"Stalin"

Über den Grossen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion

BEFEHL
DES OBERSTEN BEFEHLSHABERS

Nr. 70

Moskau, 1.Mai 1944

Genossen Rotarmisten und Matrosen der Roten Flotte, Sergeanten, Offiziere und Generale, Partisanen und Partisaninnen! Werktätige der Sowjetunion! Brüder und Schwestern, die ihr vorübergehend unter das Joch der deutschen Unterdrücker geraten und gewaltsam zur faschistischen Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt seid!

Im Namen der Sowjetregierung und unserer bolschewistischen Partei begrüße und beglückwünsche ich euch zum 1. Mai!

Die Völker unseres Landes begehen den 1. Mai im Zeichen hervorragender Erfolge der Roten Armee.

Seit der Zerschmetterung der deutschen Divisionen vor Stalingrad steht die Rote Armee fast ununterbrochen im Angriff. Die Rote Armee legte in dieser Zeit kämpfend den Weg von der Wolga bis zum Sereth, von den Vorbergen des Kaukasus bis zu den Karpaten zurück, vernichtete dabei das feindliche Geschmeiß und fegte es vom Sowjetboden hinweg.

Im Verlauf des Winterfeldzuges 1943/44 gewann die Rote Armee die historische Schlacht um den Dnjepr und die Ukraine rechts des Dnjepr, zerschlug die mächtigen Verteidigungsanlagen der Deutschen vor Lenin grad und in der Krim und überwand durch geschickte und durchschlagende Operationen die auf Flussläufe gestützte deutsche Verteidigung am südlichen Bug, am Dnjestr, Pruth und Sereth. Beinahe die ganze Ukraine, die Moldau, die Krim, die Gebiete Lenin grad und Kalinin sowie ein beträchtlicher Teil Bjelorußlands sind von den deutschen Eindringlingen gesäubert. Die Hüttenindustrie des Südens, die Erze von Kriwoj Rog, Kertsch und Nikopol, die fruchtbaren Landstriche zwischen Dnjepr und Pruth sind unserer Heimat wiedergegeben worden. Dutzende Millionen Sowjetmenschen wurden aus der faschistischen Sklaverei befreit.

Bei ihrem großen Werk der Befreiung des Heimathodens von den faschistischen Eindringlingen hat die Rote Armee unsere Staatsgrenzen mit Rumänien und "der Tschechoslowakei erreicht und versetzt jetzt den feindlichen Heeren weiter vernichtende Schläge auf rumänischem Gebiet.

Die Erfolge der Roten Armee wurden ermöglicht durch die richtige Strategie und Taktik des Sowjetkommandos, durch die hohe Moral und den Angriffsgeist unserer Kämpfer und Kommandeure, durch die gute Ausrüstung unserer Truppen mit erstklassigem sowjetischem Kriegsgerät, durch das wachsende Können und die Ausbildung unserer Artilleristen, Granatwerferschützen, Panzermänner, Flieger, Nachrichtenleute, Pioniere, Infanteristen, Kavalleristen und Aufklärer.

Zu diesen Erfolgen trugen in bedeutendem Maße unsere großen Verbündeten, die Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien, bei, die in Italien .die Front gegen die Deutschen halten und einen beträchtlichen Teil der deutschen Truppen von uns abziehen, uns mit sehr wertvollen kriegswichtigen Rohstoffen und Waffen versorgen, systematisch die kriegswichtigen Objekte Deutschlands bombardieren und auf diese Weise die militärische Stärke Deutschlands untergraben.

Die Erfolge der Roten Armee hätten sich jedoch als nicht dauerhaft erweisen können und wären gleich nach dem ersten ernsthaften Gegenangriff des Feindes zunichte gemacht worden, wenn die Rote Armee nicht im Hinterland an unserem ganzen Sowjetvolk, an unserem ganzen Lande eine Stütze gehabt hätte. Die Rote Armee hat in den Kämpfen für unsere Heimat beispielloses Heldentum an den Tag gelegt. Und das Sowjetvolk stand hinter der Roten Armee nicht zurück. Unter den schwierigen Verhältnissen des Krieges hat das Sowjetvolk entscheidende Erfolge erzielt in der Massenherstellung von Waffen, Munition, Ausrüstung, Proviant und deren rechtzeitiger Zustellung an die Fronten der Roten Armee. Im verflossenen Jahr ist die Leistungsfähigkeit der Sowjetindustrie bedeutend gewachsen. Hunderte neuer Fabriken und Schachtanlagen, Dutzende von Kraftwerken, Eisenbahnlinien und Brücken wurden in Betrieb genommen. Neue Millionen Sowjetmenschen traten an die Werkbänke, erlernten die kompliziertesten Berufe, wurden zu Meistern ihres Fachs. Unsere Kollektivwirtschaften und Sowjetgüter haben die Prüfungen des Krieges in Ehren bestanden. Mit nimmer ruhenden Händen arbeitet die Bauernschaft der Sowjetunion unter den schwierigen Verhältnissen der Kriegszeit auf den Feldern, versorgt unsere Armee und Bevölkerung mit Lebensmitteln und liefert unserer Industrie Rohstoffe. Unsere Intellektuellen bereicherten Wissenschaft und Technik, Kultur und Kunst der Sowjetunion mit neuen hervorragenden Errungenschaften und Entdeckungen. Unschätzbare Verdienste um die Vaterlandsverteidigung haben die Frauen der Sowjetunion, die aufopferungsvoll für die Front arbeiten, die tapfer alle Schwierigkeiten der Kriegszeit ertragen und die Kämpfer der Roten Armee, die Befreier unserer Heimat, zu kriegerischen Heldentaten anfeuern.

