"Stalin"

Über den Grossen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion

BEFEHL
DES OBERSTEN BEFEHLSHABERS

Nr. 5

Moskau, 23. Februar 1945

Genossen Rotarmisten und Matrosen der Roten Flotte, Sergeanten, Offiziere und Generale! Heute feiern wir den 27. Jahrestag des Bestehens der Roten Armee.

Die von dem großen Lenin zum Schutze unserer Heimat vor dem Überfall fremdländischer Eroberer geschaffene und von der bolschewistischen Partei großgezogene Rote Armee hat in ihrer Entwicklung einen ruhmreichen Weg zurückgelegt. Sie hat ihre historische Bestimmung in Ehren erfüllt und ist mit Recht das geliebte Kind des Sowjetvolkes. In den Jahren des Bürgerkrieges behauptete die Rote Armee den jungen Sowjetstaat gegen zahlreiche Feinde. In den großen Schlachten des Vaterländischen Krieges gegen die deutsche Invasion rettete die Rote Armee die Völker der Sowjetunion vor der faschistischen deutschen Sklaverei, behauptete die Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat und half den Völkern Europas, das deutsche Joch abzuschütteln.

Den 27. Jahrestag der Roten Armee begehen wir jetzt im Zeichen neuer historischer Siege über den Feind. Die Rote Armee hat nicht nur den Heimatboden vom Hitlerunrat befreit, sondern hat auch den Feind um viele hunderte Kilometer hinter die Grenzen zurückgeworfen, von denen aus die Deutschen ihren räuberischen Überfall auf unser Land unternahmen, sie hat den Krieg auf den Boden, Deutschlands hinübergetragen und vollendet jetzt gemeinsam mit den Armeen unserer Verbündeten erfolgreich das Werk der Zerschmetterung der faschistischen deutschen Armee. Im Januar dieses Jahres hat die Rote Armee an der ganzen Front von der Ostsee bis zu den Karpaten einen Schlag von beispielloser Kraft auf den Feind niedersausen lassen. Sie brach in einer Ausdehnung von 1200 Kilometer das mächtige Verteidigungssystem der Deutschen auf, das diese in einer Reihe von Jahren geschaffen hatten. Im Laufe der Offensive warf die Rote Armee den Feind durch schnelle und geschickte Operationen weit nach Westen zurück. Die Sowjettruppen sind in hartnäckigen Kämpfen 270 Kilometer von den Grenzen Ostpreußens bis zum Unterlauf der Weichsel, 570 Kilometer aus dem Aufmarschraum an der Weichsel südwärts Warschau bis zum Unterlauf der Oder und 480 Kilometer von der Brückenkopfstellung von Sandomir bis ins Innere Deutschschlesiens vorgerückt.

Die Erfolge unserer Winteroffensive haben vor allem dazu geführt, dass sie die Winteroffensive der Deutschen im Westen, die auf die Besetzung Belgiens und des Elsass abzielte, zum Scheitern brachten und es den Armeen unserer Verbündeten ermöglichten, ihrerseits zur Offensive gegen die Deutschen überzugehen und damit ihre Offensivoperationen im Westen mit den Offensivoperationen der Roten Armee im Osten zu vereinen.

In den 40 Tagen der Offensive im Januar und Februar 1945 haben unsere Truppen die Deutschen aus 300 Städten vertrieben, an die 100 Rüstungsbetriebe besetzt, in denen Panzer, Flugzeuge, Waffen und Munition erzeugt werden, mehr als 2400 Eisenbahnstationen eingenommen und sich eines Eisenbahnnetzes von mehr als 15000 Kilometer Länge bemächtigt. In dieser kurzen Frist hat Deutschland mehr als 350000 Soldaten und Offiziere an Gefangenen und nicht weniger als 800000 an Toten verloren. In derselben Zeit hat die Rote Armee etwa 3000 deutsche Flugzeuge, mehr als 4500 Panzer und Sturmgeschütze und nicht weniger als 12000 Geschütze vernichtet bzw. erbeutet.

