PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

ABENDSITZUNG VOM 4. MÄRZ 1938

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN KRESTINSKI

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, Krestinski zu verhören.

VORSITZENDER: Angeklagter Krestinski, berichten Sie kurz über ihre konterrevolutionäre Tätigkeit, ohne bei jenen Momenten zu verweilen, die bereits behandelt wurden.

KRESTINSKI: Ich habe meine illegale trotzkistische Tätigkeit Ende 1921 begonnen, als ich auf Vorschlag Trotzkis meine Zustimmung zur Schaffung einer illegalen trotzkistischen Organisation und zu meiner Aufnahme in ihr Zentrum gab, das in folgender Zusammensetzung vorgesehen war: Trotzki, Pjatakow, Serebrjakow, Preobrashenski und ich, Krestinski. Diesen Vorschlag machte mir Trotzki gleich nach dem X. Parteitag. Damals lehnte ich es ab, denn mir schien, dass meine Meinungsverschiedenheiten mit der Partei einen episodischen Charakter tragen und dass ich nach der Rückkehr aus meiner Sommerkur die Parteiarbeit werde fortsetzen können, ohne mich in meinen Rechten eingeschränkt zu fühlen und dass ich keinerlei Gründe und Anlässe zu irgendeiner gemeinsamen Weiterarbeit mit Trotzki hätte. Als es sich aber während meiner Kur im Auslande herausstellte, dass ich die Ernennung nach Berlin erhielt und als nach meiner Ankunft meine Bitte bezüglich der Rückgängigmachung dieser Ernennung abgelehnt wurde, sprach Trotzki darüber, dass diese Ernennung nicht aus sachlichen Erwägungen hervorgerufen sei, dass ich mich für die Auslandsarbeit nicht eigne, da ich die Sprache nicht beherrsche, das Ausland nicht kenne, dass dies ein Schritt sei, um mich für immer von der Parteiarbeit zu entfernen. Im Ergebnis dieser systematischen, einige Wochen dauernden Bearbeitung gab ich meine Zustimmung zum Eintritt in diese Organisation, was eine offene Verletzung sowohl des Parteistatuts als auch des besonderen Beschlusses des X. Parteitages über das Verbot von Gruppierungen bedeutete. Das war ein Verbrechen innerparteilichen Charakters, das für mich, im Falle der Mitteilung an die Parteiführung keine schweren Folgen gehabt hätte. Ein Jahr später beging ich ein Verbrechen - eben das, von dem ich während des Verhörs des Angeklagten Rosengolz erzählte - mein Abkommen im Auftrage Trotzkis mit dem General Seeckt und durch seine Person mit der Reichswehr über die Finanzierung der trotzkistischen Organisation im Austausch gegen jene Spionage- und Kundschafterdienste, die wir der Reichswehr zu erweisen übernommen hatten. Damals, als mir Trotzki diesen Auftrag gab, verhielt ich mich zu diesem Angebot im wesentlichen mit starkem Bedenken, nicht aber aus Angst, sondern sozusagen aus gewissen inneren Hemmungen heraus und wies darauf hin, dass dies Spionage und Landesverrat sei. Trotzki argumentierte aber damit, dass unsere außenpolitische Linie mit der Deutschlands jener Periode übereinstimme, dass Deutschland durch den Krieg zerstört sei und dass jedenfalls angesichts der Revanchestimmungen in Deutschland gegen Frankreich, England und Polen, in der nächsten Zeit ein Konflikt Deutschlands mit der Sowjetunion oder dem damaligen Sowjetrussland ausgeschlossen sei, dass man daher auf diese Sache eingehen könne, ohne faktisch ein schweres Verbrechen zu begehen. In meiner fraktionellen Erbitterung ließ ich mich von diesen unernsten, kindischen Argumenten überzeugen. Das Abkommen wurde abgeschlossen.

WYSCHINSKI: Diese Argumente sind nicht so sehr kindisch, als vielmehr verräterisch.

KRESTINSKI: Kindisch - vom Standpunkt, dass sie nicht überzeugend sind, vom Standpunkt ihrer Hohlheit und der Leichtigkeit, mit der sogar ein Kind diese Argumente widerlegen kann.

WYSCHINSKI: Aber Sie sind doch kein Kind.

KRESTINSKI: Ich sage ja auch, obwohl das Argumente wären, die sogar für einen Jungen, für ein Kind, nicht überzeugend wären, lies ich mich dennoch von diesen Argumenten überzeugen.

WYSCHINSKI: Warum ließen Sie sich überzeugen?

KRESTINSKI: Ich habe schon gesagt: in meiner fraktionellen Erbitterung, im Bestreben, gegen die Führung zu kämpfen.

WYSCHINSKI: Vielleicht brauchte man Sie nicht besonders zu überzeugen?

KRESTINSKI: Ich habe schon gesagt, dass ich die ersten Einwände aus Tradition, aus inneren, vom Verstande unabhängigen Anregungen machte. Das war bei mir eine repulsive Emotion, keine bewusste. Ich habe sie aber deut Verstand unterordnet...

WYSCHINSKI: Dem trotzkistischen Verstand?

KRESTINSKI: Ja, dem trotzkistischen Verstand, der sich von diesen trotzkistischen verräterischen Argumenten überzeugen ließ. Vom Jahre 1923 an wurde das Abkommen mit Seeckt durchgeführt, hauptsächlich in Moskau und manchmal in Berlin. Da ich der Mann war, der dieses Abkommen geschlossen hatte, da ich es von Zeit zu Zeit durchführte und da ich Mitglied jener Organisation war, in deren Namen dieses Abkommen abgeschlossen wurde, so trage ich natürlich restlos die ganze politische Verantwortung auch für die Bandlungen, die in Moskau begangen wurden. Dieses Abkommen blieb nicht in unveränderter Form bestehen: Im Jahre 1926 stellte die Reichswehr die Frage, von diesem Abkommen zurückzutreten. Ich glaube, das war ein taktischer Schritt, um an uns erhöhte Forderungen zu stellen...

WYSCHINSKI: Wem „uns“?

KRESTINSKI: Den Trotzkisten. Wir hatten uns in dieser Zeit bereits an das Einlaufen regulärer Summen in fester Valuta gewöhnt.

WYSCHINSKI: Sie hatten sich an den Empfang von Geld seitens fremder Spionagestellen gewöhnt?

KRESTINSKI: Ja. Dieses Geld wurde für die im Auslande, in verschiedenen Ländern sich entfaltende trotzkistische Arbeit, Herausgabe von Literatur und anderes, verwendet...

WYSCHINSKI: Für was „anderes“?

KRESTINSKI: Für Reisen, für Agitatoren, für den Unterhalt gewisser trotzkistischer Funktionäre, in diesen oder jenen Ländern...

WYSCHINSKI: Für die Organisierung der Spionage?

KRESTINSKI: Ich glaube, dass in dieser Periode für die Organisierung der Spionage wahrscheinlich kein Geld notwendig war.

WYSCHINSKI: Rosengolz hat im Jahre 1923 Spionageinformationen übermittelt. Warum war denn kein Geld notwendig?

KRESTINSKI: Dafür brauchte er kein Geld auszugeben.

WYSCHINSKI: Er nicht, aber irgendjemand musste es vielleicht. Ihre trotzkistische Organisation befasste sich bereits damals mit Spionage?

KRESTINSKI: Ja, aber das Geld, das einlief, wurde nicht für „Produktionskosten“ verwendet, sondern...

WYSCHINSKI: Sie können nicht garantieren, dass das Geld dafür verwendet wurde oder nicht.

KRESTINSKI: Ich kann nicht. Wahrscheinlich hat Trotzki diese Informationen unentgeltlich von Trotzkisten erhalten, die in verschiedenen Institutionen saßen.

WYSCHINSKI: Warum konnten, wenn hier Rosengolz und Krestinski saßen, dort nicht andere Rosengolz und Krestinskis sitzen, die ebenfalls 250000 Mark brauchten? Mit einem Wort, man kann sagen, dass das Geld für verschiedene trotzkistische verbrecherische Zwecke verwendet wurde.

KRESTINSKI: Im Jahre 1926, auf dem Höhepunkt des Kampfes der trotzkistischen Gruppen im Auslande gegen die Parteiführung sowohl in Moskau als auch in den Bruderparteien, hätte ein Verzicht auf dieses Geld den Kampf der Trotzkisten unterbinden können. Darum stellte ich, als mich Seeckt davon in Kenntnis setzte, dass er die Subsidierung einzustellen gedenke, ihm natürlich die Frage, unter welchen Bedingungen er bereit wäre, das Abkommen zu verlängern. Darauf machte er den Vorschlag, dass die Spionageinformation, die ihm nicht systematisch, sondern von Fall zu Fall gegeben wurde, einen regelmäßigen Charakter annehmen und dass außerdem die trotzkistische Organisation auf die Verpflichtung eingehen müsse, dass im Falle ihres Machtantritts während eines möglichen neuen Weltkrieges, sie, diese trotzkistische Macht, den berechtigten Forderungen der deutschen Bourgeoisie Rechnung tragen wird, d. h. hauptsächlich den Forderungen auf Erteilung von Konzessionen und auf Abschluss von Verträgen anderer Art.
Nach Befragen Trotzkis - ich erinnere mich nicht, ob das zu Beginn des Sommers war, als sich Trotzki zu Kurzwecken in Berlin befand, oder später - und nachdem ich seine Zustimmung erhalten hatte, gab ich dem General Seeckt eine positive Antwort und unsere Information begann einen systematischen und keinen sporadischen Charakter zu tragen, wie das früher der Fall war. Versprechungen über ein künftiges Nachkriegsabkommen wurden mündlich gegeben.

WYSCHINSKI: Somit sind die Gelder bei Ihnen auch weiterhin eingelaufen?

KRESTINSKI: Ja, die Gelder sind weiter eingelaufen.

WYSCHINSKI: Vielleicht sagen Sie, wie viel Geld im Ganzen empfangen wurde?

