PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

ABENDSITZUNG VOM 5. MÄRZ 1938

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN BUCHARIN

VORSITZENDER: Wir gehen zum Verhör des Angeklagten Bucharin über.

BUCHARIN: Ich habe an das Gericht ein Ansuchen, das folgende zwei Punkte betrifft: erstens, mir die Möglichkeit einer zusammenhängenden Darstellung vor dem Gericht zu gewähren, und zweitens, mir zu gestatten, zu Beginn meiner Darstellung mehr oder weniger ausführlich, soweit es die Zeit gestattet, auf eine Analyse der ideologisch-politischen Einstellungen des verbrecherischen „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ einzugehen, und zwar aus folgenden Gründen: erstens, weil davon verhältnismäßig wenig die Rede war, zweitens, weil das ein gewisses öffentliches Interesse hat, und drittens, weil der Bürger Staatsanwalt diese Frage, wenn ich mich nicht irre, in der vorigen Sitzung aufgeworfen hat.

WYSCHINSKI: Sollte der Angeklagte Bucharin vorhaben, das Recht des Staatlichen Anklägers, im Verlauf seiner Aussagen an ihn Fragen zu richten, irgendwie zu beschränken, so glaube ich, dass der Genosse Vorsitzende Bucharin klarmachen muss, dass das Recht des Staatlichen Anklägers, Fragen zu stellen, auf dem Gesetz beruht. Deshalb bitte ich, dieses Ansuchen abzulehnen, wie dies von der Strafprozessordnung vorgesehen ist.

BUCHARIN: Ich habe mein Ersuchen nicht so aufgefasst.

VORSITZENDER: Die erste Frage an den Angeklagten Bucharin lautet: bestätigen Sie Ihre in der Voruntersuchung gemachte Aussage über die sowjetfeindliche Tätigkeit?

BUCHARIN: Meine Aussage bestätige ich voll und ganz.

VORSITZENDER: Was wünschen Sie über die sowjetfeindliche Tätigkeit zu sagen? Der Genosse Staatsanwalt ist jedoch befugt, Fragen zu stellen.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie mir, das Verhör des Angeklagten Bucharin zu beginnen. Formulieren Sie kurz, wessen Sie sich als schuldig bekennen.

BUCHARIN: Erstens der Zugehörigkeit zum konterrevolutionären „Block der Rechten und Trotzkisten“.

WYSCHINSKI: Seit welchem Jahre?

BUCHARIN: Vom Moment der Bildung des Blocks an. Ich bekenne mich schuldig, schon vorher der konterrevolutionären Organisation der Rechten angehört zu haben.

WYSCHINSKI: Seit welchem Jahre?

BUCHARIN: Ungefähr seit 1928. Ich bekenne mich schuldig, dass ich einer der prominentesten Führer dieses „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ war. Ich bekenne mich folglich dessen schuldig, was unmittelbar daraus folgt, schuldig der Gesamtheit der Verbrechen, die von dieser konterrevolutionären Organisation begangen wurden, unabhängig davon, ob ich von ihnen wusste oder nicht, ob ich an diesem oder jenem Akt direkten Anteil genommen habe oder nicht, weil ich als einer der Führer und nicht als Weichensteller dieser konterrevolutionären Organisation verantwortlich bin.

WYSCHINSKI: Welche Ziele verfolgte diese konterrevolutionäre Organisation?

BUCHARIN: Diese konterrevolutionäre Organisation, wenn man dies kurz formulieren soll...

WYSCHINSKI: Vorläufig kurz.

BUCHARIN: Sie verfolgte im Grunde genommen, obwohl sie sich sozusagen an vielleicht dessen nicht genügend bewusst war und nicht das i-Tüpfelchen auf das „i“ setzte, als ihr Hauptziel die Restauration der kapitalistischen Verhältnisse in der UdSSR. WYSCHINSKI: Den Sturz der Sowjetmacht?

BUCHARIN: Den Sturz der Sowjetmacht - das war das Mittel zur Realisierung dieses Zieles.

WYSCHINSKI: Auf dem Wege?

BUCHARIN: Wie bekannt...

WYSCHINSKI: Auf dem Wege eines gewaltsamen Sturzes?

BUCHARIN: Ja, auf dem Wege eines gewaltsamen Sturzes dieser Macht.

WYSCHINSKI: Mit Hilfe?

BUCHARIN: Durch Ausnutzung aller Schwierigkeiten, die der Sowjetmacht im Wege stehen, im Besonderen durch die Ausnutzung des Krieges, der prognostisch in Aussicht stand.

WYSCHINSKI: Der prognostisch mit wessen Hilfe in Aussicht gestellt wurde?

BUCHARIN: Von Seiten auswärtiger Staaten.

WYSCHINSKI: Unter welchen Bedingungen?

BUCHARIN: Unter den Bedingungen, wenn man es konkret sagen soll, einer ganzen Reihe von Zugeständnissen.

WYSCHINSKI: Bis zu…

BUCHARIN: Bis zu territorialen Abtretungen.

WYSCHINSKI: Das heißt?

BUCHARIN: Soll man das Tüpfelchen auf das „i“ setzen, dann unter den Bedingungen einer Zerstückelung der UdSSR.

WYSCHINSKI: Der Lostrennung ganzer Gebiete und Republiken von der UdSSR?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Zum Beispiel?

BUCHARIN: Der Ukraine, des fernöstlichen Küstengebiets, Belorusslands.

WYSCHINSKI: Zugunsten?

BUCHARIN: Zugunsten der entsprechenden Staaten, die geographisch und politisch…

WYSCHINSKI: Nämlich?

BUCHARIN: Zugunsten Deutschlands, zugunsten Japans, zum Teil Englands.

WYSCHINSKI: So. Wie lautete das Abkommen mit den entsprechenden Kreisen? Mir ist ein Abkommen bekannt, das beim Block vorhanden war.

BUCHARIN: Ja, beim Block bestand ein Abkommen.

WYSCHINSKI: Und auch eine Schwächung der Wehrfähigkeit?

BUCHARIN: Sehen Sie, diese Frage wurde nicht beraten, wenigstens nicht in meiner Anwesenheit.

WYSCHINSKI: Und wie verhielt es sich mit der Schädlingsarbeit?

BUCHARIN: Mit der Schädlingsarbeit verhielt es sich so, dass letzten Endes, besonders unter dem Druck des trotzkistischen Teils des so genannten Kontaktzentrums, das ungefähr 1933 entstanden ist, trotz einer ganzen Reihe innerer Meinungsverschiedenheiten und der manipularen politischen Mechanik, was für die Untersuchung kein Interesse bietet, nach verschiedenen Zwischenfällen, Streitigkeiten und dergleichen die Orientierung auf die Schädlingsarbeit beschlossen wurde.

WYSCHINSKI: Schwächte dies die Wehrfähigkeit unseres Landes?

BUCHARIN: Selbstverständlich.

WYSCHINSKI: Folglich bestand eine Orientierung auf die Schwächung, die Untergrabung der Wehrfähigkeit?

BUCHARIN: Das war nicht formal, aber dem Wesen nach war es so.

WYSCHINSKI: Aber die diesbezüglichen Handlungen und die Tätigkeit in dieser Richtung waren klar?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Von den Diversionsakten können Sie dasselbe sagen?

BUCHARIN: Was die Diversionsakte anbetrifft, so befasste ich mich kraft der Arbeitsteilung und meiner bestimmten Funktionell, die Ihnen bekannt sind, hauptsächlich mit der Problematik der allgemeinen Leitung und mit der ideologischen Seite, was natürlich weder mein Informiertsein über die praktische Seite der Sache, noch die Ergreifung einer ganzen Reihe von praktischen Schritten meinerseits ausschloss.

WYSCHINSKI: Ich begreife es, dass bei Ihnen Arbeitsteilung geherrscht hat.

BUCHARIN: Ich sage aber, Bürger Staatsanwalt, dass ich die Verantwortung für den Block trage.

WYSCHINSKI: Aber der Block, an dessen Spitze Sie standen, machte es sich doch zur Aufgabe, Diversionsakte zu organisieren?

BUCHARIN: Soweit ich auf Grund einzelner, verschiedener, in meinem Gedächtnis auftauchender Sachen urteilen kann, geschah dies je nach der konkreten Situation und den konkreten Verhältnissen.

WYSCHINSKI: Wie Sie aus dem Prozess ersehen, war die Situation eine genügend konkrete. Sprachen Sie mit Chodshajew darüber, dass man wenig Schädlingsarbeit verrichtet, dass man schlecht schädigt?

BUCHARIN: Gespräche darüber, dass man die Schädlingsarbeit forcieren müsse, fanden nicht statt.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie mir, den Angeklagten Chodshajew zu befragen.