Der Vaterländische Krieg hat gezeigt, dass das Sowjetvolk imstande ist, Wunder zu vollbringen und aus den schwersten Prüfungen als Sieger hervorzugehen. Die Arbeiter, die Kollektivbauern, die Sowjetintellektuellen - das ganze Sowjetvolk ist voller Entschlossenheit, die Vernichtung des Feindes zu beschleunigen, die von den Faschisten zerstörte Wirtschaft völlig wiederherzustellen und unser Land noch stärker und wohlhabender zu machen.

Unter den Schlägen der Roten Armee kracht der Block der faschistischen Staaten in allen Fugen und fällt auseinander. Furcht und Bestürzung herrschen heute unter den rumänischen, ungarischen, finnischen und bulgarischen "Bundesgenossen" Hitlers. Jetzt müssen diese Hitlerschen Handlanger, deren Länder von den Deutschen okkupiert sind und okkupiert werden, einsehen, dass Deutschland den Krieg verloren hat. Rumänien, Ungarn, Finnland und Bulgarien haben nur eine einzige Möglichkeit, die Katastrophe abzuwenden: mit den Deutschen brechen und aus dem Kriege ausscheiden. Es ist jedoch schwerlich damit zu rechnen, dass die jetzigen Regierungen dieser Länder fähig sind, mit den Deutschen zu brechen. Es ist anzunehmen, dass die Völker dieser Länder die Sache ihrer Befreiung vom deutschen Joch selbst werden in die Hand nehmen müssen. Und je eher die Völker dieser Länder begreifen, in welche Sackgasse sie von den Hitlerfaschisten geführt worden sind, je schneller sie aufhören werden, ihre deutschen Unterdrücker und deren Helfershelfer, die Quislings, in ihrem eigenen Lande irgendwie zu unterstützen, um so weniger Opfer und Zerstörungen wird der Krieg diesen Ländern verursachen, um so mehr können sie auf das Verständnis der demokratischen Länder rechnen.

Die Rote Armee erreichte im Ergebnis ihrer erfolgreichen Offensive unsere Staatsgrenzen in einer Ausdehnung von mehr als 400 Kilometer und befreite mehr als drei Viertel des besetzten Sowjetgebietes vom faschistischen deutschen Joch. Jetzt handelt es sich darum, unser ganzes Land von den faschistischen Eindringlingen zu säubern und die Staatsgrenzen der Sowjetunion in ihrem ganzen Verlauf, vom Schwärzen Meer bis zur Barentssee, wiederherzustellen.

Unsere Aufgaben können sich jedoch nicht darauf beschränken, die feindlichen Truppen aus unserer Heimat zu vertreiben. Die deutschen Truppen gleichen jetzt einer verwundeten Bestie, die gezwungen ist, nach ihrer Höhle - an die Grenzen Deutschlands - zurückzukriechen, um ihre Wunden zu heilen. Aber auch eine verwundete Bestie, die sich in ihre Höhle zurückgezogen hat, hört nicht auf, eine gefährliche Bestie zu sein. Um unser Land und die mit uns verbündeten Länder vor der Gefahr der Versklavung zu retten, muss man der verwundeten deutschen Bestie auf der Spur folgen und ihr in ihrer eigenen Höhle den Todesstoß versetzen. Bei der Verfolgung des Feindes müssen wir unsere Brüder vom deutschen Joch befreien, die Polen und Tschechoslowaken sowie die anderen mit uns verbündeten Völker Westeuropas, die sich in den Klauen Hitlerdeutschlands befinden.

Es ist begreiflich, dass diese Aufgabe eine schwierigere Sache ist als die Vertreibung der deutschen Truppen aus der Sowjetunion. Sie kann nur bewältigt werden auf Grund gemeinsamer Anstrengungen der Sowjetunion, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten von Nordamerika, durch gemeinsame Schläge von Osten - durch unsere Streitkräfte, und von Westen - durch die Streitkräfte unserer Verbündeten. Es unterliegt keinem Zweifel, dass nur solch ein kombinierter Schlag Hitlerdeutschland vollends zerschmettern kann.

Genossen Rotarmisten und Matrosen der Roten Flotte, Sergeanten, Offiziere und Generale, Partisanen und Partisaninnen! Werktätige der Sowjetunion! Brüder und Schwestern, die ihr vorübergehend unter das Joch der deutschen Unterdrücker geraten und gewaltsam zur faschistischen Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt seid! Ich begrüße und beglückwünsche euch zum Festtag des 1. Mai!

ICH BEFEHLE:

Zu Ehren der historischen Siege der Roten Armee an der Front und in Würdigung der großen Erfolge der Arbeiter, Kollektivbauern und Intellektuellen der Sowjetunion im Hinterland ist heute, am Weltfeiertag der Werktätigen, um 20 Uhr in Moskau, Lenin grad, Gomel, Kiew, Charkow, Rostow, Tbilissi, Simferopol und Odessa ein Salut von 20 Artilleriesalvenzu feuern.

Es lebe unser Sowjetvaterland!

Es lebe unsere Rote Armee und unsere Kriegsmarine!

Es lebe unser großes Sowjetvolk!

Es lebe die Freundschaft der Völker der Sowjetunion! ...»

Es leben die Sowjetpartisanen und -partisaninnen.

Ewiger Ruhm den Helden, die in den Kämpfen für die Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat gefallen sind!

Tod den deutschen Okkupanten!

Der Oberste Befehlshaber
Marschall der Sowjetunion
J. Stalin

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