KRESTINSKI: Vom Jahre 1923 bis 1930 erhielten wir jährlicht 250000 deutsche Goldmark.

WYSCHINSKI: Das macht für diese Jahre etwa 2 Millionen Goldmark aus.

KRESTINSKI: Ja, etwa 2 Millionen Goldmark.

WYSCHINSKI: Das ist das, was Ihnen bekannt ist?

KRESTINSKI: Ja, das ist das, was mir bekannt ist.

WYSCHINSKI: Dieses im Jahre 1923 geschlossene Abkommen war bis 1930 in Kraft.

KRESTINSKI: Durch mich bis 1930, Bis Ende 1927 erfolgte die Durchführung dieses Abkommens hauptsächlich in Moskau. Dann, von Ende 1927 fast bis Ende 1928, trat eine Unterbrechung von etwa zehn Monaten im Empfang von Geldern ein, da ich nach der Zerschlagung des Trotzkismus isoliert war, die Pläne Trotzkis nicht kannte, von ihm keinerlei Informationen und Weisungen erhielt und deshalb heim Eintreffen des Geldes nicht gewusst hätte, was ich mit ihm anfangen soll. Anderseits hatte auch die deutsche Seite keinen Anlass, mich zu drängen, denn sie begriff meine Lage, sie lasen von meiner Abkehr in den Zeitungen, sie verstanden, dass ich wahrscheinlich beobachtet werde und dass ich allem Anschein nach über keinerlei sie interessierende Mitteilungen verfüge. Das dauerte bis Oktober 1928, als ich von Trotzki, der damals in der Verbannung war, aus Alma-Ata einen Brief erhielt, der mir durch Reich übergeben wurde.

WYSCHINSKI: Reich-Johanson?

KRESTINSKI: Nein, das ist eine ganz andere Person. Reich-Johanson war ein Mann Bessonows, mit dem er in Verbindung stand.
Dieser Brief enthielt die Weisung Trotzkis, das deutsche Geld, das er entweder Maslow oder den französischen Freunden Trotzkis, d. h. Rosmer, Madelaine Paz und andern zu übergeben anwies, in Empfang zu nehmen.
Ich wandte mich an General Seeckt. Er war um diese Zeit bereits im Ruhestand und hatte keinerlei Posten inne. Ich hatte aber mit seinen Nachfolgern keinen Kontakt und habe mich nicht an sie gewandt. Ich wandte mich an Seeckt, erzählte ihm, dass die Verbindung in Moskau abgebrochen sei, ich habe bestimmte Anweisungen und ersuchte ihn, mir bei dieser Sache, behilflich zu sein. Er erklärte sich bereit, mit Hammerstein Rücksprache zu nehmen und das Geld zu empfangen. Das Geld empfing er.

WYSCHINSKI: Und wer ist dieser Hammerstein?

KRESTINSKI: Hammerstein war zu jener Zeit Chef des Stabes der Reichswehr und seit 1930 Befehlshaber der Reichswehr. Seeckt erhielt dieses Geld und ich ging zu ihm, ich erinnere mich nicht, ob damals oder später, aber ich ging zu ihm. Bei unserer Begegnung begann er mit mir, ohne über unsere Verpflichtung, Spionageinformationen zu liefern, zu sprechen, eine politische Unterhaltung über internationale Fragen, um von mir gewisse Informationen zu erhalten. Ich erinnere mich nicht, was für ein Gespräch damals geführt wurde, aber früher, als ich mit ihm zusammentraf, machte ich ihm über die Verhandlungen Dowgalewskis mit Franzosen, über das damals vorbereitete Abkommen Mitteilungen und hielt ihn hierüber auf dem laufenden, noch bevor dies veröffentlicht wurde. Dann machte ich ihm in breiterer Form Mitteilungen über die Verhandlungen Ljubimows mit Mussolini oder mit dem Gehilfen Mussolinis betreffs des Handelsabkommens und des Kreditabkommens noch vor der Veröffentlichung derselben. Worüber wir bei diesem ersten Besuch sprachen, erinnere ich mich nicht. Eine kleine Information geheimen Charakters gab ich ihm.

WYSCHINSKI: Zahlte er das Geld?

KRESTINSKI: Ja, das Geld gab er.

WYSCHINSKI: Wusste er, wofür er es gab?

KRESTINSKI: Er wusste es. Ich leitete aber das Gespräch so ein, dass darüber nicht besonders gesprochen wurde.

WYSCHINSKI: Aber früher, vorher, fand ein Gespräch statt? Haben Sie früher mit ihm eine Verabredung über das Geld getroffen?

KRESTINSKI: Natürlich.
Vor dem Empfang des Geldes rief mich Maslow telefonisch an und fragte mich durch die Blume, ob nicht irgendjemand bei mir war und ob ich ihm etwas zu übergeben habe. Ich verhielt mich zu Maslow ablehnend, da ich ihn für prinzipienlos hielt. Ich liebte ihn nicht, nicht wegen dieser oder jener trotzkistischen verräterischen Gesinnungen, ich hielt ihn für einen Menschen, der in diesen Fragen prinzipienlos ist.

WYSCHINSKI: In welchen Fragen?

KRESTINSKI: In trotzkistischen Fragen.

WYSCHINSKI: Und Sie halten sich für einen prinzipienfesten Menschen?

KRESTINSKI: Nun, ich war Trotzkist, er aber konnte heute Trotzkist sein, morgen dem Trotzkismus den Rücken kehren, dann wieder Trotzkist werden...

WYSCHINSKI: Waren Sie immer ein Trotzkist?

KRESTINSKI: Ich habe immerhin einen mehr oder minder beständigen Standpunkt gehabt. Ich hatte gewisse Meinungsverschiedenheiten, Schwankungen...

WYSCHINSKI: Aber Trotzkist waren Sie immer?

KRESTINSKI: Ja, aber ich hatte in den trotzkistischen Reihen gewisse Meinungsverschiedenheiten mit Trotzki, gewisse Schwankungen, aber diese trotzkistisch Linie habe ich die ganze Zeit durchgeführt.

WYSCHINSKI: Trotzkist waren Sie immer?

KRESTINSKI: Ja. Ich habe Maslow gesagt, dass ich kein Geld für ihn habe, sondern für Rosmer und Madelaine Paz. Nach zehn Tagen klingelte er an und teilte mir mit, dass Madelaine Paz eingetroffen und im Hotel „Excelsior“ abgestiegen sei. Dort traf ich mich mit ihr und übergab ihr das Geld. Und so ging es bis zum Herbst 1930. Als ich aus Deutschland abreiste, stellte ich zwei Varianten auf: die erste Variante - Seeckt mit Sedow zu verbinden, mit dem ich mich bereits vor meiner Abreise getroffen gehabt und den Kontakt hergestellt hatte, oder aber Putna zu verbinden, der kurz vor meiner Abreise zum Militärattach nach Berlin ernannt wurde, über den ich bereits von Smirnow wusste, dass er Trotzkist war, und von dem ich glaubte, dass er auch jetzt noch Trotzkist sei, mit dem ich aber über die Geldübermittlung von Seeckt an ihn nicht sprechen konnte. Ich gab Sedow zu wissen, er möge sich bemühen, vor meiner Abreise nach Berlin zu kommen und sagte Seeckt, dass in meinem oder in Trotzkis Namen zu ihm irgendjemand kommen wird. Falls Sedow oder Putna kommt, so brauche er von ihnen keinerlei schriftliche Empfehlung und Beglaubigung zu verlangen und kann mit ihnen offen sprechen. Kommt aber irgendeine dritte Person, so ist ein Brief von Trotzki oder eine Notiz von mir notwendig. Das wurde zwischen uns verabredet. Sedow traf vor meiner Abreise nicht ein und ich reiste ab, ohne irgendjemanden mit Seeckt verbunden zu haben. Ich ließ Bescheid zurück, dass dies nach meiner Abreise geschähe, sobald Sedow erscheint und gab Jakubowitsch, dem zweiten Botschaftsrat, der mein Gehilfe in trotzkistischen Angelegenheiten war, die Anweisung, Sedow zu Seeckt zu schicken. Sedow kam nicht zu Seeckt. Im Jahre 1931, als Pjatakow nach Berlin fuhr, um das Kreditabkommen zum Abschluss zu bringen und Aufträge zu erteilen, reiste mit ihm I. N. Smirnow. Damals machte ich Pjatakow Mitteilung über das Abkommen, das zwischen mir und Seeckt abgeschlossen wurde und schlug ihm vor festzustellen, ob Putna Mitglied unserer Organisation ist und in diesem Falle, ihn in diese Sache einzuweihen. Pjatakow sagte, er werde das machen und teilte nach seiner Rückkehr mit, die Sache sei gemacht, Putna habe die Verbindung aufgenommen und halte sie aufrecht. Somit hatte ich zu den Geldangelegenheiten keine Beziehungen mehr. Sie gingen an Putna über und dann unmittelbar an Trotzki und Sedow und gestalteten sich später zu einem größeren Abkommen. Jetzt will ich über meine Zusammenkünfte sprechen...

WYSCHINSKI: Da Sie diese Periode Ihrer verbrecherischen Tätigkeit abschließen, möchte ich eine Frage präzisieren. Sie sagen, dass diese Erwägungen in Bezug auf die deutsche Reichswehr bei Ihnen im Winter 1921-1922 auftauchten.

KRESTINSKI: Die Pläne über die Ausnutzung der deutschen Reichswehr zu verbrecherischentrotzkistischen Zwecken entstanden im Frühjahr 1922.

WYSCHINSKI: Bestand zwischen Ihrer trotzkistischen Organisation und Seeckt sogar vor 1921 ein Kontakt?

KRESTINSKI: Da gab es einen Kontakt mit ihm, über den ich in offener Sitzung nicht sprechen will. Das war ein Kontakt eines der Mitglieder unserer Organisation, der damals noch nicht Mitglied unserer Organisation war, und er trug keinen trotzkistischen Charakter.

