PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

ABENDSITZUNG VOM 5. MÄRZ 1938

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN IKRAMOW

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen. Die Sitzung wird fortgesetzt.
Angeklagter Ikramow, bestätigen Sie die in der Voruntersuchung gemachten Aussagen?

IKRAMOW: Ich bestätige sie voll und ganz.

VORSITZENDER: Erzählen Sie kurz von Ihrer sowjetfeindlichen Tätigkeit.

IKRAMOW: Den Weg sowjetfeindlicher Aktionen betrat ich im Jahre 1928. Allerdings war ich bereits im September 1918 in eine legale Jugendorganisation von nationalistischem Typus eingetreten. Der trotzkistischen Opposition schloss ich mich 1923 an.
1928 war ich faktisch einer der Leiter der konterrevolutionären nationalistischen Organisation, die dem Wesen nach eine national-faschistische war. Diese Organisation hieß „Milli Istiklal“, was „Nationale Unabhängigkeit“ bedeutet. Die Bezeichnung besagt alles. Was für eine andere Unabhängigkeit kann man schon unter der Sowjetmacht anstreben, als die Unabhängigkeit durch die bürgerliche Restauration? An dieser Organisation habe ich mich beteiligt. Wir kämpften für die bürgerliche Unabhängigkeit. Gestern sprach ich über die unmittelbare Führung. Die Führung bestand in folgendem. Wir konnten damals nicht zu irgendwelchen großen Aktionen schreiten, man musste erst Kräfte sammeln, Kader vorbereiten und zu diesem Zweck solche Leute in die Hochschulen aufnehmen, die in der Zukunft unsere treuen Kader werden würden, das heißt, wir wählten dafür die Jugend aus einem der Sowjetmacht fremden sozialen Milieu aus. Indem wir diese Leute vorbereiteten, rechneten wir darauf, durch sie den Sowjet- und Parteiapparat an uns zu reißen, damit wir im notwendigen Moment imstande wären, mit ihnen einen Umsturz durchzuführen. Unmittelbar aber hatten wir uns damals diese zwei Aufgaben gestellt und keine weiteren Aufgaben. Aus dem Material, das ich in der Voruntersuchung sowohl im Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten wie auch in der Staatsanwaltschaft gegeben habe, kann man sicherlich ersehen, dass die Organisation im Moment ihrer Gründung und zwei, drei Jahre nachher nicht das war, was sie heute ist; denn in dem Maße, wie die Sowjetmacht wuchs und sich festigte, in dem Maße, wie sich in dieser nationalistischen konterrevolutionären Organisation Kader ansammelten, traten zu den Aktionen dieser Organisation neue Momente des Kampfes gegen die Sowjetmacht hinzu.
1930 wurden, in Verbindung mit der Ermordung von Abid Saïdow durch eine Gruppe der Jugend dieser Organisation einige Leute, 7-8 Mann, verhaftet. Ich erfuhr davon in Kislowodsk. Nach meinem Eintreffen in Moskau ging ich in die Vereinigte Staatliche Politische Verwaltung und erfuhr die Ursachen der Verhaftung. Kaut oder Kawal, ich erinnere mich nicht, und Sobolew informierten mich über den Mord und über die Verhaftung. Danach kam ich zu dem Schluss, dass ihr Hochfliegen bereits eine vollzogene Tatsache ist und dass man die übrig gebliebenen Leute schützen muss.
Auf welche Weise konnte man sie schützen? Einfach zu sagen, sie wären unschuldig, wäre lächerlich gewesen, auf diese Weise konnte man sie nicht verteidigen. Deshalb begannen wir eine doppelzünglerische Linie durchzuführen, das heißt, ich, Karymow, Rachimi traten in der Parteiorganisation mit einer Entlarvung dieser Leute auf. Und so gelang es uns, die übrigen Kader zu erhalten.
Indessen begnügte ich mich damit nicht, und 1932 (ich weiß nicht, ob das Jahr eine Bedeutung hat) begann ich mich um die Befreiung einiger Verhafteten aus dieser Gruppe, Ramsi, Katschimbek, Nasirow und andere mehr, zu bemühen.

WYSCHINSKI: Und Batu?

IKRAMOW: Wegen dieses unmittelbar Beteiligten machte ich keine Vorstellungen, ich war gegen ihn etwas erbittert, weil er sich auf den Weg des Terrors begeben hatte, als man dies nicht tun sollte und es ein Schlag für unsere Organisation war. Ich war der Auffassung, dass er durch seine Handlungen den Ast absägt, auf dem wir sitzen. So schätzte ich sein Verhalten ein. Es gelang mir, die Befreiung von Ramsi durchzusetzen.

WYSCHINSKI: War Ramsi mit Batu zusammen an diesem Mord beteiligt?

IKRAMOW: Nein, am Mord nicht, weil er nicht in Usbekistan war.

WYSCHINSKI: Aber Batu war beteiligt?

IKRAMOW: Davon habe ich schon gestern gesprochen. Ich kann nur auf der Grundlage von offiziellem Material sprechen.

WYSCHINSKI: Aber Ramsi wurde doch damals als Mitglied Ihrer Organisation entlarvt?

IKRAMOW: Ich erinnere mich nicht. Katschimbek und Nasirow wunden entlarvt.

WYSCHINSKI: Aber Nasirow war am Mord beteiligt?

IKRAMOW: Nein.

WYSCHINSKI: Und wer von ihnen war am Mord beteiligt?

IKRAMOW: Ich kann es nur auf Grund des offiziellen Materials sagen. Von den Beteiligten an diesem Mord erinnere ich mich an: Batu, Saïdow...

WYSCHINSKI: Ist das Nassyr Saïdow?

IKRAMOW: Ja, Nassyr Saïdow. Es scheint, Sadyr Kadyrow war beteiligt, an die übrigen erinnere ich mich nicht.

WYSCHINSKI: Waren das alles Mitglieder dieser Organisation?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Deren Mitglied auch Sie waren?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie haben sich im Einverständnis mit den anderen Mitgliedern der Organisation für sie eingesetzt?

IKRAMOW: Ich muss sagen, dass ich in den Fragen, die Schädlingsaktionen zugunsten unserer Organisation betrafen, die anderen schon nicht mehr um ihre Meinung fragte. Es ist Ihnen bekannt, Bürger Staatsanwalt, und Sie selber verstehen es, dass mein Verbrechen noch schwerer dadurch wird, dass ich als früherer Sekretär des ZK Usbekistans großes Vertrauen bei der Führung der Partei und der Sowjetmacht genoss. Ich nützte dies aus und ging selbständig vor.

WYSCHINSKI: Sie berieten mit den anderen Mitgliedern Ihrer Organisation, mit Karymow, Schir-Muchamedow und andern die Frage des Terrors, der Taktik usw.

IKRAMOW: Als ich sah, dass die Organisation zusammenbricht, rief ich Karymow und Schir-Muchamedow zu mir und sagte ihnen, dass man Kräfte sammeln und entschlossen vorgehen muss, dass man wirkliche Arbeit leisten muss.

WYSCHINSKI: Und bezüglich des Terrors?

IKRAMOW: In Verbindung damit berieten wir die Frage des Terrors und kamen zu dem Schluss, dass uns Terror gegenwärtig keinen Nutzen bringt.

WYSCHINSKI: Vorläufig keinen Nutzen bringt?

IKRAMOW: Keinen Nutzen bringt. Vorläufig müssen wir ein Programm für die Sammlung der Kräfte in der damaligen Zeit haben, um so mehr als Abid Saïdow nicht einen Menschen aus unserer Organisation entlarvt hatte, sondern umgekehrt Ikramow vor Gericht gelobt hatte. Und ihn sollten die Milli-Ittidichadisten ermorden. Das empörte mich furchtbar, dieses Verhalten gegenüber Abid Saïdow: wir hatten damals beschlossen, uns mit Terror nicht zu befassen, die Kräfte zu sammeln und über den Rahmen des Programms, das ich dargelegt habe, nicht hinauszugehen.

WYSCHINSKI: Das heißt, sich mit dem Terror aus taktischen oder aus prinzipiellen Gesichtspunkten nicht zu befassen?

IKRAMOW: Sowohl aus prinzipiellen wie aus taktischen. Das Prinzip war, dass wir durch einzelne Terrorakte unsere Ziele niemals erreichen werden.

WYSCHINSKI: Aber wie sollte man handeln?

IKRAMOW: Ich sprach dort geradeheraus. Hier wollte ich absichtlich nicht sprechen. Ich sagte, dass man die bolschewistische Taktik der Eroberung der Massen einschlagen muss.

WYSCHINSKI: Der Massen? Sie wollen die Massen erobern? Aber die Massen zu erobern, das gelang Ihnen nicht.

IKRAMOW: Ich bitte sehr, mit meiner russischen Sprache Nachsicht zu haben. Ich will zuerst die Sache darlegen, damit Sie dann Fragen stellen, wie an Scharangowitsch.

WYSCHINSKI: Ich werde mich bemühen, Sie hei der Darlegung nicht zu stören, sondern Sie im Gegenteil nur zu unterstützen. Mich interessiert folgendes. Die allgemeine Frage des Terrors ist die eine Sache, aber nun zu denn, was Abid Saïdow tat, dazu, ob man gegen die lokalen Leute, die gegen ihre Organisation handelten, Terror anwenden sollte oder nicht. Wie stand diese Frage?

IKRAMOW: Was Terror anbelangt, so darf man diesen in keinem Falle anwenden.

WYSCHINSKI: Im damaligen Moment, sagen Sie? Damals waren Sie der Meinung, dass Ihnen das nichts nützen wird. Das heißt aus taktischen Erwägungen.

IKRAMOW: Nein, auch aus prinzipiellen.

WYSCHINSKI: Es bringt keinen Nutzen.

IKRAMOW: Ja, nichts nützt und nur die Erreichung des Zieles stört.

WYSCHINSKI: Welches?

IKRAMOW: Einen ermorden wir, aber die Sowjetmacht ist stark, sie deckt uns alle auf.

WYSCHINSKI: Nun also, das ist doch eine taktische Erwägung.

IKRAMOW: Auch eine prinzipielle. Wir wollten das Volk erobern.

WYSCHINSKI: Sie hatten nur ein Prinzip; man solle Sie nicht zerschlagen?

IKRAMOW: Nein, außerdem wollten wir die Massen erobern.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen das gelungen?

IKRAMOW: Ich möchte noch erzählen...

WYSCHINSKI: Nein, antworten Sie zuerst auf meine Frage: ist es Ihnen gelungen, die Massen zu erobern?

IKRAMOW: Nein, das ist uns nicht gelungen.

WYSCHINSKI: Und es wird Ihnen nicht gelingen.

IKRAMOW: Und Gott sei Dank, wenn es nicht gelingen wird.

WYSCHINSKI: Was für Maßnahmen wollten Sie ergreifen, um sich gegen die ehrlichen Bürger, die Sie entlarvten, zu schützen? Warum wurde Abid Saïdow ermordet?

IKRAMOW: Abid Saïdow war ein unehrlicher Mensch. Ich bin überzeugt, dass er ins Gefängnis gekommen oder dass er entflohen war. Er war früher Organisator von Basmatschenbanden.

WYSCHINSKI: Ihrer Meinung nach würde er sitzen, Sie aber sitzen bereits. Also erzählen Sie uns nicht, dass er unehrlich war.

