PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

ABENDSITZUNG VOM 8. MÄRZ 1938

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN JAGODA

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen. Angeklagter Jagoda, bestätigen Sie die Aussagen, die Sie in der Voruntersuchung gemacht haben?

JAGODA: Ich bestätige sie.

VORSITZENDER: Was wünschen Sie dem Gericht über Ihre Verbrechen zu sagen?

JAGODA: Der Beginn meiner sowjetfeindlichen Tätigkeit muss in das Jahr 1928 verlegt werden, als ich in die antisowjetische Organisation der Rechten eintrat. Dem gingen meine Verhandlungen mit Rykow voraus, mit dem ich in ziemlich freundschaftlichen persönlichen Beziehungen stand.
Die Besonderheit meiner Stellung in der Organisation der Rechten bestand hauptsächlich darin, dass ich als Stellvertreter des Vorsitzenden der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung in jener Zeit nicht an dem offenen konterrevolutionären Kampf der Rechten teilnehmen konnte und mich in konspirativer Lage befand. Von dieser meiner Rolle in der Organisation der Rechten wussten einige Personen: Rykow, Bucharin, Uglanow, A. P. Smirnow (Foma). Tomski. In der ersten Etappe des Kampfes der Rechten gegen die Sowjetmacht bestand meine Rolle darin, dass ich die Organisation der Rechten - Rykow und Bucharin - mit tendenziös ausgewählten, geheimen Materialien der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung belieferte, die sie - Bucharin und Rykow- in ihrem Kampf gegen die Partei ausnützten.
Im weiteren, als die Rechten im Kampfe gegen die Partei und Sowjetmacht zur Illegalität übergingen, wies mir das Zentrum der Rechten die Aufgabe zu, die Organisation der Rechten vor der Entlarvung zu schützen. Und dieser Vereinbarung gemäß habe ich im Verlaufe einer Reihe von Jahren alle Maßnahmen getroffen, um die Organisation der Rechten, insbesondere ihr Zentrum, vor dem Hochgehen zu schützen. Ich muss hier mit aller Verantwortung erklären, dass an dem Umstand, dass die Sowjetmacht und die Organe des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten erst in den Jahren 1937, 1938 die konterrevolutionäre Tätigkeit der Organisation der Rechten und des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ aufdecken und liquidieren konnten, meine verräterische Arbeit im System des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten schuld ist. Wäre der Sowjeterkundungsdienst von der konterrevolutionären Gruppe der Rechten und Spione, die dank meiner Person im Apparat des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten saßen, frei gewesen, so wäre die Verschwörung gegen die Sowjetmacht unzweifelhaft schon im Keime aufgedeckt worden.
Diese meine Schuld bekenne ich vor dem Sowjetgericht voll und ganz. Die Verantwortung für all dies müssen zugleich die zusammen mit mir auf der Anklagebank Sitzenden teilen, in erster Linie Rykow und Bucharin. Im Jahre 1931, in der Periode der Aktivisierung der illegalen Tätigkeit der Rechten, als die Aufgabe des Schutzes der Organisation vor dem Hochfliegen zur aktuellsten Frage wurde, verlangten die Leiter des Zentrums der Rechten von mir, dass in die leitende Arbeit der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung aktive Teilnehmer der Organisation der Rechten hineingebracht werden. Um nicht bloße Worte zu gebrauchen, will ich die konkrete Tatsache der Ernennung Moltschanows, Teilnehmer der Organisation der Rechten, zum Chef der Geheimpolitischen Abteilung, deren Aufgabe der Kampf gegen die Organisationen der Rechten und Trotzkisten war, erwähnen. Im Jahre 1931 lud mich Tomski zu sich in sein Landhaus ein, wo außer ihm auch Foma (Smirnow) anwesend war, und ordnete mir in kategorischster Form an, dies zu tun, was ich denn auch tat. Moltschanow wurde zum Chef der Geheimpolitischen Abteilung der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung ernannt. Damals informierte mich Tomski auch von dem Plan der Rechten, die Macht an sich zu reißen, und von dein vorgesehenen Block der Trotzkisten mit den Sinowjewleuten und den Rechten. In Verbindung mit diesem Vorschlag, hauptsächlich dazu, um, ich wiederhole es, die Organisation unmittelbar vor dem Hochgehen zu schützen, motivierten sie auch die Notwendigkeit der Ernennung Moltschanows, Mitgliedes dieser Organisation. In diesen Zeitabschnitt, 1931-1932, fällt auch die Schaffung einer Gruppe der Rechten aus Mitgliedern der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung durch mich innerhalb des Apparats der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung. Zu ihr gehörten: Prokofjew, Moltschanow, Mironow, Bulanow, Schanin und eine Reihe anderer Mitarbeiter. Im Jahre 1932 stellte ich im Zusammenhang mit dem Gesamtplan der Rechten über den Sturz der Sowjetmacht und die Ergreifung der Macht durch sie, auf Vorschlag Tomskis, Verbindung mit Jenukidse her. Dieser Vorschlag kam nicht zufällig. Damals waren die leitende Idee der Rechten und der Ausgangspunkt der Tätigkeit der Organisation die Orientierung auf den konterrevolutionären Umsturz durch Besetzung des Kremls. Ich halte es für überflüssig, dem Gerichte hier zu erklären, dass diese Fragestellung an und für sich das Resultat des Bankrotts der Einstellung auf den Massenaufstand, in erster Linie auf Kulakenaufstände, war, die man in einem gewissen Ausmaße in der Periode der Schwierigkeiten, das heißt 1930-1931, im Sinne hatte. Ende 1932, als der Sieg des Kollektivwirtschaftssystems uns die Einstellung auf Massenkulakenaufstände raubte, wurde die Einstellung auf die so genannte „Palastrevolution“ bestimmend. Daher ist völlig klar, dass meine Rolle in der Organisation, die Rolle eines Menschen, der den Posten des Stellvertreters des Vorsitzenden der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung innehatte, in dessen Händen sich die technischen Mittel des Umsturzes, das heißt der Schutz des Kreml, Truppenteile usw. befanden, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestellt wurde, und gerade deswegen stellte ich auch auf Vorschlag des Zentrums der Rechten die Verbindung mit Jenukidse her (damals bekleidete er den Posten des Sekretärs des Zentralexekutivkomitees der UdSSR), einem der Leiter der Verschwörerorganisation der Rechten.
Ein vorausgegangener Umstand führte Anfang 1933 zu ernsten Korrekturen unseres Planes. Ich spreche vom Machtantritt der Faschisten in Deutschland. Gründete sich bis dahin die Haupteinstellung der Rechten auf die Idee einer „Palastrevolution“ durch eigene Kräfte, so wurde von 1933 an Orientierung auf die faschistische Organisation genommen.
Bevor ich auf die Frage antworte, worauf konkret die Orientierung auf das faschistische Deutschland hinauslief, möchte ich folgendes erklären: Als die Rede von der so genannten „Palastrevolution“ war, hatte man im Auge, die Führung der Sowjetmacht und der Partei zu verhaften und zu stürzen, und nach dem Sturz der Sowjetmacht die kapitalistischen Verhältnisse im Lande wiederherzustellen - das, was Bucharin in seinem Verhör nicht den Mut hatte, offen und präzise zu erklären. Stellten wir uns die Aufgabe des Sturzes der Sowjetmacht? Ich beantworte diese Frage bejahend. Welches gesellschaftliche politische System hätten wir nach dem Sturz der Sowjetmacht im Lande aufgerichtet? Ich beantworte auch diese Frage geradeheraus - das kapitalistische System.
Ich gehe zur konkreten Darlegung der Tatsachen meiner Verbrechen über. Mit Jenukidse trat ich Ende 1931 oder Anfang 1932 in Verbindung. Ende 1932 traf ich mit ihm systematisch zusammen, beriet mit ihm häufig die Fragen der so genannten „Palastrevolution“. Aus Jenukidses Worten erfuhr ich, dass im Kreml eine militärische Verschwörerorganisation geschaffen worden war, die jeden Moment bereit war, den Umsturz zu vollziehen. Aus seinen Worten erfuhr ich auch von der Orientierung auf den deutschen Faschismus, der 1933 zur Macht kam.