WYSCHINSKI: Erlauben Sie, erlauben Sie. Wir werden in der offenen Sitzung nicht über alles sprechen, aber so manches kann man auch jetzt sagen. Erstens, wer war Kopp?

KRESTINSKI: Kopp war überhaupt ein alter Menschewik.

WYSCHINSKI: In welchen Beziehungen stand er zu Trotzki?

KRESTINSKI: Mit Trotzki stand er schon in der Vorkriegsperiode, in der vorrevolutionären Periode in guten, sachlichen und persönlichen Beziehungen.

WYSCHINSKI: Und die Parteibeziehungen?

KRESTINSKI: Wenn ich von sachlichen Beziehungen spreche, so meine ich damit seine Parteiangelegenheiten, die damals menschewistisch waren.

WYSCHINSKI: Er war also mit Trotzki durch den Menschewismus und durch den Trotzkismus verbunden?

KRESTINSKI: Wenn man berücksichtigt...

WYSCHINSKI: Wir wissen alles, was man berücksichtigen kann.

KRESTINSKI: Ob er Trotzkist der Vorkriegsformation war, weiß ich einfach nicht.

WYSCHINSKI: Ich frage nicht über die Formation, ich frage Sie, wer war Kopp? War er damals ein Trotzki nahe stehender Mensch?

KRESTINSKI: Er war ein Mensch, der Trotzki nahe stand.

WYSCHINSKI: Als Menschewik?

KRESTINSKI: Als Menschewik.

WYSCHINSKI: Als einer, der die trotzkistischen Anschauungen teilte?

KRESTINSKI: Ich glaube, dass er mehr Menschewik als Trotzkist war.

WYSCHINSKI: Und ich glaube, dass Trotzki mehr Menschewik war als Trotzkist. Gut. Zwischen uns bestehen also keine Widersprüche.

KRESTINSKI: Keine Widersprüche.

WYSCHINSKI: Sie hatten mit Trotzki und Kopp ein Gespräch darüber, wie man Mittel für die konspirative trotzkistische Arbeit beschaffen kann.

KRESTINSKI: Dieses Gespräch fand im Frühjahr 1922 statt.

WYSCHINSKI: Also hat sich Kopp mit trotzkistischer konspirativer Arbeit beschäftigt?

KRESTINSKI: Ja, ja.

WYSCHINSKI: Man kann also sagen, dass Kopp Trotzkist war?

KRESTINSKI: Aber nicht in jener Periode, von der Sie sprachen.

WYSCHINSKI: Und vor dieser Periode war er Menschewik, der mit Trotzki in Verbindung stand. Ich sehe hier keinen Unterschied. Das ist eine Frage für das Institut für Parteigeschichte.

KRESTINSKI: Nein, aber...

WYSCHINSKI: Sie sagen also, dass derselbe Kopp im Juli 1920 in einer Frage, über die Sie offensichtlich hier nicht sprechen wollen, sondern in der geschlossenen Sitzung sprechen werden, den Kontakt mit Seeckt hergestellt hat.

KRESTINSKI: Seeckt wandte sich an Kopp.

WYSCHINSKI: Kopp war damals Bevollmächtigter des Roten Kreuzes für die Evakuierung der Kriegsgefangenen, was hatte er mit Seeckt zu tun?

KRESTINSKI: In jener Zeit war er in Berlin faktisch unser inoffizieller Gesandter.

WYSCHINSKI: Ober Ihr oder nicht Ihr Gesandter war, das werden wir später klären. Aber als Kopp im Jahre 1920 Bevollmächtigter des Roten Kreuzes war, da hatte er Kontakt mit General Seeckt. Ist das richtig?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Ich ziehe daraus die Schlussfolgerung, dass nicht nur im Jahre 1921 und 1922, sondern bereits im Jahre 1920 Trotzki durch Kopp den Weg zu Seeckt sondierte und fand.

KRESTINSKI: Die Einzelheiten darüber kenne ich nicht, damals fanden offizielle Begegnungen statt.

WYSCHINSKI: Ist eine solche Schlussfolgerung natürlich?

KRESTINSKI: Mir ist eine andere Seite dieser Frage, die rein offizielle Seite bekannt.

WYSCHINSKI: Ihnen ist die rein offizielle Seite bekannt, und die Frage der Geldmittel, ist das die offizielle Seite?

KRESTINSKI: Die offizielle.

WYSCHINSKI: Die Frage der Geldmittel für trotzkistische Zwecke von der deutschen Reichswehr, ist das die offizielle Seite oder nicht?

KRESTINSKI: Das ist die geheime trotzkistische Seite, ein verbrecherisches Ding.

WYSCHINSKI: Die in das Jahr 1921-1922 fällt.

KRESTINSKI: In das Jahr 1922.

WYSCHINSKI: Sie sagen, dass im Winter 1921 bereits Begegnungen und Gespräche darüber mit General Seeckt stattfanden?

KRESTINSKI: Nicht darüber.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie mir, folgende Stelle aus Bd. III, Aktenblatt 13, Rückseite zu verlesen: „Während dieser Unterredungen wurde die Frage der Geldmittel für die konspirative trotzkistische Arbeit gestellt... Diese Frage der Geldmittel warf Trotzki auf...“

KRESTINSKI: Richtig.

WYSCHINSKI: „...der irgendwelche Schwierigkeiten bei der Ausnutzung der Mittel des Apparates für konspirative trotzkistische Zwecke hatte. Da schlug Kopp vor, den Versuch zu machen, die notwendigen Mittel von der deutschen Reichswehr zu erhalten. Dazu trug folgender Umstand bei. Bereits im Juni 1920 usw.…
Der Kontakt zwischen Kopp und General Seeckt war somit schon hergestellt...“
Das ist die Aussage des Angeklagten Krestinski vom 9. Juni 1937.
Angeklagter Krestinski, bestätigen Sie das?

KRESTINSKI: Ja, ja. Vollständig, aber einige Zeilen vorher heißt es, dass dieses Gespräch zwischen mir, Trotzki und Kopp während meines Aufenthalts anlässlich des XI. Parteitages stattfand.

WYSCHINSKI: Aber dem ging ein Gespräch Kopps mit Seeckt im Jahre 1920 voraus, das Sie hier als offiziellen Kontakt hinstellen wollen, ich aber meine, dass das bereits das erste Moment Ihrer trotzkistischen verräterischen Verbindung mit General Seeckt unter Ausnützung Ihrer offiziellen Stellung bildet. Bestätigen Sie das?

KRESTINSKI: Ja, ja.

VORSITZENDER: Genosse Staatsanwalt, haben Sie über diesen Teil keine Fragen mehr?

WYSCHINSKI: Nein. Angeklagter Krestinski, fahren Sie fort.

KRESTINSKI: Im Herbst 1929, ich glaube im September, als ich mich in Süddeutschland in Kissingen auf Urlaub befand, rief mich Jakubowitsch aus Berlin telephonisch an und teilte mir durch die Blume mit, dass der Sohn Trotzkis mich im Auftrage seines Vaters treffen möchte. Ich schlug ihm vor, nach Kissingen zu kommen. Am nächsten oder am übernächsten Tag kamen Sedow und Jakubowitsch an. Sie stiegen in verschiedenen Hotels ab. Sedow stieg im Hotel „Englischer Hof“ ab, das von Sowjetbürgern nicht besucht wurde. In diesem Hotel fand die Begegnung statt.
Da Rosengolz darüber in allgemeinen summarischen Sätzen sprach, will ich über diese Information und über die Weisungen, die ich erhalten habe, ausführlicher sprechen. Sedows Information bestand darin, dass Trotzki den verbannten und ausgeschlossenen Trotzkisten den Rat gäbe, Erklärungen abzugeben, dass sie auf den oppositionellen Kampf verzichten und um ihre Wiederaufnahme in die Partei ersuchen. Insbesondere teilte er mit, dass ich mit Pjatakow und Radek offen reden könne, obwohl Pjatakow für Jahre 1928 eine Erklärung über sein Abrücken vom Trotzkismus abgegeben habe - Radek, ich glaube, im Jahre 1929 und wies darauf hin, dass sie Anhänger des Trotzkismus bleiben.
Weiter sagte er, dass es notwendig sei, auf die Arbeit unter den Massen zu verzichten. Bisher orientierte sich die Arbeit der Trotzkisten auf die Massen, auf Eroberung der Massen, die Macht in der Partei und dann in der Sowjetunion mit Hilfe einer breiten Massenarbeit, durch Gewinnung von Anhängern zu erlangen. Jetzt sei Trotzki der Meinung, dass dies erstens utopisch sei und schließlich auch unmöglich, insofern er den Vorschlag macht, auf betrügerischem Wege in die Partei zurückzukehren und sich zu tarnen, Man kann sich nicht gleichzeitig tarnen und sich für ehrliche, parteitreue Menschen ausgeben und zugleich unter den Massen an ihrer Einbeziehung in die Reihen der Trotzkisten arbeiten. Man müsse dafür sorgen, dass das organisatorische Gerippe erhalten bleibe, dass diese Leute in die Partei- und Sowjetorganisationen eindringen und danach streben, dort mehr oder minder selbständige verantwortliche Posten zu besetzen, um in streng konspirativer Weise an der individuellen Heranziehung neuer Anhänger aus Kreisen zuverlässiger Leute an der Vergrößerung und Festigung, des Kadergerippes zu arbeiten.
Die Frage, wie und auf welche Weise diese Kader für die Machterlangung in der Partei und im Sowjetstaate ausgenutzt werden, - diese Frage wurde damals noch nicht gestellt. Als Rosengolz darüber sprach, dass er über die Begegnung Mitteilung gemacht habe, sagte er, dass die Grundlage der Begegnung darin bestände, dass er und ich verantwortliche Posten besetzen und uns in strenge Konspiration hüllen sollen. Es ist aber nicht ganz so. Die Direktive bezog sich darauf, dass wir in die Partei auf verantwortliche Posten eindringen sollen, betraf alle und nicht nur uns.

