PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

ABENDSITZUNG VOM 11. MÄRZ 1938

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN BESSONOW

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erbeben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen.
Angeklagter Bessonow, da Sie auf einen Verteidiger verzichtet haben, haben Sie das Recht auf eine Verteidigungsrede, oder wünschen Sie vielleicht, Ihre Verteidigungsrede mit Ihrem letzten Wort zu vereinigen?

BESSONOW: Ja.

VORSITZENDER: Angeklagter Grinko.

GRINKO: Ich verzichte auf die Verteidigungsrede und werde sie mit dem letzten Wort vereinigen.

VORSITZENDER: Angeklagter Tschernow.

TSCHERNOW: Ich verzichte auf die Verteidigungsrede. Ich werde alles im letzten Wort sagen.

VORSITZENDER: Angeklagter Iwanow.

IWANOW: Ich verzichte, ich werde mich im letzten Wort verteidigen.

VORSITZENDER: Angeklagter Krestinski, wünschen Sie das Recht auf eine Verteidigungsrede auszunützen?

KRESTINSKI: Nein, ich will nur das letzte Wort ausnützen.

VORSITZENDER: Angeklagter Subarew.

SUBAREW: Ich verzichte auf eine Verteidigungsrede.

VORSITZENDER: Angeklagter Rykow.

RYKOW: Ich werde nur das letzte Wort sprechen.

VORSITZENDER: Angeklagter Scharangowitsch.

SCHARANGOWITSCH: Ich habe nicht die Absicht, mich zu verteidigen, deswegen verzichte ich auf eine Verteidigungsrede, ich werde nur im letzten Wort sprechen.

VORSITZENDER: Angeklagter Chodshajew.

CHODSHAJEW: Auch ich verzichte.

VORSITZENDER: Angeklagter Selenski.

SELENSKI: Ich verzichte.

VORSITZENDER: Angeklagter Ikramow, wünschen Sie Ihr Recht auf eine Verteidigungsrede auszunützen?

IKRAMOW: Ich verzichte.

VORSITZENDER: Angeklagter Rakowski.

RAKOWSKI: Ich verzichte auf eine Verteidigungsrede, ich werde nur das letzte Wort ausnützen.

VORSITZENDER: Angeklagter Rosengolz, wünschen Sie, das Recht auf eine Verteidigungsrede auszunützen.

ROSENGOLZ: Nein, ich werde nur das letzte Wort ausnützen.

VORSITZENDER: Angeklagter Bucharie.

BUCHARIN: Ich verzichte auf eine besondere Verteidigungsrede und werde die Verteidigung in einigen Punkten der Anklage mit dem letzten Wort vereinigen.

VORSITZENDER: Angeklagter Bulanow.

BULANOW: Ich werde nur das letzte Wort ausnützen.

VORSITZENDER: Angeklagter Jagoda.

JAGODA: Nur das letzte Wort.

VORSITZENDER: Angeklagter Krjutschkow.

KRJUTSCHKOW: Nur das letzte Wort.

VORSITZENDER: Angeklagter Maximow-Dikowski.

MAXIMOW: Ich werde das letzte Wort ausnützen.

VORSITZENDER: So gehen wir denn zu den letzten Worten über.
Angeklagter Bessonow, Sie haben das letzte Wort.

BESSONOW: Bürger Richter, zusammen mit den anderen Angeklagten verantworte ich mich hier vor dem proletarischen Gericht für die überaus schweren Staatsverbrechen, die vom „Block der Rechten und Trotzkisten“ und von mir persönlich als seinem aktiven Teilnehmer verübt worden sind. Das furchtbarste, alles andere einschließende Verbrechen ist der Verrat an der Heimat, dessen ich schuldig bin. Ich war der Vermittler und Teilnehmer der verbrecherischen Unterhandlungen des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ mit den faschistischen Kreisen Deutschlands. Diese Verhandlungen waren die Krönung der schon lange vorher begonnenen verbrecherischen Zusammenarbeit des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ mit der ausländischen faschistischen Agentur, deren Ziel die Sprengung der militärischen und wirtschaftlichen Macht der UdSSR, die Beschleunigung des faschistischen Überfalls auf das Land des siegreichen Sozialismus war.

In diesen Verhandlungen, arbeiteten die Kriegstreiber der beiden Seiten die ungeheuerliche Linie aus, die auf die Niederlage der UdSSR ausging, und entwarfen einen Plan riesiger territorialer Abtretungen an den Feind.

Die strenge Hand der proletarischen Justiz hat rechtzeitig das schreckliche Geschwür des Treubruches und Verrates geöffnet, die ungeheuerliche Verschwörung aufgedeckt und ihre Teilnehmer, darunter auch mich, schonungslos zur Verantwortung vor das Sowjetgesetz gezogen.

