PROZESSBERICHT ÜBER DIE STRAFSACHE DES ANTISOWJETISCHEN
„BLOCKS DER RECHTEN UND TROTZKISTEN"

ABENDSITZUNG VOM 12. MÄRZ 1938

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN BUCHARIN

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, bitte sich von den Plätzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen.

Angeklagter Bucharin, es wird Ihnen das letzte Wort erteilt.

BUCHARIN: Bürger Vorsitzender und Bürger Richter, ich bin mit dem Bürger Staatsanwalt vollständig einverstanden bezüglich der Bedeutung des Prozesses, auf dem unsere ruchlosen Verbrechen aufgedeckt wurden, die der „Block der Rechten und Trotzkisten“ verübte, einer dessen Führer ich war und für dessen ganze Tätigkeit ich die Verantwortung trage.

Dieser Prozess, der in der Serie der anderen Prozesse den Abschluss bildet, deckt alle Verbrechen, deckt die verräterische Tätigkeit auf, den historischen Sinn und die Wurzel unseres Kampfes gegen die Partei und die Sowjetregierung.

Ich sitze schon mehr als ein Jahr im Gefängnis und weiß deswegen nicht, was in der Welt vorgeht, aber aus den zufälligen Bruchstücken der Wirklichkeit, die manchmal bis zu mir gelangen, sehe, fühle und verstehe ich, dass die Interessen, die wir so verbrecherisch verraten haben, in eine neue Phase ihrer gigantischen Entwicklung eintreten, jetzt bereits in die internationale Arena hinaustreten, als größter Machtfaktor der internationalen proletarischen Phase.

Wir Angeklagten sitzen auf der anderen Seite der Barriere, und diese Barriere trennt uns von Ihnen, Bürger Richter. Wir fanden uns in den verfluchten Reihen der Konterrevolution, wir waren Verräter an der sozialistischen Heimat geworden.

Gleich zu Anfang des Prozesses antwortete ich bejahend auf die Frage des Bürgers Vorsitzenden, ob ich mich schuldig bekenne.

Auf die mir vom Bürger Vorsitzenden gestellte Frage, ob ich die von mir gemachten Aussagen bestätige, antwortete ich, dass ich sie voll und ganz bestätige.

Als ich am Ende der Voruntersuchung zum Verhör zum Staatlichen Ankläger gerufen wurde, der das gesamte Material der Untersuchung kontrollierte, da resümierte er diese Gesamtheit auf folgende Weise (Band 5, Seite 114, vom 1.12. 1937):

„Frage: Waren Sie Mitglied des Zentrums der konterrevolutionären Organisation der Rechten? Ich antwortete: Ja, ich gebe das zu.

Zweite Frage: Gestehen Sie, dass das Zentrum der sowjetfeindlichen Organisation, dessen Mitglied Sie sind, eine konterrevolutionäre Tätigkeit betrieb und sich den gewaltsamen Sturz der Parteiführung und der Regierung zum Ziel gesetzt hat? Ich antwortete: Ja, ich gestehe das.

Dritte Frage: Gestehen Sie, dass dieses Zentrum eine terroristische Tätigkeit betrieb, Kulakenaufstände organisiert und weißgardistische Kulakenaufstände gegen die Mitglieder des Politbüros, gegen die Führung der Partei und der Sowjetmacht vorbereitet hat? Ich antwortete: Das ist richtig.

Vierte Frage: Bekennen Sie sich der verräterischen Tätigkeit schuldig, die sich in der Vorbereitung einer Verschwörung mit dem Ziele eines Staatsumsturzes ausdrückte? Ich antwortete: Auch das ist wahr.“

Vor Gericht bekannte ich mich und bekenne ich mich der Verbrechen schuldig, die ich begangen habe und die mir vom Bürger Staatlichen Ankläger am Ende der gerichtlichen Untersuchung und auf Grund des dem Staatsanwalt vorliegenden Untersuchungsmaterials zur Last gelegt wurden. Vor Gericht erklärte ich auch und unterstreiche und wiederhole es jetzt, dass ich mich politisch für die ganze Gesamtheit der vom „Block der Rechten und Trotzkisten“ verübten Verbrechen schuldig bekenne. Ich unterliege dem strengsten Strafmaß, und ich bin mit dem Bürger Staatsanwalt einverstanden, der einige Male wiederholte, dass ich an der Schwelle meiner Todesstunde stehe.

Nichtsdestoweniger halte ich mich für berechtigt, einige Anklagen zu bestreiten, die auftauchten: a) In der gedruckten Anklageschrift, b) während der Untersuchung vor Gericht, c) in der Anklagerede des Bürgers Staatsanwalt der UdSSR.

Ich halte es für notwendig, daran zu erinnern, dass während meines Verhörs durch den Bürger Staatlichen Ankläger letzterer in äußerst kategorischer Form erklärt hat, dass ich als Angeklagter nicht mehr auf mich nehmen soll als ich auf mich genommen habe, dass ich nicht Tatsachen ausdenken soll, die nicht stattgefunden haben, und dass er die Eintragung dieser seiner Erklärung ins Protokoll verlangt hat.

Ich wiederhole noch einmal, ich bekenne mich schuldig des Verrates an der sozialistischen Heimat, des schwersten Verbrechens, das überhaupt möglich ist, der Organisierung von Kulakenaufständen, der Vorbereitung terroristischer Akte, der Zugehörigkeit zu einer illegalen sowjetfeindlichen Organisation. Weiter bekenne ich mich der Vorbereitung zu einer Verschwörung, zu der „Palastrevolution“ schuldig. Daraus ergibt sich übrigens auch die Unrichtigkeit aller jener Stellen der Anklagerede des Bürgers Staatlichen Anklägers, wo er die Sache so darstellt, dass ich die Pose eines reinen Theoretikers, die Pose eines Philosophen usw. annahm. Das sind Sachen, die von Grund aus praktisch sind. Ich sagte es und wiederhole es jetzt, dass ich ein Führer und nicht ein Weichensteller der konterrevolutionären Sache war. Daraus ergibt sich, wie jedermann versteht, dass ich viele konkrete Dinge auch nicht wissen konnte, dass ich sie auch wirklich nicht wusste, aber das enthebt mich nicht der Verantwortung.

Ich bekenne mich sowohl in politischer wie in juristischer Hinsicht für die defätistische Orientierung verantwortlich, denn sie herrschte im „Block der Rechten und Trotzkisten“, obwohl ich betone:

a) persönlich stand ich nicht auf dieser Position,

b) die Phrase über die Öffnung der Front stammte nicht von mir, sondern war das Echo meines Gesprächs mit Tomski,

c) wenn Rykow zum ersten Mal diese Phrase von mir gehört hat, so war diese, ich wiederhole es, ein Echo des Gesprächs mit Tomski.

Aber ich betrachte mich als verantwortlich für das größte und ungeheuerlichste Verbrechen an der sozialistischen Heimat und am ganzen internationalen Proletariat. Ich betrachte mich ferner sowohl politisch als auch juristisch für die Schädlingstätigkeit verantwortlich, obwohl ich persönlich mich nicht erinnern kann, dass ich Direktiven über Schädlingstätigkeit gegeben hätte. Nicht davon sprach ich. Ich habe positiv über dieses Thema einmal mit Grinko gesprochen. Ich sprach schon in meinen Aussagen davon, dass ich seinerzeit Radek erklärt habe, dass ich dieses Kampfmittel für wenig zweckmäßig halte. Indessen stellt mich der Bürger Staatlicher Ankläger in der Rolle eines Leiters der Schädlingstätigkeit dar.

Der Bürger Staatsanwalt hat in seiner Anklagerede auseinandergesetzt, dass die Mitglieder einer Räuberbande an verschiedenen Stellen rauben können und doch einer für den anderen verantwortlich ist. Das letztere ist gerecht, aber die Mitglieder einer Räuberbande müssen einander kennen, um eine Bande zu sein und miteinander in mehr oder minder enger Verbindung zu stehen. Aber ich sah zum ersten Mal in der Anklageschrift den Namen Scharangowitsch, und ihn selbst sah ich zum ersten Mal vor Gericht. Zum ersten Mal erfuhr ich von der Existenz Maximows. Niemals war ich mit Pletnjow bekannt, niemals war ich mit Kasakow bekannt, niemals sprach ich mit Rakowski über konterrevolutionäre Angelegenheiten, niemals sprach ich über diesen Gegenstand mit Rosengolz, niemals sprach ich darüber mit Selenski, niemals im Leben sprach ich mit Bulanow usw. Übrigens hat auch der Staatsanwalt mich nicht mit einem Worte über diese Personen befragt.

Der „Block der Rechten und Trotzkisten“ ist vor allem ein Block Rechter und Trotzkisten. Wie kann dazu überhaupt Lewin gehören, der hier vor Gericht ausgesagt hat, dass er auch jetzt noch nicht weiß, was Menschewiki sind? Wie, können dazu Pletnjow, Kasakow und andere gehören?

Folglich sind die auf der Anklagebank Sitzenden nicht irgendeine Gruppe, sie sind auf verschiedenen Linien Mitbeteiligte der Verschwörung, aber nicht eine Gruppe im strengen juristischen Sinne dieses Wortes. Alle Angeklagten waren so oder anders mit dem „Block der Rechtest und Trotzkisten“ verbunden, einige auch mit Spionagediensten, und weiter nichts. Aber das gibt keinerlei Grund den Schluss zu ziehen, dass diese Gruppe den „Block der Rechten und Trotzkisten“ darstellt.

Zweitens: der „Block der Rechten und Trotzkisten“, der wirklich bestand und von den Organen des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten zertrümmert wurde, hat sich historisch herausgebildet. Er war wirklich eine Realität, solange ihn die Organe des Volkskommissariate für Innere Angelegenheiten nicht zertrümmerten. Er entstand historisch. Ich hatte ausgesagt, dass ich erst im Jahre 1928, während des VI. Kongresses der Komintern, die ich damals leitete, zum ersten Mal mit Kamenew gesprochen habe.

Wie kann man behaupten, dass der Block im Auftrage des faschistischen Spionagedienstes organisiert wurde? Und das eben im Jahre 1928! Übrigens wurde ich damals beinahe von einem Agenten der polnischen Defensive getötet, was allen, die der Parteiführung nahe standen, ausgezeichnet bekannt ist.

Drittens bestreite ich kategorisch, dass ich mit ausländischen Spionagediensten verbunden war, dass sie meine Herren waren, und dass ich handelte, indem ich ihren Willen ausführte. Der Bürger Staatsanwalt versichert, dass ich ebenso wie Rykow einer der bedeutendsten Organisatoren der Spionage war. Was für Beweise gibt es dafür? Die Aussagen Scharangowitschs, von dessen Existenz ich bis zur Anklageschrift nichts gehört habe.

Mir wird ein Kontext von Scharangowitsch vorgehalten, aus welchem hervorgeht, dass ich sogar den Plan der Schädlingsarbeit ausgearbeitet haben soll.

SCHARANGOWITSCH: Hören Sie auf zu lügen, wenigstens einmal im Leben. Sie lügen auch jetzt noch vor Gericht.

VORSITZENDER: Angeklagter Scharangowitsch, stören Sie nicht.

