"Stalin"

Über den Grossen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion

DER 27. JAHRESTAG
DER GROSSEN SOZIALISTISCHEN
OKTOBERREVOLUTION

BERICHT DES VORSITZENDEN DES STAATLICHEN VER-
TEIDIGUNGSKOMITEES IN DER FESTSITZUNG DES MOS
KAUER SOWJETS DER DEPUTIERTEN DER WERKTÄTIGEN
GEMEINSAM MIT DEN PARTEI- UND GESELLSCHAFT
LICHEN ORGANISATIONEN DER STADT MOSKAU,

6. November 1944

Genossen!

Heute feiern die Männer und Frauen der Sowjetunion den 27. Jahrestag des Sieges der Sowjetrevolution in unserem Lande.

Zum vierten Male begeht unser Land den Jahrestag der Sowjetrevolution während des Vaterländischen Krieges gegen die faschistischen deutschen Eindringlinge.

Das bedeutet natürlich nicht, dass das vierte Kriegsjahr sich in seinen Ergebnissen nicht von den vorhergehenden drei Kriegsjahren unterscheidet. Im Gegenteil, zwischen ihnen besteht ein grundlegender Unterschied. Wenn die beiden ersten Kriegsjahre Jahre der Offensive der deutschen Truppen und ihres Vordringens tief in unser Land waren, wo die Rote Armee genötigt war, Verteidigungskämpfe zu führen, und wenn das dritte Kriegsjahr das Jahr des grundlegenden Umschwungs an unserer Front war, wo die Rote Armee mächtige Offensivkämpfe entfaltete, die Deutschen in einer Reihe entscheidender Kämpfe schlug, zwei Drittel des Sowjetbodens von den deutschen Truppen säuberte und sie zwang, zur Verteidigung überzugehen, wobei die Rote Armee den Krieg gegen die deutschen Truppen, immer noch einer gegen einen, ohne ernstliche Unterstützung von sehen der Verbündeten führte, so wurde das vierte Kriegsjahr zu einem Jahr entscheidender Siege der Sowjetarmeen und der Armeen unserer Verbündeten über die deutschen Truppen, wo die Deutschen, nunmehr gezwungen, den Krieg an zwei Fronten zu führen, an die Grenzen Deutschlands zurückgeworfen wurden.

Das Ergebnis ist, dass das abgelaufene Jahr mit der Vertreibung der deutschen Truppen aus der Sowjetunion, Frankreich, Belgien und Mittelitalien und der Verlagerung der Kriegshandlungen auf deutschen Boden endete.

1. DEUTSCHLAND VON ZWEI FRONTEN
UMKLAMMERT

Die entscheidenden Erfolge der Roten Armee in diesem Jahr und die Vertreibung der Deutschen vom Sowjetboden waren bedingt durch eine Reihe vernichtender Schläge unserer Truppen gegen die deutschen Truppen, Schläge, die schon im Januar dieses Jahres einsetzten und dann im Laufe des ganzen Berichtsjahres gesteigert wurden.

Der erste Schlag wurde von unseren Truppen im Januar dieses Jahres bei Lenin grad und Nowgorod geführt, als die Rote Armee die stark ausgebauten Befestigungen der Deutschen aufbrach und sie ins Baltikum zurückwarf. Das Ergebnis dieses Schlages war die Befreiung des Lenin grader Gebiets.

Der zweite Schlag wurde im Februar und März dieses Jahres am Bug geführt, als die Rote Armee die deutschen Truppen vernichtend schlug und sie hinter den Dnjestr zurückwarf. Das Ergebnis dieses Schlages war, dass die Ukraine rechts des Dnjepr von den faschistischen deutschen Eindringlingen befreit wurde.

Der dritte Schlag wurde im April und Mai dieses Jahres im Raume der Krim geführt, als die deutschen Truppen ins Schwarze Meer geworfen wurden. Das Ergebnis dieses Schlages war, dass die Krim und Odessa vom deutschen Joch befreit wurden.

Der vierte Schlag wurde im Juni dieses Jahres im Raum von Karelien geführt, als die Rote Armee die finnischen Truppen zerschlug, Wiborg und Petrosawodsk befreite und die Finnen ins Innere Finnlands zurückwarf. Das Ergebnis dieses Schlages war, dass der größte Teil der Karelisch-Finnischen Sowjetrepublik befreit wurde.

