Henri Barbusse

Stalin
Eine neue Welt

VII

Die zwei Welten

Da sind wir also, unter den aufsteigenden Sonnen - in dieser Epoche, wo, wie Kaganowitsch sagt, wahre Ozeane unter den Brücken durchfließen.

Alle Staaten, bis auf einen, gehen durch den Faschismus ihrem Untergang entgegen, und alle treiben zum Kriege. Die Lage ist tragisch. Aber sie ist nicht kompliziert. Sie ist einfach.

Im 19. Jahrhundert hat sich die aktive Menschheit infolge der schärferen Herausarbeitung und Klärung der früheren politischen Zustände in zwei Lager geteilt: Konservative und Revolutionäre. Solche, die die kapitalistische Form der Gesellschaft aufrechterhalten und solche, die sie umwandeln wollten. Zwischen diesen zwei großen Lagern hat der Kampf begonnen, eigentlich überall, und er zeigt die Tendenz, zu einem allgemeinen Kampf zu werden.

Praktisch trat auf der einen Seite die Arbeiterklasse auf, teilweise organisiert in einer internationalen (politischen und gewerkschaftlichen) Armee, begleitet von allen, die mit ihr sympathisieren. Auf der andern Seite stand die herrschende Bourgeoisie - Universalerben der französischen Revolution -, ihr Staatsapparat, ihre Advokaten und Verteidiger aller Art und, in vielen Abstufungen, alles was nicht revolutionär ist. Es schien Zwischenstellungen zu geben. In Wirklichkeit gab es sie nicht. Zwischen den beiden entscheidenden Parteien spielten alle anderen politischen Parteien ein bedeutungsloses und flüchtiges Komödienspiel. Aus diesem Zustand ergab sich die Gewissheit: es gibt keine dritte Welt. Es gibt keinen dritten Weg. Es gibt keine Zwischenlösung. Alles was nicht wirklich revolutionär ist, ist konservativ. Auch die Reformisten sanken nach und nach in den Konservatismus zurück Auch die Neutralen und Indifferenten glitten mit ihrem toten Gewicht zu ihnen. Selbst die halben Revolutionäre fielen in den Konservatismus zurück und gingen vollständig in ihm unter. Solange man nicht alles hat, hat man nichts.

Infolgedessen beruht der großspurige bürgerliche Liberalismus, der, wie alle "Mittelwege", so viele Anhänger hat, dessen Losung ist: "Weder Reaktion noch Revolution", und der diese Melodie in allen Tonarten singt, auf einer grob irrtümlichen Interpretation der Wirklichkeit. Die Tatsachen selbst stellen in unserer Zeit unausweichlich die Frage: Reaktion oder Revolution. Das sind die beiden einzigen Alternativen. Dank der unentrinnbaren Logik der Dinge gleiten und stürzen alle Zwischengebilde entweder nach rechts oder nach links (fast immer nach rechts). Es ist unmöglich. dieser Mathematik der Wirklichkeit zu entrinnen. Die ganze moderne Geschichte bestätigt es. Man kann es nicht genug wiederholen, nicht genug einhämmern: Wenn er nicht Revolutionär ist, ist der Nichtkonservative, was er auch sagen und tun möge, doch Konservativer. Die goldene Mitte ist nur verschleierte Reaktion. Es bleiben immer die zwei Blocks. Der Kapitalismus, der mit künstlichen Mitteln (durch eine verlogene Propaganda und durch den Missbrauch der Macht, die er nur dank der früher einmal eroberten Position besitzt) beide: das Individuum sowohl wie die Nation, anarchisch aufbläht, der die Quintessenz der Ungerechtigkeit, der Verschwendung, der Korruption und des Krieges darstellt - und der Sozialismus, der alle Formen der privaten Bereicherung verschwinden lässt und alles in die Hände der Gemeinschaft des Schaffenden, der Hand- und Kopfarbeiter zurückleitet und der sagt, dass die Nation nicht die letzte, sondern die vorletzte Stufe der Vereinigung der Erdbewohner ist .

*

Heute haben wir immer noch dieselbe Zweiteilung mit denselben Hauptmerkmalen, aber mit einer anderen Kräfteverteilung vor uns.

Neue Dinge haben sich ereignet - und was für Dinge! Eine allgemeine Stärkung der Arbeiterbewegung und des revolutionären Bewusstseins. Mehrere Revolutionen als Folge eines Krieges, dessen Opfer auch mit Dutzenden von Millionen und dessen verwüstende Folgen auch mit Hunderten von Milliarden nicht richtig berechnet werden können. Eine dieser Revolutionen hat die Bildung eines sozialistischen Staates in einem riesigen Lande zur Folge gehabt. Mit dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts ist die Zeit abgeschlossen, wo der Äquator nichts als den kapitalistischen Bauch umgürtete. Zur selben Zeit ist die sozialistische Weltrevolution, die Internationale, neu geschmiedet worden.

Dann, kurz darauf, brach die Weltwirtschaftskrise aus. "Eine vorübergehende Krise, wie die andern", sagten die verdutzten Propheten, "nur die siebente oder achte." Nein, es ist eine organische Krise des Kapitalismus, eine Krise des Verfalls, des Alters, der Fäulnis. Alle Mittel sind versucht. Aber die Märkte bleiben verstopft. Produzieren, produzieren; verkaufen, verkaufen! Aber alle Käufer an den Grenzen sind auch Verkäufer. Die Ware fällt auf die Produktionsländer zurück und benimmt ihnen den Atem. Der Handel stirbt an einer Fehlgeburt: normales Resultat des kapitalistischen Prinzips selbst. Nicht eine Überproduktion ist schuld - für die Welt als Ganzes reicht die ganze bestehende Produktion nicht aus - sondern die Unordnung in der Verteilung infolge des wirtschaftlichen Nationalismus. Nichts ist bei diesem Zustand natürlicher, als dass es in den großen Unternehmungen von Spitzbuben und Betrügern wimmelt.

Es ist aus mit der Möglichkeit, eine Methode, die Elend sät, zum Bankrott führt und Diebe verherrlicht, ein Regime. in dem die Arbeit Hunger einbringt (ganz zu schweigen vom Kriege, der wieder überall auftaucht) als Muster hinzustellen. Selbst der amerikanische Arbeiter, der vergoldete Arbeiter, kann nicht mehr als Beispiel für die Freuden der Sklaverei angeführt werden: auch dieses große Argument des Betrugs der Massen ist geplatzt.

So muss der Kapitalismus, wenn er weiter Kapitalismus bleiben will, sein Spiel verstecken. Er tut es mit verschämter Niedertracht. Der Kapitalismus kann aus dieser Krise, wie Stalin kürzlich sehr bildhaft gesagt hat, nicht mehr "mit erhobenem Haupt", sondern nur auf "allen Vieren" hervorgehen.

Angesichts der Fortschritte des Sozialismus und der Fortschritte ihres eigenen Verfalls hat die Bourgeoisie schnell ihre Fassung wiedergefunden. Sie hat mit den ihr zur Verfügung stehenden materiellen Mitteln ihr konservatives Herrschaftsprogramm vervollkommnet und tritt jetzt vermummt auf. Das kapitalistische System bleibt hinter den Kulissen. Es zeigt sich nicht mehr selbst auf der Bühne.