SCHARANGOWITSCH: Ich konnte es nicht aushalten.

BUCHARIN: Iwanow. Über seine Aussagen muss ich überhaupt Folgendes sagen. Die entsprechenden Personen, die in der Vergangenheit mit der Ochrana verbunden waren, sagen aus, dass sie aus Furcht vor einer Entlarvung beschlossen haben, den Kampf gegen die Sowjetmacht zu führen, und deswegen zu den Rechten gingen, zur illegalen Organisation, die sich auf den Terror orientierte. Aber wo ist da die Logik? Eine ausgezeichnete Logik, aus Furcht vor einer möglichen Entlarvung in eine terroristische Organisation zu gehen, wo man morgen schon erwischt werden kann. Man kann sich das schwer vorstellen. Ich wenigstens kann mir das nicht vorstellen. Aber der Bürger Staatsanwalt hat ihnen geglaubt, obwohl all dies offenbar nicht überzeugend klingt.

Chodshajew behauptet, dass ich ihm geraten habe, mit dem englischen Residenten in Verbindung zu treten, und Ikramow sagt, dass ich ihm erklärt hätte, Turkestan stelle einen Leckerbissen für England dar. In Wirklichkeit war die Sache durchaus nicht so. Chodshajew sagte ich, dass man die Widersprüche zwischen den imperialistischen Mächten ausnützen muss und ich unterstützte andeutungsweise den Gedanken der Unabhängigkeit Turkestans. Über irgendwelche Residenten fiel kein einziges Wort. Der Bürger Staatlicher Ankläger fragte - aber haben Sie Chodshajew gesehen? Ich habe ihn gesehen. War das in Taschkent? Das war in Taschkent. Sprachen Sie mit ihm von Politik? Von Politik. Also haben Sie mit ihm vom Residenten gesprochen. Solche Schlussfolgerungen figurierten nicht nur einmal, aber wenn ich gegen solche Schlussfolgerungen protestierte, dann beschuldigte mich der Bürger Staatsanwalt, dass ich die Unwahrheit sage, Finten mache, die Wahrheit zu verheimlichen wünsche usw., und er wurde dabei von einer ganzen Reihe meiner Mitangeklagten unterstützt. Aber mir scheint, dass in diesem Fall die wirkliche Logik vollkommen auf meiner Seite ist. Auf Grundlage dieses Materials erklärt der Bürger Staatlicher Ankläger - alle Spionageverbindungen gingen über Rykow und Bucharin. Und dabei sagte der Bürger Staatsanwalt, dass hier jedes Wort wichtig sei. In der Rede des Bürgers Staatsanwalt gab es Hinweise auf zwei japanische Zeitungen, aber wo geht aus diesen Mitteilungen hervor, dass gerade von mir und den Rechten die Rede ist?

Ich bekenne mich jedoch schuldig des ruchlosen Planes der Zerstückelung der UdSSR, denn Trotzki schloss Vereinbarungen über territoriale Abtretungen, und ich stand mit den Trotzkisten im Block. Das ist Tatsache, und das gestehe ich.

Ich bestreite kategorisch die Beteiligung an der Ermordung Kirows, Menshinskis, Kuibyschews, Gorkis und Maxim Peschkows. Kirow wurde nach den Aussagen Jagodas auf Grund eines Beschlusses des „Blocks der Rechten und Trotzkisten“ ermordet. Ich habe das nicht gewusst. Aber hier kommt dem Bürger Staatsanwalt das zu Hilfe, was den faktischen Inhalt bildet und was er Logik nennt. Er fragt, oh Bucharin und Rykow mit diesem Mord nichts zu tun haben konnten, und er antwortet, dass es nichtmöglich war, dass sie damit nichts zu tun hatten, weil sie davon gewusst haben. Aber mit einer Suche zu tun haben und von ihr wissen - das ist ein und dasselbe. Das ist das, was man in der elementaren Logik eine Tautologie nennt, d. h. das für bewiesen annehmen, was man beweisen muss. Wie ist es aber wirklich zu erklären? Man kann fragen - aber gestatten Sie, wie erklären Sie Übeltäter denn diese Tatsachen hier, können Sie bestreiten, dass es irgendeinen Beschluss irgendeines Teiles mit Wissen Jenukidses und Jagodas gab oder bestreiten Sie auch das? Ich kann das nicht bestreiten, Bürger Richter. Aber wenn ich es nicht bestreiten kann und es gleichzeitig auch nicht behaupten kann, dann kann ich eine gewisse Annahme machen. Sie müssen doch den konspirativen Charakter der Arbeit im Auge haben. Das Zentrum hatte keine Sitzungen, man sprach von Fall zu Fall, und bei solchen konspirativen Methoden des Verkehrs und der Verbindungen miteinander war eine solche Sache durchaus möglich.

Maxim Peschkow. Jagoda selbst erklärt, dass dies ein Mord ist, der ihn persönlich angeht. Ich habe keinerlei Recht, in dieses Gebiet einzubrechen. Aber dies ist eine Erklärung Jagodas, unterstützt durch eine solche fundamentale Tatsache wie seine Bitte, diese Frage in die geschlossene Sitzung des Gerichtes zu übertragen, das heißt durch eine genügend wägbare Größe. Krjutschkow aber sagt, dass dies deswegen getan wurde, um den lebensfrohen Tonus Maxim Gorkis zu schwächen. Und sogar, wenn ich nicht irre, stellte sich auch einer der Bürger Verteidiger auf diesen Standpunkt. Das ist grob eingefädelt. Gegen eine solche Argumentation steht eine Tatsache von solchem kolossalen Gewicht wie die persönliche Erklärung Jagodas, die durch die Tatsache der Übertragung dieses Punktes in die geschlossene Verhandlung bekräftigt wird.

Menshinski. Bulanow hat genau ebenso über persönliche Motive ausgesagt. Menshinski war schon krank, er konnte dem „Block der Rechten und Trotzkisten“ in keiner Weise mehr schaden.

Wie kann dies denn als wahrscheinlich gelten?

Ich verweile bei den Aussagen Bulanows.

Der schwerste und schrecklichste Fall, das ist der Tod Alexej Maximowitschs. Was habe ich ausgesagt, wie und unter welchen Umständen habe ich ausgesagt? Man fragte mich (offensichtlich hatte man schon gewisses Untersuchungsmaterial über diese Sache), ob ich mich nicht an etwas erinnere, was auf die feindliche Einstellung des rechten und trotzkistischen Teiles des Blocks zu Gorki Licht werfen würde. Ich erinnerte mich an das Gespräch mit Tomski, von dem ich hier bei Gericht berichtet habe und über das mich der Staatsanwalt befragte. Dieses Gespräch bestand darin, dass Tomski mir flüchtig sagte, dass die Trotzkisten gegen den Stalinisten Gorki feindliche Akte vorbereiten. Ich dachte damals im Augenblick durchaus nicht, dass die Rede von irgendeinem Terrorakt sein könne. Ich ließ dies unbeachtet. Beim Verhör erinnerte ich mich an das Gespräch mit Tomski. Auf die beharrlichen Fragen des Bürgers Staatsanwalt antwortete ich die ganze Zeit, dass es damals in meinem Bewusstsein keinen Gedanken an irgendeinen Terrorakt gegeben hat. Aber hier vor Gericht sagte ich auf eine der Fragen des Bürgers Staatsanwalt: „Ich sehe jetzt, dass gerade davon die Rede war.“ Da macht der Bürger Staatsanwalt daraus das Folgende - er sagt: „Aber was ist das anderes, als ein verschleiertes Geständnis?“ Worin besteht denn dieses verschleierte Geständnis? Worin besteht denn dieses Geständnis? Darin, dass ich bei Gericht von einer ganzen Reihe neuer Tatsachen erfuhr, die mir nicht bekannt gewesen waren, und dass ich deswegen retrospektiv auf dieses Gespräch zurückblicken kann, das ich mit Tomski in einer ganz anderen Perspektive hatte? Ich bin der Meinung, dass hier die Argumentation des Bürgers Staatlichen Anklägers nicht als ausreichend betrachtet werden kann.

Das Jahr 1918. Der Bürger Staatsanwalt hat erklärt, dass ich 1924 genötigt war, ein Geständnis über ein gewisses Gespräch im Smolny zu machen. Ich wurde nicht genötigt. Auf mich wurde absolut keinerlei Druck ausgeübt. Niemand außer mir ließ darüber auch nur ein Wort fallen, und ich veröffentlichte dieses Beispiel deswegen, um damals, in den Jahren 1923-1924, die ganze Schädlichkeit des Fraktionskampfes und wozu er führt zu zeigen. So dass ich vor allem dieses Missverständnis beseitigen möchte. Der Bürger Staatliche Ankläger sagte, dass Bucharin nichts gegen die Aussagen der fünf Zeugen angeführt habe, die hier vor allen, vor den Bürgern Richtern in dieser Sache, vorübergezogen sind und behaupteten, dass ich die Absicht, den Gedanken, die Idee gehabt und beharrlich gepredigt hätte, Lenin zu verhaften und physisch zu vernichten, wobei zu Lenin noch die Gestalten der zwei anderen hervorragenden Führer der Partei, Stalin und Swerdlow, hinzukamen. Aber es ist unrichtig, dass ich keinerlei Argumentation vorgebracht habe. Der Bürger Staatsanwalt kann sie als unrichtig, schwach, nicht überzeugend betrachten, aber man kann nicht sagen, dass ich nichts vorgebracht habe. Ich habe eine ganze Reihe von Erwägungen vorgebracht.