Der fünfte Schlag wurde den Deutschen im Juni und Juli dieses Jahres versetzt, als die Rote Armee die deutschen Truppen bei Witebsk, Bobruisk und Mogilew aufs Haupt schlug und ihren Schlag mit der Einkesselung von 30 deutschen Divisionen bei Minsk zum Abschluss brachte. Das Ergebnis dieses Schlages war: unsere Truppen haben a) die Bjelorussische Sowjetrepublik vollständig befreit; b) die Weichsel erreicht und einen beträchtlichen Teil des mit uns verbündeten Polens befreit; c) den Njemen erreicht und den größten Teil der Litauischen Sowjetrepublik befreit; d) den Njemen forciert und die Grenzen Deutschlands erreicht.

Der sechste Schlag wurde im Juli und August dieses Jahres im Raum der Westukraine geführt, als die Rote Armee die deutschen Truppen bei Lwow schlug und sie hinter den San und die Weichsel zurückwarf. Das Ergebnis dieses Schlages war: a) die Westukraine wurde befreit; b) unsere Truppen forcierten die Weichsel und bildeten jenseits der Weichsel westlich Sandomir einen starken Brückenkopf.

Der siebte Schlag wurde im August dieses Jahres im Raum Kischinew-Jassy geführt, als unsere Truppen die deutschen und rumänischen Truppen aufs Haupt schlugen und ihren Schlag bei Kischinew mit der Einkesselung von 22 deutschen Divisionen, die rumänischen nicht mitgezählt, vollendeten. Das Ergebnis dieses Schlages war: a) die Moldauische Sowjetrepublik wurde befreit; b) das mit Deutschland verbündete Rumänien wurde außer Gefecht gesetzt und erklärte Deutschland und Ungarn den Krieg; c) das mit Deutschland verbündete Bulgarien wurde außer Gefecht gesetzt und erklärte ebenfalls Deutschland den Krieg; d) für unsere Truppen wurde der Weg nach Ungarn, dem letzten Bundesgenossen Deutschlands in Europa, freigelegt; e) es ergab sich die Möglichkeit, dem mit uns verbündeten Jugoslawien im Kampf gegen die deutschen Eindringlinge die helfende Hand zu reichen.

Der achte Schlag wurde im September und Oktober dieses Jahres im Baltikum geführt, als die Rote Armee die deutschen Truppen bei Tallinn und Riga schlug und sie aus dem Baltikum vertrieb. Das Ergebnis dieses Schlages war: a) die Estnische Sowjetrepublik wurde befreit; b) der größte Teil der Lettischen Sowjetrepublik wurde befreit; c) das mit Deutschland verbündete Finnland wurde außer Gefecht gesetzt und erklärte Deutschland den Krieg; d) mehr als 30 deutsche Divisionen wurden von Preußen abgeschnitten und im Raum zwischen Tukum und Libau in die Zange genommen, wo sie jetzt von unseren Truppen den Rest bekommen . (Lang anhaltender Beifall.)

Im Oktober dieses Jahres erfolgte der neunte Schlag unserer Truppen zwischen Theiß und Donau im ungarischen Raum, ein Schlag, der das Ziel hat, Ungarn zum Ausscheiden aus dem Krieg und zum Frontwechsel gegen Deutschland zu bringen. Das Ergebnis dieses noch nicht vollendeten Schlages ist: a) unsere Truppen erwiesen dem mit uns verbündeten Jugoslawien direkte Hilfe zur Vertreibung der Deutschen und zur Befreiung von Belgrad; b) unsere Truppen erhielten die Möglichkeit, den Karpaten-Kamm zu überschreiten und der mit uns verbündeten Tschechoslowakischen Republik - deren Territorium zum Teil schon von den deutschen Okkupanten befreit ist - die helfende Hand zu reichen.

Schließlich wurde Ende Oktober dieses Jahres ein Schlag gegen die deutschen Truppen in Nordfinnland geführt, als die deutschen Truppen aus dem Raum Petschenga hinaus gehauen wurden und unsere Truppen, in Verfolgung der Deutschen, in das mit uns verbündete Norwegen einmarschierten. (Beifall.)

Ich bringe keine Zahlenangaben über die Verluste an Toten und Gefangenen, die der Gegner infolge dieser Operationen hatte, über die Menge der von unseren Truppen erbeuteten Geschütze, Panzer, Flugzeuge, Geschosse, Maschinengewehre usw. Diese Zahlen sind Ihnen gewiss aus den Berichten des Informationsbüros der Sowjetunion bekannt.

Das sind die wichtigsten Operationen der Roten Armee im abgelaufenen Jahr, die zur Vertreibung der deutschen Truppen aus unserem Lande geführt haben. Durch diese Operationen wurden etwa 120 Divisionen der Deutschen und ihrer Bundesgenossen zerschlagen und kampfunfähig gemacht. An Stelle der 257 Divisionen, die im vergangenen Jahre unserer Front gegenüberstanden und von denen 207 deutsche Divisionen waren, stehen uns jetzt an der Front nach allen "totalen" und "totalsten" Mobilisierungen insgesamt 204 deutsche und ungarische Divisionen gegenüber, wobei die Zahl der deutschen Divisionen nicht mehr als 180 beträgt.