Im Jahre 1933 wurde ein Zentrum, der Block der Trotzkisten, Rechten und Sinowjewleute organisiert und formiert. Ich erfuhr auch, dass der Block durch Rykow mit den Menschewiki und durch Bucharin mit den Sozialrevolutionären in Verbindung stand. Über die Beschlüsse dieses Zentrums informierte mich Jenukidse. Von ihm erfuhr ich, dass für den Januar 1934 ein Staatsstreich mit der Verhaftung der Teilnehmer des XVII. Parteitages, der um jene Zeit stattfand, vorbereitet wurde.
Ich gehe zur verräterischen Tätigkeit des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, zu seinen Verbindungen mit den auswärtigen Staaten über.
Erstens muss ich dem Gericht erklären, dass unter meinem Schutze im Apparat der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung selbst und dann in jenem des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten eine Gruppe meiner Anhänger, eine Gruppe von Spionen verschiedener ausländischer Spionagedienste bestand. Ich wusste von der Spionagetätigkeit von Saporoshez, Gaj, Wolowitsch, Pauker, Winezki und anderen, aber im Interesse der Verschwörung begünstigte ich ihre Tätigkeit, da ich sie für eine wertvolle Kraft in der Verwirklichung der Verschwörungspläne hielt, insbesondere auf der Linie der Verbindung mit den ausländischen Spionagediensten. Zweifellos waren die ausländischen Spionagedienste durch diese Spione von meiner Zugehörigkeit zur Organisation der Rechten und meiner Rolle in ihrer Organisation unterrichtet. Von der Existenz und Tätigkeit des ganzen „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ waren sie ebenfalls gut unterrichtet. Tatsachen, die diese Feststellung bestätigen, kann ich dem Gericht in der geschlossenen Sitzung mitteilen. Gerade durch einen dieser Spione, nämlich durch Winezki, der die Stellung eines Inspektors bei Rykow im Volkskommissariat für Verbindungswesen einnahm, wurde die Verbindung des Blocks, persönlich Rykows, mit dem Auslandszentrum der Menschewiki, mit Nikolajewski in die Wege geleitet.
Außer dieser Gruppe von Spionen im Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten sind mir noch andere Verbindungen des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ mit auswärtigen Staaten bekannt. Ich habe den Teilnehmer an der Verschwörung, Karachan, im Auge, mit dem ich 1935 in Verbindung trat. Karachan weihte mich in die außenpolitische Orientierung des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ ein, in dessen Auftrag er – Karachan - Verhandlungen mit deutschen faschistischen Kreisen führte. „Die Deutschen werden“, wie mir Karachan sagte, „dem Block beim Sturz der Sowjetmacht helfen.“ Karachan erzählte mir, dass Trotzki bereits seit langem Verhandlungen mit den Deutschen führe und sich zu sehr „engagiert“ habe (ich setze das in Anführungszeichen), indem er ihnen für die Hilfe im Kampf gegen die Bolschewiki viel zuviel versprach. Trotzki versprach, den Deutschen die Ukraine, Japan das Küstengebiet abzutreten. Den Worten Karachans nach beauftragte ihn der Block, mit den Deutschen zu feilschen. „Natürlich wird man einiges abtreten müssen“, sagte Karachan. Karachan wollte von mir eine Information über die Organisation des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ in der Union für seine bevorstehende Unterredung mit den deutschen faschistischen Kreisen. Ich gab ihm diese Information über die Organisation. Ich weiß, dass er eine Zusammenkunft mit führenden Faschisten hatte, dass damals eine Vereinbarung über die Unterstützung des antisowjetischen Blocks durch die Deutschen erzielt wurde, aber Einzelheiten der Verhandlungen in Bezug darauf, um welchen Preis die Vereinbarung erzielt wurde, sind mir nicht bekannt. Mit wem persönlich er zusammengekommen ist, werde ich in geschlossener Sitzung sagen.
Ich gehe zur terroristischen Tätigkeit des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ und zu meiner im Besonderen über. Nicht um in irgendeinem Maße meine Schuld abzuschwächen, sondern lediglich im Interesse der Feststellung der wahren Sachlage, muss ich dem Gericht erklären, dass die Versuche einiger Angeklagter in der vorliegenden Sache, mich als einen berufsmäßigen Terroristen hinzustellen, wesentlich falsch sind. Ich will und kann keine einzige der mir vorgehaltenen Beschuldigungen in Bezug auf Terrorakte in Abrede stellen, aber ich will nur unterstreichen, dass kein einziger dieser Akte von mir ohne Direktive des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ ausgeführt wurde. Wodurch ist zu erklären, dass in erster Linie mein Name mit diesen terroristischen Akten in Verbindung gebracht wird? Dies erklärt sich sehr einfach: lediglich durch meine spezifische Stellung in der Organisation der Rechten und auch durch den Umstand, dass ich als früherer Volkskommissar für Innere Angelegenheiten über mehr technische Möglichkeiten zur Ausführung der Beschlüsse des Zentrums verfügte als die anderen 'Peilnehmer des Blocks. Aus den vor Gericht erfolgten Verhören ist die tatsächliche Seite der verübten Terrorakte klar. Ich möchte bei der politischen Seite der Sache verweilen.
Erstens die Ermordung Kirows. Wie stand es damit? Im Jahre 1934, im Sommer, teilte mir Jenukidse von dem bereits gefassten Beschluss des Zentrums des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ über die Organisierung der Ermordung Kirows mit. An diesem Beschluss nahm Rykow unmittelbar teil. Aus dieser Mitteilung wurde mir vollkommen bekannt, dass die trotzkistisch-sinowjewschen terroristischen Gruppen die konkrete Vorbereitung des Mordes betreiben. Ich brauche hier nicht zu sagen, dass ich Einspruch zu erheben versuchte und eine ganze Reihe von Argumenten über die Unzweckmäßigkeit und Unnötigkeit dieses terroristischen Aktes vorbrachte. Ich argumentierte sogar damit, dass ich in erster Linie die Verantwortung für die Durchführung eines Terroraktes gegen ein Mitglied der Regierung trage, als die Person, die für den Schutz der Mitglieder der Regierung verantwortlich ist. Ich brauche hier nicht erst zu sagen, dass meine Einwendungen nicht in Betracht gezogen wurden und keine Wirkung hatten. Jenukidse bestand darauf, dass ich dieser Sache keinerlei Hindernisse in den Weg lege, der Terrorakt aber, sagte er, werde von der trotzkistischen-sinowjewschen Gruppe verübt werden. Infolgedessen sah ich mich genötigt, Saporoshez, der den Posten des Stellvertreters des Leiters der Verwaltung des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten bekleidete. vorzuschlagen, die Verübung des Terroraktes gegen Kirow nicht zu verhindern. Einige Zeit darauf teilte mir Saporoshez mit, dass von den Organen des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten Nikolajew festgenommen sei, bei dem ein Revolver und die Marschroute Kirows vorgefunden wurde. Nikolajew wurde freigelassen. Bald darauf wurde Kirow von eben diesem Nikolajew ermordet. Derart wurde, ich erkläre es kategorisch, die Ermordung Kirows auf Grund eines Beschlusses des Zentrums des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ durchgeführt. Auf Grund von Beschlüssen dieses Zentrums wurden auch die Terrorakte zur Tötung von Kuibyschew, Menshinski und Gorki durchgeführt.
Wie stand es damit? Schon vor der Ermordung Kirows war der Sohn Gorkis – Maxim - gestorben. Ich habe dem Gericht bereits erklärt, dass ich meine Beteiligung an der Erkrankung Maxims gestehe und ich ersuche zum zweiten Mal das Gericht, meine Erklärungen in dieser Angelegenheit in die geschlossene Sitzung zu verlegen.

