Potsdamer Konferenz

Dreizehnte (abschließende) Sitzung
1. August 1945

(Truman eröffnet die Sitzung.)

Byrnes: Die Kommission für Wirtschaftsfragen hat den Bericht über die Reparationen vorbereitet. Es ist gelungen, Vorschläge auszuarbeiten, die für alle Delegationen annehmbar sind. In Punkt 1 heißt es, daß die Reparationsansprüche der Sowjetunion aus der von der Sowjetunion besetzten Zone Deutschlands und aus den entsprechenden deutschen Guthaben im Ausland befriedigt werden.

Ich lenke die Aufmerksamkeit auf die Punkte 8 und 9 dieses Dokuments. Ich würde sehr gern jetzt gleich eine Abänderung einbringen, denn ich meine, daß diese im Interesse aller liegt. Punkt 8 lautet: „Die Sowjetregierung verzichtet auf alle Ansprüche auf Aktien deutscher Unternehmen usw.“ Ich schlage vor, nach den Worten „auf alle Ansprüche“ die Worte „bezüglich der Reparationen“ einzufügen. Der Zweck dieser Abänderung besteht darin, den Eindruck zu vermeiden, daß die Sowjetunion auch außerhalb der Reparationen noch Ansprüche auf deutsche Unternehmen erhebt. Die gleiche Abänderung ist auch bei Punkt 9 vorzunehmen, wo von Forderungen der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs die Rede ist.

Stalin: Richtig.

Byrnes: Es ist meine einzige Abänderung. Kann man annehmen, daß das Dokument über die Reparationen gebilligt ist?

Bevin: Wie soll man einen solchen Fall werten, wenn deutsche Unternehmen, die Eigentum britischer Untertanen waren, vor 1939 für Kriegszwecke übernommen wurden? In solchen Fällen gehen Engländer wegen dieser Änderung ihrer Eigentumsrechte verlustig.

Byrnes: In dem Falle, den Herr Bevin anführt, ändert die Abänderung nichts an der bestehenden Lage.

Bevin: Ich habe keine Einwände.

Byrnes: Wir können jetzt die Frage der Verwendung von alliiertem Eigentum zur Reparationszahlung oder als Kriegsbeute erörtern, wenn die sowjetische Delegation die Zeit hatte, sich mit dem Vorschlag zu befassen.

Stalin: Wir hatten keine Zeit, den Wortlaut dieses Entwurfs zu beraten. Ich schlage vor, den folgenden Beschluß zu notieren: „Die Konferenz hat beschlossen, den amerikanischen Vorschlag im Prinzip anzunehmen. Der genaue Wortlaut des Vorschlags ist auf diplomatischem Wege abzustimmen.“

Wir hatten keine Zeit, den Wortlaut zu durchdenken, aber in der Sache sind wir mit dem Vorschlag einverstanden.

Truman: Ich bin mit dem Vorschlag der sowjetischen Delegation einverstanden.

Attlee: Ich bin ebenfalls einverstanden.

Byrnes: Man hat mir mitgeteilt, daß die Kommission, die sich mit der Aufstellung des Protokolls befaßt hat, eine Einigung erzielen konnte. Ich halte es für überflüssig, das ganze Protokoll vorzulesen, sondern nur die Punkte, über die es einzelne Meinungsverschiedenheiten gibt. Wir müssen natürlich noch den Vorschlag der sowjetischen Delegation über die Kriegsbeute hinzufügen, den wir soeben angenommen haben. Andere Abänderungen habe ich nicht.

Stalin: Ich habe eine Abänderung. Zur Frage der Westgrenze Polens heißt es im zweiten Absatz, daß die Grenze auf der Linie der Ostsee durch Swinemünde verläuft, als würde die Grenze durch die Stadt selbst gehen. Ich schlage daher vor zu sagen, daß die Grenzlinie von der Ostsee unmittelbar westlich oder etwas westlich von Swinemünde verläuft. Auf der Karte ist das deutlich.

