PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

VORMITTAGSSITZUNG VOM 4. MÄRZ 1938

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN CHODSHAJEW

 

VORSITZENDER: Wir schreiten zum Verhör des Angeklagten Chodshajew. Bestätigen Sie die Aussagen, die Sie über Ihre langjährige sowjetfeindliche Tätigkeit gemacht haben?

CHODSHAJEW: Ich bestätige sie. In Usbekistan habe ich eine sowjetfeindliche Tätigkeit ausgeübt.

VORSITZENDER: Genosse Wyschinski, haben Sie Fragen?

WYSCHINSKI: Sagen Sie, Angeklagter Chodshajew, wessen bekennen Sie sich schuldig?

CHODSHAJEW: Ich habe schon in der Voruntersuchung das aufrichtige und ehrliche Geständnis der von mir verübten Verbrechen abgelegt, und ohne etwas zu verheimlichen, will ich vor dem Gericht, wenn auch kurz, die grundlegenden Etappen der Verbrechen, die ich begangen habe, erzählen. Meine Verbrechen gegen die Revolution, gegen den Arbeiter- und Bauernstaat, gegen die Partei beginnen mit dem Jahre 1920. Im Jahre 1920 wurde ich an die Spitze eines Sowjetstaates gestellt - ich spreche von der Volksrepublik Buchara -, an die Spitze ihrer obersten Exekutivgewalt. In dieser Periode meiner Arbeit habe ich mich der bürgerlich-nationalistischen Organisation „Milli Ittichad“ angeschlossen.

WYSCHINSKI: Was bedeutet das?

CHODSHAJEW: Das bedeutet „nationaler Bund“, der sich die Aufgabe stellte, die Volksrepublik Buchara in eine bürgerlich-demokratische Republik als Pufferstaat zwischen England und Sowjetrussland zu verwandeln. Ich trat dieser bürgerlich-nationalistischen Organisation bei und beteiligte mich an ihr, führte als aktiver Leiter dieser bürgerlich-nationalistischen Organisation ihre konterrevolutionäre antisowjetische Arbeit. Das ist die erste Etappe.

WYSCHINSKI: Diese Etappe dauert bis zu welchem Jahre?

CHODSHAJEW: Wenn Sie gestatten, werde ich später zu dieser Frage übergehen.

WYSCHINSKI: Bitte.

CHODSHAJEW: Ich will über meine Verbrechen sprechen.

WYSCHINSKI: Wesentliches?

CHODSHAJEW: Wesentliches.

WYSCHINSKI: Aber wenn es Ihnen nicht schwer fällt, sagen Sie auch, welche Jahre. Von 1920 bis...

CHODSHAJEW: Formal für mich bis 1921, aber eigentlich dauerte es länger. Im Jahre 1925 wurde ich zum Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare Usbekistans ernannt. Von 1928 an näherte ich mich den nationalistischen Kreisen der ehemaligen Republik Turkestan und fand in der nachfolgenden Zeit in Usbekistan in der Person eines der Leiter der Kommunistischen Partei Usbekistans, in der Person Ikramows, einen Bundesgenossen und bildete mit ihm jenen Kern, der in Usbekistan die nationalistische antisowjetische Arbeit durchführte. Das ist demnach die zweite Etappe meiner aktiven antisowjetischen nationalistischen Arbeit.
Schließlich die dritte Etappe 1930, als ich bei einer meiner Reisen nach Moskau, nach einer dienstlichen Zusammenkunft mit Rykow im Rate der Volkskommissare der Union mit ihm über verschiedene Themen sprach und eine Vereinbarung über unsere gemeinsame antisowjetische Arbeit traf.

WYSCHINSKI: Über welche Arbeit?

CHODSHAJEW: Über die antisowjetische.

WYSCHINSKI: Das heißt?

CHODSHAJEW: Das heißt über die gemeinsame Arbeit der usbekischen nationalistischen Organisation unter Leitung der Rechten, gegen die Führung der Partei, gegen den Sowjetstaat. Rykow ragte mir damals auch, dass das Zentrum der Rechten im Falle unserer gemeinsamen Arbeit die Unabhängigkeit der usbekischen Republik garantiere...

WYSCHINSKI: Was heißt das - die Unabhängigkeit der usbekischen Republik?

CHODSHAJEW: Im gegebenen Falle muss die Unabhängigkeit von der Sowjetunion als Abhängigkeit von irgendeinem anderen - einem kapitalistischen - Lande betrachtet werden.

WYSCHINSKI: Sie haben Rykow so verstanden?

CHODSHAJEW: Ja, so habe ich es auch verstanden.

WYSCHINSKI: Und womit begründete er das?

CHODSHAJEW: Die Motivierung war nur die, dass sowohl die Rechten als auch wir, die Nationalisten, gegen die Parteiführung, gegen die Sowjetregierung kämpften. Damit die Rechten ihre Ziele erreichen, damit wir unsere Ziele erreichen, müssen wir diese Führung zerschlagen. Zu diesem Zwecke haben wir ein Bündnis geschlossen. Das heißt, das Ziel blieb eines - die Sowjetregierung zu stürzen, die Führung des ZK der KPdSU(B) zu stürzen.

WYSCHINSKI: Die UdSSR zu schwächen?

CHODSHAJEW: Die UdSSR zu schwächen, zweifellos.

WYSCHINSKI: Und wozu die UdSSR zu schwächen?

CHODSHAJEW: Wenn ich darauf eingehen soll, gestatten Sie mir, dies systematischer darzulegen.

WYSCHINSKI: Gut, ich ersuche Sie nur, sich zu bemühen, mir auf diese Frage zu antworten.

CHODSHAJEW: Ich will kurz bei der Buchara-Periode verweilen, damit es verständlich werde, auf welche Weise ich in meine heutige Lage gekommen bin.
In die Verschwörerorganisation der Nationalisten Bucharas kam ich nach der Revolution 1920 nicht zufällig, sondern weil ich als Nationalist erzogen bin. Den geringen Anteil, den ich eine kurze Zeit an der revolutionären Bewegung, an der Revolution, genommen hatte, die Emigration nach Sowjetrussland, dank der ich meinen Nationalismus für überwunden hielt, erwiesen sich als ungenügend, und obwohl es mir schien, dass ich den Nationalismus überwunden hätte, erwies sich dies in Wirklichkeit als unrichtig. Und so trat ich denn, obwohl schon Mitglied der Partei, in die bürgerliche nationalistische Organisation ein.
Die Mehrheit der bürgerlich-nationalistischen Organisation Bucharas orientierte sich damals auf England. Natürlich hatten diese nationalistischen Kreise auch damals eine völlig klare Vorstellung darüber, dass es nicht so einfach sein werde, sich von Sowjetrussland unabhängig zu machen und sich auf England zu stützen, und dass uns England nicht wegen unserer schönen Augen Unterstützung erweisen werde. Sie hielten es auch damals für möglich, das Protektorat Englands anzunehmen und sich unter diesem Protektorat endgültig von Sowjetrussland loszutrennen. Zum Zwecke der Verwirklichung dieser Aufgabe führten wir damals eine ganze Reihe voll Aktionen durch.
Wir verdrängten die wirklichen Parteimitglieder, die richtigen Sowjetleute systematisch aus dem Sowjet- und Parteiapparat und besetzten diese Posten mit unseren Leuten. Wir bereiteten Kader vor, um wirklich die leitenden Posten im Sowjetapparat zu besetzen, wirklich den Staat zu leiten. Unsere Kader dazu formierten wir hauptsächlich aus der bürgerlichen Jugend, schulten sie nicht in Sowjetschulen, sondern schickten sie vorwiegend ins Ausland - nach Deutschland, in die Türkei.
Zugleich führten wir eine sehr große Arbeit zur Organisierung von bewaffneten Kräften durch, da wir in der Armee keinen großen Einfluss hatten. Unsere bewaffneten Kräfte formierten wir hauptsächlich in der Form der Miliz. Wir versuchten das Basmatschentum auszunutzen, das zu jener Zeit bereits in Buchara auftauchte. Wir versuchten neue Kader des Basmatschentums zu schaffen.
Das ist das Wesen jener Arbeit, die wir innerhalb Bucharas durchführten.
Ich sprach bereits von der außenpolitischen Orientierung, welche darin bestand, mit allen Mitteln den Einfluss Sowjetrusslands auf Buchara zu schwächen und die Verbindungen und Beziehungen mit bestimmten kapitalistischen Staaten zu verstärken und uns dadurch wirklich mit England zu verbinden, das in jener Zeit der ausgesprochenste Gegner Sowjetrusslands war. Ich habe die Jahre 1920, 1921 im Auge.
Übrigens fand diese meine sowjetfeindliche Stimmung auch noch darin ihren Ausdruck, dass ich - als 1923 die Frage der wirtschaftlichen Vereinigung Turkestans, Bucharas und Choresmas zwecks Koordinierung ihrer Handlungen aufgerollt wurde - ein ausgesprochener Gegner dieser wirtschaftlichen Vereinigung war, da ich der Auffassung war, dass diese wirtschaftliche Vereinigung die Vorstufe zu einer weiteren Verstärkung des Einflusses Sowjetrusslands und zu einer Hoch stärkeren Sowjetisierung Bucharas war.
Weiter, als in den Jahren 1924, 1925 die Frage der national-territorialen Abgrenzung der Sowjetrepubliken Mittelasiens gestellt wurde, war ich gegen diese Abgrenzung, doch ging in die Geschichte mein Name als Anhänger dieser nationalen Abgrenzung ein, denn ich sprach darüber, ich agitierte dafür. Aber dies geschah aus folgendem Grunde; gab es doch eigentlich ein bucharisches Volk als solches nicht, es gab einen bucharischen Staat, In dem Usbeken, Turkmenen, Tadshiken und eine Reihe anderer Völkerschaften lebten. Infolge des wachsenden nationalen Selbstbewusstseins dieser Völker entstand die Frage ihrer staatlichen Gestaltung, sie wollten selbständig leben. Die Lenin -Stalinsche Politik stellte dem keine Hindernisse in den Weg. Daraus ergab sich die Frage der nationalen Abgrenzung. Jedoch offen gegen die Abgrenzung zu sein, bedeutete damals, sich als offenen Feind zu bekennen, was ich nicht tun konnte. Ich nahm mir vor, den Kampf konspirativ fortzusetzen.
So bin ich unter der Maske eines Anhängers der nationalen Abgrenzung an die Spitze des usbekischen Sowjetstaates gelangt.

WYSCHINSKI: Das heißt, Sie haben manövriert?

CHODSHAJEW: Ich habe manövriert, ich habe doppelzünglerisch gehandelt.
Natürlich, in den Jahren 1925, 1926, 1927 konnte ich noch nicht sowjetfeindliche Arbeit in Usbekistan leisten, obwohl ich Nationalist blieb, bürgerlicher Nationalist. Ich konnte es deswegen nicht, weil ich keine eigenen Kader besaß. Einen Teil verlor ich in Buchara in der Periode dieses Kampfes, ein Teil verließ mich überhaupt, und in Usbekistan hatte ich noch keine neuen Leute. Deswegen verliefen diese zwei, drei Jahre für mich als Jahre der Vorbereitung.

WYSCHINSKI: Wozu?

CHODSHAJEW: Der Vorbereitung zur Formierung der Bürgerlich-nationalen Kräfte zum Kampf, zur Fortsetzung jenes Kampfes, den ich schon seit 1920 führte, als ich noch in Buchara war.

WYSCHINSKI: Gegen?

CHODSHAJEW: Gegen die Sowjetmacht.
In der usbekischen Parteiorganisation ist die „Gruppe der 18“ bekannt. Diese Gruppe entstand 1918. Organisator dieser Gruppe war ich. Als die Bodenreform zum Zwecke der Verteilung des Bodens unter die armbäuerlichen Schichten der Bevölkerung Usbekistans durchgeführt wurde, da trat in den Oberschichten der Kulaken und Beys eine bedeutende Belebung ein. Außerdem war ein Teil der verantwortlichen Funktionäre Usbekistans mit dieser Reform unzufrieden. Ich benutzte diese Unzufriedenheit und begann mit der Formierung einer Gruppe usbekischer Nationalisten.
Nimmt man die „Gruppe der 18“ als eine gewisse Etappe in meinem Übergang zur aktiven nationalistischen Arbeit, so erklärt sie sich auf folgende Weise.

