Potsdamer Konferenz

Zweite Sitzung
18. Juli 1945

(Truman eröffnet die Sitzung.)

Churchill: Ich möchte mich außerhalb der Tagesordnung zu einer Frage äußern, die vom Standpunkt der internationalen Beziehungen nicht besonders wichtig ist und nur aktuelle Bedeutung besitzt. Während unseres Treffens in Teheran war es für die Pressevertreter sehr schwer, irgendwelche Informationen über die Arbeit der Konferenz zu bekommen, und während der Konferenz von Jalta war dies völlig unmöglich. Nach Berlin sind etwa hundertachtzig Korrespondenten gekommen, die hier in der Nähe wütend und entrüstet umherstreichen.

Stalin: Das ist eine ganze Kompanie. Wer hat ihnen Zutritt gewährt?

Churchill: Sie befinden sich natürlich nicht hier, innerhalb dieser Zone, sondern in Berlin. Natürlich können wir nur dann in Ruhe arbeiten, wenn die Geheimhaltung gewahrt wird, und diese Geheimhaltung müssen wir gewährleisten. Wenn meine beiden Kollegen mir darin zustimmen, so könnte ich, als alter Journalist, mit ihnen sprechen, ihnen die Notwendigkeit der Geheimhaltung unseres Treffens erklären und ihnen sagen, daß wir ihnen zwar gewogen sind, aber nicht erzählen können, was geschieht. Ich meine, daß man sie etwas streicheln sollte, um sie zu beruhigen.

Stalin: Was wollen sie, was sind ihre Forderungen?

Truman: Jede Delegation hat eigene Vertreter für Pressefragen, und es ist ihre Sache, uns gegen Vorwürfe der Korrespondenten in Schutz zu nehmen. Dafür sind sie da. Man könnte sie beauftragen, mit den Journalisten zu sprechen.

Churchill: Ich möchte natürlich nicht das Opferlamm abgeben. Ich kann mit ihnen sprechen, wenn der Generalissimus garantiert, mich notfalls durch Truppeneinsatz freizukämpfen.

Truman: Heute haben unsere Außenminister eine Tagesordnung vorbereitet und empfehlen sie uns zur Behandlung. Nach Absprache der Minister fungiert Byrnes als Berichterstatter zur Tagesordnung.

Byrnes: Die Beratung der Außenminister beschloß, die Aufnahme folgender Fragen in die Tagesordnung vorzuschlagen:

  1. Frage der Verfahrensweise und des Mechanismus bei Friedensverhandlungen und territorialen Forderungen.
  2. Frage der Vollmachten des Kontrollrats in Deutschland auf politischem Gebiet.
  3. Die polnische Frage - im besonderen die Frage der Liquidierung der polnischen Emigrantenregierung in London.

Was die erste Frage nach der Verfahrensweise und dem Mechanismus bei Friedensverhandlungen und territorialen Forderungen betrifft (Bildung des Außenministerrates), so wurde der von der USA-Delegation auf der Beratung der Außenminister vorgelegte Entwurf im Prinzip gebilligt. Die Beratung nahm den Punkt 3 des Entwurfs über die Gründung des Rates der Außenminister in einer neuen Fassung an. Die vordringlichste und wichtigste Aufgabe des Ministerrates wird die Ausarbeitung der Entwürfe der Friedensverträge mit Italien, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Finnland sowie die Vorbereitung des Friedensvertrages für Deutschland sein.

Eine nicht minder wichtige Aufgabe des Ministerrates wird darin bestehen, im Detail die Bedingungen für die Organisation und Durchführung der Friedenskonferenz vorzubereiten und das Ergebnis den Regierungen der Vereinten Nationen vorzulegen. Der Ministerrat soll auch zur Vorbereitung von Fragen im Zusammenhang mit der friedlichen Regelung territorialer Streitfälle genutzt werden. Zur Erfüllung all dieser Aufgaben setzt sich der Rat der Außenminister aus den gleichen Mitgliedern zusammen, die auch ständige Mitglieder des Sicherheitsrates sind.

Bei der Behandlung von Fragen im Ministerrat, die direkt Interessen von Staaten berühren, die nicht im Rat vertreten sind, werden diese Staaten eingeladen, Vertreter zur Teilnahme an der Beratung der Frage zu entsenden. In gewissen Fällen kann der Rat die Frage zunächst in seiner Zusammensetzung vorberaten, ehe Vertreter der interessierten Staaten eingeladen werden.