Man muss zugeben, dass Hitlerdeutschland mit seiner faschistischen Armee sich im gegenwärtigen Kriege als ein Gegner erwiesen hat, mächtiger, heimtückischer und erfahrener, als es Deutschland und seine Armee in allen bisherigen Kriegen war. Dem muss hinzugefügt werden, dass es den Deutschen gelungen war, sich in diesem Krieg die Produktivkräfte fast ganz Europas und recht beträchtliche Armeen seiner Vasallenstaaten zunutze zu machen. Und wenn trotz dieser für Deutschland günstigen Bedingungen der Kriegführung Deutschland dennoch an den Rand des unausbleiblichen Untergangs geraten ist, so muss man das damit erklären, dass der Hauptgegner Deutschlands, die Sowjetunion, das Hitlersche Deutschland an Stärke übertroffen hat. (Stürmischer Beifall.)

Als neues Moment für das abgelaufene Jahr ist im Krieg gegen Hitlerdeutschland die Tatsache zu betrachten, dass die Rote Armee in diesem Jahr ihre Operationen gegen die deutschen Truppen nicht auf sich allein gestellt führte, wie das in den vorhergehenden Jahren der Fall war, sondern gemeinsam mit den Truppen unserer Verbündeten. Die Teheraner Konferenz ist nicht ohne Ergebnis geblieben. Der Beschluss der Teheraner Konferenz über den gemeinsamen Schlag gegen Deutschland von Westen, Osten und Süden gelangte mit auffallender Pünktlichkeit zur Durchführung. Gleichzeitig mit den Sommeroperationen der Roten Armee an der sowjetisch-deutschen Front begannen die alliierten Truppen die Invasion in Frankreich und entfalteten mächtige Offensivoperationen, die Hitlerdeutschland zwangen, einen Zweifrontenkrieg zu führen. Die Truppen und die Flotte unserer Verbündeten führten an der Küste Frankreichs eine Massenlandungsoperation durch, die ihrer Organisiertheit und ihrem Ausmaß nach in der Geschichte einzig dasteht, und überwanden meisterhaft die Befestigungen der Deutschen.

Auf diese Weise wurde Deutschland von zwei Fronten umklammert.

Wie auch zu erwarten war, hielt der Feind den gemeinsamen Schlägen der Roten Armee und der alliierten Truppen nicht stand. Der Widerstand des Feindes wurde gebrochen, seine Truppen wurden in kurzer Frist aus Mittelitalien, Frankreich, Belgien und der Sowjetunion hinaus gehauen. Der Feind wurde an die Grenzen Deutschlands zurückgeworfen.

Es steht außer Zweifel, dass unsere Truppen ohne das Zustandekommen einer zweiten Front in Europa, die an die 75 deutsche Divisionen gebunden hat, nicht in so kurzer Zeit den Widerstand der deutschen Truppen hätten brechen und sie aus der Sowjetunion hinaus hauen können. Ebenso wenig aber kann bezweifelt werden, dass die Truppen unserer Verbündeten ohne die wuchtigen Offensivoperationen der Roten Armee im Sommer dieses Jahres, die an die 200 deutsche Divisionen gebunden haben, nicht so rasch mit den deutschen Truppen hätten fertig werden und sie aus Mittelitalien, Frankreich und Belgien hätten hinaus schlagen können.

Die Aufgabe besteht darin, Deutschland auch weiter in der Umklammerung von zwei Fronten zu halten.

Das ist der Schlüssel zum Siege.

2. DIE GROSSTAT DES SOWJETVOLKES
IM VATERLÄNDISCHEN KRIEGE

Wenn die Rote Armee ihre Pflicht vor der Heimat erfolgreich zu erfüllen vermochte und die Deutschen vom Sowjetboden vertrieb, so geschah dies dank der Tatsache, dass unser ganzes Land, alle Völker unseres Landes hinter ihr standen und sie hingebungsvoll unterstützten. Die aufopfernde Arbeit aller Sowjetmenschen, der Arbeiter, Bauern und Geistesarbeiter, ebenso wie die leitende Tätigkeit unserer Staats- und Parteiorgane erfolgte im abgelaufenen Jahr unter der Parole: "Alles für die Front!"

Das abgelaufene Jahr ist durch neue Erfolge der Industrie, der Landwirtschaft, des Verkehrswesens, durch einen neuen Aufschwung unserer Kriegswirtschaft gekennzeichnet.