Warum hat man ihn ermordet?

IKRAMOW: Ich teile dies nur auf Grund von offiziellem Material mit.

WYSCHINSKI: Was wissen Sie aus dem offiziellen Material, wofür wurde Abid Saïdow ermordet?

IKRAMOW: Weil er die „Milli Istiklal“ aufgedeckt hat,

WYSCHINSKI: Das heißt, Ihre konterrevolutionäre Organisation?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Das heißt, er handelte als ehrlicher Bürger.

IKRAMOW: Möglich.

WYSCHINSKI: Wieso „möglich“? Ich denke, dass er als ehrlicher Mensch handelte, indem er die konterrevolutionäre Organisation entlarvte. Dafür ist er ja doch umgekommen?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Er ist für die Sowjetmacht umgekommen?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wie erlauben Sie sich dann zu sagen, dass er ein unehrlicher Mensch war?

IKRAMOW: Er war einer der Organisatoren der Basmatschenbanden.

WYSCHINSKI: Was er gewesen war, das ist eine Frage. Aber was ist aus ihm geworden? Er wurde der Mann, der Sie entlarvte.

IKRAMOW: Nein, nicht der Mann, der uns entlarvte.

WYSCHINSKI: Er hat die konterrevolutionäre Organisation entlarvt?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und Sie waren doch auch Mitglied der konterrevolutionären Organisation?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Er war also der Mann, der Sie entlarvte?

Ich frage Sie nun, berieten Sie die Frage, mit welchen Mitteln gegen die Entlarvung Ihrer Organisation gekämpft werden sollte? Was beschlossen Sie diesbezüglich?

IKRAMOW: Wir berieten diese Frage und fassten solchen Beschluss: gegen solche Leute eine Hetze als gegen schlechte Leute zu betreiben, sie aus der Arbeit zu verjagen, damit sie uns nicht schaden konnten.

WYSCHINSKI: Sie als sowjetfeindliche Leute hinzustellen, vielleicht als Nationalisten, eine Hetze gegen sie zu entfalten, mit einem Wort, mit allen möglichen provokatorischen Methoden vorzugehen. Richtig?

IKRAMOW: Richtig.

WYSCHINSKI: Ist das ehrlich?

IKRAMOW: Nein.

WYSCHINSKI: Nun, ich erinnere Sie daran, dass Sie über Abid Saïdow sagten, er sei ein unehrlicher Mensch gewesen. Sie wollten durch dieses Manöver Ihr wirkliches Gesicht verstecken? War das Ihre Taktik?

IKRAMOW: Ja, richtig.

WYSCHINSKI: Und auf diesem Wege wollten Sie Kader sammeln?

IKRAMOW: Richtig.

WYSCHINSKI: Fahren Sie fort.

IKRAMOW: In dem Maße, wie sich die Sowjetmacht stärkte und der Klassenkampf zuspitzte, erhoben sich neue Aufgaben vor uns.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie noch eine Frage. Vielleicht störe ich Sie etwas, aber ich stelle Ihnen noch eine Frage, und dann werde ich versuchen, Sie nicht mehr zu stören. Ich habe folgende Frage: Wann gingen Sie zu dieser provokatorischen Taktik über?

IKRAMOW: Im Jahre 1931.

WYSCHINSKI: Berieten Sie sich aus diesem Anlass mit Ihren Leuten? Sie versammelten sie, Sie gaben ihnen eine solche Direktive?

IKRAMOW: Ja, das war der Fall, diese Direktive gab ich. Im dem Maße, wie sich der Klassenkampf in Usbekistan zuspitzte, erhoben sich neue Fragen, insbesondere die Frage der Kollektivierung. Selenski sprach hier von seiner Losung: „Einholen und überholen.“ Das ist richtig, eine solche Losung wurde aufgestellt. Die Richtlinie Selenskis abwandelnd, gab ich, folgende Richtlinien: Usbekistan ist ein Baumwollgebiet, ein landwirtschaftliches Gebiet, deswegen dürfen wir bei der Kollektivierung nicht hinter den führenden Gebieten der Sowjetunion zurückbleiben. Im Ergebnis davon gab es in einer Reihe von Bezirken Massenaktionen gegen die Kollektivwirtschaften.

WYSCHINSKI: Das heißt, Ihre Losung war eine provokatorische Losung?

IKRAMOW: Ja, diese Losung war eine provokatorische Losung.

WYSCHINSKI: Was war in der Praxis die Folge Ihrer provokatorischen Losung?

IKRAMOW: Es gab Massenaktionen gegen die Kollektivierung.

WYSCHINSKI: Und vor allem einen Schlag gegen die Wirtschaft der Dechkane.

IKRAMOW: Das ist richtig, es war ein Schlag gegen die Dechkane. Es war auch ein Schlag gegen die Kollektivierung und der Ruin der Bauernwirtschaft.

WYSCHINSKI: Später erholte sich die Bauernwirtschaft?

IKRAMOW: Ja, sie erholte sich.

WYSCHINSKI: Wurde dieses, Ihr Manöver entlarvt?

IKRAMOW: Man ließ es nicht zur Auswirkung kommen.

WYSCHINSKI: Man ließ es nicht zur Auswirkung kommen – das heißt, das Manöver wurde entlarvt. Fahren Sie fort.

IKRAMOW: Um die Fruchtwechselfolge umzustoßen, gaben wir eine solche Direktive, dass auf allen künstlich bewässerten Anbauflächen Baumwolle angebaut werden muss. Dadurch blieb das Vieh ohne Futter und. den Dechkanen erlaubten wir nicht, Nährpflanzen- und Gartenkulturen für sich anzubauen. Ich denke dabei an Zucker- und Wassermelonen, Zwiebeln, Mohrrüben und andere wichtige Kulturen. All dies rief unter denn Dechkanen Unzufriedenheit hervor.

WYSCHINSKI: Wie haben Sie diese Unzufriedenheit ausgenützt?

IKRAMOW: Diese Unzufriedenheit konnte nicht zunehmen. Ein Jahr haben wir das durchgeführt, aber im nächsten Jahre schlugen uns Partei und Sowjetmacht auf den Kopf und korrigierten das.

Jetzt möchte ich von dem Block unserer nationalistischen Organisation mit dem Zentrum der Rechten sprechen. Man wollte mich schon 1931 anwerben, zu einem Angehörigen der Rechten machen. Deswegen wurde ich zweimal zu A. P. Smirnow in das Landhaus eingeladen. Das war vor dem XVI. Parteitag: und während des Parteitags.

WYSCHINSKI: Wer lud Sie das erste Mal ein?

IKRAMOW: Das erste Mal, scheint mir, lud mich Smirnow ein, genau kann ich es nicht sagen. Ich fuhr zu Selenski, und erbrachte mich zu Smirnow. Das andere Mal lud mich Antipow ein.

WYSCHINSKI: Heute morgen haben Sie gesagt, dass Selenski Sie eingeladen hat.

IKRAMOW: Ich kann es mit Bestimmtheit nicht sagen.

WYSCHINSKI: Sie wussten, wo sich das Landhaus von Smirnow befindet?

IKRAMOW: Ich weiß, dass es sich im Serebrjany Bor befindet.

WYSCHINSKI: Ich frage Sie nicht, ob Sie es jetzt wissen, sondern ob es Ihnen damals bekannt war.

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Selenski wusste es?

IKRAMOW: Vielleicht wusste er es auch.

WYSCHINSKI: Wer von Ihnen führte also wen?

IKRAMOW: Er mich. In dieser Etappe wurde ich nicht angeworben und stellte auch den Block nicht her. Deswegen denke ich, dass ich unmittelbar zu der konterrevolutionären Verbindung eines Blocks mit den Rechten übergehen kann, die vorhanden war. Eine unmittelbare konterrevolutionäre Verbindung mit den Rechten stellte ich 1933 in Taschkent her. Bucharin kam nach Mittelasien zur Erholung. Vorher hatte ich keinerlei freundschaftliche Beziehungen zu ihm. Er telegraphierte, dass er zur Erholung kommt. Er kam zu mir und wohnte 7-8 Tage bei mir. Wir fuhren zusammen auf die Jagd, ins Landhaus, wir waren immer zusammen. Damals wurden zwischen uns die Verbindungen hergestellt - die organisatorisch-politische Verbindung mit der rechten konterrevolutionären Organisation und mit dem rechten Zentrum. Bucharin begann als erster von der Kollektivierung und von den Kollektivwirtschaften zu reden, und dass dies eine unrichtige Linie sei. Er wiederholte die alte, allgemein bekannte Bucharinsche These von der militär-feudalen Ausbeutung der Bauernschaft.

WYSCHINSKI: 1933?

IKRAMOW: Ja.
Er verglich die Kollektivwirtschaften mit den Frondienst. Weiter sprach er über die Frage der Industrialisierung, die ganze Zeit legte er den Nachdruck auf diese Sache.

WYSCHINSKI: In welchem Sinne legte er den Nachdruck auf diese Sache?

IKRAMOW: Ich wollte darüber nicht sprechen, da die Bucharinsche Auffassung bekannt ist. Weiter sagte Bucharin, dass die Partei und Sowjetmacht eine unrichtige Linie durchführen, dass die Industrialisierung nicht nötig ist, dass die Industrialisierung zum Untergang führt.

WYSCHINSKI: Die Industrialisierung führt zum Untergang?

IKRAMOW: Ja. Außerdem sagte er, dass er an die These Lenin s nicht glaubt, dass die rückständigen Kolonialländer mit der Unterstützung des fortgeschrittenen Proletariats unter Umgehung des Stadiums des Kapitalismus zum Sozialismus gelangen können. Bucharin war der Meinung, dass dies auch in Republiken wie Mittelasien unmöglich ist und dass sie unbedingt durch das Stadium einer normalen Entwicklung des Kapitalismus werden gehen müssen.

WYSCHINSKI: Das heißt, er schlug vor, in Usbekistan den Kapitalismus wieder herzustellen?

IKRAMOW: Ja, eben das. Ich war mit ihm einverstanden, und so warb er mich an. Dabei fragte Bucharin: „Du bist einverstanden?“ „Einverstanden.“ „Wirst du mit uns zusammen wirken?“ „Das werde ich“, sagte ich. Und da sagte ich ihm, dass ich nicht vom heutigen Tage an ein konterrevolutionärer Mensch sei, dass ich kein Neuling, sondern der Leiter einer ebensolchen konterrevolutionären Organisation sei. Ich erzählte ihm von meiner Organisation, und wir kamen überein, dass wir gemeinsam vorgehen werden, dass die politische Linie ein und dieselbe sein soll und dass wir organisatorisch ein und dieselbe Linie als Richtlinie aufstellen. Dann formulierte er unser Übereinkommen folgendermaßen: Das Ziel ist ein und dasselbe. Die Führung der Partei und der Sowjetmacht stürzen und selbst an die Macht zu gelangen, um diese Aufgaben durchzuführen.

WYSCHINSKI: Das heißt?

IKRAMOW: Zur Wiederherstellung des Kapitalismus.

WYSCHINSKI: Im Gesamtmaßstabe?