Die Hauptzeugin war Warwara Nikolajewna Jakowlewa. Warwara Nikolajewna Jakowlewa verlegt diesen ganzen Vorfall, die Vorbereitung der Verschwörung gemeinsam mit den „linken“ Sozialrevolutionären gegen Lenin , Stalin und Swerdlow, die Vorbereitung ihrer Verhaftung und angenommenen Tötung usw. - all das verlegt sie in Ihren Aussagen, dann bei der Konfrontierung, dann bei der gerichtlichen Untersuchung in die Periode vor dem Brester Frieden. Ich habe sowohl bei der Konfrontierung und Voruntersuchung als auch vor Gericht gesagt, dass dies unrichtig ist. Es ist unrichtig, dass die „linken Kommunisten“ und Trotzkisten vor dem Brester Frieden einen Staatsstreich mit gewaltsamen Mitteln ausführen wollten, unrichtig deswegen, weil die Trotzkisten und die so genannten „Linken“ die Mehrheit im Zentralkomitee bildeten, und wenn die Trotzkisten im entscheidenden Moment der Abstimmung über die Frage des Brester Friedens nicht kapituliert hätten, so hätten die Trotzkisten und „Linken“ damals die Mehrheit im Zentralkomitee gehabt. Wie kann man also annehmen, dass sie in einer solchen Situation kapitulierten, um zu den Methoden der Verschwörung ihre Zuflucht zu nehmen. Jeder, der jene Zeit miterlebt hat, weiß ausgezeichnet, dass die „Linken Kommunisten“ vor dem Brester Frieden in solcher Stimmung waren, dass sie darauf hofften, auf dem nächsten Parteitag die Parteimehrheit zu erobern. Wie konnte also unter solchen Umständen die Rede davon sein, wovon jetzt die Zeugin Warwara Nikolajewna Jakowlewa spricht. Aber ich habe ein anderes Beispiel angeführt. Warwara Nikolajewna Jakowlewa hat behauptet, dass die Sache darin bestand, dass bei uns das Fraktionszentrum der „linken Kommunisten“ das Moskauer Gebietsbüro war. Da habe ich mir erlaubt, einige Namen, einige geachtete Parteimitglieder zu nennen. Ich wollte damit bloß das Argument von Warwara Nikolajewna Jakowlewa kompromittieren. Es ist bekannt, dass eine ganze Reihe hervorragender Männer - Kuibyschew, J. Jaroslawski, Menshinski und andere - damals Anhänger der „linken Kommunisten“ waren, zu dieser meiner „linken“ Gruppe gehörten. Sie, diese Leute, standen durch ihr spezifisches Gewicht bedeutend höher als die Manzew, Stukow und alle möglichen anderen, und sie waren ihrem politischen Temperament nach und Ihrer politischen Aktivität tätiger als die erwähnten Personen. Deswegen schloss in Wirklichkeit die zentrale Gruppe in Lenin grad in der Frage des Brester Friedens die erwähnten Personen ein. Ich frage Sie also: wie wäre ein Aufstandsplan möglich gewesen, wenn diese Leute den wichtigsten Platz in der zentralen Gruppe einnahmen. Das ist undenkbar, das ist unmöglich. Und die Hauptzeugin gegen mich, Warwara Nikolajewna Jakowlewa, bringt hier vollständig die Sache mit der anderen Periode nach dem Brester Frieden, mit der Moskauer Periode, durcheinander.

Ich entschuldige mich sehr, Bürger Richter, dass ich Ihre Aufmerksamkeit bei dieser Sache aufhalte, aber da dies ein außerordentlich schweres Moment und von außerordentlichem Interesse ist, und ihm vom Gericht eine so große Aufmerksamkeit gewidmet wurde, so habe ich mir erlaubt, über diesen Punkt zu wiederholen, was ich schon gesagt habe. Der Bürger Staatlicher Ankläger aber hat behauptet, dass ich diesbezüglich nichts zu meiner Rechtfertigung vorgebracht habe.

Ich werde bei den anderen Sachen nicht verweilen, weil ich Ihre Zeit nicht in Anspruch nehmen will. Ich gebe die Tatsache zu, dass ich mit Karelin und Kamkow ein Gespräch hatte, wobei die Initiative in Bezug auf die Verhaftung Lenin s auf 24 Stunden und das Fortbestehen des Blocks mit den „linken“ Sozialrevolutionären von den „linken“ Sozialrevolutionären ausging. Aber beim ersten Gespräch war die Antwort darauf eine grob ablehnende, und was das anbelangt, dass in der Folgezeit Verhandlungen mit den „linken“ Sozialrevolutionären durch Vermittlung Pjatakows geführt wurden, was man, wie wohl der Bürger Staatsanwalt formulierte, als einen Versuch zum gewaltsamen Sturz der Sowjetmacht ansehen kann - so gestehe ich: einen solchen Moment gab es. Die Absicht der physischen Vernichtung bestreite ich kategorisch, und hier hilft keineswegs jene Logik, von der der Bürger Staatlicher Ankläger gesprochen hat, dass gewaltsame Verhaftung physische Vernichtung heißt.

Die Konstituierende Versammlung wurde verhaftet, indessen hat dabei niemand physisch gelitten. Die Fraktion der „linken“ Sozialrevolutionäre wurde verhaftet, indessen hat dabei nicht ein Mensch physisch gelitten. Dsershinski wurde von den „linken“ Sozialrevolutionären verhaftet, hat aber nicht physisch gelitten. Und ich sage, - und dies wurde in der Rede des Staatlichen Anklägers ausgelassen - dass in diesen verbrecherischen und ruchlosen Gesprächen speziell davon gesprochen wurde, dass um keinen Preis auch nur ein Haar auf dem Haupte der bezeichneten Personen gekrümmt werden dürfe. Dies mag scheinen, wie es einem beliebt, aber gerade so verhielt es sich in Wirklichkeit.

Das ist eine Episode nach dem Brester... sie nahm überhaupt zeitlich einen ungewöhnlich kleinen Platz ein, da bald darauf die „linken“ Sozialrevolutionäre ihre Aktionen unternahmen. Wir mussten die Fraktion der „linken“ Sozialrevolutionäre verhaften, und ich nahm selbst an dieser Operation teil, ich nahm selbst an der Leitung der Verhaftung der „linken“ Sozialrevolutionäre teil. Danach hatten wir überhaupt nichts mehr mit den „linken“ Sozialrevolutionären zu tun. Ich fuhr nach dem Ausland, dann kam ich von dort zurück, nachher, ich wiederhole es, wurde ich durch eine Bombe der „linken“ Sozialrevolutionäre verwundet: Ich bestreite nicht, dass diese nicht persönlich gegen mich gerichtet war, wie der Zeuge Manzew aussagte, aber ich will sagen, dass allen bekannt war, dass ich im Hause des Moskauer Komitees ein Referat halten sollte. Damals wurde auch das Attentat verübt, wobei ich leicht verwundet wurde. Eine ganze Reihe damaliger Parteifunktionäre wurde getötet. Dieses Attentat wurde bekanntlich vom Block der „linken“ Sozialrevolutionäre mit Tscherepanow und seiner Frau Tamara an der Spitze und von den so genannten illegalen Anarchisten ausgeführt.

Ich habe Manzew deswegen genannt, weil der „linke Kommunist“ Manzew den Tscherepanow verhaftete, da er nicht ein Bundesgenosse dieses Tscherepanow war. Die Behauptung, dass Bela Kun die „linken“ Sozialrevolutionäre anspornte, ist unrichtig.

Ich will sagen, dass es einen Augenblick lang eine verbrecherische Verschwörung der „linken Kommunisten“ mit den „linken“ Sozialrevolutionären gegeben hat, die nach der Aktion, an deren Unterdrückung eine ganze Reihe „linker Kommunisten“ aktiven Anteil nahmen, rasch in die Brüche ging.

Zur Bekräftigung seiner Rede hat der Staatliche Ankläger eine ganze Reihe von Momenten angeführt, die für diesen Abschnitt, für den schwarzen Abschnitt meines Lebens, die Basis bilden sollen.

Hier gibt es einige Fehler. Erstens war ich niemals ein Otsowist, wie dies der Staatliche Ankläger gesagt hat.

Der Staatliche Ankläger rechnet es mir als Schuld an, dass ich als Redakteur zusammen mit Trotzki an der Zeitschrift „Nowij Mir“ arbeitete, dass ich einen Block mit Trotzki hatte. Ich wende mich dagegen.

Der Staatliche Ankläger beschuldigt mich, dass ich 1924 gegen Stalin war. An einen solchen Fall erinnere ich mich nicht. Ich beende meine Einwendungen gegen einzelne Anklagen, die der Staatliche Ankläger während der Gerichtsverhandlung gegen mich erhoben hat und kehre zu den von mir wirklich begangenen Verbrechen zurück. Ich habe sie schon zweimal aufgezählt. Die Schwere dieser Verbrechen ist riesengroß. Mir scheint, dass es nicht angebracht ist, hier noch zu wiederholen, es ist auch ohnedies klar, wie groß diese Verbrechen sind.

Ich wollte nur sagen, dass der trotzkistische Teil oft separat Aktionen durchgeführt hat, und es ist möglich, dass einzelne Teile des Blocks in der Art von Jagoda ebenfalls einzeln Aktionen durchgeführt haben, weil Jagoda nach den Aussagen Bulanows Rykow und mich als seine Sekretäre ansah und mich hier einen Schwätzer genannt hat, der idiotische Massenaufstände organisierte, während es sich um einen Staatsstreich handelt. Aber ich bin mit dem „Block der Rechten und Trotzkisten“ verbunden, und es ist ganz natürlich, dass ich politisch für alles ohne Ausnahme die Verantwortung trage.

Der äußerst schwere Charakter des Verbrechens ist offensichtlich, die politische Verantwortung ist grenzenlos, die juristische Verantwortung ist eine solche, dass sie jedes, selbst das härteste Urteil rechtfertigt. Das härteste Urteil wird gerecht sein, weil man für solche Dinge zehnmal erschießen kann. Dies gestehe ich ganz kategorisch und ohne alle Zweifel.

Ich möchte kurz die Tatsachen meiner verbrecherischen Tätigkeit und meine Reue über meine Verbrechen darlegen.

Ich habe schon beim Beginn der Hauptaussagen in der gerichtlichen Untersuchung darauf hingewiesen, dass uns, die konterrevolutionären Verschwörer, nicht die nackte Logik des Kampfes in diese übel riechende Illegalität gestoßen hat, die während dieses Prozesses in ihrer Nacktheit aufgedeckt wurde. Diese nackte Logik des Kampfes war von einer Entartung der Ideen, einer Entartung der Psychologie, einer Entartung unserer selbst, einer Entartung der Menschen begleitet. Historische Beispiele solcher Entartungen sind bekannt. Es genügt, die Namen Briand, Mussolini usw. zu erwähnen. Bei uns gab es eine Entartung, die uns in ein Lager führte, das nach seinen Positionen, nach seiner Eigenart einem kulakischen Prätorianerfaschismus sehr nahe stand. Da dieser Prozess bei uns die ganze Zeit unter den Verhältnissen des sich entwickelnden Klassenkampfes sehr schnell vor sich ging, so war eben dieser Kampf, seine Geschwindigkeit, sein Vorhandensein jener Beschleuniger, jener Katalysator des Prozesses, der seinen Ausdruck in der Beschleunigung des Entartungsprozesses gefunden hat.

Aber dieser Prozess der Entartung der Menschen, darunter auch meiner, ging durchaus nicht in jenen Verhältnissen vor sich, in denen der Prozess der Entartung der internationalen Arbeitervertreter in Westeuropa vor sich ging. Er ging vor sich in den Verhältnissen des gigantischen sozialistischen Aufbaus mit unermesslichen Maßstäben, Aufgaben, Siegen, Schwierigkeiten, Heldentum...

Und auf dieser Grundlage scheint es mir wahrscheinlich, dass bei jedem von uns, die hier auf der Anklagebank sitzen, ein eigenartiger Zwiespalt des Bewusstseins bestand, keine Vollwertigkeit des Glaubens au seine konterrevolutionäre Sache. Ich sage nicht, dass dieses Bewusstsein nicht vorhanden war, aber es war nicht vollwertig. Daraus ergab sich eine gewisse halbe Lähmung des Willens, Hemmung der Reflexe. Mir scheint, dass wir bis zu einem gewissen Grade Leute mit gehemmten Reflexen darstellen. Und dies ergab sich nicht aus dem Fehlen eines konsequenten Denkens, sondern aus der objektiven Größe des sozialistischen Aufbaus. Jener Widerspruch, der zwischen der Beschleunigung unserer Entartung und dieser Hemmung der Reflexe eintrat, drückt die Lage eines Konterrevolutionärs oder eines sich entwickelnden Konterrevolutionärs unter den Verhältnissen des sich entwickelnden sozialistischen Aufbaus aus. Es entstand eine doppelte Psychologie. Jeder von uns kann das in seiner eigenen Seele konstatieren, obwohl ich mich nicht mit einer weitgehenden psychologischen Analyse beschäftigen werde.

