PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

VORMITTAGSSITZUNG VOM 3. MÄRZ 1938

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN IWANOW

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen. Die Sitzung des Militärkollegiums des Obersten Gerichtshofes der UdSSR wird fortgesetzt. Wir gehen zum Verhör des Angeklagten Iwanow über.
Angeklagter Iwanow, bestätigen Sie die Aussagen, die Sie in der Voruntersuchung über Ihre antisowjetische Tätigkeit gemacht haben?

IWANOW: Ich bestätige sie voll und ganz. Ich bekenne mich verantwortlich und schuldig, schwerste Verbrechen begangen zu haben. Ich war ein aktiver Mitarbeiter der Gruppe der Rechten, des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“. Für diese meine schwersten Verbrechen bin ich bereit, jede Verantwortung zu tragen, die die Sowjetjustiz mir aufzuerlegen für nötig finden wird, und alle möglichen und von mir abhängigen Maßnahmen, soweit es meine Fähigkeiten gestatten werden, zu ergreifen, um meine verräterische Tätigkeit restlos aufzudecken und die ganze Niedertracht, die Gemeinheit und den Verrat an der gesamten Sowjetunion, an der Partei und am Volke sowie die verräterische Tätigkeit des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ und der Gruppe der Rechten zu entlarven.

VORSITZENDER: Haben Sie Fragen, Genosse Staatsanwalt?

WYSCHINSKI: Angeklagter Iwanow, Sie bekennen, Teilnehmer der illegalen antisowjetischen Organisation der Rechten und Trotzkisten gewesen zu sein?

IWANOW: Ich bekenne, aktiver Teilnehmer gewesen zu sein.

WYSCHINSKI: Erzählen Sie, unter welchen Umständen und wann sind Sie dieser illegalen antisowjetischen Organisation beigetreten.

IWANOW: Vielleicht wird es mir gestattet sein; einige Kriterien anzugeben, was die Situation geschaffen und mich auf diesen Weg getrieben hat?

WYSCHINSKI: Danach frage ich eben.

IWANOW: Mein erster Sündenfall begann im Jahre 1911, als ich Schüler der achten Klasse des Tulaer Gymnasiums war. Der zaristischen Ochrana gelang es, mich als ihren Agenten anzuwerben.

WYSCHINSKI: Und zwar wie hat man Sie angeworben?

IWANOW: Ich war im Gymnasium ein sehr undiszipliniertes Element, mau drohte mir mehrmals mit dem Ausschluss aus dem Gymnasium, aus der achten, letzten Klasse.

WYSCHINSKI: Mit welcher Behörde standen Sie als Agent der Ochrana in Verbindung und in welcher Stadt?

IWANOW: In der Stadt Tula. Den ersten Verrat beging ich auf folgende Weise...

WYSCHINSKI: Ich frage Sie: mit welcher Behörde waren Sie in Verbindung?

IWANOW: Mit der Ochrana-Verwaltung der Gendarmerie in der Stadt Tula.

WYSCHINSKI: Also mit der Gouvernements-Gendarmerieverwaltung von Tula?

IWANOW: Jawohl, in der Stadt Tula selbst.

WYSCHINSKI: Worin äußerte sich Ihre Arbeit und Tätigkeit als Agent der Ochrana?

IWANOW: In Tula war ich in einen großen Skandal verwickelt, der sich hei uns in der achten Klasse abspielte und der zur Entfernung der Lehrerin der deutschen Sprache führte, die den Gymnasiasten sehr verhasst war. Ich war ebenfalls aktiv an dieser Entfernung beteiligt. Ich verriet einige Teilnehmer, die diese Sache organisiert hatten, einen gewissen Frommerd und Judin.

WYSCHINSKI: Und weiter?

IWANOW: Nachher, und zwar noch vor meinem Eintritt in die Universität Moskau und meiner Abreise nach Moskau, brach ich die Verbindungen mit der Ochrana ab. Etwa 2-3 Monate vor der Abreise nach Moskau hatte ich bereits keine Beziehungen zu ihr. Im Jahre 1912 bezog ich die Universität Moskau. In der Universität nahm ich 1913 an einem der Streiks teil. Ich wurde aus der Universität ausgeschlossen, man schloss damals eine große Menge Studenten aus. In Moskau setzte sich die Ochrana von neuem mit mir in Verbindung.

WYSCHINSKI: Mit wem waren Sie in Tula persönlich in Verbindung?

IWANOW: Mit dem Rittmeister Mamatkasin.

WYSCHINSKI: Wie lange Zeit hindurch waren Sie in Tula Agent der Ochrana?

IWANOW: Ende 1911 wurde ich angeworben und ungefähr im Juni-Juli 1912 rissen die Verbindungen ab…

WYSCHINSKI: Ich möchte die näheren Umstände dieser Verbindungen klären. In Tula waren Sie also mit dem Rittmeister Mamatkasin als Agent der Tulaer Gendarmerieverwaltung in Verbindung? Hatten Sie einen konspirativen Decknamen?

IWANOW: Ich hatte einen: „Samarin“.

WYSCHINSKI: Hatten Sie eine Spitzelnummer?

IWANOW: Jawohl: 163.

WYSCHINSKI: Erhielten Sie eine Entschädigung für Ihre Arbeit?

IWANOW: Ich erhielt eine Entschädigung sowohl in Moskau als auch in Tula.

WYSCHINSKI: Folglich waren Sie ein besoldeter...?

IWANOW: Besoldeter Agent der zaristischen Ochrana.

WYSCHINSKI: Das war der Anfang Ihrer politischen Tätigkeit?

IWANOW: Dies ist eine schmachvolle Periode in meinem Leben.

WYSCHINSKI: Sodann übersiedelten Sie nach Moskau, bezogen im Jahre 1912 die Universität Moskau?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Hatten Sie infolge des Streiks keine Unannehmlichkeiten? Sie haben sie durch Ihren Verrat liquidiert?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Sie kamen nach Moskau, bezogen im Jahre 1912 die Universität Moskau?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Welche Fakultät?

IWANOW: Die medizinische.

WYSCHINSKI: Sie übersiedelten nach Moskau und brachten wirklich die Verbindungen mit der Ochrana nicht mit?

IWANOW: Nein, diese Verbindungen waren abgebrochen.

WYSCHINSKI: Worin äußerte sich der Abbruch Ihrer Verbindungen?

IWANOW: Etwa 2 Monate vor der Abreise nach Moskau erschien ich dort nicht mehr, und man belästigte mich nicht mehr. Ich ging nicht zu der fälligen Zusammenkunft...

WYSCHINSKI: Und man belästigte Sie nicht?

IWANOW: Man belästigte mich nicht.

WYSCHINSKI: Aber es war nicht so, dass Sie diese Beziehungen abbrachen, indem Sie erklärten, dass Sie nicht mehr zu arbeiten wünschen?

IWANOW: Nein, ich ging einfach nicht hin, und man belästigte mich nicht.

WYSCHINSKI: Und wenn man Sie belästigt hätte?

IWANOW: Und wenn man mich doch belästigt hätte, so wie es später der Fall war, als man mir beständig drohte, dass man mich entlarven werde, so wäre ich ganz bestimmt hingegangen.

WYSCHINSKI: Wie dies auch der Fall war.

IWANOW: Wie dies auch 1913 in Moskau der Fall war.

WYSCHINSKI: Somit kann man nicht von einem Abbruch Ihrer Verbindungen sprechen, sondern von einer vorübergehenden Unterbrechung Ihrer provokatorischen Tätigkeit aus von Ihnen nicht ganz abhängigen Gründen.

IWANOW: Richtig.

WYSCHINSKI: Im Jahre 1913 verrichten Sie eine aktive Arbeit in der Ochrana?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: In Moskau?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Mit wem traten Sie in Verbindung?

IWANOW: Mit Rittermeister Grjasnow und mit dem Oberstleutnant Kolokolow.

WYSCHINSKI: Worin bestand Ihre provokatorische Arbeit?

IWANOW: Ich gab Informationen über die revolutionäre Bewegung in Studentenorganisationen, ich informierte über einzelne Genossen, die sich mit revolutionärer Arbeit befassten. So verriet ich zum Beispiel aus der Tulaer Landsmannschaft die Revolutionäre Severny und Poniorow. Im Jahre 1916 lieferte ich Kaplun aus, einen der aktivsten Teilnehmer an der revolutionären Tätigkeit an der medizinischen Fakultät.

WYSCHINSKI: Wer war dieser Kaplun?

IWANOW: Wie mir scheint, ist er jetzt Professor für Arbeitsschutz.

WYSCHINSKI: Professor der Sozialhygiene an der Universität Moskau?

IWANOW: Ich weiss es nicht, er war hauptsächlich in Sowjetinstitutionen tätig, Jedenfalls erhielt er einen Gelehrtentitel.

WYSCHINSKI: Damals war er Student?

IWANOW: Ja, Student des letzten Kurses und einer der aktivsten Teilnehmer an der revolutionären Arbeit. Er stand an der Spitze unseres Ältestenrats.

WYSCHINSKI: Unter welchen Umständen lieferten Sie ihn aus?

IWANOW: Genau erinnere ich mich dessen nicht, es war dies 1915 oder 1916. Der Oberstleutnant Kolokolow ließ mich zu sich rufen und verlangte Informationen über Kaplun, der durch seine revolutionäre Tätigkeit an der medizinischen Fakultät bekannt war. Seit dieser Zeit begann ich nun meine Information. Im Jahre 1916 wurde auf Initiative Kapluns eine Versammlung von Vertretern der Studentenorganisationen angesichts der ansteigenden revolutionären Welle einberufen. Diese illegale Versammlung verriet ich und verriet damals auch Kaplun. Ich übernachtete bei ihm und versuchte ihn zu bereden, dass er die revolutionäre Literatur nicht vernichte, da ich wusste, dass er in derselben Nacht verhaftet werden sollte. Kaplun erwies sich als viel klüger als ich und vorsichtiger gegenüber der Ochrana, er vernichtete diese Literatur noch vor der Versammlung. Er wurde verhaftet, aber direkte Indizien, im besonderen revolutionäre Literatur, gelang es der Ochrana nicht zu finden, und Kaplun wurde, nachdem er einen Monat gesessen hatte, auf freien Fuß gesetzt.
Nachher informierte ich über die Tätigkeit der bolschewistischen Organisation an der Handelshochschule. Ich hatte Verbindungen mit dem Leiter der dortigen Bolschewiki, Ter.