Das Ergebnis ist, dass die Rote Armee ganz Polen und einen beträchtlichen Teil des Territoriums der Tschechoslowakei befreit, Budapest eingenommen und Ungarn, den letzten Bundesgenossen Deutschlands in Europa, zum Ausscheiden aus dem Kriege gebracht hat, dass sie den größten Teil Ostpreußens und Deutschschlesiens besetzte und sich den Weg nach Brandenburg, nach Pommern, ins Vorgelände von Berlin gebahnt hat.

Die Hitlerleute pflegten sich damit zu brüsten, dass seit mehr als hundert Jahren kein einziger feindlicher Soldat auf deutschem Boden gestanden und dass die deutsche Armee nur auf fremdem Boden gekämpft habe und kämpfen werde. Jetzt ist dieser deutschen Prahlerei ein Ende gemacht.

Unsere Winteroffensive hat gezeigt, dass die Rote Armee immer neue Kräfte zur Bewältigung immer komplizierterer und schwierigerer Aufgaben findet. Ihre ruhmreichen Kämpfer haben jetzt gelernt, den Feind nach allen Regeln der modernen Kriegswissenschaft zu schlagen und zu vernichten. Beseelt von dem Bewusstsein ihrer großen Befreiermission vollbringen unsere Kämpfer Wunder an Heroismus und Selbstaufopferung und vereinen geschickt Tapferkeit und Wagemut im Gefecht mit der vollen Auswertung der Stärke und Leistungsfähigkeit ihrer Waffen. Die Generale und Offiziere der Roten Armee kombinieren meisterhaft massierte Schläge des machtvollen Kriegsgeräts mit kunstvollen und wuchtigen Manövern. Im vierten Kriegsjahr ist die Rote Armee fester und stärker geworden als je zuvor, ihr Kriegsgerät hat sich noch mehr vervollkommnet und ihre Kampfmeisterschaft hat sich um ein Vielfaches erhöht.

Genossen Rotarmisten und Matrosen der Roten Flotte, Sergeanten, Offiziere und Generale!

Der volle Sieg über die Deutschen ist nun schon nahe. Aber der Sieg kommt nie von selbst - er wird in schweren Kämpfen und in beharrlicher Arbeit errungen. Der dem Untergang geweihte Feind wirft die letzten Kräfte in den Kampf und setzt sich verzweifelt zur Wehr, um der strengen Sühne zu entgehen. Er greift jetzt zu den äußersten und gemeinsten Kampfmitteln und wird das auch weiterhin tun. Es gilt daher, daran zu denken: je näher unser Sieg, desto größer muss unsere Wachsamkeit, desto stärker müssen unsere Schläge gegen den Feind sein.

Im Namen der Sowjetregierung und unserer ruhmreichen bolschewistischen Partei begrüße und beglückwünsche ich euch zum 27. Jahrestag der Roten Armee! In Würdigung der großen Siege, die von den Streitkräften des Sowjetstaates im abgelaufenen Jahre errungen wurden,

BEFEHLE ICH:

Heute, am 23. Februar, am 27. Jahrestag der Roten Armee, um 20 Uhr ist in Moskau, Lenin grad, Kiew, Minsk, Petrosawodsk, Tallinn, Riga, Vilnius, Kischinew, Tbilissi, Stalingrad, Sewastopol, Odessa und Lwow ein Salut von 20 Artilleriesalven zu feuern.

Es lebe unsere siegreiche Rote Armee!

Es lebe unsere siegreiche Kriegsmarine!

Es lebe unsere machtvolle Sowjetheimat!

Ewiger Ruhm den Helden, die im Kampfe für die Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat gefallen sind!

Tod den deutschen Okkupanten!

Der Oberste Befehlshaber
Marschall der Sowjetunion
J. Stalin

Zurück zum Inhaltsverzeichnis