Manchmal riss es mich selbst mit, dass ich zum Ruhme des sozialistischen Aufbaus schreibe, obwohl ich morgen schon dies durch meine praktischen Taten verbrecherischen Charakters ableugne. Hier bildete sich das heraus, was in der Philosophie Hegels das unglücklichste Bewusstsein genannt wird. Dieses unglückliche Bewusstsein unterschied sich von dem gewöhnlichen nur dadurch, dass es gleichzeitig ein verbrecherisches Bewusstsein war.

Die Macht des proletarischen Staates äußert sich nicht nur darin, dass er die konterrevolutionären Banden zerschlagen hat, sondern auch darin, dass er seine Feinde innerlich zersetzt, dass er den Willen seiner Feinde desorganisiert hat. Dies gibt es nirgends und dies kann es in keinem einzigen kapitalistischen Lande geben.

Mir scheint, dass, wenn bezüglich der in der UdSSR vor sich gehenden Prozesse in einem Teil der westeuropäischen und amerikanischen Intelligenz verschiedene Zweifel und Schwankungen beginnen, diese in erster Linie deswegen auftreten, weil dieses Publikum nicht jenen grundlegenden Unterschied versteht, dass in unserem Lande der Gegner, der Feind, gleichzeitig dieses gespaltene, doppelte Bewusstsein hat. Und mir scheint es, dass man dies in erster Linie verstehen muss.

Ich gestatte mir bei diesen Fragen zu verweilen, weil ich im Ausland mit dieser qualifizierten Intelligenz bedeutende Verbindungen hatte, insbesondere unter den Gelehrten, und ich musste auch ihnen das erklären, was bei uns in der UdSSR jeder Pionier weiß.

Oft erklärt man die Reue mit verschiedenen vollständig unsinnigen Sachen wie etwa mit tibetanischen Pulvern usw. Von mir will ich sagen, dass ich im Gefängnis, in dem ich etwa ein Jahr gesessen habe, arbeitete, studierte, den Kopf bewahrte. Das ist eine tatsächliche Widerlegung aller Märchen und unsinnigen konterrevolutionären Dummheiten.

Man spricht von Hypnose. Aber ich habe vor Gericht auf dem Prozess auch juristisch meine Verteidigung geführt, habe mich an Ort und Stelle orientiert, mit dem Staatlichen Ankläger polemisiert, und jeder auch nicht besonders in den entsprechenden Zweigen der Medizin erfahrene Mensch wird zugeben müssen, dass es eine solche Hypnose überhaupt nicht geben kann.

Sehr oft erklärt man diese Reue mit Dostojewskitum, mit spezifischen Eigenschaften der Seele (der so genannten „L’âme slave“), was man über Typen etwa in der Art wie Aljoscha Karamasow, der Helden des „Idioten“ und der anderen Gestalten Dostojewskis sagen kann, die auf die Straße hinaustreten und schreien: „Schlagt mich, Rechtgläubige, ich bin ein Missetäter.“

Aber hier liegt die Sache ganz und gar nicht darin. In unserem Lande ist die so genannte „L’âme slave“ und die Psychologie der Helden Dostojewskis eine längst vergangene Zeit, ein Plusquamperfectum. Solche Typen existieren bei uns nicht, sie existieren, es sei denn in den Hinterhöfen kleiner Provinzhäuser, aber auch dort existieren sie kaum. Umgekehrt aber gibt es eine solche Psychologie in Westeuropa.

Ich werde hier von mir selbst sprechen, von den Ursachen meiner Reue. Natürlich muss man sagen, dass auch die Beweisstücke eine sehr große Rolle spielen. Ich habe ungefähr drei Monate geleugnet. Dann begann ich Aussagen zu machen. Warum? Die Ursache lag darin, dass ich im Gefängnis meine ganze Vergangenheit umgewertet habe. Denn, wenn man sich fragt: wenn du stirbst, wofür stirbst du? Dann ergibt sich plötzlich mit erschütternder Deutlichkeit eine absolut schwarze Leere. Es gibt nichts, wofür man sterben müsste, wenn man sterben wollte, ohne bereut zu haben. Und umgekehrt, nimmt all das Positive, das in der Sowjetunion leuchtet, nimmt all dies im Bewusstsein des Menschen andere Ausmaße an. Dies hat mich letzten Endes endgültig entwaffnet, dazu getrieben, meine Knie vor der Partei und dem Lande zu beugen. Und wenn man sich fragt: nun gut, du stirbst nicht, wenn du durch irgendein Wunder leben bleibst, dann wieder wofür? Isoliert von allen, ein Feind des Volkes in einer nicht menschlichen Lage, in voller Isolierung von allem, was das Wesen des Lebens ausmacht... Und sofort bekommt man auf diese Frage diese Antwort. Und in solchen Momenten, Bürger Richter, fällt alles Persönliche, aller persönliche Niederschlag, die Überbleibsel der Erbitterung, Eigenliebe und eine ganze Reihe anderer Sachen weg und verschwinden. Und wenn zu einem dann noch das Echo des weiten internationalen Kampfes gelangt, so tut all dies in seiner Gesamtheit seine Wirkung, und es ergibt sich ein voller innerer moralischer Sieg der UdSSR über ihre kniefälligen Gegner. Aus der Gefängnisbibliothek bekam ich zufällig das Büchlein Feuchtwangers, in dem von dem Prozess der Trotzkisten die Rede war. Es machte auf mich einen starken Eindruck. Aber ich muss sagen, dass Feuchtwanger nicht bis zum Wesen der Sache drang, er blieb auf halbem Wege stehen, für ihn ist nicht alles klar, in Wirklichkeit aber ist alles klar. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Eine Gruppenreihe der Führer des Trotzkismus hat Bankrott gemacht und wurde auf den Kehrichthaufen geworfen. Das ist richtig. Aber man kann es nicht so machen, wie es Feuchtwanger besonders in Bezug auf Trotzki macht, wenn er ihn mit Stalin auf eine Linie stellt. Das ist eine vollständig falsche Betrachtung bei ihm. Denn in der Wirklichkeit steht hinter Stalin das ganze Land, er ist die Hoffnung der Welt, der Schöpfer. Napoleon bemerkte einmal - Schicksal ist Politik. Das Schicksal Trotzkis ist konterrevolutionäre Politik.

Ich komme rasch zum Ende. Ich spreche vielleicht das letzte Mal in meinem Leben.

Ich will erklären, auf welche Welse ich zur Notwendigkeit gelangte, vor der Untersuchungsbehörde und vor Ihnen, Bürger Richter, zu kapitulieren. Wir sind gegen die Freude des neuen Lebens mit den verbrecherischsten Kampfmethoden aufgetreten. Ich lehne die Anklage des Anschlages auf das Leben Wladimir Iljitschs ab, aber meine konterrevolutionären Komplicen und ich an ihrer Spitze versuchten das Werk Lenin s, das von Stalin mit gigantischem Erfolg fortgesetzt wird, zu zerschlagen. Die Logik dieses Kampfes hat uns von Stufe zu Stufe in den schwärzesten Sumpf hinabgestoßen. Und noch einmal ist es bewiesen, dass das Abgehen von der Position des Bolschewismus den Übergang zum politischen konterrevolutionären Banditentum bedeutet. Jetzt ist das konterrevolutionäre Banditentum zerschmettert, wir sind zerschlagen, wir haben unsere furchtbaren Verbrechen bereut.

Es geht natürlich nicht um diese Reue und darunter auch nicht um meine persönliche Reue. Auch ohne sie kann das Gericht sein Urteil fällen. Die Geständnisse der Angeklagten sind nicht obligatorisch. Die Geständnisse der Angeklagten sind ein mittelalterliches juristisches Prinzip. Aber hier liegt auch ein innerer Zusammenbruch der Kräfte der Konterrevolution vor. Und man muss ein Trotzki sein, um nicht die Waffen zu strecken.

Ich muss hier sagen, dass in dem Parallelogramm der Kräfte, aus welchen sich die konterrevolutionäre Taktik herausbildete, Trotzki der Hauptbewegungsmotor war. Und die allerschärfsten Positionen - Terror, Spionage, Zerstückelung der UdSSR, Schädlingstätigkeit, -gingen in erster Linie von dieser Quelle aus.

Ich kann à priori annehmen, dass sowohl Trotzki wie auch meine anderen Verbündeten im Verbrechen wie auch die II. Internationale, umso mehr, als ich darüber mit Nikolajewski gesprochen habe, versuchen werden, uns, namentlich und besonders mich, zu verteidigen. Ich lehne diese Verteidigung ab, denn ich beuge meine Knie vor dem Lande, vor der Partei, vor dem ganzen Volk. Die Ungeheuerlichkeit meiner Verbrechen ist grenzenlos, besonders in der neuen Etappe des Kampfes der UdSSR. Möge dieser Prozess die letzte schwerste Lehre sein und mögen alle die große Macht der UdSSR sehen, mögen alle sehen, dass die konterrevolutionäre These über die nationale Begrenztheit der UdSSR in der Luft hängt wie ein kläglicher Fetzen. Alle sehen die weise Führung des Landes, die durch Stalin gesichert wird.

Mit diesem Bewusstsein erwarte ich das Urteil. Es geht nicht um die persönlichen Erlebnisse eines Feindes, der bereut hat, sondern um die Blüte der UdSSR, um ihre internationale Bedeutung.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN LEWIN

VORSITZENDER: Das letzte Wort hat der Angeklagte Lewin.

LEWIN: Bürger Richter! In meinem letzten Wort will ich noch einmal meine Schuld bestätigen.

Der Staatliche Ankläger hat mit erschöpfender Vollständigkeit und Objektivität meine ganze Schuld dargelegt und klar das Bild der Schwere der von mir begangenen Verbrechen entworfen. Der Schwere dieser Verbrechen war ich mir immer, auch in jenen Jahren bewusst, als sie unter dem, wie mir schien, unüberwindlichen Druck der grausamen Drohungen und verbrecherischen Direktiven Jagodas verübt wurden, und später, bis in die letzten Tage hinein. Und wenn vielleicht aus meinen Aussagen, die ich vor einigen Tagen gab, eine epische Ruhe klang, wie gestern mein Verteidiger sagte, so darf man diese Ruhe nicht dadurch erklären, dass ich ruhig war, als ich davon sprach, sondern dadurch, dass ich, da ich als erster von der Gruppe der Arzte sprach, dem Gericht eingehend und klar das ganze Bild der ausgeführten und verübten Verbrechen entwerfen musste, und dies in einer solchen Form, dass es allen verständlich werde; und um all dies in ruhiger Form darzulegen, um die in einer solchen Lage völlig natürliche Erregung zu überwinden, musste ich all meine Kräfte, meine ganze Selbstbeherrschung zusammennehmen und mich bemühen, einen ruhigen Ton einzuhalten. Außerdem schien es mir, dass es sich für mich in einer solchen Lage, in der ich mich jetzt befinde, nicht geziemt, von meinen persönlichen Erlebnissen zu sprechen, von meinen Aufregungen, Leiden, das hat jetzt keinen Zweck und würde bei niemandem Widerhall finden. Das sind die zwei Ursachen, welche vielleicht den Eindruck geschaffen haben, von dem gestern der Verteidiger sprach, den Eindruck der epischen Ruhe, den meine furchtbaren Aussagen machten. Eine Ruhe gibt es natürlich nicht, hat es nicht gegeben und wird es nicht geben. Die Last meiner Verbrechen habe ich immer schwer empfunden und empfinde sie auch jetzt. Aber mit besonderer Schärfe machte ich alles erst in den letzten Tagen im Gefängnis, kurze Zeit vor dem Beginn des Prozesses mit, als ich das erste Mal die Möglichkeit hatte, mich mit der Anklageschrift bekannt zu machen, als ich zum ersten Mal aus dieser Anklageschrift erfuhr, was ich niemals gewusst und angenommen hatte, was ich nicht annehmen und mir vorstellen konnte, als ich aus dieser Anklageschrift erfuhr, was für ein Verbrecher Jagoda schon 1932 gewesen ist, als ich erfuhr, in wessen Interessen ich gezwungen war, meine Verbrechen zu begehen, und auf welchen verbrecherischen Weg mich Jagoda geschleudert hat.