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI: Angeklagter Chodshajew, hatten Sie ein Gespräch mit Bucharin darüber, dass man die Schädlingsarbeit forcieren müsse?

CHODSHAJEW: Als ich mit Bucharin im August 1936 bei mir im Landhaus sprach, wies er darauf hin, dass die Schädlingsarbeit in unserer nationalistischen Organisation schwach betrieben wird.

WYSCHINSKI: Und was sollte man tun?

CHODSHAJEW: Sie verstärken und nicht nur die Schädlingsarbeit verstärken, sondern man müsse zur Organisierung von Aufständen, von Terror usw. übergehen.

WYSCHINSKI: Angeklagter Bucharin, stimmt das, was Chodshajew sagt?

BUCHARIN: Nein.

WYSCHINSKI: Sie haben die Aufgabe gestellt, eine Aufstandsbewegung zu organisieren?

BUCHARIN: Eine Orientierung auf den Aufstand war vorhanden.

WYSCHINSKI: Die Orientierung war vorhanden? Sie schickten Slepkow nach dem Nordkaukasus zur Organisierung dieser Sache. Sandten Sie Jakowenko zu dem gleichen Zweck nach Bijsk?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Und ist es nicht das, was Chodshajew in Anwendung auf Mittelasien sagt?

BUCHARIN: Ich glaubte, dass, wenn Sie über Mittelasien fragen, es sich in meiner Antwort nur um Mittelasien handeln müsse.

WYSCHINSKI: Sie stellen somit für Mittelasien diese Tatsache in Abrede, jedoch nicht die Einstellung des Blocks, ich aber fragte Sie nach der Einstellung des Blocks.

BUCHARIN: Und ich wies Sie darauf hin, dass diese Frage von Fall zu Fall, je nach den geographischen, politischen und sonstigen Verhältnissen entschieden wurde.

WYSCHINSKI: Sie bestreiten die Aussage Chodshajews? Ich forderte soeben deswegen Chodshajew auf, gegen Sie Zeugnis abzulegen, weil es für mich von Wichtigkeit ist, die Tatsache zu illustrieren, dass Ihr „Block der Rechten und Trotzkisten“, wie Sie behaupten, von Fall zu Fall, je nach den Umständen, Aufträge zur Organisierung einer Aufstands-, Diversions- und Schädlingsbewegung erteilt hat. Sind Sie damit einverstanden?

BUCHARIN: Damit bin ich einverstanden. Aber ich muss präzisieren, damit kein Wirrwarr entsteht. Die Aufstände, von denen Sie sprechen, waren im Jahre 1930, der „Block der Rechten und Trotzkisten“ wurde jedoch, wie das Ihnen, Bürger Staatsanwalt, bekannt ist, im Jahre 1933 organisiert.

WYSCHINSKI: Aber seine Taktik unterschied sich in nichts von der Ihres rechten Zentrums. Sind Sie damit einverstanden?

BUCHARIN: Ich bin einverstanden.

WYSCHINSKI: Folglich gehörte die Organisierung einer Aufstandsbewegung auch zu der Tätigkeit des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“?

BUCHARIN: Sie gehörte dazu.

WYSCHINSKI: Und dafür tragen Sie die Verantwortung?

BUCHARIN: Ich sagte bereits, dass ich für die Gesamtheit der Handlungen verantwortlich bin.

WYSCHINSKI: Bestand beim Block die Einstellung auf Organisierung terroristischer Akte zur Ermordung der Führer der Partei und der Sowjetregierung?

BUCHARIN: Sie bestand, und ich glaube, dass man diese Organisierung ungefähr vom Herbst 1932 zu datieren hat.

WYSCHINSKI: Und Ihr Verhalten zur Ermordung von Sergej Mironowitsch Kirow? Wurde dieser Mord ebenfalls mit Wissen und auf Weisung des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ verübt?

BUCHARIN: Das war mir nicht bekannt.

WYSCHINSKI: Ich frage: dieser Mord wurde mit Wissen und auf Weisung des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ verübt?

BUCHARIN: Und ich wiederhole, dass mir dies unbekannt ist, Bürger Staatsanwalt.

WYSCHINSKI: Speziell in Bezug auf die Ermordung S. M. Kirows war es Ihnen nicht bekannt?

BUCHARIN: Nicht speziell, sondern...

WYSCHINSKI: Gestatten Sie, den Angeklagten Rykow zu befragen?

VORSITZENDER: Bitte.

WYSCHINSKI: Angeklagter Rykow, was ist Ihnen über die Ermordung von Sergej Mironowitsch Kirow bekannt?

RYKOW: Von irgendeiner Teilnahme der Rechten und des rechten Teils des Blocks an der Ermordung Kirows weiß ich nichts.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen überhaupt über die Vorbereitung terroristischer Akte, von Morden an Mitgliedern der Partei und der Regierung etwas bekannt?

RYKOW: Ich, als einer der Führer des rechten Teils dieses Blocks, beteiligte mich an der Organisierung einer ganzen Reihe terroristischer Gruppen und an der Vorbereitung terroristischer Akte. Wie ich in meinen Aussagen erklärt habe, kenne ich keinen einzigen Beschluss des rechten Zentrums, durch welches ich Beziehungen zum „Block der Rechten und Trotzkisten“ besah, der sich auf die tatsächliche Verübung von Morden bezöge…

WYSCHINSKI: Auf die tatsächliche Verübung. Schön. Ist Ihnen bekannt, dass sich der „Block der Rechten und Trotzkisten“ die Organisierung und die Verübung terroristischer Akte gegen die Führer der Partei und der Regierung zu einer seiner Aufgaben gemacht hatte?

RYKOW: Ich habe noch mehr gesagt, nämlich, dass ich persönlich terroristische Gruppen organisierte, und Sie fragen mich danach, ob ich durch eine dritte Person von diesen Aufgaben wusste.

WYSCHINSKI: Ich frage, hatte der „Block der Rechten und Trotzkisten“ mit der Ermordung des Genossen Kirow zu tun?

RYKOW: Was den rechten Teil anbelangt, so liegen mir keine Angaben vor, dass er mit diesem Mord etwas zu tun hatte, und deshalb bin ich bis zum gegenwärtigen Augenblick davon überzeugt, dass der Mord an Kirow von den Trotzkisten ohne Mitwissen der Rechten verübt wurde. Natürlich konnte ich davon auch nichts gewusst haben.

WYSCHINSKI: Standen Sie mit Jenukidse in Verbindung?

RYKOW: Mit Jenukidse? Sehr wenig.

WYSCHINSKI: Er war Teilnehmer an dem „Block der Rechten und Trotzkisten“?

RYKOW: Jawohl, seit 1933.

WYSCHINSKI: Welchen Teil vertrat er in diesem Block? Den trotzkistischen oder den rechten? Zu welchem neigte er?

RYKOW: Er vertrat wohl den rechten.

WYSCHINSKI: Schön, setzen Sie sich bitte.

Gestatten Sie mir, den Angeklagten Jagoda zu befragen? Angeklagter Jagoda, ist es Ihnen bekannt, dass Jenukidse, von dem soeben der Angeklagte Rykow sprach, den rechten Teil des Blocks vertrat und mit der Organisierung des Mordes an Sergej Mironowitsch Kirow unmittelbar zu tun hatte?

JAGODA: Sowohl Rykow als auch Bucharin sagen nicht die Wahrheit. Rykow und Jenukidse nahmen an der Sitzung des Zentrums teil, wo die Ermordung S. M. Kirows beraten wurde.

WYSCHINSKI: Hatten die Rechten damit zu tun?

JAGODA: Direkt, da es ein „Block der Rechten und Trotzkisten; war.

WYSCHINSKI: Hatten insbesondere die Angeklagten Rykow und Bucharin mit diesem Morde zu tun?

JAGODA: Direkt.

WYSCHINSKI: Hatten Sie als Mitglied des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ mit diesem Mord zu tun?

JAGODA: Ja.

WYSCHINSKI: Sprechen gegenwärtig Bucharin und Rykow die Wahrheit, wenn sie behaupten, dass sie davon nichts gewusst hätten?

JAGODA: Das kann nicht sein, weil, als Jenukidse mir mitteilte, dass sie, d. h. der „Block der Rechten und Trotzkisten“, in einer gemeinsamen Sitzung die Verübung eines terroristischen Aktes gegen Kirow beschlossen haben, ich kategorisch dagegen Einspruch erhob…

WYSCHINSKI: Warum?

JAGODA: Ich erklärte, dass ich keine terroristischen Akte zulassen werde. Ich sah dies für völlig unnütz an.

WYSCHINSKI: Und als gefährlich für die Organisation?

JAGODA: Natürlich.

