sowjetmacht nicht nieder. In diese Periode fällt der Beginn meiner persönlichen Verbindung mit den faschistischen ausländischen Organisationen, mit einflussreichen Elementen der faschistischen Organisationen und gewissen Regierungskreisen. Diese Verbindung war auf die Herstellung eines Kontakts gerichtet zum Zwecke der Vorbereitung der Lostrennung der Ukraine von der UdSSR und der Organisierung des Kampfes gegen die Sowjetmacht.
Ausführlich werde ich die Tatsachen und die Namen in geschlossener Sitzung nennen. Jetzt sage ich bloß, dass diese Verbindung durch eine Reihe aufeinander folgender Unterredungen hergestellt wurde, die ich mit Vertretern dieser feindlichen Kreise hatte, die eine ziemlich prominente offizielle Stellung hier in der UdSSR einnahmen.
Anfang 1935 erfuhr ich von Ljubtschenko von der Gründung einer national-faschistischen Organisation in der Ukraine, einer Organisation, die sich die Lostrennung der Ukraine von der UdSSR zum Ziel setzte und auf die Hilfe der militärischen Intervention jener Kräfte und Elemente rechnete, mit denen ich zu jener Zeit bereits persönliche Verbindung unterhielt. Die nationalfaschistische Organisation stellte sich auch die Aufgabe der Vereinigung mit dein „Block der Rechten und Trotzkisten“, der eine Verbindung mit den Militär-Verschwörern hergestellt hatte.
Als ich von dieser Organisation erfuhr, erklärte ich mich bereit, in sie einzutreten. Mir wurde der Auftrag erteilt, die Verbindung mit dem Zentrum der Rechten und Trotzkisten, mit den Regierungskreisen gewisser, der Sowjetmacht feindlicher Staaten herzustellen und Ljubtschenko in der Entfaltung dieser Tätigkeit in der Ukraine beizustehen.
Die Organisation begann sich um den Zeitpunkt, wo ich mich mit ihr in Verbindung setzte, bereits als nationalsozialistische Organisation herauszukristallisieren.
Ljubtschenko erzählte mir vom Zentrum dieser Organisation in der Ukraine, dem Ljubtschenko, Poraiko und andere angehörten. Er erzählte mir, dass in diesem Zentrum die Frage des Charakters der Parteiorganisation und des Typus des Ukrainischen Staats für den Fall, dass diese Organisation Erfolg haben sollte, diskutiert wurde. Wie Ljubtschenko sagte, betrat die Organisation den Weg der Schaffung einer zentralisierten Partei nach dem Typus der nationalsozialistischen Partei. Im Falle des Erfolges sah die Organisation die Schaffung eines bürgerlichen Ukrainischen Staates nach dem Typus eines faschistischen Staates vor. Von dem Charakter dieser Organisation erzählte ich dem prominenten Teilnehmer der Verschwörung der Rechten und Trotzkisten Jakowlew. In den Kreisen der Rechten und Trotzkisten, mit denen ich Unterredungen führte, hat die Tendenz zur Verwandlung unserer Organisation in eine Organisation faschistischen Typus zweifellos bestanden. Wie habe ich jene Aufträge ausgeführt, die mir von dieser national-faschistischen Organisation erteilt wurden?
Erstens, die Verbindung mit dem Zentrum der Rechten und Trotzkisten. Diese Verbindung hatte ich auf folgender Linie: Gamarnik, Pjatakow, Rykow. Mit Gamarnik setzte ich mich durch Ljubtschenko in Verbindung, der mit Jakir und Gamarnik Verbindung hatte. Durch Gamarnik setzte ich mich mit Pjatakow, dann mit Rykow in Verbindung. Gleichzeitig wurden außenpolitische Aufträge ausgeführt, da mir sowohl Gamarnik als auch Pjatakow erzählten, dass Trotzki sich über Kompensationen auf Kosten der Ukraine für die militärische Unterstützung unseres Kampfes gegen die Sowjetmacht verständigt habe.
Gleichzeitig mit der Herstellung der Verbindung mit dem „Block der Rechten und Trotzkisten“ forcierte ich die Herstellung der Verbindung mit ausländischen Kräften durch Krestinski, mit dem mich Pjatakow in Verbindung brachte.
Die Herstellung einer Verbindung mit Gamarnik, Pjatakow und Rykow bezieht sich etwa auf Ende 1935.

WYSCHINSKI: Erzählen Sie von Ihrer Verbindung mit Rykow, worin bestand sie?

GRINKO: Sie bestand darin, dass die ukrainische Organisation sich unter das Kommando des Zentrums der Rechten und Trotzkisten stellte.

WYSCHINSKI: Worin kam das zum Ausdruck?

GRINKO: Dies kam erstens darin zum Ausdruck, dass die ukrainische Organisation einen Auftrag vom Zentrum der Rechten und Trotzkisten erhielt. Ich als Mitglied dieser Organisation erhielt den Auftrag...

WYSCHINSKI: Von wem erhielten Sie den Auftrag?

GRINKO: Von Rykow.

WYSCHINSKI: Ferner?

GRINKO: Hauptsächlich von Rykow.

WYSCHINSKI: Gut, weiter.

GRINKO: Im Jahre 1935, Anfang 1936 habe ich im Wesentlichen jene Aufgaben erfüllt, die mir die ukrainische Organisation auferlegt hatte. Ich stellte Verbindungen mit dem Zentrum der Rechten und Trotzkisten durch Krestinski her, stellte die Verbindung mit den faschistischen Kreisen eines auswärtigen Staates, her, die sich den Standpunkt, den wir anstrebten, zu eigen machten. Durch Krestinski übermittelte ich die Formel unserer ukrainischen Organisation und erhielt ebenfalls durch ihn die Antwort, dass die entsprechenden Kräfte diese Formel akzeptieren. Da ich meine alten persönlichen Verbindungen mit den faschistischen Kreisen hatte, prüfte ich persönlich die Tatsache und erhielt die Bestätigung.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, bei dieser Frage zu verweilen. Sie haben also bereits 1935 die Verbindung mit den Rechten, wie Sie aussagen, in der Person des Angeklagten Rykow hergestellt? Ich habe Sie so verstanden.

GRINKO: Ja.

WYSCHINSKI: Mit wem haben Sie die Verbindung durch Krestinski hergestellt?

GRINKO: Mit den faschistischen Kreisen eines der Sowjetunion, feindlich gesinnten Staates.

WYSCHINSKI: Mit den Vertretern dieser Kreise? Mit den Vertretern faschistischer Kreise?

GRINKO: Ja.

WYSCHINSKI: Wann war das?

GRINKO: Ende 1935, Anfang 1936.

WYSCHINSKI: Und bis 1935 hatten Sie persönlich keine Verbindungen mit irgendwelchen faschistischen Kreisen?

GRINKO: Ich hatte sie seit Ende 1932.

WYSCHINSKI: Wozu brauchten Sie 1935 die Hilfe Krestinskis in Anspruch zu nehmen?