(Truman und Attlee billigen die Formulierung „unmittelbar westlich von Swinemünde“.)

Stalin: Die zweite Abänderung betrifft die Grenze des Gebietes Königsberg. Im zweiten Absatz steht geschrieben, daß der genaue Grenzverlauf von Experten festzulegen ist. Es wird vorgeschlagen zu sagen: „Dabei ist der genaue Grenzverlauf am Ort von Experten der UdSSR und Polens festzulegen.“

Bevin: Wir können das nicht der Sowjetunion und Polen allein überlassen.

Stalin: Es handelt sich aber um die Grenze zwischen Polen und Rußland.

Bevin: Aber das muß von den Vereinten Nationen sanktioniert werden. Wir haben uns geeinigt, daß wir auf der Friedenskonferenz den sowjetischen Wunsch hinsichtlich dieser Grenze unterstützen werden, und jetzt sagen Sie uns, daß diese Grenze von der Sowjetunion und Polen festgelegt wird und uns das nichts angeht.

Stalin: Das ist ein Mißverständnis. Die Grenze insgesamt wird von der Friedenskonferenz festgelegt, aber es gibt einen anderen Begriff, den örtlichen Grenzverlauf. Es wird ein genereller Grenzverlauf vorgegeben, aber der örtliche Grenzverlauf kann von dieser gedachten Linie bis zu einem halben Kilometer nach dieser oder jener Seite abweichen. Die Grenze verläuft beispielsweise durch eine Siedlung. Warum soll man die Siedlung durch eine Grenzlinie teilen? An der Festlegung des örtlichen Grenzverlaufs sind nur Polen und Rußland interessiert. Wenn Sie meinen, daß das nicht ganz gewährleistet ist, wer soll dann noch in die Kommission aufgenommen werden? Jemand für England, für die USA? Wen Sie belieben, wir haben keine Einwände.

Attlee: Mir scheint, daß die Frage in folgendem besteht. Wir haben uns geeinigt, einen Vorschlag über die Grenzen im Prinzip anzunehmen. Was die endgültige Abgrenzung dieser Gebiete, die endgültige Grenzfestlegung, betrifft, so ist das Sache der Konferenz. Wenn wir die Sache jetzt Experten Polens und der Sowjetunion übergeben, so verletzen wir damit die technische Arbeit der Friedenskonferenz.

Stalin: Wie sieht das Herr Bevin?

Bevin: Wir wollen eine Expertenkommission, die von der Friedenskonferenz benannt wird.

Byrnes: Ich denke, daß man folgende Fassung vorschlagen könnte: Wenn sich Polen und die Sowjetunion auf der Friedenskonferenz über die Grenze einig sind, ist die ganze Sache abgeschlossen, und es bedarf keiner Experten. Wenn aber auf der Friedenskonferenz zwischen Polen und Rußland Meinungsverschiedenheiten herrschen werden, wird man eine Expertenkommission benennen müssen, deren Zusammensetzung durch den Rat der Außenminister oder durch die Friedenskonferenz selbst bestimmt wird. Das allerdings nur im Falle von Meinungsverschiedenheiten zwischen Polen und der Sowjetunion.

Stalin: Lassen wir es bei der vorherigen Formulierung. Dort ist aber nicht gesagt, aus welchen Experten die Kommission bestehen soll.

(Truman und Attlee stimmen zu, daß die vorherige Formulierung bestehen bleibt.

Dann bringt die sowjetische Delegation eine Abänderung zum Abschnitt über den Abschluß der Friedensverträge und über die Zulassung zur Organisation der Vereinten Nationen ein. Die sowjetische Delegation weist darauf hin, daß zwischen dem ersten und dritten Absatz des Dokuments ein Widerspruch besteht. Im ersten Absatz heißt es, die drei Regierungen betrachten es als wünschenswert, daß die gegenwärtige anormale Stellung Italiens, Bulgariens, Rumäniens, Ungarns und Finnlands nach dem Abschluß von Friedensverträgen beendet werden soll, während der dritte Absatz die Möglichkeit der Herstellung diplomatischer Beziehungen mit Finnland, Rumänien, Bulgarien und Ungarn vor Abschluß der Friedensverträge mit diesen Ländern vorsieht. Die sowjetische Delegation schlägt vor, aus dem ersten Absatz die Worte „nach dem Abschluß von Friedensverträgen“ zu streichen.)