Ich war ebenfalls Vermittler und Beteiligter bei der verbrecherischen Verbindung des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ mit einem Teil der weißgardistischen Emigration, der so genannten „Trudowaja Krestjanskaja Partija“. Jeder Unterstützung im innern des Landes bar, angetrieben von ihren Herren, den Faschisten, versuchten die Führer des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, unter ihren Fittichen die gesamte Agentur des Faschismus in der UdSSR zu sammeln, darunter auch die so genannte „Trudowaja Krestjanskaja Partija“. Diesem kläglichen Versuch hat die proletarische Justiz einen vernichtenden Schlag versetzt.

Nicht alle Verbrechen des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, deren auch ich persönlich schuldig hin, konnten von der Justiz verhindert werden. Ausgeführt wurden das ruchlose Vorhaben, den großen Schriftsteller der Arbeiterklasse zu vernichten, und die tückische Tötung einiger hervorragender Männer des Sowjetlandes. Aber außer den Verbrechen, von denen in der Anklageschrift und in der Rede des Bürger Staatlichen Anklägers gesprochen wurde, muss ich mich noch eines Verbrechens, von dem auf dem Prozess nicht gesprochen wurde, vor der proletarischen Justiz schuldig bekennen.

In dem Jahr, das seit meiner Verhaftung vergangen ist, stand ich schon einmal vor dem proletarischen Gericht und habe ihm diese Tatsachen meiner sowjetfeindlichen Tätigkeit, derer ich in diesem Prozess beschuldigt wurde, verheimlicht.

Ich wurde am 28. Februar des vergangenen Jahres verhaftet. Fünfeinhalb Monate dauerte die Untersuchung in meiner ersten Sache. Von den Organen des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten wurde ein umfangreiches Material gesammelt, eine große Zahl von Zeugen wurde befragt, eine Reihe von Konfrontierungen wurde durchgeführt, Auskünfte über mich und über meine Verbindungen wurden an allen meinen Arbeitsplätzen eingeholt. Alles wurde überprüft. Ein Jahr verging, und was geschah?

Ich nützte den Umstand aus, dass die mich betreffenden Aussagen von in diesem Prozess nicht beteiligten Personen die Wirklichkeit nicht vollständig wiedergaben, und leugnete hartnäckig die wichtigste der gegen mich erhobenen Anklagen, nämlich: meine Zugehörigkeit zur illegalen antisowjetischen Organisation.

Am 13. August vergangenen Jahres stand ich vor dem Militärkollegium des Obersten Gerichtshofs, das in beinahe der gleichen Zusammensetzung wie in diesem Prozess, nur in geschlossener Sitzung, in Anwendung des Gesetzes vom 1. Dezember 1934 tagte. Das Militärkollegium unterzog alle gegen mich erhobenen Anklagen einer aufmerksamen Prüfung. Man gab mir die Möglichkeit, zu allen mir gestellten Fragen umfangreiche Aufklärungen zu gehen. Indessen setzte ich auch vor Gericht dieselbe Taktik des Leugners fort, die ich mir in der Untersuchung zurechtgelegt hatte. Nach einer gründlichen Prüfung der Sache hielt es das Militärkollegium weder für möglich mich freizusprechen, noch mich zu verurteilen, es gab meine Sache zu einer eingehenderen Untersuchung weiter.

Es vergingen noch viereinhalb Monate. In dieser Zeit wurden von den Organen des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten einige Fäden gefunden, die zur Aufdeckung meiner illegalen sowjetfeindlichen Tätigkeit führen konnten. Und erst Ende des vorigen Jahres wurde zum ersten Mal der Faden gefunden, der von Krestinski zu mir führte. Am 28. Oktober des vorigen Jahres, genau zehn Monate nach meiner Verhaftung, hielt man mir den Teil der Aussagen Krestinskis vor, der mich als Verbindungsmann des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ mit dem Ausland und Trotzki entlarvte. Da Krestinski nach Pjatakow der einzige Mensch war, der alles über meine sowjetfeindliche Tätigkeit wusste, hatte ich nicht mehr die Kraft, zu versuchen auf meiner früheren Position des Leugnens weiterzubeharren, ich ersuchte bloß um einige Tage Bedenkzeit, die mir gewährt wurden. Ich stand vor der Wahl, entweder meine frühere Taktik des Leugnens fortzusetzen, und zwar mit unvergleichlich geringeren Aussichten auf Erfolg, weil die Untersuchung bedeutend mehr Tatsachenmaterial über meine sowjetfeindliche Tätigkeit hatte und auf einem unfehlbar richtigen Wege war, oder offenherzig der Untersuchung alles zu sagen, was ich wusste.