Die sowjetische Delegation behält sich das Recht vor, einen Änderungsantrag einzubringen und Bemerkungen zum Punkt 1 des Entwurfs der USA-Delegation über die Errichtung des Rates der Außenminister zu machen. [1]

In der Beratung wurde vereinbart, daß die auf Beschluß der Krim-Konferenz eingerichteten periodischen Beratungen der drei Minister durch die Arbeit des Ministerrates nicht berührt werden.

Im Hinblick auf die Vollmachten der Europäischen Konsultativkommission kam man in der Beratung der Minister überein, diese Vollmachten dem Alliierten Kontrollrat für Deutschland und dem für Österreich zu übertragen. Somit wurde der von der amerikanischen Delegation vorgelegte Entwurf im wesentlichen gebilligt, mit Ausnahme des Vorbehaltes der sowjetischen Delegation zu Punkt 1.

Stalin: Die sowjetische Delegation zieht ihren Vorbehalt zu Punkt 1 des Entwurfs zurück. Was alles übrige betrifft, ist die sowjetische Delegation einverstanden und billigt den Entwurf.

Truman: Demnach wurde der Entwurf über die Errichtung des Ministerrates ohne Einwände angenommen.

Stalin: Man könnte diesen Text annehmen: Die drei Großmächte vertreten die Interessen aller Vereinten Nationen und können die Verantwortung übernehmen.

Truman: Wir gehen zur zweiten Frage über.

Churchill: Unsere Außenminister haben gut gearbeitet.

Stalin: Unbedingt, unbedingt.

Truman: Die nächste Frage - die politischen Kompetenzen des Kontrollrats in Deutschland.

Byrnes: Die Außenminister haben die Frage der politischen Befugnisse des Kontrollrats in Deutschland und dessen wirtschaftliche Befugnisse beraten. Jene Punkte, bei deren Beratung es zu Meinungsverschiedenheiten kam, wurden an die neugebildeten Ausschüsse überwiesen. Diese Ausschüsse haben ihre Arbeit bislang nicht abgeschlossen, aber die Minister einigten sich, daß es wünschenswert wäre, wenn die Regierungschefs auf der heutigen Sitzung die Frage der politischen Kompetenzen des Kontrollrats in Deutschland vorberaten würden. Die Minister einigten sich auch darüber, daß die Deutschland betreffenden wirtschaftlichen Fragen sehr schwierig und kompliziert sind und daher an einen Expertenausschuß überwiesen werden sollten. Diese Ausschüsse werden den Ministern jene Fragen vortragen, über die keine Übereinstimmung erzielt werden konnte. Die Außenminister ihrerseits werden entscheiden, welche dieser Fragen den Regierungschefs zur Prüfung vorzulegen sind.

Die Außenminister kamen ebenfalls überein, daß sie zwar für heute die Beratung der Frage der deutschen Flotte, der Kriegs- und Handelsflotte, nicht empfehlen werden, diese Frage jedoch etwas später behandelt wird.

Churchill: Ich möchte nur eine Frage stellen. Ich bemerke, daß hier das Wort „Deutschland“ gebraucht wird. Was bedeutet jetzt „Deutschland“? Kann man es in dem Sinne auffassen, wie es vor dem Krieg war?

Truman: Wie faßt die sowjetische Delegation diese Frage auf?

Stalin: Deutschland ist das, was es nach dem Kriege geworden ist. Ein anderes Deutschland gibt es heute nicht. So verstehe ich diese Frage.

Truman: Kann man von Deutschland sprechen, wie es vor dem Kriege im Jahre 1937 war?

Stalin: Wie es im Jahre 1945 ist.

Truman: Es hat im Jahre 1945 alles verloren, Deutschland besteht heute faktisch nicht.

Stalin: Deutschland bedeutet, wie man bei uns sagt, einen geographischen Begriff. Wir werden es erst einmal so auffassen. Man kann nicht von den Ergebnissen des Krieges abstrahieren.

Truman: Ja, aber es muß irgendeine Bestimmung des Begriffs „Deutschland“ gegeben werden. Ich meine, Deutschland von 1886 oder 1937, das ist nicht das Deutschland von heute, von 1945.

Stalin: Es hat sich im Ergebnis des Krieges verändert, und so fassen wir es auf.