WYSCHINSKI: In welchem Jahre war das?

CHODSHAJEW: Das war ungefähr Mitte 1925. Diese „Gruppe der 18“ beschloss einen bestimmten Druck auf die Partei auszuüben. Sie ging davon aus, dass es in Usbekistan nicht allzu viele bedeutende Funktionäre gab. Wenn diese 18 Leute, die angesehensten Leute, zum Zeichen des Protestes demissionieren würden, so würde das ausreichen, die Partei zu bestimmten Konzessionen an die Beys und Kulaken zu veranlassen. Auf diesem Wege wollten wir die Leitung der Partei in Usbekistan an uns reißen. Wir rechneten damals bei diesem unseren Manöver auf einen der Leiter der Kommunistischen Partei Usbekistans, Ikramow. Wir rechneten auf ihn, da wir wussten, dass er in der Periode 1918-1921 noch als junger Mensch an den bürgerlich-nationalistischen Organisationen Turkestans teilgenommen hatte. Das wusste ich, und eine Reihe anderer Teilnehmer an der „Gruppe der 18“ wussten das auch.

WYSCHINSKI: An welchen Organisationen?

CHODSHAJEW: Das war eine pan-türkische Organisation, die von Ryskulow geleitet wurde.

WYSCHINSKI: Wann?

CHODSHAJEW: Das war 1918 bis 1919.

WYSCHINSKI: Unter welcher Bezeichnung?

CHODSHAJEW: „Ittichad Wycherty“. Das heißt „Einigung und Fortschritt“. Dem Typ nach ist es eine jung-türkische Partei. „Einigung und Fortschritt“.

WYSCHINSKI: Weiter.

CHODSHAJEW: Mir war bekannt, dass Ikramow zu dieser Gruppierung gehört hatte, aber aus irgendeinem Grunde vereinigte sich Ikramow mit uns nicht, und wir führten mit ihm keine direkten Unterhandlungen. Wir wurden auf dem Parteitag geschlagen. Nachher beschlossen wir wieder, konspirativ zu arbeiten, gaben eine Erklärung ab, dass wir uns geirrt, unrichtig gehandelt hätten, dass wir einverstanden seien, die Parteilinie durchzuführen.

WYSCHINSKI: Sie manövrierten zum zweiten Male?

CHODSHAJEW: Zum zweiten Male handelte ich als Doppelzüngler. Zwischen 1925 und 1928 kam es zwischen mir und Ikramow zu einer Annäherung auf dem Boden der praktischen Arbeit. Ikramow arbeitete im ZK, ich im Rate der Volkskommissare. Ich wusste doch, dass ich der Leiter der nationalistischen Gruppe war.

WYSCHINSKI: Was wussten Sie?

CHODSHAJEW: Ich wusste, dass ich selbst der Leiter der nationalistischen Gruppe war und dass Ikramow zu der gleichen bürgerlich-nationalistischen Gruppe gehört hatte, aber dass Ikramow seine eigene nationalistische Gruppe hatte, das wusste ich noch nicht. Diese Annäherung führte dazu, dass ich erfuhr, dass Ikramow eine eigene nationalistische Gruppe hatte, die sich „Milli-Istiklal“ nannte, was „nationale Unabhängigkeit“ bedeutet. Wir vereinigten uns zwar nicht, begannen aber in unserer Arbeit einen Kontakt herzustellen. Spricht man von unserer sowjetfeindlichen Arbeit in jener Periode konkret...

WYSCHINSKI: Wann war das?

CHODSHAJEW: Das war Mitte 1928 oder Anfang 1928. Es ist sehr schwer, es genau zu sagen. Seither ist viel Zeit vergangen.

WYSCHINSKI: Arbeiteten Sie im Kontakt mit Ikramow?

CHODSHAJEW: Ja.

WYSCHINSKI (zum Vorsitzenden): Gestatten Sie eine Frage an Ikramow.

Angeklagter Ikramow, haben Sie diese Aussagen Chodshajews gehört?

IKRAMOW: Wir haben sie gehört.

WYSCHINSKI: Sind Sie mit seinen Aussagen einverstanden?

IKRAMOW: Nein.

WYSCHINSKI: Angeklagter Ikramow, waren Sie im Jahre 1928 Mitglied einer illegalen nationalistischen Organisation?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Diese Organisation hieß „Milli Istiklal“?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: In diesem Teil sind also die Aussagen Chodshajews richtig?

IKRAMOW: Richtig.

WYSCHINSKI: War Chodshajew Mitglied der illegalen nationalistischen faschistischen Organisation „Milli Istiklal“?

IKRAMOW: Nein, Faisulla Chodshajew war nicht Mitglied. Chodshajew hatte seine eigene Organisation.

CHODSHAJEW: Das habe ich auch gesagt.

WYSCHINSKI: Chodshajew war also in seiner Organisation, und Sie in der Ihren. Beide Organisationen waren von bürgerlich-nationalistischem, faschistischem Typus?

IKRAMOW: Richtig. Aber dass wir den Kontakt selbst herstellten, das ist unrichtig. Der Kontakt wurde unter dem Druck des rechten Zentrums hergestellt.

WYSCHINSKI: Das heißt?

IKRAMOW: Unter dem Druck Bucharins und unter der unmittelbaren Leitung Antipows stellten wir in der Arbeit der beiden nationalistischen Organisationen einen Kontakt her.

WYSCHINSKI: Was sind also Ihre Meinungsverschiedenheiten mit Chodshajew?

IKRAMOW: Ich sage, nicht im Jahre 1928, sondern im Jahre 1933, unter dem Druck Bucharins.

WYSCHINSKI: Und 1928 arbeiteten Sie nicht im Kontakt mit ihm?

IKRAMOW: Nein.

WYSCHINSKI: Sie handelten getrennt? Angeklagter Chodshajew, was bedeutet das?

CHODSHAJEW: Bevor ich dem Gericht meine Aufklärungen gab, habe ich mit Ikramow über diese Frage nicht gesprochen, und ich verstehe nicht, von welchen Motiven sich der Angeklagte Ikramow leiten lässt, wenn er, der die Zugehörigkeit zur bürgerlich-nationalistischen Organisation eingesteht, den Zeitpunkt unserer gemeinsamen Arbeit hinausschiebt. Mir scheint, Ikramow will sich aus irgendwelchen Tatsachen herauswinden. Vielleicht irre ich mich, dies ist meine Vermutung, doch gestatten Sie mir einige Tatsachen bekannt zu geben.

WYSCHINSKI: Bitte.

CHODSHAJEW: Bis zu jener Periode, wo wir das Bündnis mit den Rechten schlossen, waren ich und Ikramow in erster Linie (andere Leute nenne ich jetzt nicht, da sie an der Verhandlung nicht teilnehmen) eigentlich die Leiter einer umfassenden sowjetfeindlichen Arbeit. Worin bestand sie? Erstens darin, dass wir uns die Aufgabe stellten, durch unsere nationalistischen Kader eine ganze Reihe von Sowjetorganisationen in Usbekistan an uns zu reißen, solcher Organe wie das Volkskommissariat für Bildungswesen, um die Schulen und die Universitäten in unsere Hände zu bekommen, Organe wie die Presse, die Planorganisationen, das Volkskommissariat für Landwirtschaft usw. Und ich muss sagen, dass wir diese Aufgabe durchgeführt haben.

WYSCHINSKI: Wer wir?

CHODSHAJEW: Ich und Ikramow. Wir verkörperten die zwei nationalistischen Organisationen, von denen ich gesprochen habe.

WYSCHINSKI: Angeklagter Ikramow, sind Sie in diesem Teile mit den Aussagen des Angeklagten Chodshajews einverstanden?

IKRAMOW: Ich bin einverstanden.

WYSCHINSKI: Nun zur Ansichreißung von leitenden Funktionen in einer Reihe von Organisationen.

IKRAMOW: Ja. Ich werde umfassendere Aussagen machen.

WYSCHINSKI: Sie betrieben das damals auf Ihrer eigenen Linie?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Sie handelten im Kontakt mit Chodshajew?

IKRAMOW: Nein.

WYSCHINSKI: Vielleicht haben sich Ihre Gehilfen besprochen?

IKRAMOW: Möglich.

WYSCHINSKI: Jedenfalls zeugt die Tatsache, die der Angeklagte Chodshajew anführt, von einer bestimmten verbrecherischen politischen Linie, die Sie verfolgten; ist die Tatsache richtig?

IKRAMOW: Richtig.

WYSCHINSKI: Angeklagter Chodshajew, woher wissen Sie, dass auch die Organisation Ikramows tätig war?

IKRAMOW: Mag er es sagen.

CHODSHAJEW: Ich habe in meinen Aussagen in der Voruntersuchung konkrete Tatsachen genannt. 1928 erschien bei mir im Namen Ikramows ein gewisser Burnaschew, der nächste Gehilfe Ikramows.

WYSCHINSKI: Angeklagter Ikramow, hatten Sie in Ihrer Verschwörerorganisation einen solchen Gehilfen, Burnaschew?

IKRAMOW: Burnaschew war kein Mitglied der nationalistischen Organisation.

WYSCHINSKI: Und was war er?

IKRAMOW: Er war in der innerparteilichen Gruppe, er ging zu Faisulla, um mit ihm zu reden.

WYSCHINSKI: Entschuldigen Sie, das ist nicht ganz klar. Sie kennen Burnaschew?

IKRAMOW: Ich kenne ihn.

WYSCHINSKI: War er Ihr Gehilfe in der illegalen Arbeit?

IKRAMOW: Nein.

WYSCHINSKI: Wusste er von der illegalen Arbeit?

IKRAMOW: Von der nationalistischen Organisation wusste er das nicht.

WYSCHINSKI: Und was wusste er?

IKRAMOW: Er gehörte zu der innerparteilichen Gruppe Ikramows.

WYSCHINSKI: Was war das für eine Gruppe?

IKRAMOW: Eine legale.

WYSCHINSKI: In welchem Jahre war das?

IKRAMOW: 1928.

WYSCHINSKI: Was war das also für eine Gruppe?

IKRAMOW: Diese Gruppe bestand legal 1927-1928. Auf jedem Plenum des ZK wurde Faisulla und seine Gruppe von uns geschlagen. Er sagt, er hat seine Leute, die Bucharische Gruppe, allmählich verloren. Aber wir haben ihn zerrieben, d. h. zerschlagen.

WYSCHINSKI: Warum?

IKRAMOW: Zwischen uns bestand ein Dualismus. Wir kämpften, der eine auf der Parteiposition, der andere...

WYSCHINSKI: Auf der nationalistischen?

IKRAMOW: Auf der nationalistischen.

WYSCHINSKI: Sie waren also Leiter dieser Organisation?

IKRAMOW: Leiter der Organisation war ich nicht, ich war Mitglied der Organisation.

WYSCHINSKI: Ein aktives Mitglied?

IKRAMOW: Nein.

WYSCHINSKI: Ein passives?

IKRAMOW: Ein passives. Damals zur Zeit des Dualismus und vom Gesichtspunkt der Konspiration ausgehend, hatte ich zwei Gespräche geführt.

WYSCHINSKI: Aber Burnaschew wusste, dass bei Ihnen ein Dualismus bestand?

IKRAMOW: Sicherlich wusste er es oder vermutete es.

WYSCHINSKI: Es ist natürlich möglich, dass Burnaschew irgendetwas vermutete und auf diese Vermutungen seine Verhandlungen mit Chodshajew gründete. Für mich ist wichtig zu wissen: entspricht das, was Chodshajew sagt, der Wirklichkeit?

IKRAMOW: Burnaschew besprach sich ohne mein Einverständnis mit Faisulla.

WYSCHINSKI: Eine solche Tatsache gab es?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wovon sprachen sie?

IKRAMOW: Er kam und sagte...

WYSCHINSKI: Wovon sprachen sie?

IKRAMOW: Wovon sie sprachen weiß ich nicht, aber was er mir übermittelte, kann ich sagen.

WYSCHINSKI: Was übermittelte er Ihnen?

IKRAMOW: Dass Faisulla vollständig die Waffen streckt und sich in jeder Beziehung dir, Ikramow, unterwerfen will.

WYSCHINSKI: Wozu das?