Erst am 30. Dezember vorigen Jahres erklärte ich der Untersuchung, dass ich entschieden und vollständig mit meiner verbrecherischen Vergangenheit breche und beginne aufrichtig und rückhaltlos Aussagen zu machen. Ich machte keine Winkelzüge und leugnete nicht. Der Bruch mit der verbrecherischen Vergangenheit - und verstand dies ausgezeichnet - konnte nur in einer einzigen Form erfolgen, in der Form vollständiger, umfassender und aufrichtiger Aussagen. Ich sagte absolut alles aus, was ich über die Tatsachen wusste, die der Untersuchung vollständig oder teilweise bekannt waren, wie über die, die der Untersuchung nicht bekannt waren. Ich erinnere an diesen Umstand nicht deswegen, weil ich in ihm irgendeinen die Schuld mildernden Umstand sehen möchte, sondern nur, um mit diesem Strich das Bild eines zehnmonatigen fruchtlosen Kampfes mit der proletarischen Justiz abzuschließen, eines Kampfes, der den traurigen Vorzug hat, infolge seiner langen Dauer sogar in diesem Prozesse allein dazustehen.

Bürger Richter, große Worte sind unangebracht und wenig überzeugend im Munde eines Menschen, der wie ich der schwersten Staatsverbrechen angeklagt ist. Es ist zu spät, sich an die Brust zu schlagen und, wenn ich die Worte des Bürgers Staatlichen Anklägers wiederholen will, sich seiner eigenen Verbrechen zu überführen. Doch ich komm nicht umhin, einen Umstand zu berühren, Nicht, well ich in ihm eine Milderung meiner gewaltigen Schuld sehe, sondern weil nur er mir die Kraft gegeben hat, mein Recht auf das letzte Wort des Angeklagten auszunützen. Meine verbrecherische Tätigkeit verlief in den Verhältnissen der Arbeit im Ausland. Die lang dauernde Losgelöstheit von der Sowjetwirklichkeit erklärt auch zu einem bedeutenden Grade, dass ich den Weg des Verbrechens betreten habe. Ein mehr als sechsjähriger Aufenthalt in den Verhältnissen der unmittelbar kapitalistischen Umgehung wirkte verhängnisvoll auf mein politisches Verhalten.

Aber in dieser Tatsache meines Aufenthalts im Ausland. gibt es auch eine andere Seite, die ich mit zwei Worten berühren möchte. Wenn ich ein konsequenter Verräter der Heimat wäre, hätte mich nichts daran gehindert, wie anzunehmen ist, jenseits der Grenze zu bleiben, insbesondere nach dem Januarprozess 1937, als Pjatakow entlarvt und verurteilt wurde, der unmittelbare Leiter meiner verbrecherischen Arbeit, über dessen mögliche Aussagen gegen mich ich die düstersten Vermutungen anstellen konnte; nichtsdestoweniger erschien ich auf den ersten Ruf im Februar 1937 in Moskau, um mich vor der Heimat zu verantworten. Und nun dieser auf den ersten Blick unerklärliche Mangel an Folgerichtigkeit, der mich in die Heimat trieb, während die Logik des Verbrechens, wie es scheint, mir das Gegenteil diktieren mußte, er gibt mir auch das Recht, jetzt zu sagen: was auch immer der Spruch des proletarischen Gerichtes sein wird, es wird das Urteil des Gerichts meines Landes, meiner Heimat sein, und ich werde es ohne Murren hinnehmen.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN GRINKO

VORSITZENDER: Angeklagter Grinko, Sie haben das letzte Wort.

GRINKO: Ich habe das letzte Wort nicht darum ergriffen, um mich vor dem Obersten Gericht zu verteidigen. Ich habe zu meiner Verteidigung nichts zu sagen. Ich benütze dieses Wort auch nicht, um eine Milderung des Urteils zu erbitten. Ich habe kein Recht auf eine Milderung des Urteils. Ich bin voll und ganz mit der Qualifizierung und politischen Einschätzung einverstanden, die der Staatsanwalt der UdSSR in seiner Rede sowohl unseren allgemeinen Verbrechen als auch meinem Verbrechen gegeben hat. Ja, so ist die Sache.

