PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

ABENDSITZUNG VOM 4. MÄRZ 1938

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN ROSENGOLZ

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen. Die Verhandlung wird fortgesetzt. Wir schreiten zum Verhör des Angeklagten Rosengolz.
Bestätigen Sie ihre Aussagen, die Sie in der Voruntersuchung gemacht haben?

ROSENGOLZ: Ja.

VORSITZENDER: Genosse Staatsanwalt, haben Sie Fragen?

WYSCHINSKI: Ja.

VORSITZENDER: Bitte .

WYSCHINSKI: Angeklagter Rosengolz, erzählen Sie kurz von Ihrer verbrecherischen Tätigkeit, von dem Augenblick an, der Ihnen den Weg zum „Block der Rechten und Trotzkisten“ eröffnet.

ROSENGOLZ: ich werde einige Worte über die frühere Periode sagen.
Bekanntlich war ich Teilnehmer der trotzkistischen Gewerkschaftsopposition während der Gewerkschaftsdiskussion in den Jahren 1920-1921. Ferner unterzeichnete ich im Jahre 1923 die so genannte Plattform der „46“, wenn auch mit bedeutenden Vorbehalten.
Anfang 1925 machten sich bei mir gewisse Meinungsverschiedenheiten mit Trotzki geltend, im Zusammenhang mit der Forderung, die ich an Trotzki richtete, dass er die Theorie der so genannten „permanenten Revolution“ als irrtümlich anerkenne. Er lehnte dies kategorisch ab, auf diesem Boden machten sich eine Abkühlung der Beziehungen und gewisse Differenzen bemerkbar.
Meine Beziehungen zu Trotzki wurden wieder angeknüpft, obwohl nicht direkt. Im Jahre 1929 brachte mir Krestinski die Direktive Trotzkis, dass Krestinski und ich konspirativ arbeiten und nach Möglichkeit verantwortliche Stellungen einnehmen um bis zu jenem Augenblick uns abwartend verhalten sollen, in dem die entsprechenden Kräfte im Lande, nach der Ansicht Trotzkis, die Oberhand bekommen würden und wir uns an der Organisierung der neuen Macht beteiligen könnten.
So stand die Sache ungefähr bis zum Jahre 1933. Im Jahre 1933 beschritten wir angesichts der neuen Direktive und unserer Beschlüsse den Weg einer aktiveren, man muss es direkt sagen, einer aktiven verbrecherischen Tätigkeit. Vor allem, welche Zusammenkünfte fanden in dieser Zeit statt? Damals, Anfang 1933, traf ein Brief von Krestinski ein.

WYSCHINSKI: Und vor 1933, sagen wir 1929, hatten Sie einen Briefwechsel mit Trotzki, als dieser schon im Auslande war?

ROSENGOLZ: Sie sprechen vom Jahre 1929?

WYSCHINSKI: Ja, ich frage, ob Sie 1929 einen Briefwechsel mit Trotzki hatten oder vielleicht durch eine andere Person oder schriftlich eine Weisung bekamen?

ROSENGOLZ: Die Hauptsache war, das Eintreffen Krestinskis, der eine mündliche Direktive überbrachte.

WYSCHINSKI: Also im Jahre 1929 brachte Ihnen Krestinski eine Direktive von Trotzki?

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: Was können Sie diesbezüglich sagen, Angeklagter Krestinski?

KRESTINSKI: Hier liegt eine gewisse Ungenauigkeit vor. Ich traf mit dem Sohn Trotzkis Ende 1929 zusammen. Ich war damals im Ausland tätig und konnte Rosengolz diese Direktive erst Anfang 1930 überbringen.

WYSCHINSKI: Der Unterschied zwischen Ende 1929 und Anfang 1930 ist nicht groß. Für mich ist es hier von Wichtigkeit, festzustellen, dass Sie eine gewisse Direktive Trotzkis wirklich an Rosengolz überbrachten. Es war also Ende 1929 oder Anfang 1930?

ROSENGOLZ: Ich sagte es bereits.

WYSCHINSKI: Also erhielten Sie Ende 1929 oder richtiger Anfang 1930 von Trotzki durch Krestinski eine gewisse Direktive?

ROSENGOLZ: Ich habe es bereits gesagt. Ferner erhielt Krestinski 1933 einen Brief aus dem Ausland. Später hatte Krestinski, als er im Auslande war, selbst eine Zusammenkunft. Im Jahre 1933 war ich selbst im Ausland und hatte in Velden in Österreich eine Zusammenkunft mit Sedow, führte mit ihm mehrere längere Gespräche in der Nähe des Hauses, wo ich wohnte. Sodann hatte ich im Jahre 1934 eine Zusammenkunft mit Sedow in Karlsbad.

WYSCHINSKI: Der Inhalt Ihrer Gespräche?

ROSENGOLZ: Sedow übergab folgende grundlegende Direktiven Trotzkis: ich lege hier die Direktiven dar, die ich in den Gesprächen von Sedow erhielt und die durch Krestinski mitgeteilt wurden, in der Hauptsache stimmten sie überein. Dieses über die Verbindungen mit den Rechten. Es wurde empfohlen, sich mit den Rechten in Verbindung zu setzen und die Arbeit im Kontakt mit ihnen zu betreiben.

WYSCHINSKI: Mit wem konkret?

ROSENGOLZ: Mir wurde dies nicht gesagt. Krestinski teilte mir davon mit, nannte jedoch keine Namen außer Tuchatschewski.

WYSCHINSKI: Es war jedoch vorgesehen?

ROSENGOLZ: Krestinski berichtete, dass er Weisungen hinsichtlich Rykows und Rudsutaks hatte. Ferner sprach Sedow viel über die Notwendigkeit einer maximalen, nach Möglichkeit noch engeren Verbindung mit Tuchatschewski, insoweit nach der Ansicht Trotzkis Tuchatschewski und die Militärgruppe die entscheidende Kraft in der konterrevolutionären Aktion bilden mühten. In den Gesprächen trat auch die bei Trotzki vorhandene Befürchtung hinsichtlich der bonapartistischen Tendenzen Tuchatschewskis zutage. In einem seiner Gespräche teilte Sedow mit, dass Trotzki sogar die Befürchtung hege, dass, falls Tuchatschewski einen Militärumsturz mit Erfolg vollzieht, er möglicherweise Trotzki nicht nach Moskau lassen würde, und wies in dieser Beziehung auf die Notwendigkeit größtmöglicher Wachsamkeit unsererseits hin. In Erfüllung dieser Direktiven bezüglich der Verbindungen...

WYSCHINSKI: Worin sollte diese Wachsamkeit bestehen?

