PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

VORMITTAGSSITZUNG VOM 12. MÄRZ 1938

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN IWANOW

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen, die Sitzung wird fortgesetzt. Das letzte Wort hat der Angeklagte Iwanow.

IWANOW: Bürger Richter! In meinem letzten Wort will ich dem Gericht sagen, dass ich die Geschichte meines verbrecherischen Kampfes gegen die Partei und die Sowjetmacht, gegen das Sowjetvolk mit voller Aufrichtigkeit und bis zu Ende aufgedeckt habe. Ich habe nichts verschwiegen, nichts verborgen, weder was meine konterrevolutionäre verräterische Tätigkeit betrifft, noch was die Tätigkeit des Blocks der Rechten und Trotzkisten“ betrifft, dessen aktiver Teilnehmer ich war.

Ich habe auf die Verteidigungsrede Verzichtet, weil ich meine schwere Schuld vor dem Sowjetland restlos bekenne und schmerzlich empfinde und weil ich nichts zu meiner Verteidigung zu sagen habe.

Das einzige, was mich in diesen schweren Tagen aufrecht gehalten hat, in den Tagen meiner Schande vor dem ganzen Volk, ist der Gedanke daran, dass ich endlich mit dem, was mich gebunden hat, gebrochen habe mit meiner verfluchten und verbrecherischen Vergangenheit, unwiderruflich gebrochen und mich von ihr losgelöst habe.

Als man mich in das Verbrechen der Provokation hineinzog, war ich ein dummer Junge ohne jegliche Lebenserfahrung und Stählung. Bei der ersten Prüfung hielt ich nicht stand, war feige, machte den ersten Schritt des Verrats, geriet auf die schiefe Ebene, und der Sumpf des Verrates zog mich hinab, aber der Verrat hat seine eigene Logik, und ich habe seine Macht über mich besonders stark nach dem Oktober gespürt. Es wäre unwahr und eine unnötige Übertreibung, wenn ich sagte, dass ich mit der Oktoberrevolution überhaupt nicht sympathisiert habe, ihr ablehnend gegenübergestanden habe. Die Kraft der proletarischen Partei, die Kraft der Revolution ist so groß, dass ein Mensch, der durch seine Lebenslage der Arbeiterklasse nahe ist - und ich war ein solcher Mensch -, ihren Einfluss sogar in jener Rolle zu spüren bekommt, in der ich mich bis zum Sieg der Arbeiterklasse befand. In der Periode des Oktober fühlte ich Freude und Angst: Freude zusammen mit den siegreichen Massen, Angst vor der drohenden Entlarvung. Ich muss sagen, dass ich damals nicht Mut genug hatte, hinzugehen und offen meinen Verrat zu bekennen. Und die Tatsache, dass ich dies nicht tat, war, wie aus meiner ganzen nachfolgenden Geschichte hervorgeht, bestimmend für mich. Je weiter die Zeit schritt, um so mehr glich ich einem Menschen, der mit einem Stein an den Füßen ins Wasser geworfen wurde, einem Menschen, der leidenschaftlich wünscht, das Ufer zu erreichen, während ihn seine Last unaufhörlich auf den Grund zieht, und dieser Grund waren die „linken Kommunisten“ und später meine Einbeziehung in die Reihen der Organisation der Rechten durch Bucharin.

Ich war der Meinung, dass ich der drohenden Entlarvung meiner provokatorischen Tätigkeit nur dann entgehen kann, wenn die Macht des Kapitalismus wiederhergestellt wird. Das trieb mich beständig auf die Suche nach feindlichen restauratorischen Kräften, um mich ihnen anzuschließen. Ich suchte Leute, die das gleiche wie ich wollten, die die bürgerliche Gesellschaftsordnung wollten. Ich suchte und fand diese Leute in der Organisation der Rechten. Es ist deshalb verständlich, dass ich mit allen Handlungen und Schritten der Rechten und Bucharins, der mit mir antisowjetische Verbindungen unterhielt, als des Leiters der „linken Kommunisten“ sympathisierte. Es kostete keinerlei Mühe, mich im Jahre 1928 in die Reihen der Organisation der Rechten einzubeziehen. Die ganze weitere Entwicklung meiner antisowjetischen Tätigkeit verlief bereits unter dem Einfluss Bucharins, der mich von Stufe zu Stufe auf den Weg des Verbrechens führte.

Im Auftrage Bucharins versuchte ich 1928 eine kulakische aufständische „Vendee“ im Nordkaukasus zu organisieren. Im Jahre 1932 schloss ich mich, seinen Direktiven folgend, dem Aufstand zum Sturz der Sowjetmacht ebenfalls im Nordkaukasus an, wo ich zu jener Zeit arbeitete. Im Jahre 1934 spricht er, Bucharin, mit mir über die Notwendigkeit der Niederlage im Krieg, über die Notwendigkeit, sich auf die aggressiven faschistischen Länder zu orientieren, in erster Reihe auf Deutschland und Japan. Dementsprechend entfaltet die Gruppe der Rechten im Nordgau unter meiner Leitung eine terroristische Diversions- und Spionagetätigkeit. Nach all diesem war es sehr befremdend, hier die Erklärung Bucharins darüber zu hören, dass er angeblich nur ein „reiner Theoretiker“ sei, und sich nur mit Problematik und „Ideologie“ beschäftige. Bürger Richter, keinen grünen Heller wäre meine Reue und die Tatsache, dass ich die Waffen gestreckt habe, wert, wenn ich nicht in meinem letzten Wort gegen diese himmelschreiende Unwahrheit aufträte. Nach Bucharin kommt es so heraus, dass es in der Organisation der Rechten reine Theoretiker in Anführungszeichen, Leiter gab, die nicht für die konkreten Verbrechen verantwortlich sind, die sich mit einer feinen, edlen in Anführungszeichen, Angelegenheit befahlen, - der Ideologie, und dass es andererseits schmutzige Praktiker gab, von denen das ganze Unheil kommt, die für alles verantwortlich sind, die vor Bucharin die konkreten Fragen des Terrors, der Schädlingsarbeit, der Diversion und Spionage stellen, aber er, Bucharin, hört nur zu und schweigt.

Nur in Prozessen gegen Konterrevolutionäre ist eine solche Sache möglich, dass Leiter die Verantwortung auf die Praktiker abwälzen und sich selbst der Verantwortung zu entziehen suchen. Ja, ich habe ungeheuerliche Verbrechen begangen und ich trage für sie die Verantwortung. Aber ich habe sie zusammen mit Bucharin begangen, - und die Verantwortung müssen wir zusammen tragen. Von welcher Ideologie kann hier übrigens die Rede sein? Der Hass gegen die Sowjetmacht und die Partei, die Verleumdung ihrer Führung, - das ist unsere ganze Ideologie. Gerade deshalb, weil ich als aktiver Teilnehmer nicht nur für meine Handlungen die Verantwortung trage, sondern auch für die Tätigkeit der ganzen Organisation der Rechten, muss ich, Bürger Richter, fest und eindeutig erklären: Bucharin hat hier nicht alles gesagt, er hat viele Fäden und Verbindungen verborgen, hat versucht, sich der Verantwortung für sein schweres Verbrechen zu entziehen. Bucharin war bei uns kein Ideologe. Wir Verschwörer bedurften keiner Ideologien. Bucharin war der Organisator der rechten Verschwörer, er suchte die Leute aus und stellte sie an ihren Platz, er erteilte Aufträge und forderte Rechenschaft. Bucharin war der Initiator der Praxis des Terrors, der Schädlingsarbeit, der Subversionen und des ganzen Systems defätistischer Maßnahmen, er war der Hauptleiter der Spionagetätigkeit und hielt in seinen Händen die Fäden der entscheidenden Verbindungen mit den Spionagediensten der faschistischen Länder.

So und nur so kenne ich ihn, als das habe ich ihn angesehen, als das haben ihn übrigens auch alle anderen Mitglieder der Organisation angesehen. Bucharin leitete mit den gleichen Mitteln und Methoden die Organisation der Rechten, mit denen Trotzki den ganzen „Block der Rechten und Trotzkisten“ leitete.

Warum spricht Bucharin nicht die ganze Wahrheit - diese Frage taucht bei mir auf und muss bei mir auftauchen, jetzt, da wir vor dem Volk die Verantwortung für unsere schwersten, in der Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung nie da gewesenen Verbrechen tragen. Ich glaube, dass Bucharin hier deswegen nicht die ganze Wahrheit sagt, weil er im Laufe all der Jahre der Revolution gegen sie gekämpft hat, und auch heute weiter ihr Feind bleibt, weil er jene Überreste der feindlichen Kräfte erhalten will, die sich noch in ihren Schlupfwinkeln versteckt halten.

Ich halte es als ein Mensch, der, obgleich er nicht zum zentralen Kern der Leitung der Rechten gehörte, doch ein aktiver Verschwörer war und Bucharin gut kennt, für meine Pflicht, hier zu erklären: Nach dem Zusammenbruch unserer Spekulationen auf den Kulakenaufstand blieb die Hoffnung auf eine Niederlage der Sowjetunion im Krieg unsere einzige Hoffnung.

In meinen Aussagen ist es mir nicht gelungen, genügend plastisch darzustellen, wie tief der Defätismus unserer Organisation in Fleisch und Blut übergegangen war. Man muss unterstreichen, dass wir, die Mitglieder des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, mit dem Gedanken an die Niederlage ebenso stark verwachsen sind, wie mit der Doppelzüngigkeit, dass der Defätismus ebenso wie die Doppelzüngigkeit buchstäblich in die Psychologie eines jeden von uns einging. Wo immer ich mit einem Mitglied unserer Organisation zusammentraf, begannen unweigerlich Gespräche darüber, dass der Krieg bestimmt in der nächsten Zeit beginnen wird, dass die von uns vorbereitete Niederlage der Sowjetunion unsere Lage von Grund auf ändern wird. Ich wollte den Krieg, ich wartete auf ihn. Ich erinnere mich, dass jegliche diplomatische Erfolge der Sowjetunion, die den Krieg hinausschoben, jegliche Erfolge der Einheitsfront im Kampf gegen Faschismus und Krieg bei uns allen Verzagtheit und Niedergeschlagenheit hervorriefen.

Man muss die letzte Spur von Gewissen verloren haben, um unsere Einstellung auf die Niederlage und auf die Errichtung der faschistischen Diktatur zu leugnen.

Zur Frage des Defätismus erinnere ich mich noch an eine charakteristische Einzelheit, an ein Gespräch mit Bucharin im Jahre 1936. Bucharin, der die Notwendigkeit feststellte, zugleich mit Diversions- und Terroranschlägen die Landesverteidigung zu vereiteln, sprach davon, dass die Rechten im Nordgau sehr träge die Aufstandskader vorbereiten, und führte folgendes an: natürlich muss man für die Hilfe mit der Abtretung von Randgebieten bezahlen. Umsonst gibt man nichts, hilft man nicht. Aber schließlich und endlich ist es für Russland nicht unbedingt notwendig, ein Sechstel der Erde zu sein, es kann auch ein Zehntel sein. Nicht darin besteht doch die Hauptsache, sagte Bucharin, und das verstehen die Leute nicht, die sich nur vor schrecklichen Worten fürchten.

Ich verberge die Wahrheit nicht, ich schone mich nicht. Ich kann auch nicht von der Wahrheit abweichen, um meine Komplicen zu schonen. Ich war Defätist und Spion, und ein solcher war auch mein Leiter Bucharie.

Damit mein Zustand zur Zeit meiner Verhaftung verständlich wird, will ich noch einige Worte über die vergiftende stickige Atmosphäre sagen, die in unserem konterrevolutionären unterirdischen Versteck herrschte.

Zu den Massen der Werktätigen verhielten wir, die Leute des Verstecks, uns feige und gehlässig. Wir Verschwörer verhöhnten ehrliche Menschen, bemühten uns, unter jeglichen Vorwänden ehrliche Menschen in unseren Sumpf hineinzuziehen, wir waren Doppelzüngler. Wir bemühten uns, jeden Neuling zu irgendeinem Schädlingsakt zu verleiten, um ihn dann durch die Angst vor Entlarvung unter unseren Einfluss zu bringen. Bei der Anwerbung von Kadern benutzten wir in breitem Maße Provokation jeder Art. Die Verschwörer hatten diese Neulinge in der Hand.

Wie ich schon in meinen Aussagen sagte, gab es bei mir nicht wenig Momente, wo in mir das Gewissen nagte und beharrlich der Gedanke bohrte, hinzugehen und über die Organisation der Rechten zu erzahlen, aber ich tat das nicht.

Mir ist besonders schwer vor dem Volk, vor den breiten Massen, dass ich zum Verräter an der Heimat geworden bin. Aber ich muss sagen, dass ich jetzt dem Gericht alles über meine Verbrechen erzählt habe. Wenn ich beginne, meine Verbrechen zu analysieren und irgendeinen mildernden Umstand für mich finden will, so finde ich unter diesen abscheulichen Verbrechen nichts Milderndes. Erst nach der Verhaftung fühlte ich, dass mir leichter wurde, dass ich wirklich mit meinen abscheulichen Taten Schluss gemacht habe. Ich fühlte, dass ich jetzt nur einen Weg bis ans Ende habe. Ich fühlte, dass ich jetzt allein geblieben und das ganze Volk gegen mich ist.

Ich konnte nicht weiter kämpfen. Mir wurde klar, dass der Zusammenbruch gekommen ist, dass mein Kämpf gegen die Sowjetmacht zu Ende ist und mir wurde offenbar, dass es unmöglich ist, den Kampf fortzusetzen, Das ist der Grund, warum ich in der Voruntersuchung und vor Gericht die ganze Wahrheit gesagt habe, ohne etwas zu verbergen. Ich habe alles und bis zu Ende gesagt. Ich befinde mich jetzt in einer solchen Lage, wo auf mir ein Verbrechen von drückendem Gewicht lastet: Verrat, Treubruch, Terror.

Mir wurde jetzt viel leichter zumute, weil ich meine Verbrechen völlig aufgedeckt habe.

Bürger Richter, ich empfinde jetzt in Bezug auf das Urteil ein zweifaches Gefühl: es ist schwer, weiterzuleben, wenn man durch einen schwarzen stinkenden Sumpf gewatet ist. Als ich darüber nachdachte, oh es nicht irgend etwas gibt, was meine Schuld mildert, ob es nicht ein Verbrechen gibt, von dem ich sagen könnte, ich habe es nicht begangen, da fand ich keins.

Meine Verbrechen bestehen in Provokation, aktiver Teilnahme am „Block der Rechten und Trotzkisten“, Verrat an der Heimat, Schädlingsarbeit, Diversion und Aufstand. Mit einer solchen Dienstliste ist es schwer zu leben. Aber anderseits lebt in mir ein entgegengesetztes Gefühl. Bürger Richter, ich muss sagen, dass ich das schwerste Urteil hinnehmen werde. Aber es ist mir unaussprechlich schwer, zu sterben, da ich mich endlich von all diesem Schmutz, dieser Abscheulichkeit gereinigt habe. Wenn man mir die Möglichkeit gibt, meine Ergebenheit zu beweisen, so werde ich zum Nutzen des Volkes ehrlich und ergeben arbeiten.

Ich bitte das Sowjetgericht, mir diese Möglichkeit zu geben, ich bitte die Sowjetmacht um Gnade.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN KRESTINSKI

VORSITZENDER: Das letzte Wort hat der Angeklagte Krestinski.

KRESTINSKI: Bürger Richter, ich bin, was die Dauer der aktiven Teilnahme am politischen Leben betrifft, einer der Ältesten auf der Anklagebank. Ich begann meine revolutionäre Tätigkeit als 18-jähriger Jüngling im Jahre 1901. Im Verlaufe von 20 Jahren, bis zum Jahre 1921, d. h. bis zu dem Moment, wo ich zusammen mit Trotzki meinen Kampf gegen Partei und Sowjetmacht begann, der mich schließlich auf die Anklagebank geführt hat, habe ich ehrliche bolschewistische Arbeit geleistet.

Während der Voruntersuchung und des Gerichtsverfahrens habe ich mit keinem Wort die Periode des revolutionären Kampfes in meinem Leben erwähnt oder beleuchtet, weil ich der Meinung war, dass ich mich auf der Anklagebank für meine konterrevolutionären Taten verantworten muss und nicht Buße tun soll.

Erst im letzten Wort halte ich es für möglich, ehe ich zur Darlegung und strengen Beurteilung meiner ungeheuerlichen Verbrechen übergehe, kurz bei diesen Momenten meines Lebens zu verweilen, da es die Aufgabe des letzten Wortes ist, dem Gericht ein vollkommenes Bild des Verbrechers zu geben, unter anderem auch von der Zeit, wo er noch keine verbrecherischen Taten beging.

Die erste Etappe meiner revolutionären Arbeit (1901 bis 1906) ist mit der ersten Revolution des Jahres 1905 verbunden. Diese Jahre verbrachte ich teilweise in Petersburg und hauptsächlich im Nordwestgau.

Ich war einer der leitenden Funktionäre des Gaues und arbeitete fast in allen Städten des Nordwestgaus; häufig wurde ich in Petersburg und anderen Gauen verhaftet und ausgewiesen, und Ende 1906 konnte ich in diesem Bezirk nicht länger bleiben, da dort die illegale Arbeit, für mich nicht mehr möglich war.