Ich stehe vor dem Obersten Gericht als Verräter an der Heimat, als aktiver Teilnehmer an der Verschwörung der Rechten und Trotzkisten gegen den Sozialismus, der in der UdSSR gesiegt hat, als Bundesgenosse und Agent des Kapitalismus in seinem Todeskampf gegen den Sozialismus, als Staatsverbrecher, der bei der Vorbereitung der Provokation eines Krieges und der Zerstückelung der UdSSR zugunsten des Faschismus mit Hand angelegt hat, der bei der Vorbereitung der Ermordung der besten Leute unseres Landes und des gewaltsamen Sturzes des sozialistischen Staats- und Gesellschaftssystems in der UdSSR mit Hand angelegt hat.

Dieser Liste von Missetaten ist nichts hinzuzufügen. Mir, sowie offensichtlich auch einigen anderen Angeklagten, sind einige Tatsachen und Untaten des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ zum ersten Mal hier vor Gericht bekannt geworden. Ich muss aber rundweg erklären, dass die ungeheuerlichsten dieser Tatsachen - die von Jagoda dargelegten ungeheuerlichen Mordtaten an den besten Leuten unseres Landes, Tatsachen, die mir früher nicht bekannt waren - mich nicht in Erstaunen setzten, denn ich erkannte in ihnen das Gesicht und die Taten der Verschwörung der Rechten und Trotzkisten; ich erkannte in ihnen die Richtlinien des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ und seiner Führer. Unsere früheren Führer hätten besser getan, wenn sie vor Gericht überhaupt nicht versucht hätten, ihre unmittelbare Verantwortung für alle diese Sachen in irgendeinem Ausmaße abzuschwächen. Keiner von uns kann und soll sich vor dieser Verantwortung drücken.

Ich stehe, wie einige andere Angeklagte auch, vor dem Gericht als direkter Agent und Spion der faschistischen Staaten und ihrer Spionagedienste, als direkter Bundesgenosse des Faschismus in seinem Kampfe gegen die UdSSR. Aber nicht der Faschismus hat mich zu dem gemacht was ich bin. Der Faschismus sammelte zu seinem Nutzen die reifen Früchte des langjährigen Kampfes der Trotzkisten und Rechten gegen die Partei und die Sowjetmacht. Trotzki und Bucharin habe ich jene, mit Verlaub zu sagen, „Ideologie“ und jene Schule des ungeheuerlichen Doppelzünglertums zu verdanken, die uns alle zum direkten Faschismus geführt hat.

Ich stehe vor dem Gericht als ukrainischer bürgerlicher Nationalist und gleichzeitig als Teilnehmer des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“. Dies ist kein. zufälliges Zusammentreffen. Es ist die schon seit längster Zeit zäh befolgte Taktik der Trotzkisten und Rechten, die bürgerlichen Nationalisten und die politische Fäulnis der schwankenden Elemente in den nationalen Republiken auszunutzen.

Auf dem verbrecherischen, verräterischen Weg gelangte die ukrainische national-faschistische Organisation in den „Block der Rechten und Trotzkisten“, der alle Kräfte der Konterrevolution vereinigte. Diese ukrainische nationalistische Organisation handelte gleichzeitig sowohl auf Grund der Auftrage des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ als auch Grund der Aufträge der faschistischen Spionageorganisationen.

Meine äußerst schweren Verbrechen als Teilnehmer der Verschwörung der Rechten und Trotzkisten werden durch folgende Umstände noch viel schwerer.

Erstens, als einer der Organisatoren der ukrainischen nationalfaschistischen Organisation war ich insbesondere in der Ukraine tätig, das heißt bei dem wichtigsten Tor, an dem der deutsche Faschismus seinen Schlag gegen die UdSSR vorbereitet.

Im Auftrag des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ und des deutschen Spionagedienstes betrieb die ukrainische national-faschistische Organisation, und darunter auch ich, eine riesige Arbeit zur Untergrabung der Westgrenzen der UdSSR. Und mir scheint, nur der fehlende Wille, dem Gericht die volle Wahrheit zu sagen, erklärt es, dass sowohl Rykow als auch Bucharin, die die persönliche Verbindung mit mir als einem Teilnehmer der Verschwörung der Rechten und Trotzkisten zugaben, es leugnen, dass sie durch mich Verbindung mit der ukrainischen national-faschistischen Organisation unterhielten, die im sowjetfeindlichen Kampf des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ eine wichtige Karte darstellte.

Diese ukrainische national-faschistische Organisation - Ljubtschenko, Poraiko und andere - schließt die lange, sich vom Anfang der Revolution hinziehende Kette der Verbrechen der verschiedenen Fraktionen des ukrainischen bürgerlichen Nationalismus gegen das ukrainische Volk.