WYSCHINSKI: Nichtsdestoweniger?

JAGODA: Nichtsdestoweniger bestätigte Jenukidse...

WYSCHINSKI: Was?

JAGODA: Dass sie in dieser Sitzung...

WYSCHINSKI: Wer: sie?

JAGODA: Rykow und Jenukidse, dass sie anfangs kategorisch Einspruch erhoben gegen...

WYSCHINSKI: Wogegen?

JAGODA: Gegen die Verübung eines terroristischen Aktes, aber unter dem Druck des übrigen Teils des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“...

WYSCHINSKI: Vornehmlich des trotzkistischen Teils?

JAGODA: Ja, unter dem Druck des übrigen Teils des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ gaben sie ihre Zustimmung. So erzählte mir Jenukidse.

WYSCHINSKI: Ergriffen Sie persönlich daraufhin irgendwelche Maßnahmen, um zu erreichen, dass der Mord an Sergej Mironowitsch Kirow vollzogen wird?

JAGODA: Ich persönlich?

WYSCHINSKI: Ja, als Mitglied des Blocks.

JAGODA: Ich erließ eine Verfügung...

WYSCHINSKI: An wen?

JAGODA: Nach Lenin grad an Saporoshez. Das war nicht ganz so.

WYSCHINSKI: Darauf werden wir später zu sprechen kommen. Jetzt muss ich die Teilnahme Rykows und Sacharins an dieser Freveltat aufklären.

JAGODA: Ich erteilte eine Verfügung an Saporoshez. Als Nikolajew festgenommen wurde...

WYSCHINSKI: Das erste Mal?

JAGODA: Ja. Saporoshez kam her und berichtete mir, dass ein Mann festgenommen wurde...

WYSCHINSKI: In dessen Aktentasche?

JAGODA: Sich ein Revolver und ein Tagebuch befanden. Und er hat Ihn auf freien Fuß gesetzt,

WYSCHINSKI: Und Sie hießen das gut?

JAGODA: Ich nahm das zur Kenntnis.

WYSCHINSKI: Und sodann erteilten Sie die Weisung, der Ermordung von Sergej Mironowitsch Kirow keine Hindernisse in dun Weg zu legen?

JAGODA: Ja, ich erteilte... So war es nicht.

WYSCHINSKI: In einer etwas anderen Fassung?

JAGODA: Es war nicht so, aber das ist nicht von Belang.

WYSCHINSKI: Haben Sie eine Weisung gegeben?

JAGODA: Eine Bestätigung.

WYSCHINSKI: Eine Bestätigung. Setzen Sie sich.

VORSITZENDER (zu Wyschinski): Haben Sie noch Fragen?

WYSCHINSKI: An Bucharin habe ich noch eine Frage. Ist Ihr Verhalten zum Terror, zum Terror gegen die führenden Persönlichkeiten der Sowjetunion ein positives oder ein negatives?

BUCHARIN: Ich verstehe. Bei mir wurde aus diesem Anlass zum ersten Male die Frage des Terrors bei einer Unterredung mit Pjatakow akut, wobei ich wusste, dass Trotzki auf eine terroristische Taktik besteht. Ich war damals dagegen.

WYSCHINSKI: Wann war das der Fall?

BUCHARIN: Letzten Endes fanden jedoch Pjatakow und ich eine gemeinsame Sprache, und zwar unter der Formel, dass alles beigelegt werden wird und dass die Meinungsverschiedenheiten sich so oder anders ausgleichen werden, und sodann teilte ich Ihnen, Bürger Staatlicher Ankläger...

WYSCHINSKI: Teilten Sie dem Gericht in meiner Anwesenheit mit...

BUCHARIN: Teilte ich dem Gericht in Ihrer Anwesenheit mit, dass die Orientierung auf den Terror im Grunde genommen tatsächlich bereits auf der Rjutinschen Plattform beruhte.

WYSCHINSKI: Ich verstehe. Ich möchte wissen, ob Ihr Verhalten zum Terror ein positives war?

BUCHARIN: Das heißt, was wollen Sie damit sagen?

WYSCHINSKI: Ob Sie ein Anhänger dessen waren, dass man die Führer unserer Partei und der Regierung ermordet?

BUCHARIN: Sie fragen... ob ich als Teilnehmer des Zentrums der Rechten und Trotzkisten ein Anhänger...

WYSCHINSKI: ... terroristischer Akte waren.

BUCHARIN: Ich war es.

WYSCHINSKI: Gegen wen?

BUCHARIN: Gegen die Führer der Partei und der Regierung.

WYSCHINSKI: Die Einzelheiten werden Sie nachher erzählen. Ungefähr 1929-1930 wurden Sie ein solcher Anhänger?

BUCHARIN: Nein, ich glaube ungefähr 1932.

WYSCHINSKI: Und im Jahre 1918 waren Sie nicht für die Ermordung der Führer unserer Partei und Regierung?

BUCHARIN: Nein, nicht.

WYSCHINSKI: Waren Sie für die Verhaftung Lenin s?

BUCHARIN: Für die Verhaftung? Es kamen zwei derartige Fälle vor, von einem Fall erzählte ich Lenin selbst, den anderen verschwieg ich aus konspirativen Erwägungen, worüber ich, falls es Ihnen beliebt, ausführlichere Erläuterungen geben kann. Das war der Fall.

WYSCHINSKI: Das war der Fall?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Und war die Rede davon, Wladimir Iljitsch zu ermorden?

BUCHARIN: Das erste Mal war die Rede von einer Festnahme für 24 Stunden. So lautete die Formel, und das zweite Mal...

WYSCHINSKI: Und falls sich Wladimir Iljitsch nicht unterwirft?

BUCHARIN: Aber Wladimir Iljitsch ließ sich, wie Ihnen bekannt, in keinen bewaffneten Kampf ein, er war kein Gewaltmensch.

WYSCHINSKI: Folglich rechneten Sie darauf, dass Wladimir Iljitsch sich nicht widersetzen werde, sobald Sie kommen werden, ihn zu verhaften?

BUCHARIN: Sehen Sie, ich kann mich auf eine andere Person berufen. Als die „linken“ Sozialrevolutionäre Dsershinski verhafteten, leistete er ebenfalls keinen bewaffneten Widerstand.

WYSCHINSKI: Das hängt jedes Mal von der konkreten Situation ab. In diesem Falle rechneten Sie somit auf keinen Widerstand?

BUCHARIN: Nein.

WYSCHINSKI: Und auf eine Verhaftung des Genossen Stalin rechneten Sie im Jahre 1918 nicht?

BUCHARIN: Damals fanden mehrere Gespräche betreffend...

WYSCHINSKI: Ich frage Sie nicht nach Gesprächen, sondern nach dem Plan der Verhaftung des Genossen Stalin.

BUCHARIN: Und ich sage: wenn ich mit Ihnen nicht einverstanden bin, dies als Plan zu charakterisieren, gestatten Sie mir, auch dem Gericht nachzuweisen, was in Wirklichkeit der Fall war. Dann kann man sagen: ein Plan bestand bei uns nicht, sondern es fand ein Gespräch statt.

WYSCHINSKI: Worüber?

BUCHARIN: Es war dies ein Gespräch betreffend die Zusammensetzung einer neuen Regierung aus „linken Kommunisten“.

WYSCHINSKI: Ich frage: hatten Sie einen Plan, im Jahre 1918 Genossen Stalin zu verhaften?

BUCHARIN: Nicht Stalin, sondern es wurde geplant, Lenin, Stalin und Swerdlow zu verhaften.

WYSCHINSKI: Also alle drei: Lenin , Stalin und Swerdlow?

BUCHARIN: Ganz richtig.

WYSCHINSKI: Folglich nicht Genossen Stalin, sondern die Genossen Stalin, Lenin und Swerdlow?

BUCHARIN: Ganz recht.

WYSCHINSKI: Bestand der Plan einer Verhaftung?

BUCHARIN: Ich sage: es bestand kein Plan, sondern es fanden diesbezügliche Gespräche statt.

WYSCHINSKI: Auch über die Ermordung der Genossen Stalin, Lenin und Swerdlow?

BUCHARIN: Keinesfalls.

WYSCHINSKI: Ich stelle dem Gericht den Antrag, heute gegen Ende der Sitzung oder zur nächsten Gerichtsverhandlung folgende Zeugen in der gegenwärtigen Sache vorzuladen: Die ehemalige aktive Teilnehmerin der Gruppe „linker Kommunisten“ Jakowlewa, den ehemaligen aktiven Teilnehmer an der so genannten Gruppe der „linken Kommunisten“ Ossinski, Manzew und ferner die „linken“ Sozialrevolutionäre, die Mitglieder des ZK der „linken“ Sozialrevolutionäre, Karelin und Kamkow, um sie darüber zu befragen, ob Bucharin und die „linken Kommunisten“, an deren Spitze er damals stand, zusammen mit den „linken“ Sozialrevolutionären irgendeinen Plan, und welchen, hatten, die Genossen Lenin , Stalin und Swerdlow zu verhaften und zu ermorden. Vorläufig habe ich keine Fragen mehr,

BUCHARIN: Gestatten Sie zu beginnen.