IKRAMOW: Ja, nicht nur in Usbekistan, sondern in der ganzen Union. Damals sagte er: was ist ihre Taktik? Ich sagte, Sammlung von Kräften und konterrevolutionärer Umsturz, Das Endziel - Losreißung Usbekistans von der Sowjetunion. Er sagte: Eure Mittel sind kleinlich. Ihr wollt warten, bis für die Sowjetmacht ein schwieriger Augenblick eintritt, und dann werdet ihr handeln. Und er führte die Turgenjewschen Worte an, dass der russische Mensch auf Wunder, Überraschungen warte, auf Gott vertraue, dass der russische Mensch auf den Zufall warte. Nein, man müsse besser vorgehen. Wir billigen eure Handlungen in der Frage der Losreißung Usbekistans. In dieser Frage haben sich die Rechten mit den ukrainischen Nationalisten, den belorussischen Nationalisten und mit den Nationalisten anderer Republiken verständigt. Er sagte: andere, und ich fragte ihn nicht nach den anderen. Auf diese Weise wurden wir uns politisch vollständig einig. Dann stellte uns Bucharin eine Reihe von Aufgaben. Die erste Frage war die Schädlingstätigkeit, die zweite Frage der Kulakenaufstand. Diese beiden Fragen verband er derart, dass man ohne Organisierung des bewaffneten Kampfes das Ziel nicht erreichen kann. Er sagte, man müsse die Kulaken organisieren, den religiösen Fanatismus ausnützen, die Geistlichkeit heranziehen und auf diese Weise eine Organisation für den Aufstand schaffen. Was die Schädlingstätigkeit anbelangt, so waren mir seine Hinweise anfangs nicht sehr verständlich. Ich befürchtete, dass, wenn wir, die Leiter, selbst Schädlingsarbeit betreiben werden, morgen das Volk sagen wird, ihr gehört selbst ins Gefängnis. Er antwortete: Ihr seid sonderbare Menschen, wenn ihr glaubt, dass man davon sprechen wird, dass ihr es getan habt. Man muss in jedem solchen Fall sagen, dass dies die Linie der Sowjetmacht ist und somit die Sowjetmacht die Schuld trägt. Das werde helfen, das Volk von der Sowjetmacht abzustoßen. Kulaken gibt es jetzt bei uns wenig, Geistlichkeit ebenso, doch unter ihrer Anführerschaft muss man die breiten Massen organisieren. Wie aber kann man die breiten Massen organisieren, wenn alles gut steht, alles wächst? Es ist dann unmöglich, Unzufriedenheit hervorzurufen, um Gruppen für den Aufstand zu organisieren.
Ich erklärte mich einverstanden. Weiter sagte er, dass das Programm der Rechten auch die Frage des Terrors enthält. Dann führte er direkt die Thesen an, die mir zwei Monate später als Plattform Rjutins über die Beseitigung der Parteiführung bekannt wurden.

WYSCHINSKI: Er erzählte damals schon davon?

IKRAMOW: Ja, ja. Einen Monat später erfuhr ich von dieser Plattform schon in offizieller Weise.

WYSCHINSKI: Und Sie erkannten sie sogleich wieder?

IKRAMOW: Das war dasselbe Programm, das mir Bucharin mündlich auseinandergesetzt hatte, jetzt erhielt ich es in schriftlicher Form. Die Aufgabe des Terrors stellte er nicht direkt. Ferner wies er darauf hin, dass unbedingt Diversions- und Wühlarbeit durchgeführt werden müsse. Das sind die Aufgaben, die er damals stellte. Ich war einverstanden und sagte, dass wir handeln werden. Zuerst zähle ich alle Programmfragen auf und dann, wie wir gehandelt haben.

WYSCHINSKI: Sie nennen das Programmfragen?

IKRAMOW: Das ist das Programm, auf Grund dessen wir handelten.

WYSCHINSKI: Das wurde 1933 entwickelt?

IKRAMOW: Ja, im August oder September.

WYSCHINSKI: Als er einige Tage bei Ihnen zu Gaste war?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Ist das alles, was Bucharin sagte und übermittelte?

IKRAMOW: Das ist alles, dann gab es andere Begegnungen, andere Fragen.

WYSCHINSKI: Dies schon in anderen Jahren?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Ich machte Bucharin fragen. Hatten sie mit Ikramow im Jahre 1933 eine Zusammenkunft?

BUCHARIN: Ja, ich wohnte 1933 einige Tage bei ihm.

WYSCHINSKI: Er erzählt also richtig?

BUCHARIN: Vollkommen richtig.

WYSCHINSKI: Es gab politische Gespräche?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Ikramow legt sie richtig dar?

BUCHARIN: Der Hauptsache nach hielt ich mich an die Rjutinsche Plattform.

WYSCHINSKI: In der Hauptsache legt er die Gespräche richtig dar?

BUCHARIN: Wenn man die Hauptsache sieht.

WYSCHINSKI: Sie schlugen ihm vor, gemeinsam mit Ihnen gegen die Sowjetmacht zu kämpfen?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Ferner sprachen Sie davon, welche Methoden in diesem Kampfe anzuwenden seien?

BUCHARIN: Die Methoden, die im Rjutinschen Programm enthalten sind. Dort war eine Andeutung über den Terror.

WYSCHINSKI: Sie sprachen mit ihm auch über Schädlingstätigkeit?

BUCHARIN: Nein, darüber sprach ich nicht.

WYSCHINSKI: Also, sagt er unrichtig aus?

BUCHARIN: Offensichtlich hat er es durcheinander gebracht.

WYSCHINSKI: Vielleicht sagten Sie das später?

BUCHARIN: Die Sache ist die, dass Ikramow bei der Konfrontierung jedes Gespräch politischen Charakters abstritt. Ich brachte ihn dazu, zu gestehen.

WYSCHINSKI: Es kommt vor, dass einer nicht reden will und dann übertrumpft er einen.

BUCHARIN: Und dann will er übertrumpfen.

WYSCHINSKI: Das kommt vor. Deshalb überprüfen wir es auch.

BUCHARIN: Ich möchte sagen, dass ich nicht bestreite, dass ich alle Richtlinien gegeben habe, dass ich ihn angeworben habe und dass ich ihn als erster für die Organisation der Rechten angeworben habe.

WYSCHINSKI: Das geben Sie zu? Ich stelle die Frage - übertrumpft er nicht, spricht er die Wahrheit?

BUCHARIN: Ja, ja.

WYSCHINSKI: Sie haben ihn als erster für die konterrevolutionäre Organisation der Rechten angeworben?

BUCHARIN: Richtig.

WYSCHINSKI: Zum Kampf gegen die Sowjetmacht?

BUCHARIN: Richtig.

WYSCHINSKI: Sie haben ihn im Rahmen der Rjutinschen Plattform informiert?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Sie bestreiten, dass Sie diesmal von Schädlingsarbeit und Diversionen gesprochen haben?

BUCHARIN: Das war das erste Gespräch...

WYSCHINSKI: Warum antworten Sie nicht auf meine Frage?

BUCHARIN: Ich motiviere meine verneinende Antwort.

WYSCHINSKI: Ich brauche keine Motivierung.

BUCHARIN: Ich antworte verneinend,

WYSCHINSKI: Und in den folgenden Jahren haben Sie mit Ikramow über Schädlingstätigkeit und Diversionen gesprochen?

BUCHARIN: Nein, ich habe darüber nicht gesprochen.

WYSCHINSKI: Angeklagter Ikramow, Bucharin beschuldigt Sie dessen, dass Sie sich selbst übertrumpfen wollen.

IKRAMOW: Als ich noch nicht verhaftet war, leugnete ich. Jetzt will ich mich keineswegs hinter Bucharin oder „unsere Führer“ verstecken, aber man muss sagen, dass wir bei ihnen gelernt haben...

WYSCHINSKI: Was?

IKRAMOW: Sie sind Zeuge, wie viel Tage wir geleugnet haben, wie oft meine „Führer“ das auf dem Plenum des ZK geleugnet haben. Wir haben ein und dasselbe Arsenal von Mitteln, ein und dieselbe Methode zu leugnen.

WYSCHINSKI (sich an Ikramow wendend): Sie behaupten jetzt, dass Bucharin mit Ihnen über Schädlingstätigkeit. gesprochen hat?

IKRAMOW: Ich hatte noch ein Gespräch mit ihm. Das war 1935, ich erinnere mich nicht an das Datum. Er mäkelte daran herum, dass man Daten und Monate verwechselt habe. Ich kann etwas über die Umstände sagen. Es war auf dem Subowski-Boulevard, in den neuen Häusern, in der vierten oder fünften Etage. Dort trafen wir uns. Außer uns waren dort meine Frau, seine Frau und noch irgendeine Tante Sonja. Wir aßen in der Küche Abendbrot, und dann führte mich Bucharin in das andere Zimmer, und dort sprachen wir.

WYSCHINSKI (zu Bucharin): War dort eine Tante Sonja?

BUCHARIN: Wenn Sie die verwandtschaftliche Seite interessiert - so ist das eine andere Sache.

WYSCHINSKI: Ich frage Sie, haben Sie von Schädlingstätigkeit gesprochen?

BUCHARIN: Bürger Staatsanwalt, Sie geben nicht ganz klare Formulierungen. Es ist nicht ganz verständlich, was Sie fragen wollen.

WYSCHINSKI: Angeklagter Bucharin, ich frage Sie, erinnern Sie sich an jene Umstände.

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Hat diese Begegnung mit Ikramow im Jahre 1935 tatsächlich stattgefunden?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Auf welcher Grundlage?

BUCHARIN: Ich habe mit ihm nicht ein Wort über Politik gesprochen.

WYSCHINSKI (zu Ikramow): Ist das, was er sagt, richtig?

IKRAMOW: Nein, unrichtig.

WYSCHINSKI (zu Bucharin): Und was verband Sie mit Ikramow? War er ein Mitglied Ihrer Organisation?

BUCHARIN: Ja, 1933 habe ich ihn angeworben.

WYSCHINSKI: Und 1935 war er noch Mitglied der Organisation?

BUCHARIN: Ich nehme an.

WYSCHINSKI: Aber warum denken Sie das, wenn Sie mit ihm über dieses Thema nicht gesprochen haben?

BUCHARIN: Ich weiß, dass Ikramow ein genügend ernster Mensch ist. Wenn er eine bestimmte Verpflichtung eingegangen ist, sich mir einer ganzen Reihe von Linien einverstanden erklärt hat, dann tritt er nicht zurück. Das Wesentlichste, was Ikramow heute in seinen Aussagen nicht mitgeteilt hat, das war ein Gespräch. Ich kam aus Moskau und sagte, dass die These Lenin s über die kapitalistische Entwicklung unrichtig ist. Richten wir in Usbekistan den Kapitalismus auf. Ich bin nicht so dumm, ich bin unfähig, so zu denken, wie Ikramow es aussagte. Das Gespräch begann...

WYSCHINSKI: Ich interessiere mich nicht dafür, womit das Gespräch begann. Ich frage Sie, war 1935 die Zusammenkunft in der vierten Etage?

BUCHARIN: Bürger Staatsanwalt, ich habe geantwortet, dass ich dieses Mal nicht ein Wort von Politik gesprochen habe.

WYSCHINSKI: Aber von was denn?

BUCHARIN: Vom Tee, vom Wetter, was für ein Wetter in Turkestan ist, aber von Politik haben wir nicht gesprochen. Warum wir nicht davon gesprochen haben? Weil...