Als ich hier auf der Anklagebank saß und jene furchtbaren Erzählungen hörte, die hier von lebendigen Menschen vorgetragen wurden, als ich die Erzählungen von den verschiedenen Generalen wie Seeckt, von Trotzki, von Japanern, von Deutschen, von Engländern, von Polen hörte, denen man geheime Informationen übermittelt, an die man unsere reichsten Gebiete und Republiken im Austausch für irgendwelche künftige Hilfe verschachert, als ich die schrecklichen Erzählungen vom Glas in der Butter, von der Vernichtung des Viehs, von der Vernichtung der notwendigsten Lebensmittel für die Bevölkerung, von der Vorbereitung einer Niederlage im bevorstehenden und von ihnen provozierten Krieg hörte, als ich all dies Schreckliche hörte und mir alles vorstellte, wie irgendeinen teuflischen Tanz, da wurde ich mir erst dessen bewusst, in welche Hölle mich der böse Geist Jagoda gestoßen hat, mit welchen Kräften er mich gezwungen hat, zu dienen, Wozu und zu welchem Zwecke er mich vom geraden, ehrlichen Arbeitsweg gestoßen hat, auf dem ich ungefähr vierzig Jahre lang gewandelt war, und mich in meinem 68. Lebensjahre zusammen mit sich auf diese schandvolle Anklagebank gebracht hat.

Meine Schuld ist sehr groß, Bürger Richter. Meine Schuld ist derart, dass die Strafe natürlich sehr streng sein muss, und ich zweifle daran nicht. Heute oder morgen werden Sie über mein Schicksal entscheiden, und vielleicht wollen Sie bei dieser Entscheidung dieses Schicksals dennoch in Betracht ziehen, dass die von mir verübten Verbrechen nicht aus meinem eigenen bösen Willen verübt wurden, nicht durch mein persönliches Streben, meine persönlichen politischen Anschauungen, sondern ausschließlich durch den bösen Willen und auf Direktive Jagodas.

Meine ärztliche Praxis beträgt 42 Jahre, und ich habe auf diesem Wege niemals irgendwelche Verbrechen verübt, ich verübte solche auch niemals nach 1936, als ich mich von den grauenhaften Direktiven Jagodas losgemacht hatte. Ich sage dies nicht deswegen und dazu, um mich hinter dem Rücken Jagodas zu verstecken. Dies führt zu nichts. Aber ich habe das Verlangen Ihnen, Bürger Richter, und über die Mauern dieses Hauses hinweg dem Lande zu sagen, dass ich niemals ein Verbrecher geworden wäre, wenn nicht Jagoda gewesen wäre. Ich wäre bis zum Ende des Lebens derselbe ergebene und ehrliche Werktätige geblieben, der ich alle 42 Jahre meines arbeitsreichen Lebens war. Ich muss dies unter allen Umständen unterstreichen. Ich muss noch einmal sagen, dass ich meine Verbrechen nicht auf Grund meiner verbrecherischen Überzeugungen und Vorhaben verübt habe, sondern auf Grund der Forderungen, die mir Jagoda stellte und die mir notwendig schienen.

Von allem Anfang der Oktoberrevolution an schloss ich mich der Arbeit an und führte eine große, sehr große und angestrengte Arbeit auf dem Gebiete des Sowjetgesundheitsschutzes. Sowohl vor der Revolution als auch nach der Revolution arbeitete ich viel in Krankenhäusern, ich arbeitete und beteiligte mich am wissenschaftlichen gesellschaftlichen Leben Moskaus. Ich war eines der ältesten Mitglieder der therapeutischen Gesellschaft, Mitglied des Präsidiums von zwei medizinischen Gesellschaften, war gründendes Mitglied der Gesellschaft der Unionskongresse, war Mitglied des Orgbüros auf zwei oder drei Kongressen, einem internationalen Kongress usw. usf., hielt Vorträge und nahm an Konferenzen teil, mit einem Wort, arbeitete sehr viel praktisch, wobei ich auch nicht im wissenschaftlich-gesellschaftlichen Leben zurückblieb. Und mir persönlich, selbständig, konnte auf Grund dieser meiner immer riesigen Arbeit natürlich niemals der abscheuliche und völlig absurde grauenhafte Gedanke kommen, irgend jemanden der Führer der Partei und Regierung, deren Mehrzahl ich ja das Glück hatte, persönlich zu kennen, auch nur den geringsten Schaden zuzufügen. Mir könnte ein ebenso abscheulicher, ein ebenso grauenhafter Gedanke, niemals in den Kopf kommen, Alexej Maximowitsch Gorki, den ich, wie alle wissen, heiß liebte, mit denn ich eng verbunden war, den ich als einen der größten Schriftsteller unseres Landes und der ganzen Welt hochschätzte, irgendeinen Schaden zuzufügen, geschweige denn ihm den Tod zu bringen.

VORSITZENDER: Ist es nicht möglich, dass Sie im letzten Worte nicht lästern?

LEWIN: Verzeihen Sie, in seiner gestrigen Rede hat mein Verteidiger die Beweisgründe angeführt, auf Grund deren er es für möglich hielt, das Gericht um eine Milderung meines Schicksals zu bitten, um die Gewährung meines Lebens. In dieser Minute kann man nur die Wahrheit sprechen. Und ich würde die Unwahrheit sagen, wenn ich sagte, dass ich jetzt, in diesem Augenblick, leicht und ruhig dem Tod ins Auge sehe. Leicht mag es einem politischen Kämpfer fallen, zu sterben, der für seine Ideen stirbt, der mit stolz erhobenem Haupt auf den Richtplatz, auf die Guillotine geht. Aber einen schändlichen Tod zu sterben, ist natürlich schwer. Und ich verheimliche vor Ihnen, Bürger Richter, nicht, dass der Gedanke des Todes für mich natürlich schwer ist. Wie ich schon sagte, stehe ich im 68. Jahre. Ich habe ohnehin nicht mehr lange zu leben, und wenn Sie es für möglich halten, sich mit den Beweisgründen meines Verteidigers und mit jenen Worten, die er hier gesprochen hat, einverstanden zu erklären, dann werden Sie mir vielleicht die Möglichkeit geben, den Rest meines Lebens meiner Heimat zu widmen und mindestens einigermaßen meine Verbrechen durch ehrliche Arbeit zu sühnen, den Nest meines Leben ehrlich zu verbringen und dieses Leben in meiner guten, schaffenden Sowjetfamilie zu beschließen. Ich bereue meine Verbrechen, die ich verübte, bereue sie qualvoll, bereue sie bitter, aufrichtig und aus vollem Herzen. Indem ich meine Schuld eingestehe und aufrichtig bereut habe, bitte ich Sie, mir mein Leben zu schenken.

VORSITZENDER: Die Verhandlung wird auf zwanzig Minuten unterbrochen.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN BULANOW

GERICHTSKOMMANDANT: Das Gericht erscheint, ich bitte sich von den Platzen zu erheben.

VORSITZENDER: Bitte sich zu setzen.

Das letzte Wort erhält der Angeklagte Bulanow.

BULANOW: Bürger Richter, ich werde nicht von jenen Verbrechen sprechen, die ich begangen habe, da sie vollkommen bekannt und bewiesen sind, wenn sie überhaupt eines Beweises der Tatsachen bedurften, denn meine Verbrechen, das sind nackte Tatsachen, die im besten Falle einfach eine Registrierung, aber nicht irgendeinen Beweis erfordern.

Es gibt für mich keinerlei rechtfertigende Momente. Es gibt für mich keine die Schuld mildernden Umstände - zu schwer sind meine Verbrechen.

Bis zu Jagoda war ich weder ein Rechter noch ein Trotzkist. Jagoda hat mich sowohl zu einem Rechten wie zu einem Trotzkisten gemacht, kurz zu einem Volksfeind. Ich habe keine lange Erfahrung im Doppelzünglertum, im Betrug. Deswegen habe ich einfach, als man mich verhaftete, und nachher vor Gericht, alles erzählt, was ich getan habe, weil dies Tatsachen waren.

Bucharin hat, wie ich hier hörte, irgendeine Theorie über das Geständnis entwickelt. Aber in Wirklichkeit verhält sich die Sache einfach. Weder für mich, noch für Bucharin, noch für die anderen Mitangeklagten gibt es irgendwelche Rechtfertigungen und kann es keinerlei unsere Schuld mildernde Umstände geben, denn wollte man irgendeinen mildernden Umstand hinzufügen, so bedeutet das faktisch in einem gewissen Grade die Rechtfertigung jener Verbrechen, die wir verübt haben.

Als ich die Aussagen meiner Mitangeklagten hörte und das letzte Wort mancher Angeklagten, da schien mir, vielleicht irre ich mich, dass bei manchen von ihnen der Wunsch durchschlüpfte, auch jetzt noch die Partei zu betrügen, obwohl jeder von ihnen unbedingt damit begann, dass er voll und ganz die Schuld eingesteht und verantwortet, aber dies war Formalistik, - allgemeine deklarative Erklärungen. In einer ganzen Reihe von Fällen versuchen sie ihre Schuld zu leugnen, indem sie sich darauf berufen, dass sie irgendetwas nicht wussten. Es kommt mir natürlich nicht zu, die Anklage gegen meine Mitangeklagten zu erschweren, aber ich denke, da ich mich wegen dieser Führer hier auf der Anklagebank befinde, als Volksfeind, bin ich berechtigt, hier zu erklären, dass manche von ihnen meiner Meinung nach den Weg der Fortsetzung des Kampfes mit der Sowjetmacht, den Weg der Provokation betreten haben. Ich bin gewöhnt, die Sachen bei ihrem Namen zu nennen, so wie sie sind.

Jagoda fuhr in der Voruntersuchung zwei, drei Tage nach meiner Verhaftung und bei der Konfrontierung ganz frech fort, eine ganze Reihe von Umständen von Angesicht zu Angesicht abzuleugnen. Tatsachen kann man während 5, 10 Minuten, während ein oder zwei Tagen ableugnen, aber das ist sinnlos.