Truman: Ich bin damit völlig einverstanden, aber dennoch muß irgendeine Bestimmung des Begriffs „Deutschland“ gegeben werden.

Stalin: Würde man beispielsweise daran denken, eine deutsche Verwaltung im Sudetenteil der Tschechoslowakei zu errichten? Das ist das Gebiet, aus dem die Deutschen die Tschechen vertrieben haben.

Truman: Vielleicht wollen wir doch von Deutschland sprechen, wie es vor dem Kriege im Jahre 1937 war?

Stalin: Formal kann man es so auffassen, dem Wesen der Sache nach ist es nicht so. Sollte in Königsberg eine deutsche Verwaltung auftauchen, so werden wir sie davonjagen. Unbedingt davonjagen.

Truman: Auf der Krim-Konferenz wurde vereinbart, territoriale Fragen auf der Friedenskonferenz zu lösen. Wie wollen wir nun den Begriff „Deutschland“ bestimmen?

Stalin: Laßt uns die Westgrenzen Polens bestimmen, dann wird die Frage Deutschland klarer. Es fällt mir sehr schwer zu sagen, was jetzt Deutschland ist. Das ist ein Land, das keine Regierung hat, das keine bestimmten Grenzen hat, da die Grenzen nicht von unseren Truppen festgelegt werden. Deutschland hat keine Streitkräfte, auch keine Grenztruppen, es ist aufgeteilt in Besatzungszonen. Und nun bestimmen Sie, was Deutschland ist. Es ist ein aufgeteiltes Land.

Truman: Vielleicht nehmen wir als Ausgangspunkt die Grenzen Deutschlands von 1937?

Stalin: Ausgehen kann man von allem. Von irgend etwas muß man ausgehen. So kann man auch das Jahr 1937 nehmen.

Truman: Das war Deutschland nach dem Versailler Vertrag.

Stalin: Ja, man kann Deutschland von 1937 nehmen, aber nur als Ausgangspunkt. Das ist einfach eine Arbeitshypothese, um unsere Arbeit zu erleichtern.

Churchill: Nur als Ausgangspunkt. Das bedeutet nicht, daß wir uns darauf beschränken.

Truman: Wir sind einverstanden, Deutschland von 1937 als Ausgangspunkt zu nehmen.

Wir haben die zweite Frage noch nicht abgeschlossen, aber wir werden uns darüber verständigen.

Stalin: Ist die politische Seite vorbereitet?

Byrnes: Die politische Seite ist vorbereitet und kann erörtert werden.

Stalin: Die russische Delegation billigt grundsätzlich alle Punkte des politischen Abschnitts dieser Frage. Es gibt nur einen Abänderungsvorschlag zu Punkt 5: Es wäre gut, die letzten vier Zeilen zu streichen, da hier ein kleines Schlupfloch für die Nazis bleibt, das sie ausnutzen könnten.

Truman: Einverstanden, daß diese vier Zeilen zu streichen sind.

Stalin: Sehr gut. Mit allem übrigen sind wir einverstanden. Ich möchte, daß die Redaktionskommission diesen Text noch redigiert.

Byrnes: Zu diesem Zweck wurde auf der Beratung der Außenminister ein eigener Ausschuß gebildet.

Stalin: Gut, keine Einwände.

Eden: Es wäre gut, wenn die Minister auf ihrer Beratung morgen früh dieses Dokument, nachdem es die Redaktionskommission vorgelegt hat, nochmals durchsehen.

Stalin: Das wird natürlich besser sein.

Churchill: In diesem Entwurf ist in Punkt 2 Absatz 1 b von der Vernichtung von Waffen und anderen Kriegswerkzeugen die Rede sowie von allen spezialisierten Mitteln zu ihrer Produktion. Es gibt jedoch in Deutschland eine Reihe von Experimentalanlagen von großem Wert. Es wäre unerwünscht, diese Anlagen zu vernichten.

Stalin: Im Entwurf heißt es folgendermaßen: in Besitz nehmen oder vernichten.

Churchill: Wir können sie alle gemeinsam nutzen oder untereinander aufteilen.

Stalin: Das können wir.

Die sowjetische Delegation hat einen Entwurf zur polnischen Frage in russischer und englischer Sprache. Ich hätte die Bitte, daß Sie sich mit dem Entwurf bekannt machen.

Truman: Ich schlage vor, den Bericht Byrnes’ über die Beratung der Minister abzuschließen und uns dann mit Ihrem Entwurf vertraut zu machen.

