"Stalin"

Über den Grossen Vaterländischen
Krieg der Sowjetunion

BEFEHL
DES OBERSTEN BEFEHLSHABERS

Nr. 20

Moskau, 1. Mai 1945

Genossen Rotarmisten und Matrosen der Roten Flotte, Sergeanten und Obermaate, Offiziere der Armee und Flotte, Generale und Admirale!

Werktätige der Sowjetunion!

Heute feiert unser Land den 1. Mai, den internationalen Festtag der Werktätigen.

In diesem Jahre begehen die Völker unseres Heimatlandes den 1. Mai im Zeichen der siegreichen Vollendung des Großen Vaterländischen Krieges.

Die schweren Zeiten, da die Rote Armee die feindlichen Truppen vor Moskau und Lenin grad, vor Grosny und Stalingrad abzuwehren hatte, gehören der Vergangenheit an und kehren nie wieder. Heute schlagen unsere siegreichen Truppen die Streitkräfte des Gegners im Zentrum Deutschlands, weit hinter Berlin, an der Elbe.

Binnen kurzer Frist sind Polen, Ungarn, ein großer Teil der Tschechoslowakei, ein bedeutender Teil von Österreich und die Hauptstadt Österreichs, Wien, befreit worden.

Die Rote Armee hat hierbei Ostpreußen - die Brutstätte des deutschen Imperialismus -, Pommern, den größten Teil der Provinz Brandenburg und die wichtigsten Bezirke der Hauptstadt Deutschlands, Berlins, besetzt und über Berlin die Fahne des Sieges gehisst.

Durch diese Angriffskämpfe der Roten Armee haben die Deutschen in 3-4 Monaten mehr als 800000 Soldaten und Offiziere an Gefangenen und etwa eine Million an Toten verloren. In der gleichen Zeit haben die Truppen der Roten Armee an die 6000 Flugzeuge des Gegners, an die 12000 Panzer und Sturmgeschütze, mehr als 23000 Feldgeschütze und eine gewaltige Menge von Waffen und Ausrüstung anderer Art erbeutet bzw. vernichtet.

Es verdient festgestellt zu werden, dass in diesen Kämpfen polnische, jugoslawische, tschechoslowakische, bulgarische und rumänische Divisionen Seite an Seite mit der Roten Armee erfolgreich die Offensive gegen den gemeinsamen Feind führten.

Durch die vernichtenden Schläge der Roten Armee war das deutsche Oberkommando gezwungen, Dutzende von Divisionen an die sowjetisch-deutsche Front zu werfen und damit an anderen Fronten ganze Abschnitte zu entblößen. Dieser Umstand half den Truppen unserer Verbündeten, die erfolgreiche Offensive im Westen zu entfalten. Durch gleichzeitige Schläge gegen die deutschen Truppen von Osten und Westen her gelang es dabei den Truppen unserer Verbündeten und der Roten Armee, die deutschen Truppen in zwei auseinander gerissene Teile aufzuspalten und die Vereinigung unserer und der verbündeten Truppen zu einer einheitlichen Front zu verwirklichen.

Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass dieser Umstand das Ende Hitlerdeutschlands bedeutet.

Die Tage Hitlerdeutschlands sind gezählt. Mehr als die Hälfte seines Bodens ist von der Roten Armee und den Truppen unserer Verbündeten besetzt. Deutschland hat die lebenswichtigsten Gebiete verloren. Die in den Händen der Hitlerleute verbliebene Industrie kann die deutsche Wehrmacht nicht mit der ausreichenden Menge von Waffen, Munition und Treibstoff beliefern. Die Menschenreserven der deutschen Wehrmacht sind erschöpft. Deutschland ist vollständig isoliert und steht jetzt allein da, wenn man von seinem Bundesgenossen Japan absieht.

Auf der Suche nach einem Ausweg aus ihrer hoffnungslosen Lage machen die Hitlerabenteurer alle möglichen Winkelzüge, ja sie biedern sich sogar an die Verbündeten an, bestrebt, im Lager der Verbündeten Zerwürfnis hervorzurufen. Diese neuen Gaunerkniffe der Hitlerleute sind zum völligen Scheitern verurteilt. Sie sind nur dazu angetan, den Zerfall der deutschen Truppen zu beschleunigen.