WYSCHINSKI: Warum denken Sie, wenn Sie sich 1935 vom Wetter in Turkestan und Usbekistan unterhalten haben, dass Ikramow ein Mitglied Ihrer konterrevolutionären Organisation geblieben war?

BUCHARIN: Während der ersten Unterredung mit Ikramow war er erregt, er war gegen die Führung der Partei erbittert, wegen der Ereignisse, die in Kasachstan stattfanden.

WYSCHINSKI: Das war 1933?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Und 1935?

BUCHARIN: Ich sage, dass ich 1935 ein solches Gespräch nicht hatte, aber er hatte schon 1933 einen genügend starken Anstoß erhalten. Ich bekam die Überzeugung, dass er so stark mit der parteifeindlichen und konterrevolutionären Organisation verbunden sei, dass ein solcher Zustand bei ihm vorhalten müsse.

WYSCHINSKI: Und Sie, Leiter der illegalen Organisation, treffen nach zwei Jahren ein Mitglied Ihrer Organisation, das Sie angeworben haben, und überprüfen nicht, ob er auf den Positionen Ihrer konterrevolutionären Organisation verharrt, interessierten sich nicht dafür, sondern beginnen vom Wetter in Usbekistan zu sprechen. War das so oder nicht?

BUCHARIN: Nein, so war es nicht. Sie stellen mir eine Frage, die eine ironische Antwort enthält. In Wirklichkeit aber rechnete ich auf ein neues Zusammentreffen mit Ikramow, das zufällig nicht stattfand, weil er mich nicht antraf.

WYSCHINSKI: Sie erinnern sich ausgezeichnet gerade an jene Zusammentreffen, die nicht stattfanden.

BUCHARIN: Ich erinnere mich nicht an jene Zusammentreffen, die nicht stattgefunden haben, weil sie ein Phantom sind, aber ich erinnere mich an jene, die zustande gekommen sind.

WYSCHINSKI: Sie wollen uns überzeugen, dass Sie sich mit Ihrem Komplicen getroffen haben und mit ihm nicht über konterrevolutionäre Themen gesprochen haben!

BUCHARIN: Dass ich nicht aus Tugend mit ihm darüber nicht gesprochen habe, sondern weil die Umstände dazu nicht geeignet waren.

WYSCHINSKI: Ikramow, was sagen Sie dazu?

IKRAMOW: Was Kasachstan anbelangt, so ist das, was er sagt, vollkommen richtig. Von Kasachstan war die Rede. Als er dort reiste, hat er angeblich aus dem Fenster des Waggons Dinge gesehen, die schrecklich waren. Ich unterstütze das. Ich habe schon erläutert, was für ein Mensch ich bis dahin war. Ich hatte ihm sofort mein Einverständnis gegeben.

WYSCHINSKI: Das war 1933?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Aber nun zum Jahre 1935. Bucharin leugnet, dass Sie damals in der vierten Etage eines gewissen Hauses auf dem Subowski-Boulevard mit ihm über das Thema Ihrer konterrevolutionären Arbeit gesprochen haben.

IKRAMOW: Die Umstände waren wirklich so... Es waren drei fremde Leute dabei.

WYSCHINSKI: Es gab nur ein Zimmer?

IKRAMOW: Wir haben in der Küche Abendbrot gegessen, dann gingen wir in ein anderes, gut eingerichtetes Zimmer...

WYSCHINSKI: Es gab also ein anderes, separates Zimmer, in dem zwei Menschen ruhig sprechen konnten?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Warum sagt dann Bucharin, dass die Umstände nicht geeignet waren.

IKRAMOW: Möge das Gericht selbst urteilen. Die Wohnung bestand aus drei Zimmern. Ich erinnere mich gut, dass wir in der Küche Abendbrot gegessen haben, dann war es so, dass wir beiden Männer hinausgehen mussten. Sie verstehen?

WYSCHINSKI: Ich verstehe.
Angeklagter Bucharin, hatten Sie überhaupt nach 1933 mit Ikramow sowjetfeindliche Verbindung?

BUCHARIN: Ich traf mich mit ihm in den Jahren 1933-1934 oder 1932-1933. Genau erinnere ich mich nicht.

WYSCHINSKI: Seit dem Augenblick, als Sie ihn angeworben hatten, trafen Sie sich mit ihm?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Sprachen Sie mit ihm über Themen, die mit Ihrer sowjetfeindlichen Arbeit zusammenhingen?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Das ist die Hauptsache. Setzen Sie sich.

Angeklagter Ikramow, fahren Sie fort.

IKRAMOW: Das wichtigste Gespräch war folgendes: Bucharin sagte, warum gibt es bei euch zwei Gruppen, die von Faisulla Chodshajew und die von Ikramow. Ihr müsst zusammen vorgehen. Aber warum ich nicht mit Faisulla zusammengehen kann? Warum wir nicht zusammen vorgehen? Dies vergrößert meine Verbrechen keineswegs...

WYSCHINSKI: Letzten Endes haben Sie sich mit Chodshajew verständigt?

IKRAMOW: In den Jahren 1925-1927 hatte ich mit Faisulla Chodshajew einen scharfen Kampf. Ich will nicht sagen, dass ich Kommunist war, aber vielleicht wirkte hier das Unterbewusstsein, dass ich ein Bundesgenosse, ein zeitweiser Mitläufer war. Als die Land- und Bewässerungsreform durchgeführt wurde (von den hier Anwesenden erinnern sich Iwanow und Selenski daran), war ich bei der Durchführung der Landreform einer der aktivsten Initiatoren. Mir wurde der Vorsitz übertragen, und ich führte die Sache bis zu Ende durch. Vielleicht war mir als bürgerlichem Nationaldemokraten die faktische Durchführung dieser Sache, die Liquidierung der feudalen Wirtschaft, sympathisch.

WYSCHINSKI: Und: Chodshajew war sie nicht sympathisch?

IKRAMOW: Er selbst hat gestern hier bezüglich der „Gruppe der 18“ ausgesagt. Auf der zweiten Parteikonferenz Usbekistans wurde die Frage beraten, dass diese Gruppe im Wesen der Sache für den Verzicht auf die Land- und Bewässerungsreform eingetreten ist.

WYSCHINSKI: Das haben wir gestern gehört.

IKRAMOW: Auf dieser Grundlage entwickelte sich ein Kampf um die Kader...

WYSCHINSKI: Womit endete Ihr Kampf gegen Chodshajew?

IKRAMOW: Mit dem Siege der Parteilinie, auf der ich stand.

WYSCHINSKI: Wurde mit Chodshajew ein Bündnis geschlossen?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Gegen wen?

IKRAMOW: Gegen die Sowjetmacht.

WYSCHINSKI: Das heißt, anfangs bekämpften Sie sich gegenseitig und dann versöhnten Sie sich?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und dann begannen Sie vereint gegen die Sowjetmacht zu kämpfen?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Chodshajew, ist das richtig?

CHODSHAJEW: Ich möchte zu dieser Frage, falls Sie es erlauben, meine Erklärungen abgeben.

VORSITZENDER: Bitte.

CHODSHAJEW: Ich will sagen, dass Ikramow nicht ganz richtig gesprochen hat, dass wir mit ihm bis zum Jahre 1933, bis zum Gespräch mit Bucharin, keine koordinierten Aktionen hatten.

WYSCHINSKI: Gab es solche?

CHODSHAJEW: Es gab solche. Im Jahre 1925 war ich in der Tat mit der Art der Wasser- und Landreformen nicht einverstanden, und zwar deswegen, weil sie stark die Interessen der Oberschicht, der Beis und Kulaken im Dorfe beeinträchtigte.

WYSCHINSKI: Das hat Ihnen wohl nicht gefallen?

CHODSHAJEW: Mir gefiel das nicht, und ich trat dagegen auf. Tatsächlich, damals versteckten sich die drei, das heißt, Selenski, Ikramow und Iwanow, hinter der Parteilinie, der richtigen Parteilinie, und schlugen mich.

WYSCHINSKI: Sie versteckten sich dahinter?

CHODSHAJEW: Natürlich.

WYSCHINSKI: Warum glauben Sie, dass sie sich versteckten?

CHODSHAJEW: Weil Selenski Ihnen gesagt hat, wer er ist. Iwanow hat auch erzählt, wer er ist. Ikramow versuchte zu leugnen, aber es kam dabei nichts heraus. Also, sie versteckten sich.

WYSCHINSKI: Richtig.

CHODSHAJEW: Ich möchte erklären, dass meine Sünden mehr oder minder bekannt waren. Dies erleichterte die Aufgabe, mich zu schlagen. In den Jahren 1926-1927 führten wir keine gemeinsame Arbeit mit Ikramow. Seit 1928 aber arbeiteten wir zusammen.

WYSCHINSKI: In welchem Sinne arbeiteten Sie?

CHODSHAJEW: Im Sinne der Schädlingstätigkeit. Ich lege in diese Worte keinen andern Sinn. Es ist nicht richtig, wenn Ikramow behaupten will, dass er erst im Jahre 1933 unter dem Druck Bucharins die Position der Schädlingstätigkeit bezog und mit mir zusammen arbeitete. Damit will er einen Teil der Schuld von sich abschieben, ebenso, wie er die Führung der nationalistischen Organisation auf Karymow abwälzen wollte. Ich halte das für unter der Würde Ikramows.

IKRAMOW: Erlauben Sie mir fortzufahren.

WYSCHINSKI: Nein, warten Sie bitte. Ich will noch den Angeklagten Chodshajew befragen. Aber Bucharin spielte bei der Vereinigung Ihrer konterrevolutionären Kräfte immerhin eine gewisse Rolle?

CHODSHAJEW: Ja.

WYSCHINSKI: Was für eine?

CHODSHAJEW: In dem Sinne, dass, obwohl wir seit 1928 mit Ikramow eine einheitliche Arbeit, eine Schädlingsarbeit durchführten, der Kampf um den Einfluss in Usbekistan manchmal, wenn man sich so ausdrücken kann, die Fruchtbarkeit dieser sowjetfeindlichen Arbeit beeinträchtigte. Deshalb schlugen Bucharin und später Antipow in jener Unterredung, auf die sich hier Ikramow bezieht (damals sprach ich mit Bucharin nicht unmittelbar), die Vereinigung mit Ikramow vor. Sie sagten, dass wir zusammen arbeiten, zusammen kämpfen sollen...

WYSCHINSKI: Gegen?

CHODSHAJEW: Gegen die Sowjetmacht, gegen die Partei, gegen die Führung der Partei.

WYSCHINSKI: Ist das richtig, Angeklagter Ikramow?

IKRAMOW: Richtig. Hätten Sie es mir erlaubt, hätte ich dasselbe erzählt.

WYSCHINSKI: Das, was Chodshajew darüber sagt, dass bei der Vereinigung Ihrer konterrevolutionären Kräfte Bucharin eine gewaltige Rolle spielte, bestätigen Sie das?

IKRAMOW: Aber natürlich.

WYSCHINSKI: Und Bucharin bestätigt es?

BUCHARIN: Ich möchte sagen...

WYSCHINSKI: Warten Sie.

IKRAMOW: Ich wollte sagen, dass seit dem Jahre 1925, da solch eine Zuspitzung bis zum Jahre 1929 vorhanden war, bis zum 4. Kurultai eine Vereinigung mit Faisulla nicht zustande kam. Nach dem 4. Kurultai gab es bei uns solch eine gemeinsame Tätigkeit. Hier ist nur von Einzelheiten die Rede.