Byrnes: Die Außenminister sind übereingekommen, den Regierungschefs zu empfehlen, die polnische Frage unter zwei Aspekten zu behandeln: Liquidierung der polnischen Emigrantenregierung in London und Erfüllung der Beschlüsse der Krim-Konferenz über Polen hinsichtlich der Durchführung freier und unbehinderter Wahlen in Polen.

(Dann wird der Wortlaut des Entwurfs der sowjetischen Delegation über Polen vorgelesen:

„Erklärung der drei Regierungschefs zur polnischen Frage

Angesichts der Bildung einer Provisorischen Polnischen Regierung der Nationalen Einheit auf der Grundlage der Beschlüsse der Krim-Konferenz sowie angesichts der Aufnahme diplomatischer Beziehungen seitens der Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritanniens mit Polen - zwischen der Sowjetunion und Polen bestanden sie bereits -, vereinbaren wir, daß die Regierungen Englands und der Vereinigten Staaten von Amerika jegliche Beziehungen mit der Regierung Arciszewski abbrechen und der Provisorischen Polnischen Regierung die erforderliche Unterstützung gewähren in bezug auf die unverzügliche Übergabe aller Werte und jeglichen anderen Vermögens an sie, das Eigentum Polens ist und sich bislang in der Verfügung der Regierung Arciszewski und ihrer Organe befand, gleichgültig, welcher Art dieses Eigentum ist, wo und in wessen Verfügung es sich gegenwärtig befinden möge.

Wir haben es auch als notwendig erachtet, daß die polnischen Streitkräfte einschließlich der Seekriegsflotte sowie der Handelsflotte, die der Regierung Arciszewski unterstellt sind, der Provisorischen Polnischen Regierung der Nationalen Einheit unterstellt werden, die weitere Maßnahmen in bezug auf diese Streitkräfte, Kriegs- und Handelsschiffe trifft.“)

Churchill: Herr Präsident, ich möchte klarstellen, daß die ganze Last in dieser Frage der britischen Regierung auferlegt wird, da wir, als Hitler Polen überfiel, die Polen bei uns aufnahmen und ihnen Asyl boten. Die Londoner polnische Regierung verfügt über kein nennenswertes Vermögen, aber in London gibt es 20 Millionen Pfund in Gold, die wir gesperrt haben. Dieses Gold ist ein Guthaben der polnischen Zentralbank. Die Frage, wo man dieses Gold deponieren soll, seine Verlagerung in eine andere Zentralbank, muß auf normalem Wege entschieden werden. Aber dieses Gold gehört nicht der Londoner polnischen Regierung.

Stalin: 20 Millionen Pfund Sterling?

Churchill: Ungefähr. Es ist noch hinzuzufügen, daß die polnische Botschaft in London nunmehr geräumt ist und der polnische Botschafter sie nicht mehr bewohnt. Deshalb steht die Botschaft zur Verfügung und kann den Botschafter der Provisorischen Polnischen Regierung aufnehmen, und je schneller er ernannt wird, um so besser.

Es erhebt sich die Frage, auf welche Weise die polnische Regierung in London fünf Jahre lang finanziert wurde. Sie wurde von der britischen Regierung finanziert. Wir haben in dieser Zeit etwa 120 Millionen Pfund Sterling zur Verfügung gestellt, damit sie ihre Armee erhält, diplomatische Beziehungen unterhält und andere Funktionen ausübt sowie eine beträchtliche Zahl von Polen unterhalten kann, die auf unserer Insel Zuflucht vor den Deutschen gefunden haben, die einzige Zuflucht, die ihnen offenstand.

Als man sich von der Londoner polnischen Regierung distanzierte, beschloß man, allen Angestellten eine dreimonatige Vergütung auszuzahlen und sie dann zu entlassen. Wir hielten es für ungerecht, sie ohne jede Entschädigung zu entlassen.

Herr Präsident, das ist eine sehr wichtige Frage, und ich bitte um die Erlaubnis, darüber sprechen zu dürfen. Unsere Lage ist außergewöhnlich. Wir müssen uns jetzt mit der Auflösung oder Verlegung der polnischen Truppen befassen, die gemeinsam mit uns gegen die Deutschen gekämpft haben. Diese Truppen kamen 1940 aus Frankreich. Einige davon gelangten über die Schweiz nach Italien und kamen in mehreren kleinen Gruppen an. Wir evakuierten diese Polen, die in Frankreich festsaßen, als Frankreich kapitulierte. Es waren 40000 oder 50000 Mann.