GRINKO: Weil die Trotzkisten ihre eigene Linie hinsichtlich der Verbindungen in Bezug auf die Ukraine verfolgten. Ich war der Ansicht, dass man die offiziellen Beziehungen der ukrainischen national-faschistischen Organisation auf offiziellem Wege durch Krestinski herstellen müsse, damit man weiß, dass es sich um ein und dasselbe handelt, und dass man sich nicht etwa an einer Stelle über eines, an einer anderen Stelle aber über etwas anderes verständige.

WYSCHINSKI: Es war da eine gewisse Rückversicherung?

GRINKO: Ja, ich wollte tatsächlich diese Verbindung an Hand der Verbindungen kontrollieren, über die ich persönlich verfügte.

WYSCHINSKI: Und haben Sie Krestinski einer falschen Behauptung überführt?

GRINKO: Nein, ich habe ihn nicht überführt. Ich habe seine Behauptung bestätigt gefunden. Es war nichts da, dessen ich ihn hätte überführen können.

WYSCHINSKI: Nein, aber vor Gericht?

GRINKO: Das ist eine andere Sache.

WYSCHINSKI: Jetzt haben Sie Krestinski überführt?

GRINKO: Ja.

WYSCHINSKI: Angeklagter Krestinski, haben Sie diesen Teil der Aussagen gehört?

KRESTINSKI: Ja. Aber ich habe ihn mit keinerlei Faschisten in Verbindung gebracht, ich machte ihn mit Geschäftsverbindungen bekannt.

WYSCHINSKI: Nicht in Verbindung gesetzt, sondern „bekannt gemacht“?

KRESTINSKI: Mit Faschisten nicht.

WYSCHINSKI: Dann brauchen Sie auch die Namen nicht in geschlossener Sitzung zu sagen. Haben Sie in Verbindung gesetzt oder haben Sie nicht in Verbindung gesetzt?

KRESTINSKI: Jetzt kann ich es nicht sagen.

WYSCHINSKI: Sie bestreiten es natürlich.

KRESTINSKI: Ich bestreite, dass ich mit Faschisten in trotzkistischen Angelegenheiten gesprochen habe.

WYSCHINSKI: Sie bestreiten es, Sie aber (zu Grinko) bestätigen es. Sagen Sie, Angeklagter Grinko, vielleicht verwechseln Sie diesen Umstand mit irgendeinem anderen. Vielleicht machte er Sie mit irgendeinem angenehmen Menschen bekannt, sei es auch mit einem Ausländer. Sie aber...

GRINKO: Ich glaube, es ist hier nicht am Platze, sich mit Scherzen zu befassen.

WYSCHINSKI: Es kommt aber so heraus.

GRINKO: Ich wundere mich darüber, was Krestinski sagt.

WYSCHINSKI: Aber können Sie, Angeklagter Grinko, sagen, Wo Ihre Unterredungen mit Krestinski stattfanden?

GRINKO: Ich kann sagen, dass das in meinem früheren Arbeitszimmer im Volkskommissariat für Finanzen war.

WYSCHINSKI (zu Krestinski): Besuchten Sie Grinko in seinem Arbeitszimmer?

KRESTINSKI: Ich war dort öfters zu verschiedenen Beratungen.

WYSCHINSKI: In finanziellen Angelegenheiten oder in Angelegenheiten des Volkskommissariats für Auswärtige Angelegenheiten?

KRESTINSKI: Ich pflegte dorthin zu kommen, weil man mich in irgendeine Kommission zusammen mit Grinko ernannt hatte, in eine Kommission, die sich sowohl mit Angelegenheiten des Volkskommissariats für Finanzen als auch mit solchen des Volkskommissariats für Auswärtige Angelegenheiten befasste.

WYSCHINSKI: Das war bei Ihrer Stellung natürlich.

GRINKO: Ich sagte Krestinski, dass wir die und die Position vertreten, dass mich Pjatakow geschickt habe, dass ich bitte, von dieser Position Mitteilung zu machen und mir Antwort zu geben. Krestinski sagte, dass er von dieser Position Mitteilung gemacht habe, und teilte mir mit, dass man diese Position akzeptiere. Ich aber habe dann mit derselben Person, der Krestinski Mitteilung gemacht hatte, persönlich im Großen Theater gesprochen.

WYSCHINSKI: Können Sie die Personen, ihre Namen, in geschlossener Sitzung nennen?

GRINKO: Natürlich.

WYSCHINSKI: Wie erklären Sie, dass Krestinski nichts damit zu tun haben will?

GRINKO: Das kann ich nicht erklären.

WYSCHINSKI: Hatten Sie außer diesem Fall noch Unterhandlungen mit Krestinski über Fragen antisowjetischer Tätigkeit?

GRINKO: Es war noch das, worüber ich in der Vormittagssitzung in Bezug auf die Verwendung der Valuta gesprochen habe. Größere Mittlerdienste brauchte ich nicht, da ich meine eigenen direkten Verbindungen hatte.

WYSCHINSKI (zu Rykow): Bestätigen Sie diesen Teil der Aussagen, wo sich Grinko auf Sie beruft?

RYKOW: Ja, ich hatte mit ihm zwei Begegnungen. Eine Ende 1935, und eine andere Anfang 1936.

WYSCHINSKI: Was für einen Charakter hatten diese Begegnungen?

RYKOW: Es waren Begegnungen von Mitgliedern einer illegalen Organisation, die gegen die Partei und die Sowjetregierung kämpften.

WYSCHINSKI: Haben Sie mit Grinko nie über Krestinski gesprochen?

RYKOW: Über Krestinski nicht. Ich brauchte mit Grinko nicht zu sprechen, weil ich persönlich auch ohne Grinko wusste, dass Krestinski Trotzkist ist. Genau so wusste Krestinski, dass ich Mitglied der illegalen Organisation bin.

WYSCHINSKI: Es ist also so, dass Krestinski hier die Unwahrheit sagt und die Verbindung mit den Trotzkisten abschütteln will?

RYKOW: Er sagt nicht nur die Unwahrheit, sondern will die Wahrheit, die hier vorhanden ist, verwirren.

WYSCHINSKI: Angeklagter Krestinski, haben Sie das gehört?

KRESTINSKI: Ja, ich habe das gehört.

WYSCHINSKI: Bestätigen Sie das?

KRESTINSKI: Ich bestätige nicht, dass ich die Unwahrheit gesagt habe und dass ich die Wahrheit verwirren will.

WYSCHINSKI: Ich habe eine Frage an Krestinski. Ihnen war aber bekannt, dass Rykow mit illegalem Kampf beschäftigt ist?

KRESTINSKI: Nein.

WYSCHINSKI: Es war Ihnen nicht bekannt?

KRESTINSKI: Das heißt, ich wusste es aus den Mitteilungen, die auf dem Plenum des Zentralkomitees gemacht wurden.

WYSCHINSKI: Ach, nur so.

KRESTINSKI: Nur so.

WYSCHINSKI: Und wie meinen Sie, Angeklagter Rykow, woher musste er Ihren damaligen Standpunkt kennen?