Ich siedelte nach Petersburg über, wo ich Verbindung mit Lenin , Nadeshda Konstantinowna Krupskaja und Michail Iwanowitsch Kalinin herstellte, der in der Wassilij-Ostrowsker Organisation und in den Gewerkschaften arbeitete. In dieser Zeit arbeitete ich in der „Swesda“ und „Prawda“. Dort arbeitete ich unter ständiger Leitung Stalins, unter Leitung Lenin s, der fast täglich seine Artikel und Briefe an die „Prawda“ schickte. Ich beteiligte mich am Wahlkampf, wurde für die IV. Staatsduma aufgestellt, ich leitete die Versicherungskampagne, schließlich arbeitete ich in der IV. Staatsduma, in der bolschewistischen Fraktion der Duma, die faktisch das russische Büro des ZK war. An mich wurden erhöhte Anforderungen gestellt, und ich wuchs bei dieser Arbeit. In dieser Zeit saß Lenin im österreichischen Gefängnis, Stalin und Swerdlow waren in der Verbannung in Turuchansk. Während des Krieges standen wir auf der Position der Defätisten, der Anhänger der Umwandlung des imperialistischen Krieges in den Bürgerkrieg. Ich war im Ural, dann in Swerdlowsk, danach in dem entlegenen Städtchen Kungur.

Auf der Märzberatung der Bolschewiki, die von Stalin geleitet wurde, unterstützte ich voll und ganz Stalin in seinem Kampfe gegen alle Schwankungen und Unbeständigkeiten. Im Jahre 1917 fahre ich nach dem Ural und leite dort die Arbeit. Im Jahre 1918 siedle ich ins Zentrum über und werde nach dem Aufstand der „linken“ Sozialrevolutionäre Volkskommissar für Finanzen. Nach dem Tode Swerdlows werde ich zum Sekretär des ZK ernannt. Ich war organisatorischer Gehilfe Lenin s. Die tägliche laufende Arbeit des ZK ging durch meine Hände.

In allen grundlegenden wirtschaftlichen und politischen Fragen der Periode des Bürgerkrieges teilte ich die politische Linie Lenin s und Stalins und unterstützte sie voll und ganz.

Meine politische Annäherung an Trotzki, die mich zur aktiven feindlichen Arbeit gegen das Sowjetsystem geführt hat, ging unter folgenden Umständen vor sich.

Vor dem X. Parteitag nahm ich an der Gewerkschaftsdiskussion auf Seite der trotzkistischen Opposition des ZK der Transportarbeiter als einer ihrer Führer teil. Zum Unterschied von Trotzki betrachtete ich die Meinungsverschiedenheiten in dieser Frage als zeitweilige, als vorübergehende Meinungsverschiedenheiten in einer bestimmten taktischen Frage. Ich glaubte, dass ich nach dem Parteitag meine Parteiarbeit loyal fortsetzen kann. Tatsächlich kam ein Beschluss des ZK darüber zustande, dass ich entsprechend meinem Wunsche nach dem Urlaub als Mitglied des Uraler Büros des ZK zur Parteiarbeit nach dem Ural fahre. Aber während ich mich auf Urlaub in Deutschland befand, wurde die Frage neu behandelt, und es kam ein Beschluss über meine Ernennung zum Botschafter in Deutschland zustande. Bei meiner Rückkehr nach Moskau im Herbst begann Trotzki mir einzuflüstern, dass ich, als ein Mensch, der das Ausland nicht kennt, der keine fremden Sprachen spricht, für die diplomatische Arbeit nicht geeignet sei und meine Ernennung durchaus nicht durch sachliche Erwägungen hervorgerufen sei, sondern durch den Wunsch, mich nicht zur Parteiarbeit zuzulassen, und dass ich auf normalem Wege schon nicht wieder auf führende Parteiarbeit gelangen könne.

Im Jahre 1921 nahm ich den Vorschlag Trotzkis an, mich der illegalen trotzkistischen Arbeit anzuschließen, die er damals begann, indem er die Kräfte und Kader für die nächstfolgenden offenen Aktionen formierte.

Es wurde sogleich ein Büro gebildet, das aus Trotzki, Serebrjakow, Preobrashenski, Pjatakow und mir bestand. Das war im Oktober 1921. Mit diesem Moment beginnt mein illegaler Kampf gegen die Partei.

Im Frühjahr des Jahres 1922, als ich zum XI. Parteitag kam, stellte Trotzki die Frage der Geldmittel für den innerparteilichen Kampf, für den Kampf gegen das ZK, den er sich als langwierig und scharf vorstellte. Der dabei anwesende Viktor Kopp schlug vor zu versuchen, von der deutschen Reichswehr Gelder zu erhalten. Anfangs rief dieser Vorschlag eine gewisse Schwankung meinerseits hervor, aber dann nahm ich diesen Vorschlag an und spielte eine aktive Rolle beim Abschluss der verräterischen Abmachung mit den Deutschen.

Gegen Ende des Jahres 1923 findet der offene Überfall der Trotzkisten auf die Partei statt. Die Niederlage, die wir Trotzkisten erlitten, verstärkte nur unseren Ingrimm und verschärfte den Kampf.

In den Jahren 1926-1927 unternehmen die Trotzkisten eine Reihe von Ausfällen gegen das Zentralkomitee. Gleichzeitig beginnt der trotzkistische Kampf auch in den westlichen kommunistischen Parteien. Dieses Moment nutzt die Reichswehr aus und schlägt uns vor, nicht nur unsere Spionagetätigkeit zu verstärken, sondern für den Fall, dass wir zur Macht kommen, auch gewisse politische Versprechungen zu machen über nachfolgende Zugeständnisse bei der Erteilung wirtschaftlicher Konzessionen in der Ukraine. In der Befürchtung, im Augenblick des scharfen Kampfes der Geldquelle beraubt zu sein, geben Trotzki und ich unser Einverständnis und gehen auf die Vertiefung dieser verräterischen Abmachung ein.

Ende 1927 wirft Trotzki alle seine Kräfte in den Kampf, aber er erleidet eine vernichtende und endgültige Niederlage. Die Trotzkisten werden aus der Partei ausgeschlossen. Ein großer Teil ihrer Führer wird verschickt. Die Massen sind gegen uns, der offene Kampf verspricht uns keinerlei Erfolg. Im Zusammenhang damit gibt Trotzki allen Ausgeschlossenen und Verschickten die Anweisung, in die Partei zurückzukehren, doppelzünglerische Erklärungen abzugehen, in denen sie sich von ihren Ansichten lossagen. Gleichzeitig gibt er die Anweisung, die unterirdische trotzkistische Organisation wiederherzustellen, die jetzt schon einen rein verschwörerischen Charakter tragen soll.

Die Methode ihres Kampfes ist: die Vorbereitung des bewaffneten Umsturzes. Die Mittel zur Erreichung dieses Zieles sind Terror, Schädlingsarbeit, Diversionen.

Parallel mit der Änderung der taktischen Einstellungen geht auch die Änderung des Programms. Wir hielten stets den Aufbau des Sozialismus in der UdSSR allein für unmöglich, da in den anderen Ländern die bürgerlich-kapitalistische Ordnung erhalten blieb und in einigen Ländern sogar die Faschisten zur Macht gelangten. Wir hielten es für notwendig, dazu überzugehen, kapitalistische Beziehungen im Lande zuzulassen, und danach gingen wir in dem Maße, wie sich unsere Verbindungen mit der ausländischen Bourgeoisie vertieften, auf direktem Wege weiter his zur direkten bürgerlichen Restauration.

Während der Begegnung mit Trotzki in Meran im Oktober 1933 legte er mir in entwickelter Form das Programm unserer Verschwörerorganisation dar: das Programm der bürgerlichen Restauration, das Programm des Sturzes des im Lande bestehenden sozialistischen Gesellschaftssystem unter Anwendung von Terror, Schädlingsarbeit und Diversionen, das Programm der darauf folgenden Zerstückelung der Sowjetunion mit der Lostrennung der Ukraine und des fernöstlichen Küstengebiets.

Ich nahm dieses von Trotzki vorgeschlagene Programm an, erklärte mich auch mit den neuen Methoden des Kampfes einverstanden, und von dieser Minute an trage ich die volle politische und kriminelle Verantwortung für all diese Methoden des Kampfes.

Im Februar des Jahres 1935 teilte mir Pjatakow mit, dass zwischen uns Trotzkisten, den Rechten und der Militärgruppe Tuchatschewskis eine Vereinbarung über die gemeinsame Durchführung des bewaffneten Umsturzes zustande gekommen war. Von diesem Moment an trage ich nicht nur für die Handlungen der Trotzkisten die Verantwortung, sondern auch für die Handlungen der Rechten und für die Handlungen der Militärverschwörer.

Ich muss sagen, dass meine persönliche konterrevolutionäre Arbeit bis Anfang des Jahres 1937 einen eng begrenzten Charakter trug. Erstens war sie auf die Herstellung und Aufrechterhaltung der geheimen Verbindungen zwischen dem trotzkistischen Zentrum in der UdSSR in der Person Pjatakows einerseits und Trotzki im Auslande andererseits gerichtet. Zweitens bezweckte sie die Verwirklichung unserer verräterischen Abmachung mit der Reichswehr bis Ende 1930, seit Ende 1935 aber die Auswahl von Kadern für den Regierungsapparat, der im Ergebnis des konterrevolutionären Umsturzes zur Macht gelangen sollte. In dieser meiner konterrevolutionären Arbeit hatte ich mit Pjatakow als dem Führer des trotzkistischen Zentrums Verbindung, mit Rosengolz, der die gleiche Arbeit machte, mit Rudsutak, dem Vertreter des Zentrums der Rechten, und mit Tuchatschewski als dem Führer der militärischen Verschwörerorganisation.

Bei diesem beschränkten Charakter meiner persönlichen konterrevolutionären Tätigkeit verweile ich nicht deswegen, weil ich die Verantwortung für den Terror, die Schädlingsarbeit, die Diversionen, für die unmittelbare Vorbereitung des bewaffneten Losschlagens von mir abwälzen will. Ich sagte schon, dass ich seit Ende 1933 und dann seit Ende 1935 die Verantwortung für alle diese Arten der konterrevolutionären Arbeit trage. Aber für die Feststellung des Maßes meiner persönlichen Verantwortung ist, wie dies auch der Bürger Staatsanwalt aufzeigte, von Bedeutung, welche der konterrevolutionären Handlungen ich selbst verübte und von welchen konterrevolutionären Akten ich wusste, die von anderen Teilnehmern der Verschwörung verübt wurden.

Darum halte ich es unbedingt für notwendig, zu unterstreichen - dem Gericht ist dies aus den Akten der Voruntersuchung und des Gerichtsverfahrens bekannt-, dass ich bis Anfang 1937 nicht zu den Führern der trotzkistischen Organisation oder des Zentrums der Rechten und Trotzkisten gehörte. Und erst im Februar 1937, als ich, Rosengolz und Gamarnik die Vereinigung der gesamten trotzkistischen unterirdischen Arbeit übernahmen und als ich und Rosengolz in das Zentrum des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ eintraten, begann ich, mich unmittelbar auch mit der Vorbereitung des bewaffneten Umsturzes zu beschäftigen, und kam mit der Arbeit zur Organisierung terroristischer Akte in Verbindung.

Ich halte es für notwendig zu unterstreichen, dass ich von den terroristischen Akten, die im zweiten Teil der Anklageschrift angeführt sind, nicht die geringste Vorstellung hatte und davon erst erfuhr, als mir die Kopie der Anklageschrift eingehändigt wurde.

Ferner halte ich es für meine Pflicht, dem Gericht mitzuteilen - obgleich das meine Verantwortung nicht verringert, sondern eher vergrößert -, dass ich in den letzten zwei Jahren vor meiner Verhaftung häufig daran zweifelte, ob der konterrevolutionäre verbrecherische Weg, den ich zusammen mit anderen Trotzkisten beschritten hatte, richtig sei. Ich stand im Zentrum der Regierungsarbeit und musste sehen, wie sich die Macht und der Reichtum in der Sowjetunion vergrößerten, wie der Wohlstand der Werktätigen wuchs und welch gewaltiger kultureller Aufschwung in unserem Lande vor sich ging.

Nach der Verhaftung Pjatakows und Radeks und dem Auffliegen der trotzkistischen Organisation fühlte ich, dass man ein Ende machen muss: entweder hingehen und von der verbrecherischen Tätigkeit erzählen oder den Umsturz beschleunigen. Ich landete beim letzteren, schritt zum Verbrechen. Das entsprach natürlich auch dem Drängen Tuchatschewskis und Trotzkis, und ich begann verstärkt den Umsturz für die allernächste Zukunft zu organisieren und vorzubereiten.

Und erst nach der Verhaftung zog ich kritisch die Bilanz meiner konterrevolutionären Tätigkeit. Ich überzeugte mich davon, wie illusorisch unsere Hoffnungen waren, und empfand die ganze Aussichtslosigkeit und die ganze verbrecherische Natur unseres Kampfes. Ich zog daraus die Schlussfolgerungen und erzählte sofort beim ersten Verhör den Untersuchungsorganen das, was in den letzten 15 Jahren am meisten auf mir gelastet hatte, was die schwerste und schändlichste Tatsache in meinem Leben war, - meine Verbindung mit der deutschen Militärspionage. Aber ich hatte damals noch nicht alle Schlussfolgerungen bis zu Ende gezogen. Ich hatte nicht alles erzählt. Ich hatte nicht die trotzkistische Organisation aufgedeckt, nicht von ihrer verbrecherischen Tätigkeit erzählt. Ich hatte nicht alle Mitschuldigen genannt. Ich tat dies nicht deshalb, weil ich der Organisation die Möglichkeit geben wollte, ihren konterrevolutionären. Kampf fortzusetzen. Im Gegenteil, wenn ich der Meinung gewesen wäre, dass die Organisation nicht zerschlagen ist, dass noch terroristische oder Diversionsakte folgen können, so hätte ich sofort über all das berichtet, weil ich mich in den allerersten Tagen nach der Verhaftung von der ganzen Verworfenheit unseres Kampfes überzeugt hatte; aber ich war der Meinung, dass die Organisation zerschlagen, vernichtet ist, dass sie nicht mehr aktionsfähig ist, und dass es sich deshalb um die Entlarvung der schändlichen vergangenen Tätigkeit der Organisation handelt, mit der ich 15 Jahre lang verbunden war, und darum, meine Mitschuldigen zu nennen - Leute, die bereits geschlagen und faktisch nicht gefährlich waren. Alte Gewohnheiten des Denkens, alte persönliche Verbindungen hinderten mich damals daran, das zu tun, und es bedurfte weiterer vier Monate, in denen ich dies erkannte und meine verbrecherische Tätigkeit noch einmal durchlitt, damit ich den Untersuchungsorganen von meiner ganzen konterrevolutionären Arbeit erzählte, von der Arbeit der Organisation, mit der ich verbunden war, und meine Mitschuldigen nannte. Natürlich konnte ich der Untersuchung kein volles Bild der ganzen Arbeit geben, ich konnte nicht alle Trotzkisten, alle Teilnehmer der Organisation nennen, aber nur deswegen, weil ich selbst nicht alles wusste und nicht alle kannte, denn ich war ja erst drei Monate vor meiner Verhaftung an die Führung der Organisation gelangt, so dass mir niemand die Geschäfte, die Verbindungen der Organisation übergeben hatte, sondern ich begann selbst in aller Eile die Kräfte der Organisation zu sammeln. Ich hoffe, dass die Gesamtheit meiner Aussagen und der Aussagen der anderen verhafteten Trotzkisten den Untersuchungsorganen den notwendigen Faden in die Hand gegeben haben und dass die trotzkistische Organisation im gegenwärtigen Moment völlig liquidiert ist. Bis zur Gerichtsverhandlung sind noch weitere fünf Monate vergangen. Ich durchlebte weiterhin schwer meine verbrecherische Tätigkeit. Ich habe nicht nur abgerüstet und aufgehört ein Feind zu sein, - ich habe umgelernt, bin ein anderer Mensch geworden; und es ist nichts von dem früheren Mithelfer Trotzkis in mir geblieben, der einen aktiven Kampf gegen die Sowjetmacht führte.

Bürger Richter, dem widerspricht nicht mein Benehmen am ersten Tage des Prozesses. Ich gebe zu, dass meine Ablehnung, mich schuldig zu bekennen, objektiv ein konterrevolutionärer Schritt war, aber subjektiv war das für mich kein feindlicher Ausfall. Ich habe mich einfach die ganzen letzten Tage vor dem Gericht unter dem schweren Eindruck jener entsetzlichen Tatsachen befunden, die ich aus der Anklageschrift, besonders aus ihrem zweiten Teil, erfuhr. Meine ablehnende Haltung gegenüber der verbrecherischen Vergangenheit hat sich natürlich, nachdem ich diese Tatsachen kennen gelernt hatte, nicht verringert, sondern sogar verschärft, aber es schien mir über meine Kräfte zu gehen, mich vor dem Angesicht der ganzen Welt, vor dem Angesicht aller Werktätigen schuldig zu bekennen. Es schien mir, dass es leichter sei zu sterben, als in der ganzen Welt eine Vorstellung über meine, wenn auch entfernte Teilnahme an der Ermordung Gorkis zu schaffen, von der ich wirklich nichts wusste.