Im vierten Kriegsjahr erzeugen unsere Betriebe an Panzern, Flugzeugen, Geschützen, Granatwerfern und Munition ein Mehrfaches von dem, was sie zu Kriegsbeginn erzeugten. Die schwierigste Periode in der Wiederherstellung der Landwirtschaft liegt hinter uns. Nachdem unserem Lande die fruchtbaren Felder des Don- und Kubangebietes wiedergegeben worden sind, nach der Befreiung der Ukraine erholt sich unsere Landwirtschaft rasch von den schweren Verlusten. Die Eisenbahnen der Sowjetunion haben eine Belastung ausgehalten, mit der das Verkehrswesen eines anderen Landes wohl kaum fertig geworden wäre. Alles das spricht dafür, dass die wirtschaftliche Grundlage des Sowjetstaates sich unvergleichlich lebensfähiger gezeigt hat als die Wirtschaft der feindlichen Staaten.

Die von der Oktoberrevolution hervorgebrachte sozialistische Gesellschaftsordnung hat unserem Volk und unserer Armee eine große und unüberwindliche Kraft verliehen. Ungeachtet der schweren Bürde des Krieges, ungeachtet der vorübergehenden Okkupation sehr großer und wirtschaftlich wichtiger Gebiete des Landes durch die Deutschen hat der Sowjetstaat im Laufe des Krieges die Versorgung der Front mit Waffen und Munition nicht eingeschränkt, sondern von Jahr zu Jahr gesteigert. Heute hat die Rote Armee nicht weniger, sondern mehr Panzer, Geschütze und Flugzeuge als die deutsche Wehrmacht. Was die Güte unseres Kampfgeräts anbelangt, so übertrifft es in dieser Hinsicht bei weitem die Waffen des Feindes. Ebenso wie die Rote Armee in dem langen und schwierigen Kampf einer gegen einen den militärischen Sieg über die faschistischen Truppen errang, erzielten die Werktätigen der Sowjetheimat in ihrem Ringen mit Hitlerdeutschland und seinen Spießgesellen einen wirtschaftlichen Sieg über den Feind. (Stürmischer Beifall.) Die Menschen des Sowjetlandes verzichteten auf vieles Notwendige; sie nahmen bewusst schwere materielle Entbehrungen auf sich, um der Front mehr helfen zu können. Die beispiellosen Schwierigkeiten des jetzigen Krieges haben den eisernen Willen und den mannhaften Geist des Sowjetvolkes nicht gebrochen, sondern noch mehr gestählt. Unser Volk hat sich zu Recht den Ruhm eines Heldenvolkes erworben.

Unsere Arbeiterklasse setzt alle ihre Kräfte für den Sieg ein, vervollkommnet unentwegt die Produktionstechnik, steigert die Leistungsfähigkeit der Industriebetriebe und errichtet neue Fabriken und Werke. Die Arbeiterklasse der Sowjetunion hat im gegenwärtigen Kriege eine Großtat der Arbeit vollbracht.

Unsere Intelligenz tritt in Technik und Kultur kühn als Neuerer auf, entwickelt erfolgreich die moderne Wissenschaft weiter und verwendet schöpferisch ihre Errungenschaften für die Erzeugung von Waffen für die Rote Armee. Die Sowjetintelligenz hat durch ihre schöpferische Arbeit einen unschätzbaren Beitrag zur Zerschmetterung des Feindes geleistet.

Eine Armee kann ohne moderne Waffen nicht kämpfen und nicht siegen. Aber auch ohne Brot, ohne Lebensmittel kann sie nicht kämpfen und nicht siegen. Die Rote Armee leidet im vierten Kriegsjahr dank der Fürsorge der Kollektivbauernschaft keinen Mangel an Lebensmitteln. Die Kollektivbauern und Kollektivbäuerinnen versorgen die Arbeiter und Intellektuellen mit Lebensmitteln und die Industrie mit Rohstoffen, sie gewährleisten die normale Arbeit der Fabriken und Werke, die Waffen und Heeresgut für die Front erzeugen. Unsere Kollektivbauernschaft leistet aktiv und im vollen Bewusstsein ihrer Pflicht vor der Heimat der Roten Armee Beistand zur Herbeiführung des Sieges über den Feind.

Die beispiellosen Arbeitsgroßtaten der Frauen des Sowjetlandes und unserer prächtigen Jugend, die in den Fabriken und Werken, in den Kollektivwirtschaften und auf den Sowjetgütern die Hauptlast der Arbeit auf ihre Schultern genommen haben, werden für alle Zeiten in die Geschichte eingehen. Für die Ehre und Unabhängigkeit der Heimat legen die Frauen, jungen Männer und Mädchen der Sowjetunion an der Arbeitsfront Tapferkeit und Heldenmut an den Tag. Sie haben sich ihrer Väter und Söhne, ihrer Männer und Brüder würdig erwiesen, die die Heimat gegen die faschistischen deutschen Unmenschen verteidigen.