RYKOW: Vor allem, wenn auf dem Plenum des Zentralkomitees von der illegalen Arbeit eines Mitglieds des Zentralkomitees Mitteilung gemacht wird, so hört dieses Mitglied des Zentralkomitees auf, Mitglied des Zentralkomitees zu sein. Wir hatten diesbezüglich Unterredungen mit ihm, Unterredungen, die genügend offenherzig waren, um zu wissen, wer die Gesprächspartner sind. Meiner Meinung nach war das 1932-1933, an die genauen Daten kann ich mich nicht erinnern.

WYSCHINSKI: Angeklagter Rykow, Sie bestätigen, dass Ihnen bekannt war, dass Krestinski Trotzkist und Mitglied des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ ist?

RYKOW: Das heißt, in jener Periode hat es einen solchen völligen Block nicht gegeben, aber dass er Mitglied der trotzkistischen Organisation war, das stimmt.

WYSCHINSKI: Und er führte mit Ihnen Gespräche?

RYKOW: Er sprach mit mir wie ein Mitglied einer illegalen Parteiorganisation.

WYSCHINSKI: Sie sprachen über Angelegenheiten illegaler Art?

RYKOW: Wir sprachen über illegale Angelegenheiten.

WYSCHINSKI: Sie behaupten, dass auch Krestinski von Ihren Angelegenheiten in der illegalen Partei wusste. Krestinski aber bestreitet das. Es kommt also heraus, dass Rykow jetzt die Unwahrheit sagt, Sie aber, Angeklagter Krestinski, die Wahrheit?

KRESTINSKI: Ich sage die Wahrheit.

WYSCHINSKI: Seit wann haben Sie denn begonnen, die Wahrheit zu sagen?

KRESTINSKI: In dieser Angelegenheit?

WYSCHINSKI: Ja.

KRESTINSKI: Heute spreche Ich die Wahrheit.

WYSCHINSKI: Seit zwölf Uhr?

KRESTINSKI: Ja, in der Sitzung des Gerichts.

WYSCHINSKI: Gut, also mit Rykow und Krestinski. Weiter, Angeklagter Grinko, sagen Sie bitte, war Ihnen bekannt, dass noch irgendjemand von den hier auf der Anklagebank Sitzenden zu jener Zeit bereits Teilnehmer Ihrer illegalen Organisation war? Zählen Sie auf.

GRINKO: Ich wusste von der Beteiligung Bucharins.

WYSCHINSKI: Angeklagter Bucharin, Sie bestätigen das?

BUCHARIN: Ich bestätige das. Ich betone das deshalb, weil ich einmal eine Unterredung mit Grinko selbst hatte.

GRINKO: Ja, es gab eine solche Unterredung.

WYSCHINSKI: Grinko spricht also die Wahrheit?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Sehen Sie, ich kontrolliere, weil Krestinski sagt, dass der Angeklagte Grinko nicht recht hat.

BUCHARIN: Ich machte die Korrektur zum Zwecke einer einfachen Präzisierung, weil es sich nicht nur darum handelt, dass er durch Rykow von meiner illegalen Arbeit wissen konnte, sondern ich hatte Begegnungen mit Grinko unmittelbar.

GRINKO: Das war später. Dann wusste ich von Gamarnik von der Beteiligung Rosengolz und von seiner direkten Verbindung.

WYSCHINSKI: Angeklagter Rosengolz, Sie bestätigen das?

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: Weiter.

GRINKO: Ich wusste von der Beteiligung Selenskis und seiner direkten Verbindung.

WYSCHINSKI: Angeklagter Selenski, spricht der Angeklagte Grinko die Wahrheit?

SELENSKI: Er spricht die Wahrheit.

GRINKO: Von Rykow erfuhr ich von der Beteiligung Jagodas an dieser Organisation, aber eine direkte Verbindung mit Jagoda hat es nicht gegeben.

WYSCHINSKI (zum Gericht): Gestatten Sie, Rykow zu fragen? Angeklagter Rykow, haben Sie darüber mit Grinko gesprochen?

RYKOW: ich kann mich nicht genau erinnern, kann aber diese Tatsache nicht für ausgeschlossen halten.

WYSCHINSKI: Sie sprachen also von der Beteiligung Jagodas?

RYKOW: Ja.

WYSCHINSKI (zum Gericht): Gestatten Sie, Jagoda zu fragen? Angeklagter Jagoda, Sie bestätigen das?

JAGODA: Ja. Was mich betrifft, so ist das wahr, dass aber Grinko dazu gehörte, wusste ich nicht.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, Krestinski zu fragen? Angeklagter Krestinski, alle Angeklagten finden, dass man in Bezug auf Sie die Wahrheit spricht, Sie aber sagen, dass das nicht der Fall war. Sprechen Sie die Wahrheit?

KRESTINSKI: Ich spreche die Wahrheit.

WYSCHINSKI: Heute?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Angeklagter Grinko, setzen Sie Ihre Aussagen fort.

GRINKO: Ich erweiterte allmählich meine Verbindungen mit dem Zentrum der Rechten und Trotzkisten, machte mich mit seinen Teilnehmern bekannt und bekam so Anfang 1934 eine Vorstellung davon, was das „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ darstellte. Auf Grund einer Reihe von Unterredungen, von Verbindungen und von Aufträgen, die durch Rykow, Bucharin, Gamarnik, Rosengolz, Jakowlew, Antipow, Rudsutak, Jagoda, Warejkis und eine ganze Reihe anderer Leute erteilt wurden, wurde mir klar, dass das „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ zu dieser Zeit hauptsächlich auf der militärischen Hilfe der Aggressoren basierte. Das war die gemeinsame Position sowohl der Trotzkisten als auch der Rechten und der nationalistischen Organisationen, im Besonderen der ukrainischen nationalistischen Organisation. Das bedeutete: Unterwühlung der Wehrkraft der Sowjetunion, Unterwühlungsarbeit in der Armee und in der Verteidigungsindustrie; Öffnung der Front im Falle eines Krieges und Provozierung dieses Krieges. Das bedeutete: Erweiterung der Verbindung mit den aggressiven antisowjetischen Elementen im Auslande; das bedeutete die Zustimmung zur Zerstückelung der UdSSR und zur Kompensierung der Aggressoren auf Kosten der Randgebiete der UdSSR.
Zugleich gab es bei dem „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ eine Variante für die Besitzergreifung vom Kreml.

WYSCHINSKI: In welchem Jahre war das?

GRINKO: Gespräche wurden darüber im Laufe der Jahre 1935 und 1936 geführt. Gesprochen wurde darüber die ganze Zeit. Vielleicht war das auch schon früher. Terroristische Stimmungen und nicht nur Stimmungen, sondern terroristische Arbeit hat es beim Zentrum der Rechten und Trotzkisten zweifellos gegeben.

Mir sind zwei Versuche der Vorbereitung. terroristischer Akte bekannt, die in der Anklageschrift nicht enthalten sind und von denen ich hier dem Gericht erzählen muss.