WYSCHINSKI: Ich habe in Verbindung damit nur eine Frage, bekennen Sie sich schuldig der, wie Sie sich ausdrücken, Erkrankung Peschkows?

JAGODA: Alle Aufklärungen zu dieser Frage werde ich in der geschlossenen Sitzung geben.

WYSCHINSKI: Gut, aber bekennen Sie sich schuldig am Tode Peschkows?

JAGODA: Ich sage präzise: alle Aufklärungen zu dieser Frage werde ich in ihrer Gesamtheit in der geschlossenen Gerichtssitzung geben.

WYSCHINSKI: Bekennen Sie sich schuldig oder nicht?

JAGODA: Gestatten Sie mir, auf diese Frage nicht zu antworten.

VORSITZENDER (zum Staatsanwalt): Sie haben keine Einwendungen dagegen, die Frage des Todes Peschkows in die geschlossene Gerichtssitzung zu verlegen?

WYSCHINSKI: Ich habe nichts dagegen, wobei ich im Auge habe, dass die Resultate dieser Aufklärung in offener Sitzung bekannt gegeben werden können.

VORSITZENDER: Das Gericht hat verfügt, dem Ersuchen des Angeklagten Jagoda nachzukommen, und die Frage des Todes Peschkows wird in die geschlossene Sitzung verlegt.

Angeklagter Jagoda, fahren Sie fort.

