PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

VORMITTAGSSITZUNG VOM 9. MÄRZ 1938

VERHÖR DES ANGEKLAGTEN MAXIMOW-DIKOWSKI

VORSITZENDER: Wir gehen zum Verhör des Angeklagten Maximow-Dikowski über.

MAXIMOW-DIKOWSKI: Die Aussagen, die ich in der Voruntersuchung gemacht habe, bestätige ich voll und ganz.

VORSITZENDER: Erzählen Sie von Ihrer sowjetfeindlichen Tätigkeit.

MAXIMOW-DIKOWSKI: Meine Annäherung an die Rechten fällt in das Jahr 1928. Im Institut schloss ich nähere Bekanntschaft mit dem Agrarwissenschaftler Gaister, der schon damals Rechter war. Er gewann mein volles Vertrauen, er besaß in meinen Augen genügende Autorität. Während des Jahres 1928 traf ich wiederholt mit ihm zusammen, sprach mit ihm über verschiedene politische Fragen, besonders über die Fragen der Politik der Partei. Er suchte mich zu überzeugen, und bald überzeugte er mich, dass die Rechten hier auf einem richtigeren Standpunkt stünden als das Zentralkomitee, führte zur Bekräftigung verschiedenes tendenziös ausgewähltes Material über die wirtschaftlich-politische Lage des Landes an, Material, das verleumderisch war und mit der wirklichen Lage des Landes nichts gemein hatte.
Seit Anfang 1929 stand ich auch schon auf den Positionen der Rechten, betrat ich den parteifeindlichen konterrevolutionären Weg.
Der Taktik des Zentrums der Rechten folgend, trat ich nicht nur niemals gegen die Politik der Partei auf, sondern war sogar bestrebt, mit den Rechten, die sich schon damals kompromittiert hatten, nicht zusammenzukommen. Wie alle anderen Rechten maskierte auch ich mich und verhielt mich doppelzünglerisch.
In den folgenden Jahren 1930-1931 verstärkten sich meine Verbindungen mit den Rechten. Durch Gaister erfuhr ich, dass die Dreiergruppe - Rykow, Bucharin und Tomski - ihren Kampf gegen die Partei verstärkt, dass sie in einer Reihe von Gebieten der RSFSR und der nationalen Republiken ihre unterirdischen illegalen Organisationen geschaffen haben. Ende 1931, bei einer Begegnung mit Gaister, warf er mir Passivität vor. Als Gaister erfuhr, dass ich das Institut beende, sagte er mir, wie ich mich dazu verhielte, wenn er mich zu einer ziemlich verantwortlichen Arbeit in das Sekretariat Kuibyschews empfehlen würde. Ich lehnte nicht ab. Anfang 1932 wurde ich zu Kuibyschew gerufen, und einige Zeit darauf trat ich die Arbeit an.
Während des Jahres 1932 verstärkte sich die Verbindung mit den Rechten. Durch Gaister wurde ich mit einigen anderen Rechten bekannt - mit Rosental und Krawal. Ich wurde mit Smirnow, einem Mitarbeiter der Staatlichen Plankommission, bekannt, mit Deutsch usw. Darauf brachte mich Gaister mit Jenukidse in Verbindung. Er teilte mir mit, dass Jenukidse selbst ein Rechter sei, und seinen Worten nach stand er dem Zentrum der Rechten nahe oder gehörte dazu. „Da ihr beinahe auf demselben Korridor arbeitet, musst du dich mit Jenukidse telefonisch verabreden und in Verbindung setzen.“ Nachdem ich mich mit Jenukidse telefonisch in Verbindung gesetzt hatte, ging ich zu ihm. Er wusste schon davon, dass ich zu ihm kommen sollte. Es ergab sich eine Bekanntschaft. Ich lasse eine ganze Reihe von Einzelheiten unserer Begegnungen weg. Von Jenukidse erfuhr ich, dass die Rechten für den Sturz der bestehenden Führung waren, um die Politik zu ändern und die Entwicklung des Landes auf den Weg der Wiederherstellung des Kapitalismus zu lenken.
Mitte 1934, Ende August, rief mich Jenukidse einmal an und bestellte mich zu sich zu einem Gespräch, das für mich später die allerernstesten Folgen hatte. Während dieses Gespräches sagte mir Jenukidse: „Wenn die Rechten früher damit gerechnet haben, dass es gelingen wird, die Sowjetmacht durch Organisierung einzelner am meisten sowjetfeindlich gestimmter Schichten, insbesondere des Kulakentums, zu stürzen, so hat die Lage sich jetzt geändert. Diese Karte hat man uns aus der Hand gewunden, und es ist notwendig, zu aktiveren Methoden der Machtergreifung überzugehen.“ Die alleraktivsten Methoden entzifferte er mir sofort: „Das Zentrum der Rechten hat im Einklang mit den Trotzkisten den Beschluss gefasst, eine Reihe von Terrorakten gegen Mitglieder des Politbüros zu verüben. Dies muss durch Untergrabung der Gesundheit der Führer erzielt werden.“ Gleichzeitig erzählte er, dass ein Teil der Ärzte der Sanitätsverwaltung des Kremls für diese Sache angeworben oder in sie hineingezogen sei, dass dies die allerbequemste Methode sei, da sie äußerlich der Sache den Charakter eines unglücklichen Ausgangs einer Krankheit gebe und dadurch die Möglichkeit schaffe, diese terroristische Tätigkeit der Rechten zu verbergen.