WYSCHINSKI: Ich habe Sie nicht ganz verstanden. Diese Direktive betraf nicht nur Sie, sagen Sie.

KRESTINSKI: Nicht nur uns beide, sondern alle.

WYSCHINSKI: Aber auch Sie.

KRESTINSKI: Ich spreche viel breiter. Sie beschränkte uns nicht darin, uns in Konspiration zu hüllen und abzuwarten. Ich sollte meine Beziehungen zur Reichswehr hinsichtlich der Übernahme des Geldes und der Ablieferung von Informationen, fortsetzen und sollte die Verbindung zwischen Trotzki und seinen Bevollmächtigten in Europa und den Trotzkisten in der Sowjetunion regeln. In Bezug auf Rosengolz’ Arbeit wurden tatsächlich keinerlei konkrete Aufgaben gestellt, es sei denn, dass er irgendeinen Posten besetze. Ich wurde beauftragt, Pjatakow und Rosengolz über dieses Gespräch Mitteilung zu machen. Ich teilte es Pjatakow in demselben Jahre am Ende meines Urlaubs mit. Rosengolz teilte ich es Anfang 1930 mit. Dann übersiedelte ich zur ständigen Arbeit als Stellvertretender Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten Anfang Oktober 1930 nach Moskau. Wie ich mit dieser Verbindung zur Reichswehr verfuhr, sagte ich schon. Sie ging im Allgemeinen mit Hilfe Pjatakows und Smirnows auf Putna über. Die Verbindung zu Trotzki wurde in folgender Weise hergestellt. In Berlin blieb Jakubowitsch noch ungefähr ein Jahr nach meiner Abreise und wir kamen mit ihm überein, dass er von mir mit der diplomatischen Post Briefe erhalten wird, um sie, wenn notwendig, an Trotzki weiterzuleiten, und er traf bei einer Zusammenkunft mit Sedow eine Verabredung über die Pariser Adressen, an die er diese Briefe übersenden wird.
Außerdem, da ich um jene Zeit die Verbindung mit einem andern Mitarbeiter der Botschaft, Stern, hergestellt hatte, der trotzkistische Sympathien bekundete, verabredete ich mich mit ihm, dass ich ihn, Stern, falls Jakubowitsch vor ihm aus Berlin abreisen wird, ersuche, diese meine Aufträge und Aufgaben von Jakubowitsch zu übernehmen, was auch geschah, denn als Jakubowitsch im Jahre 1931 abreiste und Stern bis 1932 noch verblieb, wurden die Pariser Adressen und die Mitteilungen über die Verbindung mit Trotzki über Paris von Jakubowitsch restlos an Stern übergeben, den er in diesem Beziehung informierte. Bis zum Jahre 1933 sollte ich in Moskau tatsächlich keine andere Arbeit leisten. Ich war damit nicht einverstanden, als aber im Verlauf der Dinge das Bedürfnis empfunden wurde, eine Information über die Ereignisse in der Sowjetunion zu beschaffen, eine solche Information, die nicht in der Sowjetpresse veröffentlicht wurde und die nicht durch die ausländischen Korrespondenten auf normalem Wege ins Ausland gelangte, jedenfalls aus unsern trotzkistischen Gründen, und als sich noch Radek an mich wandte, da organisierte ich durch meine Mitarbeiter der Presseabteilung im Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten die Belieferung einiger ausländischer Korrespondenten mit geheimer Information.

WYSCHINSKI: Insbesondere wen von den ausländischen Korrespondenten?

KRESTINSKI: Ich nenne Ihnen keine Namen, denn Mironow selbst, der diese Sache leitete, nannte mir nicht genau diese Namen. Ich möchte mich nicht in Vermutungen ergehen.

WYSCHINSKI: In der Anklageschrift figurierte bei uns der Name Scheffer.

KRESTINSKI: Scheffer ist eine andere Sache. Scheffer verließ Deutschland nach meiner Abreise und kam hier nicht in Frage.

WYSCHINSKI: Und wurde er nicht durch andere beliefert?

KRESTINSKI: Das kann ich Ihnen kaum sagen. Er fuhr nach Amerika.

WYSCHINSKI: Das hat schon nichts zu sagen.

KRESTINSKI: Das kann ich kaum sagen.

WYSCHINSKI: Nennen Sie irgendjemanden von den ausländischen Korrespondenten. Es ist interessant zu wissen, wen Sie beliefert haben.

KRESTINSKI: In Frage kamen deutsche Korrespondenten.

WYSCHINSKI: Ihre Namen?

KRESTINSKI: Ihre Namen will ich nicht nennen. Man hat mir einige genannt, sie wurden aber nicht offen genannt.

WYSCHINSKI: Der Vorsitzende hat uns, beide Seiten, gewarnt, dass wir Familiennamen und Vornamen offizieller Vertreter fremder Staaten nicht nennen dürfen. Ausländische Korrespondenten gehören nicht zu dieser Kategorie.

KRESTINSKI: Gewiss, da Mironow keinen Namen nannte, sprach ich nur, was ich mutmaßte.

WYSCHINSKI: Sie kennen ihre Namen?

KRESTINSKI: Ich errate sie, vermute sie.

WYSCHINSKI: Was vermuten Sie?

KRESTINSKI: Ich vermute, dass dies Baum war, vermute, dass es Just war, Günther Stein und William Stein, weil Mironow mit ihnen dank seiner Dienststellung eng verbunden war und in persönlichen Beziehungen stand.

WYSCHINSKI: Und waren Sie mit ihnen verbunden?

KRESTINSKI: Ich war mit ihnen offiziell verbunden.

WYSCHINSKI: Aber Sie organisierten diese Verbindung?

KRESTINSKI: Ich organisierte die Übermittlung der Informationen an die ausländischen Korrespondenten durch Mironow.

WYSCHINSKI: Von solchen Mitteilungen, deren Veröffentlichung zu trotzkistischen Zwecken interessant war?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Sie waren der Organisator dieser Sache?

KRESTINSKI: Ja. Ich sagte schon, dass ich natürlich für diese Sache die volle Verantwortung trage. Ich vermerke nur, dass ich selbst mit ihnen nicht unmittelbar verbunden war.

WYSCHINSKI: Ich spreche nicht von unmittelbarer Verbindung. Hier gab es eine bestimmte Arbeitsteilung: Sie waren der Organisator, er der Ausführende und sie Ihre Komplicen?

KRESTINSKI: Gewiss.

WYSCHINSKI: Sie haben demnach zur Durchführung der Spionageverbindungen gewisse ausländische Korrespondenten herangezogen? Ist das richtig?

KRESTINSKI: Ja. Durch Pjatakow und teilweise durch Radek war ich einigermaßen auf dem Laufenden über die allgemeine Arbeit und interessierte mich für die Probleme der Arbeit. Bis zum Jahre 1929 stellte sich die Lage auf folgende Weise dar: Man bekam Geld, z. B. von der Reichswehr; dieses Geld wurde für Massenarbeit verwendet...

WYSCHINSKI: Für welche Massenarbeit?

KRESTINSKI: Für trotzkistische Arbeit. Und theoretisch konnte man annehmen, dass die Trotzkisten dank dieser Massenarbeit in der Partei und im Staate an die Macht kommen würden...

WYSCHINSKI: Was heißt „an die Macht kommen würden“?

KRESTINSKI: Die Perspektive in jener Periode bis 1929 war nicht auf dem Wege von Verschwörungen, nicht auf dem Wege von Aufständen, sondern auf dem Wege der Gewinnung des Einflusses auf die Massen, unter Ausnützung des ausländischen Geldes werden die Trotzkisten an die Macht kommen. Dies war die Konzeption bis 1929. Doch nach 1929, als man auf die Massenarbeit verzichtete, fiel diese Konzeption weg, und eine neue Konzeption wurde nicht ausgedacht, wurde nicht aufgestellt. Es gibt Geld, es gibt Kader, diese Kader werden bewahrt und allmählich erweitert, aber wie diese Kader und ihr Leiter Trotzki an die Macht kommen werden, diese Frage blieb unentschieden. Durch Iwan Nikititsch Smirnow, Anfang 1933, durch Radek erhält man die Einstellung auf Terror, auf Schädlingstätigkeit. Aber Terror und Schädlingstätigkeit sind begleitende Methoden und nicht Methoden der Machtergreifung. Terror, das ist...

WYSCHINSKI: Wir wissen ja, was Terror ist...

KRESTINSKI: Ich will sagen, was er für eine politische Bedeutung hat...

WYSCHINSKI: Wir wissen das.

KRESTINSKI: Mit Hilfe von Terror kann man den einen oder anderen Menschen ermorden, bis zu einem gewissen Grade die Staatsmacht desorganisieren, aber nicht die Macht ergreifen.

WYSCHINSKI: Und wie kann man sie ergreifen?

KRESTINSKI: Das ist die Frage, die stand, und bei uns dachten wir in den kurzen Unterredungen mit Pjatakow und sagten es, dass es nicht möglich sein werde, ohne Hilfe von außen, das heißt ohne Intervention, ohne fremde bewaffnete Macht auszukommen, und als ich ins Ausland fuhr...

WYSCHINSKI: Ohne fremde bewaffnete Macht wessen?

KRESTINSKI: Der ausländischen Bourgeoisie, der bürgerlichen Staaten. Und deswegen nahm ich mir vor, als ich 1933 ins Ausland reiste, im Gespräch mit Trotzki die Perspektive aufzuklären und die Wege zu kennzeichnen, denn es ergab sich, dass die Arbeit im Leerlauf und ohne Perspektive ging. Als ich mich mit. Trotzki in Meran traf...

WYSCHINSKI: Erzählen Sie, wie Ihre Begegnung mit Trotzki in Meran organisiert wurde.

KRESTINSKI: Ich weilte auf der Durchfahrt einige Tage in Berlin. Als Botschaftsrat saß in Berlin unser trotzkistischer Mann, Bessonow, der mit Trotzki eine Verbindung haben musste, da ich ihm im Mai 1933, als er nach Berlin fuhr, gesagt habe, dass er diese Verbindung herstellen soll.