WYSCHINSKI: Erzählen Sie von der terroristischen Tätigkeit.

GRINKO: In dieser Periode war die terroristische Tätigkeit eine der Hauptwaffen im Gesamtarsenal des Kampfes gegen die Sowjetmacht.

WYSCHINSKI: Von wem haben Sie das erfahren?

GRINKO: Von Rykow, Jakowlew, Gamarnik und Pjatakow.

WYSCHINSKI: Und unter den in der vorliegenden Strafsache Angeklagten?

GRINKO: Von Rykow wusste ich, dass das eine terroristische Organisation ist; als mich Rykow mit dem Charakter dieser Organisation bekannt machte, sagte er mir, dass der Terror in das Programm aufgenommen ist.

WYSCHINSKI (zu Rykow): Angeklagter Rykow, Sie bestätigen die Aussagen Grinkos?

RYKOW: Ich bestätige sie.

WYSCHINSKI (zu Grinko): Woher kamen diese terroristischen Direktiven?

GRINKO: Von Trotzki. Ich erfuhr das von Gamarnik.

WYSCHINSKI: Erzählen Sie konkret über die Tatsachen der Vorbereitung terroristischer Akte, die Ihnen bekannt sind.

GRINKO: Ich möchte über zwei terroristische Akte erzählen, die vorbereitet, aber nicht ausgeführt wurden. Dies fällt bereits in die letzte Periode, etwa in die erste Hälfte von 1937, eine Periode, die durch die beginnende Zerschmetterung der Verschwörerorganisation gekennzeichnet ist. Als der Prozess Pjatakows und anderer stattfand, herrschte im Zentrum der Rechten und Trotzkisten, besonders nach dem Februar-März-Plenum des ZK der KPdSU(B) von 1937, große Verwirrung. Damals erzählte mir davon Gamarnik, wobei er sich darauf berief, dass er sich darüber früher mit Rykow und Bucharin beraten habe. Damals stand die Frage, dass etwas Außerordentliches getan werden müsse, um die Karten durcheinander zu bringen und die Offensive gegen die Verschwörer, die die Partei und die Organe des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten in jener Periode führten, aufzuhalten. Nach dem Februar Plenum des ZK wurde in den Kreisen der Verschwörer eine Kampagne gegen Jeshow eingeleitet, in dem sich das zielbewusste Streben und die feste Entschlossenheit der Partei zur Zerschmetterung der Verschwörer konzentrierte. Im Zentrum der Rechten und Trotzkisten verlief diese Kampagne in zwei Richtungen. Einerseits sollte Jeshow und seine Arbeit in der Partei diskreditiert werden. Man suchte ihn zu verleumden. Es wurde auch direkt die Frage gestellt, dass es notwendig ist, Jeshow als den für die Verschwörer gefährlichsten Menschen aus dem Wege zu schaffen.

WYSCHINSKI: Was heißt, „aus dem Wege zu schaffen“?

GRINKO: Aus dem Wege schaffen heißt - ermorden.

WYSCHINSKI: So müssen Sie es also sagen.

GRINKO: Ich sagte „aus dem Wege schaffen“, weil das einen doppelten Sinn hatte: einerseits war gemeint die Diskreditierung Jeshows innerhalb der Partei, die Untergrabung seiner Autorität, anderseits sollte er physisch aus dem Wege geschafft werden.

WYSCHINSKI: Das verstehe ich. Für mich ist aber auch nicht uninteressant, was unter dem Ausdruck „aus dem Wege schaffen“ im kriminellen Sinne verstanden wurde.

GRINKO: Aus dem Wege schaffen heißt - ermorden.

WYSCHINSKI: So haben Sie darüber gesprochen?

GRINKO: Mir war von Gamarnik bekannt, dass Jakir und Gamarnik den Trotzkisten Oserjanski, der damals im Volkskommissariat für Finanzen arbeitete, mit der Vorbereitung eines Terroraktes gegen Jeshow beauftragten.

WYSCHINSKI: Oserjanski war Ihnen unmittelbar unterstellt?

GRINKO: Ja.

WYSCHINSKI: Was war er?

GRINKO: Er war Leiter der Sparkassen-Verwaltung.

WYSCHINSKI: Er beteiligte sich an Ihrer Organisation?

GRINKO: Ja. Ich wusste das von Gamarnik, aber direkte Verbindungen zur Vorbereitung eines Terroraktes hatte ich mit ihm nicht.

WYSCHINSKI: Und in anderen konterrevolutionären Angelegenheiten?

GRINKO: In der Unterwühlungsarbeit im Volkskommissariat für Finanzen hatte ich mit ihm Verbindung.

WYSCHINSKI: Oserjanski ist ein geeigneter Mensch für Verbrechen solcher Art?

GRINKO: Er ist ein Terrorist, ehemaliger Anarchist...

WYSCHINSKI: Und Halsabschneider?