VORSITZENDER (nach einer Beratung mit den Mitgliedern des Gerichtshofs): Das Gericht hat beschlossen, dem Ansuchen des Staatlichen Anklägers um Vorladung von Jakowlewa, Ossinski, Manzew, Karelin und Kamkow als Zeugen stattzugeben.

WYSCHINSKI: Das befriedigt mich durchaus.

VORSITZENDER: Haben Sie vorläufig keine Fragen an Bucharin?

WYSCHINSKI: Vorläufig nicht.

VORSITZENDER: Ich erläutere dem Angeklagten Bucharin, dass er nicht eine Verteidigungsrede hält und auch nicht das letzte Wort.

BUCHARIN: Ich begreife das.

VORSITZENDER: Wenn Sie also irgendetwas über Ihre verbrecherische antisowjetische Tätigkeit zu sagen wünschen, so bitte, Sie haben das Wort.

BUCHARIN: Ich möchte auf die Frage der Restauration des Kapitalismus eingehen. Ist es gestattet?

WYSCHINSKI: Natürlich, das ist ja Ihre Hauptspezialität.

BUCHARIN: Ich möchte anfangs auf die ideologischen Einstellungen eingehen, und zwar nicht in dem Sinne, um die Verantwortung für die prahlerische verbrecherische konterrevolutionäre Tätigkeit abzulehnen. Ich möchte es durchaus nicht haben, dass sich beim proletarischen Gericht gerade eine derartige Meinung herausbildet. Ich möchte die Frage beantworten, die der Bürger Staatlicher Ankläger an Rakowski gerichtet hat: zu welchem Zweck der „Block der Rechten und Trotzkisten“ einen derart verbrecherischen Kampf gegen die Sowjetmacht geführt hat. Ich sehe ein, dass ich kein Lektor bin und hier keine Predigten halten soll, ich bin Angeklagter, der die Verantwortung zu tragen hat als Verbrecher, der vor dem Gericht des proletarischen Landes steht. Aber gerade deswegen, weil es mir schien, dass dieser Prozess von öffentlicher Bedeutung ist und diese Frage außerordentlich wenig beleuchtet wurde, glaubte ich, dass es von Nutzen wäre, auf das Programm einzugehen, das nie und nirgends niedergeschrieben wurde, auf das praktische Programm des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, und die Klammern der einen Formel aufzulösen, was die Restauration des Kapitalismus ist, wie sie in den Kreisen des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ realisiert und aufgefasst wurde. Ich wiederhole, dass, wenn ich auf diese Seite der Sache eingehen möchte, ich durchaus nicht die Verantwortung für verschiedene praktische Sachen, für meine konterrevolutionären Verbrechen abschütteln will. Ich möchte jedoch sagen, dass ich nicht ein Weichensteller der Konterrevolution war, sondern einer der Führer der Konterrevolution und dass ich als einer der Führer in einem weit höheren Maße verantwortlich bin, eine weit größere Verantwortung trage als jeder beliebige von den Weichenstellern. Also darf man mich nicht dessen verdächtigen, dass ich mich drücken oder der Verantwortung ausweichen will, auch wenn ich sogar kein Teilnehmer an der Organisation der Rechten und Trotzkisten gewesen wäre. Das Gericht und die öffentliche Meinung unseres Landes werden ebenso wie die öffentliche Meinung anderer Länder, soweit es sich um die fortschrittliche Menschheit handelt, urteilen können, wie Leute so tief haben sinken können, wie wir uns alle in erbitterte Konterrevolutionäre, in Verräter an der sozialistischen Heimat haben verwandeln können, wie wir uns in Spione, Terroristen, Restauratoren des Kapitalismus verwandelt haben und wie letzten lindes die Ideen, die politischen Einstellungen des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ beschaffen sind. Wir gingen auf Verrat, Verbrechen, Landesverrat aus. Aber zu welchem Zweck gingen wir darauf aus? Wir verwandelten uns in einen Aufstandstrupp, organisierten terroristische Gruppen, befassten uns mit Schädlingsarbeit, wollten die so ruhmreiche Leitung Stalins, die Sowjetmacht des Proletariats stürzen.
Eine der sehr verbreiteten Antworten ist die, dass die Logik des Kampfes uns veranlaßt hat, Konterrevolutionäre, Verschwörer, Verräter zu sein, dass sie uns zu einer solchen Schmach, zu einem solchen Verbrechen gebracht hat, wegen dessen wir auf der Anklagebank sitzen. Ich spreche schon nicht davon, dass derartige Sachen im öffentlichen Leben nicht vorkommen, hier besteht eine Logik, die Logik des Kampfes verbindet sich mit den Methoden des Kampfes, mit der Einstellung.
Ich möchte auf diese Angaben eingehen, obwohl ich überzeugt bin, dass eine derartige Terminologie für eine derart Verbrecherische Tätigkeit eigentlich recht sonderbar klingt, aber nichtsdestoweniger scheint es mir, dass es dennoch wichtig Ist, darauf einzugehen.
Es wurde vielmals nachgewiesen und zehntausende Male wiedergekäut, dass die rechte Abweichung vom Zeitpunkt ihrer Entstehung an, als sie eben erst auftauchte und sich im Embryonalzustand befand, sich die Aufgabe der Restauration des Kapitalismus stellte. Darüber gedenke ich nicht zu reden. Ich möchte über eine andere Seite der Sache reden, von einem weit wichtigeren Standpunkt aus, über die objektive Seite dieser Sache, weil hier das Problem der Zurechnungsfähigkeit und der Urteilsfähigkeit vom Standpunkt der vor dem Gericht zutage tretenden Verbrechen auftaucht, um so mehr als ich hier als einer der Führer auf der Anklagebank sitze. Man muss hier vom Ausgangspunkt ausgehen.
Die rechte Konterrevolution schien in der ersten Zeit eine „Abweichung“ zu sein, auf den ersten Blick eine solche, die mit der Unzufriedenheit mit der Kollektivierung, mit der Unzufriedenheit mit der Industrialisierung begann, die glaubte, dass die Industrialisierung angeblich die Produktion zugrunde richtet. Das war auf den ersten Blick die Hauptsache. Nachher erschien die Rjutinsche Plattform. Als sämtliche staatliche Maschinen, alle Mittel, alle besten Kräfte zur Industrialisierung des Landes, zur Kollektivierung herangezogen wurden, da erwiesen wir uns buchstäblich in 24 Stunden auf der anderen Seite, wir traten auf die Seite der Kulaken, der Konterrevolutionäre, wir standen damals mit den kapitalistischen Überresten zusammen, die es zu jener Zeit noch auf dem Gebiete des Warenumsatzes gab. Daraus resultiert auch der Hauptsinn, die Einschätzung ist vom subjektiven Standpunkt aus klar. Hier spielte sich bei uns ein sehr interessanter Prozess ab, die Überschätzung der individuellen Wirtschaft, die Neigung zu ihrer Idealisierung, zur Idealisierung ihres Eigentümers. So war die Evolution beschaffen. Im Programm stand die wohlhabende individuelle Bauernwirtschaft, und der Kulak verwandelte sich eigentlich in einen Selbstzweck. Über die Kollektivwirtschaften ironisierte man. Bei uns, den konterrevolutionären Verschwörern, bildete sich damals immer mehr die folgende Psychologie heraus: Die Kollektivwirtschaften seien Zukunftsmusik. Man müsse die reichen Eigentümer vorwärts bringen. Ein so gewaltiger Umschwung erfolgte in den Einstellungen und in der Psychologie. Im Jahre 1917 wäre es keinem von den Parteimitgliedern, darunter auch mir nicht, eingefallen, irgendwelche getötete Weißgardisten zu bedauern, in der Periode der Liquidierung des Kulakentums 1929 und 1930 bedauerten wir die Entkulakisierten aus so genannten humanitären Erwägungen. Wem von uns wäre es eingefallen, im Jahre 1919 den Verfall unserer Wirtschaft den Bolschewiki zuzuschreiben und nicht der Sabotage? Niemandem. Dies hätte ganz offen und einfach als Verrat gegolten. Aber bereits im Jahre 1928 stellte ich ja selbst die Formel der militärfeudalen Ausbeutung der Bauernschaft auf, d. h., schrieb die Auswirkungen des Klassenkampfes nicht der dem Proletariat feindlichen Klasse, sondern gerade der Leitung des Proletariats selbst zu. Das war bereits eine Wendung um 180 Grad. Dies bedeutet hier: die ideologisch-politischen Einstellungen schlugen in konterrevolutionäre Einstellungen um. Die Kulakenwirtschaft und ihre Interessen wurden faktisch zu einem Programmpunkt. Die Logik des Kampfes führte zur Logik der Ideen und zu einer Änderung unserer Psychologie, zu einer Konterrevolutionierung unserer Ziele.
Man nehme die Industrie. Zunächst erhoben wir ein Geschrei gegen Überindustrialisierung, übermäßige Anspannung des Budgets usw. Aber dem Wesen der Sache nach war dies eine Programmforderung, es war das Ideal eines kulakisch-agrarischen Landes mit einem industriellen Anhängsel. Und in psychologischer Beziehung? Und in psychologischer Beziehung predigten wir seinerzeit die sozialistische Industrialisierung und begannen dann mit Achselzucken, mit Ironie und später in der Hauptsache mit Verbitterung auf unsere gewaltigen, gigantisch wachsenden Fabriken zu blicken, wie auf irgendwelche gefräßige Ungeheuer, die alles verzehren und den breiten Massen die Verbrauchsartikel entziehen; wir sahen in ihnen eine bestimmte Gefahr. Die heroischen Anstrengungen der führenden Arbeiter...