WYSCHINSKI: Folglich sind Sie auch dort eingedrungen?

IWANOW: Ja, ich hatte Beziehungen zur bolschewistischen Organisation dieses Instituts und mir wurde die Aufgabe gestellt, dort einzudringen und Informationen zu geben.

WYSCHINSKI: Von wem wurde diese Aufgabe gestellt?

IWANOW: Vom Oberstleutnant Kolokolow.

WYSCHINSKI: Was für eine Information gaben Sie über diese Organisation?

IWANOW: Ich informierte über die revolutionären Stimmungen, darüber, welche Personen am meisten Initiative und Aktivität entfalten. Sodann informierte ich über eine Versammlung der Studenten und Arbeiter. In dieser Versammlung sollte Ter festgenommen werden, es gelang ihm jedoch, zum Fenster hinaus zu springen.

WYSCHINSKI: Von den Teilnehmern dieser bolschewistischen Gruppe haben Sie der Ochrana ebenfalls mehrere Personen verraten?

IWANOW: Ich habe nur Ter verraten, aber es gelang ihm, sich aus dem Staube zu machen.

WYSCHINSKI: Führten Sie in diesem Zeitraum noch irgendwelche verräterischen Akte aus?

IWANOW: Ich glaube, dies ist alles.

WYSCHINSKI: Wie lange waren Sie Agent der Moskauer Ochrana?

IWANOW: Von 1913 bis Ende 1916.

WYSCHINSKI: Erhielten Sie eine Entschädigung?

IWANOW: Ja, ich erhielt eine.

WYSCHINSKI: Wie groß war die Entschädigung, die Sie erhielten?

IWANOW: In der Tulaer Ochrana erhielt ich zuerst 15, dann 20 Rubel.

WYSCHINSKI: Und in der Moskauer Ochrana?

IWANOW: Zuerst erhielt ich 30, 40 Rubel und dann kam ich auf 6075 Rubel. Mit der Verbesserung der Qualität meiner Arbeit wurde mein Gehalt erhöht.

WYSCHINSKI: Bis Ende 1916 standen Sie mit der Moskauer Ochrana in Verbindung. Und von Ende 1916 an?

IWANOW: Ende 1916 brach ich mit der Ochrana.

WYSCHINSKI: Sie brachen ebenso wie in Tula?

IWANOW: Nein, ich brach entschieden und beschloss im Innern, dass ich erforderlichenfalls sogar die Universität verlassen und mich verbergen werde.

WYSCHINSKI: Wodurch erklärt sich dieser Ihr Beschluss?

IWANOW: Ich wuchs in solchen Verhältnissen auf, war mit den Interessen der Revolution und der Arbeiterklasse so verbunden...

WYSCHINSKI: Wie waren Sie verbunden? Sie waren in der entgegengesetzten Richtung verbunden.

IWANOW: Als ich mich entwickelte...

WYSCHINSKI: In der achten Klasse des Gymnasiums werden Sie Provokateur. Im Moment Ihrer Entwicklung sind Sie Provokateur?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Im Alter von 19 Jahren sind Sie Provokateur.

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Ins Alter von 20 Jahren sind Sie Provokateur.

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Ihre ganze Entwicklung verlief demnach in Provokationen.

IWANOW: Sie haben mich nicht recht verstanden…

WYSCHINSKI: Ich frage Sie, warum Sie Ende 1916 beschlossen, mit der Ochrana zu brechen?

IWANOW: Einerseits bedrückte mich dies, andererseits versetzten mich die aufsteigende revolutionäre Welle und die Perspektiven des Sieges der Arbeiterklasse in Schrecken, ich befürchtete, dass, wenn die Arbeiterklasse gesiegt hat, die Dokumente der Ochrana in die Hände der revolutionären Organisationen gelangen und ich als Provokateur entlarvt werden könnte.

WYSCHINSKI: Das ist eine andere Sache. Sie fürchteten einfach die Abrechnung.

IWANOW: Richtig.

WYSCHINSKI: Was hat das also damit zu tun, dass Sie mit der revolutionären Bewegung verbunden waren?

IWANOW: Nein, ich sagte nicht, mit der revolutionären Bewegung.

WYSCHINSKI: Sie sprachen von Ihrer revolutionären Erziehung. Ihre Erziehung war eine ganz bestimmte. Sie begannen Ihre politische Erziehung unter der Leitung des Rittmeisters der Tulaer Ochrana Mamatkasin und beendeten Sie unter der Leitung von Bucharin und Rykow. Habe ich Sie richtig verstanden?

IWANOW: Richtig.

WYSCHINSKI: Das eben ist Ihre politische Erziehung. Wann sind Sie in die bolschewistische Partei eingedrungen?

IWANOW: Im Jahre 1915.

WYSCHINSKI: Unter welchen Umständen? Aus eigenem Antrieb?

IWANOW: Oberstleutnant Kolokolow gab die Weisung, dass ich in die bolschewistische Partei einzutreten habe.

WYSCHINSKI: Also sind Sie auf die Weisung des Oberstleutnants der Moskauer Ochrana, Kolokolow, in die Partei eingetreten?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Das war ein dienstlicher Auftrag?

IWANOW: Daran kann kein Zweifel bestehen.

WYSCHINSKI: Zu welchem Zwecke?

IWANOW: Zum Zweck einer möglichst genauen Beleuchtung der Tätigkeit der bolschewistischen Organisation.

WYSCHINSKI: Zu Provokationszwecken?

IWANOW: Ja, zu Provokationszwecken.

WYSCHINSKI: Welche Dauer Ihrer Parteizugehörigkeit gaben Sie an?

IWANOW: In den Fragebogen schrieb ich, dass ich seit 1915 Parteimitglied bin.

WYSCHINSKI: Und den Umstand, dass Sie in die Partei im Auftrag des Oberstleutnants Kolokolow eingetreten sind, verschwiegen Sie natürlich? '

IWANOW: Dies habe ich niemandem erzählt.

WYSCHINSKI: Bis zu welchem Augenblick?

IWANOW: Bis zum Augenblick meiner Verhaftung.

WYSCHINSKI: Sagen Sie bitte, hatten Sie Verbindung mit der Gruppe der „linken Kommunisten“?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und wer hat Sie für diese Gruppe gewonnen?

IWANOW: Hier hat mich eigentlich niemand herangezogen, denn schon mein Sündenfall und die Angst, dass ich unter der Sowjetmacht entlarvt werden könnte, stießen und trieben mich in das Lager der Feinde. Und wie eine Krähe, die dem Geruch nach auf das Aas fliegt, schloss ich mich allerlei feindlichen Gruppen an, die gegen die Sowjetmacht kämpfen, denn ich rechnete darauf, dass ich dann, bei einer Restauration der Macht der Bourgeoisie, nicht entlarvt werde.

WYSCHINSKI: Wann haben Sie sich den „linken Kommunisten“ angeschlossen?

IWANOW: Ende 1917 oder Anfang 1918.

WYSCHINSKI: Sie haben sich also dieser Gruppe als Feind angeschlossen, der darauf rechnete, dass es Ihnen zusammen mit dieser Gruppe gelingen würde, die Sowjetmacht zu stürzen?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und dies erklären Sie damit, dass Sie auf diesem Wege sich zu legalisieren gedachten?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Handelten Sie also als Feind der Sowjetmacht?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und die „linken Kommunisten“ waren für Sie die passendste Gruppe?

IWANOW: Ja, sie kämpften gegen die Sowjetmacht, gegen die Partei.

WYSCHINSKI: Mit Provokationsmethoden. Und das war gerade nach Ihrem Geschmack?

IWANOW: Bei den „linken Kommunisten“ fand ich, was ich als Feind der Sowjetmacht und der Arbeiterklasse brauchte.

WYSCHINSKI: Was fanden Sie konkret In der Gruppe der „linken Kommunisten“?

IWANOW: Die Möglichkeit eines Kampfes gegen die Sowjetmacht und gegen die Partei.

WYSCHINSKI: Die Möglichkeit eines Kampfes gegen die Revolution, eines Kampfes gegen die Arbeiterklasse?

Geht man auf diese Periode ein, so kann man also sagen, dass Sie von 1911 bis mindestens 1918 einen Kampf gegen die Arbeiterklasse geführt haben?

IWANOW: Ich verriet sie und führte einen Kampf.

WYSCHINSKI: Standen Sie damals mit Bucharin in Verbindung?

IWANOW: Wir waren in einigen Beratungen zusammen, dann stellte mich Bucharin einmal vor die Frage, dass es zum Zeichen des Protestes gegen die Partei und gegen die Linie Lenin s notwendig sei, aus der Kommunistischen Partei auszutreten und eine eigene Partei zu organisieren. Man rechnete darauf, dass dies zu einem Zerfall der Kommunistischen Partei und zum Siege der „linken Kommunisten“ führen körne. Um diese Zeit stellte sich jedoch folgendes heraus: ich arbeitete damals als Parteiorganisator im Basmanny-Rayon. Es war mir nicht gelungen, die Unterstützung der Parteimasse für die Linie der „linken Kommunisten“ zu erlangen. Die Masse folgte restlos Lenin . Für mich war es klar, dass die ganze Arbeit der „linken Kommunisten“ zu einem Fiasko, zu einem Bankrott verurteilt ist. Ich begab mich dann an die Front.

WYSCHINSKI: Wozu?

IWANOW: Um mit den „linken Kommunisten“ zu brechen.

WYSCHINSKI: Wozu begaben Sie sich dann eigentlich an die Front?

IWANOW: An die Front begab ich mich... (Pause) Hier hatte ich einige Schwankungen und dann dachte ich, dass, je weiter aus den Augen, desto weniger werde ich zu bemerken sein, desto geringer werde die Gefahr meiner Entlarvung als ehemaliger Provokateur sein.

WYSCHINSKI: Wiederum aus Angst vor einer Entlarvung und nicht in der Absicht, die Sowjetordnung zu verteidigen?

IWANOW; Nein, nein.

WYSCHINSKI: Dafür interessiere ich mich. Was machten Sie nachher?

IWANOW: Dann begegnete ich Bucharin auf dem X. Parteitag, Wo ich mit ihm folgendes Gespräch hatte. Er sprach davon, dass er mit Lenin Meinungsverschiedenheiten in grundlegenden Fragen habe; er, Bucharin, sei jetzt mit der Vorbereitung seiner Kader beschäftigt, die auf seinen, Bucharins, ersten Ruf gegen Lenin aufzutreten bereit seien. Das war meines Erachtens die Vorstufe zur Schaffung der „Schule“ Bucharins.