ROSENGOLZ: Deshalb schlug Trotzki vor, zurzeit des Umsturzes überall eigene Leute hinzustellen, die dem Trotzkismus treu ergeben seien und auf die man sich hinsichtlich der Wachsamkeit verlassen könnte. Ich spreche schon nicht von einer Reihe technischer Kleinigkeiten, die hier belanglos sind.
In Ausführung dieser Direktive war Krestinski mit Tuchatschewski verbunden. Im Laufe dieser ganzen Zeitspanne, von 1933-1937, unterhielt ich die Verbindung mit Rykow und mit Rudsutak. Das wesentlichste Moment in diesen Unterredungen mit Sedow war die Frage der geplanten Zusammensetzung der Regierung.

WYSCHINSKI: Nun darauf kommen wir ein wenig später zurück. Vorläufig erzählen Sie über das eigentliche Wesen der verbrecherischen Tätigkeit.

ROSENGOLZ: Ich zähle die wichtigsten Fragen auf. Sedow übergab auch Direktiven von Trotzki über die Organisierung des Terrors und wies darauf hin, dass damals diese Weisungen über den Terror keine direkte praktische Beziehung zu mir und zu Krestinski, aus Erwägungen der Konspiration haben dürfen, da in dieser Hinsicht spezielle Aufträge an die bestehende terroristische Organisation von Iwan Nikititsch Smirnow erteilt werden. Im Jahre 1933 dagegen handelte es sich um Direktiven und Weisungen über die Schädlingsarbeit auf dem Gebiete des Außenhandels. Insofern Sedow mitteilte, dass Trotzki mit entsprechenden deutschen Kreisen ein Übereinkommen getroffen hat, war die Frage der Schädlingstätigkeit von diesem Standpunkt aus für Trotzki von sehr wesentlicher Bedeutung, sowohl zur Aufrechterhaltung seiner Autorität, als auch zur Aufrechterhaltung des Abkommens. Die Hauptlinien der Schädlingstätigkeit verliefen in der Richtung einer möglichen Unterstützung der Interessen Deutschlands und Japans auf dem Gebiete des Außenhandels. Ferner wurde die Frage gestellt - und sie wurde mehrmals und sehr nachdrücklich von Trotzki und Sedow gestellt -, die Frage der Finanzierung der trotzkistischen Bewegung durch Kanäle des Außenhandels. Im Verlaufe der Jahre 1935-1936 war ebenfalls ein bestimmter Briefwechsel zwischen dem Ausland und Moskau über diese Fragen bekannt. Ich will auf den Brief von 1937 eingehen, der auf den Namen Krestinskis, bereits nach dem Prozess gegen Pjatakow, eintraf.

WYSCHINSKI: Das war bereits 1937?

ROSENGOLZ: Ja, ja.

WYSCHINSKI: Und etwas früher? Ich möchte, sagen wir, auf das Jahr 1935 oder sogar 1934 eingehen, eben auf diese, Ihre zweite Zusammenkunft in Karlsbad.

ROSENGOLZ: Davon habe ich gesprochen.

WYSCHINSKI: Ich verstehe, dass Sie gesprochen haben. Wie wurde damals die Frage des Krieges gestellt?

ROSENGOLZ: Was den Krieg anbetrifft, so richtete sich die Linie Trotzkis auf eine Niederlage.

WYSCHINSKI: Wurde vorausgesetzt, dass ein Krieg kommen wird? Wann?

ROSENGOLZ: Im Jahre 1935 und 1936.

WYSCHINSKI: Also setzte Trotzki damals voraus, dass der Krieg im Jahre 1935, 1936 ausbrechen muss und im Zusammenhang damit...

ROSENGOLZ: Stand die Frage des Umsturzes, wobei hier eine Veränderung in den Direktiven eintrat, denn anfangs wurde die Sache so gestellt, dass es erwünscht und erforderlich sei, die Verwirklichung des militärischen Umsturzes dem Zeitpunkt eines eventuellen Kriegsausbruchs anzupassen. Damals konnte der Unterschied mehrere Wochen ausmachen. Später aber wurde angesichts des offenbar gewordenen Aufschubs des Krieges die Frage so gestellt, dass es erwünscht sei, den Umsturz zu beschleunigen, ohne die Kriegsereignisse abzuwarten. Das war bereits 1937.

WYSCHINSKI: Gut. Folglich stand im Jahre 1934, während des Gespräches mit Sedow, die Frage eines Krieges in den Jahren 1935 und 1936 und der Einstellung auf eine Niederlage?

ROSENGOLZ: Ja, ja.

WYSCHINSKI: hatten Sie nicht 1934 die Gelegenheit, mit irgendjemand von den Leitern des Blocks über dasselbe Thema zu sprechen?

ROSENGOLZ: Was das Jahr 1934 anbelangt, so kann ich mich dessen nicht so genau erinnern, es ist schwer, die einzelnen Daten im Gedächtnis zu behalten.

WYSCHINSKI: Aber Rykow trafen Sie 1934 nicht?

ROSENGOLZ: Ohne Zweifel traf ich ihn. Jedenfalls fand nach diesen Direktiven ein Gedankenaustausch statt und wurde der Kontakt hergestellt.

WYSCHINSKI: War das der Fall?

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: Weiter.

ROSENGOLZ: Im Jahre 1937...

WYSCHINSKI: Vor 1937 noch eine Frage: Hatten Sie nicht die Gelegenheit, mit Rykow über dasselbe Thema auch im Jahre 1936 zu sprechen?

ROSENGOLZ: Darüber fanden Gespräche im Verlauf dieses ganzen Zeitraums, sowohl 1934 als auch 1935 und 1936 statt.

WYSCHINSKI: Waren Vorbereitungen im Gange?

ROSENGOLZ: Ja, ja, wobei Rykows Haupteinstellung und seine ganze Hoffnung auf einen Aufstand im Dorfe gerichtet war.

WYSCHINSKI: Das war vor 1936, und worauf wurde 1936 die Hauptkarte gesetzt?

ROSENGOLZ: Auf den militärischen Umsturz, auf die Gruppe Tuchatschewskis.

WYSCHINSKI: Erinnern Sie sich nicht, wie sich Rykow im Allgemeinen zur Verschiebung der Termine der konterrevolutionären Aktion verhielt?

ROSENGOLZ: Er betrachtete die Verschleppung der Termine der Aktion als sehr unerwünscht.

WYSCHINSKI: War er nervös?

ROSENGOLZ: Er war begreiflicherweise sehr nervös. Rykow und die anderen befürchteten, dass die Verschleppung eine ganze Reihe von Verhaftungen hervorrufen könnte.

WYSCHINSKI: Sagte Ihnen Rykow, dass Tuchatschewski in Aktion zu treten verspricht, aber nicht in Aktion tritt?

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: Und wer sprach noch davon?

ROSENGOLZ: Davon sprach auch Krestinski und Sedow übergab die Meinung Trotzkis. So dass dies ein ständiges und grundlegendes Gesprächsthema in den Gesprächen war.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, die Angeklagten Krestinski und Rykow zu befragen?

Angeklagter Krestinski, bestätigen Sie die Aussagen des Angeklagten Rosengolz?