VORSITZENDER: Angeklagter Bucharin, Sie haben wieder nicht verstanden. Sie haben jetzt nicht das letzte Wort. Es wurde Ihnen vorgeschlagen, Aussagen über Ihre sowjetfeindliche konterrevolutionäre Tätigkeit zu machen, und Sie halten einen Vortrag. In Ihrem letzten Wort können Sie sagen, was Sie wollen. Zum dritten Male erkläre ich Ihnen das!

BUCHARIN: Dann gestatten Sie mir, sehr kurz...

WYSCHINSKI: Sagen Sie, Angeklagter Bucharin, wie sich das bei Ihnen praktisch in die sowjetfeindliche Tätigkeit kleidete.

BUCHARIN: Dann gestatten Sie mir einige Programmpunkte aufzuzählen. Und dann gehe ich zur Darlegung meiner konterrevolutionären praktischen Tätigkeit über. Ist das gestattet, Bürger Vorsitzender?

VORSITZLINDER: Etwas kürzer, bitte. Sie werden die Möglichkeit haben, eine Rede zu ihrer eigenen Verteidigung zu halten.

BUCHARIN: Das ist keine Verteidigung meinerseits, das ist eine Selbstanklage. Ich habe nicht ein Wort zu meiner Verteidigung gesagt. Wenn ich praktisch meine programmatische Einstellung formulieren soll, so ist dies in wirtschaftlicher Hinsicht der Staatskapitalismus, der wirtschaftstüchtige Einzelbauer, der Abbau der Kollektivwirtschaften, ausländische Konzessionen, das Aufgeben des Außenhandelsmonopols und als Ergebnis - die Restaurierung des Kapitalismus.

WYSCHINSKI: Worauf liefen Ihre Ziele hinaus? Welche allgemeine Prognose gaben Sie?

BUCHARIN: Die Prognose lief darauf hinaus, dass es zu einer stärkeren Neigung in der Richtung des Kapitalismus kommen wird.

WYSCHINSKI: Und wie kam es?

BUCHARIN: Aber es kam ganz anders.

WYSCHINSKI: Aber es ergab sich der volle Sieg des Sozialismus.

BUCHARIN: Es ergab sich der volle Sieg des Sozialismus.

WYSCHINSKI: Und der volle Bankrott Ihrer Prognose.

BUCHARIN: Und der volle Bankrott unserer Prognose. Innerhalb des Landes war unser faktisches Programm - ich muss das ausdrücklich sagen - das Abgleiten zur bürgerlich-demokratischen Freiheit, zur Koalition, weil aus dem Block mit den Menschewiki, Sozialrevolutionären und anderen die Freiheit auf Parteienbildung folgt; die Koalition folgt ganz logisch aus der Blockbildung für den Kampf, denn wenn man Verbündete für den Sturz der Regierung wirbt, so werden sie am nächsten Tag im Falle eines eventuellen Sieges Teilhaber der Macht. Ein Abgleiten nicht nur auf das Geleis der bürgerlich-demokratischen Freiheit, sondern im politischen Sinne auf ein Geleise, wo es unzweifelhaft Elemente des Cäsarismus gibt.

WYSCHINSKI: Sagen Sie einfach - des Faschismus.

BUCHARIN: Wenn es in den Kreisen des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ eine ideologische Orientierung auf das Kulakentum und gleichzeitig eine Orientierung auf eine Palastrevolution und einen Staatsumsturz, auf eine militärische Verschwörung, auf eine Prätorianergarde der Konterrevolutionäre gab, so sind das eben nichts anderes als Elemente des Faschismus.
Wenn auf denn Gebiete der Wirtschaft jene Momente des Staatskapitalismus wirksam sind, von denen ich gesprochen habe...

WYSCHINSKI: Kurz gesagt, Sie sind bis zum direkten nackten Faschismus gesunken.

BUCHARIN: Ja, das ist richtig, obwohl wir nicht das Tüpfelchen aufs „i“ setzten. Das ist die Formulierung, die uns als Verschwörer und Restauratoren des Kapitalismus kennzeichnet, sie ist von allen Gesichtspunkten aus richtig. Und es ist ganz natürlich, dass dies begleitet wurde von einer Degeneration und Entartung der ganzen Ideologie, unserer ganzen Praxis und Methodik des Kampfes.

Jetzt gestatten Sie, unmittelbar zur Darstellung meiner verbrecherischen Tätigkeit überzugehen.

WYSCHINSKI: Vielleicht darf ich vorher zwei, drei Fragen biographischen Charakters stellen.

BUCHARIN: Bitte.

WYSCHINSKI: Sie haben in Österreich gelebt?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Lange?

BUCHARIN: 1912-1913.

WYSCHINSKI: Standen Sie nicht mit der österreichischen Polizei in Verbindung?

BUCHARIN: Nein.

WYSCHINSKI: Sie haben in Amerika gelebt?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Lange?

BUCHARIN: Lange.

WYSCHINSKI: Wie viele Monate?

BUCHARIN: Etwa sieben Monate.

WYSCHINSKI: Standen Sie in Amerika nicht mit der Polizei in Verbindung?

BUCHARIN: Absolut nicht.

WYSCHINSKI: Aus Amerika reisten Sie nach Russland, über...

BUCHARIN: Über Japan.

WYSCHINSKI: Haben Sie sich dort lange aufgehalten?

BUCHARIN: Eine Woche.

WYSCHINSKI: Hat man Sie im Laufe dieser Woche nicht angeworben?

BUCHARIN: Wenn es Ihnen beliebt, mir solche Fragen zu stellen...

WYSCHINSKI: Ich habe auf Grund der Strafprozessordnung das Recht, solche Fragen zu stellen.

VORSITZENDER: Der Staatsanwalt hat um so mehr das Recht, eine solche Frage zu stellen, als Bucharin eines schon im Jahre 1918 verübten Mordanschlags gegen die Führer der Partei angeklagt ist, als Sie angeklagt sind; schon im Jahre 1918 die Hand gegen das Leben Wladimir Iljitsch Lenin s erhoben zu haben.

WYSCHINSKI: Ich überschreite nicht den Rahmen der Strafprozessordnung. Wenn es Ihnen beliebt, können Sie „nein“ sagen, aber ich darf fragen.

BUCHARIN: Ganz richtig.

VORSITZENDER: Die Zustimmung des Angeklagten ist nicht erforderlich.

WYSCHINSKI: Es wurden keinerlei Verbindungen mit der Polizei geknüpft?

BUCHARIN: Absolut nicht.

WYSCHINSKI: Ähnlich wie mit Tschernow im Autobus. Ich frage Sie über Verbindungen mit irgendeiner Polizeibehörde.

BUCHARIN: Keinerlei Verbindungen mit irgendwelchen Polizeibehörden.

WYSCHINSKI: Warum sind Sie dann so leicht zum Block gestoßen, der sich mit Spionagetätigkeit befasste?

BUCHARIN: Über Spionagetätigkeit weiß ich absolut nichts.

WYSCHINSKI: Wieso wissen Sie nichts?

BUCHARIN: So.

WYSCHINSKI: Und der Block, womit befasste er sich?

BUCHARIN: Hier wurden zwei Aussagen über Spionage gemacht - von Scharangowitsch und Iwanow, das heißt von zwei Provokateuren.