Diese Verkleidung, die man Faschismus nennt - und die, ohne eine notwendige Phase der bürgerlichen Macht zu sein, praktisch überall auftritt und zur neuen Uniform des Kapitalismus wird - hat die Spaltung des Gegners als Hauptziel, insbesondere aber die Isolierung sowohl des Sozialismus wie der ganzen Arbeiterklasse durch die Gewinnung der nicht zur Arbeiterschaft gehörenden Werktätigen. Diese Taktik ist von langer Hand, durch eine konsequente, intensive. sehr berechnete Propaganda seit dem Kriege vorbereitet worden, bei dessen Beendigung die herrschenden Klassen schwer erschüttert waren und ins Wanken gerieten.

Der Kapitalismus hat die Unzufriedenheit, die die vielen Enttäuschungen und Entsagungen der Nachkriegszeit hervorgebracht hatten, angestachelt und durch eine bestimmte demokratische Demagogie und einige verstohlene Anleihen bei der sozialistischen Terminologie (Warenhausdiebstahl!) auszunutzen gewusst. Er hat alle Bitterkeiten, alle Enttäuschungen, Zorn und Wut der Massen in eins gemischt. Er hat diesen Strom in ein Bett gefasst und gegen einige Sündenböcke gelenkt.

Einer dieser Sündenböcke ist (abgesehen vom Sozialismus) der Parlamentarismus, der weggeräumt werden soll, um den Vorwand für einige Freiheiten wegzuräumen (die Freiheiten selbst sind schon längst verschwunden). So belädt man das parlamentarische Regime (das sich übrigens recht gut dazu eignet) mit allen Sünden Israels: bequemes und geschicktes Manöver, um das bürgerliche Regime selbst zu entlasten.

Und dann all die andern Sündenböcke in beliebiger Zahl. Lauter als irgend jemand hat die herrschende Reaktion gegen die Skandale, Unterschlagungen und beinah offiziellen Betrügereien gewettert, die die Frucht ihrer eigenen Methoden sind, und hat sich alle Mühe gegeben, die Untaten des Kapitalismus nicht allen Kapitalisten, sondern nur denjenigen in die Schuhe zu schieben, die es schließlich selbst für die Klassenjustiz zu toll trieben.

Durch solche Wortverdrehungen (das dehnbare Wort "Regime" musste besonders dabei herhalten) konnte die neu herausgeputzte Reaktion in Antikapitalismus machen, der immer eine ausgezeichnete demagogische Wirkung hat. Das ist das einzige Mittel, um den Kapitalismus zu erhalten: Beseitigt das Parlament, um eine diktatorische Regierung an seine Stelle zu setzen und verfolgt die Spitzbuben, die sich haben erwischen lassen - und der Kapitalismus wird unangreifbar. Diese Verteidigungsaktion des Kapitalismus mit ihrem oberflächlichen und negativen Rumpfprogramm wird getragen von aller Art von Organisationen, die sich kaum durch ihren Namen unterscheiden, und die gegen die Arbeiterbewegung Block bilden.

Man hetzt die Bauern und die Mittelschichten gegen den Arbeiter, die Beamten und Angestellten gegen die Handarbeiter auf. Alle zusammen hetzt man gegen die Beamten. Man gaukelt den Steuerzahlern, den ehemaligen Kriegsteilnehmern, die nicht klar sehen, und den jungen Leuten etwas vor. Die Grundidee ist die Organisierung der Nichtorganisierten, der fluktuierenden Bevölkerung in einer neuen Organisation, deren Zügel man hält, um mit dieser neuen Organisation den Arbeiter zu erdrücken.

Gegen den Sozialismus - den Dreckigen, Räudigen, den Vater alles Übels, in einen Topf geworfen mit dem parlamentarischen Regime -, gegen ihn zieht man mit Verleumdungen zu Felde. Man macht den Leuten Angst, indem man ihnen 'einredet, der Sozialismus sei an ihrem Elend schuld.

Man sagt ihnen: "Die Sozialisten waren in England, in Deutschland am Ruder. Was haben sie gebracht?" Man versäumt hinzuzufügen, dass die betreffenden Herren vielleicht dem Namen nach Sozialisten waren, aber den Sozialismus niemals praktisch zu verwirklichen versucht haben. Wenn diese Verdrehung Erfolg haben konnte, so nur dank der Taten gewisser sozialdemokratischer Führer in der Kriegs- und Nachkriegszeit, die den Arbeitern wirklich Schaden gebracht haben. Ihre bewussten oder kindischen Schiebungen und ihr wirklicher Verrat haben den Sozialismus nicht wenig in Misskredit gebracht und haben sein Ansehen in gewissen Arbeiterschichten, die für die unerschütterliche Energie des Kommunismus noch nicht reif waren, bedeutend geschwächt.

Andererseits stellt man mit großem Gepränge Herrn Mac Ronald zur Schau, der sich vom Sozialismus zur kapitalistischen Tugend bekehrt hat, "wie man in Abstinenzvereinen einen geheilten Säufer zur Schau stellt", sagt Herr Snowden {dessen Kritik wiederum von Eifersucht und persönlicher Kränkung diktiert ist). Die wirklichen Errungenschaften des Sozialismus, seine Erfolge in der Sowjetunion, werden verheimlicht und den Völkern vorenthalten.

Diese Neoreaktionäre haben es natürlich besonders auf die Arbeitergewerkschaften abgesehen. Wir wissen, was Mussolini von ihnen denkt, und diejenigen, die Hitler einblasen, was er zu reden hat. Vor nicht langer Zeit sagte Herr Andre Tardieu wörtlich: "Um aus der Weltkrise herauszukommen, genügt eine wirkliche staatliche Kontrolle der Arbeitergewerkschaften." Ganz nach diesem Grundsatz glänzt in Italien der Korporativstaat, in Deutschland das Ständewesen und in Frankreich erscheinen beide im Hintergrund der Bühne. Es ist ein ganz gewöhnliches Sklaven- und Militärsystem, geeignet, die Begeisterung Herrn Krupps zu wecken: es macht aus jedem Arbeiter einen Soldaten des Unternehmers - ein Werkzeug oder ein Gewehr mit Füßen.

Aber die Hauptwaffe des Faschismus gegen den Sozialismus ist der Nationalismus.

Nationale Einheit und Größe, verkündet er, kann nur bestehen, wenn man den Internationalismus vernichtet, der der Hauptgrund aller Unordnung, allen Elends und aller Niederlagen ist. Also auf, gegen die Fremden, gegen die Hergelaufenen, gegen die Juden und besonders gegen die Sozialisten, besonders gegen die Kommunisten.

Der Nationalismus ist das dynamische Prinzip des Faschismus. Der chauvinistische Schnaps setzt den opportunistisch neu gruppierten Kapitalismus in Marsch. Das ist der Sauerteig.