KRESTINSKI: Ja, aber es liegen einige, verhältnismäßig wenig bedeutende Ungenauigkeiten vor.

WYSCHINSKI: Aber in der Hauptsache?

KRESTINSKI: In der Hauptsache, ja. Die Ungenauigkeit besteht aber darin, dass ich Anfang 1933 keinen Brief von Trotzki hatte, von ihm hatte offenbar Radek einen Brief.

WYSCHINSKI: Und von dem an Radek gerichteten Brief wussten Sie?

KRESTINSKI: Ich wusste es von Radek.

WYSCHINSKI: Zeigte er ihn Ihnen?

KRESTINSKI: Nein, er erzählte davon.

WYSCHINSKI: Folglich wussten Sie?

KRESTINSKI: Ja, ich wusste, Briefe jedoch begann ich nach dem Zusammentreffen in Meran zu bekommen und sprach mit Tuchatschewski nicht 1933 sondern 1934.

WYSCHINSKI: Angeklagter Krestinski, sagen Sie, 1936 sprachen Sie mit Rosengolz darüber, dass Tuchatschewski mit der konterrevolutionären Aktion zögert?

KRESTINSKI: Ich sprach, aber meiner Ansicht nach war die Sache anders.

WYSCHINSKI: Sprachen Sie über dieses Thema oder nicht?

KRESTINSKI: Ja. Die Sache ist die, dass Trotzki im Jahre 1933 mit mir in Meran sprach und dort die defätistische Theorie ausführlich entwickelte.

WYSCHINSKI: Sie werden davon später erzählen, sagen Sie aber bitte, bezüglich der Aussagen, die das Gericht vom Angeklagten Rosengolz zu hören bekam, der sagte, dass im Jahre 1936 Rykow nervös gewesen sei und gesagt habe, dass Tuchatschewski den Termin der Verwirklichung seines verbrecherischen Planes, des Aufstands, festsetze und dann verschleppe. Darüber sprach Rosengolz, sprach auch Krestinski. Ich frage nun, ob das wahr ist?

KRESTINSKI: Das ist nicht ganz so, weil es von Anfang an im Auftrage Trotzkis mit Tuchatschewski vereinbart war, dass die Aktion mit einem Krieg in Verbindung gebracht werden soll. Ende 1936 wurde die Frage gleichzeitig sowohl von Trotzki im Auslande in einem Brief an Radek, als auch von Tuchatschewski selbst gestellt, dass nämlich der Umsturz beschleunigt und nicht mit dem Ausbruch des Krieges in Zusammenhang gebracht werden solle.

WYSCHINSKI: Das heißt, man solle in Aktion treten, ohne den Krieg abzuwarten?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Das heißt den Krieg beschleunigen, das heißt sich beeilen?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Folglich drängte Tuchatschewski?

KRESTINSKI: Ende 1936 begann Tuchatschewski zu drängen.

WYSCHINSKI: Und drängten Sie ihn damals?

KRESTINSKI: Ich war mit ihm einverstanden.

WYSCHINSKI: Drängten Sie oder nicht?

KRESTINSKI: Ich drängte nicht, war jedoch einverstanden.

WYSCHINSKI: Sie waren also der Ansicht, dass man die konterrevolutionäre Aktion beschleunigen, d. h. sich beeilen müsse. Wenn Sie diesen Standpunkt einnahmen, drängten Sie folglich?

KRESTINSKI: Ja, aber in einem späteren Zeitpunkt.

WYSCHINSKI: Ende 1936? Für mich ist es von Wichtigkeit, zu wissen, dass sich Ihrer eine Ungeduld bemächtigte, dass Sie die Beschleunigung des Aufstands durch Tuchatschewski wollten und dies Rosengolz mitteilten.

KRESTINSKI: Ja, im Jahre 1936.

WYSCHINSKI: Folglich sagt er richtig aus?

KRESTINSKI: Das war im November 1936.

WYSCHINSKI: Aber November 1936 ist doch das Jahr 1936?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie mir, den Angeklagten Rykow zu befragen. Angeklagter Rykow, ist die Darstellung des Angeklagten Rosengolz richtig?

RYKOW: In Bezug auf Tuchatschewski?

WYSCHINSKI: Sprachen Sie mit Tuchatschewski?

RYKOW: Mit Tuchatschewski? Nein.

WYSCHINSKI: Mit Rosengolz sprachen Sie?

RYKOW: Mit Rosengolz sprach ich zweimal.

WYSCHINSKI: Darüber, dass Sie drängten, und sagten, dass man Tuchatschewski drängen müsse.

RYKOW: Nein, dies war nicht der Fall.

WYSCHINSKI: Angeklagter Rosengolz, wo fand Ihre Zusammenkunft statt?

ROSENGOLZ: Die Begegnung mit Alexej Iwanowitsch Rykow fand in den Wandelgängen des Rates der Volkskommissare statt, und ich erinnere mich genau daran, dass ein solches Gespräch stattfand.

WYSCHINSKI: Fand statt?

RYKOW: Ich erinnere mich dessen auch genau, dass ein solches Gespräch nicht stattgefunden hat.

WYSCHINSKI: Und die von Tuchatschewski geplanten Aktionen waren Ihnen bekannt?

RYKOW: Ich teilte gestern mit, dass eine Militärgruppe bestand, die mit einem Umsturz und einer Verschwörung verbunden war.

WYSCHINSKI: Und heute bestätigen Sie dies?

RYKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Sie erinnern sich nur nicht an ein derartiges Gespräch mit Rosengolz. Aber Tatsache bleibt Tatsache?

RYKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Aber mit der vorhandenen Verschwörergruppe standen Sie in Verbindung?

RYKOW: Ich stand in Verbindung durch Tomski und Jenukidse.

WYSCHINSKI: Durch Tonski und Jenukidse?

RYKOW: Ganz richtig.

WYSCHINSKI (zu Rosengolz): Sie erinnern sich dessen, dass Krestinski und Rykow über dieses Thema sprachen?

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: Wie reagierten Sie von diesem Gesichtspunkt aus auf die Verhaftung Pjatakows?

ROSENGOLZ: Bereits nach dem Prozess gegen Pjatakow traf ein Brief von Trotzki ein, in denn die Frage der Notwendigkeit der maximalen Beschleunigung des militärischen Umsturzes durch Tuchatschewski gestellt wurde. Im Zusammenhang damit fand eine Beratung bei mir in der Wohnung statt.

WYSCHINSKI: Und was war das für ein Brief, könnte man das vielleicht genauer erfahren?

ROSENGOLZ: Dort wurden von Trotzki mehrere Fragen aufgeworfen. Vor allem wurde darauf hingewiesen, dass die Folge der Verzögerung die schrittweise Zerschmetterung aller konterrevolutionären Kräfte sein würde. Darum ist es notwendig, insofern eine bedeutende Zerschmetterung der Kader bereits erfolgt ist, eine Reihe eventueller Aktionen maximal zu beschleunigen.