WYSCHINSKI: Wie gedachte Bucharin gegen Lenin aufzutreten? In welchen Formen bereitete er sein Auftreten vor?

IWANOW: Er war in recht gereizter Stimmung. Er wartete einfach auf einen geeigneten Moment. Er wollte eigene Kader haben.

WYSCHINSKI: Wozu?

IWANOW: Dazu, um Lenin zu beseitigen.

WYSCHINSKI: Wie zu beseitigen?

IWANOW: Physische Methoden mit inbegriffen.

WYSCHINSKI: Und Sie sprechen noch von einer Schule? Eine schöne „Schule“!

IWANOW: Sie ist in der Partei als „Schule“ der „linken Kommunisten“ bekannt.

WYSCHINSKI: In Wirklichkeit jedoch ist dies keine „Schule“, sondern eine Bande, die Bucharin geschaffen hat. Fahren Sie in Ihren Erklärungen fort.

IWANOW: Ich sprach hier von der Bucharinschen „Schule“, da sie bereits aus der Terminologie bekannt ist.

WYSCHINSKI: In Wirklichkeit dagegen war dies keine „Schule“, sondern eine Bande.

Sie hatten also mit Bucharin eine alte Bekanntschaft?

IWANOW: Sie wurde von uns bis zum Augenblick der Verhaftung nicht unterbrochen.

WYSCHINSKI: Mich interessiert die Frage, handelte es sich bei Ihnen um eine alte oder um eine nicht alte Bekanntschaft?

IWANOW: Um eine alte.

WYSCHINSKI: Im Zusammenhang mit der Gruppe der „linken Kommunisten“, auf Grund der Verschwörungspläne vom Jahre 1918. Habe ich Sie richtig verstanden?

IWANOW: Jawohl.

WYSCHINSKI: Fahren Sie in Ihren Erklärungen fort.

IWANOW: Interessant war die Unterredung mit Bucharin im Jahre 1926. Er sagte unumwunden, dass man sich für einen Kampf in offener Schlacht gegen die Partei vorbereiten müsse. Haben Sie folgendes im Auge, sagte er, dass wir vorstoßen und durch unsere Aktionen ein Programm für die Konsolidierung aller unzufriedenen Elemente im Lande liefern. Aber dies, sagte er, ist nicht das Grundlegende und nicht die Hauptsache, sondern die Hauptsache an unserer Tätigkeit ist die Arbeit in der Illegalität zur Sammlung von Kadern, zum Einfangen der einflussreichsten Parteimitglieder in unsere Netze. Um diese Zeit trat die Erbitterung gegen die Parteileitung bereits sehr scharf in Erscheinung.

WYSCHINSKI: Weiter.

IWANOW: Im Jahre 1928 ging ich als zweiter Sekretär nach dem Nordkaukasus. Hier stellte Bucharin die Frage, dass ich im Nordkaukasus eine Gruppe der Rechten schaffe. Dabei sprach er davon, dass der Nordkaukasus in unserem Kampfe gegen die Partei und die Sowjetmacht von sehr großer Bedeutung sei. Wir müssen, sagte er, an die Spitze der entsprechenden Bauernbewegung, besonders des Kosakentums, der Bewegung gegen die Sowjetmacht, treten. Unsere Aufgabe sei es, den Nordkaukasus in eine russische Vendee zu verwandeln. Sie wissen, sagte er, dass der Kapitalismus gegenwärtig in eine neue Phase seiner Entwicklung eingetreten ist und dass in diesem Stadium der Kapitalismus recht hohe Elemente von Organisiertheit und Planmäßigkeit. aufweist. Der Kapitalismus, sagte er, weist neue frische Kräfte auf, die sicht in einem Fortschritt der Technik äußern und die in Wirklichkeit eine technische Revolution und gewissermaßen eine Verjüngung des Kapitalismus bedeuten. Dementsprechend müssten wir die Frage der Widersprüche, der Klassen, des Klassenkampfes usw. einer Revision unterziehen. In Marx müsse man radikale Korrekturen hineintragen. Die Art, wie Marx die Frage der proletarischen Revolutionen gestellt habe, tauge heute nicht mehr. Die Lehre Lenin s und Stalins von der Epoche des Imperialismus als einer Epoche der proletarischen Revolutionen stelle, sagte er, eine äußerst schädliche Utopie dar. Dies ist eigentlich unsere Ausgangsstellung, die uns zum Faschismus hinführt. Hier bin ich gezwungen, etwas vorzugreifen. Auf diese Frage kam ich mit Bucharin mehrmals zurück, weil ich mir dies nicht ganz zurechtlegen konnte, denn die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft stachen zu sehr hervor. Ich führte Bucharin auch die Tatsachen an, die heute auch einem Schüler der dritten Klasse unserer zehnjährigen Mittelschule klar wären. Ich wies ihn auf die Verschärfung der Beziehungen zwischen den kapitalistischen Staaten im Kampfe um die Neuverteilung der Märkte hin (Raub Abessiniens durch Italien, Raub der Mandschurei durch Japan), ich wies auf die Krise von 1930 hin, ich wies auf die Zunahme der Arbeitslosigkeit hin. Dann erklärte ich ihm zuletzt: Schauen Sie, der Faschismus ist im Grunde genommen aus einer hochgradigen Verschärfung, der Verschärfung der Klassenbeziehungen in der kapitalistischen Gesellschaft, emporgewachsen. Braucht denn die maßlos blutrünstige Bourgeoisie wirklich eine derartige Verschärfung dazu, damit der Kapitalismus irgendwie aus der Verschärfung innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft herauskommt.
Bucharin erklärte: Sie haben sich diese Fragen nicht gehörig überlegt. Der Faschismus, sagte Bucharin, entspricht den neuesten Tendenzen in der Entwicklung des Kapitalismus.
Wir kamen direkt zum Faschismus.

WYSCHINSKI: Was hat Ihnen Bucharin praktisch vorgeschlagen?

IWANOW: Praktisch schlug Bucharin vor, eine Gruppe der Rechten zu schaffen. Ich habe sie geschaffen. Er schlug vor, mit den feindlichen Elementen in Verbindung zu treten. Ich habe diese Arbeit ebenfalls verrichtet. Wir setzten uns mit dem kosakischen Kulakentum, mit den tückischen Elementen der Emigranten in Verbindung und bereiteten alles vor, um im Nordkaukasus mit Sicherheit einen Kulakenaufstand herbeizuführen.

WYSCHINSKI: Sie haben also in dieser Beziehung eine ganze Reihe praktischer Maßnahmen getroffen?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Auf direkte Weisung Bucharins?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Fahren Sie fort.

IWANOW: Von größtem Interesse ist meine verräterische Arbeit im Nordgau.

WYSCHINSKI: Wann wurden Sie nach dem Nordgau gesandt?

IWANOW: Im Jahre 1931. Vom Kaukasus übersiedelte ich als Sekretär des Gaukomitees des Nordgaus am 1.-2. April 1931.

WYSCHINSKI: Von den Weisungen Bucharins, von denen Sie soeben sprachen, ließen Sie sich auch in den folgenden Jahren leiten?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Als von einer allgemeinen Einstellung?

IWANOW: Ja. Die Arbeit im Nordgau muss man in zwei Perioden einteilen: die eine Periode dauerte von 1931 bis 1932, die zweite Periode beginnt mit 1934.

WYSCHINSKI: Worin besteht der Unterschied?

IWANOW: Im Jahre 1931-1932 galt für die Rechten die Frage der Machtergreifung als im Voraus beschlossen. So glaubten wir wenigstens.

WYSCHINSKI: Was heißt das, im Voraus beschlossen?

IWANOW: Ich werde das gleich erklären. Bei uns war folgendes: die Wachstumsschwierigkeiten, die das Land durchmachte, hielten wir für eine Krise der sozialistischen Wirtschaft, die Erbitterung des Kulakentums hielten wir für eine Zunahme der Unzufriedenheit der Bauernmassen und glaubten infolgedessen, dass die Situation die Machtergreifung begünstige. Bucharin stellte die Frage direkt so, dass die Macht unmittelbar uns in den Schoß falle.

WYSCHINSKI: Unmittelbar in den Schoß falle?

IWANOW: Ja, unmittelbar in den Schoß falle.

WYSCHINSKI: Man müsse folglich nur die Hände offen halten?

IWANOW: Etwa so.

WYSCHINSKI: Und wie stellte sich Bucharin die Machtergreifung vor, wenn die Macht einem von selbst In den Schoß fällt? Man könne dann die Hände in den Schoß legen?

IWANOW: Als ich nach dem Nordgau abreiste, erhielt ich von Bucharin den Auftrag zur Organisierung von...

WYSCHINSKI: Antworten Sie auf meine Frage, wenn Sie können. Sie sagen, dass Bucharin die Auffassung gehabt habe, dass die Macht Ihnen direkt in den Schoß falle? Ich frage nun, trafen Bucharin und seine Komplicen irgendwelche Maßnahmen, um den Erfolg dieses Prozesses sicherzustellen, sobald Ihnen die Macht in den Schoß fällt?

IWANOW: Ich sagte, dass wir Rechten speziell im Kaukasus die Kulakenelemente zu einem Aufstand im Lande organisierten. Dies taten wir auch an anderen Orten.

WYSCHINSKI: Aber der Nordkaukasus entscheidet hier die Frage nicht. Ich frage, welche Weisungen wurden von Bucharin im Zusammenhang mit dieser Prognose, in der, wie Sie sehen, Bucharin sich sehr verrechnet hat, erteilt. Was für ein praktisches Programm hatte er?

IWANOW: Sein praktisches Programm war die Vorbereitung eines Aufstandes.

WYSCHINSKI: Eben danach frage ich Sie, nämlich ob eine derartige Einstellung vorhanden war oder ob davon nur geredet wurde?

IWANOW: Nein, es war die Einstellung vorhanden. Als ich im Nordkaukasus weilte, war die Orientierung eben diese. Als ich nach dem Nordgau abreiste, wurde die Weisung erteilt, einen bewaffneten Aufstand vorzubereiten.

WYSCHINSKI: Dies resultierte aus der Aufgabe der Machtergreifung?

IWANOW: Dies resultierte aus den Aufgaben der Machtergreifung und des Sturzes der Sowjetmacht.

WYSCHINSKI: Wurde damals von Bucharin, Rykow die Frage der Machtergreifung gestellt?