Die Quelle der Arbeitsgroßtaten der Sowjetbürger im Hinterland ebenso wie die der nie verblassenden heldenhaften Kriegstaten unserer Kämpfer an der Front ist im glühenden und lebenspendenden Sowjetpatriotismus zu suchen.

Die Kraft des Sowjetpatriotismus liegt darin, dass ihm nicht rassenmäßige oder nationalistische Vorurteile zugrunde liegen, sondern die tiefe Hingabe des Volkes an seine Sowjetheimat und seine Treue zu ihr, die brüderliche Gemeinschaft der Werktätigen aller Nationen unseres Landes. Im Sowjetpatriotismus paaren sich harmonisch die nationalen Traditionen der Völker und die gemeinsamen Lebensinteressen aller Werktätigen der Sowjetunion. Der Sowjetpatriotismus entzweit nicht, im Gegenteil: er schweißt alle Nationen und Völkerschaften unseres Landes zu einer einigen, brüderlichen Familie zusammen. Darin sind die Grundlagen der unzerstörbaren und immer mehr erstarkenden Freundschaft der Völker der Sowjetunion zu erblicken. Zu gleicher Zeit achten die Völker der Sowjetunion die Rechte und die Unabhängigkeit der Völker außerhalb unseres Landes und haben stets ihre Bereitschaft bewiesen, mit den Nachbarstaaten in Frieden und Freundschaft zu leben. Darin ist die Grundlage der wachsenden und erstarkenden Verbindungen unseres Staates mit den freiheitsliebenden Völkern zu erblicken.

Die Menschen des Sowjetlandes hassen die deutschen Okkupanten, nicht weil sie Menschen einer fremden Nation sind, sondern weil sie unserem Volk und allen freiheitsliebenden Völkern unermessliches Unglück und Leid gebracht haben. In unserem Volke gilt das alte Sprichwort: "Man prügelt den Wolf nicht weil er grau ist, sondern weil er das Schaf gefressen hat." (Heiterkeit. Lang anhaltender Beifall.) Die deutschen Faschisten haben sich die menschenfeindliche Rassentheorie als ideologische Waffe erkoren in der Annahme, dass die Verkündung eines bestialischen Nationalismus die moralischen und politischen Voraussetzungen für die Herrschaft der deutschen Okkupanten über die unterjochten Völker schaffen werde. Jedoch ist die Politik des von den Hitlerfaschisten praktizierten Rassenhasses in Wirklichkeit zu einer Quelle der inneren Schwäche und der außenpolitischen Isolierung des faschistischen deutschen Staates geworden. Die Ideologie und Politik des Rassenhasses sind einer der Faktoren des Zerfalls des Hitlerschen Räuberblocks. Man kann es nicht als Zufall betrachten, dass sich gegen die deutschen Imperialisten nicht nur die unterjochten Völker Frankreichs, Jugoslawiens, Polens, der Tschechoslowakei, Griechenlands, Belgiens, Dänemarks, Norwegens und Hollands erhoben haben, sondern auch die ehemaligen Vasallen Hitlers: die Italiener, die Rumänen, die Finnen und die Bulgaren. Die Hitlerclique hat durch ihre kannibalische Politik alle Völker der Welt gegen Deutschland aufgebracht, während die so genannte "auserwählte deutsche Rasse" zum Gegenstand allgemeinen Hasses geworden ist.

Im Laufe des Krieges haben die Hitlerfaschisten nicht nur eine militärische, sondern auch eine moralische und politische Niederlage erlitten. Die in unserem Lande verankerte Ideologie der Gleichberechtigung aller Rassen und Nationen, die Ideologie der Völkerfreundschaft, hat den vollen Sieg über die hitlerfaschistische Ideologie des bestialischen Nationalismus und Rassenhasses errungen.

Jetzt, wo der Vaterländische Krieg seinem siegreichen Ende entgegengeht, tritt die historische Rolle des Sowjetvolkes in ihrer ganzen Größe hervor. Heute erkennen alle an, dass das Sowjetvolk durch seinen aufopfernden Kampf die Zivilisation Europas vor den faschistischen Pogromhelden gerettet hat. Darin besteht das große Verdienst des Sowjetvolkes vor der Geschichte der Menschheit.