WYSCHINSKI: Zum Beispiel?

ROSENGOLZ: Hauptsächlich wurden zwei Fragen gestellt: die erste Frage bezieht sich darauf, dass man auf die Verurteilung Pjatakows mit terroristischen Akten antworten solle.

WYSCHINSKI: Das heißt, auf das Gerichtsurteil?

ROSENGOLZ: Als Antwort auf das Gerichtsurteil über die Erschießung Pjatakows wurde die Frage der Organisierung terroristischer Akte gestellt.

WYSCHINSKI: Gegen wen?

ROSENGOLZ: Gegen die Führer der Partei und der Regierung, und die Frage der maximalen Beschleunigung des militärischen Umsturzes.

WYSCHINSKI: Sonst war in diesem Briefe nichts mehr enthalten?

ROSENGOLZ: Es war dort die Rede von größerer Aktivität bei mir und Krestinski.

WYSCHINSKI: Enthielt nicht dieser Brief die Meinung Trotzkis über das Verhalten Pjatakows vor dem Gericht? Können Sie sich nicht entsinnen, ob Trotzki in diesem Briefe eine Einschätzung des Verhaltens Pjatakows vor Gericht gab, der seine Verbrechen eingestand?

ROSENGOLZ: An dieses Moment kann ich mich nicht genau erinnern. Hier blieben mir vor allem zwei Momente im Gedächtnis haften, über die ich sprach: über das aktive Moment im Vorschlag Trotzkis, mit Terrorakten zu reagieren, und die Frage der Beschleunigung des militärischen Umsturzes.

WYSCHINSKI: Diese zwei Fragen beziehen sich eigentlich auf die verbrecherische Tätigkeit, die dritte Frage auf die Taktik. (Zum Gericht) Gestatten Sie, den Angeklagten Krestinski zu befragen?

Angeklagter Krestinski, erinnern Sie sich nicht, was Trotzki in diesem Brief geschrieben hat?

KRESTINSKI: In einem der Briefe, die im ersten Viertel des Jahres 1937 auf der Linie von Arkadij Pawlowitsch...

WYSCHINSKI: Was heißt das auf der Linie von Arkadij Pawlowitsch?

KRESTINSKI: Durch seine auswärtigen Verbindungen.

WYSCHINSKI: Durch Rosengolz?

KRESTINSKI: Ja. Meine Verbindungen waren nach der Abreise Bessonows und nach seiner Verhaftung abgerissen. In diesem Brief äußerte Trotzki seine Entrüstung über das Verhalten Pjatakows. Er enthielt den Vorschlag, dass man sich in Zukunft, falls es einen solchen Fall gäbe, nicht so verhalten solle.

WYSCHINSKI: Und wie soll man sich verhalten?

KRESTINSKI: Man soll seine Schuld nicht eingestehen.

WYSCHINSKI: War das damals schon eine Weisung Trotzkis?

KRESTINSKI: Jawohl. Das war im Brief gewissermaßen ein Detail, ein geringfügiger Teil, dies wurde nicht als etwas Aktuelles betrachtet, diesem wurden einige Sätze gewidmet.

WYSCHINSKI: In der Voruntersuchung sagten Sie folgendes aus (Blatt 72): „Der zweite Brief... In diesem Brief übte Trotzki scharfe Kritik an der Haltung Pjatakows im Prozess und schlug vor, im Falle weiterer Verhaftungen, sich nicht schuldig zu bekennen und keine Aussagen zu machen“...
Stimmt das?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: So war es?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Vielleicht wurde Ihr Verhalten vor dem Gericht vor zwei Tagen gleichfalls von diesen Weisungen diktiert?

KRESTINSKI: Nein.

WYSCHINSKI: Aber Sie erinnerten sich noch an diese Direktive Trotzkis?

KRESTINSKI: Ich erinnerte mich, aber nicht dadurch war mein Verhalten bestimmt. Dasselbe stand mit den Momenten im Zusammenhang, auf die ich gestern hinwies.

WYSCHINSKI: Wann wurden Sie verhaftet?

KRESTINSKI: Ende Mai.

WYSCHINSKI: Und wann bekannten Sie sich in der Voruntersuchung als schuldig?

KRESTINSKI: Mein Hauptverbrechen, das für mich einzugestehen am schwersten war, nämlich meine Verbindungen mit dem deutschen Spionagedienst und mit General Seeckt, gestand ich nach einer Woche, beim ersten Verhör, ein.

WYSCHINSKI: Und eine Woche lang leugneten Sie?

KRESTINSKI: Am Ende des ersten Verhörs gestand ich.

WYSCHINSKI: Leugneten Sie Ihre Schuld etwa nicht deswegen, weil Sie die Direktive Trotzkis einhalten wollten?

KRESTINSKI: Nein, ich hoffte einfach darauf, dass man mir glauben werde und dass...

WYSCHINSKI: Dass es Ihnen gelingen werde, zu betrügen.

KRESTINSKI: Dass es mir zu betrügen gelingen, dass es mir dadurch gelingen werde, mich zu retten.

WYSCHINSKI: Es ist aber doch nicht gelungen!

KRESTINSKI: Es ist nicht gelungen.

WYSCHINSKI: Angeklagter Rosengolz, fahren Sie fort.

ROSENGOLZ: Das Moment, bei dem ich verweilte, war die Beratung, die mit Tuchatschewski stattfand. Sie fand Ende März statt. Bei der Gegenüberstellung trug Krestinski die Korrektur hinein, dass sie Anfang April stattgefunden habe, aber diese Differenz ist belanglos. Es fand eine Beratung mit Tuchatschewski statt.

WYSCHINSKI: Wo fand diese Beratung statt?

ROSENGOLZ: Bei mir in der Wohnung.

WYSCHINSKI: Sie hatten in Ihrer Wohnung eine Beratung? Mit wem?

ROSENGOLZ: Mit Tuchatschewski und mit Krestinski.

WYSCHINSKI: Wann war diese Beratung? Geben Sie das genaue Datum an.

ROSENGOLZ: Das war Ende März 1937.

WYSCHINSKI: Weiter.

ROSENGOLZ: In dieser Beratung teilte Tuchatschewski mit, dass er mit der Möglichkeit eines Umsturzes fest rechne, und gab den Termin an; er meinte, dass es ihm bis zum 15. Mai, in der ersten Hälfte des Monats Mai, gelingen würde, diesen militärischen Umsturz zu verwirklichen.

WYSCHINSKI: Worin bestand der Plan dieser konterrevolutionären Aktion?

ROSENGOLZ: Tuchatschewski hatte da eine Reihe von Varianten. Eine dieser Varianten, mit der er am stärksten rechnete, war die Möglichkeit, dass sich eine Gruppe Militärpersonen, seine Anhänger, in seiner Wohnung versammelt, unter irgendeinem Vorwand in den Kreml eindringt, das Telefonamt des Kreml besetzt und die Führer der Partei und der Regierung ermordet.