JAGODA: Um diese Zeit wurde die Tötung Menshinskis ausgeführt. Ich bestreite, dass ich mich bei der Tötung Menshinskis von persönlichen Gesichtspunkten leiten ließ. Den Posten des Leiters der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung erstrebte ich nicht aus persönlichen Erwägungen, nicht aus karrieristischen Erwägungen, sondern im Interesse unserer Verschwörerorganisation. Der Beschluss des Zentrums über diese Frage wurde mir von Jenukidse persönlich übermittelt. In diesen beiden Fällen wurden Ärzte verwendet, was eine völlige Garantie in Bezug auf die Unmöglichkeit der Entlarvung gewährte.
Als Jenukidse den Beschluss des Kontaktzentrums über die Ermordung Kirows mitteilte, äußerte ich Befürchtungen, dass ein direkter Terrorakt nicht nur zu meiner, sondern auch zur Entdeckung der ganzen Organisation führen könne. Ich wies Jenukidse auf ein weniger gefährliches Mittel hin und erinnerte ihn daran, wie Menshinski mit Hilfe von Ärzten getötet worden war. Jenukidse erwiderte, dass die Ermordung Kirows so vollzogen werden müsse, wie vorgesehen, und dass diesen Mord die Trotzkisten und Sinowjewleute auf sich genommen hätten, unsere Sache aber sei - nicht zu stören.
Was das gefahrlose Mittel der Tötung mit Hilfe von Ärzten anbelangt, so sagte Jenukidse, dass das Zentrum in der nächsten Zeit beraten werde, wen namentlich von den Führern der Partei und der Regierung man in erster Linie mit Hilfe dieses Mittels ermorden werden müsse.
Tatsächlich teilte mir Jenukidse nach einiger Zeit bei der folgenden Zusammenkunft mit, dass das Zentrum den Beschluss gefasst habe, zu einer Reihe von Terrorakten gegen Mitglieder des Politbüros zu schreiten, und außerdem persönlich gegen Maxim Gorki. Der Beschluss In Bezug auf Kuibyschew war mir verständlich, aber ich konnte durchaus nicht die Verübung eines Terroraktes gegen Gorki begreifen. Jenukidse erklärte mir, dass der „Block der Rechten und Trotzkisten“, der als nächste Perspektive den Sturz der Sowjetmacht im Auge hat, in der Person Gorkis eine gefährliche Persönlichkeit sehe. Gorki sei ein unerschütterlicher Anhänger der Stalinschen Führung und werde im Falle eben Durchführung der Verschwörung zweifellos die Stimme des Protestes gegen uns Verschwörer erheben. Die gewaltige Autorität Gorkis innerhalb und außerhalb des Landes in Betracht ziehend, habe das Zentrum, nach den Worten Jenukidses, den kategorischen Beschluss der physischen Beseitigung Gorkis gefasst.
Jenukidse schlug mir angesichts meiner kategorischen Weigerung vor, Lewin zu ihm zu schicken. Ich führte dies aus, und nachdem Lewin von Jenukidse kam, gab ich zu diesem Akt meine Zustimmung. Und in der Folgezeit hatte ich selbst mehrere Gespräche mit Lewin und rief auf seinen Vorschlag hin Pletnjow zu mir.
Ich erkläre, dass die hier auf der Anklagebank Sitzenden, Rykow, Bucharin und andere, für diese Terrorakte die volle Verantwortung tragen. Ich erkläre, dass diese Akte auf ihren Beschluss hin durchgeführt wurden. Wie dies geschehen ist, dies werden die Ärzte besser als ich sagen.
Ich möchte die Aufmerksamkeit des Gerichtes noch auf eine Tatsache lenken. Das ist die Tatsache des Versuches der Vergiftung Jeshows durch eine Gruppe der Verschwörer.
Nach der Ernennung Jeshows zum Volkskommissar für Innere Angelegenheiten war es vollkommen klar, dass die gesamte Tätigkeit unserer Gruppe, ebenso wie die des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ aufgedeckt werden wird. Jeshow hatte bereits mit der Zerschmetterung der Verschwörerkader begonnen und konnte natürlich bis zum Zentrum des Blocks und bis zu mir im Besonderen gelangen.
Und nun beschlossen wir zur Rettung unserer Organisation, zur Rettung Rykows, Bucharins und der anderen, Jeshow zu ermorden. Die Vergiftung führte Bulanow durch, er hat dem Gericht davon erzählt. Ich bestreite einige Momente in seiner Rede, doch ändern sie nicht die Tatsache und das Wesen der Sache.
Ich leugne auch nicht die Tatsache, dass auf Forderung Jenukidses Geld an Trotzki durch Mirow-Abramow geschickt wurde. Das sind die Mitteilungen, die ich dem Gericht zu machen für notwendig halte.

VORSITZENDER: Haben Sie Fragen, Genosse Staatsanwalt?

WYSCHINSKI: Gewiss.
Wenn man also Ihre Erklärungen zusammenfasst, so kann man folgendes sagen: erstens, dass Sie sich schuldig bekennen, sehr lange an der illegalen Arbeit der Rechten teilgenommen zu haben.

JAGODA: Ja.

WYSCHINSKI: Zweitens, dass Sie sich schuldig bekennen, einer der Führer des illegalen „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ gewesen zu sein.

JAGODA: ja, ich bekenne mich dessen schuldig.

WYSCHINSKI: Drittens, dass Sie gemeinsam mit diesem Block das Ziel des Sturzes der Sowjetmacht und der Wiederaufrichtung des Kapitalismus in der UdSSR verfolgt haben.

JAGODA: Ja, ich bekenne mich dessen schuldig. Die Aufgabe war, den Kreml zu besetzen.

WYSCHINSKI: Dass Sie als Mittel zum Sturz den Aufstand im Augenblick des Krieges. in erster Linie gewählt haben? Ist das so?

JAGODA: Nein, das ist nicht so. Der bewaffnete Aufstand - das ist eine sinnlose Sache. Daran konnten nur diese Schwätzer denken.

WYSCHINSKI: Und woran dachten Sie?

JAGODA: An eine „Palastrevolution“.

WYSCHINSKI: Das heißt an einen gewaltsamen Umsturz, der von einer kleinen Gruppe von Verschwörern durchgeführt wird?

JAGODA: Ja, genau so, wie auch sie daran dachten.

WYSCHINSKI: Vorzugsweise angepasst an den Moment eines kriegerischen Überfalls fremder Staaten auf die UdSSR oder hatten Sie verschiedene Varianten?