„Sie sollen“, sagte er, „an dem Terrorakt gegen Kuibyschew teilnehmen; die Vorbereitung dazu hat bereits begonnen. Die Ärzte Lewin und Pletnjow verstehen ihre Sache. Von Ihnen wird verlangt, erstens, dass Sie ihnen die Möglichkeit geben und sie nicht daran hindern, häufig den Kranken zu besuchen, und dass Sie dafür sorgen, dass man ihre so genannten Visiten bei dem Kranken nicht verhindert. Undzweitens, dass Sie sich im Falle einer akuten Erkrankung, irgendwelcher Anfälle, mit demHerbeirufen eines Arztes nicht beeilen, und wenn es nötig ist, dann nur jene Arzte herbeirufen, die ihn behandeln.“
Ungeachtet dessen, dass ich selbst ein Mitglied der konterrevolutionären Organisation der Rechten war, muss ich sagen, dass mich diese Wendung des Gesprächs einigermaßen verblüffte, sogar sehr verblüffte. Ich hatte eine solche Wendung nicht erwartet, und ihn ziemlich ruhig angehört, solange das Gespräch in allgemeiner Weise geführt wurde. Als er bemerkte, dass ich mich einigermaßen aufregte, setzte Jenukidse das Gespräch fort. Sie unterschätzen, sagte er, offensichtlich die Kraft der Rechten im Lande; wir haben viel mehr Organisationen der Rechten und Beteiligte, als Sie annehmen. Damals sagte er auch gleich, dass Jagoda unser Mitbeteiligter ist, dass er die Möglichkeit hat, gegen jeden unserer Anhänger, der zum Verräter wird, die einen oder anderen Maßnahmen anzuwenden, die ihm vollkommen ausreichend zur Verfügung stehen.
Ich antwortete ihm weder mit einem Ja noch mit einem Nein. Das Gespräch wurde aufgeschoben, aber bald wieder aufgenommen. Bald rief er mich zu sich, und da war auch Jagoda anwesend, seine Anwesenheit war nach der Charakteristik, die Jenukidse das letzte Mal von ihm gegeben hatte, beredt genug. Wieder war die Rede ausschließlich von der Vorbereitung des Terroraktes gegen Kuibyschews. Ich ging darauf ein, Weiter entwickelten sich die Ereignisse mit großer Geschwindigkeit. Infolge der so genannten Behandlung verschlimmerte sich der Gesundheitszustand Kuibyschews immer mehr. Es kam die Zelt, wo Kuibyschew sich zu seiner Kommandierung nach Mittelasien vorzubereiten begann. Jenukidse rief mich abermals zu sich und verlangte: „Während seines Aufenthalts in Mittelasien müssen Sie unbedingt einen Arzt aus Moskau rufen. Lewin wird fahren.“ Nach seinem Eintreffen in Mittelasien erkrankte Kuibyschew an Angina. Darauf bekam er im Halse ein Geschwür. Kuibyschew verzichtete darauf, einen Arzt aus Moskau holen zu lassen, und die Operation wurde von einem dortigen Arzt in Taschkent ausgeführt. Die Operation verlief günstig. Aber nach seinem Eintreffen in Moskau verschlimmerte sich der Gesundheitszustand Kuibyschews, nach der in Mittelasien überstandenen Krankheit trat eine Komplikation ein. Ungeachtet eines solchen Gesundheitszustandes fanden die Ärzte, die etwa dreimal bei ihm waren, seinen Gesundheitszustand zufrieden stellend. Und ich tröstete ihn, berief mich auf die Erklärungen der Ärzte. Schließlich trat die Katastrophe an einem Tag ein, da Kuibyschew bei der Arbeit war. Er fühlte sich schlecht, war sehr blass, die Anzeichen, dass ein Anfall herannaht, waren zweifellos vorhanden. Das war um 2 Uhr nachmittags. Er ging nach Hause. Ich rief Jenukidse an und sagte ihm, dass Kuibyschew nach Hause gegangen sei, dass ihm sehr schlecht sei. Ich zweifelte nicht, dass dies das Resultat der angewandten Behandlung war. Jenukidse verlangte von mir, dass ich nicht nervös werde, und das ausführe, was erforderlich ist, und dass ich mich mit dem Herbeirufen eines Arztes nicht beeile. Es vergingen fünfzehn bis zwanzig Minuten. Kuibyschew war um 2 Uhr gegangen, und sein Tod trat um ½3 Uhr ein. Man rief mich aus seinem Hause an, dass es mit Kuibyschew schlecht stehe.
Ich rief den Arzt herbei, aber als der Arzt kam, war Kuibyschew schon tot. Es war zu spät.
So war die Sache in Wirklichkeit. Das ist das, was ich über den Terrorakt erzählen musste, der von Jenukidse und Jagoda auf Direktive des Zentrums organisiert wurde und an dessen Ausführung ich verbrecherischen Anteil genommen habe.