Attlee: Das scheint mir nicht richtig zu sein, denn als wir den dritten Absatz formulierten, dachten wir an eine Herstellung diplomatischer Beziehungen „soweit ... dies möglich ist“. Streicht man aus dem ersten Absatz die Worte „nach dem Abschluß von Friedensverträgen“, so wird das bedeuten, daß wir weitergehen, als wir beabsichtigten. Diese Worte müssen stehenbleiben.

Stalin: Aber im ersten Absatz heißt es, daß diplomatische Beziehungen erst nach dem Abschluß von Friedensverträgen aufgenommen werden können, und im dritten Absatz heißt es anders. Es ergibt sich ein Widerspruch.

Attlee: Gerade deshalb wünschen die Engländer diese Worte. Im ersten Absatz ist eine notwendige Handlung vorgesehen, nämlich die Herstellung diplomatischer Beziehungen nach dem Abschluß von Friedensverträgen, im dritten Absatz hingegen ergeht die Empfehlung zu versuchen, dies zu tun, soweit dies vor Abschluß der Friedensverträge möglich ist.

Stalin: Wir können dem nicht zustimmen, da der Versuch, der im dritten Absatz bezüglich der Herstellung diplomatischer Beziehungen eingeräumt wird, im ersten Absatz direkt negiert wird. Das ändert den Sinn dieser Entscheidung. Wie soll man dem zustimmen können?

Attlee: Mir scheint hier kein Widerspruch vorzuliegen: Im ersten Fall ist von der Herstellung normaler Beziehungen die Rede, das heißt voller diplomatischer Beziehungen, und im zweiten Fall der Versuch, nach Möglichkeit näher an die Herstellung solcher Beziehungen heranzukommen.

Stalin: Ich kann einer solchen Auslegung auf keinen Fall zustimmen. Ich nehme als konkretes Beispiel Finnland. Es gibt keine Begründung, um weiterhin die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Finnland zu verweigern. Während im ersten Absatz die Worte „nach dem Abschluß von Friedensverträgen“ die Herstellung diplomatischer Beziehungen direkt verbieten. Das ist völlig falsch.

Attlee: Wir befinden uns noch im Kriegszustand mit Finnland.

Stalin: Mit Italien ist der Kriegszustand ebenfalls nicht beendet, indessen unterhält Amerika diplomatische Beziehungen mit Italien, und auch wir unterhalten diplomatische Beziehungen.

Attlee: Mir scheint, daß wir jetzt wieder zurückkehren zu dem, was wir vor einigen Tagen erörtert haben. Wir haben unseren Standpunkt erschöpfend dargelegt, und wir sind der Sowjetunion entgegengekommen, soweit dies nach unserer Verfassung überhaupt möglich war. Wir finden, daß wir große Zugeständnisse gemacht haben, über die hinaus wir nicht gehen können.

Stalin: Daraus wird nichts. Finnland hat wesentlich größere Rechte auf die Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen als Italien. In Finnland besteht eine frei gewählte Regierung, die seitdem den Krieg gegen die Alliierten längst beendet und Deutschland den Krieg erklärt hat. In Italien gibt es keine frei gewählte Regierung, und die Beteiligung am Krieg gegen Deutschland nach der Kapitulation war minimal. Mit welcher Begründung sollen wir die Herstellung diplomatischer Beziehungen mit Finnland hinausschieben? Wo bleibt die Logik?