JAGODA: Es gab nur eine Variante: den Kreml zu besetzen. Die Zeit spielt keine Rolle.

WYSCHINSKI: Sie standen auf dem Standpunkt der Zweckmäßigkeit, im Falle eines Krieges die Niederlage der UdSSR vorzubereiten und herbeizuführen?

JAGODA: Auf diesem Standpunkt stand der Block, folglich auch ich.

WYSCHINSKI: Sie bekennen sich auch der Spionagetätigkeit schuldig?

JAGODA: Nein, dieser Tätigkeit bekenne ich mich nicht schuldig.

WYSCHINSKI: Aber Sie haben doch selbst gesagt, dass unter Ihrer unmittelbaren Leitung einige Spione arbeiteten?

JAGODA: Ja, das gebe ich zu.

WYSCHINSKI: Sie wussten, dass sie Spione waren?

JAGODA: Ja, ich wusste es.

WYSCHINSKI: Sie wussten, dass sie Spionageaufträge ausführen?

JAGODA: Ja, ich wusste es.

WYSCHINSKI: Sie haben ihnen also geholfen?

JAGODA: Ich trage für diese Spione in demselben Ausmaße die Verantwortung, wie...

WYSCHINSKI: Wolowitsch war Spion?

JAGODA: Ja.

WYSCHINSKI: Sie tragen für Wolowitsch die Verantwortung?

JAGODA: Ebenso wie Rykow für Scharangowitsch.

WYSCHINSKI: Über sie wird man besonders sprechen, jetzt spreche ich von Ihnen. Sie gestehen, dass sich eine ganze Reihe von Spähern, deutschen und polnischen Spionen, unter Ihren Fittichen befanden? Ist das richtig oder nicht?

JAGODA: Ja.

WYSCHINSKI: Sie wussten von ihrer Spionagetätigkeit und Sie deckten diese Spionagetätigkeit?

JAGODA: Ja.

WYSCHINSKI: Ich hin der Auffassung, dass Sie, sobald Sie ihre Spionagetätigkeit deckten, ihnen folglich auch geholfen, Beistand geleistet haben?

JAGODA: Nein, dessen bekenne ich mich nicht schuldig. Wäre ich ein Spion gewesen, ich versichere Sie, dann würden Dutzende Staaten ihre Spionagedienste auflösen müssen.

WYSCHINSKI: Das wäre Sache dieser Staaten.

Wolowitsch war Spion?

JAGODA: Ich habe es gesagt.

WYSCHINSKI: Sie wussten das?

JAGODA: Ja.

WYSCHINSKI: Sie verhafteten ihn nicht und Sie erschossen ihn nicht?

JAGODA: Nein.

WYSCHINSKI: War es Ihre Pflicht, von Ihnen aufgedeckte Spione zu verhaften und zu erschießen?

JAGODA: Das versteht sich.

WYSCHINSKI Sie haben dies also nicht getan, das heißt mit anderen Worten, Sie haben den Spionen geholfen, als Spione tätig zu sein.

JAGODA: Ich deckte sie.

WYSCHINSKI: Sie halfen ihnen?

JAGODA: Ich hätte ihnen geholfen, wenn ich Material gesammelt und ihnen übergeben hätte.

WYSCHINSKI: Aber Sie wussten, dass sie Material übergaben?

JAGODA: Nicht immer.

WYSCHINSKI: Aber manchmal wussten Sie es?

JAGODA: Ja.

WYSCHINSKI: Sie haben also den ausländischen Spionagediensten Material mit Ihrem Wissen übergeben?

JAGODA: Nein.

WYSCHINSKI: Sie waren informiert davon, dass sie ausländischen Spionagediensten Material übergaben?

JAGODA: Unbedingt.

WYSCHINSKI: Sobald Sie informiert waren, so heißt das doch mit Ihrem Wissen?

JAGODA: Unter meiner Deckung.

WYSCHINSKI Gut, unter Ihrer Deckung für das, was sie taten, und wovon Sie wussten. Ist das festgestellt?

JAGODA: Ja.

WYSCHINSKI: Sie bekennen sich auch schuldig, staatliche Mittel im Auftrag des Blocks an Trotzki übergeben zu haben?

JAGODA: Ich bekenne mich dessen schuldig.

WYSCHINSKI: Und bekennen Sie sich der Organisierung und Durchführung von Terrorakten schuldig: erstens der Ermordung des Genossen Kirow im Auftrag und auf Vorschlag des Blocks?

JAGODA: Ich bekenne mich der Mittäterschaft am Morde schuldig.

WYSCHINSKI: Bekennen Sie sich der Mittäterschaft an der Ermordung oder Tötung Menshinskis schuldig?

JAGODA: Ich bekenne mich dessen schuldig.

WYSCHINSKI: Bekennen Sie sich der Organisierung der Ermordung Kuibyschews schuldig?

JAGODA: Ich bekenne mich dessen schuldig.

WYSCHINSKI: Bekennen Sie sich der Organisierung der Ermordung Alexej Maximowitsch Gorkis schuldig?

JAGODA: Ich bekenne mich schuldig.

WYSCHINSKI: Ich habe keine weiteren Fragen mehr.

VORSITZENDER: Hat die Verteidigung Fragen?

VERTEIDIGER KOMMODOW: Bestätigt der Angeklagte Jagoda seine in der Voruntersuchung gemachten Aussagen bezüglich seiner Begegnungen mit Pletnjow?

JAGODA: Ich habe das gesagt.

VERTEIDIGER KOMMODOW: Ebenso bezüglich der Begegnungen mit Kasakow?

JAGODA: Ich habe das bestätigt.

VERTEIDIGER KOMMODOW: Ich habe keine Fragen mehr.

VERTEIDIGER BRAUDE: Von wem stammt diese Idee des Todes durch Krankheit?

JAGODA: Ich sagte von Jenukidse.

VERTEIDIGER BRAUDE: Gestatten Sie zu fragen, mit welchen Mitteln Sie die Zustimmung Lewins zur Durchführung dieser Terrorakte angestrebt haben?