3. DIE FESTIGUNG UND ERWEITERUNG DER
FRONT DER ANTIDEUTSCHEN KOALITION.
DIE FRAGE DES FRIEDENS
UND DER SICHERHEIT

Das verflossene Jahr war ein Jahr des Triumphs der gemeinsamen Sache der antideutschen Koalition, der Sache, für die sich die Völker der Sowjetunion, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten von Amerika zu einem Kampfbund zusammengefunden haben. Es war ein Jahr der Festigung der Einheit und koordinierten Aktionen der drei maßgebenden Mächte gegen Hitlerdeutschland.

Der Beschluss der Teheraner Konferenz über das gemeinsame Vorgehen gegen Deutschland und die glänzende Realisierung dieses Beschlusses sind ein klarer Beweis für die Festigung der Front der Antihitler-Koalition. Es werden sich in der Geschichte wenig Pläne großer militärischer Operationen finden, wo gemeinsame Aktionen gegen den gemeinsamen Feind mit solcher Vollständigkeit und Exaktheit durchgeführt worden wären wie der auf der Teheraner Konferenz ausgearbeitete Plan für den gemeinsamen Schlag gegen Deutschland. Es steht außer Zweifel, dass ohne Einheitlichkeit in der Auffassung und ohne koordiniertes Vorgehen der drei Großmächte der Teheraner Beschluss nicht mit solcher Vollständigkeit und Exaktheit hätte durchgeführt werden können. Unzweifelhaft ist andererseits auch, dass die erfolgreiche Durchführung des Teheraner Beschlusses unbedingt eine Festigung der Front der Vereinten Nationen zur Folge haben musste.

Als ebenso klaren Beweis für die Festigkeit der Front der Vereinten Nationen muss man die Beschlüsse der Konferenz von Dumbarton-Oaks in der Frage der Organisierung der Nachkriegssicherheit betrachten. Man spricht von Meinungsverschiedenheiten, die in einigen Fragen der Sicherheit zwischen den drei Mächten bestehen sollen. Meinungsverschiedenheiten gibt es natürlich, und es wird sie auch noch in einer Reihe von anderen Fragen geben. Meinungsverschiedenheiten gibt es selbst unter Leuten, die ein und derselben Partei angehören. Umso mehr muss es sie unter Vertretern verschiedener Staaten und verschiedener Parteien geben. Man soll sich nicht darüber wundern, dass Meinungsverschiedenheiten vorhanden sind, sondern darüber, dass ihrer so wenige sind und dass sie in der Regel fast jedes Mal im Geiste der Einigkeit und des koordinierten Vorgehens der drei Großmächte beigelegt werden. Es geht nicht um Meinungsverschiedenheiten, sondern darum, dass die Meinungsverschiedenheiten nicht über den Rahmen des im Interesse der Einheit der drei Großmächte Zulässigen hinausgehen und zu guter Letzt im Interesse dieser Einheit gelöst werden. Es ist bekannt, dass ernstere Meinungsverschiedenheiten unter uns in der Frage der Schaffung der zweiten Front bestanden. Es ist aber auch bekannt, dass diese Meinungsverschiedenheiten schließlich im Geiste vollständigen Einvernehmens gelöst wurden. Dasselbe kann man über die Meinungsverschiedenheiten auf der Konferenz von Dumbarton-Oaks sagen. Kennzeichnend für diese Konferenz ist nicht, dass dort einige Meinungsverschiedenheiten zutage getreten sind, sondern dass neun Zehntel der Fragen der Sicherheit auf dieser Konferenz im Geiste völliger Einmütigkeit entschieden wurden. Ebendeshalb denke ich auch, dass man die Beschlüsse der Konferenz von Dumbarton-Oaks als einen klaren Beweis für die Festigkeit der antideutschen Koalition betrachten muss.

Als noch klarerer Beweis für die Festigung der Front der Vereinten Nationen sind die kürzlich mit dem Chef der Regierung Großbritanniens, Herrn Churchill, und dem Außenminister Großbritanniens, Herrn Eden, in Moskau geführten Verhandlungen zu betrachten, die in freundschaftlicher Atmosphäre und im Geiste völliger Einmütigkeit verliefen.

Im Verlauf des ganzen Krieges unternahmen die Hitlerfaschisten verzweifelte Versuche, die Vereinten Nationen zu entzweien und gegeneinander auszuspielen, zwischen ihnen Argwohn und Misshelligkeit hervorzurufen, ihre militärischen Bemühungen durch gegenseitiges Misstrauen und, wenn das gelingt, auch durch Kampf gegeneinander zu schwächen. Diese Bestrebungen der hitlerfaschistischen Politiker sind durchaus verständlich. Für sie gibt es keine größere Gefahr als die Einigkeit der Vereinten Nationen im Kampf gegen den Hitlerschen Imperialismus, und für sie könnte es keinen größeren militärischen und politischen Erfolg geben als die Entzweiung der verbündeten Mächte in ihrem Kampf gegen den gemeinsamen Feind. Es ist jedoch bekannt, wie vergeblich die Bemühungen der faschistischen Politiker waren, das Bündnis der Großmächte zu hintertreiben. Das bedeutet, dass dem Bündnis der Sowjetunion, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten von Amerika nicht zufällige und vorübergehende Motive zugrunde liegen, sondern lebenswichtige und dauernde Interessen.