Wahrhaftig, ein furchtbarer Gärstoff- der einfachste, der schrecklichste, der gefährlichste. Dieser Bazillus trägt den Brand in den Leib von Hunderten von Millionen von Menschen. Der Mythos von nationalem Interesse und der nationalen Ehre bringt den gemäßigten und neutralsten Bürger in Wut - um wieviel mehr eine ausgehöhlte und schreilustige Jugend. Das ist der böseste aller bösen Instinkte, denn ansteckend, wie er ist, treibt er die Menschen blind in das schlimmste Elend.

"Wir, wir allein!" Eine kurze schlagende Losung, die langes Überlegen und wirkliche Überlegenheit unnötig macht.

Eine großartige Formel für alles, die in gleicher Weise zu den Lebensinteressen der Geldsäcke, der Buntröcke und der Schwarzröcke und zu der Dummheit der anderen passt.

Der Sozialkonservatismus tritt also zum Endkampf unter der Maske einer angeblichen moralischen und nationalen Erneuerung an, die den Sozialismus und die bürgerliche Freiheit niedertrampelt; in der Gestalt einer starken Macht, die sich mit militärischen Mitteln durchsetzt und jeder Kritik entzieht. Es ist die zur Partei gewordene kapitalistische Polizei!

Das ist das Durcheinander, das der Faschismus im Kopf des Steuerzahlers angerichtet hat oder anzurichten im Begriffe ist und mit Hilfe dessen er behauptet, die Krise und den Verfall überwinden zu können - mit denselben Mitteln,. die Krise und Verfall hervorgebracht haben. Die verschiedenen Abarten des Faschismus variieren an der Oberfläche. Im Grunde sind sie ein und dasselbe.

Was hilft es dieser angeblich neuen Lehre der Volksbefreiung, wenn sie eine Art von demokratischer Komödie aufzieht, den Sozialismus karikiert, das Wort Revolution und Planwirtschaft, ja selbst Antifaschismus, nicht aus dem Munde lässt und die proletarischen Prinzipien mit Füßen tritt, um höherzustehen? Diese Lehre, die in Italien, in Deutschland, in Ungarn, in Polen, auf der Balkanhalbinsel, in Portugal und in Österreich zur Macht gekommen ist und die gegen alle freien Männer und Befreier die scheußlichste Menschenschlächterei und die grässlichsten Foltern losgelassen hat; was nützt es dieser Lehre, die zur Stunde in Frankreich und anderwärts unter der Jugend, der Kleinbourgeoisie und den Schäflein der verschiedenen Kirchen Anhänger sucht - sie ist doch nicht weniger als sozialistisch oder neu?? Es ist der alte Kapitalismus, nur aufgeputzt, goldbetresst und militarisiert; dieselben alten Grundwidersprüche leben weiter in dieser Lehre, die so unbestimmt ist, dass die braven Bürger - wenigstens zu Beginn - glauben können, dass man sie nicht nach rückwärts zieht, sondern vorwärts führt.

Er bringt nichts Neues, der Faschismus. Er ist jetzt und in Zukunft nichts als ein Firnis über verruchtem, altem Kram, und die Faschisten sind nur dann einfallsreich und originell, wenn es sich darum handelt, neue Farben für ihre Hemden zu finden oder den Massen einzureden, dass man von blauem Dunst leben kann.

Es ist immer dieselbe Gesellschaft, in der man nur vorwärtskommen kann, wenn man andere vernichtet, wo man nur lebt, wenn man andere tötet, dieselbe Gesellschaft, die in neue Erdteile zieht, um in schwach verteidigte Länder einzubrechen und den Eingeborenen Bezahlung für die Luft abzufordern, die sie atmen; jene verfluchte alte Gesellschaft, wo man ein anständiger Mensch nur dann bleiben kann, wenn man ein Narr ist, wo die Wahlen den Willen des Volkes verfälschen; die Gesellschaft der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, der Ermordung des Menschen durch den Menschen; die Gesellschaft, wo die große soziale Abrechnung durch pompöse Scheinlösungen immer wieder hinausgeschoben wird; die Gesellschaft, in der Bälle einen Vulkan maskieren.

Einem solchen System ist es versagt, die Krise zum Stehen zu bringen. Im Gegenteil: je mehr der Nationalismus sich entwickelt, umso mehr geht er seinem Untergang entgegen. Er kann nichts verwirklichen, es sei denn, Todesurteile. "Die Ordnung", die die Bourgeoisie proklamiert, ist, als Beendigung der jetzigen Unordnung, die Ordnung des Kirchhofs.

Was kann daraus hervorgehen? Der Krieg. Dann kommen sie wieder: die berüsselten Gasmasken, die Soldatenzüge, die Überlebenden hinter Leichenwagen, die Massen, die in den indirekten Tod rennen, die metallübersäten Felder, die versteinerten Dörfer und die vergasten Menschen in unterirdischen Kellern.

Aber Krieg - das bedeutet auch soziale Revolution, die überall in den Furchen der Schützengräben keimt, und auf den Herden der Städte glimmt.

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Wenn bis dahin das faschistische Scheinprogramm aus grobem Schwindel und leeren Versprechungen eine Chance hat sich durchzusetzen, so verdankt es sie - abgesehen von seinen demokratischen Spiegelfechtereien - der brutalen Gewalt, der Staatsmacht, deren es sich bedient. Alle Regierungen Europas und Amerikas sind heute faschistisch oder vorfaschistisch.

Mit seinen stürzenden Statistiken, seinen sinkenden Ziffern und seiner zusammenbrechenden Wirtschaft ist der Kapitalismus doch politisch noch stark. Diese Bankrotteure sind bis an die Zähne bewaffnet. Sie stehen kaum aufrecht, aber sie haben noch Bomben, Maschinengewehre, Tanks und Armeen in ihrer Gewalt. Sie haben noch wohlgenährte Schutzleute, die man auf Jahrmärkten ausstellen könnte. Sie haben die Gerichte und die Gefängnisse, die Zeitungen und die Schulen, die Diplomatie und die Angriffspakte. Sie haben die Gesetze, und sie prägen Recht wie Geld. Sie betreiben eine Inflation der Gesetzgebung. Sie verfügen über alle Mittel, um ihre Länder von freien Männern reinzufegen, die Schwachen zu unterdrücken; die Zivilisation zu fälschen; genug, um einen Teil der Kleinbourgeoisie mit Nationalbewusstsein vollzupumpen, bis zum Veitstanz, bis zum Tode; genug, um Arbeitskraft zu vergeuden und- die Ära des Niedergangs und der Zerstörung noch ein wenig zu verlängern.

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Es gibt also heute sechs Erdteile: die fünf alten und den neuen. Überall, außerhalb des Sowjetkontinents, sind die Regierungen die Feinde des Volkes.