GRINKO: Er ist zu solchen Dingen fähig.
Die zweite Tatsache, die mir bekannt ist und die in die gleiche Periode fällt, das ist die Vorbereitung eines terroristischen Aktes gegen Stalin durch Bergawinow aus der Hauptverwaltung des Nördlichen Seeweges. Auch das wusste ich von Gamarnik. Das wussten Antipow und Jakowlew, das wusste ich auch von Bergawinow selbst, der mir sagte, dass er den Auftrag Gamarniks übernommen habe und versuche, ihn auszuführen.
Eine der Aufgaben, die das „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ mir auferlegte, war die Organisierung einer Unterwühlungsarbeit im Volkskommissariat für Finanzen. Ich habe darüber in der Voruntersuchung ausführliche Aussagen gemacht. Hier gehe ich nur auf die hauptsächlichsten Linien und Momente dieser Unterwühlungsarbeit ein.
Dieser Auftrag des „Zentrums der Rechten und Trotzkisten“ wurde mir durch Rykow übermittelt, wobei er betonte, dass die Leitung des Zentrums, er und Bucharin, der Entfaltung einer Unterwühlungsarbeit im Volkskommissariat für Finanzen große Bedeutung beimesse, angesichts der besonderen Wichtigkeit und politischen Bedeutung des Geldes. (Dabei wurde die Bucharinsche Formel ausgesprochen: der Sowjetregierung mit dem Sowjetrubel einen Schlag zu versetzen, Dies übermittelte mir Rykow, und über dieses Thema sprach ich mit Bucharin. Es muss gesagt werden, dass dieser Auftrag dem Zentrum der Rechten und Trotzkisten so ernst erschien, dass Rykow aus diesem Anlass zu mir in das Volkskommissariat für Finanzen kam und wir zusammen ein Programm dieser Maßnahmen ausarbeiteten.
Die Schädlingsarbeit soll auf dein Gebiete jener Finanzmaßnahmen entfaltet werden, die mit den breiten Massen der Bevölkerung in Verbindung stehen: Steuerwesen, Sparkassenwesen, Anleihewesen u. a. Das Programm wurde von mir und Rykow ausgearbeitet. Die Schädlingsarbeit entfaltete ich durch meinen Vertreter Lewin, durch Oserjanski, durch Tschetwerikow und einige andere.
Zum Beispiel im Steuerwesen. Jene Verzerrungen, die ihren krassesten Ausdruck in der Lepeler Angelegenheit in Belorussland fanden, waren ein Teil dieser Unterwühlungsmaßnahmen. Und wenn die Entlarvung der Lepeler Angelegenheit in jener Periode mit Ihrer Spitze nicht scharf gegen das Volkskommissariat für Finanzen gerichtet wurde, so erklärt sich das daraus, dass Jakowlew, der dorthin fuhr, um diese Angelegenheit aufzudecken, damals den Schlag vom Volkskommissariat für Finanzen abwendete.
Auf dem Gebiete des Sparkassenwesens wurden zwei Maßnahmen durchgeführt, die mit der Verringerung des Netzes der Sparkassen und mit der Kampagne zur Verpfändung der Obligationen der Staatsanleihen in Verbindung stehen. Das verringerte Netz der Sparkassen war für diese umfassende Maßnahme nicht vorbereitet, und da diese Operationen mit der Bedienung von Dutzenden Millionen Menschen verbunden sind, so riefen sie die Gereiztheit breiter Massen der Bevölkerung hervor.
Umfassende Unterwühlungsarbeit wurde auf dem Gebiete des Staatsbudgets geleistet. Diese Arbeit bestand in der Untergrabung der Budget- und Finanzdisziplin, in der Schwächung der Finanzkontrolle, was die Möglichkeit bot, im Zentrum und im Lande Staatsgelder für die Zwecke der Verschwörung auszunützen. Diese ganze Arbeit führte ich nach Direktiven, die mir das „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ erteilte, durch eine Reihe von Personen im Apparat des Volkskommissariats für Finanzen durch.
Aber die Unterwühlungsarbeit beschränkte sich nicht darauf. Ich erhielt vom „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ den Auftrag, unter Ausnutzung der Finanzen die Unterwühlungsarbeit In einer Reihe anderer Gebiete der Volkswirtschaft zu fördern. So wurde zum Beispiel vom „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ ein ziemlich umfassendes Programm für die Unterwühlung auf dem Gebiete der Großbautätigkeit ausgearbeitet. An der Ausarbeitung des Programms beteiligten sich Pjatakow, ich glaube Bucharin, und ich. Dieses Programm war darauf gerichtet, das Tempo der Großbautätigkeit zu verlangsamen, die Ausmaße der Großbautätigkeit einzuschränken, die Bucharinsche Theorie der „engen Stellen“ in der Großbautätigkeit vollinhaltlich anzuwenden, um so mehr als die Großbautätigkeit nicht nur als der wichtigste Zweig der Volkswirtschaft Bedeutung hat, sondern auch als eine Angelegenheit von gewaltiger Wichtigkeit für die Landesverteidigung.
Ich nahm ferner Anteil an der Unterwühlungsarbeit auf dem Gebiete der Landwirtschaft, indem ich Schädlings-Finanzmaßnahmen durchführte. Die Unterwühlungsarbeit auf dem Gebiete der Landwirtschaft wurde von dem „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ als sehr wichtige Aufgabe gestellt. Stalin stellte die Aufgabe der Kollektivierung als das ausschlaggebende Mittel zur Überwindung der Rückständigkeit der Landwirtschaft. Auf Grund der Erfolge der Kollektivierung wurde die Aufgabe gestellt, eine Ernte von 7-8 Milliarden Pud jährlich zu erzielen. Das „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ arbeitete einen Plan von Unterwühlungsmaßnahmen aus, die die Erzielung einer Ernte von 7-8 Milliarden Pud, wenn auch nicht vereitelt, so doch jedenfalls hinausgezögert hätte. Im Besonderen stellte Rykow die Frage so: es ist notwendig, dass der Kollektivbauer weniger für die Arbeitseinheit bekommt. Das war vom Standpunkt der politischen Vorbereitung des antisowjetischen Kampfes von gewaltiger Bedeutung, um so mehr als die Frage der Getreidereserven von ausschlaggebender Bedeutung für die Landesverteidigung ist, was im „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ ebenfalls, als man sich mit der Ausarbeitung des Programms befasste, behandelt wurde.
Bei der Durchführung von Schädlingsmaßnahmen und Schädlingsinstruktionen auf dem Gebiete der Finanzierung der Landwirtschaft halfen nicht wenig Rudsutak, der sich im Rat der Volkskommissare mit den Fragen der Finanzen befasste, und Jakowlew.
Von den allgemein-politischen Momenten habe ich, wie mir scheint, alles Grundlegende und Hauptsächliche genannt. Ich möchte also sagen, dass ich hier vor dem Obersten Gerichtshof der Sowjetunion die Verantwortung tragen muss und trage für eine lange Kelte schwerster Verbrechen gegen die Sowjetmacht und für den schärfsten Kampf gegen die Sowjetmacht. Erstens, als einer der Teilnehmer des nationalistischen konterrevolutionären Kampfes in der Ukraine, der über eine Reihe von Etappen zur national-faschistischen Organisation entartete, zu deren Führer ich gehöre, und als Teilnehmer des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, wobei ich mich nicht nur auf die Arbeit auf der Linie der national-faschistischen Organisation der Ukraine beschränkte, sondern, mit der Verbindung dieser Organisation mit dem Block der Rechten und Trotzkisten beginnend, durch den Block der Rechten und Trotzkisten in eine umfassendere verschwörerische Arbeit der Rechten und Trotzkisten hineingeriet; gleichzeitig trage ich die Verantwortung für Vaterlandsverrat und für direkte Verbindung mit einflussreichen Kreisen gewisser faschistischer Staaten, die auf die Erfüllung der Aufgaben des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, auf den Sturz der Sowjetmacht und auf die Lostrennung einer ganzen Reihe von Gebieten von der UdSSR gerichtet war. Ich habe mich voll und ganz schuldig bekannt, und ich brauche nicht hinzuzufügen, dass ich nicht im Geringsten die Absicht habe, in meinen Aussagen das Ausmaß meiner Schuld zu mildern.

VORSITZENDER: Hat noch jemand Fragen an den Angeklagten Grinko?

WYSCHINSKI: Ich möchte einige Fragen präzisieren.

Erstens, ist Ihnen, Angeklagter Grinko, die Schädlingsarbeit des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ auf dem Gebiete der Versorgung der Bevölkerung mit Waren des täglichen Bedarfs - Brot usw., bekannt?

GRINKO: Zugleich mit der Schädlingsarbeit in der Großbautätigkeit und in der Landwirtschaft betrieb der „Block der Rechten und Trotzkisten“ eine ziemlich umfassende Unterwühlungsarbeit auf dem Gebiete des Warenumsatzes. Auf dieser Linie hatte ich direkte Verbindung mit Selenski.

WYSCHINSKI: Haben Sie diese Verbindung unmittelbar mit Selenski auf eigene Initiative oder auf seine Initiative oder auf Weisung dritter Personen hergestellt?

