PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

VORMITTAGSSITZUNG VOM 9. MÄRZ 1938

ANTWORTEN DER MEDIZINISCHEN SACHVERSTÄNDIGEN AUF FRAGEN DES STAATLICHEN ANKLÄGERS

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen. Können die Sachverständigen ein Gutachten über die Zusatzfragen des Staatsanwalts abgeben?

SACHVERSTANDIGER PROFESSOR BURMIN: Ja, wir sind fertig. (Verliest):

Die Antworten der medizinischen Sachverständigen auf die vom Staatlichen Ankläger gestellten Fragen.

FRAGE: Bestand irgendeine Kontrolle, und konnte eine Kontrolle bei der Herstellung von Lysaten durch I. N. Kasakow ausgeübt werden?

ANTWORT: Eine Kontrolle bestand nicht und konnte nicht bestehen, denn damals (1933 und in der ersten Hälfte des Jahres 1934, in der Zeit, wo Kasakow den verstorbenen Genossen Menshinski behandelte) wurde die Herstellungsmethode der Lysate von Kasakow absolut geheim gehalten.

FRAGE: Spielte die Anwendung von Lysaten der Schilddrüse, des Hirnanhangs und der Markschicht der Nebennieren durch Kasakow bei der Verschlimmerung des Gesundheitszustandes des Genossen W. R. Menshinski eine ausschlaggebende Rolle?

ANTWORT: Die Anwendung der oben bezeichneten Lysate (der Schilddrüse, des Hirnanhangs und der Markschicht der Nebennieren) war bei der schweren Herzerkrankung, an der der verstorbene W. R. Menshinski litt, unzulässig, und dies musste I. N. Kasakow wissen.

Die schädlichen Wirkungen dieser Lysate in diesem konkreten Fall wurden durch den Umstand gesteigert, dass bei W. R. Menshinski lange Zeit hindurch gleichzeitig Fingerhut- Präparate angewandt wurden, deren Wirkung unter dem Einfluss der Lysate unbedingt gesteigert wurde.

Diese kombinierte Behandlungsmethode musste zu einer Erschöpfung des Herzmuskels des kranken W. R. Menshinski und dadurch zu einer Beschleunigung des Elintritts seines Todes führen.

Sachverständige:
Verdienter Wissenschaftler, Prof. D. A. Burmin,
Verdienter Wissenschaftler, Prof. N. A. Schereschewski,
Prof. W. N. Winogradow,
Prof. D. M. Rossijski,
Doktor der Medizin W. D. Sipalow.

Moskau, den 9. März 1938.

 

VORSITZENDER: Gibt es Fragen an den Angeklagten Kasakow im Zusammenhang mit dem Gutachten der Sachverständigen?

WYSCHINSKI: Ich bitte um die Erlaubnis, die Aussagen Kasakows zu verlesen, die in Band 19, Aktenblatt 68/69 enthalten sind, wo er den Inhalt der Formel Nr. 2 darlegt und folgendes aussagt: „Da in diese Formel bereits drei sympathicotrope Lysate eingingen: das Lysat der Schilddrüse, der Markschicht der Nebennieren und des Hirnanhangs, dabei in einer erhöhten Dosis der innerlichen Verabreichung, begann der Prozess der Schwächung und der Erschöpfung der Reservekräfte des herzkranken Menshinski infolge der durch die Kombination von Lysaten und Herzmitteln hervorgerufenen gesteigerten Arbeit hochgradig anzusteigen, und in der Nacht vom 9. zum 10. Mai verstarb Menshinski unter Erscheinungen sinkender Herztätigkeit.“

KASAKOW: Vollkommen richtig, nichts weicht hier ab.

VORSITZENDER: Gestatten Sie, Sie werden noch nicht gefragt.

WYSCHINSKI: Und der folgende Teil:
„Obwohl Menshinski an Bronchialasthma litt, trat bei ihm doch die Angina pectoris stark in den Vordergrund, und deshalb waren bei einer richtigen Formel für ihn nur diejenigen Lysate gegen Bronchialasthma zulässig, welche die Angina pectoris nicht beeinflussten. So war anfangs die richtige Formel aufgebaut... Ab Dezember 1933 jedoch wurden (auf den Vorschlag Jagodas und Lewins, das Herz Menshinskis zu erschöpfen) die bei der Angina pectoris kontraindizierten drei Lysate eingeschaltet und die erforderlichen Lysate ausgeschaltet.“
Sie bestätigen diese Aussagen?

KASAKOW: Da ist irgendein Missverständnis. Ich habe das früher ausgesagt und sage das jetzt aus.

WYSCHINSKI: Angeklagter Kasakow, sind Sie auch jetzt mit der Aussage einverstanden, die Sie früher gemacht haben?

KASAKOW: Ich bin einverstanden und bestätige sie voll und ganz.

VERTEIDIGER KOMMODOW: Wenn ich recht verstanden habe, so läuft die Formel Nr.2, von der hier der Genosse Ankläger gesprochen hat, darauf hinaus, dass die kombinierte Behandlung mit Ihren Lysaten zusammen mit starken Dosen von Herzmitteln unweigerlich bei Genossen Menshinski zu einer Schwächung der Herztätigkeit führen musste? Stimmt das?

KASAKOW: Ja, vollkommen richtig. Sonst wären diese Resultate ausgeblieben. Die wahrhafte Kontrolle war in diesem Falle nur der Tod, dem man nicht entgehen kann. Und falls ich versucht hätte, Jagoda zu täuschen, so hätte ich dies drei bis vier Tage lang tun können, und später hätte er mich gepackt. Und dieser einzigen Kontrolle konnte man nicht aus dem Wege gehen.

WYSCHINSKI: Der Kontrolle durch den Tod?

KASAKOW: Ja, der Kontrolle durch den Tod.

WYSCHINSKI: Und Sie sind sein Gehilfe?

KASAKOW: Ja. Von Anfang an sagte ich, dass diese Mittel auf das Herz eingewirkt haben. Die Formel Nr. 2 wurde im April verordnet, weil die erste. Formel schwach wirkte, die zweite dagegen stärker.

WYSCHINSKI: Die Frage ist folgende: die Lysate der Schilddrüse, des Hirnanhangs und der Markschicht der Nebennieren waren in dieser Kombination für Menshinski unheilvoll. Geben Sie das zu?

KASAKOW: Ich habe das nie geleugnet.

WYSCHINSKI: Diese Frage wurde den Sachverständigen deshalb gestellt, weil Sie sagten, diese Lysate seien angeblich neutral gewesen.

KASAKOW: Ich habe das nicht sagen können, weil Lysate nicht neutral sein können.

WYSCHINSKI: Ich glaube, dass wir die Frage als erschöpft betrachten können, da uns ein bestimmtes Gutachten der Sachverständigen vorliegt und Kasakow von seiner Behauptung, diese Lysate seien neutral gewesen, Abstand genommen hat.

VORSITZENDER: Haben Sie keine Fragen mehr?

WYSCHINSKI: Nein.

VORSITZENDER: Hat die Verteidigung irgendwelche Fragen?

DIE VERTEIDIGER: Nein.

VORSITZENDER: Haben die Angeklagten Fragen?

ANGEKLAGTE: Nein.

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