IWANOW: Die Frage der Machtergreifung wurde vor 1931 gestellt.

WYSCHINSKI: Und Ihnen wurde im Zusammenhang damit die konkrete Aufgabe gestellt, Aufstandstrupps im Nordkaukasus zu organisieren?

IWANOW: Ja, Aufstandstrupps im Nordkaukasus und nachher im Nordgau zu organisieren.

WYSCHINSKI: Das war 1931?

IWANOW: Ja, das war 1931. Die Information dagegen, dass eine leitende Zentrale geschaffen wurde, erhielt ich von Bucharin im Jahre 1928, nämlich, dass ein Zentrum aus Bucharin, Tomski und Rykow geschaffen ist, und 1929 setzte er mich in Kenntnis, dass die Trotzkisten, Sinowjewisten und Rechten einen Block geschlossen haben.

WYSCHINSKI: In welchem Jahre?

IWANOW: Im Jahre 1929. Ich entfaltete eine sehr aktive Arbeit im Nordgau und schuf eine Gruppe der Rechten. 1934, als der Sieg der Partei und das Wachstum der sozialistischen Wirtschaft den Einfluss der Partei auf die Massen ungemein gefestigt hatten, bekamen wir natürlicherweise all dies zu spüren, und wir sahen dann, dass im Lande selbst keine inneren Kräfte vorhanden sind, um die Macht zu ergreifen, hier wurde nun die Frage anders gestellt. Bucharin stellte sie. Ich vergaß zu sagen, dass mich Bucharin 1932 mit Lobow in Verbindung gebracht hat.

WYSCHINSKI: Augenblicklich interessiert es uns nicht, mit wem Bucharin Sie in Verbindung brachte, mich interessiert Ihre Verbindung mit Bucharin, Ihre Verbindung mit dem Zentrum der Rechten.

IWANOW: 1934 erhielt ich von Bucharin einen Auftrag.

WYSCHINSKI: Wo befanden Sie sich damals?

IWANOW: Ich befand mich bis zum Oktober 1936 im Nordgau.

WYSCHINSKI: Was für einen Auftrag von Bucharin erhielten Sie während Ihres Aufenthaltes im Nordgau?

IWANOW: Folgenden: er sagte, dass wir innerhalb des Landes über keine Kräfte verfügen.

WYSCHINSKI: Ich frage Sie nicht danach, wie er die Lage charakterisierte.

IWANOW: Ohne das kann ich nicht formulieren, ich schweife nicht ab.

WYSCHINSKI: Ich frage, was für einen Auftrag erteilte Bucharin?

IWANOW: Bucharin gab den Auftrag, mit Hilfe der rechten Organisationen daranzugehen, eine Niederlage der Sowjetmacht bei einer Intervention, bei einem Kriege gegen die kapitalistischen faschistischen Staaten vorzubereiten.

WYSCHINSKI: Jetzt bekomme ich eine direkte Antwort zu hören. Sie werden noch das erzählen können, was Sie wollen, aber augenblicklich führe ich das Verhör und richte an Sie diejenigen Fragen, die das Gericht interessieren. 1934 gibt Bucharin die Einstellung auf Vorbereitung der Niederlage der Sowjetnacht unter günstigen Verhältnissen, im Falle eines Angriffs der Interventen?

IWANOW: Ja, und empfahl folgendes System von Maßnahmen: erstens an die Organisation von Aufstandstrupps überzugehen, und zwar in der Weise, dass sie während eines Krieges die Verkehrsverbindungen im Nordgau unterbinden könnten, da Archangelsk und der Nordgau...

WYSCHINSKI: Dieses „da“ werden wir nicht erörtern, wir begreifen, zu welchem Zwecke dies hätte geschehen sollen. Für uns ist es von Interesse, dass er Sie aufgefordert hat, Aufstandstrupps für den Kampf gegen die Sowjetmacht zu organisieren.

IWANOW: Ja, Aufstandstrupps zu formieren, die Diversions- und Schädlingsarbeit zu entfalten und terroristische Gruppen zu organisieren.

WYSCHINSKI: Ist das alles?

IWANOW: Ich glaube.

WYSCHINSKI: Welche Weisungen erteilte Bucharin in Bezug auf Spionage?

IWANOW: Er sprach darüber, dass Lobow diese Sache speziell organisiere, und er müsse mich informieren, wie die Sache weiter durchgeführt werden wird. Er sagte: „Sie müssen dem Residenten, der dort eingesetzt werden wird, durch Ihre Parteiorganisation alle nur irgendmögliche Hilfe erweisen, damit die Bedürfnisse der ‚Intelligence Service’ befriedigt werden.“

WYSCHINSKI: Bucharin hat Ihnen also Anweisungen gegeben, wie Sie die „Intelligence Service“ zu bedienen haben?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie sind diesen Anweisungen nachgekommen?

IWANOW: Ich bin ihnen nachgekommen, habe bedient, habe Material besorgt, habe Anweisungen durch diesen Residenten erhalten. Dabei stimmten diese Weisungen, die von der „Intelligence Service“ erteilt wurden, völlig mit den Direktiven überein, die ich vom Zentrum der Rechten erhielt.

WYSCHINSKI: Stimmten völlig überein? So dass Sie bisweilen nicht unterscheiden konnten, wo das Zentrum der Rechten und wo der ausländische Spionagedienst handelt?

IWANOW: Ja, hier war eine völlige Übereinstimmung zu verzeichnen.

WYSCHINSKI: Das ist auch kein Wunder. Und womit begründete Bucharin seine Weisung, dass Sie sich mit der „Intelligence Service“ in Verbindung setzen sollen?

IWANOW: Er sagte, dass dieses Land im Nordgau sehr große Interessen habe.

WYSCHINSKI: In welchem Gau?

IWANOW: Im Nordgau. Er sagte, dass das Zentrum der Rechten soll diesem Lande ein Übereinkommen über Unterstützung der Rechten heim Sturz der Sowjetmacht und bei der Aufrechterhaltung der von den Rechten ergriffenen Macht habe und dass in diesem Übereinkommen die Sicherstellung der Interessen der englischen Forst-Industriellen an der Forstwirtschaft des Nordgaus vorgesehen sei. Bucharin stellte die Frage, dass man die Sägewerke den Engländern in Konzession werde geben müssen, die neuen Sägewerke dagegen, die unter der Sowjetmacht erbaut wurden, werde man auf Rechnung der Tilgung der Zarenschulden abgeben müssen. Sodann sprach er 1934 davon, dass wir schon jetzt die Rechnung werden real begleichen müssen. Er sagte, wir müssen der englischen Bourgeoisie eine Vorschusszahlung leisten, um einerseits ihre Unterstützung nicht zu verlieren und andererseits ihr Vertrauen nicht einzubüßen. Entsprechend diesen Weisungen wurden durch Rosengolz und Lobow folgende Maßnahmen verwirklicht:
Das hochwertigste Holz wurde zu niedrigen Preisen verkauft. Dadurch wurde dem Sowjetstaat ein Verlust von mehreren Millionen Rubel in Valuta zugefügt. Bucharin erklärte diese Maßnahme als Vorschusszahlung an die englische Bourgeoisie für die Unterstützung, die sie versprochen hatte. Sonst, sagte er, würde man uns nicht für ernst zu nehmende Leute halten und das Vertrauen zu uns verlieren.

WYSCHINSKI: Den Kredit?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Gehen Sie jetzt zur Frage der terroristischen Tätigkeit und der terroristischen Pläne über.

IWANOW: Unserer Organisation im Nordgau war die Aufgabe gestellt, eine terroristische Gruppe zu schaffen.

WYSCHINSKI: Von wem war diese Aufgabe gestellt?

IWANOW: Von Bucharin. Bucharin kam einige Male auf diese Sache zurück, besonders nach der Ermordung Kirows. Er sprach davon, dass der Schuss auf Kirow gezeigt habe, dass vereinzelte terroristische Akte keine Resultate zeitigen, dass man terroristische Massenakte vorbereiten müsse, und dass wir erst dann ein Resultat erzielen würden. Seine Einstellung lief darauf hinaus, die Führung der Partei zu liquidieren, wobei folgende Überlegungen ausgesprochen wurden: gelingt dies vor dem Kriege, dann ist die Sache klar, und möglicherweise bricht unmittelbar darauf ein Krieg gegen die Sowjetunion aus. Sollte es uns jedoch aus irgendeinem Grunde nicht gelingen, Akte zur Liquidierung der Führung der Partei vor dem Kriege zu verwirklichen, so werden wir dies während des Krieges tun, was große Verwirrung hervorrufen, die Wehrmacht des Landes untergraben und zur Niederlage der Sowjetmacht im Kriege gegen die Imperialisten in hohem Maße beitragen werde. Bucharin bat, die Namen der Personen zu nennen, die wir als Terroristen angeworben haben. Wir teilten Bucharin die Namen dieser Personen mit.

WYSCHINSKI: Folglich nahm in Ihrer verbrecherischen Tätigkeit auch die Vorbereitung terroristischer Akte einen gewissen Platz ein?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie, Sie bestätigen dies, handelten auf die direkten Weisungen...

IWANOW: Bucharins.

WYSCHINSKI: Nur Bucharins oder noch jemandes?

IWANOW: Bucharins, Lobows.

WYSCHINSKI: Nein, von den in der vorliegenden Strafsache Angeklagten.

IWANOW: Nein. Sonst gab niemand mehr Weisungen.

WYSCHINSKI: Sie handelten somit auf die direkten Weisungen Bucharins. In welchem Jahre war dies?

IWANOW: Die erste Weisung bezüglich der Organisierung einer terroristischen Gruppe erhielt ich 1934, 1935 wurde auf uns ein Druck ausgeübt, als man davon sprach, dass wir die Arbeit schlecht betreiben.

WYSCHINSKI: Was haben Sie noch über Ihre Schädlingstätigkeit auszusagen?

IWANOW: Wir arbeiteten auch auf einen Aufstand hin.

WYSCHINSKI: Davon haben Sie bereits gesprochen.