GRINKO: Das kann ich schwer sagen. Ich weiß es nicht recht genau. Aber es scheint, dass ich sie ohne Vermittler hergestellt habe, es war meine Initiative. Es gab da ein Zwischenglied. Gamarnik setzte mich in Verbindung mit einem der Stellvertreter Selenskis, mit Majorow, der mich mit ihm in Verbindung setzte. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass ich mich mit ihm unmittelbar in Verbindung gesetzt habe. Wenn ich mich später erinnere, werde ich es genau sagen.

WYSCHINSKI: Welche Verbrechen wurden auf diesem Gebiet begangen?

GRINKO: Auf dem Gebiete des Warenumsatzes betrieben Selenski und andere auf diesem Gebiet tätige Schädlinge, wie z. B. Bolotin im Volkskommissariat für Innenhandel, ihre Unterwühlungsarbeit. Sie riefen Warenhunger und Warenschwierigkeiten im Lande hervor. Dies gilt sowohl für Lebensmittel als auch für Waren des täglichen Bedarfs. So ist z.B. von gewaltiger Bedeutung die Frage der richtigen territorialen Verteilung der Warenmassen in Übereinstimmung mit der Höhe der Ernte, mit der Höhe der Nachfrage der Bevölkerung, mit dem Wohlstand der Bevölkerung in den einzelnen Bezirken. Gemäß den Direktiven des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ sandte Selenski in die Missernte-Bezirke große Warenmassen, während er in die Bezirke mit guter Ernte weniger Waren sandte, wodurch in einigen Bezirken Warenüberfluss und in anderen Warenmangel hervorgerufen wurde.

WYSCHINSKI: Woher ist Ihnen bekannt, dass Selenski so gehandelt hat?

GRINKO: Das ist mir von Selenski bekannt. Und auch mit Rykow habe ich darüber gesprochen, dass solche Maßnahmen zweckmäßig durchgeführt wurden und durchgeführt werden. Natürlich vom Standpunkt der Verschwörerorganisation.

WYSCHINSKI: Sie wissen das also persönlich von Selenski...

GRINKO: Wie auch von Rykow und Bolotin.

WYSCHINSKI: So dass Sie das nicht ohne feste Grundlage, sondern auf Grund solcher feststehender Tatsachen behaupten.

GRINKO: Selbstverständlich.

WYSCHINSKI: Selenski, Sie haben diesen Grinkos gehört. Wie stellen Sie sich dazu?

SELENSKI: Was Grinko sagt, stimmt.

WYSCHINSKI: Angeklagter Rykow, was sagen Sie dazu?

RYKOW: Ich muss es zum Teil bestreiten. Soweit von Selenski die Rede ist, habe ich darüber nicht gesprochen.

WYSCHINSKI: Nicht von Selenski, sondern von der Tatsache selbst, von der Schädlingsarbeit im Warenumsatz.

RYKOW: Ich habe mit ihm über solche Einzelheiten nicht gesprochen. Über Schädlingsarbeit im Allgemeinen wurde gesprochen. Dass ich aber einen konkreten Plan für die Schädlingsarbeit im Volkskommissariat für Finanzen ausgearbeitet hätte, das war nicht der Fall.

WYSCHINSKI: Woran können Sie sich erinnern?

RYKOW: Ich kann mich erinnern, dass es ein Gespräch über den Sturz der Sowjetregierung gegeben hat. Ich kann mich erinnern, dass gerade damals der Prozess der Schädlinge in Sibirien statt fand. Auf diesem Prozess wurden Schädlinge entlarvt, ertappt. Ich hatte mit Grinko ein Gespräch darüber, dass es schwieriger ist, Schädlinge auf dem Gebiete der Finanzen zu erwischen.

WYSCHINSKI: War es ein theoretisches Gespräch?

RYKOW: Nein, wir sprachen wie zwei Menschen, die Schädlingsarbeit als eine der Methoden der konterrevolutionären Arbeit anerkennen.

WYSCHINSKI: Das heißt, Sie haben wie zwei Mitglieder einer Schädlingsorganisation gesprochen?

RYKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Davon, dass man in der und der Welse Schädlingsarbeit leisten soll.

RYKOW: Ja, das steht außer Zweifel.

WYSCHINSKI: Und Sie können sich daran erinnern?

RYKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und an die Einzelheiten Ihrer Unterredung können Sie sich nicht erinnern?

RYKOW: Dass ein Plan oder ein Programm für die Schädlingsarbeit im Volkskommissariat für Finanzen ausgearbeitet worden wäre - daran kann ich mich nicht erinnern.

WYSCHINSKI: Das prinzipiell, - dass Schädlingsarbeit geleistet werden muss, um die empfindlichsten Stellen zu treffen?

RYKOW: Nein, daran kann ich mich nicht erinnern.

WYSCHINSKI: Und Sie, Grinko, können sich daran erinnern?

GRINKO: Ich werde ihn daran erinnern. Rykow, Sie waren bei mir im Volkskommissariat für Finanzen in der Angelegenheit der Entfaltung des Netzes von Postanstalten auf dem Lande. (Sie waren damals Volkskommissar für Post- und Fernmeldewesen) Nach Beendigung des sozusagen legalen Teils blieben Sie noch, und wir führten allgemeine politische Gespräche: über die ukrainischen Angelegenheiten und über die Verbindungen der ukrainischen illegalen Organisationen mit dem „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“. Sie sagten damals, dass die Schädlingsarbeit auf dem Gebiete der Finanzen zurückbleibe.

WYSCHINSKI: Sie sagen, dass der Angeklagte Rykow von einem Zurückbleiben des Volkskommissariats für Finanzen gesprochen habe. Worin aber?

GRINKO: In der Schädlingsarbeit.

WYSCHINSKI: Rykow sagte, dass Sie die Schädlingsarbeit schlecht betreiben.

GRINKO: Wir verständigten uns dann über die Grundlinien, nach denen die Arbeit entfaltet werden sollte.

WYSCHINSKI: Angeklagter Rykow, Sie bestätigen die Tatsache dieses, Gesprächs mit Grinko über Schädlingsarbeit?

RYKOW: Ich gebe das nicht zu. Ich bestreite das, und nicht nur, weil ich meine Schuld mildern möchte. Ich habe viele Dinge getan, die weit schwerwiegender sind als das.

WYSCHINSKI: Aber an das Gespräch über Schädlingsarbeit können Sie sich erinnern?

RYKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und darüber, dass es auf diesem Gebiet schwieriger ist, die Schuldigen zu fangen? Sie haben es wohl vorgezogen, dort zu schädigen, wo es schwer ist, den Schuldigen zu fangen, und nicht dort, wo man ihn leicht fangen kann?

RYKOW: Der Schädling kann nicht immer davon ausgehen.

WYSCHINSKI: Bekennen Sie sich der Schädlingsarbeit schuldig?

RYKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Jedenfalls führten Sie mit Grinko Gespräche über Schädlingsarbeit im Sinne möglicher kombinierter Schädlingsmaßnahmen, das heißt über verbrecherische Angelegenheiten.