WYSCHINSKI: Angeklagter Bucharin, und halten Sie Rykow für einen Provokateur?

BUCHARIN: Nein, ich halte ihn nicht dafür.

WYSCHINSKI (zu Rykow): Angeklagter Rykow, ist Ihnen bekannt, dass der „Block der Rechten und Trotzkisten“ Spionagetätigkeit betrieb?

RYKOW: Ich weiß, dass es Organisationen gab, die Spionagetätigkeit trieben.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, betrieb die belorussische national-faschistische Organisation, die einen Teil Ihres „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ bildete, und von dem Angeklagten Scharangowitsch geleitet wurde, Spionagetätigkeit?

RYKOW: Davon habe ich schon gesprochen.

WYSCHINSKI: Betrieb sie Spionagetätigkeit?

RYKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Stand sie mit dem polnischen Spionagedienst in Verbindung?

RYKOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wussten Sie davon?

RYKOW: Ich wusste davon.

WYSCHINSKI: Und Bucharin wusste nichts davon?

RYKOW: Meiner Meinung nach wusste auch Bucharin davon.

WYSCHINSKI: Also, Angeklagter Bucharin, davon spricht nicht Scharangowitsch, sondern Ihr Freundchen Rykow.

BUCHARIN: Aber nichtsdestoweniger wusste ich nichts davon.

VORSITZENDER: Genosse Staatsanwalt, haben Sie keine weiteren Fragen?

WYSCHINSKI: Ich möchte dem Angeklagten Bucharin etwas erklären. Verstehen Sie jetzt, warum ich Sie bezüglich Österreichs fragte?

BUCHARIN: Die Verbindung mit der österreichischen Polizei bestand darin, dass ich in Osterreich in Festungshaft saß.

WYSCHINSKI: Angeklagter Scharangowitsch, Sie waren polnischer Spion, obwohl Sie im Gefängnis saßen?

SCHARANGOWITSCH: Ich war es, obwohl ich saß.

BUCHARIN: Ich saß im schwedischen Gefängnis, zweimal im russischen Gefängnis, ich saß im deutschen Gefängnis.

WYSCHINSKI: Der Umstand, dass Sie im Gefängnis saßen, ist kein Beweis dafür, dass Sie nicht ein Spion sein konnten.
Angeklagter Rykow, bestätigen Sie, dass Bucharin nach allem Sitzen und Absitzen in den Gefängnissen verschiedener Länder mit Ihnen zusammen von den Spionageverbindungen Scharangowitschs mit dem polnischen Spionagedienst wusste? Wusste und billigte er es?

RYKOW: Ich wusste von Organisationen, die eine Spionagetätigkeit betreiben.

WYSCHINSKI: Der Umstand, dass Bucharin in verschiedenen Gefängnissen gesessen hatte, hinderte ihn nicht daran, die Verbindung seiner Komplicen mit dem polnischen Spionagedienst zu billigen. Verstehen Sie das?

RYKOW: Nein, ich verstehe es nicht.

WYSCHINSKI: Bucharin versteht das.

BUCHARIN: Ich verstehe es, aber ich stelle es in Abrede.

VORSITZENDER: Fahren Sie fort.

BUCHARIN: Ich muss kurz über die Etappen sprechen. Der Grund zu meiner konterrevolutionären Tätigkeit wurde, soweit es sich um die rechte Abweichung, um ihre Evolution bis zum „Block der Rechten und Trotzkisten“ mit einer entsprechenden Methodik des Kampfes, mit entsprechenden verbrecherischen Aktionen handelt, dem Wesen der Sache nach schon 1919-1920 bewusst gelegt, als ich aus meinen Schülern an der Swerdlow-Universität eine Gruppe zusammenschloss, die sehr rasch in eine Fraktion hinüber zu wachsen begann. Die Zusammensetzung dieser Gruppe ist bekannt; sie ist ersichtlich aus den Materialien der Voruntersuchung und, soweit ich mich auf Grund der Repliken des Bürgers Staatsanwalt orientieren kann, ist er davon unterrichtet.

WYSCHINSKI: Unter Ihren Schülern befand sich Slepkow, den Sie in den Nordkaukasus sandten, um Aufstände zu organisieren?

BUCHARIN: Ganz richtig. Ich kann noch einige Tatsachen anführen.

WYSCHINSKI: Der gleichen Art?

BUCHARIN: Nein, nicht dieser Art.

WYSCHINSKI: Aber solchen Typs?

BUCHARIN: Nein.

WYSCHINSKI: Nun, etwa in dieser Art?

BUCHARIN: Gestatten Sie, mit einem Wort kann ich den ganzen Inhalt nicht aufdecken.

WYSCHINSKI: Fahren Sie fort.

BUCHARIN: Es entstand eine gewisse Kaderzelle, die dann später einer der Bestandteile der gesamten konterrevolutionären Organisation der Rechten, und dann folgerichtig zum „Block der Rechten und Trotzkisten“ wurde.
Ungefähr 1923 schrieb ich das so genannte Memorandum, das dem Zentralkomitee überreicht werden sollte, jedoch übermittelte ich es dort nicht, sondern es zirkulierte in den Kreisen dieser Schule, in der eine ganze Reihe von Einstellungen festzustellen waren, die dann entarteten, sich entfalteten und die entsprechenden giftigen Früchte trugen. Dort sprach ich davon, dass in der Führung der Partei eine Krise durch die andere abgelöst...

WYSCHINSKI: Es ist uns jetzt völlig uninteressant, was Sie dort gesagt haben.

BUCHARIN: 1928, als sich im Lande Elemente einer Krise in den Beziehungen zwischen Proletariat und Bauernschaft bemerkbar machten und die Parteiführung mit Stalin an der Spitze die Linie der Überwindung der Schwierigkeiten und der Offensive auf das Kulakentum festsetzte, begann sich die Opposition zu formieren - anfänglich nur als Opposition. Eine der Episoden besteht darin, dass ich in diesem Jahre zum damaligen Leiter der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung, G. G. Jagoda kam, um tendenziös ausgewählte Materialien zu erhalten; er gab mir auch die entsprechend ausgewählten Materialien, die ich dann zur Formierung meiner konterrevolutionären Ideologie benutzte und auf deren Grundlage ich entsprechende Handlungen einleitete.

WYSCHINSKI: Wann formierte sich Ihre konterrevolutionäre rechte Organisation?

BUCHARIN: Ungefähr in das Jahr 1928-1929 fallen meine Annäherungen an Tomski und Rykow, dann Verbindungen und Fühlungnahme mit damaligen Mitgliedern des Zentralkomitees, illegale Beratungen, die dem Zentralkomitee gegenüber illegal waren und infolgedessen überschritt die Organisation die Grenzen der Legalität des Sowjetstaates und auf dieser Grundlage wuchs schon rasch eine eigenartige Organisation der Führung der rechten Organisation heran, die man als eine hierarchische Stufenleiter etwa folgendermaßen darstellen kann: Eine Dreiergruppe - Rykow, Tomski und ich, die damals Mitglieder des Politbüros waren, oppositionelle Mitglieder des Zentralkomitees, die auf Grund ihrer Einstellungen schon damals in eine konterrevolutionäre Gruppierung hinüber wuchsen, darauf folgend verschiedene Gruppierungen, als deren grundlegende Bestandteile die folgenden zu nennen sind: Bucharin und seine berüchtigte Schule erstens, Tomski und Kader von Gewerkschaftlern zweitens, Rykow und seine Sekretäre und Leute aus dem Sowjetapparat drittens, Uglanow mit Moskauer Rayonfunktionären und die Gruppe in der Industrieakademie viertens. So bildete sich hier eine Oberschicht dieser konterrevolutionären Organisation heraus.

WYSCHINSKI: Und Jagoda, wohin gehörte er?

BUCHARIN: Jagoda stand abseits.

WYSCHINSKI: Er war mit Ihnen verbunden?

BUCHARIN: Ja, er war mit uns verbunden.

WYSCHINSKI: Er half Ihnen, tendenziöses Material zusammen zustellen?

BUCHARIN: Ganz richtig.

WYSCHINSKI: Er war also ein Beteiligter...

BUCHARIN: Ich spreche jetzt von der hierarchischen Stufenleiter der Führung und deswegen habe ich von Jagoda...

WYSCHINSKI: Ich wollte nur den Angeklagten Jagoda nicht kränken.