Alle die in ihren Ländern und in den von Landesgrenzen eingezäunten Konzentrationslagern wie Gefangene eingesperrten Völker sind einander wert und gelten nicht weniger als das Sowjetvolk. Sie alle sind groß und ehrwürdig. Die lebende Masse ist heilig. Der Hass, den man für die kapitalistischen Regierungen empfindet (die aus der Ferne betrachtet Verrückte sind und von nahem gesehen Missetäter), gehört zu dieser Achtung vor den Völkern: vor dem großen deutschen Volk, dem großen italienischen Volk; dem großen englischen Volk und vor allen anderen (besser gesagt: vor dem großen einigen Volk der Menschheit).

Die Regierungen, die überall die Macht missbrauchen (die sie nicht innehätten, wenn alle Fragen ehrlich gestellt würden), bedienen sich in der Innenpolitik bald der Folter, bald der Quacksalberei und der Hypnose, um den Armen einzureden, dass sie sie gesund machen wollen. Und im Verkehr untereinander bedienen sie sich einer sonderbar verdrehten Kasuistik und Maskerade - denn man kann ja bei einer Politik, wo der Aufstieg des einen unvermeidlich von der Knechtung des andern abhängt, nicht mit offenen Karten spielen.

Über zahlreiche Vorkonferenzen und Vorverträge führt alles das zum steigenden Wettrüsten. Freie Bahn den Kanonenkönigen, die ihre Waren mit Eleganz auch dem eventuellen zu-künftigen Feind verkaufen! Der Weltkrieg hat uns, erinnern wir uns, einen angenehmen kleinen Vorgeschmack gegeben: an der bulgarischen Front wurden französische Soldaten von französischen 75er Granaten zerrissen. Während des Rif-Krieges fielen französische Soldaten unter Schüssen aus französischen Gewehren. Der Herr Schneider aus Creusot kontrolliert und betreibt die tschechische Waffenfabrik von Skoda, die Deutschland Waffen liefert und Hitler zum Kriege treibt. Kürzlich hat auf einem Kongress der radikal-sozialistischen Partei Jean Sennac, ohne widerlegt zu werden, erklären können, dass Schneider 400 Tanks an Deutschland verkauft hat, und dass eine andere Fabrik in Südwestfrankreich ihm Material für die Fabrikation von Geschossen liefert.

Solche gegenseitige Belieferung finden wir an vielen Punkten der Erde, und erst kürzlich haben China und Japan gemeinsam von einem ihrer gemeinsamen Waffenlieferanten eine Herabsetzung der Preise dieser Todesinstrumente verlangt. Die Wirklichkeit wird zur Karikatur!

 

Während der Ruin des Kapitalismus blüht, sind die Länder zwischen der Ostsee und dem Mittelmeer in Ketten geschlagen.

Mit Italien hat es begonnen. Ermordung von Arbeitern und Revolutionären, abscheulicher Terror, Foltern und Hinrichtungen, wie sie selbst die Inquisition nicht gekannt hat, und wie sie selbst die kühnste Einbildung nicht erfinden könnte. Mit Pistolen und Tanks und durch den langsamen Tod in verseuchten Gefängnissen werden die Massen zu Haustieren gemacht.

Mussolini, dieser Lautsprecher der Weltreaktion, hat die Bühne der Gesellschaft - als reiner Sozialist - in einem Augenblick betreten, wo die Kapitalisten in den anderen Ländern noch im Golde schwammen, und wo man nur zu verraten brauchte, um hochzukommen. Heute kommt dem Mörder Matteottis und Tausender seiner Brüder bei der Fortsetzung seines Verrates und seiner Verbrechen eine allgemeine Verschwörung des Schweigens zu Hilfe, die ein Schandmerkmal unserer Epoche ist. In ihrem Schatten hat Mussolini Italien zu neuem Ruhm verholfen.

Der Herr der Schwarzhemden, der Negerkönig Italiens, hat nur die Fassade des Landes mit neuem Stuck verziert und im übrigen nichts Positives zustande gebracht, außer der Verringerung der Einwohnerzahl Italiens. Das Land verfällt unaufhaltsam und ist heute in wirtschaftlicher Hinsicht nächst Deutschland das elendste Land Europas. (Und der Faschismus wollte "die Welt erneuern"!) In Italien, wo der Lehrer in Uniform unterrichtet, und wo die Arbeiter, auch wenn sie

Arbeit haben, nicht genug verdienen, um zu Hause die hungrigen Mäuler zu stopfen, werden Heiligsprechungen organisiert, die das Geschäft etwas beleben sollen. Maulkorbruhe und Touristenordnung herrschen im Lande.

Kürzlich hat der aufgeblasene Allesmacher, der Gockel- und Schnapphahn der Außenpolitik (er ist bald Revisionist, bald Antirevisionist - ganz egal was, wenn er nur von sich reden macht und sich seine Schiedsrichterrolle teuer bezahlen lassen kann) erklärt, dass Italien am Rande des Abgrundes stehe und "dass es nicht tiefer sinken könne".

Ärzte, Hebammen, Lehrer, Ingenieure - das ist Luxus. Wenn man überall nach ihnen schreit, wird es nur noch schlimmer werden", hat dieser aufgeputzte Brutus erklärt, der seinerzeit seinen Mitbürgern nicht genug verheißungsvolle Versprechungen vordeklamieren konnte.

Das Deutschland mit dem Hakenkreuz (zwei gekreuzte Galgen). Die Arbeiterklasse leistet dort heroischen Widerstand, aber sie wird ihr Geschick ganz von neuem in die Hand nehmen müssen. Hitler mit seiner Tolle, seinem Spitzbubengesicht, dem kleinen unter der Nase hängenden Schnurrbart und den Schrullen eines besoffenen Moralpredigers wurde von zwei alten Trotteln in den Sattel gehoben: von Hindenburg und Clemenceau. (Das verrückte Verbrechen des Versailler Vertrages ist das einzige, was zu den Argumenten dieses Banditen passt.)

Hitler regiert mit Hilfe von Arbeitermetzeleien, Militärparaden, Radioorchestern, Monstreprozessen, höchst eigenhändigen Mordtaten und Liebensintrigen unter seiner Leib-wache (die Nacht vom 30. Juni - ein politisches Liebesdrama).

Dieser Knacker jüdischer Geldschränke ist auch nichts anderes als der Lautsprecher und Agent des Kapitalismus. Jetzt, wo er sich zum Überkaiser hat weihen lassen, besteht seine Politik darin, das nationalsozialistische Programm, das ihn auf den Thron gebracht hat, mit Füßen zu treten. Um der mächtigen Reichswehr nicht zu missfallen, hat er aus diesem Programm all das entfernt, was dank eines Kalauers (des Wortes "sozialistisch") Missverständnisse hervorrufen und dem kindisch gewordenen Deutschland als demokratisch erscheinen konnte. Wenn es nötig ist, wird er in neuen nächtlichen Überfällen etwaige neue Missverständnisse beseitigen.

Er hat die Bücher verbrannt, er hat den Reichstag angezündet und er wird versuchen, Europa in Flammen zu stecken.