WYSCHINSKI: Trotzdem bekämpften Sie sich gegenseitig nach außen hin.

IKRAMOW: Nein, nach außen hin bekämpften wir uns nicht.

WYSCHINSKI: Erlauben Sie. Jetzt bekämpfen Sie sich. Wie können Sie es leugnen, dass Sie sich damals bekämpften?

IKRAMOW: Jener Kampf war kein aufrichtiger, nur ein scheinbarer.

WYSCHINSKI: Also waren es Hahnenkämpfe.

IKRAMOW: Nicht einmal Hahnenkämpfe. Hähne kämpfen manchmal bis zum Blutvergießen.

WYSCHINSKI: Nicht einmal solche Kämpfe gab es?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Nicht einmal Hahnenkämpfe waren es?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Anfangs war der Kampf ein stummer Kampf, und dann kam Bucharin an und versöhnte Sie, und zwar dem Wesen nach. Verstehe ich es richtig?

IKRAMOW: Ja, ich sage es noch.

WYSCHINSKI: Bitte.

IKRAMOW: Wir kamen in unserer illegalen nationalistischen Organisation dahin überein, Nationalisten in diese Organisation auf keinen Fall aufzunehmen. Nicht deswegen, weil wir sie nicht brauchten, sondern weil gegen jeden einzelnen eine Masse Material vorlag.

WYSCHINSKI: Wo?

IKRAMOW: Bei den Organen der Sowjetmacht, denen alle Dokumente zugänglich sind. Sehr viele wurden auf verschiedenen Gebieten ihrer Tätigkeit von der Partei und vom Volke entlarvt, darüber schrieben die Zeitungen. Damit unsere Konspiration vollständig gelingt, beschlossen wir nun, diese Leute nicht aufzunehmen. Faisulla behauptete gestern, dass ich irgendetwas verheimlichen will. Ich verheimliche nichts. Ich erzähle so wie es war. Was taten wir? Wir nahmen diese Leute nicht auf. Chodshajew sagt, dass es hei ihm in den Jahren 1925 bis 1928 einen Stillstand gegeben habe, dass es keine Leute gegeben habe. Die Mehrheit unserer Volkskommissare bestand aus Pantürken und Nationalisten: Chidyr Alijew, Chadshibajew, Kurbanow und anderen. All das waren Leute, die mit Faisulla verbunden waren. In dem scharfen Kampf hinterließ jeder von uns bei dem andern einen gewissen Eindruck. Sie könnten noch bis heute in Usbekistan sein. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir uns mit ihnen im Jahre 1933 verständigt hätten. Heute besteht zwischen mir und ihnen kein Unterschied. Seit dem Jahre 1931 gibt es keinen Unterschied.

WYSCHINSKI: Und zwischen Ihnen und Bucharin?

IKRAMOW: Zwischen mir und Bucharin seit dem Jahre 1933.

WYSCHINSKI: Welches war die Rolle Bucharins?

IKRAMOW: Bucharin sagte, warum habt ihr zwei Gruppen? Ihr müsst euch vereinigen. Ich gab ihm damals keine bestimmte Antwort. Ende 1934 kam Antipow zu uns. Er. sagte mir, dass im Auftrage des Zentrums der Rechten unsere beiden Organisationen unbedingt vereinigt werden müssten, damit es in allen Fragen Übereinstimmung und gemeinsame Aktionen gäbe. Er forderte keine formale Vereinigung, sondern eine Vereinigung dem Wesen nach. Nachher fand die faktische Vereinigung unserer Organisationen statt, genau so wie zwischen den Trotzkisten und den Rechten, wobei aber jede unserer Organisationen ihr eigenes widerwärtiges Gesicht behielt. Deshalb habe ich gestern darüber gesprochen, dass ich der Meinung bin, dass es seit 1929 zwischen Faisulla und uns eine stillschweigende Übereinkunft in der Arbeit gab. Ich sprach darüber. Weswegen spricht er hier davon, dass ich die Schuld auf irgendjemanden abschieben will? Das ist nicht wahr. Meine Schuld will ich auf niemanden abschieben. Solch eine Vereinbarung wurde im Jahre 1934 zwischen unsern Organisationen abgeschlossen. Wir kamen zu dritt zusammen: Antipow, Chodshajew, Ikramow. Wir verständigten uns über die gemeinsame Arbeit unserer Organisationen.
Jetzt weiter. Weswegen wollten wir die alten nationalistischen Intellektuellen nicht aufnehmen? Als mir Burnaschew im Jahre 1928 die Frage stellte, dass an Chodshajew eine Annäherung gesucht werden soll, zu jener Zeit glaubte ich wirklich - das ist ein kluger Mensch, ein aktiver Mensch, man kann sich ihm nähern. Aber zu jener Zeit erhielt ich eine. Mitteilung eines gewissen Muchitdinow, dass er beim mittelasiatischen Büro oder bei der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung eine Erklärung abgegeben habe, nach welcher er seine konterrevolutionären Verbrechen bereut, und dass er dort auch entsetzliche Sachen über Faisulla berichtet habe. Ich dachte, dass die Untersuchung bald erfolgt und wir zusammen mit Faisulla zu früh hochfliegen könnten. Er bekundete, dass er den bekannten türkischen Abenteurer Enver Pascha empfangen habe, so dass die Sache nicht mehr so rein war. Wir beide waren bereits beschmutzt. Zwei Stiefel - ein Paar. Aber ich hatte eine taktische Erwägung...

WYSCHINSKI: Gegen ihn lag Material vor, gegen Sie aber nicht?

IKRAMOW: Gegen mich nicht.

WYSCHINSKI: Deswegen glaubten Sie, dass es nicht zweckmäßig sei, sich mit ihm zu verbinden; es sei gefährlich. Sie könnten selbst hochfliegen.

IKRAMOW: Ja, richtig. Ich sprach hierüber und habe nichts verheimlicht. Ich will meine Verbrechen nicht verringern.

WYSCHINSKI: Angeklagter Chodshajew, was können Sie über - den Basmatschen Maksum sagen?

CHODSHAJEW: Maksum war Leiter einer Milizabteilung beim Vorsitzenden des Revolutionskomitees. Im Jahre 1921 haben wir ihn in Buchara entwaffnet, aber er ist geflohen. Bald wurde er gefangen, verurteilt. Das war, nachdem Orientierung auf die Basmatschen genommen wurde.

WYSCHINSKI: Von wem wurde sie genommen?

CHODSHAJEW: Von uns.

WYSCHINSKI: Das heißt, sie halfen ihm, sich der Verantwortung zu entziehen.

CHODSHAJEW: Er wurde amnestiert.

WYSCHINSKI: Sie hatten eine Orientierung auf die Basmatschen?

Erstens Muchitdinow war doch ein bedeutender Basmatsche.

CHODSHAJEW: Kein Basmatsche, sondern Nationaldemokrat.

WYSCHINSKI: Hatten Sie mit ihm Verbindung?

CHODSHAJEW: Mit ihm war Maksum verbunden. Er hätte mich kompromittieren können.

WYSCHINSKI: In welcher Weise hätte er Sie kompromittieren können?

CHODSHAJEW: Das, was Ikramow erzählt, ist für mich unverständlich. Der Zettel, worüber Ikramow spricht, befindet sich doch bei meinen Akten.

WYSCHINSKI: War Maksum mit ihm verbunden?

CHODSHAJEW: Ja, das war er.

WYSCHINSKI: Haben Sie sich mit Enver Pascha getroffen?

CHODSHAJEW: Ich hatte drei Zusammenkünfte.

WYSCHINSKI: Wann?

CHODSHAJEW: In Buchara zwei offizielle Zusammenkünfte und eine nichtoffizielle bei mir in der Wohnung.

WYSCHINSKI: Der Zweck dieser Zusammenkunft?

CHODSHAJEW: Der Zweck der letzten Zusammenkunft bestand darin, den Vorschlag Enver Paschas zu erörtern, welche Linie die Regierung von Buchara gegenüber der Sowjetunion einhalten solle und welche Taktik erforderlich sei.

WYSCHINSKI: Vor der Sowjetregierung haben Sie diese Zusammenkünfte verheimlicht?

CHODSHAJEW: Selbstverständlich.

WYSCHINSKI: Steht das auch in Maksums Zettel?

CHODSHAJEW: Nein, er sprach einfach davon, dass er über seine Beziehungen zur Konterrevolution nichts mitteilt, und dass er versucht, die konterrevolutionäre nationalistische Organisation in Buchara mir in die Schuhe zu schieben. Das wurde mit einem bestimmten Ziel gemacht; ich antwortete damals mit einer entsprechenden Meldung.

WYSCHINSKI: Nahm er Bezug auf Ihre Verbindung mit einigen andern?

CHODSHAJEW: Ja, erlauben Sie, hier noch folgendes hinzuzufügen. Es sieht so aus, als ob Selenski über seine Tätigkeit in Mittelasien sehr offen gesprochen hat. Er sagte, dass er die Rechten Faisulla Chodshajew, Atabajew unterstützt hat. Selenski unterstützte nicht mich, sondern Muchitdinow, der eine englische Orientierung hatte. Darüber hat er kein Wort gesagt.

WYSCHINSKI: Wir befragen ihn gleich. Angeklagter Selenski, entspricht diese Episode mit Muchitdinow der Wahrheit?

SELENSKI: Ich war gezwungen, von Zeit zu Zeit gegen Chodshajew aufzutreten, sonst hätte ich mich selbst entlarvt. Jetzt in Bezug auf Muchitdinow. Ich höre zum ersten Male, dass er mit dem Orden des Roten Arbeitsbanners ausgezeichnet wurde.

WYSCHINSKI: Wer hat ihn ausgezeichnet?

SELENSKI: Ich weiß es nicht.

CHODSHAJEW: Auf Grund einer Verordnung des Zentralexekutivomitees von Usbekistan wurde er im Jahre 1936 oder 1937 auf Vorschlag Selenskis und Ikramows ausgezeichnet. Ich bin in der Lage, die entsprechenden Dokumente zu dieser Frage vorzuweisen.

SELENSKI: Ich habe keine Ahnung.

IKRAMOW: Mit Muchitdinow fuhr ich ein einziges Mal in demselben Zug. Ein einziges Mal sah ich diesen Menschen, diesen verhasstesten Menschen. Ich hatte gegen ihn solch einen Hass. Immer kam er mit seiner tadshikischen Frage, indem er die Tadshiken den Usbeken gegenüberstellte, einen verhassteren Menschen habe ich noch nie gesehen.

WYSCHINSKI: Und sagen Sie, hat er einen Orden erhalten?

IKRAMOW: Ich erinnere mich einfach nicht. Es ist möglich, dass Faisulla einfach einen Fehler gemacht hat. Jeden andern eher, aber diesen Muchitdinow konnte ich nicht auszeichnen.

WYSCHINSKI: Selenski war damals Sekretär?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Jedenfalls, auch wenn Sie ihn ausgezeichnet haben, hätte das ohne Selenski nicht geschehen können.

IKRAMOW: Es konnte auch ohne ihn geschehen.

WYSCHINSKI: Wieso, ohne den Sekretär des mittelasiatischen Büros?

IKRAMOW: In der Praxis hat sich das Zentralkomitee Usbekistans manchmal selbst damit beschäftigt.