RYKOW: In dem Sinne, dass diese Maßnahme notwendig ist und eine der Maßnahmen des Kampfes gegen die Sowjetmacht sein muss.

WYSCHINSKI: Folglich hatte er, Grinko, das Recht, zu sagen, dass Rykow ihm in dem erforderlichen Maße Weisungen über die Richtung der Schädlingsarbeit gegeben hat.

RYKOW: Wir konnten hier einander keine Weisungen geben, weil zwischen uns keine Meinungsverschiedenheiten bestanden.

WYSCHINSKI: Und brauchte Grinko auf dem Gebiete des Volkskommissariats für Finanzen als Schädling Ihre Weisungen oder wusste er selbst, was er zu tun habe?

RYKOW: Ich werde darüber in meinen Aussagen sprechen. Wir sprachen Anfang 1936, und er zählte eine ganze Reihe von Dingen auf, die, falls sie Tatsachen waren, schon viel früher, in Erscheinung treten mussten. Über die Resultate konnte man nach dem Budget urteilen, die Resultate des Budgets zeigten sich aber nach meiner Verhaftung, das heißt im Budget für 1937.

WYSCHINSKI: Sie geben die Formulierung, die Sie gebrauchten - der Sowjetmacht mit dem Sowjetrubel einen Schlag zu versetzen - nicht zu?

RYKOW: Ich habe das nicht gesagt.

WYSCHINSKI: Aber die Aufgabe war eine solche?

RYKOW: Ich erinnere mich seiner Worte über die Thesen Clemenceaus.

WYSCHINSKI: Wollte etwa Clemenceau jemandem mit dem Sowjetrubel einen Schlag versetzen?

RYKOW: Seinerzeit war bekannt, dass die Thesen Clemenceaus die Bestrebungen zum Regierungswechsel formulieren.

WYSCHINSKI: Das ist. klar, was die Thesen Clemenceaus anbelangt. Wie steht es aber mit der Schädlingsarbeit auf dem Gebiete des Volkskommissariats für Finanzen. Was hat das damit zu tun?

RYKOW: Mit der Schädlingsarbeit unmittelbar hat das, nichts zu tun. Das ist eine der gewaltsamen Formen.

WYSCHINSKI: Grinko sprach hier über die Militärgruppe der Verräter Tuchatschewski u, a., die seinerzeit vom Obersten Gerichtshof abgeurteilt wurden. Sie bestätigen jenen Teil der Aussagen, der Sie betrifft?

RYKOW: Ich wusste von der Militärgruppe Tuchatschewskis.

WYSCHINSKI: Was wussten Sie?

RYKOW: Diese Militärgruppe war unabhängig vom Block, unabhängig von den Schattierungen - ob Trotzkisten oder Bucharinleute - organisiert. Die Militärgruppe stellte sich als Ziel die gewaltsame Beseitigung der Regierung der Union und beteiligte sich insbesondere an der Vorbereitung des Kreml-Umsturzes.

WYSCHINSKI: War Ihnen das bekannt?

RYKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wann haben Sie es erfahren?

RYKOW: Ich habe es von Tomski 1934 erfahren.

WYSCHINSKI: 1934?

RYKOW: Wahrscheinlich.

WYSCHINSKI: Die Aussagen Grinkos in diesem Teil entsprechen der Wirklichkeit?

RYKOW: ,Ja.

WYSCHINSKI: Angeklagter Grinko, was für Gespräche führten Sie mit Rykow über die Ernte. Präzisieren Sie bitte.

GRINKO: Ich hatte mit Rykow ein Gespräch in dem Sinne, dass das „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ der Entfaltung der Unterwühlungsmaßnahmen auf dem Gebiet der Landwirtschaft gewaltige Bedeutung beimesse, was auch Rykow selbst betone, dass Bucharin diesen Standpunkt einnehme, dass dies aus folgender These folge: die Kollektivierung soll die Beseitigung des Widerspruches zwischen dem Niveau der industriellen Entwicklung des Landes und dem Entwicklungsniveau der Landwirtschaftwirtschaft ergeben, eine Beseitigung, die absolut unerlässlich ist für das weitere rasche Tempo des sozialistischen Aufbaus. Anderseits gibt es ein gewaltiges Programm von 7-8 Milliarden Pud Getreide, das die Frage des Wohlstandes des Dorfes und die Beseitigung des Gegensatzes zwischen Stadt und Dorf lösen wird. Dieses Programm mache in bedeutendem Maße einen großen Schritt vorwärts und sei von gewaltiger Bedeutung vom Standpunkt der Landesverteidigung für die Sowjetunion im Sinne der Schaffung von Getreidevorräten. Rykow sprach davon, was ihm vom Programm des „Zentrums der Rechten und Trotzkisten“ bekannt war, und dass eine Unterwühlungsarbeit entfaltet werden müsse.

WYSCHINSKI: Mich interessiert die Frage, warum es Rykow für nötig hielt, mit Ihnen darüber zu sprechen.

GRINKO Ich sprach mit Rykow darüber, dass wir, als ich die Verbindungen der ukrainischen Organisationen herstellte, unvermeidlich alle politischen Hauptfragen berühren müssten. Es kam bei uns zu einem Meinungsaustausch, der eine Information ergab. Meine Schädlingsarbeit im Volkskommissariat für Finanzen war der weitere Beitrag zu dieser allgemeinen politischen Verbindung. Anderseits hatte ich einst im Volkskommissariat für Landwirtschaft gearbeitet, war Stellvertreter des Volkskommissars und hatte persönliche Verbindungen. Für die Landwirtschaft, für die Maschinen- und Traktorenstationen, für die Kollektivwirtschaften usw. ist der ganze Mechanismus der Finanzierung von gewaltiger Bedeutung, und im Zusammenhang mit diesem Umstand führte Rykow ein Gespräch mit mir, erzählte mir von den Unterwühlungsmaßnahmen in der Landwirtschaft und wies mir die Richtung in dieser Hinsicht.

WYSCHINSKI: Angeklagter Grinko, haben Sie nicht auch mit Bucharin gesprochen?

GRINKO: Mit Bucharin hatte ich im Kreml eine kurze Unterredung über die prinzipielle Grundlage der Unterwühlungsmaßnahmen auf dem Gebiete der Finanzen. Eine Unterredung über die ablehnende Stellung des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ zu dem französisch-sowjetischen Vertrag.

WYSCHINSKI: Hat Bucharin Ihnen nicht auseinandergesetzt, warum er mit dem französisch-sowjetischen Vertrag unzufrieden ist?