Ich komme zum Schluss. Meine Verbrechen an der Heimat und der Revolution sind unermesslich, und ich nehme jedes, auch das strengste Urteil von Ihnen als absolut verdient an. Ich bitte Sie, Bürger Richter, bei Verhängung des Urteils zu berücksichtigen, dass ich selbst, freiwillig, ohne Gegenüberstellung von Augenzeugen und anderem überführenden Material offen und bis zu Ende von meiner verbrecherischen Tätigkeit und der Tätigkeit meiner Organisation erzahlte. Ich bitte Sie, zu berücksichtigen, dass ich nicht unmittelbar an den schärfsten Kampfformen - Terror, Diversionen und Schädlingsarbeit - teilgenommen habe und nichts Konkretes über diese Handlungen wusste. Ich bitte Sie, sich an meine frühere wirklich revolutionäre Arbeit zu erinnern und mir zu glauben, dass ich, mich in diesen neun Monaten von Grund aus verändert habe, mein Leben zu schonen und mir die Möglichkeit zu gehen, in irgendeiner Form, wenn auch nur zum Teil, meine schweren Verbrechen zu sühnen.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN SUBAREW

VORSITZENDER: Angeklagter Subarew, Sie haben des letzte Wort.

SUBAREW: Bürger Richter, Ich anerkenne die gegen mich erhobenen Anschuldigungen wegen Verbrechen gegen die Sowjetmacht und bestätige sie voll und ganz. Ich war einer der Organisatoren und Führer der konterrevolutionären unterirdischen Organisation der Rechten im Ural, leitete, als ich im Volkskommissariat für Landwirtschaft arbeitete, die Schädlingstätigkeit auf dem Gebiete der Landwirtschaft sowohl im Ural wie hier in Moskau, war einer der Führer der terroristischen Gruppe, leistete Spionage- und Provokationsarbeit. Ich erkenne die ganze Tiefe meines Falles und die ganze Schwere der von mir verübten Verbrechen. Ich erkenne auch die ganze Schwere der Verantwortung gegenüber dem proletarischen Gericht. Ich bin voll und ganz mit der Rede des Staatsanwalts einverstanden, mit der Charakterisierung meiner verbrecherischen Tätigkeit und mit seiner Forderung des höchsten Strafmaßes. Das geforderte Strafmaß ist die verdiente Strafe für die Schwere jener Verbrechen, die ich verübte. Und es gibt kein Strafmaß, das nicht durch die Schwere dieser Verbrechen gerechtfertigt werden könnte.

Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst und ich kann und will mich weder verteidigen noch rechtfertigen. Es wäre lächerlich und verlogen, vor dem Gericht zu erklären, dass ich ein unglückliches Opfer meiner geringen Erfahrung oder geringen Erkenntnisfähigkeit hin und durch irgendjemand getäuscht wurde. Ich verteidige mich nicht und rechtfertige mich nicht, aber ich möchte Ihnen versichern, Bürger Richter, dass ich alles sowohl über meine Tätigkeit wie über die Tätigkeit der Mitbeteiligten gesagt habe, die ich persönlich kannte.

Ich kann natürlich in meiner Lage keinerlei Tatsachen und sachliche Beweise für die Aufrichtigkeit meiner Reue anführen, oder dafür, dass ich alles über meine verbrecherische Tätigkeit gesagt habe. Der einzige Beweis, den ich habe - wenn dies als Beweis und Begründung dienen kann ist das Material der Voruntersuchung und mein ehrliches Verhalten und das Bekenntnis aller meiner Verbrechen in der Gerichtsverhandlung. Und wenn diese Aufrichtigkeit, Bürger Richter, in irgendeinem Maße als Grundlage für eine Verminderung der Schwere meiner Verbrechen und für eine Milderung der gerichtlichen Strafe dienen könnte, wenn mir das Leben erhalten bliebe, so würde ich durch praktische Arbeit nicht nur in Worten, sondern in der Tat das mir vom Gericht geschenkte Vertrauen rechtfertigen.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN RYKOW

VORSITZENDER: Angeklagter Rykow, Sie haben das letzte Wort.

RYKOW: In meinem letzten Wort bestätige ich das Bekenntnis meiner ungeheuerlichen Verbrechen, das ich in der Gerichtsverhandlung abgelegt habe. Ich habe die Heimat verraten. Dieser Verrat fand seinen Ausdruck in den Beziehungen zu den geschworenen Feinden der Sowjets, in der Einstellung auf die Niederlage. Der „Block der Rechten und Trotzkisten“ benutzte in seinem Kampfe das ganze Arsenal aller Kampfmittel, die jemals von Verschwörerorganisationen angewandt wurden.

Ich war keine zweitrangige Person in dieser ganzen konterrevolutionären Organisation.

Wir bereiteten einen Staatsumsturz vor, organisierten Kulakenaufstände und terroristische Zellen, wandten den Terror als Kampfmethode an. Ich organisierte mit Nesterow im Ural eine spezielle terroristische Organisation. Im Jahre 1935 erteilte ich einen Terrorauftrag an Kotow, der die terroristische Organisation in Moskau leitete usw. usf.

Der Staatliche Ankläger hat mich aber einer Handlung beschuldigt, an der ich nicht unmittelbar beteiligt war, und die ich nicht zugeben kann. Das ist die Beschuldigung der Beschlussfassung oder der Erteilung der Direktive zur Ermordung Kirows, Kuibyschews, Menshinskis, Gorkis und Peschkows.

Es steht absolut zweifellos fest, dass unsere Einstellung auf Terror, die Verteidigung des Terrors auf die Verübung dieser Morde unvermeidlich Einfluss haben musste. Wenn wir nicht den Terror als Methode anerkannt hätten, wenn wir ihn nicht verteidigt hätten, so wäre die Ermordung dieser Leute nicht geschehen. In dieser Beziehung muss ich die Verantwortung tragen.

Hier wurden ausführlich jene Indizien dargelegt, die in dieser Frage gegen mich vorgebracht werden, sie beruhen auf Erklärungen Jagodas, der sich auf Jenukidse beruft. Etwas Überführendes wurde sonst in der Gerichtsverhandlung nicht vorgebracht. Das Gericht verfügt über keine anderen Tatsachen. Manche Leute, Mitglieder der Organisation, die eine direkte Beziehung zu diesen Morden haben, kamen mit mir zusammen; ich stelle mir die Frage, wenn sie wussten, dass ich eine Anweisung gab, oder als Leiter der Ermordungen teilnahm, warum hat nicht einer von ihnen auch nur ein einziges Mal mit einem Wort diese Frage vor mir erwähnt? Das war nicht der Fall.

Die Ermordung Kirows war Gegenstand der Behandlung zweier gerichtlicher Untersuchungen. Vor dem Gericht standen sowohl die unmittelbaren Teilnehmer wie die Organisatoren und Leiter dieser Ermordung. Ich erinnere mich nicht, dass damals mein Name genannt worden wäre.

Der Staatliche Ankläger kam im zweiten Teil seiner Anklage aus diesem Anlass zu dem Schluss, dass meine Teilnahme an diesen Ermordungen durch die Aussagen Jagodas bewiesen sei.

Ich muss sagen, dass ich nicht leugnen kann, dass der Staatliche Ankläger Grund hat, mich dieser Ermordungen zu verdächtigen, wenn er von der Gesamtsumme meiner konterrevolutionären Tätigkeit ausgeht. Aber logische Konstruktionen allein scheinen mir nicht genügend, um einen Menschen zu beschuldigen, der freilich überführt ist, ungewöhnlich schwerer Verbrechen überführt, - um ihn auch noch dieser Ermordungen zu beschuldigen.

Vor uns wurde die Frage des Blocks der „linken“ Sozialrevolutionäre mit den „linken Kommunisten“ aufgerollt, der vor 20 Jahren gebildet worden war. Auch diese Episode im konterrevolutionären Kampf, eine Episode, die beträchtliche Folgen hatte, die zur Ermordung Mirbachs, zum Schuss der Kaplan und zur Verwundung Lenin s geführt hat, die jedoch schließlich 20 Jahre zurückliegt, wenn sie auch in gewissem Maße historische Bedeutung hat - auch diese Episode wurde untersucht, und zwar, wie mir scheint, in einer absolut erschöpfenden Weise, die keinerlei Zweifel zulässt. Es gab Konfrontierungen, unmittelbare direkte Zeugen sowohl von den „linken“ Sozialrevolutionären wie von den „linken Kommunisten“, die früheren Augenzeugen und Teilnehmer dieser ganzen Sache. Warum kann man auf meine Teilnahme an dieser Ermordung von fünf außerordentlich verantwortlichen politischen Persönlichkeiten auf Grund indirekter Beweise schlussfolgern?

Mir scheint, dass dies nicht richtig wäre. Auf jeden Fall leugne ich meine Schuld an diesen fünf Morden.

Bis zu meiner Verhaftung war ich der Ansicht, dass Gorki eines natürlichen Todes gestorben war, aber während meiner Haft rief ich mir alle Gespräche in Erinnerung, die ich nicht nur mit Jenukidse, sondern auch mit Awerbach ungefähr in den Jahren 1928 bis 1930 über Gorki hatte.

Das Gespräch mit Jenukidse war von mir unterschätzt worden. Ich unterschätzte die Gefahr, die sich in diesem Gespräch für das Leben Gorkis verbarg. Aber Jenukidse äußerte sich nur zu der Frage der Liquidierung der politischen Aktivität Gorkis, sprach ungewöhnlich scharf. Nach dem Gespräch mit Jenukidse hatte ich nicht den Eindruck einer drohenden Gefahr für Gorki. Dieser Unterschätzung habe ich mich unbedingt schuldig gemacht. Jetzt ist mir vollkommen klar, dass das eine Art Signal der Vorbereitung des Anschlags auf Gorki war.

Als wir die Frage des Terrors behandelten, bewerteten wir den Terror als ein Mittel, einen Schlag gegen das verantwortungsvollste und mächtigste Glied in der Partei zu führen. Wenn wir darüber sprachen, so hatten wir stets folgende Namen im Auge: Stalin, Woroschilow, Molotow und Kaganowitsch. In Verbindung damit muss ich die Verantwortung für die Ermordung Menshinskis, Kuibyschews, Maxim Peschkows und Gorkis - für die Ermordung, die der Einstellung unserer Organisation auf Terror als Mittel unseres Kampfes gegen die Partei entspricht - unbedingt auch auf mich nehmen, und daran habe ich nicht weniger mitgearbeitet als jedes andere Mitglied der konterrevolutionären Organisation. Ich bemühte mich, in der Untersuchung möglichst vollständig alles, was ich im Gedächtnis behalten habe, über die konterrevolutionäre Tätigkeit der Mitglieder unserer konterrevolutionären Organisation darzulegen. Das war schwierig, es handelte sich um sehr große Zeitspannen, 8-9 Jahre, und um eine große Anzahl von Personen, um eine äußerst konspirative Verschwörerorganisation, so sehr konspirativ, dass ich erst auf diesem Prozess zum ersten Male davon hörte, dass solche Mitglieder wie Iwanow unserer konterrevolutionären Organisation angehörten. Also kann weder ich noch irgendein anderes Mitglied des Zentrums das ganze Bild vollständig reproduzieren. Hier sind einzelne Widersprüche in den Aussagen einzelner Führer der konterrevolutionären Organisation möglich. Mir scheint, dass diese Widersprüche keinerlei wesentliche Bedeutung haben. Aber hier in der Gerichtsuntersuchung hatte ich einige Male einen Wortwechsel mit meinem Mitbeschuldigten Tschernow. Ich berühre diese Frage nicht, weil dies eine besonders große Bedeutung hat oder das, worum es sich handelt, von irgendwelcher prinzipiellen Bedeutung ist. Ich berühre diese Frage nur deshalb, um dem Vorwurf der Unaufrichtigkeit zu entgehen, dem Vorwurf, dass ich etwas verberge. Mir scheint, dass Tschernow mir eine unrichtige Antwort gegeben hat. Jeden kann selbstverständlich das Gedächtnis in einigen Fällen im Stich lassen, aber in diesem Fall gebe ich nicht zu, ich hätte vergessen können, dass ich praktisch die konterrevolutionäre Schädlingsarbeit Tschernows im Volkskommissariat für Landwirtschaft geleitet hätte. So was kann man nicht vergessen. Ich erinnere mich nicht daran. In den Fällen, wo es Schädlingsarbeit gab, nicht weniger schwere Schädlingsarbeit als in Belorussland, bekenne ich mich voll und ganz schuldig. Mir scheint dort verdächtig, dass Tschernow auf jegliche Weise bemüht ist, meine Autorität zu vergrößern und seine Rolle bei dieser Schädlingsarbeit zu verkleinern, sie möglichst gering zu machen. Ich muss sagen, dass das nicht richtig ist. In der Periode meiner ersten Begegnung mit Tschernow im Jahre 1928, als ich ihn für die konterrevolutionäre Organisation anwerben wollte, fand ich ihn bereits als völlig fertigen Konterrevolutionär vor, der ohne irgendwelche Hilfe meinerseits an meine konterrevolutionären Überzeugungen herangewachsen und sogar darüber hinausgewachsen war. Man kann also sein selbständiges konterrevolutionäres Wachstum auf keinen Fall leugnen. Es ist unmöglich zu leugnen, dass er selbständig eine konterrevolutionäre Arbeit im Volkskommissariat für Landwirtschaft betrieben hat, nicht unbedingt auf Anweisungen von mir oder von den deutschen Faschisten wartete. Er möchte hier kleiner erscheinen, als er in Wirklichkeit war.

Bezüglich Grinko ist es möglich, dass er oder ich so manches vergessen haben, ich gebe das zu, aber ich bitte die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es sich um eine Sache handelt, die im Jahre 1936 stattfand, Auch er ehrt sehr meine Autorität. Meine Ratschläge oder Direktiven mussten natürlich eine Bedeutung haben, aber die Schädlingsarbeit im Volkskommissariat für Finanzen, die Verbindungen Grinkos mit den Deutschen begannen vor 1936. Das ist das Wesentlichste, was in dieser Aussage Grinkos Bedeutung hat.

Ich möchte noch einige Worte über Bucharin sagen. Der Staatliche Ankläger machte mir den Vorwurf, dass ich mein Freundchen in Schutz nehme. Der Staatliche Ankläger war vollkommen ist Recht, Bucharin mein Freundchen zu nennen, well ich Bucharien wirklich sehr nahe stand. Ich mochte aber sagen, dass der Hinweis Bucharins auf irgendeine Arbeitsteilung nicht richtig verstanden wird. Er sagt, dass er außerdem als Schriftsteller viel in Anspruch genommen wurde. Aber auf keinen Fall war er in irgendetwas weniger aktiv als jeder andere von uns. Ich könnte ein Gebiet nennen, auf dem ihm, wie mir scheint, von Anfang an die Initiative und führende Rolle gehörte - das ist das Zusammenbringen des Blocks. Sie ergab sich daraus, dass Bucharin noch in der Zelt des Kampfes gegen Trotzki eine Sonderstellung einnahm und sagte, dass sie sich kämpfend aneinander gewöhnen müssten. Das ist ein typischer Bucharinscher literarisch-logischer Kniff, der aber seinen Wunsch ausdrückte, Trotzki zu schützen. Seit Beginn der Organisierung des Blocks gehörte Bucharin die ganze Aktivität, und in einigen Fällen stellte er mich vor vollendete Tatsachen. Ich will natürlich die Verantwortung für die Bildung des Blocks nicht von mir abwälzen. Ich bin erwachsen genug, als dass ich mich darauf berufen könnte, dass mich Bucharin auf diese oder jene Seite geführt habe, aber die Initiative und die aktivste Rolle in dieser Beziehung gehörten unbedingt Bucharin.

Der Staatliche Ankläger hatte in Bezug auf mich und Bucharin vollkommen Recht in dem Sinne, dass wir für den ganzen Komplex, für alle Folgen unserer konterrevolutionären Tätigkeit verantworten müssen. Das ist absolut richtig, und darum verantworte natürlich ich, als einer der Gründer der konterrevolutionären Organisation der Rechten, der unter den Rechten einen gewissen, bisweilen bedeutenden Einfluss hatte, - nicht nur für das, was ich persönlich tat und was nach meinen Anweisungen geschah, und für das, was ich wusste, sondern auch für das, was dabei herausgekommen ist. Natürlich kann die Verantwortung für dieses und jenes verschieden sein, aber ich muss dafür verantworten - der Staatsanwalt hat hier vollkommen Recht -, was auf jener ungeheuerlichen konterrevolutionären Grundlage entstand, an deren Schaffung ich selbstverständlich keinen geringen Anteil hatte. Und diese Verantwortung meinerseits übersteigt natürlich alle Unterschiede in der Deutung einzelner Tatsachen und einzelner Züge, die bis zum gegenwärtigen Moment vorkommen.

Das ist ungefähr alles, was ich in meinem letzten Wort sagen wollte. Vielleicht lebe ich die letzten Tage, und vielleicht ist mein letztes Wort im buchstäblichen Sinne das letzte Wort.

Zum Schluss möchte ich das letzte Wort dazu benutzen, um nach Kräften auf diejenigen meiner früheren Anhänger einzuwirken, die vielleicht bis zum heutigen Moment nicht verhaftet sind und nicht abgerüstet haben, von denen ich nichts wusste oder die ich vergessen habe.

Da ich freilich nicht solchen Einfluss besaß, wie Tschernow das sagte, aber dennoch ohne Zweifel einen gewissen Einfluss hatte, so zweifle ich nicht, dass, wenn diese Worte gedruckt werden, sie gelesen werden und vielleicht auf diese oder jene meiner früheren Gesinnungsgenossen Einfluss ausüben werden. Zu diesem Zwecke möchte ich, dass erstens meine früheren Gesinnungsgenossen wissen, dass ich alle, die mir in Erinnerung geblieben sind - wie man sich im unterirdischen Versteck auszudrücken pflegt, verraten, alle entlarvt habe.