WYSCHINSKI: Das ist ein Einzelfall. Ich klärte das auf Wunsch von Faisulla Chodshajew. Kann man Selenski nun noch über eine Sache befragen, bevor er auf seinen Platz zurückgeht? (Zu Selenski) In welchem Jahre waren Sie in Mittelasien?

SELENSKI: Im Jahre 1924.

WYSCHINSKI: Und bis zu welchem Jahre blieben Sie dort?

SELENSKI: Bis Januar 1931.

WYSCHINSKI: Das heißt, Sie lebten dort sieben Jahre?

SELENSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Und während dieser sieben, Jahre haben Sie sich mit konterrevolutionärer Schädlingsarbeit befasst und hatten zu Ikramow und Chodshajew Verbindung?

SELENSKI: Eine Verbindung zu Ikramow hatte ich nicht, aber die neue Linie Chodshajews deckte ich.

WYSCHINSKI: Das heißt, Sie führten Ihre Linie selbständig?

SELENSKI: Selbständig.

WYSCHINSKI: Wodurch ist es zu erklären, dass Sie weder mit diesen noch mit jenem zusammenkamen?

SELENSKI: Es lag keine Notwendigkeit vor. Es ist auch möglich, dass ich mich vor ihnen ein wenig fürchtete.

WYSCHINSKI: Was befürchteten Sie?

SELENSKI: Die Entlarvung.

WYSCHINSKI: Das Hochfliegen? Das heißt, aus konspirativen Erwägungen. Und Sie sahen, womit sie sich befassten?

SELENSKI: Wissen Sie, ich muss sagen, dass in Bezug auf Ikramow bis zum Jahre 1928 keinerlei Zweifel bestanden, dass er sich auf der Position der Partei hält und nur von Zeit zu Zeit seinen nationalistischen Tendenzen nachgibt.

WYSCHINSKI: Und vom Jahre 1928 an?

SELENSKI: Seit dem Jahre 1928 wurde mir die Verbindung Ikramows mit der nationalistischen Organisation klarer, und als die Organisation „Milli Istiklal“ aufgedeckt wurde, trat ich zwecks Selbsterhaltung sehr scharf gegen Ikramow auf. Das ist vom 4. Kurultai her bekannt. Damals stellte ich die Frage seiner Amtsenthebung einschließlich seiner Verhaftung.

WYSCHINSKI: Zum Zwecke der Rückversicherung?

SELENSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Also zum Zwecke der Rückversicherung.

SELENSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Folglich war Ihnen die konterrevolutionäre Arbeit bekannt, und dem Wesen nach sicherten Sie sich.

SELENSKI: Mir war sie nicht bekannt, ich nahm es nur an.

WYSCHINSKI: Sie stellten die Frage der Verhaftung nur auf Grund von Vermutungen? Sie sagen doch, dass Sie die Frage der Verhaftung Ikramows zum Zwecke der Rückversicherung gestellt haben.

SELENSKI: Richtig.

WYSCHINSKI: Aus welchem Grunde? Weswegen sollte er verhaftet werden?

SELENSKI: Als die Gruppe „Milli Istiklal“ aufgedeckt wurde, bekundeten eine Reihe der Teilnehmer dieser Organisation in ihren Aussagen vor den Organen der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung, dass der tatsächliche Leiter dieser Organisation Ikramow war.

WYSCHINSKI: Folglich wussten Sie aus Bekundungen einer Reihe der Teilnehmer, dass Ikramow der Leiter ist?

SELENSKI: Ja.

WYSCHINSKI: Und zwecks Rückversicherung stellten Sie die Frage der Verhaftung Ikramows.

SELENSKI: Ja,

WYSCHINSKI: Und in Wirklichkeit kämpften Sie gegen ihn, gegen seine konterrevolutionäre Tätigkeit?

WYSCHINSKI: Ich wurde bald von dort abberufen.

WYSCHINSKI: Nein, Sie sagen doch, dass Ihnen seit dem Jahre 1928 klar wurde, dass Ikramow nationalistische konterrevolutionäre Arbeit leistet.

SELENSKI: Ja, es wurde mir klar. Ich führte gegen ihn einen formalen Kampf.

WYSCHINSKI: Dem Wesen nach aber führten Sie gegen ihn keinen Kampf?

SELENSKI: Dem Wesen nach führte ich keinen, konnte keinen führen.

WYSCHINSKI: Warum konnten Sie nicht?

SELENSKI: Faisulla hat mich hier bereits charakterisiert...

WYSCHINSKI: Sind Sie mit der von Faisulla über Sie gegebenen Charakteristik einverstanden?

SELENSKI: Ich gab über mich dieselbe Charakteristik, - dem Wesen nach kämpfte ich nicht, konnte ich nicht kämpfen, da ich selber schon ein Verräter war.

IKRAMOW: Nun weiter. Unmittelbar unter der Leitung Antipows, im Auftrage des rechten Zentrums, stellten die beiden nationalistischen Organisationen einen Block her. Antipow informierte über die deutsch-japanische Orientierung und über die Verbindung mit den Deutschen und Japanern. Er sprach auch von der Existenz einer Militärgruppe und davon, dass sie im Falle eines Krieges in der Weise vorgehen würden, dass sie die Front für die angreifenden Kräfte der Interventen öffnen. Zugleich sagte er, dass auch wir in Aktion treten müssten. Wir hatten damals noch kein Gespräch über die Schädlingsarbeit, Schädlingsarbeit gab es damals überhaupt noch nicht, in der Frage der Aufstände wurden praktisch den Organisationen keinerlei Direktiven gegeben, deswegen sagte er, dass man in Aktion treten muss.
Während der zweiten Begegnung mit Bucharin sprach er überhaupt nichts über die Politik, er sagte nur, warum man uns mit Antipow verbunden habe. Er sagte, dass es nicht ganz gut ist, wenn wir zwei uns treffen, dass Antipow fast jedes Jahr wegen Baumwolle nach Mittelasien fährt, dass seine Stellung eine solche ist, dass du immer in dienstlichen Angelegenheiten zu ihm gehen kannst. Wir beschlossen, dass eine ständige Verbindung mit Antipow aufrechterhalten werden müsse. Er fragte mich, wie es mit den Aktionen bestellt sei. Ich sagte: wir führen gewisse Schädlingsarbeit durch. Er sagte, dass dies völlig ungenügend sei, man müsse die Sache entfalten, man müsse handeln, man dürfe die Zeit nicht ungenützt verstreichen lassen.
Die dritte Begegnung bezog sich auf die Frage der Verbindung mit England, wovon gestern Faisulla gesprochen hat. In der Tat teilte mir Faisulla Chodshajew im Oktober 1936 mit, dass Bucharin mit ihm gesprochen habe, dass Bucharin im Hinblick auf die kapitalistische Stabilisierung der europäischen Länder und besonders der faschistischen Staaten sehr optimistisch eingestellt sei. Er sagte, man müsse sich auf England orientieren. Da es sich um eine ernste und große Frage handelte, befragte ich Ende November oder Anfang Dezember 1936 diesbezüglich Bucharin. Er gab eine bejahende Antwort.

WYSCHINSKI: Bucharin gab eine bejahende Antwort?

IKRAMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und wo sagte er das?

IKRAMOW: Das war während des Sowjetkongresses im November oder Anfang Dezember 1936. Während des Sowjetkongresses traf ich Bucharin auf der Treppe, und da niemand dabei war, fragte ich ihn darüber. Er gab eine bejahende Antwort, wobei er folgendermaßen formulierte: Wenn es jetzt keinen Krieg gibt, wenn es nicht bald eine Intervention gibt, dann ist unsere Sache verloren. Man könne uns alle hochnehmen, aber die Frage der Beschleunigung des Krieges könnten wir wegen England nicht lösen, das in gewisser Hinsicht der internationale Schiedsrichter sei. Solange sich England nicht für eine Seite entscheide, nicht zu irgendeinem Entschluss kommt, solange wird es keinen Krieg geben. Und jetzt, in diesem Kriege, welcher vorbereitet wird, werden die Engländer nicht Stellung nehmen, solange es ihnen nicht klar ist, was und wo sie dabei gewinnen. Es ist bekannt, sagte Bucharin, dass die Engländer schon seit langem Turkestan als einen Leckerbissen ansehen. Wenn es einen solchen Vorschlag geben wird, dann werden vielleicht die Engländer rasch auf die Seite des Aggressors gegen die Sowjetunion übergehen.
Deshalb glaubte ich Faisulla Chodshajew, als er mir über die Orientierung auf England Mitteilung machte. Das Volk Usbekistans hasst die Imperialisten, insbesondere die englischen. Sie waren schon früher da, betrieben Handel bei uns, dann waren ihre Vertreter bei uns, fuhren aber auf demselben Weg wieder zurück. Sie wissen, dass in Indien...

VORSITZENDER: Angeklagter Ikramow, befassen Sie sich nicht mit innern Angelegenheiten fremder Staaten, machen Sie Ihre Aussagen.

IKRAMOW: Das Volk von Usbekistan lehnt sich gegen solch einen Vorschlag auf, wer ihn auch machen möge. Uns wird man mit Schimpf und Schande davonjagen. Ich hin nicht einer, der es leicht mit der Angst zu tun bekommt, aber die Stimmung des Volkes schüchtert mich ein. Ich beschloss, was mir Faisulla Chodshajew im Oktober 1936 gesagt hat, zu prüfen.
Über den Terror sprach Antipow mit mir. Ich sagte: Wie denn, Sie haben uns beauftragt, eine terroristische Gruppe in Usbekistan zu schaffen... Er sagt: zur Prüfung ihrer Bereitschaft, aber tatsächlich wird das hier durchgeführt. Falls jemand zu euch kommen will - schwerlich wird er bis zu euch gelangen. Er prahlte: wen die Rechten zu ermorden vorgesehen haben, der wird nicht bis nach Mittelasien kommen.

WYSCHINSKI: Wer sagte das?

IKRAMOW: Antipow.
Ich war durch Rachimbajew mit einer nationalistischen konterrevolutionären Organisation in Tadshikistan verbunden, die vom gleichen Typus war, wie die Usbekistans. Freilich hat nur einmal ein Gespräch zwischen uns stattgefunden, aber ich hatte durch Rachimbajew Verbindung mit der Tadshiker konterrevolutionären Organisation. Falls nötig, kann ich ausführlich darüber sprechen...

WYSCHINSKI: Die Untersuchung in dieser Sache ist noch nicht abgeschlossen, so dass es besser ist, über Einzelheiten nicht zu sprechen.

IKRAMOW: Faisulla sagte mir, dass er sich mit der turkmenischen Organisation verbunden hat oder sich verbinden wird. Ausführlich habe ich ihn nicht befragt.
Erlauben Sie mir jetzt zu sagen, was unsere nationalistische, konterrevolutionäre Organisation zur Verwirklichung ihres Planes, ihres Programms getan hat. Nachdem Bucharin mir ungenügende Aktivität vorgeworfen hatte, führte ich selbst unmittelbar einen Schädlingsakt aus. Im Jahre 1935 erteilten wir - ich, Ljubimow und Faisulla Chodshajew - die Direktive, die die Unterschrift Ljubimows und Ikramows trug (die Unterschrift Faisullas war, glaube ich, nicht dabei), Baumwolle mit einem Feuchtigkeitsgrad zu übernehmen, der höher war als der von der Unionsregierung festgesetzte Standard. Das Ergebnis war, dass 14000 Tonnen Baumwolle zugrunde gingen, davon kamen 2600 Tonnen in eine Wattefabrik, und der Rest wurde für minderwertige Sorten verwendet. Die Verluste betrugen einige Millionen Rubel.

