Gespräche mit Richard Iwanowitsch Kosolapow
Prof. Dr. der philosophischen Wissenschaften

Vorwort

In zwei Interviews hat Professor Dr. Kosolapow, ein namhafter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Philosophie und Politologie, in der früheren Sowjetunion Mitarbeiter des ZK der KPdSU, zu wichtigen Fragen der Rolle Stalins in der Geschichte der Sowjetunion und der kommunistischen Bewegung Stellung genommen. In wissenschaftlich schlüssiger und überzeugender Weise hat er das Wirken Stalins als Politiker und Staatsmann auf den Boden der historischen Fakten zurückgeholt, falsche Klischees über Stalin ausgeräumt sowie Verleumdungen seiner Person und Verfälschungen seiner historischen Leistungen widerlegt. Damit liefert er ein fundiertes Material für eine sachliche Diskussion über Stalin als überragenden Marxisten- Lenin isten, Politiker und Staatsmann. Immer mehr Menschen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, in Europa und anderen Kontinenten, die Opfer einer antistalinistischen Lügen- und Desinformationskampagne, die in der Geschichte kaum Parallelen kennt, wurden, sind in letzter Zeit wieder zu einer realen Bewertung Stalins gelangt und haben die gegen ihn aufgebauten Informationsbarrieren durchbrechen können.

Die offizielle Verurteilung Stalins stieß auch in der Sowjetunion unmittelbar nach der Geheimrede Chruschtschows im Februar 1956 auf heftigen Widerstand. Trotz politischer Diskriminierung und Verfolgung treuer Marxisten- Lenin isten durch Chruschtschow gelang es ihm aber nicht, das Andenken und die Verehrung Stalins im Sowjetvolk auszumerzen. Es dauerte allerdings bis zur Amtsenthebung Chruschtschows 1964, dass über das Wirken Stalins auch in der Sowjetunion wieder in einer Atmosphäre der Informations- und Meinungsfreiheit geschrieben und gesprochen werden konnte.

Leider begann sich ab 1967 der Kurs Andropows durchzusetzen, der an der Verurteilung Stalins festhielt und als KGB-Chef dessen offizielle Rehabilitierung, wie sie in den 60er Jahren nicht nur von den meisten Sowjetbürgern und KPdSU-Mitgliedern, sondern auch von zahlreichen ZK-Mitgliedern einschließlich Politbüromitgliedern gefordert wurde, verhinderte. Der Antistalinismus konnte so zur Hauptwaffe der zunächst schleichenden und dann offen vorangetriebenen Konterrevolution entwickelt werden.

Unter Gorbatschow und Jelzin nahm die Verteufelung Stalins groteske und inquisitorische Formen an. Sie wurde mit einer systematischen Volksverdummung verbunden. Professor Dr. Kosolapow war in Rußland einer der Persönlichkeiten, die tapfer und selbstentsagend den Kampf gegen die Flut von Beschimpfungen und Lügen, die sich über Stalin ergoss, aufnahm. Ihm kommt das Verdienst zu, in Rußland die Gesammelten Werke Stalins neu herausgegeben zu haben. Erstmalig sind unter seiner Redaktion auch die noch unter Chruschtschow verbotenen Bände 14 und 15 der Öffentlichkeit vorgelegt worden. Außerdem wurde die Reihe der Gesammelten Werke Stalins um einen weiteren Band 16 erweitert. Damit erhält wieder ein breites Publikum die Möglichkeit, sich ein eigenständiges Urteil über Stalin zu bilden, ohne von verlogenen Meinungsmachern und Geschichtsfälschern abhängig zu sein. Es gibt gegenwärtig in Rußland bereits wieder eine große Zahl von Publikationen, die über Stalin ein einigermaßen objektives und sachlich fundiertes Bild vermitteln.

Mit der Veröffentlichung der beiden Interviews mit Kosolapow in einem Heft (das erste Interview wurde als Sonderheft veröffentlicht) wollen wir nach der Publikation des Buches von Ludo Martens „Stalin anders betrachtet“ in deutscher Sprache und der Broschüren von Kurt Gossweiler „Der Antistalinismus, das Haupthindernis für die Einheit aller antiimperialistischen Kräfte in der kommunistischen Bewegung“ und „Die Wahrheit über Stalin, Entlarvung der heimtückischen und verlogenen Geheimrede Chruschtschows an den XX. Parteitag der KPdSU“ in der Aufklärung über die Rolle Stalins im deutschsprachigen Raum fortfahren.

Hans Wauer

 

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