"Stalin"

Über den Grossen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion

BEFEHL DES VOLKSKOMMISSARS FÜR VERTEIDIGUNG

Nr. 345

MOSKAU, 7. NOVEMBER 1942

Genossen Rotarmisten, Kommandeure und politische Funktionäre, Partisanen und Partisaninnen! Werktätige der Sowjetunion!

Im Namen der Sowjetregierung und unserer bolschewistischen Partei begrüße und beglückwünsche ich euch zum 25. Jahrestag des Sieges der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution.

Vor einem Vierteljahrhundert haben die Arbeiter und Bauern unter Führung der Partei der Bolschewiki und des großen Lenin in unserem Lande die Macht der Sowjets errichtet. Einen ruhmreichen Weg haben die Völker der Sowjetunion in dieser Zeit zurückgelegt. In diesen 25 Jahren ist unsere Heimat zu einem mächtigen sozialistischen industriellen und kollektivwirtschaftlichen Staat geworden. Nachdem die Völker des Sowjetstaates ihre Freiheit und Unabhängigkeit erkämpft hatten, schlossen sie sich zu einer unerschütterlichen brüderlichen Gemeinschaft zusammen. Die Sowjetmenschen haben sich von jeder Unterdrückung frei gemacht und sich durch beharrliche Arbeit ein wohlhabendes und kultiviertes Leben gesichert.

Heute begehen die Völker unseres Landes den 25. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution inmitten des erbitterten Kampfes gegen die faschistischen deutschen Eindringlinge und ihre Helfershelfer in Europa.

Zu Beginn dieses Jahres, in der Winterperiode, hat die Rote Armee den faschistischen deutschen Truppen ernste Schläge versetzt. Nachdem sie den Angriff der Deutschen auf Moskau abgeschlagen hatte, nahm sie die Initiative in ihre Hand, ging zum Angriff über und jagte die deutschen Truppen nach Westen, wobei eine ganze Anzahl von Gebieten unseres Landes aus der deutschen Knechtschaft befreit wurde. Die Rote Armee hat somit bewiesen, dass sie unter gewissen günstigen Bedingungen die faschistischen deutschen Truppen überwältigen kann.

Im Sommer jedoch trat in der Lage an der Front eine Verschlechterung ein. Unter Ausnutzung des Fehlens einer zweiten Front in Europa zogen die Deutschen und ihre Bundesgenossen alle ihre Reserven bis auf den letzten Mann zusammen, warfen sie an unsere ukrainische Front und durchbrachen diese. Um den Preis ungeheurer Verluste gelang es den faschistischen deutschen Truppen, im Süden vorzudringen und Stalingrad, die Schwarzmeerküste, Grosny und die Zugänge nach Transkaukasien zu bedrohen.

Allerdings haben die Standhaftigkeit und der Mut der Roten Armee die Pläne der Deutschen vereitelt, Moskau von Osten her zu umgehen und vom Rücken her den Schlag gegen die Hauptstadt unseres Landes zu führen. Der Feind ist bei Stalingrad zum Stehen gebracht worden. Doch der bei Stalingrad zum Stehen gebrachte Feind, der dort schon Zehntausende seiner Soldaten und Offiziere verloren hat, wirft unter Anspannung seiner letzten Kräfte neue Divisionen ins Gefecht. Der Kampf an der sowjetisch-deutschen Front wird immer gespannter. Von dem Ausgang dieses Kampfes hängt das Schicksal des Sowjetstaates, die Freiheit und die Unabhängigkeit unserer Heimat ab.

Unser Sowjetvolk hat in Ehren die Prüfung bestanden, die ihm auferlegt wurde, und ist von unerschütterlichem Glauben an den Sieg erfüllt. Der Krieg ist zu einer harten Probe der Kräfte und der Festigkeit der Sowjetordnung geworden. Die Spekulationen der deutschen Imperialisten auf einen Zerfall des Sowjetstaates haben ein völliges Fiasko erlitten. Die sozialistische Industrie und das System der Kollektivwirtschaften, die Freundschaft zwischen den Völkern unseres Landes sowie der Sowjetstaat haben ihre Festigkeit und Unerschütterlichkeit bewiesen. Die Arbeiter und Bauern, die ganze Intelligenz unseres Landes, unser ganzes Hinterland arbeiten gewissenhaft und selbstlos, um die Bedürfnisse unserer Front zu befriedigen.