WYSCHINSKI: Haben Sie das bewusst getan?

IKRAMOW: Selbstverständlich. Wären dies nur zufällige Sachen, so würde ich hier über sie nicht sprechen. Schädlingsarbeit wurde auch in Bezug auf Persianerfelle betrieben. Wir haben das nicht unmittelbar selbst getan, sondern durch die Mitglieder unserer Organisation. Die Qualität wurde herabgesetzt. Im Jahre 1936 wurde infolge unrichtiger Behandlung die Sortenqualität um 27 Prozent gesenkt. Im Jahre 1937 gab es eine Massenbeschädigung von Persianerfellen bei der Sonnentrocknung; bei der Verarbeitung wurden die Persianerfelle massenhaft verbrannt. Auch dies wurde von den Mitgliedern unserer Organisation getan (dort arbeitete Sata Chodshajew).
Auch in der Kommunalwirtschaft Taschkents und Bucharas wurde Schädlingsarbeit durchgeführt. In Taschkent war Tadshijew, ein Mitglied unserer Organisation, tätig. Er leistete hei der Planung der Kanalisation und der Bautätigkeit Schädlingsarbeit.
Hier eine Tatsache aus der Schädlingsarbeit auf dem Gebiete der Bautätigkeit. Taschkent teilt sich in zwei Teile: Altstadt und Neustadt. In der Altstadt gibt es keine Kanalisation, die Fläche, auf der man keine Häuser bauen darf, ist von einer gewaltigen Ausdehnung. Außerdem gibt es viele Sumpfgruben. Als man das neue Gebäude des Volkskommissariats für Post- und Telegraphenwesen zu bauen begann, musste das Fundament in 30-40 Meter Tiefe gelegt werden, da es 19 Sumpfgruben gab.
In der Kommunalwirtschaft von Buchara wurde auch Schädlingsarbeit geleistet. Die Stadt wurde zerstört, die Häuser versteigert; den Bewohnern wurden untragbare Steuern auferlegt, sie verließen die Häuser, die dann versteigert wurden.
Die Mittel, die die Unionsregierung für die Bautätigkeit in den Rayons gewährt, haben wir bewusst vergeudet, verschleudert. Die nicht fertig gestellten Bauten kamen bis 1937 auf 34 Millionen Rubel zu stehen.

WYSCHINSKI: Und all das nur wegen Verschleuderung der Mittel?

IKRAMOW: Ja. In dieser Sache hatten Karymow und Faisulla Chodshajew ihre Hände im Spiel.

WYSCHINSKI: Und Sie?

IKRAMOW: Unmittelbaren Anteil nahm ich daran nicht, aber es versteht sich von selbst, dass ich keine geringere Verantwortung hierfür tragen muss.

WYSCHINSKI: Es wurde mit Ihrem Wissen gemacht?

IKRAMOW: Natürlich. Und hätte ich gewollt, so hätte ich es aufdecken können. Eine ähnliche große Schädlingstätigkeit wurde beim Bau des Gebäudes des Volkskommissariats für Leichtindustrie, in Baumwollfabriken und Seidenfabriken durchgeführt, vor der wir ebenfalls unsere Augen verschlossen haben. An Ziffern erinnere ich mich jetzt nicht, gewaltige Mittel wurden in Bauten gesteckt, die von Jahr zu Jahr verschleppt wurden. Es scheint mir, dass seitens des Volkskommissariats für Leichtindustrie 300 Millionen Rubel für den Bau von Seidenbetrieben vorgesehen wurden. Davon wurden 80 Millionen in Bauten angelegt, der Rest wird von Jahr zu Jahr für unfertige Bauten übertragen. In Namangan begann man, eine Seidenspinnerei zu bauen. Es wurden 1½-2 Millionen Rubel verausgabt. Mitte des Jahres aber sagte man, dass der Bau vorläufig eingestellt werden müsse. Ich wunderte mich mehr, da ich die Technik dieser Sache nicht kannte. Man sagte, dass für die Stilllegung eine halbe Million Rubel benötigt werden, und tatsächlich bewilligte das Volkskommissariat für Leichtindustrie eine halbe Million Rubel für die Stilllegung.
Für den Bau des Baumwollreinigungsbetriebes in Buchara wurden 5 Millionen Rubel verausgabt. Die Fabrik ist fertig, kann aber nicht in Betrieb gesetzt werden, obwohl auch die Maschinen eingetroffen sind. Warum? Darum, weil keine Pressen in Vorhanden sind.

WYSCHINSKI: Was kostet eine Presse?

IKRAMOW: Wahrscheinlich 100000-200000 Rubel. Sogar die Häuser für die Arbeiter und Angestellten sind fertig gestellt, aber der Betrieb steht still und wird als Speicher benutzt.

WYSCHINSKI: Wer ist dafür verantwortlich?

IKRAMOW: Für diese Sache verantwortet insbesondere das Volkskommissariat für Leichtindustrie, aber auch ich, der ich die Augen davor verschloss, bin natürlich verantwortlich.

WYSCHINSKI: Haben Sie das gedeckt?

IKRAMOW: Natürlich. Ich tat so, als ob ich nichts sehe. Genau so verhält es sich mit den Baumwolllagern. Dies bezüglich der Schädlingsarbeit. Jetzt einiges bezüglich der Aufstandsbewegung. Faisulla sprach in seinen Aussagen hierüber.

WYSCHINSKI: Was haben Sie zur Organisierung von Aufstandstrupps getan?

IKRAMOW: Wir haben ihnen eine solche Direktive gegeben. Was konkret getan wurde, ist mir nicht bekannt. Aber Baltabajew sagte, dass ihm Almasow erklärt hätte, dass er die Sache im Bezirk von Margelan bereits in Angriff genommen habe, dass er schon gewisse Kader habe.

WYSCHINSKI: Also wurden Kader vorbereitet?

IKRAMOW: Dann sagte mir, wie mir scheint, Faisulla, dass diese Sache auch in Buchara vorbereitet werde. Dies zu meinen Verbrechen an der Sowjetmacht. Wenn man zusammenfassen kann, so formuliere ich meine Verbrechen folgendermaßen: Hochverrat an der sozialistischen Heimat, Verrat am Sowjetvolke, in erster Linie an dem usbekischen Volke, das mich genährt und großgezogen hat.

VORSITZENDER (zu Wyschinski): Haben Sie noch Fragen an den Angeklagten Ikramow?

WYSCHINSKI: Nein.

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird für eine halbe Stunde unterbrochen.

 

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Setzen Sie sich bitte, die Sitzung wird fortgesetzt. (Sich an Wyschinski wendend) Haben Sie Fragen an den Angeklagten Ikramow?

WYSCHINSKI (zum Vorsitzenden): Ich habe eine Frage an den Angeklagten Bessonow.

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI: Ich möchte, Angeklagter Bessonow, dass Sie eine Tatsache bezüglich Ihres Zusammentreffens mit dem Sozialrevolutionär Maslow etwas präzisieren. Sie haben am ersten Tage des Prozesses davon gesprochen, dass Sie von Pjatakow den Auftrag erhielten, mit den Sozialrevolutionären in Verbindung zu treten.

BESSONOW: Ja, ich habe davon gesprochen.

WYSCHINSKI: Durch wen haben Sie das durchgeführt?

BESSONOW: Es handelt sich um die Verbindung mit der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“.

WYSCHINSKI: Sozialrevolutionären Charakters?

BESSONOW: Die Überreste der ehemaligen Sozialrevolutionären Partei bilden die Basis dieser Partei.

WYSCHINSKI: Es handelt sich also um die Verbindung mit der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“, die aus Überresten der ehemaligen Sozialrevolutionären Partei bestand?

BESSONOW: Ja, richtig.

WYSCHINSKI: Fahren Sie fort.

BESSONOW: Im Herbst des Jahres 1934, während meines fälligen Zusammentreffens mit Pjatakow, erwähnte er zum ersten Male meine sozialrevolutionäre Vergangenheit, wobei er mich besonders über die Wologodsker Zeit meiner Arbeit befragte. Ich gab ihm eine ausführliche Charakteristik der Funktionäre der Nordgruppe der Sozialrevolutionären Partei, darunter eine Charakteristik von Sergej Semjonowitsch Maslow, früher und gegenwärtig Leiter der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“, die er in der Emigration im Auslande gegründet hat. Ich fragte Pjatakow, zu welchem Zwecke er sich für meine sozialrevolutionäre Vergangenheit interessiert. Pjatakow sagte, dass er diesbezüglich bestimmte Erwägungen habe, die ihm teils durch Gespräche mit den Rechten gekommen, teils bei ihm selbständig entstanden seien. Tatsächlich bat mich Pjatakow, vor meiner Abreise nach Berlin und etwa einen Monat nach diesem Gespräch mit Maslow zusammenzutreffen und begründete die Notwendigkeit dieses Zusammentreffens folgendermaßen: erstens habe er Hinweise, die vom „Block der Rechten und Trotzkisten“ stammen, dass die „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ über ziemlich bedeutende Kader der Dorfintelligenz verfügt, hauptsächlich unter den Konsumgenossenschaftlern und den Agronomen. Ihren programmatischen und taktischen Einstellungen nach stellte sie eine Organisation dar, mit der Kontakt herzustellen leicht möglich und notwendig ist. Da ich Maslow aus seiner früheren Arbeit, als ich noch in der Sozialrevolutionären Partei war, gut kenne, und da ich ständig im Ausland lebe, so wäre er der Ansicht, dass ich der geeignete Kandidat sei, um die Möglichkeit eines Abkommens mit der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ zu sondieren.

WYSCHINSKI: Eines Abkommens der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ mit wem?

BESSONOW: Pjatakow sprach in seinem eigenen Namen, d. h. Namen der Trotzkisten und im Namen des Blocks. Wie ich schon erwähnte, entstand der Gedanke des Abkommens bei ihm teils aus persönlichen Erwägungen, teils unter dem Einfluss von Gesprächen mit den Rechten.

WYSCHINSKI: Erinnern Sie sich nicht, mit wem er diese Gespräche führte?

BESSONOW: Er nannte keinerlei Namen.

WYSCHINSKI: Aber an wen dachte er?

BESSONOW: Ich glaube, an irgendjemand von den Mitarbeitern des Volkskommissariats für Landwirtschaft, und zwar deshalb, weil im weiteren Verlauf der Verhandlungen mit Maslow auch die Teilnahme der Mitarbeiter des Volkskommissariats für Landwirtschaft klar wurde.

Etwas später, nach dem Zusammentreffen mit Maslow, erhielt ich den Auftrag, Maslow mit Mitarbeitern, die damals in der Tschechoslowakei waren, zu verbinden.

WYSCHINSKI: Kam dieses Ihr Zusammentreffen mit Maslow zustande?

BESSONOW: Es kam zustande, aber nicht im Jahre 1934, sondern im Sommer 1935.

WYSCHINSKI: Wo kam es zustande?

BESSONOW: In Prag.

WYSCHINSKI: Und warum in Prag?