IWANOW: Wir sammelten Aufstandstrupps, hauptsächlich um Archangelsk, um im Moment einer Intervention die Verbindung von Archangelsk mit den zentralen Eisenbahnlinien unseres Landes zu unterbrechen und dadurch den Engländern die Besetzung dieses waldreichen Bezirkes und wichtigsten Hafens zu erleichtern.
Sodann wurde Diversionsarbeit hauptsächlich in der Holzindustrie betrieben, weil der Nordgau ein Waldgau ist. Diese Tätigkeit war darauf gerichtet, die technische Neuausrüstung der Forstwirtschaft zu hintertreiben, die mechanisierten Holzschläge zu verunreinigen und zu zerstören, das Flößen zu vereiteln. Im Jahre 1936 verflößten wir im Ergebnis der Schädlingstätigkeit unserer rechten Organisation im Nordgau an die Sägewerke eine bedeutende Anzahl Kubikmeter Holz zu wenig. Dieser Umstand verurteilte eine Reihe von Sägewerken zum Stillstand und vergrößerte in unserem Lande den Hunger nach Holzmaterialien, was der Großbautätigkeit einen schweren Schlag versetzte.
Im Volkskommissariat für Holzindustrie setzte ich dieselbe Schädlingstätigkeit fort und bereitete terroristische Akte vor. Die Hauptaufmerksamkeit war darauf gerichtet, die technische Neuausrüstung der Holzschläge, die Großbautätigkeit, besonders in der Zellulose- und Papierindustrie zum Scheitern zu bringen, um im Lande eine Papiernot zu erzeugen und dadurch der Kulturrevolution einen Schlag zu versetzen, die Versorgung des Landes mit Schreibheften zu hintertreiben und dadurch bei den breiten Massen Unzufriedenheit hervorzurufen. Wir ergriffen alle Maßnahmen, um den Bau neuer Betriebe aufzuhalten und die Arbeit der bestehenden Betriebe zu vereiteln. Eine ganze Reihe von Maßnahmen rekonstruktiver Natur, die die Arbeit der Papierindustrie verbessern sollten, hintertrieben wir ebenfalls absichtlich und drosselten dadurch das Programm der Papiererzeugung ab.
Dies scheint alles zu sein. Vielleicht haben Sie noch irgendwelche Fragen?

WYSCHINSKI: Infolge welcher Umstände nahm Ihre verbrecherische Tätigkeit ein Ende?

IWANOW: Infolge der Verhaftung.

WYSCHINSKI: Folglich haben Sie bis zu Ihrer Verhaftung...

IWANOW: Bis zu meiner Verhaftung fuhr ich fort, dem „Block der Rechten und Trotzkisten“ anzugehören und im Auftrage des Zentrums der Rechten eine aktive Unterwühlungs-, Spionage-, Terror-, Diversions- und Schädlingsarbeit zu betreiben.

WYSCHINSKI: Vorläufig habe ich keine Fragen mehr.

VORSITZENDER: Hat die Verteidigung Fragen?

DIE VERTEIDIGER: Nein.

BUCHARIN: Ich habe eine Frage. Ich möchte den Bürger Iwanow fragen. Wenn ich mich nicht irre, sahen wir uns das letzte Mal im März 1936.

IWANOW: Ich glaube, wir trafen uns auch später. In einer der Herbstplenarsitzungen des Zentralkomitees der Partei, wo wir eine Unterredung hatten. Es war die Rede davon, dass in der Organisation angesichts der Siege der Partei eine sehr große Depression herrscht und große Schwankungen zu bemerken sind. Die Leute beginnen sich abzuwenden, große Kräfte besitzen wir nicht. Ich möchte an den Inhalt des Gesprächs erinnern, vielleicht erinnert sich Bucharin an dieses Gespräch. Wir haben beide, Bürger Bucharin, gegen die Sowjetmacht so viele Gemeinheiten begangen, dass Sie alle Kalenderdaten verwechseln konnten. Ich werde Sie an die Einzelheiten unseres Gesprächs erinnern.

WYSCHINSKI: Der Angeklagte Bucharin fragt Sie danach, wann Sie mit ihm das letzte Mal zusammentrafen.

IWANOW: Ich traf mich mit ihm 1937. Im Jahre 1937 verhielt er sich uns gegenüber konspirativ.

WYSCHINSKI: Er verhielt sich konspirativ?

IWANOW: Ja, er verhielt sich konspirativ aus Angst, dass man ihn „abfassen“ könnte. Bürger Bucharin behauptete, unsere Verbindung sei im März 1936 abgebrochen worden...

WYSCHINSKI: Er behauptete nichts, er fragte nur. Sie behaupten, dass bis zu Ihrer Verhaftung... bis zu welchem Monat? Wann wurden Sie verhaftet?

IWANOW: Ich wurde später als er verhaftet.

WYSCHINSKI: Folglich wurde bis zu seiner Verhaftung die Verbindung nicht abgebrochen?

IWANOW: Sie wurde nicht abgebrochen, aber diese Begegnungen waren zufällige, die Begegnungen fanden unter solchen Bedingungen statt, damit niemand denken könne, dass wir Begegnungen miteinander organisieren.

WYSCHINSKI (zu Bucharie): Sie stellen es in Abrede, dass Sie bis zum Moment Ihrer Verhaftung mit Iwanow zusammenkamen.

BUCHARIN: Nein, ich stelle dies nicht in Abrede, sondern bat einfach Iwanow, dass er sich daran erinnere, wann ich mit ihm das letzte Mal zusammengekommen bin, wo wir uns trafen und wovon er mit mir sprach.

IWANOW: Ins Verlaufe des Jahres 1936 sahen wir uns mehrmals, im Besonderen ist Dezember oder November 1936, ich stellte Bucharin vor die Frage, dass die Organisation in Verfall gerät, dass die Siege der Partei und die Erfolge des sozialistischen Aufbaus, der Enthusiasmus der Massen bei diesem Aufbau so wirken, dass die Schwankungen, besonders an der Peripherie, ungemein zunehmen, dass die Ermordung Kirows durch uns dazu geführt hat, dass die Wut der Massen eine ungeahnte Höhe erreicht hat, und unsere verräterische, niederträchtige Arbeit der Rechten ungemein erschwert, dass hier und dort unsere Teilnehmer von den Massen selbst entlarvt werden, und ich stellte die Frage, ob es sich nicht aus der ganzen im Lande herausgebildeten Situation ergebe, dass wir ganz und gar bankrott machen werden.

WYSCHINSKI: Das haben Sie Bucharin gesagt?

IWANOW: Ja. Und niemals sah ich Bucharin so wütend und erbost wie damals.

WYSCHINSKI: Wann war das?

IWANOW: Ende 1936. Er stürzte sich auf mich: Sie Feigling, Sie Panikmacher, Sie kommen mir immer mit den „Massen“, den Massen darf man nicht nachgeben, Sie müssen wissen, dass die Organisation der Rechten gegen die Massen Krieg führen wird, und Sie wollen ihnen nachgeben.

WYSCHINSKI: Er wollte gegen die Massen Krieg führen?

IWANOW: Ja. Und weiter stellte er die Frage so, dass, falls es Abtrünnige gäbe, so müsse man sich zu viel weitgehenderen Schritten entschließen, zur Vernichtung jener, die vor der Sowjetmacht offen Reue üben wollen und dadurch unsere rechte Organisation entlarven können. Die Sache ist die, dass in der Organisation der Rechten die Direktive erteilt war, diejenigen zu vernichten, die sich von den Rechten abwenden und ihre Tätigkeit aufdecken. Dies wurde auch mit einer Person gemacht, die sich anschickte, an das Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten eine Erklärung mit der Entlarvung der Tätigkeit der Rechten im Nordkaukasus zu richten, wie mir Lobow erzählte, und diese Person schaffte man aus dem Wege. Und Bucharin deutete mir direkt an: Sie wissen ja, dass wir uns bei niemandem zieren werden, falls bei uns jemand Angst bekommt und zu zittern beginnt, wir haben ja spezielle Leute, die die erforderlichen Maßnahmen, nämlich Morde, durchführen.
Im Jahre 1937 war unser Gespräch auch ein sehr kurzes.

WYSCHINSKI: Ein kurzes?

IWANOW: Ein kurzes, weil da bereits sehr große Vorsicht herrschte. Die gesamte Organisation war von Angst erfüllt, ich würde sagen, dass die Tätigkeit der Rechten eigentlich unmittelbar vor einer gründlichen Entlarvung stand. Besonders in diesem Gespräch wurde von mir die Frage gestellt: und wo bleibt denn die Intervention, wo der Überfall auf die Sowjetunion? Bucharin teilte mir mit, dass Maßnahmen getroffen werden, um die faschistischen Länder, sowohl Japan als auch Deutschland, unbedingt im Jahre 1937 zu einer Offensive zu veranlassen, und dass Chancen dazu vorhanden sind.

WYSCHINSKI: Sind das alle Fragen?

BUCHARIN: Alle.

WYSCHINSKI: Haben Sie keine Fragen mehr?

BUCHARIN: Ich erhielt keine Antwort auf die Frage, die ich gestellt habe. Ich bitte Iwanow zu bezeichnen, wenn er schon alles so gut in Erinnerung hat, in welchen Monaten des Jahres 1937 ich mit ihm zusammengekommen bin. Erinnert er sich dessen nicht, so mag er sagen, dass er sich dessen nicht erinnert.

VORSITZENDER (zu Iwanow): Antworten Sie kurz.

IWANOW: Warum denkt Bucharin unbedingt, dass ich alle Monate, in denen ich mit ihm gesprochen habe, im Gedächtnis haben muss. Ich sagte bereits, dass dies Anfang 1937 der Fall war, es konnte möglicherweise im Januar oder Februar der Fall gewesen sein.

WYSCHINSKI: Sie erinnern sich nicht?

IWANOW: Genau kann ich mich dessen nicht erinnern, das war im Januar oder Februar, wir hatten so viel verschiedene Gespräche, dass man sich an alles nicht erinnern kann.

VORSITZENDER (zu Wyschinski): Haben Sie noch Fragen?

WYSCHINSKI: Nein.

VORSITZENDER (zu Bucharin): Haben Sie noch Fragen?

BUCHARIN: Ich habe keine Fragen mehr.

VORSITZENDER: Es tritt eine Pause von 20 Minuten ein:

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Setzen Sie sich.
Genosse Staatsanwalt, haben Sie Fragen an Iwanow?

WYSCHINSKI: Ich habe welche an Bucharin.

Angeklagter Bucharin, der Angeklagte Iwanow erzählte hier, dass er 1928 und sogar bereits etwas früher mit Ihnen Gespräche über die sowjetfeindliche Tätigkeit der Organisation der Rechten hatte, der Sie angehörten. Sie bestätigen dies?