JAGODA: Jedenfalls nicht mit solchen, wie er hier erzählt hat.

VERTEIDIGER BRAUDE: Sie selbst haben darüber ausführlich in der Voruntersuchung gesprochen. Bestätigen Sie diesen Teil Ihrer Aussagen?

JAGODA: Sie sind übertrieben, aber das hat keine Bedeutung.

VERTEIDIGER BRAUDE: Ich habe keine Fragen mehr.

VORSITZENDER: Haben die Angeklagten Fragen an Jagoda?

RYKOW: Ich habe jene selbe Frage bezüglich des Archivs, von dem Bulanow gesprochen hat.

JAGODA: Es gab keinerlei Archiv von Rykow bei mir.

WYSCHINSKI: Ich habe eine Frage an Bulanow. Von welchem Archiv Rykows bei Jagoda haben Sie gesprochen?

BULANOW: Ich habe in meinen Aussagen vor dem Gericht gesagt und ich wiederhole: Bei der Übersiedlung von einem Gebäude ins andere, an der ich teilnahm, fand ich eine Reihe Dokumente persönlichen Charakters, ich erinnere mich nicht welche, aus denen klar war, dass dies persönliche Dokumente Alexej Iwanowitsch Rykows waren. Ich fragte Jagoda, er bestätigte mir das; was sich dort befand und in welchem Umfang - ich sagte es und sage es: das weiß ich nicht.

JAGODA: Gestatten Sie eine Frage. Vielleicht erinnern Sie sich wenigstens an ein Dokument und sagen was es war?

BULANOW: Wenn ich mich erinnern würde, hätte ich es schon gesagt.

JAGODA: Ziemlich sonderbar. Ein Mensch stellt fest, dass dies das Archiv Rykows war, auf Grund welcher Dokumente? Nur auf Grund des Namens etwa?

BULANOW: Ich kann darauf nur das eine antworten, dass seinerzeit Jagoda nicht eine Sekunde an meinen Fähigkeiten zweifelte, mich sehr rasch in allen Verhältnissen zurechtzufinden und dieselben zu erwägen. Warum er jetzt bewusst eine mir klare Sache abstreitet, weiß ich nicht, ich sagte das, was ich wusste und notwendig fand zu sagen.

JAGODA: Jedenfalls, wenn es sogar ein Archiv gegeben hätte, so ist im Vergleich mit den anderen Verbrechen dieses Archiv Rykows eine Kleinigkeit.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, Angeklagter Jagoda, haben Sie in Ihrer verbrecherischen Tätigkeit die Menschewiki gedeckt?

JAGODA: Die Menschewiki, in welcher Periode?

WYSCHINSKI: 1935, die illegale verbrecherische Tätigkeit der Menschewiki?

JAGODA: Nach den mir zur Verfügung stehenden Daten spielten die Menschewiki keine besonders aktive Rolle.

WYSCHINSKI: Irgendeine Rolle spielten sie?

JAGODA: Fast gar keine.

WYSCHINSKI: Also irgendeine Rolle spielten sie?

JAGODA: Die unbedeutendste.

WYSCHINSKI: Aber Sie haben mindestens diese sogar unbedeutendste Rolle der Menschewiki gedeckt?

JAGODA: Ich werde Ihnen diese Frage nicht beantworten können.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie mir, Jagoda seine Aussagen in Band II, Aktenblatt 135, vorzulegen: „Frage: Es wird Ihnen ein Dokument aus den Materialien des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten vorgelegt, in dem über das menschewistische Zentrum im Ausland und über seine aktive Arbeit in der UdSSR Mitteilung gemacht wird.“ Erinnern Sie sich an diese Tatsache?

JAGODA: Ja, ich weiß, ich werde nur hier darauf nicht antworten können.

WYSCHINSKI: Ich will auch nicht, dass Sie antworten. Dieses Dokument wurde im November 1935 mit folgender Aufschrift versehen: „Das ist längst keine Partei mehr, und es lohnt sich nicht, sich mit ihr abzugeben.“ „Antwort: Ja, diese Aufschrift schrieb ich.“ Und weiter folgt Ihre Erläuterung: „Das ist nur eine der Äußerungen dessen, wie ich die Menschewiki vor dem Hochfliegen schützte und die Schläge von ihnen ablenkte, weil sie mit den Rechten in Kontakt standen.“ Bestätigen Sie das?

JAGODA: Ja.

WYSCHINSKI: Man kann also daraus die Schlussfolgerung ziehen, dass die Rechten mit den Menschewiki in der illegalen Verschwörertätigkeit in Kontakt standen, und dass Sie diese ihre illegale Verschwörertätigkeit deckten, von ihnen einen Schlag nach dem anderen ablenkten? Ist das so?

JAGODA: Das ist nicht ganz so.

WYSCHINSKI: Aber wie? Sie bestätigen diese Aussage?

JAGODA: Ich bestätige die Aussage, aber um sie Ihnen zu erklären, muss ich von diesem Dokument sprechen.

WYSCHINSKI: Ich weiß. Geben Sie die Richtigkeit Ihrer Aussage zu?

JAGODA: Meine Aussage ist richtig.

WYSCHINSKI: Folglich war Ihre Praxis auch so, wie Sie ausgesagt haben?

JAGODA: So war es auch.

WYSCHINSKI: Folglich haben Sie in Ihrer Praxis die Menschewiki vor dem Aufdecken geschützt? Richtig?

JAGODA: Richtig.

WYSCHINSKI: Nun, das frage ich Sie ja auch. Jetzt sagen Sie bitte, welche Rolle spielten nach den Ihnen zur Verfügung stehenden Angaben die Angeklagten Rykow und Bucharin bei der Tötung Alexej Maximowitsch Gorkis?

JAGODA: Von Jenukidse wusste ich, dass sie an der Erörterung dieser Frage teilgenommen haben.