Ich möchte, dass diejenigen, die noch nicht entlarvt sind und noch nicht abgerüstet haben, dies unverzüglich und offen tun. Ich möchte, dass sie sich an meinem Beispiel von der Unvermeidlichkeit abzurüsten überzeugen und sofort um jeden Preis und möglichst schnell abrüsten, ich möchte, dass sie alle verstehen, dass allein eine Abrüstung, sogar unter dem Risiko irgendwelcher Entbehrungen oder sogar Verhaftungen, eine gewisse Erleichterung gibt und von jener ungeheuren Last befreit, die durch den jetzigen Prozess aufgedeckt worden ist.

In dieser Abrüstung liegt ihre einzige Rettung. Die einzige Rettung, der einzige Ausweg besteht darin, dass sie der Partei helfen, der Regierung helfen, die Reste, die Überbleibsel der konterrevolutionären Organisation zu entlarven und zu liquidieren, falls sie noch irgendwo auf dem Gebiet der Union erhalten geblieben sind.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN SCHARANGOWITSCH

VORSITZENDER: Das letzte Wort hat der Angeklagte Scharangowitsch.

SCHARANGOWITSCH: Bürger Richter, ich habe nicht die Absicht, mich zu verteidigen. Ich verübte abscheuliche, gemeine, schwere Verbrechen an dem Lande und dem Volke, und ich verstehe wohl, dass ich die volle Verantwortung dafür vor dem proletarischen Gericht tragen muss. Ich habe meine Heimat verraten, und als Verräter verdiene ich keinerlei Erbarmen.

Im Verlaufe einer langen Zeit, seit dem Jahre 1921, bin ich polnischer Spion und trieb Spionagetätigkeit zugunsten der polnischen Spionageorganisation. In diesen Jahren leistete ich im Auftrage des polnischen Spionagedienstes aktive Spionage, verräterische Arbeit, die auf die Untergrabung der Macht der Sowjetunion, auf die Niederlage der Sowjetunion im Kriege mit den faschistischen Staaten gerichtet war. Ich war einer der Führer der national-faschistischen Organisation in Belorussland, die den Kampf gegen die Sowjetmacht führte, die den Kampf für den Sturz des im Lande bestehenden Sowjetsystems führte. Geleitet durch die unmittelbaren Direktiven des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, Rykows und Bucharins persönlich einerseits, durch die Anweisungen des polnischen Generalstabs andererseits, erstrebte unsere Organisation in ihrer konterrevolutionären Tätigkeit den Sturz der Sowjetmacht und die Wiederherstellung des kapitalistischen Systems an ihrer Stelle. Wir versuchten die Aufgabe der Lostrennung Sowjet-Belorusslands von der Sowjetunion zu verwirklichen und die Werktätigen Sowjet-Belorusslands unter das Joch der polnischen Gutsbesitzer und Kapitalisten zu zwingen. Wir wollten die Niederlage der Sowjetunion im bevorstehenden Krieg gegen die faschistischen Staaten, mit deren Hilfe der „Block der Rechten und Trotzkisten“ - und unter seiner Leitung auch wir - den Sturz der Sowjetmacht vorbereiteten. Dessen bekenne ich mich ebenfalls schuldig und ich erkläre nochmals vor dem proletarischen Gericht, dass ich schuldig bin und die volle Verantwortung tragen muss.

Ich bin dessen schuldig, dass ich persönlich und unter meiner Leitung die national-faschistische Organisation Belorusslands, die von dem Zentrum der Rechten geführt wurde, eine große Schädlings- und Diversionstätigkeit auf allen Gebieten der Volkswirtschaft und der Kultur entfaltete. Ich untergrub zusammen mit meinen Mitschuldigen die Landwirtschaft, vernichtete die Pferdebestände, nahm den Kollektivbauern das ihnen zur persönlichen Benutzung übergebene Land weg, brachte die Saatflächen durcheinander, erbitterte zu provokatorischen Zwecken die Kollektivwirtschaftsbauern gegen die Sowjetmacht.

In der Industrie Belorusslands unterhöhlten wir die Brennstoffversorgung, die Energiewirtschaft, verlangsamten das Tempo der Neubauten und führten eine Reihe von Schädlings- und Diversionsakten durch.

Mit allen Mitteln versuchten wir zu provozieren, die nationale Politik, die Lenin sche-Stalinsche Nationalitätenpolitik zu diskreditieren, und zu diesem Zwecke entfalteten wir auf den Hauptabschnitten der Kulturfront - in den Schulen, wissenschaftlichen Akademien, höheren Lehranstalten und anderen - eine große Schädlingsarbeit.

Ohne vor irgendwelchen Mitteln in unserem Kampfe gegen die Partei und die Sowjetmacht zurückzuscheuen, schritten wir auch dazu, Führer der Partei und der Regierung physisch zu vernichten. Ich erkläre dem Gericht noch einmal, dass ich und unsere unterirdische Organisation auf Direktive des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ und des polnischen Generalstabs eine terroristische Tätigkeit durchgeführt haben.

Ich trage die volle Verantwortung für die Schaffung der terroristischen Gruppe, für die Vorbereitung terroristischer Akte gegen die Führung der Partei und Regierung. An der ganzen Kette der von mir verübten Verbrechen an der Sowjetmacht bin ich natürlich wiederholt schuldig.

Ich war ein bewusster Mensch, politisch entwickelt, ich kann und darf mich nicht auf meine Gefühle oder auf meine Unwissenheit berufen, - das wäre eine Lüge, das wäre nicht richtig.

Ich verstand, was das Ziel, das wir uns stellten, bedeutete - Lostrennung Sowjet-Belorusslands von der Sowjetunion. Nicht nur, dass ich es verstand, ich sah auch neben mir, vor mir das Beispiel dafür, was diese Lostrennung, was das Protektorat bedeutet, - das Beispiel von West-Belorussland, wo sich die Werktätigen unter dem Joch der polnischen Gutsbesitzer und Kapitalisten befinden.

Ich begriff das alles, und trotzdem beging ich diese Verbrechen. Ich begriff, dass es Verrat an der Heimat bedeutete, als ich mich einverstanden erklärte, polnischer Spion zu werden und für die Polen zu arbeiten. Ich empfinde alle diese schweren verräterischen Verbrechen. Ich verübte sie und habe mich dessen vor Ihnen in der Voruntersuchung schuldig bekannt. Ich verdiene das strengste Urteil des Sowjetgerichtes.

Ich will in meinem letzten Wort nicht bei meiner ganzen niederträchtigen verräterischen Tätigkeit verweilen und bei der verräterischen Tätigkeit meiner hier auf der Anklagebank sitzenden Mitschuldigen, und in erster Reihe unserer Führer, von denen einige, anstatt aufrichtig ihre abscheulichen, blutigen, verräterischen Verbrechen zuzugeben, sich bemühen, sich mit Hilfe theoretischer Phrasen hinter ihren Mitschuldigen zu verstecken, sich bemühen, der Antwort vor dem proletarischen Gericht auszuweichen. Ich denke, dass das Gericht sich Klarheit verschaffen und sein gerechtes Urteil sprechen wird. Ich bin fest davon überzeugt.

Ich durchlebte hier die ganze Schwere der von mir verübten verräterischen Verbrechen gegen das Sowjetvolk, gegen das Sowjetland. Ich versichere dem Gericht, dass ich sowohl in der Voruntersuchung wie hier vor dem Gericht aufrichtig alles bis zu Ende gesagt habe. Ich möchte nur eins, dass meine Verbrechen, die ich hier offen erzählt habe, all denen als Warnung dienen mögen, die noch versuchen, eine verräterische Tätigkeit gegen die Sowjetunion, gegen das Sowjetvolk zu führen oder sie schon führen. Jeder, der so ist wie ich, wird unzweifelhaft durch die ganze Macht des Sowjetstaates vernichtet werden.

Ich bitte nicht um Gnade, denn, Bürger Richter, ich bin nicht wert, darum zu bitten. Ich habe über meine Verbrechen alles gesagt und bitte das proletarische Gericht, dies zu berücksichtigen.

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird für eine halbe Stunde unterbrochen.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN CHODSHAJEW

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen, Das letzte Wort hat der Angeklagte Chodshajew.

CHODSHAJEW: Bürger Richter, sowohl in der Voruntersuchung wie hier vor Ihnen habe ich ausführlich von all den schweren Verbrechen erzählt, die unter meiner Leitung von der nationalistischen Organisation Usbekistans verübt wurden. Ich berichtete Ihnen ausführlich über all die schweren Verbrechen, die ich sowohl als aktiver Teilnehmer der bürgerlich-nationalistischen Bewegung und als ihr Führer in Usbekistan wie auch als Verbündeter der rechten Konterrevolutionäre und dadurch als Teilnehmer des ganzen konterrevolutionären „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ verübt habe.

Vom ersten Moment meiner Verhaftung an gestand ich aufrichtig alle von mir verübten Schandtaten. Ich handelte so, weil ich die ganze Abscheulichkeit dessen begriff, was die bürgerlichen Nationalisten in Usbekistan getan haben. Ich begriff, welchen gewaltigen Schaden, welch kolossale Schläge in den verschiedenen Zeitabschnitten der Entwicklung der Revolution von dieser bürgerlich-nationalistischen Bewegung und durch die Handlungen ihrer Führer zugefügt wurden. Ich verstand, dass ich als einer der Führer dieser bürgerlicht-nationalistischen Bewegung, als Überläufer auf die Seite der konterrevolutionären Rechten und des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, schwere Verbrechen am proletarischen Staat, an den Völkern der Union der Sowjetrepubliken und am usbekischen Volke verübt habe.

Bei diesem aufrichtigen Geständnis meiner Verbrechen ließ ich mich einzig von der Erwägung leiten: Durch mein aufrichtiges Geständnis dem Untersuchungsrichter zu helfen, all das Konterrevolutionäre, Schmutzige aufzudecken, womit ich verbunden war, was mich band, was jene Fäulnis bildete, die auch in Zukunft eine Ansteckungsgefahr darstellen konnte. Ich schonte weder mich noch andere Mitschuldige meiner konterrevolutionären Taten, damit es der sowjetischen Volksmacht und der Partei leichter wird, dieses Übel völlig auszurotten. Ich habe auf die Verteidigungsrede verzichtet, denn ich finde keinerlei Beweisgründe, nicht einmal ein einziges Wort, um auch nur die geringste Rechtfertigung für mein Verhalten, für meine Handlungen, für die Verbrechen zu finden, die ich verübt habe. Ich habe nichts für meine Verteidigung, und ich kann mich nicht verteidigen. Zuviel Schlechtes wurde getan, zuviel schwere Verbrechen wurden verübt, als dass man heute von irgendwelchen Rechtfertigungen sprechen könnte oder dass es irgendwelche Worte gäbe, um sie wieder gutzumachen.

Ich nahm jedoch das letzte Wort und beschloss, dieses letzte Wort dazu auszunutzen, um noch einmal vor dem proletarischen Gericht, vor unserm ganzen Lande zu sagen, dass ich aufrichtig und ehrlich bereut habe, um vor dem proletarischen Gericht diese meine Reue unserem gesamten Sowjetvolke, der Partei und der Regierung auszusprechen.

Der Bürger Staatsanwalt hat eine vernichtende Charakteristik der Handlungen des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ gegeben. Er ging auch auf den Charakter der Tätigkeit der bürgerlich-nationalistischen Gruppen ein. Er sprach über die Ergebnisse der Lenin schen-Stalinschen Nationalitätenpolitik, über die Errungenschaften der Völker der Sowjetunion.

Ich sitze auf der Anklagebank, bin ein Verbrecher. Vielleicht wird das nicht gut in meinem Munde klingen, aber ich möchte trotzdem auf ein leuchtendes Beispiel jener Republik hinweisen, die ich einstmals vertrat (ich spreche von Usbekistan).

Leute, die Usbekistan vor der Revolution kannten, Leute, die vor 10 Jahren dort waren und die es in den letzten Jahren sahen, erkannten das Antlitz dieses Landes nicht wieder. Warum? Weil sich dort alles vollkommen verändert hat. Ein gewaltiger Aufschwung der Wirtschaft, der Kultur, ein ungeheures Wachstum der politischen Aktivität der breitesten Massen des Volkes, das alles wurde nur dank unserer proletarischen Revolution, dank der Lenin schen-Stalinschen Nationalitätenpolitik, in einer so verhältnismäßig kurzen Frist von 10 bis 20, Jahren erreicht. In Usbekistan waren im Jahre 1917 insgesamt nur 1½ Prozent der Bevölkerung des Lesens und Schreibens kundig, jetzt ist es fast die gesamte Bevölkerung dieses Landes.

In einem Lande, in dem es überhaupt keine Industrie gab, in diesem Lande arbeiten jetzt Hunderte größter Betriebe, Hunderttausende von Arbeitern und Arbeiterinnen.

Die einstmals zurückgebliebene, elende Landwirtschaft Usbekistans ist gegenwärtig eine der fortgeschrittensten in der ganzen Sowjetunion.

Der materielle Wohlstand der breiten Massen der Werktätigen, insbesondere der Kollektivwirtschaftsbauern, stieg in den letzten fünf Jahren auf ein so hohes Niveau dass eine Arbeitseinheit von 20 bis 30 Rubel pro Mann für den Kollektivbauern in Usbekistan schon nichts Verwunderliches mehr ist. Das alles sind die Ergebnisse der wohltätigen Wirkung der Revolution, der richtigen Durchführten der Lenin schen-Stalinschen Nationalitätenpolitik, jener kolossalen Hilfe, die die russische Arbeiterklasse den Arbeitern und Dechkanen in Usbekistan erwies und erweist.

Das wird jedem klar auch bei der flüchtigsten Analyse der allgemeinen Lage Usbekistans. Ich aber muss vor dem proletarischen Gericht sagen, dass jene Linie, die die bürgerlich-nationalistische Organisation durchführte, der ich angehörte und deren konterrevolutionäre Tätigkeit ich leitete, für die werktätigen Massen Usbekistans die Rückkehr zum Vergangenen bedeutet. Jetzt, wo ich mir des ganzen Verbrechens meiner Schandtaten, bewusst bin, wo ich den ganzen Abgrund, in den ich stürzte, begriffen habe, wurde mir auf Grund der Verhandlung der Sache des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, die hier auf diesem Prozess erfolgte, klarer, augenscheinlicher, dass ein Sieg dieser konterrevolutionären Linie für Usbekistan den Sieg der schwärzesten Reaktion, der Restauration feudal-kapitalistischer Verhältnisse und als Folge dessen neue Knechtung der Arbeiter und Bauern und der breiten Massen der Völker Usbekistans bedeutet hätte. Usbekistan wäre sowohl in seiner wirtschaftlichen Entwicklung, wie auch in kultureller Beziehung um Dutzende von Jahren zurückgeworfen. Es ist mir besonders schwer, über diese Seite der Sache zu sprechen, denn ich habe eine klare Vorstellung davon, ich verstehe das, ich empfinde die ganze Tiefe meines Sturzes, die ganze Entsetzlichkeit meiner Schande und die ganze Schwere meiner Schandtaten. Aber nachdem ich den Weg des offenen Geständnisses aller meiner Schandtaten beschritten habe, hätte ich nichtsdestoweniger auch das vor dem proletarischen Gericht und vor der Öffentlichkeit unseres Landes sagen müssen.

Ja, Bürger Richter, ich war ein bürgerlicher Nationalist, ich habe viele Verbrechen verübt. Jetzt kann ich sie hinterher leider durch diese Geständnisse, durch späte Reue nicht ausmerzen. Sie lasten weiter auf mir. Aber ich sank in meinen eigenen Augen noch mehr seit jenem Moment, wo ich mir aller Verbrechen und Missetaten bewusst wurde, die ich nach der Abmachung mit Rykow und Bucharin, nach all den Umständen, über die ich Ihnen hier bereits ausführlich in der Gerichtssitzung erzählt habe, nach meinem Anschluss an die Verschwörung verübt hatte. War ich doch sogar in den Zeiten, wo ich Nationalist war und schon eine antisowjetische Arbeit führte, wo ich gegen das Sowjetvolk arbeitete, noch kein Organisator von Aufstandstruppen, war ich doch damals noch kein Mitglied terroristischer Gruppen. Ich wurde dazu - ich habe Ihnen das gesagt, Bürger Richter, - ich wurde dazu erst, nachdem ich auf die Position der rechten Konterrevolutionäre übergegangen war und durch sie im Lager des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ gelandet war. Somit begann ich schärfere Kampfmittel gegen unsere Heimat, gegen die Völker unserer großen Union, gegen Partei und Regierung anzuwenden. Das durchlebe ich besonders schwer, das lastet besonders schwer auf meinem Bewusstsein.