Hier, in der Gerichtsverhandlung, hat er jedwede Beteiligung an zwei Morden abgeleugnet. Er ist der Organisator aller mir bekannten Morde. Was kommt da heraus: Bucharin wusste von nichts, Rykow wusste von nichts, Jagoda wusste von nichts. Also hat Bulanow Nikolai Iwanowitsch Jeshow vergiftet? Gorki wurde also von Krjutschkow und Lewin ermordet? Kuibyschew wurde also von Lewin ermordet? Menshinski wurde also von Kasakow und Lewin ermordet? Und Bucharin, Rykow, Jagoda haben nichts damit zu tun?

Und hier ist meiner Meinung nach, Bürger Richter, nicht nur für Sie, sondern auch für uns, das Gesicht dieser so genannten Führer ganz klar. Spät, aber dennoch muss auch ich das konstatieren. ich denke, dass es bei mir nicht so unnatürlich und falsch klingt, so lästerlich, wie dies bei Rosengolz klang, wenn ich sagen werde, dass es ein Glück für den russischen Arbeiter, ein Glück für die russischen Kollektivbauern ist, dass Nikolai Iwanowitsch Jeshow uns rechtzeitig fasste und rechtzeitig auf die Anklagebank setzte. Wenn diese Leute, und darunter auch ich, auch nicht wirklich die deutschen und Japanischen Heerhaufen aufs Territorium der UdSSR hereinlassen konnten, so hätten sie doch auf jeden Fall die Bedingungen für ihr weit leichteres Eindringen mit allen sich daraus ergebenden Folgen schaffen können.

Ich stelle mir vor, wenn man das für eine Minute zulassen könnte, dass die Verschwörung solcher Leute, solcher „Führer“, die sich hier auf der Anklagebank nicht genieren, ihre Mitbeteiligten, die Weichensteller (Bucharin hat gesagt, er sei Führer und kein ausführender Weichensteller, ich aber bin kein Führer, sondern ein ausführender Weichensteller) zu verderben, sich nicht genieren, sie mit Haut und Haar zu verkaufen, um den Versuch zu machen, wenigstens für den tausendsten Teil einer Sekunde sich selbst herauszuwinden, - wenn es ihnen, diesen Führern, wirklich gelungen wäre, die Macht zu erlangen, weil die Logik des Kampfes, die Bucharin ableugnete, meiner Meinung nach einfach die Logik des Kampfes um die Macht ohne Unterordnung ist. Sie hatten einen Laden, und auf dem Firmenschild waren sowohl Rechte wie Trotzkisten wie auch Sozialrevolutionäre wie auch Menschewiki, aber sie hatten nur ein Assortiment: Morde, Spionage, Diversionen, Verrat in allen seinen Formen.

Wenn sie wirklich die Macht erlangt hättten, dann wäre, scheint mir, Hitler, den Jagoda als sein Vorbild betrachtete, vor Neid bald gelb geworden, Ich bestätige es Bucharin und wiederhole es, dass mir Jagoda gesagt hat, dass Sie bei Jagoda Propagandaminister sein werden, und ich verantworte meine Worte. Es ist bekannt, wie Hitler mit den Leuten, die ihm unbequem waren, abrechnete. Und ich hätte mich nicht gewundert, wenn Sie, Bucharin, erster Minister der Agitation und Propaganda beim Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare Jagoda, das erste Hühnchen gewesen wären, das Jagoda gefressen hätte.

Bürger Richter, schwer sind meine Verbrechen, und ich wiederhole es, es gibt keinerlei Rechtfertigung für mich. Schwer sind insbesondere meine persönlichen Verbrechen gegen Nikolai Iwanowitsch Jeshow. Und ich möchte, dass mein letztes Wort, offensichtlich das letzte im buchstäblichen Sinne, irgendwie zu ihm dringen möge. Ich möchte Jeshow bitten, mir zu verzeihen, ihn bitten, nicht als einen der Führer der Partei und als Generalkommissar der staatlichen Sicherheit, sondern ihn darum als Mensch bitten.

Meine persönlichen Erlebnisse gehen Sie natürlich nichts an und können Sie nichts angehen, aber auch hier bitte ich, mir zu glauben, dass es mir besonders schwer fällt, mit dem Bewusstsein aus dem Leben zu gehen, dass man für eine falsche Sache stirbt, dass man aus dem Leben geht wegen dieser Leute, deren Gesicht für die ganze Welt klar ist und spät, aber doch auch mir klar wurde.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN JAGODA

VORSITZENDER: Der Angeklagte Jagoda hat das letzte Wort.

JAGODA: Bürger Richter, ich will dem Sowjetgericht, dem Sowjetvolk erzählen, wie ein Mensch, der 30 Jahre in der Partei verbracht hat, viel gearbeitet hat, strauchelte, fiel und plötzlich in die Reihen von Spionen und Provokateuren geriet.

Der Staatsanwalt hat nicht Recht, wenn er sagt, dass ich niemals ein Bolschewik war. Ich würde nicht bei meinem Leben verweilen, wenn nicht diese Bemerkung gewesen wäre.

Hier in zwei Worten mein Lebenslauf: Mit 14 Jahren arbeitete ich in einer illegalen Druckerei als Setzer. Das war die erste illegale Druckerei in Nishni-Nowgorod. Wir waren drei Brüder. Einer wurde in Sormowo während des Aufstandes getötet, der andere wurde wegen eines Aufstandes im Regiment während des Krieges erschossen. Ich kann sie um ihren Tod nur beneiden. Als Fünfzehnjähriger war ich in der Kampftruppe während des Aufstandes in Sormowo. Mit 16-17 Jahren trat ich in die Partei ein, das ist der Organisation in Nishni-Nowgorod bekannt. 1911 wurde ich verhaftet und in die Verbannung geschickt. 1913/14 kehrte ich nach Lenin grad zurück, arbeitete in den Putilow-Werken, in der Krankenkasse in Fragen der Versicherung, zusammen mit Krestinski. Dann kam die Front, wo ich verwundet wurde. Die Revolution 1917 traf mich in Lenin grad an, wo ich aktiven Anteil nahm, Mitglied der Militärorganisation war, Abteilungen der Roten Garde bildete. Im Jahre 1918 Süd- und Ostfront. Im Jahre 1919 die Tscheka.

Immerhin wage ich es, unabhängig davon, wie schwer meine Verbrechen am Volke, an der Partei sind, zu erklären, dass ich sogar in den Jahren meiner Beteiligung an der konterrevolutionären Organisation einen quälenden Zwiespalt empfand. Und es ist verständlich warum. Mir, dem früheren Leiter des Sowjetnachrichtendienstes, der seine Hand an den Puls des ganzen Landes hielt, war mehr als irgendeinem der auf der Anklagebank Sitzenden die ganze Hilflosigkeit, die ganze Hoffnungslosigkeit, irgendwelcher Versuche von unserer Seite, die Sowjetmacht zu stürzen, klar sichtbar. Mehr als alle wusste ich, dass das Millionensowjetvolk niemanden und niemals gestatten wird, es in das Joch des Kapitalismus zu spannen. Mehr als irgendjemand wusste ich, dass keinerlei Intervention, von wessen Seite sie auch immer ausgehen möge, das Streben des Sowjetvolkes zum Kommunismus zu brechen vermag. Als Leiter des Sowjetnachrichtendienstes kannte ich ausgezeichnet die Feinde der Sowjetunion, kannte ich die wirklichen Kräfte des deutschen und japanischen Faschismus. Aber ich kannte ebenso gut die Macht des Sowjetlandes. Eben deswegen konnte ich niemals auf einen Erfolg unserer konterrevolutionären Taten rechnen. Deswegen meine Replik wegen der Schwätzer. Ich hatte nicht genügend bolschewistische Kühnheit, um endgültig mit den Rechten zu brechen, mit dieser verfluchten Konterrevolution, und sie ganz und gar auszuliefern. Gab es solche Versuche meinerseits? Ja, aber ich habe sie niemals bis zu Ende geführt. Ich führe eine Tatsache an, nicht zur Milderung meiner Schuld, und das ist auch nicht nötig, sondern um den Zwiespalt in meinem Leben zu zeigen. Die Geschichte mit Jenukidse 1935. Ich entlarvte ihn, aber bei weitem nicht vollständig. Ich musste ihn verhaften, ich tat das nicht, weil ich selbst ein Verschwörer war. Ich wiederhole es, nicht zu meiner Verteidigung führte ich dieses Beispiel an, und ich rechne es mir nicht zum Verdienst an, sondern als Illustration meines Zwiespaltes. Es gibt auch andere Tatsachen, ich werde bei Ihnen nicht verweilen. All dies war Halbheit und verbrecherisch. Ausgezeichnet verstand und verstelle ich, was man hätte tun müssen. Natürlich, am besten wäre gewesen, wenn ich ins Zentralkomitee gekommen wäre und mich und die ganze Organisation ausgeliefert hätte. Vielleicht wäre das Resultat ein anderes gewesen. Von meinen äußerst schweren Verbrechen habe ich gesprochen, ich werde bei ihnen nicht noch einmal verweilen.

Mit Schande bedeckt, in den Staub geschleudert, aus dem Leben gehend, will ich meinen traurigen, tragischen Weg erzählen, der allen jenen, die schwanken, die nicht restlos der Sache der Partei Lenin s-Stalins ergehen sind, als Lehre dienen kann. Ich begann auch mit Schwankungen. Das war im Jahre 1929. Fälschlicherweise dachte ich damals, dass nicht die Partei Recht hätte, sondern Bucharin und Rykow.

Mein Fall begann in jenem Moment, als Rykow, der von meiner Sympathie für die Rechten erfahren hatte, mir vorschlug, vor der Partei meine rechten Anschauungen zu verheimlichen. Und ich ging darauf ein. Ich wurde ein Doppelzüngler. Es begann der Zwiespalt. Leider fand ich nicht den bolschewistischen Mut, mich den Meistern des Doppelzünglertums entgegenzustellen.

Dieses mein Verbrechen spiegelte sich in meinem ganzen weiteren Leben und meiner ganzen weiteren Arbeit wider. Aus mir wurden zwei Menschen. Es gab einen Jagoda, das Mitglied der Partei, der täglich mit den größten Menschen unserer Epoche verkehrte, und den anderen Jagoda, den Verräter an der Heimat, den Verschwörer. Der erste Jagoda sah das gigantische Wachstum des Landes, sein Aufblühen unter der Führung des Stalinschen ZK, er sah auch die ganze Schurkerei und den ganzen Schmutz des rechten und trotzkistischen unterirdischen Verstecks, und der zweite Jagoda war an eben dieses Versteck gekettet, wie der Sträfling an den Schubkarren, und beging jene ungeheuerlichen Verbrechen, die hier mit ganzer Klarheit untersucht wurden.

Dahin führen die Versuche, einmal gegen die Partei zu gehen. Dahin gelangen jene, die die Hand gegen die Partei erheben. So ist das Leben, das ist die Logik des Sturzes.