WYSCHINSKI: In Bezug auf Rykow haben wir diese Frage geklärt. Rykow gestand, dass in seinem Gespräch mit Jenukidse die Frage der Möglichkeit eines Terroraktes behandelt wurde. Ich möchte Bucharin aus diesem Anlass fragen.

BUCHARIN: Ich habe keinerlei Anteil genommen.

WYSCHINSKI: Ich habe Ihnen noch keine Frage gestellt und Sie beeilen sich schon zu antworten.

BUCHARIN: Sie sagten, dass Sie mich aus diesem Anlass befragen wollten.

WYSCHINSKI: Ich sagte, aus diesem Anlass, aber die Frage habe ich noch nicht gestellt und habe die Antwort beinahe schon bekommen.

Ich will Sie fragen, wie stand Alexej Maximowitsch zu Trotzki?

BUCHARIN: Schroff negativ.

WYSCHINSKI: Und ist Ihnen bekannt, wie Trotzki zu Alexej Maximowitsch Gorki stand?

BUCHARIN: Ebenfalls schroff negativ. Verlangen Sie, dies detaillierter zu beschreiben?

WYSCHINSKI: Nein, dies ist jetzt nicht erforderlich. Ich möchte Bessonow fragen. Angeklagter Bessonow, bestätigen Sie, dass die Einstellung Trotzkis zu Alexej Maximowitsch Gorki schroff negativ war?

BESSONOW: Ja, ich bestätige es.

WYSCHINSKI: Auf Grund welcher Tatsachen?

BESSONOW: Auf Grund dessen, was Trotzki im persönlichen Gespräch mit mir geäußert hat.

WYSCHINSKI: Sie bestätigen das, was Sie vor Gericht ausgesagt haben, dass Trotzki durch Sie die Direktive der physischen Vernichtung Gorkis erteilt hat?

BESSONOW: Ja, ich bestellte Pjatakow diesen Auftrag Trotzkis.

WYSCHINSKI: Trotzki wählte Pjatakow als einen der Anführer des Blocks aus? So?

BESSONOW: Ja.

WYSCHINSKI: Sie waren mit Pjatakow in der illegalen Verschwörerarbeit verbunden?

BESSONOW: Ganz richtig.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen, Angeklagter Bucharin, bekannt, dass diese feindliche Einstellung gegen Gorki nicht nur bei Trotzki sondern auch bei den Trotzkisten vorhanden war?

BUCHARIN: Ja, natürlich, da Trotzki und die Trotzkisten ein einheitliches Wesen sind. Die Verschwörer unterordneten sich ihm in militärischer Weise.

WYSCHINSKI: Ist Ihnen bekannt, dass diese negative Einstellung der Trotzkisten gegen Gorki eine deutliche Form hatte?

BUCHARIN: Sie fragen mich über das Gespräch, das ich mit Tomski hatte?

WYSCHINSKI: Wenn dies ein Beweis dessen ist, wovon wir gesprochen haben?

BUCHARIN: Ich hatte ein Gespräch mit Tomski.

WYSCHINSKI: Wo, wann war dieses Gespräch?

BUCHARIN: Im Jahre 1935 sagte mir Tomski, dass Trotzki irgendeine feindliche Aktion oder einen feindlichen Akt gegen Gorki vorbereitet.

WYSCHINSKI: Sie erfuhren von Tomski, dass Trotzki irgendeinen feindlichen Akt gegen Gorki vorbereitet und fragten Tomski nicht, woher ihm dies bekannt sei?

BUCHARIN: Nein. Ich nehme an, dass ihm dies von trotzkistischen Teilnehmern des Blocks bekannt war.

WYSCHINSKI: Sagte er Ihnen nicht, warum die Trotzkisten diese feindliche Aktion oder diesen feindlichen Akt gegen Gorki vorbereiteten?

BUCHARIN: Er sagte das nicht. Er sagte, dass dies eine Aktion gegen den „Stalinisten Gorki“ als Verteidiger des sozialistischen Aufbaus überhaupt, der Stalinschen Parteipolitik im Besonderen, sei. Ich glaube, dass hier von jener großen Resonanz die Rede war, die jedes Wort von Alexej Maximowitsch in der internationalen Arena überhaupt, bei der Intelligenz im Besonderen, hatte.

WYSCHINSKI: Berührte Tomski dieses Moment nicht in Verbindung mit der Frage des Sturzes der Sowjetmacht?

BUCHARIN: Nein, Bürger Staatsanwalt.

WYSCHINSKI: Sie erinnern sich gut daran?

BUCHARIN: Daran erinnere ich mich gut.

WYSCHINSKI: Gestatten Sie mir, daran zu erinnern, was Bucharin in der Voruntersuchung sagte, Band V, Aktenblatt 117: „Die Trotzkisten, sagte mir Tomski, begründeten ihre These damit, dass man, wenn man die Frage des Sturzes der Stalinschen Führung ernst stelle, nicht unterlassen könne, jenen Umstand in Betracht zu ziehen, dass in der Person von A. M. Gorki die Organisation der Rechten und Trotzkisten es mit einem aktiven und sehr einflussreichen Gegner zu tun hat. Tomski sagte mir, dass die Trotzkisten kategorisch auf ihrem Vorschlag bestehen und dass er durchgeführt wird.“

BUCHARIN: Das, sehen Sie, Bürger Staatsanwalt, ist so: Da Sie mich fragten, welchen Sinn ich in die flüchtigen Bemerkungen Tomskis legte, und welcher Eindruck bei mir von diesem Gespräch entstand, so setzte ich das eingehender auseinander, wobei dies mein Eindruck ist, an den ich mich erinnerte, als Sie mich bezüglich des Gesprächs mit Tomski fragten.

WYSCHINSKI: Sagen Sie, verband Tomski die Verübung des feindseligen Aktes gegen Gorki mit den Fragen des Sturzes der Sowjetregierung?

BUCHARIN: Dem Wesen nach ja.

WYSCHINSKI: Dem Wesen nach ja?

BUCHARIN: Ja. Ich habe schon geantwortet.