Selbst wenn die staatliche Unabhängigkeit Usbekistans, die uns von den rechten Restauratoren des Kapitalismus für die Zukunft versprochen wurde, um den Preis des schwärzesten Verrates, des Verrates der Heimat, der Zerstückelung der großen Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken durch Vorbereitung ihrer Niederlage im künftigen Kriege (d. h. auf eine absolut unzulässige Weise für Leute, die auch nur im Geringsten ihr menschliches Antlitz bewahrt haben), selbst wenn diese staatliche „Unabhängigkeit“ sich in der ersten Zeit als möglich erwiesen hätte, so versteht sich von selbst, dass sie eine scheinbare Unabhängigkeit, ein neues Unglück für die Völker Usbekistans gewesen wäre. Ich habe zum Teil schon darüber gesprochen, als ich meine Aussagen machte. Damals antwortete ich auf die Fragen des Staatlichen Anklägers. Als ich sagte, dass wir nach Verlassen des einen Ufers uns natürlich an das andere Ufer retten mussten, hatte ich doch nichts anderes im Auge als jenes Ufer, wo sich die kapitalistischen Länder befinden, das imperialistische Kapital, das hunderte Millionen werktätiger Menschen unterdrückt. und knechtet. Der Sieg dieser Linie würde also auch im gegebenen Falle, sogar im Falle eines Erfolges dieser schmutzigen, dieser widerwärtigen Verschwörung, nur ein neues Unglück für die Werktätigen Usbekistans gewesen sein.

Ich hin entehrt. Die nationalistischen Organisationen sind vernichtet. Zerschlagen ist der verfluchte „Block der Rechten und Trotzkisten“, zum Ruhme unseres Landes, zum Wohle der Völker unserer großen Heimat, zum Glück der Völker Usbekistans. Und dieses Bewusstsein erleichtert mir in gewissem Maße die letzten Tage, meines schweren, unglaublich schweren Erlebens.

Als der Bürger Staatsanwalt den „Block der Rechten und Trotzkisten“, dessen Taten und Leute charakterisierte, sagte er, dass alle Teilnehmer dieses Blockes für alle seine Schandtaten verantwortlich zu machen sind. Ich muss mich mit dieser Feststellung des Bürgers Staatsanwalts einverstanden erklären. Ich halte diese Feststellung absolut richtig, obgleich ich persönlich bis zu meiner Gefängnishaft, bis zu meinen Aussagen von der Existenz irgendeines Kontaktzentrums und vieler seiner Schandtaten nichts gewusst habe. Ich persönlich war niemals ein Provokateur oder ein Mörder. Aber welche Bedeutung kann das haben, wenn ich mich so oder anders mit den Teilnehmern dieses Blockes verband, der sich mit Provokationen, Spionage und Mord beschäftigte; es ist klar, dass ich dem Wesen nach für alle seine Missetaten verantworten muss.

Vor Ihnen, Bürger Richter, figurierte nicht nur der Block, wurden nicht nur seine Taten aufgezeigt, sondern standen wir alle, seine Teilnehmer; Ihre Sache, Bürger Richter, ist es, festzustellen, in welchem Maß jeder von uns diese oder jene Verantwortung tragen muss. Ihre Sache ist es, jene harten, aber gerechten, absolut gerechten Forderungen des Staatlichen Anklägers zu berücksichtigen oder nicht zu berücksichtigen.

Ich wusste, wohin mich mein Weg führte, als ich mit Rykow sprach, als ich mit Bucharin sprach, obwohl viele Sachen, die hier in der Gerichtssitzung vor meinen Augen aufgedeckt wurden, sogar mich, - den Verbrecher, erzittern ließen, so gemein waren sie.

Ist etwa die Tatsache der Verschwörung selbst, die Tatsache des Beschlusses, dass die Rechten an die Macht kommen und die bürgerlichen Nationalisten die Unabhängigkeit erhalten sollen, die sie um den Preis der Niederlage der Sowjetunion, der Vorbereitung dieser Niederlage zu erhalten wünschten, - ist nicht diese Tatsache selbst ausreichend, um voll und ganz jenes harte Strafmaß auf uns anzuwenden, über das der Bürger Staatsanwalt hier gesprochen hat.

Nichtsdestoweniger, Bürger Richter, kann ich, der ich mich hier auf der Anklagebank befinde und Rede und Antwort stehe, nicht in irgendeine falsche Pose verfallen, denn das wären nur stolze Worte. Ich kann nicht sagen, dass ich nicht um Gnade bitte. Ich kann das nicht sagen. Vielleicht scheint es jemandem so, dass solche Worte: „Ich bitte nicht um Gnade“ stolz, gut klingen würden, aber nicht in meinem Munde, in dem Munde eines Menschen, der mit Schande bedeckt ist, der auf dieser Anklagebank sitzt. Für einen solchen Menschen ist es nicht am Platze, Worte des Stolzes zu gebrauchen. Woher den Stolz nehmen? Gehen wir doch nicht in die Geschichte ein mit irgendwelchen Anzeichen des Dienstes am Volke, mit irgendwelchen guten Taten. Wenn wir in die Geschichte eingehen, so als eingefleischteste Verbrecher, als Banditenhelden, als Leute, die Ehre und Gewissen verkauft haben. Der „Stolz“ klingt gut im Munde eines Menschen, eines wirklichen Menschen, über den einst der große Künstler Gorki, dieser große Mann unseres Landes, geschrieben hat. - Aber im Munde von Leuten, die entweder selbst am Tode Gorkis beteiligt waren oder eine Beziehung zu seinem Tode hatten, im Munde von Leuten, die am Tode dieses Menschen schuld sind, - im Munde von Leuten unserer Art klingen diese Worte falsch. Ja. Ich wäre ein Lügner, wenn ich in dieser letzten Stunde nicht sagte, dass ich um Gnade bitte. Ich will leben. Ich will deshalb leben, weil ich die ganze Tiefe meines Sturzes erfasst habe, weil ich die ganze Schwere der von mir verübten Verbrechen begriffen habe. Ich habe eine bittere Lehre gezogen, aber dafür habe ich auch etwas anderes begriffen. Mir scheint, dass ich wirklich begriffen habe, wie ein echter Mensch, ein wahrhafter Bürger unserer großen Heimat seinem Volke, seinem Lande dienen muss. Und nun, nachdem ich dies begriffen habe, nachdem ich völlig abgerüstet habe, kann ich nicht anders, als Sie um Nachsicht zu bitten, Bürger Richter, weil ich wünschte, dass mir das Leben erhalten bliebe, wenn dies möglich wäre. Ich möchte unter beliebigen Umständen, in beliebiger Form, an beliebigem Ort jetzt oder irgendwann die Schande tilgen, die mich gegenwärtig bedeckt.

Ich bitte um das Leben, um vielleicht mit dem Rest meines Lebens ein, wenn auch nur geringes Teilchen der Verbrechen und der großen Schuld, die auf mir lastet, wieder gutzumachen. Ich möchte leben, um mich, wenn auch nur irgendwie, irgendwo unserem großen Lande noch einmal als nützlich zu erweisen und jener großen Sache des Aufbaus des Sozialismus zu dienen, der alle Gedanken, alle Kräfte der besten Menschen unserer großen Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken geweiht sind.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN SELENSKI

VORSITZENDER: Das letzte Wort hat der Angeklagte Selenski.

SELENSKI: Bürger Richter, ich benutze das letzte Wort nicht zur Verteidigung oder Rechtfertigung meiner schweren Verbrechen. Solche Verbrechen und solche Verbrecher wie ich haben weder das Recht auf Verteidigung noch auf Rechtfertigung.

Meine schweren Verbrechen vor der Partei, dem Lande und der Revolution brachten mich auf die Anklagebank als Volksfeind und Teilnehmer am „Block der Rechten und Trotzkisten“. Schwerer als das kann nichts sein.

Der Bürger Staatsanwalt hat die verbrecherische Tätigkeit des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ und meine persönlichen Verbrechen als dessen Teilnehmer richtig charakterisiert.

Ich bin des Verrates, des Verrates an der Revolution schuldig, dessen, dass ich in der zaristischen Ochrana gedient habe, ich bin schuldig, im Laufe vieler Jahre diese meine Verbrechen vor der Partei verborgen zu haben. Ich bin schuldig, mich im Jahre 1929 der konterrevolutionären Organisation der Rechten angeschlossen zu haben und durch die dem „Block der Rechten und Trotzkisten“ beigetreten zu sein.

Ich hin schuldig, durch Doppelzünglertum und Maskierung hohe Posten erschlichen zu haben, die besonderes Vertrauen der Partei erfordern. Das mir erwiesene Vertrauen benutzte ich zum Betrug an der Partei, Ich führte konterrevolutionäre Unterwühlungs- und Schädlingsarbeit durch, provozierte die Unzufriedenheit der Bevölkerung gegenüber der Sowjetmacht.

Der Bürger Staatsanwalt spracht als er sich gestern zur Anklagebank wandte, von der Aufrichtigkeit, die von uns an der Schwelle unserer letzten Stunde notwendig ist.

An der Schwelle meiner letzten Stunde will ich vor allem davon erzählen, wie ich zu meinem Fall gekommen bin. Ich will das erzählen, um durch mein Beispiel jene zu warnen, bei denen es noch Schwankungen gibt, bei denen es noch Unzufriedenheit und versteckte Zweifel an der Parteiführung und an der Richtigkeit der Parteilinie gibt. Ich will das erzählen, nicht um mich zu rechtfertigen oder mein Schicksal zu mildern, sondern um zu zeigen, auf welchem Wege Leute In eine solche schändliche Lage hinabsinken.

Was führte mich auf den Weg des Verrats? Kleinbürgerlicher Unglaube an die Kräfte und den Sieg der Revolution, Angst um mein Leben und mein Schicksal stießen mich in jungen Jahren auf den Weg des Verrats, der Provokation, in den Dienst der zaristischen Ochrana. Schon durch diese Tatsache allein wurde ich als Mensch gebrochen und als Revolutionär erledigt. Die früheren Verbrechen lasteten auf mir viele Jahre, meine frühere Tätigkeit als Provokateur verursachte eine bestimmte Losgelöstheit von ehrlichen Parteigenossen.

Die Schwierigkeiten des kollektivwirtschaftlichen Aufbaus erzeugten in mir Unglauben an die Kräfte unserer Arbeiterklasse, Unglauben an die Kräfte unseres Staates, und dies bestimmte meinen Eintritt in die konterrevolutionäre Organisation der Rechten. Als ich der Organisation der Rechten beitrat, beschritt ich nicht sogleich den Weg der Schädlingsarbeit. Ich versuchte meine Auffassungen durchzuschmuggeln, sie in die Tat umzusetzen, aber der Schädlingscharakter meiner Vorschläge wurde unverzüglich entlarvt. Es war notwendig, sich entweder von den rechten Auffassungen loszusagen und ehrliche Sowjetarbeit zu leisten oder in die Illegalität zu gehen, Schädlingsarbeit zu betreiben und zu diesem Zweck Anhänger zu werben. Ich wählte den zweiten Weg, den Weg des Kampfes gegen die Partei und Regierung, den Weg des Verrats, der mich auf diese schmachvolle Anklagebank gebracht hat. Ich setzte mein Doppelzünglertum fort, aber Doppelzüngler haben nur einen Weg, den Weg der unterirdischen konterrevolutionären Tätigkeit. Zu dieser konterrevolutionären Arbeit sank ich auch herab. Vom Jahre 1933 an beschritt ich den Weg der Schädlingsarbeit und der Werbung von Anhängern für die Rechten. Aber es gelang mir, für die Rechten nur solche Leute anzuwerben, die ein Verbrechen gegen die Partei begangen hatten, oder aber Karrieristen, gemeine Egoisten und ähnliche Leute. Die schmachvolle Erfahrung meines Sturzes zeigt, dass die kleinste Loslösung von der Partei, die kleinste Unaufrichtigkeit gegenüber der Partei, die kleinste Schwankung gegenüber der Führung, gegenüber dem Zentralkomitee genügt, um im Lager der Konterrevolution zu landen.

Ich beschäftigte mich mit Schädlingsarbeit in der Konsumgenossenschaft. Der Bürger Staatsanwalt charakterisiert meine Schädlingstätigkeit als gegen die Hebung des Warenumsatzes, gegen die Entwicklung des Handelsnetzes, auf die Hintertreibung der normalen Versorgung der Bevölkerung gerichtet. Er hat Recht, ich habe dem nichts hinzuzufügen, und ich kann kein einziges Wort gegen diese Schlussfolgerung einwenden. Ich zeigte dem Gericht alle Gebiete, die von der Schädlingsarbeit, die von mir und meinen Komplicen durchgeführt wurde, betroffen waren. Ich zeigte dem Gericht den ganzen Schaden, der dem Staat und dem Volk durch meine Schädlingstätigkeit zugefügt wurde. Ich muss sagen, dass diese Schädlingstätigkeit vom Jahre 1935 an auf direkte Anweisung Antipows bedeutend aktiviert wurde. Die Schädlingstätigkeit brachte sehr großen Schaden und hemmte wirklich die Entwicklung des Warenumsatzes, des Handelsnetzes und traf damit die Versorgung der Arbeiter und Kollektivbauern. In meinen Aussagen habe ich mich bemüht, die Herde der Schädlingsarbeit und die Methoden der Schädlingsarbeit im Interesse der schnellsten Liquidierung der Folgen dieser Schädigung aufzudecken. Ich habe das zu denn Zweck getan, damit meine Selbstentlarvung, wenn auch nur im geringen Grade dazu beitrage, den ungeheuren Schaden gutzumachen, der durch meine Schädlingstätigkeit angerichtet wurde.

Ich muss hier sagen, dass die Sowjetgenossenschaften oft von Seiten der bürgerlichen kapitalistischen Genossenschaftler unter Feuer genommen wurden und genommen werden. Die bürgerlichen Genossenschaftler der kapitalistischen Länder, die gleich uns Konterrevolutionären im Dienste der Bourgeoisie stehen, versuchen, die Sowjetgenossenschaften zu diskreditieren und stützen sich dabei auf unsere verlogene Information, nutzen dabei unsere Schädlingsaktivität aus, um die Unmöglichkeit der Entwicklung der Sowjetgenossenschaften zu beweisen. Ich muss sagen, dass ungeachtet unserer Schädlingsarbeit, trotz ihr, trotz unserer Unterwühlungsarbeit, die Sowjetgenossenschaften wuchsen und erstarkten, und nach unserer Beseitigung, der konterrevolutionären Schädlinge, werden sie noch weiter voranschreiten.

Wir versuchten die Werbearbeit nach unten zu tragen. Wir wollten unsere Basis im Dorf ausdehnen, wobei wir uns auf Kulakenelemente stützten. Ich muss sagen, dass die ländlichen Genossenschaften unsere verbrecherischen Versuche schnell entlarvten, und wir stießen auf harten Widerstand von Seiten der erdrückenden Masse, der ehrlichen, der Sowjetmacht ergebenen einfachen Genossenschaftler. Diese Massen wiesen jegliche Versuche der Restauration des Kapitalismus und uns, ihre Träger, zurück. Die Ausmerzung der Schädlingsarbeit, die Ausrottung aller Teilnehmer an unserer niederträchtigen Tätigkeit wird zum schnellen, außerordentlichen Wachstum des Warenumsatzes und des Handelsnetzes führen.

Bürger Richter, ich muss sagen, dass das Ergebnis unserer Verbrechen grauenhaft ist und ebenso grauenhaft unsere gemeine verräterische Tätigkeit. Wenn ich diese Tätigkeit einschätze und dabei versuche, auf das Sowjetgeleise überzugehen, so finde ich nur eine einzige ehrliche Tat, die wir im Verlauf der Untersuchung und des Verhörs vollbringen konnten, und diese einzige ehrliche Tat, die sich für uns als möglich erwies, besteht darin, dass wir vor dem Land, vor der Revolution, vor dem revolutionären Volk unsere ganze Abscheulichkeit und alle unsere Verbrechen, alle unsere Komplicen und Helfershelfer, die ganze ungeheuerliche verbrecherische Tätigkeit des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, den Weg der Unterwühlungsarbeit, den ich von Anfang an betrat, erbarmungslos und restlos entlarvten.

Meine Aussagen über meine Verbrechen, die Entlarvung meiner Komplicen durch mich ergeben sich aus dem Bewusstsein meines Verbrechens, meines Unrechts und meines Verrats.

Es ist schwer, schrecklich schwer, sich als Volksfeind zu fühlen, zu wissen und zu sehen, dass man nicht Recht hat, zu wissen und zu spüren, dass das Volk gegen dich ist, dass man immer in der Lage einer falschen Münze ist, sich immer verbergen muss.

Schon lange vor der Verhaftung verlor ich den Glauben an die hechten und sah die Hoffnungslosigkeit ihres Kampfes. Das ist der Grund, dass ich in der Untersuchung sofort offen Aussagen machte. Das ist das einzige, was mich zu den Sowjetmenschen zurückbringen kann, wenn nicht dazu, um als Sowjetmensch zu leben, so wenigstens dazu, um als Sowjetmensch zu sterben.

Der Zusammenbruch der Rechten war für mich längst klar. Warum brach ich nicht mit ihnen? Warum entlarvte ich nicht mich und meine verbrecherischen Mittäter? Diese Frage können mir das Gericht und der Staatsanwalt mit Recht stellen. Ich muss sagen, dass ich alle Möglichkeiten hatte, dies zu tun, und ich hätte es tun müssen, aber, nachdem ich meine Verbrechen begangen, war ich in den Händen der Rechten. Ich fürchtete die Entlarvung meiner Vergangenheit. Dass ich diese Banditenhorde nicht entlarvte, meine Komplicen nicht preisgab, - das zeigt die Tiefe meines Falles.

Der Zusammenbruch des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ wurde mir klar, als wir, die Rechten, versuchten, den Feldzug gegen das Kulakentum, die Vernichtung des Kulakentums, dieser letzten Ausbeuterklasse, zu hintertreiben. Und als dies misslang, betrat ich zusammen mit den Rechten den Weg der direkten faschistischen Agentur, den Weg der Schädlingsarbeit und damit, muss ich gestehen, wurde meine Schädlingsarbeit zu einem Teil des allgemeinen Plans der Unterwühlungsarbeit des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, die im Auftrage der ausländischen Agentur durchgeführt wurde und den Staatsstreich in unserer Union zum Ziele hatte.

