Ludo Martens

"Stalin anders betrachtet"

Daß ein berühmter Dissident der Sowjetunion, der heute im "wiedervereinigten" Deutschland lebt, daß ein Mann, den in seiner Jugendzeit seine Antistalinismus bis zur Vorbereitung eines gegen Stalin gerichteten Attentates trieb, ein Mann, der ganze Bücher voll schrieb, um all seine schlechten Meinungen ?ber die stalinistische Politik zum Ausdruck bringen zu können, daß ein solcher Mann in seinen alten Tagen sich gezwungen fühlt, Stalin Ehrenbezeugungen zu erweisen, das gibt doch wohl zu denken.

So mancher, der sich Kommunist nennt, hat keinen solchen Mut aufgebracht. Ist es doch wirklich nicht leicht, seine schwache Stimme gegen den Orkan der antistalinistischen Propaganda zu erheben.

Übrigens fühlen sich sehr viele Kommunisten auf diesem Gebiet sehr bedrängt. Alles, was die Feinde des Kommunismus 35 Jahre lang aufgebracht und behauptet hatten, hat Chruschtschow 1956 bestätigt. Seit diesem Zeitpunkt scheint sich die Einstimmigkeit in der Verurteilung Stalins - angefangen von den Nazis über die Trotzkisten und dem Tandem Kissinger-Brzezinski bis zum Duett Chruschtschow-Gorbatschow - als Beweis der Wahrheit durchzusetzen. Die Verteidigung des historischen Werkes Stalins und der Bolschewistischen Partei wurde unvorstellbar, wurde zu einer ungeheuer schwierigen Sache. Viele Menschen, obwohl sie sich der mörderischen Anarchie des Weltkapitalismus eindeutig widersetzen, haben sich einschüchtern lassen und nachgegeben.

Heutzutage, da man feststellt, da? sich ein zerstörerischer Wahnsinn der ehemaligen Sowjetunion bemächtigt hat, mit seinem Gefolge von Hunger, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Elend, Korruption, offener Diktatur und zwischen-ethnischen Kriegen, muß ein Mann wie Sinowjew die seit seinem frühen Jugendalter fest in ihm verankerten Vorurteile wieder in Frage stellen. Es besteht kein Zweifel, wer die Ideale des Sozialismus verteidigen will, muß zumindest ebenso handeln. Auf der ganzen Welt werden sich alle kommunistischen und revolutionären Organisationen gezwungen sehen, ihre seit 1956 in bezug auf das Werk Stalins geäußerten Meinungen und Urteile zu ?berprüfen. Niemandem kann diese eindeutige Klarheit entgehen. Nachdem 35 Jahre lang der "Stalinismus" aufs heftigste entlarvt wurde, Gorbatschow mit allem, was Stalin geschaffen hatte, tatsächlich aufräumte, konnte man feststellen, daß auch Lenin in der Sowjetunion zu einer "persona non grata" geworden war. Mit dem Stalinismus wurde auch gleichzeitig der Lenin ismus zu Grabe getragen.

Die revolutionäre Wahrheit ?ber die Epoche der Pioniere des Sozialismus wiederaufzudecken, ist eine kollektive Aufgabe, die vor allen Kommunisten der Welt steht. Diese revolutionäre Wahrheit wird aus der Gegenüberstellung der Quellen, der Aussagen, Beweise und Analysen hervorgehen, wobei der Beitrag der sowjetischen Marxisten- Lenin isten ganz bedeutungsvoll sein wird. Nur sie haben Zugang zu bestimmten Quellen und Zeugen, müssen aber gegenwärtig unter den schwierigsten Bedingungen arbeiten.

Unsere diesbezüglichen Analysen und Überlegungen veröffentlichen wir nun hier unter dem Titel "Stalin anders betrachtet". Die Klasse, deren fundamentales Interesse darin besteht, das System der Ausbeutung und Unterdrückung aufrechtzuerhalten, zwingt uns Tag f?r Tag ihr Trugbild Stalins auf. Stalin anders betrachten bedeutet also, diese historische Persönlichkeit mit den Augen der Klasse der Ausgebeuteten und Unterdrückten zu sehen.

Dieses Buch ist keine Biographie Stalins. Seine Absicht ist, den gegen Stalin vorgebrachten Angriffen gegenüberzutreten: Das "Testament Lenin s", die Zwangskollektivierung, die alles erstickende Bürokratie, die Beseitigung der alten bolschewistischen Garde, die großen Säuberungsaktionen, die gewaltsame Industrialisierung, das geheime Einverständnis zwischen Stalin und Hitler, Stalins Unfähigkeit in Fragen des Krieges usw.: Wir sind ans Werk gegangen, gewisse "große Wahrheiten" ?ber Stalin aufzuzeigen.

"Wahrheiten", die tausendmal in den Zeitungen, im Geschichtsunterricht, in den Interviews in einigen Sätzen zusammengefaßt wurden und die sozusagen ins Unterbewußtsein eingedrungen sind.

"Aber wie kann es denn möglich sein", sagte uns ein Freund, "einen Mann wie Stalin zu verteidigen?"

In seiner Frage lag Überraschung und Empörung. Sie erinnerte mich an das, was einst ein alter kommunistischer Arbeiter zu mir sagte. Er erzählte mir von 1956, als Chruschtschow seinen berühmten Geheimbericht verlesen hatte. Da gab es in der Kommunistischen Partei stürmische Diskussionen. An einer solchen Auseinandersetzung nahm auch eine ältere Frau teil, eine Kommunistin aus einer kommunistischen jüdischen Familie. Sie hatte während des Krieges zwei Kinder verloren, ihre in Polen lebenden Angehörigen wurden umgebracht. Sie rief mit lauter Stimme: "Wie können wir denn Stalin nicht unterstützen? Er hat doch den Sozialismus aufgebaut, den Faschismus zerschlagen. Stalin, der alle unsere Hoffnungen verkörperte!"

Im ideologischen Wirbelsturm, der über die Welt hinwegbrauste, ist diese Frau dort, wo andere nachgaben und sich beugten und krümmten, der Revolution treu geblieben - und deshalb hat sie auch Stalin mit anderen Augen gesehen. Eine neue Generation von Kommunisten wird genau wie diese Frau und Kommunistin Stalin anders betrachten.

Englische Ausgabe

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Cover der spanischen Ausgabe

Rückseite in spanischer Sprache als PDF

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