Das kann gelingen. Die Maschine, von der herab Hitler seine Reden schwingt, hat ein gefährliches Räderwerk. Alle Kräfte und alle Hilfsmittel eines großen, halbtot geschlagenen aber noch erschreckend lebensfähigen Landes, der ganze berühmte universelle Verwaltungsapparat von Deutschland, der zähe Kadavergehorsam, der noch in einem Teil seiner dicht gesäten Bevölkerung lebendig ist - alles das wird fieberhaft in den Dienst der Rüstungen gestellt. Bevor es zum wirtschaftlichen Zusammenbruch kommt, muss irgendein greifbares praktisches Resultat erreicht werden. Der beschäftigte deutsche Arbeiter bekommt heute weniger als der Arbeitslose vor einigen Jahren. (Not lehrt - ausbeuten.) Die Kommunistische Partei gewinnt inmitten des allgemeinen Skandals an Einfluss. Der einzige Ausweg für Hitler, der keinerlei wirkliches Aufbauprogramm hat, ist der Krieg. Sobald die Geheimrüstungen ein gewisses Resultat erreicht haben, wird Hitler die Maske abwerfen. (Seit diese Zeilen in der französischen und in anderen fremdsprachigen Ausgaben dieses Buches erschienen waren, hat Hitler wirklich "die Maske abgeworfen". Er verkündet urbi et orbi, dass die Wiederaufrüstung Deutschlands, die das Land in dieser Beziehung wieder in die Reihe der Großmächte stellt, eine vollendete Tatsache ist. Die allgemeine Dienstpflicht ist seit März 1935 wieder eingeführt und Hitlerdeutschland gesteht öffentlich seine Expansionsabsichten, zunächst im Osten, ein.) Niemals ist noch ein Land so unverhohlen ins Abenteuer getrieben worden.

In Österreich hat die Regierung dem ausländischen Bandentum den Krieg erklärt - ihre eigenen Banden genügen ihr. Die Arbeiter sollen offiziell durch die Landestruppen und die Landespolizei und halboffiziell durch die Heimwehren ermordet werden; andere Mörder werden nicht zugelassen. Der Kanzler Dollfuß, der die Arbeiter unter Segenssprüchen niedermetzelte, der kleine christliche Kanzler, das Frettchen der europäischen Menagerie - er ist selbst ermordet worden, aber ein Mörder bleibt er doch.

In den Balkanländern wütet wie in Italien seit 15 Jahren der weiße Terror. Bulgarien, das Land der Folterkeller, der Massenschlächtereien, der Galgenwälder: so und soviel Tausende von Menschen aufgehängt, zerstückelt, lebendig verbrannt, verstümmelt: ausgerissene Nägel und Haare, zertretene Eingeweide, glühende Eisen in den Leibern von Männern und Frauen und ähnliche Methoden, die inzwischen von vielen europäischen Ländern übernommen worden sind, und deren Aufzählung allein zu einem Fluchschrei gegen unser Zeitalter wird. (Die große Presse tut so, als wüsste sie nichts von diesen Foltern. Die Hinrichtungen werden zu großen Festen. In Ungarn haben sich die großen Damen (die Schwestern der Pariser Bourgeoisfrauen, die den verhafteten Kommunarden mit ihren Sonnenschirmen die Augen ausstachen) in Massen zu den Hinrichtungen von Revolutionsiren durch den Strang gedrängt. In Sofia hat man in Anwesenheit von 50000 Personen die Hinrichtung Friedmanns, der ohne Beweis für das Attentat auf die Kathedrale verurteilt worden war, für den Film aufgenommen.)

An der Spitze ihrer um nichts besseren Reiche: Carol, der Gigolo-König von Rumänien und der selige Alexander von Serbien, der Henker und Obermörder der Serben und der Völker, die die Entente Serbien zum Abwracken ausgeliefert hat; Alexander, der König geworden ist, weil eines Nachts eine Bande von Bravi in ein Toilettenzimmer eingestiegen ist und einen Mann und eine Frau abgemurkst hat. Schon einmal hat Serbien den Vorwand zum Kriege gegeben: Sarajewo: Es hat jetzt das Spiel von neuem versucht, indem es Händel mit Ungarn anfing. oder vielmehr mit der Regierung von Horthy, dem Oberherren der sadistischen Folterknechte und dem Beschützer der Falschmünzer von Budapest, der den von den Nazi bezahlten Terroristen der Ustascha Unterschlupf gewährt hatte. Serbien bediente sich dabei des unerwarteten Trauerfalls, den die Beseitigung König Alexanders jenem Teil der jugoslawischen Bevölkerung gebracht hatte, den dieser gute König noch nicht ermordet hatte. Aber die Gelegenheit erwies sich als noch nicht günstig und der Zwischenfall wurde diesmal beigelegt.

Weiter oben im Norden finden wir Pilsudski, eine Art von König Ubu (Der "König Ubu" ist die Titelfigur eines Jugenddramas des französischen Schriftstellers Jarris, ein Usurpator, der sich auf den Thron Polens schwingt und seine Herrschaft mit Feuer und Schwert aufrechterhält. Anm. d. Übers.), der rasend wird, wenn er einen Arbeiter sieht (er hat einfach Streikende und Maidemonstranten erschießen lassen) und der so vergnüglich Frankreich verraten hat, als dieses, ärmer geworden, aufhörte, das offizielle Polen auszuhalten.

Und da ist schließlich Massaryk, der weise Präsident, der die Demokratie und die Notverordnungen ebenso liebt, wie er die Arbeiterklasse hasst. Und endlich die Schweiz, die sich heute nicht mehr nur noch dadurch hervortut, dass der Frieden in ihr auf Sommerfrische geht, und dass sie den Völkerbund beherbergt, wo man vom Frieden redet, wie man in den Kirchen immer die Liebe im Munde führt - sondern auch dadurch, dass das Land jetzt ebenso gastfeindlich geworden ist, wie England. Übrigens hat schon während des Krieges die Schweiz ihre "Mittlerrolle" so zu verstehen begonnen, dass sie den Waffen- und Munitionshandel zwischen den kriegführenden Mächten vermittelte.

In Frankreich ist Herr Doumergue von der Bildfläche verschwunden, ohne dass irgend jemand, außer ihm selbst; es bedauert. Nicht, als ob er böse Absichten gehabt hätte: neidisch auf die Lorbeeren des alten Haudegen Hindenburg und wie er mit einem "leiterförmigen Rückgrat" bedacht, hatte sich Herr Doumergue, gestützt von dem Abenteurer Tardieu, in das System der Generalvollmachten vergafft und hat per Radio süßliche Aufrufe (Geld oder Leben!) und diätetische Reden von sich gegeben, um die Franzosen zu schröpfen, bevor er sie köpfte. Er ließ sich insbesondere die Aufblähung des Heeres- und Polizeietats angelegen sein und steuerte auf die Verfassungsreform zu, diesen alten Trick des Herrn Tardieu, diese jüngste, schon ganz ähnliche Kopie des faschistischen Regimes in den Nachbarländern.