Ungeheuerliche Taten und ungeheuerliche Verbrechen sind Beispiele unserer niederträchtigen rechten und trotzkistischen Arbeit, der niederträchtigen Illegalität der Rechten und Trotzkisten, an der ich zu meiner Scham, Schande und zu meinem Unglück teilgenommen habe. Ich muss jedoch erklären, dass auch für mich, einem Teilnehmer an dieser Illegalität, vieles von dem, was sich im Prozess herausstellte, neu, unbekannt war und mich bestürzte.

Das Gerede des Führers der Rechten, Bucharins, über Verrat und das Verbrecherische der Provokateure und Spione hat keinen Wert, denn, Bucharin, Sie selbst sind ein erstklassiger Meister dieses Fachs, Sie haben die Kette der Verbrechen und Verrätereien gegen Partei und Regierung durch Ihre Taten, durch Ihre Haltung vor Gericht erwiesen. Im Vergleich mit Ihnen sind wir grüne Jungen. Sie, Bucharin, wollen rein dastehen. Das wird Ihnen nicht gelingen. Sie gehen in die Geschichte zusammen mit uns ein, mit dem gleichen Schandmal, das uns allen auf die Stirn gebrannt ist. Ich habe hier die Reden sowohl in der Voruntersuchung wie auch die letzten Worte von Trotzkisten und Bucharinleuten gehört. Ich habe erwartet, dass sie sich wirklich restlos entlarven werden. Ich habe erwartet, dass die Trotzkisten und Bucharinleute hier eine weitere Seite ihrer Verbrechen gegen die Sowjetmacht, gegen die Partei, gegen Lenin aufschlagen werden, der Verbrechen, die im Jahre 1921 begangen wurden. Sie hätten das allein schon deswegen tun sollen, um die Legende darüber zu zerschlagen, dass der Überfall Trotzkis im Jahre 1921 irgendeine legale Diskussion darstellte. Nichts davon! Ich nutze hier das mir gewährte letzte Wort aus und tue das für sie. Ich will dem Gericht und der Untersuchung bei der Aufdeckung dieser Verbrechen helfen. Ich will die Tatsachen erhellen, die auf die Tätigkeit der Trotzkisten gegen die Partei im Jahre 1921 grelles Licht werfen. Diese Tatsachen sind der Öffentlichkeit wenig bekannt. Ich behaupte jetzt, im Lichte der Ereignisse des Jahres 1918, die hier vor Gericht durch die Untersuchung aufgedeckt wurden, dass es die Partei im Jahre 1921 nicht mit einer Diskussion, sondern mit einer Verschwörung zu tun hatte. Ich behaupte das auf Grund folgender Tatsachen. Die in Moskau Anfang 1921 stattgefundenen Aktionen der „Trotzkisten, der Bucharinleute vom Schlage Boguslawskis, Drobnis, Sossnowskis, Rafalis und anderer Menschewiki, die damals der Partei beigetreten waren, und der Menschewiki, die außerhalb dar Partei blieben und fortfuhren, legal als Menschewiki aufzutreten, die Aktionen von Konterrevolutionären, die um Trotzki herum einen Block bildeten, unterschieden sich in nichts voneinander und trugen alle Kronstädter Charakter. Alle diese parteifeindlichen und antisowjetischen Elemente traten solidarisch auf, entfalteten im Januar-Februar des Jahres 1921 eine wütende Aktivität, nutzten die Lebensmittel- und Brennstoffschwierigkeiten aus, traten gegen das Zentralkomitee und Lenin auf, versuchten Streiks zu organisieren, versuchten die Arbeiter auf die Straße zu führen. Ich habe jetzt keine Zeit, meine Lage gestattet mir nicht, ausführlich dabei zu verweilen. Ich sage das nur deshalb, weil jene, die versuchten, die Arbeiter zu Streiks zu provozieren, denen das teilweise gelang, diejenigen sind, die versuchten, in die Chamowniki-Kasernen einzudringen, sich der Waffen zu bemächtigen und die Rotarmisten mit sich zu reißen. Dieser Versuch misslang. Diese Tatsachen und Dokumente sind im Archiv des Moskauer Sowjets und des Moskauer Parteikomitees vorhanden. Gleichzeitig mit dem Zusammenbruch dieses Versuches wurde eine Verschwörung in der Schützendivision in Samoskworetschje aufgedeckt, - eine Verschwörung von Weißgardisten, Offizieren, Menschewiki. Wegen Verdachtes der Beteiligung an dieser Verschwörung wurde der Kommandierende der Truppen des Moskauer Militärkreises, der frühere Artillerieleutnant und persönliche Vertraute Trotzkis, Petrjajew, seines Postens enthoben. Trotzki erhob damals gerade deswegen gegen die Absetzung Petrjajews Einspruch, weil er von der Mitbeteiligung Petrjajews an der Verschwörung wusste. Jetzt kann man mit Gewissheit sagen, dass Trotzki damals seine doppelzünglerische Methode anwandte: während er formal auf den Positionen des Oktober verblieb, gruppierte er innerhalb der Partei seine Anhänger, um die Partei von innen heraus zu sprengen. Ich behaupte das. Ich behaupte ebenfalls, dass die bewaffnete Kraft dieses vorgesehenen Umsturzes die Militärverschwörung war. Unter diesen Bedingungen war der Versuch, in die Chamowniki-Kasernen einzudringen, das Signal zum Beginn der Aktionen der Verschwörer. Darüber habt Ihr, Ihr Herren Trotzkisten und Bucharinleute, geschwiegen. Ich bin überzeugt, dass eine eingehende Untersuchung der Tatsachen reiches Material über diese Verschwörung liefern und mit der Legende Schluss machen wird, dass im Jahre 1921 eine einfache Diskussion stattgefunden hat. Als Teilnehmer des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ kann ich nicht umhin, die Verantwortung für seine niederträchtige, verräterische, räuberische Tätigkeit zu tragen. Ich trage ebenfalls die Verantwortung für diejenigen Verbrechen, die ich selbst begangen habe.

Meine Schuld verschärft sich noch dadurch, dass ich lange Zeit die Partei, ihr Vertrauen betrogen habe, dass ich mir hohe, verantwortliche Posten erschlichen habe. Es lohnt sich nicht, darüber zu sprechen, dass ich bereue. Den Beweis dieser Reue bilden diejenigen Aussagen, die Entlarvung meiner selbst und meiner Mittäter, die ich dem Gericht in der Untersuchung gemacht habe.

Ich spreche mein letztes Wort. Wahrscheinlich wird dies das letzte Wort in meinem Leben sein. Es fällt mir schwer zu bitten und zu erwarten, dass man meinen Worten glaubt. Aber ich erkläre dem Gericht: ich wusste nichts, ich hatte keinen Anteil, ich grenze mich von solchen Verbrechen, wie der Vorbereitung des Umsturzes durch eine Militärverschwörung ab, ich wusste nichts von dem verbrecherischen Beschluss des Zentrums über die Ermordung Kirows, ich wusste nichts von den Spionageangelegenheiten und den Verbindungen und hatte keine Beziehungen zu ausländischen Spionagediensten. Ich hatte keinerlei Beziehungen zu den Unterhandlungen mit auswärtigen Staaten über die Lostrennung nationaler Republiken und Randgebiete von der Union, ich hatte gleichfalls keine Beziehungen zu den terroristischen Akten, die von Jagoda und anderen durchgeführt wurden. Das ist gleichfalls aus den Untersuchungsmaterialien zu ersehen.

Ich sage das nicht, um die Verantwortung für diese Verbrechen abzuwälzen. Für diese Verbrechen kann ich nicht umhin, die Verantwortung zu tragen, ebenso wie Bucharin und Rykow und die unmittelbaren Vollstrecker dieser Schandtaten. Ich weiß, dass ich auch den Stempel dieser schändlichen Taten als ein Teilnehmer des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ trage und dass nichts dieses Schandmal von mir nimmt.

Meine Verbrechen vor der Partei, vor dem Land und vor dem revolutionären Volk sind groß. Eben deshalb sehe ich keinerlei Motive, keinerlei Grundlage, um mildernden Umstände für mein Verbrechen und für meine Schuld zu suchen. Meine Reue und das Eingeständnis meiner Verbrechen kamen zu spät. Sie hätten dann Wert gehabt, wenn ich sie vor der Verhaftung geäußert hätte. Deswegen wage ich es nicht, um Milderung meines Schicksals zu bitten. Das Urteil des proletarischen Gerichts werde ich als gebührende Vergeltung des sozialistischen Staates, des Volkes und der Partei für meine Verbrechen entgegennehmen.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN IKRAMOW

VORSITZENDER: Das letzte Wort hat der Angeklagte Ikramow.

IKRAMOW: Bürger Richter, ich habe auf die Verteidigungsrede nicht deshalb verzichtet, weil ich mich nicht verteidigen wollte. Wenn ich sagen würde, dass ich mich verteidigen kann, und nicht verteidigen wollte, so wäre dies Anmaßung oder Fortsetzung des Pharisäertums, des Doppelzünglertums, an denen ich bis zu meiner Verhaftung, bis zu meinen Aussagen krankte. Es ist gegenwärtig nicht an der Zelt, um prahlen oder fortfahren zu können, sich pharisäerisch und doppelzünglerisch zu verhalten. Ich konnte nicht nur keine Beweisgründe, sondern sogar keine Worte zur Rechtfertigung und Verteidigung meiner Verbrechen finden. Wohl kaum könnten Verbrecher, wie die Teilnehmer des Blockes der Rechten, Trotzkisten und Nationalisten, und nicht nur Teilnehmer, sondern solche aktive Teilnehmer, wie ich war, in irgendeiner Sprache Worte zu Ihrer Verteidigung finden. Das ist es, warum ich genötigt war, auf die Verteidigung zu verzichten. Ich kann mich um so weniger verteidigen, als ich weder politischer Anfänger noch ein Mensch hin, der seinen Verstand verloren hat, der, wie man sagt, „eine alte Galosche“ ist; ich bin weder das eine noch das andere. Die Hälfte meines Lebens (ich hin vierzig Jahre alt) führte ich ein politisches Leben - zwanzig Jahre lang, deswegen kann ich weder Unerfahrenheit noch Unreife zu meiner Verteidigung anführen. Ich kann und will mich nicht hinter denn Rücken Bucharins oder sonst jemandes verstecken. Das ist keine Prahlerei. Ich bin vielleicht theoretisch ungebildet, aber in politischen Fragen kannte ich mich und kenne ich mich nicht schlechter als Bucharin aus. Ich sage das nicht aus Prahlerei, sondern zur Vertiefung und Aufdeckung meines Verbrechens, darum sage ich das.

Wenn ich hier über meine Anwerbung durch Bucharin oder über jene Anweisungen gesprochen habe, die ich durch Bucharin oder Antipow vom Zentrum der Rechten und Trotzkisten erhalten habe, so wollte ich damit in keiner Weise, wollte ich durchaus nicht meine Schuld auf irgend jemand anderen abwälzen. Nein, ich habe nur die Tatsachen meiner Teilnahme und des Erhaltes einzelner Aufträge festgestellt, die die rechten Führer uns, den Teilnehmern des antisowjetischen Blockes der Rechten, Trotzkisten und Nationalisten gegeben haben. In meinen Aussagen in der Voruntersuchung. und hier habe ich nichts verborgen, alles gesagt. Ich trage die Verantwortung aber nicht nur für die Verbrechen, die ich begangen habe, oder die die nationalistische konterrevolutionäre Organisation begangen hat, die in Usbekistan bestand. Ich trage auch voll und ganz die Verantwortung für jene Handlungen des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“, wie Spionage oder die verbrecherische Ermordung solcher berühmter Männer des Sowjetlandes wie Alexej Maximowitsch Gorki, Kuibyschew, Menshinski und wie die Teilnahme an der Ermordung Sergej Mironowitsch Kirows. Aber nichtsdestoweniger erleichtert es mich, dass ich als Teilnehmer dieser Verschwörung, als aktiver Teilnehmer voll und ganz die Verantwortung gemäß all den Artikeln trage, die hier als Ausdruck dieser Verbrechen im Strafgesetzbuch veröffentlicht wurden, so auch für all die Tatsachen, die in der Gerichtssitzung aufgedeckt wurden.

Die konterrevolutionäre Organisation, die in Usbekistan bestand, die von mir geführt wurde und sich dem „Block der Rechten und Trotzkisten“ näherte, nannte sich „nationalistisch“. Diese Bezeichnung „nationalistisch“ besagt vielleicht einigen, dass diese Leute angeblich irgendetwas zugunsten der Nation tun wollten, aber sie haben die Interessen ihres Volkes verraten. Ich begriff, wie tief ich gesunken bin, welche Tiefe mein Fall erreicht hat. Sehen Sie, die Nationalisten wollten anscheinend für ihre Nation arbeiten, aber was wurde in Wirklichkeit daraus? In Wirklichkeit schädigten sie die Kommunalwirtschaft, schädigten sie das Volk, schädigten sie bei der Verbesserung der Lebensbedingungen, schädigten auch in der Landwirtschaft, um die Maßnahmen der Sowjetregierung, der Kommunistischen Partei, zu untergraben, zu einer Zeit, wo die Sowjetregierung, die Kommunistische Partei den Wohlstand der Nation hoben. Die Nationalisten strebten in Worten nach „Unabhängigkeit“, in Wirklichkeit aber erstrebten sie eine Abhängigkeit. Die Nationalisten, die nach „Unabhängigkeit“ strebten, plünderten die Taschen der Werktätigen, raubten ihren Wohlstand.

Diese Schandtaten kann man vor dem Gericht, vor den Werktätigen in keiner Weise rechtfertigen, insbesondere können sie nicht vor dem Volk Usbekistans gerechtfertigt werden.

Der Bürger Staatsanwalt sprach hier in markanten Worten über das Wachstum des Wohlstandes und der Kultur der Völker der Sowjetunion. Ich glaube, ich hin überzeugt, dass eines dieser leuchtenden Beispiele Usbekistan sein kann, insbesondere was das Tempo seines Wachstums anbelangt.

Wir waren nur eine Bremse, nur ein Hindernis für dieses Wachstum. Ohne uns würde Usbekistan diese Erfolge In noch größerem Ausmaße errungen, noch schönere Erfolge erzielt haben.

Alle wissen, dass in Usbekistan vor der Revolution oft der Hunger wütete, die Malaria grassierte und die Menschen an ihr und anderen Krankheiten starben. Die Menschen starben vor Hunger, an der Malaria, und all das hat erst die Sowjetmacht beseitigt.

Unsere nationalistische konterrevolutionäre Organisation förderte nur diese Krankheiten, führte zu Hunger und Aussterben. Und deswegen ist meine Schuld, sind meine Verbrechen besonders schwer.

Die Nationalisten wollten Usbekistan im Blute der Arbeiter und Dechkane ertränken. Angeblich wollten sie „Unabhängigkeit“, aber die Logik des Kampfes hätte sie dahin gebracht, dass sich die „Unabhängigkeit“ in Abhängigkeit verwandelt haben würde.

Jetzt hängt das usbekische Volk, wie auch alle Völker der Sowjetunion, von niemanden ab; es hängt nur von seinem kollektiven Willen, seinem kollektiven Entschluss ab, nur daran ist es abhängig, im übrigen aber ist es unabhängig.

Der „Block der Rechten und Trotzkisten“ wollte dem usbekischen Volk seine Unabhängigkeit rauben und es der Abhängigkeit von den imperialistischen Staaten ausliefern, der Abhängigkeit von den Begs, Beys, Plutokraten und Nichtstuern. Es ist gut, dass der „Block der Rechten und Trotzkisten“ nicht gesiegt hat. Wenn der „Block der Rechten und Trotzkisten“ gesiegt hätte, so hätte am nächsten Tage ein regelrechtes Schlachten eingesetzt, hätten sogleich Streitigkeiten zwischen Trotzkisten und Rechten begonnen, die sich in derselben Ukraine, Belorussland, Usbekistan und andern Republiken befanden. Die Ideologie der Rechten, wenn sie geblieben wäre, das ist die Restauration des Kapitalismus. Die Ideologie der Nationalisten, das ist die Ideologie von Kulaken, die Ideologie von Kapitalisten.

Und trotzdem vollzog sich eine solche Vereinigung. Trotz dieser Prinzipienlosigkeit fanden sich Prinzipien zur Vereinigung. Das vertieft noch die Schande der Teilnehmer dieses „Blocks der Rechten und Trotzkisten“. Ein einziges Prinzip vereinigte uns alle - das ist der Kampf gegen die Sowjetmacht.

Ich erkenne alle diese Verbrechen, alle diese Schandtaten an, und ich kann in keiner Weise Grund dazu finden, um Schonung zu bitten. Ich dachte daran, dass ich auch einer jener Menschen bin, die nicht nach acht bis zehn Monaten ihre Aussagen machten, wie das einige taten, ich sagte am sechsten, siebenten Tage der Untersuchung aus. Ich glaubte, dass dies vielleicht meine Verbrechen leichter machen wird. Alle Motive, um Gnade zu erbitten, sind entfallen. Ich habe mich vor der Verhaftung sehr verbrecherisch verhalten. Hier sagten die Leute, dass man zu ihnen Vertrauen hatte, dass sich die Partei und Regierung gut zu ihnen verhielten. Als ich das hörte, wurde mir sehr schwer. Es war für mich das Schlimmste, die größte innere Strafe, als die Leute von Vertrauen sprachen.