BUCHARIN: Ja. Gestatten Sie mir, zu erzählen, was ich bestätige...

WYSCHINSKI: Mich interessiert nur diese Frage, ob Sie es bestätigen oder nicht.

BUCHARIN: Ja, ich bestätige es. Erstens das, dass ich Iwanow seit der Epoche des Brester Friedens, seit 1918 kenne.

Während des X. Parteitages riet ich Iwanow wirklich, den ich für konterrevolutionär gesinnt hielt, die parteifeindliche Arbeit fortzusetzen.

WYSCHINSKI: Mich interessiert es augenblicklich, ob der Angeklagte Iwanow richtig ausgesagt hat, dass er im Jahre 1928 mit Ihnen eine Unterredung über sowjetfeindliche Tätigkeit gehabt habe? Sie bestätigen dies?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Sie halten die Erklärung des Angeklagten Iwanow für vollkommen richtig, dass Sie ihm 1927-1928, als er sich nach dem Nordkaukasus begab, Direktiven erteilten?

BUCHARIN: Ganz richtig, als er nach der Nordkaukasus reiste, gab ich ihm im Namen des Zentrums der Rechten eine Direktive bezüglich der Werbung von Leuten und des Aufbaus einer Organisation. Dabei wurden auch mehrere bestimmte Personen ins Auge gefasst, wie Stepanow, Piwowarow, Tolmatschow u. a.
Es ist vollkommen richtig, dass ich ihn in den Jahren 1931 bis 1932 - um mich in seinem Jargon auszudrücken - an Lobow übergeben habe, der ihn leiten sollte.
Vollkommen richtig ist die Behauptung des Angeklagten Iwanow, dass ich ihn über die Einstellungen des Zentrums der Rechten auf dem laufenden hielt, von der Rjutinschen Plattform an bis zu den folgenden Einstellungen, die dem Gericht zur Genüge bekannt sind.
Es ist vollkommen richtig, dass ich mit ihm auch nach 1931 bis 1932 zusammengekommen bin, die Termine kann ich jedoch hier nicht angeben.

WYSCHINSKI: Danach werden wir später fragen. Ich wiederhole nochmals, mich interessiert hier das Jahr 1928. Folglich bestätigen Sie diesen Teil der Aussagen des Angeklagten Iwanow?

BUCHARIN: Dass ich mit ihm damals Begegnungen hatte, bestätige ich.

WYSCHINSKI: Und dass Sie die Gespräche geführt haben, von denen er dem Gericht erzählte, nämlich über die partei- und sowjetfeindliche Tätigkeit?

BUCHARIN: Diese Gespräche hatten wir.

WYSCHINSKI: Der Angeklagte Iwanow sagte aus, dass Sie ihn aufgefordert haben, im Nordkaukasus eine Organisation der Rechten mit bestimmten Aufgaben zu schaffen. Dies bestätigen Sie auch?

BUCHARIN: Hier findet eine Verwechslung der Daten statt.

WYSCHINSKI: Vor allem, die Tatsache selbst bestätigen Sie?

BUCHARIN: Die Tatsache selbst bestätige ich, nämlich dass ich ihm Weisungen über den Aufbau einer Organisation gegeben habe.

WYSCHINSKI: Einer getarnten?

BUCHARIN: Einer getarnten, illegalen, konterrevolutionären. Aber in jener Periode hat der akute Kampf gegen die Partei und gegen die Sowjetmacht nicht jene Formen angenommen...

WYSCHINSKI: Mich interessiert hier die Aussage des Angeklagten Iwanow, die das Gericht zu hören bekam. Er sagte, Bucharin hat mir, d. h. Iwanow, die Weisung gegeben, im Nordkaukasus an die Schaffung einer getarnten Organisation der Rechten heranzugehen. Bestätigen Sie dies?

BUCHARIN: In dieser Hinsicht bestätige ich es.

WYSCHINSKI: Folglich hatten Sie 1928 den Weg illegaler, unterirdischer Tätigkeit beschritten?

BUCHARIN: Das war der Moment eines solchen Überganges...

WYSCHINSKI: Ich frage nicht, wann es war, sondern ob dies Tatsache ist oder nicht.

BUCHARIN: Ich bestätige dies.

WYSCHINSKI: Sprachen Sie auch damals mit Iwanow davon, dass ein Zentrum der rechten Organisation bereits funktioniert?

BUCHARIN: Ich sprach davon.

WYSCHINSKI: Aus wem bestand es?

BUCHARIN: Aus drei Personen: Tomski, Rykow und mir, Bucharin.

WYSCHINSKI: Sprachen Sie davon, dass dieses Zentrum den Sturz der Sowjetmacht vorbereitet?

BUCHARIN: Ich sprach davon, aber dies fällt in die folgende Zeitperiode.

WYSCHINSKI: In welche?

BUCHARIN: Ich glaube, dass dies ungefähr in die Jahre 1932 bis 1933 fällt.

WYSCHINSKI: Also etwas später, aber die Tatsache eines solchen Gespräches mit Iwanow bestätigen Sie?

BUCHARIN: Ich bestätige sie. Ich kann mich weder des Tages noch des Monats erinnern, aber das war die allgemeine Orientierung des Zentrums der Rechten.

WYSCHINSKI: Und das Gespräch darüber, dass Sie sich zu offenen Kämpfen rüsteten, bestätigen Sie?

BUCHARIN: Offene Kämpfe konnte es 1926 nicht geben. Die Aussage Iwanows, dass wir uns zu offenen Kämpfen rüsteten, ist eine Verwechslung der Daten.

WYSCHINSKI: In der Voruntersuchung sagten Sie jedoch aus, dass dies in das Jahr 1926 fällt.

BUCHARIN: Ja, aber nicht in dem Sinne, wie man es hier auffasst, Bürger Staatsanwalt.

WYSCHINSKI (wendet sich ans Gericht): Bitte mir Band 5 mit den Aussagen Bucharins, Blatt 113, zu geben. Gestatten Sie mir zu verlesen.

BUCHARIN: Verzeihung, welche Seite?

WYSCHINSKI: Seite 113, Aussagen Bucharins, Band 5. Das sind Ihre Aussagen vom 25. Dezember 1937. Hier heißt es auf Seite 113: „Von neuem stellte ich Verbindungen mit Iwanow während des X. Parteitages her, unterhielt mich mit ihm in den Wandelgängen ... In den Jahren 1926-1927, als wir uns zu offenen Kämpfen gegen die Partei rüsteten, empfahl ich Iwanow, an offenen Vorstoßen gegen die Partei nicht teilzunehmen, und zwar von der Erwägung ausgehend, dass Iwanow ein Praktiker ist und dass man ihn bis zu einem gewissen Zeitpunkt zweckmäßigerweise in Reserve halten muss.“
Bestätigen Sie dies?

BUCHARIN: Auf Seite 113 steht bei mir etwas anderes geschrieben.

WYSCHINSKI: Ist dort Ihre Unterschrift?

BUCHARIN: Dies ist meine Unterschrift, und diese Stelle ist vollkommen richtig. Aber ich besitze ein Aktenstück, wo die Nummerierung der Seiten eine ganz andere ist.

VORSITZENDER: Angeklagter Bucharin, es kommt nicht auf die Nummerierung an.

WYSCHINSKI: Angeklagter Bucharin, fand im Jahre 1926-1927 ein Gespräch mit Iwanow darüber statt, dass Sie, eine Gruppe rechter Konspiratoren, sich zu offenen Kämpfen gegen die Partei rüsten?

BUCHARIN: Ich bitte um Verzeihung, die Sache ist die, dass es sich um eine offene Aktion, aber nicht um offene Kämpfe handelt.

WYSCHINSKI: Angeklagter Bucharin, hat dieses Gespräch, das ich Ihnen zitiert habe, stattgefunden?

BUCHARIN: Es hat stattgefunden, aber die Worte „offene Kämpft“ hatten nicht den Sinn gewaltsamer offener Kämpfe.

WYSCHINSKI: Sie sprechen von offenen Kämpfen, davon haben Sie auch mit Iwanow gesprochen.

BUCHARIN: Ich sprach nicht von gewaltsamen...

WYSCHINSKI: Sie sprachen davon, dass man Iwanow erhalten müsse?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Sie sprachen davon, dass sich Iwanow nicht in einen offenen Kampf einlassen soll?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Sie sprachen von offenen Kämpfen?

BUCHARIN: Bei Iwanow sind die Daten verwechselt.

WYSCHINSKI: Verzeihen Sie, bei ihm ist nichts verwechselt, wir sehen, dass bei Ihnen Wirrwarr herrscht.

BUCHARIN: Wir sprachen von offenen Kämpfen nicht im Sinne eines bewaffneten Aufstandes.

WYSCHINSKI: Ich spreche von offenen Kämpfen.

BUCHARIN: Ich habe Sie missverstanden, Bürger Staatsanwalt.

WYSCHINSKI: Ich bitte um Entschuldigung. Sie haben mich missverstanden, Bürger Angeklagter.

BUCHARIN: Der Zwischenfall ist erledigt.

WYSCHINSKI: Wenden wir uns zu Ihrem Band, Seite 120, dort finden wir Ihre Aussagen.

BUCHARIN: Darüber verständigte ich mich mit Iwanow: „In den Jahren 1926-1927, als wir uns zu offenen Kämpfen gegen die Partei rüsteten, empfahl ich Iwanow, an den offenen Kämpfen nicht teilzunehmen und sich in Reserve zu halten.“ Das stelle ich nicht in Abrede.

WYSCHINSKI: Dann im Jahre 1927. Iwanow begab sich nach dem Nordkaukasus und Sie gaben ihm einen Auftrag. Sie bestätigen dies? Zur Kontrolle stelle ich eine Frage. Sie gaben ihm die Weisung, sich mit der Organisierung einer illegalen Gruppe der Rechten zu befassen? Stimmt dies?

BUCHARIN: Das stimmt.

WYSCHINSKI: Ich betone: einer illegalen?

BUCHARIN: Einer illegalen.

WYSCHINSKI: Dies bestätigen Sie also. Sie beauftragten ihn ebenfalls, eine Reihe Ihrer Aufträge zu erfüllen, mit dieser Organisation in der Periode des Jahres 1928 im Zusammenhang standen. Es handelte sich nicht allein um die Werbung, sondern auch um die Organisierung von Aufstandstrupps?

BUCHARIN: Mit der Technik dieser Sache befasste ich mich nicht.