So bauten wir eine polnische Armee auf, die aus fünf Divisionen bestand und ihre Basis in England hatte. Etwa 20000 Polen befinden sich gegenwärtig in Deutschland und sind von großer Unruhe erfüllt. Es besteht ein polnisches Korps mit drei Divisionen in Italien, in dem ebenfalls große Bewegung herrscht.

Insgesamt besteht die polnische Armee aus 180000 bis 200000 Mann.

Unsere Politik zielt darauf, möglichst viele zur Rückkehr nach Polen zu bewegen. Deshalb war ich sehr erzürnt, als ich die Äußerungen von General Anders las, die der Generalissimus kennt. Anders erklärte seinen Truppen in Italien, wenn sie nach Polen zurückkehrten, würde man sie nach Sibirien schaffen. Wir haben gegen diesen General Disziplinarmaßnahmen ergriffen, damit er in Zukunft derartige Äußerungen unterläßt.

Es erfordert Zeit, um mit allen diesen Schwierigkeiten fertig zu werden. Aber unsere Politik ist darauf gerichtet, eine möglichst große Zahl von Polen zur Rückkehr nach Polen zu bewegen. Das betrifft auch die Zivilarbeiter. Je besser natürlich die Lage in Polen sein wird, um so eher werden die Polen dorthin zurückkehren. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um zu sagen, wie sehr ich mich über die in Polen in den letzten beiden Monaten eingetretene Verbesserung der Lage freue.

Ich möchte der neuen polnischen Regierung, die ihre positive Rolle spielen wird, weitere Erfolge wünschen, und obwohl sie nicht alles gibt, was wir uns wünschten, bedeutet sie dennoch einen Fortschritt, dank der geduldigen Arbeit der Regierungen der drei Mächte. Bei der Verbesserung der Lage in Polen muß man auch die Rolle Mikotajczyks würdigen.

Ich hoffe, daß ein Großteil der Polen, sowie sich die Lage in Polen verbessert, allmählich in die Heimat zurückkehren wird. Ich habe im Parlament das Versprechen abgegeben, daß diejenigen polnischen Soldaten, die nicht den Wunsch haben werden, nach Polen zurückzukehren, von uns in die britische Staatsbürgerschaft und in die Armee aufgenommen werden. Es wäre wünschenswert, wenn die neue polnische Regierung der Nationalen Einheit die Versicherung abgeben könnte, daß die nach Polen zurückkehrenden Polen die volle Freiheit und wirtschaftliche Sicherstellung genießen werden. Eine solche Versicherung der polnischen Regierung würde der Rückkehr der Polen in die Heimat, in ihr von der Roten Armee befreites Land sehr dienlich sein.

Stalin: Haben Sie den Entwurf der russischen Delegation über Polen gelesen?

Churchill: Das habe ich. Meine Ausführungen sind eine Antwort auf den Entwurf der russischen Delegation zum Beweis dessen, daß ich im Prinzip einverstanden bin, allerdings unter der Bedingung, daß das, was ich gesagt habe, Berücksichtigung findet.

Stalin: Ich verstehe die schwierige Lage der britischen Regierung. Ich weiß, daß sie sich sehr um die polnische Emigrantenregierung bemüht hat. Ich weiß, daß die ehemaligen polnischen Regierenden der Regierung Großbritanniens, dessenungeachtet viele Unannehmlichkeiten bereitet haben. Ich verstehe die schwierige Lage der britischen Regierung. Ich bitte zu beachten, daß unser Entwurf nicht die Aufgabe hat, die Lage der britischen Regierung zu erschweren, und deren schwierige Lage berücksichtigt. Unser Entwurf dient nur einem Ziel - mit der unklaren Situation, die nach wie vor in dieser Frage herrscht, Schluß zu machen und den Punkt aufs i zu setzen.

Faktisch existiert die Regierung Arciszewski noch, sie hat ihre Minister, sie setzt ihre Tätigkeit fort, sie hat ihre Agentur, sie hat ihre Basis und ihre Presse. Das alles macht einen ungünstigen Eindruck. Unser Entwurf zielt darauf ab, mit dieser unklaren Situation Schluß zu machen. Wenn Herr Churchill die Punkte in diesem Entwurf nennt, die der Regierung Großbritanniens Schwierigkeiten bereiten, so bin ich bereit, sie zu streichen. Unser Entwurf verfolgt nicht das Ziel, der britischen Regierung Schwierigkeiten zu bereiten.