Der Staatsanwalt der UdSSR hatte Recht, als er sagte, dass das ukrainische Volk unter Führung der bolschewistischen Partei und der Sowjetmacht auf dem Wege der Lenin -Stalinschen Nationalitätenpolitik zu einer solchen Höhe emporgestiegen ist, die es in seiner Geschichte nie gekannt hat. Die bolschewistische Partei und die Sowjetmacht haben den ukrainischen Staat geschaffen, haben die Ukraine zu einem ungemein reichen Industrie- und Kollektivwirtschaftsland gemacht, haben die nationale Kultur der Ukraine auf eine nie gekannte Höhe gehoben. Die ukrainische national-faschistische Organisation aber, die hier vor Gericht zu vertreten ich das traurige Los habe, versuchte das ukrainische Volk mit der lügnerischen Losung der nationalen „Unabhängigkeit“ unter das Joch der deutschen Faschisten und der polnischen Pans zu bringen.

Der zweite Umstand, der meine Schuld als Beteiligter an der Verschwörung der Rechten und Trotzkisten schwerer macht, ist der, dass ich mehr als zwei Jahre von der Verschwörung in der Roten Armee wusste und mit einer Reihe der bedeutendsten militärischen Verschwörer persönlich verbunden war, die die Untergrabung der Wehrmacht und die Vorbereitung einer Niederlage der UdSSR betrieben. Ich wusste davon und war mit Leuten sowohl auf der Linie der ukrainischen Organisation wie auf der Linie der Roten Armee in Verbindung, die jene Öffnung der Front vorbereiten, von der hier auf dem Prozess die Rede war.

Der dritte Umstand, der meine Schuld vor den Völkern der UdSSR schwerer macht, ist der, dass ich einige Monate hindurch nicht nur von den allgemeinen terroristischen Richtlinien des Zentrums der Rechten und Trotzkisten wusste, sondern auch von der Tatsache, dass zwei terroristische Gruppen tagtäglich Stalin und Jeshow mit der Absicht nachspürten, sie zu ermorden. Mit anderen Worten, ich habe die Hand gegen Stalin erhoben, den die Werktätigen der ganzen Welt als Genius der befreiten Menschheit verehren, und gegen Jeshow, in dessen Person die große Zielbewusstheit der Partei zur Zertrümmerung der Feinde der UdSSR verkörpert ist.

Endlich wird meine Schuld auch durch die hohe Stellung schwerer gemacht, durch den hohen Posten, den ich bekleidete, und durch das Vertrauen, dass ich beim ZK und hei Stalin genoss.

Die Partei erhob mich aus denn kleinbürgerlichen Sumpf, gab mir eine hohe staatliche Stellung, eine hohe gesellschaftliche Stellung, vertraute mir Staatsgeheimnisse und die Kontrolle über die staatlichen Mittel der UdSSR an. Ich habe diese Geheimnisse verraten. Ich habe die Ausnützung staatlicher Mittel, Mittel der Völker der UdSSR, für die Finanzierung einer unerhörten Verschwörung gegen die Völker der UdSSR zugelassen und gefördert.

Ich erinnere mich mit einen Moment in meinem Leben; als 1933 die ukrainische nationalistische Organisation zertrümmert und einige meiner nächsten Freundchen verhaftet wurden, war ich infolge meiner persönlichen Verbindung mit ihnen ernstlich kompromittiert. Meine Parteiorganisation sagte sich von mir los. Ich war allein und isoliert. Und ich schrieb damals Stalin einen persönlichen Brief darüber. Am selben Tag, am selben Abend bekam ich von er Führung des ZK die wärmste, freundschaftlichste Aufmunterung, Stütze und Beruhigung. Und einige Monate darauf wurde mir ein solches Vertrauen erwiesen, wie es ein Mitglied der Partei nur erträumen kann.

Ich wurde ins ZK der KPdSU gewählt.

Und all dies beantwortete ich mit Verrat, schwarz wie die Nacht, an der Partei, an der Heimat, an Stalin.

Und nun, angesichts solcher Umstände, muss ich Ihnen, Mitglieder des Obersten Gerichts, von meiner Reue sagen. Ich verstehe sehr gut, mit welcher Verachtung jeder Sowjetmensch die Worte der Reue auf meinen Lippen nu nehmen wird. Und trotzdem muss ich das sagen, denn es entspricht der Wirklichkeit, denn ich kann niemandem mehr davon sagen. In der Lage, in der ich mich befinde, galt es nur ein Mittel, meine Reue in der Praxis zu beweisen das war, in der Untersuchung und vor Gericht volle Tatsachen der Verschwörung und alle mir bekannten Teilnehmer der Verschwörung aufzudecken, Ich habe dies restlos getan. Ich habe in meinen Aussagen weder mich noch irgendjemand von meinen Mitverschwörern geschont. Ich habe alle Tatsachen und alle Verschwörer, die mir bekannt waren, genannt. Ich muss es bereuen, dass ich dies nicht sogleich getan habe. Aber war es denn möglich, in mir sofort das Beharrungsvermögen eines langjährigen zähen und gefährlichen illegalen Kampfes gegen die Sowjetmacht zu zerschlagen, das Gefühl der Freundschaft für die Mitbeteiligten zu ersticken, das Geschwür des Doppelzünglertums auszubrennen, das Gefühl der Schande zu ersticken? Mit einem Wort, war es denn möglich, sofort eine Verräterseele, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat, ans Tageslicht zu bringen? Aber ich habe es restlos getan, und das Gericht hatte die Möglichkeit, dies nachzuprüfen.