WYSCHINSKI: Ich rede nicht von der Technik der Organisierung von Aufstandstrupps, ich spreche von der Plattform der Rechten, die die Einstellung auf Aufstände enthielt. Als Sie Iwanow mit der Schaffung einer illegalen Organisation beauftragten, fand damals zwischen Ihnen ein Gespräch über Aufstandstrupps statt?

BUCHARIN: Damals fand kein solches Gespräch statt und konnte nicht stattfinden.

WYSCHINSKI: Womit sollten sich die illegalen Organisationen denn sonst befassen?

BUCHARIN: Die illegalen Organisationen sollten sich mit der Sammlung der Kräfte für den Kampf gegen die Partei befassen, der sich verschärft hatte.

WYSCHINSKI: Nur mit den Vorbereitungen zum Kampf?

BUCHARIN: Das war ein solches Stadium in der allgemeinen Entwicklung der rechten Abweichung.

WYSCHINSKI: Und wann stellten Sie die Frage der Aufstandstrupps?

BUCHARIN: Der Übergang zu Gewaltmaßnahmen datiert ungefähr aus dem Jahre 1932.

WYSCHINSKI: Wo befand sich damals Iwanow?

BUCHARIN: Dessen entsinne Ich mich nicht.

WYSCHINSKI: Angeklagter Iwanow, wo befanden Sie sich 1932?

IWANOW: Im Jahre 1932 befand ich mich im Nordgau.

WYSCHINSKI: Haben Sie die Frage der Organisierung und Formierung von Aufstandsabteilungen debattiert, und in welcher Form?

IWANOW: Sie wurde debattiert. Bucharin stellte direkt die Frage der Verbindung mit den unzufriedenen Kulakenelementen des Kosakentums.

WYSCHINSKI: Das ist doch nicht im Nordgau, sondern im Nordkaukasus?

IWANOW: Ja, im Nordkaukasus.

WYSCHINSKI: Dann bezieht sich das nicht auf das Jahr 1932. Im Jahre 1932 waren Sie im Nordgau?

IWANOW: Ja, 1932 war ich im Nordgau.

WYSCHINSKI: Und wurde die Frage der Vorbereitung von Aufstandstrupps damals gestellt?

IWANOW: Die Frage der Vorbereitung von Aufstandstrupps wurde von Bucharin vor mir ebenfalls 1932 gestellt, als die Schaffung rechter Organisationen im Nordgau angeregt wurde.

WYSCHINSKI: Im Jahre 1932 sprach Bucharin nicht von der Notwendigkeit einer Verstärkung der Aufstandstrupps?

IWANOW: Er sprach davon.

WYSCHINSKI: Folglich erinnern Sie sich, dass Sie zweimal derartige Gespräche hatten: im Jahre 1928 und im Jahre 1932?

IWANOW: Ja.

WYSCHINSKI: Im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit im Nordkaukasus und im Nordgau?

IWANOW: Ja.

BUCHARIN (wendet sich ans Gericht): Und ich behaupte, dass 1928 von einer Orientierung auf den Aufstand überhaupt keine Rede war, wovon zahlreiche Dokumente und Angaben zeugen, darunter...

WYSCHINSKI: Und im Jahre 1929?

BUCHARIN: Auf die Fixierung der Frage der Aufstandsorganisationen, die vom Zentrum der Rechten gutgeheißen wurde, wies zum ersten Male die so genannte Rjutinsche Plattform hin.

WYSCHINSKI: Die Rjutinsche Plattform, ihre erste Variante, fällt in welche Periode?

BUCHARIN: Es gab keine Varianten. Es hat eine Vorbesprechung, wenn ich mich nicht irre, im Frühjahr 1932 stattgefunden, wo die Thesen entworfen wurden. Und in der Plattform, die Sie erwähnten, in der Plattform von 1928-1929, ist von einer Aufstandsbewegung keine Rede...

WYSCHINSKI: Also behaupten Sie, dass die Frage der Aufstandstrupps erst 1932 gestellt wurde?

BUCHARIN: Die Frage der „Orientierung auf den Aufstand“ tauchte 1932 auf.

WYSCHINSKI: Die Frage der „Orientierung auf den Aufstand“. Was ist das „Orientierung auf den Aufstand“?

BUCHARIN: Dies bedeutet, dass in jeder Linie eine Strategie, eine Taktik, eine Organisation usw. vorhanden sind. Eine Aufstandsabteilung - das ist eine Kategorie der Organisation, aber nicht eine der Strategie und nicht einmal eine Kategorie der Taktik. In meiner Terminologie pflege ich dies zu unterscheiden, weil es mir scheint, dass man dies unterscheiden kann...

WYSCHINSKI: Natürlich kann man das. Ich frage jedoch: in Ihrer Tätigkeit gab es eine auf die Aufstandsbewegung gerichtete Linie? Dies bezeichnen Sie als „Orientierung auf den Aufstand“?

BUCHARIN: Ja. Die Taktik.

WYSCHINSKI: Und die Organisierung von Aufstandstrupps ergab sich aus dieser Taktik?

BUCHARIN: Ja, sie ergab sich daraus.

WYSCHINSKI: Und was taten Sie in dieser Beziehung? Welche Direktiven gaben Sie?

BUCHARIN: In diesem Sinne erteilte ich Iwanow keinerlei Direktiven.

WYSCHINSKI: Iwanow dagegen sagt, dass Direktiven gegeben wurden.

BUCHARIN: Es ist ganz natürlich, dass Iwanow sagt...

WYSCHINSKI: Ja, Iwanow sagt dies. Sie dagegen behaupten, dass Sie Iwanow unmittelbare Direktiven nicht gegeben haben, sondern dass Sie eine „Orientierung auf den Aufstand“ hatten.

BUCHARIN: Es ist völlig begreiflich, dass für den Praktiker aus dieser Orientierung auch die entsprechenden Schlussfolgerungen resultieren. Gehe ich eine solche Orientierung, so bin ich auch für solche Schlussfolgerungen verantwortlich, die ich nicht ausgesprochen habe. So dass ich vom Standpunkt des Strafverfahrens bitte, mich sowohl für das eine als auch für das andere zur Verantwortung zu ziehen, ich werde die Verantwortung tragen...

WYSCHINSKI: Auch ohne Ihr Ansuchen werden wir Sie dafür zur Verantwortung ziehen.

BUCHARIN: Vollkommen richtig, auch ohne mein Ansuchen. Ich halte Ort und Zeit für Scherze nicht besonders geeignet. Witze machen kann ich auch...

WYSCHINSKI: Ich denke nicht daran, Witze zu machen und mit Ihnen in dieser Beziehung in einen Wettkampf einzutreten. Ich will nur sagen, dass Ihr Ansuchen von keiner wesentlichen Bedeutung ist, denn man wird Sie unabhängig von Ihren Gesuchen zur Verantwortung ziehen.

BUCHARIN: Das weiß ich sogar ohne kompetente Erläuterungen, Bürger Staatsanwalt.

WYSCHINSKI: Wenn Sie dies wissen, so ist es überflüssig, dass Sie davon reden. Ich fragte Sie nach etwas anderem: Sie geben folglich zu, dass die Aussagen Iwanows, was die Linie, die Orientierung auf die Aufstandsbewegung anbetrifft, zutreffend sind?

BUCHARIN: Ja, Bürger Staatsanwalt.

WYSCHINSKI: In welcher Form orientierten Sie Iwanow über Ihre Aufstandspläne?

BUCHARIN: Es fanden mehrere Gespräche statt...

WYSCHINSKI: Was für Gespräche und mit wem?

BUCHARIN: Mit Iwanow.

WYSCHINSKI: Wovon handelte das Gespräch? In welcher Form wurde es geführt?

BUCHARIN: Ich orientierte Iwanow einzig und allein über die Form der Strategie und Taktik.

WYSCHINSKI: Und wenn man diese Worte Strategie und Taktik weglässt?

BUCHARIN: Ich sprach davon, dass jetzt eine Periode angebrochen ist, wo man zu einer Massentaktik, zu einer Unterstützung von Kulakenaufstandsbewegungen usw. übergehen muss.

WYSCHINSKI: Das ist es eben, was ich feststellen wollte. Sie bekennen, dass Sie mit Iwanow davon sprachen, dass man Aufstandsbewegungen, und zwar Kulakenbewegungen jeglicher Art unterstützen müsse?

BUCHARIN: Ich gestehe es ein.

WYSCHINSKI: Sprachen Sie nur davon, dass sie unterstützt wurden müssen, oder auch, dass sie organisiert werden müssen?

BUCHARIN: Ich habe mit ihm so ausführlich nicht gesprochen, Bürger Staatsanwalt.

WYSCHINSKI: Wie stellten Sie sich die Sache vor?

BUCHARIN: Natürlich, wenn man davon spricht, dass es zweckmäßig ist, zu derartigen Methoden zu greifen, so ergab sich daraus auch alles Übrige.

WYSCHINSKI: Das heißt?

BUCHARIN: Das heißt die Organisation und die Leitung.

WYSCHINSKI: Angeklagter Bucharin, sagten Sie Iwanow, dass ihm die vom Zentrum der Rechten gestellte Aufgabe zufällt, nämlich die Organisierung einer Aufstandsbewegung?

BUCHARIN: Er konnte das so auffassen.

WYSCHINSKI: Angeklagter Iwanow, Sie haben dies auch so aufgefasst?

IWANOW: Die Direktive wurde mir recht klar erteilt, so dass ich ihren einfachen Sinn begreifen konnte. Es wurde davon gesprochen, dass das Kulakentum erbittert sei. Dies seien die sozialen Kräfte, auf die wir uns orientieren müssten. Unsere Aufgabe bestehe darin, an die Spitze des Aufstands zu treten. Dabei war in einer etwas anderen Variation, aber auch vom Nordkaukasus die Rede, dass im Nordkaukasus große Kulakenkader vorhanden seien, dass dort die Bauern- und Kosakenbewegung früher ausbrechen kann als sonst wo, und deshalb müssten wir an die Spitze dieser Bewegung treten.

WYSCHINSKI: Bucharin, Sie bestätigen dies?

BUCHARIN: Das stimmt, aber nicht in Bezug auf Iwanow. Ich sagte dies einer anderen Person.

WYSCHINSKI: Von der anderen Person werden wir besonders sprechen. Für mich ist es augenblicklich von Wichtigkeit, dass die Erklärung, die hier angeführt wurde, mit der Orientierung auf den Aufstand zusammenfällt, von der Sie sprachen.