IKRAMOW: Um den Kampf einzustellen. Ich sagte Burnaschew, ich habe dich nicht bevollmächtigt, und du hattest dich nicht einzumischen.

WYSCHINSKI: Warum?

IKRAMOW: Weil damals die Kader Faisulla Chodshajews noch nicht ganz zerschlagen waren.

WYSCHINSKI: Das ist Ihre innere Politik, wir werden sie noch klären. Tatsache ist, dass Burnaschew Ihr Mann war?

IKRAMOW: Mein Mann.

WYSCHINSKI: Sie hatten Ihre Leute und Chodshajew die seinen? Und der eine wie der andere waren Mitglieder der nationalistischen Organisation?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und dieser Mann ging zu dem fremden Chef Chodshajew, um sich mit ihm zu besprechen?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie waren unzufrieden?

IKRAMOW: Ich war unzufrieden.

WYSCHINSKI: Angeklagter Ikramow, das, was Chodshajew sagt, dass Burnaschew zu ihm kam, in Ihrem Namen zu sprechen, ist eine Tatsache?

IKRAMOW: Eine Tatsache.

WYSCHINSKI: Das wollte ich auch wissen. Setzen Sie sich.

CHODSHAJEW: Wenn das Gericht es gestattet, will ich in Verbindung mit dieser Erklärung zwei Tatsachen anführen.

VORSITZENDER: Bitte.

CHODSHAJEW: Diese Position Ikramows ist mir wieder unverständlich. Natürlich ist es seine Sache. Er sagt, dass Burnaschew mit mir eine Besprechung geführt hat, aber dass er, Ikramow, es nicht wusste, er beruft sich auf den Kampf mit mir. Der Kampf fand wirklich statt.

WYSCHINSKI: Worum?

CHODSHAJEW: Ich leitete die „Gruppe der 18“. Die Partei schlug mich. Ikramow handelte doppelzüngig. Er stand an der Spitze der Partei, er schlug mich, ich konnte nichts tun.

WYSCHINSKI: Aber Ikramow selbst war damals...

CHODSHAJEW: Aber er selbst war damals Nationalist. Dieser Art war der Kampf. Ich bestreite es nicht. Ich habe darauf in meinen Aussagen hingewiesen.

WYSCHINSKI: Eine Frage an Ikramow. Ist das richtig, dass Sie damals doppelzüngig handelten?

IKRAMOW: In den Jahren 1921, 1922?

WYSCHINSKI: Nein, im Jahre 1928?

IKRAMOW: Ich habe 1928 doppelzüngig gehandelt.

WYSCHINSKI: Weiter.

CHODSHAJEW: Ende 1929 oder Anfang 1930 wurden zwei der nächsten Freunde Ikramows und Teilnehmer der Organisation verhaftet. Ramsi und Batu.

WYSCHINSKI: In welchem Jahre?

CHODSHAJEW: Anfang 1930 oder Ende 1929. Sie wurden wegen konterrevolutionärer sowjetfeindlicher Tätigkeit verhaftet.

WYSCHINSKI: Was waren sie?

CHODSHAJEW: Der eine arbeitete im Volkskommissariat für Bildungswesen, der andere - ich erinnere mich nicht - mir scheint, als zweiter Sekretär.

WYSCHINSKI: Wir werden Ikramow fragen. Was waren Ramsi und Batu damals?

IKRAMOW: Ramsi war Leiter des wissenschaftlichen Forschungsinstituts und Batu war im Volkskommissariat für Bildungswesen Leiter der Kulturangelegenheiten.

WYSCHINSKI: Warum wurden sie verhaftet?

IKRAMOW: Wegen Teilnahme an der nationalistischen konterrevolutionären Organisation.

WYSCHINSKI: Unter Ihrer Leitung?

IKRAMOW: Nein.

WYSCHINSKI: Wer war damals der Leiter?

IKRAMOW: Damals war der Leiter formal Karymow. Ich habe mit diesen Leuten nur zweimal gesprochen.

WYSCHINSKI: Man kann in auch nur einem Gespräch äußerst Wesentliches ausführen. Waren das Ihre Leute?

IKRAMOW: Meine.

CHODSHAJEW: Und jetzt, wo diese beiden Leute verhaftet sind, ist es mir schwer, darüber zu sprechen, weil ich keine Zeugen habe.

WYSCHINSKI: Ikramow ist Zeuge.

CHODSHAJEW: Ikramow wird abstreiten. Ich bitte, mir zu glauben. Natürlich, mir kann man auch nicht glauben, weil ich in einer solchen Lage figuriere. Der erste, an den sich Ikramow aus Anlass der Verhaftung dieser Leute wandte, war ich.

WYSCHINSKI: Warum?

CHODSHAJEW: Weil er Angst bekam, er dachte, die Sache wird auch ihn berühren. Er wusste, dass ich von dieser Sache weiß, er rief mich telefonisch an und lud mich zu sich nach Hause ein. Bei Ikramow berieten wir uns, was nun geschehen solle, und beschlossen, uns in die Sache Ramsi und Batu nicht einzumischen, damit diese Sache weder Ikramow noch mich berühre. Ich kämpfte ebenso wie Ikramow aus Solidarität mit ihm gegen die damalige Führung des ZK von Usbekistan, das im Zusammenhang mit der Sache Ramsi und Batu die Nationalisten entlarven wollte. Ich führte gemeinsam mit Ikramow den Kampf in Verbindung mit dem Prozess gegen diese Funktionäre, die gegen die Parteiführung und gegen das damalige mittelasiatische Büro kämpften.

WYSCHINSKI: Das ist der Prozess Kassymows?

CHODSHAJEW: In Verbindung mit dem Prozess Kassymows konnte man die Sache der Nationalisten aufdecken, und gemeinsam mit Ikramow ergriff ich Maßnahmen, damit dies nicht geschieht. Allerdings hatte ich mit Kassymow nichts zu tun, doch da Ikramow bestrebt war, diese Sache zu vertuschen, und Ikramow mein Bundesgenosse war, unterstützte ich seine Linie auf jede Weise. Ich weiß nicht, warum er das ausstreicht und die Verbindung mit mir erst vom Jahre 1933 an gelten lässt. Ich erhebe keinen Einspruch, aber ich sage dies darum, damit das Gericht mindestens durch meine Worte erfährt, was mir bekannt ist. Wem das Gericht glauben wird, das ist eine andere Sache, aber ich meinerseits sage alles, was ich weiß.

WYSCHINSKI: Ich habe eine Frage an Ikramow. Telefonierten Sie bezüglich der Verhaftung von Ramsi und Batu an Chodshajew?

IKRAMOW: Ich möchte klären, in welcher Stadt es war.

CHODSHAJEW: In Samarkand.

IKRAMOW: Wenn in Samarkand, so war ich damals nicht dort, ich war in Kislowodsk.

WYSCHINSKI: Ich frage Sie, telefonierten Sie Chodshajew an? Wo wurde Ramsi verhaftet?

IKRAMOW: In Samarkand.

WYSCHINSKI: Wo waren Sie?

IKRAMOW: In Samarkand.

WYSCHINSKI: Telefonierten Sie Chodshajew an?

IKRAMOW: Nein.

WYSCHINSKI: Kam Chodshajew zu Ihnen gefahren?

IKRAMOW: Nein.

WYSCHINSKI: Er sagt also nicht die Wahrheit?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie bemühten sich um die Freilassung Ramsis?

IKRAMOW: Ich habe Aussagen gemacht...

WYSCHINSKI: Sie bemühten sich um die Freilassung Ramsis?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Setzen Sie sich. Angeklagter Chodshajew, fahren Sie fort.

CHODSHAJEW: Ich komme zum wesentlicheren Teil meiner Aussagen, der sich auf das Jahr 1928, das heißt auf die Periode der Aufstellung des ersten Fünfjahrplanes bezieht.

WYSCHINSKI: Man kann also immerhin hier feststellen, dass Sie im Jahre 1928 Leiter einer bürgerlich-nationalistischen Organisation waren, Ikramow war Ihren Worten gemäß Leiter einer anderen nationalistischen Organisation, und nach seinen Worten Mitglied dieser Organisation.

CHODSHAJEW: Ich darf Ihnen keine Fragen stellen, sonst würde ich Ihnen eine Frage stellen...

WYSCHINSKI: Nein, stellen Sie die Frage lieber an Ikramow.

CHODSHAJEW (zu Ikramow): Du betrachtest Karymow als Leiter dieser Organisation? Aber im Vergleich mit dir ist doch Karymow ein junger Hund, er ist dein Schüler, wie konnte er dich denn leiten?

IKRAMOW: Ich verstehe Leitung gemäß der Verstärkung der Arbeit, die ich vom Jahre 1931 an führte...

WYSCHINSKI: Es gibt tagtägliche Leitung und es gibt auch nicht tagtägliche Leitung.

IKRAMOW: In drei Jahren haben wir zweimal gesprochen, meint man die ideologische Leitung...

WYSCHINSKI: War Karymow Mitglied Ihrer Organisation?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Leitete er Sie damals als Mitglied der Organisation, oder leiteten Sie ihn?

IKRAMOW: Weder leitete ich ihn, noch er mich.

WYSCHINSKI: Und wer leitete?

IKRAMOW: Ich verstehe die Sache so...

WYSCHINSKI: Wer war dann Leiter der „Muli Istiklal“?

IKRAMOW: Karymow.

WYSCHINSKI: Der Leiter war also Karymow?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Sie waren Mitglied dieser Organisation?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Also, er war Ihr Leiter?

IKRAMOW: Nein, er hat mir keinen Auftrag gegeben.

CHODSHAJEW: Ich weiß nicht, ob dem Gericht bekannt ist, dass bei den bürgerlichen Nationalisten besonders in Mittelasien eine solche Theorie bestand - eine geschlossene Wirtschaft zu organisieren, d. h. es so einzurichten, dass sich die Wirtschaft der Republik unabhängig von den anderen Teilen der Union entwickle, dass die Republik nach Möglichkeit so leben soll, dass sie für den Fall irgendwelcher Möglichkeiten zum aktiven, unmittelbaren Kampf die übrige Union nicht braucht. Und diese Theorie haben wir in die Tat umgesetzt, d. h. wir haben einen ersten Fünfjahrplan aufgestellt, der den Direktiven der Union zuwiderlief und der Einstellung der Nationalisten auf eine geschlossene Wirtschaft entsprach. Wir planten die Wirtschaft so, dass wir weniger Baumwolle haben, die ja diejenige gewerbliche Nutzpflanze ist, die Usbekistan mit der Union am meisten verknüpft. Zweitens, dass die Landwirtschaft Usbekistans in der Weise entfaltet wird, dass wir nicht nur auf dem künstlich nicht bewässerten Boden, sondern auch auf denn bewässerten Boden eine größere Getreidewirtschaft haben, damit wir von russischen Einfuhrgetreide unabhängig sind. Drittens, dass die Entwicklung der Industrie, der Straßenbau und dergleichen mehr so planiert werden, dass wir uns nach Durchführung dieses ersten Fünfjahrplans in wirtschaftlicher Hinsicht von Sowjetrussland, von der Sowjetunion unabhängiger als jemals erweisen.
Dieser Plan wurde in Moskau durchschaut. Die Regierung akzeptierte diesen Fünfjahrplan nicht. Auf Initiative Stalins wurde die Frage einer Revision des Baumwollprogramms aufgeworfen. Und so kam es - ich kann es jetzt nicht genau sagen, ich entsinne mich aber an das eine -, dass nach diesem neuen Beschluss des Zentralkomitees der KPdSU(B) und der Regierung von den in der Union aufzubringenden 36 Millionen Pud Baumwolle Usbekistan etwa 21 Millionen Pud Baumwolle geben sollte.

IKRAMOW: 28 Millionen Pud.

CHODSHAJEW: 28 Millionen, das war später.