Ich möchte präzisieren und dem Staatsanwalt in dem Teil der Anklagen, die er gegen mich erhob, erwidern. Sie haben keine Bedeutung für die Entscheidung meines Schicksals, aber der Staatsanwalt hat nicht Recht, wenn er mich als ein Mitglied des Zentrums des Blocks betrachtet. Ich war kein Mitglied des Zentrums des Blocks. Für mich ist das vielleicht persönlich wichtig, dass ich an den Beschlüssen des Blocks keinen Anteil nahm. Ich nahm daran keinen Anteil, und ich nahm keinen Anteil an der Beschlussfassung über die Terrorakte. Mich informierte man post factum und schlug mir vor, den Beschluss auszuführen. Dieser wurde in allen Fällen ohne mich gefasst. Dies mildert meine Schuld nicht, aber der Block bestand aus bestimmten Personen, diese Personen fassten die Beschlüsse. Rykow war Mitglied des Zentrums des Blockes, er fasste die Beschlüsse.

Das zweite Moment - der Staatsanwalt hält es als unwiderruflich bewiesen, dass ich ein Spion war. Das ist nicht richtig. Ich bin kein Spion und war es nicht. Ich glaube, dass wir in der Definierung, was ein Spion oder Spionage ist, nicht verschiedene Meinungen haben werden. Aber Tatsachen sind Tatsachen. Ich hatte keine Verbindungen unmittelbar mit dem Ausland, es gibt keine Tatsachen unmittelbarer Übermittlung irgendwelcher Nachrichten durch mich. Und ich sage nicht im Scherz, wäre ich Spion gewesen, so hätten Dutzende Länder ihre Spionagedienste auflösen können, - es hätte keinen Sinn für sie gehabt, in der Union eine solche Masse von Spionen, die jetzt gefangen sind, zu unterhalten.

Es ist nicht nur das unrichtig, dass ich der Organisator, sondern es ist auch unrichtig, dass ich ein Mitbeteiligter an der Ermordung Kirows bin. Ich habe eines der allerschwersten Dienstverbrechen begangen - das ja. Ich trage dafür die Verantwortung im gleichen Ausmaß, aber ich bin kein Mitbeteiligter. Die Mitbeteiligung, Bürger Staatsanwalt, Sie wissen das so gut wie ich, - was das ist. Durch all die Materialien der gerichtlichen Untersuchung, der Voruntersuchung ist nicht bewiesen, dass ich ein Mitbeteiligter an diesem ruchlosen Morde bin.

Meine Einwendungen gegen diese Momente sind kein Versuch, die Bedeutung meiner Verbrechen abzuschwächen. Meine Verteidigung hätte hier auch gar keinen praktischen Sinn, denn, wie der Staatsanwalt sagt, verlangt er für jeden millionsten Teil meiner Verbrechen meinen Kopf. Meinen Kopf habe ich niedergelegt und gebe ich her, aber ich will meine riesige Schuld vor dem Staatsanwalt verringern. Ich kenne das Urteil gegen mich, ich erwarte es ein ganzes Jahr. In den letzten Stunden oder Tagen meines Lebens will ich nicht heucheln und erklären, dass ich den Tod will. Das ist nicht richtig. Ich habe die schwersten Verbrechen verübt. Ich bin mir dessen bewusst. Es ist schwer, nach solchen Verbrechen zu leben, schwer, Dutzende Jahre im Gefängnis zu sitzen. Aber es ist furchtbar, mit einem solchen Schandmal zu sterben. Ich möchte mindestens vom Gefängnis aus sehen, wie das Land, das ich verraten habe, weiter aufblühen wird.

Bürger Richter! Ich war Leiter der größten Kanalbauten. Jetzt sind diese Kanäle eine Zier für unsere Epoche. Ich wage es nicht, zu bitten, dorthin arbeiten zu gehen, wenn auch zur Ausführung der schwersten Arbeit, Bürger Richter! Unsere Gesetze, unser Gericht unterscheiden sich scharf von den Gesetzen und dem Gericht aller bürgerlichen Länder. Ich erinnere mich, wie der deutsche Justizminister Frick in einer Gerichtssitzung erklärte: „Die Gesetze der faschistischen Länder sind Gesetze der Rache, und nicht der Besserung...“ Unsere Gesetze beruhen auf einem anderen Prinzip, unser Gericht ist ein anderes Gericht. Das Sowjetgericht unterscheidet sich von den bürgerlichen Gerichten dadurch, dass es ein Gericht ist, welches bei der Beurteilung des Verbrechens sich auf die Gesetze nicht wie auf ein Dogma stützt, sondern sich von der revolutionären Zweckmäßigkeit leiten lässt. Unser Land ist mächtig, stark wie nie, von den Spionen, Diversanten, Terroristen und dem anderen Unrat gesäubert, und ich bitte Sie, Bürger Richter, ziehen Sie hei der Urteilsfällung in Betracht: gibt es jetzt eine revolutionäre Zweckmäßigkeit für die Todesstrafe gegen mich? Ich würde es nicht wagen, um Gnade zu bitten, wenn ich nicht wüsste, dass dieser Prozess die Apotheose der Zertrümmerung der Konterrevolution darstellt, dass das Land alle Herde der Konterrevolution vernichtet, dass das Sowjetland gewonnen hat, dass es die Konterrevolution aufs Haupt geschlagen hat. Der Umstand, dass ich und meine Mitangeklagten hier auf der Anklagebank sitzen und Rede und Antwort stehen, ist ein Triumph, ein Sieg des Sowjetvolkes über die Konterrevolution. Ich wende mich an das Gericht mit der Bitte: wenn Sie können, verzeihen Sie.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN KRJUTSCHKOW

VORSITZENDER: Das letzte Wort erhält der Angeklagte Krjutschkow.

KRJUTSCHKOW: Bürger Richter, es gibt keine menschlichen Worte, die ich zur Rechtfertigung meines heimtückischen Verbrechens gebrauchen könnte. Groß ist mein Verbrechen am Sowjetvolk, an der jungen Sowjetkultur. Indem ich voll und ganz meine Schuld gestehe, möchte ich dem Gericht noch einmal bestätigen, dass der „Block der Rechten und Trotzkisten“ in der Person eines der Beteiligten – Jagoda - mich für seine konterrevolutionären Ziele der Verschwörung gegen das Sowjetvolk, gegen den proletarischen Staat ausgenutzt hat. Jagoda gab meinen verbrecherischen Gedanken Gestalt und setzte sie in die Tat um, zog mich in diesen „Block der Rechten und Trotzkisten“ hinein. Ich wurde zum Mörder Gorkis, den das Volk so liebte und der mit ebenso großer Liebe dem Volke, seiner Partei, seinem Führer, dem mächtigen Stalin, wie Gorki oft Stalin nannte, antwortete. Jagoda wusste von dieser Liebe Gorkis, er wusste auch, wie tief Gorki alle Feinde und insbesondere, nach dem Ausdruck Gorkis, das selbstgefällige Vieh Trotzki und alle, die mit ihm waren - die Bucharinleute, Sinowjewleute, Kamenewleute und Rykowleute - hasste.

Der „Block der Rechten und Trotzkisten“ fürchtete die Autorität Gorkis, und da er mit Bestimmtheit wusste, dass Gorki bis zum Ende seiner Tage gegen die Verschwörer und ihre verbrecherischen Vorhaben kämpfen würde, beschloss er, Gorki zu ermorden. Jagoda, der vor Drohungen nicht halt machte, machte mich zum unmittelbaren Ausführenden dieser Untat. Ich bitte das Gericht, mir zu glauben, dass nicht nur meine persönlichen Motive, die sich mit dem politischen Untergrund dieser grauenhaften Sache verflochten, in diesem Verbrechen die entscheidenden waren. Ich bereue aufrichtig. Ich empfand ein Gefühl der brennenden Scham, besonders hier vor Gericht, als ich die ganze konterrevolutionäre Niedertracht der verbrecherischen Bande der Rechten und Trotzkisten erfuhr, in der ich ein gedungener Mörder war. Ich bitte Sie, Bürger Richter, um die Milderung des Urteils.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN PLETNJOW

VORSITZENDER: Angeklagter Pletnjow.

PLETNJOW: Bürger Richter, alle Worte sind bereits gesagt, und ich werde kurz sein. Ich stehe vor Ihnen als Mensch, der seine verbrecherische Tätigkeit bereut. Ich bin ein alter Wissenschaftler. Mein ganzes Leben bis in die letzte Zeit hinein arbeitete ich. Meine besten Arbeiten fallen in die Zeit der Sowjetmedizin, und sie erschienen in der westeuropäischen Literatur, dienten als Beweis dessen, dass den früheren wissenschaftlichen Arbeitern, ungeachtet ihrer nicht selten antisowjetischen Stimmungen, die Möglichkeit gegeben wurde, ihre schöpferischen Fähigkeiten an den Tag zu legen. Auch hier, als ich mich in der Haft befand, wandte ich mich an die Leitung des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten mit der Bitte, mir Bücher zu geben und nach meiner Wahl wurden mir aus meiner Bibliothek mehr als 20 Bücher in vier Sprachen zur Verfügung gestellt. Ich war imstande, in dieser Zeit im Gefängnis eine Monographie von 10 bis 12 Bögen zu schreiben. Ich sage das deswegen, weil ich hier sowohl Vertrauen als auch Möglichkeiten bekam, und ich will hoffen, dass ich auch damit gezeigt habe, dass ich arbeiten will und kann, denn in diesen Verhältnissen, bei einem solchen Zustand der Nerven zu arbeiten, ist nicht so einfach wie zu Hause zu arbeiten. Ich bitte in Betracht zu ziehen, dass, wenn nicht das Zusammentreffen mit einem der hier Sitzenden gewesen wäre, von dem vor kurzem der Verteidiger hier gesprochen und der mir gedroht hat und mich unter Todesdrohung erpresst hat, alle folgenden Taten nicht hätten stattfinden können. Ich habe mich mit den Taten dieses Blockes erst aus der Anklageschrift und auf dem Prozess, wie er verlief, bekannt gemacht, und ich glaube, dass dies mir das Recht gibt, anzunehmen, dass ich nicht vollständig die Verantwortung für ihn teilen kann, Wenn das Gericht es für möglich findet, mir mein Leben zu erhalten, dann werde ich es voll und ganz meiner Sowjetheimat widmen, dem einzigen Lande in der Welt, wo der Arbeit in allen ihren Zweigen ein so ehrenvoller und ruhmreicher Platz gesichert ist, wie nirgends und niemals.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN KASAKOW

VORSITZENDER: Das letzte Wort hat der Angeklagte Kasakow.

KASAKOW: Bürger Richter, ich stehe vor Ihnen als allerschwerster Verbrecher, als Mörder des Vorsitzenden der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung Wjatscheslaw Rudolfowitsch Menshinski.

Es fällt mir schwer, über mein Verbrechen zu sprechen, weil ich als Arzt natürlich berufen bin, die. Menschen zu heilen, ihre Gesundheit. wiederherzustellen und ich den Namen eines Arztes besudelt und das Wertvollste mit Füßen getreten habe - das Band des Patienten mit dem Arzt, dieses Vertrauen, dank welchem der Kranke denn Arzt seine Gesundheit und sogar sein Leben vollständig anvertraut.