WYSCHINSKI: Das war sein Plan oder Ihr gemeinsamer Plan?

ROSENGOLZ: Diesen seinen Plan haben wir nicht beraten. Er teilte ihn uns einfach mit als eine der Varianten, auf die er große Hoffnungen setzt.

WYSCHINSKI: Und Sie stellten ihm bereits anheim, zu handeln?

ROSENGOLZ: Nun, natürlich. Wir konnten uns in diese Frage nicht einlassen.

WYSCHINSKI: Und warum weihte er Sie in diesen Plan ein?

ROSENGOLZ: Weil wir überhaupt die Frage des militärischen Umsturzes stellten.

WYSCHINSKI: Als die Leiter dieser Aktion?

ROSENGOLZ: Ja, ja.

WYSCHINSKI: Dieser Verschwörung?

ROSENGOLZ: Ja, ja.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, Krestinski sofort zu befragen?
(An Krestinski gewandt) Sie bestätigen dies?

KRESTINSKI: Ja, ich bestätige das. Diese Beratung hat bei Rosengolz stattgefunden. Das war Anfang April. In dieser Beratung sprachen wir bereits von der Verhaftung Jagodas und gingen von dieser Verhaftung wie von einer Tatsache aus. Von der Verhaftung Jagodas erfuhr ich am 2. oder 3. April. Folglich war dies im April.

WYSCHINSKI: Waren Sie über die Teilnahme Jagodas an der Verschwörung ebenfalls unterrichtet?

KRESTINSKI: Ja, davon sprach ich bereits gestern.

WYSCHINSKI: Setzen Sie sich.

Angeklagter Rosengolz, fahren Sie fort.

ROSENGOLZ: Gleichzeitig tauchte die Frage der Terrorakte auf. Wir erörterten mit Krestinski die Frage eines etwaigen terroristischen Aktes gegen den Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare Molotow.

WYSCHINSKI: Angeklagter Krestinski, berieten Sie die Frage eines terroristischen Aktes gegen Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow?

KRESTINSKI: Wir berieten mit ihm die Frage anders: in einem breiteren Aspekt...

WYSCHINSKI: Stand diese Frage bei Ihnen?

KRESTINSKI: Wir sprachen mit ihm im allgemeinen über die Notwendigkeit der Erneuerung der terroristischen Tätigkeit der Trotzkisten, die nach dem Tode Pjatakows unterbrochen war, und über diesen Gegenstand sprachen wir mit Rosengolz und Gamarnik, wir sprachen über die Notwendigkeit terroristischer Akte gegen die Führer der Partei und der Regierung.

WYSCHINSKI: Gegen wen persönlich?

KRESTINSKI: Man fasste Stalin, Molotow und Kaganowitsch ins Auge, aber ein terroristischer Akt speziell gegen Molotow wurde von uns detailliert nicht besprochen.

WYSCHINSKI: Mich interessieren nicht die Einzelheiten. Fand bei Ihnen ein Gespräch über einen in Vorbereitung befindlichen Akt gegen Genossen Molotow statt?

KRESTINSKI: Nicht über einen in Vorbereitung befindlichen, sondern über die Notwendigkeit der Vorbereitung.

WYSCHINSKI: Sie sprachen somit über die Notwendigkeit, einen terroristischen Akt vorzubereiten, um ihn zu begehen?

KRESTINSKI: Ja, natürlich.

WYSCHINSKI: Setzen Sie sich.

Angeklagter Rosengolz, fahren Sie fort.

ROSENGOLZ: Jetzt bezüglich einzelner größerer Zweige dieser Verbrechen und der verbrecherischen Tätigkeit...

WYSCHINSKI: Gestatten Sie mir vorher, eine Frage an Sie zu richten: äußerte nicht Krestinski nach der Verhaftung Jagodas Ihnen gegenüber seine Forderungen auf Beschleunigung des bewaffneten Aufstands?

ROSENGOLZ: Er äußerte sie die ganze Zeit über, sowohl im Verlauf des Jahres 1936 als auch im Verlaufe des Jahres 1937.

WYSCHINSKI: Und nach der Verhaftung Jagodas?

ROSENGOLZ: Ich erinnere mich nicht so genau des Datums der Verhaftung, wann sie stattgefunden hat; aber jedenfalls musste dies zusammenfallen, da er diese Frage sowohl im März als auch im April stellte.

WYSCHINSKI: Für mich ist es von Interesse zu wissen, ob die Rolle Krestinskis in Ihrer Verschwörung eine hinreichend aktive war oder nicht?

ROSENGOLZ: Krestinski stellte vollkommen deutlich die Frage einer Beschleunigung des Umsturzes.

WYSCHINSKI: Eine Sache ist es, eine Frage deutlich zu stellen, eine ganz andere dagegen, die Sache in die Hand zu nehmen, zu drängen, zu organisieren, auf die Verwirklichung des Planes zu bestehen.

ROSENGOLZ: Alle Verhandlungen mit Tuchatschewski führte Krestinski, mit Ausnahme einer einzigen Beratung, die bei mir stattfand.

WYSCHINSKI: Soweit ich begreife, sah es nach Ihrer Auffassung so aus, dass bei diesem verbrecherischen Unternehmen Ihre hauptsächlichste Hoffnung auf die Gruppe Tuchatschewskis gesetzt wurde. Ist es so?

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: Wer hielt direkte und unmittelbare Verbindungen mit dieser Gruppe aufrecht?

ROSENGOLZ: Krestinski.

WYSCHINSKI: Folglich organisierte er als Mitglied des Blocks bis zu einem gewissen Grade die Tätigkeit dieser Gruppe. Habe Ich es richtig verstanden?

ROSENGOLZ: Natürlich.

WYSCHINSKI: Folglich fällt ihm in dieser Sache eine der führenden Rollen zu?

ROSENGOLZ: Er drängte fortwährend Tuchatschewski.

WYSCHINSKI: Und als Sie in der Voruntersuchung sagten, dass Krestinski nach der Verhaftung Jagodas oder sogar früher, nach der Verhaftung Pjatakows, die Frage vor Tuchatschewski besonders scharf stellte, so war dies auch in Wirklichkeit der Fall? Charakterisiert dies die Energie, die damals Krestinski in dieser Angelegenheit entfaltete?

ROSENGOLZ: Ich möchte nicht und habe keinen Grund, Krestinski besonders hervorzuheben...

WYSCHINSKI: Sie haben keinen Grund, ich dagegen wohl. Ich frage Sie als eine Person, die zusammen mit Krestinski diese verruchte Verschwörung organisierte.

ROSENGOLZ: Krestinski hielt es ebenso wie ich für notwendig, diesen Umsturz zu beschleunigen und drängte systematisch Tuchatschewski.