Churchill: Wir sind mit Ihnen völlig einverstanden. Wir wollen diese Frage aus der Welt schaffen, doch wenn eine Regierung nicht anerkannt wird und keine Beihilfe mehr erhält, besitzt sie keine Existenzmöglichkeit mehr. Gleichzeitig können sie Privatpersonen jedenfalls in England nicht daran hindern, daß sie weiterleben und Gespräche führen. Diese Menschen treffen sich mit Abgeordneten des Parlaments und haben im Parlament ihre Fürsprecher. Wir als Regierung unterhalten jedoch keinerlei Beziehungen zu ihnen. Ich selbst und Herr Eden haben uns nie mit ihnen getroffen, und seit der Zeit, da Herr Mikotajczyk abgereist ist, weiß ich gar nicht, was ich mit ihnen tun soll; ich treffe sie nie. Ich weiß nicht, was man tun soll, wenn Arciszewski in London spazierengeht und mit Journalisten schwatzt. Was aber uns betrifft, sind sie für uns in diplomatischer Hinsicht nicht existent, sondern liquidiert, und ich hoffe, daß sie bald jeden Einfluß verloren haben. Aber mit der Armee müssen wir natürlich vorsichtig sein.

Die Armee kann meutern, und wir tragen dann die Verluste. Wir haben eine beträchtliche polnische Armee in Schottland stehen. Aber wir und der Generalissimus und der Präsident verfolgen das gleiche Ziel. Wir bitten nur, uns zu vertrauen und Zeit zu lassen und auch zu helfen, daß in Polen solche Bedingungen geschaffen werden, die für möglichst viele Polen anziehend sind. Wir wären einverstanden, daß der Entwurf der sowjetischen Delegation den drei Außenministern zur Prüfung übergeben wird; ich meine die Diskussion, die heute stattfand, und ich meine das Dokument, das unseren Außenministern vorgelegt wurde. Aber es scheint mir, daß wir das gleiche Ziel haben, und je schneller wir mit dieser Frage fertig werden, um so besser.

Truman: Ich sehe keine wesentlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Generalissimus und dem Premierminister. Herr Churchill bittet lediglich um Vertrauen und Zeit, um alle diese Schwierigkeiten zu beseitigen, von denen er hier sprach. Deshalb wird es, wie mir scheint, keine großen Schwierigkeiten bereiten, diese Frage zu regeln. Um so mehr, da Herr Stalin gesagt hat, er sei bereit, die strittigen Punkte zu streichen. Die Beschlüsse der Konferenz von Jalta sehen vor, daß nach der Bildung der neuen Regierung sobald als möglich allgemeine Wahlen auf der Basis des allgemeinen Wahlrechts durchgeführt werden.

Churchill: Vielleicht prüfen die Außenminister die gesamte Frage einschließlich der Wahlen?

Stalin: Die Regierung Polens lehnt die Durchführung unbehinderter Wahlen nicht ab. Überweisen wir den Entwurf an die Außenminister.

Truman: Das wäre alles, was Herr Byrnes heute den Regierungschefs zur Beratung vorzulegen hatte. Soll ich die Außenminister beauftragen, für morgen eine Tagesordnung vorzubereiten?

Stalin: Es wäre gut.

Churchill: Ich verstehe, welche große Bedeutung die Frage der politischen Grundsätze hat, die gegenüber Deutschland anzuwenden sind. Ich verstehe, daß wir diese Frage heute nicht erörtern können, doch ich hoffe, daß wir sie morgen erörtern werden. Das Hauptproblem, das wir behandeln müssen, besteht darin, ob wir in allen vier Besatzungszonen Deutschlands das gleiche Kontrollsystem anwenden sollen oder ob in den verschiedenen Besatzungszonen unterschiedliche Grundsätze angewandt werden.

Stalin: Gerade diese Frage ist im politischen Teil des Entwurfs berücksichtigt. Ich habe es so aufgefaßt, daß wir für eine einheitliche Politik eintreten.

Truman: Völlig richtig.

Churchill: Ich wollte dies unterstreichen, da das von großer Bedeutung ist.

Stalin: Das ist richtig.

Truman: Wir versammeln uns morgen um vier Uhr.

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