Bevin: Ich möchte zu einer Einigung kommen und unterbreite deshalb folgenden Vorschlag. Ich schlage die folgende Fassung des ersten Absatzes vor: „Die drei Regierungen betrachten es als wünschenswert, daß die gegenwärtig anormale Stellung Italiens, Bulgariens, Finnlands, Ungarns und Rumäniens durch Abschluß von Friedensverträgen beendigt werden soll. Sie vertrauen darauf, daß auch die anderen interessierten alliierten Regierungen diese Ansicht teilen.“

Stalin: Gut. Die sowjetische Delegation hat keine weiteren Abänderungsvorschläge.

Bevin: Hurra! (Heiterkeit)

Byrnes: Die nächste Frage - über die Mitteilung. Wir haben von der englischen Delegation eine neue Fassung der Einleitung erhalten. Wir haben keine Einwände dagegen.

Stalin: Gibt es einen großen Unterschied? Worin besteht dieser Unterschied?

Byrnes: Auf Seite zwei wird eine Veränderung rein redaktionellen Charakters vorgenommen, der Sinn ändert sich nicht.

Stalin: Vielleicht verfahren wir so: Nach der Übersetzung in die russische Sprache sehen wir uns diese Veränderung an und gehen jetzt zum nächsten Abschnitt über.

(Truman und Attlee stimmen zu.)

Byrnes: Abschnitt II - über die Einrichtung eines Rates der Außenminister. Hier gibt es keine Meinungsverschiedenheiten.

(Abschnitt II wird angenommen.)

Byrnes: Abschnitt III - über Deutschland. Im ersten Absatz gibt es Einwände gegen die Worte „denen es laut Beifall spendete“.

Stalin: Man kann sagen, „welche es ... offen gebilligt hat“.

Bevin: Blind gehorcht hat, das heißt, auf dumme Weise gehorcht hat.

Stalin: Ich schlage vor, doch folgendermaßen zu sagen: „welche es zur Zeit ihrer Erfolge offen gebilligt hat und denen es blind gehorcht hat“.

(Der Vorschlag wird angenommen.)

Byrnes: Andere Abänderungen gibt es nicht?

Stalin: Nein.

Bevin: In Punkt 12 der wirtschaftlichen Grundsätze ist eine Wiederholung dessen, was bereits in Punkt 9 (IV) der politischen Grundsätze gesagt ist.

Stalin: Ich schlage vor, diesen Ausdruck aus den wirtschaftlichen Grundsätzen zu streichen und ihn in den politischen Grundsätzen aufzunehmen. (Alle stimmen zu.) Wir haben keine weiteren Abänderungen.

Byrnes: Der Abschnitt IV - über die Reparationen aus Deutschland. Es gibt keine Abänderungen.

Abschnitt V - über die Kriegs- und Handelsflotte Deutschlands.

Stalin: Es gibt einen vereinbarten Beschluß, wir haben keine Abänderungen.

Byrnes: Abschnitt VI - über die Stadt Königsberg und das anliegende Gebiet.

Stalin: Einverstanden.

Byrnes: Abschnitt VII - Kriegsverbrecher.

Stalin: Ich denke, daß der erste einleitende Absatz zu streichen wäre und nur der zweite Absatz bleiben sollte, der mit den Worten beginnt: „Die drei Regierungen haben Kenntnis genommen“ usw.

Bevin: Wir haben es bereits gestrichen.

Stalin: Gut.

Byrnes: Abschnitt VIII - über Österreich.

(Die sowjetische Delegation schlägt vor, aus dem Abschnitt über Österreich den letzten Satz über die Reparationen zu streichen und ihn nur im Protokoll stehenzulassen.)

Truman: Wir nehmen den Vorschlag der sowjetischen Delegation an, den letzten Satz aus der Mitteilung zu streichen.

Byrnes: Abschnitt IX - über Polen.

Stalin: Keine Abänderung.

Bevin: Ich möchte eine kleine Abänderung redaktionellen Charakters vorschlagen. Im zweiten Abschnitt statt der Worte „ihre Haltung wurde in der folgenden Feststellung definiert“ zu sagen „definieren sie ihre Haltung in der folgenden Feststellung“.