WYSCHINSKI: Angeklagter Krestinski, ist es richtig, dass Sie Tuchatschewski systematisch wegen des Umsturzes drängten?

KRESTINSKI: Ab November 1936 war ich ein entschiedener Anhänger der maximalen Beschleunigung dieses Umsturzes. Es lag keine Notwendigkeit vor, Tuchatschewski zu drängen, denn er hatte die gleiche Stimmung und er selbst stellte bei uns, vor den Rechten, vor mir, Rosengolz und Rudsutak die Frage und bat um unsere Zustimmung zur Trennung dieser Aktion vom kriegerischen Überfall, so dass man ihn gar nicht zu drängen brauchte. Unsere Stimmungen bezüglich des Umsturzes stimmten überein.

WYSCHINSKI (zu Rosengolz): Rosengolz, warum behaupten Sie, dass Krestinski Tuchatschewski systematisch wegen der Verwirklichung dieses Umsturzes drängte?

ROSENGOLZ: Darum, weil er selbst mich darüber informierte; er informierte mich darüber, dass er längere Zeit hindurch Verhandlungen führt und dass Tuchatschewski ihm Versprechungen macht, den Termin festlegt, ihn aber nicht einhält.

WYSCHINSKI: Angeklagter Krestinski, Sie äußerten sich über die Notwendigkeit, diesen Akt zu beschleunigen?

KRESTINSKI: Bis zum November 1936 konnte ich dies nicht tun, da für uns alle damals außer Zweifel stand, dass diese Aktion nicht vor einem Überfall auswärtiger Staaten auf die Sowjetunion erfolgen kann. Später jedoch fanden bei uns gemeinsame Besprechungen statt und es wurde die Frage gestellt, wie diese Aktion zu beschleunigen sei. Das war im Verlauf des März 1937, seit der Rückkehr Tuchatschewskis vom Urlaub, und bis Ende März sprach ich mit ihm wiederholt über dieses Thema und teilte sodann Rosengolz mit, aber nicht in der Form, dass Tuchatschewski einen bestimmten Termin festgesetzt mache und ihn nicht, einhält, weil ein Termin überhaupt nicht festgesetzt war. In der Wohnung von Rosengolz war die Unterredung eine bestimmtere. Tuchatschewski beabsichtigte nach London zur Krönung des englischen Königs zu fahren, um keinen Verdacht zu erwecken. Als es sich jedoch herausstellte, dass von dieser Reise Abstand genommen wurde, sagte er, dass er in der ersten Hälfte des Mai den Aufstand durchführen werde.

WYSCHINSKI: Also hatte Tuchatschewski erklärt, dass er in der ersten Hälfte des Mai einen Aufstand durchführen werde?

KRESTINSKI: Ja, er hat dies erklärt.

WYSCHINSKI: Fahren Sie fort, Angeklagter Rosengolz.

ROSENGOLZ: Jetzt will ich die verbrecherische Ausnutzung der Kanäle des Volkskommissariats für Außenhandel zum Zwecke meiner trotzkistischen Tätigkeit streifen.

WYSCHINSKI (zu Rosengolz): Was können Sie über Ihre Begegnungen mit Gamarnik sagen?

ROSENGOLZ: Ich bestätige die Aussagen, die ich in der Voruntersuchung gemacht habe.

WYSCHINSKI: Welche?

ROSENGOLZ: In Bezug auf Gamarnik ist das Hauptmoment, dass Gamarnik von seinem, offenbar mit Tuchatschewski vereinbarten Plan, von der Möglichkeit einer Besetzung des Gebäudes des Volkskommissariats des Innern während des militärischen Umsturzes, Mitteilung machte. Dabei setzte Gamarnik voraus, dass dieser Überfall von irgendeinem Truppenteil, unmittelbar unter seiner Leitung verwirklicht werden wird, in der Annahme, dass er sich in den Truppenteilen in genügendem Maße einer Partei-, einer politischen Autorität erfreue. Er rechnete damit, dass ihm hierbei einige Kommandeure, besondere Draufgänger, helfen würden. Ich erinnere mich, dass er den Namen Gorbatschow nannte.

WYSCHINSKI: Folglich, abgesehen davon, dass Tuchatschewski Sie in den Plan seiner verbrecherischen Verschwörung einweihte, hat Gamarnik Sie auch in diesen Plan eingeweiht?

WYSCHINSKI: Und an anderen?

ROSENGOLZ: ich hatte Gespräche mit Gamarnik ohne Krestinski.

WYSCHINSKI: Nahm Krestinski keinen Anteil?

ROSENGOLZ: Nein.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen nicht bekannt, ob Krestinski derartige Verhandlungen mit Gamarnik pflegte?

ROSENGOLZ: Diese Gespräche mit Gamarnik, die Krestinski pflegte, sind mir nicht bekannt.

WYSCHINSKI: Nicht bekannt? (zu Krestinski) Krestinski, was sagen Sie dazu?

KRESTINSKI: Wir hatten ein gemeinsames Gespräch mit Gamarnik und Arkadij Pawlowitsch Rosengolz, wo die Frage des Terrors beraten wurde. Als wir sahen, dass diese Sache, mit der wir zu Lebzeiten Pjatakows nichts zu tun hatten, nach seiner Erschießung verwaist blieb, da sich in unseren trotzkistischen Reihen niemand mit dieser Sache befasste, indes die Notwendigkeit terroristischer Akte jedoch klar war, worüber auch Trotzki schrieb, trafen wir uns zu dritt, um zu beraten, was weiter werden soll. In diesem Gespräch kamen wir einmütig zu dem Schluss, dass von uns dreien als Leuten, die diese Sache in Angriff nehmen könnten, ich und Rosengolz nicht die geeigneten sind, da wir auf Grund unserer Tätigkeit und unserer Verbindungen nicht mit denjenigen Gruppen der Parteimitglieder und der Bürger in Verbindung standen, die die Aufgabe der Vorbereitung und Durchführung terroristischer Akte hätten übernehmen können.

WYSCHINSKI: Mit einem Wort, diese Sache übernahm Gamarnik?

KRESTINSKI: Ja. Und nachher sprachen wir - weder Rosengolz noch ich - mit ihm bereits nicht mehr konkret darüber, was er macht, während er uns erzählte, dass die Sache bei ihm im Gange ist, dass er Kader aussucht, Gruppen zusammenstellt.

ROSENGOLZ: Bezüglich der Ausnützung von Verbindungskanälen, die der Außenhandel für verbrecherische trotzkistische Zwecke bot, könnte ich erwähnen, dass Iwan Nikititsch Smirnow seinerzeit den Außenhandel ausgenutzt hat. Ich wusste, dass Golzman im Außenhandel tätig war, sodann arbeitete ein gewisser Gerzberg in Berlin und hatte Verbindungen mit Trotzki, nachher unterhielt Birkenhof Verbindungen mit Trotzki, mit Gaven. In der jüngeren Zeit taten dies Krajewski und Schostak. Die Hauptverbindungen jedoch wurden durch das Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten unterhalten, da die Post sich in den Händen von Krestinski befand.