BESSONOW: Maslow lebt ständig in Prag.

WYSCHINSKI: Seit wann lebt er dort?

BESSONOW: Meines Wissens lebt er in Prag seit 1922 oder seit Ende 1921.

WYSCHINSKI: Nach der Oktoberrevolution siedelte er bald nach Prag über?

BESSONOW: Genau kann ich das nicht sagen, es scheint mir aber, dass Maslow im Jahre 1921 aus der Sowjetunion emigrierte.

WYSCHINSKI: Mit einem Worte, Ihres Wissens lebte er schon lange Zeit in Prag?

BESSONOW: Ja.

WYSCHINSKI: Womit beschäftigte er sich dort?

BESSONOW: Er gab Zeitschriften und Zeitungen heraus.

WYSCHINSKI: Woher hatte er die Mittel?

BESSONOW: Das stellte sich im Gespräch mit ihm heraus...

WYSCHINSKI: Woher nahm er die Mittel um Zeitungen und Zeitschriften herauszugeben'?

BESSONOW: Am Anfang des Gesprächs stellte es sich heraus, mich interessierte diese Frage ebenfalls, worüber er verfügt.

WYSCHINSKI: Oder wovon er lebt?

BESSONOW: Seine materiellen Verhältnisse sind gut. Er stützt sich auf seine alten Freunde. Als ich ihn über diese Seite der Angelegenheit befragte, sagte Maslow, dass er von der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ Mittel erhalte. Diese Partei wurde im Jahre 1921 gegründet.

WYSCHINSKI: Mich interessiert es nicht, wie sie gegründet wurde, welche Ideologie sie hat, sondern woher sie die Mittel für ihre Existenz erhielt?

BESSONOW: Sie wollen, dass ich antworte, woher sie die Mittel für ihre Existenz erhielt?

WYSCHINSKI: Ja, wenn es Ihnen bekannt ist.

BESSONOW: Er sagte so ähnlich wie sie. Ich hatte mich im Namen Pjatakows an ihn gewandt.

WYSCHINSKI: Wer ist das - sie?

BESSONOW: Sie, das sind die Trotzkisten. Er sagte, wenn Sie nicht verabscheuen, Mittel für Ihre Arbeit zu erhalten, so könne man das noch weniger von Maslow erwarten. Er sagte ganz offen, dass er in polnischen, rumänischen und jugoslawischen Kreisen Quellen zur Finanzierung besitzt.

WYSCHINSKI: Was heißt das einfach gesprochen, in die Sprache der wirklichen Verhältnisse übersetzt?

BESSONOW: In jedem dieser Länder besteht eine ziemlich große Schicht der herrschenden Klasse, die sowohl an der Tätigkeit der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ wie auch an der Tätigkeit des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ interessiert ist.

WYSCHINSKI: Das heißt mit anderen Worten, sie wurden von ihnen ausgehalten?

BESSONOW: Von diesen Kreisen.

WYSCHINSKI: Von diesen reaktionären bürgerlichen Kreisen?

BESSONOW: Ja.

WYSCHINSKI: Standen die Sozialrevolutionäre nicht auch mit Spionagediensten in Verbindung?

BESSONOW: Im Anfang des Gesprächs mit Maslow stellte sich heraus, dass er auch mit der Henlein-Organisation in Verbindung steht.

WYSCHINSKI: Was ist das für eine Organisation?

BESSONOW: Die Henlein-Organisation ist so allgemein bekannt…

WYSCHINSKI: Erzählen Sie immerhin von ihr.

BESSONOW: Das ist eine Organisation, die sich die Aufgabe stellt, die Sudetengebiete an Deutschland anzuschließen. Es ist eine Organisation, die sowohl der Form als auch dem Inhalt nach eine faschistische Organisation ist.

WYSCHINSKI: Maslow gab seine Zeitungen und Zeitschriften heraus, und gleichzeitig wurden er und seine Organisation von reaktionären Kreisen der Bourgeoisie Polens, Rumäniens und Jugoslawiens ausgehalten?

BESSONOW: Ja.

WYSCHINSKI: War er außerdem mit anderen Organisationen verbunden?

BESSONOW: Er war mit der Henlein-Organisation verbunden.

WYSCHINSKI: Was ist das für eine Organisation? Was stellt sie dar?

BESSONOW: Sie stellt eine Agentur des deutschen Faschismus in der Tschechoslowakei dar.

WYSCHINSKI: Folglich ist er mit dem deutschen Spionagedienst verbunden?

BESSONOW: In diesen Fragen bin ich an Genauigkeit gewöhnt.

VORSITZENDER: Seien Sie so gut und sprechen Sie lauter.

BESSONOW: Dies ist eine Organisation faschistischer Agenten, die von der Auslandsorganisation der Nationalsozialistischen Partei geleitet wird, die ihr Zentrum in München hat und eine der Organisationen des deutschen Faschismus zur Entfaltung der Aggression ist, die aber im genauen Sinne nicht als Spionagedienst bezeichnet werden kann.

WYSCHINSKI: Sie hat ihre speziellen Aufgaben und arbeitet im Gesamtplan mit dem Spionagedienst?

BESSONOW: Absolut richtig.

WYSCHINSKI: Was für ein Gespräch hatten Sie mit Maslow?

BESSONOW: Ich setzte ihm das Wesen jenes Auftrags, den mir Pjatakow erteilt hatte, auseinander. Nachdem Maslow mir eine ziemlich ausführliche Charakteristik darüber gab, worüber die „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ nach seiner Meinung oder nach seiner Charakteristik in der Sowjetunion verfügt - hierüber machte ich ausführliche Aussagen in der Voruntersuchung, ich weiß nicht, ob es notwendig ist, hier noch darüber zu sprechen -, wies Maslow auf drei Bedingungen hin, unter denen er bereit wäre, seine Organisation unter die allgemeine Leitung des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ zu stellen. Zu diesen Bedingungen, die sehr ungleichartig waren, gehörte auch ein Abkommen über einige Programmfragen. Er hatte vor allem die Bauernfrage und die nationale Frage im Auge, unterstrich aber, dass dies keine wesentliche Bedeutung habe. Seine Hauptbedingung war, dass ihm der „Block der Rechten und Trotzkisten“ unverzüglich eine bestimmte Summe sowohl in ausländischer als auch in Sowjetwährung zur Verfügung stelle. Ferner müssten für die Tätigkeit der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ die legalen Möglichkeiten, über die der Block verfügte, ausgenutzt werden. Als Gegenleistung für diese Bedingungen hielt er es für möglich, seiner Organisation in der Sowjetunion die Direktive zu gehen, die Tätigkeit der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ in jeder Hinsicht dem „Block der Rechten und Trotzkisten“ unterzuordnen. Ich konnte ihm selbstverständlich auf diese Fragen keine Antwort geben. Aber im Laufe des Jahres 1936 stellte ich die Verbindung zwischen Maslow und einem Vertreter Trotzkis her, der mit ihm in diesem Punkte auch zu einer Abmachung gelangte.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, äußerte Maslow im Gespräch mit Ihnen den Wunsch, mit Trotzki in Verbindung zu treten?

BESSONOW: Er sagte, dass er versucht habe, über einen tschechischen Trotzkisten mit Trotzki Kontakt herzustellen.

WYSCHINSKI: Sagte er aber nicht, auf wessen Initiative, wer diesen Wunsch geäußert habe, ein Zusammentreffen mit Trotzki zustande zu bringen? Berief er sich nicht auf Henlein?

BESSONOW: Er sprach davon. Ich habe darauf in der Voruntersuchung hingewiesen. So war es auch. Er berief sich auf Henlein. Er sagte, dass in der letzten Zeit eine Verschmelzung mit der Henlein-Organisation vorbereitet wurde, dass demnächst eine Vereinigung aller oppositionellen Gruppierungen bevorstehe, die in der Sowjetunion tätig sind und deren Tätigkeit mit den entsprechenden Organen des faschistischen Deutschland in Kontakt steht.

WYSCHINSKI: Das heißt: aller faschistischen Gruppierungen.

BESSONOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wie fasste er diese Möglichkeit einer Verbindung mit Trotzki auf?

BESSONOW: Diese Verbindung wurde von mir hergestellt.

WYSCHINSKI: Das heißt, den Auftrag, den Sie hatten, eine Verbindung zwischen Maslow und Trotzki herzustellen, haben Sie ausgeführt, und im Ergebnis kam eine Verständigung zustande. Diese Verständigung erfolgte unter den Bedingungen, von denen Sie sprachen?

BESSONOW: Diese Bedingungen gehören als Bestandteil dazu. Was die organisatorische Seite anbetrifft, so wurden folgende zwei Bedingungen gestellt: erstens sollte der „Block der Rechten und Trotzkisten“ der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ einen gewissen Geldbetrag in ausländischer und in Sowjetwährung übergehen, und zweitens sollte der „Block der Rechten und Trotzkisten“ ihm, Maslow, und folglich auch der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ diejenigen legalen Möglichkeiten verschaffen, über die der „Block der Rechten und Trotzkisten“ kraft der amtlichen Stellung seiner Mitglieder verfügt. Ob zu dieser Verständigung auch die von Maslow selbst als wenig belangreich betrachtete Übereinkunft über Programmfragen gehörte, kann ich nicht sagen, glaube jedoch, dass diese Frage wirklich hei den Verhandlungen von keiner ernsten Bedeutung war, was Maslow selbst betonte.

WYSCHINSKI: Berührten Sie im Gespräch mit Maslow in irgendeinem Maße oder Grade Bucharin und Rykow?

BESSONOW: Maslow sagte, dass er über die Entwicklung der antisowjetischen Gruppierungen innerhalb der Sowjetunion sehr gut orientiert sei, und zwar sowohl auf Grund der Informationen seiner ausländischen Freunde, wie er sich ausdrückte, als auch auf Grund der Informationen, die ihm unmittelbar von seinen Zellen in der Sowjetunion zugehen. Außerdem sagte er, dass er Schritte zur Herbeiführung eines Kontaktes mit einigen Rechten unternommen habe. In diesem Zusammenhang erwähnte er den Namen des Mitarbeiters des Volkskommissariats für Landwirtschaft A. I. Muralow, mit dem er eine Verbindung durch Vermittlung eines Genossenschaftlers hergestellt habe, auf dessen Namen ich mich augenblicklich nicht entsinnen kann.

WYSCHINSKI: Folglich war er über die antisowjetische Tätigkeit Bucharins und Rykows auf dem Laufenden?

BESSONOW: Unbedingt.

WYSCHINSKI: Und hatte er selbst Verbindungen mit den Rechten?

BESSONOW: Er charakterisierte diese Verbindungen als Schritt zur Herbeiführung einer festen organisatorischen Verbindung mit den Rechten.

WYSCHINSKI: Es bestanden also organisatorische Verbindungen, die sich in der Folge dank seiner Schritte in eine feste organisatorische Verbindung verwandelten?

BESSONOW: Ja, im Jahre 1935.

WYSCHINSKI: Haben Sie außer dem, was Sie gesagt haben, noch etwas vorzubringen?

BESSONOW: Etwa nur noch das, worüber die „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ verfügte.

WYSCHINSKI: Das ist mehr für die Untersuchung in Sachen der „Trudowaja Krestjanskaja Partija“ von Interesse als für die gegenwärtige Sache. Ich habe keine Fragen mehr.

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