PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

VORMITTAGSSITZUNG VOM 9. MÄRZ 1938

VERNEHMUNG DES ZEUGEN DR. BELOSTOZKI

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint. Bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen.
Ich ersuche den Kommandanten, den Zeugen Belostozki aufzurufen.

VORSITZENDER (zum Zeugen): Ihr Familienname, Vor- und Vatersname?

BELOSTOZKI: Belostozki, Maxim Julianowitsch.

VORSITZENDER: Sie sind auf Antrag des Staatsanwalts in der vorliegenden Sache als Zeuge aufgerufen. Sie werden ersucht, vor dem Gericht genau und wahrheitsgetreu auszusagen, was Sie von der vorliegenden Sache wissen.
Genosse Staatsanwalt, haben Sie Fragen?

WYSCHINSKI: Was ist Ihnen in Bezug auf unrichtige Behandlung Alexej Maximowitsch Gorkis bekannt, und wieso ist Ihnen dies bekannt?

BELOSTOZKI: Ich wurde von der Ärzte- und Sanitätsverwaltung des Kremls zu Alexej Maximowitsch Gorki zur Vornahme intravenöser Infusionen geschickt. Da ich kein Arzt für innere Krankheiten bin, hatte ich nur einige Male Gelegenheit, solche Kranke zu behandeln. Das erste Mal in meiner ärztlichen Praxis fand ich mich plötzlich am Bette eines solchen Schwerkranken und eines solchen hervorragenden Menschen. Es ist daher vollkommen verständlich, dass ich mich jetzt mit fotographischer Genauigkeit daran erinnere, was sich während der letzten Zeit der Krankheit Alexej Maximowitsch Gorkis abgespielt hat, und ich hielt es für meine Bürgerpflicht, eine Erklärung abzugeben, in der Hoffnung, dass ich in irgend etwas dem Sowjetgericht helfen kann.

WYSCHINSKI: Worin bestanden Ihre Beobachtungen, und was wollen Sie konkret dem Gericht sagen?

BELOSTOZKI: Ich musste, fast angefangen von den ersten Tagen der Krankheit Alexej Maximowitschs, eine ziemlich große Menge intravenöser Infusionen und Injektionen von Herzmitteln vornehmen, wie z. B. Digalen, Cardiosol, Glukose mit Strophanthus, Glukose, ferner Strophanthin.

WYSCHINSKI: Na und, betrachteten Sie das als normal oder nicht?

BELOSTOZKI: Ich betrachtete das als ganz normal. Ich erfüllte mit außerordentlicher Genauigkeit und Aufmerksamkeit die von den Ärzten erteilten Auftrage.

WYSCHINSKI: Weiter.

BELOSTOZKI: Es gab einen Fall bezüglich der Glukose mit Strophanthus und Strophanthin. Ich hatte Befürchtungen wegen dieses Präparats. Ich wusste aus der Literatur, dass dies ein sehr gefährliches Präparat ist, und dass es nur bei außerordentlichen Indikationen angewendet werden soll. Ich gestattete mir, die Aufmerksamkeit des Professor Lewin darauf zu richten, ob es angezeigt sei, ein solches Präparat anzuwenden. Lewis stellte sofort die Anwendung dieser Injektion ein.

WYSCHINSKI: Warum?

BELOSTOZKI: Offensichtlich dachte er und beschloss, dass es vielleicht wirklich nicht angezeigt sei, jetzt dieses Präparat anzuwenden.

WYSCHINSKI: Aber warum dachte er vorher nicht daran, er ist doch Arzt für innere Krankheiten?

BELOSTOZKI: Ich weiß nicht.

WYSCHINSKI: Haben Sie ihn nicht gefragt?

BELOSTOZKI: Nein, ich fragte ihn nicht.

WYSCHINSKI: Sie hielten die Anwendung dieses Mittels für nicht richtig?

BELOSTOZKI: Ich war damals der Meinung, dass es nicht ganz richtig sei.

WYSCHINSKI: Obwohl Sie auf diesem Gebiet nicht Spezialist sind?

BELOSTOZKI: Ja, ich bin kein Spezialist.

WYSCHINSKI: Was wünschen Sie dem Gericht noch zu berichten?

BELOSTOZKI: Ich erinnere mich, dass sehr viele Herzinjektionen vorgenommen wurden. Ich möchte die Aufmerksamkeit noch auf den Umstand lenken, dass während der Vorbereitung der fälligen Infusion Professor Pletnjow zu mir kam und mir ins Ohr sagte: „Wozu machen Sie das? Bei einem solchen Zustand des Kranken muss man ihn ruhig sterben lassen.“

WYSCHINSKI: Nicht retten?

BELOSTOZKI: Nicht retten.

WYSCHINSKI: Weitere Fragen habe ich nicht.

VORSITZENDER: Haben die Sachverständigen keine Fragen? Hat die Verteidigung keine Fragen? Haben die Angeklagten keine Fragen? Zeuge Belostozki, Sie sind von weiteren Aussagen befreit.

WYSCHINSKI: Ich habe in Verbindung mit dieser Episode keine weiteren Fragen an die Angeklagten, aber später, wenn wir zu der folgenden Frage gelangen werden, werde ich vor dem Abschluss der gerichtlichen Untersuchung ergänzende Fragen haben.
Ich würde es als zweckmäßig betrachten, jetzt das Gutachten der Sachverständigen anzuhören.

VORSITZENDER: Das Gutachten der Sachverständigen ist noch nicht fertig. Es tritt eine Unterbrechung von zwanzig Minuten ein, wonach das Gutachten der Sachverständigen entgegengenommen werden wird.

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