WYSCHINSKI: Also wurde die diplomatische Post ausgenutzt?

ROSENGOLZ: Ja, man benutzte die diplomatische Post und diejenigen Personen, die einen diplomatischen Pass besaßen, so dass sie unbehindert alles mitführen konnten, was sie brauchten.

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: Nahm Krestinski an diesen Gesprächen mit Gamarnik und an der Beratung dieses Planes teil?

ROSENGOLZ: An diesem Gespräch nahm er nicht teil.

WYSCHINSKI: Fahren Sie fort.

ROSENGOLZ: Der Außenhandel wurde verbrecherisch zum Diebstahl von Mitteln für die Finanzierung der trotzkistischen Bewegung ausgenutzt. Ohne auf eine ganze Reihe, vielleicht unbedeutender Operationen einzugehen, führe ich die zwei größten Beispiele an: das erste, das waren Operationen, die Krajewski in Höhe von 300000 Dollar durchführte, die der trotzkistischen Organisation oder unmittelbar Trotzki übergeben wurden.

WYSCHINSKI: Sie wurden Trotzki zur Verfügung gestellt?

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: Durch Krajewski?

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: In Ihrem Auftrag?

ROSENGOLZ: Ja. Verwirklicht wurde dies durch die entsprechenden Firmen, auf dem Wege der Verwendung Sedows als Kommissionär, sodann wurde diese Finanzierung auch von mir persönlich organisiert, nachdem ich mit einer amtlichen Persönlichkeit in Moskau bei dein Abschluss eines Vertrages ein Übereinkommen getroffen hatte.

WYSCHINSKI: Mit welcher amtlichen Persönlichkeit?

ROSENGOLZ: Mit dem Vertreter eines der Staaten.

WYSCHINSKI: Eines der fremden Staaten?

ROSENGOLZ: Ja. Es handelte sich uni ein Abkommen, gemäß dem ungefähr 110000 Dollar jährlich, drei Jahre lang, Trotzki erhalten sollte.

WYSCHINSKI: So dass eine Finanzierung Trotzkis von Ihnen regelrecht und gehörig eingeleitet wurde.

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: Das ist ein größerer Betrag und wie steht es um die kleineren? 1933 zum Beispiel wurden Trotzki 2000 Pfund Sterling zur Verfügung gestellt?

ROSENGOLZ: Das geschah ohne mein Zutun, aber mit meinem Wissen. Natürlich sage ich dies nicht zu dem Zweck, um mich rein zu waschen, sondern der Genauigkeit halber.

WYSCHINSKI: Das geschah auf der Linie des Außenhandels, und Sie waren damals...

ROSENGOLZ: Ich war Volkskommissar für Außenhandel und mit meiner Sanktion und meinem Wissen...

WYSCHINSKI: Also durch Sie. Folglich wurden 2000 Pfund Sterling übergeben. Dies ist ebenfalls ein großer Betrag, aber verglichen mit 110000 Dollar ist dies eine Kleinigkeit. Und im Jahre 1934 wurden ebenfalls Trotzki 15000 Pfund Sterling übergeben?

ROSENGOLZ: Ja, ja.

WYSCHINSKI: 15000 Pfund Sterling sind auch kein Pappenstiel, das sind eben 15000 Pfund Sterling.

ROSENGOLZ: Ja, 15000 Pfund, später noch einmal 10000 Pfund.

WYSCHINSKI: 15000, dann 10000, nachher 2000, macht alles zusammen bereits 27000 Pfund Sterling aus.

ROSENGOLZ: Und noch 20000 Mark.

WYSCHINSKI: Folglich dennoch eine ganz anständige Summe?

ROSENGOLZ: Ja, ja. Ich führte am Anfang nur die beiden größten Beträge an.

WYSCHINSKI: Ich verstehe. Hinzuzufügen sind noch 300000 Dollar. In welchem Zeitraum?

ROSENGOLZ: Seit 1933.

WYSCHINSKI: Seit 1931?

ROSENGOLZ: Ja, ja. Durch „Exportles“ 300000.

WYSCHINSKI: Durch „Exportles“ - das ist eine besondere Sache. Was haben Sie ferner noch auszusagen?

ROSENGOLZ: Jetzt möchte ich noch hervorheben, dass in den früheren Jahren, im Jahre 1923, im Zusammenhang mit dem bei mir vorhandenen geschäftlichen Kontakt...

WYSCHINSKI: Mit wem?

ROSENGOLZ: Mit deutschen Militärkreisen, Trotzki mich aufforderte, Seeckt Angaben über die Luftstreitkräfte der Sowjetunion zu übermitteln.

WYSCHINSKI: Und Sie übermittelten?

ROSENGOLZ: Ja, ich habe diese Angaben übermittelt.

WYSCHINSKI: Außer Geld an Trotzki haben Sie noch Spionageinformationen an Seeckt übermittelt?

ROSENGOLZ: Ja, ja, das war im Jahre 1923.

WYSCHINSKI: Und später, nachher?

ROSENGOLZ: Ab 1931 wurden Angaben über Bestellungen im Außenhandel übermittelt.

WYSCHINSKI: Geheime, staatliche?

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: Sie haben demnach lange Zeit hindurch dem ausländischen Spionagedienst gedient?

ROSENGOLZ: Diese Angaben wurden seit 1931 bis 1935 und 1936 gemacht.

WYSCHINSKI: Und 1937?

ROSENGOLZ: Wurden nicht übermittelt.

WYSCHINSKI: Warum?

ROSENGOLZ: Ich sage einfach, wie es war.

WYSCHINSKI: Aber warum war es so? Warum haben Sie 1937 nichts übermittelt?

ROSENGOLZ: Es fanden keine Begegnungen statt.

WYSCHINSKI: Mangelte es an einer passenden Gelegenheit?

ROSENGOLZ: Ja, es bot sich keine Gelegenheit.

WYSCHINSKI: Übermittelten Sie im Auftrage Trotzkis im Jahre 1923 General Seeckt Spionageinformationen?

ROSENGOLZ: Ja, ja.

WYSCHINSKI: Ist es Ihnen nicht bekannt, dass sonst noch jemand ähnliche Angaben an Seeckt damals übergab?

ROSENGOLZ: Ich wollte, dass Krestinski irgendwelche illegale Verbindungen mit der Reichswehr halte.

WYSCHINSKI: Wann haben Sie davon Kenntnis erhalten?

ROSENGOLZ: Ungefähr in demselben Zeitraum und etwas später, es lässt sich schwer sagen. Den Charakter dieser Verbindungen kenne ich jedoch nicht.

WYSCHINSKI: Über den Charakter dieser Verbindungen wird vielleicht Angeklagter Krestinski etwas aussagen.
Angeklagter Krestinski, von welchen Verbindungen mit der Reichswehr spricht Rosengolz?