Stalin: Das kann man.

Bevin: Auf Seite zwei würde ich hinsichtlich Polens ebenfalls die einleitenden Worte „bezüglich der Westgrenze Polens wurde folgendes Abkommen erzielt“ ersetzen durch die Worte „bezüglich der Westgrenze Polens legten sie folgenden Standpunkt fest“.

Truman: Ich habe bereits den Vertretern der polnischen Regierung mitgeteilt, daß wir der früheren Formulierung zugestimmt haben.

Stalin: Dann ist es besser, die frühere Formulierung zu belassen.

Bevin: Der Vorschlag des Generalissimus, „unmittelbar westlich von Swinemünde“ zu sagen, ist meines Erachtens sehr treffend.

Stalin: Ja, so sollte man besser sagen. Gehen wir zum X. Abschnitt über.

Bevin: Hier möchte ich eine kleine Abänderung vor allem psychologischen Charakters machen. Ich würde den einleitenden Teil des Abschnitts X folgendermaßen fassen : „Die Konferenz einigte sich auf die folgende Erklärung über eine gemeinsame Politik zur möglichst baldigen Schaffung der Bedingungen für einen dauerhaften Frieden nach der siegreichen Beendigung des Krieges in Europa.“ Das klingt besser.

Stalin: Dem Wesen nach ist es die gleiche Formulierung, sie gibt nichts Neues.

Truman: Beides ist akzeptabel.

Bevin: Englisch liest sich das besser. Im Amerikanischen vielleicht schlechter? (Heiterkeit)

Truman: Beides ist akzeptabel.

Stalin: Die frühere Formulierung enthält den gleichen Gedanken wie bei Herrn Bevin, aber er ist kürzer dargelegt. Man kann aber natürlich auch das andere akzeptieren.

Bevin: Dann ziehen Sie diesmal bitte unsere Fassung vor. (Heiterkeit)

Stalin: Wenn Herr Bevin darauf besteht, kann man wohl seine Formulierung akzeptieren.

Truman: Ich bin einverstanden. Abschnitt XII - über die Verfahrensrevision bei den alliierten Kontrollkommissionen in Rumänien, Bulgarien und Ungarn.

Stalin: Das ist vereinbart.

Truman: Abschnitt XIII - Überführung deutscher Bevölkerungsteile.

Stalin: Hier ist bereits besser gesagt - „ordnungsgemäße Überführung“.

Truman: Die Frage der militärischen Verhandlungen.

Stalin: Ist von allgemeinem Interesse. Wir haben keine Einwände, daß die Frage in der Mitteilung erscheint.

Bevin: Die englische Delegation hat eine Frage zu Abschnitt XII über die Verfahrensrevision bei den alliierten Kontrollkommissionen in Rumänien, Bulgarien und Ungarn. In den letzten drei Zeilen heißt es: „und nimmt als Grundlage bezüglich der drei Länder die Vorschläge der Sowjetregierung für die Alliierte Kontrollkommission in Ungarn an“. Aber wir sagen nicht, worin diese Vorschläge bestehen. Deshalb könnte man sagen, „wobei die vereinbarten Vorschläge als Grundlage dienen sollen“.

Stalin: Dem kann man zustimmen. Wer wird die Mitteilung unterzeichnen?

Truman: Es unterzeichnen alle.

Stalin: Gut.

Truman: Kehren wir zum einleitenden Teil der Mitteilung zurück.

Stalin: Wir haben keine Einwände.

Bevin: Wir möchten die Mitteilung am Freitagmorgen in der Presse veröffentlichen. 6

Stalin: Und wann kann sie im Rundfunk gesendet werden?

Bevin: Donnerstag, 9.30 Uhr abends, Greenwich-Zeit. 6

Stalin: Gut.