Und nun sahen wir, dass, wenn man diese Direktive der Regierung durchführt, von dem Fünfjahrplan, den wir aufgestellt haben, überhaupt nichts übrig bleibt. Und nun, um diese neue Direktive des ZK der KPdSU(B) und der Regierung zu durchbrechen und keine Baumwolle zu liefern, stellten wir einen neuen aufgebauschten, wesentlich übertriebenen Plan auf. So, wenn nun einmal die Regierung im Unionsmaßstab 36 Millionen Pud Baumwollfaser verlangte, so ergab sich aus unserem Plan, dass - wenn die übrigen Republiken mit Usbekistan Schritt hielten - auf die Union ungefähr 45 bis 48 Millionen Pud entfallen wären. Aber um einen solchen Plan von 45 bis 48 Millionen Pud Baumwolle auszuführen, was wäre dazu erforderlich? Wir begannen, Stimmung zu machen für die Theorie der Mottokultur, d. h. für die Theorie einer in der Landwirtschaft vorherrschenden Kultur - in diesem Falle der Baumwolle. Zu diesen, Zwecke musste man die Fruchtwechselfolge zerschlagen, zertrümmern, die Wiesen, d. h. den Klee, die Futtermittel vernichten, von den künstlich bewässerten Grundstücken nicht nur den Weizen und die Gerste verdrängen, sondern auch eine solche Kultur, wie den Reis, der woanders nicht wächst. Dies bedeutete aber, eine kolossale Unzufriedenheit des Volks hervorzurufen, weil wir die Sache so darstellten: der Plan ist ein Moskauer Plan, wir sind nur die Beauftragten Moskaus, wir führen die Direktiven Moskaus durch. - „Ihr seid unzufrieden? Na, dann beklagt euch über Moskau.“ Das war die Aufgabe, die wir uns stellten.

WYSCHINSKI: Eine provokatorische Aufgabe?

CHODSHAJEW: Eine provokatorische Aufgabe, wir stellten sie uns bewusst und verwirklichten sie im Laufe einer Reihe von Jahren.
Wozu hat das geführt? Es führte wirklich zu einer Vernichtung des Fruchtwechsels, es führte zu einer Senkung des Viehbestandes, es führte zu einer Abnahme der Seidenzucht, weil auch da geschädigt wurde. Das führte letzten Endes auch zu einer Verringerung der Baumwollerträge. Deshalb hat Usbekistan jahrelang die Baumwollpläne nicht erfüllt.
Wir planten so, dass z. B. in Ferghana, der Hauptbaumwollbasis der Sowjetunion, und in Buchara - damals der zweitwichtigsten Basis - der prozentuelle Anteil des Baumwollbaus 96 bis 98 Prozent betrug. Wenn der Bauer 10 Hektar Boden hatte, dann musste er auf 8 oder 9 Hektar Baumwolle anbauen. Sie verstehen selbst, dass, wenn für alles andere 1 Hektar übrig bleibt, eine solche Wirtschaft zugrunde zu gehen beginnt. Und im Samarkander, Taschkenter Gebiet, wo es eine Riesenmenge Land gibt, wo die Leute seit jeher extensive Kulturen anbauten, dort betrug der Anteil des Baumwollanbaus 30 bis 35 und 40 bis 45 Prozent. Man hätte es natürlich so machen können, dass man in Usbekistan 50 Prozent der Anbaufläche mit Baumwolle besetzte und in Ferghana und Buchara 80 Prozent. In diesem Fall hätte man die aufgestellten Pläne schmerzlos durchführen können. Das geschah auch im Jahre 1935 unter Druck. In jener Periode taten wir es jedoch nicht. Ich möchte hier sagen, dass dies keine zufällige Sache war, dass es nicht Kopflosigkeit oder das Ergebnis ungeschickter Arbeit war. Dies wurde von unserer Organisation unter meiner Leitung, unter der Leitung Ikramows ganz bewusst getan. Wir beide, er als Vorgesetzter auf der Parteilinie und ich auf der Linie der Sowjetorgane, wir beide leiteten diese Arbeit.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, dem Angeklagten Ikramow eine Frage zu stellen.
Angeklagter Ikramow, was sagen Sie zu diesen Erklärungen?

IKRAMOW: Ich bestätige sie vollständig. Ich will sie aber noch ergänzen. In dieser Angelegenheit waren die Trotzkisten unsere Verbündeten (es bestand keine Vereinbarung, aber es gab ein stillschweigendes Einverständnis).

WYSCHINSKI: Sie handelten doch unter der Leitung des Blocks.

IKRAMOW: Jeder handelte auf seiner Linie. Es gab keine mündliche Vereinbarung, aber die Trotzkisten mit dem von Reingold geleiteten Baumwollkomitee an der Spitze begünstigten unter der Leitung Selenskis diese Politik.

WYSCHINSKI: Angeklagter Selenski, Sie bestätigen, dass diese Politik unter Ihrer Leitung durchgeführt. wurde?

SELENSKI: Ich verließ Turkestan im Januar 1931.

CHODSHAJEW: Und das war im Jahre 1928.

WYSCHINSKI: Angeklagter Selenski, stammt die Formel nicht von Ihnen: in Mittelasien die fortgeschrittenen Bezirke der Sowjetunion einzuholen und zu überholen?

SELENSKI: Ja, sie stammt von mir.

WYSCHINSKI: Was aber bedeutete diese Formel?

SELENSKI: Die Untergrabung der Kollektivierung.

WYSCHINSKI: Nicht nur dies, sondern auch die Sprengung der Baumwollpläne und den Ruin der Dechkanenwirtschaften. Bestätigen Sie das?

SELENSKI: Ja, ich bestätige es.

WYSCHINSKI: Was waren Sie damals dort?

SELENSKI: Sekretär des ZK.

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird für 20 Minuten unterbrochen.

 

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht kommt, ich bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen.

Angeklagter Chodshajew, fahren Sie in Ihren Aussagen fort.

CHODSHAJEW: Ich komme zur dritten Etappe. Ich sagte schon eingangs, dass ich seit 1930 mit den Rechten in der Person Rykows Verbindung aufnahm.
Ich möchte erzählen, unter welchen Umständen und unter welchen Bedingungen ich mit Rykow zusammenkam, und unter welchen Bedingungen wir uns mit ihm verständigten. Das war im Jahre 1930, bei einem offiziellen Empfang. Rykow fragte mich über die Lage aus, die in Usbekistan im Zusammenhang mit der Kollektivierung entstanden war. Ich erzählte ihm die mir bekannten Tatsachen darüber, was auf dem Lande vor sich gebt, ich sprach von der allgemein bekannten Unzufriedenheit, die in jener Periode in Usbekistan bestand, ich sprach von einer ganzen Reihe von Mängeln. Als Alexej Iwanowitsch mich fragte: und wie steht es bei euch mit dem Tempo der Kollektivierung, wie steht es bei euch mit dem Viehbestand, -sagte ich, dass eine Verminderung des Viehbestandes vorliegt. Das Tempo ist schnell, was auch eine gewisse Unzufriedenheit hervorruft, aber wir verbessern es auf Grund der entsprechenden Beschlüsse in dieser Frage. Mit einem Wort, wir handeln auf Grund der Parteidirektiven - so ungefähr lautete meine Antwort. Anscheinend hatte Rykow verstanden, dass ich mit ihm nicht geradewegs spreche, dass ich nicht offen spreche. Er erklärte mir auf einmal, es sei ihm bekannt, dass ich der bürgerlich-nationalistischen Gruppierung Usbekistans angehöre, ebenso wie Ikramow, von dem er ebenfalls weiß, und dass es keinen Zweck habe, miteinander Diplomatie zu treiben, sondern man müsse geradeheraus sprechen.
Rykow charakterisierte die Lage des Sowjetlandes in jener Periode als kritisch, und zwar im Zusammenhang mit der Kollektivierung, im Zusammenhang mit der, wie er es nannte, Unzufriedenheit der Bauernschaft und im Zusammenhang mit jener, nach seinen Worten wahnsinnigen Linie, die die Stalinsche Führung in die Praxis umsetzt. Er sagte, wenn es so weitergeht, so würde dies unvermeidlich zu einem Zusammenbruch führen. Wir, die Rechten, kämpften dafür, diese Linie zu ändern, aber die Änderung der Linie sei nur nach dem Machtantritt möglich. Also bestehe unsere Aufgabe darin, die Sowjetmacht zu stürzen. Wir kämpfen gegen die Leitung der Partei, zwecks Machtergreifung, zwecks Ergreifung der Regierung. Ihr Nationalisten seid natürlich auch mit dieser Politik unzufrieden, aber wenn ihr isoliert handelt, werdet ihr das Ziel nicht erreichen. Wenn wir uns mit euch, den Nationalisten vereinigten, es gibt auch noch andere Kräfte, dann würde eine sehr große Kraft zustande kommen, eine vereinigte Kraft. Dann könnten wir natürlich darauf eingehen, diese Leitung zu ändern.
Ich kann natürlich nicht sagen, dass ich seine Worte wörtlich wiedergebe, aber ich gebe im Wesentlichen den Sinn dessen wieder, was Rykow sagte. Der Sinn besteht gerade darin.
Eine so direkte Fragestellung konnte ich nicht anders als direkt beantworten. Ich eröffnete mich ihm sofort und sagte, dass dies stimme, um so mehr, als meine vorherige Arbeit, besonders die von 1928-1930, mich in bedeutendem Maße schon dazu vorbereitet habe, nicht nur ein Angebot anzunehmen, das von einer für mich so autoritativen Persönlichkeit wie Alexej Iwanowitsch Rykow ausging, sondern auch das Angebot einer niedriger gestellten Person zu akzeptieren, denn ich war schon vorbereitet.
Wir kamen in Bezug auf die Methoden unserer Arbeit überein. Für die erste Zeit gab mir Rykow folgende Richtlinien: Erstens: Schädlingstätigkeit, hauptsächlich auf dem Gebiet der Landwirtschaft. Das, wovon ich im Zusammenhang mit der Aufstellung des ersten Fünfjahrplans und des Baumwollanbauplans sprach, das spiegelte in bedeutendem Maße jene Direktive wider, die ich von A. I. Rykow erhalten hatte und von der ich Ikramow erzählte.
Zweitens: alle möglichen oppositionellen Gruppierungen und Kräfte, die sich nur finden, zu vereinigen und diese Kräfte gegen die Führung der KPdSU(B), gegen die Regierung in Bewegung zu setzen, und zwar durch Aktivierung der Schädlingstätigkeit, der provokatorischen Arbeitsmethoden und der sowjetfeindlichen Tätigkeit.
In Befolgung dieser Direktive Rykows (damals hatte ich noch mit niemandem sonst Verbindung, und wohl kaum hatte jemand vor mir diese Verbindung) begannen wir, diese Schädlingsarbeit durchzuführen. Ich werde später ausführlicher auf die einzelnen Wirtschaftszweige und auf die anderen Direktiven eingehen.
Im Herbst 1933 kam Bucharin nach Usbekistan, angeblich auf dem Wege nach Kirgisien oder nach dem Pamir - ich weiß schon nicht mehr, ich erinnere mich nicht. Ich hatte damals mit ihm nur eine Zusammenkunft in einem Landhaus des ZK in Taschkent, aber unmittelbare Gespräche mit Bucharin hatte ich nicht. Aus den Worten Ikramows weiß ich von den Unterredungen zwischen Bucharin und Ikramow und von den Direktiven, die Bucharin für unsere nationalistische Organisation hinterließ. Ich denke, dass Ikramow selbst diese Sache ausführlicher erzählen wird, deshalb werde ich auf die Episode nicht eingehen.
Im Jahre 1934 kam Antipow nach Usbekistan. Zuvor wusste ich nicht, dass Antipow ebenfalls zu den Rechten gehört. Während seines Aufenthaltes sagte mir Antipow offen, es sei ihm durch Rykow und Bucharin bekannt, dass ich eine von den nationalistischen Gruppierungen in Usbekistan leite, dass in meiner Person und in der Person Ikramows der Block zwischen den Rechten und unsern nationalistischen Gruppierungen geschlossen sei, und dass er darüber im Namen des Zentrums der Rechten mit mir sprechen möchte.
Das erste, was mir Antipow darüber sagte, bestand hauptsächlich darin, dass er mir und unserer Organisation den Vorwurf machte, wir wären nicht aktiv genug, wir verstünden nicht zu arbeiten, wir arbeiteten nach alten Methoden, wir verstünden nicht den zugespitzten Kampf, wir verstünden die Lage nicht, und dadurch sei die Gefahr akut geworden, dass wir hochgehen.
Antipow gab mir unmittelbar die Direktive, die Schädlingstätigkeit, die Diversionsarbeit zu aktivieren. Mehr noch, man müsse die provokatorische Tätigkeit verstärken, damit eine große Unzufriedenheit der Massen erzielt wird, man müsse aktiver darangehen, Aufstandsgruppen zu formieren, in Usbekistan müsse man für jeden Fall ein paar terroristische Gruppen bilden, man werde sie schon brauchen. Und als letztes, wir müssten uns unmittelbar mit England in Verbindung setzen, als mit dem Lande, das wohl am meisten an der Entscheidung des Schicksals Mittelasiens interessiert ist.
Diese Direktive schlug mir Antipow im Laufe mehrerer Besprechungen vor. Er wohnte dort einen Monat oder mehr. Dabei sagte mir Antipow, er habe analoge Besprechungen auch mit Ikramow geführt, Ikramow habe in dieser Frage keine Einwände. Selbstverständlich hatte auch ich nichts einzuwenden. Danach hatte ich mit Antipow eine Reihe von Unterredungen in seinem Sommerhaus, im Rat der Volkskommissare, in seinem Arbeitszimmer, aber das waren bereits Unterredungen, die nicht den Charakter von Direktiven trugen. Ich informierte ihn mehr darüber, was vor sich ging.
Im Jahre 1936 kam Bucharin nach Taschkent. Ich hatte mit ihm zwei Zusammenkünfte: die eine Zusammenkunft hatte ich mit ihm im Sommerhaus des ZK, wo er bei Zecher wohnte, und die zweite Zusammenkunft mit ihm hatte ich in meinem, Sommerhaus bei Taschkent. Das war im August 1936. Bucharin fragte mich, wie wir die Direktiven des rechten Zentrums durchführen. Ich schilderte ihm die breit angelegten Pläne der Schädlingstätigkeit, dass wir auf dem Gebiet der Irrigationsarbeiten ein paar Diversionsakte durchzuführen beabsichtigen, dass es mit dieser Arbeit bei uns im allgemeinen recht gut bestellt ist, aber auf dem Gebiet der Landwirtschaft die Arbeit dadurch erschwert ist, dass die Politik der Partei darin besteht, Übergriffe zu korrigieren, den Kollektivbauern Hofland zu geben und Zusatzprämien für Planüberbietung zu gewähren - das stört uns bei der Arbeit, das untergräbt unsere Pläne, das erzeugt Schwierigkeiten, aber dennoch geben wir uns Mühe und befolgen, soweit es möglich ist, eure Direktiven. Was die andern Wirtschaftszweige anbelangt, so informierte ich ihn ebenfalls darüber. Ich werde jetzt nicht ausführlich darauf eingehen. Bucharin war jedoch mit meiner Information nicht zufrieden. Er war nicht deshalb unzufrieden, weil wir etwa die Schädlingstätigkeit und die provokatorische sowjetfeindliche Arbeit schlecht durchführten, sondern weil erstens Aufstandskader fehlten, zweitens fest gefügte Terrorgruppen fehlten und drittens, weil wir noch nicht mit England in Verbindung standen. Diese drei Dinge riefen Buchahns Unzufriedenheit hervor.