Ich wurde zum Mörder, da ich im Verlaufe einer unrichtigen Behandlung zusammen mit Dr. Lewin den Tod Menshinskis beschleunigt habe. Jetzt erbebe ich davor, wenn ich mir die ganze Schwere des von mir begangenen Verbrechens vorstelle. Umso mehr als sich Menshinski zu mir als Arzt mit vollem Vertrauen verhielt.

Zu diesem Verbrechen gelangte ich infolge der direkten persönlichen Anweisungen Jagodas als Erster Stellvertreter des Vorsitzenden der Vereinigten Staatlichen Politischen Verwaltung, der mich durch Drohungen einschüchterte, und als Folge davon führte ich seinen Willen aus und beging das furchtbare Verbrechen.

Ich stelle mir die Frage: konnte ich damals Jagoda irreführen und so tun, als ob ich seine Anweisungen zur Tötung Menshinskis ausführe? Es würde scheinen, dass ich dies tun konnte, da ich ein solches Heilmittel in Händen hatte, welches damals noch wenig verbreitet und bekannt war. Aber, Bürger Richter, das zu tun war mehr als schwierig, ich würde sagen, es war unmöglich, da ich über mir eine Kontrolle hatte, die Kontrolle seitens Dr. Lewin, des direkten Ausführenden des Verbrechens, des verbrecherischen Willens Jagodas. Auf mir lastete die Furcht, die mir Jagoda mit seinen Drohungen und mit der beständigen Beobachtung einflößte, außerdem die Erschöpfung der Vorräte der Kräfte des Herzens Menshinskis und der Tod, der darauf infolge meiner und Lewins Behandlungsmethoden eintreten musste. Lewin hatte die Oberkontrolle über mich.

Jetzt, da ich vor Ihnen stehe, Bürger Richter, als Mörder Menshinskis, kann ich nicht ohne ein Gefühl des Erbebens und des Grauens daran denken, in was für ein abscheuliches Verbrechen ich hineingezogen wurde. Ich will mich nicht auf eine Minute meiner Schuld entziehen, im Gegenteil, ich will dieses Verbrechen restlos bereuen und mich von diesem Alpdruck befreien.

Aber ich habe nicht die Kraft, mich des Gefühles des Hasses und des Ekels zu enthalten, das ich gegen Jagoda empfinde. Ich verfluche diesen Menschen - dieses Ungeheuer, diesen Gewaltmenschen, der durch Drohungen und Einschüchterungen mit meiner Kleinmütigkeit ein abscheuliches Spiel trieb, der für ungeheuerlich ruchlose Zwecke jene hohe Stellung ausnützte, die er bekleidete, der mich aus dem Kreis ehrlicher wissenschaftlicher Tätigkeit eines ehrlichen Arbeiters und Arztes herausriss und mich in ein Verbrechen von grenzenloser Schwere hineinzog, mich zum Verbrecher am großen Sowjetlande machte, wo die Arbeit des Arztes einen so hohen Ehrenplatz einnimmt, wo die Regierung mir und meiner wissenschaftlichen Tätigkeit gegenüber eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit und Fürsorge erwies.

Ich muss hier sagen, dass ich mein ganzes Lehen vor diesem Verbrechen und die folgenden vier Jahre danach ehrlich und beharrlich eine wissenschaftliche klinische Arbeit führte, in dem Wunsche, dem Sowjetlande und seinem arbeitenden Volke einen kleinen Nutzen zu bringen. Ich verhielt mich aufrichtig und sorgsam zu jedem Kranken, bestrebt, seine Gesundheit in maximaler Weise wiederherzustellen.

Vier Jahre lastet auf mir der Alpdruck der von mir verübten Verbrechen, und durch diese aufrichtige Reue will ich mich von dieser Last befreien. Ich bitte das Gericht, an die Tiefe und Aufrichtigkeit meiner Reue zu glauben. Ich habe niemals angenommen, dass ich ein Verbrecher werden würde. Ich habe die ganze Zeit nur nach wissenschaftlicher Arbeit gestrebt, von der ich jetzt infolge dieses Alpdrucks losgerissen bin. Vier Jahre des Alpdrucks lasten auf mir. Mit Mühe habe ich versucht, mich von dieser Last zu befreien. In den vier Jahren, die auf diesen Alpdruck folgten, schrieb ich ungefähr 40 wissenschaftliche Forschungsarbeiten. Aber das befreite mich nicht von dem schweren Gewicht, erleichterte mich nicht, machte mir keine Freude.

Ich verdiene die härteste Bestrafung, und wenn das Gericht so beschließen wird, nehme ich diesen Beschluss als gebührend an. Wenn mir aber die Möglichkeit gegeben wurden wird, zu arbeiten, dann werde ich durch meist ganzes weiteres Lehen alles tun, um die Schande von mir abzuwaschen, die an mir haftet, und mein Verbrechen durch ehrliche und zähe Arbeit wieder gut zu machen, indem ich alle meine Kräfte, alle meine Kenntnisse unserer großen Heimat widme.

LETZTES WORT DES ANGEKLAGTEN MAXIMOW-DIKOWSKI

VORSITZENDER: Der Angeklagte Maximow-Dikowski hat das letzte Wort.

MAXIMOW-DIKOWSKI: Bürger Richter, als ich meine Aussagen vor Gericht machte, ließ ich mich nur von einer Erwägung leiten: Reue zu üben, alles zu sagen und die verdiente Strafe zu tragen. Den Weg des Verbrechens beschritt ich nicht mit einem Male. Ich gehöre nicht zu jenen, die von allein Anfang ihrer Parteitätigkeit den Kampf gegen die Partei begonnen haben. Ich gehöre nicht zu jenen, die in die Partei eintraten und die Last einer fremden politischen Bagage mitbrachten. Ich trat vom Jahre 1919 angefangen mit 18 Jahren entschieden auf den Weg des Kampfes für die Festigung und Behauptung der Sowjetmacht. Ich habe Weißgardisten verhaftet, saß bei Weißen im Gefängnis, ich war in der Roten Armee und schlug mich an den Fronten. Ich führte Parteiarbeit nach der Demobilisierung und leistete im Verlaufe von drei Jahren Parteimassenarbeit in der Fabrik.

Diese neun Jahre waren jene Jahre, die ich unter Führung des ZK rückhaltlos für die Interessen der Partei, für die Interessen des Landes kämpfte. Und erst später, als ich mich mit den Rechten einließ, verriet ich die Interessen der Partei, verriet ich die Interessen meiner Heimat. Ich wurde ebenso ein Verbrecher, wie es jene waren, die mich dazu bewogen hatten.

Im verbrecherischen Milieu der rechten Verschwörer sank ich sogar dazu herab, auf Forderung des Zentrums (und die Anweisungen des Zentrums waren genügend konkret) ein Mitbeteiligter an der Organisierung eines der Terrorakte zu werden. Ich verübte ein schweres Verbrechen, fügte der Partei und dem Lande schweren Schaden zu.

Das Verbrechen, das ich verübte, war für mich jene Grenze, über die ich nicht hinausging. Von 1935 an brach ich meine organisatorischen Verbindungen mit den Verschwörern ab, und im Verlaufe der letzten Jahre hatte ich mit ihnen nichts gemein, was durch die Materialien der Untersuchung vollkommen bestätigt wird.

Da ich aber nicht genug Mut hatte, ihre Verbrechen zu entlarven, mich selbst zu entlarven, deckte ich damit diese Verbrechen und blieb folglich objektiv weiter auf feindlichen Positionen. Als ich verhaftet wurde, übte ich sofort Reue und leugnete keinen einzigen Tag. Ich hatte schon nichts mehr gemein mit diesen alten, fremden Verbindungen. Ich hatte auch nichts gemein mit ihnen in jener praktischen Arbeit, welche ich die letzten Jahre im Transportwesen führte, wo ich mich mit meinen eigenen Augen überzeugen konnte, wie groß die Erfolge des Sowjetlandes sind, das durch keinerlei Verschwörer von seinem Wege gebracht werden kann. Und ich machte Aussagen über die ganze konterrevolutionäre Arbeit, von der ich wusste, ich streckte vollkommen die Waffen, behielt keinerlei Geheimnisse für mich und maskierte mich in keiner Weise. Umso fremder erschienen mir bei Gericht gewisse kasuistische Ausflüchte Bucharins.

Vieles von dem, was ich bei Gericht erfuhr, wusste ich früher nicht. Und dies ist infolge der Rolle verständlich, die ich unter den Verschwörern spielte. Ich konnte und sollte nicht alles wissen. Aber das mindert meine Schuld nicht, denn auch das, was ich wusste, und hauptsächlich, dass ich ein schweres Verbrechen verübte, reicht aus, um mich als Staatsverbrecher zu richten.

Zugleich möchte ich sagen, dass der Prozess mit aller Anschaulichkeit gezeigt hat, was die so genannte Wiederherstellung des Kapitalismus bedeutet. Der Prozess zeigte mir, dass dies eine Zerstückelung des Landes bedeutet, bei der das Land in eine halbkoloniale Abhängigkeit von den faschistischen Staaten gerät. Wenn dieses verbrecherische Vorhaben ausgeführt worden wäre, dann wäre das Land mit dem Blute Zehntausender seiner besten Söhne getränkt worden, schlimmer als dies Denikin und Wrangel getan haben. Dies würde bedeuten, dass das Land auf Dutzende Jahre in seiner Entwicklung zurückgeworfen würde, Dies würde bedeuten, dass auch der internationale Kampf des Proletariats erschwert werden würde.

Ich will sagen, dass mir der Prozess mit aller Anschaulichkeit gezeigt hat, dass Hitler, Trotzki und Bucharin in ihrem vertierten Kampf gegen unser Land in einer Reihe stehen. Im Lichte jenes Bildes der Verbrechen, das hier vor Gericht entfaltet wurde, kann ich nicht umhin, mich jener Einschätzung anzuschließen, die der staatliche Ankläger hier gegeben hat: eine Bande von Treubrüchigen und Spionen, von Diversanten und Verrätern, von Provokateuren und Mördern, Dies sind schwere, grauenerregende Worte. Aber noch schwerer, noch verbrecherischer sind die von uns verübten Taten, noch abscheulicher sind die Menschen, die diese Taten verübt haben, Und wie soll ich diese Taten nicht bei ihrem Namen nennen, wenn ich voll und ganz bereuen will, in nichts meine Schuld mildern, mich mit nichts amnestieren will. Ich erkläre hier fest, ich war während einiger Jahre im Lager der Feinde, ich hin kein Feind mehr. Ich bitte, mir zu glauben, dass ich kein unverbesserlicher Mensch bin, und wenn mir die Möglichkeit gegeben wird, zu arbeiten, dann werde ich, auf welchem Gebiete immer, in welcher Arbeit immer es sein mag, zu zeigen verstehen, dass ich nicht in den letzten Reihen sein werde.

VORSITZENDER: Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück.

(Am 12. März um 21 Uhr 25 Minuten zieht sich das Militärkollegium des Obersten Gerichtshofs zur Beratung zurück. Die Beratung ist am 13. März um 4 Uhr morgens zu Ende.)

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