Man braucht nicht daran zu zweifeln: wenn das Kampfbündnis der demokratischen Mächte die Prüfungen von mehr als drei Kriegsjahren bestanden hat, und wenn es mit dem Blut der Völker besiegelt worden ist, die sich zum Schütze ihrer Freiheit und Ehre erhoben haben, so wird dieses Bündnis um so mehr die Prüfungen der Endphase des Krieges bestehen. (Lang anhaltender Beifall.)

Das abgelaufene Jahr war jedoch nicht nur ein Jahr der Festigung der antideutschen Front der verbündeten Mächte, sondern auch ein Jahr der Erweiterung dieser Front. Es ist nicht als Zufall zu betrachten, dass nach Italien auch andere Verbündete Deutschlands - Finnland, Rumänien und Bulgarien - zum Ausscheiden aus dem Kriege gebracht wurden. Hervorzuheben ist, dass diese Staaten nicht nur aus dem Krieg ausgeschieden sind, sondern auch mit Deutschland gebrochen und ihm den Krieg erklärt haben, womit sie sich der Front der Vereinten Nationen angeschlossen haben. Das bedeutet zweifellos eine Erweiterung der Front der Vereinten Nationen gegen Hitlerdeutschland. Es steht außer Zweifel, dass Ungarn, der letzte Bundesgenosse Deutschlands in Europa, in nächster Zeit ebenfalls außer Gefecht gesetzt werden wird. Das wird die vollständige Isolierung Hitlerdeutschlands in Europa und seinen unausbleiblichen Zusammenbruch bedeuten.

Die Vereinten Nationen stehen vor dem siegreichen Abschluss des Krieges gegen Hitlerdeutschland.

Der Krieg gegen Deutschland wird von den Vereinten Nationen gewonnen werden - daran kann es heute schon keinen Zweifel mehr geben.

Den Krieg gegen Deutschland gewinnen bedeutet, ein großes historisches Werk vollbringen. Den Krieg gewinnen bedeutet aber noch nicht, den Völkern dauerhaften Frieden und eine verlässliche Sicherheit für die Zukunft gewährleisten. Die Aufgabe besteht nicht nur darin, den Krieg zu gewinnen, sondern auch darin, die Entstehung einer neuen Aggression und eines neuen Krieges wenn nicht für immer, so doch wenigstens für einen längeren Zeitraum unmöglich zu machen.

Deutschland wird nach seiner Niederlage natürlich sowohl wirtschaftlich als auch militärisch und politisch entwaffnet werden. Es wäre jedoch naiv zu glauben, dass Deutschland nicht versuchen werde, seine Macht wiederzuerlangen und zu einer neuen Aggression zu schreiten. Es ist allbekannt, dass die deutschen Machthaber sich jetzt schon zu einem neuen Krieg rüsten. Die Geschichte zeigt, dass eine kurze Zeitspanne von 20 bis 30 Jahren genügt, damit Deutschland sich von einer Niederlage erholt und seine Macht wiederherstellt. Welche Mittel gibt es, um einer neuen Aggression von seiten Deutschlands vorzubeugen, und wenn der Krieg dennoch ausbricht, ihn in seinen ersten Anfängen zu ersticken und nicht zuzulassen, dass er sich zu einem großen Krieg auswächst?

