"Stalin"

Über den Grossen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion

ANTWORTEN DES GENOSSEN
J. W. STALIN

AUF DIE FRAGEN DES BERICHTERSTATTERS
DER AMERIKANISCHEN PRESSEAGENTUR
ASSOCIATED PRESS

13. November 1942

Der Moskauer Berichterstatter der amerikanischen Presseagentur Associated Press, Herr Cassidy, wandte sich am 12. November mit einem Brief an den Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der Sowjetunion, Genossen J. W. Stalin, worin er bat, drei Fragen zu beantworten, die die amerikanische Öffentlichkeit interessieren.

Genosse J. W. Stalin antwortete Herrn Cassidy mit folgendem Brief:

Herr Cassidy!

Ich beantworte Ihre Fragen, die Sie mir am 12. November gesandt haben:

1. "Wie schätzt die Sowjetseite den Feldzug der Verbündeten in Afrika ein?"

Antwort : Die Sowjetseite schätzt diesen Feldzug als eine hervorragende Tatsache von großer Wichtigkeit ein, wodurch die wachsende Macht der Streitkräfte der Verbündeten demonstriert und die Aussicht auf den Zerfall der italienisch-deutschen Koalition in der nächsten Zeit eröffnet wird.

Der Feldzug in Afrika widerlegt ein übriges Mal die Skeptiker, die behaupten, dass die englischen und amerikanischen führenden Männer unfähig wären, einen ernsten militärischen Feldzug zu organisieren. Es ist nicht zu bezweifeln, dass lediglich erstklassige Organisatoren solch ernste militärische Operationen durchführen konnten wie die erfolgreiche Landung in Nordafrika nach Überwindung des Ozeans, die schnelle Besetzung der Häfen und eines breiten Gebiets von Casablanca bis Bougie und die meisterhaft durchgeführte Zerschlagung der deutsch-italienischen Truppen in der West-Wüste.

2. "Wieweit ist dieser Feldzug effektiv im Sinne einer Verringerung des Drucks auf die Sowjetunion und welche weitere Hilfe erwartet die Sowjetunion?"

Antwort: Vorläufig ist es noch zu früh, darüber zu sprechen, in welchem Maß dieser Feldzug effektiv ist im Sinne einer Verringerung des unmittelbaren Drucks auf die Sowjetunion. Aber man kann mit Sicherheit sagen, dass der Effekt nicht klein sein wird und eine gewisse Verringerung des Drucks auf die Sowjetunion schon in der nächsten Zeit eintreten wird.

Allein es handelt sich nicht nur darum. Es handelt sich vor allem darum, dass der Feldzug in Afrika, insofern er den Übergang der Initiative in die Hände unserer Verbündeten bedeutet, von Grund aus die militärpolitische Lage in Europa zugunsten der englisch-sowjetisch-amerikanischen Koalition ändert. Er untergräbt die Autorität Hitlerdeutschlands als der führenden Kraft im System der Achsenmächte und demoralisiert die Verbündeten Hitlers in Europa. Er führt Frankreich aus dem Zustand der Erstarrung heraus, mobilisiert die Antihitlerkräfte Frankreichs und schafft die Basis für die Organisierung einer französischen Antihitlerarmee. Er schafft, die Bedingungen dafür, Italien außer Gefecht zu setzen und Hitlerdeutschland zu isolieren. Schließlich schafft er die Voraussetzungen dafür, die zweite Front in Europa in nächster Nähe der lebenswichtigen Zentren Deutschlands zu organisieren, was von entscheidender Bedeutung sein wird für die Organisierung des Sieges über die Hitlertyrannei.

3 . "Welche Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Angriffskraft der Sowjetunion im Osten sich vereinigen wird mit den Verbündeten im Westen zwecks Beschleunigung des Endsieges?"

Antwort: Es ist nicht zu bezweifeln, dass die Rote Armee ihre Aufgabe ehrenvoll erfüllen wird, so wie sie sie im Verlauf des ganzen Krieges erfüllt hat.

Hochachtungsvoll
J. Stalin
13. November 1942

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