Aber er hatte es zu eilig. Als er gerade das Parlament auflösen wollte, musste er Stock und Hut nehmen. Sein Nachfolger setzt das Programm dieses Beinahe-Nationalhelden mit mehr Fingerspitzengefühl fort. Würdig eingerahmt von Tardieu und Herriot (den jetzt Unzertrennlichen), arbeitet er weiter mit Notverordnungen. Er schwenkt weniger das Fähnchen der Verfassungsreform und hat dafür in seinem Firmenkatalog das Wort: NATIONALE WIRTSCHAFT fett drucken lassen. Das Wort wird ihm nicht viel helfen. Man fasst gegen die Krise Beschlüsse, die gerade bis zu dem Augenblick leben werden, wo man merkt, dass sie nichts helfen. Man bekämpft die Krise nicht, man geht ihr aus dem Wege. Und wie alle anderen der letzten Regierungen bringt auch diese keine Aufklärung der Stawisky-Affäre, die zu reich an peinlichen Überraschungen ist. In der Außenpolitik sind wir mit ihr in den Hexenkessel der Annäherungen, Separatverhandlungen und des Kuhhandels zurückgerutscht.

Groß-Frankreich, die Kolonien? Mit großem Pomp hält man eine großfranzösische Reichskonferenz ab, um diesen besiegten und bestraften Nationen einen anständigen Profit abzuzwacken. Aber der Profit bleibt aus. Und doch muss schon seit langem der ausgebeutete Eingeborene in ganz Afrika bis zum Weißbluten arbeiten. Er ist Lasttier, Kanonenfutter und Milchkuh für das Finanzamt zu gleicher Zeit. Im Gabon-Land, dessen eingeborene Bevölkerung immer mehr dahinschwindet, muss der Neger seine Frau verkaufen, um seine Steuern zahlen zu können. In Französisch-West- und Äquatorial-Afrika werden Eingeborene niedergemetzelt und Dörfer zerstört, wenn der Tribut an die ausbeuterischen Zivilisatoren nicht gezahlt wird. In Marokko werden die Frauen als Pfand für die Steuern in Haft genommen. In Indochina werden im Interesse der Kolonisten Eisenbahnen unter solchen Bedingungen gebaut, dass man hat sagen können: auf jede Eisenbahnschwelle kommt ein toter Eingeborener. Und wenn ein Patriot sich dagegen empört, so schlägt man diesen Banditen im Namen des Vaterlandes nieder.

Andere Länder, die noch nicht offiziell faschistisch sind, machen alle Anstrengungen, es zu werden.

In Spanien ist vor vier Jahren die Monarchie einem Ausbruch der Volkswut zum Opfer gefallen. Aber sie hat nur einer Bande von Republikanern Platz gemacht, die auf alles, was nur ein wenig rot ist, wie Stiere reagieren. Die neuen Regierungen kurieren Streiks mit Salven und schlagen die Arbeiter und Bauern nieder, die ihnen zur Macht verholfen haben. Gegenwärtig wird die Revolution, die der schamlose Faschisierungskurs der Regierung Lerroux entfesselt hatte, gewaltsam im Blute erstickt. Gil Robles und seine katholische und faschistische "Volksaktion" haben heute das Erbe der Revolution von 1931 und die Nachfolge des Kretins Alphons XIII. angetreten. Die Revolution von 1934, die die Höhen und Tiefen von Asturien ergriffen hatte, ist der Schwäche der Sozialisten und dem Abfall der Anarchisten erlegen und wurde zum Stehen gebracht - aber nicht zum Erlöschen. Sie ist nicht einmal entwaffnet worden. Der Boden Spaniens zittert noch unter den Tritten der Massen.

Das offizielle England - das ist der Imperialismus par excellence, die traditionelle egoistische und gefräßige Politik des bürgerlichen Imperiums. Großbritannien wird die letzte europäische Festung der Reaktion sein.

Abscheu und Hass gegen alles, was Befreiung der Arbeiter und Menschenfreiheit heißt, lugen hervor durch die weise Heuchelei und die Pfaffenklugheit der Reden der Leiter Englands - dieses mächtigen Klubs der großen Wirtschaftsgewaltigen, der im Handumdrehen den Führer der Arbeiterpartei breitgeschlagen und zermalmt hat, als er sich anmaßte, in diesem Kreise eine Rolle zu spielen. Sie lugen hervor auch durch den so genannten Liberalismus der Lloyd Georges und anderer Ehrenmänner seines Schlages.

Die königliche Niedertracht der britischen Diplomatie, dieser Lehnsherrin des "Intelligente Service", unterscheidet sich durch ihre unbeirrbare Konsequenz von der dickköpfigen Politik eines Mussolini, der vor allem darauf bedacht ist, sich persönlich glänzen zu sehen und mit den Schnörkeln der Narrenhand eines Oberparasiten von Italien die Blätter der modernen Geschichte zu beschmieren. Inzwischen sammelt Herr Oswald Mosley Schwarzhemden, aber es scheint nicht, dass sich der Faschismus in dieser Form so bald in England einrichten wird: einmal weil die Massen heftigen Widerstand leisten, und dann, weil der herrschende Imperialismus diese Form im Augenblick noch nicht braucht.

In Indien, wo die britische Regierung aus Bombenflugzeugen Zivilisation regnen lässt (so behaupten wenigstens die englischen Zeitungen) und mit eisenbeschlagenen Knütteln und Maschinengewehren Breschen und Gassen in waffenlos und passiv dahinziehende weißleuchtende gewaltige Massen schlägt, führt Gandhis Bremstaktik zu Blutbädern. Gandhi, der Träumer mit der Knechtsseele und Gegner des Fortschritts, hat 350 Millionen Menschen verraten. Er, der Indien die Rettung hätte bringen können, hat ihm nichts gebracht. Hüten wir uns vor den Heilanden, die sich Schafspelze umhängen! Und anderwärts? Japan ist in den Händen seiner Militärkräfte mit der militärischen Entartung seines ganzen Wirtschaftslebens zu einem Monstrum geworden. Es bläht sich auf und rackert sich ab, um die größte Armee und die größte Flotte der Welt auf die Beine zu bringen. Japan ist der größte Käufer von Munition und Kriegsmaterial auf dem Weltmarkt. Wenn die Militärpartei den Augenblick für gekommen halten wird, kann man von diesen armen fanatisierten Soldaten das Schlimmste erwarten.

Die Militärclique, die heute das japanische Reich beherrscht, leidet unter dem Abkommen von Washington, durch das Japan als Seerüstungskoeffizient nur 3 zugesprochen worden ist, während England und die Vereinigten Staaten jeder 5 bekommen haben. Es schreit nach Gleichheit und kündigt das Abkommen. Aber es will mehr: Es will ein Ostimperium, das heißt, es verlangt zum unumschränkten Herren des Stillen Ozeans zu werden. Es verfolgt diesen Traum in Worten, indem es behauptet, Träger "der heiligen Mission der Aufrechterhaltung des Friedens im Osten" zu sein, und praktisch, indem es England gegen die Sowjetunion und gegen die Vereinigten Staaten zu gewinnen sucht, die seine Erbfeinde sind, solange es auf der Erde nur einen Stillen Ozean gibt.