Was soll ich sagen, um das Vertrauen zu rechtfertigen, das mir von Seiten der Führer von Partei und Regierung erwiesen wurde? Anstatt dieses Vertrauen zu rechtfertigen, habe ich es missbraucht.

Als Selenski im Jahre 1930 die Frage meiner Entfernung von der Arbeit in Usbekistan stellte, erhielt Selenski vom Zentralkomitee Anweisung, alle Materialien, die Ikramow beschuldigen, Ikramow zu geben, Ikramow mit ihnen bekannt zu machen. Das Zentralkomitee drückte mir volles Vertrauen aus. Es vergingen ein, anderthalb Monate. Ich erhalte ein anderes Telegramm, aus dem ich erfahre, dass das Zentralkomitee, um Ikramow zu unterstützen, ihn als Sekretär des Mittelasiatischen Büros des Zentralkomitees der KPdSU(B) bestätigt hat. Anstatt auf dieses Vertrauen mit Aufrichtigkeit zu antworten, verhielt ich mich doppelzünglerisch. Wie kann ich mich jetzt verteidigen, welche Worte kann ich zu meiner Schonung anführen, welche Beweisgründe?

Davon habe ich nebenbei erzählt. Ich weiß nicht, ob irgendjemand von den hier mit mir auf der schändlichen Anklagebank Sitzenden, ob irgendjemandem von diesen gewesenen Leuten ein solches Vertrauen erwiesen wurde, wie mir vor meiner Verhaftung.

Bevor man mich verhaftete, zeigte man mir einen Haufen Material des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten. Das sind Aussagen von Leuten, die im Jahre 1937 gemacht wurden, das sind Materialien, die mich betreffen. Lies und sag, was richtig ist, was nicht. Ich muss sagen, dass in dieser Hinsicht Nikolai Iwanowitsch Jeshow zu mir sehr aufmerksam war, der viermal mit mir sprach. Und was habe ich getan? Rundweg alles abgeleugnet. Deshalb kann diese Schande keinesfalls durch den Umstand gemildert werden, dass ich mich am 6. oder 7. Tag besann und begann, offenherzige Aussagen zu machen. Das verringert keinesfalls und erleichtert in keinem Maße meinen Fall.

Weiter sage ich Ihnen, dass ich mich nicht mit Bucharin oder dem „Block der Rechten und Trotzkisten“ decken will, aber ich muss sagen, dass unser nationalistisches Programm in Bezug auf konterrevolutionäre Handlungen wesentlich bereichert und aktiviert wurde, gerade dank der hier mit mir sitzenden Teilnehmer des „Blocks der „Rechten und Trotzkisten“ und besonders seines rechten Teiles unter der Leitteig von Bucharin und Antipow. Wir übernahmen die scharfen Kampfmethoden von ihnen, und übernahmen sie nicht nur, sondern gaben uns auch Rechenschaft darüber. Sie aber trieben uns an, warum wir schlecht arbeiten, schlecht schädigen, den Aufstand schlecht organisieren usw. Manchmal erhob sich die Frage: warum tauchte dieser neue Punkt in unserem Kampf gegen die Partei auf? Gewöhnlich antworteten sie, dass die Logik des Kampfes jetzt die Anwendung dieser Methode erfordert. Und die Logik des Kampfes hat uns in diese Schande gebracht, von der wir uns, ganz gleich oh wir nun leben oder sterben werden, nicht befreien können. Uns wurde die vollkommen gerechte Bezeichnung von Volksfeinden, Verrätern der Heimat, Spinnen und Mördern gegeben.

Diesen Schandfleck können wir durch nichts abwaschen.

Ich muss in diesem Zusammenhang sagen, Bürger Richter, dass es, als ich bereut hatte, als ich die ganze Schwere meiner Verbrechen begriffen hatte, für mich sehr schwer war, hierher zu kommen und vor dem ganzen Volk, vor dem Gericht für meine Verbrechen zu verantworten. Sie wissen, wenn das Gewissen mahnt, dann ist es sehr schwer, vor dem Volk aufzustehen und ihm ins Auge zu seilen. Als ich Aussagen machte, fürchtete ich mich sehr, die hier sitzenden Menschen zu sehen.

Indem ich alle Verbrechen, die von mir und von der nationalistischen Organisation in Usbekistan, die ich leitete, begangen wurden, voll und ganz eingestehe, indem ich meine Verbrechen als Teilnehmer des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ eingestehe, habe ich alles, was ich wusste, aufgedeckt, alle Teilnehmer des Verbrechens genannt und mich selbst entwaffnet. Deshalb, wenn ich etwas zu meinen Gunsten sagen kann, um Schonung, um Milde bitte, so ist es das, dass ich jetzt ein entblößtes menschenähnliches wildes Tier bin. Ich habe voll und ganz alles, was ich wusste, gesagt. Ich habe all die Fäulnis, die in mir war, hinausgeworfen. Und mir ist jetzt viel leichter geworden. Ich glaubte, dass das Volk, wenn ich vor dem Gericht alles erzähle, davon erfahren wird, erfahren wird, dass dieser Ikramow wenigstens in der letzten Zelt seines Lebens von jener Position abging und sich lossagte, deren Name Verrat, Spionage, Feind des Volkes und der Heimat ist, dass er von dieser Position abging und als ehrlicher Sowjetbürger starb, das hat mich sehr erleichtert. Wenn das so sein wird, so wird es für mich einen gewissen Trost bedeuten.

Ich habe erst unlängst begriffen, wie schwer es ist, ein Volksfeind zu sein, wie schwer um so mehr, ein Feind einer solchen Heimat zu sein, wie es das Sowjetland ist.

Ich sage das nicht zur Verteidigung meiner schmierigen Haut. Ich sage das, damit jeder Bürger der Sowjetunion wisse, was für Verbrecher wir sind, wohin die Nationalisten die Völker Usbekistans führten und führen wollten. Unser Weg war der der Unterjochung, der Versklavung der Völker Usbekistans.

Der Weg, zu dem die Kommunistische Partei führt, das ist der Weg eines freien, wohlhabenden, kulturellen und satten Lebens; ich sage das, damit alle wissen, dass ein bürgerlicher Nationalist über die Nation nur zum Betrug des Volkes spricht; damit nicht ein Nationalist, der noch unentdeckt übrig geblieben ist, in Usbekistan auf nationale Elemente spekulieren kann, deshalb habe ich hier über alle meine Verbrechen ausgesagt und in der Voruntersuchung ausführlich über sie gesprochen.

Ein beliebiges Urteil des Gerichtes werde ich für völlig gerecht und richtig halten. Aber ich möchte einfach sagen - ich möchte nicht sterben, um so weniger möchte ich als Volksfeind sterben, und ich will an beliebiger Stelle, wo immer es sein mag, das schwere Verbrechen wiedergutmachen, das ich mit dieser Bande verübt habe.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN RAKOWSKI

VORSITZENDER: Angeklagter Rakowski.

RAKOWSKI: Bürger Vorsitzender des Gerichts, Bürger Richter, ich habe gestern mit größter und angespannter Aufmerksamkeit die Anklagerede des Staatsanwaltes der Union verfolgt, nicht deshalb, weil ich beabsichtigte, mit ihm zu streiten. Diese Absicht habe ich nicht. Ich gestehe alle Verbrechen. Welche Bedeutung hätte es für das Wesen der Sache, wenn ich hier vor Ihnen beginnen würde, die Tatsache festzustellen, dass ich von vielen Verbrechen und von den schrecklichsten Verbrechen des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ hier vor Gericht erfahren habe und mit einigen Teilnehmern zum ersten Mal hier bekannt wurde. Das hat keinerlei Bedeutung. Ich bin mit dem „Block der Rechten und Trotzkisten“ verbunden, natürlich in dem vom Strafgesetzbuch vorgesehenen Rahmen, mit der Solidarität, sowohl politischer als auch juristischer, die sich aus meiner Zugehörigkeit zu diesem Block ergibt.

Wie ein Sträfling an seine Galeere geschmiedet ist, so bin ich mit der schweren Kette meiner Verbrechen an den „Block der Rechten und Trotzkisten“ geschmiedet. Ich bin bis in die letzte Zeit, bis zu meiner Verhaftung, Teilnehmer der unterirdischen, konterrevolutionären, trotzkistischen Organisation. Ich bin ein aktiver Teilnehmer am „Block der Rechten und Trotzkisten“. Ich habe schwerste Verbrechen dem Staate gegenüber begangen. Ich bin doppelter Spion. Im Jahre 1924 trat ich in verbrecherische Verbindungen mit der „Intelligence Service“ und im Jahre 1934 in verbrecherische Verbindungen mit dem japanischen Spionagedienst. Im Jahre 1927 führte ich Unterhandlungen mit einigen rechten französischen kapitalistischen Kreisen, deren Ziel letzten Endes wiederum gegen die Sowjetunion gerichtet war. Im Jahre 1935 benutzte ich die Anwesenheit des französischen Ministers Laval in Moskau, die Ankunft von französischen Journalisten zusammen mit ihm dazu, um im Gespräch mit einem von ihnen (ich habe ihn genannt) zu versuchen, die französisch-sowjetische Annäherung zu stören, zu sprengen. Ich habe Ihnen, Bürger Richter, über einen Brief Trotzkis vom Juli 1934 berichtet, in dem er von der Notwendigkeit spricht, Stalin in internationaler Hinsicht zu Isolieren, d. h. die kapitalistische Umkreisung rings um die Sowjetunion zu verstärken, zu festigen. Ich gehörte zur so genannten „Fünften Kolonne“, von der gestern der Staatsanwalt sprach, und verdiene alle die Flüche, die jetzt von allen Enden dar Sowjeterde gegen uns geschleudert werden, die wir uns hier auf der Anklagebank befinden, die Flüche, deren vielleicht schwacher Ausdruck die Anklagerede des Staatsanwaltes war, so hart und scharf sie gegen uns auch gewesen sein mag.

Bürger Richter, ich teile das Bedauern dem Staatsanwaltes, dass sich nicht hier, neben uns auf der Anklagebank, der Volksfeind Trotzki befindet. Das Bild unseres Prozesses verliert sowohl an Fülle als auch an Tiefe dadurch, dass der Ataman unserer Bande fehlt. Niemand wird mich dessen verdächtigen, dass ich dies ausgehend von egoistischen Wünschen sage, von niedrigen Beweggründen, uns einen Teil der Schuld und der Verantwortung, die ich selbst trage, auf Trotzki abzuwälzen. Ich bin älter als Trotzki - sowohl an Lebensalter als auch an Dauer des politischen Lebens, und wahrscheinlich habe ich nicht weniger politische Erfahrung als Trotzki. Ich bedaure sein Fehlen hier aus Erwägungen politischer Natur. Ich bedaure es, weil das fehlen Trotzkis auf der Anklagebank die Fortsetzung seiner Aktivität bedenkt, so begrenzt sie auch sein mag, das aber bildet eine Gefahr, so klein sie auch sein mag, eine Gefahr für die internationale Arbeiterbewegung. Freilich entgeht Trotzki auch hinter dem mexikanischen Meridian nicht jener vollen, endgültigen, für uns alle schändlichen Diskreditierung, die wir hier erleiden.

Damit könnte auch alles erschöpft sein, was im Wesentlichen die rechtlich-juristische Seite meiner Sache betrifft, und ich würde sogar auf mein letztes Wort verzichten, wenn ich es nicht für notwendig hielte, mich meinerseits nach dem, was hier vom Staatsanwalt gesagt wurde, zu bemühen, auf die außerordentliche politische Bedeutung des vorliegenden Prozesses hinzuweisen. Mir scheint jedoch, dass der Bürger Staatsanwalt die Aufmerksamkeit nur auf eine Seite der Sache lenkte. Ja, er unterstrich die Ungeheuerlichkeit jener Verbrechen, die wir begingen. Aber ich möchte, Bürger Richter, die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass hier die Ungeheuerlichkeit noch darin besteht, von wem diese Verbrechen verübt wurden. Von wem wurden Spionage, Schädlingsarbeit, Diversionen, Terror und Morde verübt? Sie wurden nicht von Kandidaten der Kriminalchronik verübt, die in Schlupfwinkeln oder in Kellern leben. Die Verbrecher, die sich hier befinden, musste man aus dem Haus der Regierung herausholen. Nun wohl, diese Frage, die entsteht, und auf die eine Antwort zu finden ich, als einer der Teilnehmer, die Notwendigkeit empfinde, das ist die Frage, auf welche Weise sich frühere Mitglieder des Zentralkomitees, frühere Mitglieder der Regierung, frühere Botschafter plötzlich hier befanden? Welche Art von Irrsinn brachte sie auf diese Bank der politischen Ehrlosigkeit? Ich glaube, dies ist umso notwendiger, als eine solche Frage vor allen steht und alle eine Erklärung suchen. Ich weise auf eine sehr gebräuchliche Erklärung hin. Das ist ja nicht der erste Prozess. Ich erinnere mich, wie man im Zusammenhang mit den anderen Prozessen auf diese Frage antwortet. Man gibt sich mit der schablonenhaften bürgerlichen und oberflächlichen Erklärung zufrieden, die sagt, dass alle Revolutionen damit enden, dass sie ihre eigenen Kinder auffressen. Die Oktoberrevolution umgeht angeblich dieses allgemeine Gesetz des historischen Fatalismus nicht.

Das ist eine lächerliche und unbegründete Analogie. Die bürgerlichen Revolutionen endeten - verzeihen Sie mir, wenn ich einige solche theoretische Argumente anführe, die jedoch für das vorliegende Moment Bedeutung haben - wirklich damit, dass sie ihre Kinder auffraßen, weil sie, nachdem sie gesiegt hatten, mit ihren Verbündeten aus dem Volk, mit ihren revolutionären Verbündeten von links abrechnen mussten.

Aber wenn die proletarische Revolution, die Revolution einer bis zu Ende revolutionären Klasse, das anwendet, was Marx „plebejische Methoden der Abrechnung“ nannte, so wendet sie sie nicht gegen die fortgeschrittenen Elemente an, sie wendet sie gegen jene an, die der Revolution im Wege stehen oder die, wie wir, mit der Revolution waren, eine gewisse Zeit mit ihr zusammengingen und ihr dann den Dolch in den Rücken stießen.

Nun, und auf diese Frage will ich Antwort geben. Ich als aktiver Trotzkist, als nächster Freund, als persönlicher Freund Trotzkis (der Staatsanwalt hat festgestellt, dass diese Freundschaft 34 Jahre währte), als Mensch, der, während viele in die Partei zurückgekehrt waren (freilich als Doppelzüngler), noch lange Jahre fortfuhr, die Parteiführung offen zu bekämpfen. Gestatten Sie mir, zu dieser Frage meine Überlegungen zu äußern.

Bürger Richter, warum befand ich mich wirklich im Gegensatz zu meiner Partei und sank zu guter Letzt zur Lage eines Verbrechers hinab? Was stellten wir, die Trotzkisten, in der Partei dar? Wir waren das, was nun einen Fremdkörper im lebendigen Parteiorganismus nennt. Trotzki trat in die Partei der Bolschewiki erst einige Monate vor der Oktoberrevolution ein, seine Ideologie formte sich im Kampfe gegen den Bolschewismus. Ich trat Ende 1917 in die Partei ein, nachdem ich im Laufe von mehr als einem Vierteljahrhundert zur II. Internationale gehört hatte, die sich unter ganz besonderen Bedingungen, den Bedingungen der friedlichen Entwicklung des Kapitalismus, entwickelt hatte, und obgleich ich zu ihrem linken Flügel gehörte, war ich von ihrem Opportunismus durchdrungen. Wenn Sie die Geschichte anderer Trotzkisten verfolgen, wenn ich als Beispiel Radek, Pjatakow, Preobrashenski nehme, so finden Sie bei ihnen allen sowohl vor der Oktoberrevolution als auch nach der Oktoberrevolution eine Reihe bedeutender Abweichungen.

Und man muss sagen, dass wir Trotzkisten gleich im ersten Augenblick die Rolle der Antagonisten der Parteiführung übernahmen. Gleich im ersten Augenblick. Brest-Litowsk. Ich werde mich hier nicht auf die Aussagen beziehen (Sie kennen sie), die die Rolle Trotzkis in der Zeit von Brest-Litowsk feststellen. Die Gewerkschaftsdiskussion. Was war das? Das war eine Kraftprobe. Der Angeklagte Selenski führte hier Tatsachen an, die vielleicht bloßlegen werden, dass es dort im Allgemeinen einen anderen Versuch gab, nur gehörten, soweit ich mich erinnere, alle Personen, die er erwähnte, nicht zur trotzkistischen Fraktion, sie gehörten zur so genannten DZ-Fraktion, der Fraktion des so genannten demokratischen Zentralismus. Wir erleiden eine Niederlage, und unverzüglich wird die Orientierung auf die auswärtigen Staaten genommen. Es genügt, Sie hier nur an die Tatsache zu erinnern, die hier festgestellt wurde; wir erlitten im Jahre 1921 in der Gewerkschaftsdiskussion eine Niederlage. In ihrem Bestreben, die innere Einheit zu festigen, entfernt die Partei eine Reihe von Trotzkisten aus dem Zentralkomitee. Im Jahre 1921 gibt Trotzki bereits die erste Direktive über die Schaffung einer verbrecherischen Verbindung zum deutschen Spionagedienst. In das Jahr 1926 fällt die zweite Direktive. Die erste Direktive wurde Krestinski gegeben, die zweite Direktive wurde Rosengolz gegeben. Ende 1924 erscheint bei mir ein Werber der „Intelligence Service“, ich hätte ihn ja die Treppe hinunterwerfen können, weil er mit Erpressung vorging. Aber als er erklärte: „Vergessen Sie nicht, dass wir für Sie das Agreement gegeben haben, weil wir erfahren haben, dass Sie Trotzkist sind“, rührte das an die trotzkistische Saite in mir. Damals gab ich ihm keine Antwort und sprach mit Trotzki. Wir wussten, in welcher Lage wir uns befinden. Ich sollte damals aus der Ukraine entfernt werden, einige entfernte man aus dem Bestand des Zentralkomitees, Smirnow wurde aus dem sibirischen Revolutionskomitee entfernt, Radek und Pjatakow standen abseits, und Trotzki sagte, dass er in der nächsten Zeit, in den nächsten Tagen aus dem Revolutionskomitee weggehen müsse, wenn er nicht will, dass man ihn von dort Knall und Fall entfernt.