Byrnes: Bezüglich des Ruhrgebiets. Im russischen Text des Protokolls heißt es, daß die Konferenz die sowjetischen Vorschläge bezüglich des Ruhrindustriegebiets behandelt hat. Es wurde beschlossen, diese Frage dem Rat der Außenminister in London zur Diskussion zu überweisen. Im englischen Text des Protokolls fehlt der Hinweis auf das Ruhrgebiet. Ich habe das so aufgefaßt, daß es keinen solchen Beschluß gab, aber der Präsident sagt, daß dies auf seinen Vorschlag hin angenommen wurde. Ich schlage deshalb vor, die Fassung zu präzisieren. Hier ist nicht gesagt, worin der Vorschlag der sowjetischen Delegation besteht, der dem Rat der Außenminister in London zur Behandlung überwiesen wird.

Stalin: Diese Frage muß man meines Erachtens absetzen.

Truman: Gut.

Stalin: (nach Kenntnisnahme der Grußadresse an Churchill und Eden) Ich habe keine Einwände gegen den vorgeschlagenen Text der Adresse.

Attlee: Ich schlage vor, daß das Telegramm in englischer Sprache vom Präsidenten und vom Generalissimus unterzeichnet wird.

Stalin: Wäre es nicht möglich, daß der Präsident als Vorsitzender der Konferenz als erster unterschreibt?

Attlee: Es werden hier drei Unterschriften stehen.

(Die Grußadresse wird von den drei Regierungschefs unterzeichnet.)

Byrnes: Ich denke, daß man Vertreter benennen sollte, die den Text des Protokolls überprüfen.

(Es werden die Vertreter für die Kommission zur Redigierung des Protokolls benannt.)

Truman: Ich erkläre die Berliner Konferenz für geschlossen. Bis zur nächsten Begegnung, die, wie ich hoffe, bald stattfinden wird.

Stalin: Gott geb's!

Attlee: Herr Präsident, bevor wir auseinandergehen, möchte ich dem Generalissimus unseren Dank aussprechen für die ausgezeichneten Maßnahmen, die hier getroffen wurden zu unserer Unterbringung und zur Schaffung guter Arbeitsbedingungen und Ihnen, Herr Präsident, für die so geschickte Leitung dieser Konferenz.

Ich möchte die Hoffnung ausdrücken, daß unsere Konferenz sich als wichtiger Markstein auf dem Wege erweisen wird, auf dem unsere drei Völker gemeinsam zu einem dauerhaften Frieden schreiten, und daß die Freundschaft zwischen uns drei, die wir uns hier getroffen haben, fest und von langer Dauer sein wird.

Stalin: Das ist auch unser Wunsch.

Truman: Im Namen der amerikanischen Delegation möchte ich dem Generalissimus den Dank aussprechen für alles, war er für uns getan hat, und ich möchte mich den Worten von Herrn Attlee anschließen.

Stalin: Die russische Delegation schließt sich den von Herrn Attlee hier ausgesprochenen Dank an den Präsidenten für dessen geschickte und exakte Leitung an.

Truman: Ich danke Ihnen für die gute Zusammenarbeit bei der Lösung aller wichtigen Fragen.

Stalin: Ich möchte Herrn Byrnes meinen persönlichen Dank aussprechen, der uns in unserer Arbeit wertvollen Beistand geleistet und das Zustandekommen unserer Beschlüsse gefördert hat.

Byrnes: Ich bin tief gerührt durch die liebenswürdigen Worte des Generalissimus und hoffe, daß ich gemeinsam mit meinen Kollegen für die Arbeit dieser Konferenz nützlich war.

Stalin: Die Konferenz kann man wohl als gelungen bezeichnen.

Truman: Ich möchte den anderen Außenministern und all denen, die uns in unserer Arbeit so sehr geholfen haben, danken.

Attlee: Ich schließe mich den Gefühlen, die hier an die Adresse unserer drei Außenminister geäußert wurden, an.

Truman: Ich erkläre die Berliner Konferenz für geschlossen.

(Die Konferenz endete am 2. August 1945 um 00.30 Uhr.)

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