VORSITZENDER: Genosse Staatsanwalt, haben Sie Fragen an den Angeklagten?

WYSCHINSKI: Ja.
Von wem wurden Sie in die Verschwörung hineingezogen?

MAXIMOW: Von Jenukidse zusammen mit Jagoda.

WYSCHINSKI: Kamen Sie in die Lage, mit Jagoda über diese Sache zu sprechen?

MAXIMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wann war das?

MAXIMOW: Das erste Gespräch fand in Anwesenheit Jenukidses statt.

WYSCHINSKI: Worüber?

MAXIMOW: Über die Vorbereitung der Tötung Kuibyschews durch die Methode, von der ich berichtete, mit meiner Beteiligung.

WYSCHINSKI: Bei dem Gespräch war Jenukidse zugegen; war auch Jagoda anwesend?

MAXIMOW: Ja, außerdem hatte ich ein Gespräch in der Wohnung Jenukidses.

WYSCHINSKI: Wer war in der Wohnung, als Kuibyschew starb?

MAXIMOW: Ich sagte schon, die Hausangestellte.

WYSCHINSKI: Waren Bucharin und Rykow an der Ermordung Kuibyschews beteiligt?

MAXIMOW: Jenukidse sagte, dass an dieser Sache das Zentrum der Rechten teilnehme, das heißt Bucharin, Rykow und Tomski.

VORSITZENDER: Gibt es noch Fragen?

WYSCHINSKI: Weitere Fragen habe ich nicht.

BUCHARIN: Ich habe eine Frage.

Bestätigen Sie, dass Jenukidse das erste Mal bei Ihrem Gespräch von einem Beschluss der Dreiergruppe gesprochen hat?

MAXIMOW: Ja, er sprach davon.

BUCHARIN: War das 1932?

MAXIMOW: Das war 1934.

BUCHARIN: Sie sagten, dass Jenukidse Sie in die Verschwörung gegen Kuibyschew eingeweiht hat?

MAXIMOW: Ich sagte, dass die Begegnung mit Jenukidse einen beschränkten Charakter hatte. Er sprach von der Verschwörung, vom Terrorakt. Das war 1934.

BUCHARIN: Also nicht heim ersten Gespräch?

MAXIMOW: Nicht beim ersten Gespräch.

BUCHARIN: Gaister hat Sie mit Jenukidse verbunden?

MAXIMOW: Ja, Ende 1932.