KRESTINSKI: Im Jahre 1921 forderte mich Trotzki auf, die Begegnung mit Seeckt auszunutzen und ihm, Seeckt, bei den offiziellen Verhandlungen vorzuschlagen, dass er Trotzki zum Zwecke der Entfaltung illegaler trotzkistischer Arbeit eine systematische Barsubvention zukommen lässt, wobei er mich in Kenntnis setzte, dass falls Seeckt als Gegenleistung fordern sollte, ihm Dienste auf dem Gebiete der Spionagetätigkeit zu erweisen, man darauf eingehen müsse und könne. Über jenes Gespräch, das ich mit Trotzki hatte, als er mir die Auftrage erteilte, darüber werde ich später reden. Ich warf diese Frage vor Seeckt auf, nannte einten Betrag von 250000 Mark in Gold, d. h. 60000 Dollar jährlich. General Seeckt besprach sich mit seinem Vertreter, dem Chef des Stabes, und gab seine prinzipielle Zustimmung und stellte die Gegenforderung, dass Trotzki in Moskau oder durch mich, wenn auch nicht fortlaufend, ihm einige geheime und ernste Angaben militärischer Natur übermittle. Außerdem wurde ihm Mitwirkung bei der Erteilung von Visen an einige ihm nötige Personen zugesichert, die sie in die Sowjetunion als Spione senden würden. Diese Gegenforderung des Generals Seeckt wurde akzeptiert, und ab 1923 trat dieser Vertrag in Kraft.

WYSCHINSKI: Sie übermittelten Spionageinformationen?

KRESTINSKI: Meines Erachtens nicht ich, sondern wir, die russischen Trotzkisten. Es kamen aber auch Fälle vor, wo ich diese Informationen unmittelbar an den General Seeckt übermittelte.

WYSCHINSKI: Haben Sie sie persönlich übermittelt?

KRESTINSKI: Ja, ich hatte Gelegenheit, auch einige Male Geld zu erhalten.

WYSCHINSKI: Von wem hatten Sie Gelegenheit, Geld zu erhalten?

KRESTINSKI: Von General Seeckt.

WYSCHINSKI: Wo?

KRESTINSKI: Bei ihm im Amtszimmer. Ich übergab das Geld direkt au Trotzki, als ich nach Moskau reiste.

WYSCHINSKI: Persönlich?

KRESTINSKI: Ja, ohne jemanden dazu heranzuziehen.

WYSCHINSKI: In welchem Jahr begannen die Verhandlungen finit Seeckt?

KRESTINSKI: Das war im Frühjahr und im Sommer 1922. In der Anklageschrift heißt es, im Jahre 1921. Dies ist von keiner großen Bedeutung, aber diese erste Zusammenkunft amtlicher Natur, die Trotzki auszunutzen aufforderte, erfolgte im Winter von 1921 auf 1922.

WYSCHINSKI: Wurde diese Zusammenkunft bereits ausgenutzt?

KRESTINSKI: Als Trotzki von diesen Zusammenkünften erfuhr, forderte er auf, die letzte Zusammenkunft, die Ende Frühjahr oder im Sommer 1922 stattfand, auszunutzen. Dies ist vom Standpunkt meiner Anklage nicht von Belang.

WYSCHINSKI: Sie hatten also bereits im Winter 1921/22, d. h. seit 1921 Verbindungen mit der Reichswehr in Person des Generals Seeckt angeknüpft?

KRESTINSKI: Verbindung verbrecherischer Natur wurde seit 1922 angeknüpft.

WYSCHINSKI: Anfangs organisierten Sie die Verbindung und dann?

KRESTINSKI: Und dann schlug sie in verbrecherische Verbindung um.

WYSCHINSKI: Ist sie also in verbrecherische Verbindung umgeschlagen?

KRESTINSKI: Ja, seit 1922 in verbrecherische Verbindung.

WYSCHINSKI: Setzen Sie sich.

Sie, Rosengolz, waren somit seit 1923 bereits in Verbindung mit dem deutschen Spionagedienst getreten?

ROSENGOLZ: Unmittelbar mit Seeckt.

WYSCHINSKI: Machen sie einen Unterschied?

ROSENGOLZ: Ich sage dies einfach zur Präzisierung.

WYSCHINSKI: Angeklagter Rosengolz, Sie haben somit seit 1923 Spionageinformationen an fremde Staaten zu übermitteln begonnen?

ROSENGOLZ: Richtig.

WYSCHINSKI: Fahren Sie fort.

ROSENGOLZ: Ich muss noch mitteilen, obwohl ich das in der Voruntersuchung aussagte, dass ich 1926 Angaben an Farbman, einen englischen Journalisten, machte, der gleichfalls Trotzkist war. Diese Angaben bezogen sich auf die Außenpolitik der UdSSR. Später, in den Jahren 1932-1935, übermittelte ich dem Redakteur einer englisch-russischen Zeitschrift Talbot, der in Farbmanns Auftrag hier herkam, Angaben über Aufträge im Außenhandel.
Jetzt bezüglich der Schädlingsarbeit. Ich will unterstreichen, dass diese Schädlingsarbeit sich zur Aufgabe machte, hauptsächlich Deutschland und teilweise Japan zu helfen.
Von den bedeutendsten Unternehmungen in der Schädlingsarbeit, die natürlich gleichzeitig auch verräterische Tätigkeit darstellen, erwähne ich den Abschluss des Erdölvertrages mit Deutschland, erwähne ich die Tatsache der Ausfuhr von Goldabfällen nach Deutschland, während es rationeller gewesen wäre, sie in der Sowjetunion zu verarbeiten. Weiter die Ausfuhr von Zinnkonzentraten, den Vorschussexport, dann den Roheisenexport nach Japan zu verbilligten Preisen und in bedeutender Menge, zu einer Zeit, da auf dem Markt eine starke Roheisennot herrschte, die verzögerte Ausgabe von Frachtordern, was zuschüssige Zahlungen hervorrief, die Annahme einer Reihe von unvorteilhaften Vertragsbedingungen, insbesondere die Formulierung des Punktes über höhere Gewalt. Ebenso die Verzögerung des Exports nach der Mongolei, nach Westchina.
Besonders hervorgehoben werden muss die Schädlingsarbeit, die der Einstellung auf die Niederlage entsprang, - die Verzögerung der Einfuhr für Verteidigungszwecke.

WYSCHINSKI: Darüber werden Sie in der geschlossenen Sitzung ausführlicher berichten. Ich glaube, dass diese Frage jetzt nicht gestreift werden soll.

ROSENGOLZ: Das ist eigentlich das Wesentliche.

VORSITZENDER: Haben Sie Fragen an den Angeklagten, Genosse Staatsanwalt?

WYSCHINSKI: Nein.

VORSITZENDER: Bitte setzen Sie sich.

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