WYSCHINSKI: Worin kam dies zum Ausdruck?

CHODSHAJEW: Er sagte, dass wir schlecht arbeiten, dass man nicht so arbeiten darf. Natürlich schimpfte er nicht auf mich und konnte auch nicht schimpfen, sondern er sagte einfach so, das sei schlecht, das sei ungenügend, dass Verbündete nicht so arbeiten dürfen.

WYSCHINSKI: Er schlug vor, mehr Aktivität zu äußern?

CHODSHAJEW: Ja, besser, aktiver zu arbeiten.

WYSCHINSKI: Das heißt?

CHODSHAJEW Bei der Organisierung aufständischer Kader.

WYSCHINSKI: Dies erstens.

CHODSHAJEW: Bei der Organisierung terroristischer Gruppen.

WYSCHINSKI: Dies zweitens.

CHODSHAJEW: Und die Verbindung mit England.

WYSCHINSKI: Was verlangte Bucharin von Ihnen, als er von der Verbindung mit England sprach?

CHODSHAJEW: Ich wollte davon später erzählen, aber ich kann es auch gleich tun. Bucharin sagte, dass ein Übereinkommen mit dem faschistischen Deutschland bestehe, dass mit Japan ein Übereinkommen in die Wege geleitet sei. Wenn es sich aber um die Mittelasiatischen Republiken handle, so sei England die nächstliegende Großmacht. Mit England müsse man sich verständigen. Dass wir, die Rechten, unsererseits teilnehmen werden, aber ihr seid näher zur Grenze, stellt selbst die Verbindung her.

WYSCHINSKI: Zu welcher Grenze?

CHODSHAJEW: Afghanistan. Dort gibt es einen englischen Vertreter. Bucharin sagte, wenn es sich um die Hilfe der kapitalistischen Länder für uns, die Rechten, bei der Machtergreifung und für euch, hei der Sache eurer Unabhängigkeit handelt, dann muss man irgendetwas versprechen, irgendetwas geben.

WYSCHINSKI: Was geben? Was versprechen?

CHODSHAJEW: Geben, das bedeutet, das Protektorat Englands anzuerkennen, dies als Minimum. Ich spreche nicht von wirtschaftlichen Dingen, die selbstverständlich sind. Usbekistan mit seinen fünf Millionen Einwohnern kann zwischen den beiden Kolossen - auf der einen Seite die Sowjetunion, auf der andern Seite England - nicht ein unabhängiger Staat werden. Man muss an irgendeinem Ufer landen. Wenn man sich von einem Ufer entfernt, dann landet man eben am andern.

WYSCHINSKI: So sprach Bucharin?

CHODSHAJEW: So habe ich es verstanden.

WYSCHINSKI: Und Bucharin wies auf England als auf das neue Ufer hin?

CHODSHAJEW: So habe ich es verstanden.

WYSCHINSKI: Das heißt, die Abkehr von der Sowjetunion, die Unabhängigkeit Usbekistans, die Übereinkunft mit England bedeuten die Landung Usbekistans am andern Ufer?

CHODSHAJEW: So habe ich es verstanden.

WYSCHINSKI: Wann war das?

CHODSHAJEW: Das war im August 1936.

CHODSHAJEW: Ich möchte darüber nicht jetzt vor Gericht sprechen; weil das vom persönlichen Standpunkt das Schwerste ist. Objektiv deckte sich das. Aber meine persönlichen Stimmungen waren verschiedenartig, und ich werde nicht sprechen. Ich habe Verbrechen begangen und will für sie die Verantwortung tragen, wie ich es verdiene.

WYSCHINSKI: Es ist Ihr Recht, zu sagen, was Sie wollen, und nicht zu sagen, was Sie nicht für notwendig erachten.

CHODSHAJEW: Ich hatte mit Bucharin eine längere Unterredung über diese Fragen. Ich weiß nicht, ob es notwendig ist, Ihnen den ganzen Inhalt der Unterredung wiederzugeben, oder ob das genügt, was ich bereits gesagt habe.

WYSCHINSKI: Bitte, alles, was mit dieser Sache direkt in Verbindung steht.

CHODSHAJEW: Begründungen dafür gab es, wie schon angeführt.

WYSCHINSKI: Die gleichen, wie auch in den andern Fragen dieser Art, über die hier gesprochen wurde, z. B. von Scharangowitsch?

CHODSHAJEW: In etwas größerem Umfange. Bucharin war damals soeben von seiner Reise in die europäischen Länder zurückgekehrt.

WYSCHINSKI: Aus dem Ausland?

CHODSHAJEW: Aus dem Ausland. Er sprach von der Stabilisierung des Kapitalismus, davon, dass dabei der Faschismus, besonders der deutsche Faschismus, eine gewaltige Rolle spielte.

WYSCHINSKI: Er lobte den Faschismus?