Diese Frage ist um so mehr am Platze, als die aggressiven Nationen, wie die Geschichte zeigt, als angreifende Nationen gewöhnlich besser auf einen neuen Krieg vorbereitet sind als die friedliebenden Nationen, die, uninteressiert an einem neuen Krieg, gewöhnlich mit der Vorbereitung zum Kriege zu spät kommen. Tatsache ist, dass die aggressiven Nationen in diesem Krieg schon vor Kriegsbeginn über eine fertige Invasionsarmee verfügten, während die friedliebenden Nationen nicht einmal eine Armee hatten, die völlig ausreichte, um die Mobilisierung zu decken. Nicht als Zufall zu betrachten sind solche unangenehme Tatsachen wie der "Zwischenfall" von Pearl-Harbour, der Verlust der Philippinen und anderer Inseln im Stillen Ozean und der Verlust von Hongkong und Singapore, wo Japan, wie sich zeigte, als aggressive Nation besser zum Krieg vorbereitet war als Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika, die eine friedliebende Politik verfolgten. Als Zufall kann ebenso wenig eine so unangenehme Tatsache betrachtet werden wie der Verlust der Ukraine, Bjelorußlands und des Baltikums gleich im ersten Kriegsjahr, wo Deutschland als aggressive Nation sich besser zum Krieg vorbereitet gezeigt hatte als die friedliebende Sowjetunion. Es wäre naiv, diese Tatsachen durch persönliche Eigenschaften der Japaner und der Deutschen zu erklären, durch ihre Überlegenheit über die Engländer, Amerikaner und Russen, durch ihre Voraussicht usw. Es handelt sich hier nicht um persönliche Eigenschaften, sondern darum, dass die an einem neuen Krieg interessierten aggressiven Nationen als Nationen, die sich von langer Hand auf den Krieg vorbereiten und dafür Kräfte ansammeln, gewöhnlich besser auf den Krieg vorbereitet sind und es auch sein müssen als die friedliebenden Nationen, die an einem neuen Krieg nicht interessiert sind. Das ist natürlich und begreiflich. Das ist, wenn Sie so wollen, eine historische Gesetzmäßigkeit, die außer acht zu lassen gefährlich wäre.

Es ist darum nicht zu bestreiten, dass in der Zukunft die friedliebenden Nationen wieder durch eine Aggression überrumpelt -werden können, natürlich falls sie nicht jetzt schon besondere Maßnahmen ausarbeiten, die geeignet sind, eine Aggression zu verhüten.

Welche Mittel gibt es also, um eine neue Aggression von sehen Deutschlands zu verhüten oder, wenn der Krieg dennoch ausbricht, ihn in den ersten Anfängen zu ersticken und es unmöglich zu machen, dass er sich zu einem großen Krieg auswächst?

Dafür gibt es außer der vollständigen Entwaffnung der aggressiven Nationen nur ein einziges Mittel: zum Schütze des Friedens und der Garantie der Sicherheit eine besondere Organisation aus Vertretern der friedliebenden Nationen zu schaffen, dem leitenden Organ dieser Organisation das notwendige Mindestmaß an Streitkräften zur Verfügung zu stellen, das zur Verhütung einer Aggression erforderlich ist, und diese Organisation zu verpflichten, notwendigenfalls zur Verhütung oder Liquidierung der Aggression und zur Bestrafung der an der Aggression Schuldigen diese .Streitkräfte unverzüglich einzusetzen.

Das darf keine Wiederholung des Völkerbundes unseligen Angedenkens sein, der weder über die Rechte noch über die Mittel zur Verhütung einer Aggression verfügte. Das wird eine neue, besondere und mit Vollmachten ausgestattete internationale Organisation sein, der alles zur Verfügung steht, was notwendig ist, um den Frieden zu schützen und eine neue Aggression zu verhüten.

Ist darauf zu rechnen, dass das Vorgehen dieser internationalen Organisation hinreichend wirksam sein wird? Es wird wirksam sein, wenn die Großmächte, auf deren Schultern die Hauptlast des Krieges gegen Hitlerdeutschland geruht hat, auch weiterhin im Geiste der Einmütigkeit und des Einvernehmens vorgehen werden. Es wird unwirksam sein, wenn diese notwendige Voraussetzung beeinträchtigt wird.

Genossen!

Das Sowjetvolk und die Rote Armee erfüllen erfolgreich die Aufgaben, vor die sie im Laufe des Vaterländischen Krieges gestellt wurden. Die Rote Armee hat ihre patriotische Pflicht in Ehren erfüllt und unser Vaterland vom Feinde befreit. Von nun an und für immer ist unser Land vom Hitlergeschmeiß frei. Jetzt bleibt der Roten Armee noch ihre letzte abschließende Mission zu erfüllen: gemeinsam mit den Armeen unserer Verbündeten die Zerschmetterung der faschistischen deutschen Armee zu Ende zu führen, die faschistische Bestie in ihrer eigenen Höhle zur Strecke zu bringen und über Berlin die Fahne des Sieges zu hissen. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) Wir haben Grund, damit zu rechnen, dass diese Aufgabe von der Roten Armee in naher Zukunft erfüllt wird. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.)

Es lebe unsere siegreiche Rote Armee! (Beifall.)

Es lebe unsere ruhmreiche Kriegsmarine! (Beifall.)

Es lebe das mächtige Sowjetvolk! (Beifall.)

Es lebe unser großes Heimatland! (Stürmischer Beifall, alle erheben sich von den Plätzen.)

Tod den faschistischen deutschen Okkupanten! (Stürmischer Beifall, der in eine lang anhaltende Ovation übergeht. Rufe: "Es lebe Genosse Stalin!")

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