WYSCHINSKI: Sie haben ihm den Auftrag gegeben?

KRESTINSKI: Ja, ich gab ihm den Auftrag, diese Verbindung herzustellen. Die Sache ist die, dass Jakubowitsch und Stern damals aus Deutschland verreisten und meine Verbindung abriss. Pjatakow hatte eine Verbindung durch seine Leute, die nach Deutschland mit Aufträgen reisten, doch war diese Verbindung unregelmäßig und deswegen war es erforderlich, eine Verbindung durch die Berliner Botschaft herzustellen, um die diplomatische Post auszunützen. Und damit wurde Bessonow beauftragt, ich sagte ihm, dass man Trotzki wissen lassen müsse, dass ich mich mit ihm treffen will.

WYSCHINSKI: Bessonow hat also hier die reine Wahrheit erzählt?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie versuchten früher, dies abzustreiten?

KRESTINSKI: Das war ja damals, als ich sagte, aus welchen Gründen ich es abstritt.

WYSCHINSKI: Ich beschuldige Sie nicht, ich will nur die Tatsache feststellen.

KRESTINSKI: Als ich am ersten Tage meine Schuld leugnete, da ich nicht imstande war, sie öffentlich einzugestehen, leugnete ich natürlicherweise als logische Folge auch das, was Rosengolz und Bessonow sagten.

WYSCHINSKI: Geben Sie aber nicht zu, dass Sie dadurch Bessonow in die Lage eines Lügners versetzt haben?

KRESTINSKI: Nun was denn, ich habe ja selbst gelogen. Wenn ich mich selbst in die Lage eines Lügners stellte, so war es mir uni so leichter, andere in diese Lage zu versetzen.

WYSCHINSKI: Solcher Art ist Ihre Logik.

KRESTINSKI: Als ich sagte, dass ich mich mit Trotzki treffen wolle, antwortete er mir, dass dies möglich ist, wobei ich sagte, dass ich bis Ende September in Kissingen und bis etwa 10. Oktober in Meran sein werde und ihm die Adresse des Sanatoriums in Kissingen gab, in dem ich immer wohnte und ebenfalls meine Adresse in Meran. Dort war ich zweimal in ein und demselben Hotel abgestiegen und vermutete, dass dieses Hotel noch bestand. Ich sagte ihm, dass es nicht schwer sein würde, mich unter dieser Adresse (ich fuhr unter meinem wirklichen Namen) zu finden.
Ich war noch in Kissingen, als Bessonow mich telefonisch anrief und mir mitteilte, dass die Begegnung in Meran stattfinden würde; und ich erhielt damals die Bestätigung, dass das Hotel, in dem ich vor acht Jahren abgestiegen war, weiter bestand, das Hotel „Bavaria“. Trotzki kam nach Meran ungefähr am 10. Oktober zusammen mit Sedow. Reich kam nicht mit ihm, wie Bessonow, sagte, wenigstens habe ich davon nichts gehört, ich sah nur den Vater und den Sohn.

WYSCHINSKI: Und den Heiligen Geist?

KRESTINSKI: Den sah ich nicht. Der Heilige Geist...

WYSCHINSKI: Schwebte über Ihnen?

KRESTINSKI: Oder er blieb in Paris, wenn man diesen Reich als Heiligen Geist ansehen kann. Trotzki reiste, wie er mir sagte, mit einem fremden französischen Pass und kam über jene Reiseroute, von der Bessonow sprach, das heißt über die französisch-italienische Grenze und nicht über die Schweiz und Deutschland. Für Trotzki waren die Fragen, an die wir in Moskau dachten, unwiderruflich entschieden und er selbst schritt an die Darlegung seiner diesbezüglichen Richtlinien. Er sagte, dass, nachdem wir seit 1929 zu einer Organisation verschwörerischen Typs übergegangen sind, die Machtergreifung natürlich nur durch Gewalt verwirklicht werden könne. Aber unsere Verschwörerorganisation allein könne keinen Umsturz durchführen. Es sei diesbezüglich ein direktes Übereinkommen mit irgendeinem bürgerlichen Lande notwendig. Er stellte fest, dass den Keim eines derartigen Übereinkommens unser Übereinkommen mit der Reichswehr darstelle. Dieses Übereinkommen befriedige jedoch keineswegs weder die Trotzkisten noch die deutsche Seite, und zwar aus zwei Gründen. Erstens sei unser Kontrahent in dieser Angelegenheit nur die Reichswehr und nicht die deutsche Regierung in ihrer Gesamtheit. Wenn die Reichswehr unter den früheren Regierungen eine entscheidende Rolle gespielt habe und man mit ihr wie mit der gesamten Regierung rechnen konnte, so könne man seit der Machtübernahme durch Hitler und dem Streben Hitlers, sich die Reichswehr unterzuordnen, und seit der gewissen Vorsicht einzelner Leiter der Reichswehr gegenüber dem Eindringen Hitlers in die Reichswehr, die deutsche Regierung mit der Reichswehr nicht identifizieren und müsse bestrebt sein, dass unser Kontrahent nicht nur die Reichswehr, sondern die gesamte deutsche Regierung werde. Dies erstens.
Zweitens, worin bestehe das Wesen des Übereinkommens mit der Reichswehr? Wir bekämen einen nicht großen Geldbetrag und sie bekämen Spionageinformationen, die sie bei einem militärischen Überfall brauchen würden. Die deutsche Regierung und insbesondere Hitler brauche jedoch Kolonien, Territorien und nicht nur Spionageinformationen. Und er sei bereit, anstatt der Kolonien, um deretwegen man mit England, Frankreich und Amerika kämpfen müsse, sich mit einem Territorium der Sowjetunion zu begnügen. Wir aber brauchten nicht 250000 Goldmark, wir brauchten deutsche bewaffnete Kräfte, um mit ihrer Hilfe zur Macht zu gelangen, und man müsse in dieser Richtung arbeiten. Diese Arbeit ist das landesverräterische Übereinkommen mit einer ausländischen Regierung über die Ausnutzung bewaffneter ausländischer Kräfte zu einem Siege über die Rote Armee und zur Freimachung des Weges zur Macht für die Trotzkisten. Aber selbst wenn ein Überfall, sagen wir Deutschlands, auf die Sowjetunion erfolgen werde, so biete dies doch noch nicht die Möglichkeit, den Machtapparat an sich zu reißen, wenn wir nicht bestimmte in dieser Richtung vorbereitete innere Kräfte haben würden. Die Trotzkisten als solche seien aber nicht genügend zahlreich und stark, um allein eine solche Organisation zu schaffen. Man müsse sowohl in der Stadt als auch im Dorfe unter dem Kleinbürgertum und den Kulaken Stützen haben, dort aber hätten hauptsächlich die Rechten Verbindungen. Man müsse endlich in der Roten Armee unter den Kommandeuren eine Stütze, eine Organisation haben, um im notwendigen Moment mit vereinten Kräften die wichtigsten Punkte zu besetzen und zur Macht zu gelangen, die jetzige Regierung zu ersetzen, die verhaftet werden müsse, und an ihre Stelle seine eigene vorher vorbereitete Regierung zu setzen.
Daraus ging hervor: die erste Direktive war, Übereinkommen mit ausländischen Regierungen, die zweite, die Vereinigung der Kräfte der Trotzkisten, der Rechten und der Militärverschwörer in der Sowjetunion zu bewerkstelligen.
Was die Rechten und die Notwendigkeit der organisatorischen Verbindung mit ihnen anbelangt, sagte Trotzki, dass man sich nicht auf Rykow, Bucharin und Tomski beschränken soll, da, wenn sie auch die anerkannten Führer der Rechten seien, sie bereits in genügendem Maße kompromittiert seien, und dass man für die Verbindung Rudsutak ausnutzen müsse, der lange Jahre hindurch mit Rykow in der Sowjetregierung saß, in Eigenschaft seines Stellvertreters, wobei es niemandem jemals bekannt gewesen sei, dass er irgendwelche Differenzen mit der Partei gehabt habe; deshalb müsse man ihm Aufmerksamkeit zuwenden und die Verbindung mit ihm herstellen.
Was die Militärpersonen anbelangt, so nannte Trotzki nur einen Namen, den Namen Tuchatschewskis, als Menschen bonapartistischen Typs, als Abenteurer, ehrgeizigen Menschen, der bestrebt sei, nicht nur eine militärische, sondern auch eine militärisch-politische Rolle zu spielen, und der ohne Zweifel mit uns gehen werde.
Weiter entwickelte Trotzki den Gedanken der Notwendigkeit des Terrors, der Schädlingsarbeit und der Diversionen, wobei er die Diversionsakte und Terrorakte sowohl von dem Gesichtspunkt ihrer Anwendung während des Krieges zwecks Desorganisierung der Verteidigung der Roten Armee, zwecks Desorganisierung der Regierung im Augenblick des Umsturzes als auch von dem Standpunkt aus betrachtete, dass diese Diversions- und Terrorakte ihm, Trotzki, gleichzeitig mehr Halt und Sicherheit bei den Verhandlungen mit den ausländischen Regierungen geben würden, da er sich darauf berufen könne, dass seine Anhänger in der Sowjetunion genügend stark und' genügend aktiv seien.
Die Verhandlungen mit den Deutschen nahm er auf sich. Was die Japaner betrifft, über die er als eine Kraft sprach, mit der man sich ebenfalls verständigen müsse, so sagte er, dass es für ihn einstweilen noch schwer sei, mit ihnen unmittelbar in Verbindung zu treten, dass man mit ihnen in Moskau werde sprechen müssen, und dass Sokolnikow, der im Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten arbeitet und sich mit Ostfragen beschäftigt, dazu verwendet werden müsse.. Und da das Gespräch nur mit offiziellen Personen vor sich gehen werde und das erste Gespräch einen sondierenden Charakter haben werde, so könne man sich für den Anfang auf solche allgemeine Erklärungen beschränken, dass, wenn in der Sowjetunion eine Regierung des Blockes der oppositionellen Gruppierungen zur Macht kommen werde, sie sich den Japanern gegenüber günstig einstellen und die Wünsche der Japaner bei der Beratung und Entscheidung jener strittigen Fragen mit ihnen, die zwischen der Sowjetregierung und der japanischen Regierung bestehen, in Betracht ziehen werde. Er ersuchte mich, Pjatakow über alle diese Direktiven und besonders. über die Notwendigkeit, mit den Japanern in Verbindung zu treten, zu informieren. Außerdem bat er mich, dass ich mich nicht auf das Gespräch Pjatakows mit Tuchatschewski und Rudsutak beschränken solle, sondern ebenfalls mit ihnen zusammentreffen solle, weil ich die Gelegenheit habe, über das unmittelbare Gespräch mit Trotzki zu berichten, über den unmittelbaren Eindruck, und das könne in diesem Sinne einen etwas größeren Einfluss erweisen.