CHODSHAJEW: Ich verstehe das als eine Lobpreisung des Faschismus. Er sagte, das faschistische Deutschland arbeite jetzt mit allen Kräften daran, um Deutschland zum Hegemon Europas zu machen, dass die Methode Deutschlands dabei die Faschisierung ganz Europas sei, die Faschisierung Deutschlands und somit die Vorbereitung der entsprechenden Situation innerhalb der europäischen Länder zur Bildung eines europäischen Blocks oder eines so genannten Aufmarschgebiets. Es werden Vorbereitungen getroffen zu einem entsprechenden Übereinkommen mit den großen asiatischen Staaten, insbesondere mit Japan, es sei ein Abkommen zwischen dem faschistischen Deutschland und Japan zum Kampfe gegen die Sowjetunion möglich. Von Hitlers Absichten wussten wir schon lange und verstanden nach zwei Worten, um was es sich handle. Daraus zog er die Schlussfolgerung, dass bei einem Block dieser beiden faschistischen Staaten, bei einem Bündnis dieser Staaten, bei der Faschisierung Europas die UdSSR es schwer haben wird, den Krieg auszuhalten, und dass die UdSSR in diesem Krieg eine Niederlage erleiden müsse. Dann gab er eine Übersicht über den inneren Zustand der UdSSR, über die Schwierigkeiten, die auf dem Lande bestehen. Er sagte, die Kollektivierung habe gesiegt, aber dennoch gäbe es auf dem Lande bedeutende Schichten, die den Kollektivwirtschaften nicht beigetreten sind - das seien die Einzelbauern, und wir müssten ihre Unzufriedenheit berücksichtigen. Es bestünden kolossale Mängel in den Kollektivwirtschaften, die Kollektivwirtschaften hätten sich nicht genug gefestigt. Obwohl die Industrialisierung gesiegt habe, arbeite die Industrie mit Stockungen, es gäbe in der Industrie kolossale Mängel, die Industrie zur Erzeugung von Massenbedarfsartikeln arbeite noch schlechter, es seien in unserem Lande solche Mängel auf dem Gebiet des Warenumsatzes vorhanden, die unausbleiblich zu einer neuerlichen großen Unzufriedenheit der Bevölkerung führen müssen. Daraus zog er die Schlussfolgerung, dass die Aufgabe in der Aktivierung unserer konterrevolutionären Kräfte bestehe. Ikramow war damals nicht in Taschkent. Nach Ikramows Ankunft unterrichtete ich ihn von dieser Unterredung mit Bucharin, und da ich Bucharin sowohl im eigenen Namen als auch im Namen Ikramows versichert hatte, dass wir diese Direktiven verwirklichen werden, begannen wir sie auch zu verwirklichen.
Ich gehe jetzt zu meiner konkreten Schädlingsarbeit über. Ich habe von der Schädlingstätigkeit schon zum Teil gesprochen. Ich werde noch einmal kurz über die Landwirtschaft sprechen. In der Landwirtschaft bestand unsere Schädlingsaufgabe darin, den Fruchtwechsel durcheinander zu bringen. Dies führten wir im Laufe des ersten und zweiten Planjahrfünfts durch. Sowohl in der bewässerten als auch in der unbewässerten Wirtschaft Usbekistans gibt es jetzt keinen Fruchtwechsel mehr. Unsere Aufgabe bestand darin, die Saatgutwirtschaft zu verwirren. Diese Aufgabe haben wir erfüllt. Aber dank der Maßnahmen des ZK der KPdSU(B) und der Unionsregierung wurden die Fragen der Baumwollsaat jetzt korrigiert, bei allen übrigen Kulturen bleibt die Lage, die wir geschaffen haben. Unsere Aufgabe bestand darin, durch bürokratisches Administrieren und durch Übergriffe die Unzufriedenheit der bäuerlichen Bevölkerung hervorzurufen. Wir haben dieses Ziel bis zu einem gewissen Grade erreicht. Ich erzählte Ihnen schon von den aufgebauschten Baumwollplänen, von der falschen Weiterleitung der Pläne an die Bezirke, von dem Unterschied zwischen Buchara und Ferghana einerseits, zwischen Samarkand und Taschkent andererseits. Damit erzielten wir eine Reihe provokatorischer Aktionen, eine Reihe von Aktionen, die auf unserer Provokation beruhten. Ferner gelang es uns, dem Viehbestand erheblichen Schaden zuzufügen. Ich sprach bereits davon, auf welche Weise wir an diese Sache herangegangen sind. Ich will ein konkretes Beispiel anführen. Im Jahre 1936 sollten wir nach dem Beschluss der Partei und Regierung den Kollektivbauern etwa 130000 Kälber, Schafe und anderes Vieh übergeben. Wir übergaben sie im Laufe eines Jahres. Aber die Ergebnisse der Viehzählung für das zweite Halbjahr 1936 und das erste Halbjahr 1937 zeigten, dass von diesen 130000 Stück nur noch etwa 30000-40000 vorhanden waren. Ich denke dabei an das Jungvieh. Wo ist das übrige hingekommen? Erstens gelangte das Vieh zum Teil überhaupt nicht in die Hände der Bauern. Unsere Leute, die in den Rayons und in den Kreisen saßen, teilten sich selbst die Kälber und Schafe zu, um sie dann zu schlachten und zu verkaufen. Zweitens wurde in den Kollektivwirtschaften nichts zur Erhaltung des Jungviehs getan. Diese Sache verlangt jedoch bekanntlich große Arbeit. Ich spreche schon nicht von der Vereitelung der Zuchtmaßnahmen, der Tierpflege und dergleichen mehr. Ich denke, dass dieses konkrete Beispiel genügt und dass ich deshalb diese Frage nicht ausführlicher zu beantworten brauche. In der Seidenraupenzucht führten wir folgende Schädlingsmaßnahme durch: wenn wir im Jahre 1928 ungefähr 7000-8000 Tonnen Rohseide hatten, so haben wir jetzt 10000-12000 Tonnen. Jedoch betragen die Möglichkeiten Usbekistans nach richtigen Berechnungen ungefähr 22000-23000 Tonnen. Das hätte man erreichen können, wenn man eine Maßnahme nicht durchgeführt hätte. Dem Gericht ist es natürlich bekannt, dass in der Landwirtschaft die Mechanisierung durchgeführt wird, d. h. Traktoren, Maschinen eingeführt werden. Bei uns gibt es aber kleine, von Wassergräben durchzogene Landparzellen: kleine Kanäle durchqueren sie zur Bewässerung der Grundstücke. In Usbekistan gibt es keinen einzigen Wassergraben, der nicht mit Maulbeerbäumen bepflanzt wäre, und dieser Baum liefert der Seidenraupe die Nahrung. Es besteht ein Plan, wonach man jährlich ein bis zwei Prozent der alten Maulbeerbäume abholzen kann, um sie an einer andern Stelle durch neue Baumpflanzungen zu ersetzen. Unter dem Vorwand, dass man dort, wo es kein großes Feld gibt, die Landwirtschaft nicht mechanisieren, den Traktor nicht anwenden kann weil das nicht wirtschaftlich, weil das verlustbringend sei, nahneu wir nun unter der Flagge der Mechanisierung die Abholzung von etwa 10 Prozent der Maulbeerbäume vor und vernichteten damit die Futterbasis für die Seidenraupenzucht. Wenn hier nicht davon Leute gesprochen hätten, die dies selbst durchgeführt haben, wenn nicht Fachleute aus den Reihen der Kollektivbauern hier davon gesprochen hätten, die mehr als irgend jemand Spezialisten auf diesem Gebiet sind, wenn sie dies nicht gesagt hätten, so wäre es überhaupt unmöglich, oder zumindest schwierig gewesen, die Schädlingstätigkeit auf diesem Gebiet zu erraten. Es ist aber eine Tatsache, dass wir diese Schädlingstätigkeit durchführten, dass wir all dies unter einem guten Vorwand durchführten. Auf die Leute, die sagten, man dürfe nicht abholzen, schlugen wir los und erklärten: „Du bist gegen die Mechanisierung, du bist gegen die Politik der Partei? Also bist du ein Opportunist, also muss nun dich schlagen.“
Das sind die Schädlingsmaßnahmen, die wir in Usbekistan durchgeführt haben.
Ich spreche schon gar nicht von der Luzerne, die die Baumwolle begleitet und eine der Hauptkulturen im Fruchtwechsel bildet, die auf Schädlingsart fast gänzlich ausgeschaltet wurde. Sie wird erst in den letzten zwei Jahren unter dem unmittelbaren Druck des ZK der KPdSU(B) wieder angebaut. In der letzten Zeit erhielten wir jede Woche Telegramme mit der Unterschrift Stalins: „Warum ist die Luzerne im Rückstand, warum sät ihr nicht?“ Nur unter diesem Druck begannen wir, die Lage bei der Luzerne zu verbessern.
Ich spreche auch nicht von einer ganzen Reihe anderer Schädlingsakte auf dem Gebiet der Landwirtschaft.
Was die Industrie anbelangt, so kann ich nur in allgemeinen Worten darüber sprechen, da ihre unmittelbare Leitung dem gleichen Karymow oblag, von dem hier Ikramow sprach. Ich war mehr mit den landwirtschaftlichen Angelegenheiten vertraut.
Ich vergaß, von zwei Diversionsakten zu erzählen, die auf dem Gebiet der Bewässerung durchgeführt wurden. Der erste Akt galt Rawat Chadshi, einem von der Sowjetmacht erbauten Staudamm, einem riesigen Wasserverteiler, der das Wasser des Flusses Sarawschan verteilt, dieser Fluss bewässert etwa 2000-3000 Hektar Boden. Anfang 1936 wurde von dem Mitglied unserer Organisation Chalbatyrow ein Diversionsakt zur Vernichtung und Untauglichmachung dieses Staudamms vorbereitet. Es gelang ihm nicht, weil die Organe, des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten ihn und seine Helfershelfer rechtzeitig verhaftet haben.
Ein anderer ebensolcher Akt wurde in Ferghana vorbereitet, ebenfalls gegen einen großen Wasserverteiler, der die Felder fast der Hälfte Ferghanas bewässert. Diesen Akt gelang es ebenfalls nicht in vollem Umfange auszuführen, obgleich er von Rachmanow, dem Leiter der usbekischen Wasserwirtschaft, der ebenfalls ein Mitglied unserer Organisation war, teilweise verwirklicht wurde.

WYSCHINSKI: Welche Wasserverteiler meinen Sie?

CHODSHAJEW: Der erste Wasserverteiler, das ist Rawat Chadshi und der zweite Kompyr Rawat.
Was die Industrie anbelangt, so weiß ich von der Schädlingstätigkeit in Tschirtschikstroj, das ist ein großer Bau von drei Elektrizitätswerken und einem Stickstoffkombinat. Der Leiter dieses Baus war Rosit. Er ist ein Rechter seiner Vergangenheit und auch seiner Gegenwart nach. Mir ist ebenso wie Ikramow und andern Mitgliedern unserer Organisation bekannt, dass Rosit dort Schädlingstätigkeit betrieb. Die Schädlingstätigkeit bestand, wie ich es auffasste, in drei Dingen. Erstens darin, die Unkosten der Bautätigkeit zu steigern. Zweitens sollten schwer zu beschaffende Materialien auf zweitrangigen Bauten verwendet werden. Zum Beispiel wissen alle, dass in Taschkent die besten Häuser gewöhnlich aus Ziegeln, die Häuser von gewöhnlichem Typus aber aus Rohziegeln gebaut werden. An dieser Baustelle wurde ein einstöckiges Haus aus Eisenbeton erbaut, während es für das Elektrizitätswerk sowohl an Zement als auch an Eisen fehlte.
Schließlich kam diese Schädlingstätigkeit drittens darin zum Ausdruck, dass der Sowjetmacht ergebene Leute aus dem Tschirtschikstroj vertrieben wurden. Die Sowjetpresse berichtete seinerzeit über den Fall Silberstein. Das steht in unmittelbarer Beziehung mit dieser Angelegenheit.

WYSCHINSKI: Was ist das für ein Fall und in welchem Verhältnis steht er zu der vorliegenden Angelegenheit?

CHODSHAJEW: Silberstein war eine sehr tüchtige und ergebene Ingenieurin. Sie baute am Tschirtschikstroj den Staudamm. Silberstein gehörte zu jener Gruppe von Spezialisten, die aktive ehrliche Sowjetarbeit leisteten. Rosit ekelte sie jedoch unter verschiedenen Vorwänden von diesem Bau.

WYSCHINSKI: Mit Ihrem Wissen?

CHODSHAJEW: Selbstverständlich. Wir protestierten nicht dagegen.

WYSCHINSKI: Auf Ihre Weisung?

CHODSHAJEW: Nein, ohne meine Weisung, weil wir mit Rosit keine direkte Verbindung hatten. Aber gewiss protestierten wir nicht dagegen.

WYSCHINSKI: Und dass Rosit Schädlingstätigkeit leistet, wussten Sie?

CHODSHAJEW: Selbstverständlich.

WYSCHINSKI: Auf Grund sachlicher Angaben?

CHODSHAJEW: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie deckten ihn?

CHODSHAJEW: Ja, wir deckten ihn. Wenn ich diese Angelegenheit hätte richtig aufdecken wollen, warum konnte ich nicht vor zwei Jahren einen Zettel über die Enthebung Rosits und seine Übergabe an das Gericht schreiben? Ich wollte das aber nicht. Zweitens, das Rayonelektrizitätswerk in Kuwassai, ein großes Kraftwerk von 48000 bis 50000 Kilowatt Leistung, das im Ferghana-Tal gebaut wird, und die ganze oder fast die ganze Industrie von Ferghana mit Strom versehen soll. Dieser Bau zog sich sehr in die Länge. Und das war kein Zufall.
Hier möchte ich zugleich mit dem Hinweis auf die örtliche Schädlingstätigkeit auch darüber sprechen, was sich in Moskau zugetragen hat. Die Kohlenverlade- und Transportanlage baute man für eine Leistung von 75000 kW, das Gebäude für das Elektrizitätswerk wurde für 48000 kW gebaut, während die projektierte Leistungsfähigkeit des Elektrizitätswerks mit 70000 kW festgesetzt war. Wie Sie sehen, lagen bereits denn Projekt Elemente von Schädlingsarbeit zugrunde. In der Bautätigkeit Usbekistans gab es bedeutende Elemente von Schädlingsarbeit, denn die Hauptmittel und -kräfte wurden, anstatt sie für das Kraftwerk selbst zu verwenden, den Vorbereitungsarbeiten zugeführt.
Das Letzte schließlich, was von Moskau ausging, war eine systematische Schädlingsarbeit in Bezug auf die Maschinen, weswegen sich das Kraftwerk beinahe seit 1929-1930, also schon sieben Jahre, im Bau befindet und immer noch nicht fertig ist.
Eine Reihe solcher Schädlingsakte wurden in Buchara, in Samarkand und an verschiedenen anderen Orten verübt.

WYSCHINSKI: Das Zementwerk in Chilkowo?

CHODSHAJEW: Damals wurde die Fabrik stillgelegt, angeblich zum Zwecke der Renovierung, zum Zwecke ihrer modernen Neuausrüstung, obwohl man dies erst nach 2-3 Jahren hätte machen können. Nachdem die Zementfabrik von Kuwassai in vollen Betrieb genommen wurde - und dies brauchte man nicht zu tun, man hätte sie später in Betrieb setzen können, um früher eine andere Fabrik in Betrieb zu nehmen-, wurde all dies gemacht, ohne abzuwarten. Auf diese Weise blieb die Bewässerungsanlage des Tschirtschikstroj ohne Zement. Zement musste man aus Noworossijsk zuführen und Sie wissen ja, wie es bei uns mit den Wegen bestellt ist.

WYSCHINSKI: Sodann die Schwefelgruben?

CHODSHAJEW: Ich war mit der Gruppe, die auf Schor-Su arbeitete, direkt persönlich nicht in Verbindung.

WYSCHINSKI: Das heißt, die dort Schädlingsarbeit verrichtete?