BUCHARIN: Ich konnte nicht mit Iwanow darüber sprechen, weil im Jahre 1932 Iwanow nicht im Nordkaukasus war.

WYSCHINSKI: Von welchem Jahre sprach Iwanow?

IWANOW: Ich sprach vom Nordgau, sagte aber gleichzeitig, dass dies in einer etwas anderen Variation auch für den Nordkaukasus zutrifft.

WYSCHINSKI: Wann reisten Sie aus dem Nordkaukasus ab?

IWANOW: Aus dem Nordkaukasus reiste ich am 1. oder 2. April 1931 ab.

WYSCHINSKI: Wann haben Sie, als Sie im Nordkaukasus waren, mit Bucharin gesprochen?

IWANOW: Im Jahre 1928.

WYSCHINSKI: Und in den Jahren 1929-1930?

IWANOW: Ich kam mit ihm zusammen, aber ich glaube, solche Gespräche hat es nicht gegeben.

WYSCHINSKI: Und im Jahre 1932 wurden Gespräche über eine Aufstandsbewegung geführt?

IWANOW: Ja, es gab solche Gespräche.

WYSCHINSKI: Erlauben Sie, das Fazit zu ziehen. Was kann, nach den Aussagen Iwanows und (sich an Bucharin wendend) nach den Ihrigen zu urteilen, als festgestellt betrachtet werden? Erstens, dass Sie mit Iwanow Gespräche über eine Aufstandslinie geführt haben. Ist es so?

BUCHARIN: So ist es.

WYSCHINSKI: Dass Sie Iwanow auf die Notwendigkeit orientiert haben, im Interesse des Kampfes gegen die Sowjetmacht, Kulakenaufstände auszunutzen.

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Dass Sie auch die Organisierung dieser Kulakenaufstände im Auge gehabt haben.

BUCHARIN: Obwohl ich direkt nicht davon gesprochen habe.

WYSCHINSKI: Obwohl Sie direkt nicht davon gesprochen haben; aber in dieser Richtung haben Sie ihn orientiert.

BUCHARIN: Ganz richtig.

WYSCHINSKI: Dabei behaupten Sie, dass all dies in das Jahr 1932 fällt?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Und im Jahre 1928 sprachen Sie nur von der illegalen Gruppe der Rechten?

BUCHARIN: Ganz richtig.

WYSCHINSKI: Die Einstellung auf eine Aufstandsbewegung war dennoch vorhanden, aber ohne jene Details, von denen Iwanow gesprochen hat?

BUCHARIN: Im Jahre 1932 ja.

WYSCHINSKI: Und das Gespräch im Jahre 1928 über die Orientierung auf den Aufstand leugnen Sie?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Und im Jahre 1932 hat ein solches Gespräch stattgefunden?

BUCHARIN: Ganz richtig. Ich bestätige das.

IWANOW: Gestatten Sie eine Frage an Bucharin. Vielleicht strengt Bucharin sein Gedächtnis an und erinnert sich, ob ich mit ihm im Jahre 1928 ein Gespräch hatte über wachsende Unzufriedenheit In der Oberschicht des Dorfes und über die Tendenz, dieser Unzufriedenheit mit der Sowjetmacht einen krassen Ausdruck zu verleihen. Er soll diese Frage beantworten.

BUCHARIN: Natürlich. Im Jahre 1928 gab es ein Gespräch über eine wachsende Unzufriedenheit, ich kann das nicht leugnen, denn wir kamen im Jahre 1928 zusammen. Aber dass ich im Jahre 1928 über eine Aufstandsbewegung gesprochen haben soll, das bestreite ich kategorisch.

IWANOW: Noch eine Frage. Hat Bucharin mit mir davon gesprochen, dass der Nordkaukasus bei der Durchführung der Linie, die die Rechten einschlagen, außerordentlich große Bedeutung hat, und warum er große Bedeutung hat?

BUCHARIN: Es ist ganz richtig, Bürger Staatsanwalt und Bürger Richter, dass ich, als ich vom Nordkaukasus sprach, davon gesprochen habe, dass der Nordkaukasus eine der Stellen ist, wo die Unzufriedenheit der Bauernschaft in krassester Weise zum Ausdruck kommt und kommen wird, ohne daraus irgendwelche Schlüsse in Bezug auf Aufstände zu ziehen, denn diese sind erst in einer viel späteren Periode herangereift.

IWANOW: Bucharin hat gesagt, dass eine Äußerung heftiger Unzufriedenheit im Nordkaukasus seitens der Bauernschaft möglich ist. Das kommt schon dem näher, was ich über dieses Gespräch behaupte. Haben Sie, entsprechend Ihrer Konzeption, mir und der rechten Organisation nicht die Aufgabe gestellt, diese Unzufriedenheit aufzugreifen und die Stimmung der Bauernschaft in jeder Weise gegen die Sowjetmacht aufzureizen?

BUCHARIN: Sie sprechen zuerst über eine Aufstandsbewegung, ich aber sprach über eine für die rechte Organisation sozial geeignete Basis, über die Werbung für diese rechte konterrevolutionäre Organisation.

WYSCHINSKI: Zu welchem Zweck?

BUCHARIN: Zu dem Zwecke, Massenstützpunkte zum Kampf gegen die Parteilinie zu schaffen.

WYSCHINSKI: Kosakische Kulakentrupps zum Kampf gegen die Parteilinie?

BUCHARIN: Nun und?

WYSCHINSKI: Zum Kampf gegen die Sowjetmacht?

BUCHARIN: Der Kampf gegen die Parteilinie ist ja der Kampf gegen die Sowjetmacht.

WYSCHINSKI: Aber der Kampf gegen die Parteilinie kommt in andern Formen zum Ausdruck.

BUCHARIN: Mir scheint, der Bürger Staatsanwalt und die Bürger Richter und das ganze Land sind daran interessiert, zu sehen, wie aus bestimmten Abweichungen sich durch die Logik des Kampfes ganz ungeheuerliche Schlussfolgerungen herausbilden. Deswegen möchte ich in dieser Beziehung gewisse Proportionen in der Zeit wahren. In Jahre 1928 wurde die parteifeindliche Plattform formuliert. Ende 1928 und Anfang 1929 wurde die Losung herausgegeben, eine illegale Organisation zu formieren. All dies hat bei der weiteren Verschärfung des Kampfes zu den geführt, was Ihnen bekannt ist.

WYSCHINSKI: Die Frage besteht darin, ob Sie davon ausgehend Iwanow nicht orientiert haben, dass im Nordkaukasus Ihrer Meinung nach ein Boden für Aufstände gegen die Sowjetmacht vorhanden ist?

BUCHARIN: Damals war von einer solchen Orientierung noch nicht die Rede. Es bestand die Orientierung, dass dort der Boden für das Wachstum der Unzufriedenheit gegen die Sowjetmacht vorhanden ist.

WYSCHINSKI: Von wessen Seite?

BUCHARIN: Von Seiten der kulakisch-wohlhabenden Schichten der Bauernschaft, und zum Teil von Seiten der Mittelschichten der Bauernschaft, da die Mittelbauernschaft dort sehr kräftig ist.

WYSCHINSKI: Kann man daraus nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass Sie Iwanow auf eine illegale konterrevolutionäre Arbeit orientiert haben, bei der er sich hu Kampfe gegen die Sowjetmacht auf diese kulakische Oberschicht stützen würde?

BUCHARIN: Damals konnte man es so formulieren, dass jede soziale Basis, im gegebenen Falle die kulakische, im Rahmen der Partei Elemente von nicht ganz guter Qualität chemisch ausscheidet, das heißt, dort ist es leichter, für die illegale konterrevolutionäre Organisation, selbst im Rahmen der Partei, Leute zu werben, die eine gewisse potenzielle Kraft in der Zukunft darstellen. Aber diese Perspektive wurde damals nicht entfaltet.

WYSCHINSKI: Sie wurde aber bereits ins Auge gefasst.

BUCHARIN: Potenziell, in der Embryonalform bestand sie.

WYSCHINSKI: Gibt es darüber hinaus zwischen Ihnen und Iwanow keine Meinungsverschiedenheiten?

BUCHARIN: Große Meinungsverschiedenheiten nicht.

WYSCHINSKI: Iwanow sagt aus, dass er von Ihnen von der Existenz eines Blocks der Trotzkisten, der rechten Gruppierungen und der nationalistischen Gruppen erfahren habe. Bestätigen Sie das?

BUCHARIN: Das bestätige ich.

WYSCHINSKI: Und wussten Sie von Verhandlungen Iwanows und anderer mit den kapitalistischen Ländern?

BUCHARIN: Ja. Das fällt in eine viel spätere Zeit.

WYSCHINSKI: Folglich sind diese Aussagen Iwanows über Verbindungen mit dem englischen Spionagedienst...

BUCHARIN: über den Spionagedienst und über die Pläne war ich durchaus nicht im Bilde.

WYSCHINSKI: Und worüber waren Sie im Bilde?

BUCHARIN: Ich habe Iwanow in die außenpolitische Orientierung des Zentrums der Rechten eingeweiht, ich habe mit ihm darüber gesprochen, dass man im Kampfe gegen die Sowjetmacht die Kriegskonjunktur und eine ganze Reihe anderer Dinge ausnützen kann. Mit einem Wort, ich war als einer der Leiter des Zentrums der Rechten verpflichtet, einem der Leiter unseres Peripheriezentrums unsere Position darzulegen. Worin bestand diese Position? Diese Position bestand kurz darin, dass man im Kampfe gegen die Sowjetmacht die Kriegskonjunktur ausnützen und diese oder jene Zugeständnisse an die kapitalistischen Staaten machen kann, um sie zu neutralisieren und manchmal auch, um von ihnen Unterstützung zu erhalten.

WYSCHINSKI: Mit andern Worten, eine Orientierung auf die Unterstützung. durch gewisse ausländische Staaten?

BUCHARIN: Ja, man kann es auch so sagen.

WYSCHINSKI: Mit andern Worten, eine Orientierung auf die Niederlage der UdSSR?

BUCHARIN: Im Allgemeinen, summarisch, ich wiederhole - ja.

VORSITZENDER: Haben Sie keine Fragen mehr?

WYSCHINSKI: Nein.

BUCHARIN: Vielleicht gestatten Sie mir, Bürger Vorsitzender, einige Worte über die theoretischen Exkurse zu sagen?

VORSITZENDER: Nein, das können Sie bei Ihrem Verhör.

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