Die ganze Last des Krieges gegen Hitlerdeutschland und seine Helfershelfer trägt die Rote Armee. Durch ihren aufopferungsvollen Kampf gegen die faschistischen Armeen hat sie die Liebe und Achtung aller freiheitsliebenden Völker der Welt erworben. Die Kämpfer und Kommandeure der Roten Armee, die früher keine genügende Kriegserfahrung besaßen, haben gelernt, den Feind sicher zu schlagen, seine lebendigen Kräfte und sein Kriegsmaterial zu vernichten, die Pläne des Feindes zu vereiteln und unsere Städte und Dörfer gegen die fremden Unterdrücker standhaft zu verteidigen. Die heldenhaften Verteidiger von Moskau und Tula, von Odessa und Sewastopol, von Lenin grad und Stalingrad gaben Beispiele grenzenloser Tapferkeit, eiserner Disziplin, der Standhaftigkeit und der Kunst zu siegen. Nach diesen Helden richtet sich unsere ganze Rote Armee. Der Feind hat bereits an seinem eigenen Leibe die Widerstandskraft der Roten Armee zu spüren bekommen. Die Stärke der vernichtenden Schläge der Roten Armee wird er noch kennen lernen.

Es ist nicht zu bezweifeln, dass die deutschen Eindringlinge sich noch in neue Abenteuer stürzen werden. Aber die Kräfte des Feindes sind schon unterhöhlt und haben ihre Grenze erreicht. Während des Krieges hat die Rote Armee mehr als 8 Millionen feindlicher Soldaten und Offiziere außer Gefecht gesetzt. Die mit Rumänen, Ungarn, Italienern und Finnen verwässerte Hitlerarmee ist jetzt bedeutend schwächer als im Sommer und Herbst 1941.

Genossen Rotarmisten, Kommandeure und politische Funktionäre, Partisanen und Partisaninnen!

Von eurer Hartnäckigkeit und Standhaftigkeit, von eurem militärischen Können und eurer Bereitschaft, eure Pflicht gegenüber der Heimat zu erfüllen, hängt die Zerschmetterung der faschistischen deutschen Armee, die Säuberung des Sowjetbodens von den Hitlerschen Eindringlingen ab!

Wir können und wir müssen den Sowjetboden von dem Hitlerschen Geschmeiß säubern.

Dazu ist erforderlich:

1. Standhaft und hartnäckig die Linie unserer Front zu verteidigen, den Feind nicht weiter vorrücken zu lassen, mit allen Kräften den Feind zu zermürben, seine lebendigen Kräfte zu vernichten und seine technischen Kampfmittel zu zerstören;

2. mit allen Mitteln die eiserne Disziplin, die strengste Ordnung und die persönliche Befehlsgewalt in unserer Armee zu festigen, die Kampfausbildung der Truppen zu vervollkommnen und den vernichtenden Schlag gegen den Feind vorzubereiten, beharrlich und zäh vorzubereiten;

3. die Flamme der Partisanen-Volksbewegung im Rücken des Feindes zu entfachen, seine rückwärtigen Einrichtungen und Dienste zu zerstören und die faschistischen deutschen Schurken auszurotten.

Genossen!

Der Feind hat schon einmal die Wucht der Schläge der Roten Armee bei Rostow, Moskau und Tichwin zu spüren bekommen. Nicht fern ist der Tag, da der Feind die Wucht neuer Schläge der Roten Armee kennen lernen wird. Dann werden auch unsere Straßen wieder im Festschmuck prangen!

Es lebe der 25. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution!

Es lebe unsere Rote Armee!

Es lebe unsere Kriegsmarine!

Es leben unsere ruhmreichen Partisanen und Partisaninnen!

Tod den faschistischen deutschen Okkupanten!

Volkskommissar für Verteidigung
J. Stalin

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