BUCHARIN: Nun begann man nach Leuten für eine Blockbildung zu suchen. Erstens, meine Begegnung mit Kamenew in seiner Wohnung. Zweitens, die Begegnung mit Pjatakow im Krankenhaus, der auch Kamenew beiwohnte. Drittens, die Begegnung mit Kamenew im Landhaus von Schmidt.
Ich vergaß zu sagen, dass schon im Jahre 1928, auf der Grundlage von und in Verbindung mit dem Auftreten von oppositionellen, damals noch nicht in konterrevolutionäre hinüber gewachsene Einstellungen der Vertreter einer ganzen Gruppe des Zentralkomitees und auf der Grundlage eines entsprechenden Planes, von mir die so genannte Plattform im Jahre 1928 zusammengestellt wurde.
Ich erinnere an sie nicht deswegen, weil sie eine weite Zirkulation erhielt und nicht, weil ihre Idee, wie bekannt, damals allen praktischen Maßnahmen zugrunde lag, und sie zum ideologisch-formierenden Beginn wurde, sondern weil ich bei der zweiten Sondierung mit den trotzkistisch- sinowjewistischen Kreisen und insbesondere beim Zusammentreffen mit Kamenew und Pjatakow den ökonomischen Teil dieser Plattform den erwähnten Personen erläuterte.
Ich weiß nicht, interessiert es Sie im Einzelnen...

VORSITZENDER: Meiner Meinung nach kann man diese Episoden kurz erzählen.

BUCHARIN: Gut. Die Zusammenkunft mit Kamenew in seiner Wohnung. Da wurden scharfe, verleumderische Reden geführt über die Führung der Partei, über das Regime in der Partei, über Organisierung des Hungers, Bürgerkrieg im Lande, wurde die Parteiführung verleumdet usw. usw.
Die Zusammenkunft im Krankenhaus. Ich wiederhole, dass insofern die ökonomische Plattform diesen bekannten Lärm verursacht hat, es hier keinerlei Abkommen gab, sondern eine Sondierung, eine Fühlungnahme und dass hier der Versuch gemacht wurde, ein Abkommen zu erreichen.
Und schließlich, drittens, die Zusammenkunft im Landhaus von Wassilij Schmidt, der selbst damals nicht anwesend war und der ich, mein Sekretär Zeitlin, Kamenew und Tomski beiwohnten. Die Unterredung war da verhältnismäßig kurz und bestand in der Beratung jener Taktik, die wir als oppositionelle Mitglieder des ZK auf dem bevorstehenden Plenum des Zentralkomitees einschlagen sollten. Wobei die Position Kamenews die war, dass er uns zum Auftreten aufhetzte, aber auch wir warteten ab. So dass ich alle diese drei Versuche als Rekognoszierung einer verbrecherischen Verbindung und verbrecherischen Blockierung gegen die Führung der Partei und gegen die Partei in jenen Kreisen, die sich um Kamenew, Sinowjew einerseits und den Trotzkisten Pjatakow anderseits gruppierten, ansehe.
1930-1931 beginnt die folgende Etappe in der Entwicklung der konterrevolutionären Organisation der Rechten. Damals gab es im Lande eine große Zuspitzung des Klassenkampfes, Sabotage des Kulakentums, Widerstand des Kulakentums gegen die Politik der Partei usw.
Diese Etappe betrachtete ich als Übergang zur „doppelten Buchführung“ auf der ganzen Front. Die Dreiergruppe verwandelte sich in ein illegales Zentrum und wenn daher diese Dreiergruppe früher die Leitung oppositioneller Kreise gewesen war, so verwandelte sie sich jetzt in das Zentrum einer illegalen konterrevolutionären Organisation. Und insofern sie, ich wiederhole es, der Partei gegenüber illegal waren, wurden sie durch diese Tatsache auch den Organen der Sowjetmacht gegenüber illegal.
Diesem illegalen Zentrum schloss sich eng Jenukidse an, der durch Tomski mit diesem Zentrum Verbindung hatte. Ihm stand damals auch Uglanow nahe, dessen spezifisches Gewicht in der Parteiorganisation ziemlich groß war, weil er in der jüngsten Vergangenheit, ungefähr bis in jene Zeit, die Moskauer Parteiorganisation geleitet hatte.
Damals, etwa Ende 1931, wurden auch die Teilnehmer der so genannten Schule in die Peripherie geschickt: nach Woronesh, Samara, Lenin grad, Nowosibirsk, und diese Tatsache ihrer Entsendung in die Peripherie wurde schon damals zu konterrevolutionären Zwecken ausgenutzt.

WYSCHINSKI: Auf welche Weise wurde sie ausgenutzt?

BUCHARIN: Sie wurde in denn Sinne ausgenutzt, dass wir diesen zersetzten Leuten, wir, die Mitglieder dieser illegalen Dreiergruppe, die Mitglieder des rechten Zentrums, darunter auch ich, den direkten Auftrag in erster Linie zur Anwerbung von Leuten gaben. Was Jagoda anbelangt, so forderte dieser damals, wie A. I. Rykow mitteilte, wenn mich das Gedächtnis nicht trügt, für sich eine besondere Stellung, gerade damals mit besonderem Nachdruck.

WYSCHINSKI: In welchem Sinne eine besondere Stellung?

BUCHARIN: Eine besondere Stellung innerhalb der rechten Organisation im Sinne besonders konspirativer Formen seiner Maskierung, was in Verbindung mit dem von ihm bekleideten Posten in der offiziellen Sowjethierarchie vollkommen verständlich war.

WYSCHINSKI: Verschaffte er sich eine solche Stellung?

BUCHARIN: Er erschaffte sich eine solche Stellung. Ungefähr im Herbst 1932 beginnt die nächste Etappe in der Entwicklung der rechten Organisation, und zwar: der Übergang zur Taktik des gewaltsamen Sturzes der Sowjetmacht.

WYSCHINSKI: Von welchem Jahre datieren Sie sie?

BUCHARIN: Ich datiere sie ungefähr vom Sommer 1932. Aber ich muss sagen, Bürger Staatlicher Ankläger, dass man überhaupt bei dieser Periodisierung im Auge behalten muss, dass sie einen bedingten Charakter trägt, weil ich z. B. auf die Tatsache der Entsendung von Jakowenko mit meinem Einverständnis und unter Zustimmung des rechten Zentrums hinweisen werde und ich jene Tatsachen erwähnte, über die Sie mich befragten, und bezüglich der ich Ihnen eine bejahende Antwort gegeben habe. Sie beziehen sich auf eine frühere Periode. Ich ziehe daraus nur die Schlussfolgerung, dass das Nichtzusammenfallen der Daten keineswegs als Widerlegung des Verbrecherischen des einen oder anderen Aktes dienen kann, weil es hier keine scharf gezogenen Grenzen gab. Überdies gab es in einigen Fällen, wie in dem Fall mit Jakowenko, eine so heiße Situation, dass sie von unserer Seite eine entsprechende verbrecherische Reaktion hervorriefen.
Ich datiere den Übergang zur Taktik des gewaltsamen Sturzes im Allgemeinen von dem Zeitpunkt, an dem die so genannte Rjutinsche Plattform fixiert wurde. Von der Rjutinschen Plattform wurde hier ziemlich viel gesprochen und vielleicht ist es nicht nötig, bei ihr zu verweilen. Sie wurde aus Gründen der Konspiration Rjutinsche genannt, zur Rückversicherung gegen ein Auffliegen, sie wurde Rjutinsche genannt, um das rechte Zentrum und seine führendsten Figuren zu bemänteln. Außerdem muss ich noch mehr sagen: mir scheint, dass die Rjutinsche Plattform, und deswegen gestatte ich mir, Ihre Aufmerksamkeit noch einige Minuten länger in Anspruch zu nehmen, soweit ich mich während des Prozesses erinnere, mir scheint, dass diese Plättform der rechten konterrevolutionären Organisation wohl gar die allgemeine tatsächliche Plattform anderer Gruppierungen, darunter der kamenewschen, sinowjewschen und trotzkistischen war.
Gerade in eben jenem Moment ergab sich eine solche Situation, dass Trotzki seine linkslerische Uniform abwerfen musste. Als es zur genauen Formulierung dessen kam, was denn letzten Endes getan werden sollte, enthüllte sich sofort seine rechte Plattform, das heißt, er musste über die Entkollektivierung usw. sprechen.

WYSCHINSKI: Das heißt, Sie rüsteten ideologisch auch den Trotzkismus aus?

BUCHARIN: Ganz richtig. Hier gab es ein solches Kräfteverhältnis, dass Trotzki in der Richtung der Verschärfung der Kampfmethoden einen Druck ausübte, wir ihn aber bis zu einem gewissen Grade ideologisch ausrüsteten. (Zu Wyschinski) Über die Rjutinsche Plattform ist mehr nicht nötig?

WYSCHINSKI: Das ist Ihre Sache.

BUCHARIN: Nein, ich frage, interessiert Sie das oder nicht?

WYSCHINSKI: Mich interessiert Ihr Verbrechen.