WYSCHINSKI: Entschuldigen Sie, schließen Sie damit Ihre Aufklärungen über Ihre Meraner Zusammenkunft mit Trotzki ab?

KRESTINSKI: Damit schließe ich meine Zusammenkunft mit Trotzki in Meran ab. Bei der Meraner Zusammenkunft lenkte er meine Aufmerksamkeit auf die Ausnützung einiger Leute. Er sprach zu mir über Rosengolz...

WYSCHINSKI: Mich interessiert nur Rosengolz, der ein Angeklagter in der vorliegenden Sache ist. Was sagte er Ihnen über Rosengolz?

KRESTINSKI: Über Rosengolz sprach mit mir zuerst noch Sedow im Jahre 1925, er ersuchte mich, Rosengolz den Inhalt des Gespräches mitzuteilen. Und 1933 sagte er, dass sich Rosengolz bisher in keiner Weise zeige. Indessen sei Rosengolz ein sehr aktiver, allgemein gesprochen, beharrlicher und zäher Mensch und ein Mensch, der große Verbindungen sowohl auf Grund seiner militärischen Arbeit als auch seiner Parteiarbeit als auch seiner Arbeit an der Front mit den verschiedenen Kreisen der ehemaligen Trotzkisten und überhaupt mit breiten Kreisen habe, und dass er in dieser Hinsicht, in Bezug auf Kenntnis von Leuten, nur Serebrjakow nachstehe. Aber Serebrjakow sei ein abgesägter Mensch, der keine Verbindungen habe, Rosengolz aber ein Mensch, der Verbindungen mit Leuten habe, ein einflussreicher Mensch, und es sei nötig, ihn in dieser Frage zu aktivisieren, ihn zur Arbeit heranzuziehen. Und außerdem sprach er von der Notwendigkeit für Rosengolz, in seinem Amt auch Schädlingstätigkeit zu entfalten.

WYSCHINSKI: Teilten Sie dies Rosengolz mit?

KRESTINSKI: Ich teilte es Rosengolz mit.

VORSITZENDER: Unterbrechung auf eine halbe Stunde.

 

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Die Sitzung wird fortgesetzt, bitte sich zu setzen.
Angeklagter Krestinski, ich ersuche Sie, fassen Sie sich bitte kürzer, berühren Sie nicht die Umstände, die Sie schon behandelt haben.

KRESTINSKI: Ich muss aber die Folgen meiner Handlungen nach der Rückkehr aus dem Auslande darlegen. Nach der Rückkehr informierte ich sofort Pjatakow und Rosengolz über meine Unterredungen. Pjatakow sprach mit Tuchatschewski und Rudsutak. Vielleicht sprach er auch mit anderen Rechten, vielleicht auch mit Gamarnik, ich weiß es nicht, er teilte mit, dass er mit Tuchatschewski und Rudsutak gesprochen habe.
Im Februar 1934 traf ich mit Tuchatschewski und Rudsutak zusammen und übermittelte ihnen den Inhalt des Gesprächs; von beiden erhielt ich die prinzipielle Bestätigung, die Anerkennung der Linie auf eine Verständigung mit den fremden Staaten, auf ihre militärische Hilfe, auf die defätistische Einstellung, auf die Schaffung einer inneren vereinigten Organisation. Sie erklärten sogar, dass die Frage für sie nicht im Prinzip liege, sondern in der Notwendigkeit, Klarheit über ihre Kräfte zu bekommen, und dass daraufhin an Pjatakow als Hauptvertreter der trotzkistischen Organisation in der UdSSR eine endgültige Antwort erfolgen würde.
Noch vor Erhalt der Mitteilung von Pjatakow, dass die Sache schon angekurbelt und das Abkommen abgeschlossen sei, begann ich ebenfalls schon bei mir im Volkskommissariat Kräfte auszuwählen und zu vermerken, auf wen ich mich im Falle eines konterrevolutionären Umsturzes stützen kann, obgleich es für mich klar war, dass der Umsturz nicht eine Sache der nächsten Zukunft und selbst nicht der nächsten ein bis zwei Jahre sei, da man nun einmal diese Sache und den Beginn des Krieges mit Deutschland verknüpft hatte, und, wie man annahm, auch gleichzeitig mit Japan, da Deutschland nicht ohne Japan vorgehen werde, sie werden gemeinsam vorgehen. Anfang 1935 teilte Pjatakow mit, dass ein Übereinkommen vorhanden sei, er nannte die Zusammensetzung des Zentrums, die ich schon gestern anführte, und teilte mit, dass ich und Rosengolz, ohne dem Zentrum anzugehören, unter seiner Leitung, hauptsächlich bei der Auswahl und Vorbereitung des zukünftigen Regierungsapparates arbeiten werden. Dies war eine Arbeitsteilung. Wir erhielten die Anweisung, dass wir in dieser Angelegenheit mit Rudsutak seitens der Rechten und mit Tuchatschewski verbunden sein werden. Von Rudsutak behielt ich einen Eindruck. Aber Rosengolz nahm aktiven Anteil daran. In der Folgezeit berichtete er mir von seinen Begegnungen mit Rykow. Überhaupt waren Rykow und Rudsutak von den Rechten und Tuchatschewski von den Militärs. Die Sache war nicht so, dass ich die Verbindungen mit Tuchatschewski kenne, Rosengolz aber nicht; gemäß der Arbeitsteilung übernahm er hauptsächlich die Verbindung mit den Rechten, obwohl ich mich mit Rudsutak traf, mit Tuchatschewski aber hauptsächlich ich, jedoch auch er. Er sprach über die Zusammenkunft im Jahre 1937, ich hatte auch auf Grund der Worte von Rosengolz den Eindruck, dies habe ich beim Verhör ausgesagt, dass er an einer der ersten Zusammenkünfte im Landhaus von Rudsutak nicht teilgenommen hatte.
Aber da Rosengolz später, bei der Gegenüberstellung, und auch hier ausführte, dass er mit Tuchatschewski zum ersten Mal im Jahre 1937 zusammenkam und ich auf Grund der Angaben von Rosengolz gesprochen hohe, so ist es offensichtlich so gewesen.
Jetzt bezüglich der Festsetzung für Termine der Aktion. Vom Augenblick meiner Zusammenkunft in Meran an galt es als unumstößlich beschlossen, die Aktion zum Kriegsbeginn anzuberaumen und dass wir deswegen hier in der Sowjetunion selbständig die Termine der Aktion Tuchatschewskis nicht bestimmen können und nicht bestimmten. Diese Frage ging über den Rahmen meiner und Rosengolz Zuständigkeit hinaus; wir waren mit Tuchatschewski, Rudsutak und Rykow verbunden, aber in Fragen der hohen Politik und über die Termine der Aktion besprachen wir uns mit Pjatakow.
Da die Frage nicht zur Diskussion stand, kam ich bis Herbst 1936, bis zur Verhaftung Pjatakows nicht in die Lage, über dieses Thema mit Tuchatschewski oder mit Rosengolz zu sprechen. Wir warteten auf den Kriegsbeginn, warteten auf den Überfall.
Als Bessonow nach der Verhaftung von Pjatakow und Radek nach Berlin reiste, benutzte ich seine Abreise, um eine mündliche Information an Trotzki zu übermitteln, dass ich im Einverständnis mit Rosengolz und Rudsutak die Lage wie folgt beurteile: Wir sind der Meinung, dass ziemlich viel Trotzkisten verhaftet wurden, aber nichtsdestoweniger die Hauptkräfte dieses sowjetfeindlichen Abkommens - die Trotzkisten, Rechten und militärischen Verschwörer noch nicht angetastet, nicht zertrümmert sind, dass die Aktion stattfinden kann und dass zu diesem Zwecke das Zentrum die auswärtigen ausländischen Aktionen beschleunigen muss. Das war im Oktober 1936. Aber Lande November 1936, auf dem VIII. Außerordentlichen Sowjetkongress, hatte Tuchatschewski eine erregte ernste Unterredung mit mir. Er sagte: Das Hochfliegen hat begonnen und es besteht kein Grund zur Annahme, dass die Sache mit den Verhaftungen, die erfolgt sind, ihr Bewenden haben wird. Es ist offensichtlich, dass eine weitere Zertrümmerung der Rechten und Trotzkisten folgen wird. Die Entfernung Jagodas aus dem Volkskommissariat zeigt, dass es sich hier nicht nur um eine Unzufriedenheit mit seiner ungenügend aktiven Arbeit im Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten handelt. Offensichtlich liegt hier ein politisches Misstrauen gegen ihn, Jagoda, vor, nicht gegen Jagoda einfach als früheren Volkskommissar für Innere Angelegenheiten, sondern als aktiven Rechten, als Teilnehmer des vereinigten Zentrums, und vielleicht wird man das herausbekommen. Und wenn man das herausbekommt, dann wird man auch auf die Militärs kommen, dann ist es aus mit der Aktion. Er zog daraus die Schlussfolgerung: Man kann auf die Intervention nicht warten. Man muss selbst handeln. Selbst beginnen, das ist schwer, das ist gefährlich, dafür aber gibt es Chancen auf Erfolg. Die militärische Organisation ist groß, vorbereitet, und mir scheint es, man muss handeln. Und darüber müsse man eine Antwort zu erhalten suchen.
Und so ersuchte er, ihm im Namen unserer Organisation eine Antwort zu geben und wenn ich es könnte, es den Rechten mitzuteilen, damit er sich nicht selbst diesbezüglich mit den Rechten in Verbindung setzen müsse. Ich sprach damals über diese Sache mit Rosengolz. Mit Gamarnik, scheint mir, haben wir damals nicht gesprochen. Tuchatschewski sprach nicht nur in seinem eigenen Namen, sondern auch im Namen der konterrevolutionären militärischen Organisation. Gamarnik war an der militärischen Organisation und als Vertreter der Militärs am allgemeinen Zentrum beteiligt. Ich sprach mit Rosengolz, daraufhin mit Rudsutak und wir gelangten zu dem Ergebnis, dass Tuchatschewski recht hatte, dass die Sache keinen Aufschub mehr duldete; wir beschlossen, bei Trotzki anzufragen. Ich vermied es, in solchen Fragen eine Korrespondenz zu führen und zog mündliche Übermittlung vor. Ich sandte durch Bessonow mit der diplomatischen Post einen Brief an Trotzki. Im Brief war die Rede von der Aufhebung der Richtlinie bezüglich der unbedingten Verknüpfung unserer inneren Aktionen mit dem Krieg. Ich sprach von der Notwendigkeit, die Aktion zu beschleunigen. Im selben Brief stellte ich Trotzki ohne Einverständnis mit Tuchatschewski und den anderen auch einige andere Fragen für den Fall seiner positiven Antwort. Es war mir klar, dass man bei einer solchen Aktion die wahren Ziele des Umsturzes verheimlichen müsse, dass man sich an die Bevölkerung, die Armee und die fremden Staaten wenden müsse, und deshalb stellte ich die Frage so, dass es erstens richtig wäre, in unserem Aufruf an die Bevölkerung nicht davon zu sprechen, dass unsere Aktion auf den Sturz des bestehenden sozialistischen Systems gerichtet ist. Wir gingen auf die Wiederherstellung der kapitalistischen Verhältnisse in der UdSSR und auf territoriale Konzessionen an die bürgerlichen Staaten aus, mit denen wir bereits Abkommen darüber geschlossen hatten. Dem Sowjetvolk dies offen zu erklären, wagten wir nicht. Ich stellte vor Trotzki die Frage, dass wir entsprechende Aufrufe an die Bevölkerung und Armee erlassen werden, in denen wir alle Fragen, die mit den wahren Zielen des Umsturzes im Zusammenhang stehen, umgehen werden, das heißt, wir werden die Bevölkerung betrügen und unter der Maske von sowjetischen Umstürzlern auftreten: wir stürzen eine schlechte Sowjetregierung und bilden eine gute Sowjetregierung, was genau auch...