In meiner Lage gibt es auch eine andere Ausdrucksform der Reue. Leider ist sie der unmittelbaren Überprüfung durch das Gericht nicht zugänglich, aber nichtsdestoweniger hört sie nicht auf zu existieren. Ich spreche von meiner inneren Befriedigung. Ich wage es, von meiner Freude darüber zu sprechen, dass unsere ruchlose Verschwörung aufgedeckt wurde und jenes unerhörte Unheil abgewendet wurde, das wir gegen die UdSSR vorbereiteten und zum Teil durchgeführt haben. Das erneuerte Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten hat die Verschwörung der Rechten und Trotzkisten in ihrer letzten Zufluchtsstätte vernichtet. Und ich freue mich darüber.

Das schwerste Urteil - das höchste Strafmaß - nehme ich als mir gebührend an. Ich habe nur einen Wunsch: die letzten mir verbleibenden Tage oder Stunden, wie wenig sie auch sein mögen, will ich nicht als Feind, der sich in der Gefangenschaft der Sowjetmacht befindet, erleben, sondern als ein Bürger der UdSSR sterben, der den allerschwersten Verrat an der Heimat begangen hat und hart dafür bestraft wurde, der aber bereut hat.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN TSCHERNOW

VORSITZENDER: Angeklagter Tschernow, Sie haben das letzte Wort.

TSCHERNOW: Bürger Richter, ich nutze das mir erteilte Recht auf das letzte Wort des Angeklagten nicht dazu aus, um mich zu verteidigen oder zu rechtfertigen. Die äußerst schweren Verbrechen, die ich gegen das große Sowjetland verübt habe, können weder gerechtfertigt noch verteidigt werden.

Ich bin ein Verräter an der sozialistischen Heimat. Ich verschacherte die Interessen der Heimat an den Feind der Arbeiterklasse und der ganzen Menschheit - den Faschismus. Ich bin ein Spion des deutschen Spionagedienstes, ein aktiver Teilnehmer der konterrevolutionären Organisation der Rechten, Teilnehmer an der Organisierung von Schädlingstätigkeit und Diversionen, ein aktiver Teilnehmer des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, der sich den Sturz des in der UdSSR bestehenden sozialistischen gesellschaftlichen und staatlichen Systems und die Wiederaufrichtung des Kapitalismus, die Wiederaufrichtung der Macht der Bourgeoisie zum Ziele setzte. Ich bin ein aktiver Teilnehmer des Blocks, der zur Erreichung des Zieles, der Wiederherstellung des Kapitalismus, auf unerhörte, ungeheuerliche Verbrechen einging, und zu diesem Zwecke das ganze Banditenarsenal gebrauchte.

Die von mir verübten Verbrechen, ich wiederhole es, können weder verteidigt noch gerechtfertigt werden. Sie verdienen die strengste Bestrafung.

Wie konnte ich, dem die Partei das größte Vertrauen erwies, die Partei und die Heimat verraten und ein Spion des deutschen Spionagedienstes und Mitglied einer konterrevolutionären Organisation werden.

Wie ich vor Gericht bereits ausgesagt habe, war ich lange Zeit Menschewik und nicht nur ein einfaches Mitglied der menschewistischen Partei, sondern Führer einer ihrer Organisationen, der von Iwanowo-Wosnessensk. Ich war genügend gebildet und politisch entwickelt, uns mit vollem Bewusstsein den Menschewismus zu akzeptieren und für sein Programm der Verteidigung des Kapitalimmun zu kämpfen,

Ich trat in die Kommunistische Partei erst dann ein, als die Kräfte der inneren Konterrevolution zertrümmert waren und die Arbeiterklasse unter der Führung der Bolschewiki siegreich aus dem Bürgerkrieg hervorging.