In den Vereinigten Staaten hat Herr Roosevelt ehrwürdige Herren wie zu einer spiritistischen Sitzung um einen Tisch eingeladen, damit sich ihnen die Mittel für die Lösung der Quadratur des Zirkels - des wirtschaftlichen Gleichgewichts im Kapitalismus offenbaren. Und er bedient sich aller möglichen Betrügereien und faschistischer Tricks, um glauben zu machen, dass es ihm gelinge. Er kann nicht ohne diese Mittel auskommen und diese Mittel können zu keinem Erfolg führen: wie kann man sich vorstellen, dass die Wirtschaft eines Landes im Interesse aller ins Gleichgewicht gebracht wird, solange sie der Willkür und den einander widersprechenden Diktaturen der großen Privatinteressen ausgeliefert ist? Eine Gesellschaft muss, wie ein Haus, beim Fundament begonnen werden und nicht beim Dach. Das Unternehmen Herrn Roosevelts, das nur eine Scheinaktion von vorübergehender Bedeutung sein kann, heißt so viel wie: das sozialökonomische Haus mit dem Dach zu bauen anfangen. Ein gegenstandsloses und papiernes Unterfangen. Ja schlimmer: Kinderei oder Betrug; alles ist und bleibt auf den Kapitalismus aufgebaut.

Stalin hat das sehr klar in der kürzlich stattgefundenen Unterredung mit H. G. Wells auseinandergesetzt, dem das System Herrn Roosevelts als der Gipfel der Weisheit und die Verwirklichung eines angeblichen "Angelsächsischen Sozialismus" (?) erschien. Stalin anerkennt "den guten Willen und den Mut", die Roosevelt beweist, "um den kapitalistischen Zusammenbruch auf ein Minimum herabzusetzen", aber er macht darauf aufmerksam, dass er das Grundphänomen des Kapitalismus, die Anarchie nicht beseitigte, Und Roosevelt kann es auch nicht, denn der amerikanische Staat ist in Wirklichkeit in den Händen des Privateigentums und Herr Roosevelt steht ihm waffenlos gegenüber. Wenn er wirklich gegen die Interessen des Kapitalismus verstoßen würde, würde man ihn ausschiffen. Solche halben Maßnahmen, die es bestenfalls zu einem Reklamefeuer bringen, und bei denen der Kapitalismus sozialistische Methoden nur gerade so weit nachahmt, als er braucht, um weiter gegen sie zu regieren, können keinen Erfolg haben.

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Aber es gibt auch eine andere Seite. Es gibt gesunde Kräfte. Das strahlende Licht lässt zahllose Augen aufgehen.

Man kann nur wünschen, dass diese sittliche Erneuerung der öffentlichen Meinung schnell fortschreitet. Die Aufrichtigkeit in allen Ehren - aber wir sind heute bald an dem Punkt, wo die Unwissenheit zur Schande wird.

Zum ersten Male in der Geschichte hat ein bedeutender Teil der Menschheit eine radikale Wandlung durchgemacht. Alle Welt beginnt heute auf die UdSSR zu blicken und zu betrachten, was sie von der Mustersammlung der zugleich vollkommeneren und zurückgebliebeneren Länder unterscheidet. Es ist heute zur Pflicht geworden, alle diese Dinge auf einmal zu begreifen.

Wenn wir uns im Verlaufe unserer kurzen Schilderung einer Welt, in der einige Parasiten nach ihrem Gutdünken künstlich Leiden fabrizieren, zu Zornausbrüchen und Beleidigungen haben hinreißen lassen, so führen wir zu unserer Entschuldigung die immer wieder neu auf uns niedersausenden Beweise und die Notwendigkeit an, die Welt zu alarmieren. Aber machen wir einen Augenblick halt, um in aller Ruhe nachzudenken, wie es sich für den homo sapiens ziemt und schließen wir eine Art von Wette ä la Pascal ab:

Was bringt die Zukunft? Faschismus oder Sozialismus? Was muss kommen?

Faschismus, eine allgemeine nationalistische Reaktion? Was kann das bedeuten, wo doch jeder Nationalismus nur auf seine eigene Entfaltung auf Kosten aller und gegen alle bedacht ist, und wo es doch ihrer ungefähr achtzig gibt, die auf dieser Erde wüten, und wo doch der Fortschritt der Kriegswerkzeuge dazu führt, dass alle schließlich über die gleichen Zerstörungsmittel verfügen? Was für eine Einheit kann es hier geben, außer der Einheit des Hasses und der mörderischen Einheit des Profits? Noch nie hat das Menschengeschlecht seine Vernichtung mit so wissenschaftlicher Genauigkeit vor sich gesehen, wie in dieser Perspektive!

Und auf der anderen Seite? Kann das Sowjetschema verallgemeinert und verwirklicht werden? Ja, und das ist eine für alle vorteilhafte Lösung, das ist die einzig vorteilhafte, die einzig mögliche Lösung. Wie man es auch anpacken möge, es ist unmöglich, sich eines der gesellschaftlichen Übel, die bei uns wüten oder die über uns heraufziehen, in einer Sowjetgesellschaft vorzustellen, wo alle über jeden wachen, in einer Gesellschaft, die alle Menschen einander behilflich sein lässt, die die Grenzen schmückt und unschädlich macht.

Mittlerweile leisten dem großen alten Strom der mit republikanischer Reklame herausgeputzten Reaktion (in dem die Eigentümer der Dinge und der Menschen treiben, die Schieber, die Spekulanten, die Hochstapler und die Zuhälter) nicht nur die in- dem ersten Arbeiterstaat organisierten Massen Widerstand, sondern in jedem andern Land die gute Hälfte der Bevölkerung, die aufbegehrt und an ihren Ketten rüttelt. Auf der ganzen Erde steht gewaltig ein heimliches "Zweites Reich" der Gerechtigkeit und der Erhebung auf. Dauerhafte Staatengebilde sind nur in einem internationalen Bund möglich, und es kann keinen internationalen Bund geben, außer dem sozialistischen.

Diese umstürzlerischen Kräfte sind im Wachsen begriffen. Der Kampf der Klassen nimmt gegenwärtig in unseren Ländern die breite und gefährliche Form der "Einheitsfront" an, Das ist die für kürzere oder längere Zeit hergestellte (und zum dauernden Bündnis neigende) Kampfeinheit aller Werk-tätigen, aller Linksgruppen, und der Unorganisierten und der Parteilosen, und auch der Bauern und der Klein- und Mittelbourgeoisie (von denen die drei letzteren in der Mehrzahl der Länder die Mehrheit der Bevölkerung bilden). Wir sehen große, ehrliche und konsequent revolutionäre Massenbewegungen entstehen mit solchen, in breiten konzentrischen Kreisen vorstoßenden Zweigen, wie die Bewegung des Kampfes gegen Krieg und Faschismus, die aus dem Amsterdamer Kongress von 1932 und dem Pariser Kongress von 1933 hervorgegangen ist, und die die Seele, das spezifische Organ der Einheitsfront im internationalen Maßstab darstellt. Es kommt darauf an, den Krieg zu verhindern und den Faschismus und die Faschisierung - logische Konsequenzen des Kapitalismus - aufzuhalten durch eine allgemeine Erhebung der Ausgebeuteten und Unterdrückten und vermittels des Kampfes gegen den Kapitalismus selbst. Und zwar überall, im Einklang und in gleicher Front mit dem direkten Kampf, den die politischen Parteien führen. (Diese Parteien stellen übrigens untereinander selbst die Einheitsfront her, wie es kürzlich zunächst die sozialistischen und kommunistischen Parteien von Frankreich, Italien und Österreich getan haben.) So kommen wir zu einer Agitation und Mobilisierung der Massen, die drohend gegen die alte irrsinnige und wilde Ordnung auftreten.