CHODSHAJEW: Ich habe beständig die Schädlingsarbeit im Auge. Ich kenne von den Teilnehmern unserer Gruppe niemand, der mit ihnen in unmittelbarer Verbindung gestanden hätte. Aber für mich war das eine vollkommen klar; in Taschkent sprach ich diese Formel mehr oder weniger aus und sage auch jetzt, dass die Schwefelgrube nicht von selbst betriebsunfähig wurde, aber infolge eines Brandes, weil Newski, ein alter Trotzkist, der von Pjatakow gesandt worden war, den Brand und die Explosion in der Grube organisiert hatte.
Wessen halte ich mich persönlich in dieser Angelegenheit schuldig? Erstens dessen, dass man, nachdem dies geschehen war, Newski hätte sofort verhaften müssen, wenn wir ehrlich, auf sowjetische Art und Weise diese Sache untersuchen und an Ort und Stelle die gesamte Sachlage hätten klarlegen wollen. Anstatt dessen befassten wir uns mit einem Briefwechsel mit Moskau, in der Hoffnung, dass ihn jemand unter seinen Schutz nehmen würde, wir fragten fortwährend an, ob man Newski zur Verantwortung ziehen soll oder nicht, dennoch wurde Newski zu guter Letzt verhaftet, wie mir scheint, hat er seine Taten eingestanden.
Das ist alles, was sich auf die Industrie bezieht. Ich wiederhole, ausführlicher kann ich über die Industrie nicht sprechen, weil ich diese Sache unmittelbar nicht leitete.
Ferner will ich auf die Frage der Bautätigkeit eingehen. Das zurückbleibende Tempo des Bauwesens in Usbekistan erklärte man dadurch, dass dort wenig Baumaterialien vorhanden seien: Zement, Eisen, Holz, die Bautätigkeit wurde jedoch absichtlich vereitelt. Nehmen wir z. B. den Bau von Schulen. Er erfordert hauptsächlich Ziegel. An Ort und Stelle, in Usbekistan, kann man Milliarden Stück Ziegel herstellen. Indes pflegte es in der Bausaison in der Regel an Ziegeln zu mangeln.

WYSCHINSKI: Warum?

CHODSHAJEW: Weil die Herstellung von Ziegeln von Rachman geleitet wurde, einem Mitglied der trotzkistischen Organisation, deren Leiter Zecher war und die mit uns in Verbindung stand. Ich glaube, es ist klar, warum dies geschah.

WYSCHINSKI: Das ist begreiflich.

CHODSHAJEW: Dasselbe gilt für die Krankenhäuser und für eine ganze Reihe anderer Kultur- und Bildungseinrichtungen. Ich spreche schon nicht von einer solchen großen Aufgabe, die wir uns schon längst gestellt hatten, und die wir verwirklichten. Wir brachten die Leitung der Schulen in unsere Hände. In dieser Beziehung konnte natürlich in Usbekistan niemand mit uns konkurrieren. Wir bildeten bürgerlich-nationalistische Kader aus und rissen durch sie die Schulen, die Universitäten an uns. Ich wage nicht zu behaupten, dass alle Schulen bürgerlich-nationalistisch gesinnt waren, dass die Kinder überall so erzogen wurden, aber jedenfalls hatten wir hier große Erfolge zu verzeichnen, besonders in den Universitäten und Hochschulen. Wiederum ist es für mich schwer, darüber ausführlich zu sprechen, weil dies der Tätigkeitszweig ist, den Ikramow als einzige Person leitete, das Gebiet der Kultur und der Ideologie, das ist das Gebiet, das unmittelbar Ikramow leitete. Die Landwirtschaft leitete ich zusammen mit Ikramow, die Industrie zusammen mit Karymow. Das war die entsprechende Arbeitsteilung.
Was die Durchführung anderer Direktiven betrifft - über die Organisierung von Aufstandsgruppen in Usbekistan, so scheuten wir uns, die Organisierung dieser Sache unmittelbar selbst in die Hand zu nehmen, weil diese Sache sofort hätte ruchbar werden können. Deshalb gaben nach einer Beratung mit Ikramow, wir beide gemeinsam unseren Leuten aus der Mitte der Sekretäre der Rayonkomitees und der Vorsitzenden der Exekutivkomitees mündliche Weisungen, dass sie die Vorbereitungen zur Organisierung eines Kerns treffen sollten, mit dessen Hilfe man bereits zu einer Massenorganisierung der Aufstandsbewegung hätte übergehen können. Das war die eine Direktive.
Die andere Direktive bestand darin, aus den amnestierten einfachen Basmatschen, die sich bereits im Jahre 1922-1923 ergeben hatten, in den Kischlaks und Dörfern eine entsprechende Gruppe vorzubereiten. Solcherart waren die Direktiven. An den einzelnen Orten wurde diese Arbeit durchgeführt, d. h. es wurden Menschen hinzugezogen, Gruppen geschaffen, obwohl ich augenblicklich nicht in der Lage bin, Ihnen zu sagen, wie viel derartiger Gruppen vorhanden waren und wer an der Spitze einer jeden Gruppe stand, weil mir diese Angaben nicht vorliegen.

WYSCHINSKI: Diese Gruppen waren von Ihnen organisiert?

CHODSHAJEW: Es war die Direktive erteilt, dass sie organisiert werden.

WYSCHINSKI: Und diese Direktive wurde ausgeführt?

CHODSHAJEW: Jawohl.

WYSCHINSKI: Und warum war denn Bucharin unzufrieden?

CHODSHAJEW: Bucharin hatte im August 1936 eine Unterredung mit mir.

WYSCHINSKI: Und wann war dies?

CHODSHAJEW: Und dies war bereits später. Was die terroristischen Gruppen betrifft, so habe ich über diese Sache mit niemandem gesprochen, außer mit 2 Personen. Ich selbst weiß es, Ikramow wusste es, und ein gewisser Schermuchamedow wusste es, den ich, nachdem ich mich mit Ikramow beraten hatte, mit der Organisierung dieser terroristischen Gruppe beauftragte. Ikramow begründete diesen Auftrag damit, dass Schermuchamedow die zuverlässigste Person sei, das Dorf kenne, unsere Kader kenne, er müsse damit beauftragt werden, und ich selbst, sagte er, werde mit ihm Rücksprache nehmen.

WYSCHINSKI: Ikramow fand ihn und nicht Sie?

CHODSHAJEW: Nein, aber man brauchte nach ihm auch nicht zu suchen; das war eine bekannte Persönlichkeit, er war Mitglied des Büros des ZK, beide kannten wir ihn, und als ich mich mit Ikramow beriet, wem diese Sache anzuvertrauen sei, sagte er, man müsse dies Muslam Schermuchamedow anvertrauen.

WYSCHINSKI: Das war die Kandidatur Ikramows?

CHODSHAJEW: Ich würde dies nicht sagen. Dies war, man kann es sagen, unsere gemeinsame Kandidatur.

WYSCHINSKI: Das war Ihre gemeinsame Kandidatur?

CHODSHAJEW: Unsere gemeinsame. Ob Ikramow mit Schermuchamedow gesprochen hat, weiß ich nicht, weiß jedoch, dass Schermuchamedow eine gewisse Arbeit sowohl in den Kischlaks als auch unter der studierenden Jugend betrieb, er sagte, er habe ein paar Gruppen.

WYSCHINSKI: Ich möchte Ikramow befragen.

VORSITZENDER: Bitte sehr.

WYSCHINSKI: Angeklagter Ikramow, hat Chodshajew über Schermuchamedow richtig ausgesagt?

IKRAMOW: Die Kandidatur Schermuchamedows wurde beraten.

WYSCHINSKI: Zu welchem Zwecke?

IKRAMOW: Ihm wurde der Auftrag bezüglich des Terrors erteilt. Er sagte nicht, ob er Schermuchamedow beauftragt hat. Dieser Teil ist unbekannt, aber dass die Kandidatur beraten wurde“ stimmt.

WYSCHINSKI: Um den Terror vorzubereiten?

IKRAMOW: Ja. Er sprach im Namen Bucharins.

CHODSHAJEW: Und schließlich der letzte Punkt - bezüglich der Verbindung mit England. Mir selbst war es unmöglich, direkt eine Verbindung mit England herzustellen. Man musste für diese Verbindung irgendwelche Mittel ausfindig machen. Ich konnte Leute in Tadshikistan ausfindig machen, weil dort das Basmatschentum bis vor kurzer Zeit fortgedauert hatte, folglich konnte es dort einige englische Emissäre und sonstige Personen geben. Ich glaubte so.

WYSCHINSKI: Warum glaubten Sie so?

CHODSHAJEW: Ich sage, dass das Basmatschentum dort bis 1930 fortdauerte, während in Usbekistan das Basmatschentum 1922-1923 liquidiert worden war. Folglich hatten wir mehr Grund, dort Verbindungen zu finden.

WYSCHINSKI: Durch die Basmatschen?

CHODSHAJEW: Durch die Kurbaschi, d. h. die Führer der Basmatschen.

WYSCHINSKI: Warum glauben Sie dies?

CHODSHAJEW: Ich habe meinen Gedanken noch nicht beendet.

WYSCHINSKI: Bitte beenden Sie ihn.

CHODSHAJEW: Ein Kurbaschi kann nicht umhin, wenn er ein wirklicher Basmatschenführer ist, mit Engländern in Verbindung zu stehen, weil das Basmatschentum unter Beteiligung der Engländer organisiert worden war.

WYSCHINSKI: Ihre Praxis hat es Ihnen gezeigt?

CHODSHAJEW: Ich sage, wie es war.

Unter den in Tadshikistan tätigen Personen konnte ich Leute finden, die diese Aufgabe hätten erfüllen können. Ich erinnere mich, es gab einen gewissen Maksum, ehemaliger Vorsitzender des Zentralexekutivkomitees von Tadshikistan, den ich seit 1922 kannte, als Ost-Tadshikistan noch zu Buchara gehörte. Er war es nun, den ich beauftragen wollte. Ich wusste von seinen anglophilen Stimmungen, er äußerte sehr häufig Unzufriedenheit mit der Sowjetpolitik. Ich, der ich diese Stimmungen kannte, wollte ihn folglich ausnutzen.

WYSCHINSKI: Und wer ist Muchitdinow?

CHODSHAJEW: Muchitdinow ist einer der Führer der bucharischen bürgerlich-nationalistischen Partei.

WYSCHINSKI: Welcher Orientierung?

CHODSHAJEW: Englischer Orientierung. Er arbeitete seit 1924. Ich berufe mich nicht auf ihn, und zwar deswegen, weil er nicht mehr da ist, auf einen toten Menschen braucht man sich nicht zu berufen.

WYSCHINSKI: Es gibt aber doch eine Geschichte.

CHODSHAJEW: In der Geschichte hat ein solcher Mann existiert. Dieser Maksum war einer von seinen Leuten.

WYSCHINSKI: Und deshalb fragte ich auch nach ihm.

CHODSHAJEW: Ganz richtig. Zu meinem Glück jedoch kann ich zu den ungeheuren Verbrechen am Sowjetvolk, an der Partei, die ich begangen habe, nicht dieses letztere hinzufügen, d. h. ich kann dasselbe in dem Sinne nicht hinzuzählen, dass ich mit den Direktiven zwar einverstanden war, sie zur Ausführung akzeptierte, zu verwirklichen versuchte, aber es kam nicht dazu, sie zu verwirklichen.

WYSCHINSKI: Aus von Ihnen unabhängigen Gründen?

CHODSHAJEW: Ja, von mir unabhängigen. Ich möchte meine Aussagen mit dem Hinweis darauf schließen, dass ich natürlich kein kleines Kind bin, dass ich diese antisowjetische Tätigkeit bewusst, als Nationalist begonnen habe, denn bevor ich auf die Seite der Revolution überging und an ihr teilnahm, war ich ein Nationalist.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, zu welchen gesellschaftlichen Schichten gehören Sie Ihrer Herkunft nach?

CHODSHAJEW: Ich entstamme einer Kaufmannsfamilie.

WYSCHINSKI: Was war Ihr Vater?

CHODSHAJEW: Händler.

WYSCHINSKI: Ein großer, ein kleiner?

CHODSHAJEW: Ein großer. Er handelte mit Persianer, starb im Jahre 1912. Ich blieb im Alter von 14 Jahren allein.

WYSCHINSKI: Wie blieben Sie?

CHODSHAJEW: Das Geschäft des Vaters übernahm ein Vormund. Im Alter von 16 Jahren schloss ich mich einer illegalen Organisation an, ich hielt sie für eine illegale Organisation, im Grunde genommen war sie auch eine illegale und arbeitete nachher gegen das Emirat.

WYSCHINSKI: Nach dem Tode des Vaters setzten Sie das Geschäft fort?

CHODSHAJEW: Ich konnte mich nicht damit befassen, ich war erst 14 Jahre alt. Mein Onkel, der mein Vormund war, übernahm alles. Die Teilung des Vermögens erfolgte 1917. Mir fiel das Haus, ein Teil der Ländereien usw. zu, im Werte von etwa 17000 Rubel. Das kann man auf Grund der Dokumente feststellen.