Die Zeit meines Eintritts in die Kommunistische Partei fiel mit der Periode den Beginns der Neuen Ökonomischen Politik zusammen, die ich nicht so einschatzte wie sie die wirklichen Bolschewiki auffassten, sondern auf meine Art, auf menschewistische Art. Als daher die Partei von der Politik der Beschränkung des Kulakentums und der kapitalistischen Elemente in der Stadt zur Politik der Offensive gegen sie und ihrer Zertrümmerung überging, konnte sich mein menschewistisches Wesen mit einer solchen Politik nicht versöhnen, und ich begann unter den sowjetfeindlichen Gruppierungen in der Partei die Gesinnungsgenossen zu suchen, deren Anschauungen meinem Menschewismus entsprachen und deren praktische Ziele den Kampf für den Mors der Sowjetmacht und für die Wiederaufrichtung des Kapitalismus bedeuteten.

Ich fand diese Gesinnungsgenossen in der konterrevolutionären Organisation der Rechten, Die Anschauungen und praktischen Ziele dieser Organisation stimmten voll und ganz mit meinen menschewistischen Anschauungen überein. Ich war damals, 1928, noch ein kleiner Mann in der Partei. Ich will damit meine Schuld keineswegs abschwächen und meine Verbrechen verkleinern. Meine Verbrechen sind grenzenlos und ungeheuerlich. An der Spitze der konterrevolutionären Organisation der Rechten standen solche Leute wie Rykow, Bucharin, Tomski, und dass sie zum Ziel des Sturzes der Sowjetmacht und der Wiederaufrichtung des Kapitalismus, das heißt zum Menschewismus gelangt waren, bestärkte mich in meinen menschewistischen Positionen. Das spielte seine Rolle bei meinem Eintritt in die konterrevolutionäre Organisation der Rechten.

Dass ich den Weg eines deutschen Spions betrat, dabei spielte Dan eine große Rolle. In seinen Begegnungen mit mir argumentierte er mit der Notwendigkeit des Kampfes der Rechten gegen die Sowjetmacht und der Hilfeleistung an die kapitalistischen Staaten in ihrem Kampfe für den Sturz der Sowjetmacht. Der Umstand, dass Dan selbst, wie ich mich in der Folge überzeugte, ein Agent des deutschen Spionagedienstes ist, hatte eine große Bedeutung dafür, dass ich zustimmte, ein deutscher Spion zu werden. Zu den Ursachen, die mich zur Spionage brachten, muss man auch meine moralische Haltlosigkeit, meine Trunksucht, rechnen.

Als ich aus Deutschland nach der Sowjetunion zurückkehrte, war ich nicht nur als Parteimitglied, sondern auch als Bürger der Sowjetunion verpflichtet, von der Herstellung der verbrecherischen Verbindung zu dem deutschen Spionagedienst zu berichten. Ich hätte mich damit wieder zum ehrlichen Bürger gemacht. Ich tat es nicht. Ich zog es vor, ein Verräter an der Heimat zu bleiben. Im Verlaufe des Jahres 1929 arbeitete ich auf dem Wege über Paul Scheffer und in der folgenden Zeit, bis zu meiner Verhaftung, auf dem Wege über Raiwid für den deutschen Spionagedienst und half mit im Kampf für die Zerstückelung der Sowjetunion, für die Herbeiführung ihrer Niederlage im nächsten Krieg.

Die Aufträge, die ich vom deutschen Spionagedienst bekam - Schädlingstätigkeit und Diversionen - fielen mit den Anweisungen zusammen, die ich durch Rykow vom Zentrum meiner konterrevolutionären Organisation der Rechten erhielt. Die einen und die anderen unterschieden sich im Wesen durch nichts voneinander. Die einen und die anderen handelten in ein und derselben Richtung - die wirtschaftliche Macht und die Wehrfähigkeit der Sowjetunion zu untergraben und damit ihre Niederlage in einem Kriege, den Sturz der Sowjetmacht und die Wiederherstellung des Kapitalismus zu sichern.

Diese Übereinstimmung der Ziele und praktischen Anweisungen des deutschen Spionagedienstes und des Zentrums der Rechten dienten mir als ein Anlass mehr dazu, dass man die Spionagearbeit fortsetzen, die Schädlingstätigkeit und Diversionen organisieren müsse.

In der Zeit meiner verbrecherischen Tätigkeit als aktiver Teilnehmer der konterrevolutionären Organisation der Rechten und als deutscher Spion wurde von mir eine Schädlings- und Diversionsarbeit von ungeheuerlichem Charakter und großen Ausmaßen durchgeführt. Ich habe über sie eingehend in der Voruntersuchung und vor Gericht ausgesagt.