BUCHARIN: Sie hallen die Anweisung nicht Ende 1932, sondern im Jahre 1934 bekommen?

MAXIMOW: Ja.

BUCHARIN: Teilte er Ihnen beim ersten Gespräch mit, dass Jagoda zur Organisation gehört?

MAXIMOW: Er sah, dass ich schwankte, und nannte einen solchen Namen wie Jagoda.

BUCHARIN: Das zweite Mal hatten Sie schon in Anwesenheit Jagodas eine Begegnung mit Jenukidse?

MAXIMOW: Ja.

BUCHARIN: Jetzt gestatten Sie die Frage: wie viele Male haben Sie sich mit Jenukidse vor 1934 getroffen, und haben Sie mit ihm über politische Themen konterrevolutionären Charakters gesprochen?

MAXIMOW: Ende 1932, Anfang 1933, erste Hälfte 1934, es war einige Male.

BUCHARIN: Aber immerhin, wie viele Male?

MAXIMOW: Einige Male, sieben bis acht. Male.

BUCHARIN: Wozu brauchten Sie dann die Empfehlung Gaisters?

MAXIMOW: Weil Jenukidse mich Ende 1932 nicht kannte.

BUCHARIN: In welchem Jahre machte Sie Gaister mit Jenukidse bekannt?

MAXIMOW: Ende 1932.

BUCHARIN: Und 1934, heißt beim zweiten Mal, trafen Sie sich sowohl mit Jenukidse als auch mit Jagoda?

MAXIMOW: Ja.

BUCHARIN: Weiter nichts.

WYSCHINSKI: 1934 macht Sie also Gaister mit Jenukidse bekannt, besser gesagt, bringt. Sie mit ihn zusammen?

MAXIMOW: Ganz richtig, in unserer Sprache heißt das „zusammenbringen“.

WYSCHINSKI: Danach trafen Sie sich einige Male mit Jenukidse?

MAXIMOW: Ja, einige Male, wir arbeiteten ja auf einem Korridor.

WYSCHINSKI: Aus welchen Anlässen erfolgten Ihre Zusammenkünfte?

MAXIMOW: Einerseits informierte er mich, andererseits nahm er von mir einige Informationen entgegen...

WYSCHINSKI: Mit einem Wort, Sie trafen sich als Komplicen?

MAXIMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wann haben Sie sich den Rechten angeschlossen?

MAXIMOW: Im Allgemeinen 1928, und 1929 nahm es festere Gestalt an.

WYSCHINSKI: Folglich blickten Sie zu dieser Zeit bereits auf eine gewisse Dauer Ihrer illegalen Mitgliedschaft zurück?

MAXIMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Wann sprachen Sie das erste Mal mit Jenukidse über Verschwörerangelegenheiten?

MAXIMOW: Er sprach mit mir zum ersten Mal 1932 darüber.

WYSCHINSKI: Folglich kannte Sie Jenukidse schon seit 1932 als Mitglied der illegalen Organisation der Rechten?

MAXIMOW: Ganz richtig.

WYSCHINSKI: Als Sie das erste Mal begannen, mit ihm über diese illegalen Themen zu sprechen und sich ihm auf diesem Wege zu nähern, stellte er da sofort die Frage des Terrors oder bereitete er allmählich darauf vor?

MAXIMOW: Er stellte diese Frage bedeutend später...

WYSCHINSKI: Er ging also allmählich an diese Frage heran?

MAXIMOW: Ja.

WYSCHINSKI: Und die letzte Frage, die Bucharin interessierte: hat Ihnen Jenukidse also im ersten Gespräch das Geheimnis der Vorbereitung des Terroraktes enthüllt?

MAXIMOW: Nicht gleich.

WYSCHINSKI: Sondern er bereitete Sie auf diese Frage...

MAXIMOW: Ja, er bereitete mich vor.

WYSCHINSKI: Ich habe keine weiteren Fragen.

VORSITZENDER: Hat die Verteidigung Fragen?

VERTEIDIGER KOMMODOW: Nein.

VERTEIDIGER BRAUDE: Nein.

VORSITZENDER: Haben die Angeklagten Fragen? Nein. (Zu Maximow) Setzen Sie sich bitte.
Die Verhandlung wird für zehn Minuten unterbrochen.

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