WYSCHINSKI: Solche Erwägungen haben Sie dort angestellt?

KRESTINSKI: So wollten wir uns an die Bevölkerung wenden, so wollten wir sprechen, aber im Innern dachten wir anders. Ferner wurde beschlossen, dass wir in den Botschaften an die auswärtigen Staaten nicht davon sprechen werden, dass wir auch die ganze Grundlage des Staates verändern und dass wir mit bestimmten territorialen Konzessionen einverstanden sind und im Aufruf an die Bevölkerung, die Armee und in den Botschaften an die auswärtigen Staaten werden wir erklären, dass wir eine Friedenspolitik führen, die Rüstungen verringern usw., nichtsdestoweniger aber die Grenzen der Sowjetunion verteidigen werden und eine gewaltsame Lostrennung dieser oder jener Teile der Sowjetunion nicht dulden werden.
In meinem Briefe fragte ich Trotzki um seine Meinung zur Frage der Auflösung der Sowjet- und Kollektivwirtschaften. Mir schien es, dass die kollektivwirtschaftliche Form sich in den Augen der Kollektivbauern wirtschaftlich vom Standpunkt der Produktivität der Arbeit gerechtfertigt hat und ich dachte, dass es besser sein werde, zeitweise diese Form beizubehalten und die Verhältnisse innerhalb der Kollektivwirtschaften in gewisser Hinsicht zu ändern, tun es möglich zu machen, dass sich dort eine Oberschicht herausbildet. Deswegen dachte ich, dass es jedenfalls nicht angebracht ist, In dieser Frage scharf aufzutreten.
Diesen Brief übermittelte Bessonow an Trotzki, der sich damals noch in Norwegen befand. Damals hatte ich die Vorstellung, dass Bessonow dies auf die Weise tat, dass er Sedow zu sich rief, aber wie es sich erweist, sandte er diesen Brief durch Reich-Johanson, und auf diesen Brief traf eine Antwort ein. Trotzki antwortete, dass er einverstanden sei.

WYSCHINSKI: Wann erhielten Sie die Antwort?

KRESTINSKI: Diese Antwort kam wahrscheinlich Ende Dezember oder Anfang Januar. Es fällt mir schwer, jetzt das genaue Datum zu nennen. Die Unterredung hatten wir im November auf dem Kongress, den Brief sandte ich Anfang Dezember, die Antwort traf offensichtlich Ende Dezember oder vielleicht Anfang Januar ein...

WYSCHINSKI: Oder vielleicht Mitte Dezember?