Die Partei erwies mir das größte Vertrauen, indem sie mich an die Spitze des Volkskommissariats für Landwirtschaft stellte. Ich aber nützte dieses Vertrauen gegen die Partei, nützte es gegen die Heimat ans. Ich führte nicht die Direktiven der Partei auf Festigung des Kollektivwirtschaftssystems, auf Entwicklung der Macht der Kollektivwirtschaften, auf steigenden Wohlstand der Kollektivbauern aus, - ich führte die Direktiven des Zentrums der konterrevolutionären Organisation der Rechten und des deutschen Spionagedienstes zur Zerstörung des Kollektivwirtschaftssystems, zur Untergrabung der Kollektivwirtschaften aus. Rykow hat es hier versucht zu bestreiten, dass er mir Anweisungen zur Organisierung von Schädlingstätigkeit in der Landwirtschaft gegeben habe. Ich erinnere daran, wiederum nicht, um meine Schuld zu schmälern und sie auf einen anderen abzuwälzen. Ich tue dies ausschließlich um der Feststellung der Wahrheit willen.

Rykow will die Sache so darstellen, als ob er „Ideologische“ Richtlinien über die Durchführung der Schädlingstätigkeit gegeben und an ihrer Organisierung nicht teilgenommen habe. Das ist nicht richtig. Oder genauer gesagt, das ist eine halbe Wahrheit, und eine halbe Wahrheit ist schon eine Lüge. Rykow leitete im Namen des Zentrums der Rechten parallel mit dem deutschen Spionagedienst meine ganze Schädlings- und Diversionstätigkeit in der Landwirtschaft.

Über meine verbrecherische Tätigkeit als aktiver Teilnehmer an der konterrevolutionären Organisation sowie als deutscher Spion habe ich gleich am ersten Tage meiner Haft, schon beim ersten Verhör der Untersuchung aufrichtige, wahrheitsgetreue Aussagen gemacht.

Ich habe der Untersuchung auch Aussagen über jene Leute gemacht, mit denen ich in meiner konterrevolutionären und Spionagetätigkeit in Verbindung stand, ich habe meine Aussagen ebenfalls aufrichtig und wahrheitsgetreu vor Gericht dargelegt.

Was hat mich veranlaßt, sofort nach meiner Verhaftung wahrheitsgetreue Aussagen zu machen?

1937 begann die Zertrümmerung der konterrevolutionären Organisation der Rechten. Die Anführer der Organisation, Rykow, Bucharin und andere, wurden verhaftet, die konterrevolutionäre Organisation der Rechten im Volkskommissariat für Landwirtschaft wurde zertrümmert. Im Sommer 1937 wurde der Resident des deutschen Spionagedienstes, der oben erwähnte Raiwid, verhaftet. All dies veranlasste mich, über die Frage nachzudenken, ob die Fortsetzung dieses Kampfes etwas geben könne. Die Antwort konnte nur negativ ausfallen. Die Kraft des Sowjetstaates ist unbesiegbar!

Was stellte unsere konterrevolutionäre Organisation dar? Das war eine Bande vertierter Beamter, sie hatte keinerlei Wurzeln im Volk. Ihre Basis waren die Abkommen mit den faschistischen Regierungen.

Das Sowjetvolk hat trotz unserer Ränke, der Ränke der Konterrevolutionäre, den Sozialismus gebaut und einen beispiellosen Sieg errungen. Das Bewusstsein dieser Kraft der Sowjetmacht und des Sowjetstaates brachte mich auch dazu, dass ich sofort nach meiner Verhaftung die Waffen streckte und aufrichtige, wahrheitsgetreue Aussagen machte.

Meine Verbrechen sind groß und ungeheuerlich. Keine Strafe, die das Gericht zu fällen notwendig finden wird, kann diese Verbrechen austilgen.

Aber dennoch wage ich es, mich an das Gericht zu wenden und das Gericht zu bitten, mir mein Leben zu erhalten.

Wenn es das Gericht für möglich findet, dies zu tun, und mir das Leben gelassen wird, werde ich alle meine Kräfte dem Dienst für das große Sowjetvolk widmen.

Ich kann meine Verbrechen nicht wiedergutmachen - sie sind zu groß. Durch ehrliche Arbeit in der Zukunft werde ich mich bemühen, wenigstens einen kleinen Teil jener äußerst schweren Verbrechen an der Heimat, am großen Sowjetlande wiedergutzumachen.

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird bis 11 Uhr unterbrochen.

 

(Unterschrift)

Der Vorsitzende:
Vorsitzender des Militärkollegiums des
Obersten Gerichtshofes der UdSSR
Armee-Militärjurist W. Ulrich

Der Sekretär:
Militärjurist I. Ranges A. Batner

Zurück zum Inhaltsverzeichnis