Diese Bewegung führt die lebendigen Völker gegen den Ballast der Regierungen und die Ballistik der Kriegsgewinnler.

Die Unglücklichen, die Bedrohten, die Verurteilten, haben kein anderes Mittel als das der Revolution. Denn der bürgerliche Despotismus hat bereits vorbeugend mit der Gegenrevolution begonnen. Die Gegenrevolutionäre haben einen Vorsprung, da sie über die Waffen und den Staatsapparat verfügen und durch das Radio lügen können. Aber die Revolutionäre haben den wahren Vorsprung, weil sie recht haben. "Völker hört die Signale", wie es in der Hymne der Massen heißt.

Muss unter diesen Umständen, in diesem Hin und Her von Angriff und Verteidigung, der Schutz der Sowjetunion nicht eines unserer Ziele sein?

Die Gehirne und die Herzen aller Menschen sind aus ein und demselben Stoff gemacht. Was wir ihnen sagen ist sehr einfach: entweder müssen die Menschen darauf verzichten überhaupt in Gemeinschaft zu leben, oder sie müssen die Geschichte neu anfangen und ihr eine andere Richtung geben. Und dann muss ihnen im Scheine der Feuersbrünste und des Morgenrots das ungeheure Beispiel der Sowjetunion als Wegweiser dienen.

Das russische Volk, das erste Volk, das daran gedacht hat, alle Völker zu retten, die UdSSR, der einzige Versuch, den Sozialismus zu verwirklichen, hat einen praktischen, einen fest begründeten Beweis erbracht: Der Sozialismus kann auf dieser Erde verwirklicht werden!

Hier stehen die Ergebnisse des Sozialismus greifbar vor uns! Kein Anreißer und kein Taschenspieler kann uns weismachen, dass sie anderswo zu suchen wären. Hier ist das Land, wo unter den Händen zweier Übermenschen "das praktische Genie Amerikas mit dem revolutionären Schwung des russischen Proletariats" verschmolzen worden sind, das Land, wo Klugheit und Pflichtgefühl eins sind, das Land mit dem Drang nach Wahrheit, das Land des Enthusiasmus und des Frühlings. Dieses Land hebt sich von der Weltkarte ab, nicht nur weil es neu ist, sondern weil es sauber ist.

Der Sozialismus ist das einzige System, das zum Aufschwung geführt hat und Bürgertugenden geschaffen hat, Bürgertugenden, die nichts zu tun haben mit dem unseligen Ehrenkodex der Banditen a la Mussolini oder Stawisky, die Seite an Seite in allen Hauptstädten glänzen. Die Oktoberrevolution hat eine wahre Reinigung der öffentlichen Moral gebracht, wie keine religiöse oder politische Reform sie bisher je zustande gebracht hat - weder das Christentum, noch die Reformation, noch die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte.

 

Mehr und mehr zeigt die Geschichte den Massen, die in die Zukunft blicken, dass alle Werktätigen - Arbeiter, Bauern, Mittelklassen, Intellektuelle - die gleichen Interessen haben, und dass alle sich um die Arbeiterklasse scharen müssen. Das bedeutet nicht, dass die Arbeiterklasse aus einem höheren Stoff gemacht ist und Vorrechte genießt - es bedeutet: sie ist das ordnende Element, dank ihrer Organisiertheit, dank ihrer sozialen Aufgeklärtheit, dank ihrer erworbenen Kenntnisse. dank der großen Kampfmittel, über die sie als Hauptfaktor der Produktion verfügt. Das Proletariat ist die logische und historische Verkörperung des Antikapitalismus. Das Proletariat ist praktisch die kämpfende Vorhut und die Kerntruppe. Und im Kriege besteht die Rolle der Kerntruppe und der Vorhut nicht darin, die Reserven zu kommandieren, sondern mit ihnen zusammen zu kämpfen, dort wo der Kampf am heißesten tobt.

Die Ereignisse zeigen auch - und man darf nie müde werden, diese Gewissheit mit lauter Stimme zu verkünden -, dass man praktisch den Weg des Internationalismus betreten muss, wenn man aus dem Chaos herauskommen will; denn die Geschichte spricht heute, ob wir wollen oder nicht, mit internationaler Stimme zu uns: Auch innerhalb der Landesgrenzen kann man nichts erreichen, wenn man nicht über die Grenzen hinaus handelt.

Sie lehren schließlich, dass man den Reformismus und jedes Paktieren mit der buntscheckigen Bande, die sich an die Macht klammert, verwerfen muss. Der Reformismus passt nicht mehr in diese Zeit. Er hat seine Insolvenz erklärt, nachdem er aus dem Sozialismus einen Sumpf gemacht hatte, in dem die Arbeiterklasse auf der Stelle trat.

Es gibt zwei Welten: die des Sozialismus und die des Kapitalismus. Zwischen diesen beiden gibt es nur das. missgestaltete Trugbild einer dritten Welt, die dem Schein nach demokratisch, in Wirklichkeit feudalistisch ist.

Das ist die Wahrheit, um die wir uns vereinigen müssen. Möge die Jugend sich nicht einfangen lassen durch die Pseudoverjüngung, mit der der Faschismus sich schminkt, und durch den Verwesungsglanz, den er ausstrahlt.

Und es ist gerade die Jugend, die berufen ist, auf die Fragen der Zeit die schönste und stärkste Antwort zu geben. Sie ist nicht dazu gemacht, ihre Schwungkraft in den Dienst erniedrigender Traditionen zu stellen oder verzweifelt zu versuchen, die alte Erde rückwärts zudrehen. Nach allen Gaben der Natur und allen Angaben der Wissenschaft ist sie dazu gemacht, Neues zu schaffen. Der Jüngling - er ist der Vater des Menschen!

Mögen die ehemaligen Kriegsteilnehmer, die Überlebenden, die blutigen und verstümmelten Zeugen des großen Krieges, sie, die sich auf der 3000 Kilometer langen Front ohne jeden Sinn geschlagen haben, und deren Generation das unerhörteste Blutopfer gebracht hat - mögen sie sich weigern, Regierungen als Schutzgarde zu dienen, die das alles wieder von vorne anfangen wollen; mögen sie sich weigern, die Gendarmen des kommenden Krieges zu sein!

Und möge die weibliche Hälfte der Menschheit auch verstehen, dass nur diese einfache tiefe Einsicht zu Ordnung und Frieden führt!

                

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