GRINKO: Darüber werde ich im Weiteren sprechen. Dann wurde beim Fortgehen im Korridor so im allgemeinen ein Gespräch über die Zulässigkeit der Schädlingsarbeit als eine Methode des politischen Kampfes geführt, denn es ergäben sich da gewaltige ökonomische Verluste, er wies aber darauf hin, dass, insofern im gegebenen Falle die Politik den Ausschlag gäbe, die Schädlingsarbeit zugelassen werden müsse, anderseits werde die Herstellung breiter ökonomischer Verbindungen mit der kapitalistischen Welt die Möglichkeit geben, die Verluste, die es geben wird, wettzumachen.
Was den französisch-sowjetischen Vertrag anbelangt, so gab es im „Zentrum der Rechten und Trotzkisten“ (ich sprach darüber mit Rykow und Bucharin) eine ziemlich stark verbreitete ablehnende Stellung zum französisch-sowjetischen Vertrag, weil der französisch-sowjetische Vertrag eine Etappe der Friedenspolitik der Sowjetmacht war, die den Zusammenstoß mit dem Aggressor beseitigte oder hinausschob, jenen Zusammenstoß, auf den der „Block der Rechten und Trotzkisten“ seine Hoffnungen setzte; die Zerreißung des französisch-sowjetischen Vertrags zwecks Schaffung von Möglichkeiten für den Aggressor gehörte zum Programm des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“.

WYSCHINSKI: Sprechen Sie ausführlicher über die defätistische Linie des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“.

GRINKO: Die ersten Gespräche, die ich mit einer ganzen Reihe führender Leute des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ führte, zeigten mir, dass der grundlegende politische Kurs, wenn man real und nicht allgemein sprechen will, auf die Niederlage der Sowjetunion im Kriege mit dem Aggressor, auf die Kompensierung den Aggressors auf Kosten der Randgebiete der Sowjetunion und auf den auf diese Weise zu erreichenden Sturz der Sowjetregierung gerichtet war. Außerdem kann ich - worüber ich bereits aussagte - zum Beispiel daran erinnern, dass, als ich Rykow einige Einzelheiten des Verkaufs der ostchinesischen Bahn erzählte...

WYSCHINSKI: Vergessen Sie nicht, dass wir noch eine geschlossene Gerichtssitzung haben werden.

GRINKO: Ich vergesse es nicht. Aus den Repliken, die wir wechselten, wurde klar, dass dies die Beseitigung eines der Anlässe zu einem eventuellen Krieg mit Japan ist, der im Plan des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ enthalten ist.

WYSCHINSKI: Der „Block der Rechten und Trotzkisten“ orientierte sich also auf den Krieg?

GRINKO: Ja, auf den Krieg. Auf die militärische Niederlage der Sowjetunion und auf Unterstützung seitens des Aggressors In der Machtergreifung.

WYSCHINSKI: Orientierung auf die militärische Niederlage und auf Unterstützung seitens des Aggressors in der Machtergreifung?

GRINKO: Ja.

WYSCHINSKI: Haben Sie außer mit Rykow mit noch irgendjemandem einen Plan für Verbrechen ähnlicher Art ausgearbeitet?

GRINKO: Von den Beteiligten des gegenwärtigen Prozesses?

WYSCHINSKI: Ja, von den hier auf der Anklagebank Sitzenden.

GRINKO: Von den in diesem Prozess Angeklagten - ich kann mich nicht erinnern.

WYSCHINSKI: Sie haben also darüber mit Rykow gesprochen?

GRINKO: Ja, mit Rykow, und über den französisch-sowjetischen Vertrag mit Bucharin.

WYSCHINSKI: Mit Rosengolz?

GRINKO: Die Verbindung mit Rosengolz gab mir Gamarnik. Schon dieser Umstand allein spricht dafür, dass das auch mit gewissen trotzkistischen militärischen Plänen in Verbindung steht, aber mit Rosengolz sprach ich hauptsächlich über die Maßnahmen, über die Unterwühlungsarbeit, die er auf dem Gebiete des Außenhandels betrieb. Das ist der ökonomische Aspekt der gleichen defätistischen Position, indem Rosengolz Maßnahmen durchführte, die die Unterstützung des Aggressors auf Kosten der Sowjetunion bezweckten.

WYSCHINSKI: Mit einem Wort, in der verbrecherischen Tätigkeit Rosengolz waren dieselben defätistischen Motive enthalten, wie auch in Ihrer Tätigkeit?

GRINKO: Sie lagen dem Ganzen zugrunde.

WYSCHINSKI: So dass man nicht nur von Rykow und Bucharin, sondern auch von Rosengolz sprechen kann? Noch eine Frage. Die letzte. Wussten Sie von der Verschwörung Tuchatschewskis und von wem?

GRINKO: Von Gamarnik.

WYSCHINSKI: Und wer von den Beteiligten dieses Prozesses, die auf der Anklagebank sitzen, wusste, außer Rykow, von dieser Verschwörung?

GRINKO: Rosengolz wusste davon.

WYSCHINSKI: Und wer noch?

GRINKO: Von Rykow wusste es Bucharin.

WYSCHINSKI: Und wer noch?

GRINKO: Sonst niemand. Ich hatte nicht Verbindung mit allen. Ich glaube, dass Jagoda davon wusste...

WYSCHINSKI: Glauben Sie es, oder hat es Ihnen jemand gesagt? Warum glauben Sie das in so voraussehender Weise?

GRINKO: Auf Grund der allgemeinen Gespräche über Jagoda, die ich mit Rykow führte.

WYSCHINSKI: Sie sprechen natürlich vorsichtig, um nicht etwas Überflüssiges zu sagen.

GRINKO: Über Jagoda hat Rykow überhaupt meistens in Andeutungen gesprochen.

WYSCHINSKI: Somit wussten von der Verschwörung Tuchatschewskis und der Verbindung des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ mit der Verschwörergruppe Tuchatschewskis außer Ihnen noch Rykow, Rosengolz, Bucharin und, wie Sie es für möglich halten, Jagoda.

GRINKO: Und auch eine ganze Reihe anderer Personen, die jetzt nicht auf der Anklagebank sitzen.

WYSCHINSKI: Ich spreche von den Personen, die an diesem Prozess beteiligt sind.

Weitere Fragen habe ich nicht.

GRINKO: Ich möchte ein paar Worte zum Abschluss sagen.

VORSITZENDER: Bitte.

GRINKO: Die Aussage, die ich in der Voruntersuchung gemacht habe, könnte ich und muss ich einerseits als meine Entlarvung qualifizieren, denn ich machte meine Aussage nach der Verhaftung, zugleich aber waren diese Aussagen im Verlaufe der Zeit, in der ich sie machte, im Verlauf all dessen, was ich in der Voruntersuchung durchlebte, gleichzeitig auch Reue. Ich möchte zum Schluss meiner Aussagen betonen, dass ich hier die Verantwortung trage als Entlarvter, gleichzeitig aber trage ich auch die Verantwortung als ein Vaterlandsverräter, der sein Verbrechen bereut hat.

VORSITZENDER: Es tritt eine Pause von zwanzig Minuten ein.

 

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER (zu Wyschinski): Haben Sie noch Fragen an den Angeklagten Grinko?

WYSCHINSKI: Nein.

VORSITZENDER: Hat die Verteidigung Fragen?

VERTEIDIGUNG: Nein.

VORSITZENDER: Haben die Angeklagten Fragen?

DIE ANGEKLAGTEN: Nein.

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