Die verlogene faschistische Propaganda schreckt die deutsche Bevölkerung mit dem läppischen Gerede, die Armeen der Vereinten Nationen wollten das deutsche Volk ausrotten. Zur Aufgabe der Vereinten Nationen gehört nicht die Vernichtung des deutschen Volkes. Die Vereinten Nationen werden den Faschismus und den deutschen Militarismus vernichten, die Kriegsverbrecher streng bestrafen und die Deutschen zwingen, den Schaden wieder gut zumachen, den sie anderen Ländern zugefügt haben. Aber die Vereinten Nationen tasten die friedliche Bevölkerung Deutschlands nicht an und werden sie nicht antasten, wenn diese die Forderungen der Militärbehörden der Verbündeten loyal erfüllt.

Die glänzenden Siege, die von den Sowjettruppen im Großen Vaterländischen Krieg errungen wurden, haben die Reckenkraft der Roten Armee und ihre hohe militärische Meisterschaft gezeigt. Unser Heimatland hat im Verlauf des Krieges eine erstklassige Kaderarmee erhalten, die fähig ist, die großen sozialistischen Errungenschaften unseres Volkes zu behaupten und die Staatsinteressen der Sowjetunion zu sichern.

Obwohl die Sowjetunion fast vier Jahre lang einen seinem Ausmaß nach beispiellosen Krieg führt, der kolossale Aufwendungen erfordert, erstarkt und wächst unsere sozialistische Volkswirtschaft, und die Wirtschaft der befreiten Gebiete, die von den deutschen Okkupanten ausgeraubt und zerstört worden ist, wird erfolgreich und schnell wiederaufgerichtet. Das ist das Ergebnis der heldenhaften Anstrengungen der Arbeiter und Kollektivbauern, der Sowjetintellektuellen, der Frauen und der Jugend unseres Landes, die von der großen bolschewistischen Partei beseelt und gelenkt werden.

Der von den deutschen Imperialisten entfesselte Weltkrieg geht seinem Ende entgegen. Der Zusammenbruch Hitlerdeutschlands ist Sache der allernächsten Zukunft. Die Hitlerschen Machthaber, die sich schon Beherrscher der Welt wähnten, stehen vor dem Scherbenhaufen. Die tödlich getroffene faschistische Bestie liegt in den letzten Zügen. Die Aufgabe besteht jetzt darin, der faschistischen Bestie den Rest zu geben. Kämpfer der Roten Armee und Kriegsmarine! Der letzte Sturm auf die Hitlerhöhle ist im Gange. Liefert in den abschließenden Kämpfen neue Beispiele von kriegerischem Können und Kühnheit. Schlagt noch kräftiger auf den Feind ein, zertrümmert kunstgerecht seine Verteidigungsanlagen, verfolgt die deutschen Okkupanten und kreist sie ein, gönnt ihnen keine Atempause, bevor sie nicht den Widerstand einstellen.

Seid besonders wachsam jetzt, wo ihr euch außerhalb der Grenzen des Heimatlandes befindet!

Haltet nach wie vor die Ehre und Würde des Sowjetkriegers hoch!

Werktätige der Sowjetunion!

Vervielfacht durch zähe und unermüdliche Arbeit die allseitige Unterstützung der Front. Heilt schnell die Wunden, die der Krieg dem Lande geschlagen hat, stärkt noch mehr die Macht unseres Sowjetstaates!

Genossen Rotarmisten und Matrosen der Roten Flotte, Sergeanten und Obermaate, Offiziere der Armee und Flotte, Generale und Admirale! Werktätige der Sowjetunion!

Im Namen der Sowjetregierung und unserer bolschewistischen Partei begrüße und beglückwünsche ich euch zum 1. Mai.

Zu Ehren der historischen Siege der Roten Armee an der Front und der großen Erfolge der Arbeiter, Kollektivbauern und Intellektuellen im Hinterland, zur Feier des internationalen Festtages der Werktätigen

BEFEHLE ICH:

Heute, am 1. Mai, ist in den Hauptstädten der Unionsrepubliken: Moskau, Kiew, Minsk, Baku, Tbilissi, Eriwan, Aschchabad, Taschkent, Stalinahad, Alma-Ata, Frunse, Petrosawodsk, Kischinew, Vilnius, Riga und Tallinn sowie in den Heldenstädten: Lenin grad, Stalingrad, Sewastopol und Odessa ein Salut von zwanzig Artilleriesalven abzufeuern.

Es lebe unsere machtvolle Sowjetheimat!

Es lebe das große Sowjetvolk, das Siegervolk!

Es lebe die siegreiche Rote Armee und Kriegsmarine!

Ewiger Ruhm den Helden, die in den Kämpfen für die Freiheit und Unabhängigkeit unseres Heimat Landes gefallen sind!

Vorwärts zur endgültigen Niederwerfung Hitlerdeutschlands!

Der Oberste Befehlshaber
Marschall der Sowjetunion
J. Stalin

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