Ich stelle diese Tatsachen einander gegenüber, damit es klar ist. Schon im Jahre 1926 traten wir mit dem ausländischen Spionagedienst in Verbindung. Im Jahre 1927 wird es klar, dass wir unterliegen und dass dies bereits eine Niederlage sein wird, nach der kein Manöver mehr gelingen wird, weil vor dieser Niederlage die sinowjewistisch-trotzkistische Opposition mit den Händen an der Hosennaht vor der Partei gestanden hatte und in der Partei geblieben war, wobei sie fortfuhr, gegen die Partei zu arbeiten, und dass wir allerspätestens auf dem XV. Parteitag aus der Partei ausgeschlossen werden, auf alle Fälle wenn nicht wir alle, so zumindest Trotzki. Hier mussten wir bereits zu konspirativen Verhältnissen übergehen. Danach fahre ich nach Frankreich. Im August, September führe ich Verhandlungen über die Vereinigung der Opposition und darüber, was wir von gewissen französischen Kreisen für unseren Sieg bekommen können.

Ich werde nicht die Geschichte des Trotzkismus erzählen, sie ist bekannt. Ich will nur über die Schaffung des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ sprechen. Die Bildung des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ - das ist, wenn man es so nennen kann, eine „Vernunftehe“, in die jeder seine Mitgift mitbringt. Wir Trotzkisten tragen unsere Verbindungen mit der internationalen Spionage bei, die Rechten ihre Kader, ihre Verbindungen mit nationalistisch-menschewistischen Sozialrevolutionären und anderen Elementen, ihre Verbindungen mit der Kulakenschaft. Natürlich kann außer diesem unseren Grundkapital jeder noch irgendetwas beitragen. Wir machten nicht halt vor Treubruch, vor Betrug, Verrat, Bestechung, vor Mord durch Gift und Revolver statt durch den traditionellen Dolch.

Ich werde nicht über irgendeine Ideologie dieses Blocks sprechen. Sie hörten hier die Plattform meines Mitbeteiligten am Prozess - N. I. Bucharins. Das ist natürlich die im Handumdrehen erfolgende Wiederherstellung kapitalistischer Verhältnisse durch die offene Schleuse des freien Außenhandels, durch die Wiederkehr der Kulakenschaft, durch die Liquidierung der Kollektivwirtschaften, durch die weit geöffneten Tore für Konzessionskapitalien. Wir rechneten mit dem Eintritt des vollen Triumphes des Kapitalismus in außerordentlich kurzer Frist.

Unsere Ideologie war natürlich eine konterrevolutionäre. Wir wollten uns auf Elemente stützen, die bereits durch die Fünfjahrpläne verurteilt waren, auf Elemente, die ausgefegt, hinausgeworfen waren. Es ist natürlich nichts Verwunderliches daran, dass diese alten Bruchstücke zusammenkrachten und wir uns unter diesen Trümmerhaufen befanden. Ich glaube, dass es damit nicht genug ist. Ich glaube, es gibt kein Beispiel, wo politische Leute, Leute, die eine gewisse politische Vergangenheit, Erfahrung usw. haben, Beweise solcher Naivität, solcher Selbstverblendung, solcher Illusionen gegeben hätten, wie sie über uns Macht hatten. Ja, das ist doch Fieberwahn, richtiger Fieberwahn, irrsinniger Fieberwahn, so zu denken, aber wir dachten so. Wir dachten, mit unseren winzigen Kräften, nicht nur ohne eine Stütze zu haben, sondern mit der Arbeiterklasse gegen uns, mit der Partei gegen uns, - irgendwelche Ergebnisse zu erreichen. Das ist Fieberwahn, der auf irgendeine Hilfe von außen rechnet. Fieberwahn in welchem Sinne? Diese Hilfe von außen wird uns ausnutzen und dann wegwerfen. Aus einer politischen Kraft verwandelten wir uns in ein Werkzeug.

Fieberwahn in jeglicher Hinsicht. Unser Unglück bestand darin, dass wir verantwortliche Posten innehatten, die Macht hatte uns den Kopf verdreht. Diese Leidenschaft, diese Machtgier blendete uns. Allein mit „Ideologie“ kann man das nicht erklären. Diese beiden Momente, zusammen genommen und zusammen wirksam, brachten uns auf die Anklagebank.

Wir hielten uns für Leute, die von der Vorsehung gesandt sind, trösteten uns damit, dass man uns rufen wird, dass wir notwendig sind. Das sagten die Trotzkisten, das sagten auch die Rechten. Wir bemerkten nicht, dass die ganze Entwicklung der Sowjetunion an uns vorbeigegangen war, dass an uns eine friedliche Revolution vorbeigegangen war, die unser Dorf umgestaltet hat, dass an uns dieses kolossale Wachstum des kulturellen und politischen Niveaus der Volksmassen und die Entstehung neuer Kader von Staatsanbetern aus den Reihen der Stachanowleute vorbeigegangen war. All das war an uns vorbeigegangen, wir haben das nicht bemerkt.

Die Ernüchterung musste eintreten. Ich widerspreche vielleicht etwas der Rede des Staatsanwalts, aber ich bin der Meinung, dass der „Block der Rechtem und Trotzkisten“ der Zersetzung geweiht war. Das nimmt natürlich dem Block nicht die Verantwortung für die verübten Verbrechen ab.

Vor uns lag keinerlei politische Zukunft. Die Ernüchterung hatte für viele noch nicht begonnen, weil sie erst begann, nachdem man uns verhaftet hatte. Bürger Richter, ich habe, ohne eine einzige Tatsache zu verbergen oder zu verheimlichen, alles erzählt, was ich verübt habe. Während der gerichtlichen Untersuchung, der Voruntersuchung und auch vor Gericht wurde ich (mir scheint, dass ich mich nicht irre, wenn ich sage) keines einzigen Widerspruches und auch nicht der Verheimlichung irgendeiner Tatsache überführt.

Ich bin der Meinung, dass das ein Beweis dafür ist, dass ich mich vor Ihnen voll und ganz entblößt habe, dass ich mich selbst voll und ganz entlarvt habe.

Ich wende mich an Sie mit einem Wort, dass sich niemals meinen Lippen entrungen hätte, wenn dies ein anderes Gericht wäre. Aber ich wende mich an Sie mit diesem Wort, weil ich in Ihrer Person das Sowjetgericht, das proletarische Gericht sehe. Das ist das Wort Gnade. Der Staatsanwalt hat mir gestern diese Aufgabe in gewissem Sinne erleichtert, insofern er in Bezug auf mich nicht die Anwendung des höchsten Strafmaßes fordert. Aber ich muss sagen, dass es in der Abstufung von Minimum und Maximum, die vom Bürger Staatsanwalt erwähnt wurde, eine gewisse Grenze gibt, die über die Grenze meines Alters hinausgeht. Ich will darauf nur deswegen hinweisen, damit Sie bei der Anwendung der entsprechenden Gesetzesartikel auf mich diesen Umstand berücksichtigen und Ihren Beschluss sozusagen im Einklang mit den physiologischen Grenzen des Angeklagten, der sich vor Ihnen befindet, erwägen.

Bürger Richter, seit jungen Jahren erfüllte ich ehrlich, treu und ergeben meine Pflicht als Soldat der Sache der Befreiung der Arbeit. Nach dieser hellen Zone trat die dunkle Zone meiner verbrecherischen Handlungen ein, des Vaterlandsverrates, die schwarze Serie der Verbrechen, die ich heute vor Ihnen kurz zusammengefasst habe. Ich habe alles gesagt, was ich wusste, ich habe alles erzählt, nichts verborgen, nichts verheimlicht, und tief und aufrichtig bereue ich und bitte, mir die Möglichkeit zu geben, und sei es auch nur mit der bescheidendsten Arbeit unter beliebigen Umständen, wenn auch nur einen winzigen Teil meiner Schuld wieder gut zu machen. Ich bin am Schluss.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN ROSENGOLZ

VORSITZENDER: Das letzte Wort hat der Angeklagte Rosengolz.

ROSENGOLZ: Nach der Charakteristik, die mir in der Anklage gegeben wurde, möchte ich in dem letzten Wort, in meiner letzten Rede an die Menschen mich selbst und auch die anderen an jene Seiten meines Lebens erinnern, die ich gute nennen kann und die von keiner Seite Verdächtigungen hervorrufen. Vor allem einige Worte über meine Biographie. Ich will umso mehr davon sprechen, als ich mich bisher jemals weder mit Erinnerungen noch Memoiren abgegeben habe.

In meinen frühesten Kindesjahren wurde ich von einer Berufs-Sozialdemokratin erzogen.

Meine frühesten Erinnerungen, das sind Haussuchungen der Gendarmen. Schon im Alter von 10 Jahren wurde meine Kinderhand dazu ausgenutzt, um nachts zu verstecken und morgens illegale Literatur von dort herauszuholen, wohin die Hand eines Erwachsenen nicht gelangen konnte.

Ich trat in die bolschewistische Partei ein, als ich erst 15-16 Jahre alt war. Meine erste Verhaftung erfolgte, als ich 16 Jahre alt war. Als ich 17 Jahre alt war, wurde ich von einer bolschewistischen Gruppe als Kandidat zum Vereinigungsparteitag unter dem Parteinamen „Stepan“, unter dem ich arbeitete, entsandt.

In den schweren Jahren der zaristischen Reaktion zog ich mich nicht von der Partei zurück. In der Periode des imperialistischen Krieges verteidigte ich aktiv die bolschewistischen defätistischen Positionen. Ich führte insbesondere in Moskau den Widerstand gegen Tschchïdse durch, ich war einer der Organisatoren und der Vorsitzende der Versammlung von Arbeitervertretern in Moskau, die 1915 stattfand. Während des Straßenbahnerstreiks besetzten wir den Saal der Stadtduma in Durchführung von Maßnahmen zur Unterstützung dieses Straßenbahnerstreiks.

Glauben Sie nicht, dass ich mich mit Prahlerei befasse, aber immerhin möchte ich mich an das erinnern, was in meinem Leben gut war, unbedingt gut.

In der Oktoberrevolution führte ich den ersten Truppenteil - das Radfahrerbataillon zum Moskauer Sowjet. Mir scheint, dass ich auch mit meiner aktiven Rolle als Mitglied des Revolutionskomitees mehr oder weniger zufrieden sein kann. In der Periode des Bürgerkrieges kommandierte mich das Zentralkomitee der Partei von einer Armee zur anderen, an die schwersten Abschnitte. Das Vertrauen des Zentralkomitees zu mir fand damals seinen Ausdruck zumindest darin, dass mir ein Mandat von Lenin und Swerdlow ausgehändigt wurde, demzufolge mir als einzelner Person das Recht gegeben wurde, Ausschlüsse ans der Partei vorzunehmen. Das war ist Jahre 1918. Ich kann sagen, dass ich das Vertrauen, das mir mit diesem Mandat erwiesen wurde, damals nicht verletzte. Ich wurde unmittelbar von Wladimir Iljitsch in eine Reihe von Armeen entsandt - in die VII., in die XIII., an die Lenin grader Front, an die Südfront. Mit Wärme erinnere ich mich an das Verhalten, das mir Wladimir Iljitsch bei meinem Eintreffen von der Front in Moskau stets entgegenbrachte. Ich erinnere mich an die gewaltige Unterstützung, die mir Stalin im Bürgerkrieg stets erwies. Ich erinnere mich z. B. daran, dass Stalin in der Periode des Kampfes der XIII. Armee vor Tula aus eigenem Antrieb darauf bestand, dass Pjatakow aus der Armee entfernt werde, damit ich Leiter der Armee an diesem wichtigsten Abschnitt würde. Ich erinnere mich daran, dass Stalin, als er bei Lenin grad in der VII. Armee einen Monat vor dem Angriff Judenitschs im Auftrage Wladimir Iljitschs ankam, mich gegen die Kampagne verteidigte, die in einer Reihe von strategischen Streitfragen gegen mich geführt wurde, und dass er dabei blieb (ich halte es für notwendig, das festzustellen, weil das auch eine gewisse historische Bedeutung hat, diese Tatsache ist wenig bekannt), - Stalin blieb dabei und führte die Kommandierung und Absendung bedeutender Truppenteile vor Lenin grad durch, die gerade vor dem Angriff Judenitschs eintrafen. Wenn Stalin das damals nicht mit Unterstützung Wladimir Iljitschs durchgeführt hätte, hätte der Angriff Judenitschs ein völlig anderes Bild angetroffen.

Wenn ich mich an diese einzelnen Episoden des Bürgerkrieges erinnere, wenn ich mich mit Befriedigung an meine Arbeit in der Armee erinnere, so führe ich dies nicht zur Milderung des Urteils an. Ich will den Grund erklären. Ein einfacher menschlicher Grund: Nach dem, was ich durchgemacht habe, nach dem Gefühl der Schande, das ich auf diesem Prozess erlebte, nach den verübten ungeheuerlichen Verbrechen habe ich keinen Antrieb und keinen Wunsch, um Milderung zu bitten.

Ich sage das nicht, um eine schöne Phrase zu machen. Das bedeutet nicht, dass ich nicht mit Schmerz von der herrlichen Sowjeterde scheide. Wir haben jetzt herrliche neue Ansätze, eine neue Generation, erzogen von der bolschewistischen Partei. Wir haben in der Sowjetunion einen solchen Aufschwung, wie nirgends in der Welt. Der Schmerz des Scheidens wird dadurch vertieft, dass wir bereits vollkommen reale Ergebnisse des sozialistischen Aufbaus haben. Zum ersten Mal haben wir ein Leben, ein kraftvolles Leben, voll Freude und Farbenpracht. Millionen, Dutzende Millionen Menschen, Kinder und Bürger der Sowjetunion, darunter auch meine Kinder, singen das Lied - „Schön bist du, mein geliebtes Land, denn es gibt kein anderes Land auf Erden, wo das Herz so frei dein Menschen schlägt“. Und diese Worte wiederhole ich, der Gefangene, ich wiederhole diese Worte - denn es gibt kein anderes Land auf Erden, wo es einen solchen Arbeitsenthusiasmus gibt, wo solch fröhliches, freudiges Lachen erklingt, wo so frei gesungen und getanzt wird, wo es eine solche herrliche Liebe gibt, und ich sage: „Leb wohl, mein geliebtes Land!“ Ich möchte, dass man mir glaubt. Ich brauche nichts, weder vom Gericht, noch von den Menschen, ich will und kann nicht ein einziges Wort der Unwahrheit sagen, wenn ich mich das letzte Mal an die Menschen wende.

Niemand in der Welt hat den Menschen so viel Kummer und Unglück gebracht wie Trotzki. Das ist der schmutzigste Agent des Faschismus. Der Staatsanwalt hat Recht, Rakowski hat Recht, wenn sie sagen, dass hier auf der Anklagebank in erster Reihe Trotzki fehlt.

Der Trotzkismus - das ist keine politische Strömung, sondern eine prinzipienlose, schmutzige Bande von Mördern, Spionen, Provokateuren und Giftmischern, das ist eine schmutzige Bande von Helfershelfern des Kapitalismus. Diese Funktion erfüllt der Trotzkismus überall, In allen Ländern, darunter auch in der Sowjetunion.

Lehre und Schlussfolgerung aus diesem Prozess für die Millionenmassen der Sowjetunion bestehen in erster Reihe in der unbedingten Reinheit der Generallinie der bolschewistischen Partei. Wehe dem, der auch nur im Geringsten von der Generallinie der bolschewistischen Partei abweicht. Ich möchte, dass Sie mir glauben, dass Sie an die Aufrichtigkeit der jetzt von mir ausgesprochenen Worte glauben.

Ich sage: Es lebe, blühe und erstarke die große, mächtige, herrliche Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, die von einem Siege zum andern schreitet, über der die herrliche Sonne des Sozialismus scheint.

Es lebe die bolschewistische Partei mit den besten Traditionen des Enthusiasmus, des Heldentums, der Selbstaufopferung, wie es sie nur unter der Führung Stalins in der Welt gehen kann. In dem unvermeidlichen Zusammenstoß der zwei Welten wird der Kommunismus siegen. Es lebe der Kommunismus in der ganzen Welt!

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird bis sechs Uhr abends unterbrochen.

 

(Unterschrift)

Der Vorsitzende:
Vorsitzender des Militärkollegiums des
Obersten Gerichtshofes der UdSSR
Armee-Militärjurist W. Ulrich

Der Sekretär:
Militärjurist I. Ranges A. Batner

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