WYSCHINSKI: Hatten Sie von Ihrer früheren sozialen Stellung her mit Kreisen der Bourgeoisie Verbindungen?

CHODSHAJEW: Ja.

WYSCHINSKI: Als Sie später an der Spitze der. Schädlingsorganisation in Usbekistan standen, haben Sie sich da mit Schädlingstätigkeit auf dem Gebiete der Karakulschafzucht zu befassen gehabt?

CHODSHAJEW: Direkt nicht. Aber in den Kollektivwirtschaften kam 1931 eine Abnahme des Schafbestandes unter der Leitung eines gewissen Hismetow vor, unsere Mitarbeiter...

WYSCHINSKI: Wer sind das, unsere?

CHODSHAJEW: Unseres Lagers. Meines und Ikramows Lagers, obwohl wir es mit eigenen Händen nicht taten.

WYSCHINSKI: Ich begreife es, Sie konnten nicht alles mit eigenen Händen machen. War dort Schädlingsarbeit?

CHODSHAJEW: Ja.

WYSCHINSKI: Sie haben sie organisiert?

CHODSHAJEW: Ja.

WYSCHINSKI: Warum sagten Sie nichts davon, als Sie über die Schädlingsarbeit in der Landwirtschaft sprachen?

CHODSHAJEW: Als ich über die Landwirtschaft sprach, schien es mir, dass dies begreiflich sei.

WYSCHINSKI: Welcher Organisation gehörten Sie vor der Revolution an?

CHODSHAJEW: Die Organisation, der ich angehörte, war die Partei der bucharischen Liberalen, eine konstitutionell-monarchistische Partei.

WYSCHINSKI: Die Kadetten-Partei?

CHODSHAJEW: Ja. Im Jahre 1917 wandte ich mich von dieser Partei ab und war einer der Organisatoren einer anderen Partei, der Jung-Bucharischen Partei, deren Programm wir im Jahre 1917 veröffentlichten. Wir stellten uns die Aufgabe der bürgerlich- nationalistischen Entwicklung Bucharas. Dieser Partei gehörte ich an.

Nach den Märzvorgängen von 1916, als ich an den bewaffneten Aktionen gegen die Emir-Regierung Anteil, leitenden Anteil nahm, wurde ich für außerhalb des Gesetzes stehend erklärt und zum Tode verurteilt, flüchtete aber nach dem zaristischen Russland. Hier hielt ich mich von März 1916 bis Mitte 1919 auf und gelangte Ende 1919 nach Taschkent. Dort bekleidete ich einen leitenden Posten. Das war auch im Jahre 1920 der Fall. Ich nahm am Sturz des Emirats Anteil. Und ich möchte nun...

WYSCHINSKI: Daraufhin schlossen Sie sich wieder den Nationalisten an?

CHODSHAJEW: Später, als ich an der Spitze der Regierung stand, schloss ich mich wieder den Nationalisten an.

WYSCHINSKI: Und seit jener Zeit führten Sie diese Linie durch?

CHODSHAJEW: Und seit jener Zeit führte ich diese Linie durch.

WYSCHINSKI: Und Bucharin half Ihnen?

CHODSHAJEW: Davon spreche ich gerade. Ich begann meine Tätigkeit als Nationalist, legte einen großen und langen Weg zurück, 23 Jahre von 41. Habe alles mögliche durchgemacht, aber dies ist nicht wichtig, von Wichtigkeit ist der Umstand, der mich besonders schmerzt und mir weh tut - daran bin ich selbst schuld -, dass ich infolge meiner Handlungen auf die Anklagebank gelangt bin in einer Reihe mit Personen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, der Revolution einen Schlag zu versetzen, mit Personen, die vor keinen Mitteln zurückscheuten, um ihr Ziel zu erreichen. Durch eine ganze Reihe von Maßnahmen, die ich selbst verwirklicht habe, unterscheide ich mich in nichts von ihnen. Ich verriet nicht nur die Völker Bucharas, Usbekistans, sondern auch der Sowjetunion im ganzen, ich vergalt mit schwarzem Undank denjenigen, die im Jahre 1917, im Jahre 1918, als ich für außerhalb des Gesetzes stehend erklärt wurde, als ich keine Unterkunft hatte, mir die breiten Tore der Gastfreundschaft öffneten, mir ein Asyl gewährten, mich zu erziehen versuchten, damit ich vorwärts komme. Ich verriet das Volk, das den Völkern Bucharas dazu verhalf, den ihnen verhassten Emir-Despotismus, die mittelalterliche Willkür zu stürzen. Ich verriet die Partei, dank deren Politik die politische und wirtschaftliche Ungleichheit, die bereits über ein halbes Jahrhundert lang geherrscht hatte, liquidiert wurde. Ich verriet das Volk, die Partei, die Buchara diese Unabhängigkeit gaben, eine Unabhängigkeit jedoch nicht im bürgerlichen Sinne des Wortes, sondern die sowjetische Unabhängigkeit. Meine Lage empfinde ich als besonders schwer, denn ich bin ein dreifacher Verbrecher: sowohl als Nationalist als auch als Teilnehmer des Blocks der Rechten und Trotzkisten und als Mensch, der das Vertrauen Stalins, der Führer der Partei und der Regierung betrogen hat. Man erzog mich, man half mir, man zog mich empor, als ich mich in einer schweren Lage befand, wie z. B. im Jahre 1923, als ich einen Fehler beging und man mir helfen wollte. Aber ungeachtet dessen verriet ich auch diese Personen, verriet Stalin auf Weisung des rechten Zentrums. Ich erwies mich als Teilnehmer der Bildung terroristischer Gruppen. Darum trage ich die volle Verantwortung vor dem Sowjetgericht, vor dem Sowjetvolke. Ich verstehe, dass meine verspätete Reue nichts hilft, aber ich spreche darüber zu dem Zwecke, dass dies vielleicht auch jemanden warnen wird, in meine Fußstapfen zu treten.

WYSCHINSKI: Was ist Ihnen über die Ermordung Abid Saïdows bekannt?

CHODSHAJEW: Ich hörte von dieser Sache im Jahre 1931.

WYSCHINSKI: Was ist Ihnen über die Ermordung Abid Saïdows bekannt?

CHODSHAJEW: Mir ist dies aus 2 Quellen bekannt. Es gab einen gewissen Saïd Achmet. Saïd Achmet ist ein Sowjetrichter aus Taschkent. Er war es eben, der die Affäre Kassymows aufdeckte. Nach der Gerichtsverhandlung begann man Kassymow in Usbekistan zu verfolgen. Und nun kam er zu mir, ohne zu wissen, dass ich Mitglied derselben Organisation war, und wandte sich an mich mit der Bitte um Schutz: er habe im Interesse der Sowjetmacht gehandelt, habe Schurken entlarvt, und dafür verfolge man ihn. Ich beruhigte ihn und sprach einmal sogar mit Ikramow, ich sagte, man solle ihn nicht anrühren, wozu soll man diesen Mann verfolgen. Bitte nicht zu vergessen, dass dies im Jahre 1930 war, wo wir noch nicht so waren wie jetzt...

WYSCHINSKI: Nicht ganz so wie jetzt?

CHODSHAJEW: Nicht ganz. Und damals erzählte mir Said Achmet, dass die Person, nach der Sie mich fragten - Abid Saïdow -, damals Mitglied des Kollegiums des Volkskommissariats für Bildungswesen, von seinem Bruder ermordet worden war.

WYSCHINSKI: Abid Saïdow gehörte ebenfalls zu denjenigen, die entlarvten?

CHODSHAJEW: Natürlich.

WYSCHINSKI: Wofür wurde er ermordet?

CHODSHAJEW: Er war aktiver Zeuge vor Gericht. Er wurde von seinem Bruder auf Beschluss der nationalistischen Organisation „Milli-Istiklal“ ermordet...

WYSCHINSKI: Die geleitet wurde?

CHODSHAJEW: Ich wusste damals nicht, wer sie leitete...

WYSCHINSKI: Wer nahm an ihr teil?

CHODSHAJEW: An der Ikramow teilnahm.

WYSCHINSKI: Und Ikramow hat Anteil an dieser Sache?

CHODSHAJEW: Davon weiß ich nichts, und kann ich nichts sagen.

WYSCHINSKI: Und wie stellte man es Ihnen dar?

CHODSHAJEW: Man sagte mir, dass Ikramow diese Leute wenigstens protegiert. Saïd Achmet wies mich nicht direkt auf Ikramow hin; möglicherweise hatte er Angst, weil Ikramow Sekretär war. Die zweite Person, die mit mir darüber sprach, war dann Abidowa, die gegenwärtige ständige Vertreterin Usbekistans in Moskau. Sie war damals Frauenorganisator oder Leiterin der Frauenabteilung. Sie war in der Gerichtsverhandlung als gesellschaftliche Anklägerin aufgetreten. Sie ist eine recht aktive Person und nahm an diesem Gericht sehr aktiven Anteil. Sie sagte mir schon damals, und unlängst jetzt, im Juni/ Juli 1937, wiederholte sie es nochmals, dass dieser Abid Saïdow von den Nationalisten ermordet worden sei, dass die Mörder nicht vollständig entlarvt und dass nicht alle aufgedeckt worden seien, dass nicht alle bestraft wurden, dass Ikramow diese Mörder protegierte; aber dass Ikramow daran teilgenommen hätte, oder etwas ähnliches, sagte sie mir nicht.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie mir, den Angeklagten Ikramow zu fragen?

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI: Angeklagter Ikramow, ist es Tatsache, dass Abid Saïdow ermordet wurde?

IKRAMOW: Es ist Tatsache.

WYSCHINSKI: Wofür wurde er ermordet?

IKRAMOW: Direkt von den Teilnehmern des Mordes ist mir diese Sache nicht bekannt, weil ich nicht...

WYSCHINSKI: Wofür wurde er ermordet?

IKRAMOW: Ich kann nur dies mitteilen, was ich offiziell weiß.

WYSCHINSKI: Und was wissen Sie?

IKRAMOW: Offiziell weiß ich, dass er vor dem Gericht die Konterrevolutionäre aus der „Milli-Istiklal“ entlarvte und im Auftrage dieser Gruppe ermordet wurde.

WYSCHINSKI: Welche Gruppe ermordete ihn?

IKRAMOW: Die Gruppe der „Milli-Istiklal“.

WYSCHINSKI: Und Sie waren Mitglied dieser Gruppe?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wann geschah dies?

IKRAMOW: 1930.

WYSCHINSKI: Wer leitete damals diese Gruppe?

IKRAMOW: Die „Milli-Istiklal“?

WYSCHINSKI: Ja.

IKRAMOW: Ich sagte, dass ich ihr seit 1928 angehöre, sie leite und dafür die Verantwortung trage.

WYSCHINSKI: Im Jahre 1930 spielten Sie in dieser Gruppe eine führende Rolle?

IKRAMOW: Nein.

WYSCHINSKI: Wer leitete sie?

IKRAMOW: Vorsitzender war Karymow, damals hatten wir uns eine einzige Aufgabe gestellt: die Hochschulen an uns zu reißen, die Hochschulen mit klassenfeindlichen und der Sowjetmacht feindlichen Elementen zu durchsetzen, Kader heranzubilden. Das war die Hauptlinie.

WYSCHINSKI: Und unter anderem ermordete man Abid Saïdow?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und wer ermordete ihn?

IKRAMOW: Ich kann nur das offizielle Material mitteilen, das ich kenne.

WYSCHINSKI: Vielleicht teilen Sie nicht offizielles Material mit? Wofür wurde Abid Saïdow ermordet? Befand sich Batu unter Abid Saïdow Mördern?

IKRAMOW: Deswegen, weil er die bürgerlichen Nationalisten entlarvte. Batu war am Mord beteiligt.

WYSCHINSKI: Das ist derselbe Batu, der zusammen mit Ramsi einer von Ihren Leuten war?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Folglich wurde Abid Saïdow von Batu ermordet, der einer Ihrer Leute war?

IKRAMOW: ja.

VORSITZENDER: Ich erkläre eine Pause bis 6 Uhr abends.

 

(Unterschrift)

Der Vorsitzende:
Vorsitzender des Militärkollegiums des
Obersten Gerichtshofes der UdSSR
Armee-Militärjurist W. Ulrich

Der Sekretär:
Militärjurist I. Ranges A. Batner

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