KRESTINSKI: Nein, Mitte Dezember konnte es den Fristen gemäß noch nicht sein: Bevor der Brief nach Norwegen kam, bevor die Antwort eintraf... Es erwies sich, dass Trotzki auf seine eigene Initiative hin die Frage der Beschleunigung der Aktion aufgerollt hatte und diese Richtlinie in einem Brief an Rosengolz auf einem anderen, einem Umweg, geschickt hatte.
Rosengolz erhielt diesen Brief ungefähr zur gleichen Zeit oder etwas später (mir scheint durch Schostak). Und so begann denn auch nach Erhalt dieser Antwort eine mehr unmittelbare Vorbereitung der Aktion - Tuchatschewski bekam die Hände frei, er erhielt eine Carte blanche, diese Sache sofort in die Hand zu nehmen. Ungefähr Anfang Februar vollzieht sich die formelle Durchführung meines und Rosengolz’ Eintritt in das Zentrum. Im November mussten Rosengolz, ich und Gamarnik die Führung der trotzkistischen Organisation auf uns nehmen. Pjatakow war nicht mehr da, Radek auch nicht mehr. Wir mussten die Unterredungen mit Tuchatschewski und Rudsutak führen, ohne jemanden auf der trotzkistischen Linie darüber zu berichten, da wir niemand über uns hatten, der uns Anweisung gegeben hätte, keine uns führenden Leute, mussten wir die Korrespondenz unmittelbar mit Trotzki führen, und schon nicht mehr über Pjatakow, wie das vorher zu Lebzeiten Pjatakows geschah. Und da dies so war, sagten wir Rudsutak, von nun an solle er uns als die Hauptvertreter der Trotzkisten betrachten, und uns zu dem sich nicht vollzählig versammelnden jedoch weiter bestehenden Zentrum zählen. Tuchatschewski war damals, im Februar nicht da, er war auf Urlaub in Sotschi. Bei der Abreise gab er seinen Gesinnungsgenossen und Gehilfen auf der militärischen Linie die Anweisung - bereitet euch vor. Darauf fand unter uns in der Wohnung von Rosengolz eine Beratung statt, von der Rosengolz erzählt hat. Wiederholen werde ich vor Gericht die Darstellung des Wesentlichsten nicht, weil Rosengolz es schon ziemlich genau wiedergegeben hat. Bei dieser Beratung wurde die zweite Maihälfte als Termin für die Aktion ausersehen. Aber Anfang Mai stellte es sich heraus, dass Tuchatschewski nicht nach London fährt. Zu dieser Zeit kehrte Rudsutak aus Mittelasien zurück. Nach Rudsutaks Rückkehr und nachdem es klar war, dass Tuchatschewski nicht nach London geht, erklärte er, diese Aktion in der ersten Maihälfte durchführen zu können. Seit 1935 hatte ich Verbindung mit drei verantwortlichen Funktionären der Moskauer Parteiorganisation, die versteckte Trotzkisten waren - Postolowski, Furer und Koritny, die sich damit beschäftigten, dass sie in den verantwortlichen Moskauer Gebiets- und städtischen Funktionen versteckte Trotzkisten unterbrachten, den Kontakt mit der Partei im Moskauer Maßstabe unterhielten und von mir erfuhren, dass der Moment eintreten kann, eine bestimmte Beförderung der Leute auch in den zentralen Apparat durchzuführen, wenn dies notwendig sein wird.
Ich stellte mit ihnen die Verbindung her und sagte, dass die Aktion heranrückt und dass es deswegen notwendig ist, Listen der Leute in Moskau aufzustellen, die man im Moment der Aktion verhaften und von ihren Posten wird entheben müssen, und Listen der Leute, die man auf diese freigewordenen Plätze ernennen können wird. Da damals in Moskau eine ganze Reihe von Moskauer Rayonkonferenzen stattfanden und mannigfache Veränderungen eintraten, wurde festgesetzt, dass ich die entsprechenden Listen ungefähr am 12. Mai bekommen könne. Aber in den ersten Tagen des Mai begann die Zertrümmerung der konterrevolutionären Organisation, wurden die Veränderungen in der Armee veröffentlicht, Gamarnik vom Posten des ersten Stellvertreters des Volkskommissars, Tuchatschewski vom Posten des zweiten Stellvertreters des Volkskommissars enthoben, Tuchatschewski nach Samara versetzt, Jakir von Kiew, Uborewitsch von Belorussland versetzt, wurden Kork und Eidemann verhaftet. Es wurde klar: die Aktion wird unmöglich; so dass die Frage darüber, dass der Umsturz Mitte Mai erfolge, ausgesprochen indiskutabel wurde.
Ich begann mich auf die Verhaftung vorzubereiten, sprach mit Rosengolz. Rosengolz erwartete sein Hochfliegen nicht und übernahm die Fortführung der Verbindungen mit Trotzki. Auch die Moskauer verständigte ich, dass sie im Falle meines Hochfliegens die Verbindung mit Rosengolz aufnehmen müssen. Einige Tage darauf wurde ich verhaftet. Ich will meine Aussagen etwas ergänzen. Ich habe nicht von meinen Verbindungen mit Trotzki nach meiner Rückkehr aus dem Ausland gesprochen. Diese Verbindungen wurden über Berlin und durch Bessonow unterhalten und erst als Trotzki nach Oslo übersiedelte, durch unseren Gesandten in Oslo, Jakubowitsch, dessen Name ich als Vermittler meiner Begegnung mit Sedow im Jahre 1929 genannt habe.
Im Herbst 1935 machte Trotzki durch Jakubowitsch uns allen den Vorwurf ungenügender Aktivität. Die Rede war hier nicht von Aktivität im Sinne der Beschleunigung des Umsturzes, da dieser mit auswärtigen Umständen und dem Kriegsbeginn verknüpft war, sondern im Hinblick auf die Entfaltung der terroristischen und Diversionstätigkeit. Dies teilte ich allen leitenden Genossen mit.
Hierauf war Pjatakow im Ausland und Bessonow vermittelte eine bedeutende Anzahl von Briefen. Nicht wenige Briefe gingen auch von Pjatakow ein, die hauptsächlich durch Bessonow, manchmal durch Jakubowitsch übermittelt wurden, und als letzterer im Winter 1935 abreiste, wurde durch ihn die Nachricht von der Lage übermittelt, in die wir geraten waren. Durch Bessonow übermittelte ich 1934 die Resultate meiner Unterredungen mit Rosengolz, Rudsutak und Tuchatschewski. Durch Bessonow teilte ich mit, dass das Komitee 1935 gebildet wurde, obwohl wahrscheinlich Pjatakow früher als ich davon wusste, aber ich hielt es auch für meine Pflicht, dies mitzuteilen.
Zur Frage der terroristischen Tätigkeit. Rosengolz hat hier die Wahrheit gesprochen, dass diese Sache zentralisiert war und dass sich Smirnow mit ihr beschäftigte. Bald wurde er verhaftet und nun beschäftigte sich mit dieser Sache Mratschkowski. Später gingen diese Fragen auf Pjatakow über, als Pjatakow jedoch nicht mehr da war und diese Sache ohne Leitung war. nahm sie Gamarnik in seine Hände.
Bei meiner Begegnung mit Tuchatschewski bestand dieser darauf, dass vor der konterrevolutionären Aktion einige terroristische Akte durchgeführt werden. Ich und Rosengolz hatten Zweifel, aber nicht prinzipiellen Charakters, sondern Zweifel über die politische Zweckmäßigkeit. Wir waren der Meinung, dass diese terroristischen Akte vor dem Umsturz ausgeführt, eine weniger günstige Situation für die Aktion, die Aufmerksamkeit sowohl der Regierung wie der Arbeitermassen und der Roten Armee hervorrufen würden, und dass außerdem die Folge des einen oder anderen terroristischen Aktes radikale Vergeltungsmaßregeln gegen viele Verhaftete sein könnten, auf die wir als auf unsere Kader zählten. Wir rechneten damit, dass wir, wenn während des Umsturzes das Gebäude des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten und die Gefängnisse in unsere Hand fallen werden, wir eine ganze Reihe verantwortlicher Leute, darunter in erster Linie Pjatakow bekommen könnten, die wir für die Leitung der Arbeit brauchen werden können. Da Tuchatschewski auf terroristische Akte, vor allem gegen Molotow und Woroschilow, bestand, gaben wir unsere Zustimmung und erklärten ihm, dass er Terroristen zur Ausführung der Akte bekommen wird. Gamarnik, der in dieser Frage zwei Eisen im Feuer hatte - er handelte gleichzeitig sowohl im Auftrage der militärischen Organisation wie im Auftrag unserer Organisation -, sagte uns, dass auch er Praktiker zur Ausführung terroristischer Akte ausersehen habe.
Dies ist, scheint mir, alles, was ich von meiner Tätigkeit und von der Tätigkeit der Leute sagen kann, die mit mir in der terroristischen illegalen Organisation, in der Verschwörer- und Verrätertätigkeit verbunden waren.

WYSCHINSKI: Bekennen Sie sich jetzt, nach all Ihren Schwankungen und widerspruchsvollen Erklärungen, die hier vor Gericht gemacht wurden, der gegen Sie erhobenen Anklagen schuldig?

KRESTINSKI: Ja, ich bekenne mich schuldig.

WYSCHINSKI: Gestehen Sie ein, dass Sie im Verlauf unserer ganzen Revolution einer der aktivsten und nächsten Teilnehmer der trotzkistischen Organisation waren?

KRESTINSKI: Nicht für Verlauf der ganzen Revolution, sondern vom Jahre 1921 ab.

WYSCHINSKI: Bekennen Sie sich dessen schuldig, dass Sie seit denn Jahre 1921 systematisch denn deutschen Spionagedienst Spionageinformationen übermittelten?

KRESTINSKI: In der Tat begann ich damit seit 1923, obwohl eine Vereinbarung für Jahre 1922 getroffen wurde.

WYSCHINSKI: Das ist jener Streit um Daten, den wir hatten.

KRESTINSKI: Es ist nicht ein Streit um Daten, ich werde in der geschlossenen Sitzung darüber genauer aussagen.

WYSCHINSKI: Nun gut. Jedenfalls gestehen Sie heute ein, deutscher Spion mit hohem Dienstalter zu sein, das Sie seit mindestens 1923 rechnen, und wir seit 1921.

KRESTINSKI: Faktisch seit dem Jahre 1923, obwohl eine Vereinbarung seit dem Jahre 1922 bestand. Als ich mich mit der trotzkistischen Organisation diesbezüglich geeinigt hatte, war meines, Erachtens das Verbrechen bereits verübt.

WYSCHINSKI: Bekennen Sie sich dessen schuldig, dass Sie ein aktiver Teilnehmer des Blocks der Rechten und Trotzkisten waren?

KRESTINSKI: Ja, ich war ein aktiver Teilnehmer des Verschwörerblocks der Rechten und Trotzkisten.

WYSCHINSKI: Von dem Moment ab, als der Block sich gebildet hatte.

KRESTINSKI: Er bildete sich etwas früher. Ich trat ihm etwas später bei, aber ich war seit dem Moment meiner Begegnung mit Trotzki bereit, dem Block beizutreten.

WYSCHINSKI: Aber unterschied sich Ihre Tätigkeit bis zu Ihrem Beitritt zum Block wenig von der Tätigkeit des Blocks? Näherte sich Ihre Organisation mehr und mehr jenen Hauptaufgaben, die später in das Programm des Blocks aufgenommen wurden?

KRESTINSKI: Ja, ja. Seit Anfang 1935 bin ich Teilnehmer dieser Organisation.

WYSCHINSKI: Weiter, nicht nur Teilnehmer, sondern einer der Organisatoren der Verschwörung gegen die Sowjetmacht?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Also Sie gestehen es ein?

KRESTINSKI: Ja. Nicht Mitglied der zentralen Gruppe bis zum Jahre 1937, sondern einer der Teilnehmer.

WYSCHINSKI: Aber Sie waren Mitglied der Gruppe beim Zentrum?

KRESTINSKI: Ja. Ich war Mitglied der Gruppe beim Zentrum.

WYSCHINSKI: Bereiteten Sie ferner unmittelbar den antisowjetischen Staatsumsturz in der UdSSR vor, und waren Sie Teilnehmer an der Vorbereitung des Planes zu einem solchen?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Durch bewaffneten Aufstand, verstärkt durch terroristische Akte...

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Auf die Einbeziehung der UdSSR in den Krieg und auf die Niederlage der UdSSR rechnend.

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Mit allen jenen politischen Folgerungen, die aus dieser Tatsache entstehen könnten.

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Bekennen Sie sich auch dessen voll und ganz schuldig?

KRESTINSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Und endlich, dass Sie einer der Teilnehmer an der Beratung und der Vorbereitung terroristischer Akte gegen Genossen Stalin, Genossen Molotow und Genossen Kaganowitsch waren.

KRESTINSKI: Ich gestehe.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen nicht bekannt, ob auch Ihr Mitverschwörer Rosengolz außer Gamarnik die besondere Aufgabe auf sich nahm, einen terroristischen Akt auszuführen?...

KRESTINSKI: Nein.

WYSCHINSKI: Außer Gamarnik, der die Aufgabe auf sich nahm, diesen Akt zu organisieren?

KRESTINSKI: Ich habe von ihm darüber nichts gehört.

WYSCHINSKI: Hat er sich Ihnen gegenüber darüber nicht ausgesprochen?

KRESTINSKI: Nein.

WYSCHINSKI (zum Vorsitzenden): Darf man den Angeklagten Rosengolz befragen?

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI: Angeklagter Rosengolz, hatten Sie persönlich den verbrecherischen Gedanken, einen terroristischen Akt gegen irgendjemand von den Führern der Sowjetregierung auszuführen?

ROSENGOLZ: Ja, ich habe darüber ausgesagt und bestätige es.

WYSCHINSKI: Beabsichtigten Sie persönlich, diesen terroristischen Akt durchzuführen?

ROSENGOLZ: Ja.

WYSCHINSKI: Vielleicht sagen Sie, gegen wen?

ROSENGOLZ: Gegen Josif Wissarionowitsch Stalin, wie ich in der Voruntersuchung ausgesagt habe.

WYSCHINSKI: Ich habe an Krestinski keine weiteren Fragen.

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