WYSCHINSKI: Mich interessiert das Wesen.

BUCHARIN: Aber Sie fragen konkret...

WYSCHINSKI: Ihr Gespräch mit Tomski gab Ihnen Grund zur Annahme, dass die Frage eines feindlichen Aktes gegen Alexej Maximowitsch Gorki in Verbindung mit der Aufgäbe des Sturzes der Stalinschen Führung gestellt wird?

BUCHARIN: Ja, im Wesen kann man das sagen.

WYSCHINSKI: Folglich wussten Sie, dass es sich um irgendeinen feindlichen Akt gegen Gorki handelt?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Von welchem feindlichen Akt war Ihrer Meinung nach die Rede?

BUCHARIN: Ich dachte damals ganz und gar nicht darüber nach, und ich hatte nicht im Sinn...

WYSCHINSKI: Was dachten Sie, sagen Sie.

BUCHARIN: Ich habe fast nichts gedacht.

WYSCHINSKI: Aber es war doch eine ernste Sache? Wovon handelte das Gespräch?

BUCHARIN: Gestatten Sie mir, das in einigen Worten zu erläutern. Jetzt, post factum, jetzt während der Untersuchung, kann ich sagen...

WYSCHINSKI: Nicht während der Untersuchung, sondern während Ihres Gespräches mit Tomski.

BUCHARIN: Aber das war ein flüchtiges Gespräch, ein Gespräch während einer Sitzung des Politbüros, das im Ganzen einige Sekunden währte.

WYSCHINSKI: Mich interessiert nicht, wie lange das Gespräch dauerte. Sie hätten eine ganze Stunde mit Tomski in irgendeinem Winkel sprechen können, deswegen hat für mich Ihre Argumentation keine Bedeutung. Wichtig sind für mich die Tatsachen, und ich will sie feststellen. Folgende Tatsachen fanden statt: 1935, Anfang 1935 (wenn Sie in der Voruntersuchung richtig ausgesagt haben), hatten Sie ein Gespräch mit Tomski. Tomski teilte Ihnen mit, dass der trotzkistisch-sinowjewsche Teil des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ einen feindlichen Akt gegen Gorki als Anhänger der Stalinschen Führung im Schilde führt. Ist das so?

BUCHARIN: Man kann das so formulieren.

WYSCHINSKI: Ist das Tatsache?

BUCHARIN: Das ist Tatsache.

WYSCHINSKI: Wie schätzten Sie diese Mitteilung ein?

BUCHARIN: Ich ließ diese Mitteilung unbeachtet.

WYSCHINSKI: Sie ließen sie unbeachtet?

BUCHARIN: Ja.

WYSCHINSKI: Wenn man von einem feindlichen Akt spricht, dann kann man darunter auch sehr ernste feindliche Akte, einschließlich terroristische Akte, verstehen?

BUCHARIN: Ja, von einem Auftreten in der Presse, einem unangenehmen Gespräch bis zu einem Terrorakt - die Amplitude des Pendels ist sehr groß.

WYSCHINSKI: Und wie verhielten Sie sich damals dazu?

BUCHARIN: Ich habe damals über dieses Thema überhaupt nicht gesprochen, in meinem Bewusstsein war nichts...

WYSCHINSKI: Was denn, war das eine solche nichtige Erklärung, dass man bei ihr gar nicht zu verweilen brauchte?

BUCHARIN: Das war eine flüchtige Bemerkung...

WYSCHINSKI: Wenn auch flüchtig. Man sagt Ihnen, dass gegen Alexej Maximowitsch Gorki ein feindlicher Akt vorbereitet wird...

BUCHARIN: Die Sache war beiläufig folgendermaßen. Ich habe schon beim Verhör ernst formuliert, warum ich mich daran erinnern wollte, ob dieses Moment der Unterredung nicht irgendein Licht auf jenes Material wirft, über das die Untersuchung verfügt, und vom Gesichtspunkt dieses Materials nahm alles bestimmte Umrisse an. Aber damals kam mir das nicht zum Bewusstsein, ich dachte nicht über den Sinn dieser Tatsache nach.

WYSCHINSKI: Es ist nicht ausgeschlossen, dass eben damals auch die Rede von der physischen Beseitigung, von der Ermordung Gorkis war?

BUCHARIN: Jetzt bin ich der Meinung, dass dies nicht ausgeschlossen ist.

WYSCHINSKI: Was Tomski sagte, gab also Grund zu denken, dass die Rede von einem Terrorakt gegen Gorki war?

BUCHARIN: Jetzt bestätige ich, ja.

WYSCHINSKI: Und damals verstanden Sie es nicht?

BUCHARIN: Damals verstand ich absolut nichts.

WYSCHINSKI (zum Gericht): Ich habe weiter keine Fragen.

VORSITZENDER (zu den Angeklagten): Hat noch jemand Fragen an Jagoda?

RYKOW: Jagoda erwähnte hier den Namen Winezkis als Mensch, der mein Komplice war und mich mit irgendjemandem in Verbindung brachte. Ich möchte ersuchen, zu sagen, woher dies bekannt ist und wer dieser Winezki ist; weiß Jagoda davon von Winezki selbst oder aus einer anderen Quelle? Ich hatte persönlich keinerlei Inspektoren.

JAGODA: Winezki war Inspektor für Verbindung im Volkskommissariat für Verbindungswesen und gleichzeitig Inspektor für Verbindung im Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten. Einmal telefonierte er und sagte, Rykow ersuche, ihm ein Paket ins Ausland zu Nikolajewski zu befördern, ob er es nehmen könne. Ich sagte, sprechen Sie mit Rykow, wenn er es Ihnen gibt, nehmen Sie es. Daraus ersehe ich, dass Winezki der Verbindungsmann zwischen Nikolajewski und Rykow war.

VORSITZENDER (zu Wyschinski): Weitere Fragen haben Sie nicht?

WYSCHINSKI: Nein.

VORSITZENDER: Auch das Gericht hat weiter keine Fragen. Setzen Sie sich bitte.

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