BUCHARIN: Gut, aber dieser Verbrechen gibt es so viele, Bürger Staatsanwalt, dass man aus ihnen die wesentlichen auswählen muss.

WYSCHINSKI: Mich interessieren sie alle. Nicht in einer Auswahl, sondern vom Anfang bis zum Ende.

VORSITZENDER: Vorläufig gehen Sie immer noch um die Sache herum und sagen nichts über Ihre Verbrechen.

BUCHARIN: Sie betrachten also die illegale Organisation nicht als ein Verbrechen, die Rjutinsche Plattform betrachten Sie auch nicht als ein Verbrechen?

WYSCHINSKI: Nicht darum handelt es sich, sondern man sagt Ihnen, dass Sie um die Sache herumgehen.

VORSITZENDER: Angeklagter Bucharin, ich ersuche Sie, nicht zu streiten, sondern zu sprechen, wenn Sie sprechen wollen.

BUCHARIN: Ich werde sprechen.

VORSITZENDER: In etwa fünfzehn Minuten muss der Verhandlungsordnung nach die Sitzung geschlossen werden, ich ersuche Sie, Ihre Gedanken abzurunden oder Schluss zu machen.

WYSCHINSKI: Sie haben hier von Jagoda gesprochen. Ich möchte Jagoda befragen. Angeklagter Jagoda, sagen Sie bitte, haben Sie dem Block die Forderung gestellt, dass Sie in eine besonders konspirative Lage versetzt werden wollen?

JAGODA: Ja, eine solche Forderung meinerseits gab es.

WYSCHINSKI: Erinnern Sie sich nicht, in welcher Situation dies war und mit wem Sie darüber gesprochen haben?

JAGODA: Ich sprach mit Rykow darüber.

WYSCHINSKI: Angeklagter Rykow, Sie bestätigen das?

RYKOW: Ich bestätige es, ich habe darüber schon in meinen Aussagen in der Voruntersuchung gesprochen.

WYSCHINSKI: Fahren Sie fort.

BUCHARIN: In der Rjutinschen Plattform wurde der Übergang zur Taktik des gewaltsamen Sturzes der Sowjetmacht fixiert.
In Verbindung damit, scheint mir, muss man bei der Konferenz vom Jahre 1932 verweilen. Diese in die Peripherie gesandten Arbeiter, die hauptsächlich aus diesen „Jungen“ bestanden, kehrten von ihren Plätzen zurück und unter Initiative von Slepkow und mit meiner Sanktion beriefen sie Ende des Sommers 1932 eine Konferenz ein, auf der Berichte aus den Orten gegeben wurden.

WYSCHINSKI: Illegale Berichte?

BUCHARIN: Illegale: Die Konferenz war illegal, die Arbeit war illegal, die Berichte waren illegal und die Berichte handelten von illegaler Arbeit.

WYSCHINSKI: Die Konferenz war konterrevolutionär, die Berichte waren konterrevolutionär, und die Berichte handelten von konterrevolutionärer Arbeit.

BUCHARIN: Ja, all dies war konterrevolutionär.
Auf der Tagesordnung stand auf dieser Konferenz unter anderem auch die Frage der Rjutinschen Plattform, wobei die Konferenz diese Rjutinsche Plattform billigte. Danach fand eine Beratung der „Drei“ plus Uglanow statt. Ich nahm an dieser Beratung nicht teil, da ich mich im Urlaub befand, aber nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub erklärte ich mich mit dieser Plattform völlig einverstanden und ich trage dafür die volle Verantwortung. Die Rjutinsche Plattform wurde im Namen des rechten Zentrums gebilligt. Das Wesen der Rjutinschen Plattform bildeten: die „Palastrevolution“, der Terror, der Kurs auf einen direkten Zusammenschluss mit den Trotzkisten. In jener Zeit reift in den rechten Kreisen, dabei nicht nur in den führenden Kreisen, sondern, soweit ich mich erinnere, auch unter einem Teil der Peripherie-Funktionäre die Idee der „Palastrevolution“ heran. Anfänglich wurde dieser Gedanke von Tomski, der mit Jenukidse verbunden war, ausgesprochen. Dieser Gedanke kam Tomski in Verbindung mit den Möglichkeiten der Ausnutzung der Dienststellung Jenukidses, in dessen Händen damals der Schutz des Kremls konzentriert war. Wir haben hier die Logik des Kampfes und des Verschwindens der Woge für die legale Arbeit, die Entwicklung dieser Idee, die Festigung der Verbindung Tomskis und Jenukidses und Rykows mit Jagoda. Tomski erzählte, dass Jenukidse einverstanden sei, an diesem Umsturz aktiv teilzunehmen. Tomski erzählte mir auch, dass Jenukidse Peterson angeworben hatte. Und hier Mitte, ironisch ausgedrückt, die Frage von der akademischen Fragestellung in die praktische aus, weil Elemente der Organisierung des Umsturzes vorlagen.
Infolgedessen wurde schon damals ein Plan aufgestellt und wurden die organisatorischen Kräfte zur Verwirklichung dieses Planes ausgewählt, das heißt zur Anwerbung von Leuten für die Durchführung der „Palastrevolution“. Zu jener Zeit entstand die politische Blockbildung mit Kamenew, Sinowjew. In jener Periode gab es Zusammenkünfte mit Syrzow und Lominadse.
Ich muss sagen, ich bitte nur, das Gericht möge das nicht so verstehen, dass ich die gegen mich erhobenen Anklagen abschwächen will, dass in dieser Gruppe eine politisch nicht völlig unterschiedslose Tendenz war, dass die Rechten mit den Trotzkisten nicht vereinigt waren, dass die Trotzkisten auf den Terror rechneten, die Rechten aber auf eine aufständische Bewegung gehofft haben. Die Rechten forcierten die Organisation für eine Massenaktion.
Ich denke, dass das im gegebenen Falle nicht eine Abschwächung ist; ich sage, was der Fall war, und was aus den Berichten, die damals gegeben wurden, bekannt geworden war. Wir rechneten darauf, die Massen heranzuziehen.
Ich pflegte Unterredungen mit Pjatakow, Tomski und Rykow. Rykow führte Unterredungen mit Kamenew, und Sinowjew mit Pjatakow.
Im Sommer 1932 hatte ich zum zweiten Male Unterredungen mit Pjatakow im Volkskommissariat für Schwerindustrie. Eine Unterredung zu haben, war damals für mich sehr einfach, da ich unter der Leitung Pjatakows arbeitete. Er war damals mein Chef. Ich musste in dienstlichen Angelegenheiten zu ihm ins Arbeitszimmer gehen, was keinerlei Verdacht hervorrief. Es rief auch das keinerlei Verdacht hervor, dass ich lange bei ihm im Arbeitszimmer sitzen blieb. Es konnte doch so manche Dienstangelegenheiten geben.

WYSCHINSKI: Sie nützten alle legalen Möglichkeiten für illegale Unterredungen aus.

BUCHARIN: Ich nutzte die legalen Möglichkeiten für sowjetfeindliche, illegale Zwecke aus. Pjatakow erzählte in diesem Gespräch, das im Sommer 1932 stattfand, von der Unterredung mit Sedow bezüglich Trotzkis Richtlinie in Bezug auf den Terror. Damals war ich mit Pjatakow der Meinung, dass dies nicht unsere Ideen seien, aber wir kamen zu dem Schluss, dass wir sehr rasch eine gemeinsame Sprache finden werden, und dass die Meinungsverschiedenheiten im Kampfe gegen die Sowjetmacht verschwinden werden. Tomski und Rykow, vielleicht irre ich mich, sprachen mit Kamenew und Sokolnikow. Ich erinnere mich, dass in jener Periode Tomski besonders auf der Durchführung eines Staatsumsturzes und auf der Konzentration aller Kräfte bestand, damals, als sich die Mitglieder des rechten Zentrums auf eine Aufstandsbewegung orientierten. Ende 1932 schon, - die Rjutinsche Plattform datiert vorn Herbst, vom Ende Sommer 1932, die Konferenz datiert…

VORSITZENDER: Die Sitzung geht ihrem Ende zu. Schließen Sie ab.

BUCHARIN: Dann beende ich nur den einen Gedanken, dass Ende 1932 bereits der konterrevolutionäre Block der Rechten, Trotzkisten und Kamenew-Sinowjew-Leute geschaffen wurde.

VORSITZENDER: Damit wird die Sitzung geschlossen. Die nächste Sitzung findet am 7. März um 11 Uhr statt.

 

(Unterschrift)

Der Vorsitzende:
Vorsitzender des Militärkollegiums des
Obersten Gerichtshofes der UdSSR
Armee-Militärjurist W. Ulrich

Der Sekretär:
Militärjurist I. Ranges A. Batner

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